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    [DK] Bornholm-Umrundung 2019

    #1
    Mitreisende: Blubbi
    Bornholm-Umrundung 2019


    Vorwort
    Nach meiner Wanderung auf dem Gendarmstien im Juli 2019 (https://www.outdoorseiten.net/forum/...borg-Skovby%29) stand schon 3 Wochen später die nächste Tour an. Ich wollte Bornholm umrunden, natürlich zu Fuß und mit meinem neuen Zelt, welches ich schon auf dem Gendarmstien eingeweiht hatte.

    Es fiel mir nach dieser Bornholm-Tour wirklich nicht leicht, aus meinen ca. 2150 entstandenen Fotos die schönsten davon für einen Tour-Bericht herauszufiltrieren. Schlimmer noch, denn dies war eine für mich unlösbare Aufgabe. Bornholm ist so gefüllt mit unendlich schönen Fotomotiven, dass eine Reduzierung auf ein paar beste Bilder schier unmöglich ist. Oft musste ich während der Wanderung wirklich alle paar Meter anhalten, um weitere Fotos zu schießen.

    Deshalb möchte ich mit diesem Bericht versuchen, die Vielfältigkeit der Insel aufzuzeigen und möchte außerdem veranschaulichen, wie unendlich abwechslungsreich der Kyststi ist. Hinter jedem Baum, jeder Hecke und jeder Kurve ergaben sich oft neue Anblicke, neue Motive, neue wunderbare nicht in Worte zu fassenden Aussichten und tolle Landschaften.

    Die Kilometerangaben sind ungefähre Anhaltspunkte und stimmen natürlich nicht immer exakt mit meinen gelaufenen Metern überein.

    Auch die Uhrzeiten, welche ich aus Foto-Details herausgeschrieben habe, sollen Anhaltspunkte sein, um meine Beschreibungen besser einordnen zu können.

    Wie bei all meinen bisherigen Tour-Berichten soll es aber auch in diesem Bericht nicht darum gehen, die Sehenswürdigkeiten oder Weggegebenheiten ausführlich zu beschreiben, sondern es soll wieder eher darum gehen, wie es sich für mich alleine als Frau anfühlte, unterwegs zu sein, mit welchen negativen und positiven Gefühlen ich zu kämpfen hatte, welche Pannen mir passiert sind und welche neuen Erfahrungen ich sammeln und welche neuen Erkenntnisse ich gewinnen durfte.

    Gestartet bin ich meine Bornholm-Umrundung mit fast derselben Ausrüstung wie am Gendarmstien:


    Packliste:

    Big 4:
    - Rucksack (Osprey Exos 58 ohne Deckelfach) (1064 g)
    - Raincover (Osprey Größe M im Original-Packsack) (94 g)
    - Notfall-Trillerpfeife an Reepschnur (ACME Tornado Slimline) (9 g)
    - Zelt (Hilleberg Enan im Original-Packsack inkl. Gestänge und 8 Heringe) (1172 g)
    - Footprint (Original Hilleberg) (256 g)
    - Schlafsack (Aegismax im Original-Packsack) (464 g)
    - Isomatte (NeoAir Uberlite im Original-Packsack) (250 g)
    - Pumpsack zusammengerollt mit Gummi (96 g)
    - Leichte dünne Isomatte (124 g)

    = 3529 g


    Packsäcke/Zippbeutel/Mülltüten/Frühstücksbeutel:

    = 79 g


    Am Körper:
    - Socken (Wrightsock Coolmesh 2) (34 g)
    - Salewa-Zustiegsschuhe MS Wildfire S GTX (784 g)
    - Unterwäsche (80 g)
    - Laufshort (Adidas TX Agravic) (56 g)
    - Merino-T-Shirt (Decathlon) (112 g)
    - Fleecepulli (216 g)
    - Hut (52 g)
    - 2 Trekking-Stöcke mit Panzertape und Asphalt-Gummistoppern (504 g)
    - Gürteltasche 2 L (41 g)

    = 1879 g


    Kleidung:
    - Regenjacke Frogg Togg im Mesh-Beutel (162 g)
    - Regenhose im Mesh-Beutel (240 g)
    - Fleecepullover (174 g)
    - Ersatz-Unterwäsche (36 g)
    - Campschuhe (Crocs) (200 g)
    - Dünne Handschuhe (36 g)
    - Dünne Mütze (24 g)

    = 872 g


    Schlafsachen:
    - Laufshort (Adidas TX Agravic) (56 g)
    - Lange Merino-Unterhose (192 g)
    - Merino-T-Shirt (Icebreaker) (158 g)
    - Merino-Longsleeve-Shirt (Devold) (184 g)
    - Laufsocken Falke Run (32 g)
    - Ohrenstöpsel in Mini-Box (6 g)

    = 628 g


    Hygiene, Körperpflege & Vorsorge:
    - Handtuch (Mikrofaserhandtuch leicht trocknend 30 x 60 cm) (36 g)
    - Waschmaschine (Zippbeutel 3 L) (12 g)
    - Mini-Spiegel aus Kunststoff (2 g)
    - Bambus-Zahnbürste mit verkürztem Stiel (7 g)
    - Nadel als Zahnstocher
    - Denttabs im Zippbeutel (6 g)
    - Wattestäbchen + Zahnseide im Zippbeutel (2 g)
    - Care Plus Clean Bio Soap (10 ml) (Universale Outdoor-Seife /Mini-Duschgel) (16 g)
    - Haarshampoo (Probepackung) (14 g)
    - 1/2 Rolle Klopapier ohne Pappe drin (46 g)
    - Sonnencreme (68 g)
    - Lippensonnenschutz im Zippbeutel (4 g)
    - Handdesinfektionsmittel (36 g)
    - Hirschtalgcreme gegen Blasen (38 g)
    - Zeckito Classic (66 g)
    - Mückenschutz/Zeckenschutz (Care Plus Deet Lotion 50 ml) (36 g)
    - Sonstiges (70 g)

    = 421 g


    Medikamente/Erste Hilfe:
    - Pinzette (8 g)
    - 2 Verbandspäckchen (26 g)
    - 6 Blasenpflaster, 3 große Wundpflaster, 4 wasserfeste Pflaster, 3 Tapestreifen (28 g)
    - Wunddesinfektionsmittel (10 ml) (16 g)
    - Schmerztabletten/Fiebersenkendes Mittel (10 Filmtabletten) (8 g)
    - Voltaren als Sportsalbe/Schmerzsalbe (40 g)
    - Fenistil als Mückenstichgel und gegen Sonnenbrand (8 g)
    - Apres-Sun-Creme (auch als Handcreme) (14 g)
    - Nasenspray (12 g)
    - 6 Reisetabletten Vomex A (2 g)
    - 2 x Cetirizin (2 g)

    = 154 g


    Küche:
    - 1 lila Löffel (1 g)
    - Taschenmesser Victorinox in Original-Hülle ohne Ring (= 6 Funktionen inkl. Messer und Schere) (24 g)
    - 2 Gerolsteiner – Trinkflaschen 1 L ohne Etikett (104 g)
    - 1 Faltflasche 1 L (Platypus) (28 g)

    = 157 g


    Persönliches/Dokumente:
    - Personalausweis (3 g)
    - Krankenversicherungskarte (5 g)
    - Auslandskrankenversicherungskarte (1 g)
    - Hausschlüssel (18 g)
    - Kreditkarte (5 g)
    - EC-Karte (5 g)
    - Bargeld (96 g)
    - 2 Rückflug-Tickets in Klarsichtsfolie (10 g)

    = 143 g


    Sonstiges:
    - Smartphone (136 g) in Knallfolie (mit Kompass, Busfahrplänen, Übersichtskarten, Wanderkarten usw.) + Powerbank RAV 6.700mAh (124 g) + Powerbank-Kabel mit Gummi (14 g) + Handynetzteil (34 g) (312 g)
    - Fotoapparat Nikon Coolpix A10 Kit (inkl. 2 x AA und 64 GB-Speicherkarte) in Knallfolie (166 g)
    - 6 Ersatzbatterien für den Fotoapparat (146 g)
    - Notfall-Karten-Ausdrucke in Klarsichtsfolie, falls das Smartphone versagt (12 g)
    - Mini-Regenschirm/Knirps in Original-Hülle (300 g)
    - Moskitonetz/Mückennetz (26 g)
    - Reparaturset Zelt (1 Ersatz-Hülse) (12 g)
    - 2 Mini-Bleistifte (beidseitig angespitzt) + Mini-Radiergummi (2 g)
    - Block als Notizblock und als Tagebuch (48 g)
    - 5 Wäscheklammern (18 g)
    - 2 Sicherheitsnadeln + 2 Nadeln + etwas schwarzes Garn (2 g)
    - Mini-Fliegenklatsche (8 g)
    - ½ Lappen zum Zelt putzen, abtrocknen usw. (12 g)
    - 6 wiederverschließbare Kabelbinder als Regenschirm-Befestigung am Rucksack und falls eine Rucksackschnalle durchbricht (6 g)
    - 4 Gummis + 1 Frühstücksbeutel-Draht (2 g)
    - Ersatz-Zippbeutel und Ersatz-Tüten (14 g)

    = 1086 g


    Verpflegung:
    - 1 L Wasser (im Durchschnitt)
    - Vitamintabletten (34 g)
    - Acerola-Lutschtabletten (14 g)
    - 3 Clif-Bar-Riegel (218 g)
    - Snacks für zwischendurch und abends: 2 x kandiertes Obst (208 g), 1 Pick Up (30 g), 2 Marshmallow-Keks-Rollen (160 g), 2 x 2 Mini-Salamis (110 g), 1 x M&Ms Mini (46 g), 1 x Reiswaffeln (54 g), 3 Energieriegel (140 g) = 748 g

    = 1014 g Essen + 1 L Wasser


    = insgesamt 7,069 kg ( + 1,879 kg Kleidung am Körper) + 2,014 kg Verpflegung

    = 7,069 kg + 2,014 kg = 9,083 kg Startgewicht



    Leider schmerzte mir noch einige Tage lang nach dem Gendarmstien meine Ferse. Obwohl äußerlich keine Blase zu sehen war, konnte ich keine Schuhe tragen. So lief ich in den letzten 3 Wochen, wann immer es möglich war, in Latschen durch die Gegend, um die Ferse zu schonen und möglichst ausheilen zu lassen. Selbst zum Einkaufen zog ich nur noch Latschen an. Ob diese 3 Wochen allerdings ausgereicht haben, um die Schuhe nun 12 Tage lang tragen zu können, wird sich aber erst auf Bornholm zeigen.
    Geändert von Blubbi (07.04.2020 um 16:34 Uhr)

  2. Erfahren

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    AW: [DK] Bornholm-Umrundung 2019

    #2
    Tag 1 (Lufthavn Rønne – Nordskoven Strand Camping (6 km))

    Pünktlich geht es früh morgens los Richtung Flughafen. Mein erster Flug nach Kopenhagen verläuft problemlos und so lande ich wie vom Flugplan angekündigt um ca. 8.55 Uhr auf dem Kopenhagener Flughafen und muss nun noch ein bisschen Zeit vertrödeln, bis mein nächster Flug um 13.50 Uhr nach Bornholm losfliegt. Ich hole mein Gepäck ab, schlürfe durch den Flughafen, informiere mich, wo ich später hinmuss, weil nirgendwo Gates angezeigt werden, erfahre, dass man hier in Kopenhagen zuerst durch die Sicherheitskontrolle muss und dann erst zu den Gates weitergeleitet wird, gebe mein Gepäck schonmal für den nächsten Flug neu auf, schiebe bei einer Fast-Food-Kette 2 Cheeseburger in mich hinein, trinke eine heiße Schokolade in einem Cafe und irgendwann kann ich endlich einchecken und schonmal zum Gate schnecken. Dort schütte ich ein Wasser mit Zitronengeschmack in mich hinein, schmeiße mir währenddessen eine zweite Vomex-Tablette ein (die erste hatte ich schon vor dem ersten Flug genommen), damit ich auch diesen Flug gut überstehe, und vertrödele die restliche Wartezeit. Im kleinen Flugzeug nach Bornholm gibt es keine Sitzplatzreservierungen und so suche ich mir einen Fensterplatz auf der linken Seite aus, da meiner Berechnung nach von dort aus die Insel zu sehen sein müsste. Das Flugzeug ist halb leer und der Platz neben mir bleibt praktischerweise frei. Pünktlich hebt das Flugzeug ab. Bei blauem Himmel verläuft der Flug perfekt und meine Berechnung stellt sich als richtig heraus.



