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  1. Erfahren
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    [ES] La Senda Transpirenaica, der GR11 - Teil 2: Von Candanchú bis Catalunya

    #1
    Mitreisende: FatmaG
    Auf dem GR11 durch die Nationalparks der Zentralpyrenäen


    Land: Spanien
    Reisezeit: 31. Juli – 13. August 2019
    Region: Pyrenäen, Norden Spaniens

    Startpunkt: Candanchú
    Endpunkt: La Guingueta d'Àneu

    Wandertage: 13.5
    Kilometer: ca 242


    In einer erstaunlich kurzweiligen Tagesreise erreiche ich am 30. Juli per U-Bahn, Zug, Bus und Taxi Candanchú, den Ort, an dem ich den GR11 im letzten Jahr verlassen hatte. Die Reise führt mich abermals an vielen Orten vorbei, die Erinnerungen hervorrufen. Die Vorfreude steigt!
    Obwohl ich erst um 6 Uhr morgens in Brüssel gestartet bin, erreiche ich das Hotel Edelweiß schon um 18 Uhr.

    Über Candanchú hängen tiefe Wolken. Überhaupt schwebt über dem ganzen Ort eine trübe Stimmung; eine Riesenbaustelle macht den Ort zudem nicht hübscher!
    Dort, wo ich meinen letzten Abend auf der Sonnenterrasse verbracht hatte, ist alles feucht-kalt. Die Liegestühle sind weggeräumt. Der Ort ist in tiefen Nebel gehüllt. Es nieselt.




    Trübsal blasen


    Ich drehe eine kurze Runde durchs Dorf, besser gesagt, ich gehe 200 Meter die Straße hoch zum Mini-Supermarkt, um einige letzte Dinge zu besorgen und kehre sofort zurück. Brrrh, ganz schön ungemütlich. Beim Abendbrot im großen Hotelrestaurant sind wir zu zweit. Dementsprechend schnell fällt der Service aus...



    Mi., 31.7. - 1. Tag: Von Candanchú nach Sallent de Gállego
    (ca 23,8 km, ↑960Hm ↓1230Hm)

    Ein toller Einstieg bei strahlendem Sonnenschein. Was will man mehr?!


    Aus tiefem Schlaf weckt mich unsanft der Wecker. Ich realisiere, wo ich bin und hechte zum Fenster. Klare Luft, es hat aufgeklart. Juchuuuh! Nach einem schnellen Frühstück ziehe ich los und laufe – keine 100 Meter weiter – erst einmal falsch. Oberhalb sehe ich 2 Wanderer, die mir den 'rechten Weg' weisen...
    Der GR11 folgt einige Zeit dem GR365, dem Camino Aragones von Oloron-Sainte-Marie nach Puente la Reina, bevor letzterer südlich und erster nach Westen Richtung Anayet abbiegt.




    Rückblick in Richtung Candanchú


    Bald schon ist die „Schonfrist“ vorbei und der Weg, rechts am Río de la Canal Roya entlang, beginnt erst gemächlich, dann immer heftiger anzusteigen. Er führt durch ein wunderschönes, von Gletschern geformtes Tal und scheint in einer „Sackgasse“ zu enden, schlängelt sich dann jedoch unendlich lange (und steil) den Berg hinauf...




    Blick hinab auf den Plano de la Rinconada


    Schrille Murmeltierpfiffe begleiten mich. Und idyllisches Kuhglockengeläut.
    Indessen keuche ich den Weg hinauf. Welch eine Anstrengung!
    Sind das schon die ersten Anzeichen eines Herzinfarktes? Ich sterbe! Allerdings zieht sich das Sterben hin; vor mir stirbt eine Frau meines Alters auch vor sich hin und wird am Wegesrand sitzen gelassen von ihren beiden jugendlichen Töchtern, die glücklich von Stein zu Stein springend und lachend nach „oben“ hasten.

    Nach einer gefühlten ewigen Ewigkeit komme auch ich „oben“ an. Oben, das ist am Ibón Norte de Anayet, der ein grandioses Panorama mit Pic du Midi d'Ossau bietet.
    Natürlich muss ich diese Idylle mit Tageswanderern teilen, die wie ich fasziniert das Paradies genießen und ausgiebig picknicken.




    Paradiesische Aussichten auf den Pic du Midi d'Ossau


    So steil wie der Aufstieg war, gestaltet sich nun der Abstieg.
    Meine Knie leiden, und ich gleich mit! Schön ist es dennoch. Zumindest bis zu den Parkplätzen des Skigebietes Anayet und den 2 Kilometern Asphalt. Dann schlängelt sich der GR11 wieder durch Wiesen weiter hinab ins Tal – meine Knie! - an Formigal vorbei bis nach Sallent de Gállego, das ich fast humpelnd erreiche. Das Hostal Centro liegt zum Glück direkt am Weg, aber dummerweise mein Zimmer ganz oben im 3. Stock unterm Dach.




    Der Abstieg zum Skigebiet Anayet







    Kurz vor Formigal


    Eine gute Dusche päppelt mich sogar soweit wieder hoch, dass ich eine Runde durch das charmante Dorf drehe, bevor ich einen verdienten Aperitif und danach ein leckeres Abendessen zu mir nehme.
    Später, nachdem ich den Wetterbericht von morgen gecheckt habe, schlafe ich ein. Es soll regnen. On verra. Vamos a ver.




