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    [SE] Padjelantaleden – Überall lockt der Luxus

    #1
    Mitreisende: 5-oclock-charlie
    Land: Schweden
    Reisezeit: Mitte bis Ende Juli 2018
    Region: Lappland/Padjelanta
    Karte: Komoot-Link(etwas runterscrollen)


    Padjelantaleden – Überall lockt der Luxus

    Was vorher passierte

    Knapp zwei Wochen vor der Tour habe ich plötzlich ein fieses Ziehen im Knie, das trotz Mitteln aus der Hausapotheke nicht weggehen will. Also schnell zum Arzt, der aber auch außer einer großen Schachtel Ibu, einer Bandage und dem Aufruf zur Schonung erstmal nichts ausrichten kann. In den folgenden Tagen trage ich fleißig meine Bandage, die Schmerzen lassen trotz Ibus und Schonung aber nur langsam nach. Ein paar Tage vor der Abreise stehe ich dann vor der Frage, was aus der geplanten Tour auf dem Padjelantaleden werden sollte. Ich könnte die Reise ganz abblasen, Flüge, Unterkünfte vor/nach der Tour und Bahn/Bus sind aber schon bezahlt. Eine andere kürzere Tour möchte ich auch nicht machen, schließlich habe ich mich schon so auf diese Ecke gefreut und vorbereitet. Bleibt noch die Möglichkeit der Verkürzung der Etappen und damit der Gesamtstrecke. Allerdings kann man beim Padjelantaleden ja nicht einfach zwischendurch aussteigen und für den Rest der Strecke den Bus nehmen. Dann erinnere ich mich an die Hubschrauber, die ein Jahr vorher bei meiner Wanderung in dem Gebiet über mich geflogen sind. Der Liniendienst von Fiskflyg wäre doch ein gute Möglichkeit die Tour am Anfang oder am Ende zu verkürzen.
    Da ich immer schon mal Hubschrauber fliegen wollte, gewann diese Idee schnell an Dynamik und 36 Stunden vorm Abflug nach Schweden hatte ich einen Flug von Kvikkjokk nach Darreluopal gebucht, der den Padjelantaleden für mich um gute vierzig Kilometer verkürzt. Bei der folgenden Umplanung der Etappen auf knieschonende Länge wird mir erst bewusst, welchen Luxus hier die Möglichkeit darstellt, sich mal eben mit dem Hubschrauber in die Wildnis oder zurück fliegen zu lassen. Von diesem Punkt an sind mir irgendwie überall Kleinigkeiten aufgefallen, die die Reise angenehmen machen, aber auch nicht hätten sein müssen … eben Luxus überall.




    Montag 16.7.2018

    Obwohl die Tour zunächst mit einer wenig glamourösen Bahnfahrt von Hameln zum Hamburger Flughafen beginnt, schlägt die Bequemlichkeit gleich erstmal in Form ein Vorübernachtung in der Nähe des Flughafens zu, um zum 9:00-Uhr Flug nicht zu nachtschlafender Zeit anreisen zu müssen. Immerhin spare ich mir am Flughafen den Luxus eines Taxis und gewöhn mein Knie nach Tagen der Schonung beim zwei Kilometer Marsch zur Unterkunft schon mal etwas an seine Aufgabe für die nächsten Tage. Und weil es noch so früh am Tag ist und ich nichts Besseres zu tun habe, laufe ich nochmal zum Flughafen zurück, esse dort was und kaufe noch ein paar Kleinigkeiten im Flughafen-Edeka, die ich vergessen habe … wie z.B. eine Zahnbürste. Nach einem kurzen Orientierungsrundgang für den kommenden Tag laufe ich wieder zurück und haue mich aufs Ohr.

    Dienstag 17.7.2018 – Anreise Hamburg - Luleå

    Hochmotiviert wache ich vorm Weckerklingeln auf und bin kurze Zeit später abmarschbereit. Den Weg zum Flughafen kenne ich schon gut und am Flughafen stehe ich dank der Vorarbeit von gestern Abend schon vor Schalteröffnung der SAS in der Abflughalle. Das gibt mir Zeit, meinen Trekkingrucksack in seinen Transportsack zu schieben und den Sack mit Kabelbindern zu verschließen. Dann macht auch schon der Checkin-Schalter auf und Dank des Luxus einer SAS Plus-Buchung komm ich als erster dran. Ich habe hier ein paar schmale Euro extra für mehr Freiheit für meine langen Beine und extra Gepäck ausgegeben und dazu gibt’s dann noch weitere Annehmlichkeiten wie Priority-Checkin.
    Am Schalter will die Dame dann nur meinen kleinen Koffer direkt einchecken, meinen recht kompakten Rucksack-Sack muss ich beim Sperrgepäck abliefern. Konspirativ vermute ich, dass sie hier gleich mal nach Gas-/Gaskocher suchen, die ich dann hier viel einfacher entfernen kann, als bei regulär eingechecktem Gepäck. Mein Kocher ist allerdings schon vor zwei Wochen per Paket zur Reise nach Lappland aufgebrochen. Als sich der Sperrgepäckmitarbeiter nach zwei Minuten dann von seinem Smartphone trennen kann, geht der Checkin dann ganz fix und ich bin meine Gepäck los.
    Ich nutze die nächsten zwei Luxus-Features des SAS Plus und schlüpfe durch die Fastlane ohne Wartezeiten durch die Security-Kontrolle. Danach frühstücke ich in der Lufthansa-/Star Alliance Lounge und warte dann gut gesättigt auf den Abflug.
    Wir starten pünktlich gen Stockholm und landen etwas vor der Zeit bei bestem Wetter in Arlanda. Jetzt sind es fast vier Stunden Zeit bis zum Weiterflug nach Luleå, in denen ich mich bei WLAN und Verpflegung in der SAS-Lounge rumtreibe. Im Flieger nach Luleå verkündet dann der Kapitän, dass wir noch auf ca. vierzig Transferpassagiere aus Göteborg warten, die sonst heute keine Möglichkeit mehr hätten nach Luleå zu kommen. Mit skandinavischer Gelassenheit nehmen die Passagiere diese Verzögerung hin und mit einer halben Stunde Verspätung heben wir dann alle ab. In Luleå sind es dann vierzig Minuten Verspätung, aber dank Priority-Gepäck habe ich schnell mein Gepäck. Ich befreie meinen Rucksack aus dem Transportsack und düse zur Bushaltestelle. Dort kann ich ohne Verzögerung ein Ticket (nur mit Kreditkarte!) kaufen und als ich mich umdrehe steht auch schon der Bus abfahrbereit hinter mir – läuft für mich.
    Das muss es auch, denn mittlerweile ist es 16:10 und ich habe etwas Zeitdruck. Eigentlich hätte ich genug Zeit, wenn nicht der Sendestatus meines Paketes mit dem Gaskocher unklar wäre. Laut Status konnte das Paket an das Hotel nicht zugestellt werden, weil niemand dort war. Wie das bei einer 24h-Rezeption funktioniert, ist mir zwar unklar, Fakt ist aber, dass sich der Status seitdem nicht verändert hat. Sollte mein Paket irgendwo beim Transport verschwunden sein, muss ich heute noch für einen Ersatzkocher sorgen, da ich morgen schon ganz früh Richtung Padjelanteleden starte. Also habe ich noch knapp zwei Stunden, bis die beiden örtlichen Outdoorshops Aventyrsbutiken und Naturkompaniet schließen.
    Der Bus fährt pünktlich los, biegt dann aber in Bergnäset nicht rechts auf die Bergnäsbron ab, sondern fährt in entgegengesetzte Richtung. Ein Blick zurück zeigt, dass die Bergnäsbron wegen Bauarbeiten gesperrt ist und ein weiterer Blick auf Google Maps, dass wir jetzt knapp fünfzehn Kilometer Umweg fahren müssen. Das zehrt zusätzlich an meinen Zeitreserven. Um 17:00 steige ich aus dem Bus und zehn Minuten später stehe ich an der Rezeption Elite Stadshotellet Luleå. Wie auch in einigen anderen guten Hotels in Luleå kann man hier in den schwedischen Sommerferien zum Preis knapp über einer STF Hüttenübernachtung mit vier Sternen und riesigem Frühstück nächtigen und dann für die Tour sogar überflüssiges Gepäck in Gepäckraum deponieren - vorausgesetzt natürlich man schläft nach der Tour nochmal hier.
    Im Hotel bekomme ich neben der Zimmerkarte noch einen Brief von Postnord, den mir erstmal übersetzen lassen muss. Immerhin enthält er die gute Nachricht, dass mein Paket bei einem Paketshop in der Nähe bis Ende August gelagert wird, der zu allem Überfluss auch noch täglich bis 23:00 geöffnet ist.
    Ich bringe meine Sachen schnell aufs Zimmer und düse dann zur Aventyrsbutiken. Dort erstehe ich noch schnell eine Primuskartusche und lokalen Mückenschutz und düse dann weiter zu Postnord im Coop, um mein Kocherpaket abzuholen. Auf einer Bank vorm Coop schraube ich dann gleich Kocher und Kartusche zusammen und teste kurz die Kombination, damit ich auf dem Padjelanteleden keine bösen Überraschungen erlebe und dann zu Hause Neues zur Liste kleiner Dämlichkeiten beitragen kann. In Deutschland hätte das wahrscheinlich in der Fußgängerzone Aufsehen erregt, hier im hohen Norden wird man kaum beachtet.
    Jetzt kann ich guten Gewissens den Ladenschluss der Outdoorläden verstreichen lassen und mich um die restlichen Einkäufe wie Essen und Sonnencreme kümmern. Vor lauter Rennerei um den Kocher konnte ich mich nämlich noch gar nicht über die knapp 30°C und den Sonnenschein hier oben freuen. Solches Top-Wetter hatte ich nicht erwartet und dementsprechend steht auch keine Sonnencreme auf meiner Packliste. Das mit dem Essen klappt bei Coop gut, die Sonnencreme finde ich erst in einer Apotheke, da die restlichen Geschäfte keine mehr haben.
    Ich gönn mir noch einen leckeren Burger bei Bastard-Burger lasse den Abend dann gemütlich im Hotel beim Überprüfen meiner Ausrüstung für den Padjelantaleden ausklingen.

    Das Leben ist kein Ponyhof!

