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  1. AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #21
    Mitreisende: oesine63
    Noch ein Mitleser, wie schön! Dann will ich mal weiterschreiben ...


    18.8., Kutjaure – Låddejåkkå

    Es hat viel geregnet letzte Nacht, auch die Temperatur ist fühlbar gesunken. Meine Blessuren haben sich ein wenig erholt, es kann also weitergehen. Der Stugvärd hat vor der Hütte ein kleines Beet mit Rucola angelegt. Unter seinen Augen stiebitze ich ein Blatt, er lacht, ich schwelge, mmmmh, tack så mycket, Anders!

    Wieder ist es 8 Uhr, als ich losstarte, die Südtiroler sind schon längst weg. Heute ist es sehr windig und ich bin froh über mein Stirnband. Ab und zu kommt die Sonne durch die dunklen Wolken - mir gefällt dieses Wechselspiel des Lichts.


    Kutjaure






    Rentiere - leider zu weit entfernt

    Der Wind bläst mich manchmal fast von den Bohlenwegen, obwohl ich nicht zu den Fliegengewichten gehöre. Nach ca. 1,5 Stunden auf und ab komme ich zu den drei Brücken über den Vuojatädno, nach denen auch der Padjelantaleden von Akka / Kisuris kommend einmündet. Durch den Wechsel von Regenschauern und Sonnenschein entsteht eine magisch schöne Lichtstimmung in Richtung Sallohaure und der dortigen Samisiedlung.













    Eine ältere Schwedin kommt mir entgegen, mit der ich ein paar Worte wechsle sowie ein Trailrunner, dem ich gerade noch aus dem Weg gehen kann. Es geht langsam, aber stetig den Hang hoch, ich brauche langsam eine Trinkpause. Der Blick auf den Vuojatädno ist atemberaubend, hier sieht er mehr wie ein kleiner See als ein Fluss aus. Ganz hinten im Westen leuchtet der Schnee von den Bergen. Ob das bereits Norwegen ist? Der Weg wird steiler, mir bricht wieder der Schweiß aus. Dann tritt der riesige Vastenjaure in mein Blickfeld, ebenfalls umsäumt von schneebedeckten Bergen – so schön! Im See ganz vorne befindet sich eine Insel mit ein paar Häuschen drauf. Es geht gnadenlos nach oben und ich muss gewaltig schnaufen. Mir kommen zwei junge Männer entgegen, die beide ganz schön müde dreinblicken.


    Vastenjaure


    Blick zurück

    Dann ist der endlos scheinende Aufstieg endlich bewältigt, die Landschaft wird flacher und es sieht hier fast aus wie auf einer mitteleuropäischen Almwiese. Wo sind bloß die Kühe??? Der Weg schwenkt nach links und ich passiere einen Rentierzaun. Gleich darauf erwischt mich eiskalt ein Regenschauer, der sich gewaschen hat. Bis ich den Rucksack abwerfe und die Regenklamotten anziehe, bin ich schon fast nass bis auf die Haut. Zudem bläst der Wind hier heftig und meine Hände frieren. Nochmals Rucksack absetzen und die Handschuhe suchen? Nein, einfach schneller laufen, dann wird’s auch wieder warm. Viele der Bohlenwege stehen verdammt schräg. Bevor es mich auf den Allerwertesten haut, gehe ich lieber öfter im Matsch daneben. Ein hochgewachsener Hüne kommt mir mit einem Höllentempo entgegen und ist nach einem knappen Gruß schon wieder hinter der nächsten Kuppe verschwunden. Er hat einen riesigen Rucksack und trägt sogar vorne links und rechts Packtaschen. Woher/wohin der wohl unterwegs ist? Der Regen macht eine Pause und ich auch, mein Magen verlangt Nachschub.







    Etwas später komme ich an die Stelle, wo der alte Weg von Kisuris rüberkommt. Hier muss man durch einen kleinen Bach, der wunderschön von Felsblöcken umrahmt wird. Das Wasser ist ganz seicht, ich muss nicht mal aus den Schuhen. Der Weg führt nun leicht abwärts. Ich bin müde und meine Füße tun schrecklich weh. Zum Glück kommt kurz die Sonne raus, das schraubt meine Motivation nochmals in die Höhe.




    Blick zurück

    Ein Blick auf die Karte verrät mir, dass es gar nicht mehr weit bis zu den Hütten ist. Diese kommen auch bald in Sicht, sie liegen wunderschön am Låddejåhkå, der in Richtung Vastenjaure mäandert. Der finale Abstieg fährt mir noch gewaltig in die Zehen, ist aber bald geschafft. Als ich mich auf die Treppenstufe der Hütte niederlasse, ist es 13:55. Ich entledige mich der Schuhe und des Regenzeugs und betrete die Hütte.


    Die Hütten - endlich!


    Vastenjaure


    Angekommen!

    Die Hütten des BLT (Badjelánnda Laponia Turism) sind ganz anders als die des STF. Sie erscheinen mir großzügiger, die Zimmer sind sehr freundlich und hell und mit bunter Bettwäsche bestückt, die Küche ist ziemlich groß. Leider gibt es keine Möglichkeit, einen Ofen zu heizen, dafür hat jeder Raum einen mit Gas betriebenen Heizkörper, wie ich ihn bereits von den Trockenräumen kenne. Die Südtiroler sitzen bereits bei ihrem Essen am großen Tisch. Außer ihnen ist erst ein schwedisches Paar hier. Die beiden laden mich wieder in ihr Zimmer ein, doch ich will ihnen ein wenig Privatsphäre gönnen und suche mir ein kleines Zimmer aus. Werfe meinen Rucksack rein und esse erst mal Suppe und trinke Tee mit den beiden. Das Wetter wechselt halbstündlich, von Sonnenschein bis heftigem Regen ist alles dabei.

