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  1. Erfahren

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    AW: [DE] Schwarzwald: Weißt du wieviel Tausender stehen...?

    #41
    Mitreisende: Bergahorn
    Hallo blauloke,

    das freut mich, dass du hier gerne mitliest!
    Ein Ende ist momentan noch in ziemlich weiter Ferne, es gibt noch viele Tausender und so wird es hier noch den einen oder anderen Tourenbericht geben!
    Wie viele es insgesamt gibt? Tja, diese Frage kann ich immer noch nicht beantworten und schätze, dass sie auch am Ende meines Projektes letztlich offen bleibt. Es sei denn, ein*e fleißige*r Geograph*in macht sich mal die Arbeit, stellt Kriterien auf bzw. legt Grenzwerte fest, wann ein Gipfel ein Gipfel ist und nimmt so den Schwarzwald unter die Lupe. Das Ergebnis würde mich auf jeden Fall interessieren, auch wenn dem mit Sicherheit so mancher von mir erwanderte Gipfel zum Opfer fallen würde...
    Bis dahin werde ich unwissend weiter wandern.

  2. Anfänger im Forum

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    Weißt du wieviel Tausender stehen...?

    #42
    der Berg ruft, hallo Bergahorn

    man tut das gut einen so gekonnt geschriebenen Bericht zu lesen!

    Seit fünfzig Jahren laufe wandere ich/wir ebenfalls im Schwarzwald und der Alb
    (die ja auch 10 1000 hat )

    und freue mich wenn ein Bild kommt, wo wir waren...; auf dem Brend stand unser Zeltchen unter einer großen Tanne unsichtbar...

    Ich wünsche Dir noch viele 1000der, danach wechselst du in die Vogesen.....und schaust von dort drüben deine Tausender noch mal an! (sieht gut aus!)

    Weiterhin einen guten Tritt, Freude an den vielen schmackhaften Quellen, und Begegnungen aller Art

    grüßt Knuttchen

  3. Erfahren

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    AW: [DE] Schwarzwald: Weißt du wieviel Tausender stehen...?

    #43
    Hallo Knuttchen,

    danke für das Kompliment und die guten Wünsche!
    Ich hoffe, ihr hattet auf dem Brend besseres Wetter und bessere Sicht als ich.
    Dir auch weiter viel Spaß im Schwarzwald und der Alb!

    Gruß, Bergahorn

  4. Erfahren

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    AW: [DE] Schwarzwald: Weißt du wieviel Tausender stehen...?

    #44
    23. 6. - 26.6. 2020

    Diese Tour hatte ich eigentlich für den März geplant, wollte in Zell im Wiesental starten und in Kandern landen, beides Orte, die gut mit Öffis zu erreichen sind. Da damals allerdings ungewiss war, wann es zu welchen Einschränkungen kommen würde, blieben die Planungen erst einmal in der Schublade liegen. Es standen ja genügend andere Tausender zur Auswahl!
    Da ich im Juni mehr Zeit hatte, verlängerte ich die Tour um einen Tag, so dass ich noch den Belchen mitnehmen konnte. Außerdem fuhr ich doch mit dem Auto, da ich am 23. vormittags einen Termin in Bretten hatte und dann gleich weiterfahren wollte. So sollte Zell im Wiesental Start- und Endpunkt sein. Nicht ganz ideal, aber machbar. Als mich das Navi ab Freiburg durch den Schwarzwald leitete, kam mir irgendwann der Gedanke, dass ich ja gar nicht notwendigerweise von Zell aus loslaufen müsste. Ein kurzer Halt und ein Blick auf die Karte führten dazu, dass ich von Tegernau losging. Hätte ich eigentlich auch schon früher drauf kommen können, aber manchmal steht man ja recht ausdauernd auf der Leitung!



    23. 6. 20

    Zeller Blauen 1077m – Hirschkopf 1053m – Bubshorn 1092m

    Um 15.00 Uhr starte ich bei Sonnenschein und Hitze in Tegernau und begebe mich umgehend in Zeckengebiet. Da muss erst einmal der Spray her, der aber leider nicht zusätzlich gegen Brennnesseln wirkt, wie ich bald feststellen werde…



    Als ich in den Wald komme, sind auf den mehr oder minder langweiligen Forstwegen, auf denen ich in gemäßigter Steigung an Höhe gewinne, diese Probleme Vergangenheit. Jetzt bin ich v.a. mit der Wegfindung beschäftigt. Es mangelt nicht an Wegen, aber gerade das ist das Problem, denn es scheinen mir wesentlich mehr als auf meinen Karten zu sein! So komme ich zu einem kleinen Extraschlenker. Macht nichts, die Tage sind ja lang!