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    AW: [SE] Padjelantaleden – Überall lockt der Luxus

    #2
    Mittwoch 18.7.2018 - Luleå bis in die Nähe von Duottar

    Um 5:00 klingelt der Wecker, schließlich fährt mein Zug nach Murjek schon um 6:07. Ich genieße die letzte warme Dusche, schnappe mir meine vorgepackten Sachen und stehe 5:35 zum Deponieren meines Koffers an der Rezeption – leider alleine. Auch Klingeln und Rufen bringt nichts, es ist keiner da. Immerhin ist die Eingangstür schon sperrangelweit offen, es muss also irgendwer im Gebäude sein. Das bringt mir aber nichts, wenn ich meinen Koffer mit den restlichen Klamotten nicht loswerden kann. Ich rufe im Hotel an, allerdings reagiert niemand auf das vor mir an der Rezeption klingelnder Telefon. Ich gehe meine Optionen durch und muss feststellen, dass ich eigentlich nur warten kann bis ich hier meinen Koffer loswerden kann. Ich gehe nochmal die öffentlich zugänglichen Bereiche ab, finde aber keinen Mitarbeiter.
    Gegen 5:50 habe ich mich schon von meinem Zug und den darauf folgenden Bus und Hubschrauber verabschiedet, als plötzlich eine Mitarbeiterin auftaucht und unter mehrfacher Entschuldigung den Gepäckraum öffnet. Mein Koffer fliegt hinein und fast im gleichen Moment hechte ich schon Richtung Bahnhof. Ich flitze durch die Fußgängerzone, quere den Park vorm Bahnhof und stehe nach knappen zehn Minuten am Bahnsteig … um dort festzustellen, dass der Zug erst mit zehn Minuten Verspätung losfahren wird. So habe ich noch etwas Zeit, mich über das Wetter zu freuen, das jetzt schon mit blauem Himmel und 26°C aufwartet.
    Als der entgegenkommende Zug dann eingefahren ist, können auch wir mit drei Bahnbediensteten und vier Passagieren nach Murjek starten. Während der Fahrt reduziere ich mein Marschgepäck um das Frühstück und steige nach neunzig Minuten als einziger aus unserem Zug in Murjek aus. Im Vergleich zu unserem Zug ist draußen die Hölle los. Der Nachtzug aus Stockholm hat dreißig Outdoorer ausgespuckt, die Rasenfläche, Bänke, Kiosk und „Bushaltestelle“ mit Trekkingrucksäcken bevölkern – hier fühl ich mich wohl.
    Kurze Zeit später fährt der Busfahrer den Bus vor, setzt sich aber dann nochmal in Sichtweite zwanzig Minuten bei einem älteren Ehepaar in den Garten. Dann finden doch die dreißig Trekkingrucksäcke und ein paar Koffer ihren Weg in den Laderaum des Busses und pünktlich geht es los. Der Busfahrer lässt es sehr entspannt angehen und ein Stunde später erreichen wir Jokkmokk, wo wir planmäßig eine Stunde Pause haben. Beim Aussteigen aus dem klimatisierten Bus renne ich gegen eine Hitzewand, das Thermometer des Buses zeigt 31°C an.
    Ich verziehe mich in den Schatten des Folketshuset und mach mir das erste Mal darüber Gedanken, wie sich das Wetter auf meiner Tour auswirken kann. Sicher wird es Richtung Kvikkjokk kälter aber auch schon 25-28°C ohne Schatten für einen ganzen Tag sind anstrengend. Hatte ich vor ein paar Jahre nicht mal im Forum von einer Hitzewelle in Lappland gelesen, wo Leute reihenweise ihre Tour verschoben oder abgebrochen hatten? Jetzt bin ich aber hier und werde auf jeden Fall erstmal starten – der Rest ergibt sich dann.
    Ich laufe zu ICA Supermarkt rüber und kühle meine Gedanken mit einem Eis wieder runter. Zurück am Busbahnhof unterhalte ich mich noch etwas mit andere Mitreisenden im Schatten, bevor es mit dem Bus weiter nach Kvikkjokk geht. Auf der Fahrt vernichte ich im Sinne der Gewichtsoptimierung noch mein Mittagessen und lausche einem Hörbuch. Hätte ich ein Ladekabel mit, hätte ich sogar an den USB-Ports im Bus sogar noch mein Smartphone laden können.
    Nach langer Fahrt entlang der Stauseen Barkávrre, Skálkká bzw. Sakkat und einer Pause in Årrenjarka erreichen wir kurz vor Kvikkjokk die Haltestelle für Helikopterbasis von Fiskflyg. Ich war irgendwie davon ausgegangen, dass hier nur wenige Leute aussteigen, als der Bus aber wieder abfährt, machen wir uns zu zwölft auf den Weg zu den Hubschraubern. Im Büro melde ich mich an und zahle 1350 SEK, schließlich war meine Buchung zu knapp für eine Überweisung.

    Fiskflyg Kvikkjokk

    Während wir noch warten, landet in Sichtweite ein Hubschrauber, sodass jetzt drei Hubschrauber für unseren Transport bereitstehen. An einer Waage wiege ich meinen Rucksack, der mit 16kg inklusive der für den Flug befestigten Trekkingstöcke deutlich weniger als Freimenge von 20 Kilo und nur etwas mehr als die angepeilten 15kg wiegt.

    Am Flugplatz ist viel los

    Dann werden wir nach Destinationen in drei Gruppe aufgeteilt und zu den Hubschraubern geführt. Unser Eurocopter EC 120 B wird noch aufgetankt und so können wir die Starts der beiden anderen Hubschrauber anschauen, bevor wir unseren Helikopter mit der Ausrüstung beladen. Mit mir fliegen noch drei Schweden, die zusammen auf der hinteren Bank Platz nehmen. Somit bleibt für mich nur der vordere Platz neben dem Pilot mit Blick durch die gläserne Front … Glück muss man haben.

    Unser Eurocopter EC 120 B wird betankt

    Der Pilot lässt den Motor an, bringt der Rotor auf Drehzahl und schon geht’s zu meinem ersten Hubschrauberflug los. Wir steigen über dem kurvigen Delta vom Tarraälven und der Gamájåhkå auf, fliegen ein Stück den Tarraälven entlang und biegen dann Richtung Nordwesten ins Vállevágge ab.

    Blick über den See Mierdekjávvre und den Tarraälven

    Tarraälven
    Blick an den Füßen vorbei

    Dort fliegen wir recht niedrigen über den Fluss zum Ende des Tals und passieren am Bergrücken den Gipfel Ruonas. Ich habe manchmal das Gefühl die Steine am Boden berührend zu können, so niedrig fliegen wir … gefühlt. Der Hubschrauber hält sich im Tal und fliegt über den See Buojdes zurück ins Tarraälven-Tal.

    Vállevágge



    Nahe Ruonas









    Der Padjelantaleden kommt in Sicht

    Nach ein paar Kilometern im Tal setzt der Hubschrauber auf einer flachen Wiese drei Kilometer südlicher der Hütte Darreluoppal auf und der Flug ist leider schon wieder zu Ende. So will ich jetzt immer meine Touren beginnen. Der Flug durch diese tolle Landschaft war auf jeden Fall der Hammer. Mal sind wir hoch mit toller Aussicht, mal gefühlt ziemlich niedrig durch Täler geflogen. Der Flug an sich war wegen des starken Rückenwindes wohl leicht unruhig, wenn der Pilot mit das aber nicht erzählt hätte, wäre mir das nicht besonders aufgefallen.

    Darreluoppal-Hütten

    Landeanflug

    Naturlandeplatz

    Wir steigen bei laufendem Rotor aus, bekommen unsere Rucksäcke und entfernen uns instinktiv leicht geduckt vom Hubschrauber. Der Pilot verabschiedet sich, steigt wieder in den Hubschrauber und hebt knatternd Richtung Süden nach Kvikkjokk ab. Als der Rotorenlärm verklungen ist, ist es plötzlich ganz still. Das genieß ich noch etwas in der Sonne, bevor ich mich aufraffe. Ich binde mir die Schuhe fest, schmiere mich präventiv mit Sonnencreme ein und schnappe mir die Trekkingstöcke – es kann losgehen. Nachdem ich mich von den drei Schweden aus dem Hubschrauber verabschiedet habe, die sich in der Nähe des Weges niedergelassen haben, suche ich mir einen Weg zum Padjelantaleden.

    Time to say goodbye

    Nach ein paar hundert Metern Richtung Norden bzw. der Darreluoppal-Hütten erreiche ich auf dem Padjelantaleden schon den ersten Bach, der gefurtet werden muss. Das stellt sich bei fast 30°C und Windstille als äußerst angenehmes Hindernis dar. Nach einem weiteren Bach, der so zu überqueren ist, passiere ich den eigentlichen Hubschrauberlandeplatz von Darreluoppal. Warum wir hier nicht gelandet sind weiß nur der Pilot – vielleicht lag es am ungünstigen Wind oder an der Tatsache, dass wir hier schon im Sarek Nationalpark sind.
    Vom Wind merke ich jetzt allerdings gar nichts mehr, denn hier im Tal steht die Luft jetzt förmlich. Ich will mich aber nicht über das Luxus-Wetter beschweren und bin gespannt, wie viele Tage ich im T-Shirt rumlaufen kann. Nach drei Kilometern passiere ich die Hütten von Darreluoppal, die ausgestorben auf einem Hügel liegen. Auf der Brücke über den Vássjájåhkå kommen mir zwei Japaner entgegen, die ziemlich fertig aussehen und komplett durchgeschwitzt sind. Mal schauen wie ich am Ende des Anstiegs aussehe, der mich jetzt erstmal hundertfünfzig Höhenmeter aufwärts führt.

    Blick zurück nach Darreluoppal

    Ich bin oben nicht durchgeschwitzt, obwohl die Sonne erbarmungslos brennt. In den vielen kleinen Pausen, in denen ich das Traumpanorama des Tales genossen habe, bin ich scheinbar wieder genug abgekühlt. Trotzdem rehydriere ich am nächsten Bergsee erstmal großzügig. Von hier sind es noch etwa sieben Kilometer relativ ebener Weg bis zur Hütte Duottar, der sich entlang einiger Seen durch die Landschaft schlängelt.

    Hügel …

    Immerhin setzt jetzt ein leichter Wind ein und macht die Hitze etwas angenehmer. Der leichte Wind hält auch die Mücken zurück, hindert aber nicht zwei Zentimeter lange Riesenbremsen am Start. Die Viecher sind echt nervig, da sie laut, schnell und recht beharrlich sind. Als mich dann die erste am Bauch durch das T-Shirt sticht, ist Schluss mit lustig. Während zwei Bremsen bei weiteren Stichversuchen den Heldentod sterben, schwillt der schmerzhafte Stich am Bauch an und wird dunkelrot. Später erfahre ich von den Samen, dass die Bremsen normalerweise nur im Frühjahr auftreten und dann zum Sommer verschwinden – aber dieses Jahr ist irgendwie nichts normal.

