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    AW: [BRA] Paddeltour 900km durch das Pantanal, Brasilien 2019

    #61
    Mitreisende: Spartaner
    Bin gespannt wann es hier weiter geht

    Ich mag die Art wie du von eurer Reise berichtest mit vielen Details und zusaetzlichen Informationen! Sehr informativ und spannend.
    Vor drei Jahren war ich auch im Pantanal, wenn auch etwas touristischer.

    Danke fuer den Bericht bisher und hoffentlich gehts bald weiter!

  2. AW: [BRA] Paddeltour 900km durch das Pantanal, Brasilien 2019

    #62
    Freitag, 20.09.2019, Fazenda Dourados, 9km

    3:40 Uhr, der Wind frischt auf. Die Luft hat sich immer noch nicht weiter abgekühlt! Mein Thermometer zeigt über 30°C! Und das direkt am Ufer und bei Windböen! Ich habe mich die ganze Nacht nicht zugedeckt. Wir haben eine wirklich heiße Zeit hier, außergewöhnlich! Auch kurz vor Sonnenaufgang werden die 30°C nicht unterschritten:


    Unser Gastgeber meinte später übrigens, dass es weiter oben auf seinem Land kühler gewesen wäre als direkt am Wasser. Aber ob das stimmt?

    Ich wache dann erst wieder auf, als die Sonne schon etwas höher am Himmel steht:


    Unser Lager am Strand:




    Unsere Gastgeber laden uns zum Kaffee ein. Der Tisch steht unter den riesigen Mango-Bäumen im Schatten. Zeitgleich gesellen sich noch 2 Nachbarn dazu. Die Unterhaltung ist, wie bereits gewohnt, ziemlich einseitig. Die Google-Übersetzung von deutsch in portugiesisch funktioniert zufriedenstellend, umgekehrt geht gar nichts. Mir unerklärlich. Bei mir funktioniert sogar die Spracheingabe gut, portugiesisch funktioniert nicht einmal mit tippen. Selbst als ich auch noch die Tastatur auf portugiesisch umstelle, erkenne ich keine Verbesserung.

    Die Frau fertigt Korbwaren noch indianischer Sitte und breitet ihre Produkte vor uns aus:


    Zum Glück ist das nicht allein für uns gedacht, ich stehe nicht unbedingt auf diese Art Souvenirs. Diese Flechtwaren sind halt nur speziell für Touristen gefertigt worden, mehr oder weniger nur in Anlehnung an die jahrtausendelang genutzten Originale. Meine Schwester hat in den 90er Jahren im Manú-Nationalpark wirklich original genutzte Flechtgefäße im Urwald gefunden, die von Leuten gemacht wurden, die einen Touristen nicht mal aus der Ferne gesehen hatten (unkontaktierte nomadische Urwaldstämme). Diese Teile habe ich wirklich mit einer großen Ehrfurcht und Faszination in den Händen gehalten. Original Steinzeit bzw. kurz davor.

    Der Hausherr macht einen hellen Eindruck. Er jobbt für die Naturschutz-NGOs hier und ist zeitweise auch als Touristenführer unterwegs. Von ihm erhoffe ich mir herauszufinden, wo genau sich die Quellen und Bäche mit dem kristallklaren Wasser befinden. Dass es sie tatsächlich gibt, sieht man auf einer Webseite von Pantanal-Tours, wo es bezogen auf die Pousada Amolar (Acurizal) heißt: “Boat excursions are offered to cover a wider area and to visit one of the unique crystal clear water streams that can only be found in this region.”

    Ich zeige ihm beide Karten, die OSM und die Satellitenbilder, und bitte ihn, das rote Mittelkreuz auf die Quelle zu setzen. Er versucht es, will damit aber bis auf die Rückseite des Gebirgsstockes der Serra do Amolar, also weit nach Westen. 3 Stunden soll der Marsch dauern, nachdem man mit dem Boot mehrere Kilometer in die Nähe gefahren ist. Leider reicht mein Luftbild nicht so weit, und die groben Höhenlinien der OpenAndroMap helfen ihm auch nicht sicher weiter. So wird das nichts, das bleibt zu wage. Ich werde nicht wieder einen Marsch über ein Gebirge angehen, der 3 Stunden dauern soll, und von dem ich nicht weiß, ob er zum Ziel führt.

    Aber er kennt noch einen weiteren Ort mit kristallklarem Wasser. Er soll sich auf der linken, der sumpfigen Seite des Rio Paraguai befinden. Das wundert mich, aber kann ja sein. Er nennt den Flusslauf “Mata Cachorro”, “Toter Hund” oder so, 23km stromab. Oberhalb der Fazenda Porto São Pedro, an meinem Tour-Kilometer 694, soll es links reingehen. Auch hier bemerke ich eine gewisse Unsicherheit, wo genau im Luftbild sich diese Lagune befindet.

    Ein weiterer Nachbar kommt zu Besuch, unterhält sich ein Weilchen und hackt sich dann die Hälfte des gehäuteten Wasserschweins ab, das vor dem Haus am Baum hängt.

    Ein Thema, dass ich immer mal anspreche, ist die Frage nach der Zahl der Paddler, die die verschiedenen Gastgeber auf dem Fluss gesehen haben. Ich möchte ein Bild davon bekommen, wie populär das Paddeln hier im Pantanal ist. Die Frau erzählt, sie hätten dieses Jahr im Mai, Juni bereits einmal 2 Paddler gesehen, die den Rio Paraguai befuhren und in Cáceres gestartet sind. Das sei aber auch die einzige Begegnung mit Paddlern gewesen in ihrem Leben. Auch sonst hat sie noch nicht von weiteren Befahrungen gehört.

    Und dann berichten sie und der Nachbar noch von Thomas, einem Deutschen, der hier seit 6 Jahren leben soll, gar nicht weit weg, nur über den Flugstreifen der Fazenda do Amolar rüber. So habe ich es jedenfalls verstanden.

    Thomas möchte ich kennenlernen, er weiß sicherlich genauer, wo die Sehenswürdigkeiten der Gegend zu finden sind. Also Kamera geschnappt, 1L Wasser, und los geht's. Mein Thomas bleibt wieder hier.

