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  1. Fuchs
    Avatar von evernorth
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    [SE] Mit dem Packraft: Einmal um den Kebnekaise

    #1
    Mitreisende: evernorth
    Prolog:

    Ein Packraft, das wäre es doch. So eine „kleine Tour“ - etwa über eine Woche - wenig, aber doch genug Bewegung auf den Beinen und - als krönenden Abschluss - die letzten 40 km auf „bewegtem Wasser“. Dazu in einer tollen Umgebung, die mir gerne bekannt sein durfte.
    Hmm..., so etwas gab es doch schon mal.....richtig, das war es! Klick!
    Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen, mir ein Wildwasser - fähiges Packraft zu kaufen. Dann entschied ich mich im letzten Moment, mir doch ein solches im Anfibio Packrafting Store zu mieten, um erst einmal meine „Präferenzen“ auszuloten.
    Es gab nur ein kleines Problem: Meine Wildwasser - Erfahrungen waren bestenfalls rudimentär.
    Ich hatte schon öfter - auch auf wochenlangen Touren - im Kanadier gesessen, doch meine technischen Stunden im Kajak waren schon begrenzter. Hier mal einen Schwall durchfahren, einer Walze ausgewichen, oder ein paar hundert Meter im WW 2 gepaddelt - das war`s im Grunde.
    Doch die Idee war geboren und mein Vertrauen in meine Lernfähigkeit war geweckt. Dazu gesellte sich eine unbändige Lust, etwas Neues auszuprobieren, und ich staunte nicht schlecht über meinen kaum zu begründenden Optimismus.
    Ich entschied mich, gleich einen Wildwasser - Kurs beim Packrafting Store in Markkleeberg bei Leibzig zu buchen. Es war Anfang März und sämtliche A - Kurse für Anfänger waren schon ausgebucht. Dann musste es eben ein B - Kurs sein. Hier war noch genau ein Platz frei. Nach Rücksprache mit Thomas vom Packrafting Store habe ich dann umgehend gebucht. Aufgrund meiner „kleinen Wildwasser - Erfahrungen“ könnte ich das machen.
    Vorweg: Der Kurs lohnt sich wirklich sehr und ich konnte gut mit den anderen Teilnehmern „mithalten“. Ein Vorteil ist die überschaubare Anzahl der Teilnehmer. Ein Kurs hat maximal 5 Teilnehmer. Bis zur Mittagspause waren wir sogar nur zu dritt. Da konnte der wirklich sehr kompetente und sympathische Guide - nach anfänglicher Überprüfung der allgemeinen Paddel - Fertigkeiten - sehr individuell auf die einzelnen Teilnehmer eingehen.
    Ich gebe zu, dass auch ich insgesamt ( nur? ) dreimal gekentert bin. Das gehört einfach dazu und bleibt kaum aus. Außer ein bisschen Wasser schlucken, ein leicht geprelltes Knie und einer kleinen Ellbogen - Abschürfung ist mir nichts passiert. So eine künstliche Wildwasser - Anlage ist - im Verhältnis zu einem Naturfluss - ziemlich save. Im starken Gegensatz zu diesem liegt hier nicht ein einziger Stein oder Felsbrocken im Wasser. Viele Stellen sind abgerundet und damit deutlich entschärft.
    Adrenalin gab es zusätzlich und davon auch reichlich. Doch es war….hmm.….wie so oft:
    Draußen ist anders! Auf dem ( teilweise ) wilden Naturfluss steigt noch einmal die Anspannung, denn: Ich bin dort alleine und ganz auf mich selbst gestellt!
    Es gibt eben kein Back Up, keine Wiederholung / 2. Chance und das Rettungs - Team(?) steht auch nicht Einsatzbereit am Ufer.

    Deshalb hatte ich mir fest vorgenommen, kein unnötiges Risiko einzugehen.
    Ob mir das gelungen ist? Hmm…..tja……also...na ja.....erstens kommt es anders und zweitens…….




    Einsames MRS Microraft auf der Suche nach dem Wasser



    In der Bildmitte: der Vistasjohka - fast wie ein ruhiger See, aber der Schein trügt, wie so oft
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  2. Erfahren

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    AW: [SE] Mit dem Packraft: Einmal um den Kebnekaise

    #2
    Zitat Zitat von evernorth Beitrag anzeigen
    Ein Kurs hat maximal 5 Teilnehmer. Bis zur Mittagspause waren wir sogar nur zu dritt.
    Was denn, so eine hohe Sterblichkeitsrate?

    Ne Spaß, aber bei dem Wildwasserkajak-Kurs den ich dieses Jahr gemacht habe waren wir nach 2 Trainings nur noch 8 von 10, war wohl doch nicht jedermanns Sache. Und unterschätzen sollte man Wildwasser definitiv nicht, Wildwasser-Kajak ist ja nicht umsonst eigentlich ein Gruppensport.

    Bin auf jeden Fall schon sehr gespannt auf deinen Bericht

  3. Fuchs
    Avatar von Pfiffie
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    AW: [SE] Mit dem Packraft: Einmal um den Kebnekaise

    #3
    das klingt total interessant, Abonniert
    "Freiheit bedeutet, dass man nicht alles so machen muss wie andere"

  4. Erfahren
    Avatar von Fjellfex
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    AW: [SE] Mit dem Packraft: Einmal um den Kebnekaise

    #4
    Klasse, es geht los!

    Packraft juckt mich ja auch, aber nur für stille Gewässer. Werde gespannt mitlesen.

