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  1. Dauerbesucher
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    [D] [B] [FR] Von Aachen bis in die Bretagne_Radtour 2019

    #1
    Mitreisende: rockhopper
    Von Aachen über Belgien in die Bretagne, Radtour 2019


    Copyright: rockhopper

    Tag 1
    Ich freue mich! Endlich geht es wieder los. Ursprünglich wollte ich diese Radtour 2018 machen und habe sie wegen der Streiks verschoben. Bis zu meinem Startpunkt, Aachen nehme ich den Zug ab Stuttgart mit Umsteigen in Köln.
    Nach gut 1 Stunde Fahrt kommt ein Kaffeewagen an mir vorbei. Das Geniale: auf dem Rückweg spendiert mir der Servicemitarbeiter der DB einen gratis Cappuccino. Ein guter Start, ich freue mich über den Kaffee und genieße die Landschaft die in morgendlichem Sonnenlicht an mir vorbeifliegt. Am späten Vormittag erreiche ich den Aachener Bahnhof. Wenn ich schon mal hier bin, möchte ich mir wenigstens kurz den Dom ansehen. Das Zentrum finde ich gerade so. Was mir überhaupt nicht gefällt, dass so viele Leute unterwegs sind und ein enormer Autoverkehr herrscht. OK, da muss ich durch. Als ich dann endlich am Aachener Dom stehe ist er wegen Sanierungsarbeiten eingerüstet und jede Menge Bauzäune drum herum. Ich will gleich wieder weg von hier, aber zuerst noch eine Kleinigkeit Essen in einem besseren Burger-Restaurant. Das Essen schmeckt und ich gehe noch sicherheitshalber zur Toilette. Ich öffne die Türe und bin im ersten Moment ziemlich verunsichert, weil ich wegen meiner Höhenangst erstmal blockiert bin, über diese Fläche, siehe Foto, zu gehen. Eigentlich eine tolle Idee! Mit einiger Überwindung schaffe ich es die ersehnte Örtlichkeit zu erreichen.



    Jetzt gilt es den Einstieg zum Vennbahn-Radweg zu finden, und natürlich finde ich den Einstieg nicht. Es ist halt nicht so mein Ding nach Komoot zu radeln mit dauerndem Blick auf das Display, ich möchte schließlich meine Umwelt wahrnehmen. Bis zur Vennbahn fahre ich auf dem Radweg neben einer Bundesstraße, eine ziemliche Hügelfahrerei, und das gleich am Anfang. Auf dem Vennbahn Radweg geht es dann weiter bis Roetgen. Erledigt checke ich auf dem CP Faulenbruch ein. Außer mir sehe ich noch das Zelt eines weiteren Radlers auf der Wiese.


    Vennbahn-Radweg vor Roetgen


    Tag 2
    Bevor ich starte, unterhalte ich mich sehr nett mit meinem Zeltnachbarn, einem Frührentner, der auf dem Weg nach Portugal ist. Im Ort gibt es noch ein leckeres Frühstück bevor es weiter nach Monschau geht.



    Monschau möchte ich mir auf jeden Fall ansehen, dafür muss ich mein Rad eine steile Straße in den Ort hinunter rollen lassen. Auch hier flüchte ich nach einer kurzen Kaffeepause vor dem Touristenrummel.



    Um wieder auf die Vennbahn-Trasse zu kommen, die ein ganzes Stück oberhalb verläuft, radle ich ein Stück auf dem Rurtal-Radweg, so wie geplant. Hier ist es wunderschön! Der Weg mutiert zu Wanderstrecke, die mit meinen dicken Reifen aber gut zu befahren ist.


    Schön ist es hier!


    Das letzte Stück ist sowas von steil, dass ich schieben muss. Etwas außer Puste komme ich oben am Vennbahn- Radweg an. Weiter geht es bei Nieselregen, der glücklicherweise kurz vor meinem nächsten Campingplatz, in Belgien, wieder aufhört. Neben dem Boule-Feld darf ich mein Zelt aufbauen. Ich buche noch ein Frühstück für den nächsten Morgen, das fast so teuer ist wie die Platzgebühr.


    Der Campinglatz OoS Heem in Belgien

    Tag 3
    Das Frühstück hat den stolzen Preis von 8:50€, das wäre ja ok, aber alle Teile sind einzeln in Plastik verpackt, dazu Kondensmilch in Minidosen….naja, besser als nichts. Auf der unteren Zeltwiese sind noch 3 weitere Radler Paare, darunter ein Paar aus Amsterdam, das auf einer Tour nach Rom ist. Heute geht es weiter nach Belgien, über Luxemburg, kurz rein und wieder raus.



    Weiter auf dem Ravel 163 nach Bastogne auf den Campingplatz. Wegen Verfahren komme ich ziemlich erledigt auf dem CP an. Die Anmeldung gestaltet sich schwierig für mich da der Empfang geschlossen ist und man sich an einem „Automaten“ anmelden muss. Ok, das geht ja noch: Namen eingeben, wieviele Personen und Nächte. Beim Bezahlen mag der Apparat meine Karte nicht, Frust. Er piepst andauernd, was mach’ ich denn jetzt? Durch das dauernde Piepsen kommt dann doch jemand und ich kann meine Platzgebühr mit Bargeld bezahlen. Dann Zelt aufstellen und ab in die Dusche. Ich stehe blanko da und es kommt kein Wasser, ich hätte Duschmarken kaufen sollen…..das ist irgendwie an mir vorbei gegangen. Egal, jetzt gibt es Katzenwäsche und dann ab in die „Hütte“ In der Nacht wird es für eine ganze Weile laut um den CP herum, weil Betrunkene laut grölend auf dem nach Nachhauseweg sind. Trotzdem schlafe ich gut. Die Zeltwiese ist eine Hundegassi- und Entenwiese. Meine Schaltung macht Geräusche….da ich selbst nichts reparieren kann, werde ich einen Radladen im Ort suchen. Mittlerweile ist es wieder heiß geworden und ich quäle mich eine elend lange gerade Straße den Berg hoch, um zu dem Fahrradgeschäft zu kommen. Zum Glück muss ich nicht warten und ich werde sehr freundlich bedient. Mmm, das Rad ist in Ordnung, sie können nichts finden. So lasse ich wenigsten die Reifen nochmal gut aufpumpen. Dann lasse ich dort meine Sonnenbrille liegen, muss also wieder ein paar Meter zurückradeln. Die Brille findet sich und jetzt benütze ich endlich mal das eTrex um aus Bastogne, Richtung Rochefort, heraus zu finden. Geht doch!

    Tag 4 + 5 bis CP Les Roches, Rochefort mit Pausentag
    Die Strecke ist hügelig, ein ständiges Auf und Ab das Kraft kostet bei 32°C. Landschaftlich sind die Ardennen ein Traum! Ich radle so gut wie alleine, nur ein Rennradler überholt mich auf der neu asphaltierten Strecke.


    Hier könnte ich tagelang radeln.






    Als ich am Campingplatz ankomme hat die Rezeption schon zu. Ich kann mich im Bistro des Platzes anmelden. Hier esse ich gleich eine Kleinigkeit und suche mir dann einen Platz für das Unna. Leider sind meine Nachbarn Quasseltüten. Dann geht die Party los mit lauter Musik. Ich schaue nach und stelle fest, dass die Musik aus dem Ort kommt. Die Nacht wird nicht erholsam. Heute ist zuerst Wäschewaschen angesagt, anschließend gibt es im Ort ein gemütliches Frühstück. Später gönne ich mir ein üppiges Mittagessen im CP Bistro. Als Dessert sozusagen bekomme ich von meinen Zeltnachbarn, einem flämischen Ehepaar aus Antwerpen, leckeren Joghurt mit Früchten und Kekse geschenkt.


    Rochefort
    Geändert von rockhopper (10.04.2020 um 14:18 Uhr)

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    Avatar von ronaldo
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    AW: [D] [B] [FR] Von Aachen bis in die Bretagne_Radtour 2019

    #2
    Törööh... los gehts, endlich!

  3. Dauerbesucher
    Avatar von rockhopper
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    AW: [D] [B] [FR] Von Aachen bis in die Bretagne_Radtour 2019

    #3
    Tag 6
    In der Nacht gab es ein ordentliches Gewitter. Jetzt am Morgen scheint wieder die Sonne. Ich packe meine Sachen zusammen und frühstücke sehr schön im Ort in einer Bäckerei/Patisserie. Zum Schluss bekomme ich von der Madame 2 hausgemachte leckere belgische Pralinen geschenkt. Der Ravel (Bahntrasse) von Rochefort nach Houyet ist ganz schön zu radeln.