    ... Seen wechseln sich ab

    Ich nutze jeden See, um meine Tasse hineinzuhalten und ein paar Schlucke zu trinken. Beim Trinken fallen mit im Bereich der Ufer mehrfach Risse im torfigen Boden auf, die auf Trockenheit zurückzuführen sind. Auch der Weg ist knochentrocken und ich muss beim Gehen nicht auf Pfützen oder Matsch achten.
    Ich weiß nicht, ob es mit niedrigen Wasserstand zu tun hat oder immer so ist, aber die in der Karte verzeichnete Verbindung zwischen den Seen Gieddoajvejávrátja und Gårråjávrátj kann ich über ein paar Steine trockenen Fußes passieren.
    Trotz so einfacher „Hindernisse“ und des Elans des ersten Tages zieht sich der Weg zur Duottar-Hütte doch etwas. Als ich die vom BLT betriebenen Hütten erreiche, sehe ich auch hier keine Zeichen für anwesende Menschen. Ich mache in mitten der Hütten eine kurze Pause und schau mich etwas auf dem Hügel um, auf dem die Hütten liegen. Als mein Blick dann weiter in die Ferne schweift, bemerke ich im Südwesten eine Wolkenwand, die sich dunkel auftürmt.
    Plötzlich höre ich es ganz deutlich, der Luxus ruft in Form eine Hütte. Hier müsste ich mir keine Sorgen um Regen machen und hätte noch einen entspannten Übergang vom Hotelbett zur Isomatte. Ich wiederstehe, schließlich will ich mein neues Big Sky Chinook 1 Plus endlich mal in der Natur aufbauen. Von der Hütte steige ich ab zum Abfluss des Sees Duottarjávrre, der von oben so aussah, als müsste ich hier die Wanderschuhe erneut ausziehen. Als ich vor dem gut zehn Meter breiten Bach stehe, sehe ich allerdings so viele Steine im Wasser, dass eine Querung trockenen Fußes möglich ist. Wenig später habe ich mit Hilfe meiner Stöcke und des sicherlich sehr niedrigen Wasserstandes das Gewässer problemlos überquert. Da die ersten Wolkenberge jetzt auch im Tal sichtbar sind, suche ich gleich mal nach einem Platz für mein Zelt, finde aber auf Grund meiner derzeit hohen Ansprüche erstmal nichts.
    Ich folge dem Wasser nach Westen und muss den Bach Rådokjåhkå, wie er ab hier heißt, gleich nochmal queren. Hier ist er allerdings nur noch drei Meter breit und hat dadurch gleich viel mehr Strömung und Wassertiefe. Die zügig dunkler werdenden Wolken aus Süden treiben mich an, schnell die Schuhe auszuziehen, ohne große Pause durch den Bach zu waten und drüben die Schuhe schnell wieder anzuziehen. Noch ein Schluck aus der Trinkflasche und schon geht es weiter den Padjelantaleden entlang auf der Suche nach einem Zeltplatz. Mit Herannahen der Gewitterfront schrumpfen die Ansprüche an einen Übernachtungsplatz. Nach knapp zwei Kilometern werde an einem Bach fündig - besser könnte ich es selbst ohne Druck auch nicht erwischen. Am Bach ist eine große ebene Fläche, die in Richtung Süden durch einen Abhang Windschutz bekommt.
    Ein Dach übern Kopf wird jetzt auch dringend nötig, da die Gewitterwolken mich schon erreicht haben und es in der Ferne schon unheilvoll grummelt. Immerhin habe ich das neue Zelt zu Hause schon ein paar Mal aus Neugier und für kleine Modifikationen aufgebaut, sodass ich mich jetzt nur an den Aufbau bei Wind gewöhnen muss. Als ich nach guten zehn Minuten den Hering für die letzten Abspannleine in den Boden drücke, beginnt es zu tröpfeln und ich schmeiße meine Ausrüstung in die kleine Apsis und ins Innenzelt. Während ich mich und meine Ausrüstung zwischen den beiden Apsiden und den Innenzelt hin und her sortiere, bricht draußen das Gewitter richtig los.
    Als dann erstmal alles temporär verteilt ist, prüfe ich, ob mein Zelt überall dicht ist. Draußen schüttet es mittlerweile wie aus Eimern und Blitz und Donner folgen immer kürzer aufeinander. Nach dem das anfängliche Unbehagen der Gewissheit gewichen ist, dass mein Zelt komplett dicht ist und an einem relativ sicheren Platz steht, beginne ich mich für die Nacht einzurichten. Es gibt sicherlich bequemer Dinge, als eine DownMat in einen Ein-Person-Zelt mit dem Snoozle-Bag aufzupumpen, aber bald liege ich gemütlich mit einem Kindle in der Hand trocken und warm in einem fiesen Gewitter mitten im Nichts.
    Das Gewitter gibt sich Mühe, diese Gemütlichkeit noch lange zu erhalten. Nach einer gefühlten Ewigkeit lässt dann das Blinken der Blitze nach und der Donner wird leiser. Das Gewitter zieht Richtung Nordost und vermiest jetzt den Trekkern am Rande des Sarek den Abend. Hier im Tal ist nur ein starker Regen geblieben, der keine Anstalten macht, aufzuhören.
    Praktischerweise steht heute zum Abendessen noch nichts Warmes auf dem Speiseplan, sodass ich mir keine Gedanken machen muss, wie ich bei Regen in der Apsis koche. So gibt es Wurst aus Luleå mit Baguette aus Kvikkjokk. Nach dem Abendessen ist gefühlt noch viel Tag übrig, den ich versuche, mit Lesen und Körperpflege am Bach rumzubringen. Die Helligkeit und die geringe Anstrengung des heutigen Tages lassen mich dann nur langsam einschlafen.


    Donnerstag 19.7.2018 - Duottar bis Stáloluokta

    Irgendwann habe ich es dann scheinbar doch geschafft und dann gut durchgeschlafen, bis mich helles Licht und Wärme im Zelt geweckt haben. Ein kurzer Blick auf die Uhr verrät mir, dass ich nicht verschlafen habe – kurz vor 6:00 – willkommen im schwedischen Sommer.

    So muss das …

    Draußen erwarten mich bestes Wetter mit blauem Himmel, Sonnenschein und leichtem Wind. Ich nutze den Schwung, wasche mich am Bach, räume meine Sachen aus meiner Behausung aus und beginne mit dem Abbau des Zeltes, das dank der Sonne jetzt schon trocken ist. Beim Packen des Rucksacks bemerke ich den ersten Verlust der Tour. Gestern muss ich beim Trinken nach dem Furten des letzten Baches den Deckel meiner Trinkflasche am Bach liegen gelassen haben. Da ich nicht genau weiß, ob es dort oder schon vorher passiert ist, entscheide ich mich gegen das Zurücklaufen.
    Mangels Hunger wird das Frühstück verschoben und so komme ich schon gegen sieben los - Dank des Wetters schon beinahe im T-Shirt. Ziel für heute ist das ebene Tal am See Gieddávrre, dass von hier zehn entspannte Kilometer in Richtung Stáloluokta liegt. Kurz nach dem Losgehen passiere ich ein Pärchen aus Tschechien (wie ich später erfahre), das auf einer kleinen Insel in einem Bach ihr Zelt aufgeschlagen hat und gerade Frühstück kocht. Langsam fängt mein Magen auch an zu knurren, ich habe mir aber vorgenommen, im T-Shirt zu frühstücken.



    Bald ist es dann soweit, Sonne und die gestiegene Temperatur erfordern nur noch ein T-Shirt und wenig später mache ich am See Ieltijávrásj Halt und bereite Frühstück vor. Auch für die lokalen Mücken ist mittlerweile Frühstückzeit und so greifen sie mich vor allem an den blanken Armen an. Wenig später bewege ich mich dann wieder langärmlig durch die Landschaft, um beim Frühstücken nicht gestochen zu werden. So viel zum Frühstücken im T-Shirt.
    Nach dem Abbau und ein paar kräftigen Schlucken aus dem See geht es weiter in Richtung der Brücke über den Bållåvrjåhkå. Den wilden Fluss überspannt hier eine metallene Bogenbrücke auf Betonfundamenten. Diese wurde scheinbar schon oft auf, ab oder neu gebaut, denn unterhalb der Brücke zähle ich noch drei Betonfundamentpaare ähnlicher Art.
    An der Brücke mache ich erstmal wieder auf einem großen Stein in der Sonne Pause. Wenig später passieren mich die Tschechen, wobei der Mann nur in Unterhose mit an der Seite komplett geöffneter Regenhose läuft … heute ist wohl Waschtag. Und plötzlich ist hier richtig was los – auf die Tschechen folgt eine neunköpfige geführte Reisegruppe. Während die Gruppenleiterin und zwei Teilnehmer mit Leichtigkeit vorneweg gehen, kämpft der hintere Teil der Kolonne schon arg mit der Steigung zur Brücke hin.

    Viel los im Fjell

    Ich unterhalte mich kurz mit der schwedischen Gruppenleiterin, lasse den Rest ihrer Gruppe über die Brücke gehen und mach mich dann weiter auf den Weg in Richtung Stáloluokta. Zunächst geht es herunter ins Tal, wo der Bållåvrjåhkå in den See Gieddávrre fließt. Für die nächsten fünf Kilometer ist das Gelände flach und lädt schon fast zum Rennen ein. Eigentlich wollte ich hier irgendwo mein Zelt aufschlagen, allerdings ist mir das hier noch viel zu früh. Ich passiere noch ein Wander-Trio und schon bin ich wieder allein in diesem weitläufigen Gebiet auf. Der Fluss Bållåvrjåhkå wird hier breit und flach und geht in den See über. Eigentlich eine gute Stelle für eine Mittagspause. Allerdings gehe ich jetzt erstmal durch eine kleinen Wald aus niedrigen Bäumen und Büschen und bin zudem zu weit entfernt vom Wasser des Sees, dass ich zum Kochen brauche.
    Vielleicht bekomme ich auch bald schon etwas frisches Wasser vom Himmel, denn im Süden sind über die Berge die ersten Wolken zu sehen. Ein paar hundert Meter weiter vernehme ich plötzlich ein entferntes Donnergrummeln und kann beim Umdrehen meinen Augen kaum trauen. Dort, wo vor einem Augenblick noch ein paar harmlose Wolken waren, schiebt sich jetzt eine gewaltige dunkle Gewitterfront über die 1300m hohen Gipfel des Kierkevare. Mit etwas Geduld kann ich die so mit bloßen Auge zu grobe Zugrichtung feststellen – dummerweise genau auf mich zu.
    Ich schau kurz reflexartig um mich herum, wo ich mir zur Not verkriechen kann, wenn mich das Gewitter trifft, finde aber nichts. Was zum schnellen Vorankommen perfekt ist, wird jetzt zum Nachteil. Hier im flachen Tal gibt es nichts, wo man sinnvoll Unterschlupf finden kann. Es gibt keine Gebäude, keine hohen Steine, keine Täler und Senken. Und unter niedrige Krüppelbüsche möchte ich auch nicht. Ich mache das einzige Sinnvolle und gebe erstmal in der Hoffnung Hackengas, dass es mich schon nicht treffen wird. Allerdings sind die ersten dunklen Wolken bald über mir und das Donnern wird schnell lauter.
    Einen guten Kilometer Fußmarsch nach dem ersten Donner sehe ich schon das Funkeln der Blitze, ohne sie direkt zu sehen. Als ich im Kopf schon fast den Entschluss gefasst habe, mich im Gestrüpp flach auf dem Boden zu legen, komme ich an eine leichte Senke, in die der Weg führt. Die Senke wird von einem zehn Meter hohen Hügel gesäumt, auf den ein paar verkrüppelte Büsche wachsen - besser wird’s nicht.
    Bei den ersten großen Regentropfen werfe den Rucksack in die Moltebeeren und stelle dabei fest, dass ich noch keine Gedanken an Regenschutz verschwendet habe. Ich schnappe mir mein Regenzeug, ziehe schnell den Regenschutz über den Rucksack und stürze geduckt zehn Meter weiter auf den tiefsten Punkt der Senke zu. Dort setze sich mich auf die Bohlen eines Holzsteges, der hier den Untergrund gegen Wandererosion schützen soll und ziehe hektisch mein Regenzeug an. Mittlerweile schüttet es wie aus Eimern und die Zeitunterschiede zwischen Blitz und Donner gehen auf drei Sekunden zu.
    Kurzer Check meiner Lage: Wasserdicht verpackt bin ich und ich sitze im Schneidersitz am tiefsten Punkt, den hier das Gelände hier bietet auf einer Holzbohle, die an dieser Stelle keinen Kontakt zum Boden hat und hoffentlich nicht besser leitet als alles Nasse um mich herum. Alles was außer Knöpfen und Reißverschlüssen aus Metall ist, liegt gute zehn Meter von mir entfernt im weiteren Verlauf der Senke- ich glaube ich kann im Moment nicht an meiner Lage verbessern und kann nur das Gewitter über mich hinwegziehen lassen. Wie war das noch mal im Forum beim Verhalten im Gewitter?
    Zwischen Blitz und Donner zähle ich jetzt nur noch bis maximal zwei. Wegen des starken Regens kann ich nicht mal feststellen, in welcher Richtung die Blitze einschlagen. Der Regen nimmt mir zudem die Sicht auf alles was weiter als zwanzig bis dreißig Meter entfernt ist. Aus allen Richtungen wird’s jetzt gleichzeitig hell und der Donner scheppert nur noch in den Ohren. Der Wind wird immer stärker und ich ziehe mein Hardshell am Kopf maximal zusammen, damit meine Klamotten darunter nicht über mein Gesicht geflutet werden. Trotzdem peitscht mir der Regen immer noch ins Gesicht und der Donner wird dadurch auch nicht mehr weiter gedämpft. Ich senke den Kopf, um durch die hell flackernden Blitze nicht direkt geblendet zu werden.
    Unweigerlich mache ich mir Gedanken, was passiert, wenn mich der Blitz hier erwischt. Ich komme aber schnell zum Schluss, dass ich das sowieso nicht mehr mitbekommen werde. Während der Wind im Gewitter noch stärker wird und mir trotz gesenktem Kopf das Wasser ins Gesicht drückt, werden die Abstände zwischen Blitz und Donner langsam wieder größer. Mittlerweile hat auch das Wasser in Massen den Weg zu mir in den tiefsten Punkt der Senke gefunden und sammelt sich zu einer respektablen Pfütze unter dem Bohlenweg.
    Nach ein paar langen Minuten zähle ich schon wieder zwischen jedem Blitz und Donner über drei. Bald danach wechselt der Regen von Weltuntergang auf Regenguss und ich kann langsam wieder mehr als hundert Meter weit sehen. Ich warte noch, bis ich beim Zählen zwischen Blitz und Donner mehrfach auf zehn komme und versuche dann mit steif gewordenen Gelenken aufzustehen. Dieses Gewitter wäre überstanden. Eigentlich schaue ich Gewittern gerne zu und hab schon viele fasziniert in Bushaltestellenhäuschen, Zelten und auf Balkonen über mich hinwegziehen lassen. Aber so nah und in exponierte Lage brauch ich das nicht nochmal.
    Mein Rucksack und die Trekkingstöcke liegen noch da, wo ich sie hingeworfen habe und wurden nicht vom Blitz getroffen. Nachdem das Wasser abgeklopft ist, bin ich schon wieder auf dem matschigen bzw. überfluteten Weg nach Stáloluokta. Von meinem Plan heute hier mein Zelt hier in der Ebene aufzuschlagen habe ich mich im Gewitter schon verabschiedet. Zwar ist es merklich abgekühlt, aber ein zweites Gewitter kann ich heute nicht ausschließen. Als Indiz für eine derzeit lokal stabile Wetterlage fliegt der 13:00-Hubschrauber von Kvikkjokk nach Stáloluokta mit einer Stunde Verspätung an mir vorbei.
    Manchmal ist das Gute so nah … fünfhundert Meter von meiner ausgesetzten Senke entfernt finde ich dann eine kleine Schlucht, wo ich das Gewitter super an mir hätte vorbeiziehen lassen können. Sogar eine kleine Höhle ist hier vorhanden. Später in Stáloluokta erzählen mir die beiden Tschechen, dass sie das Gewitter genau hier trocken überstanden haben.
    Ich geh weiter auf einen Kamm, quere problemlos zwei kleine Bäche und marschiere durch offene Flächen mit vielen kleinen Büschen. Zum ersten Mal habe ich Garmaschen mit, die sich hier jetzt voll bezahlt machen. Trotzdem sind meine Schuhe am Ende des Tages innen leicht nass, vielleicht auch noch eine Folge des Gewitters.
    Es geht noch etwas bergauf, dann passiere ich einen kleinen und See und schon stehe ich auf einem Hügel oberhalb der zerstreuten Hütten von Stáloluokta. Von hier oben sind es noch gute anderthalb Kilometer bis zur vom Badjelánnda Laponia Turism betriebenen Fjellhütte.