    Dann trudeln nach und nach Leute ein, einige zelten vor dem Haus, andere entern die Hütte. Die Stugvärdin kommt vorbei, kassiert und stellt einen Karton auf die Anrichte in der Küche. Darin sind ein paar zu erstehende Lebensmittel in handlichen Portionen, zB Müsli oder Nudeln. Von meinem Zimmer aus sehe ich bekannte Gestalten den steilen Hang runterkommen. Es ist die Familie vom Bodensee, die ich im Bus nach Ritsem getroffen habe. Sie haben das Boot in Änonjalme verlassen und haben unterwegs gezeltet. Die Mutter schreitet voller Elan voran, die beiden Männer zockeln müde und in Serpentinen hinterdrein, man sieht ihnen Müdigkeit und Schmerzen förmlich an. Sie erzählen von nassen Zeltnächten und leichtem Frost am Morgen. Heute zelten sie nicht, sondern kommen in die Hütte, verstauen die nassen Sachen im Trockenraum und genießen den Luxus eines Bettes. Auch ich genieße Luxus, und zwar in Form eines Zimmers für mich allein. Den ganzen Nachmittag kommen zwar immer wieder Leute, aber niemand zu mir ins Zimmer (auch die Südtiroler bleiben übrigens für sich). Mein Tüten-Abendmahl verzehre ich in meinem Privatgemach, da in der Küche zu viel Rummel ist. Die Katzenwäsche erledige ich auch indoor, da draußen gerade wieder einmal sehr viel Nass vom Himmel fällt. Schon sehr bald falle ich in einen tiefen Schlaf.

  2. Fuchs
    Avatar von Pfiffie
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    AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #22
    Irgendwie mag ich diese Art von Kennenlernen. Es hat so etwas wie Bestimmung, Wir haben uns da gesehen und dort wieder getroffen, dann haben wir das gemacht usw.. ich habe da auch viele Erinnerungen der letzten beiden Jahre. Die Hütten vom BLT gefallen mir auch wesentlich besser, da kommen ja noch richtige Schätze auf deinem Weg, bin gespannt wie es dir dort ergangen ist
    "Freiheit bedeutet, dass man nicht alles so machen muss wie andere"

  3. AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #23
    Zitat Zitat von Pfiffie Beitrag anzeigen
    Irgendwie mag ich diese Art von Kennenlernen. Es hat so etwas wie Bestimmung, Wir haben uns da gesehen und dort wieder getroffen, dann haben wir das gemacht usw.. ich habe da auch viele Erinnerungen der letzten beiden Jahre. Die Hütten vom BLT gefallen mir auch wesentlich besser, da kommen ja noch richtige Schätze auf deinem Weg, bin gespannt wie es dir dort ergangen ist
    Ich finde es auch besonders nett, wenn man über die Jahre immer wieder die selben Leute irgendwo in der Pampa trifft. Einmal hat mich eine junge Frau in der Sauna von Saltoluokta angesprochen und wir sind dann draufgekommen, dass wir einen Winter davor schon in Sälka miteinander geplaudert haben . Großteils sind ja eh gleichgesinnte Menschen unterwegs, mit denen man gut kann, Ausnahmen und schräge Gestalten gibts natürlich auch, wie zB Sausemann berichten konnte

    Ich mag es auch, mich abends in den Hütten mit anderen Wanderern auszutauschen, und das funktioniert am besten, wenn man alleine unterwegs ist, da haben manche weniger Scheu, einen anzusprechen (ist zumindest meine Erfahrung).

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    AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #24
    Oh, wie fein, den Weg mit Dir jetzt noch mal zu gehen, den ich in anderer Richtung im Sommer lang bin! Ist immer wieder klasse, wenn man in anderen Berichten die selben Seen, Flüsse, Hütten usw. sieht. Aber doch wieder in anderem Licht. Und jede Beschreibung ist immer wieder neu, weil jeder den Weg doch anders sieht, erlebt und wahrnimmt, und auch wieder andere Sachen entdeckt. Oder kurz gesagt: Ich freu' mich total über Deinen Bericht!

  5. AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #25
    Hi Anne, schön dass du noch immer mitliest . Dir gebührt ein extra Dankeschön für den dezenten Tritt in meinen Allerwertesten, dass ich überhaupt erst angefangen hab mit dem Bericht . Es ist zwar zeitraubend, all die Bilder hochzuladen und das Tagebuch gibt oft nur lückenhafte oder ungenaue Auskünfte preis, aber es macht trotzdem Spaß und ich erlebe diese Tour jetzt nochmal in meinem Kopf. Hach, Wehmut ....

  6. Erfahren

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    AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #26
    Danke fürs Mitnehmen. Liest sich gut. Ich warte schon gespannt auf die Fortsetzung.

  7. AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #27
    Hallo Leser, schön dass du dabei bist. Gleich geht's weiter ....