    Zügig bekommen auf Bornholm alle Passagiere ihr Gepäck und schon geht es um 14.45 Uhr für mich los Richtung Rønne. Mein Fleece-Pullover wanderte bereits in meinen Rucksack und so starte ich in kurzer Hose + T-Shirt + Hut. Zuerst muss ich über das Flughafengelände laufen. Danach geht es ein Stück zwischen dem Flughafenzaun und der Straße entlang.



    Kurze Zeit später befinde ich mich bei ca. 22 Grad und fast ohne Wolken zum ersten Mal auf dem Kyststi und folge diesem Richtung Rønne durch ein kleines Waldstück.



    Doch bald schon erblicke ich die Ostsee und genieße den wunderschönen Anblick bei diesem tollem Wetter, mache eine erste kurze Pause, gönne mir eine Keksrolle und einen Energieriegel, erblicke den Hafen von Rønne und bin aufgeregt, was mich in den kommenden 11 ½ Tagen erwarten wird.









    Schon bald bin ich in Rønne angekommen, wo ich gerne noch in dem Touristmus-Center vorbeischauen möchte, um vielleicht noch ein paar heiße Tipps für den Kyststi und die Zeltübernachtungsmöglichkeiten aufzuschnappen.





    Leider wird daraus aber nichts, da das Touristmus-Center bereits geschlossen hat, obwohl es erst 16.30 Uhr ist

    Da ich daran leider nichts ändern kann, schnecke ich erstmal zum Marktplatz von Rønne. Dort bezahle ich bei Netto mit deutschem Bargeld meine Getränke für heute und morgen früh, damit ich dänisches Bargeld zurückbekomme und gönne mir danach meinen ersten Hot Dog auf Bornholm direkt am Marktplatz. Auch mein erster Smalltalk findet statt, denn ein Ehepaar aus Stuttgart, welches mit Fahrrädern die Insel erkundet, gesellt sich zu meiner Bank dazu.

    Danach schnecke ich weiter in Richtung Tagesziel, Nordskoven Strand Camping. Dort komme ich um 17.35 Uhr an, melde mich in der Rezeption an, bezahle für eine Nacht meine Übernachtung im Zelt, kaufe noch ein Getränk, um es mir für morgen mit Wasser zu vermischen und finde eine riesige Wiese vor, auf welcher ich mein Zelt hinstellen darf, wo ich möchte.



    Meine Sorge, evtl. einen überfüllten Campingplatz wegen der Schulferien vorzufinden, löst sich in Luft auf. Ich habe die wirklich riesige Wiese fast für mich alleine, baue mein Zelt auf, sortiere alle meine Sachen für meinen morgigen ersten richtigen Wandertag, mache mich im Waschhaus frisch, esse 2 Mini-Salamis, bin sehr zufrieden mit diesem absolut gelungenen Anreisetag und schlafe irgendwann aufgeregt, aber glücklich ein
    Geändert von Blubbi (07.04.2020 um 16:35 Uhr)

  3. Erfahren

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    AW: [DK] Bornholm-Umrundung 2019

    #3
    Tag 2 (Nordskoven Strand Camping – Teltplads Finnedalen (17 km))

    Um 5.17 Uhr wache ich auf, weil ich in der Ferne ein Gewitter bzw. Donner höre. Spontan entscheide ich mich, jetzt so schnell ich kann alles einzupacken, damit ich nicht schon am ersten Tag ein klitschnasses Zelt im Rucksack habe. So schnell wie gefühlt noch nie packe ich Schlafsack und Isomatte ein, werfe alles in meinen Rucksack, packe das Zelt zusammen, mache noch schnell 4 Abschiedsfotos von der Wiese ohne mein Zelt, stürme zur Campingplatz-Rezeption und gerade, als ich dort ankomme, fängt es an zu schütten. Glücklich über meinen Entschluss, mich so zu beeilen, stelle ich entspannt meine Sachen unter das Vordach der Rezeption, packe nun nochmal alles ordentlich um bzw. ein, fülle meine Getränkeflaschen auf, frühstücke, genieße ein leeres Waschhaus und bin glücklich. 99 % des Campingplatzes scheinen noch zu schlafen und so genieße ich die Ruhe am Morgen.

    Ich lasse das Gewitter vorbeiziehen, warte, bis es aufhört zu regnen, lasse den nun nassen Campingplatz hinter mir und starte um 6.57 Uhr meine heutige Etappe.



    Heute ist mein momentaner Plan, es bis zum kostenlosen Zeltplatz kurz hinter Vang zu schaffen (teltplads Finnedalen). Genau wie schon auf meiner letzten Wanderung in Dänemark auf dem Gendarmstien gibt es auch hier auf Bornholm einige Übernachtungsplätze („overnantning for free“), an denen man für eine Nacht kostenlos zelten darf.

    Der Kyststi verläuft heute zunächst durch einen nassen und etwas matschigen Wald.







    Aber irgendwann lichtet sich der Wald, erste schilfähnliche Pflanzen kommen in Sichtweite und direkt danach erblicke ich das Meer. Außer ein paar Vögeln, die teilweise ihre Flügel anscheinend im Wind trocknen wollen und teilweise einfach auf Steinen im Wasser entspannen, entdecke ich keine Lebewesen.











    Als nächstes führt mich der Kyststi wieder zwischen Bäumen hindurch,





    bevor er wieder in Wassernähe zu finden ist.





    Erneut regnet es inzwischen und in der Ferne höre ich ein nächstes Gewitter Ich versuche unter einem Informationsschild aus Holz Schutz zu suchen, was aber nur mäßig gelingt. Also suche ich weiter nach einem besseren Schutz und versuche es unter ein paar Bäumen. Glücklicherweise zieht das Gewitter nicht über mich drüber und als der Regen ein wenig nachlässt, schnecke ich weiter.

    Bald müsste mein erstes heutiges Pausenziel kommen – Hasle. Dort erhoffe ich mir, in der Rogeri etwas Warmes zum Essen gönnen zu können, z.B. Backfisch. Tatsächlich finde ich mich schon um 10.23 Uhr auf dem Gelände der Røgeri in Hasle ein und sogar die Sonne zeigt sich kurz.



    So früh ist hier noch nichts los, aber trotzdem frage ich nach, ob sie denn schon geöffnet haben. Ein junger Mann bejaht diese Frage und wir versuchen auf Englisch, etwas Passendes für mich aus der Speisekarte auszusuchen. Leider bieten sie nichts Backfischähnliches an und so entscheide ich mich einfach für eine Portion Pommes mit Majo und eine Cola Light. Ich nehme im Essensraum Platz, genieße die Ruhe und Entspannung und stopfe mich mit ungesunden, aber durchschnittlich leckeren Kartoffelstäben voll.



    Nach dieser gelungenen Stärkung schnecke ich weiter und besorge mir im Supermarkt in Hasle neue Getränke und für abends Käse und neue Salamis. Nach der Durchquerung von Hasle führt der Weg nun an einer – zumindest im Moment – überhaupt nicht befahrenen kleinen Straße entlang.



    Netter Blick zurück nach Hasle bei durchwachsenem Wetter:



    Zum ersten Mal sehe ich in einiger Entfernung 2 andere wandernde Personen mit großen Rucksäcken. Im weiteren Verlauf überholen sie mich irgendwann, während es gerade mal wieder regnet. Sie grüßen kurz und laufen mit gesenkten Köpfen weiter. Ich hingegen bin mit dem Wetter derzeit im Reinen, denn meine Regenschirm-Befestigung am Rucksack hält bis jetzt super, so dass ich relativ trocken durch die Gegend schnecke.

    Ich verlasse die Straße und der Kyststi wird zu einem kleinen Trampelpfad.



    Um 13.57 Uhr erreiche ich Jons Kapel, wo ich mir eigentlich erhofft hatte, an einem Kiosk etwas zum essen oder zum trinken zu ergattern. Aber außer wunderschönen Aussichten kann ich leider nichts entdecken - weder ein Hinweisschild, noch ein Gebäude, noch Menschen.





    Also geht es für mich ohne Energienachschub weiter auf wunderbaren Pfaden.











    Und dann kommt zum ersten Mal die so bekannte Burg Hammershus in Sicht, ganz in der Ferne hinter dem kleinen Hafen von Vang:



    Doch bis Vang gilt es noch ein paar nette Wegstücke hinter mich zu bringen.



    Dann erreiche den alten Steinbruch, an dem man wohl klettern kann und welcher auf mich so verlassen aber irgendwie eher einen gruseligen und düsteren Eindruck hinterlässt.









    An dieser Brücke über die Schlucht treffe ich tatsächlich ein paar dänische Spaziergänger.



    Auch sie wollen die Brücke überqueren, wollen mir aber den Vortritt lassen. Ich hingegen habe bereits ein flaues Magengefühl, weil es darunter so tief herab geht. Leider bleibt mir aber nichts anderes übrig, als meine Höhenangst zu überwinden, um weiter dem Kyststi zu folgen. Ich erkläre den Spaziergängern auf Englisch, dass ich Angst vor der Brücke habe und vielleicht lange brauche, um herüberzukommen bzw. mich dazu zu überwinden. Die Spaziergänger lassen aber nicht locker - ich solle zuerst gehen. Also schnecke ich voller Angst zur Brücke hoch. Ein Foto von dort oben ist mir leider wirklich nicht möglich und auch ein Genießen der wahrscheinlich guten Aussicht ist für mich absolut unmöglich. Ich versuche mich auf das Geländer und die Brücke an sich zu konzentrieren und schnecke mit wackeligen Beinen hinüber. Drüben angekommen muss ich erstmal ein paar Meter weiterlaufen, um diese Höhenangst-Gefühle loszuwerden. Ich bin unendlich glücklich, dass ich diese Brücke nun hinter mir habe, denn schon zuhause hatte ich im Internet von dieser Brücke voller Ehrfurcht gelesen und Fotos gesehen.

    Nach einer kurzen Beruhigungspause geht es für mich weiter.