    Dunkle Wolken über Stáloluokta

    Ich folge dem Weg runter zur Hütte und biege ein Stück vor der Brücke über den Fluss Richtung See ab. Dort bietet eine riesige ebene Fläche massig Platz für Zelte, wobei die besten Plätze direkt am Uferstreifen zu finden sind. Da ich nicht ausschließen kann, dass dieser Streifen noch zu der BLT-Hütte gehört, mache ich mich erstmal auf, den Stugvart zu suchen.
    An der Hütte angekommen, treffe ich zunächst nur auf eine geführte deutsch-österreichische Wandergruppe, die in einigen der Zimmer der Hütte übernachtet. Aus den Aushängen kann ich aber ersehen, dass mein ausgesuchter Platz zum Zeltplatz der Hütte gehört und somit kostenpflichtig ist. Während ich auf den Stugvart warte, komme ich mit den Tschechen ins Gespräch, die von Sulitjelma über Tarrekaisestugen hierher gewandert sind und noch bis Ritsem wollen.
    Als dann der gut einen halben Kilometer entfernte Parfas Kiosk aufmacht, gehen wir gemeinsam dorthin und füllen unsere Vorräte auf. Ich habe für gute fünf Tage Proviant mitgenommen, da man hier an vielen Stellen luxuriöser Weise verschiedenste Nahrungsmittel kaufen kann. Da ich auch später noch Vorräte erstehen kann und noch viel übrig habe, erstehe ich neben zwei Dosen Bier/Cider nur einiges an Süßigkeiten und leckeren geräucherten Rentierschinken. Beim Zahlen erlebe ich dann die nächste Überraschung: Ich kann hier mit Kreditkarte zahlen – Luxus.

    Ergebnis eines Einkaufsbummels zum Kiosk

    Mit meinen Einkäufen im Rucksack gehe ich wieder in der Hoffnung zur BLT-Hütte, dass der Stugvart jetzt anwesend ist. Dies ist aber immer noch nicht der Fall und so baue ich lieber mein Zelt auf, bevor ich zu sehr ins Grübeln zu kommen und mir heute den Luxus einer Hüttenübernachtung zu gönne.

    Der Ausblick ist etwas grau

    Einen halben Kilometer von der Hütte entfernt finde ich einen schönen Platz mit Blick auf den See, einem kleinen Steinwall zum Windschutz und einem kleinen Baumstamm zum Hinsetzen - hier bleibe ich heute Nacht. Nach ein paar Minuten hat sich meine Anwesenheit unter den lokalen Mücken rumgesprochen und die Plagegeister gehen mitten beim Zeltaufbau zum Generalangriff über. Den müssen sie nach Fertigstellung meines mobilen Mücken- und Wetterschutzes allerdings wegen stärker werdenden Windes abbrechen. Ich nutze die Ruhepause und richte meine knapp zwei Kubikmeter Wohnraum für die Nacht ein. Nach dem Gespräch mit einer Deutschen, die heute mit dem Hubschrauber angekommen ist und etwa hunderte Meter weiter ihr Zelt für ein paar Tage aufgeschlagen hat, lege ich mein gekauftes Bier zum Kühlen in den See und mach mich zum dritten Mal auf zur Hütte.

    BLT-Hütte

    Diesmal habe ich Glück und kann meine 140SEK „Servicegebühr Zelt“ loswerden. Damit könnte ich hier die Sanitäranlagen, den Aufenthaltsraum, die Sauna, den Trockenraum und die Küche nutzen. So viel Luxus brauch ich nicht und werde wohl nur die Toiletten und die Recyclingstation unten am Wasser nutzen.
    Jetzt ist aber erstmal meine persönliche Outdoorküche dran, die heute Real Turmat Kebap anbietet. Allerdings liegen die Mücken bei meiner Küche im Hinterhalt und starten beim Wasserkochen ihren nächsten Großangriff. Ich fülle noch schnell das kochende Wasser in die Tüte und hole mir dann mit den Armen rudernd mein kaltes Bier aus dem See. Schnell ziehe ich mich ins Zelt zurück und verzichte so auf ein Abendessen mit Seeblick. Immerhin kann ich im Zelt entspannt essen, während zwischen Innen- und Außenzelt eine große Mückenparty beginnt. Wenig später haben auch jede Menge kleine Fliegen den Weg unters Außenzelt gefunden und verursachen mit den Mücken eine Geräuschkulisse, die an Regen erinnert. Ich lehne mich aber entspannt mit meinem kalten Bier zurück und lese etwas, bevor die Natur ruft und ich mich zum letzten Mal für heute raus in die Mücken kämpfen muss.
    Geändert von 5-oclock-charlie (08.11.2019 um 08:58 Uhr)
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    AW: [SE] Padjelantaleden – Überall lockt der Luxus

    #3
    Freitag 20.7.2018 - Stáloluokta bis Árasloukto

    Früh habe ich gepennt, früh wach ich auch wieder auf, dreh mich aber nochmal erfolgreich um. Als es dann Zeit zum Aufstehen ist, lausche ich aufmerksam. Am Außenzelt höre ich weder von Regen, noch von meinen Insekten-Freunden etwas. Ein kurzer Schlag ans Zeltdach und die gewohnte Geräuschkulisse ist wieder da. Ich halte mich gar nicht mit einem Blick aus dem Zelt auf, sondern verlasse es gleich auf die schnellstmögliche Art. Außerhalb des Mückengürtels im Zelt erwarten mich leichter Wind und tiefhängende Wolken, die aber nicht nach Regen aussehen.
    Zufrieden hole ich meinen Rucksack aus dem Zelt, öffne beide Eingänge und mache dann am See an die Körperpflege. Zurück am Zelt haben leider nur wenige meiner Mitbewohner die Einladung zum Abflug angenommen. Den Rest versuche ich jetzt unsanft vor die Tür zu setzen – was würde ich jetzt für einen Ultralight-Titan-Mücken-Sauger geben
    Irgendwann wird’s mir dann zu viel und ich beschließe, dass die restlichen Insekten jetzt mit mir zum nächsten Zeltstandort umziehen. Mit ein paar Gramm Mehrgewicht packe ich meinen Rucksack und ziehe fürs Frühstück auf die Bänke vor der Hütte mit Ausblick über Stáloluokta um.

    Immer noch alles grau

    Während ich dort sitze und Müsli und Tee genieße, beginnt in der Hütte der große Abmarsch. Ich kann mich noch entspannt zurücklehnen und weiter die Aussicht genießen. Schließlich habe ich gestern mehr geschafft als geplant und kann es heute locker angehen lassen. Nach dem Frühstück kämpfe ich noch um ein paar Gramm und lasse meinen Müll in den Recycling-Containern hinter Hütte. Als dann der Rucksack neu gepackt ist, zeigt die Waage an der Hütte nur noch vierzehn Kilo für den Rücken an. Noch kein UL, aber schon auf dem Weg zum Luxus
    An der Hütte komme ich heute als letzter los. Während ich durch Stáloluokta marschiere, landet schon der erst Hubschrauber auf einer der drei Landeplattformen am See Virihaure. Von der BLT-Hütte geht es zunächst ein Stück parallel zum See durch die einfachen Hütten und Häuser, dann steigt der Weg gute hundert Höhenmeter entlang der Westflanke des Unna Djidder entlang auf. Beim Aufstieg passiere ich eine Menge Holzplanken, die hier wohl abgelegt sind, um den Weg hier mit Bohlenwegen zu versehen.



    Nach drei Kilometern sind die Höhenmeter geschafft und zur Belohnung scheint die Sonne endlich durch die Wolken. An zwei kleinen Bächen, die von einer nahe liegenden Seengruppe kommen, lege ich eine Trinkpause ein. Wo ich schon mal hier bin, kann ich vor dieser Traumkulisse auch gleich Mittagspause machen. Eigentlich habe ich noch nicht genug für ein Mittagessen geleistet, aber einen Platz mit schönem Ausblick und Wasser werde ich laut Karte auf den nächsten Kilometern nicht finden. Ich entscheide mich für einen großen Stein mit Ausblick über den Virihaure und die dahinterliegenden Gipfel. Während ich mein Mittagessen in Tütenform zubereite, kann ich förmlich zugucken, wie die restlichen Wolken verschwinden und den 360°-blauen Himmel freigaben.

    Pause überm Virihaure

    Nach dem Essen fällt es mir schwer, mich von dem Traumpanorama zu lösen - nicht mal Mücken wollen mich von diesem Platz vertrieben. Irgendwann schaffe ich dann den Absprung und setzte meinen Weg Richtung Árasloukto fort. Dort will ich auf einem kleinen Plateau oberhalb der Siedlung mein Zelt aufschlagen. Bis dorthin sind nur noch sieben Kilometer, die erst durch eine Seengruppe und dann im ständigen Auf und ab an einer Hügelflanke entlang führen.





