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  1. AW: [NZ] Auf wilden Wegen durch Neuseeland

    #41
    Mitreisende: Wildniswanderer
    Zitat Zitat von Wildniswanderer Beitrag anzeigen
    Der Sonnenaufgang am Morgen ist dann aber ebenso spektakulär, mit lila- rosa gefärbten Wolken und dann den bereits orange leuchtenden, entfernten Bergen, während der Rest der Landschaft noch im Schatten liegt.




    Der Sonnenaufgang ist ebenso spektakulär
    Wahnsinn!

  2. Anfänger im Forum

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    AW: [NZ] Auf wilden Wegen durch Neuseeland

    #42
    Danke für den tolle Bericht, jede Mittag freue ich mich auf mein "Neuseland" Pause.
    Vielleicht schaffe ich es auch einmal dahin.
    Die Einladung zu mein Freund der in Takaka wohnt steht schon viel zu lange.
    Wie gesagt Danke

  3. Fuchs

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    AW: [NZ] Auf wilden Wegen durch Neuseeland

    #43
    Grandiose Landschaften!

    Und echt tolle Bilder!!!

    Mit was fotographierst du?
    Froh schlägt das Herz im Reisekittel,
    vorausgesetzt man hat die Mittel.

    W.Busch

  4. Erfahren
    Avatar von Wildniswanderer
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    AW: [NZ] Auf wilden Wegen durch Neuseeland

    #44
    Zitat Zitat von paddel Beitrag anzeigen
    Grandiose Landschaften!

    Und echt tolle Bilder!!!

    Mit was fotographierst du?
    Seit etlichen Jahren schon mit einer spiegellosen Systemkamera und ebenso wichtig, einem guten Objektiv dazu, 2,8, 12-40. Ausserdem ein Tele 100-300 mm.

  5. Erfahren
    Avatar von Wildniswanderer
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    AW: [NZ] Auf wilden Wegen durch Neuseeland

    #45
    Zitat Zitat von thedutch Beitrag anzeigen
    Danke für den tolle Bericht, jede Mittag freue ich mich auf mein "Neuseland" Pause.

    Wie gesagt Danke
    Super, das spornt mich an!

  6. Erfahren
    Avatar von Wildniswanderer
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    AW: [NZ] Auf wilden Wegen durch Neuseeland

    #46
    Zitat Zitat von Spartaner Beitrag anzeigen
    Wahnsinn!
    Ja, das waren wirklich fantastische Sonnenaufgänge und die weite Landschaft auf der Ostseite der Südalpen war der perfekte Kontrast zu den fast schon klaustrophobischen Dickichten auf der Westseite.

  7. Erfahren
    Avatar von Wildniswanderer
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    AW: [NZ] Auf wilden Wegen durch Neuseeland

    #47
    Am nächsten Morgen sieht die Landschaft wieder ganz anders aus, bleibt aber spektakulär!




    Am nächsten Morgen

    Die Abstiegsroute ist zunächst relativ flach, auf Matten mit kurzem Gras, aber bald schon wird es steil und wie immer in Neuseeland verdeckt das hohe Tussockgras alle Bodenunebenheiten, weshalb mal wieder der eine oder andere Sturz nicht ausbleibt...
    Etliche Felsabbrüche sind zu umgehen, aber immerhin komme ich langsam aber sicher voran. Weiter unten wächst dann dichter, unangenehmer Busch, der vor allem in den kleinen Bachtälern fast undurchdringlich ist.


    Abstieg ins Rakaia Tal

    Schließlich zeigen mir einige rote Pfähle, dass ich auf die Glenfalloch Route gelangt bin. Diese ist allerdings ziemlich zugewachsen, aber immerhin ist das Wandern einfacher als zuvor.
    Es ist bereits Mittag, als ich schließlich an den Rakaia gelange. Ich hatte eine mögliche Übersetzstelle schon von oben ausgemacht, mir ist allerdings sofort klar, dass ich hier ohne Packraft nicht rüber komme.
    Dann mache ich einen großen Fehler...
    Da ich mich am Rangitata sehr unwohl mit dem Rucksack vorne gefühlt hatte, will ich etwas anderes ausprobieren. Dazu muss ich sagen, das dieses kleine Packraft weniger Platz und Befestigungspunkte auf dem Bug hat, als ein "Normales". Ich beschließe also mein Gepäck ins Boot zu legen, und mich dann darauf zu setzen. Doch bevor ich losfahre, will ich einmal Probe sitzen. Dabei denke ich nicht an den Eispickel, an der Seite des Rucksacks. Dieser ist zwar nicht sehr scharf, aber die Bootshaut ist ziemlich dünn und daher macht es gleich pffff und die Luft entweicht aus einem langen Riss!
    Jetzt mache ich etwas ziemlich Dummes: Ich denke, ich muss unbedingt noch über den Fluss, bevor das Packraft platt ist, denn das Flickzeug habe ich zu Hause gelassen! Ohne den Rucksack festzumachen, was ich eigentlich getan hätte, lasse ich in Sekunden das Boot zu Wasser, und schwinge mich auf mein Gepäck. Kaum denke ich, dass sich das aber sehr kippelig anfühlt, als ich auch schon im Wasser liege. Glücklicherweise hatte ich ja erst abgelegt, und kann so gerade noch stehen, bekomme Boot und Rucksack zu fassen und wate zurück an Land. Glücklicherweise hatte ich zuvor alles Wichtige wasserdicht verpackt...


    Missgeschick am Rakaia

    Es ist windig und warm, daher hoffe ich, dass meine Kleidung halbwegs rasch wieder trocken ist. Allerdings wartet das Rakaia Problem immer noch auf eine Lösung...
    Ein Stück oberhalb ist auf meiner digitalen Karte eine Hängebrücke eingezeichnet, von der ich hoffe, dass sie auch tatsächlich noch vorhanden ist. Entlang des Ufers bahne ich mir meinen Weg über Felsen und durch dichte Vegetation und erblicke dann tatsächlich die Brücke, puh!


    Hängebrücke über den Rakaia

    Kurz davor ist allerdings der Ramsay in den Fluss gemündet, ein weiterer tiefer, schneller Gletscherfluss, an dessen Ufer ich bald gelange. Keine Chance ihn zu durchwaten, also beschließe ich flussauf zum Ramsay Lake zu wandern und hoffe, diesen Ursprungssee des Ramsay umrunden zu können.


    Am Ramsay Lake

    Über eine weite, zum Teil bewachsene Schotterebene gelange ich zur Westseite des Sees und beginne die Umrundung. Bald muss ich aber erkennen, dass die Ostseite so steil abfällt, dass der lose Kies dort wohl unpassierbar ist. Allerdings war mir schon aufgefallen, dass das Wasser am Ausfluss des Gletschersees in den Ramsay nicht besonders tief schien, also laufe ich zurück, um dort mein Glück zu versuchen.
    Der Wind treibt hohe Wellen aus dem Gletschersee in den Fluss, aber ich sehe Steine aus dem Wasser ragen und denke, dass es an der Schwelle vom See zum Fluss nicht zu tief ist. Inzwischen ist meine Kleidung auch wieder ziemlich trocken, daher ziehe ich mich komplett aus, um die Durchquerung anzugehen. Natürlich ist das Gletscherwasser eiskalt, dafür aber auch glücklicherweise nur oberschenkeltief, weshalb ich problemlos auf die andere Seite gelange, wo ich erst einmal vor Glück brülle! Nach dem Missgeschick mit meinem Packraft habe ich das große Hindernis des Rakaia nun doch überwunden!
    Bald bin ich zurück in der weiten Ebene, wo ich über das mit Schotter und Felsen bedeckte Gelände flussabwärts wandere.


    Die Flussebene des Rakaia

    Auf der anderen Flusseite erkenne ich jetzt gut Butler Saddle und meine Abstiegsroute.


    Butler Saddle und meine Abstiegsroute, rechts zwischen Grat und Schlucht

    Nachdem ich den Lauper Stream durchquert habe, gelange ich ein Stück weiter zum Lauper Biwak, einer kleinen Hütte am Talrand.
    Der letzte Besuch ist laut Hüttenbuch schon ein knappes Jahr her!


    Lauper Biwak

    Dennoch gibt es auf einem Regal im Hütteninneren unglaubliche vier Bierdosen, die ich erst einmal kalt stelle!
    Später feiere ich dann meinen Geburtstag mit zwei der Büchsen nach, welch ein Genuss!


    Geburtstagsgeschenke

    Das Packraft halte ich für völlig ungeeignet bei Touren wie ich sie unternehme. Es ist einfach zu leicht und wenig robust, das mag für stehendes Wasser noch halbwegs o.k sein, aber so bald man einen etwas wilderen Fluss damit überqueren will, hat man ein Problem, selbst wenn man nicht so dumme Sachen macht, wie ich heute.
    Ich habe keine Lust es weiter mitzuschleppen und glaube auch nicht dass ich ein geflicktes Boot gut verkaufen kann, daher schreibe ich einen Zettel, und wer am Lauper Biwak vorbei kommt, kann es gerne mitnehmen!
    Am nächsten Tag laufe ich im Tal des Lauper Stream aufwärts. Zunächst komme ich einfach und schnell im Kiesbett voran, doch bald wird das Tal steiler, ich muss den Bach einige Male durchwaten und Schluchten umgehen. Dabei muss ich mich auch schon Mal etwas durch den Busch kämpfen, aber insgesamt ist das Vorankommen hier viel einfacher als auf der Westseite.