    Und dann erreiche ich um 15.12 Uhr den kleinen Ort Vang. Obwohl es hier keinen Supermarkt gibt, hoffe ich, hier irgendwie an etwas Essbares und/oder Trinkbares zu kommen. Erfreut stelle ich fest, dass das Cafe Misty geöffnet hat. Ich setze mich nach draußen auf die Terrasse, da es im Moment trocken ist und bestelle mir ein Sandwich und einen Eistee. Leider fängt es aber wieder an zu regnen, so dass ich nach drinnen flüchten muss. Drinnen ist es ziemlich eng und obwohl nur ein paar Leute da sind, sind sehr bald alle Stühle besetzt. Die Besitzerin wirkt nicht besonders freundlich und im Eingang liegt ein nicht wirklich gepflegt aussehender Hund, aber mir soll’s egal sein. Ich erhalte mein Sandwich und mein Getränk und bin erstaunt, wie riesig und frisch das Sandwich ist. Immer mehr Leute suchen in dem kleinen Cafe Schutz und als ich aufgegessen habe, warte ich nur noch, bis es aufhört zu regnen und ziehe weiter.

    Weit komme ich allerdings nicht, denn schon sehr kurz nach Verlassen des Cafes fängt es erneut an zu regnen. Ich stelle mich unter das seitliche Mini-Dach der nächstbesten Hütte, weil es inzwischen nicht nur regnet, sondern wie aus Eimern schüttet. Plötzlich höre ich eine Stimme aus einem Fenster der Hütte. Ich verstehe kein Wort von dem, was mir da auf Dänisch versucht wird zu vermitteln, aber glücklicherweise kann der Mensch besser Englisch als ich und so begreife ich relativ schnell, dass er mich einlädt, auch in die Hütte zu kommen. Ich verneine und betone, dass ich nur kurz den Regen abwarten möchte, aber er bleibt bei seiner Einladung und so stehe ich ein paar Sekunden später in einer völlig überfüllten Holzhütte, die eigentlich für Segler gedacht ist. In dieser Hütte hat sich eine Gruppe ausgebreitet, welche aus 4 Familien besteht und welche nicht mehr ins Cafe gepasst hat. Ich stehe also dicht gedrängt in der Hütte (die Sitzplätze sind schon alle belegt) und wir erzählen uns gegenseitig ein bisschen von den Gründen, warum wir auf der Insel sind. Kurze Zeit später kommt ein Mitarbeiter des Cafes mit einem Tablett voll Kuchen herein, welches die Gruppe anscheinend im Cafe bestellt hatte. Die Kuchenstücke sind viel zu wenige für diese große Gruppe und so teilen sie feierlich die Stücke in weitere Stücke. Auch ich werde eingeladen, aber ich bleibe hart und betone, dass 1. ich ja gerade ein Sandwich gegessen habe im Cafe und 2. ich dieses bisschen Kuchen den Leuten absolut gönne. Irgendwann hört es auf zu schütten und so verabschiede ich mich mit großem Dank für die trockene Pause und die nette Einladung von meinem ersten Trail-Magic-Ort dieser Wanderung.

    Weiter geht’s nun Richtung Finnedalen, wo ich hoffentlich schnell den kostenlosen Zeltplatz finde. Ein paar Berichten im Internet zufolge ist der Platz angeblich nur schwer zu finden, und da es inzwischen schon nachmittags ist, hoffe ich, dass diese Informationen auf mich nicht zutreffen. Im absoluten Notfall müsste ich, wenn ich den Platz nicht finde, entweder weiterlaufen zum nächsten Campingplatz, was aber im günstigsten Fall ohne Verlaufen einen Umweg von 2 x 2 km bedeuten würde (Lyngholt Camping) oder irgendwo heimlich wildzelten, was ich aber eigentlich absolut nicht möchte. Der Weg bis zum Finnedalen ist wunderschön und trocken ist es seit dem Verlassen der Seglerhütte auch geblieben:









    Glücklicherweise finde ich den Zeltplatz aber viel leichter als befürchtet und muss überhaupt nicht suchen, da er fast direkt am Kyststi liegt. Ich biege dazu vom Kyststi links zu einer großen geräumigen Wiese ab, welche außer einem fast zusammengefallenen Zelt leer ist. Ich entscheide mich für die linke Ecke der Wiese und um 17.12 Uhr steht mein Zelt. Sogar die Sonne scheint im Moment ein bisschen und so kann das Zelt schön durchlüften und richtig trocknen von der Morgenfeuchte der letzten Nacht.





    Leider fühle ich mich hier so ganz alleine unwohl und so hoffe ich, dass noch andere Wanderer hier übernachten. Ich schiebe den Käse und die Salamis in mich hinein und entspanne mich, denn leider tun mir inzwischen beide Fersen stark weh. Auch meine Schultern und mein Rücken tun weh, aber dies stört mich nicht bzw. beunruhigt mich nicht weiter, da dies inzwischen normal für mich ist. Ich schmiere meine Füße mit Hirschtalg ein, in der Hoffnung, dass die Schmerzen nicht noch schlimmer werden. Obwohl es heute nicht ganz so warm war wie gestern (ca. 19 Grad) und es immer wieder Schauer gab, war das Wetter in kurzer Hose + T-Shirt + Fleece-Pulli + manchmal Regenschirm sehr gut zu überstehen. Trotz so viel Zeit heute Abend bin ich zu erschöpft, um mir meine täglichen Tagebuch-Notizen zu machen, aber ich nehme mir natürlich vor, dies dann morgen nachzuholen.

    Abends um ca. 20.30 Uhr höre ich draußen plötzlich Geräusche und Stimmen. Ich liege gerade in meinem Zelt, um zu entspannen, und frage mich, welche Sprache die Neuankömmlinge sprechen. Ich vermute, dass es polnisch oder russisch sein könnte und höre heraus, dass dies ein Mann und eine Frau sind. Die Beiden scheinen den Geräuschen nach ein Zelt aufzubauen, was mich schonmal etwas beruhigt. Kurze Zeit später höre ich noch mehr Stimmen. Nach und nach kommen immer mehr Stimmen dazu, was mich zwar wundert, ich aber im Moment noch nicht einordnen kann. Die Leute sind insgesamt alle sehr laut, rufen quer über die ganze Wiese und scheinen sich zu kennen. Inzwischen ist es schon fast dunkel, ich stecke mir meine Ohropax in die Ohren, weil die Leute so laut sind und plötzlich erschrecke ich gefühlt fast zu Tode, als jemand über meine Zeltabspannleine stolpert. Sofort merke ich, dass der Hering dabei herausgerissen ist und ich platze fast vor Genervtheit. Ich schäle mich also aus meinem schönen warmen Schlafsack, krabbele aus dem Zelt heraus und bin erschrocken, als ich sehe, was inzwischen auf der Wiese los ist. Eine große Gruppe mit ca. 15 Zelten und ca. 20 Fahrrädern hat sich auf dem Platz ausgebreitet. Überall liegen und stehen Fahrräder, manche sind umgekippt. Der Mensch, der über meine Abspannleine gestolpert ist, scheint ziemlich angetrunken zu sein. Also sage ich besser nichts, spanne mein Zelt wieder neu ab und verkrieche mich wieder im Schlafsack. Unfassbarerweise stolpert ca. 5 – 10 Minuten später wieder jemand über meine Abspannleine. Ich kann es nicht glauben. Ist das euer Ernst??? Da stellt man schon extra sein Zelt in eine Ecke und trotzdem kann man nicht ein bisschen Abstand halten zu fremden Zelten??? Ich bin innerlich kurz vor einer Explosion. Ich weiß aber, dass ich mich weder aufregen kann noch sonst etwas sagen kann, weil 1. diese Gruppe aus viel mehr Leuten besteht als ich, 2. die Gruppe schon hauptsächlich angetrunken wirkt und 3. ich natürlich nicht weiß, ob sie aggressiv reagieren würden, wenn ich mich beschweren würde. Also klettere ich erneut aus meinem Zelt, behebe den Schaden und schaue fassungslos kurz zu, wie die Gruppe nun mit riesigen Töpfen unfassbar laut versucht, Essen zuzubereiten. Aber mir bleibt nichts anderes übrig, als wieder ins Zelt zu kriechen. Ich liege also wieder im Zelt und brodele vor mich hin. Und außer Wut verspüre ich zudem wieder Angst. Wer weiß, auf was für Ideen diese Menschen kommen, wenn sie besoffen sind. Ewig lange liege ich noch im Schlafsack und kann trotz Ohropax wegen des Lärms der Gruppe nicht einschlafen. Ich hoffe einfach nur, dass diese Nacht schnell vorbeigeht.
    Geändert von Blubbi (08.04.2020 um 19:33 Uhr)

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    AW: [DK] Bornholm-Umrundung 2019

    #4
    Wärst Du doch beim Shelter in Vang geblieben, das Du so nett fotografiert hast:



    An der Mole kann man übrigens ganz hervorragend schwimmen, weil man direkt ins tiefe Wasser kommt.

    Vielen Dank für den Bericht!

  5. Erfahren

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    AW: [DK] Bornholm-Umrundung 2019

    #5
    Zitat Zitat von Pedder Beitrag anzeigen
    Wärst Du doch beim Shelter in Vang geblieben, das Du so nett fotografiert hast
    Ich ziehe es vor, im Zelt zu schlafen Shelter sind nicht so mein Ding.

    Zitat Zitat von Pedder Beitrag anzeigen
    Vielen Dank für den Bericht!
    Gerne Der nächste Upload erfolgt heute Abend

  6. Erfahren

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    AW: [DK] Bornholm-Umrundung 2019

    #6
    Tag 3 (Teltplads Finnedalen – Sandkaas Camping (10 km + Besichtigung Hammershus))

    Nach dieser Nacht, in der ich mich so unwohl gefühlt habe, wie ich es nicht nochmal auf einer Wanderung erleben möchte, beschließe ich noch im Schlafsack die folgenden 2 Dinge: 1. werde ich ab jetzt die kostenlosen dänischen Übernachtungszeltplätze vermeiden, wann immer es möglich ist (, da ich auf meiner Wanderung am Gendarmstien ja auch schon verschiedene unschöne Gefühle hatte) und 2. werde ich ab sofort meine Zeltabspannleinen immer kürzer zusammenknoten, damit die Wahrscheinlichkeit sinkt, dass wieder jemand darüber stolpert. Nie hatte ich mich mit diesem Thema auf meinen beiden Lappland-Touren beschäftigen müssen, aber da nun inzwischen auf dem Gendarmstien 1 x und hier jetzt 2 x jemand darüber gestolpert ist, muss ich dies wohl ändern.

    Um ca. 5.30 Uhr verlasse ich mein Zelt und stelle fest, dass die Gruppe die Wiese verwüstet hat





    Überall liegen und stehen durcheinander Fahrräder, die Zelte sind trotz nächtlichem Regen teilweise nicht abgespannt und überall liegen Müll, Flaschen und sonstige Sachen herum. Eine Katze hat auch schon festgestellt, dass hier nicht aufgeräumt wurde und frühstückt gerade die nicht weggeräumten Essensreste. Glücklicherweise ist noch niemand der Gruppe wach, so dass ich zumindest in Ruhe meine Sachen zusammenpacken kann, meine Füße mit Hirschtalg einschmieren kann, mein nasses Zelt einpacken kann und mich fertig machen kann. Trotzdem hat mich dieser letzte Abend so sehr genervt, dass ich hier einfach nur weg möchte. Um 7.17 Uhr mache ich mich vom Acker.

    Schon kurz nach Verlassen des Zeltplatzes entschädigt mich der Kyststi für meine schlechte Erfahrung an diesem Zeltplatz. Das Wetter ist wunderbar und die Aussichten und die Landschaft könnten nicht besser sein.











    Schöner geht es wirklich nicht. Das Wetter, die Landschaft, die Aussichten und der menschenleere friedliche Kyststi wirken auf mich perfekt.