    Zunächst muss ich quer über mehrere Grundstücke. Zum Glück ist von den scharfen Hunden vom Vorabend zZ nichts zu sehen.
    Auf einem Grundstück nebenan steht ein offizieller trigonometrischer Vermessungspunkt für Brasilien:




    Nach der Querung dreier jeweils abgezäunter Nachbargrundstücke überquere ich längs den Flugstreifen der Fazenda do Amolar (Map). Ich glaube zwar nicht, dass auf der huckligen Piste heute noch jemand landen würde, aber sie ist ganz interessant angelegt. Die zwei Hälften der Start- und Landebahn haben ein deutliches Gefälle mit der höchsten Stelle in der Mitte des 660m langen Flugstreifens.

    Ich irre etwas herum, vermute auch mal nordöstlich vom Flugstreifen eine Farm, dann mal wieder am Seeufer, und wundere mich immer mehr. Hier soll ein Deutscher wohnen? Am anderen Ende führt etwas, was einmal ein Weg war, weiter, jetzt wieder parallel zum Seeufer. Nach 2km stehe ich auf einem seit längerem verlassenen und weitgehend verfallenen Hausgrundstück:


    Der Weg führt auch noch mehrere hundert Meter weiter, aber dann kehre ich um. Niemand wird hier freiwillig im Hinterland wohnen, wenn er genauso gut am Seeufer wohnen kann und dort sein Boot liegt.

    Ich bin bereits auf dem Rückweg, da kommen mir 3 Männer entgegen, die ebenfalls das verlassene Grundstück besichtigen wollen. Sie können alle gut Englisch und sehen kompetent aus. Einer von ihnen ist der Chef der Organisation Instituto Homem Pantaneiro (IHP), Ângelo Rabelo:


    Ângelo Paccelli Cipriano Rabelo, ist Gründungspräsident des Instituto Homem Pantaneiro und Reserveoffizier der Polícia Militar Ambiental, der staatlichen Umweltpolizei, im Range eines Oberstleutnants. Er war seit 1986 15 Jahre direkt als Angehöriger und davon 5 Jahre als Kommandant der Policia Militar Florestal an der Bekämpfung der illegalen Jagd und des Handels mit Wildtieren im Pantanal beteiligt.


    Wir machen uns bekannt und unterhalten uns kurz. Auch ihnen gegenüber äußere ich meinen Wunsch, die genauen Orte der kristallklaren Gewässer kennenzulernen. Jetzt wollen sie sich aber erst mal die verlassene Fazenda ansehen, von der ich gerade komme, und die wahrscheinlich ebenfalls aufgekauft werden soll. Sie wollen zu meinem Gastgeber zurückkommen und mir dann mehr erzählen.

    Auch sie kennen den Deutschen Thomas Rosen, meinen aber, dass er bereits vor einiger Zeit nach São Paulo gezogen sei. Er war Betriebsleiter für die hier befindliche Außenstelle “Serra Negra” und leitete bei der Ecotrópica ein Projekt zum Schutz und zur Wiederansiedlung der Hyazinth-Aras im nördlichen Pantanal. Die Hyazinth-Aras kamen 2010 nur im südlichen Pantanal noch in größeren Populationen vor, im nördlichen Teil waren sie seltener. In einem ersten Schritt haben sie Ara-Vorkommen im RPPN Acurizal e Penha, einem von Ecotrópica betreuten privaten Schutzgebiet an der Grenze zu Bolivien und im benachbarten Parque Nacional do Pantanal Mato-Grossense erfasst. In ihre Untersuchungen flossen die Beobachtungen von Fischern, Landbesitzern und indigenen Stämmen ein (DUH Welt 4/2010).
    Das Projekt war offenbar erfolgreich, wir haben ja auf unserer Tour durch das nördliche Pantanal bereits mehrfach Hyazinth-Aras gesehen.

    Ok, dann konnte das mit dem Besuch ja nichts werden. Wahrscheinlich wohnte Thomas Rosen in Acurizal, 24km Luftlinie von hier entfernt, aber wenigstens in der angegebenen Richtung. Oder doch hier auf Amolar, in einer IHP-Außenstelle “Serra Negra”?
    Immerhin habe ich Thomas Rosen nach der Tour noch kennengelernt. Nicht direkt, nein, aber in einer Pantanal-Dokumentation, die seine Arbeit für die Hyazinth-Aras dort zeigte (Dokumentation Das Pantanal (1/3) - Aras im Paradies, 2010). Ich konnte mir die 3 Teile der von mir teuer mitfinanzierten Dokumentation glücklicherweise noch herunterladen, bevor sie aus den von mir teuer mitfinanzierten Mediatheken verschwand.

    Um ½10 bin ich wieder zurück bei unserem Lager am Fluss. Mein Thomas hat längst gepackt, und ich mache mich jetzt in der Gluthitze auf dem schattenfreien Strand auch daran.

    Als die drei Herren zu unserem Gastgeber zurückkommen, nimmt mich einer von ihnen zur Seite und ich dachte, jetzt bekomme ich die genauen Infos zu den gesuchten Gewässern. Aber stattdessen rät er mir, nur mit einem Führer in die Sümpfe abseits des Rio Paraguai einzufahren. Die Führer wissen, wo sich die gesuchten Gewässer befinden, sie seien auf keiner Karte verzeichnet. Sie wissen auch, wie genau man hinkommt und vor allem wieder zurück. Es seien schon einige Leute aus den unendlichen Sümpfen nicht wieder zurückgekehrt.

    Naja, nicht sehr hilfreich, diese Tipps. Ich merke deutlich, dass sie uns keine konkrete Auskunft geben wollen. Wir können wohl kaum noch einen Führer in unser Boot laden, und alternativ mit Motorboot wie ein x-beliebiger Tourist habe ich auch keine Lust, Stationen abzuklappern. Aber immerhin zeigt er auf Carlos Adriano, einen der beiden Bootsführer, die die Herren von Corumbá hierher gebracht haben. Ihn könnten wir auf der Fazenda Dourados antreffen und eventuell auch anheuern. Meine Hoffnung ist, dass ich den jungen Mann in der grünen Weste des Naturschutznetzwerkes “Rede de Proteção e Conservação da Serra do Amolar (RPCSA)“ auf der Fazenda Dourados wenigstens ausgiebig interviewen kann.