    Ich wandere den Lauper Stream hoch

    Vor dem Whitcombe Pass, der auf lediglich 1239 m Höhe liegt, flacht das Gelände wieder ab und es geht durch eine recht weitläufige Graslandschaft. Leider regnet es jetzt und Nebel verhüllt die Landschaft teilweise. Dennoch beobachte ich ein Wiesel mit Beute im Fang, offenbar eines der schlimmsten ökologischen Probleme in Neuseeland.


    Vor dem Whitcombe Pass

    Als der Regen stärker wird, schlage ich bereits gegen Mittag mein Zelt unterhalb des Passes auf. Ich habe wenig Lust auf ein weiteres Regenabenteuer und hoffe, dass ich diesmal nicht überschwemmt werde...
    Tatsächlich regnet es kontinuierlich, aber schüttet nicht wie aus Badewannen, daher genieße ich lesend einen ruhigen Nachmittag im Zelt.
    Am Morgen ist es ziemlich kühl, so dass ich mit Climalite- und Windjacke aufbreche. In der Nähe des Lagers sehe ich 4 Kea's, die ich aber wieder einmal nicht vor die Linse bekomme...
    Zunächst lässt sich der Whitcombe problemlos queren, wird allerdings zunehmend wasserreicher.


    Oberlauf des Whitcombe River

    Bald tauchen wieder orange Markierungen auf, auch wenn von einem Weg noch keine Rede sein kann. Das Wetter heute verspricht schon bald schön zu werden und der Whicombe hat sich zu einem veritablen Wildwasser entwickelt.


    Unquerbares Wildwasser

    Ich sehe bereits weit voraus die Gateway Felsen und meine, einen Pfad hoch im Hang zu erblicken. Die orangen Markierungen enden an einem Erdrutsch und ich nehme an, dass ich höher steigen muss. In dem feinen, steilen losen Geröll ist das gar nicht so ohne. Als ich dann an undurchdringlichen Busch gelange, wird mir klar, dass ich falsch bin, und ziehe mich zum Fluss zurück...


    Schwierig zu passierender Erdrutsch

    The Gateway sind zwei markante, sich gegenüberstehende Felsen. Der Fluss fließt allerdings nicht zwischen den Felsen hindurch, sondern seitlich vorbei.


    Gateway

    Danach laufe ich wieder auf einem richtigen Pfad, und komme gut voran. Mittags erreiche ich die Neave Creek Hut, wo ich die nassen Sachen von gestern trockne.
    Hinter der Hütte geht es viel auf und ab. Immer wieder einmal hat ein Erdrutsch ein Stück des Weges verschüttet. Auf solchen Passagen laufe ich stets "wie auf Eiern".
    Cave Camp ist ein großer Überhang mit einer Gedenkplatte für zwei Bergsteiger, die bei einer Expedition zum Mt. Evans in der Umgebung starben.
    Nach dem Abzweig zur Wilkinson Hütte wird der Wald deutlich üppiger und ist voller Moos. Leider sind auch hier die meisten großen Bäume längst abgestorben....
    Ab 500 Meter Meereshöhe treten Baumfarne auf, es wachsen kleine, blaue Pilze und ich sehe zwei Admiral ähnliche Schmetterlinge.
    Ab und zu eröffnet sich ein Blick auf die in der Nähe steil aufragenden Berge, mit Wasserfällen und Gletschern. Toll!







    Die schroffen Gletscherberge sind nicht weit

    Einen kleinen, aber wild schäumenden Bach überquere ich auf einer Baumstammbrücke. Wie es hier wohl bei Hochwasser aussieht?


    Schmaler, reissender Bach

    Für kurze Abschnitte laufe ich über die Uferfelsen, was aber erheblich einfacher als zuvor auf der Westseite ist. Meistens führt aber ein Pfad hoch über dem Fluss in die Uferhänge.


    Nur selten laufe ich direkt am Ufer

    Dabei gelange ich immer wieder an ausgedehnte Erdrutsche. Die Kombination aus häufigem, starken Regen mit dem steilen Gelände macht die Uferhänge ziemlich instabil. Kleine Erdbeben tun dann sicher noch ein Übriges...
    Diese Passagen sehen immer ziemlich schwierig aus, sind dann aber glücklicherweise doch ganz gut zu überwinden.


    Ausgedehnter Erdrutsch

    Nach einem steilen Aufstieg, an dem ich mich mal wieder zum Teil an den Wurzeln hochziehen muss, folgt der ebenso steile Abstieg zum Cataract Creek, an dem teilweise sogar eine Stahlkette zur Sicherung gespannt ist.


    Abstieg zum Cataract Creek

    An der Mündung in den Whitcombe liegt das flache Schwemmland der Price Flats, wo ich mich in der gleichnamigen Hütte niederlasse.
    Bald am nächsten Morgen passiere ich die alte Price Flats Hut, ein Holzgebäude mit Steinboden und Pritschen ohne Matratzen, dass zum Übernachten nicht sehr einladend wirkt.


    Die alte Price Flats Hut

    Das Gras hier wirkt regelrecht kurz geschoren und schnell erblicke ich auch die Urheber: Rotwild, dass in der Nähe grast. Etwas weiter nimmt dann noch eine andere Hirschkuh vor mir Reissaus, in dem sie laut planschend durch einen Bach davon trabt. 4 rufende Keas fliegen über das Tal, und ein weiterer schöner Morgen kündigt sich an.
    Bald verlässt der Pfad den Fluss und verläuft hoch oberhalb von einer eindrucksvollen Schlucht im Hang.


    Eindrucksvolle Schlucht

    Im Gegensatz zum ersten Besuch am Whitcombe, ist das Wasser nicht mehr schlammgrau, sondern wunderbar gletschergrün.
    Erdrutsche eröffnen immer wieder mal schöne Blicke zum Fluss.


    Ausblick auf den wilden Whitcombe


    Auf schmalen Pfaden in den Uferhängen


    Manche der Erdrutsche, die ich passiere, sind wohl schon seit längerer Zeit zur Ruhe gekommen und wieder mit Moos und Gras bewachsen. Von den Rändern dringt der Wald wieder vor.


    Alte Erdrutsche werden von der Vegetation zurückerobert

    Den Nebenbach Vincent Creek überquere ich auf einer der mir schon gut bekannten 3-Draht Brücken. Anschließend wird das Terrain flacher und ich wandere durch schönen Wald, in dem auch einige große Bäume noch leben.
    Frew Creek kann ich bei dem derzeitigen Wasserstand problemlos durchwaten, was bei Hochwasser ganz sicher nicht funktioniert...
    Heute sieht die Umgebung der Frew Hut, die mir bei dem Unwetter Zuflucht geboten hatte, ganz anders und regelrecht einladend aus...


    An der Frew Hut

    An der Hütte mache ich meine obligatorische Schokoladenpause und setze dann den Weg fort.


    Frew Hut

    Kaum zu glauben, wie sich das mächtig tobende Monster Whitcombe River in einen idyllischen, grünen Fluss verwandelt hat...


    Idylle am Fluss

    Enthalten grünlich schimmernde Felsblöcke am Ufer Nephrit, die neuseeländische Jade, aus der die Maori Schmuck und Waffen hergestellt haben?


    Grünlich schimmernde Felsen

    Heute ist die mir inzwischen schon gut bekannte Strecke viel einfacher zu erwandern und die Klettereien über Felsen und an Wurzeln Steilstücke hinauf, machen regelrecht Spass.
    Einmal rutsche ich aus, und falle in nesselartige Pflanzen, deren Brennen sehr weh tut, und noch Tage später spürbar ist...


    Wurzelkletterei


    Über die Uferfelsen

    Bei dem jetzigen Wasserstand lässt sich auch der Rapid Creek durchwaten und bald darauf erreiche ich die gleichnamige Hütte, wo ich übernachte. Ausserhalb wimmelt es von Sandfliegen...
    Seit vier Tagen habe ich keinen Menschen mehr gesehen, daher bin ich erstaunt, als nach Mitternacht eine Gruppe junger Neuseeländer eintrifft, die eine Wochenendtour unternehmen wollen, und erst spät vom Parkplatz aufgebrochen sind...
    Während die Neuankömmlinge noch schlafen, bin ich am nächsten Morgen bereits früh wieder unterwegs.
    Schon um 10 Uhr bin ich wieder am Touristenmagnet Hokitika Gorge, die ich mir diesmal auch von oben anschaue. Ganz nett, aber auf meiner Wanderung habe ich viele mindestens ebenso schöne Schluchten gesehen.


