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    [ES] Wanderurlaub mit Zelt auf der kanarischen Insel La Palma

    #1
    Mitreisende: Magna1990
    Hallo zusammen,

    hier möchte ich von meiner Reise auf La Palma berichten. Viel Spaß beim Lesen:

    Warum La Palma?

    Die Schwiegereltern waren dort bereits und haben uns vorgeschwärmt, wie schön und angenehm warm es im Winter es auf dieser Insel ist. Einen Rother Wanderführer gabs also auch bereits in der Familie und das Ziel ist von Deutschland aus relativ schnell erreichbar. Mein Mann und ich versuchen unsere Urlaube so zu legen, dass wir insbesondere im deutschen Winter möglichst viel weg sind. Hier ist es zu der Jahreszeit einfach zu kalt und zu dunkel. Sonnig sollte das Ziel also sein!

    Die Reiseart

    Die Reise sollte unter Low-Budget Bedingungen durchgeführt werden und es sollte viele Möglichkeiten zum Zelten geben. Nachdem wir die Flüge gebucht hatten, zeigte sich, dass dies auf den Kanaren doch nicht ganz so einfach ist, wie erhofft. Es fanden sich aber dann doch noch ein paar legale Zeltplätze, die wir nutzen konnten. Nach der ersten Recherche im Internet und im Wanderführer war ich optimistisch gestimmt, doch dann stellte sich bei der konkreten Nachfrage heraus, dass die Zeltplätze bei Los Llanos und Fuencaliente nicht (mehr?) vorhanden sind. Es blieben noch El Pilar, der Zeltplatz in der Caldera de Taburiente, Barlovento, Puntagorda und Garafia übrig. Fürs Camping in der Caldera und bei El Pilar mussten wir vorab eine Genehmigung einholen. Dies klappte problemlos vía Internet. Die anderen wollten wir spontan ansteuern. Zudem hatten wir für vier Nächte Airbnb Zimmer gebucht. Die gesamte Reise dauerte zwei Wochen.
    Die Landschaft der Insel wollten wir wandernd erkunden und dabei auch den GR 131 sowie Teile vom GR 130 laufen. Um von A nach B zu kommen haben wir uns den lokalen Busplan ausgedruckt und mitgenommen.

    Der Verlauf

    Nach der Anreise mit dem Flugzeug blieben wir für eine Nacht in einer Airbnb-Wohnung, um am nächsten Montag Gas einzukaufen. Dies klappte überraschend problemlos in einer Ferreteria in Santa Cruz. Zuvor hatte ich mir dies schwieriger vorgestellt, weil ich keine konkreten Infos zum Gaseinkauf auf La Palma finden konnte. Der ursprüngliche Plan war es, nach Fuencaliente zu fahren, dort auf einem Zeltplatz zu übernachten und dann am nächsten morgen den GR131 in etwa sieben Stunden nach El Pilar zu laufen. Da es den Zeltplatz aber ja nicht (mehr?) gibt, entschieden wir uns stattdessen dafür zwei Nächte bei El Pilar zu nächtigen und die Vulkanroute nur zum Teil zu gehen. Direkt nach dem Gaseinkauf von dort aus loszulaufen, wäre uns zu stressig gewesen. Es soll ja ein Urlaub und kein Wettrennen sein. Das wildzelten erschien uns zwar auch verlockend, aber da wir die örtlichen Gegebenheiten noch nicht kannten und kein Risiko eingehen wollten, entschieden wir uns dagegen.

    Im Anschluss an den Gaseinkauf nahmen wir stattdessen den Bus nach El Paso und liefen vía Tancande und Llano del Jable nach El Pilar.



    Dort gab es nicht nur eine kleine Wiesen für die Zelte, sondern auch unzählige Steinhütten mit Feuerstellen, Toiletten, eine Snackbude und einen Spielplatz. Von den Temperaturen war es dort eher kühl und wenig sonnig. Am nächsten Tag starteten wir unsere Wanderung auf der Vulkanroute. Leider war das Wetter nicht optimal, da es sehr nebelig war. Oftmals konnte man nur etwa 50m weit sehen. Ab und zu klarte die Sicht für einen kurzen Moment auf und man konnte die Schönheit der Landschaft erkennen. Diese Momente waren so toll, dass sich der Weg gelohnt hat. Wir liefen bis Deseada II und noch ein Stück runter, bevor wir umkehrten.











