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  1. Dauerbesucher
    Avatar von Intihuitana
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    Anders reisen - Leben in der Wildnis

    #1
    Disclaimer: Nein, das ist nicht der tausendste "zivilisationsmüder Großstädter wandert in die Wildnis aus" - Faden, sondern eine Idee für einen Ansatz, Natur anders zu erleben. Westentaschpsychologen, können also schnell wieder einpacken und sollten erstmal den Text lesen um zu verstehen um was es geht.

    In den letzten Jahren hatte ich das Glück viel zu reisen und autarke Touren in vielen Landschaften zu machen.
    So habe ich einiges von der Welt gesehen und die Natur in vielen Klimazonen auch unverfälscht erleben können und nicht durch die Brille geführter Touren oder irgendwelcher Themenpfade.
    Nichtsdestotrotz war ich immer nur ein Durchreisender. Ich bin immer nur von A nach B gegangen. Es musste irgendein Ziel angesteuert werden.
    Aber genau dann wenn ich gerade anfing mich in der Landschaft etwas wohl zu fühlen und sie und alle ihre Eigenarten zu verstehen, bin ich wieder weiter gezogen.
    Schon seit geraumer Zeit wächst in mir daher der Wunsch Outdoor anders zu erleben. Die reine Streckenwanderung von A nach B, reizt mich gar nicht mehr so sehr, sondern ich wünsche mir mal mehrere Wochen, oder gar Monate an mehr oder weniger einem Ort zu bleiben und das Gebiet so gut kennen zu lernen wie es nur geht.
    Ein paar Experimente in die Richtung habe ich bereits getätigt, wovon das umfangreichste vermutlich das Leben mit den Nomaden in Marokko gewesen ist, was mir auch ganz andere Einblicke in das Wüstenleben gewährt hat, als dies jemals durch reine Wanderungen möglich wäre.
    Dennoch waren meine bisherigen Versuche immer eher von recht kurzer Dauer, oder nahe bei menschlichen Siedlungen.

    Ich möchte für nächstes Jahr, daher den Versuch wagen mich länger in ein Wildnisgebiet zu begeben und dort zurecht zu kommen.
    Es geht dabei natürlich auch um Bushcrafttechniken, daher das Thema in diesem Unterforum. Zwar ist das was ich vorhabe in erster Linie ein Naturerleben, aber dabei gehört die Interaktion mit der Umwelt meiner Meinung nach einfach dazu.
    Ich möchte also, wenn ich mich in die Wildnis absetze mich zu mindest zu einem Teil auch selbst versorgen, mit Nahrungsmitteln aus der Natur, soweit dies in der Landschaft in die ich mich begebe natürlich möglich, machbar und auch nicht verboten ist.
    Allerdings wird ein Großteil der Versorgung und Ausrüstung, klassisch, wie beim Wandern, durch Vorräte stattfinden.
    Wie gesagt es ist kein Survival Himmelfahrtskommando.