    Ausblick trotz Forstwegstristesse

    Leider fängt meine Hüfte auf einmal ganz fürchterlich an zu meckern, so kenne ich das gar nicht und kann die Sache nicht einordnen. Deshalb gibt es auf einer Bank oberhalb von Gresgen eine etwas ausgedehntere Zwangspause, immerhin mit schönem Ausblick!





    Doch so schnell werde ich das Gebrechen noch nicht los…
    Ich gehe trotzdem weiter, in der Hoffnung, dass sich das „zurechtruckelt“. Der nun folgende Forstweg mit wenig Steigung bietet sich zum Glück dazu an. Eine schöne Bussard(?)feder, die auf dem Weg liegt, würde ich ja eigentlich gerne mitnehmen, aber ich habe keine Möglichkeit, sie unbeschadet in meinem Rucksack zu lagern. So mache ich ein Foto und hoffe, dass sich jemand anderes an ihr freuen wird!



    Der letzte Aufstieg zum Zeller Blauen wird in der Nachmittagshitze recht anstrengend.



    Es gibt im Schwarzwald nicht nur Tannen

    Kurz vor dem Gipfel steht ein Sendeturm, direkt darauf Fingerhut, Gestrüpp und ein Kreuz.





    Ich lasse mich zu einer Rast nieder, bei der ich leider aus Versehen den Wassersack eine Spur zu innig drücke, so dass sich ein Teil des doch so mühsam hier hochgeschleppten Wassers mit einem Blubb über Beine und Füße ergießt, anstatt durch meine Kehle zu rinnen. Mist!
    Dann folge ich auf dem Kamm einem sehr hübschen Pfad, der einige Blümchen und ab und an einen Ausblick bietet.





    Ausblick auf den Blauen

    Auf dem nächsten Tausender, dem Hirschkopf, steht ein Gedenkstein, der an fünf jugendliche Zwangsarbeiter aus Osteuropa erinnert, die hier kurz vor dem Ende des 2. Weltkriegs von gleichaltrigen „Werwölfen“ der Hitlerjugend auf Befehl eines SS-Offiziers erschossen wurden.



    Ich hatte schon im Vorfeld davon gelesen und bin auch jetzt wieder betroffen. In Gedanken an die Opfer, aber auch die jungen Täter – wie lebt man mit so einer Schuld weiter? - setze ich meinen Weg fort.
    Eine große vom Abendlicht beleuchtete (Weiß-?)Tanne lenkt mich schließlich ab. Leider weiß ich nicht, ob ihre lichten, von Flechten bewachsenen Zweige letztlich von saurem Regen und anderer Ungemach herrühren oder ob das in ihrem Alter normal ist.



    Der nächste Berg sorgt mit seinem Namen für Heiterkeit: Das Bubshorn findet sicher besonders bei Sprechern von Dialekten, in denen kein Unterschied zwischen p und b gemacht wird, Anklang. Auf dem Weg hinauf, erst durch Matschspuren von Riesenfahrzeugen, später querwaldein, finde ich einen Rest Rehbock. Ich sehe mich noch um, aber es ist überhaupt kein anderer Knochen zu finden. Da die heimischen Wände ausreichend dekoriert sind, lasse ich den Schädel hier liegen!





    Jetzt ist erst einmal Wassersuche angesagt. Dazu muss ich einiges an Höhenmetern verschenken, finde zum Glück mehr Wege als auf den Karten, was mir hier einmal sehr entgegenkommt. Die erste Quelle existiert leider nur auf dem Papier bzw. schätzungsweise bei anderem Wetter, so geht es noch weiter hinunter. Das hat immerhin den Vorteil, dass ich an einer Wiese mit Knabenkraut vorbeikomme. In dieser Fülle habe ich das noch nie gesehen. Ich mache Fotografierpause, aber im Abendschatten ist ein Gesamtbild schwierig.