    Danach kurble ich auf dem kleinsten Kettenblatt und Ritzel für einige Kilometer einen Berg hoch.


    Am Rande gibt es eine kleine Ausbuchtung, die nehme ich gerne für eine Pause an. Etwas weiter oben am Hang steht ein einzelnes Haus. Der Hausbesitzer kommt zu mir herunter und wir kommen ins Gespräch. Er ist Wallone und ehemaliger Radsportler, der eigentlich in Solingen lebt und mit einer Deutschen verheiratet ist und kurz hier verweilt. Dann schaut er mein Rad an und sagt mir ziemlich genau was mein Rad gekostet hat. Da bin ich erstaunt. Ich verabschiede mich und quäle mich weiter den Berg hoch.
    Endlich oben angekommen geht es entspannt auf etwa 8 Kilometer bei Nieselregen bergab, nach Givet an der Meuse. Ich befinde mich nun in Frankreich. Jetzt brauche ich unbedingt eine Pause. Ich finde ein Café mit Außenbestuhlung und darf zu meinem Kaffee mein mitgebrachtes Sandwich dazu essen. Die Strecke an der Meuse entlang ist schön zu fahren.



    Unterwegs verliebe ich mich in sie. Leider habe ich ihren Namen vergessen.



    Nach gut 71 Kilometern komme ich auf dem CP in Fumay an. Ein einfacher Platz.
    Mein Abendessen muss ich mir oben im Ort organisieren. Hier gibt es eine Superette (Mini-Supermarkt) Ich begebe mich zu Fuß auf den Weg, weil es steil bergauf geht. Verlaufe mich durch den Ort, bis ich endlich die ersehnte Einkaufsquelle finde. Leider ist das Angebot ziemlich reduziert. So gibt es Couscous mit Selleriesalat. Eine interessante Kombination.

    Tag 7
    Nach einer entspannten Nacht und einem leckeren Frühstück geht es weiter. Die Meuse verläuft hier wunderschön in einem Tal!


    Glücklich lasse ich mich in meditativer Stille treiben.




    Es tröpfelt ab und zu bei 27°. Hin und wieder begegnen mir ein paar Tourenradler. Nach etwa 30 Kilometern gönne ich mir in Monthermé in einem Bistro/Café eine Kaffeepause. Für 2 kleine Kaffee Creme bezahle ich nicht mal 3€ und dazu schenkt mir die Chefin noch einen super leckeren Kuchen.



    Dann geht es weiter nach Charleville zum Campingplatz mit 7,65€ nicht teuer. Hier hat die Saison noch nicht begonnen, denn es wird auf dem gesamten Platz mit Benzin Motorsensen gemäht, die bekanntlich ziemlich laut sind. Außerdem wird das Sanitärgebäude gerade für die Saison vorbereitet. Ruhe gibt es hier nicht. Gut, ich bleibe ja nur eine Nacht.

    Tag 8
    Regen……ich trödle so vor mich hin und komme erst gegen Mittag los, als der Regen endlich aufhört. An der Rezeption treffe ich Bert und Yvonne aus den Niederlanden die mich auf einen Kaffee einladen. Wir unterhalten uns sehr nett und ich erzähle währenddessen von meiner Radtour, da sie sich sehr für diese Art des Reisens interessieren. Dann geht es endlich weiter.



    Die Strecke wird nun sehr hügelig und anstrengend.
    Nach nur 31 Kilometer komme ich in Signy-l’Abbaye an. Zum Glück gibt es im Ort einen Proxy Minimarkt und ich darf hier im Nebenraum einen Kaffee und ein süßes Stückle genießen.



    Ich hatte recherchiert, dass es hier einen Campingplatz gibt. Natürlich liegt das Gelände außerhalb ganz oben auf dem Berg. Aber schön gelegen. Der Campingplatz entpuppt sich als Feriendomäne, noch im Winterschlaf. Ein kleines Ferienhaus neben dem anderen, wie in einem Straßendorf. Mich schaudert’s. Egal, für eine Nacht macht das nichts, es ist eh wie ausgestorben. Irgendwann finde ich in der Brasserie, die glücklicherweise auf hat, eine freundliche Frau, bei der ich mich „anmelden“ kann. Für 10.-€ darf ich auf der riesigen Spielwiese zelten.



    Duschen usw. kann ich in dem kleinen Schwimmbad. Gut. Nachdem das Unna aufgebaut ist inspiziere ich das Gebäude. Ein sehr merkwürdiger Ort, so ohne Menschen. Bei dem Blick in das Schwimmbad, wie es so verwaist und still da liegt, eingehüllt in deftigen Chorgeruch, muss ich an die Bilder von David Hockney denken. Irgendwann finde ich auch die Duschen und Toiletten.


    Suchbild: Wo steht das Unna? (Bei der Linde)

    Ich trinke noch 2 Radler in der Brasserie und verziehe mich dann in das Zelt, da ein Gewitter mit Sturm im Anmarsch ist.

    Tag 9 + 10 mit Pausentag

    Der Abend war heftig, mit Gewitter und Sturm. Um 7 Uhr werde ich wach, draußen ist alles nass und kalt, bei 10°. Ich lasse mir beim Packen Zeit und fahre ohne Frühstück los.



    Es geht anfangs durch ein schönes Waldstück, dann ist die Straße wegen Bauarbeiten gesperrt. Toll. Ich frage natürlich ob ich vorbeischieben darf. Wie fast immer, kein Problem. Mit Mühe schiebe ich meine Fuhre an der riesigen Baumaschine vorbei und muss dabei aufpassen, dass mir das Rad im Matsch nicht wegrutscht. Danach sieht das Fahrrad aus wie die Sau. Das trocknet wieder im Fahrtwind und fällt dann von alleine ab, so meine Erfahrung. In Rocquigny finde ich endlich eine Bar zum Frühstücken. Leider gibt es nur Kaffee. Der Proxy Supermarkt hat zu gemacht, nur die kleine Boulangerie hat auf. Super! Im ersten Moment bin ich irritiert als ich den Laden betrete. Es liegen genau 2 Croissants in der Auslage und ein paar wenige Brote im Regal, sonst ist keine Ware zu sehen. Wie der Bäcker sich hier am Leben hält kann ich mir kaum vorstellen. Ich kaufe die letzten beiden Croissants und gehe damit wieder zu der Bar zurück, die auch noch anderen Süßkram, Dosen und Baguettes zum Verkauf anbietet. Nach der Pause wird es hoffentlich weniger hügelig weiter gehen.


    Müde Schafe


    Boah, es geht hügelig weiter!


    Leider geht die anstrengende Hügelfahrerei weiter. Bei meiner Planung hatte ich das Val de Serre entdeckt, das bei Rozoy-sur-Serre beginnt. Eigentlich eine Wanderstrecke oder mit dem MTB zu befahren.


    Val de Serre

    Früher war das eine Eisenbahnstrecke. Das Wetter ist sonnig und die ersten Kilometer sind gut zu radeln, mit Hunderten von Margeriten und kleinen Orchideen rechts und links des Weges.



    Dann wird der Weg mühsamer zu fahren und das erste Hindernis in Form eines umgefallenen Baumes taucht auf.



    Das sind wohl die Folgeschäden des Sturmes der letzten Nacht. Zum Glück kann ich mich an der Seite vorbeischieben. Einige Meter weiter liegt die zweite Baumkrone auf dem Weg.



    Hier muss ich erst einig Äste abbrechen um einen Durchgang zu schaffen. Schwierig, ich lade das ganze Gepäck ab und hieve alles einzeln über den Baumstamm. Hoffentlich geht das nicht so weiter und ich muss letztendlich doch umkehren.



    Kaum ein paar Meter gefahren, liegt der dritte Baum über dem Weg, das gleiche Prozedere, alles abladen und irgendwie darüber bringen. Der vierte Baum ist nicht so groß, Gott sei Dank, und ich drücke mich an der Seite vorbei. Den fünften Baum kann ich nur mit Mühe überwinden.