    Die Fazenda Dourados ist unser Ziel vielleicht für den Abend. Sie soll eine Station der Organisation “Instituto Homem Pantaneiro (IHP)” sein, die einen Teil der privaten Schutzgebiete rund um die Serra do Amolar betreuen.

    So paddeln wir ¾11 los. Zunächst wollen wir uns erst einmal die Lagoa Taquaral ansehen. Die Lagoa Taquaral ist ein 2km² großer See 2km südwestlich der Fazenda do Amolar, die mit dem Rio Paraguai in Verbindung steht, und von der aus man an den Zugang zu den kristallklaren Quellgewässern in der Serra do Amolar kommen kann, wenn ich unseren Gastgeber richtig verstanden habe. Das Satellitenbild zeigt 2 mögliche Zugänge zur Lagoa. Aber beide sehen so aus, als wenn sie nicht richtig durchgängig sind. OK, aber vielleicht geht da unter den Bäumen doch was durch.

    Der erste Zugang scheint schon durch einen Uferwall abgeschnitten zu sein. Der zweite ist schmal, aber fahrbar. Jedenfalls so weit, wie es im Satellitenbild zu erkennen ist. Dann verzweigt es sich, und alle Seitenzweige sind mit Holz und Schwimmpflanzen verblockt und zu flach. Das Satellitenbild hatte 100% recht, die Verbindung ist in der Trockenzeit unfahrbar:




    Also paddeln wir zurück auf den Hauptstrom des Rio Paraguai:




    1½km weiter lächelt uns an der Einfahrt zu einem größeren, stark durchströmten Kanal eine sehr schöne Sandbank an:


    Perfekt für eine längere Badepause. Ich bin irgendwie immer noch geschafft von den gestrigen Strapazen und der heißen Nacht, und bleibe diesmal so lange im Wasser, bis ich anfange zu frieren. Die Fingerkuppen werden auch schon ganz faltig. Was für eine Wohltat, diese Kühle!











    Dazu wimmelt es von Schmetterlingen, die zu Hunderten auf einem feuchten Fleck am Strand sitzen:


    In Bewegung kommt das natürlich viel besser rüber:


    Dem gefährlichen Fisch, der piken soll statt beißen, begegnen wir nicht. Von dem hat unser Gastgeber von heute Morgen erzählt. Sicherlich meint er einen Stachelrochen.

    Kleinflugzeug fliegt in niedriger Höhe. Es ist erst das 2. oder 3. der gesamten Reise, weniger, als ich zuvor annahm.

    Wir überlegen schon, für heute hier zu bleiben. Hinter der Sandbank hat jemand das Gelände vom Busch beräumt, groß genug für ein Nachtlager:


    Bis uns auffällt, dass die Fläche auch noch bepflanzt ist:






    Natürlich wollen wir die Mandioca-Pflanzung nicht zerstören und fahren weiter.

    Wir fahren jetzt auch hier den Nebenweg, weg vom Hauptstrom des Rio Paraguai. Der Kanal mäandriert zunächst 2km schön durch den Sumpf, im Hintergrund die Berge der Serra do Amolar:






    Dann geht es durch eine ausgedehnte Flachwasserzone auf eine Lagoa, die am Ende wieder breit in den Rio Paraguai mündet:








    Blick zurück nach Norden:


    Über den See und den folgenden Hauptstrom haben wir perfekten Rückenwind, gerade so noch nicht zu stark, um keine zu großen Wellen aufzubauen:




    So gelangen wir rasch bis zur Fazenda Dourados, die man schon von weitem am hohen Antennenmast auf halber Höhe des ufernahen Hangs erkennt:


    Nach nur 9km Tagespaddelstrecke heute landen wir bereits um 13 Uhr an:


    Der junge Mann mit der grünen Weste, Carlos Adriano Ximenes, ist ein paar Minuten vor uns angekommen, war ja, wie wir gesehen haben, vorher mit seinem Chef weiter oberstrom unterwegs. Irgendwas treibt ihn, und unser bisheriger indianische Gastgeber fährt ihn mit seinem Boot nach Süden:




    5h später kommen sie zurück.

    Das Boot der Fazenda Dourados wird derweil von 2 weiteren Mitarbeitern der Fazenda Dourados nach Corumbá gefahren. Jetzt ist Freitag Nachmittag, es geht ins Wochenende.



    Das Haupthaus der Fazenda liegt 80m den Berg hoch:




    In dem ufernahen Gebäude (Sala do Gerador) steht der Stromgenerator:


    Wir dürfen auch hier auf dem Gelände wieder problemlos zelten, obwohl das große Schild auf dem Hügel verkündet, não acampar, kein Feuer etc.




    Die ehemalige Fazenda Dourados ist heute eine Basisstation für das private Naturreservat “Reserva Particular do Patrimônio Natural Engenheiro Eliezer Batista” (RPPN, Video 4min). Das Schutzgebiet hat eine Fläche von >126km².

    Das Naturreservat Engenheiro Eliezer Batista gehört(e?) dem Bergbauunternehmen MMX Mineração e Metálicos S.A. und wurde am 21. Juli 2006 durch den Kauf zweier angrenzender ländlicher Grundstücke im Pantanal von Mato Grosso, am Ufer des Paraguay-Flusses, erworben. MMX hat als vorrangiges Nutzungsziel die Umweltforschung und Naturschutzmaßnahmen definiert, die mit lokalen sozioökonomischen Aspekten verbunden werden sollten.
    Das RPPN Eliezer Batista wurde durch die Verordnung Nr. 51 ICMBio vom 24. Juli 2008 gegründet. Um diese Ziele zu erreichen, wurde eine Partnerschaft mit dem Instituto Homem Pantaneiro gegründet. Im Bereich Umwelt übernahm das Institut die Verantwortung für die Verwaltung des gesamten Gebietes, um seine Schutz- und Forschungsziele zu erreichen.
    Das in einer sehr abgelegenen und noch wenig bekannten Region gelegene RPPN zeichnet sich durch die enge Verflechtung der Überschwemmungsebene und der Hügel der Serra do Amolar aus, was zu einer großen Vielfalt an Umweltbedingungen und einer Landschaft von seltener Schönheit führt.