    In Sallent de Gállego




    Nice surprise am Dorfausgang



    Do., 1.8. - 2. Tag: Von Sallent de Gállego zum Refugio de Respomuso
    (ca 11,2 km, ↑902Hm ↓36Hm)


    Mindestens zwei mal werde ich in der Nacht von Regenschauern geweckt, die auf das Hoteldach prasseln, bevor der Wecker klingelt.
    Ein Blick hinaus – so schlecht sieht es draußen definitiv nicht aus. Also stehe ich auf, bereite mich vor und freue mich schon auf einen Kaffee. Der Hotelbesitzer, der gestern abwesend war, hatte mich im Vorfeld kontaktiert und gesagt, dass er morgens ab 8 Uhr vor Ort sei.
    Punkt acht Uhr verlasse ich das Hotel und gehe zum Café nebenan. Niemand. Ich warte, streife schließlich resigniert durch das (ganze!) Dorf auf der Suche nach einem Kaffee. Nichts. Nirgendwo! Mittlerweile ist es fast halb neun. Mich hat inzwischen schon eine Französin ziemlich genervt. Die Dame, sogar noch etwas älter als ich, ist auf dem GR11 in Gegenrichtung unterwegs. Und will mir meinen GR10 madig machen; der sei ja nichts; völlig anderes Niveau. Der gestrige Tag... bla bla bla. Und das auf nüchternen Magen!
    Bref. Mich hält in Sallent nichts mehr.

    Der Weg führt schnell aus dem Dörfchen heraus und angenehm regelmässig ansteigend erst an einer Talsperre, dann immer am Río Aguas Limpias entlang. Und wenn ich bei den wenigen kurzen steileren Passagen außer Puste bin, liegt das wohl einzig und alleine daran, dass ich noch nicht fit bin. Das definitiv anstrengendste ist das Gewicht von meinem Rucksack. Und selbst das hält sich – objektiv betrachtet – in Grenzen.




    In der Ferne das Massiv de l'Infierno


    Bei einer kurzen Nieselschauer stoppe ich für einen kurze Früchte-Nuss-Imbiss unter einem geschützten Blätterdach; ziehe meine Regenjacke über und gehe weiter.
    Schön ist er, der Weg zum Refugio de Respomuso; Wasser gibt’s nicht nur von 'oben', sondern immer wieder muss ich über kleinere Wasserläufe balancieren, und laufe an kleinen Gebirgsrinsalen und -bächen vorbei. Auch nutze ich die Gelegenheit und teste meinen Wasserfilter, die Neuheit meiner diesjährigen Wanderung! Köstlich schmeckt das Wasser, und läutet das Ende des gekauften bzw. des Leitungswassers ein.

    Und Himbeeren gibt es, reife, ungepflückte. Immer wieder greife ich zu. Unvorstellbar, dass noch so viele Beeren an den Sträuchern hängen. Und dass alle daran vorbei laufen.
    Ich habe Zeit, die heutige Etappe ist kurz.

    Bevor ich an der Staumauer der Talsperre von Respomuso ankomme, haben mich schon einige Wanderer überholt. Jedoch gehen die meisten am Stausee entlang und lassen die Hütte links (bzw. rechts) liegen.




    Die Staumauer von Respomuso vor den mächtigen Gipfeln Campoplano, Llena Cantal & Piedrafita


    Kurz vor 14 Uhr bin ich am Refugio und lasse es langsam angehen. Café con leche (endlich), Dusche, Zimmer (bzw. Bett) beziehen.
    Bevor ich mich später wieder im Aufenthaltsraum hinsetze und schreibe, laufe ich noch eine Runde und erkunde ausgiebig das Terrain. Wir sind hier in den Zentralpyrenäen, der Balaitous, die Grande Fache und Frankreich sind nahe, der Collado de Tebarray sowie der Cuello-Pass der „Infierno-Gruppe“ stehen morgen auf dem Programm.
    Murmeltiere gibt’s auch in Hülle und Fülle, der Wind steht gut, unbeweglich bleibe ich stehen und beobachte sie aus nächster Nähe.




    Das Bänkchen mit Aussicht auf den morgigen Tag

    Beim Schneefeld in der Mitte des Bildes kann man schon den Collado de Tebarray erahnen


    Später, wieder innen, beobachte ich das Kommen und Gehen im Refugio und warte auf das Abendessen. Ein langer Holländer. Ein Paar aus dem Osten. Eine junge Frau mit Hund, die nur kurz zum Provianteinkaufen kommt. Ein holländisches Paar auf der HRP, die ebenfalls nur kurz stoppen.
    Junge, Ältere, Familien, Einzelpersonen aller möglichen Nationalitäten.
    Abendbrot! Da die Teller portionsweise durch eine Durchreiche einzeln verteilt werden, entsteht urplötzlich eine ziemlich lange Warteschlange. Als ich mich schließlich anstelle und just endlich mein Essen bekomme, blicke ich kurz aus dem Fenster.
    Ein grandioser Anblick bietet sich mir: In den letzten Sonnenstrahlen des Tages erscheint in dem düsteren grau-schwarzen Wolkenhimmel über der Bergen ein Regenbogen. Bevor ich zum Essen komme, muss ich hinaus und das Schauspiel bewundern. In der Ferne Donnergrollen. Hier ist es, das angekündigte Gewitter.
    Lieber heute und jetzt als morgen.





    Großartiges Naturspektakel

  2. Fuchs
    Avatar von Meer Berge
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    AW: [ES] La Senda Transpirenaica, der GR11 - Teil 2: Von Candanchú bis Catalu

    #2
    Pyrenäen! 2 Wochen!

    Wunderbar, ich bin dabei, Schuhe schon geschnürt.
    Ich bin im letzten Sommer von Sallent de Gallego gestartet, habe die erste Nacht aber oben an den Arriel-Seen gezeltet, dann an der Respomuso-Hütte vorbei über den Grande Fache gestiegen.

    Bin gespannt!
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  3. Fuchs
    Avatar von Wafer
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    AW: [ES] La Senda Transpirenaica, der GR11 - Teil 2: Von Candanchú bis Catalu

    #3
    Hallo FatmaG.

    Ein vielversprechender Anfang eines Reiseberichtes aus einer großartigen Gegend! Das Abo steht und ich freue mich auf die Fortsetzung.

    Gruß Wafer

  4. Erfahren
    Avatar von FatmaG
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    AW: [ES] La Senda Transpirenaica, der GR11 - Teil 2: Von Candanchú bis Catalu

    #4
    Besten Dank für eure Rückmeldung und eure Interesse!

    Wir in Belgien sind ja schon seit ein paar Tagen mit strengeren Maßnahmen unter Hausarrest. Da hat man plötzlich viiiiiel Zeit zum virtuellen Wandern...