  8. AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #28
    19.8., Låddejåkkå – Árasluokta

    Heute bin ich faul und bleibe noch länger liegen. Erstens ist die Etappe kürzer als die der letzten beiden Tage, zweitens regnet es. Gegen 8:30 breche ich auf, gleich im Regenzeug. Es nieselt und aus dem Sarek zieht eine graue Regenfront heran. An der Wasserstelle fülle ich noch meine Trinkflasche, dann geht’s los, gleich mal über die Brücke über den Låddejåhkå, der spektakulär zwischen den Felsen herunterdonnert und Löcher in die Felsen wäscht. Gestern konnte ich vom Gegenhang schon sehen, dass es heute wieder kräftig nach oben geht. Ich muss das Tempo gut dosieren, sonst verschieße ich gleich am Tagesanfang meine Körner und erhole mich den ganzen Tag nicht mehr richtig. So trotte ich also langsam den Hang nach oben und meine Rechnung geht auf. Warmgelaufen fühle ich mich heute seltsam leicht, so als hätte ich ein irgendein schweres Teil in der Hütte vergessen. Trotz teilweise unangenehmen Regens fühle ich mich wohl und das Gehen macht mir Spaß. Der Weg führt vorbei an Rentierzüchterhütten, Brennholzhaufen und einem Rentierzaun.


    Chaos




    Wie Schweizer Käse ...


    Blick zurück zur Hütte


    Brücke über den Låddejåhkå


    Sauwetter im Sarek

    Manchmal verlasse ich ein Stück den Weg, um nach links zum wunderbar ausgewaschenen Bachbett auszuweichen, das einfach schön anzusehen ist. Sehr bald bin ich auf einer Ebene (Pårka) und es wird wieder sumpfig, aber es ist alles mit Bohlen ausgelegt und leicht zu gehen. Dann kommt auch schon die Steinformation in Sicht, von der wohl in jedem Bericht Bilder kursieren. Auch ich mache pflichtschuldigst ein paar Bilder, die aufgrund der Wetterlage allerdings nicht so gut rüberkommen, und nütze die Gelegenheit auch gleich eine kurze Snack- und Trinkpause.


    Pårek





    Jetzt noch ein paar Hügel und dann ist es soweit, ich bin auf der „Passhöhe“, ab jetzt führt der Weg entlang eines Rentierzaunes bergab. Ein Schild weist mir den Weg bis zu meinem Tagesziel mit 7km aus. Der Anblick, der sich von hier bietet, macht mich schier sprachlos. Da liegt er vor mir, der große Virihaure! Ich kann mich kaum sattsehen, muss immer wieder stehen bleiben und staunen. Wie bestellt kommt sogar ein wenig die Sonne raus und beleuchtet diese unglaubliche Szenerie. Ich entledige mich bald der Regenklamotten, es ist nun windstill und warm. Der Miellädno, der sich in den großen See entleert, sieht von hier oben ganz türkis aus, davor die grünen Sumpfgräser, die Strauchweiden und was weiß ich noch was, einfach eine Symphonie in verschiedenen Grüntönen, wunderbar! Eine längere Pause ist leider nicht möglich, da mich sofort die Moskitos umschwärmen, also weiter.


    Letzter Anstieg




    Virihaure!


    Herzliche Markierung




    50 shades of green


    Brücke über den Miellädno in Sicht

    Dann bin ich auch schon unten an der Brücke. Der Miellädno macht einen Mordswirbel, wie es sich für einen Fluss seiner Größe geziemt. Eine Strömung hat der, Respekt!




    Blick zurück

    Der Weg führt nun wieder leicht bergan und zieht sich mehr als erwartet, muss man doch um den Berg Áras herumlaufen. Entschädigt werde ich mit grandiosen Ausblicken über den See und die schneebedeckten Berge des Rago Nationalparkes dahinter. Ab und an führt der Weg durch fast mannshohes Weidengestrüpp, wo Wegelagerer in Form von Moskitos und noch größeren Brummern (keine Ahnung ob die stechen) auf mich lauern. Ich sehe zu, dass ich immer in Bewegung bleibe, um den Biestern die Landung auf meiner Haut schwer zu machen. Ein paar Stiche kriege ich trotzem ab. Dafür dass ich bisher keinerlei Mückenmittel verwende, ist die „Ausbeute“ eigentlich harmlos.


    Miellädno, Virihaure, Rago

    Dann sehe ich plötzlich die Sami-Siedlung und die DNT-Hütten von Árasluokta. Sehr schön, nur noch den Hügel hinab und ich bin da. (Für den heutigen Tag fehlt die Ankunftszeit in meinem Tagebuch, aber ich schätze es war kurz nach 13 Uhr). Hier sind mehrere Hütten vorhanden, kleiner und größere. Es wirkt total verlassen, auch in der Sami-Siedlung bewegt sich nichts. Wenn ich nicht wüßte, dass die Südtiroler schon da sein müssen, könnte ich glatt meinen, das ganze Dorf ist mein . Da auch kein Stugvärd in Sicht ist, beziehe ich eine der kleineren 4-Bett-Hütten und koche mir erst mal eine Suppe mit Kartoffelpürree. Hab mächtig Kohldampf, heute habe ich unterwegs nur eine Rippe Schokolade verzehrt.


    Hütten in Sicht!






    Home sweet home

    Später suche ich noch den Badeplatz am Árasjåhkå auf. Hier gibt es einen Holzverschlag wie in Vaisaluokta. Bei herrlichstem Sonnenschein steige ich in die Fluten und bald darauf erfrischt und sauber wieder raus. Bei Sonnenschein geht’s aber auch leicht . Angeblich soll man von hier manchmal einen Elch sichten können, mir zeigt er sich leider nicht.