    Vor einbrechen der Dunkelheit kamen wir beim Zeltplatz an und bereiteten uns gemütlich warme Mahlzeiten mit dem Gaskocher zu. Dies taten wir zuerst auf einer Picknickbank, bis uns und die anderen anwesenden Personen ein Mitarbeiter vom Umweltamt dazu aufforderte, dies in den Steinhütten zu tun. Dem leisteten wir brav folge.

    Am nächsten Tag standen wir früh auf um die zweitägige Tour über die größte Gipfelkette der Insel zu wandern. Zuerst liefen wir über schmale Pfade bis zum Reventónpass. Diesmal schien das Wetter besser zu sein als am Vortag. Die Sicht war klar und die Sonne zeigte sich. Von dort aus ging es lange Zeit nur noch bergauf. Dennoch liefen wir erstmal durch eine dichte Nebelsuppe.



    Auf etwa 2000m kamen wir jedoch über die Wolken und genossen eine phänomenale Aussicht auf die vor uns liegende Bergkette.



    Gegen Mittag kamen wir an der Schutzhütte Punta de los Roques an, füllten die Wasservorräte auf und liefen weiter bis zum Pico de la Cruz, wo unser heutiger Übernachtungsplatz sein sollte. Dieser wird im Rother Wanderführer empfohlen. Der Weg war trotz der Höhe technisch einfach und bot immer wieder richtig schöne Ausblicke.





    Das Wetter wechselte zwischen Sonne und Wolkennebel ab. Auf der Ostseite wehte ein starker Wind. Wir kamen rechtzeitig am Pico de la Cruz an und bauten kurz vor Sonnenuntergang unser Decathlon-Zelt auf. Während des Aufbaus fing es an zu nieseln und der Wind war unangenehm, obwohl wir uns eine möglichst windgeschützte Stelle gesucht hatten. Die am besten geschützten Stellen waren für unser Zelt leider zu klein.
    So kochten wir diesmal in der Abside. In der Nacht wurden Wind und Regen zu einem heftigen Sturm. Es peitschte und heulte so richtig. Die Zeltwände bewegten sich mit dem Wind und an Schlaf war nicht wirklich zu denken. Am nächsten Morgen aßen wir im Zelt, da der Sturm leider nicht aufgehört hatte. Vorsichtig wuchteten wir unsere Rucksäcke nach draußen und begannen mit dem Abbau. Direkt nachdem wir die Stangen und Heringe entfernt hatten, begann es zu hageln. Na super! Meine Hände waren sowieso schon steifgefroren. Die von meinem Mann ebenso. Wir schafften es daher nicht das Zelt richtig in die Hülle zu stecken und mussten es außen an seinem Rucksack befestigen. Eigentlich wollten wir weiterlaufen, entschieden uns aber nach rund 400m dagegen und stiegen nach Barlovento ab. Der Wind war einfach zu stark, man konnte sich kaum noch auf den Beinen halten. Es hagelte und regnete die ganzen vier Stunden abstieg immer wieder. Der Pfad hatte sich stellenweise zu einem Bach verwandelt.



    Trotz des miesen Wetters war er landschaftlich schön.



    In Barlovento angekommen fuhren wir mit dem Bus nach El Paso und gelangten so in unsere zweite Airbnb-Wohnung. Dort konnten wir uns endlich aufwärmen. An dem Tag war es ganz schön kalt.
    Mein Mann hatte sich vor dem Urlaub eine Regenjacke von Arcteryx geleistet und war begeistert, weil er trotz des Regens trocken geblieben ist. Dies konnte ich von meinem Tatonka-Poncho leider nicht behaupten. Immerhin hat meine UL-Regenhose dicht gehalten. Ich hasse es nass zu werden! Warum ist es eigentlich für die Hersteller so schwer Regenbekleidung herzustellen, die kein Regenwasser hereinlässt?

    In El Paso blieben wir zwei Nächte und trockneten unser Zeug in der Sonne. Das tat nach der schlaflosen Nacht gut. Darauf führte uns unser Reiseplan in die Caldera de Taburiente, wo wir zwei Nächte reserviert hatten. Mit dem Bus fuhren wir bis Los Llanos und liefen den ganzen Weg bis zum Parkplatz bei der Barronco de Antiguas zu Fuß. Zuerst ging es sonnenexponiert zwei km steil eine Asphaltstraße hoch, die im Anschluss drei km bergab bis zum Parkplatz führte. Überhaupt gehen so gut wie alle Straßen und Wege auf La Palma bergauf bzw. bergab. Flach ist kaum eine. Die Insel ist ein einziger Berg! Für unsportliche Zeitgenossen ist sie kein geeignetes Reiseziel.