    Zitat Zitat von Meer Berge Beitrag anzeigen
    Ich bin im letzten Sommer von Sallent de Gallego gestartet, habe die erste Nacht aber oben an den Arriel-Seen gezeltet, dann an der Respomuso-Hütte vorbei über den Grande Fache gestiegen.
    Das habe ich gleich mal auf der Karte nachgesehen. Du bist also - wahrscheinlich vom GR11 aus - erst was höher aufgestiegen und nach der Nacht wieder zurück zum GR11 bis zur Hütte? Oder gibt es da eine andere Querverbindung?

  5. Fuchs
    Avatar von Meer Berge
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    AW: [ES] La Senda Transpirenaica, der GR11 - Teil 2: Von Candanchú bis Catalu

    #5
    Zitat Zitat von FatmaG Beitrag anzeigen
    Das habe ich gleich mal auf der Karte nachgesehen. Du bist also - wahrscheinlich vom GR11 aus - erst was höher aufgestiegen und nach der Nacht wieder zurück zum GR11 bis zur Hütte? Oder gibt es da eine andere Querverbindung?
    Ja, richtig. Da, wo der GR11 nach Osten biegt, bin ich geradeaus nach Norden hochgestiegen.
    Wir sind mit dem Bus erst mittags aus Zaragoza gekommen, daher wollten wir nicht weiter laufen für den ersten Tag.
    An die Arriel-Seen wollte ich, weil ich dort schon auf der HRP vorbeigekommen bin, das erste Mal, dass ich von der HRP wegen der Schneeverhältnisse abweichen musste, und die Ecke so schön fand. Damals hatte ich schon einen Zeltpatz gesehen und dachte mir, hier könne ich toll noch einmal einsteigen.
    Am nächsten Tag sind wir dann halbwegs höhenmeterfrei zur Respomuso gequert, sehr schöner Weg! Und dann aber gleich weiter über den Col de la Fache bis in die Nähe der Wallon-Hütte.
    Hier war bei Weitem nicht so viel Schnee wie im Jahr zuvor.

    Ich bin diesmal aber keiner Route (GR11/HRP oder so) gefolgt, sondern habe mir selbst was gestrickt. Auf diese Routen bin ich natürlich trotzdem immer wieder gestoßen und habe sie streckenweise genutzt. Einfach herrlich!

    Bist du über den Tebarray/Infierno-Pass rüber? Das würde mich interessieren.
    Ich bin gespannt!
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  6. Fuchs

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    AW: [ES] La Senda Transpirenaica, der GR11 - Teil 2: Von Candanchú bis Catalu

    #6
    ich bin natürlich auch dabei.... :-)


    Bist du über den Tebarray/Infierno-Pass rüber? Das würde mich interessieren.
    Zum Tebarray und geröllig geht es recht steil hinauf und zum Ibon de Tebarray runter brauch ich ein paar mal die Hände- aber andere sind da aber gehend hinunter :-). Den Infierno habe ich als nicht schwierig in Erinnerung.

    Wie - fast - immmer - schöne Ecke
    Ibon de lena cantal - ein gutes Stück vor dem Tebarray



    Schön für ein Bivac .... im Hintergrund Balaitous





    LG
    Folko
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    Ganz viel Pyrenäen ( HRP- Haute Randonnée Pyrénéenne - komplett) und ein bisschen La Gomera

  7. Fuchs
    Avatar von Meer Berge
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    AW: [ES] La Senda Transpirenaica, der GR11 - Teil 2: Von Candanchú bis Catalu

    #7
    Zitat Zitat von Nicki Beitrag anzeigen
    Zum Tebarray und geröllig geht es recht steil hinauf und zum Ibon de Tebarray runter brauch ich ein paar mal die Hände- aber andere sind da aber gehend hinunter :-). Den Infierno habe ich als nicht schwierig in Erinnerung.
    Ah, gut, aber du hattest keinen Schnee, oder?
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  8. Fuchs

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    AW: [ES] La Senda Transpirenaica, der GR11 - Teil 2: Von Candanchú bis Catalu

    #8
    Im Abstieg vom Infierno schon, aber die sind nicht so steil.
    Oben am Tebarray - kein Schnnee, als ich dort war.
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  9. Erfahren
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    AW: [ES] La Senda Transpirenaica, der GR11 - Teil 2: Von Candanchú bis Catalu

    #9
    Zitat Zitat von Nicki Beitrag anzeigen
    ich bin natürlich auch dabei.... :-)

    Schön für ein Bivac .... im Hintergrund Balaitous
    Hi Folko,

    Wie immer tolle Fotos! Danke!
    Welche Kamera hast Du eigentlich? - ich hoffe, das habe ich Dich nicht schon einmal gefragt...
    Ich habe mir in der Winterpause jetzt auch eine neue zugelegt. Bin die doch mittelmäßige Qualität definitiv leid.



    Zitat Zitat von Meer Berge Beitrag anzeigen
    An die Arriel-Seen wollte ich, weil ich dort schon auf der HRP vorbeigekommen bin, das erste Mal, dass ich von der HRP wegen der Schneeverhältnisse abweichen musste, und die Ecke so schön fand. Damals hatte ich schon einen Zeltpatz gesehen und dachte mir, hier könne ich toll noch einmal einsteigen.
    Am nächsten Tag sind wir dann halbwegs höhenmeterfrei zur Respomuso gequert, sehr schöner Weg! Und dann aber gleich weiter über den Col de la Fache bis in die Nähe der Wallon-Hütte.
    Hier war bei Weitem nicht so viel Schnee wie im Jahr zuvor.

    Ich bin diesmal aber keiner Route (GR11/HRP oder so) gefolgt, sondern habe mir selbst was gestrickt. Auf diese Routen bin ich natürlich trotzdem immer wieder gestoßen und habe sie streckenweise genutzt. Einfach herrlich!

    Bist du über den Tebarray/Infierno-Pass rüber? Das würde mich interessieren.
    Ich bin gespannt!
    Hallo Sylvia!