  5. Fuchs
    Avatar von evernorth
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    AW: [SE] Mit dem Packraft: Einmal um den Kebnekaise

    #5
    Prolog #2:

    Da ich mit etwa 5 kg Mehrgewicht für das Boot und die dazugehörige Ausrüstung rechnete
    ( einen Helm habe ich mir auch noch angeschafft ), musste ich an anderer Stelle wieder Gewicht einsparen. Als Zelt nahm ich das Leichteste mit, das ich in meinem Pool hatte: Ein 3f Lan Shan 1, welches - mit besseren Heringen - etwa 880g wog. Die Luftigkeit des reinen Mesh - Innenzeltes sollte in meiner Reisezeit ( Mitte Juli ) keine große Rolle spielen. Im Gegenteil: Es stellte sich als großer Vorteil heraus.
    Die schwere DSLR ließ ich zuhause und nahm stattdessen meine Fujifilm X-T1 mit. Auch das etwa 1 kg schwere Reisestativ musste zu Hause bleiben.
    Beim Rucksack musste ich mir ebenfalls Gedanken machen. Ein spezieller Backpack, der in erster Linie nur für das Boot genutzt werden sollte, kam für mich nicht in Frage, obwohl es da etwas Größeres schon gab. Multi - Use steht aber für mich meist im Vordergrund. Also habe ich nach meiner Recherche noch mal tief in die Reisekasse gegriffen, und mir einen Hyperlite Mountain Gear 4400 Windrider Pack gekauft. Das sparte noch mal etwa 200g ein.
    Das Netz ist perfekt zum Verstauen von ( Miet- ) Paddel und Zelt, Klamotten und Kleinkram geht auch noch rein. Sehr praktisch ist der obere Spannriemen, mit dem ich das gerollte Packraft auf dem Deckel befestigte.
    Das Material ist wasserdicht. Der Rucksack auch? Dazu später mehr.
    Auf einen Trockenanzug habe ich ( schon aus Gewichts- Gründen ) verzichtet. Als Paddel - Handschuhe dienten die ( abgeschnittenen ) Fahrrad - Handschuhe.
    Auch bei der Verpflegung wollte ich zumindest etwas sparen, da ich mich zum Teil auf den Hütten verpflegen wollte. So schafften es nur 3 Tüten Real Turmat in den Rucksack.
    Üblicherweise liegt mein ( autarkes ) Rucksack - Gewicht für eine Woche bei etwa 15-16 kg.
    Diesmal wog - alles zusammen - mein Pack etwas über 23 kg.




    Beim täglichen Packen: Ein Großteil des Zeugs



    Das ( aufgerollte ) Packraft liegt noch in der Apsis
    Geändert von evernorth (12.01.2020 um 19:26 Uhr)
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  6. AW: [SE] Mit dem Packraft: Einmal um den Kebnekaise

    #6
    Wunderbar. Ich freue mich schon auf den Bericht. Vor allem da es wohl dann auch Praxis "Test-Feedback" zu Packraft, Rucksack usw gibt.

    Auf den Bildern hab ich noch nicht erkennen können ob das Packraft ein Internal Storage System hat. Falls nicht bin ich gespannt wie das Fahrverhalten ist falls die 23 Kilo auf Deck geschnürt sind. Spannend würde ich dann auch die Einschätzung beim Paddeln finden. Ich finde es, egal ob Kanu oder Packraft, doch immer einen großen Unterschied was man in der Stromschnelle so leisten kann. Mal mit beladenem Boot und dann eben locker flockig ohne zusätzliches Gewicht. Teilweise ziehe ich da 0,5 bis 1 WW Grad ab was dann noch sicher geht ohne kentern... auch der Wiedereinstieg im Wasser gestaltet sich da sehr unterschiedlich.

    .... wie bereits erwähnt. Ich freue mich
    ------------------------------------------------
    http://www.canoeguide.net
    Only the early worm catches the fish
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  7. Fuchs
    Avatar von evernorth
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    AW: [SE] Mit dem Packraft: Einmal um den Kebnekaise

    #7
    Zitat Zitat von earlyworm Beitrag anzeigen
    Auf den Bildern hab ich noch nicht erkennen können ob das Packraft ein Internal Storage System hat.
    Es freut mich, dass du dich freust.
    Nein, das Miet - Packraft hatte kein Internal Storage System, ergo musste der Pack vorne auf dem Boot mitfahren.
    Die Fahreigenschaften werden dadurch in der Tat nicht besser.
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  8. Fuchs
    Avatar von evernorth
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    AW: [SE] Mit dem Packraft: Einmal um den Kebnekaise

    #8
    12.07.19

    Mit einem der ersten Flüge geht es extrem früh von Hamburg, über Stockholm nach Kiruna. Das hat den großen Vorteil, dass ich schon gegen Mittag dort lande und den Nachmittags - Bus nach Nikkaluokta nehmen kann. Mit dem Bus fahre ich in die Innenstadt und steige am Busterminal aus.
    Von hier ist es ein Katzensprung zum Intersport, wo ich mir eine Gaskartusche besorge. In Nikka wäre das auch kein Problem gewesen, dafür war es etwas billiger. Dann esse ich in einem Café eine Kleinigkeit und schlendere entspannt zurück zum Busterminal. Hier treffe ich auf zwei junge Mädels aus München, die ebenfalls auf den Bus nach Nikka warten. Die zwei, die etwas übernächtigt wirken, waren im letzten Jahr auf Island gemeinsam Wandern. Beide sind gute Freundinnen, studieren in Rostock und haben schon eine kleine Odyssee hinter sich, da ein Rucksack nicht mitgekommen ist. Sie haben nur begrenzt Zeit, und da der Rucksack auch am nächsten Tag nicht kommt, müssen sie sich entscheiden. Im Rucksack befand sich das Zelt. Also haben sie sich heute schnell ein günstiges Zelt und ein paar Anzieh - Sachen gekauft. Sie sind voller Vorfreude, und während eine der Beiden schon unmittelbar nach der Abfahrt im Bus in einen komatösen Schlaf fällt, unterhalte ich mich angeregt mit ihrer Freundin. Wir merken gar nicht, wie die Zeit vergeht, und schon haben wir Nikkaluokta erreicht. Die beiden wollen möglichst noch ein gutes Stück in Richtung Kebnekaise gehen. Die angenehme Begegnung lässt mich kurz überlegen, mit ihnen gemeinsam mitzugehen, aber ich habe mir den Start hier - bei bestem, sommerlichen Wetter - anders vorgestellt. Ich bezahle die Camping - Gebühr und suche mir in der Nähe in einem kleinen Birkenwäldchen einen Platz für die Nacht. Ich muss mich wirklich nicht beeilen, denn Zeit habe ich genug.