    Oh je, wenn das so weiter geht, komme ich nicht weit heute. Nach etwa 8 Kilometern habe ich das Val de Serre endlich passiert und komme in den Ort Montcornet. Boah, zu viel Autoverkehr! Dann bricht ein Wolkenbruch los. Zum Glück ist eine Boulangerie mit kleinem Kaffeeausschank in der Nähe, in die ich flüchten kann. Hunger habe ich auch! Hier gönne ich mir zwei kleine leckere Pizzen. In der Zwischenzeit gesellen sich noch zwei Radler aus den Niederlanden dazu. Sie wollen auch wie ich bis zum CP in Laon fahren. Ein paar Meter fahren wir gemeinsam. Da die Route nicht eindeutig ist trennen wir uns. Ob ich mich verfahren habe, weiß ich nicht. Später bestätigt sich das. Ich habe zwei Ortsnamen verwechselt, die sehr ähnlich sind. Die Strecke ist nicht ganz so hügelig. Die letzten Kilometer ziehen sich endlos in einer Ebene, auf gerader Straße, immer mit Blick auf Laon, dessen Altstadt auf einem Tafelberg liegt. Boah, ist das anstrengend, der Hügel will einfach nicht näher kommen. Dann sehe ich endlich die Glockenturmspitzen der Kathedrale, was für ein toller Anblick, ich mache schnell ein Foto vom Straßenrand aus.



    Am Ende zeigt der Tachostand 91 Kilometer. Der CP liegt ganz hübsch am Fuße des Berges. Der Empfang ist auch sehr freundlich. Versorgung gibt es hier keine. Auf dem Platz geht ein stürmischer Wind und kalt ist es auch, brrr, das macht keine Laune.
    Die Nacht war kalt, ich habe trotzdem gut geschlafen. Ich unterhalte mich noch mit meinen Nachbarn, einem Ehepaar aus der Schweiz, die mit ihrem 28 Jahre alten VW LT in Schottland waren und nun auf der Rückreise nach Bern sind. Heute ist Pausentag und ich möchte mir die Altstadt von Laon ansehen. Die historisch befestigte Altstadt liegt auf einem Tafelberg und besitzt die größte zusammenhängende unter Denkmalschutz stehende Fläche Frankreichs. Als ich mit dem Bus zur Altstadt hochfahre, fängt es an zu regnen. Super. Außerdem ist es ungemütlich kalt. Es sind kaum Leute unterwegs.


    Hier ist nichts los, zu kalt und regnerisch.

    Ich verbringe meinen Altstadtbesuch in einer Sandwicherie und esse einen Burger, der innen nicht sehr heiß ist. Mmh, hoffentlich bekomme ich keine Probleme. Sonst ist ja alles gut. Laune gleich null.


    Das ist mein Laden. Leider ist er geschlossen. Hier gibt es Druckgrafik vom Feinsten.

    Wieder auf dem Campingplatz zurück, findet ein reges Treiben statt. Was ist denn hier los? Am Wochenende findet hier ein Oldtimer-Treffen von Triumph statt. Alle Autos kommen aus GB. Ein paar schöne Exemplare hat es dabei.


    Feine Teile

    Tag 11
    Heute ist Samstag und ich werde weiter ziehen. Bei stürmischem Wetter kann ich mein Unna trocken einpacken. Das Wetter ist sehr wechselhaft, das gefällt mir gar nicht und ich überbrücke einen Teil der Strecke bis Compiègne mit dem Zug. Ab hier wird wieder geradelt. Kaum habe ich das Bahnhofsgebäude verlassen, geht ein Wolkenbruch nieder. Viele Zugreisende retten sich in ein nahe gelegenes Bistro, das in null Komma nix voll ist. Ich ergattere noch einen Sitzplatz, die Bedienung ist überfordert und kommt mit den Bestellungen nicht nach. So kann ich wenigstens im Trockenen den Regen abwarten. Irgendwann dauert es mir zu lange und ich gehe raus, in den Regen. Mein nächster CP würde in 65 Kilometern kommen. Bei wolkenbruchartigem Regen macht das keinen Spaß. Ich werde mir ein Zimmer nehmen. Beim zweiten Versuch habe ich Glück. Der Mann an der Rezeption ist sehr zuvorkommend und nett. Er macht auch keine Bemerkung, als ich eine große Pfütze im Eingangsbereich hinterlasse. Froh und glücklich gehe ich auf mein Zimmer und schaue aus dem Fenster. Ich traue meinen Augen nicht! Sonnenschein und blauer Himmel! Jetzt wo ich schon mal hier bin, mache ich mich gleich auf den Weg das Zentrum von Compiègne zu erkunden.



    Eine interessante hübsche Kleinstadt! Ich schaue mir eine Ausstellung in einer ehemaligen Kirche an und verwöhne mich in einem kleinen Café mit sehr leckerem Kuchen und Kaffee.

    Tag 12
    Ich habe natürlich sehr gut geschlafen und genieße jetzt ein super Frühstück! Das Wetter scheint besser zu werden.


    Richtung Bresles

    Wunderschöne Blumen am Straßenrand.

    Das Wetter wird trüber. Meine Stimmung auch.

    Heute möchte ich bis zum CP in Bresles kommen, auf dem ich nach 67 Kilometer einchecke. Auf dem Campingplatz ist mächtig was los. Es findet gerade ein afrikanisches Fest statt. Etwas abseits von den Festivitäten kann ich mein Zelt aufbauen.

    Tag 13
    Heute ist Montag und ich möchte bis zum CP nach Forges-les-Eaux kommen. Das habe ich so geplant, um von hier aus mit dem TER nach Rouen zu fahren. Damit erspare ich mir das Durchfahren der Vororte und den Verkehr. Die Strecke ist wieder sehr anstrengend.


    Einsame Weite

    Endlose Steigungen


    Per Zufall komme ich durch das wunderschöne Dorf Gerberoy, eines der schönsten Dörfer Frankreichs, auch das Dorf der tausend Rosen genannt. Ich kann mich gar nicht sattsehen an den alten Fachwerkhäusern an denen überall Kletterrosen wachsen. In einem kleine Café mache ich eine Kaffee und Kuchenpause und ziehe dann weiter.


    Gerberoy


    Dann geht es mir irgendwie nicht gut. Ich denke es sind Kreislaufprobleme. Sicherheitshalber steige ich ab und schiebe, bis es mir wieder besser geht. Ein Radler-Paar überholt mich und fragt, ob alles OK ist. Ja, ja, sage ich, Danke. Dann komme ich an einer Art Unterstand vorbei, indem das Radler-Paar gerade Pause macht. Sie winken mich zu sich her und geben mir heißen Tee, ich solle das trinken und 2 Müsli-Riegel soll ich dazu essen. Sie sagen das so eindringlich zu mir, dass ich das befolge. Im Nachhinein war das gut so, vielleicht meine Rettung. Wahrscheinlich sah ich wirklich nicht gut aus. Vielen Dank an die beiden aus Reims! Nach dieser Erholung radle ich bei Regen weiter, um endlich den Campingplatz zu erreichen. Es schüttet. Ich baue schnell das Unna auf und verkrieche mich ins Zelt. Ohne Dusche und komplett angezogen. Mir ist kalt, die ganze Nacht durch.