    Gegen 18 Uhr geht plötzlich wieder ein heftiger Schauer nieder, gerade als die Familie vom Bodensee ankommt und sich wieder für eine Hütte entscheidet. Ich reisse meine nasse Wäsche von der draußen gespannten Leine und heize statt dessen den Gasheizkörper im winzigen Trockenraum an. Kurz darauf kommt die Stugvärdin vorbei, eine reizende ältere Dame, und kassiert die Übernachtungsgebühr. Leider hat sie keinen Räucherfisch zu verkaufen, nur Rentierfleisch und Fladenbrot. Hmmm, hätte ich Tubenkäse dabei, wäre für mich Vegetarierin wenigstens das Brot eine Option. Na egal, vielleicht klappt es morgen in Stáloluokta mit dem Fisch.

    Nach 21 Uhr sehe ich vom Fenster aus einen Sonnenuntergang, der mich dazu hinreißt, nochmals rauszugehen und ein Stück den Hang für ein paar Fotos hochzusteigen. Es lohnt sich, die Mücken sind aber dermaßen aggressiv, dass es mich sehr bald wieder in die blutsaugerfreien vier Wände zurücktreibt.









    Zufrieden krieche in meinen Schlafsack und tauche ab ins Land der schönen Träume. Gute Nacht!

  9. AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #29
    20.8., Árasluokta – Stáloluokta

    Habe geschlafen wie ein Baby und schäle mich aus dem Schlafsack. Hey, das Wetter sieht ja prächtig aus! Aber erst gibt es Frühstück. Ich habe mir über den Sommer einige Früchte gedörrt, mit denen ich jetzt jeden Tag meine Haferflocken aufpeppe, mit etwas Variieren wird es nie fad.



    Dann wird gepackt, das läuft jetzt schon wie am Schnürchen. Ich fege und feudle mein Knusperhäuschen, damit es meine Nachmieter auch so fein vorfinden wie ich es genossen habe.



    Um 8:40 laufe ich hinein in den wunderschönen Tag, heute nur im T-Shirt. Ich treffe noch den 17jährigen Sohn der Bodenseeer, der geradeBeeren für’s Frühstück sammelt. Kaum habe ich die Brücke über den Árasjåhkå überquert, geht es hoch und über viele glatte Felsrippen. Es mutet fast alpin an und ist nicht zu unterschätzen. Ich habe optimale Bedingungen, doch bei Regen und mit matschigen Schuhen muss man sicher höllisch acht geben.









    Ich arbeite mich langsam den Berghang nach oben und genieße den fantastischen Ausblick über die Bucht und all die kleinen namenlosen Seen. Auf der anderen Seite der Bucht tost der Miellädno in den See, ich höre ihn bis hierher, kleine Wölkchen umrahmen die Szenerie. Dann folgen ein paar nasse und rutschige Passagen, wo ich ein wenig aufpassen muss wo ich hintrete. Aber alles kein Problem, nur unendlicher Genuss!




    Auf der anderen Seite der Bucht stürzt sich der Miellädno in den Virihaure



    Ich bleibe kurz stehen und halte inne. Es ist einfach herrlich. Wenn die diversen Geräusche des Gehens verstummen, das Knarzen des Rucksacks, das Rascheln der Hose beim Aneinanderstreifen der Hosenbeine, das Klappern der Stöcke, das Schnaufen. Wenn all das zur Ruhe kommt, dann hört man nur mehr das Murmeln eines nahen Baches, das Rauschen eines weit entfernten Wasserfalles oder das Fiepen eines Vogels. Es ist diese außerordentliche Stille hier, die der Seele und den sonst rotierenden Gedanken so gut tut. Sie ist quasi der Putztrupp für den Geist stressgeplagter Mitteleuropäer. Das ist einer der Gründe, warum ich so gerne im Norden herumstreife. Keine Störung durch Telefon und alle weiteren Kommunikationskanäle (außer den Kurznachrichten über mein InReach), fast keine News über das Weltgeschehen, nicht viele Ablenkungen von den wirklich wesentlichen Bedürfnissen, mit denen man trotzdem gut beschäftigt ist. Ich genieße also …

    Es hat gefühlte 20°, auch in den Pausen habe ich nicht das Bedürfnis, die Jacke überzustreifen. Weit und breit ist keine Menschenseele zu sehen. Dann stehe ich oben und der Blick öffnet sich auf die nächste Bucht nach der Landzunge, dort irgendwo ganz links muss Stáloluokta liegen.









    Der Weg führt nun steil bergab und ich komme an einen Fluss, der sich aus dem Dijddervagge entleert. Ein wunderbarer Platz, wo sich gerade zwei Wanderer niedergelassen haben. Ein kleiner See, von riesigen Steinen und Sumpflandschaft umrahmt, zum Niederknien! Ich laufe noch ein Stück weiter, die Sonne brennt runter und ich beschließe, die Gunst der Stunde zu nutzen. Gleich neben dem Weg und mit Blick auf den nächsten kleinen See lasse ich mich auf einer großen Steinplatte nieder und koche mir eine Suppe. Als ich diese löffle, kommt aus Richtung Stáloluokta eine 4er-Gruppe Schweden vorbei – heute ist aber echt was los! Hatte ich nicht gerade gemeint, es wäre keine Menschenseele zu sehen?

    Mann ist es hier schön! Am liebsten würde ich gar nicht mehr weitergehen – einer der wenigen Momente wo ich mein Zelt vermisse.