    Zeit für erste Selbstauslöser-Fotos mit Hin- und Herrennen, bis ich zufrieden bin:



    Die Perfektion dieses Morgens seit Verlassen des Zeltplatzes bleibt erhalten und auch die Hammershus rückt wieder in meine Sicht:



    Heute habe ich nur 10 Kilometer eingeplant als Tagesetappe, damit ich in aller Ruhe und ohne Zeitdruck die Hammershus besichtigen kann.

    Irgendwann erreiche ich auf dem Weg dorthin diese Stelle:



    Zum ersten Mal auf dieser Wanderung finde ich keine Wegmarkierung und weiß nicht, wo ich weiterlaufen soll. Ich entscheide mich für den unteren Weg, da dort die Wahrscheinlichkeit geringer sein könnte, mich zu verlaufen. Wer weiß, wo mich der Weg rechts hinführen könnte? Leider stellt sich meine Entscheidung aber anscheinend als nicht richtig heraus.

    Es geht durch umgekippte Bäume, dichtes Farngestrüpp (Zeckenalarm?) und definitiv nicht über den Kyststi.











    Erst direkt unterhalb der Hammershus finde ich den Kyststi zufällig wieder.



    Ich folge ihm unterhalb der Burg und die Aussichten sind atemberaubend.







    Bald gelange ich zu einem Aussichtspunkt, von dem aus man die Kamele sehen kann.





    Ich biege nun ab auf einen Weg nach oben, da ich auf jeden Fall die Hammershus aus der Nähe anschauen will.



    Leider ziehen diese dunklen Wolken immer näher und in der Ferne höre ich schon das Grollen eines Gewitters. Dennoch mache ich noch viele Fotos oben auf dem Berg und genieße es, die komplette Burg für mich alleine zu haben.











    Aber das Gewitter rückt immer näher und so beschließe ich, zum Besucherzentrum zu schnecken, um dort das Gewitter abzuwarten. Leider kann ich nicht sicher unterscheiden, wann ich Donner höre und wann es nur die laute Ostsee bzw. seine laute Wellen sind. Hier oben alleine auf dem Berg ist es deshalb vielleicht nicht die klügste Idee, einem Gewitter standzuhalten





    Auf dem Weg zum Besucherzentrum fängt es an zu tröpfeln und so packe ich die Schnecke imaginär in meinen Rucksack und lege einen Nicht-Schnecken-Spurt ein.

    Dort angekommen stelle ich fest, dass das Zentrum noch geschlossen hat. Ich richte mich unter dem großen Vordach ein und mache mir nichts daraus, Hauptsache ich bleibe einigermaßen trocken. Daraus wird aber leider nichts. Das Dach ist eine Konstruktion, die überall Regen durchlässt und so versuche ich nur, meinen Rucksack unter einer Bank einigermaßen zu schützen, ziehe alle meine Regensachen an und hoffe, dass ich unter den Regensachen einigermaßen trocken bleibe.





    Die dunklen Wolken sind nicht ohne, aber da ich relativ sicher stehe, frühstücke ich relativ entspannt einen Clif-Bar-Riegel im Regen auf einer Bank unter dem „Dach“ und beobachte das Wetterspektakel. Irgendwann ist das Gewitter weg, der Regen hört auf und das Besucherzentrum öffnet.



    Ich schaue mich drinnen ein bisschen um, aber pünktlich zur Öffnung des Zentrums strömen die ersten Touristen in schicker Kleidung herbei und auch die ersten Busse - vollbeladen mit weiteren Touristen - fahren vor.

    Ich lasse mich noch ein bisschen durchtrocknen und schaue mir das Museum an und erhole mich etwas auf einem der vielen Stühle, aber es kommen immer mehr Leute. Für mich ist nun definitiv die Pause vorbei und ich flüchte vor diesen Menschenmassen. Da ich im Besucherzentrum erfragt hatte, wo der Kyststi weiterverläuft, sehe ich nur noch kurz die gerade zur Burg hoch strömenden Menschen



    und bin schnell wieder auf einem einsamen Trampelpfad und genieße hier jetzt die Ruhe.



    Die Wetterfee war heute bis jetzt ganz auf meiner Seite und so bin ich absolut glücklich über diesen tollen Morgen. Die Hammershus für sich alleine zu haben und das Gewitter und den ersten Regen des Tages passenderweise genau zu erleben, als ich einigermaßen sicher war, weiß ich absolut zu schätzen. Perfektes Timing. Absolut glücklich über diesen tollen Morgen geht es für mich weiter Richtung Hafen. Dort soll es einen Kiosk geben, bei dem ich mir erhoffe, Nahrung auftreiben zu können.







    Bald schon bin ich unten am Hammerhavn und ich entdecke den nächsten kostenlosen Zeltplatz:



    Er ist wirklich toll gelegen, aber sehr sehr klein. Er bietet nur Platz für höchstens 3 – 4 kleine Zelte und wenn man Pech hat und der Platz schon besetzt ist, hat man schlechte Karten.

    Und dann ist es bald soweit: Ich erblicke den erwähnten Kiosk und tatsächlich hat er geöffnet. Ich kaufe mir Getränkenachschub für heute, fülle und mixe ihn in meine Wasserflaschen, gebe die Pfandflaschen direkt wieder zurück und esse um 11.48 Uhr einen unendlich leckeren Hot Dog, der so lecker ist, dass ich es nicht in Worte fassen kann.



    Mit Blick auf den kleinen niedlichen Hafen und zurück auf die Hammershus ist dies definitiv eine der besten Pausen, an die ich mich jemals zurückerinnern kann. Nach dem Hot Dog findet direkt ein zweiter Hot Dog den Weg in meinen Magen. Und dann fängt es wieder an zu regnen - aber auch diesmal im für mich genau richtigen Zeitpunkt, denn so stelle ich mich einfach unter das Vordach des Kiosks (, ja, dieses ist sogar dicht ), und genieße weiter den bis jetzt gelungenen Wandertag.

    Als der Regen weitergezogen ist, folge ich nach dieser leckeren Pause weiter dem Kyststi. Es geht rechts hinauf auf einen Hügel, auf dem Schafe weiden.



    Als ich oben angekommen bin und weiterlaufe, fängt es schon wieder an zu regnen und es wird auf einmal ziemlich windig.

    Ein letzter Blick zurück zur Hammershus:



    Ich frage mich, ob es die richtige Entscheidung war, jetzt schon weiter zu schnecken und hier oben so alleine unterwegs zu sein und dem Wetter ausgesetzt zu sein, aber jetzt ist es so wie es ist. Ich habe ein bisschen ein mulmiges Gefühl, da es hier echt windig ist und es nirgendwo Schutz zu geben scheint, aber ich reiße mich zusammen und laufe weiter. Irgendwann kommen ein paar Gebüsche, die zumindest vor dem Wind Schutz bieten. Und da es nicht gewittert, sondern nur regnet, nutze ich mal wieder meinen Regenschirm.



    Hier bleibe ich erstmal stehen, esse einen Snack und genieße die einigermaßen trockene Stehpause. Kurze Zeit später kommt, während ich hier noch stehe, tatsächlich jemand vorbei. Wir grinsen uns an und grüßen und er läuft weiter.

    Als der Regen etwas nachlässt, geht es auch für mich weiter. Die atemberaubenden Aussichten und die tolle Landschaft nehmen kein Ende und so genieße ich trotz nicht mehr perfektem Wetter jeden Schritt. Aus dem Kyststi ist inzwischen teilweise ein kleiner Bach geworden.







    Als nächstes erreiche ich die Steinmännchen-Bucht.



    Ich hatte nie zuvor von ihr gehört oder gelesen und bin erstaunt über so unendlich viele gebaute Steinmännchen. Ich frage mich, was der Sinn dieser Männchen ist, aber da ich es nicht weiß und ich es als eine hübsche Idee ansehe, baue ich selber auch eins. Als ich dem Kyststi weiter entlang der Bucht folge und am Ende der Bucht angelangt bin, höre ich plötzlich seltsame Geräusche von links aus der Bucht. Ich schaue nach links und erblicke eine Frau, die so viele Steinmännchen, wie es ihr nur möglich ist, umtritt. Warum tut diese Frau das? Ist sie eine Naturfachfrau und möchte diese durch Menschen zerstörte Natur zurückhaben? Oder hat sie religiöse Gründe? Oder ist sie aggressiv oder psychisch krank? Mein unangenehmes Gefühl lässt mich schnell weiterlaufen. Die Frau stört sich nicht an mir und tritt weiter alles um, was ihr in den Sinn kommt





    Ich schnecke weiter



    und erreiche bald den nördlichsten Punkt Bornholms.



    Ich bin innerlich sehr glücklich und stolz, es schon so weit geschafft zu haben und gönne mir eine entspannte Pause.





    Die hervorgekommene Sonne sorgt inzwischen dafür, dass immer mehr Menschen hierher strömen und so mache ich mich weiter fort in Richtung Tagesziel.



    Aber vorher mache ich noch eine weitere Rast, die ich mir schon zuhause bei meiner Planung vorgenommen hatte. Ich halte bei Promenadekiosken in Sandvig an, bestelle mir ein Softeis mit Schokoladenpulver und einen gekühlten Kakao, setze mich auf eine der Bänke und genieße das so unendlich leckere Eis. Auch die Bornholmer Vögel mögen Eis anscheinend sehr gerne und wollen mein Eis klauen. Immer wieder kommen sie sehr dicht an mich heran oder fliegen sehr sehr knapp über mich hinweg. Aber ich bleibe hart und kämpfe darum, mein hart verdientes Eis zu verteidigen. Ich komme mir vor wie in dem Film „Die Vögel“ und ein Ehepaar, welches auf Bornholm wohnt und in meiner Nähe sitzt, bestätigt dies nach einem kurzen Smalltalk

    Nach dem leckeren Snack schnecke ich um 15.44 Uhr weiter.











    In Allinge mache ich eine kurze Shopping-Pause im Supermarkt, nehme mal wieder den Euro-Kronen-Wechsel-Service in Anspruch und besorge mir neue Getränke und Käse für abends.

    Als ich mich hinter Allinge wieder auf kleineren Wegen befinde, ahne ich, dass es nicht mehr weit sein kann bis zu meinem Tagesziel. Ich frage ein Ehepaar, welches so aussieht, als wenn es sich hier auskennen könnte, und tatsächlich kann dieses mir auf Englisch erklären, dass der Campingplatz nicht mehr weit ist, aber sehr schwer zu finden sei, weil er überhaupt nicht ausgeschildert ist. Aber die Beiden würden mir den Weg zeigen. Ich kann mein Glück mal wieder nicht fassen und so eile ich mit inzwischen schmerzenden Füßen und Beinen hinter dem Ehepaar her, welches aus Sandkaas kommt, hier lebt und einen schnellen Schritt zu gehen pflegt. Ich hechele hinter den Beiden gefühlt hinterher und wir biegen durch verschiedene kleine Schleichwege ab und erreichen irgendwann den Platz. Unfassbarerweise zeigen sie mir sogar noch den Weg zur Rezeption und erklären mir, dass sie dann jetzt einen anderen Weg nach Hause nehmen, wie sie es eigentlich eingeplant hatten. Ich bedanke mich gefühlt tausendmal bei ihnen, schnecke zur Anmeldung, erwerbe eine Duschmarke, kläre alles Notwendige und lasse mir erklären, wo ich mein Zelt aufbauen darf. Ich darf wählen zwischen einer Parzelle, die mir der nette Mitarbeiter auf seinem Plan zeigt und der freien Zeltwiese. Leider ist die Parzelle schief und so entscheide ich mich für die Zeltwiese in der Hoffnung, dass hier nicht die Fahrradgruppe von letzter Nacht dazustößt



    Um 18.23 Uhr steht mein Zelt. Ich richte mich ein, gehe duschen, esse den gekauften Käse, entspanne mich und freue mich, dass wieder ein absolut gelungener Wandertag als Fazit in meinem Kopf bleibt. Bis 15 Uhr hatte es heute zwar immer wieder Schauer gegeben und manchmal hatte ich sogar zusätzlich zur kurzen Hose + T-Shirt + Fleece-Pulli meine Regenhose an, aber ab danach bleib es erstmal trocken bis 18 Uhr. Ab dann gab es weitere Schauer, aber insgesamt bin ich trotzdem zufrieden, da meine Ausrüstung und ich nie richtig durchnässt waren. Meine Fersen schmerzen allerdings genauso wie gestern und so schmiere ich sie mal wieder mit Hirschtalg ein.