    Stellt sich also die große Frage nach dem wie und dem wo.
    Als erstes würde den meisten, bei so einer Unternehmung vermutlich Sibirien oder Alaska in den Sinn kommen. Allerdings habe ich bisher keine Erfahrung in subpolaren Landschaften, daher würde so etwas zumindest für den ersten Versuch für mich ausscheiden. Ich würde dort tatsächlich erst mal genug Erfahrung durch Wandern sammeln wollen, bevor ich mir so etwas zutraue.
    Durch meine Reisen im Amazonasgebiet, bin ich allerdings in ein Gebiet gekommen, welches geradezu dazu einlädt zu bleiben.
    Die Regenwälder sind keine Landschaft, die man eben so durchquert, sondern sie öffnen sich einem erst mit der Zeit.
    Auch sind sie ein Freiluftbaumarkt und dem bastelfreudigen bieten sie nahezu unendliche Möglichkeiten sich auszutoben.
    Die enorme Biodiversität ist aber gleichzeitig auch ein Problem. Ich kenne leider viel zu wenige ess und nutzbare Arten und würde an vielem wohl einfach so vorbei laufen. Daher ist es geradezu Pflicht zumindest eine Zeit bei Einheimischen zu verbringen und von ihnen zu lernen, bevor ich mich allein in die Wildnis begebe.
    Die Wüste würde einem für solch ein Experiment wohl kaum in den Sinn kommen, aber mit etwas mehr Insiderwissen kennt man schon Ecken wo etwas mehr los ist. Natürlich, die großen Todeszonen kann man nur durchqueren, aber gerade wenn die Wüste eher zur Halbwüste wird und die Landschaft stärker gegliedert ist, bieten sich dort plötzlich viele Möglichkeiten.
    Der südliche Adrar oder das Tagant in Mauretanien, wären dahingehend, recht interessante Landschaften.
    Die Sahara kenne ich mitlerweile gut genug um mir das zu zutrauen.
    Der Aktionsradius wäre freilich viel größer als im Regenwald und man müsste eher längere Strecken laufen, zwischen den interessanten Stellen, mehr als Nomade leben.
    Die Idee mich dort irgendwo in der Wüste an einer Wasserstelle aussetzen zu lassen, hat für mich daher durchaus seinen Reiz.

    Über das Genaue wie und wo, möchte ich mir noch Gedanken machen. Andere Möglichkeiten wären natürlich auch nicht auszuschließen. Klar ist, dass ich es auf jeden Fall wagen werde und nächstes Jahr einen erste Anlauf starte.
    Ich bin mal gespannt, ob es hier dahingehend schon Erfahrungen gibt. Hat jemand schon so etwas ähnliches gemacht, oder hat interessante Tipps und Wissen zu vermitteln? Oder gibt es Leute, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben und die auch ein Bedürfniss haben, mehr zu wollen als das reine Wandern etc. (Kann auch gerne philosophisch werden)

  2. AW: Anders reisen - Leben in der Wildnis

    #2
    Ich fürchte, ich kann dir nicht viel helfen, aber ich finde dein "Projekt" interessant.

    Ich werde aufmerksam folgen.

  3. Moderator
    Alter Hase
    Avatar von TanteElfriede
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    AW: Anders reisen - Leben in der Wildnis

    #3
    ...bin da in Sachen schon gemacht auch raus.. werde aber hier sicher immer mal einen Blick werfen

  4. AW: Anders reisen - Leben in der Wildnis

    #4
    Zitat Zitat von Intihuitana Beitrag anzeigen
    Stellt sich also die große Frage nach dem wie und dem wo.... (Kann auch gerne philosophisch werden)
    Philosophisch steht vornehmlichst die Frage nach dem "Warum?"

    (...am Erfolg erkennt man die Motivation)

    Dein Bedürfnis nach Selbstverwirklichung (-entfaltung, -erkenntnis...) scheint die moderne Lebensweise nicht zu gewähren.
    Aus meiner Erfahtung - drei Monate (paddelnd) in Alaska auf dem Yukon waren entweder zu wenig oder nicht geeignet, mir die Grundfragen meiner Existenz zu beantworten sowie mich selbst in der Natur ursprünglich und authentisch zu erleben (verbunden mit der Hoffnung, dass dies mir dann auch unter sozialen engeren Bedingungen möglich sein wird)

    Ging dir ja bisher genauso???
    Zitat Zitat von Intihuitana Beitrag anzeigen
    Zwar ist das was ich vorhabe in erster Linie ein Naturerleben,... ...Dennoch waren meine bisherigen Versuche immer eher von recht kurzer Dauer, oder nahe bei menschlichen Siedlungen.
    Dir viel Erfolg!!!

    Thomas

  5. Dauerbesucher

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    AW: Anders reisen - Leben in der Wildnis

    #5
    Klingt spannend
    Beim Durchlesen eben fiel mir Tim Shaw ein, der mal im Val Grande überwintert hat. Ist zwar zivilisationsnäher als die von Dir erwähnten Regionen, aber vielleicht eignet sich die Ecke ja gerade deshalb auch für Dein Unterfangen..