    Ja, jetzt gleich kommt der Tebarray-Pass.
    Aber Folko hat ja auch schon sehr treffend darauf geantwortet.
    Es lag 2019 zumindest kein nennenswerter Schnee, bzw. die wenigen Schneefelder, über die ich musste, waren wenige und unproblematisch.


    Gruß aus Brüssel

  10. Erfahren
    Avatar von FatmaG
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    AW: [ES] La Senda Transpirenaica, der GR11 - Teil 2: Von Candanchú bis Catalu

    #10
    Fr., 2.8. - 3. Tag: Vom Refugio de Respomuso nach Baños de Panticosa
    (ca 13,9 km, ↑745Hm ↓1260Hm)


    Eine durchwachsene Nacht. Und das ausgerechnet vor der angeblich „schwierigsten Passage“ des GR11s.
    Wie dem auch sei. Der Himmel ist strahlend blau. Perfektes Wanderwetter.
    Das Frühstück nehme ich mit dem langen Holländer ein und schenke ihm meine Madalenas und Marias und wie sie noch so heißen, die 'Dulces', die statt Brot zum Frühstück gereicht werden und mich nicht reizen. Er nimmt sie dankend an sich. Klar, bei der Körpergröße kann man ein paar Kalorien mehr gebrauchen...

    Während ich meinen Rucksack vorm Refugio packe, sehe ich das Paar aus dem Osten mit riesigen Rucksäcken in Richtung GR11 stapfen. Die Abkürzung hinterm Refugio beginnt gleich mit einem kurzen heftigen Anstieg. Mutig, mutig! In den nächsten Tagen werde ich sie ein paar Mal treffen, denn auch sie sind auf dem GR11 unterwegs.




    Erst einmal gen Osten – Frankreich und die Grande Fache lassen grüßen


    Los geht’s Richtung terriblem Tebarray.
    Erst eher lieblich und sanft im warmen Licht der Morgensonne.
    Rudolf, so heißt der Holländer, überholt mich bald. Eine Grüppchen laut erzählender Spanier driftet ab Richtung Frankreich und Grande Fache.
    Nun bin ich wieder alleine, nehme den Weg in Beschlag und laufe mich allmählich ein. Grasende Kühe am Wegesrand ignorieren mich uninteressiert, zwei Esel blicken mir träge nach. Es steigt nun stetig, immer noch relativ moderat. Endlich komme ich an den See zu Füßen des Pico Tebarray, den Ibón de Llena Cantal. Weit vor mir auf dem grau-schwarz-glänzenden Steinfeld sehe ich ameisengroß ein paar Wanderer sich langsam über einen kaum zu erkennenden Weg aufwärts bewegen.




    Am Ibón de Llena Cantal



    Eine kleine Pause tut not, bevor es an das berühmt-berüchtigte Teilstück geht. Obst und Nüsse, etwas Energie.

    Die grau-schwarze feine Schotterpiste steige ich hoch, langsam aber sicher, bevor ich unterhalb eines Schneefeldes an die Rinne bzw. Kletterpassage ('Rinne' ist wohl übertrieben) komme, die es zu bezwingen gilt. Weit über mir taucht plötzlich ein Kopf auf.
    Ich wage mich vorwärts; und schätze sogleich erst einmal die Distanz falsch ein: Die Stöcke hätte ich längst wegpacken sollen. Vorsichtig taste ich mich auf dem steilen Gelände zu einem Platz, an dem ich den Rucksack ausziehen kann. Außerdem muss der Wanderer vorbei. Dann arbeite ich mich weiter hoch, sehr vorsichtig. Ein kurzes plötzliches „Hey“ von unten. Der spanische Wanderer macht mir ein Zeichen, ich müsse mich weiter rechts halten. Gracias! De nada. Er zieht talabwärts.
    Ich bewege mich zu der besagten Stelle, kann den Weg jedoch nicht einsehen. Steige vorsichtig wieder etwas tiefer runter, um zu einer besseren Übersicht zu gelangen. Wage mich nach einem Moment des Innehaltens erneut hoch.
    Plötzlich tauchen zeitgleich vor mir zwei Dinge auf: ein Drahtseil und eine ältere Frau, die sich sehr umsichtig daneben herunterhangelt. Etwas höher ihr Mann am Drahtseil. Ich lasse sie vorbei. 'Es sei rutschig, da oben', meint sie. Ich lasse das Seil los, und klettere weiter. Ohne Seil erscheint mir das viel einfacher. Das bestätigt auch der Ehemann, obwohl er am Seil steht. Dann, fast oben, erscheint noch eine ältere Dame, sehr verunsichert. Auf dem Kamm angelangt freue ich mich erst einmal riesig. Geschafft. Welch ein Anblick auf die umliegenden Berge. Welch ein Glück! Und dann sehe ich auch noch erst einen, dann einen zweiten Büschel Edelweiss, die allerdings – noch nicht offen – sich kaum als solche zu erkennen geben.




    Oben!



    Beim Blick zurück nach unten erblicke ich die Dame, die sich immer noch sehr unsicher weiter runter hangelt. Lange dauert es, bis sie die Rinne hinter sich gelassen hat und aus meinem Blickfeld verschwunden ist...




    Ein Blick zurück und - wenn man genau hinsieht – auf die 'Absteigerin'



    Warm eingepackt mache ich erst einmal eine schöne Pause und genieße. Genieße! Es ist traumhaft.

    Die ersten Meter des Abstiegs sind ebenfalls steil, wenn auch kein Vergleich zu dem, was hinter mir liegt. Wenn ich ehrlich bin, kann ich nun auch die Französin von gestern etwas verstehen, den Abstieg in die andere Richtung hätte ich ungern gemacht. Mir kommt eine Familie entgegengeklettert mit einem noch sehr kleinen Jungen, vier oder fünf vielleicht? Ich beobachte sie eine Weile. Sie steigen in Richtung Pico Tebarray. Alle Achtung!
    Derweil stapfe ich etwas oberhalb des Ibón de Tebarray weiter in Richtung Cuello del Infierno. Dort weht ein infernalischer Wind und so gehe ich gleich weiter.