    Kurz darauf höre ich ein fröhliches Gluckern, es gibt endlich Wasser. Gerettet! Ich schlage mir mit meiner Reserve den Bauch voll und fülle dann die Flaschen und Wassersäcke. Erleichtert, aber mit beschwertem Rucksack geht es nun wieder hinauf und das ganz gemütlich, denn inzwischen bin ich schon etwas groggi. Kurz vor Erreichen des Kammes kreuzt ein von mir gänzlich unbeeindrucktes Reh den Weg. Vielleicht riecht es, dass ich Vegetarierin bin?
    Noch ein ganzes Stück weiter, von den Geräuschen eines Ökostrom produzierenden Windrades begleitet und einem Ausblick auf den Belchen geht es in den Abend hinein.



    Belchen



    Über allen Gipfeln ist Ruh...

    Noch läuft die Tour nicht so ganz rund: Die Hüfte macht mir Sorgen und ich verplempere Wasser, mal sehen, wie der morgige Tag wird!


    24. 6. 20

    Honeck 1022m – Schattann 1067m – Tannenkopf 1039m – Stuhlskopf 1016m – Belchen 1414m – Hohe Kelch 1264m – Weiherkopf 1143m

    Nach schlafarmer Nacht bin ich ganz froh, als ich wieder aufstehen kann und hoffe, dass dieser Tag nicht weitere Probleme mit sich bringt! Der Himmel ist klar, es wird also wohl wieder ein warmer Tag. Wie meistens gehe ich ohne Frühstück los, auf Pfaden und Forstwegen geht es zum Honeck.



    Dann verliere ich auf letzteren viele Höhenmeter, da ich durchs Tal mit dem Ort Bürchau auf den nächsten Höhenzug wechseln will. Beim Abstieg bietet auf einmal das rechte Knie ein Wehwehchen an. Was ist bloß los mit mir, werde ich auf dieser Tour besonders schnell älter? Immerhin geht es der Hüfte heute deutlich besser.
    Passenderweise bietet sich die Silberberg- Schutzhütte als Frühstücksplatz an. Der große Stamm, der das Dach hält, wird von fleißigen Geschöpfen durchbohrt, ab und an rieselt Holzmehl auf die Tische und Bänke. Ich beschließe, dass zumindest so lange, wie ich hier bin, noch keine Einsturzgefahr besteht!



    Tee, Käse, Oatcakes und Schokolade schmecken mir heute morgen bestens! Gesättigt und zufrieden laufe ich die letzten Meter ins Tal und darf nun auf der anderen Seite in der prallen Morgensonne wieder hinaufschnaufen. Abstieg in der Sonne und Aufstieg im Schatten wären natürlich angenehmer, aber man kann die Erde ja nicht mal eben auf den Kopf stellen…



    Von da drüben komme ich her



    Wann sterben eigentlich die Misteln, nachdem sie den Baum erledigt haben?



    Diese Pilze ließ ich lieber stehen...

    Zudem finde ich meinen Rhythmus nicht, ach, das Wanderleben ist doch manchmal gar nicht so einfach! Was bin ich froh, als ich nach eigentlich ganz nettem, aber eben sehr heißem Weg endlich wieder in den Wald komme!



    Auf Forstwegen geht es weiter hinauf bis zu einer sonnenbeschienenen Wegspinne auf einem Sattel, von dem aus ich nun auf weitgehend grasigem Weg recht gemütlich dem Schattann zustrebe.



    Der letzte Aufstieg ist weglos, ich komme an zwei Fuchs- oder Dachsbauten vorbei, die mir allerdings verlassen scheinen, da ich keinerlei Spuren sehe. Auf dem Gipfel liegen einige Felsen herum, Ausblick gibt es nicht, aber ich mache erst einmal eine Pause alleine unter unzähligen Insekten, die hier herumschwirren und -krabbeln. Dann geht es zurück zur Wegespinne mit einer kleinen Hütte und weiter, mal wieder auf Forstwegen leicht ansteigend Richtung Tannenkopf. Dabei ergeben sich immer wieder Ausblicke auf den Belchen, aber auch auf den Feldberg.





    Schließlich wechsele ich auf einen Pfad und kann bald auf den Nonnenmattweiher hinab- und zum Belchen hinüberblicken.