    Blick vom Haupthaus in Richtung Südost den Rio Paraguai stromab:


    Haupthaus:


    Hinter dem Haus steht eine Solaranlage mit Bleibatterie-Speicher und der Wasserturm mit Wasseraufbereitung:






    Im Haupthaus befindet sich neben einer Küche der Speisesaal, der aber auch für alle anderen Zusammenkünfte auf der Fazenda genutzt wird:


    Poster im Speisesaal:


    Weitere Zimmer sind 3 Dormitórios (Schlafzimmer), 1 Laboratório, 2 Banheiros (Bäder), 1 Lavanderia (Wäscherei), und und und … (Lageplan).

    Vor dem ständig bewohnten Haus des Caseiro tummeln sich seine Hühner:




    Unser heutiges Lager:




    Während ich die Erbswurst koche, die wir übrigens erstmals auf dieser Reise mit Büchsenfleisch aufpeppen (SPAM, Rinderhack, sehr gehaltvoll und schmeckt in dieser Mischung!), schaut sich Thomas am Wasser um und entdeckt eine große Schlange am Ufer.

    Ich bin natürlich sofort hingeflitzt, das Essen muss warten:




    Es ist eine Gelbe Anakonda, eine Sucuri-amarela (Eunectes notaeus). Sie wird nicht ganz so groß wie die ebenfalls hier vorkommende Grüne Anakonda (Eunectes murinus). Während die Gelbe fast 6m lang und bis 70kg schwer wird, erreicht die Grüne Anakonda von der Wissenschaft bestätigte 9m und gerüchteweise bis zu 16m Länge! Riesige Monster! Im Pantanal ist die Grüne Anakonda selten, während die von uns gesehene Gelbe Anakonda häufiger anzutreffen ist.

    Ja, die Begegnung war kurz, und ich habe mich auch nicht getraut, sie zu verlängern, indem ich sie zB am Schwanz gepackt und herausgezogen hätte. Ich wusste ja in dem Moment noch gar nicht genau, um welche Art Schlange es sich handelt und ob es nicht zB auch eine gefährliche Giftschlange sein könnte. Nun gut, jetzt weiß ich bescheid (was aber nicht heißen soll, dass ich sie jetzt unbedingt am Schwanz packen würde ).

    Am Nachmittag quellen die Wolken, sie werden dichter und dichter, dann ertönt ein erster ferner Donner aus Bolivien. Das Zelt bekommt heute erstmalig sein Überzelt übergeworfen, das Boot seine Spritzdecke, alles andere wird halbwegs regengeschützt untergebracht:




    Um 4 Uhr nachmittags rum geht's dann auch bei uns los. Naja, ein richtiger fetter Tropenguss ist das noch nicht, die Regenzeit hat ja auch noch nicht begonnen. Nach einer Stunde ist alles vorbei. Wir verbringen diese Zeit oben im Haupthaus in der Hängematte, die diagonal im Flur hängt.

    Die Luft ist nicht abgekühlt, nur feuchter geworden. Diesmal sind wir pünktlich ein paar Minuten vor Erwachen der Mückenplage in den Zelten. Kurz darauf hören wir sie in der feuchten Luft summen, so laut wie noch nie auf dieser Reise.

    Nachts immer wieder Windböen, die sehr unangenehm am Überzelt rütteln. Ich bin mir nicht sicher, ob es in der Nacht wieder regnen wird. Darum lasse ich das knatternde Überzelt die ganze Nacht drauf. Wenigstens kühlt es gegen Ende der Nacht etwas ab. Es regnet nicht noch einmal.

    Angenehm fällt mir auf, dass der Generator, nur 40m von meinem Zeltplatz entfernt, abends und nachts nicht anspringt (und auch sonst nicht, während wir hier zu Gast sind). Offenbar reicht die solare Stromversorgung zusammen mit den Speicherbatterien aus, den Strombedarf des Caseiros und seiner Familie zu decken.

    ---------------------------------------
    Einige Youtube-Links zu Anakonda:
    Sucuri na Pousada Porto Jofre. Anaconda in Pantanal
    Sucurí Gigante Capturada
    Capture Anaconda 5.2m lang
    ATAQUES DE ANACONDAS EM HUMANOS
    12 COBRAS GIGANTES CAPTURADAS NO BRASIL
    TOP 8 - Videos Incríveis de SUCURI ATACANDO
    Sucuri pegando cachorro ,luta para salvar o animal
    Geändert von Spartaner (07.05.2020 um 09:57 Uhr) Grund: 2 Bilder ergänzt

  3. Gerne im Forum

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    28.10.2009
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    AW: [BRA] Paddeltour 900km durch das Pantanal, Brasilien 2019

    #63
    Hi
    selten einen so gut recherchierten/geplanten und ausführlichen Reisebericht gelesen. Als wäre man selbst dabeigewesen ) Danke dafür. Hast du für die Tier-Bestimmungen ein Bestimmungsbuch (nennt man glaube ich so) dabei gehabt?
    Ein echtes Abenteuer das zum Glück vor dem grossen Corona Shutdown wieder in D seine Ende gefunden hat.

    Ich verfolge die Tour einer Motoradfahrerin, die 2 Wo in Peru im Lockdown steckte und dann mit Sondererlaubnis über Lima mit einem Sonderflug nach Hause gekommen ist.

    Guido
    (•¿•)› *«:::G:::» «:::U:::» «:::I:::» «:::D:::» «:::O:::» * ‹(•¿•) aka Bratgitarre
    - www.faltbootreise.de -
    [

  4. AW: [BRA] Paddeltour 900km durch das Pantanal, Brasilien 2019

    #64
    Ja, da bin ich auch sehr froh, dass mir noch kein Corona einen Strich durch die Rechnung machen konnte. Es waren ja immerhin ein paar Jahre, die ich mit der Idee schwanger ging. Nur ein Jahr später, und ich hätte alles abblasen müssen. Und es weiß ja auch noch niemand, wie es in den Folgejahren wieder losgeht mit dem internationalen Tourismus.
    Ich kann mir zB gut vorstellen, dass Fliegen generell ein paar Jahre _viel_ teurer sein wird als vor der Corona-Krise. Ganz ohne Zutun von FFF, nur aus rein betriebswirtschaftlichen Gründen. Dieses riesige, komplexe, extrem effiziente System "Flugverkehr" ist ja erst mal vollkommen am Boden und muss neu in die Gänge kommen.