    Leider steht mein Zelt anscheinend etwas schief, so dass mein Kopf tiefer liegt als meine Beine. Ich lasse aus meiner Isomatte etwas Luft raus, damit meine Hüfte in der Mitte absinkt. Außerdem lege ich die Matte etwas schief ins Zelt, so dass meine Beine nun nicht mehr auf der Matte liegen sondern daneben. Eine etwas merkwürdige Konstruktion, aber immerhin liege ich nun einigermaßen gerade bzw. mein Kopf ist nicht mehr tiefer als meine Beine

    Um ca. 22 Uhr schlafe ich ein

  7. Alter Hase
    Avatar von codenascher
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    AW: [DK] Bornholm-Umrundung 2019

    #7
    Hallo Blubbi,
    vielen Dank für den bisherigen wirklich schönen Bericht. Du zeigst tolle Bilder und dein Schreibstil gefällt mir sehr gut. Liest sich alles fluffig und dein "ich Schnecke dann mal weiter" ist einfach Zucker!
    Ich warte gespannt auf die nächsten Etappen.

    Bin im Wald, kann sein das ich mich verspäte

    meine Weltkarte

  8. Erfahren

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    AW: [DK] Bornholm-Umrundung 2019

    #8
    Zitat Zitat von codenascher Beitrag anzeigen
    Hallo Blubbi,
    vielen Dank für den bisherigen wirklich schönen Bericht. Du zeigst tolle Bilder und dein Schreibstil gefällt mir sehr gut. Liest sich alles fluffig und dein "ich Schnecke dann mal weiter" ist einfach Zucker!
    Ich warte gespannt auf die nächsten Etappen.
    Hi codenascher,
    vielen Dank für diese netten Worte!!!
    Du hast mich damit motiviert, heute noch Tag 4 hochzuladen
    LG,
    Blubbi

  9. Moderator
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    Avatar von ronaldo
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    AW: [DK] Bornholm-Umrundung 2019

    #9
    Mach!
    Das ist schön, mitzulaufen.

    Edit: mitzuschnecken.
    Geändert von ronaldo (10.04.2020 um 11:56 Uhr)

  10. Erfahren

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    AW: [DK] Bornholm-Umrundung 2019

    #10
    Zitat Zitat von ronaldo Beitrag anzeigen
    Mach!
    Das ist schön, mitzulaufen.

    Edit: mitzuschnecken.

  11. Erfahren

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    AW: [DK] Bornholm-Umrundung 2019

    #11
    Tag 4 (Sandkaas Camping – Gudhjem Camping (14 km))

    Meine Angst, hier genauso lärmbelästigt zu werden wie gestern von der Radgruppe, war teilweise unnötig, denn als ich heute Morgen um 6.43 Uhr aufwache, bin ich immer noch komplett alleine auf der Wiese. Dennoch war dies eine sehr schlechte Nacht. Nachts wurde ich wach und hatte einen Krampf in der linken Wade. Danach lag ich gefühlt ewig lange wach und konnte nicht wieder einschlafen, weil mir 1. total kalt war und ich gezittert habe, ich 2. vorher einen Albtraum hatte und 3. hier am Campingplatz nachts viele Geräusche zu hören waren (Schreien eines Babys, Geräusche von einer anscheinend naheliegenden Straße, irgendwo redeten Leute laut bis ca. 1 Uhr und irgendwo hier am Platz wurde laut rumgerödelt). Ich zog mir meinen Ersatz-Fleece-Pulli über meine eh schon lange Kleidungsschicht und wickelte zudem meine Regenjacke um meine Füße. Seitdem war mir wenigstens nicht mehr kalt. Irgendwann schlief ich dann wieder ein und wurde dann endgültig geweckt dadurch, dass irgendwo auf einer naheliegenden Parzellen Menschen erneut redeten.

    Um 8.40 Uhr laufe ich nach den üblichen Morgenritualien und mit Hirschtalg eingeschmierten Füßen los und mache mich erstmal wieder auf die Suche nach dem Kyststi. Die Suche gestaltet sich zum Glück als einfach und so schnecke ich bei bewölktem, aber trockenem Wetter vor mich hin, genieße wieder die tolle Landschaft und bin gespannt, was mich heute erwartet.







    Nach diesem Strandabschnitt erreiche ich Tejn und gehe dort im direkt am Hafen gelegenen Coop shoppen. Mit meinem Shopping-Ergebnis laufe ich bis zu diesem netten Rastplatz direkt hinter dem Hafen



    und genieße um 9.50 Uhr mein frisch erworbenes Frühstück, entspanne mich und genieße mal wieder die morgendliche Ruhe. Mein Frühstück besteht aus einem Kakao, einem leckeren Marzipan-Crossaint und einem Berliner mit Vanillefüllung, der, wie sich hier gerade herausstellt, noch komplett gefroren ist innendrin. Nunja. Ich nehme auf meinen Wanderungen im Thema Essen ja fast immer alles mit Humor und bin zum Glück nicht wirklich anspruchsvoll im Thema Essen. Also mache ich mir nichts daraus und esse anstatt eines weichen Berliners nun halt ein Berliner Eis.

    Nach dieser gelungenen Pause schnecke ich weiter Richtung Helligdomsklipperne.





    Ab jetzt folgt ein eher unschöner Abschnitt bis zu den Klippen, denn der Kyststi verläuft zwischen Tejn und den Klippen fast nur auf Asphalt bzw. an einer Straße entlang, an der selbst jetzt schon viele Autos fahren.



    Erträglich ist dieser Abschnitt nur, weil es zumindest zur linken Seite hin immer wieder nette Aussichten und Abwechslung gibt. Dennoch war dieser Abschnitt bis jetzt der hässlichste hier auf Bornholm.

    An diesem Ausflugsziel mit Informationstafel lehnen sogar schon 2 Fahrräder am Zaun,



    so dass ich tatsächlich nicht die einzige Person an diesem historischen Ort bin. Die Beiden gehen aber gerade, als ich komme, zurück zu ihren Rädern, so dass ich dann doch wieder meine gewohnte Ruhe habe.





    Weiter geht’s







    und bald erreiche ich das Gelände der Klippen. Am Parkplatz ist schon eine Radgruppe eingetroffen, welche genauso rücksichtslos zu sein scheint wie die auf dem kostenlosen Zeltplatz in meiner 2. Nacht hier auf Bornholm. Völlig ungeordnet haben sie überall ihre Fahrräder verstreut und selbst die Informationstafel haben sie komplett zugeparkt, so dass ich keine Chance habe, einen Blick darauf zu werfen. Ich kann so ein rücksichtsloses Verhalten einfach nicht verstehen und kann nicht nachvollziehen, was das Schwierige daran sein soll, die Fahrräder NEBEN so eine Tafel zu stellen anstatt davor. Und auch wenn innerliches Aufregen nichts bringt – ich hasse so etwas einfach

    Weiter geht’s nun ohne Informationen in Richtung Klippen. Auf dem Zustiegsweg liegen viele von den Bäumen heruntergefallene orange-gelbe Früchte und überall fliegen Schmetterlinge herum, welche sich über dieses nette Frühstück freuen.

    Und dann passiert mir das größte Missgeschick, welches ich mir auf so einem harmlosen Zustiegsweg vorstellen kann. Ich mache ein paar Fotos von den Schmetterlingen und als ich den Fotoapparat wieder in meine Gürteltasche stecken will, bemerke ich nicht, dass der Fotoapparat nicht in der Gürteltasche gelandet ist, sondern zwischen meinem Bauch und der Gürteltasche. Ich merke dies aber leider nicht, lasse den Fotoapparat ohne Nachdenken los und klong – knallt er auf den Boden, genau auf einen Stein. Und so kommt es, dass dieses Foto um 11.43 Uhr das letzte Foto dieses Fotoapparates war:



    Denn leider lässt sich der Fotoapparat zwar noch starten, aber das Display hat nun innendrin Risse und man kann nicht mehr sehen, ob überhaupt und wenn ja was der Fotoapparat noch fotografiert. Na super. Ich platze fast vor Wut über meine Unachtsamkeit. Natürlich habe ich noch mein Smartphone mit einer Powerbank dabei, so dass ich trotzdem Fotos machen kann, aber leider in einer schlechteren Qualität als wie mit dem Fotoapparat. Ich nehme mir vor, in Gudhjem zu schauen, ob ich dort evtl. einen nicht allzu teuren neuen Fotoapparat auftreiben kann, welchen ich dann mit meiner Kreditkarte bezahlen würde. Aber was mir noch viel größere Sorgen macht, ist, dass ich nicht weiß, ob auch die Speicherkarte beim Sturz kaputt gegangen ist. Dann wären alle bisherigen Fotos einfach weg :-( Ich hoffe über alles, dass die Fotos zuhause noch zu retten sind, packe den Fotoapparat ein und mache ab jetzt mit dem Smartphone Fotos, denn besser eine nicht so gute Qualität als gar keine Fotos

    Zuhause wird sich aber herausstellen, dass die Speicherkarte nicht kaputt ist und ich glücklicherweise alle Fotos retten konnte

  12. Erfahren

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    AW: [DK] Bornholm-Umrundung 2019

    #12
    Fortsetzung Tag 4

    Schnell erreiche ich nun die Klippen. Immer wieder gibt es tolle Aussichten und ich folge dem Kyststi, genieße die noch nicht überfüllten Pfade und habe trotzdem noch nicht dieses dumme Fotoapparat-Missgeschick aus meinem Kopf verdrängt



    Unten an dem Steg hat sich eine große Jugendgruppe versammelt, so dass ich mir erspare, auch hinunter zu gehen. Vielleicht gehören ihnen die ganzen Fahrräder?

    Ich schnecke weiter und genieße, dass außer dieser Jugendgruppe nicht allzu viele Menschen unterwegs sind.





    Irgendwann höre ich hinter mir laute näherkommende Stimmen. Die Jugendgruppe schreitet in schnellem Tempo in meine Richtung. Ich lasse sie überholen, warte, bis wirklich alle nach und nach an mir vorbei geströmt sind und schnecke erst weiter, als es wieder ruhig ist.



    Auch dieser Mensch genießt anscheinend gerade Ruhe:



    Tatsächlich ist dies eine schnorchelnde Person im Neoprenanzug. Für mich ein unvorstellbares Unterfangen, so alleine da unten im Wasser zu sein, aber so ist eben jeder anders und so genießt eben jeder anders seine freie Zeit

    Ich schnecke weiter auf diesen wunderhübschen Pfaden entlang der Klippen. Im Wasser sehe und höre ich plötzlich dieses vorbeifahrende Ausflugsschiff, welches mit lauten Erklärungen bezüglich der Klippen die Touristen aufklärt.