    Hokitika Gorge

    Als ich einem deutschen Vater- Tochter Paar anbiete, sie zu fotografieren, können sie nicht nein sagen, als ich nach einer Mitfahrgelegenheit frage....
    Eigentlich sind die beiden per Bus unterwegs, haben sich für heute aber einen Wagen mit Fahrer gemietet!
    Nach einem Zwischenstop an einem als Touristenattraktion aufgemachtem Baumwipfelpfad, erreichen wir schließlich, dass mir ja schon gut bekannte Hokitika, wo ich wieder auf den Zeltplatz vom letzten Mal gehe.
    Ich habe in den letzten Tagen schon überlegt, wie meine Neuseelandwanderung weiter gehen soll, und beschliesse nun, erst beim nächsten Mal weiter nach Süden zu gehen. Statt dessen will ich noch einmal in den Kahurangi Nationalpark, in dem mir noch viel zu erkunden übrig geblieben ist...

  8. Gerne im Forum

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    AW: [NZ] Auf wilden Wegen durch Neuseeland

    #48
    Vielen Dank für diesen sehr sehr schönen Neuseeland Bericht

  9. AW: [NZ] Auf wilden Wegen durch Neuseeland

    #49
    Ein grandioser Bericht. Die Landschaften sind umwerfend und Dein Schreibstil sehr angenehm zu lesen.
    Vielen Dank

    Ps. Kann es sein, dass der Hase in Post 39 ein Kaninchen ist?
    So möchtig ist die krankhafte Neigung des Menschen, unbekümmert um das widersprechende Zeugnis wohlbegründeter Thatsachen oder allgemein anerkannter Naturgesetze, ungesehene Räume mit Wundergestalten zu füllen.
    A. v. Humboldt.

  10. Erfahren
    Avatar von Wildniswanderer
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    AW: [NZ] Auf wilden Wegen durch Neuseeland

    #50
    Ps. Kann es sein, dass der Hase in Post 39 ein Kaninchen ist?[/QUOTE]

    Vielen Dank!

    Nein, das ist definitiv ein Europäischer Feldhase. Von denen habe ich auf Neuseeland recht viele gesehen, Kaninchen, die ja in Australien häufig sind, dagegen gar nicht.

  11. Fuchs
    Avatar von Meer Berge
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    AW: [NZ] Auf wilden Wegen durch Neuseeland

    #51
    Was für eine großartige Landschaft!!!

    Meist sieht man von NZ ja "nur" die mehr oder weniger überlaufenen Standard-Tracks.
    Das hier ist mal ganz was anderes, irgendwie echter.

    Vielen Dank für´s teilhaben lassen!
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    Das Wetter, das man jeden Morgen in sich selber macht, ist viel wichtiger als das Wetter draußen. Fynn

  12. Erfahren
    Avatar von Wildniswanderer
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    AW: [NZ] Auf wilden Wegen durch Neuseeland

    #52
    8. Wiedersehen mit Kahurangi

    In diesem Abschnitt werde ich noch einmal den Kahurangi Nationalpark durchqueren, auf einer sehr schönen Route, die viele Höhepunkte beinhaltet, die ich bei meinen vorhergehenden Wanderungen dort noch nicht gesehen hatte!
    Doch zunächst muss ich eine längere Strecke trampen, um zum Startpunkt dieser Tour zu gelangen.
    Es dauert nicht lange und ein älteres, deutsches Paar nimmt mich mit. Sie sind sehr an meiner Reise interessiert, und ich erfahre, dass der Mann schon einige Male im Kaukasus war, eine Region die ich auch gerne bald bereisen möchte!
    Wir folgen der Westküste zum Paparoa Nationalpark, wo das Ehepaar am Infozentrum Pancake Rocks hält. Eine tolle Gegend, mit üppigstem Grün bewachsene, schroffe Kalkfelsen. Allerdings sind hier auch eine Menge Besucher. Ich laufe ein Stück die Straße weiter und unternehme einen kurzen Abstecher zu einem höhlenartigen Überhang. Schließlich nimmt mich eine sympathische, ältere Neuseeländerin ein Stück weit mit, zu einem Parkplatz, der der Ausgangspunkt für eine Strandwanderung ist. Sie erzählt mir, dass sie früher oft den Strand für sich alleine hatte, wenn sie hierher kam. Seitdem sich aber Bilder von schönen Plätzen rasant im Internet verbreiten, ist es mit der Ruhe hier vorbei, was sie sehr bedauert...
    Es ist zwar allerhand los hier, aber egal ob ich den Daumen raushalte oder Leute direkt anspreche, lange Zeit finde ich niemanden, der mich mitnehmen möchte. Es scheinen aber auch nur Touristen unterwegs zu sein...
    Nach über zweieinhalb Stunden bekomme ich dann aber doch noch einen lift mit zwei jungen Franzosen, die Neuseeland arbeitend und reisend erkunden.
    Mit ihnen gelange ich bis kurz vor Westport, wo eine Straße von der Küste ins Landesinnere abzweigt. Mein Glück hat sich offenbar gewendet, denn schon nach kurzer Zeit hält James, ein etwa 30- jähriger, sportlicher Kiwi. Er erzählt, dass er gerade an einem Marathon durch die Schlucht des Buller River teilgenommen hatte, für den die Straße bis vor kurzem gesperrt war!
    Durch einsame Südbuchenwälder fahren wir nach Murchison, das ich ja bereits kenne!
    James erzählt mir, dass hier im Nordosten der Insel eine ungewöhnliche Trockenperiode herrscht, die zu einem großen Waldbrand in der Richmond Range geführt hat. Sehr ungewöhnlich für das feuchte Neuseeland, der Klimawandel lässt grüssen...Sogar die Hauptstraße musste dort für einige Zeit gesperrt werden!
    Gegen 17 Uhr verlasse ich den Wagen von James am Abzweig der Owen Valley Road. Kaum zu glauben, ich kann noch heute loswandern!
    Durch Weideland folge ich einige Zeit der Schotterpiste, bis ein Wagen hält. Adam, der als Guide in einer Lodge für Fliegenfischer arbeitet, nimmt mich einige Kilometer weit mit, zum Anfangspunkt des Pfads zum Mount Owen. Er erzählt, dass der Fluss eine Art Mekka für Forellenangler sei, die hier über 2000 Dollar pro Tag bezahlen! Seine Kunden seien fast durchweg Ausländer, da die Kiwis lieber auf eigene Faust angeln würden.
    Nachdem Adam mich abgesetzt hat, erscheint er bald wieder. Dummerweise hatte ich meine Kamera im Auto liegen lassen! Ich kann mich gar nicht genug bei Adam bedanken, dass er sie mir wieder bringt!


    Der nette Angelguide Adam

    Ganz in der Nähe schlage ich auf einer Wiese mein Lager auf, morgen geht die Wanderung richtig los!
    Kurz nachdem ich aufgebrochen bin, sehe ich eine für mich neue Tierart in Neuseeland: 2 Stück Sikawild! Diese Hirschart stammt ursprünglich aus Asien, und wurde hier angesiedelt, natürlich mal wieder zu Jagdzwecken...
    Ich muss den Owen River einige Male durchwaten, beim ersten Mal versuche ich das noch von Stein zu Stein hüpfend, lande dabei aber prompt im Wasser, was nicht weiter schlimm wäre, allerdings schwimmt die eine Hälfte eines Wanderstocks davon. Tja, da bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als mir gleich an Ort und Stelle einen Ersatz zu schnitzen!
    Bald geht es durch steilen, schönen Südbuchenwald nach oben. Es ist toll nach dem Busch der Westküste mal wieder durch einen richtigen Wald zu laufen!
    Zweimal rutsche ich vom Pfad, glücklicherweise ohne Folgen. Na ja, die Schuhe die ich in Christchurch gekauft habe, besitzen kein besonders gutes Profil...
    Nach fast 900 Meter Aufstieg, erreiche ich einen Grat der Richtung Sunrise Peak verläuft. Die Bäume hier in der Nähe der Waldgrenze sind deutlich niedriger als weiter unten, und ziemlich knorrig.


    In der Nähe der Baumgrenze

    Bald ist von Markierungen kaum noch etwas zu sehen und um zum Grat des Sunrise Peak zu gelangen, muss man ziemlich steil nach oben. Zunächst will ich einen felsigen Absatz erklimmen, entscheide mich dann aber über einen Geröllhang zu traversieren und dann in weniger steilem Gelände aufzusteigen.


    Aufstieg zum Sunrise Peak

    Schließlich bin ich oben auf 1550 Meter und genieße den Ausblick über die zerklüftete Kalkfelslandschaft mit schroffen Zinnen, Einsturztrichtern (Dolinen) und den Eingängen von Höhlen. Unter der Erdoberfläche liegt hier die Bulmer Cavern, mit bisher 64 erkundeten Kilometern das ausgedehnteste Höhlensystem Neuseelands!




    zerklüftete Karstlandschaft am Mount Owen

    Obwohl das abgeflachte Massiv des Mount Owen recht nah erscheint, bin ich noch ziemlich lange unterwegs um in die Nähe des höchsten Gipfels von Kahurangi zu gelangen. Es gibt hier zwar nicht die üblichen orangen Dreiecke, aber meist kann ich den Cairns recht gut folgen, die einen Weg durch das labyrinthische Terrain weisen. Eine herrliche Landschaft bei traumhaftem Wetter!
    Als ich ein Steilstück im Schotter bewältige, lässt sich ein Falke in der Nähe nieder.




    Falke am Mount Owen

    Gegen 16 Uhr schlage ich mein Lager auf knapp 1700 Meter unterhalb des Gipfels auf, in einem kleinen Tümpel gibt es hier das erste Wasser seit dem Owen River!