    Zum Bericht: Ich habe mein Reisetagebuch unterwegs jeden Tag in ein Google Docs-Dokument diktiert (Spracherkennung, die auch offline sehr gut funktioniert, ich mag kein Tippen auf dem Smartphone), und habe natürlich den ganzen Paddeltag und während der Wanderungen den GPS-Track aufgezeichnet. Nachträglich hätte ich mich kaum noch an all die Details erinnern können, oft unterscheiden sich die Tage ja nicht so grundlegend. Und jedesmal, wenn ich WLAN hatte, also viel häufiger, als ich vor der Reise geglaubt hatte, wurden die Google Docs ins Google Drive hochgeladen. Dort konnte Andrea in Berlin dann auch während der gesamten Paddeltour mitlesen, bevor sie selbst zu uns stieß.

    Für die Tier-Bestimmungen hatte ich ein Buch dabei, das einzige papierne Buch auf der Paddeltour. Es handelt sich um "Pantanal Wildlife. A Visitor's Guide to Brazil's Great Wetland", 217x135x11mm, 324g.
    Das Buch führt erst mal ganz gut ein in die Tierwelt des Pantanal. Allerdings hatte ich eigentlich damit gerechnet, dass man sich dann vor Ort hunderten, wenn nicht tausenden Arten gegenübersieht. Also ich hatte ein Gefühl der Ohnmacht, ich könne diese Diversität nie durchdringen. Bis auf ein paar Ausnahmen habe ich unterwegs dann nicht allzuviele Anstrengungen unternommen, die verschiedenen Arten zu bestimmen. Ich habe sie lieber auf Foto gebannt, und hoffte, sie später bestimmen zu können.

    In Wirklichkeit aber ist alles viel einfacher. Die meisten Arten, denen man tatsächlich öfter begegnet, sind in dem Buch beschrieben. Und das ist dann gar nicht mehr so viel, vielleicht doppelt oder drei mal so viel wie bei uns in vergleichbaren Landschaften. Diese Erkenntnis beruhigt mich und gibt Mut, das alles kennen lernen zu können.

    Jetzt während des Schreibens des Berichts bemühe ich mich, alle Arten genau zu bestimmen. Bei den Vögeln und Fischen ist das relativ leicht, da gibt es viel im Netz zu finden. Toll ist auch, dass man im Netz Experten findet, die die Vogelstimmen in den Tonaufnahmen identifizieren können. Bei den Schmetterlingen ist es schon schwieriger, allerdings bin ich auch noch nicht in speziellen Schmetterlings-Foren vorstellig geworden.

    Besondere Schwierigkeiten habe ich mit den Pflanzen. Zu denen gibt es die wenigsten frei erreichbaren Quellen im Netz. Selbst sehr häufige, dominante Arten kann ich nur mit großer Unsicherheit eingrenzen. Aber wenn ich später noch was herausfinde, werde ich das nachtragen.

    Ich habe jedenfalls ein gutes Gefühl jetzt, die Mehrzahl der beobachteten Tierarten sicher ansprechen zu können. Beim nächsten Mal sieht das dann auch vor Ort viel besser aus ....

  5. AW: [BRA] Paddeltour 900km durch das Pantanal, Brasilien 2019

    #65
    Samstag, 21.09.2019, Mata Cachorro, 28km

    Am 29.9., also in 8 Tagen, wird Andrea in Corumbá ankommen. Von hier, der Fazenda Dourados bis Corumbá sind es noch 188km auf dem direkten Weg, auf dem Rio Paraguai. Das würden wir, strikt durchpaddelnd, in 4 - 5 Tagen schaffen.

    Falls der Wind auffrischt und uns zu kräftig entgegen bläst, könnten wir allerdings auch ein oder mehrere Tage beim Abwettern gefangen werden, so wie es den Kanadiern 2x ergangen ist. Die Wellen auf dem Rio Paraguai können eine beträchtliche Höhe erreichen und uns an der Weiterfahrt hindern. Wir wurden bereits mehrfach vor dem Rio Paraguai gewarnt diesbezüglich.
    Im Moment haben wir aber auf jeden Fall noch genügend Zeitreserve.

    Also haben wir noch prinzipiell 3 - 4 Tage für kleine Abstecher übrig. Und da ich sowieso kein großer Fan von Großem-Strom-Paddeln bin, versuche ich in den kommenden Tagen alles, auf kleineren Seitenkanälen dem großen Strom zu entrinnen und der Tier- und Pflanzenwelt an den Ufern näher zu sein.

    Vormittags nach dem Frühstück treffe ich mich mit Carlos Adriano Ximenes im Speisesaal des Haupthauses. Wir haben hier wieder Internet und die Verständigung klappt mit Google Translate in beide Richtungen ziemlich gut. Er benutzt ebenfalls die Spracheingabe und übersetzt mit seinem Smartphone von Portugiesisch nach Deutsch, ich mit meinem von Deutsch nach Portugiesisch. Es sieht zwar irgendwie befremdlich aus, wie jeder in sein Gerät spricht und dann dem Gegenüber den Bildschirm vorhält, aber es funktioniert. Auch kompliziertere Sachverhalte lassen sich so rüberbringen.
    Carlos Adriano ist übrigens der erste meiner Gesprächspartner, der das mit Google Translate absolut richtig macht. Er spricht in vollen Sätzen langsam, laut und akzentuiert in das Gerät, lässt ihm Zeit für die Übersetzung, und entsprechend gut sind die Ergebnisse. Es funktioniert ausgezeichnet.