    Auch im Tod noch schön ...





    Nach einer ausgiebigen Rast rapple ich mich wieder hoch und mache mich auf den Weiterweg, ganz fasziniert von diesem wunderschönen Tag. Was kann diesen noch toppen? Genau, ein riesiges Moltebeerenfeld! Flugs ist der Rucksack wieder abgeworfen und ich schwelge im Genuss und fülle meine Vitaminspeicher auf, ich kann mich nur schwer davon losreissen.
















    Dann treffe ich nochmals zwei Leute, das ist das höchste Verkehrsaufkommen bisher. Der Weg senkt sich langsam bergab, entlang von krüppeligen Birken und Weidengestrüpp, teilweise auf gemütlichen Bohlenwegen. Ich komme nochmals an Moltebeeren vorbei und MUSS einfach halten und genießen. Dabei übersehe ich fast, dass sich eine fiese Regenfront aus Südwest nähert. Jetzt aber flott! Kurz vor der Samisiedlung sind die bergabführenden Bohlenwege mit Querrippen aus dicken Stahlstangen bestückt, eine kluge Idee. Es dauert eine Weile, bis die ganze Siedlung durchquert ist und ich an Parfas Kiosk (noch geschlossen) und am Heliport vorbeilaufe. Auf den letzten Schritten bergan zur Hütte platscht mir der erste fette Regentropfen ins Gesicht. Punktlandung sozusagen. Leider findet sich in meinem Tagebuch kein Hinweis auf die Ankunftszeit, ist aber auch nicht so wichtig.






    Noch ein paar Schritte ....


    Dort oben steht Parfas Kiosk

    Die Südtiroler finde ich wie immer beim Essen vor. Suche mir ein kleines Zimmer und richte mich ein. Als die Stugvärd-Kabine öffnet, stelle ich mich in die Reihe der Wartenden und bestelle bei der Stugvärdin Anne-Li geräucherten Fisch und Fladenbort. Endlich Abwechslung in meinem Speiseplan!

    Ich frage sie auch, ob mein bisheriger Tourenpartner J. eine Nachricht für mich hinterlassen hat. (Gemäß unserer jeweiligen Wanderpläne war die Möglichkeit groß, dass sich unsere Wege hier und heute kreuzen und wir hatten vereinbart, uns über den Stugvärd Nachrichten zu hinterlassen. Im Gästebuch ist kein Eintrag von ihm zu finden). Sie verneint. Wie es der Zufall will, hören das die direkt hinter mir anstehenden Leute, ein Paar aus München, und erzählen mir, dass sie ihn in einer der Hütten (in welcher hab ich vergessen …) in Richtung Kvikkjokk getroffen hätten. Er hätte seine Sarek-Pläne aus Wettergründen verworfen, dann war noch was mit einem rutschigen Schneefeld (er kam aus Richtung Ny Sulitelma). Na gut, ich werde es spätestens nach meiner Reise erfahren, Hauptsache ich weiß dass er ok ist. Dazu muss ich anmerken, dass der Knabe die 80 bereits seit Jahren überschritten hat (daher auch der große Wiedererkennungswert), ein überaus zäher Kerl! Der/die eine oder andere von euch ist ihm im Laufe der Jahre sicherlich schon über den Weg gelaufen, er ist immer noch jedes Jahr, Sommer wie Winter, dort oben unterwegs.

    Ich laufe rüber zu Parfas Kiosk, um meine Vorräte aufzustocken und fettige Kartoffelchips zu essen (was für ein Genuss, obwohl ich sonst eher nicht darauf stehe).

    Zurück in der Hütte hole ich den bestellten Fisch ab und frage Anne-Li nach dem Wetterbericht für die nächsten zwei Tage. Für Staloluokta sieht es ganz brauchbar aus, meint sie. Mein grober Tourenplan sieht für morgen einen Abstecher zur Sårjåsjaurestugan vor und übermorgen wieder zurück hierher. Die Konsul Persson-Stuga wollte ich immer schon besuchen, seit ich Bilder davon gesehen habe. Den Heli nach Kvikkjokk reserviere ich vorsorglich für übermorgen Abend.

    Nach dem Essen (der Fisch ist köstlich, salz- und grätenreich), gehe ich noch in die Sauna am Fluss, meine Haare benötigen dringend eine Wäsche. Die Hitze tut echt gut, das kalte Bad im Fluss ebenfalls. Zurück im Zimmer, das immer noch mir alleine gehört, heize ich den Gasofen an und spanne die Wäscheleine, damit das Handtuch bis morgen wieder trocken ist (der Trockenraum ist hoffnungslos überfüllt).

    Draußen geht mittlerweile der x-te Regenschauer nieder. Im Aufenthaltsraum stöbere ich noch in Büchern und Magazinen herum und entdecke so nebenbei, dass offensichtlich gerade zwei Hüttenbücher parallel im Umlauf sind. Im zweiten finde ich auch den Eintrag von J.. Als es dunkel wird, ziehe ich mich wieder in mein Zimmer zurück. Hellhörig ist die Bude hier, gleich neben mir ist die Küche, in der noch sehr lange geklappert wird und auch aus dem nebenan liegenden Zimmer höre ich fast jedes Wort. Merke: Nie wieder ein Zimmer neben der Küche beziehen ! Zum Glück gibt es Ohrstöpsel.

