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    [NO] Nordland: Svartisen, Variationen am Grensleden und mehr…

    #1
    Mitreisende: TilmannG
    Im heißen Sommer 2019 mit meiner Frau Susanne unterwegs.

    Vorweg: Für mich waren es nach Grönland 2017 die ersten harten Rucksacktouren. Im März 2018 hatte ich mir auf Skitour in einer an sich harmlosen Lawine ein Knie verdreht: Kreuzbandriss mit komplexen Begleitverletzungen. Das Knie ließ sich lange nicht beugen und konnte daher erst nicht operiert werden. Im Juni wurde in einer ersten OP ausgeräumt und 50% des Meniskus entfernt. Das Kreuzband wurde dann erst im Oktober ersetzt.
    Ab Ostern 2019 war ich wieder fußläufig unterwegs (auch Norwegen), Ski waren noch verboten. Es bestand noch eine erhebliche Disbalance in der Muskulatur. Zwischen Ostern und Sommer konnte ich diese mit 20 Wochenstunden Sport (Fahrrad, Mucki-Bude) und selbstgebastelten Reha-Übungen einigermaßen ausgleichen. Im Sommer fühlte ich mich dann sehr fit, war aber unsicher, was das Knie zu hohen Gewichten im weglosen Gelände so sagt. Aber die Lust auf Zelttouren und anspruchsvolles wegloses Gelände war da. Daher haben wir Routen ausgesucht, die Ausstiegsmöglichkeiten bieten und von der Länge her nicht überhart sind. Die Anreise erfolgte mit dem PKW, um im schlechten Fall auch etwas anderes unternehmen zu können.
    Vorher hatte ich noch 2x3 Tage in den Alpen mit leichten Hochtouren und anspruchvollen Wanderungen. Nach der ersten Runde dort hatte das verletzte Knie völlig zugemacht und war wieder sehr steif. Es war also ungewiss, was so geht, aber wir wollten es einfach probieren.

    Auf meiner website gibt es im blog eine Galerie mit höher aufgelösten Fotos vor grauem Hintergrund

    In diesem Bericht wird es vier Abschnitte geben:

    I. Svartisen
    Die Umrundung des östlichen Eisfeldes auf Slartis Route. Mit einer Gipfeleinlage und Abkürzung am Schluss.
    Unsere Route - map
    (Kein GPS-Track! Alle Routen sind handgemalt, zwar mit Sorgfalt, aber nachträglich)


    II. Zwischen Rago NP und Storå entlang der Grenze.

    Meist auf der Route von Vobo 2017, mit Variationen von BernieHH und eigenen.
    Unsere Route - map
    (Kein GPS-Track! Alle Routen sind handgemalt, zwar mit Sorgfalt, aber nachträglich)


    III. Tagestouren auf Steigen und Engeløya



    IV. Noch eine kurze Tour ins Lurfjell südlich von Bodø
    Diese Route - map
    (Kein GPS-Track! Alle Routen sind handgemalt, zwar mit Sorgfalt, aber nachträglich)
    Geändert von TilmannG (22.03.2020 um 09:31 Uhr)

  2. Dauerbesucher

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    AW: [NO] Nordland: Svartisen, Variationen am Grensleden und mehr…

