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    [KG] Kirgistan – 13 Tage um das Enylchek-Tal

    #1
    Mitreisende: Xenon
    Kirgistan – 13 Tage um das Enylchek-Tal

    Ich nutze mal die Corona-Ruhe, um einen Reisebericht eines Trips nach Kirgistan zu erstellen. Die Tour fand im Juli 2018 statt.

    Los geht’s


    In den Bergen Kirgistans.


    2018 hatte ich Lust auf meine erste größere Trekkingtour außerhalb Europas. Wandererfahrung sammelte ich bislang vor allem auf einer Alpenüberquerung sowie bei diversen Mehrtageswanderungen in Neuseeland, jeweils mit Hütten. Trekkingerfahrung hatte ich in Norwegen und Schweden sammeln können, immer jedoch mit zivilisationsnahen Touren, bei denen ein Ausstieg jederzeit möglich gewesen wäre.


    Vorbereitung
    Auf einer Tour in Schweden hatte ich gelernt, dass allein Wandern nichts für mich ist. Im Freundes- und Bekanntenkreis konnte ich niemanden begeistern und ich meldete mich daher bei einem Online-Portal für Reisebegleitungen an. Die meisten Gesuche gingen meilenweit an dem vorbei, was ich mir als Reise vorgestellt hatte („Entspannung auf Bali“, „Sonne und Meer auf den griechischen Inseln“) und meine Hoffnung sank. Irgendwann stieß ich jedoch auf F., der eine Trekkingreise nach Kirgistan plante. Ich musste das Land zugegebenermaßen erstmal genauer auf der Karte suchen. F. war bereits in Kontakt mit einer Trekkerin, S. Bald war es beschlossen Mitte Juli zu dritt aufzubrechen.

    Um die Route kümmerte sich S., unsere Navigatorin. Die Wahl fiel auf die Region östlich von Enylchek, inspiriert u.a. von Libertists „27 Tage Tian Shan“ hier im Forum. Der geplante Routenverlauf war: Startpunkt südlich von Enylchek – Kaindy Tal – At Djailoo-Pass – Querung der Enylcheck-Endmoräne – Tjuz-Pass – Echkili Tash. Die Route war gletscherfrei und nach Recherche sollten die Bäche querbar sein.

    Von Deutschland aus setzten wir uns bereits mit Ecotrek in Karakol in Verbindung. Die Agentur besorgt uns einen Fahrer und kümmert sich im Voraus um die Permits. Diese sind in Kirgistan für die Wanderung in grenznahen Gebieten nötig und wurden auch mehrfach kontrolliert.
    Flüge buchten wir bei Pegasus Airlines von Frankfurt über Istanbul nach Bischkek.


    Reiseverlauf
    Die Anreise verlief unspektakulär. Die Flüge sind pünktlich, der Service der Pegasus Airlines wie erwartet mäßig. Früh um 4 landen wir in Bischkek. Trotz der frühen Stunde ist es bereits sehr warm. Wir teilen uns mit israelischen Touristen ein Taxi in die Stadt. Am „Busbahnhof“ füllen wir unsere Vorräte auf und verlieren keine Zeit. Schnell findet sich ein Sammeltaxi (Marschrutka) mit dem Ziel Karakol.


    Zwischen Bischkek und Karakol. Der Issyk-Kul ist noch weit, trotzdem werden schon Badetiere verkauft.

    Die Fahrt ist ein kleiner Kulturschock. Vom Flug noch sehr übermüdet brettern wir bei über 30 Grad in unserem vollbesetzten (in Deutschland würde man es „überbelegt“ nennen) Sprinter dahin. Dabei spielt ohrenbetäubend-laute kirgisisch/russische-Popmusik und die Abläufe der Fahrt sind undurchsichtig. Ständig halten wir im Nirgendwo um wahlweise Personen aus-/einzuladen, manchmal reichen auch Personen von außen Tüten ins Innere, einmal stoppen wir und ein Passagier holt aus einem Haus an der Straße etwas ab, während uns ein Taxi beim Ausparken in die Seite fährt. Zum Glück gibt es keinen größeren Schaden und nach kurzem Streit mit dem Taxifahrer geht die Fahrt weiter. Landschaftlich ist besonders der erste Teil der Fahrt durch einen langen Canyon sehenswert, im zweiten Teil geht es dann endlos an Badeorten am Issyk-Kul entlang, Kirgistans größtem See. In Karakol finden wir schnell unser Guest-House und verbummeln den Rest des Tages.