    Nach den Idyllischen Seen geht es moderat gute achtzig Höhemeter empor. Am Ende des Aufstiegs kommt mir wieder eine geführte Gruppe Schweden entgegen, die mich mit mitleidigen Kommentaren zur Steigung passieren lassen. Hinter dem nächsten kleinen Tal geht es nochmal auf den höchsten Punkt der Etappe mit 818 Höhenmetern. Von hier geht es dann in mit einigem kleinen Auf-und Ab nur noch runter. Leider sieht man von diesem Punkt auch schon wieder dunkle Gewitterwolken im Nordosten, die sich wenig später zehn Kilometern weiter im Tal des Fluss Miellädno mit kontinuierlichem Donnergrollen abregnen. Ich bin zwar durch den Berg Áras davon abgeschirmt, werde aber wieder an die Erfahrungen von gestern erinnert.



    Wie gestern gehe ich auch heute an einer Bergflanke entlang, die mir in Teilen die Sicht in die Richtung nimmt, aus der das Wetter kommt. Ich gehe etwas schneller und schaue mich dabei immer wieder um - so einen Begegnung wie gestern brauche ich nicht nochmal. Irgendwann ist es dann auch so weit, dass auch in meinem Rücken wieder dunkle Wolken aufziehen. Immerhin sind diese heute nicht so schnell, ich mache aber trotzdem Hackengas vom Berg runter.

    in einem Tal trotzt der Schnee noch der Hitze

    Immer wieder kann ich dabei die Hütten von Árasloukto sehen und im Angesicht aufziehender Gewitterwolken entscheide ich mir heute mal den Luxus einer Hüttenübernachtung zu gönnen. Irgendwann auf der Tour wollte ich sowieso bei geräuchertem Fisch einmal in einer Hütte nächtigen – warum nicht gleich heute.

    Blick auf Árasloukto

    Ich gehe an dem avisierten Zeltplatz auf einem kleinen Plateau vorbei und steuere zielstrebig die Gruppe aus kleinen Hütten im Tal an. Dort angekommen ist erstmal alles verlassen, einzige Lebenszeichen sind eine Angelroute und ein paar Wanderschuhe vor einer Hütte. Hier stehen sechs Übernachtungshütten, eine Art Haupthaus und ein Toilettenhaus. Ich entscheide mich für Haus 2 und treffe darin niemanden an. Drinnen ist die Hütte dann überraschend geräumig. Sie bietet Betten für sechs Personen, eine Küche mit Gasherd, Gasheizung, einen Trockenraum und Tische und Stühle.
    Ich hole am Fluss frisches Wasser, schalte das Gas an und koche mir einen kleinen Imbiss. Danach ist erstmal Waschtag: Zunächst bin ich dran, dann kommt alle Kleidung in den Fluss, die ich nicht „frisch“ angezogen hab. Für Körperpflege gibt es hier einen kleinen diskreten Unterstand am Fluss, den leider auch die Mücken kennen. Was bei der Körperpflege nur nervig war, wird beim Wäschewaschen fast unerträglich. Ich bin froh, dass ich nicht erst die Wäsche und dann mich gewaschen habe. Mit tropfnasser Wäsche ziehe ich mich zur Hütte zurück und wringe erst davor das Wasser aus den Klamotten.



    Hier kann man es aushalten

    Während dieser ganzen Aktion sind die dunklen Wolken anderweitig weitergezogen und die Sonne brennt wieder. Als ich beginne, meinen Rucksack auszupacken, damit ich ihn morgen früh wieder sauber packen kann, kommt die Hüttenwartin in Person einer kleinen älteren Dame vorbei. Für die Übernachtung zahle ich 360 SEK, das Luxsu-Abendessen aus geräuchertem Padjelantafisch mit dünnem Fladenbrot und Bier aus ihrem kleinen Laden schlägt dann noch mit 200 SEK zu Buche.
    Ich setzte mich noch etwas zum Lesen in die Sonne vor der Hütte bis mich die Mücken dort entdeckt haben. In der guten Stunde, die ich dort saß, kam nur noch eine schwedische Familie an, die natürlich ihre eigene Hütte bezogen hat. Wenn das heute so bleibt, habe ich diese große Hütte heute Nacht für mich alleine.



    Drinnen gönn ich mir jetzt erstmal ein leckeres Abendessen. Der Fisch ist zusammen mit dem warmen, frisch (über dem Gasherd) angerösteten Brot echt super. Das mit Flusswasser gekühlte Bier setzt dem ganzen noch die Krone auf. Nach dem Abwasch quatsche ich noch etwas mit einem neuankommenden schwedischen Pärchen und mache mich dann an die Vorbereitung für einen schnellen Start am kommenden Tag. Da es an den drei vergangene Tagen jeweils nachmittags bzw. früh abends gewittert hat, werde ich nun recht früh starten, um nachmittags schon das Zelt aufgebaut zu haben, wenn es wieder los geht.
    Ich lese noch etwas, verdunkle dann den Raum - welch Luxus im hellen Schwedischen Sommer – und schlafe dann erstaunlich schnell ein.
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    AW: [SE] Padjelantaleden – Überall lockt der Luxus

    #4
    Samstag 21.7.2018 - Árasloukto nach Låddejåhkå

    Früh wache ich vor dem zur Sicherheit gestellten Wecker auf. Beim Aufziehen der Vorhänge strahlt mir helles Licht entgegen – heute wird wieder ein guter Tage … auch für Gewitter. Ich springe in meine sauberen Klamotten und ein halbe Stunde später trage ich gut genährt meinen fertig gepackten Rucksack vor die Hütte, um diese vorm Abgang zu reinigen.
    Nach der Endreinigung stelle ich das Gas der Hütte ab und mache mich für ein Foto auf den Weg Richtung Kapelle. Beim Verpacken der Kamera riskiere ich dort einen Blick auf die Karte und stelle fest, dass der Padjelantaleden auf der anderen Seite der Hütten weitergeht. So laufe ich wieder zurück an den Leuten bei den Hütten vorbei - immerhin sieht es so aus, als hätte ich nur die Kapelle fotografieren wollen





    Nach dem die Hütten passiert sind, zweigt der richtige Weg den Berg hoch ab. Hier geht es mehr oder weniger moderat hundert Höhenmeter an die Flanke des Berg Áras hinauf. Schnell wird es mir unter den Klamotten zu warm, der kühle Wind zwingt mich aber schnell wieder in die Jacke. Dann lass ich es halt doch langsam angehen. Schließlich stehen heute wieder nur elf bis zwölf Kilometer bis in die Nähe von Låddejåhkå an.

    Árasloukto von oben



    Dem anstrengenden Anstieg folgt dann gleich wieder ein gemächlicher Abstieg, der sich knapp drei Kilometer bis zum Fluss Miellädno hinzieht. Auf dem Weg dorthin überholen sich drei Belgier und ich mehrfach gegenseitig, da immer irgendwer auf einem Stein sitzt und bei einer Pause die tolle Aussicht genießt.




    Brücke über den Miellädno







    Am milchig blau leuchtenden Gletscherfluss Miellädno gibt es dann einen guten Liter eiskaltes Gletscherwasser, bevor es nach der Brücke über den Fluss wieder langsam hoch geht. Nach der Brücke folgt ein Anstieg von knapp dreihundert Höhenmetern, der sich immerhin auf vier Kilometer erstreckt.
    Auf dem Weg den Berg hoch haben mich die beharrlichen Riesenbremsen wieder ins Visier genommen, die trotz aller Tricks und etwas Wind nur sehr schwer abzuschütteln sind. Immerhin überstehe ich diese Passage ohne neuen Stich - schließlich habe ich noch einen dicken rot-blauen Fleck vorm ersten Tag am Bauch.
    Als ich oben auf dem Hügel angekommen bin, bin ich gar nicht oben angekommen. Nachdem ich den vermeintlich höchsten Punkt erreicht habe, folgt ein zweiter und dann ein dritter. Beim vierten höchsten Punkt geht es dann entlang des Weges endlich nicht mehr weiter aufwärts. Wenig später komme ich einen kleinen Bach, der fast auf dem Kamm zwischen zwei Bergen fließt und mit seiner schönen Aussicht ideal für eine Mittagsrast ist.



    Als ich wenig später den Kocher aufbaue, treffen die drei Belgier ein und auch etwas entfernt rastet schon ein Pärchen - es wird voll im Fjell. Ich hole Wasser zum Kochen aus den kleine Bach und gönn mir gleich noch ein paar Tassen frisches Wasser, das hier erstaunlich warm ist. Bei der dritten Tasse erschrecke ich mich dann – in meiner Tasse schwimmt ein kleiner Fisch. Ich lasse ihn wieder schwimmen und versuche mich zu erinnern, ob ich in die ersten beiden Tassen auch hinein geschaut habe.
    Auf jeden Fall würde der Frischfisch hier nicht als Mittagessen reichen und so gönn ich mir noch eine kalorienreichen Portion Chilli con Carne von Expedition Foods. Nach dem Essen wird es hier am Bach noch voller, als sich zwei Schwedinnen niederlassen und versuchen ihren Kocher ohne Windschutz in Gang zu bekommen. Ich biete ihnen meinen an, sie wollen das aber so hinbekommen. So kochen sie ihr Wasser geschützt durch einen Stapel aus Ausrüstung und verrenkten Körpern. Ich genieße das Schauspiel bei einer Packung Erdnüsse und mach mich dann weiter auf den Weg immer bergab Richtung Låddejåhkå, wo ich in auf einem ebenen Plateau im Tal mein Zelt aufschlagen will.
    Während der Pausenbach noch nach Süden fließt, laufe ich jetzt entlang eines Baches, der nach Norden fließt. Das Bachbett sieht nach großen Wassermengen aus, jetzt fließt aber nur noch ein kleines Rinnsal im Bett. Ich versuche den Verlauf des Baches in der Karte und auch im Gelände nachzuverfolgen, werden dann aber vom Himmel abgelenkt. Zieht da etwa schon wieder ein Gewitter auf? Bisher ist es nur eine weit entfernte Wolkenwand, aber bei der Geschwindigkeit der Wetterwechsel werde ich das genauer beobachten.
    Zunächst gibt es aber samische Kultur zu beobachten. Auf der Karte war schon eine Rengärde eingezeichnet, in der Realität gibt’s dazu noch Reste vom Lager zum Rentiertrieb. Überall verteilt stehen noch große Kisten bzw. Ausrüstung und die Standorte der Zelte sind noch an Feuerstellen, Schlafunterlagen aus Zweigen und verfärbter Vegetation zu erkennen. Interessiert streife ich etwas herum und machen mich dann wieder weiter auf den Weg ins Tal.





    Mein heutiges Ziel habe ich schon so gut wie erreicht und so mache ich nochmal Pause auf einem großen Stein, um die Aussicht über das Tal des Låddejåhkå und einen Corny-Riegel zu genießen. Ich meine, im Tal auch schon die Fläche zu erkennen, auf der ich heute mein Zelt aufstellen will – zumindest stehen dort auch schon zwei Zelte.