  10. Gerne im Forum
    Avatar von Sausemann
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    AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #30
    Zitat Zitat von oesine63 Beitrag anzeigen
    Ich bleibe kurz stehen und halte inne.... Es ist diese außerordentliche Stille hier, die der Seele und den sonst rotierenden Gedanken so gut tut. Sie ist quasi der Putztrupp für den Geist stressgeplagter Mitteleuropäer.
    Ohja Innegehalten haben wir an diesem Punkt der Strecke in einem fort. Sehr schöne Worte für die absolute Entspannung und die Hirnmassage, die diese Weiten in einem auslösen.

    Zitat Zitat von oesine63 Beitrag anzeigen
    Mann ist es hier schön! Am liebsten würde ich gar nicht mehr weitergehen – einer der wenigen Momente wo ich mein Zelt vermisse.
    Wirklich ein traumhafter Fleck. Wir haben dort auch länger Pause gemacht. Aber sei froh dort nicht gezeltet zu haben. Laurent war im Vorjahr zurgleichen Zeit, wie Du unterwegs und hat dort genächtigt. Er meinte noch nie so viele Mücken auf einem Platz erlebt zu haben.

    Ansonsten weiterhin sehr schön geschrieben. Bin gespannt wie es weitergeht.

    Viele Grüße
    Sause

  11. Dauerbesucher
    Avatar von Blahake
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    AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #31
    So schön!!!

  12. AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #32
    Zitat Zitat von Sausemann Beitrag anzeigen
    Ohja Innegehalten haben wir an diesem Punkt der Strecke in einem fort. Sehr schöne Worte für die absolute Entspannung und die Hirnmassage, die diese Weiten in einem auslösen.



    Wirklich ein traumhafter Fleck. Wir haben dort auch länger Pause gemacht. Aber sei froh dort nicht gezeltet zu haben. Laurent war im Vorjahr zurgleichen Zeit, wie Du unterwegs und hat dort genächtigt. Er meinte noch nie so viele Mücken auf einem Platz erlebt zu haben.

    Ansonsten weiterhin sehr schön geschrieben. Bin gespannt wie es weitergeht.

    Viele Grüße
    Sause
    Danke Sause! "Hirnmassage" trifft es aber auch sehr gut Da dann eh noch Regen kam, war ich nicht weiter traurig darüber, kein Zelt zu haben. Liebe Grüße von der oesine

  13. AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #33
    Zitat Zitat von Blahake Beitrag anzeigen
    So schön!!!
    Hi Anne, ich freu mich dass du immer noch mitliest und hoffe, es ist nicht zu langatmig ... Liebe Grüße!

  14. AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #34
    21.8., Stáloluokta – Kvikkjokk

    Als ich aufwache, fühlen sich meine Beine schwer und müde an. Mir ist eher nach Ruhetag als nach Laufen. Ich überlege eine Weile hin und her: Auch wenn ich mich heute überwinde und nach Sårjåsjaure laufe, morgen MUSS ich auf jeden Fall die 18km retour, um den Heli zu erreichen. Auf MUSS hab ich so gar keine Lust und rede mir prompt ein, man brauche ja auch für die nächsten Jahre noch lohnenswerte Ziele . Ich buche den Heli auf heute Abend um und genieße in aller Gemütsruhe mein Frühstück, schließlich bin ich auf Urlaub.

    Dann verabschiede ich mich von den Südtirolern, die dem Nordkalottleden weiter folgen . Auch das Paar aus München verabschiedet sich, allerdings in Richtung Norden, ich habe ihnen noch von der Strecke über Kutjaure vorgeschwärmt, obwohl sie eigentlich vorhaben, über Aktse zu laufen.

    Der Stugvärd Sven-Ingvar, der sich den Dienst mit seiner Frau teilt, erlaubt mir, das Zimmer bis zum Nachmittag zu nutzen. Ich spaziere rauf zur Kyrkkåta. Irgendwie ist es kälter geworden, ich fröstle. In Richtung Stáddájåhkå / Sårjåsjaure hängt eine graue Regenfront, ich bin ganz zufrieden mit meiner Entscheidung für den Ruhetag. Zurück im Zimmer lade ich meine Geräte mittels Powerbank, lese, schreibe, sehe den Regenwolken zu, die die Natur mit frischem Nass versorgen. Als am Nachmittag die ersten Wanderer in die Hütte rumpeln, packe ich meine Sachen und mache das Zimmer sauber. Am Vormittag habe ich schon den Gang gekehrt und nass gewischt. Hier sind die zu säubernden Areale nach Zimmernummern aufgeteilt, was ich nicht optimal finde. Was bringt es, wenn du die Küche sauber machen sollst, aber früh aufbrechen musst?.











    Eine trübe graue Wolkensuppe treibt über den Himmel, der Wind frischt auf und schon schüttet es wieder. Die ersten drei Wandertage hatte ich auch Regen, aber nicht, dass der Himmel derart seine Schleusen geöffnet hätte wie jetzt. Genauso schnell wie er gekommen war, ist der Schauer wieder vorbei. Es hat laut Thermometer 12°, wirkt aber viel kühler.