    Ibón und Pico de Tebarray vom Cuello del Infierno aus gesehen





    Steinwüsten...



    Lediglich ein paar einsame Schneefelder sind unterhalb des Kamms noch vom Winter übriggeblieben.
    Vor Erleichterung, diese „schwierigste Passage“ des GR11 hinter mir gelassen zu haben, kommt mir der lange Abstieg Richtung Bachimana nur angenehm vor. Wunderschön ist diese Strecke sowieso, auch wenn sie sich ellenlang hinzieht. Eine Schafherde, Murmeltier, blaue Bergseen. An einem dieser Seen muss ich natürlich rasten und genießen.




    … und Bergseeparadiese wechseln sich ab



    In der Nähe des Refugio de Bachimana treffe ich auf immer mehr Tageswanderer. Ein nettes Gespräch mit einer Spanierin ergibt sich. Sie ist an jedem freien Wochenende hier in den Bergen. Die Glückliche!
    Eine weitere Pause im Refugio dient dazu, eine Entscheidung zu fällen: Steige ich die noch anstehenden Höhenmeter bis Baños de Panticosa ab und folge von dort aus morgen ganz regulär dem GR11 oder bleibe ich hier, übernachte, und versuche morgen von hier aus der Alternative (sie folgt irgendwelchen Wasserleitungen und spart an Höhenmetern ) zu folgen?




    Beim Refugio de Bachimana (das Gebäude vorne rechts)


    Ich ziehe los und tiefer ins Tal hinab, an vielen Wasserläufen und Wasserfällen, einigen wunderbaren Biwakplätzen vorbei, treffe auf die junge Frau mit Hund (eine Belgierin, die in Frankreich lebt), bis ich am Refugio Casa de Piedra stehe, wo ich glücklicherweise noch ein Bett bekomme.




    Der Abstieg ins Tal ist noch lang und steinig...





    Granitene Felswände



    Das Abendbrot nehme ich mit Rudolf, dem langen Holländer, zwei jungen Spanierinnen, die ich in den nächsten Tagen immer mal wieder sehen werde, und zwei Paaren ein; dann gehe ich sehr zeitig ins Bett...




    Das Refugio Casa de Piedra

  11. Fuchs
    Avatar von Meer Berge
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    AW: [ES] La Senda Transpirenaica, der GR11 - Teil 2: Von Candanchú bis Catalu

    #11
    Aaach, ist das schöööön!

    Vielen Dank für deine Beschreibung des Tebarray!
    Sieht eher sehr reizvoll als abschreckend aus
    Na gut, wenn Schnee und Eis drin liegen, ist es immer noch ein bisschen anders.
    Auf den Col de la Fache bin ich letztes Jahr tatsächlich noch recht viel über Schneefelder gestiegen, aber nicht so steil. Die oberste, steile Passage war dann schneefrei.

    Schön zu sehen, was ich nicht selbst gesehen habe
    Leider muss man sich ja immer für eine Alternative entscheiden.
    Wir sind von nahe der Wallon-Hütte dann über die Puerto de Marcadau Richtung Bachimana gestiegen, kurz vorher aber nach links abgebogen und über den Collado Letrero ins Ara-Tal gelangt.
    Daher ist es wieder spannend, die Alternative hier zu sehen.
    Vielen Dank!

    Ach, wäre ich jetzt gerne da!!!
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  12. Fuchs

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    #12
    Sieht eher sehr reizvoll als abschreckend aus
    Ja :-) jedenfalls wenn es nicht grad die erste Tour ist..... auch bei mir waren auf der Balneario de Panticosa Seite reichlich Tageswanderer Unterwegs. Alles sehr schön- .... die Felsen kurz vor Balneario de Panticosa

    Bei Schnee aber nicht zu unterschätzen....

    Wolfgang ist da ordentlich gerutscht... kann auch schiefgehen ... 37. Tag ganz unten ... - mit vielen Fotos ....
    Zitat aus seinem Block "Die Oberfläche ist jedoch alles andere als eisig. Der Schnee ist total griesig und nass. Ich sinke bei jedem Schritt tief ein und plötzlich passiert es. Alles unter mir gerät in Bewegung.

    Da wo ich eben noch stand rutsch unter und neben mir der ganze Schnee nach unten. Pickel und Steigeisen nützen bei diesen Verhältnissen nichts, ich kann die "Abfahrt" weder stoppen noch bremsen. Nach einer Rutschpartie komme ich etwa 100 m weiter unten zum Halten und schüttle den Schnee ab. Im Rückblick erkenne ich dass neben der von mir gezogenen Bahn eine zweite, ebanfalls ganz frische Bahn zu erkennen ist. Also war da vorhin doch jemand im Aufstieg, als ich meinte einen kleinen Punkt erkannt zu haben. In ein paar Tagen werde ich wissen dass es Frank war, der hier kurz vor mir nach unten gerutscht ist".
    LG Folko
    Geändert von Nicki (22.03.2020 um 10:05 Uhr)
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  13. Fuchs

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    AW: [ES] La Senda Transpirenaica, der GR11 - Teil 2: Von Candanchú bis Catalu

    #13
    Welche Kamera hast Du eigentlich? - ich hoffe, das......
    Bei den Fotos oben- eine Panasonic G 3 - jetzt eine Olympus E- M10.
    Kamera und Objektive machen aber nicht soviel aus - da die Qualität schon in der Einsteigerklasse immer gut ist. jpeg direkt aus der Kamera ist da eher der Faktor - die Bildbearbeitung macht es.
    (Was SP oder Kompakt - weiß ich nicht lass ich mal vor)

    LG

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  14. Erfahren
    Avatar von FatmaG
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    AW: [ES] La Senda Transpirenaica, der GR11 - Teil 2: Von Candanchú bis Catalu

    #14
    Zitat Zitat von Meer Berge Beitrag anzeigen
    ...deine Beschreibung des Tebarray!
    Sieht eher sehr reizvoll als abschreckend aus
    Ja, der Tebarray ist beeindruckend - auch weil es ja immerhin ein Wanderweg und kein Klettersteig ist -, allerdings sind es wirklich nur die allerletzten Meter. Und die Tatsache, dass man von unten nicht unbedingt einsehen kann, wo es genau langgeht.
    Tebarray - Infierno : bleibt auf der Höhe.
    Und vom Infierno runter war es gar kein Thema.
    Allerdings bei besten Bedingungen


    Zitat Zitat von Meer Berge Beitrag anzeigen
    Leider muss man sich ja immer für eine Alternative entscheiden.
    Habe ich eben auf der Karte mal erkundet.
    Die ganze Gegend ist einfach so unglaublich schön.
    Gut, dass es viele Alternativen für noch viele Wanderungen gibt...
    Und Deine Varianten - ja, ich ahne deren Schönheit...