    Lager unterhalb des Mount Owen

    Schon bald beginne ich die Besteigung des 1876 Meter hohen Berges.
    Obwohl seine felsige Flanke ziemlich steil und schwierig wirkt, ist der Aufstieg problemlos machbar und schon nach einer halben Stunde bin ich oben.
    Weit schweift mein Blick über die umliegende Bergwelt. Im Gegensatz zu den meisten Bereichen über der Baumgrenze in Neuseeland, wo dass hohe, büschelige Tussockgras wächst, ist die Vegetation hier eher rasenartig, und gut zu begehen.





    Das Gipfelplateau ist recht weitläufig und lädt zum Zelten ein. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass es hier bei schlechtem Wetter ziemlich ungemütlich wird und es gibt kein Wasser.




    Auf dem Mount Owen

    Zwar klingen 1876 Meter nicht sehr hoch, allerdings habe ich heute Morgen meinen Aufstieg auf lediglich 356 Meter begonnen!
    Ein Kea quäkt und ich kann schon einen Teil der morgigen Route ausmachen.
    Die Nacht ist frostig kalt, so dass ich sogar meine Climalite Jacke im Schlafsack anziehe! Aber als dann morgens die Sonne erscheint, wird es bald wieder angenehm warm.
    Zunächst laufe ich weglos durch das Karstgelände über einen Pass und gelange dann nach zwei Stunden auf die von der anderen Seite kommende, ausgesteinte Route zum Mount Owen.


    Im Karstgebiet des Mount Owen

    Schließlich führt ein deutlicher Pfad durch ein grasiges Becken zwischen den Kalkbergen langsam tiefer.


    Abschied vom Mount Owen

    Bei 1250 Meter tauchen die ersten Büsche auf, es gibt wieder Markierungen und bald passiere ich die große Granity Pass Hütte.


    Vor der Granity Pass Hütte

    Ich folge dem zunächst trockenen, steinigen Bachbett des Blue Creek durch die dichte Strauchvegetation mit den stacheligen, gelben Blütenständen der "Spaniards" weiter abwärts, bis ich bei 1100 Metern in hohen Südbuchenwald gelange, wo mir mal wieder eine Wekaralle begegnet.


    Wekaralle

    Während meiner Mittagsrast trockne ich Zelt und Schlafsack in der Sonne und steige dann recht steil auf zu einem grasigen Sattel, der eine schöne Aussicht über das Tal des Blue River bietet.


    Blue River Tal

    Die offenen Flächen die der Wald bisher noch nicht zurückerobert hat, weisen auf lange zurückliegende Brände hin.
    Meist führt der Abstieg wie so oft in Neuseeland, sehr steil durch schattigen Buchenwald. Hier kommen mir sogar Wanderer auf dem Weg zur Granity Pass Hütte entgegen, was ja in Neuseeland abseits der Great Walks auch nicht oft vorkommt!
    An offeneren Stellen hängen Köderstationen für Wespen. Man will mit ihnen eingeschleppte Wespenarten bekämpfen, die eine Gefahr für einheimische Insekten und auch vorbeilaufende Wanderer darstellen. Wie häufig in Neuseeland wird auch hierbei mit Gift gearbeitet...


    Wespenbekämpfung

    Am Nachmittag erreiche ich schließlich Courthouse Flat, wohin eine Piste führt. Eine Tafel verrät, dass hier um 1870 eine Ansiedlung von bis zu 250 Goldsuchern bestand. Es wurde allerdings nie viel von dem gelben Metall gefunden, daher zogen die Digger bald wieder weiter...
    Während ich Pause mache, erscheinen sechs junge Männer, die gerade von einer Canyoning Tour zurück kommen, tolle Berge, Höhlen, enge Schluchten, ein wahrer Abenteuerspielplatz hier!
    Ich folge der Piste einige Kilometer und erreiche dann das östliche Ende des Wangapeka Tracks, am gleichnamigen Fluss, dem ich ja schon zu Anfang der Reise von Westen gefolgt war!
    Bald folge ich dem abwechslungsreichen Pfad entlang des glasklaren, grünen Gewässers. Zwar ist der Wasserstand ziemlich niedrig, es gibt aber dennoch tiefe Pools, die zum Baden einladen, wären da nicht Massen von Sandfliegen...



    Am Wangapeka

    Und zu diesem tollen Fluss gehören natürlich auch die Whio- Enten, die ich ja schon einige Male fotografiert habe. Nichts desto trotz sind sie sehr selten!


    Whio Ente

  13. Erfahren
    Avatar von Wildniswanderer
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    AW: [NZ] Auf wilden Wegen durch Neuseeland

    #53
    Zitat Zitat von Meer Berge Beitrag anzeigen
    Was für eine großartige Landschaft!!!

    Meist sieht man von NZ ja "nur" die mehr oder weniger überlaufenen Standard-Tracks.
    Das hier ist mal ganz was anderes, irgendwie echter.

    Vielen Dank für´s teilhaben lassen!
    Die Great Walks auf Neuseeland sind ohne Zweifel sehr schön, und erlauben es mit ihrer Infrastruktur auch weniger erfahrenen Wanderern die tolle Landschaft zu genießen. Damit sind natürlich auch Kanalisierungsbemühungen durch Permits und Reservierungen verbunden.

    Ich persönlich schätze sehr die Freiheit des Wanderns, ohne großen Komfort und Sicherheit, aber auch ohne Einschränkungen. Neuseeland ist ein sehr gutes Land hierfür!

  14. AW: [NZ] Auf wilden Wegen durch Neuseeland

    #54
    Vielen Dank für die Aufklärung. Mir sah das Tier etwas sehr grau aus. Zum Glück ist der Feldhase nicht ganz so schlimm invasiv im Vergleich zum Karnickel
    So möchtig ist die krankhafte Neigung des Menschen, unbekümmert um das widersprechende Zeugnis wohlbegründeter Thatsachen oder allgemein anerkannter Naturgesetze, ungesehene Räume mit Wundergestalten zu füllen.
    A. v. Humboldt.

  15. Erfahren
    Avatar von Wildniswanderer
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    AW: [NZ] Auf wilden Wegen durch Neuseeland

    #55
    Schon am frühen Morgen sind die Sandfliegen ziemlich lästig, aber solang man in Bewegung bleibt, geht es...
    Bald verlässt der Weg den Fluss und verläuft im Hang weiter, wo mir ein Ziegenbock begegnet, der mich bis auf fünf Meter an sich heranlässt. Erstaunlich, da hier auch die Ziegen als Schädlinge gelten und daher bejagt werden.


    Begegnung mit einem Ziegenbock

    Bald beginnt es zu nieseln und ich ziehe schließlich die Regenjacke über. Gegen 9:30 erreiche ich bereits die große King Creek Hütte, die Schlafplätze für 20 Leute bietet. Zu meiner Freude hat jemand ein Paket Haferflocken zurück gelassen, die mir nun ein zweites Frühstück bescheren...
    Ein Stück weiter steht die Cecil King Hütte, ein uriges Holzgebäude, das schon 1937 erbaut wurde. Zwei junge Neuseeländer haben hier übernachtet, allerdings wenig Schlaf gefunden, da es in der Hütte offenbar von Ratten wimmelt...
    Der Wangapeka ist jetzt nur noch ein bescheidener Bach, der durch eine eindrucksvolle Schlucht fließt.
    Meine Mittagspause mache ich dann an der Stone Hut, wo ich einen Neuseeländer treffe, der über die Bigg's Tops gekommen ist, wohin ich als nächstes gehen möchte.
    Als ich weiterwandere treffe ich dann noch einen jungen Tschechen, der bereits zum dritten Mal in Neuseeland ist, und anspruchsvolle, weglose Sachen macht. Die Inseln im Pazifik ziehen mehr Leute in den Bann, als man denkt.
    Schließlich erreiche ich den Wangapeka Sattel, an dem ich vor einiger Zeit die Überquerung der Matiriri Tops begonnen hatte.


    Wangapeka Saddle

    Vom Sattel aus geht es durch schönen Bergwald, mit zunehmend niedrigen Bäumen. Eine Baumart zeichnet sich durch abblätternde Rinde aus, die stellenweise den Boden bedeckt.


    Alpiner Wald

    Bei 1250 Metern erreiche ich die Baumgrenze. Leider ist es ungemütlich grau, windig und es nieselt. Dennoch kann ich die Matiriri Tops gegenüber erkennen, über deren Kamm ich im Nebel gestolpert war. Ich traversiere im Hang, knapp oberhalb der Baumgrenze und steige schließlich zu einem Grat auf.




    Bigg's Tops

    Der Abstieg beginnt zunächst recht flach, folgt dann aber einer steilen Klamm. Eindrucksvoll, die düstere, feuchte Atmosphäre hier! Natürlich rutsche ich auf den nassen Felsen mal wieder aus, allerdings wie meistens, ohne mich dabei zu verletzen.


    Schlucht auf dem Weg ins Karamea Tal

    Weiter unten geht es auch durch offene Flächen, die Ausblicke auf die steilen Berge auf der anderen Seite des Karamea Tals erlauben.