    Explikation:

    Ich möchte hier einmal eine Lanze für den nördlichen Kungsleden brechen, den ich inzwischen schon oft besucht habe und gut kenne. Immer mehr Wanderer laufen abseits der bekannten Route und es sind nicht wenige, die sich abfällig über den Kungsleden äußern. Er wird häufig mit einer „Wanderautobahn“ verglichen und sollte schon deshalb ( möglichst ) gemieden werden, da er massenweise von anderen Wanderern frequentiert wird.
    Der nördliche Kungsleden ist Schwedens bekanntester Wanderweg und - in Folge dessen - zieht er auch viele Wanderer an. Ich stimme zu, dass das manchmal ( auf einigen Strecken und zu bestimmten Zeiten in der Hauptsaison ) etwas zu viel des Guten und durchaus auch lästig sein kann. Andererseits kann das auch von Vorteil sein, denn ich bin hier ( selten ganz ) allein und kann immer wieder die verschiedensten Menschen kennenlernen.
    Bei all der berechtigten Kritik wird aber eines ( scheinbar? ) ganz vergessen: Die teilweise atemberaubende Schönheit der Landschaft, die mich auch nach dem x-ten Besuch immer noch ( und immer wieder! ) staunen lässt und den Kungsleden zu etwas ganz Besonderem für mich macht.
    Der Kungsleden war für mich meine erste Begegnung mit Lappland - so bin ich ein Fan davon geworden, auch, wenn es mich heute meist in einsamere Gegenden zieht.


    Nach dem Zeltaufbau zieht es mich erstmal in die Sauna. Im Anschluß gehe ich ins Restaurant, um noch etwas zu essen. Es ist kurz nach 19 Uhr und das Restaurant ist bereits geschlossen. Doch etwas Rentierfleisch mit Kartoffelmus und Soße ist dennoch schnell serviert. Dazu gibt es noch Reste vom Salat - Buffet, ein Bier und Kaffee sowieso. Langsam komme ich hier an und eine wohlige Entspannung durchströmt mich. Ich genieße es, hier zu sitzen. Herrlich! Ich könnte hier noch eine ganze Weile bleiben, aber leider wird bereits um 20 Uhr geschlossen.
    Nach einem längeren Spaziergang, der mich bis zum Abzweig des Weges ins Vistasvaggi führt, beschließe ich, heute früh schlafen zu gehen, denn um 8 Uhr ist Frühstück im Restaurant.
    Da will ich ein gutes Stück nach der Kebnekaise Fjellstation kampieren. Ich habe mich noch nicht entschlossen, ob ich die etwas monotone und langgezogene Strecke zur Fjellstation komplett zu Fuss gehen, oder einen Teil mit dem Boot fahren will.
    Ich lese noch ein wenig, setze dann die Schlafbrille auf, denn es ist taghell und die Sonne scheint.




    Camp 1 / Nikkaluokta





    Nikkaluokta Sarri AB
    Geändert von evernorth (17.01.2020 um 16:55 Uhr)
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  9. Dauerbesucher
    Avatar von Mortias
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    AW: [SE] Mit dem Packraft: Einmal um den Kebnekaise

    #9
    Sehr interessanter Beginn. Freut mich, dass das Packrafting jetzt auch bei Lapplandtouren hier scheinbar mehr Beliebtheit und Bekanntheit findet. Bietet ja auch eine herrliche Kombination aus Wandern und Paddeln und damit ein wunderbar abwechslungsreiches Wildniserlebnis. Hatte es selbst für meine letzte Lapplandtour überlegt, mich dann aber dagegen entschieden, da ich einfach keine Lust auf die 4 kg extra Gewicht hatte. Aber bin dann schon sehr auf den Bericht gespannt.

  10. AW: [SE] Mit dem Packraft: Einmal um den Kebnekaise

    #10
    Uih, das läuft ja schon sehr gut an
    So möchtig ist die krankhafte Neigung des Menschen, unbekümmert um das widersprechende Zeugnis wohlbegründeter Thatsachen oder allgemein anerkannter Naturgesetze, ungesehene Räume mit Wundergestalten zu füllen.
    A. v. Humboldt.

  11. Erfahren
    Avatar von vobo
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    AW: [SE] Mit dem Packraft: Einmal um den Kebnekaise

    #11
    Zitat Zitat von evernorth Beitrag anzeigen
    Ich möchte hier einmal eine Lanze für den nördlichen Kungsleden brechen, den ich inzwischen schon oft besucht habe und gut kenne. Immer mehr Wanderer laufen abseits der bekannten Route und es sind nicht wenige, die sich abfällig über den Kungsleden äußern. Er wird häufig mit einer „Wanderautobahn“ verglichen und sollte schon deshalb ( möglichst ) gemieden werden, da er massenweise von anderen Wanderern frequentiert wird.
    Hallo Tom,
    die Lanze wegen der Schönheit breche ich sofort - und die Vorteile der Infrastruktur sind vielfältig und großartig - auch wenn ich das Bezahlen mittels Karte in Teusajaure schon für Unsinn halte.
    Trotzdem ist es eine Wanderautobahn: Ich kann auf der Überholspur fast doppelt so weit oder schnell an einem Tag laufen wie auf einem kleinen Pfad. Ich kann auch an jedem zweiten Rastplatz anhalten und mich mit anderen Wanderern austauschen - das finden einige gut und andere weniger. Und wenn ich von der Autobahn abfahre, finde ich sofort schöne Übernachtungsplätze

    Ich freue mich auf diesen und den nächsten Bericht .