    Häuser in Karakol mit Ausläufern des Tian Shan im Hintergrund.


    1.Tag
    Morgens holt uns dann unser Ecotrek-Fahrer am Guesthouse ab. Dieser hat heute Geburtstag, eine Verständigung ist aufgrund unserer fehlenden Russischkenntnisse aber leider kaum möglich. Bei mäßigem Regen geht es mehrere Stunden von Karakol nach Süden nach Enylchek. Auf der Fahrt werden unsere Pässe und Permits mehrmals kontrolliert.
    Vorbei geht es an der verfallenen Soviet-Bergbaustadt Enylcheck.


    Enylcheck.

    Ab hier wird der Weg sehr schlecht. Auf einer schrägen Piste geht es direkt oberhalb eines Flusstales entlang, im Wagen läuft passenderweise der Soundtrack von „Der Pate“. Schließlich sind wir jedoch am Eingang des Kaindy-Tals angekommen und im Regen startet unsere Wanderung. Zunächst geht es noch eine Piste entlang vorbei an zwei Gehöften.


    Im Kaindy-Tal bei Regen.

    Schließlich endet die Piste. Das Wetter bessert sich und schon bald scheint die Sonne. An einem dritten „Hof“, diesmal ohne Pistenanschluss, begrüßt uns wortlos ein einäugiger alter Mann, der uns gerührt die Hände schüttelt und uns stumm den Weg weist. Noch nach mehreren hundert Metern sehen wir den Mann vor seiner Hütte stehen und uns nachwinken. Das Tal ist recht breit und auf Pfaden wandern wir entspannt dahin. Ein Regenbogen über freilaufenden Pferden scheint wie aus einem Touristenprospekt über Kirgistan entnommen.


    Pferde und Regenbogen.

    Am Abend erreichen wir den Abzweig aus dem Kaindytal zum At Djailoo-Pass und schlagen unsere Zelte auf.


    Erster Zeltplatz.


    2. Tag
    Bei strahlendem Sonnenschein geht es schweißtreibend den Hang hinauf, hoch in das kleine Seitental. Die Hitze macht uns zu schaffen und wir kommen langsamer voran als geplant. Das enge Tal ist aber landschaftlich sehr schön.


    Seitental des Kaindy-Tals zum At-Djailoo-Pass.

    Schließlich fordert auch die Höhe ihren Tribut, die Passhöhe beträgt immerhin über 3600m. F. hat Kopfschmerzen, S. Magen-Darm-Beschwerden und ich fühle mich matt und erschöpft. Wir schlagen daher unsere Zelte noch vor dem Pass auf und ruhen uns den Rest des Tages aus. Zum Abend klart es auf und wir genießen die Aussicht.


    Wildblumen – Blick zurück Richtung Kaindy-Tal.


    Blick Richtung At-Djailoo-Pass.


    3. Tag
    Am nächsten Tag fühlt S. sich nicht besser und es ist unklar, ob wir heute überhaupt weitergehen können. Wir entscheiden uns dann, es zu versuchen. Beim Zeltabbau treffen wir auf die ersten Wanderer dieser Tour, einen Spanier und eine Niederländerin. Das Gespräch belebt uns alle und wir marschieren Richtung Passhöhe los. Leider verschlechtert sich das Wetter zunehmend. Der Pass selbst ist ein unscheinbarer Sattel, kaum merklich geht das Tal von leichtem Anstieg zu leichtem Gefälle über. Ein kleiner See mit vergletscherten Gipfeln im Hintergrund lädt zu einer Pause ein, es regnet jedoch und die Berge sind größtenteils in tiefen Wolken verschwunden.