    #2

    I. Ums schwarze Eis bei 30°C

    1. (halber)Tag (27. Juli) Hochwasser

    Den Vormittag verbrachten wir noch auf der Straße, waren um 6 Uhr am Mayavatnet gestartet und haben die Klimaanlage bald angemacht. Schon im Røvassdal hatten uns die Wasserstände nicht wirklich gefallen, die Svartisåga kam mit ihrem Flussbett nicht ganz aus. Ein schneereicher Winter und die aktuelle Hitzewelle zeigen Wirkung. Der Svartisvatnet hatte dann natürlich auch Hochwasser, der Pfad am Ufer war gesperrt. Wir mussten also das Touristenboot nutzen. Die anderen Fahrgäste sind zum Gletscher geeilt, wir trotteten hinterher. Ein Fallwind kommt zwar vom Eisfeld, es hat sich trotzdem wie im Heißluftföhn angefüllt. Bald konnten wir den Weg verlassen, schnell waren die Touristen nicht mehr zu sehen. Auf Felsplatten ging es meist bequem oberhalb des Austerdalsvatnet dahin, gelegentlich von kleinen Absätzen unterbrochen. Und immer wieder lief Schmelzwasser aus Schneefeldern über den Granit. Wirklich glatt ist es aber nur dort, wo Wasser permanent läuft und dicke schwarze Algen wachsen, nach einiger Zeit kann man das lesen. Richtig unheimlich bzw. schlicht schlecht wurde es mir beim Blick in die Strudellöcher, die den See künstlich regulieren.









    Nach nur wenigen Stunden lockte fast am Ende des Sees eine kleine Halbinsel mit einem schönen Zeltplatz. Ganz friedlich war es freilich nicht, gegenüber brüllte der Gletscherfluss des Austerdalsisen. Wenn das im Vesterdal auch so zugeht, kann diese Tour ganz schnell beendet sein.







    2.Tag (28. Juli) Buschhacken und Wassertreten

    Früh sind wir unterwegs, in der kurzen Nacht hat es ein bisschen abgekühlt. Den Zufluss zum Austerdalsvatnet furten wir zweimal und ohne Probleme. P 302 (die Wasserscheide im Austerdal) passieren wir nördlich und steigen anschließend an der nördlichen Talseite hinunter. So vermeiden wir (fast) die Kletterstellen, handeln uns dafür aber wüstes bushwhacking an steilen Hangtraversen ein (Gegenläufig wäre diese Routenwahl wohl zu steil). Kurz geht es in der Talsohle und südlich des Baches mal besser, dann wechseln wir wieder in das Busch- und Sumpfgelände der orogr. rechten Talseite. P 240 beschert uns tolle Aussicht und einige zusätzliche Steilstufen, die umgangen oder beklettert werden wollen (besser nördl. umgehen). Im Zickzack, immer wieder Felsabsätze durchs Buschwerk umgehend, erreichen wir schließlich einen Felskopf am Glomdalsvatnet.




    bei P240, im Talschluss, rechts über Susanne P302

    Wir müssen kurz durch den Fluss und genießen die Abkühlung so sehr, dass wir gleich im See weiterlaufen. Immer auf einer Sandbank, das Wasser meist satt bis zum Oberschenkel. Fast 1km sind wir so am kneippen, dann bricht die Sandbank plötzlich steil ab (an der Felsklippe westl. des Ferienhauses). Bevor ich mit Rucksack in der Tiefe des Sees verschwinde, kann ich das gerade noch erkennen. Also zurück zum Ferienhaus, das die Besitzer bevorzugt per Boot anlaufen. Wir schwimmen noch eine Runde, dann können wir oben am Haus im brusttiefen Gras einen kleinen Pfad ertasten, der uns über die Klippe zur Bucht mit der Bootshütte führt. Ein deutlicherer Pfad führt hinauf zum ehemaligen Hof, der wohl als größeres (Schul?)-Ferienheim genutzt wird. Es ist niemand da und alles zu. Wir dösen im Schatten vor uns hin und ziehen nachmittags weiter.







    Für Mo I Rana sind heute 30°C im Schatten angesagt, die wird es hier auch haben. Schatten hat es erstmal auch, während wir auf dem netten Pfad zum Pikhaugan schwitzen. Den Schatten mögen aber auch die Mücken und es gibt heftige Attacken von Bremsen. Auf dem Pikhaugan flimmert dann die Luft wie in der Wüste. Susanne leidet, ich schaffe immer noch mal ein paar extra Schritte um hinab ins Glomdal zu gucken - ein tolles Ziel für Bergsteigen und Packrafting.