  12. Fuchs
    Avatar von evernorth
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    AW: [SE] Mit dem Packraft: Einmal um den Kebnekaise

    #12
    13.07.19

    Ich habe großartig geschlafen und auch endlich ein großes Stück von meinem Schlaf - Defizit aufgeholt. Gleich nach dem Frischmachen gehe ich zum Frühstücken. Meinen Tagesrucksack habe ich noch mit ein paar ( wenigen ) Sachen bepackt. Den lasse ich hier. Dafür miete ich ein Schließfach, auch, wenn das nicht ganz billig ist.
    Dafür ist das Frühstück großartig und ich lasse mir dafür viel Zeit, denn Zeit habe ich genug.
    Irgendwann, so gegen 9.30 h, ist es aber genug, denn nun will ich packen.
    Ich möchte heute nur bis kurz hinter die Kebnekaise Fjellstation kommen, da gibt es zahlreiche, tolle Gelegenheiten zum zelten.
    Die Etappe zur Kebnekaise Fjellstation ist ziemlich stupide und nervig.
    Ich habe lange vorher überlegt, ob ich nicht einfach den Helikopter mal nehmen sollte, doch ich habe das schnell wieder verworfen. Allerdings ließe sich ein Stück Weg auch einfach mit dem Boot auf dem Laddjujavvri abkürzen. Ja, das ist ein guter Kompromiss, so mache ich das.
    Ich baue zügig mein Zelt ab, aber es dauert noch etwas länger, bis auch mein Rucksack gepackt ist. Neuer Rucksack, neue Routinen. Alles will sich erst einmal finden.
    Gegen 11.30 h bin ich endlich Abmarsch - bereit. Oh, ha, ganz schön schwer. Ich merke sofort den 5+ kg Gewichts - Unterschied. Puh, will ich das wirklich jetzt immer so haben?
    Ich habe mich dann aber schneller eingelaufen und an den Rucksack gewöhnt, wie ich vorher befürchtet hatte. Im Gegenteil, der neue Pack trägt sich - zu meiner größten Zufriedenheit - wirklich gut. Ob sich das Mehrgewicht auch so gut tragen lässt, werde ich sicher heute Abend wissen.
    Nach etwa einer Stunde erreiche ich bereits die Anlegestation am Ladtjojaure. Da ich mich um die Abfahrt des Bootes kaum gekümmert habe, warte ich zunächst einmal ab. Es ist recht warm jetzt, um die Mittagszeit. Eine Pause kommt mir da wie gerufen.




    Bootsanlegestelle am Ladtjojaure



    Herrlich - klares Seewasser



    Großartige Sicht auf die hohen Berge um das Kebnekaise - Massiv


    So vergeht eine Stunde. Eine weitere soll es noch dauern. Als ich noch mal auf den Abfahrts- Plan schaue, sind es in Wahrheit sogar zwei!! Ich überlege kurz, ob ich nicht das Packraft nehmen sollte, verwerfe das aber schnell wieder. Das dauert mir alles viel zu lange, und ich beschließe, weiterzugehen. Schließlich bin ich ja zur Fortbewegung hier.

    Disclaimer: Im Nachhinein finde ich das erstaunlich, das Packraft nicht zu benutzen. Es wäre doch wirklich naheliegend und absolut sinnvoll gewesen. Ich denke, ich war so von der abschließenden Fahrt auf dem Vistasjakka eingenommen, dass ein vorheriger Einsatz in meinen Gedanken nicht vorkam.

    Nun, der Weg zieht sich und streckt sich. Die Fjellstation will einfach nicht kommen. Ich bin die Strecke früher schon 3x gegangen. Hat das da auch so lange gedauert?
    Nach 6 Stunden Gehzeit komme ich endlich an. Damals, vor 9 Jahren, habe ich nur 4,5 Stunden benötigt. Da hatte ich aber auch nur 12 kg Rucksackgewicht, und jünger bin ich ja auch nicht geworden.
    Ich trinke eine Cola, dann noch eine. Schon kommen die Lebensgeister zurück. Herrlich. Dann kaufe ich mir eine Mitgliedschaft im STF, da ich für die eine, oder andere Hüttenübernachtung und Sauna vorbereitet sein will. Dann noch ein Kanel Boller, und schon mache ich mich wieder auf den Weg. Etwa eine Stunde will ich noch gehen, dann suche ich mir einen Platz zum übernachten.




    Hubschrauber - Landeplatz an der Kebnekaise - Fjellstation




    Diese Stunde ist dann auch schnell vorüber und nach einigem Suchen ( der eine, oder andere Platz ist bereits vergeben ) finde ich einen tollen Platz mit bester Sicht hinunter ins Ladtjovagge, umgeben von den majestätischen Bergen wie Tolpagorni, Singitjåkka und Skartoaivi.
    Nachdem ich das Zelt in Ruhe eingeräumt habe und zu Abend gegessen habe, werden beim Lesen bereits früh meine Augen schwer. War ganz schön anstrengend. Ich hätte nicht gedacht, dass mich das Mehrgewicht so leiden lässt.




    Camp 1 über dem Ladtjovagge


    14.07.19

    Nach einer erholsamen Nacht wache ich gutgelaunt auf. Draußen ist bestes Sommer - Wetter. Das gefällt mir natürlich gut, doch ich weiß da bereits, dass zum Abend hin etwas Regen aufkommen soll. Nun, da werde ich hoffentlich auf meinem Abstecher im Neasketvaggi sein. Ich will dann auf dieser Nebenstrecke nach Huckejaure, und anschließend, über den Nordkalottleden, zurück zum
    nördlichen Kungsleden.
    Doch zunächst einmal genieße ich die wunderbare Aussicht:




    Ladtjovagge







    Camp 1








    Das sich der Übergang über den Tjäktjajåkka noch zu einer ( kleinen? ) Mutprobe entwickeln sollte, konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen und soll beim nächsten Mal erzählt werden.
    Geändert von evernorth (14.03.2020 um 22:23 Uhr) Grund: Video-Link eingefügt
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    Avatar von Ljungdalen
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    AW: [SE] Mit dem Packraft: Einmal um den Kebnekaise

    #13
    Zitat Zitat von evernorth Beitrag anzeigen
    ...da werde ich hoffentlich auf meinem Abstecher im Neasketvaggi sein. Ich will dann auf dieser Nebenstrecke nach Huckejaure...