    Regen am At-Djailoo-Pass; Blick zurück Richtung Kaindy-Tal.

    Oberhalb eines Baches gehen wir talabwärts, der Regen ist jetzt recht stark, das Gelände sehr uneben und obwohl wir tendenziell bergab gehen müssen wir viele Höhenmeter nach oben, um die „Bodenwellen“ zu erklimmen. Die Stimmung ist etwas gedrückt und im kalten Regen Schuhe und Hose für eine Bachquerung auszuziehen macht auch deutlich weniger Spaß als bei Sonnenschein.
    Sobald wir einen zweiten Bach erreichen, lässt der Regen nach.


    Der zweite Bach.

    Der Bach ist ziemlich reißend, kommt etwa einen Kilometer bergauf direkt aus einem Gletscher und mündet etwa hundert Meter abwärts in das Flüsschen, welches wir kurz vorher im Regen überquert haben. Der vereinigte Fluss hat ein steiles linkes Ufer, somit können wir ihm nicht weiter folgen, um eine bessere Querungsstelle zu finden. F., der mutigste (oder leichtsinnigste ) von uns sieht kein Problem den Bach zu überqueren, S. und mir ist allerdings flau im Magen. Wir verschieben die Entscheidung auf den morgigen Tag, in der Hoffnung auf einen niedrigeren Wasserstand.


    The Rock-Fels der Entscheidung: Zwischen den zwei Flüsschen. Von links kommend der im Regen überquerte Bach, von rechts der reißende Gletscherabfluss, Zusammenfluss direkt hinter uns. Die geplante Route führt über den Grasbuckel in der rechten Bildmitte in das dahinter liegende Tal.

    Nachts schlafe ich schlecht und gehe die verschiedenen Optionen im Kopf durch. Überqueren wir diesen Bach nicht bleibt uns nichts anderes übrig als den kompletten Weg wieder zurück zu gehen, um entlang des Fahrweges nach Enylchek zu gelangen. Es regnet jetzt wieder, was die Hoffnung auf einen niedrigeren Wasserstand nicht befeuert.


    4. Tag
    Morgens will ich gerade aufstehen und nach dem Wasserstand sehen, als es prompt zu schütten beginnt und auch etwa eine Stunde lang nicht aufhört. Dementsprechend ist der Wasserstand mindestens so hoch wie am Vorabend. Wenigstens kommt bald die Sonne heraus, und im Licht sieht alles gleich besser aus.


    Annähernd gleicher Aufnahmewinkel wie das Foto davor, der zu überquerende Fluss rechts im Bild, am anderen Ufer sieht man bereits einen Trampelpfad, der sich den grünen Hügel hinaufzieht.

    Wir entscheiden uns also für die Querung. Und tatsächlich, sobald man etwas in den Bach hineingeht wird klar, dass es zwar ordentlich rauscht und schäumt, das Wasser jedoch selbst an den tiefsten Stellen grade mal die Schienbeine gut halb bedeckt. Schnell sind wir also auf der anderen Seite und werden mit einem Abstieg durch blühende Bergwiesen belohnt.


    Abstieg ins Enylchek-Haupttal (im Hintergrund bereits zu sehen).


    Bergblumenwiesen.


    Im Hintergrund mündet der At-Djailoo-Fluss aus unserem Seitental in das Haupttal des Enylchek ein.


    Hier queren wir nun wieder den Zusammenfluss der zwei Bäche vom Vortag, von denen uns einer erst Probleme bei der Querung machte – zum Glück mit Brücke. Auf diesem Foto wird deutlicher als oben, dass die Bäche recht viel Wasser führten.