  6. Lebt im Forum
    Avatar von Sarekmaniac
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    AW: Anders reisen - Leben in der Wildnis

    #6
    Mir fiel der User Feurio ein:

    Klick.
    Wir sind alle ein wenig beim Leben zu Gast
    Das Leben ist reine Gewohnheit
    (Anna Achmatowa)

  7. Alter Hase
    Avatar von LihofDirk
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    AW: Anders reisen - Leben in der Wildnis

    #7
    Zitat Zitat von Intihuitana Beitrag anzeigen
    ...
    Schon seit geraumer Zeit wächst in mir daher der Wunsch Outdoor anders zu erleben. Die reine Streckenwanderung von A nach B, reizt mich gar nicht mehr so sehr, sondern ich wünsche mir mal mehrere Wochen, oder gar Monate an mehr oder weniger einem Ort zu bleiben und das Gebiet so gut kennen zu lernen wie es nur geht.

    ...

    Ich möchte für nächstes Jahr, daher den Versuch wagen mich länger in ein Wildnisgebiet zu begeben und dort zurecht zu kommen.
    Es geht dabei natürlich auch um Bushcrafttechniken, daher das Thema in diesem Unterforum. Zwar ist das was ich vorhabe in erster Linie ein Naturerleben, aber dabei gehört die Interaktion mit der Umwelt meiner Meinung nach einfach dazu.
    Ich möchte also, wenn ich mich in die Wildnis absetze mich zu mindest zu einem Teil auch selbst versorgen, mit Nahrungsmitteln aus der Natur, soweit dies in der Landschaft in die ich mich begebe natürlich möglich, machbar und auch nicht verboten ist.
    Allerdings wird ein Großteil der Versorgung und Ausrüstung, klassisch, wie beim Wandern, durch Vorräte stattfinden.
    Wie gesagt es ist kein Survival Himmelfahrtskommando.

    ...

    Durch meine Reisen im Amazonasgebiet, bin ich allerdings in ein Gebiet gekommen, welches geradezu dazu einlädt zu bleiben.
    Die Regenwälder sind keine Landschaft, die man eben so durchquert, sondern sie öffnen sich einem erst mit der Zeit.
    Auch sind sie ein Freiluftbaumarkt und dem bastelfreudigen bieten sie nahezu unendliche Möglichkeiten sich auszutoben.
    Die enorme Biodiversität ist aber gleichzeitig auch ein Problem. Ich kenne leider viel zu wenige ess und nutzbare Arten und würde an vielem wohl einfach so vorbei laufen. Daher ist es geradezu Pflicht zumindest eine Zeit bei Einheimischen zu verbringen und von ihnen zu lernen, bevor ich mich allein in die Wildnis begebe.

    ...
    Habe mal Deinen Beitrag auf die Punkte reduziert, zu denen ich beitragen kann.


    Mit Bushcraft Techniken in der Wildnis leben geht gut, wenn Du wirklich an einem Ort bleiben willst. Strecke machen und aus der Natur leben scheitert in der Regel an dem Zeitaufwand für die Nahrungsbeschaffung. Wenn Du Dich konventionell zuverpflegst wird die Zeit zum Reisen grösser, als wenn Du immer den Vorrat auffüllen musst.
    Wenn Du aber an einem Ort bist und dort nach geeignetem Standlagerplatz und Nahrungsquellen Ausschau hälst wirst Du diese Gegend durchaus bewusster erleben als nur beim blosen Durchstreifen.

    Das Amazonasgebiet (mir nicht direkt bekannt, aber der Regenwald in französisch Guayana ist sicher ähnlich) bietet sicher hinreichend Ressourcen. Vor allem die Idee mit einem (vertrauenswürdigen) Einheimischen (bei mir waren es dort länger stationierte Ausbilder) als Lehrer macht Sinn. Die können einem wirklich die Augen öffnen. Nicht nur was das Nahrungsangebot angeht, sondern auch für das Wahrnehmen von Möglichkeiten.

    Viel Erfolg.