    Tag 14 + 15 Pausentag in Rouen
    Wegen der Kälte bin ich schon früh wach, packe meine nasse Sachen ein und radle zum Bahnhof. Die Zugfahrt nach Rouen verläuft entspannt, obwohl das Radabteil komplett mit einer Schulklasse belegt ist. Im Bahnhof von Rouen finde ich dieses Mal problemlos den Ausgang. Das ist doch was! Die Bauarbeiten am Bahnhof sind auch beendet. Ich hatte mir schon vorher ein Hotel in relativer Nähe herausgesucht, in der Hoffnung, dass ich Glück habe und ein Zimmer bekomme. Dem ist nicht so. Ob ich reserviert habe, fragt mich die Dame. Alles ausgebucht wegen der Armada. Mmh, keine Ahnung, was das ist. Gut, dann versuche ich es im Hotel Beausejour um die Ecke, da war ich schon einmal. Meine Überlegung ist folgende: Das Chambre Économique, das ich damals hatte, war so klein, ohne Dusche und nur mit einem Mini-Waschbecken. Das geht schlecht zu vermieten. Außer man ist so groß wie ich und hat keine großen Ansprüche. Darauf spekuliere ich jetzt. Die Dame am Empfang erinnert sich an mich und freut sich, mich wieder zu sehen, aber wegen der Armada….ist alles ausgebucht. Sie überlegt, sie hätte da noch ein freies Zimmer, Chambre Èconomique…..ok , sage ich, gerne. Als sie mir den Preis sagt, bin ich geschockt. 80€! Wieso dass denn? Ich hatte beim letzten Mal 50€ bezahlt, ohne Frühstück. Tja, wegen der Armada, da ist alles teurer und alle Hotels sind ausgebucht. Wir verhandeln ein bisschen, und mit Frühstück komme ich auf 70€, oder waren es 60?…hab’s vergessen. Auf jeden Fall bin ich froh, ein Zimmer bekommen zu haben. Dann sagt sie mir die Zimmernummer, mmh, das ist nicht das Zimmer, das ich damals hatte. Ich werde es ja sehen. Als ich die Türe aufmache, freue ich mich, das Zimmer ist viel größer, hat auch keine Dusche, aber ein großes Waschbecken. Perfekt! Jetzt lasse ich mir doch erklären was die Armada ist.
    Armada: Das ist eine Veranstaltung für Großsegler und andere Schiffe aus aller Welt, welche in Rouen stattfindet und ungefähr zehn Tage dauert. Die Segelboote ankern rechts und links der Seine auf einigen Kilometern. Das ist ein großes Spektakel und lockt mehrere Millionen Besucher an. Am Ende der Armada fahren die teilnehmenden Schiffe die Seine in einer großen Parade bis zum Ärmelkanal hinunter und wieder zurück in ihre Heimatländer.
    Mein Fahrrad darf ich wieder in dem kleinen Innenhof parken. Mein nasses Zelt lege ich zum Trocknen über das Rad.


    Der Innenhof des Hotels.

    Dann mache ich einen Spaziergang, natürlich zur Kathedrale, die mich wieder sehr beeindruckt. Innen schaue ich mir noch einmal die Bodenplatten an. Mittlerweile habe ich in Erfahrung bringen können, dass das alte Grabplatten sind.



    Die Darstellungen sind nicht genau zu datieren. Als ich in der Kathedrale, in einem Seitenschiff, eine offene Türe sehe, denke ich mir, da könnte ich doch höflich fragen. Gedacht, getan. Mit meinen kleinen Französich-Kenntnissen spreche ich die Dame, die an ihrem Schreibtisch arbeitet, an und trage mein Anliegen vor. Sehr bald hat sie mich als Deutsche identifiziert und spricht nun Deutsch mit mir. Leider kann sie mir nicht weiterhelfen, sagt mir aber, dass sie die Frage weiterleiten wird. Wir unterhalten uns noch eine Weile sehr nett. Ich bedanke mich und bekomme ihre Visitenkarte mit dem Vermerk ich dürfe ihr gerne eine Mail schreiben und noch einmal anfragen. Ich habe mit der Intendantin der Kathedrale gesprochen, eine sehr freundliche Dame. Ich muss dringend meine Wäsche waschen. In dem kleinen Hotelzimmer ist eine größere Waschaktion nicht möglich. Deshalb bringe ich meine komplette Wäsche, bis auf die, welche ich am Körper trage in die Wäscherei in der Nähe.

    Tag 15
    Gut ausgeruht gehe ich in den Frühstücksbereich. Meine Nachbarin meint, ob es mir nicht zu kalt sei. Darauf ich: Meine komplette Wäsche ist in der Wäscherei zum Waschen. Natürlich habe ich ihr nicht erzählt, dass ich so wie ich hier sitze, in denselben Klamotten auch geschlafen habe. Nach dem Frühstücken gehe ich erstmal die Wäsche abholen.Toll! Saubere frische, gut riechende Wäsche! Anschließend mache ich mich auf den Weg an die Seine um mir die Armada anzuschauen.


    An der Seine

    Beeindruckende Segler.


    Hoffentlich bleibt das Wetter trocken, es sieht leider nicht danach aus. Menschenmassen strömen zum Seine Ufer! Soldaten passen auf, dass alle auf dem vorgegebenen Weg bis zum Eingang bleiben. Hier gibt es eine kurze Personen- und Rucksackkontrolle. Dann kann ich mich frei bewegen. WOW! Was für ein Ereignis! Dazu ein spektakuläres Licht, weil dicke dunkle Wolken sich mit blauen Himmelsfetzen ablösen. Zwischendurch gibt es noch einen Wolkenbruch. Ich habe natürlich keinen Schirm dabei.


    Die Innenstadt von Rouen ist mit den Flaggen der teilnehmenden Länder dekoriert.

    Am Nachmittag mache ich mich auf den Rückweg und streune noch durch Rouen. Dabei komme an diesem kleinen Buchladen vorbei, da bin ich neugierig und will hinein gehen, muss aber warten, bis der einzige Kunde den Laden verlassen hat. Man kann hier im Geschäft eine kleine Runde drehen, aber nur, wenn einem niemand entgegenkommt. Toll, dass es so etwas noch gibt!


    Innen riecht es wunderbar nach Büchern. Der Duft des Papiers.


    Auf dem Rückwegi komme ich an dem Umzug der Armada vorbei und schaue mir eine Weile das Spektakel an, weil ich die Straße nicht überqueren kann, um zu meinem Hotel zu kommen. Eine super tolle Stimmung ist auf der breiten Straße. Ziemlich erledigt vom vielen Laufen, komme ich am Hotel an.

    Tag 16
    Als ich in den Frühstücksbereich komme, der auch der Eingangs- und Durchgangsbereich zum Innenhof ist, sagt mir die Dame des Hauses, dass mein Fahrrad Gesellschaft bekommen hätte und dass sie mein Rad in eine andere Ecke gestellt habe. Ok, sicher weitere Fahrräder. Ich schaue mal, wo mein Schätzchen jetzt steht. Dann bin ich schon überrascht. In dem Innenhof stehen drei große Motorräder mit Kennzeichen aus Deutschland. Oha! Das war eine Leistung die dicken BMWs in den kleinen Innenhof zu manövrieren. Dazu musste wahrscheinlich die Frühstücksbestuhlung beiseite geräumt werden. Die 4 Herren im fortgeschrittenem Alter frühstücken zur gleichen Zeit wie ich. So erfahre ich, dass die vierte BMW irgendwo um’s Eck an der Straße parkt. Dazu muss man wissen, dass die Straßen in diesem Viertel eng sind und die Gehsteige, wenn man Glück hat, etwas breiter sind. Parken auf der Straße vor dem Hotel ist aus Platzmangel nicht erlaubt. Außerdem zirkelt hier noch eine Buslinie um die Kurve. Da darf nichts im Weg stehen. Sie erzählen mir auch, dass sie aus der Bretagne wegen des schlechten Wetters geflohen sind und nun auf der Rückreise seien. Ja super, Bretagne, genau meine Richtung. Vielleicht wird das Wetter ja besser. Die Biker starten vor mir. Das gibt schönes Kino, bis die drei Motorräder durch die schmalen Türen gelotst sind.


    Das ist Millimeter-Arbeit.

    Danach packe ich auch und schiebe zum Bahnhof, der fünf Minuten vom Hotel entfernt ist. Dann geht es mit dem Zug nach Caen.
    Hier war ich auch schon einmal und bin mir deshalb sicher, den Weg zu dem Canal, der Richtung Meer führt, gut zu finden. Ich könnte ko...en! Eine Mega Baustelle liegt vor mir und ich sehe vor lauter Absperrgitter nicht wo es lang geht. Ich bin ja von Stuttgart einiges gewöhnt, aber das ist der Hammer. Im ersten Moment kann ich nicht mal sehen, wo ich zu Fuß weiter komme. Eine Straße kann ich nicht ausmachen. Zum Glück habe ich die Route auf Komoot und jetzt muss ich das Handy benützen.
    Mit viel Geduld kämpfe ich mich durch das Baustellen Areal. Hunger habe ich auch! Es ist schon 14 Uhr, da kommt zur richtigen Zeit ein kleines Bistro das noch auf hat. Ich frage, ob es noch etwas zu Essen gibt. Leider hat die Küche gerade zugemacht. Wahrscheinlich habe ich so frustriert geschaut, dass der Mann in die Küche geht und nachfragt ob es noch eine Portion des Tagesmenüs gibt. Ich habe Glück! Das Personal hat jetzt auch Mittagspause. Etwas merkwürdig für mich mit dem Personal zusammen zu essen. Zufrieden und satt radle ich am Kanal entlang Richtung Meer zu meinem nächsten Campingplatz à la Ferme.