    Der Weg durch die Antiguasschlucht in die Caldera ist reizvoll.



    Unser Gastgeber in El Paso hat uns eine Beschreibung gegeben, wie wir mit möglichst wenigen Höhenmetern zum Zeltplatz gelangen. Aber nein, mein Mann musste ja unbedingt die Wege gehen, die rauf und runter führen, anstatt gemütlich durch die Barranco zu laufen. Dabei war mir mein Rucksack ohnehin zu schwer und meine Schultern schmerzten immer mehr. Gnädigerweise nahm er mir etwas von meinem Gepäck ab. So ging es sich schon leichter. Vor dem Schlussanstieg schauten wir uns die Cascada de Colores an, ein Wasserfall mit orangegelb gefärbtem Wasser.



    Mit letzten Kräften schaffte ich den Schlussanstieg bis zum Zeltplatz. Dort bauten wir direkt auf und zeigten dem Ranger unser Permit. Da die Benutzung eines Kochers nicht erlaubt war, mussten wir mit kalten Mahlzeiten vorlieb nehmen. Dafür hatten wir uns Wraps vorbereitet.

    In der Nacht hörten wir plötzlich einen Ohrenbetäubenden Knall. Es klang als wäre irgendwo eine Bombe eingeschlagen oder ein Berg ins Tal gefallen. Am nächsten Tag bei der Wanderung zur Cascada Fondada und zum Hoyo Verde stellte sich heraus, dass es tatsächlich einen massiven Hangrutsch gegeben hat. Vom Roque del Huso sind mehrere Felsbrocken in Autogröße heruntergefallen und haben die Kiefern entwurzelt.



    Vorsichtig wanderten wir daran vorbei und genossen die Ausblicke bei der Wanderung.





    Am Tag darauf brachten wir früh auf und liefen durch die menschenleere Barranco zurück. Auf dem Hinweg hatten wir sehr viele andere Wanderer gesehen. In Los Llanos nahmen wir den Bus nach Puntagorda. Blöderweise hielt dieser unten im Zentrum und der Campingplatz befand sich viele Höhenmeter weiter oben. In dem Ort geht es überall steil bergauf. Wie gesagt, die Insel ist ein Berg...

    Den Öko-Campingplatz La Rosa fanden wir menschenleer vor. Zwei Zelte und Wäsche auf Wäscheleinen zeugte aber von anderen Gästen. Also bauten wir unser Zelt auf und gingen erstmal einkaufen. Nach der Rückkehr war immer noch niemand da. Irgendwie gruselig das ganze. Online anmelden funktionierte nicht. Gegen acht sagte ich zu meinem Mann: "Heute kommt bestimmt keiner mehr" und auf einmal hörten wir ein Auto. Tatsächlich kam dann der Besitzer. Wir liefen ihm entgegen und teilten ihm mit, dass wir hier zwei Nächte bleiben wollen. Er erklärte uns wie man was nutzen konnte und verschwand dann wieder. Bezahlt haben wir am nächsten Tag.

    Auf Wunsch meines Mannes machten wir am Tag nach der Ankunft in Puntagorda bloß eine Tageswanderung nach Las Tricias und Burracas.



    Das Wetter war die ganze Zeit herrlich und vom Zeltplatz hatten wir Meerblick und konnten einen idyllischen Sonnenuntergang genießen.



    Als nächstes war der Plan einen Teil des GR 130 zu gehen, welcher laut dem Wanderführer im Norden der Insel besonders schön und wildromantisch sein soll. Dabei wollte ich einen Abzweig nach El Mudo und Juan Adalid vornehmen. Mit dem Bus fuhren wir bis Santo Domingo und liefen los. Ein Einheimischer sagte zu uns, wir sollten vorsichtig sein, da heute stürmischer Wind wäre. Der Wind war tatsächlich sehr stark. Aus dem Grund entschieden wir uns gegen den Abzweig nach El Mudo und Juan Adalid, denn der Weg dorthin wäre sehr exponiert gewesen.