    Das sich der Übergang über den Tjäktjajåkka noch zu einer ( kleinen? ) Mutprobe entwickeln sollte, konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen...
    Da bin ich aber gespannt! Wir sind da 3 Wochen nach dir lang (Nikkaluokta-Singi allerdings via Tarfala-Guobirvaggi). Neasketvaggi - eines der besten Täler in dem Gebiet!

    (Mutprobe? Mit dem Packraft? Oder bist du über die untere (falsche) Brücke? )

  14. Fuchs
    Avatar von evernorth
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    AW: [SE] Mit dem Packraft: Einmal um den Kebnekaise

    #14
    Fortsetzung 14.07.19

    Ich liebe diesen Platz, ist er doch für mich einer der ersten Höhepunkte auf dem nördlichen Kungsleden. Nach dem Frühstück lasse ich mir noch etwas Zeit, und mache ein paar Fotos.
    Mein nächstes Camp habe ich bereits für das Neasketvaggi geplant, das sollte ich ganz entspannt schaffen, vorausgesetzt……es kommt nicht noch etwas Unvorhergesehenes dazwischen.






    Sinničohkka, li., und Toulpagorni, re.




    Gegen 10 Uhr breche ich dann endlich auf. Die Wegfindung ist hier natürlich ein Klacks, schließlich befinde ich mich auf der bekanntesten Wanderautobahn des lappländischen Nordens.
    Erfreulicherweise begegne ich nur wenigen, anderen Wanderern. Nach gut 2,5 Stunden mache ich erst einmal eine längere Pause.






    Auf dem Dag Hammarskjöldsleden



    Auf dem Weg nach Singi


    Der Rucksack drückt, ein Gefühl, das ich so schon lange nicht mehr kannte. Das Packraft, ja…..hmm…..da muss ich jetzt durch. Bin ich schon völlig verweichlicht? Meine Gedanken beginnen bereits um ein und dieselbe Frage zu kreisen: Wenn das Mehrgewicht bereits jetzt meine Laune trübt…..ja, macht das Mitführen des Packrafts dann auf Sicht, oder besser: in Zukunft, überhaupt Sinn?? Während ich so über diese existenzielle Frage sinniere, bemerke ich kaum, wie der Weg zunehmend abfällt und es geht immer weiter hinunter ins Tjäktjavagge geht. Es zieht sich noch ein wenig, doch gegen 14 h erreiche ich die Singistugorna. Über den angebotenen Saft zur Begrüßung freue ich mich sehr, doch nach einer halben Stunde Pause mache ich mich wieder auf den Weg.
    Nach etwa 40 Minuten verlasse ich den nördlichen Kungsleden, da ich die Brücke entdeckt habe.
    Ich wundere mich noch, wie umständlich die Brücke zu erreichen ist, da muss ich mich auch noch an einem Rentierzaun, in teilweise halsbrecherische Art und Weise, herumwinden.
    Doch als ich endlich an der Brücke stehe, traue ich meinen Augen nicht: Die Brücke hat keinen Boden!! Der steht - sauber aufgestapelt und in Form von Bretter - Planken - daneben.









    Das Ganze sieht etwas abenteuerlich aus. Ich muss mich wohl auf den Stahlträgern - Stück für Stück - hinüberwinden. Als das geschafft ist, muss ich erst einmal tief durchatmen.
    Erst später entdecke ich, dass es noch eine zweite Brücke - die Offizielle - gibt. Die konnte ich aber vorher ( und auch danach ) nicht sehen.
    Ich habe die Brücke der Sami benutzt, und die Planken werden wohl erst zum Herbst wieder auf die Stahlträger gelegt.
    Der Weg liegt nun klar vor mir und ich befinde mich gerade im Übergang zum Neasketvaggi. In einiger Entfernung sehe ich ein junges Paar in Richtung der korrekten Brücke laufen, doch sie sind zu weit entfernt für einen Plausch.
    Das Wetter ist auch jetzt, am späten Nachmittag, noch schön und sonnig.




    Beginn des Neasketvaggi: Blick zurück


    Dann laufe ich also hinein in das schöne Neasketvaggi, das nun bereits fast vollständig im Schatten liegt. Ich bin etwas enttäuscht, weil ich es mir spektakulärer vorgestellt hatte. Zu einer anderen Tageszeit und bei Sonnenschein ist es hier aber bestimmt großartig. Hier fehlt eindeutig das Licht, jenes Licht, in das die Szenerie in meinem Rücken nun ganz und gar aufgeht.