    Irgendwo scheint eine extrem kommunikative Schafherde zu weiden, sehen kann ich sie aber nicht. Fast schon alpin laufe ich einen schmalem Steig steil hinab, um dann durch den Wald, da der eigentliche Weg zugewachsen ist, wieder hinauf zum Tannenkopf zu stiefeln. Oben angekommen mache ich, umkreist von zahlreichen Insekten, endlich ausführlich Mittagspause. Ab und an weht eine leicht Brise, ansonsten höre ich viel Insektengesumm und aus der Ferne Motorradgebrumm.
    Nun geht es hinunter zum Nonnenmattweiher, es wird immer heißer und ich treffe einige Tagestouristen, beim Umrunden desselben dann die aus Schafen und Ziegen gemischte Herde, die ich schon so lange gehört habe. Hat eigentlich schon jemand mal untersucht, ob die sich gegenseitig verstehen können oder das zumindest mit der Zeit lernen? So wahnsinnig komplex scheinen mir ihre Sprachen nicht zu sein...





    Bis zum Haldenhof laufe ich durch Wiesen und freue mich, dass hier einem Kalb noch vergönnt ist, bei der Mutter zu trinken. Diese hat ein ganz spezielles Horn, es erinnert ein bisschen an ein Headset. Vielleicht macht sie ja „Weide-Office“ bei gleichzeitiger Kinderbetreuung!



    Jetzt beginnt der Aufstieg zum Belchen, passenderweise in der Nachmittagshitze… Was einen nicht umbringt, macht einen stark! Ich komme an der Willibald-Strohmeyer-Gedächtniskapelle vorbei. Wieder ein Opfer von fanatischen Nazis kurz vor Kriegsende. Gab es hier in der Gegend außergewöhnlich viele Betonköpfe, die bis zuletzt an den Endsieg glaubten, oder wurde nur besonders gut aufgearbeitet?



    Ich spare mir die Schritte zur Kapelle und gebe mich dem hier wirklich langweiligen Weg in der Sonne hin. Natürlich gilt es vor dem Belchen noch den Stuhlskopf mitzunehmen, ich biege vom Weg ab und schnaufe gefühlt senkrecht einen Holzweg hinauf. Vor mir springt einmal ein Reh herum, das überraschenderweise überhaupt keine Angst vor mir zu haben scheint.
    Puh, was bin ich froh, als ich oben angelangt bin! Ich mache das Täfelchen-Foto und als ich weitergehe, entdecke ich ein „Gipfelmonument“! Die paar Schritte hinauf gönne ich mir noch, mache aber kein weiteres Täfelchen-Foto.



    Nach ein paar Metern Abstieg darf ich weiter Höhenmeter sammeln. Mir kommen einige vermutlich Westwegwandernde entgegen, ein junges Pärchen trägt „Dirty Girl Gaiters“. Es ist das erste Mal, dass ich sie bei anderen sehe. Genau genommen sind meine eigenen ja keine, denn es sind Selbstgemachte aus der Zeit, als es sie noch nicht in Deutschland zu kaufen gab. Oft gab es neugierige Blicke, manchmal haben mich sogar Leute auf sie angesprochen.
    Ich schwitze weiter bergan und denke darüber nach, dass sich bei der Hitze die angegebenen Kilometer gefühlt sehr ausdehnen - wahrscheinlich unterliegen sie auch den physikalischen Gesetzen...
    Was bin ich froh, als ich die langweilige Forststraße verlasse und in den schönen, schattigeren Pfad einbiegen kann!



    Jetzt beginnt der wirklich schöne Teil des Aufstiegs! Am Lünzmannplatz, einem kleinen Vorsprung mit Aussicht nach Süden kann ich am Horizont den Blauen samt Turm ausmachen.



    An einigen Stelle gibt es ganze Schwärme von wespenartigen Insekten, die ich aber gar nicht gut erkennen kann, da sie so hektisch hin- und hersausen. Wohnen die hier oder findet gerade eine Jahreshauptversammlung statt? Egal, Hauptsache, ich kann unbehelligt durch die Schwärme gehen! Die letzten Höhenmeter zum Gipfel schaffe ich dann auch noch, laufe an einer Selbstfindungsschnecke vorbei und genieße dann den Ausblick!









    Ich stehe nicht zum ersten Mal hier oben, finde es aber immer wieder sehr schön. Eine Bank ist noch frei, ich lasse mich nieder und strecke die Beine aus. Als ich nach dem Handy schaue, das eigentlich in der Tasche schon laden sollte, sehe ich, dass es immer noch bei 20% herumdümpelt. Nach einigen Versuchen stelle ich fest, dass das wohl am Ladekabel liegt. Mist! So wenig Saft reicht für die nächsten zwei Tage nicht, und die papierene 1:50 000 Karte ist für mein Unterfangen alles andere als ausreichend. Da muss sich noch eine Lösung finden! Einstweilen mache ich aber noch Pause und trete schließlich den Rückweg an. Dabei nehme ich die Hohe Kelch mit, mehr ein netter Aussichtspunkt als ein Gipfel, mit nur wenigen Extra-Höhenmetern vom Weg aus zu erreichen.