    Am Øvre Pikhaugvatnet nutzen wir dann die erste Gelegenheit zum campen und liegen erstmal platt im Schatten des Zeltes. Abends kraul ich noch durch den See und auch Susanne ist wieder fit für einen kleinen Aussichts-Spaziergang. Und wir inspizieren die idyllische Mini-Hütte des Staatsforstes.
    Es war ein langer Tag mit richtig hartem Gelände im Austerdalen. Ich bin super glücklich, der Härtetest scheint bestanden. Das Knie ist schmerzfrei, die Muskulatur trotz der Strapazen nicht verspannt.



    Geändert von TilmannG (20.11.2019 um 00:08 Uhr)

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    #3
    3.Tag (29.Juli) Zwischen den Eiskappen

    Entlang des Sees und dann auf Gras leicht abfallend geht es flott dahin. Ca. 100m vor dem Fluss, der vom Kampliis herunterkommt, führen Steinmänner ins Birkengestrüpp. Auf letzten Pfadspuren, immer mal von Felsabsätzen unterbrochen, geht es steil hinab in die Talsohle. Die erste Furt heute durch den Gletscherfluss ist offensichtlich, viele kleine und fünf weitere seriöse sollten folgen. Übers Geröll stolpern wir entlang des Flatisvatnet, immer wieder müssen wir hinüber zu den Gletscherzungen schauen - oder was davon übrig geblieben ist, denn überall strömt das Schmelzwasser.











    Im Vesterdalen läuft es sich erst mühsam, dann wird es flacher und ein bisschen zügiger. Die letzten beiden Flüsse, die beim Nunatak vom östl. Svartisen herunter strömen, zwingen uns zu Anstiegen am Hang, um Furtmöglichkeiten zu finden. Die Furten sind schwer, das Wasser hat viel Druck, kommt direkt aus dem Gletscher und ist entsprechend eisig.


    Hauptfluss


    Rückblick


    Rückblick ungefähr beim nedre Terskaldvatnet


    Und es war doch schonmal jemand hier und hat sein Mützchen verloren...

    Der nedre Terskaldvatnet ist (entgegen der neuen Karte) per Stollen ins Stauseesystem eingebunden, er hat keinen Abfluss mehr und ist um 7-10m abgesenkt. Das ist schon eine Weile her, die Wunden sind verheilt und es gibt einen schönen Zeltplatz - eine fast idydllische Oase zwischen Eiskappen und dem überall strömenden Wasser.





    Geändert von TilmannG (19.11.2019 um 23:52 Uhr)

  4. Erfahren
    Avatar von Fjellfex
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    AW: [NO] Nordland: Svartisen, Variationen am Grensleden und mehr…

    #4
    Wow - das sind erstklassige Bilder von einer knackigen Tour in einem vertrauten und geliebten Gebiet ... bin dabei!

    Deine Übersichtskarte kann ich leider nicht anschauen: zuerst muß man sich bei google anmelden, und dann braucht´s noch eine Berechtigung ... aber egal: Deine Beschreibung ist so exakt, daß man´s auch auf norgeskart gut nachverfolgen kann.

    Die Selbstheilungskräfte des Körpers sind schon faszinierend... und wenn man die Aussicht auf so eine Tour hat, dann auch die Motivation für´s Reha-Programm.

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    AW: [NO] Nordland: Svartisen, Variationen am Grensleden und mehr…

    #5
    Danke!
    Die Karten habe ich eben freigegeben, müsste jetzt für alle funktionieren.

    Grüße von Tilmann

  6. Erfahren

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    AW: [NO] Nordland: Svartisen, Variationen am Grensleden und mehr…

    #6
    Das sieht doch schonmal sehr vielversprechend aus, freue mich auf euren Bericht.