    Zitat Zitat von Meer Berge Beitrag anzeigen
    Ach, wäre ich jetzt gerne da!!!
    Oh, Mann, ich auch!!!



    Zitat Zitat von Nicki Beitrag anzeigen
    Ja :-) jedenfalls wenn es nicht grad die erste Tour ist.....
    Yes!!!


    Zitat Zitat von Nicki Beitrag anzeigen
    Bei Schnee aber nicht zu unterschätzen....
    Wolfgang ist da ordentlich gerutscht... kann auch schiefgehen ...
    In der Tat ganz schön beeindruckend! Kleinere Schneefelder geht ja noch, aber sowas...

    Und noch Dank, Folko, für die Antwort auf die Fotoapparate - Deine sind dann schon auch etwas "gewichtiger".
    (und ja, vielleicht müsste ich mehr Zeit in die Fotobearbeitung investieren. Allerdings hatte ich vor allem dieses Jahr das Gefühl, dass mein Fotoapparat nicht mehr wirklich auf der Höhe ist...)

  15. Erfahren
    Avatar von FatmaG
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    AW: [ES] La Senda Transpirenaica, der GR11 - Teil 2: Von Candanchú bis Catalu

    #15
    Sa., 3.8. - 4. Tag: Von Baños de Panticosa nach San Nicolás de Bujaruelo
    (ca 21 km, ↑1100Hm ↓1430Hm)

    Im Bann des Vignemale


    Dass eine Nacht noch schlechter sein kann, hätte ich nicht für möglich gehalten. Und dennoch ist es wahr.
    Eine kurz vor Mitternacht eintreffende Gruppe, das Wort Diskretion scheint sie nicht zu kennen, monopolisiert die Stille der Nacht. Bzw. das, was einmal Stille war...
    Noch bevor mein Wecker klingeln kann, stehe ich resigniert – und müde - auf. Nach einem sehr bescheidenen Frühstück (es ist nicht meine bevorzugte Nahrungsaufnahme, besonders nicht, wenn schlechte Laune mir der Appetit verdirbt und dazu fast ausschließlich Süßes auf dem Tisch steht), ziehe ich los. Erst quer über den Platz an dem schicken neuen Wellnesshotelkomplex vorbei, dann an den verlassenen Gebäuden und Ruinen der ursprünglichen Therme, in langgezogenen Schlaufen hoch und höher.




    Die verfallenden Gebäude der ehemaligen Thermen von Panticosa



    Pfad und bescheidene Geröllfelder wechseln sich ab. Eine Gruppe laut plappernder junger Männer kommt nah und immer näher. Schließlich überholen sie mich, ich sie (sie stoppen für eine Fotosession), sie mich, ich sie... Bei einem der Fotos fällt einer der Männer fast hintenüber, die Felsen hinab, und kann sich gerade noch an einem der Begleiter festhalten, der kurz schwankt, aber genug Halt hat. Wahnsinniges Glück gehabt!

    Noch liegt der Weg im Schatten - eine angenehme Wandertemperatur. Ich lege eine Pause ein. Die beiden Spanierinnen von gestern Abend überholen mich; später sehe ich etwas versteckt das Zelt des polnischen Pärchens; noch etwas später überhole ich wieder die beiden pausierenden Frauen.
    Die Strecke ist wieder wunderschön, weite Aussichten bieten sich mir; ein Stausee; Schotterpisten und Geröll; noch mehr Seen, noch mehr Geröll; die eine oder andere kniffeligere Stelle (aber was heißt schon kniffelig nach der gestrigen Etappe?!).




    Farbtupfer




    Ein Blick zurück




    Und noch etwas höher durchs Geröll - da komme ich gerade her


    Am Collado Alto de Brazato, der höchsten Stelle des Tages, eröffnet sich der grandiose Blick auf den majestätischen Vignemale.
    Alles andere als eine ausgiebige Pause mit Ausblick wäre undenkbar.




    Der Vignemale vom Collado Alto de Brazato




    Kleine Yoga-Entspannungs-Session erwünscht?


    Nach und nach treffen alle hier ein: die beiden spanischen Frauen, die Polen, Rudolf, der Holländer.
    Dann beginnt der Abstieg. Zum Glück ahne ich zu dem Zeitpunkt noch nicht, wie sehr lange er sein wird... Erst moderat, dann steiler. Über sehr SEHR viele Geröllfelder, an einigen klaren Bergseen entlang, über viele kleine Bäche.




    So oder ähnlich geht es einige Höhenmeter hinab...




    … bis in die valle del Río Ara


    Lange Zeit – und etliche Geröllfelder später - riecht es intensiv nach Kuh. Die 'Zivilisation' hat uns wieder, bzw. die Vorboten der nämlichen. Denn immer noch schlängelt sich der Weg sehr allmählich hinab am Río Ara entlang in südlicher Richtung bis ins Bujaruelo-Tal.




    Die kleine Schutzhütte Refugio Cerbillonar




    Immer weiter talwärts entlang des Río Ara




    Ganz schön lang und immer noch nicht unten angelangt...


    Bevor ich dort eintreffe und dann unerwartet plötzlich die mittelalterliche Brücke von Bujaruelo vor mir auftaucht, werde ich eine Sonnenpause (will sagen: eine Pause vor der Sonne) und ein Fußbad unterwegs eingelegt haben.




    Der Río Ara lädt ein!