  8. Erfahren
    Avatar von EbsEls
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    AW: Anders reisen - Leben in der Wildnis

    #8
    Literaturhinweis zum Thema:
    Panjamon: Ich war ein Kopfjäger von Jean-Yves Domalain

    Ich habe dieses Buch damals Anfang der 90er in einer Nacht durchgelesen und es danach durch Verleihen verloren
    Viele Grüße aus Thüringen (oder von Sonstwo)
    Eberhard Elsner

  9. Lebt im Forum
    Avatar von Ditschi
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    AW: Anders reisen - Leben in der Wildnis

    #9
    Zitat Intihuitana:
    Disclaimer: Nein, das ist nicht der tausendste "zivilisationsmüder Großstädter wandert in die Wildnis aus" - Faden, sondern eine Idee für einen Ansatz, Natur anders zu erleben. Westentaschpsychologen, können also schnell wieder einpacken und sollten erstmal den Text lesen um zu verstehen um was es geht.
    Nun habe ich Deinen Disclaimer gelesen und mir vorgenommen, erst mal den Text zu gelesen und zu verstehen, um was es geht.

    Dann , im Zitat etwas verkürzt, :

    Zitat Intuitana:
    Ich möchte für nächstes Jahr, daher den Versuch wagen mich länger in ein Wildnisgebiet zu begeben und dort zurecht zu kommen.
    Es geht dabei natürlich auch um Bushcrafttechniken, daher das Thema in diesem Unterforum.
    M.E. hält Dein Vorhaben nicht so recht, was der Disclaimer erwarten läßt. Was unterscheidet denn nun Dein Vorhaben von dem aller anderen mit ähnlichen Ideen ? Ich habe verstanden, daß Du Dich da irgendwie von irgendwem absetzen möchtest. Ich finde aber nicht, daß Dir gelungen ist, signifikant herauszuarbeiten, wodurch.

    Einen Unterschied sehe ich , aber weniger im " Warum" , als im " Wie": Du bist viel rumgekommen und hast Erfahrungen sammeln können. Du wirst so ein Vorhaben nicht so unbedarft angehen wie viele Deiner Vorgänger , die ohne jede Erfahrung von winterlichem bushcraft in borealen Wäldern träumen, um dort die Rinde von den Bäumen zu nagen. Aber der Impetus scheint mir der gleiche zu sein.

    Ditschi

  10. Dauerbesucher

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    AW: Anders reisen - Leben in der Wildnis

    #10
    Ein interessanter Ansatz, aber nach meinen begrenzten Einblicken in derartige Landschaften nur sehr begrenzt realisierbar.

    Wodurch zeichnen sich diese Landschaften denn aus - im Grunde ist es immer eine ausgeprägte Kargkeit/Mangel an Mitteln zum Überleben. Auch im Dschungel ist es ja nicht so, das du alle Resourcen in Hülle und Fülle hast und deine Verletzlichkeit steigt proportional zum externen Nahrungsangebot (und du wirst ein Teil davon... ).

    Ich stelle mir dann immer die Frage, warum die Menschen dort auf einen Zusammenhalt in einer Gruppe so sehr, sehr großen Wert legen. Einzelgänger, und das wärst du dann ja, wirst du dort kaum mal finden - und wenn dann eher als Ausgestoßene denn als Freiwillige.
    In der Mongolei habe ich eine Antwort darauf erlebt - wenn du dort (dauerhaft) leben möchtest geht das nur im Verbund mit Anderen. Alleine hast du nur die begrenzte Zeit vom späten Frühjahr bis in den Herbst hinein eine gewisse Überlebenschance. Nahrung aus der Landschaft gewinnen -- sehe ich nur in wildreichen Waldgebieten realistisch. Und für die kalte Jahreszeit mußt du im Sommer Vorräte und Brennmaterial ranschaffen, Vieh vorbereiten und eine passende Behausung (der Landschaft und dem Klima angepasst) erstellen. Ohne dieses wirst du den Winter nicht überleben.