  7. Erfahren
    Avatar von HO
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    AW: [NO] Nordland: Svartisen, Variationen am Grensleden und mehr…

    #7
    Danke für den schönen Bericht! Die Strudellöcher sind schaurig! Gibt es dort ein Stollensystem zur Stromgewinnung?
    Freue mich auf mehr

    Gruß! Gert

  8. AW: [NO] Nordland: Svartisen, Variationen am Grensleden und mehr…

    #8
    Sehr schönes Gebiet. Gerade das Glomdalen ist mit den Gletschern zu beiden Seiten schon sehr beeindruckend. Ich bin 2014, auch in einem brutal heißen Sommer da durch. Die üblen Bremsen habe ich noch sehr gut in Erinnerung. Wir sind damals komplett unten am Fluss gelaufen, wodurch wir dann doch sehr langsam vorangekommen sind.

    Ich bin mal so frei und hänge ein Bild vom Bjørnefossen am Flatisvatnet dazu, der war bei dir wohl leider fies im Gegenlicht:


    Bin gespannt wie es weiter geht.

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    AW: [NO] Nordland: Svartisen, Variationen am Grensleden und mehr…

    #9
    4.Tag (30. Juli) weißer Sumpf

    Um 5.30 Uhr laufen wir los, es ist angenehm frisch. Im kurzen Zufluss vom Kjølvatnet markieren Steinmänner eine Furt, doch der Fluss hat viel Druck dort und die Tiefe ist nicht einsehbar. Direkt im Ausfluss vom Kjølvatnet geht es ganz gut, zwar bis zur Unterhose im Eiswasser, aber sonst gut kalkulierbar. Den øvre Terskaldvatnet lassen wir aus und passieren P 816 nördlich. Das weitere Gelände ist unübersichtlich, aber beim Bach, der in See 720 hinunter läuft, wissen wir wieder wo wir exakt sind. Am Sattel südl von P 957 gibt’s Pause und gute Aussicht (aber Bernie hatte schöneres Licht hier ;).




    Storglomvatnet




    Kjølvatnet und Snøtinden

    Der Übergang zum Gletscher zieht sich ein bisschen, um 9.00 Uhr stehen wir auf dem Eis. Erst ist es aper, noch seilfrei geraten wir ein bisschen zu hoch und müssen immer mehr Spalten umlaufen. Dann legen wir doch das Seil an - und sind sehr froh darum. Inzwischen laufen wir nur noch im Wasser, unter einer dünnen Schneedecke ist totaler Sumpf. Es ist nicht mehr erkennbar, wo Spalten oder Schmelzwasserrinnen verlaufen. Die Löcher sind auf diesem Gletscher sicher moderat dimensioniert, das kurze 30m Halbseil erscheint mir ein akzeptabler Kompromiss, aber ohne würde ich hier keinen Schritt mehr laufen.
    Dann wird die Auflage etwas kompakter, es bleibt anstrengend und die Sonne knallt schon wieder erbarmungslos. Die Idee, den Istind noch mitzunehmen, haben wir längst aufgegeben. Eine große Rentier-Herde scheint etwas leichtfüßiger unterwegs gewesen zu sein...


    Spidstinden im Hintergrund





    Die Zunge, die uns nun zügig hinunter zum Bogvatnet führt ist interessanterweise bis unten kompakt verfirnt (währende der parallele Fingerbreen komplett ausgeapert ist).
    Unterwegs entdecke ich eine Möglichkeit, auf die beiden Gipfel 1564 südl des Spidstind hinauf zu kommen, und so bleiben wir am See. Die Nachmittag verbringen wir dösend und versuchen, im Zelt Schatten zu finden.

    5. Tag (31.Juli) Gipfel-Dreieck

    Schnell wird das Zelt am Rand des Fluss-Deltas kleiner, auf den steilen Wiesen-Hängen kommen wir gut voran. Sie führen hinauf auf den Rücken, der von unserer Gipfelgruppe nach Osten zieht. Kurz bevor wir den Scheitel erreichen, schaut eine Rentier-Mama mit ihrem Jungen um die Ecke. Sie trägt einen dicken Sender am Hals, beide sind schnell wieder verschwunden, wohin wissen wir nicht, den auf der anderen Seite geht es steil hinab auf den zerrissenen Gletscher.