    Auf dem Weiterweg fange ich an, von einem kühlen Apfelsaftschorle, das ich am Haldenhof trinken könnte, zu fantasieren. Es dauert aber noch eine ganze Weile, bis ich dort bin. Ich gönne mir gleich noch einen Salat und beschäftige mich beim Warten wieder mit dem Handy und seinem Kabel. Es scheint jetzt doch gaaaanz langsam zu laden. Als ich die Bedienung frage, ob sie mir ein Kabel leihen könnten, meint der Mann, er habe ein iPhone und das habe einen anderen Anschluss. Die Geschwindigkeit der Bedienung hier ist ähnlich flott wie das Laden meines Handys, ich bin ganz froh, dass ich nichts Warmes bestellt habe. Der Salat ist dann aber echt lecker und das kühle Schorle genieße ich sehr.
    So gestärkt und mit frischen Wasservorräten beschwert, geht es in den Abend und auf zum Weiherkopf. Die Karten stimmen hier beide nicht so ganz, so gehe ich auch ein Stück an der Straße entlang. Wieder durch Wald laufe ich dann quasi von hinten auf den Gipfel. Ich lande am oberen Ende einer Skipiste.



    Abendlicher Rückblick

    Ein kleiner Fotoausflug im Abendlicht rundet diesen langen Tag ab.





    Später gelingt es mir, das Kabel so ums Handy zu wickeln, dass es jetzt in Normalgeschwindigkeit lädt! Hurra!!! Bei Einbrechen der Nacht beginnt es ordentlich zu winden, so dass ich wieder nicht so gut schlafe. Aber ich bin sehr froh, dass das Handyladeproblem gelöst ist und es meiner Hüfte immer besser geht. Auch das Knie hat sich nach der kurzen Episode nicht mehr negativ bemerkbar gemacht! Alles wird gut!

  5. Anfänger im Forum

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    Blauen Belchen Ballons

    #45
    Guten Morgen Bergahorn,

    gut dass sich deine Gelenke wieder eingelaufen haben!

    Danke für den detaillierten Bericht, bei dem ich/wir in Erinnerungen schwelgen,

    badeten wir damals im Nonnenmattweiher....

    Die Bedeutung der Belchen, Blauen und Ballons in den Vogesen kennst du.....

    (Hüft/Knieprobleme---sanftes Anlaufen hilft meist, inzwischen laufen wir mit Stöcken um besonders das Absteigen zu dämpfen)

    Ich freue mich auf die Fortsetzung!

    Knuttchen

  6. Erfahren

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    AW: [DE] Schwarzwald: Weißt du wieviel Tausender stehen...?

    #46
    Hallo Knuttchen,

    das Baden im Nonnenmattweiher fiel mangels Badezeug aus, es war dort auch ziemlich viel los... aber einsam in Morgen- oder Abendstunden stelle ich es mir ganz wunderbar vor!

    Du meinst das sog. "Belchen-System" (https://de.wikipedia.org/wiki/Belchen-System), oder? Ja, war mir so einigermaßen bekannt, über ein "Blauen-System" habe ich aber nichts Detaillierteres gefunden. Schon interessant, was so alles an Themen quasi am Wegesrand auftaucht.

    Stöcke hatte ich übrigens dabei, bei schwerem Gepäck sind die schon fein, finde ich.

    Die Fortsetzung kommt demnächst, bis dahin kannst du die Vorfreude genießen!

    Gruß, Bergahorn

  7. Erfahren

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    AW: [DE] Schwarzwald: Weißt du wieviel Tausender stehen...?

    #47
    25. 6. 20

    Sirnitz 1114m – Köhlgarten 1224m – Rauhkopf 1071m – Meierskopf 1071m – Stockberg 1074m – Blauen 1165m

    Ich wache früh auf, der Wind hat nachgelassen, es ist mal wieder ein goldener Morgen.







    Nebenwirkungen der Pandemie...