    Während ich heute zum ersten Mal im Zelt auf dem Campingplatz schlafe, hat Rudolf (das Refugio ist brechend voll) eine Mitfahrgelegenheit nach Torla gefunden und die beiden Frauen dürfen es sich auf 2 Biertischen in einem 'Aufenthaltszelt' bequem machen. Lieber sie als ich, aber die beiden sind ja noch jung!

    Übrigens: Der Kurzwaschgang der Waschmaschine ist läppische 15 Minuten lang... Du jamais vu!

  16. Fuchs

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    AW: [ES] La Senda Transpirenaica, der GR11 - Teil 2: Von Candanchú bis Catalu

    #16
    vorher aber nach links abgebogen und über den Collado Letrero
    Meer Berge - wie war es denn daher- irgendwelche Schwierigkeiten?
    Ich hatte diesen Weg auch vor - bin dann aber doch dem GR 11 folgend zur Refugio Casa de Piedra runter.

    Hoffentlich klappt es - habe für Juni Flug und Zug gebucht- wer weis was bis dahin ist .....

    LG Folko
    www.mitrucksack.de
    Ganz viel Pyrenäen ( HRP- Haute Randonnée Pyrénéenne - komplett) und ein bisschen La Gomera

  17. Fuchs
    Avatar von Meer Berge
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    AW: [ES] La Senda Transpirenaica, der GR11 - Teil 2: Von Candanchú bis Catalu

    #17
    Ui, da haben wir in der Bujaruelo ja richtig Glück gehabt.
    Es war nicht geplant, dort zu übernachten, aber heftige Gewitter ließen uns dort spontan nach einem Bett fragen. Und wir zwei bekamen ein Doppelzimmer mit Bad - Luxus!

    Folko, die Letrero-Variante ist klasse! Musst du mal machen!
    Ich schaffe es hoffentlich in den nächsten Wochen (wenn das so weitergeht) auch endlich, meine Pyrenäentour der letzten Sommers hier aufzuschreiben, dann Näheres dazu. Gut zu wissen: Es gibt an dem großen See kurz vor dem Pass eine nigelnagelneue Schutzhütte - mit Strom und Empfang!

    Viele Grüße,
    Sylvia
    Kalender *Papageitaucher 2021* Familienplaner
    Das Wetter, das man jeden Morgen in sich selber macht, ist viel wichtiger als das Wetter draußen. Fynn

  18. Erfahren

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    AW: [ES] La Senda Transpirenaica, der GR11 - Teil 2: Von Candanchú bis Catalu

    #18
    Vielen Dank für deinen schön zu lesenden Bericht!
    Jetzt habe ich eine Idee von dem Teilstück des GR11 bevor ich auf ihn gestoßen bin. Ich bleibe gespannt dabei, da jetzt ja bekanntere Passagen kommen werden.

  19. Erfahren
    Avatar von FatmaG
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    AW: [ES] La Senda Transpirenaica, der GR11 - Teil 2: Von Candanchú bis Catalu

    #19
    Zitat Zitat von Meer Berge Beitrag anzeigen
    Ich schaffe es hoffentlich in den nächsten Wochen (wenn das so weitergeht) auch endlich, meine Pyrenäentour der letzten Sommers hier aufzuschreiben, dann Näheres dazu.
    Darauf freue ich mich auch jetzt schon, Pyrenäen lesen sozusagen ;)


    Zitat Zitat von whale Beitrag anzeigen
    Ich bleibe gespannt dabei, da jetzt ja bekanntere Passagen kommen werden.
    Ja, wie ich schon in Deinem Bericht kommentierte, es ist immer wieder erstaunlich wie ein und derselbe Weg anders sein kann je nach Wetter, Tagesform, unterschiedlichen Tageszeiten durch die Etappenaufteilung...


    Euch liebe Grüße

    FatmaG

  20. Erfahren
    Avatar von FatmaG
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    AW: [ES] La Senda Transpirenaica, der GR11 - Teil 2: Von Candanchú bis Catalunya

    #20
    So., 4.8. - 5. Tag : Von San Nicolás de Bujaruela zum Refugio de Góriz
    (ca 24,6 km, ↑1300Hm ↓420Hm)

    Durch den Nationalpark Ordesa y Monte Perdido



    Heute steht ein Spätstart an, ich muss erst einmal mit dem Zelt zurechtkommen... Zudem gönne ich mir einen Café con leche mit Schokocroissant. Soviel Zeit muss sein!

    Der GR11 führt einige Zeit durch den Wald am Río Ara (Ara von Aragon) entlang, bis es über eine Brücke geht und etwas höher an ein paar leicht ausgesetzten Stellen vorbei. Dort treffe ich die beiden Frauen wieder und mache kurze Rast mit ihnen. Gemeinsam ziehen wir wieder los, da wir jedoch unterschiedliche Gehrhythmen haben, lasse ich sie an der Grenze zum Nationalpark zurück, wo sie erst einmal ihre Füsse in den Fluss tauchen wollen.




    Der erste Teil der heutigen Wanderung entlang des Río Ara





    Der Nationalpark Ordesa y Monte Perdido führt erst einmal laaange Zeit durch Wald. Immer wieder eröffnet sich jedoch ein Blick, entweder nach oben zum Rande des langgezogenen Canyons oder nach unten zu einem der spektakulären Wasserfälle. An der Pradera de Ordesa herrscht buntes Treiben. Für die (meist) Tagesausflügler gibt es (Souvenir)Shops, Restaurant und eine große Terrasse, wo auch ich eine Pause einlege und mich nach dem Wetter erkundige. Von dort fahren die Shuttles zwischen Nationalpark und Torla ab.




    Spektakuläre Aussichten im Nationalpark Ordesa y Monte Perdido


    Soll ich mit dem Bus zurück nach Torla und es langsam angehen lassen oder noch hoch bis zum Refugio Góriz am Fuße des Monte Perdido steigen? Nach 1000 Hin- und Herüberlegungen (Entscheidungen treffen gehört definitiv nicht zu meinen Stärken) entscheide ich mich schließlich fürs Weitergehen, dafür aber gegen die Alternativstrecke über die Faja de Pelay, die nochmal anderthalb Stunden länger sein soll und die ich ursprünglich wegen der Aussichten und der Touristenmassen ins Auge gefasst hatte.