    Wir folgen nun dem Rücken, eine kurze Kletterstelle, ein steiles Firnfeld, dann führen sanfte Hänge zum ersten Gipfel. Dort entdecken wir, dass der Übergang zum Spidstind, den wir eher nicht im Sinne hatten, zwar seine Länge hat, aber technisch harmlos ist. Und so spazieren wir über Firnfelder und Blockgrate hinüber und anschließend noch zum westl P 1564.


    Der östl P1564 (beim Abstieg fotografiert). Die Route führt weiter über den felsdurchsetzten Rücken und direkt hinauf, über das Firnfeld knapp links der Gratschneide




    Dieses Panorama vom östl P1564 ist größer hinterlegt. In Bildmitte der west P1564, links davon Istinden, rechts Storglomvatnet und Helgelandsbukken, der über das Eisfeld schaut


    Spidstinden in der Mitte

    Den ganzen Tag sind wir seilfrei, es gibt keine Schwierigkeiten, dafür ausgiebig Aussicht: über beide Eisfelder des Svartis, hinunter ins Gråtådal, Weitblicke von Bergen in Schweden bis zu den Lofoten.










    auch dieses Panorama, nun vom Spidstind, ist größer hinterlegt


    die Route vom Vortag über das östl Eisfeld


    die Spalten vom Anriss des Fingerbreen reichen weit in den flachen Bereich

    Den Abstieg nehmen wir nach der Kletterstelle direkter, schnell führen uns Schneefelder hinunter zum Zelt.
    Oben über den Eisfeldern hatten wir frische Luft, doch die intensive Sonne hinterlässt bei Susanne, die eigentlich ziemlich robust ist, ihre Spuren: Verbrennungen auf den Handrücken und allergische Reaktionen. Und so ist sie froh, wieder im Schatten zu sein - und bekocht zu werden.







    Geändert von TilmannG (24.11.2019 um 21:48 Uhr)

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    AW: [NO] Nordland: Svartisen, Variationen am Grensleden und mehr…

    #10
    Zitat Zitat von ChuckNorris Beitrag anzeigen
    Sehr schönes Gebiet. Gerade das Glomdalen ist mit den Gletschern zu beiden Seiten schon sehr beeindruckend. Ich bin 2014, auch in einem brutal heißen Sommer da durch. Die üblen Bremsen habe ich noch sehr gut in Erinnerung. Wir sind damals komplett unten am Fluss gelaufen, wodurch wir dann doch sehr langsam vorangekommen sind.

    Ich bin mal so frei und hänge ein Bild vom Bjørnefossen am Flatisvatnet dazu, der war bei dir wohl leider fies im Gegenlicht:
    ...
    Danke, gern. Der Bjørnefossen war wirklich noch im Schatten, den fotografierten Fall weiter oben fand ich nicht schlechter. Wenn man bedenkt, dass durch die Regulierung des Terskaldvatnet einiges Wasser abgeht...
    Das Glomdalen sah von oben sehr spannend aus. Ich hatte im Vorfeld lang nach einer Route auf den Steintind gesucht, aber dazu müsste man über den Fluss. Wie gesagt eine interessante Ecke um mit Packraft, Steigeisen und einem kleinen Rockset unterwegs zu sein - und mit Muße...
    Grüße von Timann

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    AW: [NO] Nordland: Svartisen, Variationen am Grensleden und mehr…

    #11
    Zitat Zitat von HO Beitrag anzeigen
    Danke für den schönen Bericht! Die Strudellöcher sind schaurig! Gibt es dort ein Stollensystem zur Stromgewinnung?
    ...
    Ich glaube nicht, das dient wohl nur der Kontrolle/Absenkung des Wasserspiegels, aus Furcht vor einem Abbruch des Gletschers.
    Das Wasser kommt weiter unten wieder ans Tageslicht und donnert in den Svartisvatnet

  12. AW: [NO] Nordland: Svartisen, Variationen am Grensleden und mehr…

    #12
    Wenn man bedenkt, dass durch die Regulierung des Terskaldvatnet einiges Wasser abgeht...
    Ich tue mir ein bisschen schwer den Wasserstand auf deinem Bild oberhalb des Flatisvatnet einzuschätzen, aber es ist auf jeden Fall deutlich weniger als damals. Wie ist denn deine Einschätzung? Hätte man den Fluss dort oder weiter oberhalb furten können?