    Dann wird es wieder ruhig um mich herum und ich schnecke weiter.





    Irgendwann führt mich der Kyststi nach unten und dort laufe ich vorbei an diesen Sheltern, in welchen man genauso kostenlos übernachten darf wie auf den kostenlosen Zeltplätzen:



    Für mich sind diese Shelter aber definitiv nichts und so schnecke ich weiter.



    Ob dieser Zaun mich sicher vor wilden Tieren bewahren wird?

    Und dann erreiche ich um ca. 13 Uhr nach ca. 7 km bzw. der Hälfte meiner heutigen Tagesetappe Dines Lille Maritime Cafe. Schon auf Facebook erfuhr ich vor meiner Reise, dass die Besitzerin Geraldine supernett sein soll und ich ihr auf jeden Fall einen Besuch abstatten möchte. Und so war es dann auch. Ein leckeres Eis am Stiel und ein gekühltes erfrischendes Getränk landen auf meinem Tisch und Geraldine hat sogar Zeit für einen kurzen Smalltalk. Da aber immer mehr Gäste eintrudeln, hat sie viel zu tun und so genieße ich meine Pause alleine.



    Als ich mich genug gestärkt und erholt habe, frage ich Geraldine noch kurz, ob sie einen Tipp für mich hat, wo ich einen neuen Fotoapparat auftreiben könnte. Leider ist ihre Antwort aber sehr ernüchternd: In Gudhjem gibt es auf keinen Fall so etwas zu kaufen, allerhöchstens wenn überhaupt in einem einzigen Geschäft in Nexø (eher unwahrscheinlich und wenn wohl nur zu hohen Preisen) oder in Rønne. Kurze Zeit später verabschiede mich von ihr und bekomme netterweise noch diesen Cookie in die Hand gedrückt - Trail-Magic-Time :-)



    Damit ist mein Entschluss gefasst, dass es auf dieser Wanderung nur noch Fotos mit dem Smartphone gibt. Der Zeitaufwand, extra nach Rønne und wieder zurück zu fahren, ist mir viel zu hoch, denn wer weiß, ob ich dort überhaupt etwas Passendes finden würde.

    Ich laufe also weiter.





    Schon bald erreiche ich den nächsten kostenlosen Zeltplatz (Salene primitive teltplads). Aus reinem Interesse schaue ich ihn mir näher an und stelle fest, dass er zwar wunderschön gelegen ist, aber bei genauem Hinschauen voll ist mit kleinen Müllschnipseln, wie z.B. Haargummis.





    Für mich geht es weiter Richtung Gudhjem.







    In Gudhjem angekommen sehe ich überall Menschen und Busse mit Touristen und es ist trotz des nicht perfekten Wetters einiges los.



    Ich bin froh, diese Menschenmassen nicht dauerhaft ertragen zu müssen und schnecke weiter.



    An einem Restaurant kurz vor Ortsende gönne ich mir um 15.30 Uhr eine Pizza mit einer Cola-Light,



    schaffe die Pizza nicht komplett aufzuessen, lasse mir den Rest für abends einpacken und schnecke weiter Richtung Campingplatz. Dieser ist nicht mehr weit und so erreiche ich um ca. 16.30 Uhr die Rezeption, melde mich an, baue mein Zelt auf und befinde mich zum ersten Mal auf dieser Tour auf einem Platz, der zwar nicht überfüllt wirkt, aber zum ersten Mal nicht ganz so viel Platz und Auswahlmöglichkeiten bietet wie sonst. Ich bin aber völlig zufrieden mit meinem Platz, baue mein Zelt auf, richte mich ein und entspanne mich danach auf der Terrasse des Campingplatzes. Dort genieße ich den schönen Ausblick, esse meine Pizza zu Ende auf, lade meine Powerbank auf, nutze das free Wlan, hole das Tagebuch-Schreiben von gestern nach, schreibe auch für heute schonmal alles auf und lerne A. kennen. Sie ist die erste UL-Wandererin, die ich in Dänemark treffe, kommt auch aus Deutschland und wir haben viel Gesprächsstoff, tauschen uns über Ausrüstung aus und haben eine nette Zeit zusammen. Sie ist ebenfalls mit dem Flugzeug angereist und ist bereits 2 Tage vor mir gestartet mit der Umrundung, hatte aber schon einen wanderfreien Tag eingelegt.



    Wir stellen außerdem fest, dass wir uns evtl. morgen Abend wiedersehen, denn auch sie plant, morgen bis Camping Hullehavn zu laufen. Außerdem lernen wir noch eine andere allein reisende Frau kennen - K. Sie ist mit ihrem Fahrrad und ihrem Zelt unterwegs, hat viel mehr Gepäck dabei als ich und auch mit ihr gibt es viele Themen zum Austauschen bezüglich unserer Touren hier auf Bornholm. Später stellen wir fest, dass ihr Zelt nur ein paar Meter entfernt von meinem steht. Beide Frauen kochen immer gesund in den Küchen der Campingplätze und besorgen sich dafür in Supermärkten entsprechende Zutaten. Für mich ist dies eine unvorstellbare Tat, aber so ist eben jede/r anders

    Meine Fersen taten heute wieder weh, aber tatsächlich immerhin ein bisschen weniger als gestern

    Um 21 Uhr verschwinde ich von der Terrasse in mein Zelt und stelle fest, dass es ziemlich umständlich ist, sich noch schlaffertig machen zu müssen, wenn es schon komplett dunkel ist. Ich nehme mir vor, nächstes Mal entweder wieder eher ins Zelt zu krabbeln oder schon vorher alles für die Nacht vorzubereiten und schlafe dann um ca. 22 Uhr ein

  13. Erfahren

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    AW: [DK] Bornholm-Umrundung 2019

    #13
    Tag 5 (Gudhjem Camping – Camping Hullehavn (16 km))

    Bereits um 5.17 Uhr klappen meine Augen auf, ich krieche aus meinem Zelt und erlebe einen wunderschönen Sonnenaufgang und wie so oft eine menschenleere Gegend. So entstehen schon ab 5.55 Uhr die ersten Bilder dieses neuen Tages:





    In der Nacht bin ich 0 x aufgewacht und so kann ich diese Nacht als sehr gute bewerten

    Auf dem Campingplatz ist noch nicht viel los und so packe ich schonmal alles nach und nach zusammen, erledige meine Morgenaufgaben, beglücke meine Füße mal wieder mit Hirschtalg, bringe meine Sachen zur Terrasse, treffe A. und K. wieder und erzähle ihnen, dass ich jetzt noch eben zum nahegelegenen Supermarkt laufe, um Nahrungsnachschub zu kaufen. Leider war ich dazu gestern Abend zu müde, erschöpft und faul und muss dies nun noch erledigen.

    Am Supermarkt angekommen stelle ich fest, dass der Laden noch gar nicht geöffnet hat, sondern ich noch ein paar Minuten warten muss. Nach dem erfolgreichen Morgen-Shopping (2 L Trinken + Kakao + Banane + Marzipan-Crossaint) laufe ich zurück zur Terrasse, schiebe die Banane in mich hinein als Frühstück, mache ein letztes Foto von diesem netten Campingplatz-Ausblick



    und schnecke um 8.05 Uhr los. Sofort befinde ich mich auf dem Kyststi, da er direkt durch den Campingplatz verläuft.



    Vorbei geht es an einem kleinen Mini-Hafen



    und dann weiter über einen Trampelpfad.



    Kurz danach gelange ich an diesen Strandabschnitt:



    Hier ist der zweite Moment dieser Wanderung, wo für mich nicht klar ersichtlich ist, wo der Kyststi weiter entlang gehen soll. Links am Strand oder rechts über den Weg durch die Bäume? Ich entscheide mich für den Weg durch die Bäume, was sich anscheinend als falsche Entscheidung herausstellt. Immer mehr Wege zweigen voneinander ab und ich finde keinen weiteren Wegmarker. An einem schicken Hotel frage ich gerade frühstückende schick angezogene Hotelgäste auf einer Terrasse, ob sie mir weiterhelfen könnten. Aber sie wissen nichts von einem Kyststi. Sie raten mir, die Bedienung zu fragen, welche ich daraufhin suche. Tatsächlich weiß der junge Mann, wo ich hinmuss, aber es gibt wohl keinen direkten Weg dorthin. Ich solle einfach quer über die Hotelwiese laufen, mich dann durch die Gebüsche quetschen und dann würde ich automatisch irgendwann auf den Kyststi treffen.

    Ein bisschen komisch fühlt es sich schon an, über das Gelände dieses schicken Hotels in kurzer Hose und Wanderklamotten zu laufen, aber ich halte den beäugelnden Blicken der Hotelgäste stand und setze in die Tat um, was die Bedienung mir empfohlen hat. Tatsächlich wird es eine struppige Angelegenheit, die Gebüsche zu durchqueren, aber irgendwann stehe ich wieder auf dem Kyststi.

    Blick zurück zu einem Teil des Hotelgeländes:



    Natürlich ist es auf dem Kyststi fast unmöglich, sich wirklich richtig zu verlaufen, da man ja immer weiß, hört oder sieht, wo das Meer liegt (außer vielleicht, wenn dichter Nebel aufziehen würde), aber dennoch halte ich hiermit fest, dass die Wegmarkierungen nicht immer eindeutig sind

    Nun bin ich aber ja wieder richtig und die wunderbare Landschaft setzt sich fort.







    Auch einen Straßenabschnitt gilt es wieder hinter mich zu bringen, welcher aber diesmal kürzer ist als der vor den Klippen gestern.

    Nach dem Straßenabschnitt bin ich mir zum dritten Mal nicht sicher, wo der Kyststi weiter verläuft und so frage ich einen vorbeifahrenden Mann im elektrischen Rollstuhl-Auto nach dem Weg. Schnell stellt sich heraus, dass er deutsch spricht, aber sicher weiterhelfen kann er mir leider nicht. Immerhin vermutet er aber eine Richtung und tatsächlich erweist sich diese Vermutung als richtig.

    Weiter geht es vorbei an einem Feld, welches mich doch glatt an den Gendarmstien erinnert.



    Da der Kyststi aber seinem Namen treu bleibt, hält der Ausblick auf das Feld nicht lange an.





    An diesem Ausflugsziel gönne ich mir um 10.18 Uhr eine Pause, esse einen Clif-Bar-Riegel und trinke etwas.





    Trotz der frühen Uhrzeit, zu der eigentlich an so abgelegenen Orten noch nichts los ist, kommen tatsächlich Spaziergänger mit ihrem Hund und fragen mich, ob es für den Hund gefährlich wäre, dem Trampelpfad zur Aussicht zu folgen. Natürlich kann ich dies nicht einschätzen, da ich weder den Hund noch die Leute kenne, aber ich erkläre ihnen, dass es erst weiter unten heikel wird wegen Spalten und riesigen Felsen und zuerst der Trampelpfad ein normaler Trampelpfad ist und dass sie selbst herausfinden müssen, wie weit er für sie geeignet ist

    Ich ziehe weiter und genieße wie gewohnt die außer ein paar ganz seltenen Ausnahmen menschenleere Landschaft.





    Auch die Vögel sind noch nicht wirklich motiviert, ihre bequemen Lagerplätze zu verlassen.



    Der Kyststi bietet immer wieder Abwechslung.