    Ich stiefele auf die bis auf ihren Namen unauffällige Sirnitz und dann hinunter zu einem Parkplatz am Sirnitzpass. Hier stehen einige Wohnmobile, ein Mann mit Klorolle aber ohne Schippe in der Hand fragt, wo ich hin wolle und verschwindet im Wald… Ich bewege mich zum Glück in eine andere Richtung, denn nun steht der Köhlgarten auf dem Programm. Ich genieße die morgendliche Stille und Waldeskühle zunächst auf Schotterwegen, später dann auf naturbelassenen kleinen Pfaden.





    Auf dem Gipfel erwarten mich ein upgecycletes Kreuz und wenig Aussicht.



    Auf dem Rückweg komme ich wieder an der Klemmbachquelle vorbei, die extra für Westwegwandernde schön eingefasst ist.





    Allerdings gleicht sie gerade mehr einem Tümpel, da viele Tannenzapfen, Stöckchen und Blätter den Ablauf verstopfen. Ich nehme mein Schippchen und räume das Bächlein erst einmal frei, ehe hier noch ein schützenswertes Biotop entsteht und man kein Trinkwasser mehr zapfen darf. Dann fülle ich Wasser auf, nutze die Gelegenheit für etwas Körperpflege und spüle das total verschwitze, mit Salz dekorierte Merino-Shirt durch. Die Riemen vom Deckelfach des Rucksacks durch Hals- und Armlöcher gefädelt, kann es - verliersicher am Rucksack hängend - hoffentlich schnell in der Sonne trocknen.
    Nach dieser Erdbau- und Haushaltspause geht es oberhalb des Klemmbachs das Tal hinunter, bis ich wieder dem Westweg folgen kann. Nach einem kurzen Abstecher auf den Rauhkopf folge ich diesem Klassiker unter den Wanderwegen noch ein ganzes Stück weiter und oh Wunder, hier ist er mal richtig schön, ich bin ganz begeistert!









    An einer Kreuzung verabschiede ich mich dann zugunsten des Besuchs des Meierskopfs erst einmal von ihm. Auf breiten, aber immerhin mit grasigem Mittelstreifen versehenem Weg laufe ich sanft ansteigend dem Gipfel entgegen.



    Es ist wunderbar still, ich höre weder Straße noch Waldarbeiter, nur Vögel und Insektengesumm. In einer Pfütze regt sich junges Leben, da drücke ich mal die Daumen, dass sie nicht schneller austrocket als sich die Kaulquappen in Frösche oder Kröten verwandeln!



    Oben gibt es richtig viele Blaubeeren, die aber leider noch ziemlich sauer sind. „Gib ihnen noch ein paar südlichere Tage...“ verfremde ich Rilke in Gedanken.



    Im Matsch finde ich große Pfotenabdrücke, aber leider keine richtige Fährte, so bleibt die Frage, ob Hund oder Wolf, offen. Ich würde ja so gerne mal eine Wolfsfährte oder vielleicht sogar (mit entsprechendem Abstand) einen Wolf sehen!
    Auf dem Rückweg mache ich Mittagspause, auch hier von vielerlei Insekten umflogen. Ein Käfer landet sogar in meiner Oatcakes-Box. Von denen gebe ich aber nichts ab, deshalb befördere ich ihn umgehend wieder an die frische Luft!
    Bald danach darf ich ein weiteres schönes Stück Westweg genießen, es geht auf kleinem Pfad ziemlich lange „auf einer Höhenlinie entlang“ an steilem Hang entlang.



    Habe ich schon einmal zum Ausdruck gebracht, dass ich solche Pfade liebe?

    Ich merke so langsam, dass die Füße platt werden und lasse mich mangels Sitzgelegenheit einfach am Weg nieder. Als ein paar Mountainbiker angeradelt kommen, nehme ich schnellstens die Stöcke zur Seite, die quer über dem Pfad lagen. Man bedankt sich!



    Ich bin den Baum nicht hinaufgeklettert!

    Dieses Traumstückchen endet an einer Straße, nach deren Überquerung der Stockberg auf dem Programm steht. Der Anstieg stellt sich als anspruchsvoll heraus, da der in meinen Karten eingezeichnete Weg leider total zugewachsen ist. Ich finde die Andeutung eines alten Pfades und folge ihm gewissermaßen in historisch informierter Wanderpraxis. Die klappt sogar ganz gut, bis ich auf einen wieder sehr zugewachsenen Weg komme und eine Weile suchen muss, wo der alte Pfad weitergeht. Die letzten Meter sind dann aber gut ausgetreten. Hier oben stand wohl einmal die Stockburg, deren Überreste allerdings für alternative Bauwerke mit extrem atmungsaktiven Wänden und Dach verwendet wurden.