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    AW: [NO] Nordland: Svartisen, Variationen am Grensleden und mehr…

    #13
    Der Fluss hatte reichlich Wasser, den hätte man definitiv nicht furten können.

  14. Erfahren
    Avatar von Borgman
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    AW: [NO] Nordland: Svartisen, Variationen am Grensleden und mehr…

    #14
    Toll, es geht los! Und gleich mit so hammergeilen Bildern! Dein Bericht bringt schon mit dem ersten Teil meine Urlaubspläne für nächstes Jahr gefährlich ins Wanken… ich muss da noch mal hin… und auch auf den Gletscher.

    Damals habe ich versucht, den Fluss oberhalb des Bjørnefossen zu furten und gerde noch rechtzeitig aufgegeben.

  15. AW: [NO] Nordland: Svartisen, Variationen am Grensleden und mehr…

    #15
    Das habe ich beinahe überlesen:
    Ich hatte im Vorfeld lang nach einer Route auf den Steintind gesucht, aber dazu müsste man über den Fluss.
    Es gibt ein gutes Stück nördlich vom Glomsdalsvatnet eine Brücke über die Glomaga. Weiß nicht ob das was gebracht hätte.

  16. Erfahren
    Avatar von vobo
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    AW: [NO] Nordland: Svartisen, Variationen am Grensleden und mehr…

    #16
    Hurra, schon ein erstes Schmankerl mit Bildern vom Svartisen ... diese Gletscherwelten sind nochmal was ganz anderes als die Fjorde. Wunderschön. Ich freue mich - Eure Strecke hat mich neugierig gemacht.

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    AW: [NO] Nordland: Svartisen, Variationen am Grensleden und mehr…

    #17
    Zitat Zitat von ChuckNorris Beitrag anzeigen
    Es gibt ein gutes Stück nördlich vom Glomsdalsvatnet eine Brücke über die Glomaga. Weiß nicht ob das was gebracht hätte.
    Die wärs in der Tat gewesen. Habe sie erst jetzt, nach deinem Hinweis, auf den Satbildern von GE und Kartverket entdeckt. Aber nur dort - auf keiner der Karten ist sie verzeichnet.

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    #18
    6. Tag (1. Aug) einsame Pfade

    Den Bogvatnet umrunden wir nördlich. Das ist von unserem Camp aus sowieso plausibel. Am SW-Ufer würde steiles Gelände mit zahlreichen Schneefahnen bis an Wasser eine sonst vielleicht direktere Routenwahl eher etwas gewollt machen.
    Als wir auf den undeutlichen Pfades treffen, zeltet dort ein Angler aus Bodø. Hier ist noch Schatten, er wird gerade munter. Gestern ist er über den Pass aus dem Beiardal gekommen, ein kurzer Weg, eine unser Eingangs erwähnten Ausstiegsmöglichkeiten. Später, bereits am E-Ende des Sees, zieht eine riesige Ren-Herde im Streiflicht durch die Flanke des Bogfjellet. Und gegenläufig eine kleine Gruppe, mit dabei wohl unser Muttertier mit dem markanten Senderband von gestern. Damit wären dann die Begegnungen auf dieser Runde aufgezählt…wenn ich von den beiden Kampfjets absehe, die täglich einmal im Tiefflug durch die Täler hier donnern. Gestern konnten wir auf sie herunter schauen…




    Rückblick auf den Bogvatnet, links hinten der Abstieg vom Eisfeld, rechts sieht man P1564 gerdade nicht mehr