    Blick zurück

    Irgendwann ist dann die Sonne in meinem Rücken plötzlich weg. Ich blicke mich um und wo vor einer Viertelstunde noch ein voluminöses Wolkenband war, ist jetzt eine dunkle Wolkenwand aufgezogen - das gibt wieder Gewitter. Ich schultere meinen Rucksack und mache mich auf den Weg ins Tal. Während es langsam windiger wird, kommt mir eine dreiköpfige Familie mit einem ungefähr zehnjährigen Kind entgegen, die mich mit einem freundlichen „Hej“ grüßen und direkt in das Gewitter laufen. Während ich noch darüber siniere, ob sie noch zu einem anderen sicheren Punkt unterwegs sind, der mir eingangen ist, komme ich darauf, dass das Deutsche gewesen sein könnten – einer der beiden Erwachsenen trug Jack Wolfskin. Wo auch immer die hinwollen, sie wissen hoffentlich, was sie da tun.

    Låddejåhkå

    Mein Weg führt mich jetzt nur noch vom Berg hinunter ins geschützte Tal, in dem jetzt allerdings der Wind deutlich zunimmt. Unten sind die Bewohner der beiden Zelte auf dem Plateau schon dabei, ihre Unterkünfte sturmsicher zu machen und weggewehter Ausrüstung hinterher zu jagen. Kurz vor dem Abzweig zum dem Plateau reißt mir der Wind den Dschungelhut vom Kopf der immerhin gleich vom einem Busch gefangen wird. In dem Wind möchte ich keine Zelt aufbauen.

    Gleich kracht es wieder

    Ich werde erstmal die Luxus-Option nutzen und das Gewitter in der BLT-Hütte Låddejåhkå abwettern. Auf dem Weg dorthin passiere ich die Brücke über den Fluss Låddejåhkå, die schon etwas im Sturm schwankt. Kurz hinter der Brücke ist erstes Donnergrummeln zu hören, dessen Ursprungrichtung aber wegen der lauten Windgeräusche nicht ausmachen ist.
    Ich betrete die Hütte, ziehe in einem langen Flur meine Schuhe aus und gehe in den Aufenthaltsraum - Niemand hier. Ich schaue mich nochmal auf dem Flur um und zähle hier zehn Zimmer mit zwei oder vier Betten. Die Belegung wird am Türschild mit einem kleinen Stift angezeigt, der passende zu der jeweiligen Belegung in ein Loch gesteckt wird. Bisher sind nur zwei Vier-Bett-Zimmer mit je zwei Leuten belegt, der Rest ist frei. Ich gehe zurück in den Aufenthaltsraum, während sich draußen die Schleusen im Himmel öffnen.
    Vom Aufenthaltsraum kann auf das Plateau sehen, auf dem jetzt noch ein Zelt im Gewittersturm aufgebaut wird. Mit jeder Minute, die es draußen mehr regnet, gefällt es mir mehr in der Hütte. Der Luxus hat wieder gerufen. Irgendwann ist dann die Entscheidung über eine weitere Nacht in der Hütte gefallen und als hätte sie meine Gedanken gelesen, taucht die Hüttenwartin auf. Ich kann ein Zweierzimmer nehmen und werde es nach Ihrer Prognose auf nicht teilen müssen.
    Das Zimmer hat vier bis fünf Quadratmeter, ein Stockbett für zwei Personen, Stühle und Tisch und ein Art Waschtisch mit Edelstahlschale. Das wichtigste ist jetzt aber erstmal das Fenster mit Mückennetz, da es hier im Raum gefühlt 30°C hat. Allerdings kann ich es nur ein Stück öffnen, da draußen immer noch der Gewittersturm wütet.
    Als ich mein Zimmer wieder Richtung Gemeinschaftsraum verlasse, kommen die drei Belgier klitschnass in den Flur und wollen das Gewitter hier in der Hütte erstmal abwarten. Vom Gemeinschaftsraum kann ich durchs Fenster die Familie mit dem zehnjährigen vom Berg herunter kommen sehen. Hier sitzen mittlerweile auch eine Schweizerin mit ihrem Sohn. Wir unterhalten uns etwas, während die Deutsche Familie (die Schweizerin hatte mit ihnen gesprochen) versucht im immer noch anhaltenden Gewittersturm ihr Zelt aufzubauen.
    Hätte ich mal vorhin meine dreckigen Klamotten draußen auf die Leine gehängt, dann hätte der Regenguss sie wahrscheinlich jetzt schon gewaschen … oder der Wind ins Fjell geweht. So muss ich jetzt händisch ran. Das Waschen geht Dank des improvisierten Waschbeckens im Zimmer schnell – wie gut, dass hier gemäß Hüttenetiquette schon Frischwasser stand, zum Wasserholen hätte ich jetzt nicht rausgehen wollen.
    Als die Wäsche dann im Trockenraum hängt, gehe ich wieder in den Gemeinschaftsraum, um meine heutiges Abendessen, Kartoffelbrei mit irgendwas, zu „kochen“. Draußen hat der Regen nachgelassen und die Belgier sind wieder verschwunden. Dafür treffe ich auf zwei Spanier, die sich aus Zutaten des Hüttenshops zwei improvisierte aber lecker aussehende Gerichte zubereiten.
    Die beiden sind mit extrem leichtem Gepäck und nur auf Trailrunnern zwischen den Hütten unterwegs, wobei sie jede zweite Hütte auslassen und so über dreißig Kilometer pro Tag machen. Allerdings ist bei den beiden scheinbar das Kartenmaterial etwas zu kurz gekommen, da ihnen die Strecke von der Kutjaurastugan zur Vaisaluoktostugan fehlt. Hier kann ich mit meiner Karte aushelfen, die sie fleißig abfotografieren. Sie freuen sich auch über die Bootszeiten nach Ritsem, die ich auch ausgedruckt mit habe. Sie überlegen sich dann, wie sie in die bestehenden Bootszeiten zusammen mit den Wegen noch zu möglichst viel Strecke in möglichst wenig Zeit kombinieren können. Zeit zu haben ist auch Luxus.
    Ich lese noch etwas, packe meine Sachen vor, hole nochmal einen Eimer frisches Wasser und gehe dann früh schlafen, um am nächsten Tag wieder früh loszukommen. Morgen möchte ich es möglichst vor dem täglichen Gewitter in die Region um Kisuris schaffen.


    Sonntag 22.7.2018 – Låddejåhkå nach Kisuris

    Ich wache gefühlt sehr früh wieder auf. Draußen ist es selbst für die Verhältnisse nördlich des Polarkreises noch dämmrig, was aber auch einigen Schleierwolken am Himmel geschuldet ist. Ich hole meine Klamotten aus dem Trockenraum und schon ist mein Rucksack dank der Vorarbeit von gestern gepackt.
    Mit den Schuhen in der Hand schleiche ich aus der noch schlafenden Hütte und starte dann nach der Morgentoilette am Bach zu meiner heutigen Etappe. Auf dem Plan stehen gut dreiundzwanzig Kilometer bis nach Kisuris oder etwas weniger bis zu einem schönen Platz davor. Von hier geht’s erstmal hundertfünfzig Höhenmeter hoch. Schnell wird mir warm und die erste wärmende Schicht findet den Weg vom Körper in den Rucksack.



    Nach gut anderthalb Kilometern treffe ich auf den Bach Vierttjajågåsj, an dem ich für Frühstück stoppe. Hier zweigt auch der direkte Weg nach Kisuris vom Padjelantaleden ab. Ich widerstehe dem Luxus einer Abkürzung und werde nach dem Frühstück den Padjalanteleden weitergehen. Nach zwei Tassen Tee und einer Schüssel Müsli mache ich mich gleich wieder auf den Weg, um noch so lange wie möglich das stille Fjell genießen zu können. Außer meinen Schritten ist gerade dank Windstille nichts zu hören. Ab und zu sucht ein Vogel das Weite, der um diese Zeit noch nicht mit Menschen auf dem Weg gerechnet hat.

    Hier könnte ich sechs Kilometer abkürzen

    Ein der Ortschaften am/im Wasser

    Den ersten anderen Menschen treffe ich nach guten vier Kilometern bei einer Rengärde, dessen Durchgangstor so wacklig ist, dass ich mich kaum traue, es anzufassen. Von der Rengärde geht der Weg entspannt bergab bis in einen niedrigen Wald, hinter dem ich dann alle paar Minuten Menschen treffe, als wäre gerade ein Bus angekommen. Besonders interessant ist ein älterer Herr mit ebenso angegrauter Ausrüstung, der mit seinem kompakten Funkgerät von hier aus überall über die Nordhalbkugel per Morsecode funkt.
    Nach elf Kilometern erreiche ich die Hängebrücke über den Vuojatädno und mache erstmal Pause. Von Gefühl her habe ich heute schon viel geschafft und könnte jetzt langsam machen. Trotzdem möchte ich heute Nachmittag vorm möglichen Gewitter mein Zelt stehen haben.







    Bevor es weiter auf dem Padjelantaleden geht, packt mich die Neugier und ich gehe über alle drei hier stehenden Brücken, über die der Nordkalottleden weiter in Richtung Kutjaurastugan und Vaisaluoktostugan führt. Ich drehe allerdings nach den Brücken wieder um und gehe über den Fluss zurück.
    Eine kurze Erinnerung an die Gewitter der letzten Tage lässt mich aber hier nicht zu lange rasten, schließlich möchte ich demnächst noch Mittagspause machen – immer dieser Stress. Auf dem folgenden Stück treffe ich vermehrt auf andere Menschen, die hier oft eine Runde von der Akkastugorna über Kirsuris und Kutjaurastugan zur Vaisaluoktostugan machen.



    Laut Karte ist es nach der Brücke flach, trotzdem muss ich aber öfters kleinere Hügel rauf und runter. Irgendwo dazwischen entscheide ich mich für eine Mittagspause auf ein paar Steinen am Ufer des Tsiekkimjågåsj. Während ich warte, dass das Wasser kocht bzw. mein Mittagsbeutel fertig ist, frischt der Wind merklich auf und verteilt meine sorglos aus dem Rucksack herausgezogene Ausrüstung in Teilen in der Landschaft. Nach dem Einsammeln gucke ich gleich nach Zeichen eines anstehenden Gewitters, kann aber zu meiner Beruhigung nichts erkennen.
    Von hier sind es knappe fünf Kilometer bis kleinen Samensiedlung Kutjaure und knappe neun bis zu meinem Tagesziel nahe der BLT-Hütte Kisuris. Nach der Pause komme ich gut voran, da sich der Weg über niedrige Hügel und durch kleine Wäldchen gut laufen lässt. Kurz vor Kutjaure beginnen dann zwei Kilometer Bretterwege, die über einen ausgedehnten Sumpfbereich führen. Leider haben sich hier die fiesen Riesenbremsen versteckt und fallen lautstark über mich her.
    Ich beeile mich, diesen Bereich schnell in ein kleines Waldstück zu verlassen, das sich fernab von stehendem Wasser für einen guten Kilometer über eine Hügelkette erstreckt. Für den letzten Kilometer vor Kisuris muss ich dann wieder über eine Wiese, die fest in Hand allermöglicher fliegender Quälgeister ist.
    Ein Stück vor den Bäumen um Kisuris streift eine Frau durchs Gras und kommt auf mich zu, als sie mich sieht. Wie sich herausstellt, ist sie die Hüttenwartin von Kisuris und kann mir die besten Lagerplätze rund um Kisuris empfehlen. Ich entscheide mich gegen die Plätze östlich der Hütte und suche mir einen wind- und gewittergeschützten Platz in einem kleinen Bachtal westlich der Hütte. Dort gibt es entlang des kleinen Baches, der auch die Hütte mit Wasser versorgt, mehrere gute Plätze. Ich entscheide mich schließlich für einen wind- und gewittersicheren Platz etwas abgelegen im Tal. Apropos gewittersicher, heute ziehen nur eine paar vereinzelte Wolken auf, er wird windig, es gewittert aber weder hier noch hörbar irgendwo anderes in der Gegend.