    Er arbeitet für die Organisation Instituto Homem Pantaneiro (IHP), der die Fazenda Dourados gehört oder die sie zumindest verwaltet, und die sich für den Schutz der Natur im Pantanal einsetzt. Von hier aus betreut IHP das private Naturreservat “Reserva Particular do Patrimônio Natural Engenheiro Eliezer Batista”. Vor einigen Jahren wurden ein paar kurze Wanderwege in der Serra do Amolar angelegt und markiert, die hier von der Fazenda Dourados aus starten. Nebenbei erwähnt er, dass das IHP auch ab und zu Touristen betreut, hochkarätige Führungen anbietet und Unterkunft vermietet für 1000 - 1500$ die Nacht.

    Lage der Wanderwege im RPPN Eliezer Batista:


    (Trilha Amolar, Trilha Morrinhos und Trilha Mandioré)

    Carlos Adriano wohnt hier mit seiner Familie, ist Caseiro (Hausmeister? bzw Mädchen für alles), führt für das IHP Touristen ins Pantanal und hilft bei Geländearbeiten. Der Umgang mit Landkarten und Satellitenbildern ist ihm offenbar auch vertraut. Ohne zu zögern zeigt er mir den Zugang zur Mata Cachorro mit dem kristallklaren Wasser links des Hauptstromes auf dem Satellitenbild, und zwar ein paar Kilometer weiter den Rio Paraguai stromab von der Stelle, die mir der Indianer gestern früh zeigte. Ja, das sieht sehr sicher aus, ich denke er weiß bescheid und kann sich auf dem Luftbild gut orientieren. Ein wirklich fähiger junger Mann, und ich hoffe, seine Chefs sehen sein Potenzial ebenso und sind bereit, es zu heben und zu nutzen.

    Carlos Adriano weist mich allerdings auch darauf hin, man könne an der Mata Cachorro nicht übernachten, es gebe wenig festes Land und viele Jaguare. Dennoch gehe ich mit einem guten Gefühl aus diesem Gespräch, diesmal dürfte das klare Wasser zu finden sein, wenngleich ich mir nicht so recht vorstellen kann, dass es da linksufrig des Rio Paraguais in der Sumpfebene ähnliche Quelltöpfe gibt wie am Fuße der Berge.

    Er berichtet außerdem, dass vor einem Jahr drei Paddler mit drei Kajaks von Argentinien kommend den gesamten Rio Paraguai stromauf gepaddelt sind bis Cáceres. Sind das am Ende dieselben, von der mir die Frau des Indianers gestern früh erzählt hat? Nur dass ich die Geschichte gestern vielleicht nicht richtig verstanden habe?
    Wir dagegen seien die ersten Paddler dieses Jahr.

    Von der von ihm erwähnten Tour finde ich bisher keine Spuren im Netz. Eine ähnliche Tour aus dem Jahr 2011 ist dagegen dokumentiert. Vier Argentinier versuchten mit Seekajaks den Rio Paraguai 4000km von seiner Quelle bis nach Buenos Aires zu befahren (Bericht 1, 2, Foto). Die Expedition "A La Tierra Sin Mal" begann Mitte Mai und endete im September. "Hermann, Ezequiel, Lucas und Juan rudern zwischen 40 und 60 Kilometer pro Tag, die Summe hängt stark von den Wetterbedingungen ab. In Kajaks trägt jeder von ihnen - abgesehen vom Körpergewicht - durchschnittlich 100kg Nahrungsmittel, Kleidung, Ausrüstung und Zubehör."

    Unser Gastgeber von gestern, der Indio, ist später übrigens auch wieder zugegen.
    Als Carlos mit seinem Sohn fischen gehen will, packen wir zusammen, ich dusche nochmals auf dem schönen sauberen Schwimmsteg, und zum Schluss filtern wir noch mal Wasser in unsere Trinkflaschen. Dabei löst sich offenbar die Achse des Pumphebels und fällt ins Wasser. Das Sicherungsteil von der Gegenseite fällt danach auch herunter, kann aber von Carlos noch auf dem Steg gerettet werden. Schnell reagiert, Carlos, danke! Und eine schwache Leistung vom Hersteller MSR, so ein Teil darf sich doch nicht einfach so während des Gebrauchs lösen!

    Wir ersetzen die Achse durch ein Stück Ast, das durch die Öffnung passt, und ich wickle noch eine Lage Klebeband herum, um den Abrieb am Kunststoff gering zu halten und die neue Holzachse gegen Herausfallen zu sichern:


    Nach der Tour hat die Garantieabwicklung über Sportgigant.at, wo ich den Filter im März 2017 relativ günstig gekauft hatte, völlig problemlos und schnell funktioniert. Mit dem zugeschickten Ersatzteil konnte ich die Reparatur selber durchführen. Einziges Problem war, die Klebstoffreste vom Klebeband wieder sauber zu entfernen, ohne den Kunststoff mit aggressiven Lösungsmitteln anzugreifen.

    10 vor 10 legen wir ab. Auf dem großen Strom haben wir mäßigem Gegenwind. Zum Teil können wir uns im Windschatten der Ufervegetation halten. Erst später am Tag frischt der Wind auf und es zeigen sich vereinzelte Schaumkämme auf den Wellen. Da habe ich dann nicht mehr zur Kamera gegriffen, da bin ich gepaddelt.



    Die Flussinsel (Map) umfahren wir links:


    Auf der flachen Sandbank vor der Insel rasten Vögel:


    Es sind ~60 Scherenschnäbel, 2 Großschnabel-Seeschwalben, 4 Amazonasseeschwalben, 4 Herbstpfeifgänse und 2 Witwenpfeifgänse:


    Ausschnitt aus dem vorletzten Bild, welchen ich ausnahmsweise in Originalauflösung belassen habe:


    Die größte Ansammlung von Wasservögeln hier am Rio Paraguai!

    Blick zurück nach Nordwesten auf die Berge der Serra do Amolar:




    Zum Abschied von diesem schönen Gebirge gibt es hier noch verlinkt ein schönes Schrägluftbild aus Süden auf die Sierra do Amolar (Quelle). Zur Orientierung: ganz links die Laguna Mandioré, im Bildzentrum die Sierra do Amolar, und rechts der Rio Pagaguai und das brasilianische Pantanal, offenbar bei Hochwasser.