    Es regnet mal wieder.

    Es ist so schön hier. Da stört es mich auch nicht mehr, dass es wieder zu regnen anfängt.


    Eine tolles Licht und eine besonderer Stimmung habe ich auf den letzten Kilometern zum Campingplatz.


    Als ich am CP ankomme hat der Regen aufgehört und ich bin die Einzige auf der großen Zeltwiese.

    Tag 17
    Die Nacht war gut kalt. Erst mal radle ich zum Frühstücken in den Ort, Lion-sur-Mer. Es ist noch frisch, aber die Sonne scheint. Der Ort ist ganz nett. Touristisch auch, aber da noch Vorsaison ist, ist wenig los. In einer Boulangerie, mit einem Salon de Thé Bereich, bekomme ich prima Kaffee und leckere Teilchen. Zurück am CP packe ich meine Sachen und verabschiede mich von dem sympathischen Platz.


    Mein Gerödel.


    Bei schönstem Wetter geht es weiter.


    Heute gibt es eine kurze Etappe von knapp 60 Kilometern zum Campingplatz in Bayeux. Die Strecke ist schön und führt teilweise durch ein Naturschutzgebiet. Ich frage am Anfang des Naturschutzgebietes ein paar Bauarbeiter, ob ich mit dem Rad durchfahren darf. Klar, darf ich. Ich glaube, die Herren sind hier noch nicht mit dem Fahrrad unterwegs gewesen, wie ich nach ein paar Metern feststellen muss. Mit dem Mountainbike, ohne Gepäck sicher kein Problem. Dafür ist es landschaftlich traumhaft, wenn auch anstrengend.


    Zeitweise habe ich Sorge, dass sich der Weg im meterhohen Gras verliert und ich umdrehen muss.


    Der Weg wird zum Pfad und führt abenteuerlich mit immer wieder fantastischen Ausblicken in relativer Nähe zum Meer entlang. Ein Mountainbiker überholt mich. Wenig später kommt mir ein Spaziergänger entgegen, der mir sagt, dass der Radweg weiter drüben sei. Ich habe ihm nicht gesagt, dass ich mir die Strecke extra ausgesucht habe.


    Schön und etwas anstrengend.

    Die Passage neigt sich dem Ende zu, der Weg wird wieder besser.


    Ich radle noch ein wenig an den Landungstränden entlag, bis Ich Bayeux erreiche.


    Omaha-Beach?


    Mein Tachostand zeigt nur 38 Kilometer statt 58 an. Wahrscheinlich habe ich durch Verfahren eine Abkürzung genommen. Ich checke ein und bekomme ein Radler-Angebot, für 9,20€, das freut mich. Mein Zelt darf ich gegenüber eines überdachten Plätzchens mit Tischen und Bänken aufbauen. In der Nachbarschaft sehe ich noch zwei weitere Zelte von Radlern. Hier werde ich zwei Tage bleiben. Ich hoffe, es wird etwas wärmer.

    Tag 18
    Ich habe gut geschlafen und komme etwas später mit einer meiner Nachbarn, Denise-Marie, etwa meine Altersklasse, ins Gespräch. Sie kommt aus Kanada und ist seit 4 Monaten mit einem Klapprad und Zelt in Europa unterwegs. Mit meinem Schulenglisch geht die Kommunikation gerade so. Eine lustige Person und beeindruckend. Meine anderen Nachbarn sind ein Radler-Ehepaar, mit dem ich mich Französisch unterhalte, ich denke es sind Franzosen. Auch so in meiner Altersklasse. Die beiden sind schon länger auf Tour und sind in Bayeux schon seit Tagen. Der arme Kerl hat Ischias Schmerzen und kommt nur mit Hilfe seiner Frau aus dem Zelt heraus. Er tut mir echt leid. Die Frau erzählt mir, wenn das mit ihrem Mann nicht besser würde, müssten sie zum Arzt oder nach Hause fahren. Das sei dann echt ein Problem. Mit dem Zug müsste es doch gehen. In welcher Stadt wohnen sie denn? Die Frau sagt mir, dass sie das Flugzeug nehmen müssen, nach Quebec. Jetzt hab ich’s auch kapiert, es sind Kanadier aus dem französischsprachigen Teil Kanadas.
    Denise-Marie fährt heute weiter zu den Landungsstränden, gemütlich etwa 40-60 Kilometer am Tag. So wie das Rad gepackt ist: eine Leistung!
    Zum Abschluss machen wir noch Fotos voneinander und ich versuche ihr noch zu erklären wie zur eigenen Sicherheit, der Fahrradhelm richtig angezogen wird. Sie trägt ihn eher wie ein Hütchen, wegen der Haare.


    Denise radelt weiter Richtung Landungsstrände.


    Auf dem CP in Bayeux.

    Ich werde heute zuerst den Teppich von Bayeux ansehen, wenn ich schon mal hier bin. Der Eintritt kostet 8€ und man bekommt einen Audio-Guide verpasst. Obwohl ich früh da bin ist die Besucherschlange schon am Laufen. Das Audio Teil bekomme ich an und es spricht gleich zum ersten Bild, ok, soweit so gut. Ist ja auch interessant. Ziemlich schnell merke ich, dass ich beim Anschauen des Teppichs nicht trödeln oder gar länger stehen bleiben kann. Dann stockt die ganze Besucherschlange. Jetzt wird es stressig für mich, weil ich genau hören und zusehen muss, dass ich zu dem gesprochenen Text beim richtigen Bild stehe. Meistens bin ich mit Anschauen zu langsam und beeile mich, schnell weiterzu- kommen. Irgendwann höre ich gar nicht mehr richtig zu, sondern schaue einfach die gestickten Bilder an. Am Ende bin ich froh, wieder draußen an der Luft zu sein und spaziere weiter zum Memorial Museum einmal quer durch die Stadt. Hier bleibe ich nicht so lange, da mich Panzer und anderes Kriegsgerät nicht so interessieren. Also quere ich zu Fuß wieder die ganze Stadt und bin ziemlich platt als ich am CP ankomme.
    Das Wetter ist auch nicht so toll.

    Tag 19
    Heute geht es weiter Richtung Mont-Saint-Michel.


    Es wird wieder hügelig.


    Die Strecke ist wieder sehr hügelig und anstrengend zu fahren. Ich bin ziemlich erledigt und gehe nach nur 40 Kilometern auf den CP in Saint-Martin-des-Besaces, Sous les étoiles Normandie. Der Platz ist parkähnlich und riesig und unter neuen Besitzern, einem Britisch/Amerikanischen Ehepaar, das dabei ist, den Platz zu renovieren, der sehr heruntergekommen war.


    Die Rezeption und Bar.

    Die Frau erklärt mir ausführlich den Platz und seine Geschichte. Früher war es ein Bauernhof mit mehreren sehr alten Gebäuden, die zum größten Teil noch stehen und nach und nach saniert werden sollen. Nach einem kleinen Spaziergang finde ich das Backhaus dazu. Die Gebäude sind zum Teil aus dem 17.-18. Jahrhundert.


    Auf dem Balken im Bild rechts steht die Jahreszahl 1783. Auf einem anderen Balken lese ich die Jahreszahl 1679.


    Das alte Backhaus.

    Lost Space


    Ich bin begeistert! Zum Glück kam ich nicht am 6. Juni auf den CP, da war er wegen des D-Day fast ausgebucht. Heute, einige Tage später, bin ich fast alleine hier.

    Tag 20
    Nach einem vorzüglichen Frühstück mit frischem Baguette, Croissants und reichlich Kaffee radle ich weiter Richtung Vire. Die Strecke ist wieder sehr hügelig. Dann führt der Weg steil ins Tal hinab, mit Hinweisschildern „Vorsicht Zug“.



    Ich sehe aber keine Gleise, außerdem ist der Weg nicht so breit. Vermutlich ist es eine Touristenbahn, die vielleicht nur am Wochenende hier zu dem Viadukt Souleuvre fährt, wo man auch Bungeespringen kann. Hier unten im Tal ist auch ein Erlebniszentrum und eine Gaststätte. Die werde ich jetzt für einen Kaffee ansteuern. Ich bin froh, dass ich diesem „Zug“ nicht begegne. Auf der Terrasse sitzt mit mir am Tisch eine Familie aus Texas, die hier Urlaub macht.