    Ich ruhe gründlich aus, bis mich das Gewusel und Gesumme verschiedenster Insekten dann doch weitertreibt. Hinunter folge ich einem anderen Weg, der nur einmal kurz etwas zugewachsen, ansonsten aber wunderbar zu gehen ist. Nach ein paar Metern fällt mir ein, dass ich vergessen habe, das Täfelchen-Foto zu machen. Oh je, ich werde echt schusselig! Ich hole es direkt wo ich bin nach, denn ich habe keine Lust, deshalb wieder den Berg hinaufzuschnaufen! Hauptsache, ich war oben!





    Ausblick in die sommerlich karierte Rheinebene

    Dem Blauen nähere ich mich in der Hitze langsam und stetig und fantasiere dabei von einem dekadent großen Schwarzwald-Eisbecher… Oben genieße ich dann den Ausblick und leichten Wind auf dem Turm. Ein Gewinn meines Projektes ist ja, dass ich mich nun relativ gut orientieren kann und viele Berge erkenne.



    Hier ist nur wenig Betrieb, was auch daran liegen mag, dass Hotel und Kiosk geschlossen haben.



    Mit dem Eisbecher wird es also leider nichts! Nicht nur deshalb bleibe ich nicht so lange. Ein paar picknickende Jugendliche beschallen mit Dudelmusik die Gegend, was ich gar nicht ausstehen kann.
    Westwegwanderer dürfen jetzt nach Kandern absteigen, ich verlasse diese Route aber wieder, da ich noch zwei Tausender auf dem Programm stehen habe und steige hinab nach Marzell. Als ich eine kurze Schnaufpause mache, lässt sich eine goldgelbe Fliege mit hellgrünen Augen auf meinem Bein nieder, die ich durchaus extravagant finde.



    An einer im Forum intensiv diskutierten Art von Wasserquelle fülle ich meine Vorräte auf und verlasse den Ort in Richtung Hochwildsberg. Ich spüre meine Beine sehr gut, stapfe also sehr gemächlich den Berg hinauf.



    Rückblick auf den Blauen

    Das Tal wird leider immer wieder durch Motorräder beschallt, eine echte Zumutung für die Anwohner, die das wohl den ganzen Sommer ertragen müssen!
    An einer Wegkreuzung steht eine riesige Hütte, die scheint mir allerdings privat zu sein.



    Heute beende ich den Wandertag etwas früher und bin auch zu faul, noch eine Fotorunde zu drehen. Dafür fällt das Abendessen üppiger aus! Ob ich deshalb besonders gut schlafe?

    26. 6. 20

    Hohwildsberg 1084m – Wildsberg 1018m

    Heute wird es im Wesentlichen hinuntergehen und ich gönne mir morgens, noch eine Zeit lang genüsslich liegen zu bleiben. Zu spät will ich aber auch nicht starten, da es heute gegen Mittag regnen soll. Beim Aufstehen entdecke ich dann leider zwei Zecken, die mich erwischt haben, dabei hatte ich mich gestern noch so gründlich abgesucht. Die eine lässt sich ohne Probleme entfernen, bei der anderen bleibt leider ein Restchen in der Haut stecken. Das muss dann halt zu Hause „operiert“ werden… Diese fiesen Viecher, die sind doch nur für Borrelien und FSME-Viren nützlich, und wer braucht die schon???
    Ich gehe nun mit den in die Socken gesteckten Hosenbeinen los und hoffe, so weiteren Zecken zu entkommen.



    Hübsch, aber ein Zeckenparadies...

    Der Hohwildsberg ist schnell gefunden, dann laufe ich mit ein bisschen Hin- und Her durch hübsche grasige Wege hinunter zur Hütte „Am Gleichen“. Ich amüsiere mich darüber, dass die Hütte angeblich am einen Ende auf 948 m, am anderen auf 946 m steht, wenn man den Schildern, die an ihr angebracht sind, Glauben schenken darf. Eigentlich sieht sie gar nicht so schief aus!