    Der Fluss aus dem Bogvatnet verschwindet sehr plötzlich und spektakulär in einem Betonloch, aber sonst gibt es keine Eingriffe in die Natur. Im Weiterweg hinunter zu Blakkågå verliert sich der Pfad gelegentlich in ein paar feuchten Stellen. Auch die Blakkågå ist am Oberlauf angezapft, entsprechend unproblematisch die Furt. Den Pfad verlieren wir hier, aber auch das ist kein Problem. Nach 50 Metern durch die Büsche steigen wir orogr. links im nedre Fossbekken auf. Oberhalb der Buschgrenze schwenken wir dann nach SW, bald kommen die Steinmänner und manchmal auch ein Pfad wieder dazu. Es folgt eine lange, angenehme Wanderung mit spektakulären Blicken auf die Zungen des Svartis und ins immer wilder werdende Blakkådal. In der letzten Stunde vor der Hütte wird es unübersichtlicher, die Blakkådalshytta selbst liegt in einem kleinen Wäldchen. Wir tippeln noch ein kleines Stück weiter und zelten auf einem Felsrücken oberhalb des ersten brauchbaren Seechens. Über die Felsen können wir hinunter zum Baden.


    Fingerbreen


    Das Tal des Lappbreen





    7.Tag (2.Aug) immer noch einsam, nun im Bergwald

    Im Hüttenbuch waren in dieser Saison gerade mal 25 Übernachtungen verzeichnet, entsprechen schmal bleibt des Weglein. Man findet es jetzt besser, im Wald geht es dann auf und ab, und gelegentlich braucht man auch mal die Hände - wir sind froh über diesen alpinen Steig. Und brauchen auch im Abstieg den ganzen Vormittag bis hinunter.
    Das Blakkådal selbst ist so interessant wie wild, herrliches Abenteuergelände mit sonst weglosem, aber nicht völlig undurchdringlichem Bergwald. Der Fluss ist mächtig, trotz der Entnahme im Oberlauf, furten kann man ihn wohl nicht.


    Blakkågå und Bjellådalen

    Für mich bleibt noch ein Marsch auf der Straße hinauf zur Touristenstation am Svartisvatnet, nur mit crogs und 8km ohne einmal stehen zu bleiben. Vier PKW fahren hinauf, Touristen, die Platz hätten, aber Angst vor fremden Männern haben. Dabei habe ich jeden Tag gebadet!

    Fazit dieser ersten knappen Woche: Eine grandiose Tour, habe selten so eine abwechslungsreiche Runde machen können, jeder Tag ist in völlig anderem Gelände. Aber eher nichts für Einsteiger und Schlechtwetter. Vielen Dank an Slarti für die Anregung!
    Geändert von TilmannG (21.11.2019 um 16:54 Uhr)

  19. Fuchs
    Avatar von berniehh
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    AW: [NO] Nordland: Svartisen, Variationen am Grensleden und mehr…

    #19
    Zitat Zitat von TilmannG Beitrag anzeigen
    Der nedre Terskaldvatnet ist (entgegen der neuen Karte) per Stollen ins Stauseesystem eingebunden, er hat keinen Abfluss mehr und ist um 7-10m abgesenkt.
    Es macht mich wütend daß die Seen in dieser schönen Gegend jetzt auch schon von der Stromindustrie verunstaltet werden.
    Der nedre Terskaldvatnet liegt doch noch im Grenzbereich eines Nationalparks,
    Zum Zeitpunkt als ich da 2013 durchgewandert bin war der Wasserstand (noch?) nicht abgesenkt

    Ansonsten habt Ihr eine wirklich schöne Tour gemacht und die Fotos sind der absolute Hammer
    Bin sehr gespannt wie es weitergeht

  20. AW: [NO] Nordland: Svartisen, Variationen am Grensleden und mehr…

    #20
    Etwas OT, aber das Nedre Terskaldvatnet wird schon seit 1955 für die Stromproduktion genutzt, welchen Wasserstand man sieht ist vom Zeitpunkt der Tour und dem aktuellen Zu- und Abfluss abhängig.
    Es gibt kein schlechtes Wetter,
    nur unpassende Kleidung.

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