    Erst nach 15 Uhr mache ich mich also wieder auf, steigere mein Tempo leicht. Endlos und – ehrlich gesagt - langweilig steigt der Weg in vielen Schlaufen durch den Wald. Und nur durch den Wald; lediglich hin und wieder kann man noch einen Schlenker zu einem der berühmten Wasserfälle einlegen. Und wo ich schon mal da bin, lasse ich mir das nicht entgehen, Tageszeit hin, Tageszeit her.

    Richtig schön wird es erst wieder, als ich den Wald hinter mir lasse und sich der Blick auf die atemberaubenden Wände des Canyons öffnet. Betörend duftet die Kräuterwiese, durch die es auf dem Weg zum Wasserfall „Gradas de Soaso“ geht. Hier sind nun auch wesentlich weniger Menschen unterwegs.




    Leckere Luft


    Der Weg führt weiter hinein in die scheinbare Sackgasse des Felskessels von Soaso. Links am Weg liegt eine Nothütte, deren Türe ich neugierig öffne. Sie ist komplett leer und sauber und dient laut Hinweisschild lediglich dazu, Ausflüglern in Falle von plötzlichem Wetterumschwung Unterschlupf zu gewähren. Ich nehme eine Bewegung neben der Hütte wahr – ein Ranger, der nach dem Rechten sehen soll, sitzt dort im Schatten der Hütte und döst vor sich hin. Es ist der erste Ranger, den ich sehe; er wird auch der einzige bleiben bis zum Ende meiner gesamten Tour.
    Übrigens - obwohl es sie gibt, habe ich vieles unterwegs gesehen, was eigentlich – laut dieser zahlreichen Hinweisschilder - verboten ist: von Müll auf den Wegen über Wegabkürzungen querfeldein bis hin zu nicht angeleinten Hunden und einer ziemlich lauten vom Mensch produzierten Geräuschkulisse... Ob ganz Dreiste es gar wagen, hier zu übernachten?




    Der Talkessel von Soaso mit dem Monte-Perdido-Massiv


    Am Ende des Cirque de Soaso gibt es 2 Wege hinaus aus dem Kessel: Der eine, der ursprüngliche Weg, führt über die sogenannten clavijas (in die Felsen eingelassene Eisenzapfen) ausgesetzt auf direkterem Wege zumindest hinauf auf die erste Stufe der Felsterrassen; der zweite schlängelt sich allmählicher hoch und ist nicht ausgesetzt.
    Leider traue ich mich – nach einem so langen Tag – nicht an die clavijas und schleppe mich daher in der Hitze langsam hoch und höher. Dabei beobachte ich in der Ferne immer wieder neidisch die drei Wanderer, die sich über den kürzeren steileren Weg hochangeln.

    Jedoch sind die Aussichten so grandios, dass ich im Grunde froh sein könnte, diesen längeren Weg gewählt zu haben. Und natürlich bedauere ich mittlerweile bitterlich, dass ich mich nicht für die Faja de Pelay entschieden habe mit ihrem Blick bis hin nach Frankreich und gar zur Breche de Roland...




    Blick auf den Wasserfall Cola de Caballo


    Endlich stehe ich dort, wo sich die beiden Varianten treffen und auf der ersten Felsstufe des Kessels, dh es gibt noch einiges zu ersteigen. Irgendwann, viel später, steht ein Schild „Góriz 1,9 km 55 Min“. Das darf ja wohl nicht wahr sein, ich wähnte mich schon fast am Refugio. Dennoch ist es genau so und diese nicht einmal 2 Kilometer ziehen sich endlos dahin.




    Die Sonne brät und brutzelt





    Blick auf den Cilindro de Marboré


    Eine gefühlte Ewigkeit später, jedoch pünktlich zum ersten der beiden Abendbrotshifts komme ich oben an, sehe mit Freude schon überall bunte Zelte stehen, melde mich an der Rezeption an, bestelle (das 2.) Abendbrot und Frühstück, lehne jedoch das Bett, das man mir anbietet, dankend ab. Lieber draußen bleiben und mit Blick auf den Canyon de Ordesa zelten. Während ich aufs Abendbrot warte, suche ich einen Zeltplatz, baue auf und mache mich kurz frisch in den sehr dürftig eingerichteten sanitären Anlagen für die Draußenschläfer.

    Nach und nach treffen „alte Bekannte“ ein: die beiden Spanierinnen, die Belgierin mit Hund und das polnische Paar.
    Die Spanierinnen haben an fast jedem Wasser ein Fußbad genommen, vor allem eine der beiden hat Fußschmerzen. Da sie jedoch alle Unterkünfte im voraus reserviert haben, müssen sie sich an ihr Tagespensum halten.
    Die Belgierin ist in Form trotz des enormen Rucksacks, den sie mit sich trägt. Jedoch ist ihr Hund nach ein paar Tagen Hochgebirge ziemlich fertig. So wird sie am nächsten Tag eine Ruhepause einlegen und dann ihren Ausstieg planen.
    Die beiden Polen werden auf den Monte Perdido steigen.

    Nach dem Abendbrot schon in der Dämmerung noch mal schnell los zum Zähneputzen, sich zwischen den vielen Zelten orientieren, um das eigene wiederzufinden und dann noch ein wenig die Aussicht genießen. Mein Zeltplatz erweist sich leider nicht als so toll wie erhofft. Eine spanische Familie hat sich neben mir häuslich eingerichtet, die jugendliche Tochter lässt erst einmal ihre Konservendose (Fisch oder Oliven mit Anchovis?) neben meinem Zelt austropfen (puuuh), dann plappern und quatschen sie gefühlt die halbe Nacht, als seien sie auf einem touristischen Campingplatz – so laut, dass ich sie durch die Ohrenstöpsel hören kann.




    Abendstimmung über dem Ordesa-Tal
    Geändert von FatmaG (23.03.2020 um 21:37 Uhr)

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