    Von da oben wird gesprungen.

    Der Vater lädt mich auf einen Espresso ein und wir unterhalten uns eine ganze Weile. Er erzählt mir, dass er in Sindelfingen in den Patch Baracks ( bei Stuttgart) stationiert war. Sein Enkel, so etwa 15, will hier seinen ersten Bungeesprung machen. Es ist schon Mittagszeit und die Familie ist am Essen, Pizza, Salate Pommes usw. Der Enkel isst auch Pizza und Pommes. Beim Verabschieden kann ich mir leider nicht verkneifen dem jungen Mann alles Gute für den Sprung zu wünschen und dass er nicht zweimal essen muss. Das hätte ich mir eigentlich sparen können. Zur Strafe muss ich einen extrem steilen Weg hochschieben bis ich endlich oben auf dem Berg bin.


    Weiter geht es in Richtung Sourdeval.


    Vire muss ich durchqueren, das bedeutet ein anstrengendes Rauf und Runter, wobei ich mich auch noch verfahre. Endlich finde ich den Einstieg zu dem Voie Verte, der aber zuerst gefühlte 10 Kilometer nur bergauf führt. Dann geht es entspannt weiter.



    Unterwegs treffe ich wieder ein Radler-Paar aus Kanada, Victoria. Irgendwann erreiche ich den Camping Municipal in Sourdeval. Ein ganz kleiner Platz mit vielleicht 20 Plätzen und einem Sanitärgebäude, das ich alleine für mich habe, da ich ganz alleine auf dem Platz bin. Es ist niemand da, bei dem ich bezahlen könnte. So stecke ich die Platzgebühr in einen Umschlag und werfe ihn in den Mini Briefkasten am Sanitärgebäude. Ein bisschen unheimlich ist mir schon, das gibt sich aber im Laufe des Abends.

    Tag 21
    Leider habe ich nicht so gut geschlafen. Keine Ahnung weshalb, es war total ruhig auf dem Platz. Im Ort finde ich eine nette kleine Bar unter britischer Leitung und frühstücke hier.
    Dann mache ich mich auf den Weg zum nächsten Etappenziel, Pontaubault.

    Schöne Aussicht am Voie Verte.

    Alter Bahnhof
    Bei Nieselregen auf der alten Bahntrasse.

    In der Gegenrichtung geht es nach Domfront.

    Ich radle an der Sperre vorbei. Später geht es auf einer Piste weiter.


    Wunderbarer Radweg.


    Vor Pontaubault hört der Voie Verte vor der Brücke auf.

    Der Campingplatz wird von einem Ehepaar aus England betrieben. Ich checke bei der Madame ein, die mir anschließend meine Zeltstelle auf der Wiese in der Mitte des Platzes zeigt. Weitläufig um mich herum lauter Wohnmobile. Als ich mir an der Rezeption ein Eis hole, dieses Mal bei dem Mann, sagt er zu mir: Sie waren schon einmal hier, vor zwei Jahren, und strahlt. Oje, nicht schon wieder denke ich. Ich muss eine „Zwillingsschwester“ haben, von der ich nichts weiß. Sie verfolgt mich, oder ich sie, schon seit Jahrzehnten. Immer wieder werde ich auf den Campingplätzen angesprochen, dass ich schon mal hier war. Der Mann will nicht glauben, dass ich das nicht gewesen bin. Ich würde ihr sehr ähnlich, bzw. gleich aussehen. So sage ich, nun, vielleicht habe ich eine Zwillingsschwester von der ich nichts weiß, ganz hundertprozentig könne ich das nicht ausschließen, da meine Familiengeschichte etwas kompliziert ist. Jetzt bekommt er feuchte Augen und ich beende freundlich unser Gespräch. Leider haben sie keine Unterlagen mehr, sonst könnte man nachschauen. Schon merkwürdig, 2017 ist mir dasselbe auf dem CP in Ingolstadt passiert. Ich wasche noch meine Wäsche und lege mich dann in das Unna.



    Tag 22
    Zum Frühstücken versuche ich eine Bar im Ort zu finden. Ich habe Glück, es gibt eine Bar und einen Bäcker, der zusätzlich noch andere Lebensmittel verkauft.



    Heute geht es zum Mon-Saint-Michel. Hier war ich schon einmal, er ist aber so beeindruckend, dass ich da noch einmal hin möchte. Und ich komme aus einer anderen Richtung. Das Wetter ist heute unbeständig, es sieht nach Regen aus. Irgendwann taucht in der Ferne der Mont Saint Michel auf. Das ist schon ein tolles Gefühl darauf zu zu radeln.



    Dann fängt es an zu regnen und bis ich kurz vor dem Mont S.M. bin geht ein Wolkenbruch los. Ich flüchte mich klatschnass in ein relativ einfaches Restaurant welches zu einem Hotel gehört und frage höflich, ob es möglich ist, hier einen Kaffee zu trinken. Ich traue meinen Ohren nicht, sagt dieser arrogante Typ zu mir: Drinnen oder draußen. Gefasst antworte ich ihm: Drinnen, bitte. Dann darf ich vor der Bar an einem kleinen Tisch meinen Cappuccino trinken, der stolze 5.80 kostet. Trotzdem gebe ich ihm ein Trinkgeld. Nachdem der Regen nachgelassen hat, versuche ich näher an den M.S.M heran zu kommen.


    Es ist kalt und regnerisch.

    Leider sind die letzten zwei Kilometer für Fährräder verboten und so schiebe ich fast 1700m. Kurz vor dem Ziel habe ich keine Lust mehr, weil mir zu viele Menschen unterwegs sind. Auf dem Campingplatz in Beauvoir war ich auch schon, ich kann mich nicht erinnern, dass er so teuer war: 24€. Ich versuche noch zu verhandeln, keine Chance, es ist die Platzgebühr, egal wieviele Menschen darauf zelten. Etwas grimmig baue ich mein Zelt auf, jetzt fängt es auch wieder an zu regnen.

    Tag 23
    Während das Zelt am Trocknen ist gehe ich in die Bar um einen Kaffee zu trinken und mein vorbestelltes Croissant zu essen. Ich meckere etwas wegen des Platzpreises herum, sei doch ungerecht, wenn man alleine unterwegs ist und immer mehr bezahlen muss. Der Mann ist sehr freundlich und spendiert mir einen zweiten Kaffee den ich gerne annehme.


    Au revoir, Mont-Saint-Michel.


    Richtung Ille et Rance. (Canal)

    Heute geht es nach Rennes. Meine Route führt mich erst ein Stück über Land, bis ich an den Canal d’IIle et Rance komme und dann am Canal entlang bis zum Campingplatz Gayeulles in Rennes.
    Geändert von rockhopper (09.04.2020 um 11:00 Uhr)

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    AW: [D] [B] [FR] Von Aachen bis in die Bretagne_Radtour 2019

    #4

    Es regnet schon wieder.

    Stille am Canal.

    Am Étang de Boulet.

    Nach 76 Kilometern komme ich am CP an. Der Platz wurde neu renoviert, da bin ich gespannt wie er jetzt aussieht. Ich checke ein und bekomme das Radler-Angebot für 15€. Als ich die Zeltwiese sehe bin ich enttäuscht. Etwas lieblos am Rande eines großen Fussballfeldes sind zwei Grasstreifen auf denen man zelten kann. Mir gefällt es hier nicht wirklich und so beschließe ich am nächsten Tag mir im Zentrum ein Hotel zu nehmen und meine Zugfahrt nach Dijon zu organisieren. Ich bin schon auf der Rückreise. Weil die direkte Zugverbindung Rennes _ Straßburg eingestellt wurde, muss ich sehen, wie ich mich organisiere. Ich bekomme eine Zugverbindung mit Umsteigen in Paris und lerne bei dieser Gelegenheit den kleinsten der fünf Pariser Bahnhöfe, Gare de Bercy, kennen. Jetzt muss ich noch eine Übernachtung suchen. Ich könnte ja mal bei dem Hotel Atlantic, in dem ich schon einmal gewesen bin, anfragen. Ich habe wieder Glück, die Dame an der Rezeption erinnert sich an mich und es gibt auch noch ein freies Zimmer für mich.