    Wenn du so ein Erleben möchtest würde ich mich für eine längere Zeit "Einheimischen lose anschließen" und mit ihnen leben, an ihren Gebräuchen teilnehmen und das Leben mit Ihnen teilen. So wirst du in die Landschaft dort eintauchen können - weil sie es selber ja auch tun. Und als temporärer Exot hast du genug Freiheiten durch die Landschaft zu ziehen.

    Wenn du dagegen "ganz Alleine in der LAnschaft" sein willst sehe ich die beste Chance in äußerst schwach besiedelten Regionen, die aber durch wildreiche Wälder deine Ernährung sichern können und klimatisch dir ermöglichen, in einem einfachen Blockhaus zu leben.

  11. Dauerbesucher
    Avatar von Intihuitana
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    AW: Anders reisen - Leben in der Wildnis

    #11


    @Ditschi

    Oh Mann...
    Der Unterschied ist erstens, dass es bei mir ein intrinsisches Interesse am Leben in der Wildnis ist.
    Es ist die bloße Neugier die mich antreibt. Weder renne ich vor irgendwelchen Problemen, die ich nicht habe, davon, noch will ich eine neue Zivilisation gründen oder so einen Unsinn.
    Zweitens, ich schrieb doch, dass ich so etwas temporär machen möchte. Ich male mir nicht so eine Aussteigergeschichte aus.
    Nach der Reise komm ich zurück, geh Geld verdienen und sparen mir mein nächstes Abenteuer zusammen.

    Darum kann ich auch mit dem "warum" nicht viel anfangen. Ich hab Interesse das zu auszuprobieren und zu gucken was passiert.
    Das Warum ist etwas was man sich am Sterbebett einreden kann um sich sein Leben wichtig zu reden.

  12. Lebt im Forum
    Avatar von Ditschi
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    AW: Anders reisen - Leben in der Wildnis

    #12
    Gut. Danke. Damit hast Du Dich von einem Teil Deiner Vorgänger abgegrenzt, aber natürlich nicht von allen. Nicht von denen, die mit dem gleichen Anspruch angetreten sind wie Du. Im " Disclaimer" klang so ein Anspruch nach Exklusivität durch. " Hier ich, da die anderen". Auch wenn Dich das " Warum" nicht interessiert: einen Grund hat man immer. Sonst würde man es nicht tun. Kann man ein " Warum" überhaupt ausschließen ? Aber Du hast es ja begründet.

    Ich habe begriffen, daß Naturerlebnis und Neugier im Vordergrund stehen, nicht irgendeine Form von "Flucht in die Selbstverwirklichung".
    ( Das Wort " Selbstverwirklichung " hast Du auch nicht gebraucht, sondern atlinblau in post 2) . Das finde ich einen positiven Ansatz und wünsche Dir gutes Gelingen, wo auch immer.

    Jetzt schulde ich vielleicht noch eine Erklärung, warum ich eine "Flucht in die Selbstverwirklichung" durch bushcraft und /oder survivel irgendwo in der Wildnis auch für töricht halten würde: wo, um alles in der Welt, kann man sich besser selbst verwirklichen als in der sozialen Umgebung, in die man hineingeboren wird und lebt ? In Deiner sozialen Umgebung benögtigst Du alle Deine mentalen Fähigkeiten, um nicht zu scheitern. Mehr als in jeder Wildnis. Fehlen sie, scheiterst Du hier wie dort. Wo soll`s denn herkommen? Es gibt Dinge, vor denen kann man nicht weglaufen, weil man sie überall mit hinträgt.