    Erst eine Stunde und 50 Minuten später seit Verlassen des Geländes von Randklove treffe ich die nächsten Menschen an diesem Rastplatz bei Bolshavn, an welchem ich meine nächste gemütliche Pause einlege. Bis hierhin hat sich mein Körper super für mich angefühlt außer meinen Fersenschmerzen und Hüftschmerzen und die Zeit und die Kilometer flogen nur so dahin. Ich mampfe das Marzipan-Crossaint und 2 Salamis. Ein Vater mit wahrscheinlich seinem jugendlichen Sohn halten mit ihren Fahrrädern an und gucken sich ohne Worte kurz die Gegend an. Der Vater untersucht seine Armbanduhr und der Junge setzt sich auf eine der Bänke mit seinem Pullover über seinen Kopf gelegt.



    Ich nutze die etwas merkwürdige Situation und schnecke weiter.





    Inzwischen halte ich meine Fersenschmerzen aber nicht mehr aus und so stopfe ich meine Wanderschuhe in den Rucksack und schnecke ab jetzt in meinen Crocs weiter.

    Wenn ich schon fast keine Menschen bis jetzt heute gesehen habe, dann aber stattdessen diese netten Bewohner Bornholms, welche es überhaupt nicht stört, dass ich direkt an ihnen vorbeilaufe:







    Inzwischen ist es schon mittags, ich durchquere ein Mini-Dorf mit Mini-Hafen und so langsam nähere ich mich schon Svaneke.

    Aber vorher verläuft der Kyststi noch durch eine weitere hübsche Landschaft.









    Dann erreiche ich um 13.49 Uhr den Ortsbeginn von Svaneke und dort gehe ich erstmal shoppen, denn meine Nahrungsmittelvorräte brauchen für morgen ein bisschen Aufstockung.



    Noch während ich dabei bin, mich vor dem Supermarkt wanderfertig zu machen, fährt auf einmal der Mann im Rollstuhl heran, welcher mir heute den Weg erklärt hatte bzw. die richtige Richtung vermutet hatte. Er erkennt mich sofort wieder und sagt „Ach“. „War richtig?“. Er meinte damit den Weg Die Welt ist klein.

    Ab dem Shopping habe ich noch einen Kilometer vor mir bis zu meinem Tagesziel. Leider bin ich zu faul, meinen kompletten Rucksack so zu sortieren, dass die Shoppingergebnisse hineinpassen (vor allem, weil ja meine Wanderschuhe oben drauf liegen und der Rucksack dadurch eh schon voller ist als sonst) und so trage ich eine relativ schwere Tüte mit 3 Litern Getränke, 1 Banane und Käse weiter bis zum Imbiss. Dort kaufe ich mir 2 Hot Dogs, lasse mir einen für abends einpacken, bekomme überraschenderweise einen Sonderpreis, damit ich mein komplettes Kleingeld loswerde und kein neues bekomme (Trail-Magic-Time ), stopfe die viel zu große Box mit dem Hot Dog in die Tüte, mampfe den zweiten Hot Dog noch vor Ort auf einer Bank direkt neben dem Imbiss an der Straße und schnecke dann weiter bis zum Campingplatz, was sich als doch recht unbequem erweist aufgrund der Tüte

    Am Campingplatz angekommen finde ich um 14.58 Uhr eine super Stelle für mein Zelt, schön ruhig in einer Ecke des großen Geländes:



    Ich beschließe, hier morgen meinen ersten wanderfreien Ruhetag einzulegen, befreie deshalb die Wiese besonders gründlich von kleinen Ästen usw. und baue mein Zelt auf. Da es außer 3 kurzen Schauern heute trocken geblieben ist, kann das Zelt nun schön lüften und trocknen. Heute war insgesamt so perfektes Wanderwetter, dass ich noch nicht mal den Fleece-Pulli über mein T-Shirt ziehen musste Auch A. hat schon ihr Zelt ca. 50 Meter weiter aufgebaut.

    Nachdem in meinem mobilen Hotel alles eingerichtet ist für den kommenden Tag und ich meine Füße mit Hirschtalg versorgt habe, mache ich einen kleinen Rundgang über das Gelände.



    Später gönne ich mir den hierhergeschleppten Hot Dog und Käse auf den Bänken vor den Service-Häusern und quatsche mit A., welche im Gegensatz zu mir mal wieder ein gesundes Abendessen zu sich nimmt.

    Als ich abends im Zelt liege, höre ich plötzlich um ca. 20.10 Uhr Musik. Ich befürchte schon, dass irgendwelche Campinggäste genauso rücksichtlos sind wie die Leute am kostenlosen Zeltplatz in meiner 2. Nacht hier auf Bornholm, aber dem ist nicht so. Nach und nach höre ich heraus, dass am nahegelegenen Campingplatz-Imbiss ein kleines Konzert per Live-Musik mit einer Frauen-Stimme und Gitarren-Begleitung gegeben wird. Die Musik klingt super, aber ich bin zu müde und zu faul, um nochmal aus dem Zelt zu kriechen. Und so schlafe ich mit der Live-Musik im Hintergrund entspannt und glücklich um ca. 21 Uhr ein

  14. Fuchs
    Avatar von evernorth
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    AW: [DK] Bornholm-Umrundung 2019

    #14
    Ach, da werden frühste Erinnerungen an meine lange Zeit zurückliegenden Camping - Aufenthalte auf
    Bornholm wach.
    Gudhjem Camping war beide Male unser Base - Camp. Von dort haben wir zahlreiche 1-2 Tagestouren, zu Fuß, per Fahrrad und per Mofa gemacht.
    Zauberhafte, wunderschöne Insel.
    My mission in life is not merely to survive, but to thrive; and to do so with some passion, some compassion, some humor and some style. Maya Angelou

  15. Erfahren

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    AW: [DK] Bornholm-Umrundung 2019

    #15
    Zitat Zitat von evernorth Beitrag anzeigen
    Ach, da werden frühste Erinnerungen an meine lange Zeit zurückliegenden Camping - Aufenthalte auf
    Bornholm wach.
    Gudhjem Camping war beide Male unser Base - Camp. Von dort haben wir zahlreiche 1-2 Tagestouren, zu Fuß, per Fahrrad und per Mofa gemacht.
    Zauberhafte, wunderschöne Insel.
    Ohja, Bornholm ist wirklich wunderschön
    Vor allem die abwechslungsreiche Landschaft entlang des Kyststis hat mich sehr begeistert

  16. Erfahren

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    AW: [DK] Bornholm-Umrundung 2019

    #16
    Tag 6 (Ruhetag bzw. ca. 2,5 km)

    Um 6 Uhr wache ich auf und bin froh, heute mal nicht alles zusammenpacken zu müssen. Meine Nacht war wieder gut insgesamt und ich bin nur früh morgens 2 x kurz aufgewacht, aber schnell wieder eingeschlafen. Völlig entspannt und glücklich ziehe ich mich an und starte um 6.15 Uhr einen Morgenspaziergang über das Campingplatzgelände.





    In gewohnter morgendlicher Ruhe genieße ich es, Fotos zu machen.









    Um 6.47 Uhr ist mein Morgenspaziergang beendet. Nach diesem Foto-Spaziergang entspanne ich mich im Zelt und wandere danach in Allerseelenruhe ins Waschhaus, wasche meine Wanderwäsche, hänge sie auf, lade meine Powerbank in einem Aufenthaltsraum auf und treffe A. wieder. Auch sie legt hier heute einen Ruhetag ein, frühstückt gerade auf den Bänken und so setze ich mich zu ihr, frühstücke eine Banane und wir quatschen ca. 1 Stunde lang und tauschen uns weiter aus. A. hatte auf Bornholm noch eine weitere deutsche Frau kennengelernt, welche auch zu Fuß mit Zelt die Insel alleine umrundet – F. Wir verabreden uns mit F., welche laut A. heute Nachmittag hier ankommen soll, zum Abendessen in Svaneke.

    Um 11 Uhr entspanne ich mich mal wieder im Zelt und schiebe Vollkornkekse in mich hinein, welche ich immer noch von zuhause im Rucksack hatte.



    Gegenüber von meinem Zelt hat eine Familie in einem langen Tunnelzelt übernachtet. Sie sind mit Vater, Mutter und 2 kleinen Kindern per Fahrrad unterwegs. Beide Fahrräder der Erwachsenen haben jeweils ein Kind an bzw. auf ihrem Fahrrad dabei (extra angefertigte Tandems). Die Familie ist so schon bereits zum Atlantik gefahren, umrundet nun Bornholm und jedes Tandem hat ca. 5000 Euro gekostet.

    Inzwischen regnet es etwas und so entspanne ich weiter im Zelt und schlafe nochmal ein bisschen. Mittags schaue ich im Campingplatz-Shop vorbei, um einen kleinen Mittagssnack zu erwerben, aber da die Auswahl eher gering ist, wird es nur ein Vanille-Joghurt mit Müsli-Krümeln im Deckel zum Einrühren. Dann kommt F. am Campingplatz an und wir quatschen ein bisschen zusammen mit A. Ich esse als Mittagessen den Vanille-Joghurt und um 15 Uhr laufen die beiden zum Supermarkt nach Svaneke. Ich bin dafür zu faul und gehe lieber duschen und entspanne mich weiter im Zelt

    Um 18.45 Uhr bin ich in Svaneke mit den Beiden vor dem Supermarkt verabredet. Wir wollen entweder in das Outdoor-Restaurant gehen oder spontan ein anderes Restaurant aussuchen. Ich bin schon etwas eher losgelaufen und besorge mir noch im Supermarkt für morgen eine Banane und Getränkenachschub. Außerdem tausche ich mal wieder Euros in Kronen um. Letztendlich sitzen wir bei unendlich leckerem Essen und einer Cola Zero in einem urigen Restaurant (Pakhuset).



    Ich genieße das erste Hakkeplankebøf meines Lebens und beschließe direkt, dass dies nicht das letzte Hakkeplankebøf meines Lebens sein wird. Ich kann nicht in Worte fassen, wie lecker dieses mit Kartoffelpüree überbackene frikadellenähnliche Fleischstück schmeckt. Leider bin ich nach diesem Essen aber noch nicht satt, und so bestellt A. in meinem Auftrag, weil sie besser Englisch spricht als ich, noch eine zusätzliche Frikadelle (so wie die, die unter dem Kartoffelpürre liegt). Leider hat diese Bestellung aber nicht geklappt und so landet kurze Zeit später ein Steak vor mir auf meinem Teller. Ich nehme es mal wieder mit Humor, verspeise das Steak mit Genuss und auch wenn es nicht das ist, was ich eigentlich haben wollte, schmeckt es sehr lecker Wir haben eine schöne nette Zeit zusammen zu dritt und nach diesem so leckeren Essen laufen wir noch zu einem Bank-Automaten, weil A. neues Bargeld braucht und laufen danach zurück zum Campingplatz.

    Um ca. 22 Uhr schlafe ich erneut absolut glücklich und zufrieden ein

  17. Dauerbesucher
    Avatar von Ljungdalen
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    AW: [DK] Bornholm-Umrundung 2019

    #17
    Auch von mir besten Dank für den Bericht (auch wenn das nicht so mein Outdoor-Ding ist; zu viel Zivilisation...)

    Zitat Zitat von Blubbi Beitrag anzeigen
    ...laufen wir noch zu einem Bank-Automaten, weil A. neues Bargeld braucht...
    *Braucht* man in DK noch? Fahre da meist nur durch, zuletzt 2017, darum keine weitergehenden, neueren Erfahrungen.