    Ich stelle meinen Rucksack vor das Haus und warte dass die Zeit bis zum Abflug vergeht. Gehe nochmals zur Kyrkkåta hinauf. Der Wind bläst und ich friere. Hinter dem Virihaure ist alles grau vom Regen. Ich ziehe fast alle meine warmen Sachen an, schnappe den Rucksack und begebe mich zum Heliport. Es dauert eine Weile, bis zuerst Sven-Ingvar in seiner Funktion als Fiskflyg-Koordinator auftaucht. Er meint lapidar „winter is coming“. Der Besitzer von Parfas Kiosk kommt ebenfalls, er hat zwei schwarze Hunde dabei und trägt in jeder Hand einen Sack voller Fische. Endlich ist das Knattern der Rotoren zu vernehmen und dann geht alles sehr schnell. Der Heli landet auf dem dafür vorgesehenen Plateau, zwei Gäste mit Rucksack steigen aus, der Kiosk-Mann wirft die Fischsäcke hinten in den Laderaum, ich meinen Rucksack hinterher und dann darf ich – da einziger Fluggast – vorne beim Piloten Platz nehmen. Ist das geil!!!!!











    Ich bekomme Kopfhörer aufgesetzt und schon geht’s los ab durch die Mitte. Der Flug ist unbeschreiblich schön, über unzählige Seen, Felsen, Wasserfälle, Sumpflandschaften, auch der Padjelantaleden ist manchmal auszunehmen, Hütten ebenfalls (ich habe im Nachhinein anhand der Karte eine Zuordnung versucht, bitte korrigiert mich wenn’s nicht stimmt). Das Wetter bessert sich von Minute zu Minute und später kommt sogar die Sonne raus. Ich bin überwältigt von den Eindrücken. Der Pilot ist noch ziemlich jung und ich frage ihn, ob es sehr schwierig ist, Heli-Fliegen zu lernen. Er grinst spitzbübisch und sagt: „Naja, es erinnert mich ein wenig daran, als ich als kleines Kind das Radfahren lernte. Zuerst schwitzt man Blut und kann sich nicht vorstellen, dieses Unding je zu beherrschen und wie du siehst, jetzt kann ich mich sogar schon ganz locker mit dir unterhalten während ich fliege“. Er fliegt über einen Bergrücken und ein anderes Tal weiter. Da taucht auch schon das Delta von Kvikkjokk auf, viel zu schnell ist der Zauber vorbei. Vor lauter Verzückung und voller Bilder im Kopf, die ich erst verarbeiten muss, vergesse ich fast, ins fiskflyg-Büro zu gehen, um meinen Flug zu bezahlen. Dann muss ich mich schnell einiger Kleiderschichten entledigen, hier ist es um Welten wärmer als oben in den Bergen!


    Abfluss aus dem Gieddávrre






    Festajávrre?




    Beim Vergrößern des Bildes sieht man Hütten, ich nehme an, es ist Darreluoppal?


    Dies könnte der See Buojdes sein?


    Tjuoldavágge?


    Das im Hintergrund müßte das Bårdde-Massiv sein




    Wir nähern uns Kvikkjokk


    Anflug auf den Heliport

    Bis zur Fjällstation laufe ich ca. 2km auf der Straße, vorbei an gepflegten Häusern und der wunderschönen Holzkirche.



    In der STF-Station leiste ich mir ein Zimmer und gehe auch ins Restaurant, gerade noch rechtzeitig bevor die Küche schließt. Ich genieße frischen Salat, ein Bier und irgendein Gemüsegericht, das ich mit Genuss verzehre. Zurück im Zimmer muss ich bald das Fenster schließen, einerseits weil es frisch geworden ist und andererseits wegen der donnernden Stromschnellen des Gamájåhkå gleich unterhalb des Hauses.

    Ich überlege noch, ob ich den gewonnenen Tag morgen hier in der Umgebung verbringen soll, etwa mit einer Bootsfahrt im Delta. Der Check der Wetterprognose rät mir aber, morgen gleich nach Norden zu starten, wenn ich eine Chance auf den Skierffe haben will. Ich lade die Powerbank wieder voll, verschicke ein paar Nachrichten und telefoniere mit meinem Mann. Bis spätnachts trudeln die Antworten ein. Was zuhause so normal ist, ist hier fast störend. Aber eben nur fast, denn sehr bald falle ich in einen tiefen, erholsamen Schlaf.

  15. Anfänger im Forum

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    AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #35
    Zitat Zitat von oesine63 Beitrag anzeigen
    Auf MUSS hab ich so gar keine Lust {...} schließlich bin ich auf Urlaub.
    Richtig so! Das ist in meinen Augen einer der ganz großen Vorteile dieser Art des Urlaub - nichts muss, alles kann bzw. komm' ich heut' nicht, komm' ich morgen

    Wieder sehr schöne Bilder dabei! Und dein Blick für's Detail...!

    Zitat Zitat von oesine63 Beitrag anzeigen
    Sehr schön!!

  16. Fuchs
    Avatar von evernorth
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    AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #36
    Ja, so ein Heli - Flug ist schon was Feines.
    My mission in life is not merely to survive, but to thrive; and to do so with some passion, some compassion, some humor and some style. Maya Angelou

  17. Erfahren

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    AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #37
    Zitat Zitat von oesine63 Beitrag anzeigen


    Noch jemand hier, der sich an das STF - Memory - Spiel erinnert fühlt? Ich bin mir sehr sicher, dass da ein sehr ähnliches Bild drin ist. Ich kann mich nur leider nicht mehr daran erinnern, wo die Karte liegt.

    Sehr schöner Bericht und schöne Fotos.

  18. AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #38
    Danke euch


    22.8. Kvikkjokk – Pårte

    Beim Frühstücksbuffet hau ich rein was geht, zumal meine Hose schon etwas locker sitzt. Um 8:30 bin ich dann abmarschbereit. Es ist sonnig und der Thermometer an der Wand zeigt 11°, als ich durch das Tor zum Kungsleden gehe. Noch schnell ein kurzer Abstecher zu den Stromschnellen und dann bin ich auf dem Kungsleden, juhuu!