    Es gibt eine richtige Feuerstelle, die ich aber nicht in Betrieb nehme sowie Bänke und Tische. „Jetzt wird gefrühstückt! Jedes Ding hat seine Zeit!“ denke ich.
    Mittlerweile hat es sich gut zugezogen und als es in der Ferne zu Grummeln anfängt, mache ich mich mal lieber auf zum Wildsberg, dem letzten Tausender dieser Tour. Auf einem Forstweg noch ganz gemütlich, dann aber querwaldein sehr steil nehme ich die Höhenmeter unter die Füße. Auf dem Gipfel steht ein bemoostes Hinkelsteinchen und im Laub liegt ein angerostetes Messer. Es war also schon jemand hier, allerdings ist das wohl schon eine Weile her.



    Das Grummeln hat nicht nur zugenommen, sondern ist deutlich näher gekommen, so verabschiede ich mich hier schnell und mache mich an den finalen Abstieg.
    Als ich aus dem Wald herauskomme habe ich einen Blick bis zum Zeller Blauen, dem ersten Tausender dieser Tour. Das gefällt mir richtig gut, so schließt sich der Kreis! Auf einem Feldweg komme ich nach Wambach, einem kleinen Dörfchen oder eher Weiler, das wohl noch nicht in die Schwarzwaldvermarktung aufgenommen wurde. Ich amüsiere mich darüber, dass die Idylle mit Linde in der Dorfmitte durch zwei Mülltonnen gebrochen wird. Tja, hier wird halt ganz normal gelebt!



    Sehr pragmatisch liegen zwei Bürsten am Dorfbrunnen, die ich aber zum Glück beide nicht brauche. Ich finde es hier jedenfalls insgesamt sehr nett, verlasse diesen Ort aber trotzdem und trudele mehr vor mich hin dösend als denkend, weiter hinunter.





    Dabei verpasse ich dann gleich mal eine Abzweigung, was mir aber erst viel zu spät klar wird. Dann fängt es noch an zu regnen. Also Regenschirm an den Rucksack montiert und die Hosenbeine abgeschnallt, denn die müssen ja nicht nass werden, zudem sind keine Wiesenwege mehr zu erwarten. Und wer krabbelt da ganz ungeniert mein Schienenbein hinauf? Eine Zecke, die jetzt allerdings umgehend ihren Lebensabend hinter sich bringen muss…
    Ich lande an der Straße, inspiziere ein Stück weiter den Busfahrplan, der aber keine Alternative bietet und kann dann zum Glück bald in eine Nebenstraße abbiegen. Hier hält ein SUV neben mir, die Scheibe geht herunter, ein Mann fragt freundlich: „Mitfahre?“ Ich schüttele den Kopf:„Danke!“ Kurzes „Tschüss!“ und er fährt weiter, während die Scheibe wieder hochgeht. Von solch effektiver und zeitsparender Kommunikation könnte sich so manch schwadronierender Mitmensch eine Scheibe abschneiden!
    Ich kann nach ein paar Metern auf einen Wanderweg abbiegen, der ungefähr parallel zur Straße das Tal hinunterführt. Zur Linken liegt ein Weiher, der aber gar nicht zum Schwimmen einlädt, ich vermute, er dient zur Fischzucht. Danach muss ich direkt noch einmal hinauf, was mit der Einstellung „Es geht ja jetzt eigentlich nur noch runter!“ bekanntlich ein wenig schwer fällt.



    Mittlerweile hat es aufgehört zu regnen, die Sonne kommt heraus, so bekomme ich nun ein Dampfbad gratis, obwohl ich es eigentlich gar nicht so dringend bräuchte! Dabei begleitet mich Baustellenlärm, ich kann aber zunächst nicht orten, wo er herkommt, bis mein Blick auf einen Steinbruch auf der gegenüberliegenden Talseite fällt.



    Ich lande wieder auf einer Straße, der Weg, der nach ein paar Metern abzweigen soll und den beide Karten anbieten, existiert nicht. Nun ja, hier kommt selten ein Auto vorbei, so gibt es halt noch ein paar Asphaltkilometer bis nach Tegernau. Vor dem Gemeindeamt finde ich mein Auto unversehrt, packe den Rucksack hinein, freue mich, die luftigen Sandalen anzuziehen und bin dann bald weg. Auf der Autofahrt gibt es noch den einen oder anderen kräftigen Schauer, der mir nun aber nichts mehr anhaben kann! Das war gutes Timing!

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