    Blick zurück in Richtung Singistugorna



    Stuor Jiertá


    Als dann der angekündigte Wetterwechsel - so plötzlich und unerwartet - nach nur einer Stunde kommt, geht alles sehr schnell.
    Ehe ich mich versehen habe, fallen bereits einige Tropfen Regen. Es wird Zeit für mich, ein Lager zu suchen. Der Weg führt eigentlich nahe am steilen Bergrand, doch ich steige ab. Tief unten im Tal fließt ein breiter Bach. Hier finde ich auch schon bald einen guten Platz für das Zelt, das ich gerade noch errichtet bekomme, bevor der Regen etwas zunimmt. Es reicht sogar die Zeit, um Wasser zu holen und mich zu waschen. Das kalte Wasser ist herrlich; sauber, gut durchblutet und auch wieder durchgewärmt liege ich jetzt im Zelt und esse entspannt zu Abend. Es ist ganz still hier und nur die Geräusche des nahen Baches und die der sanften Regenschauer umspielen meine Ohren.
    So langsam, ganz langsam, gleite ich in diesem Jahr mitten hinein in die lappländische Welt und mein Gefühl für die Landschaft wächst und wird stärker. Hoffentlich stark genug, denke ich noch, um mein bevorstehendes Paddel - Abenteuer, am Ende meiner Reise, heil und gesund zu überstehen. Heute bin ich noch weit davon entfernt, aber mein Geist beschäftigt sich schon mit dem eigentlichen Höhepunkt meiner Tour. Ja, die großen Ereignisse werfen ihre Schatten voraus und noch bevor ich meine Gedanken weiterspinnen kann, falle ich in einen erholsamen und tiefen Schlaf.




    Camp 2 im Neasketvaggi

    Geändert von evernorth (26.01.2020 um 23:49 Uhr)
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  15. Dauerbesucher

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    AW: [SE] Mit dem Packraft: Einmal um den Kebnekaise

    #15
    ...meinem Abstecher im Neasketvaggi sein. Ich will dann auf dieser Nebenstrecke nach Huckejaure, und anschließend, über den Nordkalottleden, zurück zum nördlichen Kungsleden.
    ich bin gespannt dabei

    Ganz schön weite Strecke das Packraft zu tragen, um es dann ein recht kurzes Stück zu nutzen
    Lohnt sich das?
    Werde ich wohl am Ende erfahren

    Peter

  16. Fuchs
    Avatar von evernorth
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    AW: [SE] Mit dem Packraft: Einmal um den Kebnekaise

    #16
    Zitat Zitat von pekra62 Beitrag anzeigen
    ich bin gespannt dabei

    Ganz schön weite Strecke das Packraft zu tragen, um es dann ein recht kurzes Stück zu nutzen
    Lohnt sich das?
    Werde ich wohl am Ende erfahren

    Peter
    Hallo Peter,

    ich wollte ja auf jeden Fall ein gutes Stück laufen. Das Laufen ist es doch, dass ich so sehr liebe ( Ich meine mich, doch ich bin mir ziemlich sicher, dass es den allermeisten hier ganz ähnlich geht ). Der Preis für das kurze Stück mit dem Packraft war tatsächlich relativ hoch, doch die fahrbaren Wildwasser - Strecken in Lappland mit recht guter Infrastruktur sind dann doch nicht ganz so zahlreich.
    Nebenbei war das auch die Feststellung des Kollegen im Packraft Store, der mir, sinngemäß, die fast gleiche Frage stellte.
    Nun, ich würde es grundsätzlich wieder so machen, dann vielleicht mit einem leichteren Boot.
    My mission in life is not merely to survive, but to thrive; and to do so with some passion, some compassion, some humor and some style. Maya Angelou

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    AW: [SE] Mit dem Packraft: Einmal um den Kebnekaise

    #17
    Nun, ich würde es grundsätzlich wieder so machen, dann vielleicht mit einem leichteren Boot.
    Na dann war der fun-factor groß genug

  18. Fuchs
    Avatar von evernorth
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    AW: [SE] Mit dem Packraft: Einmal um den Kebnekaise

    #18
    15.07.19

    In der Nacht wechselt sich der Regen mit längeren Trocken - Phasen ab. Als ich am Morgen aus dem Zelt schaue, hängen die Wolken noch tief im Tal, doch es ist fast trocken. Hin und wieder nieselt, oder tröpfelt es etwas. Beim Frühstück lasse ich mir Zeit.
    Für ein paar Fotos steige ich auf eine kleine Anhöhe und schaue bei der Gelegenheit schon mal nach dem weiteren Wegverlauf.




    Tiefe Wolken und leichter Regen


    Die Wegmarkierungen waren gestern nicht sehr zahlreich, aber da war der Verlauf des Weges auch ziemlich eindeutig. Doch mit der Eindeutigkeit scheint gleich Schluß zu sein, denn das Neasketvaggi endet hier bereits in nächster Nähe. Durch eine hohe Fels - Barriere wirkt es von hier wie abgeschlossen, ja, geradezu wie verriegelt. Da wird es wohl eine Möglichkeit zum Aufstieg geben? Ich bin gespannt, wie sich das auflösen wird.

    Gegen 9 Uhr breche ich auf. Der kurze Aufstieg, zurück zum Bergrand, ist schnell zurückgelegt. Wegen des bescheidenen Foto - Wetters und des leichten Regens habe ich die Kamera in den Rucksack gepackt. Merkwürdigerweise habe ich sie dann später, als es wieder verlässlich trocken blieb, nicht mehr hervorgeholt, so dass es diesmal nur vom Ende des Tages wieder Fotos gibt. Das ist mir im Nachhinein etwas unverständlich, denn so Nässe - gefährdet war die Kamera eigentlich nicht. Ganz offensichtlich habe ich die Kamera nicht vermisst, denn sonst hätte ich sie sicher rasch wieder hervorgeholt.
    Motive gibt es schon einige, doch die mäßigen Lichtverhältnisse lösen bei mir einfach kein Verlangen aus, zu fotografieren. Was sonst so selbstverständlich ist - jetzt habe ich einfach keine Lust dazu.