    Wir versuchen wegen dem Wind im Windschatten der Ufervegetation zu bleiben:




    Zeitweise lässt der Wind auch nach:




    ¼1 erreichen wir die Fazenda und Porto São Pedro (Map):






    Eigentlich wieder eine vielversprechende Fazenda, mit Flugstreifen und schickem Schnellboot/Bayliner am Ufer. Wir legen an, könnten wir doch hier vielleicht noch zusätzliche Informationen zur Mata Cachorro erhalten.



    Aber wieder ist das Anwesen zerfallen. Zwei Schwarze wohnen zZ hier. Der jüngere der beiden lebt in dem einen großen Raum des Haupthauses. Die Hälfte des Raumes ist mit Bauschutt angefüllt. Im Rest steht ein Tisch, ein paar Sitzgelegenheiten, ein großer alter Kühlschrank, und es läuft ein Fernseher. Er will das Haus offenbar nach und nach wieder herrichten.

    Neue Infos zur Mata Cachorro bekommen wir nicht. Immerhin kennt er die Örtlichkeit in seiner unmittelbaren Nachbarschaft. Theoretisch könnten wir hier 200m über Land umtragen und könnten dann in die großen flachen Lagunen einsetzen, die ebenfalls nach ~8 bzw 11km zur Mata Cachorro führen. Aber den Aufwand sparen wir uns.
    Dann fragen wir noch, ob wir hier kaltes Bier kaufen können und was das kostet. Ich verstehe erst 2R$ , aber er wollte uns mitteilen, dass er nur alkoholfreies Bier hier habe. Kein Problem, nehmen wir.
    Wir bekommen jeder eine kleine Flasche alkoholfreies. Eine Wonne, wie dieses edle Getränk an solch heißen Tagen die Kehle hinunterrinnt.

    Noch im Stehen merke ich, wie etwas an meinen Aldi-Latschen herumhackt. Ein vorwitziger kleiner Papagei, ein Mönchssittich (Myiopsitta monachus), macht sich an mir zu schaffen. Wir sitzen im dunklen Raum, wohlgemerkt.
    Er hört auch nicht auf, als wir uns mit den Bieren setzen. Der Sittich erklimmt meine Hose, die Hosenfalten bieten ihm Halt, bis er auf meinem Knie sitzt:


    Dann steigt er auf meinen angebotenen Zeigefinger und lässt sich auf meiner Schulter absetzen. Grad so, als wenn wir uns schon jahrelang kennen würden. Er flüstert mir auch etliche interessante Sachen ins Ohr, die ich aber mangels entsprechender Sprachkenntnisse nicht interpretieren kann. Meine Ohrläppchen lässt er heile.



    Thomas nimmt ihn auch mal und wir machen ein paar Fotos:






    Wirklich lustig, das Tierchen, und macht einen hochintelligenten Eindruck. Der wusste genau, was er tut und wie er uns zu nehmen hat.
    Nach einer halben Stunde zahlen wir 10R$ für unser Bier und verabschieden uns.

    Wieder auf dem riesigen Rio Paraguai:


    Der Strom ist hier etwa 400m breit.

    6km weiter finden wir die Einfahrt zur Mata Cachorro. Sofort fällt das klare Wasser auf, dunkelbraun wegen schlammigem Grund, aber ein wahnsinns Kontrast zu den schwebstoffreichen trüben Brühen der Rios Vermelho, São Lourenço, Cuiabá und Paraguai:


    Auch im Satellitenbild ist der Unterschied der beiden Wassermassen sehr gut erkennbar:

    Link zum Google-Satellitenbild

    Der Kanal ist im Satellitenbild 15 - 20m breit, aber jetzt von beiden Ufern stark zugewachsen mit großgewachsenen Exemplaren der Dickstieligen Wasserhyazinthe (Eichhornia crassipes). Die verbleibende Fließrinne ist vielleicht 5m breit und strömt uns mäßig entgegen.

    Nach 250m kommt von Norden ein weiterer breiter Kanal dazu (Map), seitdem strömt es mit uns.

    Lagune im Norden, die von hier in 2 Richtungen entwässert:


    Weiterer Verlauf unserer Paddelstrecke, weitgehend zugewachsen, jetzt mit uns strömend:


    Der Kanal schlängelt sich sehr schön durch die sumpfige Landschaft. Baumreihen zeigen höheres Land an, vielleicht alte Uferwälle:




    Der Wind lässt hier im Schutz der Bäume schnell nach und man hört wieder mehr von der Tierwelt. Zweimal flüchten große Kaimane, die wir zwar vorher nicht gesehen haben, die sich aber durch mächtiges Welle-Schlagen verraten. Wenigstens spritzen sie uns heute nicht das Boot voll.

    Nach 2km geht es 800m nordöstlich über einen See:




    Am Nordende des Sees verfahren wir uns etwas in den Schwimmpflanzen-Beständen:


    Man wäre auch über freies Wasser durchgekommen.

    Danach geht es gegen eine erhebliche Strömung das Sumpfland hoch. Das Wasser wird jetzt noch einmal bedeutend klarer:


    Das muss es sein, ich denke hier haben wir die eigentliche Mata Cachorro gefunden. Das Wasser ist einige Meter tief, wechselnd vielleicht 2 - 4m. Der Grund ist jetzt stellenweise auch hell sandig, so dass man ihn sehen kann und nicht nur in schwarze unergründliche Tiefen blickt.

    Es ist jetzt 15 Uhr. Wenn wir hier tief drin in der Wildnis keinen geeigneten Zeltplatz finden, dann müssten wir wieder rausfahren zum Rio Paraguai. Das widerstrebt mir sehr, möchte ich morgen doch noch viel weiter hier reinfahren.

    Die Ränder des Freiwassers sind fast immer von den Wasserhyazinthen eingenommen. Dann folgen schwimmende Seggenwiesen, die auch voll im Wasser stehen bzw auf ihm schwimmen. Dann gibt es Flächen, die von dem Knöterich bestanden sind, der die Sandbänke am Fluss überwuchert. Hier probiere ich aus, ob das Land darunter fest und trocken genug ist, um darauf zu zelten. Grenzwertig, der Untergrund gibt immer noch ziemlich nach. Ich hätte es im Notfall vielleicht gemacht, aber Thomas ist gegen Feuchtigkeit am Lagerplatz allergisch.