    Geschützter Zeltplatz im Tal

    So kann ich mein Zelt entspannt aufbauen, die Wäsche und mich im nahegelegenen Bach waschen und etwas die Umgebung durchstreifen. Als ich mir dann mit knurrendem Magen mein Abendessen zubereite, setzt der Wind schlagartig aus. Das ist der Startschuss für die Mückenhorden aus der Wiese, mich in meinem Tal zu überrennen. Ich wechsele schnell auf Handschuhe und Mückennetz und koche meine Mahlzeit zu Ende.
    Da Essen mit Mückennetz nicht klappt, muss ich beim Essen umhergehen, um nicht ins Gesicht gestochen zu werden. Während meines mobilen Abendessens verlasse ich das Tal und sehe oben die drei Belgier wild mit den Armen rudernd über die Wiese kommen. Als ich mein Geschirr wieder abgespült habe, steigen sie gerade in das kleine Tal herab und legen ihr Gepäck außerhalb meiner Sichtweit im Tal ab. Beim Erkunden der Umgebung treffen wir uns wieder und quatschen erstmal ausführlich durch unsere Mückennetze. Sie freuen sich, schon jetzt von mir die Bootszeiten des Bootes nach Ritsem zu bekommen.
    Als sie dann ihre Zelte aufbauen gehen, schaue ich nochmal in meinen reichhaltigen Lebensmittelvorrat, ob sich noch ein kleiner Nachtisch finden lässt. Eigentlich wäre das ein schöner Abend, um noch gemütlich draußen zu sitzen, mir sind die Mücken heute aber echt zu heftig. Ich verzeihe mich mit dem Kindle erstmal ins Zelt und schaue später nochmal, ob die Mückenflut nachgelassen hat.
    Leider ist das auch später nicht der Fall. Auch wenn es draußen nicht so geschäftig zugeht, wie zwischen meinem Innen- und Außenzelt, ist es trotzdem zu viel für einen entspannten Abend draußen. Nach der abendlichen Körperpflege krieche ich wieder in meine Mückenschutzbunker und versuche zu schlafen. Dabei stört mich allerdings das kontinuierliche Rascheln der Mücken und Fliege zwischen Innen- und Außenzelt. So plane ich im Kopf noch etwas für morgen, obwohl das morgige Stück keine Herausforderung darstellt. Eins fällt mir dabei plötzlich auf, was der geneigte Leser vielleicht auch schon bemerkt hat: Mein Knie, das mir vor der Reise doch etwas Kopfschmerzen bereitet hat, ist auf der bisherigen Tour völlig unauffällig geblieben. Ich könnte mich fast ein bisschen ärgern, dass ich die Tour verkürzt habe – bringt mir aber jetzt auch nichts mehr.
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    #5
    Montag 23.7.2018 - Kisuris zur Akkastugorna

    Ein Blick aus dem Zelt und der Tag ist schon mein Freund – schon wieder super Wetter. Das wird heute ein entspannter Tag – schließlich liegt nicht mehr viel Padjelantaleden vor mir. Noch ganze fünfzehn Kilometer trennen mich von Bootsanleger in Anonjálmme, wo das Boot Richtung Ritsem ablegt. Das Nachmittagsboot ist von hier locker machbar, dann müsste ich allerdings im nicht so schönen Ritsem übernachten. Somit ist Akkastugorna und deren viel schönere Umgebung meine Tagesziel.
    Erstmal kann ich gemütlich an meinem kleinen Bach frühstücken, da sich die Mückenschwärme von gestern in die Vegetation zurückgezogen haben. Lediglich ein paar Duzend unerschrockene Mücken halten sich noch zwischen Innen- und Außenzelt auf. Beim Abspülen des Geschirrs machen sich die benachbarten Belgier auf den Weg, schließlich wollen sie ja noch das Nachmittagsboot bekommen.
    Beim Packen meines Rucksacks fällt mir auf, wie leer dieser mittlerweile geworden ist. Zwar habe ich aufgrund der länger veranschlagten Tourdauer noch ein paar Verpflegungsreserven, in meinem Rucksack klafft auf jeden Fall ein respektables Loch, das ich mit schlampigem Packen wieder stopfe. Der Umstieg auf den 60 Liter-Tatonka Yukon und die gleichzeitige Reduzierung der Ausrüstung haben sich auf jeden Fall gelohnt.
    Ich mache mich mit leichtem Rucksack auf den Weg und passiere zunächst die BLT-Hütte Kisuris, wo die Belgier frühstücken. Von Kisuris bis zum weißlichen Gletscherfluss Sjnjuvtjudisjåhkå komme ich noch an vielen schönen Zeltplätze vorbei, die in einem kleinen Wäldchen verteilt sind. Nach der Brücke wird das Terrain dann offener. Bei einer Gruppe frühzeitlicher Fallengruben mache ich Halt und gucke mir die Überbleibsel der früheren Jagdmethode an, die hier in einer langen Reihe angeordnet sind.

    Frühzeitliche Fanggruben

    Als ich meinen Rucksack wieder schultere, erreichen mich die Belgier und wir gehen ein Stück zusammen. Irgendwann merken sie, dass sie sich etwas beeilen müssen, um ihr Boot noch zu bekommen und ich lasse sie ziehen. Schließlich muss ich ja mal wieder nicht hetzen … Luxus. Vier Kilometer weiter ist an einem Bach ein Rastplatz eingezeichnet. Als ich mich dort auf der Bank für eine Pause niederlasse, sitze ich schon wieder neben den Belgiern. Ich gebe zur Reduzierung meines Rucksackgewichtes noch eine Runde Schokolade aus und dann geht es für sie schon mal weiter. Wenig später breche ich auch auf, weil sich die Mücken nun auf mich eingeschossen haben.
    Während ich noch im Kopf rechne, ob es die drei Belgier noch rechtzeitig zum Boot schaffen können, holt mich langsam ein Schwede mit einem altersschwachen Hund ein. Der hat allerdings eine Abneigung gegen Holzwege und rennt konsequent nebenher. Bei den Holzbrücken über kleinere und größere Bäche muss der Schwede in regelmäßig förmlich auf die Brücke tragen, damit er ihm folgen kann. Als die beiden mich dann doch eingeholt haben, stellt sich heraus, dass die beiden noch das Nachmittagsboot nach Ritsem bekommen wollen. Ich kann mal wieder Auskunft über die Bootszeiten geben und der Schwede läuft gleich schneller, um des Boot noch zu erwischen.



    Wenig später kommen mir dann nach und nach ein Duzend Leute entgegen, die wahrscheinlich mit dem ersten Boot am Morgen über den See gekommen sind. Einer hat sogar zwei Knieschoner von der Sorte an den Knien, die im Rucksack ungenutzt mit mir herumtrage. Was geht es mir nur gut …
    Mein Wohlgefühl nimmt weiter zu, als ich eine schöne Stelle für die Mittagsrast an einem kleinen Bach finde, der direkt aus dem Akka-Massiv kommt. Ich baue meinen Kocher auf und gönne mir die letzte Mahlzeit aus der Tüte für diese Tour. Nach dem Essen sitze ich noch lange auf meinem Stein in der Sonne und genieße den Ausblick ins Tal des Vuojatädno. Während nicht mal die Mücken wagen, diese idyllische Ruhe zu stören, kommen irgendwann wieder zwei Gruppen Wanderer mit kleinem Gepäck vorbei. Wahrscheinlich drehen sie auch die kleine Runde über Kisuris und Kutjaurestugan nach Vaisluokta.



    Auf den letzten vier Kilometern vor der Akkastugorna überhole ich mich mit einer schwedischen Familie mehrfach – je nach dem wer wann wo Fotos vom wilden Lauf des Vuojatädno macht. Als ich die Brücke über den Fluss erreiche, wird es wieder voll: Ein Schwung von Wanderern, die vom Mittagsboot kommen, passiert die Brücke Richtung Kisuris.

    Wilder Vuojatädno

    Brücke über den Vuojatädno





    Irgendwann kann ich mich dann vom schäumenden Wasser lösen und trete die entspannten zwei Kilometer zur Akkastugorna. Eigentlich war der Plan, dort mein Zelt aufzustellen, aber vor Ort sind alle guten Plätze um die Hütte schon belegt. Mir fällt es allerdings nicht schwer, dem Ruf des Luxus zu folgen und für eine Nacht noch in die Hütte einzuziehen. Immerhin kann ich so meine STF-Mitgliedschaft nochmal intensiv nutzen.



    Nach dem der Papierkram erledigt ist und ich noch viele interessante Informationen rund um die Gegend von der Hüttenwartin bekommen habe, beziehe ich erstmal die Unterkunft. Jetzt habe ich eine komplette Hüttenhälfte für mich und kann mich erstmal ausbreiten. Als nächstes melde ich mich Dank Mobilfunkempfang zu Hause zurück und muss versichern, dass ich hier nicht durch wild wütende Waldbrände gelaufen bin, die scheinbar mittlerweile überall in Schweden lodern.

    Blick von der Akkastugorna

    Als nächstes mache ich meine Ausrüstung zivilisationsfein. Dank des guten Wetters beschränkt sich das auf das Waschen von ein paar Klamotten und das Ausschütteln aller Ausrüstungsteile. Nachdem das Zelt noch etwas in der Sonne getrocknet ist, packe ich alles wieder sauber und genordnet in den Rucksack. Jetzt ist der Rucksack nur noch gut zur Hälfte gefüllt und sieht dementsprechend etwas schlapp aus.
    Später beziehen noch zwei ältere Schweden vom Nachmittagsboot die andere Hüttenhälfte. Einer der beiden freut sich, mit mir seine Deutschkenntnisse mal wieder etwas zu entstauben und über den Padjelantaleden zu sprechen. Dann kommt noch die Familie in „meinen“ Hüttenteil, mit der ich quasi das letzte Stück zur Akkastugorna zusammen gelaufen bin. Sie haben ihre Zelte draußen auf geschlagen und nutzen die Hütte nur zum Kochen. Während Vater und Kinder schnell wieder verschwinden verquatsche ich mich mit der Mutter. Die Familie hat einen Mehrtagesausflug in den Sarek gemacht und kann auch sonst Touren zu allen namhaften Outdoor-Zielen in Nordschweden vorweisen. So ist z.B. die Tochter schon mal mit dem Vater auf den Ahkka gekraxelt. Irgendwann kommt dann nochmal der älteste Sohn dazu, der in der Schule Deutsch lernt. Damit er seine Deutschkenntnisse mit etwas Interessantem vertiefen kann, gebe ich ihm gleich mal die ODS-URL
    Mit einer Zeitrafferaufnahme von den Wolken auf dem Ahkka lasse ich den Tag ausklingen. In meinen Hüttenteil ist niemand mehr eingezogen, die schwedische Familie hat sich in ihre Zelte zurückgezogen und so genieße ich den Luxus einer total ungestörten Nacht.

    Sonnenuntergang am Ahkka




    Dienstag 24.7.2018 – Von der Akkastugorna nach Luleå

    Früh war ich im Bett, früh wache ich auch wieder vor dem Wecker auf. Nach Körperpflege, Sachenpacken und einem kleinen Frühstück, mache ich die Hütte noch sauber und fülle das Wasser wieder auf. Eigentlich fährt das Boot erst in knapp zwei Stunden, ich mach mich dennoch aber schon auf den Weg zum Anleger.

    Anleger in Änonjalme



    Im Schlenderschritt erreiche ich trotzdem wenig später die Siedlung Änonjalme und steuere auf das kleine Cafe am Anleger für ein zweites Frühstück mit leckerem samischen Fladenbrot zu. Frisch gestärkt geht es dann irgendwann zum Anleger, wo sich nach und nach die Leute sammeln. Ich unterhalte mich noch etwas mit einem deutschen Pärchen bis das Boot an der langen Metallkonstruktion anlegt.
    Wie zu erwarten steigen die ca. zwanzig Abenteurer schnell und diszipliniert über den Bug ins Boot und die M/S Storlule macht sich auf den Weg zurück nach Ritsem. Nachdem 250 SEK für die Überfahrt den Besitzer gewechselt haben, kann ich in Ruhe auf das langsam kleiner werdende Akka-Massiv zurückblicken und verfalle in eine allgemeine Rückblickstimmung.