    Unten angekommen müssen wir das Enylchek-Tal nun aufwärts wandern, da der Enylchek-Fluss nur auf der Endmoräne gequert werden kann. Der Weg ist allerdings durch den At-Djailoo-Fluss versperrt. Dieser Fluss ist größer als die bisherigen und durch die regnerischen letzten Tage definitiv außerhalb unserer Komfortzone für Flussquerungen. Zum Glück wissen wir aus anderen Reiseberichten, dass eine kirgisische Familie direkt am Fluss wohnt und Wanderer für ein kleines Entgelt mit ihren Pferden übersetzt. Wir erreichen die Jurte und geben der Frau mit Händen und Füßen unser Anliegen zu verstehen. Offenbar ist der Mann nicht zuhause und so verschwindet sie, um ihn zu holen. Es dauert etwa eine Stunde, bis der Mann mit seinem Sohn aus der Ferne angeritten kommt


    Das Zuhause der Hirtenfamilie.


    Hier kommt unser Reiter, der uns über den Fluss bringen wird.

    Ich war noch nie auf einem Pferd gesessen und empfinde die Flussquerung daher als abenteuerlich. Der Wasserstand reicht dem Pferd bis zum Bauch und die Strömung ist so stark, dass auch das Pferd merklich abgetrieben wird. Ich klammere mich wohl ziemlich fest an dem Kirgisen fest, was diesen sehr amüsiert. Schließlich kommen wir aber alle drei gut am anderen Ufer an.

    Beim weiteren Weg den Enylchek flussaufwärts begegnen wir einem Holländer mit einem Deutschen, den zweiten Wanderern auf der Tour. Sonne und Wolken tauchen das breite Tal in schönes Licht. Wir zelten auf der breiten Flussniederung


    Enylchek Fluss.


    Lagerplatz im Tal.


    Lagerfeuerromantik.


    5. Tag
    Weiter geht es im Tal entlang. An einem Wasserfall füllen wir unsere Wasservorräte auf. Klares Wasser ist im Enylcheck-Tal selten, fast immer sind es milchige Gletscherabflüsse, trüb vom Gesteinsmehl, was der Katadyn-Filter leider nicht lange mitgemacht hat . Um die Mittagszeit erreichen wir das Southern Inylchek Base Camp, ein festes Zeltlager, in das man sich einfliegen lassen kann. Es ist der Startpunkt für Besteigungen des Khan Tengri, des 7010m hohen Grenzbergs zwischen Kirgistan, Kasachstan und China. Sehen kann man den Khan Tengri von hier allerdings nicht, er liegt den Enylchek-Gletscher weiter aufwärts. Außer einem Pärchen, die keine Lust auf Kontakt zu uns haben, ist das Camp leer.


    Southern Inylchek Base Camp.

    Wir wechseln nun die Talseite über die Endmoräne des Enlychek-Gletschers. Sie hat ein anspruchsvolles Relief und man sieht oft nicht, wo der beste Weg entlangführt. Kies und Geröll machen das kurze Stück der Moräne recht anstrengend, für die 2km Luftlinie benötigen wir etwa 2h.


    Auf der Endmoräne, nicht sehr pittoresk, dazu Regen.

    Kurz hinter der Endmoräne schlagen wir unsere Zelte auf, es hat Regen und kalter Wind eingesetzt.


    6. Tag
    Heute steht eine kurze Etappe bevor und wir lassen es daher gemütlich angehen. Gegen Mittag brechen wir auf, wieder dem Enylchek-Fluss entlang, diesmal aber flussabwärts auf der anderen Talseite. Bei Regen und Wind bekommt man nicht viel vom Tal mit, größtenteils bin ich einfach in meinem Poncho und laufe vor mich hin. Es gibt daher auch kaum Fotos von diesem Tag. Nach einer Bachüberquerung schlagen wir unser Zelt auf. Von hier wollen wir morgen das Enylchek-Tal verlassen.


    7. Tag
    Wie schön unser Zeltplatz ist, sehen wir erst am nächsten Morgen, als die Sonne scheint. Direkt gegenüber liegt der 5.700m hohe Pik Nansen.


    Pik Nansen, 5.697m.

    Wir haben heute noch genügend Zeit ihn zu bestaunen. Es geht die Talseite nach oben, von 2.780m im Enylchek-Tal auf den 4.000m hohen Tjuz Pass, und von dort noch einen Abstecher auf einen namenlosen Gipfel (4.250m) daneben. Am Anfang geht es noch gut voran, mit der Zeit und der Höhe wird es jedoch anstrengender und ich langsamer.