  18. Erfahren

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    AW: [DK] Bornholm-Umrundung 2019

    #18
    Zitat Zitat von Ljungdalen Beitrag anzeigen
    Auch von mir besten Dank für den Bericht (auch wenn das nicht so mein Outdoor-Ding ist; zu viel Zivilisation...)
    Ich bin ja noch in der Lernphase, was ich mag und was nicht
    Und ja, es war sehr zivilisationsnah. Aber dennoch bereue ich diese Erfahrungen nicht


    Zitat Zitat von Ljungdalen Beitrag anzeigen
    *Braucht* man in DK noch? Fahre da meist nur durch, zuletzt 2017, darum keine weitergehenden, neueren Erfahrungen.
    Ich würde es so formulieren: Man braucht es nicht. Aber es kann durchaus manchmal sehr nützlich und glücklichmachend sein. Auf Bornholm konnte man im Hammerhavn am Kiosk z.B. nur mit Bargeld zahlen. Und auf dem Gendarmstien war es die Honesty Box, welche mich aufgrund von Bargeld sehr glücklich machte

  19. Lebt im Forum
    Avatar von Ditschi
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    AW: [DK] Bornholm-Umrundung 2019

    #19
    Ja, Bargeld kann man in DK noch gut gebrauchen. Auf Campingplätzen oder an anderen touristischen Hotspots ist oft die Bezahlung in Euro möglich.
    Hullehavn Camping war war im Mai 2014 unser Basislager für das Kennenlernen Bornholms. Dort stand unser Familienzelt fast 14 Tage auf dem fast leeren Campingplatz direkt am Wasser. Svaneke befanden wir als die schönste Ortschaft.
    Tolle Leistung bislang, Blubbi. Und schöne Fotos. Ich habe Sehnsucht nach DK.
    Ditschi

  20. Erfahren

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    AW: [DK] Bornholm-Umrundung 2019

    #20
    Tag 7 (Camping Hullehavn – Møllers Camping (20 km))

    Um 6 Uhr wache ich auf, weil ich mein Smartphone als Wecker gestellt hatte, da ich heute früh los möchte. Meine Nacht war ok, obwohl ich 2 x wach war. Abends habe ich alles, was möglich war, schon bereitgelegt und sortiert, damit ich heute keine unnötige Zeit verliere, da ich heute eine für mich sehr lange Etappe vor mir habe, vor der ich großen Respekt habe aufgrund der für mich hohen Kilometerzahl. Bis Dueodde sind es immerhin ca. 20 Kilometer. Ich packe alles zusammen, schmiere meine Füße mit Hirschtalg ein, wandere ins Waschhaus und bezahle danach im Shop mein Wlan, mein Duschen und die 2 Übernachtungen.

    Um 8.05 Uhr schnecke ich bei bewölktem Wetter los.



    Ein letzter Blick zurück zum wunderschönen Leuchtturm von Hullehavn:



    Weiter geht’s auf gewohnten Pfaden schön nah am Wasser entlang,



    durch Weidengebiete,



    vorbei an teilweise interessiert guckenden Pferden



    und an Schwänen.



    Um 8.50 Uhr laufe ich bereits durch Aarsdale, aber dort ist so früh absolut noch nichts los.





    Deshalb laufe ich weiter Richtung Nexø.





    Der Kyststi wird nun etwas „wilder“ und ab und an muss man schon etwas klettern und sich konzentrieren, um vorwärts zu kommen.





    Auch über Steine muss man hüpfen, denn ein Weg ist teilweise gar nicht mehr ersichtlich.





    Mir gefällt diese Abwechslung sehr und so stelle ich fest, dass dieser Abschnitt des Kyststis in meinem Gehirn spontan zu meinem Lieblingsabschnitt gewählt wird.

    Die menschenleere Landschaft ist mal wieder ein Traum.





    Auch an einer Informationstafel an einem Ausflugsziel geht es ohne andere Menschen vorbei. Nur ein Mann in einem kleinen Motorboot fährt an mir vorbei und beäugelt mich vom Wasser aus.



    Schneller als von mir erwartet rückt Nexø immer näher.





    Aber bevor ich dort hingelange, gönne ich mir nun erstmal eine lange entspannte Pause zwischen dem Meer und diesem hübschen See/Teich.





    Danach ist es nicht mehr weit. Nach ca. 12 bereits gelaufenen Kilometern erreiche ich um 10.52 Uhr Nexø.



    Außer den bereits qualmenden Schornsteinen der Røgeri ist mal wieder noch nicht viel los, aber ich stelle schnell fest, dass Nexø eine für mich eher unattraktive Stadt ist. Im Gegensatz zu den meisten anderen Orten, die ich bis jetzt auf Bornholm durchschneckt habe, ist dieser hier nicht wirklich hübsch, sondern eher funktionsmäßig aufgebaut.



    Trotzdem finde ich hier den ersten richtigen Kiosk mit Souvenirs auf meiner Wanderung und kaufe mir 2 schöne Bornholm-Aufnäher als Andenken.

    Danach gönne ich mir den leckersten Junior-Cheeseburger, den ich mir vorstellen kann:



    Unter gieriger Beobachtung genieße ich den frischen Burger und bin trotz nicht so wirklich schöner Aussicht absolut glücklich und zufrieden. Bis hierher hatte ich heute zwar schon eine Banane, ein Pick Up und einen Clif-Bar-Riegel gegessen, aber so ein leckerer Burger passt einfach immer hinein

    Nach meiner Pause schnecke ich weiter und verlasse Nexø.



    Nun geht es für mich durch ein Vogelschutzgebiet, welches direkt hinter Nexø beginnt. So langsam kriechen auch andere Menschen aus ihren Behausungen, aber viele sind es noch nicht und so genieße ich das Vogelschutzgebiet in aller Ruhe.









    Nach dem Vogelschutzgebiet durchquere ich eine schöne Heidenlandschaft





    und schon kurz danach befinde ich mich am Strand von Balka.

    Absolut erstaunt darüber, wie gut meine Beine und Füße mich vorwärtsbringen, genieße ich auch hier weiter die immer noch relativ menschenleere Gegend.





    Verlassen liegen Surfbretter der Surfschule und Materialien der Wasseraufsicht herum.

    Kurz nach dem Strand von Balka erreiche ich schon um 12.54 Uhr das nächste angepeilte Zwischenziel: Snogebaek. Hier gönne ich mir ein Softeis, warte mit meinem Softeis in der Hand einen Regenschauer unter einer Bushaltestelle ab und kann gar nicht fassen, wie weit ich schon gekommen bin. Nun sind es nur noch ca. 4 Kilometer bis zu meinem Tagesziel Dueodde. Wahnsinn.



    Nach dem leckeren Eis laufe ich zum Supermarkt, wechsele dort mal wieder Euro in Kronen um und besorge Nahrungsmittel für morgen, da es in Dueodde keinen Supermarkt gibt. Neue Getränke, Käse, 2 Bananen und kleine Mini-Tomaten wandern in meinen Rucksack.

    Bis hierhin bin ich erstaunlicherweise noch ziemlich fit insgesamt und ich kam generell gut vorwärts heute. Vielleicht fiel es mir heute besonders leicht zu laufen, weil mir der Weg so viel Spaß bereitet hat, denn heute war der Kyststi ganz besonders abwechslungsreich bis hierhin. So starte ich also absolut zufrieden mit mir selbst meinen letzten Abschnitt des Tages.

    Dieser letzte Abschnitt von Snogebaek bis Dueodde verläuft am Strand entlang, zu welchem mich eine Straße durch einen Wald führt. Auf dieser Straße kommt mir lustigerweise die Tandem-Familie entgegen, welche meine Nachbarn in Hullehavn waren. Wir grüßen uns mit „Hi“ und weiter geht’s Richtung Strand.





    Auch hier sehe ich fast niemanden und so schnecke ich die letzten Kilometer in aller Ruhe am Strand entlang. So langsam wird der letzte Abschnitt aber zäh für mich und ich wünsche mir, bald anzukommen.





    Nach ca. einer halben Stunde entdecke ich den ersten Zustiegsweg.

    Ich finde zwar keine Kyststi-Schilder und weiß nicht wirklich, welchen Zubringer-Holzweg ich nach Dueodde nehmen muss, aber ich entscheide mich dann einfach für irgendeinen, da hier hoffentlich alle Wege nach Rom bzw. Dueodde führen



    Das Gelände um Dueodde herum erscheint mir allerdings unübersichtlicher als gedacht, da es keine Wegweiser gibt und die verschiedenen Campingplätze nicht ganz nah beieinander liegen. Letztendlich lande ich um ca. 15.45 Uhr bei Møllers Camping und melde mich an. Ich frage den Besitzer, ob er weiß, wo A. ihr Zelt aufgebaut hat, aber er weiß von keiner Frau mit Zelt. Ich baue mein Zelt also an einem Randplatz auf, richte mich ein und erfahre per WhatsApp, dass A. anscheinend am anderen Campingplatz ist, obwohl ich dachte, dass wir uns hier treffen wollten. Kurze Zeit später, nachdem ich mich eingerichtet habe, fängt es an zu regnen und so verziehe ich mich ins Zelt und entspanne erstmal.

    Meine Fersen taten heute wieder weh, aber ansonsten hat mein Körper diese 20 km echt gut gemeistert :-) Auch mit dem Wetter war ich heute wieder zufrieden, denn es gab nur 3 kleine Schauer. Ansonsten war es trocken bei ca. 18 Grad, was ausgereicht hat, um mal wieder in kurzer Hose + T-Shirt unterwegs zu sein

    Später mache ich mich auf Richtung Dueodde Downtown, weil ich um 18.30 Uhr vor dem Steak-Restaurant mit A. zum Essen verabredet bin. Vorher biege ich als kleinen Spaziergang aber noch zum Leuchtturm ab und werfe einen Blick auf die wunderschönen Dünen.

    Danach laufe ich zurück zum Steak-Restaurant, aber leider ist dies nach dem Campingplatz-Missverständnis heute schon die zweite Verabredung, welche mit A. nicht klappt. 20 Minuten lang habe ich auf A. gewartet und versucht, sie anzurufen, aber nichts tat sich. Irgendwann entscheide ich mich dann, schonmal alleine einen Tisch zu besetzen. Das Steakhouse ist sehr voll mit Menschen und zum ersten Mal auf Bornholm muss ich ein paar Minuten warten, bis ich zu einem freien Tisch gebracht werde. Natürlich stört mich eine kleine Wartezeit überhaupt nicht, aber für mich ist es tatsächlich ungewohnt, so viele Menschen um mich herum zu haben, da ich ja fast nur noch morgendliche Ruhe gewohnt bin

    Am Tisch sitzend ruft mich irgendwann A. an und wir finden heraus, dass sie vor einem anderen Restaurant steht. Um 19.14 Uhr landen vor mir eine Cola Zero und ein nicht günstiges, aber sehr sehr leckeres Rinder-Steak mit Gorgonzola-Soße und ein paar Steakhouse-Pommes.



    Nach diesem leckeren Abendessen laufe ich zurück zu meinem Zelt, lasse das Steakhouse zurück,



    entspanne mich, freue mich auf einen zweiten eingeplanten wanderfreien Ruhetag morgen, liege um 20.22 Uhr in meinen Schlafsachen im Zelt, entspanne mich, schreibe meine Tagebuch-Notizen, süchtele etwas mit meinem Smartphone im Campingplatz-Wlan und schlafe glücklich um ca. 21 Uhr ein

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