    Tag 24
    Super! Und das Hotel liegt nur ein paar Meter vom Bahnhof entfernt in ein einer Seitenstraße. Heute findet das alljährliche Fete de la Musique statt, das möchte ich gerne ansehen. Am Bahnhof in Rennes wird immer noch gebaut. Wenigstens ist der Bahnhof innen fertig.


    Moderne Architektur am Bahnhof von Rennes.

    Vorher finde ich gleich ein paar Häuser weiter vom Hotel, ein ganz kleines Bistro mit etwa 20 Plätzen und kann dort das sehr leckere vegetarische Tagesgericht genießen. Danach eine Zitronentarte und einen Kaffee Crème. Alles hausgemacht. So gut gestärkt kann ich mich in das Getümmel stürzen. Ich muss nur der Musik nachgehen, die ich schon ein paar hundert Meter vorher höre. Das Fest kommt erst am Abend so richtig in Gang, da will ich wieder im Hotel sein. Mir ist es viel zu laut und die Massen von Menschen sind auch nicht so mein Ding. Die Stimmung ist toll, aber bei der Lautstärke ist das nichts für mich. Naja, einen kleine Eindruck habe ich bekommen. Dafür entdecke ich ein paar Straßen weiter einige wunderschöne Gebäude im Art-Deco Stil.


    Gebäude im Art-Deco Stil.

    Das Städtische Schwimmbad in Rennes.

    Zum Abschluss versuche ich noch an einem Stand eine Saucisse, eine Art Bratwurst in Galette. Dann begebe ich mich auf den Weg zum Hotel zurück. An einer Fußgängerampel warte ich, weil die Ampel auf Rot steht. Dann läuft eine Gruppe junger Leute an mir vorbei und einer sagt zu mir: Gehen sie Madame, es ist rot. Da bleibt man einmal brav stehen.

    Tag 25
    Ich habe ausgezeichnet geschlafen und von dem Fest fast nichts gehört. Heute geht es mit dem Zug nach Dijon. Umsteigen in Paris geht auch problemlos, da ich auf den Busspuren radeln kann. Die Zugfahrt im TER nach Dijon ist anstrengend, weil ein junger, völlig übermüdeter Vater mit seinem quengeligen kleinen Sohn im Abteil total überfordert ist. Das Kind haut ab, spielt an diversen Knöpfen herum und erwischt dabei den Notknopf. Die Fahrgäste schauen entsetzt, der Vater bleibt cool. Es passiert minutenlang nichts. Irgendwann kommt ein Sncf Beamter vorbei und fragt, wer das Notsignal gedrückt hat. Ich denke, jetzt bekommt der Vater Probleme, keineswegs. Der Beamte verschwindet wortlos und der Vater bringt keine Entschuldigung über die Lippen. Alle entspannt, bis auf den quengeligen Sohn. Den CP in Dijon erreiche ich über eine stark befahrene Straße und bin froh, endlich da zu sein. Am Abend genehmige ich mir noch eine Pizza vom Pizzawagen, die mir nicht wirklich schmeckt.

    Tag 26
    Heute wird wieder geradelt am Kanal entlang, 20 Kilometer und schnurgerade.


    Meistens radle ich auf Schotter, wenige Abschnitte sind asphaltiert.


    Die Oberfläche ist meistens geschottert und mühsam zu fahren, dazu ist es heiß heute, die Strecke ist langweilig und es ist so gut wie niemand unterwegs. Irgendwann höre ich hinter mir ein Fahrrad herankommen. Kurz darauf überholt mich in einem Affenzahn eine junge Frau auf einem Rennrad mit einem fetten Rucksack auf dem Rücken und einem großen Kindersitz hinten am Rad, der leer ist. Bis ich darüber nachdenken kann ist sie schon außer Sichtweite. Ein paar Kilometer später sehe ich sie am Rand stehen. Ist alles ok, frage ich im vorbeifahren. Ja, alles ok, sie mache nur eine Pause. Klar, wenn man so durch die Gegend brettert. Wieder ein paar Kilometer später treffe ich einen älteren Mountainbiker, der mich anspricht und fragt, ob ich eine Luftpumpe dabei habe. Er hat seine Zuhause vergessen. Klar, ich helfe gerne und sage, sie befindet sich in der Packtasche, einen Moment. Die Pumpe ist nicht in der von mir vermuteten Tasche, also die zweite Packtasche auch auspacken, bis sich die Luftpumpe, natürlich ganz unten, findet. Der Mann will schon ohne Luft weiterfahren, weil es ihm unangenehm ist wie ich mich abmühe die Pumpe zu finden. Ich weiß, wenn er die Reifen jetzt nicht aufpumpt, wird er später fluchen. Nach der Pump-Aktion bedankt er sich sehr herzlich. Ich muss mein Gerödel wieder verstauen, bevor es nach Dole auf den CP geht. Die Strecke von Losne bis Dole ist ganz hübsch zu radeln.
    Der Eurovelo 6 geht bei Damparis vom Kanal weg, wegen, …keine Ahnung. Da ich neugierig bin, denke ich, dass ich am Kanal weiter fahre.
    Vielleicht geht es ja doch, wie so oft.



    Tja, und dann kommt die Sperre und ein dickes Verbotsschild, dessen Wortlaut ich nicht genau verstehe. Außerdem ist dieser Abschnitt videoüberwacht. So stehe ich da und überlege, soll ich oder soll ich es nicht versuchen. Während meiner Überlegung kommt aus der Richtung, also der verbotenen, ein Rennradler. Aha. Ich frage ihn, ob man da jetzt trotz des Verbotes fahren kann. Ja, das würden hier alle machen, er hätte niemanden gesehen. Mmh. Mit ganz großem schlechten Gewissen und gesenktem Haupt fahre ich die 2-3 Kilometer ohne anzuhalten und Fotos zu machen. Links von mir Büsche und Bäume, rechts neben dem Kanal hinter einem Sicherheitszaun sehe ich etliche alte Fabrikgebäude und Schornsteine. Ob da überhaupt noch gearbeitet wird? Auf jeden Fall bin ich froh wieder an eine Schranke zu kommen die mir signalisiert, dass ich ohne Probleme durchgekommen bin. Kurz darauf fährt die Gendarmerie an mir vorbei. Ich habe mir vorgenommen, werde ich je noch einmal diese Strecke radeln, bleibe ich schön auf dem EV 6.

    Tag 27

    Pausentag in Dole. Es ist heiß geworden, so um die 30°. So verbringe ich den Vormittag mit Wäschewaschen.


    Irgendwie habe ich es mit Tieren. Diese Ente will mich unbedingt besuchen.

    Anschließend mache ich mich auf dem Weg um einzukaufen und durch Dole zu schlendern. In einem Bistro ergattere ich das letzte Tagesmenue und weil ich so gierig bin gönne ich mir ein Dessert. Da es sehr üppig ausfällt muss ich zum Schluss noch kämpfen und schaffe doch nicht alles zu essen.



    Auf dem Rückweg spricht mich ein älterer Franzose an, ob ich Deutsche sei. So ein Zufall, es ist der Mann, der mit dem MTB nach Dole unterwegs war und dem ich meine Luftpumpe ausgeliehen hatte. Er freut sich, dass wir uns wieder sehen und bedankt sich noch einmal.

    Tag 28
    So langsam verliere ich die Lust am radeln, vor allem wenn die Temperaturen die 30°-Marke weit überschreiten. Deshalb kürze ich die Strecke etwas ab und nehme den Zug bis Besançon.


    Der Tunnel von Besançon.

    Am Doubs ist bei der Hitze kaum etwas los. Ich arbeite mich von Schattenplatz zu Schattenplatz.


    Tierische Hitze

    Endlich ein Schattenplatz!

    Zu Essen habe ich auch nichts. Irgendwann entdecke ich neben dem Radweg einen großen stationären Imbiss an der Straße, an dem überwiegend LKW Fahrer und Handwerker zu Mittag essen. Hier mache ich eine kleine Pause, trinke eine Cola und esse Pommes dazu.


    Hitze am Doubs


    Bei 38° und Kilometer 62 kann ich nicht mehr und gehe auf den Campingplatz in Clerval.