    Ditschi
    Geändert von Ditschi (04.12.2019 um 19:42 Uhr) Grund: Man findet immer mal wieder Tippfehler

  13. Fuchs
    Avatar von Meer Berge
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    AW: Anders reisen - Leben in der Wildnis

    #13
    Eine Bekannte (leider länger schon keinen Kontakt mehr) hat vor Jahren ein ganzes Jahr in den Wäldern Nordamerikas oder Südkanadas verbracht.
    Allerdings unter "kontrollierten Bedingungen":
    Da gibt es eine Organisation. Dort bewerben sich eine Anzahl von Menschen, die dieses Jahr "aussteigen" wollen.
    Die Organisation stellt ein Territorium zur Verfügung, die Sache muss ja legal sein.
    Und am Beginn jedes Monats wanderte die Gruppe hinaus aus ihrem Wald (dauerte wohl so 2 Tage) zu diesem Base Camp. Hier wurden sie auf den kommenden Monat vorbereitet: Was wird es Essbares zu finden geben, wie kann man es ernten und haltbar machen/lagern, was gibt es noch zu bedenken, ...
    Mit diesen Infos konnten sie im Wald weitermachen. Ich erinnere mich, dass sie erzählte, dass sie ein Kanu gebaut haben, um in einem recht entfernten See Fische zu fangen und wilden Reis zu ernten. Sie haben Fallen für Tiere gebaut und natürlich eine Hütte für den Winter. Insgesamt waren es wohl 7 Leute. Und ich erinnere mich, dass man die auch brauchte, weil dadurch eine Arbeitsteilung möglich wurde. Einer konnte fischen, während ein anderer Feuerholz sammelte, wieder ein anderer die Fallen im größeren Umkreis kontrollierte und zwei die Hütte reparierten - je nach dem, was halt anfiel. Das Projekt startete - meine ich - im Frühsommer und ging 12 Monate lang, also einen ganzen Jahreszyklus.
    So haben sie also einerseits von extern einiges Wissen und Tipps bekommen, mussten die dann aber eigenständig umsetzen.

    Ich dachte mit damals auch, ich hätte vermutlich mehr Probleme damit, mit einer handvoll fremder Menschen so intensiv zusammenzuleben als mich alleine durchzuschlagen, aber sie meinte, alleine hätte einer die Arbeit nicht geschafft - oder es wäre sehr schwer geworden. Alleine schon eine solide Hütte und ein Boot zu bauen ist alleine nicht ganz einfach.

    Die Organisation könnte man jetzt durch eine Gruppe Eingeborener ersetzen, bei und von denen man immer wieder lernen könnte. Hier könnte man sich evtl. ab und zu Hilfe holen bei Arbeiten, die alleine schwer gelingen, und hätte auch einen Anker bei Verletzungen oder schwererer Krankheit etc.

    Begibst du dich in eine tropische Umgebung, hast du zumindest nicht das Problem der Jahreszeiten und damit wechselnder Reichhaltigkeit und Angebot von Nahrung sowie Vorratshaltung für den Winter.

    Ich würde mir durchaus zutrauen, bei uns mit den mir bekannten Pflanzen während der Vegetationsperiode zu überleben, aber mit unbekanntem Angebot ...

    Klingt interessant.
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    Das Wetter, das man jeden Morgen in sich selber macht, ist viel wichtiger als das Wetter draußen. Fynn

  14. Alter Hase

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    AW: Anders reisen - Leben in der Wildnis

    #14
    Meine Cousine hatte nach ihrem Studium so etwas Ähnliches gemacht. Einen Vertrag mit dem Landeigentümer in Kanada. Sie durfte auf seinem Land leben und sich drum kümmern. Sie wurde dort mit einem Wasserflugzeug abgesetzt. Eine Grundausstattung an Werkzeug etc. wurde abgeworfen. Und dann musste als erstes ein Blockhaus gebaut werden.

    Drei Jahre lang gefiel ihr das ziemlich gut. Dann kam sie wieder nach Hause.

    Den Hinweis mit der Legalität finde ich interessant. Dünn besiedelte Gegenden "gehören" meist trotzdem jemandem. Und ich kenne keine Wasserstelle in der Wüste, die niemandem gehört. Insofern würde ich mich auch dem Vorschlag, sich dort einfach einer Gruppe von Anwohnern anzuschließen.

  15. Fuchs
    Avatar von Pielinen
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    AW: Anders reisen - Leben in der Wildnis

    #15
    Ich finde es eine super Idee, wenn man die Möglichkeit hat, nicht nur irgendwo durchzureisen, sondern eben „einzutauchen“, nicht für immer, aber eben für eine längere Zeit.
    Du hast bestimmt schon eine konkrete Idee.
    Wer nichts weiß muss alles glauben...