    Auf halber Höhe.

    Die letzten hundert Höhenmeter vor der Passhöhe habe ich das Gefühl kaum mehr voranzukommen und es geht nur noch im Schneckentempo vorwärts. Am Pass legen wir die Rucksäcke ab und ich quäle mich die letzten 250m bis zum Gipfel empor. Die Aussicht entschädigt aber für den Aufstieg, trotz aufgezogener Wolken bieten sich wunderschöne Blicke über das Tian Shan-Gebirge.


    Ich, Inylchek-Tal und Pik Nansen im Hintergrund.

    Nach ein paar Fotos wird es hier oben schnell kalt und wir beginnen den Abstieg. Über großes Geröll geht es auf der Nordseite des Tjuz-Passes abwärts. Gerade noch rechtzeitig vor einem starken Hagelschauer erreichen wir einen großen Felsen. Hier lagern wir heute.


    8. Tag


    Lagerplatz neben Felsen am nächsten Morgen, Zelt links unterhalb des Felsens zu sehen.

    Nach einer klaren und sehr kalten Nacht brechen wir bei blauem Himmel auf. Es geht immer weiter abwärts, über Gras und Wiesen. Im strahlenden Sonnenschein wird es schnell sehr heiß. Die Landschaft flacht hier merklich ab. Schatten gibt es weit und breit keinen.


    Nachts gefroren, am nächsten Tag in der Sonne gebraten.

    Wir sind gut in der Zeit und beschließen daher schon recht früh, unsere Zelte neben einem Fluss aufzuschlagen.


    Blick zurück zu den Bergen Richtung Tjuz-Pass vom Lager aus.


    9. Tag
    Heute steht entspanntes Wandern auf dem Programm. Es geht flach geradeaus, ohne große Highlights immer dem Ziel Echkili-Tash entgegen. Nach einigen Stunden erreichen wir den Ort, der aus einer Ansammlung von Jurten und verfallenen Betongebäuden besteht. Hier endet unsere geplante Route und von hier werden wir in drei Tagen von Ecotrek abgeholt. Ein Soldat hat uns gleich erspäht und kontrolliert unsere Pässe und das Permit.


    Unser Ziel Echkili-Tash.

    Wir entschließen uns, in den verbleibenden drei Tagen noch eine kleine Runde nordöstlich von Echkili-Tasch zu drehen, inklusive einer Besteigung eines Grenzbergs zwischen Kirgistan und Kasachstan. Wir queren hierzu den Sary-Dzas auf der Brücke in Echkili-Tash und folgen seinem Lauf nach Osten.


    Am Sary-Dzas.

    Die Orientierung fällt uns hier schwer, wir finden keine markanten Punkte, die uns zeigen, wie weit wir dem Fluss bereits gefolgt sind und wann wir nach Norden abdrehen müssten, um die von uns angepeilte Grenzregion zu erreichen. Alle Wasserläufe, die wir finden sind ausgetrocknet und dann ziehen auch noch dunkle Wolken auf. Wir schaffen es gerade noch neben einem wasserführenden Bächlein unsere Zelte aufzuschlagen, bevor das Gewitter losgeht.


    Gleich geht das Gewitter los.


    10. Tag
    Beim Zeltabbau werden wir von zwei neugierigen Kirgisinnen auf ihren Pferden ausgefragt. Die Verständigung geht nur mit Händen und Füßen, aber sie sind sehr nett. Wir folgen dem Min Ter aufwärts und schlagen schon vor dem Mittag unsere Zelte auf einer riesigen Wiese auf. Eigentlich wollen wir den Grenzberg gleich heute besteigen, wir entscheiden uns dann aber doch für Entspannung und beobachten die frei herumgaloppierenden Pferde um uns.




    11. Tag
    Morgens brechen wir ohne Gepäck zur Besteigung des Grenzberges zwischen Kirgistan und Kasachstan auf. Die Sonne scheint und schon bald erreichen wir den Min-Ter-Pass als erstes Zwischenziel. Bereits von hier hat man einen tollen Blick auf die vergletscherten Gipfel Richtung Südosten


    Auf dem Min-Ter Pass.