    Stattdessen schaue ich einfach und lenke meine Sinne und meine ganze Aufmerksamkeit auf meinen weiteren Weg.
    Als ich fast am Ende angelangt bin, zeigen Steinmänner tatsächlich einen Weg aus dem Tal heraus. Dabei gewinne ich rasch weiter an Höhe. Schließlich stehe ich vor einem steilen Schneefeld - auf der anderen Seite sehe ich bereits einen weiteren Steinmann. Dieses steile Schneefeld beginne ich nun direkt zu queren, nicht, ohne meine Schuhe fest und schräg in den nassen, dann wieder teilweise kristallinen Schnee zu stoßen. Hier heißt es: Obacht, denn ein Sturz hätte fatale Folgen. Mit langsamen, kurzen und fest -belastenden Schritten beginne ich, das steile Schneefeld aufzusteigen. Einige Minuten später schaue ich entspannt zurück, und doch bin ich überrascht, was mir mein abwärts schweifender Blick zu vermitteln versucht: Von oben ist die Steilheit noch beeindruckender. Ich bin froh, dass ich aufgestiegen bin und nicht absteigen musste.
    Kurze Zeit später erreiche ich den höchsten Punkt des Passes und der Pfad ( tja, ist das überhaupt ein Pfad? ) führt langsam ein Stück hinunter, wo sich zwei schöne, kleine Seen befinden.

    Kurz vor dem ersten See kommt mir eine schon von weitem erkennbare Person entgegen. Die junge Schwedin ist heute schon früh von Huckejaure aufgebrochen und will noch bis zum Abend nach Singi gelangen. Da hat sie noch ein gutes Stück vor sich. Ich weise sie noch auf das spätere, steile Schneefeld hin, da zieht sie schon fröhlich weiter. Bis zum späten Abend wird das meine einzige Begegnung mit einem Menschen bleiben.

    Am zweiten See muss ich mich am recht schmalen Ufer fast schon entlang „schleichen“, um nicht ins Wasser zu rutschen. Am See 958 mache ich in exponierter Lage erst einmal eine Pause, um eine Kleinigkeit zu essen.
    Auch dieser Punkt bietet eigentlich ein ganz gutes Fotomotiv, aber, - wie schon erwähnt -
    ich habe kein Verlangen danach.

    Dann geschieht eine meiner unberechenbaren Wendungen. Schon während der letzten Stunde habe ich hin und her überlegt: Huckejaure kenne ich schon aus der Vergangenheit. Ganz schön dort, aber auch nicht so die Hammer - Hütte. Viel spannender finde ich es, von hier aus weglos ins benachbarte Čuhčavággi, am Nordkalottleden, zu traversieren. Laut Karte müsste genau hier, beim See 958, ein guter Durchlass, zwischen den hohen Bergen, sein. Mein Ziel ist nun die Hütten von Sälka, doch ich bin unsicher, ob ich es noch vor Einbruch der Dämmerung schaffe.
    Bevor ich feststellen muss, dass hier doch kein Durchlass ins benachbarte Tal ist, will ich den weiteren Weg erst einmal auskundschaften. Dazu lasse ich meinen Rucksack hier liegen und mache mich auf den Weg. Ich bin doch überrascht, wie viele Anhöhen und Hügel ich auf- und wieder absteigen muss. So dauert es bestimmt 20-25 Minuten, bis ich von einer weiteren Anhöhe endlich ins gewünschte Tal blicken kann und die Gewissheit habe, dass es genau so machbar ist, wie ich gehofft habe.
    Also kehrt und zügig zurück. Erleichtert und geradezu beschwingt komme ich zu meinem Rucksack zurück.

    Nach insgesamt einer knappen Stunde stehe ich erneut auf der Anhöhe.
    Ich steige hinunter zum Čuhčajávri, den ich nun an einer möglichst schmalen Stelle furten muss. Der Nordkalottleden verläuft nämlich auf der anderen Seite. Das gelingt problemlos und das Wasser reicht an der tiefsten Stelle gerade einmal bis unterhalb des Knies.

    An dieser Stelle füge ich ein paar Fotos aus genau dieser Gegend ein, die etwa vor 9 Jahren, bei meinem zweiten Besuch im Čuhčavággi, entstanden sind:




    An dieser Stelle bin ich über den Čuhčajávri gefurtet





    Damals saftiges, trockenes Gras und kaum noch Schneefelder, Anfang August 2011



    Auf dem Nordkalottleden in Richtung Kungsleden





    Blick zurück in Richtung Hukejaure



    Nicht mehr weit bis zum Kungsleden; im Hintergrund der Rabots - Gletscher


    Was dann - zu meiner Überraschung - folgt, nenne ich einmal : Schlammschlacht meets Trockenläufer.
    Der Pfad ist bis zum Kungsleden ( und selbst der…na, ja ) in einem wirklich schlechten Zustand! Entlang zahlreicher Schneefelder, die selbst jetzt, Mitte Juli, noch bis hinunter zum Pfad reichen und ja, ständig abtauen, und somit den Pfad über weite Strecken völlig zuschlammen.
    Ich muss immer wieder ausweichen, manchmal auch oberhalb eines Schneefeldes aufsteigen und wieder absteigen. Das ist nicht nur zeitraubend, anstrengend und mega nervig, nein, dabei werden Hose und Schuhe so richtig schön eingesaut. Wo doch meine Mutter gesagt hat, ich soll meine Sonntagssachen nicht schmutzig machen! Na, ja…..ist doch wahr.
    So wird es spät und später und ein Ende ist auch nach Stunden noch nicht in Sicht. Die Brücke über Tjäktjajåkka will einfach nicht kommen.

    Endlich - es ist schon nach 20.30 Uhr - überquere ich den Tjäktjajåkka über die allen bekannte, wackelige Brücke.
    Die Dämmerung hat mich schon längst erreicht, da sehe ich endlich die Schemen der Hütten von Sälka. Es ist kurz vor 21.30, da wird es Zeit, denn die Sauna hat nur noch bis 22 Uhr geöffnet.
    Erstaunlich ruhig ist es hier; na, ja, egal - hurry up!
    Ich checke bei den freundlichen Hüttenwarten ein, die hier gleich im 3er Team ihren Job machen. Schnell noch was zu essen kaufen ( Verpflegung ist ja limitiert ) und schon beziehe ich meine Hütte. An den Tischen sitzt keiner mehr und die meisten Bewohner liegen bereits in den Kojen. Mir fällt schon beim Reinkommen auf, das, - mal wieder - völlig unnötig der Holzofen angeheizt ist. Es ist unerträglich warm im Innern!
    Da muss ich später noch mal längere Zeit lüften, sonst überstehe ich die Nacht nicht! Schnell auspacken, Waschsachen und Handtuch, nebst Wechselwäsche greifen und schon sitze ich in der Sauna. Herrlich!