    Zuerst war die Vegetation eher karg und wurde mehr und mehr zu einem dichten Wald. Er ging stetig rauf und runter. Zuerst in eine Barranco bis ganz nach unten und an der anderen Seite wieder hoch.



    Oben lief man wenige Meter durch ein kleines Dorf bis zur nächsten Barranco. Dort wieder rauf und runter. Sagte ich schon, die Insel ist ein einziger Berg? Doch jeder Höhenmeter lohnte sich bei den dramatischen Ausblicken in die wilden Barrancos und die steilen Klippen, die schroff ins Meer abfielen.



    Da die nächste Bushaltestelle in Franceses war, beeilten wir uns, denn der Bus fährt dort nur alle zwei Stunden. Von dort ging es zurück nach Puntagorda. Am Tag danach machten wir bloß eine kleine Wanderung bei La Zarza und ruhten uns den Rest des Tages aus.

    Da uns die Landschaft auf dem GR 131 so gut gefallen hatte und wir den Trek leider nicht beenden konnten, beschlossen wir es zu versuchen, per Anhalter bis zum Roque de los Muchachos zu kommen. Dazu fuhren wir mit dem Bus bis Hoyo Grande. Weiter kommt man mit den öffentlichen Bussen leider nicht. Wir hatte das Glück von einem sehr freundlichen Rentnerpaar mitgenommen zu werden. Nach einem angenehmen Gespräch verabschiedeten wir uns von ihnen und liefen den GR 131 bis zur Schutzhütte Punta de los Roques, wo wir die Nacht mit Einheimischen und anderen Reisenden verbrachten. Der Weg bis zur Hütte war landschaftlich phänomenal und sonnig.







    Von der Hütte aus konnten wir einen traumhaften Sonnenuntergang über den Wolken bestaunen.





    Am nächsten Morgen genossen wir ausgiebig die warme Höhensonne. Der letzte Wandertag führte uns hinab in die Wolken, wo auch der Regen begann. Von El Paso aus fuhren wir mit dem Bus nach Santa Cruz.

    Ich hoffe ihr hattet viel Spaß beim Lesen
    Geändert von Magna1990 (31.12.2019 um 15:35 Uhr)

  2. Dauerbesucher
    Avatar von Fabian485
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    AW: [ES] Wanderurlaub mit Zelt auf der kanarischen Insel La Palma

    #2
    Mega schöne Landschaft!
    Danke für die Eindrücke!

  3. Moderator
    Lebt im Forum
    Avatar von ronaldo
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    AW: [ES] Wanderurlaub mit Zelt auf der kanarischen Insel La Palma

    #3
    Sehr schön, danke fürs Mitnehmen!
    Hätt euch ja auch einer warnen können, dass die Insel ein einziger Berg ist (und dass es in den Höhenlagen oft lausig ist).

  4. Alter Hase
    Avatar von codenascher
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    AW: [ES] Wanderurlaub mit Zelt auf der kanarischen Insel La Palma

    #4
    Ja ziemlich tolle Tour die ihr da gelaufen seid. Einiges kenne ich, da wir im Februar 2016 auf der Insel weilten und einige Touren aus dem Rother Führer gelaufen sind! Wird Zeit das ich das mal nieder schreibe.

    Bin im Wald, kann sein das ich mich verspäte

    meine Weltkarte

  5. Anfänger im Forum

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    AW: [ES] Wanderurlaub mit Zelt auf der kanarischen Insel La Palma

    #5
    Kann mich nur anschließen. Sehr schöne Impressionen. Danke dafür.

  6. AW: [ES] Wanderurlaub mit Zelt auf der kanarischen Insel La Palma

    #6
    OT: Die ersten 6 Fotos sind nicht zu sehen, auch in der Galerie nicht. Vermutlich sind die nicht komplett hochgeladen.
    .

  7. Anfänger im Forum

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    AW: [ES] Wanderurlaub mit Zelt auf der kanarischen Insel La Palma

    #7
    Servus Magna,

    danke für deinen Reisebericht. Ich habe mich kurzerhand über den GR130 eingelesen.
    Ihr habt eine Stückelung vorgenommen und seidnicht den GR130 alleinig gelaufen, weil ein Teil öde und aufgrund des Verbots von Wildzelten (wie sieht's in der Praxis aus?) unattraktiv ist?

    Viele Grüße

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