    Von hier versuchen wir den Gipfel zu erreichen, was sich aber als viel schwieriger als gedacht herausstellt. Wir irren uns zudem auf unserer Karte und bemerken, dass wir wieder mehrere hundert Höhenmeter ab- und wieder aufsteigen müssten, um vom Vorgipfel auf den Hauptgipfel zu wechseln. Wir begnügen uns daher mit dem Vorgipfel, von dem man auch eine schöne Aussicht hat. In der Ferne sieht man Khan Tengri, den 7.000er am Ende des Enylchek-Gletschers, dessen Basecamp wir wenige Tage zuvor passiert haben.


    Khan Tengri, 7010m.

    Wir steigen wieder ab und kehren zu den Zelten zurück, packen sie ein und laufen bei bestem Wetter Richtung Nordwesten an einem schönen Bach entlang, an dessen Ufer wir am Nachmittag die Zelte aufschlagen.




    12. Tag
    Am nächsten und letzten Wandertag gehen wir Richtung Süden über einen Sattel wieder zurück ins Tal des Sary-Dzas. Beschleunigt wird unsere Wanderung dabei von einem Bullen aus einer Rinderherde, dem unsere Anwesenheit offenbar nicht gefällt und der uns deshalb hartnäckig verfolgt
    Untwergs stoßen wir auf einen Mast, an dem mehrere tote Rinder und Ziegenteile hängen und können uns keinen richtigen Reim darauf machen.


    Kultische Rituale?

    Wir folgen dem Sary-Dzas flussabwärts bis kurz vor Echkili-Tash, wo wir am nächsten Tag wie abgemacht wieder von unserer Agentur abgeholt werden.


    Die letzten Tage in Kirgistan verbringen wir in einem Jurtencamp am Ufer des Issyk Kul. Das ist ziemlich touristisch aber nach den Wandertagen ist die Entspannung am See genau das Richtige


    Unsere Jurte am Issyk Kul.

    Es war eine super Tour und Kirgistan hat mir von Land und Leuten her sehr gefallen. Ich könnte mir gut vorstellen, dass es mich nochmal nach Zentralasien zieht.


    Abendstimmung am Issyk Kul.
    Geändert von Xenon (01.04.2020 um 16:26 Uhr) Grund: Kleinere Korrekturen

  2. Fuchs
    Avatar von Meer Berge
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    AW: [KG] Kirgistan – 13 Tage um das Enylchek-Tal

    #2
    Hallo Xenon!

    Vielen Dank für den schönen Bericht und die prima Bilder!
    Kirgistan hat was!

    Ich bin vor einiger Zeit den ganzen Enylchek-Gletscher hinauf zum BaseCamp direkt unter dem Khan Tengri gelaufen (mit ein paar Leuten und einheimischem Guide). War eine super Tour!
    Schön, einige der Berge, Flüsse und Täler wiederzusehen!
    Die Menschen fand ich klasse! Leider kann ich auch kein Russisch (und Kirgisisch natürlich erst recht nicht).
    Zentralasien reizt mich auch mal wieder ...
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    AW: [KG] Kirgistan – 13 Tage um das Enylchek-Tal

    #3
    Ja, sehr schön, vielen Dank.

    Zitat Zitat von Xenon Beitrag anzeigen
    Vorbei geht es an der verfallenen Soviet-Bergbaustadt Enylcheck.
    A.k.a. Inyltschek; russisch Инылчек, wie auch das ganze Tal, Fluss, Gletscher usw. usf.; unter dieser Bezeichnung, die sich von der - ursprünglichen - kirgisischen (Эңилчек = dt. egtl. Engiltschek; ң = etwa "ng") bzw. der englischen Transkription von beiden unterscheidet, findet man auf Deutsch in (auch älterer) Literatur und online Einiges.