  16. AW: Anders reisen - Leben in der Wildnis

    #16
    Zitat Zitat von Ditschi Beitrag anzeigen

    Ich habe begriffen, daß Naturerlebnis und Neugier im Vordergrund stehen, nicht irgendeine Form von "Flucht in die Selbstverwirklichung".
    ( Das Wort " Selbstverwirklichung " hast Du auch nicht gebraucht, sondern atlinblau in post 2) . Das finde ich einen positiven Ansatz und wünsche Dir gutes Gelingen, wo auch immer.


    Ditschi
    Selbstverwirklichung ist für mich keine Flucht - sondern eine Suche.
    Die Selbsterfahrung - ich alleine in der Natur - passt ggf. besser,
    eine Art befristete lokale Autonomie.

    Thomas

  17. Alter Hase
    Avatar von Abt
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    AW: Anders reisen - Leben in der Wildnis

    #17
    Na, der hier https://de.wikipedia.org/wiki/Jo_Bentfeld. Vielleicht mal zu einer Buchlesung gehen.
    Vielleicht kommt er den Winter mal her

  18. Dauerbesucher
    Avatar von Intihuitana
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    AW: Anders reisen - Leben in der Wildnis

    #18
    Interessante Biografien, die ihr da teilweise vorstellt. Sehr inspirierend und zeigt, was theoretisch möglich alles wäre.

    Diese Idee irgendwo in einem Gebiet mit ausgeprägten Jahreszeiten einen kompletten Jahreszyklus zu erleben ist auch etwas sehr schönes, was ich mir oft vorgestellt habe.


    Dauerhaft an einem Ort, wäre mir denke ich irgendwann zu öde. Ich bin da zu sehr ADHS Kind für.

  19. Fuchs
    Avatar von Pielinen
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    AW: Anders reisen - Leben in der Wildnis

    #19
    Schaut euch nur mal die schönen Hütten an in Berniehh‘s aktuellen Rocky-Mountain-Bericht an!
    Wer nichts weiß muss alles glauben...

  20. Erfahren
    Avatar von Fjellfex
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    AW: Anders reisen - Leben in der Wildnis

    #20
    Auch von meiner Seite "alles Gute" für Dein Projekt!

    Ich musste spontan an den Norweger Jens Kvernmo denken - der war von klein auf fasziniert von Helge Ingstad, einer norwegischen Outdoor-Legende, der einige Zeit als Jäger und Fallenstellen in Kanada verbracht hat. Sowas hat sich der Jens Kvernmo auch vorgenommen und sich umfangreichst darauf vorbereitet:

    Zunächst hat er einen ganzen Winter in einer Hütte im heimatlichen Skjaekerfjell verbracht, um zu testen, wie er mit dem Alleinsein klar kommt.

    Nachdem das funktioniert hat, hat er den ganzen folgenden Winter in der Region Sylan/ Sylarna verbracht. Diesmal wollte er auch öfter mal im Zelt schlafen und sich weitgehend selber mit Essen versorgen.
    (Hierzu gibt es eine mehrteilige Doku im norwegischen Fernsehen: https://tv.nrk.no/serie/vinterdroemmen )

    Nachdem auch das geklappt hat, übte er sich den ganzen folgenden Winter im Führen eines Hundeschlittengespannes - auf einer langen Tour von Nordnorwegen zu sich nach Hause in Tröndelag.
    (Auch hier gab´s was im Fernsehen: https://tv.nrk.no/serie/jens-i-villmarka )

    Nachdem auch das geklappt hat, sah er sich hinreichend gerüstet für seinen Traum: zur Zeit ist er in Kanada.

    Derart umfangreich können sich wohl die wenigsten auf so ein Unterfangen vorbereiten... aber es ist definitiv kein Nachteil, so gut wie möglich die Bewältigung der zu erwartenden physischen und mentalen Herausforderungen "trainiert" zu haben.

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