    Tag 29



    Am Morgen ist das Zelt klatschnass. Ich suche mir eine Bar in der ich frühstücken kann. Viel ist hier nicht los. Eine Boulangerie gibt es auch. Am Bahnhof von Clerval kann man Fahrkarten nur bis Belfort rauslassen und man kann nur mit Karte bezahlen. Das muss ich jetzt ausprobieren, sonst bekomme ich keinen Fahrschein. Super, läuft. Was gar nicht läuft ist der Zustieg in den Wagen eines älteren Intercity-Zuges. Das Gepäck habe ich als erstes in den Eingangsbereich geworfen. Es eilt, der Zug will abfahren. Die Waggontüre ist so schmal, dass ich mein Fahrrad kaum durch bekomme. Dann stecke ich im Türrahmen fest, ein Pedal hat sich an der Tür verhakt. Ich bekomme gleich die Krise! Etwas hektisch rüttle ich am Rad. Zum Glück löst sich das Problem und ich bringe das Rad und das Gepäck in das Abteil.


    Echt grenzwertig.

    In Belfort besorge ich mir die Fahrkarte nach Kehl mit Umsteigen in Mulhouse. Dann geht es wiedermal auf den dortigen CP. In einem Mini-Schatten den ein kleines Bäumchen wirft, baue ich das Unna auf. Die besten Schattenplätze auf der Zeltwiese sind mit dicken Wohnmobilen belegt. Am Abend gönne ich mir zur Belohnung ein leckeres Schnitzel mit Pommes und Salat.


    Vier Wochen einer ereignisreichen Radtour gehen zu Ende.

    Fazit:

    Der Vennbahn-Radweg ist teilweise ganz schön zu fahren. Die Ardennen sind ein wunderschönes Gebiet. Die Flamen sprechen ungern Französisch. Den Abschnitt an der Meuse, oder Maas zwischen Givet und Charleville fand ich besonders schön. Compiègne war eine Überraschung für mich. Laon ist unbedingt sehenswert, aber nicht bei Regen. Rouen, meine Lieblingsstadt begeistert mich immer noch. Ab Temperaturen über 35° Grad wird Radfahren zur Qual. Im Großen und Ganzen war es wieder eine schöne, interessante und ereignisreiche Radtour!
    Vielen Dank noch einmal an meine beiden Schutzengel aus Reims!

    Jetzt freue ich mich auf die kommende Radtour! Irgendwann. Ich hoffe, noch in diesem Jahr.
    Geändert von rockhopper (17.04.2020 um 06:00 Uhr)

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    AW: [D] [B] [FR] Von Aachen bis in die Bretagne_Radtour 2019

    #5
    Vielen Dank, so wunderbar! Lieblings-Radl + Lieblingszelt = will sofort los!

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    AW: [D] [B] [FR] Von Aachen bis in die Bretagne_Radtour 2019

    #6
    Zitat Zitat von lina Beitrag anzeigen
    Vielen Dank, so wunderbar! Lieblings-Radl + Lieblingszelt = will sofort los!
    Lina, vielen Dank! Ich könnte auch schon wieder los, leider braucht es noch eine Weile, bis das machbar ist. Ich habe die Route für dieses Jahr um eine Plan B Strecke erweitert, mal sehen.

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    AW: [D] [B] [FR] Von Aachen bis in die Bretagne_Radtour 2019

    #7
    Hei, und Dankeschön für den tollen Bericht.
    Dahin will ich auch noch mal... wenn Outdoor-Outdoor wieder möglich ist.
    Liebe Grüße
    Maahinen

    Ps. Ich bin beim lesen zwar erst bei Tag 15 angekommen, aber ich finde deinen Bericht extrem sympathisch. Du benutzt so oft Wörter wie „Kaffee“, „Kaffeepause“, „Kuchen“ und so weiter. Das liebe ich.
    Geändert von maahinen (04.04.2020 um 16:05 Uhr)

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    AW: [D] [B] [FR] Von Aachen bis in die Bretagne_Radtour 2019

    #8
    Hi da, tolle Bericht, danke fürs mitnehmen.
    Hätte mich gefreut über ein Foto von Deine Person.
    Fahrrad ist toll aber so.........Nur Fahrrad.

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    AW: [D] [B] [FR] Von Aachen bis in die Bretagne_Radtour 2019

    #9
    ***** Vielen Dank. Ganz toller Bericht *****

  10. Dauerbesucher
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    AW: [D] [B] [FR] Von Aachen bis in die Bretagne_Radtour 2019

    #10
    Vielen Dank an euch!
    P.S. Das Fazit habe ich um ein paar Sätze erweitert.
    Geändert von rockhopper (17.04.2020 um 05:59 Uhr)

  11. Anfänger im Forum
    Avatar von LadyofPedelec
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    AW: [D] [B] [FR] Von Aachen bis in die Bretagne_Radtour 2019

    #11
    Hallo Rockhopper, ein wirklich schöner Bericht und tolle Tour. Sehr professionell. Bist Du Fotografin?
    Liebe Grüße und weiter so
    LadyofPedelec

  12. Dauerbesucher
    Avatar von rockhopper
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    AW: [D] [B] [FR] Von Aachen bis in die Bretagne_Radtour 2019

    #12
    Zitat Zitat von LadyofPedelec Beitrag anzeigen
    Hallo Rockhopper, ein wirklich schöner Bericht und tolle Tour. Sehr professionell. Bist Du Fotografin?
    Liebe Grüße und weiter so
    LadyofPedelec
    Danke!
    Nein, ich bin keine ausgebildete Fotografin. Beruflich bin ich im kreativen Bereich ansässig.
    Liebe Grüße von rockhopper

  13. Erfahren
    Avatar von Wanderzwerg
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    AW: [D] [B] [FR] Von Aachen bis in die Bretagne_Radtour 2019

    #13
    Hallo,

    Der Bericht hat mich gefreut und berührt. Ich habe lange in Aachen gelebt und meine Frau hat in Lille studiert, Belgien und der Norden Frankreichs waren für Urlaube und Ausflüge quasi vor der Haustüre. Die Bilder wirken so vertraut, ich müsste mal in die alte Diakästen gucken ob da nicht was ähnliches drin ist. Die Ost-West Durchquerung der Ardennen war für mich nach dem Mont Ventoux das anstrengendste was ich je mit dem Rad gemacht habe.

    Heute aus Berliner Sicht und zu Zeiten COVID-19 wirkt das alles eigenartig fern und exotisch auf mich, fast wie Spartaners Bericht über seine Kanu-Tour in Südamerika.

    Gruß
    zwerg

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    Avatar von rockhopper
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    AW: [D] [B] [FR] Von Aachen bis in die Bretagne_Radtour 2019

    #14
    Zitat Zitat von Wanderzwerg Beitrag anzeigen
    Hallo,

    Der Bericht hat mich gefreut und berührt. Ich habe lange in Aachen gelebt und meine Frau hat in Lille studiert, Belgien und der Norden Frankreichs waren für Urlaube und Ausflüge quasi vor der Haustüre. Die Bilder wirken so vertraut, ich müsste mal in die alte Diakästen gucken ob da nicht was ähnliches drin ist. Die Ost-West Durchquerung der Ardennen war für mich nach dem Mont Ventoux das anstrengendste was ich je mit dem Rad gemacht habe.

    Heute aus Berliner Sicht und zu Zeiten COVID-19 wirkt das alles eigenartig fern und exotisch auf mich, fast wie Spartaners Bericht über seine Kanu-Tour in Südamerika.

    Gruß
    zwerg
    Viele Dank für Deine Zeilen!
    Du warst mit dem Rad auf dem Mont Ventoux, ganz großen Respekt!
    Ja, die Ardennen habe ich bei meiner Planung unterschätzt. Jetzt einige Monate danach schleichen sich bei mir Überlegungen ein, ob ich vielleicht doch noch eine Tour im Süden Belgiens unternehmen könnte. Zum Beispiel ab Naumur an der Sambre entlang Richtung Westen und den Spuren Van Goghs zu folgen. Sofern da außer den touristischen Punkten noch etwas zu sehen oder zu spüren ist. Von da aus nach Frankreich weiter Richtung Paris.
    Mal sehen, jetzt geht ja nichts außer Trainingsrunden um den Stuttgarter Kessel herum. Höhenmeter kann man hier gut sammeln.

    Herzliche Grüße aus dem Süden
    rockhopper
    Geändert von rockhopper (05.05.2020 um 15:59 Uhr)

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