    Schroffe Berge am Karamea

    Eigentlich wollte ich schon längst mein Lager aufschlagen, aber erst kurz vor der Trevor Carter Hütte finde ich einen geeigneten Platz, entscheide mich dann aber doch noch zu der Hütte zu gehen.
    Zu meiner Überraschung erscheinen dann um 21:00 die beiden Jungs, die ich an der Cecil King Hütte getroffen hatte, und beginnen noch groß zu kochen. Kurzerhand baue ich mein Zelt draußen auf, so habe ich meine Ruhe!


    Trevor Carter Hut

    Am nächsten Tag folge ich einem guten Pfad flussaufwärts. Zwar gibt es die Möglichkeit den Fluss über eine Hängebrücke ein Stück von der Hütte entfernt zu überqueren, aber bei dem derzeitigen, niedrigen Wasserstand, ist auch das Durchwaten kein Problem.
    Nachdem ich den Karamea überquert habe, wandere ich durch schönen Buchenwald mit viel Unterwuchs weiter.


    Pilz am Karamea

    Heute sind auch Sonne und blauer Himmel wieder da, und es ist toll an diesem glasklaren Fluss entlang zu laufen. Einmal sichert sogar eine Stahlkette eine Strecke entlang des felsigen Ufers ab, die aber zumindest heute nicht nötig ist.
    An einer schönen Stelle am Fluss lasse ich mich zu meiner Mittagsrast nieder. Das grüne Wasser ist so einladend, dass ich erst einmal ein Bad nehme.


    Der Karamea lädt zu einem Bad ein

    Der weitere Weg führt zunächst meist durch den Wald abseits des Flusses. Ich sehe schöne Baumpilze und begegne dann dem bemoosten Wächter des Waldes...


    Interessanter Baumpilz


    Ist das der Wächter des Waldes?

    Im Wald ist es zwar schön, ich genieße es aber immer wieder ein wenig mehr Aussicht am Fluss zu haben. In dem super klaren, grünen Wasser schwimmen Forellen, die wohl 50 Zentimeter lang sind. Kein Wunder, dass der Karamea als Paradies bei Anglern gilt!


    Karamea bei Niedrigwasser


    Forelle

    Als ich einen Nebenbach über eine Drahtseilbrücke überquere, spiegelt sich mein Schatten im Wasser, sehr cool!
    Bei herrlichem Wetter in diesem schönen Tal, treffe ich den ganzen Tag keinen Menschen!


    Drahtseilakt über einer Schlucht

    Obwohl das Wandern heute einfach ist, bin ich am Nachmittag ziemlich erschöpft. Wahrscheinlich sind die 600 Gramm Essen pro Tag, die ich für diese Etappe habe, einfach zu wenig!
    Um so gelegener kommt mir, als ich in der Crow Hut jede Menge zurückgelassene Nahrungsmittel entdecke! Sogar frische Sachen wie Bananen, Avocados und Limetten sind dabei! Erst nehme ich an, dass die Besitzer abends auftauchen, aber tatsächlich behalte ich die Hütte für mich alleine. Auf der Veranda hängen auch einige zum Trocknen aufgehängte Sachen. Wahrscheinlich waren Angler hier, die mit dem Hubschrauber eingeflogen wurden und dann keine Zeit verlieren wollten, als sie wieder abgeholt wurden.


    Crow Hut

    Später unternehme ich noch einen kleinen Spaziergang. Danach esse ich weiter...Nüsse, Riegel, Chips und Müsli. Paradiesisch, obwohl ich bei weitem nicht alles aufesse!
    Zum Frühstück gönne ich mir eine doppelte Portion Müsli aus den zurückgelassenen Vorräten, und gehe dann mit den frisch gewaschenen, draußen aufgehängten Sachen wieder los...
    Der Pfad verläuft weiterhin gut erkennbar, durch einen zunehmend grasigen Wald.


    Grasiger Wald


    Neu eingekleidet

    Einmal verliere ich kurz den Weg, der hier einem steinigen Hochwasserkanal folgt. Gegen 11 Uhr erreiche ich dann Karamea Bend, wo der Fluss scharf nach Westen abknickt. Ab hier folge ich dem Leslie River, einem kleineren Fluss, an dem es einige schöne, grasige Zeltplätze gibt.
    Während meiner Mittagspause kommt mal wieder einer der zutraulichen South Island Robins ganz dicht an mich heran.


    Interessanter Besuch

    Bald steige ich ziemlich steil aus dem Tal auf. Zeitweise geht es durch dichten Busch, wo ich einmal den Weg verliere, aber bald wieder finde. Es gibt hier stellenweise viel von dem Nesselgewächs, mit dem ich ja schon am Hokitika unangenehme Bekanntschaft gemacht hatte. So sehr ich auch aufpasse, einige Berührungen sind unvermeidbar, die dann tagelanges Brennen nach sich ziehen...


    Eine Nessel, die tagelanges Brennen verursacht

    Etwas später flacht das Gelände etwas ab, und ich wandere durch schönen Bergwald weiter. Ich finde hier etliche braun schimmernde, große Schneckenhäuser, und stoße auf Markierungen einer Fläche, auf der die seltenen Schnecken offenbar erforscht werden. Auf Neuseeland gibt es eine ganze Reihe großer, Fleisch fressender Schneckenarten, die nur hier vorkommen.


    Neuseeland ist die Heimat großer Schnecken

    Bei 1280 Meter endet der Wald und ich steige durch Busch und Grasland weiter auf bis zum Baton Sattel auf 1385 Meter Höhe. Es ist jetzt windig und ungemütlich, das Wetter scheint sich zu ändern.


    Aussicht vom Baton Sattel über die Kämme Kahurangis

    Für den Abstieg gibt es keinen Weg, allerdings ist die Route recht gut mit Pfählen markiert. Dennoch ist das Vorankommen in dem steilen Tussockgrasgelände langsam und schwierig. Natürlich gibt es auch wieder das übliche, stachelige, gelbe Speergrasgewächs.


    Abstieg ins Baton Tal

    Als ich im Tal die dichte Gebüschzone erreiche, treffe ich zu meiner Freude auf einen frisch frei geschnittenen Pfad. Ansonsten hätte mir jetzt noch ein ziemlich mühsamer Kampf gegen den Busch bevor gestanden!


    Frisch frei geschnittener Pfad

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    AW: [NZ] Auf wilden Wegen durch Neuseeland

    #56
    Erst gegen 19:30 erreiche ich die kleine Flanagan's Hut, mit Platz für 6 Leute. Das Wetter erscheint mir nach wie vor sehr unsicher und ich habe schon lange keinen halbwegs vegetationsfreien Zeltplatz mehr gesehen, daher bin ich froh, diese Zufluchtsstätte erreicht zu haben.
    Zwar bin ich seit 12 Stunden unterwegs, habe aber nur 20 Kilometer zurück gelegt. Wie immer auf Neuseeland ist die Kombination aus schwierigem Gelände und reichlich Höhenmetern ursächlich dafür, dass ich hier nur relativ geringe Strecken zurück lege. Auch heute bin ich über 1200 Höhenmeter aufgestiegen!
    Wider Erwarten ist das Wetter am nächsten Morgen wieder schön und ich wandere weiter das Baton Tal abwärts, welches zunächst recht flach abfällt. Aber natürlich dauert es nicht lange, bis ich in schwierige Schluchten gelange, wo kleine Kletterpartien und die Bewältigung umgestürzter Bäume auf mich warten.
    Weiter unten sehe ich ein Schild "Gold Claim 8350". Offenbar wurde auch hier nach dem Edelmetall gesucht.
    Schließlich wird der Pfad zu einem Fahrweg der durch halb offenes Gelände mit einigen leckeren Brombeeren führt, die Zivilisation mit einem schönen Holzhaus ist nah!
    Ich durchwate Baton Creek problemlos und gelange zu einem Parkplatz mit einer Infotafel. Hier endet der lange Abstieg, und wird von meiner Wanderung den Ellis Creek aufwärts abgelöst.
    Der kleine Bach fließt in einer sehr malerischen, oft klammartigen Schlucht durch offenen Wald. Einige tiefe Pools laden zum Baden ein, allerdings wimmelt es mal wieder von Sandfliegen! Oft muss ich die Seite wechseln, was nicht ohne nasse Füsse abgeht. Obwohl ich zunächst in der Schlucht bleibe, geht es viel auf und ab, um unzugängliche Abschnitte zu vermeiden.


    Ellis Creek


    Eindrucksvolle Schlucht

    Der Ausstieg aus der Schlucht ist sehr steil, und stellenweise durch eine Stahlkette gesichert. Es geht aufwärts zu einem Grat, dann ebenso steil zurück zum Bach. Schwieriges, langsames Gelände!
    Obwohl ich ja heute bis in die Nähe der Zivilisation gekommen bin, ist dies der dritte Tag, an dem ich keinen Menschen treffe!


    Ellis Creek

    Schließlich schlage ich mein Zelt unter mächtigen Südbuchen auf.
    Am nächsten Morgen folge ich zunächst noch ein Stück dem steinigen Bachbett und steige dann durch den Wald steil auf bis zur Ellis Hut, einer weiteren kleinen Hütte, die ich bereits um 10 Uhr erreiche. Hier endet der Wald und ich wandere zunächst durch ein weites, offenes Hochtal, bis der steile, grasige Anstieg zum Grat des Mount Arthur beginnt.