    200m weiter stromauf sehe ich aber schon Bäume bis ans Wasser ragen:




    Das sieht verheißungsvoll aus. Wenn es da keine Möglichkeit gibt, dann kehren wir halt um.

    Das Wasser wird flacher, der Grund ist trittfest:


    Wir zwängen uns zwischen ein paar Ästen hindurch und kommen an Land:






    Wir haben großes Glück, das Land ist hier gut erreichbar und trocken und der Platz ist ziemlich einladend. Zwar müssen wir ein paar stachlige Palmen und Schlingpflanzen wegsägen und weghauen, aber danach haben wir ausreichend Freifläche. Wasserschwein-Losung.

    Über unserem Landeplatz die Nester der Stahlkassike, Solitary Black Cacique, Iraúna-de-bico-branco ((Pro)Cacicus solitarius):


    Die Vögel selbst schwirren auch hier herum, bereichern den Sound des Dschungels, aber es gelingt mir kein Foto von ihnen. Darum hier eins aus dem Netz:

    Foto Francesco Veronesi, CC BY-SA 2.0

    Eigentlich will ich ja nicht noch einmal das Glück herausfordern und noch einmal so tief und einsam im Jaguarland zelten, wo es schon wieder heißt, hier leben besonders viele Jaguare, wie Adriano extra gewarnt hat. Aber rein vom Zeitablauf wäre es nun mal heute Abend sehr unpraktisch, noch mal aus diesem schönen Gebiet herauszufahren. Am Ufer des großen Stromes wäre es übrigens auch nicht unbedingt sicherer als hier. Vor allem hätten wir auch dort wieder ein ganzes Weilchen nach einem Schlafplatz suchen müssen.

    Mein Zelt kommt auf einen eigenartigen Platz, der frei von Falllaub ist. Der gäbe einen schönen Jaguar-Ruheplatz ab:


    Schnell stehen die Zelte, ich dusche im klaren Wasser, wir füllen unsere Wasserflaschen auf. Feierabend.





    Das Kochen sparen wir heute und knabbern ein paar süße Kekse. Die Hitze ist einfach noch zu groß, selbst hier im Schatten des Blätterdaches.

    Hier sind wir wirklich an einem einzigartigen Platz im Pantanal, tief abgelegen in der Wildnis. Ein schöner Sonnenuntergang, viele Tierstimmen am Abend, Vogelkonzert, Brüllaffen-Chor, mehrfach bewegte Unterwasserjagd vor unserem Rastplatz. Für mich ist so etwas wie hier der perfekte Ort, das Pantanal zu erleben.









    Es gibt kaum lästige Insekten. Selbst nach Sonnenuntergang hält sich die Mückenplage in Grenzen. Ich hoffe, dass uns der Jaguar diese Nacht ferner bleibt als vor 3 Tagen. Die Grenzen unseres Reviers hier haben wir jedenfalls zu allen Seiten hin markiert.



    kleine Vorschau auf den nächsten Tag, den werde ich bald noch in einen neuen Beitrag verschieben:

    Sonntag, 22.09.2019, Mata Cachorro, 17.5km
    Es ist sehr still hier in der Nacht, einige Insekten und Laubfrösche sind zu hören, aber kaum Vögel. In der Ferne hört man bei der Stille gerade so noch die vereinzelten Schiffe auf dem 3km Luftlinie entfernten Rio Paraguai.

    Im Morgengrauen erwacht die Natur wieder. Ich liege im Zelt und schnappe ich mir das Tonaufnahmegerät:


    Um 6 Uhr rum hört sich das so an:


    Das ist eine reine Tonaufnahme. Dominant im Vordergrund ist ein Ockerbauch-Schattenkolibri, Buff-bellied Hermit, Rabo-branco-de-barriga-fulva (Phaethornis subochraceus Todd, 1915) zu hören. In der Ferne brüllen ein paar Brüllaffen, und 3 mal hört man das tiefe Brüllen der Kaimane in der Nähe.

    Ich habe meine Tonaufnahme im Video zusätzlich illustriert mit einem Foto des Ockerbauch-Schattenkolibris, welches mir Gerald, unser ODS-Wildniswanderer, zur Verfügung gestellt hat. Er hat es 2016 im Noel Kempff Mercado Nationalpark aufgenommen, und zwar oben auf dem Huanchaca-Plateau, einem der entlegensten Orte in Südamerika, ~550km nordöstlich von meinem Standort hier im Sumpf an der Mata Cachorro.

    Die Huanchaca-Hochebene ist eine sehr abgelegene, riesige Sandstein-Meseta, die sich 500m über den umgebenden Regenwald zu einer Hochebene aus Grasland und trockenen Cerradowäldern erhebt, von wo aus spektakuläre Wasserfälle die steile Böschung hinunter in die Flüsse des Parks stürzen. Diese abgelegene Hochebene erstreckt sich über 7000km², knapp die Hälfte des Nationalparks, und inspirierte Sir Arthur Conan Doyle zu seinem Roman ‘Die vergessene Welt’ - zumindest laut Colonel Percy Harrison Faucett, dem legendären britischen Entdecker, der die Hochebene als erster Europäer sah, als er 1910 hierher kam, um die Grenzen Boliviens zu vermessen, und der die Landschaft später Conan Doyle in London beschrieb.

    Das Brüllaffen-Bild ist aus https://youtu.be/_NHBKei0gPE
    Der Kaiman-Ausschnitt ist stumm und beschnitten aus https://youtu.be/dzX9q-9Rj4g, wobei der Ton aber mein Originalton ist.


    Später sitze ich beim Frühstück mit Blick auf das Wasser und dem Kaffee in der Hand, da taucht direkt vor mir groß ein Riesenotter auf, schaut mir in die Augen und taucht wieder ab. Wieder gibt es eine wilde Unterwasserjagd vor unserem Lagerplatz.

    Die Cacique, schwarze Vögel in Amsel-Größe, füttern ihre Kleinen an den Hängenestern überm Boot.

    Heute machen wir einen Sonntagsausflug die Mata Cachorro aufwärts. Mal sehen, wie weit wir kommen.

    , bis sie flach aus einem großflächigen Sumpfgebiet strömt.
    Geändert von Spartaner (14.05.2020 um 07:11 Uhr)

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