    Eine der letzten - wenn nicht die letzte überhaupt - der in der Sowjetunion errichteten Siedlungen dieser Art; als offizielles Gründungsjahr wird 1989 angegeben. Wurde wenig später, beim Zerfall der Sowjetunion Anfang der 90er aufgegeben, das Bergwerk ging nie in Betrieb, dieses und weitere Verarbeitungsanlagen waren in Bau und wurden einfach in (weniger als) halbfertigem Zustand zurückgelassen. Versorgung einerseits und Abfuhr des geförderten Erzes andererseits wären eh ein ökonomischer/logistischer und ökologischer Overkill gewesen...

    Zitat Zitat von Xenon Beitrag anzeigen
    ...auf den 4.000m hohen Tjuz Pass, und von dort noch einen Abstecher auf einen namenlosen Gipfel (4.250m) daneben.
    Hier und da wird der - vermutlich inoffiziell - als Pik Vit bezeichnet; Höhenangaben auch 4.215 oder 4.222.

    Zitat Zitat von Xenon Beitrag anzeigen
    ...inklusive einer Besteigung eines Grenzbergs zwischen Kirgistan und Kasachstan.
    Vermutlich der Ajussai (Аюсай, in der sowjetischen 1:100.000-Topokarte mit 3.957,4 m angegeben), wenn ihr bei Min-Ter-Pass (a.k.a. "Mingtur") wart?

  4. Neu im Forum

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    AW: [KG] Kirgistan – 13 Tage um das Enylchek-Tal

    #4
    Danke für eure Antworten!

    Ich bin vor einiger Zeit den ganzen Enylchek-Gletscher hinauf zum BaseCamp direkt unter dem Khan Tengri gelaufen (mit ein paar Leuten und einheimischem Guide). War eine super Tour!
    Wenn ich mich richtig entsinne war das die gleiche Tour, wie die des Holländers und des Deutschen, die wir unterwegs im Enylchek-Tal getroffen haben. Sie hatten allerdings zu diesem Zeitpunkt bereits abgebrochen und waren auf dem Rückweg - offenbar hatten sie unterschätzt, wie anstrengend das Gelände zum Laufen war. Nach unserem Gang über die Endmoräne konnte ich das nachvollziehen.


    Zu Enylcheck und auch allen anderen Namen hier im Bericht gibt es verschiedene Schreibweisen. Ich habe letztendlich einfach meine Schreibweise aus dem Reisejournal übernommen, ist also mehr Fantasie-Lautschrift meinerseits als korrekte kyrillische Transkription

    Und die beiden Gipfel die du nennst, Ljungdalen, müssten genau die gewesen sein, die wir bestiegen bzw. versucht haben. Sowohl die DAV-Karte als auch die sowjetischen Militärkarten vermerken vor dem Ajussai einen namenlosen Nebengipfel mit der Höhenangabe 3887m. Das dürfte letztendlich der Gipfel gewesen sein, auf dem wir anstatt des Ajussai gelandet sind.


    Hat irgendjemand eine Ahnung, was es mit dem Mast und den daran aufgehangenen Tierkadavern auf sich haben könnte?

  5. AW: [KG] Kirgistan – 13 Tage um das Enylchek-Tal

    #5
    Hallo, und vielen Dank für den interessanten Bericht! Ljungdalen kennt sich dort offensichtlich aus, ich dagegen überhaupt nicht, kann euere Wanderstrecke nicht einmal auf der Landkarte nachvollziehen. Das macht aber nichts. Die Fotos sind sehr schön, würden aber vielleicht (da z. T. etwas dunkel) mit Belichtungskorrektur noch besser wirken. So etwas kann man ja heutzutage noch nachträglich tun. Wie auch immer, es muß ein toller Trek gewesen sein. Neid...


    Weniger ist mehr - nichts ist alles

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    Avatar von Vegareve
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    AW: [KG] Kirgistan – 13 Tage um das Enylchek-Tal

    #6
    Sehr schön, danke fürs teilen . Da scheint es schon viel mehr zu regnen als im tadchikischen Pamir..
    "Niemand hört den Ruf des Meeres oder der Berge, nur derjenige, der dem Meer oder den Bergen wesensverwandt ist" (O. Chambers)

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