    Hochtal hinter der Ellis Hut


    Blick zurück ins Tal

    Ich überhole Mutter und Tochter, die in der Ellis Hut übernachtet haben. Die 25-jährige Tochter hat Adventure Sports studiert und arbeitet im Abel Tasman Nationalpark als Kajak Guide.
    Bald erreiche ich den Grat und kann zum Meer sowie zum Mount Owen blicken. Es dauert dann auch nicht mehr lange, bis ich den Gipfel des 1780 Meter hohen Mount Arthur erreicht habe. Es ist Samstag, und die Gegend scheint ein beliebtes Ziel zu sein, daher sind eine ganze Menge Leute hier unterwegs.


    Auf dem Mount Arthur

    Die Landschaft hier ist ebenfalls von hellem Kalkstein geprägt, erreicht für meinen Geschmack aber nicht die Großartigkeit von Mount Owen. Abgesehen davon ist mir hier zu viel los...
    Der Flora Car Park ist nicht weit entfernt, daher gelangen auch Leute die nur eine kurze Wanderung machen wollen, recht einfach hierher.
    Ich beschließe schnell die Pfade zu verlassen und die direkte Abstiegsroute vom Berg sieht machbar aus.
    Ein Stück weit folge ich einem rasiermesserscharfen Grat, dann gelange ich über glatte Platten und Geröll langsam nach unten, stets nach der am wenigsten steilen Route Ausschau haltend. Das Terrain wird aber zunehmend schwieriger und ich bin mir keineswegs sicher, ob ich nicht irgendwann den Rückzug antreten muss, weil ich an einen unüberwindbaren Absturz gelange. Aber alles geht gut, das Gelände flacht wieder ab, und ich laufe weglos weiter durch die kurzrasige Landschaft.


    Wegloser Abstieg von Mount Arthur


    Im Horseshoe Basin gelange ich auf den Pfad zur Gordon's Pyramid, einem weiteren Gipfel der aus der für Neuseeland ungewöhnlichen Plateaulandschaft aufragt.


    Zur Gordon's Pyramid

    Zu meiner Überraschung kommt beim Anstieg zu dem Berg innerhalb von Minuten Wind auf, der Nebel heran trägt, welcher bald die Gegend verschleiert!
    Ich steige ab in einen knorrigen Buchenwald voller bizarrer Kalkfelsen und tiefer Dolinen. (Einsturztrichter im Kalkgestein).
    Schließlich gelange ich ins Sphinx Valley, mit trockenen, offenen Hängen eine weitere, für Neuseeland ungewöhnliche Landschaft.




    Sphinx Valley

    Nachdem ich im nassen Gras mein Lager aufgeschlagen habe, unternehme ich einen Spaziergang in das enge Seitental zu einer Höhle, aus der ein Bach fließt. Leider ist meine Stirnlampe nicht mehr hell genug, so dass ich nur ein kurzes Stück erkunden kann.


    Sphinx Cave


    Am Morgen ist es noch sehr dunstig und nass, daher ziehe ich meine Regenhose über, um nicht von dem hohen Gras sofort total durchnässt zu sein.
    Bald erreiche ich die Salisbury Lodge, eine große, komfortable Hütte. Ein Solarpanel treibt bei der Toilette einen Rotor an, der bewirkt, dass sich der Kompost schnell zersetzt, und keine Gerüche entstehen, echt ausgeklügelt!
    Eine Gruppe von Höhlenforschern hat hier übernachtet und will zur Sphinx Cave. Sie erzählen, dass bereits 7 Kilometer der Höhle erkundet seien, und weitere Gänge der Erforschung harren!
    Ich wandere durch die weite Landschaft der Mount Arthur Tablelands, die von niedrigen Bergbuchenwäldern und ausgedehnten Grasflächen geprägt wird. Langsam lichtet sich der Morgendunst.


    Langsam hebt sich der Nebelschleier

    Dann treffe ich einen älteren Mann und zwei Frauen. Der Typ kommt mir irgendwie bekannt vor, und bald dämmert es mir: Er hatte mir nach meiner ersten Kahurangi Wanderung einen Lift zurück nach Takaka gegeben. So klein ist die Welt!


    Ein bekanntes Gesicht

    So langsam erscheinen jetzt auch Sonne und blauer Himmel wieder, ein toller Morgen!







    In den Mount Arthur Tablelands

    Ich passiere die Balloon Hut, ebenfalls komfortabel und mit Gaskocher ausgestattet. Für solche Hütten muss man drei der vorab erworbenen Hüttentickets hinlegen!
    Im 19. Jahrhundert hatten Goldsucher hier ihre Basis, die die Hänge mit einem teilweise noch heute sichtbarem Grabensystem durchfurcht haben.
    Ein kurzer Abstieg führt mich zum Lake Gibb, der von drei Seiten von Bergen umgeben ist. Während meiner Mittagspause hier, trockne ich Zelt und Schlafsack.
    Ich steige auf zu einem Kamm, von dem aus ich bereits das große Cobb Reservoir erblicke, und wandere dann lange bergab durch den Bergwald, bis ich schließlich den Stausee erreiche, zu dem eine Schotterstraße führt.
    Glücklicherweise berühre ich die Piste nur kurz und wandere dann auf schönem Pfad in das weite, flache, grasige Cobb Valley hinein.
    Für mein Nachtlager beziehe ich die Chaffey Hut, eine alte, rustikale Holzhütte, die heute von einem Verein unterhalten wird.


    Cobb River Valley


    Chaffey Hut

    Da es noch früh ist, unternehme ich einen ausgedehnten Abendspaziergang in das Tal hinein. Hier auf lediglich 900 Meter ist es angenehm warm und einfach herrlich, unter dem wolkenlosen Abendhimmel dahin zu schlendern.
    Zurück bei der Hütte ist ein weiterer Besucher erschienen, Rob, ein Amerikaner der nach Neuseeland ausgewandert ist und seit 5 Jahren hier lebt. Er ist Jäger und will versuchen, einen Rothirsch zu erlegen.
    Am nächsten Morgen wandere ich weiter, das Cobb Tal aufwärts. Nach einigen Kilometern gelange ich an ein historisches Zeltcamp. In den 30'er Jahren diente es als Stützpunkt für Rotwildjäger, und bestand lediglich aus einer Holzkonstruktion über die eine Leinwand gespannt wurde. Erst in den 50'er Jahren wurde das massive Hüttenbauprogramm verwirklicht, dem Neuseeland seine unzähligen, rustikalen Unterkünfte in der Wildnis verdankt. Ursprünglich dienten sie alle der Reduzierung des Rotwilds, die Nutzung durch die Wanderer kam erst später.
    Bereits um 9:40 erreiche ich die kleine Cobb Hut, und beschließe eine Rundwanderung zu unternehmen, da ich genügend Zeit habe. Ich lasse meinen Rucksack in der Hütte zurück und steige auf einem Pfad aufwärts durch den Wald zum malerisch gelegenen Cobb Lake.


    Cobb Lake


    Libelle

    Am Seeende verliert sich der Pfad kurz im Wald, taucht aber bald wieder auf. Unbeschwert vom Rucksack und eher langsam dahinschlendernd, beobachte ich viel mehr Vögel als normalerweise, darunter einige an Goldhähnchen erinnernde, grau- grüne Exemplare.
    Schließlich gelange ich aus dem Wald und steige einen Grashang steil empor zum kleinen, von schroffen Berghängen umgebenen Round Lake.
    Vom See wandere ich weglos den steilen Grashang empor zu einem Kamm, dem ich dann lange folgen kann. Obwohl in keiner Karte eingezeichnet, scheint das eine beliebte Route zu sein, denn ich stoße auf einen Pfad. Ich kann meine Blicke frei schweifen lassen, bis zu den Dragon's Teeth, an denen ich mir ja zu Anfang der Reise die Zähne ausgebissen hatte und dem großen Island Lake, zu dem kein Weg führt.


    Island Lake

    Zu meiner Überraschung kommt mir bald ein älteres Paar aus Nelson entgegen, dass am Island Lake gezeltet hat, und offenbar sehr erfahren ist, was weglose Touren in Neuseeland angeht!
    Auf dem Gipfel des Mount Gibb habe ich mit 1645 m den höchsten Punkt dieser tollen Gratwanderung erreicht, und kann bereits einen großen Teil der morgigen Route ausmachen. Ich folge dem Kamm weiter abwärts, der vor dem Mount Xenicus felsig und ausgesetzt wird.


    Aussichtsreicher Kamm

    Schließlich beginne ich den langen Abstieg, der mich zurück zum Cobb Lake führt.
    Nachdem ich meinen Rucksack geborgen habe, wandere ich noch empor zur Fenella Hut, eine große, moderne Hütte mit schöner Aussicht. Mir sind dort zu viele Leute, daher gehe ich ein Stück weiter und schlage mein Zelt auf.