    Netterweise steht kein Hüttenwart um 22 Uhr in der Tür und so habe ich genug Zeit für einen kurzen, zweiten Saunagang und kann mich auch noch in Ruhe komplett waschen.
    Danach nehme ich auf der Hütte mein Abendessen ein und habe dabei gleich mehrere Fenster geöffnet. Ich bewege mich möglichst leise, denn mittlerweile liegt die ganze Belegschaft in den Kojen.
    Es ist bereits nach 23 Uhr, und nun liege auch ich unter meinem Schlafsack, den ich heute Nacht wie eine lose Decke benutze. So sollte es gehen, denn es ist immer noch recht warm im Raum.
    Was ich mir unter diesen Umständen nicht vorstellen konnte: Ich verbringe hier die beste Nacht der ganzen Woche!




    Ab in die Sauna! Hier schon am anderen Morgen.
    Geändert von evernorth (16.02.2020 um 01:46 Uhr) Grund: Bilder eingefügt
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    AW: [SE] Mit dem Packraft: Einmal um den Kebnekaise

    #19
    Zitat Zitat von evernorth Beitrag anzeigen
    Wegen des bescheidenen Foto - Wetters und des leichten Regens habe ich die Kamera in den Rucksack gepackt. Merkwürdigerweise habe ich sie dann später, als es wieder verlässlich trocken blieb, nicht mehr hervorgeholt, so dass es diesmal nur vom Ende des Tages wieder Fotos gibt.
    Geht mir auch oft so, und später fragt man sich, wieso eigentlich. War diesmal auf unserer Tour aber nicht so - wie schon geschrieben, 3 Wochen nach dir - also hier ein paar Fotos zur Veranschaulichung (nur verlinkt, um mich hier nicht so "reinzudrängeln", wer interessiert ist, kann sich das ja angucken).

    Im mittleren Teil des Tales, die Berge sind Stuor Ruška (Rusjka) und Unna Ruškkaš. So sah der Pfad meist aus, also kaum ausgetreten und offensichtlich nicht allzu häufig begangen; wir haben auch auf der ganzen Strecke niemanden getroffen. Alles knochentrocken übrigens, es hatte seit Wochen, vielleicht seit evernorths Tour, nicht mehr geregnet. (Bei den Singihütten war der Bach ausgetrocknet, und Wasser musste aus 400 m Entfernung in Kanistern geholt werden, von Stugvärd und Gästen.)

    Zitat Zitat von evernorth Beitrag anzeigen
    ... das Neasketvaggi endet hier bereits in nächster Nähe. Durch eine hohe Fels - Barriere wirkt es von hier wie abgeschlossen, ja, geradezu wie verriegelt. Da wird es wohl eine Möglichkeit zum Aufstieg geben? ... Schließlich stehe ich vor einem steilen Schneefeld - auf der anderen Seite sehe ich bereits einen weiteren Steinmann. Dieses steile Schneefeld beginne ich nun direkt zu queren ...
    Das Talende sieht so aus. Irgendwo rechts gehts hoch, Pass ist die niedrigste Stelle. Schnee war bei uns schon weitgehend weg.

    Blick zurück vom Pass durchs ganze Neasketvággi nach Osten. Am Ende in 8 km Luftlinie Singi. Unter dem steilen Felshang links am (unteren) Beginn des Tals (Mádir) haben uns Rauhfußbussarde (schwedisch fjällvråk) laut rufend eine Weile "verfolgt". Die nisten dort offenbar in einiger Zahl.

    Die kleinen Seen gleich nach dem Pass, Blickrichtung West ...

    ... auch hervorragend für ein Bad geeignet, vor den verbleibenden etwa 11 km bis Hukejaure. (Das war für mich übrigens *die* Badetour ever - so oft habe ich so hoch im Norden noch nie.)

    Bevor man dann kurz vor dem Ziel auf den (markierten) Weg von Sitasjaure trifft, "verläuft" sich der Pfad immer mehr. Insofern nicht problematisch, als man da auf jeden Fall irgendwann dort ankommt, wenn man nur die grobe Richtung beibehält, und das Gelände flach und einfach ist. Kann mir aber schon vorstellen, dass es bei schlechter Sicht schwierig ist, die *optimale* Route zu finden.

    Zitat Zitat von evernorth Beitrag anzeigen
    Huckejaure kenne ich schon aus der Vergangenheit. Ganz schön dort, aber auch nicht so die Hammer - Hütte.
    Waaaas?! Beste Hütte der Gegend. Alles tipptopp. (Nicht nur, weil wir dort die *einzigen* Gäste waren. Im Gegensatz zu den vollen bis überfüllten Tarfala und Singi davor. OK, für den STF nicht so toll, wenn kaum Gäste.) Btw Hukejaure, ohne c.

    Vielen Dank für den Bericht übrigens, bin auch schon gespannt auf den Packrafteinsatz.
    Geändert von Ljungdalen (02.02.2020 um 12:22 Uhr)

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    #20
    Zitat Zitat von evernorth Beitrag anzeigen
    ...
    Viel spannender finde ich es, von hier aus weglos ins benachbarte Čuhčavággi, am Nordkalottleden, zu traversieren...
    Anscheinend wohnen in den kleinen Seen oberhalb des Neasketvággi kleine Geister, die Wanderer spontan nach Norden umleiten, Du bist nicht ihr erstes Opfer...

    https://www.outdoorseiten.net/forum/...=1#post1732083

    Bin sehr gespannt, wie Deine weitere Tour verläuft, besonders auf dem Wasser!

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