    Das Tor zum Kungsleden

    Der Weg ist breit und sehr steinig, man merkt, dass hier sehr viele Leute unterwegs sind. Es geht durch Fichtenwald. Ich gehe nicht sehr gerne durch Wald, da es hier keine Orientierungspunkte gibt und ich nicht abschätzen kann, wie weit ich schon bin. Außerdem hab ich grundsätzlich gerne Weitblick. Der Weg ist manchmal sehr leicht zu laufen, dann wird es wieder biestig, steinig, nass. Ich komme an der Abzweigung zum Pårek vorbei und weiß nun, dass ich schon eine schöne Strecke zurückgelegt habe. Weiter geht’s durch Wald, über Steine, durch Matsch, irgendwie mühsam.



    Plötzlich taucht der Stuor Dáhtá hinter den Baumstämmen auf. Ich laufe runter zum Ufer, um eine kurze Pause zu machen. Es ist einfach wunderschön hier, der See könnte genausogut in Kanada liegen mit all dem Wald rundum und den Bergen im Hintergrund.


    Stuor Dáhtá

    Heute ist mein Tag der Düfte. Wenn man im Wald wenig visuelle Reize hat, übernimmt offensichtlich der Geruchssinn die frei gewordenen Kapaziäten. Angefangen von purem Nadelduft rieche ich Reste von Lagerfeuern der letzten Nacht, Tierkacke und plötzlich sowas wie After-Shave. Ich halte Ausschau nach einem frisch rasierten Wanderer, doch leider läßt sich keiner sehen

    Später läuft mir mitten im Wald ein Rentier über den Weg. Beide erschrecken wir im ersten Moment und starren uns an, das Rentier pieselt und läuft weiter, ich piesel nicht, laufe aber auch weiter.



    Dann rieche ich plötzlich Regen, kurze Zeit später beginnt es leicht zu tröpfeln. Ich brauche aber keine Regenjacke, denn die Pårtestugan taucht auf, idyllisch gelegen unter Bäumen auf einer Landzunge im Sjábttjakjávrre. Es ist 13:45 und als ich die Hütte betrete, kommt ein gewaltiger Schauer vom Himmel. Ich bin der erste Übernachtungsgast für heute. Die Stugvärdin Inger zeigt mir, wo ich alles finde und ich beziehe einen Schlafplatz im kleineren Zimmer.

    Als der Regen aufhört, will ich mir den Schweiß vom Körper waschen. Ich gehe zur Badestelle am Ende der Landzunge und tauche in die Fluten (nur kurz, weil brrrr) – der schönste Badeplatz bisher! Der See liegt jetzt ganz ruhig da, Wald und Berg spiegeln sich darin.






    Badestelle


    In der weißen Hütte lebt die Stugvärdin


    Im Hintergrund der Favnoaive und der Huornásij, zwischen denen ich morgen durchgehen werde



    Ich komme erfrischt zur Hütte zurück, wo gerade die nächsten Gäste eintrudeln. Es sind Österreicher, Vater und Sohn aus dem Salzburger Land. Die beiden sind sportliche und drahtige Typen und sehr sympathisch. Dann kommt noch ein junges, flippiges Paar aus der Schweiz, das zu mir ins Zimmer zieht.

    Irgendwann greife ich in die Tasche meiner Wanderhose und erstarre. Ich habe noch immer den Zimmerschlüssel von Kvikkjokk bei mir! Ich erzähle den Österreichern von meinem Missgeschick, die beiden nehmen den Schlüssel morgen mit und geben ihn bei der STF-Station ab. Zum Dank gebe ich ihnen von meinen gedörrten Köstlichkeiten ab und ich kriege im Gegenzug einen Schluck Gin aus dem Flachmann – hach, das Leben kann so schön sein

    Im Laufe des Abends kommen immer mehr Leute an und die Hütte ist rappelvoll, jedes Bett belegt, die Küche hängt voll mit nassen Klamotten, da immer wieder Schauer runterkommen. Ich höre von den Wanderern, dass jetzt ein großer Schub von Norden kommt, da viele eine Schlechtwetterfront in Saltoluokta ausgesessen haben und dann alle auf einmal gestartet sind. In Aktse haben die Leute angeblich teilweise in der Küche auf den Reservematratzen geschlafen.

    Der jüngere der Salzburger sägt Holz in der Holzhütte, ich helfe ihm und ich hacke es klein, ich liebe Holzhacken! Dann hole ich noch Wasser, bringe das Abwasser raus zu den dafür vorgesehenen Behältern und koche mir Wasser für mein Trekking-Abendmahl. Draußen bildet sich ein gewaltiger Regenbogen. Ich ziehe mich bald in mein Bett zurück, da es mir in der Küche zu sehr wuselt. Trotz der vollen Hütte kann ich gut schlafen, zum Glück ist kein Schnarcher dabei


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    AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #39
    Zitat Zitat von evernorth Beitrag anzeigen
    Ja, so ein Heli - Flug ist schon was Feines.
    Nur für den, der mitfliegt

  20. Dauerbesucher
    Avatar von Linnaeus
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    AW: [SE] Je ein Stück vom Glück: Nordkalott-, Padjelanta- u. Kungsleden, August

    #40
    Danke für den sympathischen Bericht, @oesine63!

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