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    AW: [NZ] Auf wilden Wegen durch Neuseeland

    #57
    Der nächste Tag bringt wieder traumhaftes Wetter. Ich kann mein derzeitiges Neuseeland- Glück kaum fassen!
    An der Fenella Hut ist der Pfad Richtung Waingaro Peak ausgeschildert, und es geht durch den Bergbuchenwald aufwärts, gefolgt von einer langen Grashangtraverse um die spitzen Zacken des Bergs herum. Laut Karte endet der Pfad bald, tatsächlich gibt es als ich den Kamm erreiche, eine mit einigen Cairns versehene, gut zu erkennende Route.






    Gratwanderung zum Kakapo Peak

    Der Kakapo Peak ist der höchste Punkt des Grates, allerdings führt die Route nicht über den Gipfel, sondern durch den Schutt in der Flanke des Berges.
    Wie meistens bei Touren auf so einem Aussichtsbalkon, läuft man keineswegs über flaches Terrain, sondern im häufigen Auf- und Ab bewältigt man zahlreiche Höhenmeter. Manchmal ist der Grat auch zu schroff, so dass ich seitlich traversieren muss. Immerhin habe ich bei diesem schönen Wetter keine Orientierungsprobleme.


    Zerklüfteter Grat

    Nachdem ich zu einer weiteren felsigen Erhebung auf etwa 1600 Meter aufgestiegen bin, sehe ich entfernt bereits den kleinen Lonely Lake.


    Lonely Lake vor der Kulisse der Douglas Range

    Schließlich steige ich vom Grat in den Bergbuchenwald ab, wo ich auf einen guten Pfad stoße. Schon um 15:00 erreiche ich die kleine Lonely Lake Hut. Hier treffe ich auf Michael, einen australischen Architekten, der die Dragon's Teeth Route in zwei Tagen gemacht hat. Er hatte dafür perfektes Wetter, stuft die Tour aber als sehr hart ein!


    Lonely Lake Hut

    Ich baue mein Zelt in der Nähe auf, lese und schreibe. Später breche ich noch zu einem Abendspaziergang zum Grat oberhalb des Sees auf. Dort ragt der "Drunken Sailor" in die Höhe, ein zur Seite abgekippter, markanter Felsberg, hinter dem die morgige Gratroute beginnt.


    Drunken Sailor

    Von hier oben kann ich die ganze Dragon's Teeth Route überblicken, bis zum Yuletide, auf dem ich ja bereits vor Wochen gestanden habe. Von hier sieht die Route nicht mehr so furchteinflößend aus...


    Die Drachenzähne, hinten rechts der Yuletide

    Zurück über dem Lonely Lake genieße ich die ruhige Abendstimmung, die lediglich durch das Meckern von Ziegen unterbrochen wird. Ich bin ziemlich traurig, denn so langsam geht die Reise zu Ende...
    Neuseeland war teilweise hart, aber toll, und ein Tag wie heute, bei perfektem Wetter auf einer fantastischen Gratroute entschädigt für Vieles!


    Abendstimmung am Lonely Lake

    Am nächsten Morgen breche ich früh wieder auf, traversiere im Hang um den Drunken Sailor und setze meinen Weg auf dem Grat über dem Anatoki Tal fort. Auf der anderen Seite des Tals liegt die Route, die ich vor Wochen zum Adelaide Tarn genommen hatte. Zunächst ist es etwas bewölkt, bald aber wandere ich wieder unter einem herrlich, blauen Himmel. Zunächst ist der Weg recht einfach und mit Cairns markiert.


    Über dem Anatoki Tal

    Auf einem Buckel enden die Steinmarkierungen und ich wandere weglos durch recht offenen Wald ein Stück tiefer, bevor ich zurück zum Grat aufsteige. Dieser ist jetzt felsig und stellenweise von dichtem Busch bewachsen, so dass das Vorankommen deutlich schwieriger als gestern ist.
    Schließlich erklimme ich eine letzte Erhebung mit 1475 Meter Höhe. Von hier muss ich steil in ein Seitental des Anatoki absteigen. Ich versuche die beste Route nach unten zu identifizieren. Statt direkt abzusteigen, traversiere ich im Hang, unterhalb des südlichen Grats, teilweise durch unangenehm loses Geröll noch ein Stück weiter.


    Steiler Abstieg

    Schließlich schlage ich dann aber die direkte Route in den Wald ein. Da das Terrain sehr steil ist, rechne ich mit Umwegen entlang von Steilabstürzen, muss aber nur einmal etwas ausweichen und gelange erstaunlich einfach ins Tal, wo ich auf den mir ja schon bekannten Weg zum Lake Stanley stoße.
    Hier treffe ich bald Matt, einen Australier, der auf Norfolk Island lebt, einer winzigen Insel, die von den Nachfahren der "Meuterei auf der Bounty" bewohnt wird!
    Nach weiteren zwei Stunden habe ich die Anatoki Forks Hütte erreicht, wo ich mich einrichte. Ich bin sehr hungrig und erschöpft. Auf diesem Abschnitt der Wanderung habe ich definitiv zu wenig gegessen!
    Später erscheint Dave, ein Neuseeländer der es geschafft hat, vom Vermieten seiner Häuser zu leben, und daher ohne zeitliches Limit mit Mountainbike, Kajak und Wanderschuhen umherstreift, nicht schlecht!
    Am nächsten Morgen folge ich dem Anatoki abwärts, zunächst in Bachnähe, dann hoch oberhalb der Schlucht. In den Seitentälern ist jetzt viel weniger Wasser, als beim letzten Mal.


    Hoch über der Anatoki Schlucht

    Schön, wie die Morgensonne Farne und Baumfarne beleuchtet.


    Im Morgenlicht


    Baumfarn

    Nach 16, 5 Kilometern habe ich die Piste erreicht, und bald nimmt mich ein freundlicher Handwerker mit nach Takaka, wo ich den Rest des Tages mit Wäsche waschen, etc. verbringe. Vor allem aber esse ich mich mal wieder satt!
    Diese Kahurangi Durchquerung war sicher die Schönste der drei Touren hier. Der zweitgrößte Nationalpark Neuseelands bietet wirklich tolle Wandermöglichkeiten!

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    AW: [NZ] Auf wilden Wegen durch Neuseeland

    #58
    Abschluss auf dem Queen Charlotte Track


    Queen Charlotte Track

    Als vorerst letzte Tour in Neuseeland laufe ich den Queen Charlotte Track, eine bekannte Küstenwanderung, die zu den "Great Walks" zählt, obwohl ein Teil des Wegs wegen Waldbrandgefahr gesperrt ist...
    An der i-site in Takaka hatte ich bereits gestern den Bus nach Picton gebucht, der morgens zu sehr früher Stunde noch in der Dunkelheit abfährt. In Nelson habe ich etwas Aufenthalt, bevor der Intercity Bus zur Nordinsel abfährt. Gegen Mittag erreiche ich schließlich Picton, einen netten Touristenort, von dem die Fähren zur Nordinsel ablegen, weshalb hier ziemlich viel los ist.
    In der hiesigen i-site erfahre ich, das ein Teil des Queen Charlotte Tracks wegen der noch immer akuten Waldbrandgefahr gesperrt ist. Das hält mich aber nicht davon ab, einen Besucherpass für 12 Dollar zu kaufen. Da der Weg zum Teil durch privates Land führt, muss hier tatsächlich eine Art Eintrittsgebühr gezahlt werden, ungewöhnlich für Neuseeland!
    Ausserdem kaufe ich ein Ticket für das Boot nach Ship Cove, einer Bucht die der Startpunkt des Queen Charlotte Track ist. Es gibt auch direkte Verbindungen, aber bereits in einer halben Stunde legt das Postboot ab, das die nur auf dem Seeweg erreichbaren, verstreuten Häuser in dem verschlungenen Buchtenlabyrinth versorgt.


    Mit dem Postboot durch den Queen Charlotte Sound

    Auf dem Oberdeck genießen ausser mir noch eine ganze Reihe anderer Touristen die Wasserwelt aus der steile, üppig begrünte Hänge ragen. Wenn die Sonne erscheint, nimmt das Wasser eine tolle, türkise Farbe an.


    Grünes Wasser, üppiger Wald


    Nur auf dem Seeweg erreichbar

    Nach über drei Stunden erreichen wir die Bucht Ship Cove, wo wir an Land gehen. Hier hat der berühmte Entdecker James Cook Neuseeland erreicht, und auf drei Fahrten mehrere Monate verbracht, wobei es zu intensiven Kontakten mit den ortsansässigen Maori kam. Leider kann man auch sagen, dass dies der Beginn des Niedergangs von Maorikultur und Tierwelt der Inseln war...


    Ship Cove ist historisch bedeutsam

    Ich bin der einzige Passagier, der hier das Boot verlässt, um den 72 Kilometer langen Weg zu erwandern.
    Eine Informationstafel informiert über alles Wissenswerte und die Infrastruktur des Wegs, der auch den Beginn des Te Araroa auf der Südinsel darstellt.


    Infotafel

    Es nieselt leicht, dennoch breche ich bald in den fast tropisch anmutenden Wald voller Baumfarne auf, in dem die Zikaden das passende Konzert liefern. Der Weg ist breit und stellenweise etwas schlammig, aber sehr gut zu laufen.


    Tropisch anmutender Wald

    Es geht bergauf zu einem Aussichtspunkt, von dem aus man eine vorgelagerte Insel überblicken kann. Da sie inzwischen wieder raubtierfrei ist, gilt sie als Refugium für auf dem Festland ausgestorbene Vogelarten.


    Zufluchtsort für seltene Vogelarten

    Ich habe noch genug Zeit, daher schlage ich schon bald mein Zelt in der Schoolhouse Bay auf, einem Zeltplatz an dem ausser mir lediglich ein holländisches Paar campt.
    Nachdem ich einen kurzen Strandspaziergang unternommen habe, unterhalte ich mich mit Yvonne und Jasper, die mit einem Mietkajak die Wasserwelt erkunden. Während dessen versucht ein Weka immer wieder etwas von ihren Sachen zu entführen!
    Als ein fantastischer Sonnenuntergang die Bucht färbt, führen sie eine akrobatische Übung vor, toll!




    Sonnenuntergang in der Schoolhouse Bay

    Der nächste Morgen beginnt mit Wolken und einer eher düsteren Stimmung. Ich laufe landeinwärts zu einem Sattel, von dem aus ich die bergige Halbinsel auf der der Track verläuft, teilweise überblicken kann.
    Man sollte sich nicht täuschen: Obwohl der Queen Charlotte Track nie weit von der Küste entfernt ist, sind doch etliche Höhenmeter zu überwinden!
    Von dem ursprünglichen Wald ist leider wenig übrig geblieben, meist läuft man durch dichtes Buschland.


    Dunstiger Morgen

    Der Weg führt um das Endevour Inlet herum, wo etliche Häuser an die Bucht grenzen, darunter auch Luxusunterkünfte wie die Fourneaux Lodge. Interessante Tafeln verraten, dass ein privater Verein hier versucht, den Wald zu renaturieren, ein sicher langwieriges und mühsames Unterfangen...
    Immerhin gibt es noch einen gigantischen Rimu-Baum, etwas abseits des Hauptweges.
    Die Samen eines Baums werden heute nur noch von einer großen Taubenart verbreitet, alle anderen auf große Früchte spezialisierten Vogelarten sind ausgestorben!
    Wohl auf Grund der Waldbrandwarnung sind nur wenige Wanderer unterwegs, dennoch ist hier für meinen Geschmack mit Booten und Wochenendhäusern viel zu viel los...
    Nichts desto Trotz sehe ich einmal ein Stück Rotwild!
    Am Kenepuru Sattel beginnt die Wegsperrung, die ich aber ignoriere, immerhin hat es gestern ein wenig geregnet und ich mache ja kein Feuer.


    Gesperrt wegen Waldbrandgefahr

    Der Weg führt jetzt über Privatgrundstücke, die oft mit angepflanzten Kiefern bestanden sind. Auf der Bootstour gestern hatte ich erfahren, dass man wie immer auf Neuseeland, auch diese nicht einheimische Art vergiftet und so versucht den einheimischen Baumarten mehr Raum zu geben.
    Etliche Schilder weisen auf einen besonderen Ausblick hin, zu dem dann ein Seitenpfad führt.


    Der Weg führt auch über Privatland

    Eatwell's Lookout mit Bänken und Tischen bietet in der Tat einen sagenhaften Ausblick über Berge und Buchten der Marlborough Sounds. Auch das Wetter ist jetzt wieder sehr schön!


    Eatwell's Lookout


    Ein Stück weiter, auf dem Bay of Many Coves Zeltplatz, schön auf dem bewaldeten Kamm gelegen, schlage ich mein Lager auf. Es gibt hier sogar ein Waschbecken und einen offenen Unterstand. Dennoch bin ich der Einzige, der hier übernachtet, die Wegsperrung bewirkt, dass ich einen Zeltplatz für mich alleine habe!
    Als ich am nächsten Morgen frühstücke, beginnt es zu regnen und hört auch nicht mehr auf! Der erste Regen seit zwei Monaten in dieser Gegend! Ich schlafe wieder ein und lese im Smartphone.
    Als ich gegen 13 Uhr dann doch aufbrechen will, treffe ich Josh, einen 27-jährigen Kanadier der in Calgary als Fahrradkurier lebt. Er hat schon die drei großen Wege in den USA gemacht und den Pacific Northwest Trail. Hier in Neuseeland läuft er den TeAraroa. Seine Ausrüstung ist noch viel leichter als meine! Josh ist ein interessanter Gesprächspartner und so laufen wir zusammen durch den Regen. Die Kammroute ist sicher schön, aber davon sehen wir bei dem Wetter nicht allzu viel. Da es weiter regnet, beschließen wir in Portage Bay in einem Backpacker's zu übernachten, was Josh mit dem Handy bucht. Tatsächlich sind wir dort die einzigen Gäste und können den Komfort der warmen, trockenen Wohnung genießen.


    In unserer Unterkunft

    Später essen wir noch Fish and Chips in einem Restaurant am Meer, wo uns die nette Besitzerin zu einem Glas Wein einlädt!
    Nach dem Frühstück am nächsten Morgen verabschiede ich mich von Josh, der erst später starten will und wandere zurück zum Torea Saddle. Das Wetter ist wieder schön, und dementsprechend sind eine Menge Tageswanderer unterwegs, zu viele für meinen Geschmack!
    Der Weg führt weiter über den Kamm und gewährt jetzt auch Blicke auf die Buchten im Norden der Halbinsel.


    Kenepuru Sound

    Es gibt hier Bänke und Klohäuschen und auch die Straße ist nie sehr weit entfernt. Der ursprüngliche Wald ist hier weitgehend durch undurchdringlichen Busch ersetzt. Einmal beobachte ich eine Familie von Haubenwachteln, natürlich auch ursprünglich hier nicht beheimatet...


    Wachtelfamilie

    Am Grove Arm, kurz vor Ende der Wanderung, gelange ich dann doch noch einmal durch ein schönes Waldgebiet, was schon seit 1903 unter Naturschutz steht.
    Der Queen Charlotte Track ist für mich der am wenigsten attraktive Weg, den ich in Neuseeland gelaufen bin. Zu wenig ursprüngliche Natur, zu viel Zivilisation, zu viel Infrastruktur und Leute. Natürlich sind die Ausblicke über die türkisgrünen Buchten toll, das war es dann aber schon fast...
    Aber als Abschlusswanderung die gut kalkulierbar und erreichbar ist, kommt der Weg natürlich durchaus in Frage.
    In Anakiwa, dem Endpunkt der Wanderung, nimmt mich gleich das erste Auto mit, als ich den Daumen raushalte. Ein älteres, englisches Paar ist auf dem Weg nach Picton.
    Bevor ich nach Christchurch fahre, von wo ich nach Hause fliege, verbringe ich noch einen Tag in Kaikoura, dem Ort, der mir auf der Busfahrt nach Nelson, am ersten Tag in Neuseeland so gut gefallen hatte.
    Vor drei Monaten waren die Gipfel der bis zu 2600 Meter hohen Kaikoura Range noch schneebedeckt, und jetzt liegt bereits wieder der erste Schnee auf dem Gebirgskamm, ein toller Kontrast zum Grün des Ozeans!


    Kaikoura Range

    Es gibt hier unzählige touristische Angebote, darunter auch Walbeobachtungstouren, aber ich ziehe es vor den Strand zu Fuß zu erkunden. Ein Pfad führt über eine recht schöne, straßenlose Halbinsel.


    Ich wandere um eine Halbinsel

    Ich bestaune eine Robbenkolonie und schließlich habe ich die Besuchermassen hinter mir gelassen.


    Robben


    Der schöne Strand von Kaikoura

    Als ich schließlich von Christchurch abfliege, konnte ich mir kaum vorstellen, dass der Ort nur zwei Wochen später in die weltweiten Schlagzeilen gerät, als ein rechtsradikaler Terrorist 51 Menschen ermordet und unzählige weitere verletzt...

    Mir haben die drei Monate auf der neuseeländischen Südinsel sehr gut gefallen, und ich werde bestimmt die Durchquerung der Insel eines Tages fortsetzen...

  19. Gerne im Forum
    Avatar von snemelch
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    58

    AW: [NZ] Auf wilden Wegen durch Neuseeland

    #59
    Wirklich hinreißender Reisebericht. Vielen Dank für das Mitnehmen. Dein Schreibstil ist echt klasse, man hat richtig ein bisschen das Gefühl, selber in NZ gewesen zu sein, das in Kombination mit den Bildern!
    Sicher für dich kein einfacher Abschied gewesen, nach vielen Monaten wieder abzureisen.

  20. Dauerbesucher
    Avatar von Intihuitana
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    891

    AW: [NZ] Auf wilden Wegen durch Neuseeland

    #60
    Zitat Zitat von Wildniswanderer Beitrag anzeigen


    Interessanter Baumpilz
    Das sieht doch extrem verdächtig nach einem Ästigen Stachelbart aus.
    https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%84stiger_Stachelbart

    Es wäre interessant zu wissen, ob sie autochton im australischen/antarktischen Florenreich sind, oder eingeschleppt aus Europa.

    Bei den Forellen in den Bächen, wäre ich wohl kaum weiter gekommen sondern hätte dauernd das angeln probiert.
    Russian Roulette is not the same without a gun. - Lady Gaga

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