    Blick zurück auf den Ahkka

    Anlegstelle Ritsem

    Der Rückblick fällt äußerst positiv aus, denn hinter mir liegt eine abwechslungsreiche Tour auf einem schönen Fernwanderweg mit, abgesehen von den Gewittern, Traumwetter. Sicherlich hätte ich den ganzen Weg gehen können, mein Knie hat sich die ganze Tour über nicht gemeldet. Aber so bin ich mal Hubschrauber geflogen und habe einen Grund diesen tollen Weg irgendwann nochmal komplett zu gehen.



    Kurzfristig keimt der Gedanke auf, mich in Ritsem mit neuer Verpflegung einzudecken, den Mittagshubschrauber vom Ritsem nach Staloluokto zu nehmen und von dort dann nach Kvikkjokk zu laufen. Immerhin bin ich in der luxusriösen Situation noch fünf Tage Zeit zu haben, bis es wieder zurück nach Deutschland geht. Ich verwerfe die Option aber schnell wieder, schließlich schwirrt noch eine Besteigung des Skierrfe in meinem Kopf herum.
    Zunächst genieße ich aber erstmal die Bootfahrt über den Akkajaure und unterhalte mich noch etwas mit dem deutschen Pärchen. Pünktlich legen wir an und trotten entspannt zur Bushaltestelle. Dort überlege ich, wie weit die Fahrt jetzt geht. Am praktischten wäre es, schon bald wieder aus dem Bus auszusteigen und den Nördlichen Kungsleden von Saltoluokta nach Kvikkjokk samt Skierrfe zu gehen. Allerdings bin ich zu diesem Zeitpunkt noch der irrigen Meinung, dass ich das in den verbleibenden fünf Tagen nicht schaffe.
    Als der Bus 93 dann kommt, löse ich erstmal mit VISA-Karte ein Ticket bis zur Endhaltestelle in Gällivare. Oben im Doppeldeckerbus treffe ich die Belgier wieder, die sich nach/mit ihrer Übernachtung in Ritsem die erste Reihe gesichert haben.

    Dieser Bus 93 in der Gegenrichtung hat sein Ziel wohl nicht erreicht

    Kurz nach dem Losfahren und den ersten Netzrecherchen zur Gestaltung meiner nächsten Tage machen wir schon wieder einen längeren Zwischenstopp an der Stora Sjöfallets Fjällanläggning, wo wir auf den Bus 93 aus der Gegenrichtung stoßen. Dementsprechend voll ist es auch im Shop.
    Bei Anstehen an der Kasse bekomme ich ein Problem von ein paar jungen Deutschen mit, das es so auch gut in die Liste kleiner Dämlichkeiten schaffen könnte. Die vier haben sich Ihr gesamtes Essen per Paket hierher schicken lassen, es ist aber nicht angekommen. Auch mehrmaliges Nachfragen im Shop und Suchen des Personals konnten das Paket nicht herbeizaubern. Als ich dann bezahlt habe und die vier draußen treffe, kommen wir etwas ins Gespräch. Ich erzähle von meinem Paket hier hoch und der Filialabholung - wenn es schlecht gelaufen ist, liegt ihr Paket jetzt bei Postnord in Gällivare oder anderswo weiter weg von hier. Leider haben sie das Tracking des Paketes nicht verfolgt und können den Standort im Tracking nicht ermitteln, weil sie die Trackingnummer nicht mit haben. Die hat einer ihrer Vätern, der aber leider bis 18:00 arbeitet und nicht erreichbar ist. Mir bleibt dann nur noch übrig, den vieren viel Erfolg zu wünschen, da unser Bus bald wieder fährt. Ich bin immer noch neugierig, wie das alles ausgegangen ist und wo das Paket war
    Die Fahrt geht weiter nach Gällivare, nur dass ich jetzt ungefähr weiß, wie ich meine nächsten Tage verbringen werden. Zunächst geht es nach Luleå, wo ich zwei Tage Zeit zum Relaxen habe. Danach habe ich noch für drei Tage einen Mietwagen zum Kampf-Wochenend-Preis ergattert, fahre nochmal Richtung Kvikkjokk und mache mich zu Fuss auf dem kurzen Weg nach Aktse und zum Skierffe auf.
    Jetzt erreiche ich aber erstmal Gällivare. Dort kaufe ich in der Touristinformation im Bahnhofsgebäude ein Bahnticket nach Luleå, drehe eine Runde durch die Stadt samt Mittagsimbiss und Einkauf für den Zug und warte dann schwitzend in der Hitze am Bahnhof auf den Zug.

    Gällivare

    Der ist dann auch brütend warm und zu allem Überfluss auch noch ziemlich voll. So ganz wohl ist es mir dort nicht, schließlich sitze ich in einem überhitzten Bahnwaggon mit provisorisch gewaschen Klamotten ohne in den letzten Tagen richtig geduscht zu haben. Aber sicher sind die Bahnreisenden hier oben Menschen wie mich gewohnt oder zu höflich, sich nichts anmerken zu lassen.
    Am späten Nachmittag erreiche ich Luleå und laufe zum Elite Stadshotellet Luleå, dass ich (mit Rabattgutschein) wieder zum Preis einer STF-/BLT-Hüttenübernachtung gebucht habe. Dort kann ich meinen Koffer in Empfang nehmen und mich mit eine warmen Dusche und einer Rasur wieder stattfein machen.
    Abends geht’s dann nochmal zu Bastard-Burger, bevor ich die Stimmung in der sommerlichen Stimmung in Luleå genieße. Was hier an den warmen Abenden ohne richtigen Sonnenuntergang in der Stadt abgeht muss man erlebt haben. Die Menschen bevölkern bis tief in die Nacht die Straßen, die Restaurants und Straßencafes sind voll fröhlicher Menschen, überall cruisen Oldtimer und Cabrios mit lauter Musik – kurzum die ganze Innenstadt ist eine große Party.

    Mittwoch/Donnerstag 25./26.7.2018 - Luleå

    Die beiden folgenden Tage treibe ich mich in Luleå herum und fahre mit dem Boot zur Insel Sandön bzw. in die Bucht Klubbviken, um dort mit dem Fatbike durch den Sand zu düsen. Leider ist aber der Vermieter trotz offener Hütte nicht vor Ort bzw. per Telefon zu erreichen. So drehe ich eine große Runde zu Fuss über die Insel und fahre mit dem Boot wieder zurück nach Luleå. Immerhin habe ich so genug Zeit, um meinen Rucksack neu zu packen. Praktischer Weise sind vom Padjelantaleden noch ein paar Trekkinggerichte und Müslibeutel übrig geblieben, sodass ich nur ein paar Süßigkeiten nachkaufen muss.

    Freitag 27.7.2018 – Von Luleå nach Aktse

    Anschließend bin ich noch auf den Skierffe gelaufen. Da diese Tour vielleicht auch als Einzeltour interessant sein könnte, habe ich sie in einen separaten Bericht gepackt: Kurzbesuch Skierffe – In 28 Stunden auf den Skierffe und zurück
    Geändert von 5-oclock-charlie (08.11.2019 um 08:59 Uhr)
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  6. Fuchs
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    AW: [SE] Padjelantaleden – Überall lockt der Luxus

    #6
    Da werden Erinnerungen wach, ein toller Wanderweg der nicht ganz so überfüllt ist wie der Kungsleden. Ich hatte ja im Juli auch teils ganze Hütten für mich gehabt obwohl ich damit rechnete das die voll werden. Vielen Dank für die Bilder und das Einstellen
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  7. Anfänger im Forum

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    AW: [SE] Padjelantaleden – Überall lockt der Luxus

    #7
    Vorab: Tolle Bilder! Toller Bericht! Wirklich.

    Aber, wer auch immer das liest, bitte denkt zweimal nach bevor Ihr einen Heli bucht. Für diejenigen unten am Boden, die Natur genießen wollen, ist es nicht so sonderlich prickelnd, wenn alle 30 Minuten ein Heli über ihre Köpfe hinwegdonnert. Helis zu nutzen wird immer beliebter und auch immer billiger und sie erschließen einigen Sami auch neue Einkommensquellen, aber sie zerstören auch sehr viel, ökologisch wie ökonomisch.

  8. Fuchs
    Avatar von Meer Berge
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    AW: [SE] Padjelantaleden – Überall lockt der Luxus

    #8
    Toller Bericht und tolle Bilder!
    Vielen Dank dafür!

    Ich habe dabei gleichzeitig riesig Lust bekommen, mal wieder durch Lappland zu laufen - und gleichzeitig hält mich die Mückenplage auch davon ab ... Mal sehen ...


    Mit den Helis sehe ich das genauso wie zeank. Beim Wandern sind die echt eine Plage und absolute Stimmungskiller. Genau deshalb will man ja da draußen sein, um sowas nicht zu hören und zu sehen.
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  9. Erfahren
    Avatar von Ljungdalen
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    AW: [SE] Padjelantaleden – Überall lockt der Luxus

    #9
    Zitat Zitat von Meer Berge Beitrag anzeigen
    Ich habe dabei gleichzeitig riesig Lust bekommen, mal wieder durch Lappland zu laufen - und gleichzeitig hält mich die Mückenplage auch davon ab ... Mal sehen ...

    Mit den Helis sehe ich das genauso wie zeank. Beim Wandern sind die echt eine Plage und absolute Stimmungskiller.
    September! Wenig Mücken! Wenig Helis! Wenig Menschen!

    Wobei das bei Mücken und (außer auf den zwei Teilstücken Kungsleden) Menschen auf unserer Tour in diesem Jahr auch im August zutraf. Größte Dichte aller drei Plagen auf dem ersten Stück hinter Startpunkt Nikkaluokta. (Da frage ich mich übrigens: SEK 350 für 4,5 km Boot Láddjujávri vs. SEK 850 für 18 km Heli Nikka - Fjällstation scheint mir ein Missverhältnis... *wenn* man überhaupt Geld ausgeben will/kann, warum überhaupt noch Boot?)

  10. AW: [SE] Padjelantaleden – Überall lockt der Luxus

    #10
    Vilen Dank für den Bericht, tolle Bilder und wie üblich von Dir sehr kurzweilig geschrieben. Allerdings fehlte mir das Einschlafduell...
    So möchtig ist die krankhafte Neigung des Menschen, unbekümmert um das widersprechende Zeugnis wohlbegründeter Thatsachen oder allgemein anerkannter Naturgesetze, ungesehene Räume mit Wundergestalten zu füllen.
    A. v. Humboldt.

  11. Erfahren
    Avatar von 5-oclock-charlie
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    #11
    Zitat Zitat von zeank Beitrag anzeigen
    Vorab: Tolle Bilder! Toller Bericht! Wirklich.

    Aber, wer auch immer das liest, bitte denkt zweimal nach bevor Ihr einen Heli bucht. Für diejenigen unten am Boden, die Natur genießen wollen, ist es nicht so sonderlich prickelnd, wenn alle 30 Minuten ein Heli über ihre Köpfe hinwegdonnert. Helis zu nutzen wird immer beliebter und auch immer billiger und sie erschließen einigen Sami auch neue Einkommensquellen, aber sie zerstören auch sehr viel, ökologisch wie ökonomisch.
    Mit der Minimierung der Hubschrauber-Touren gebe ich Dir recht, aber als störend empfand ich die Hubschrauber nicht. Bei mittlerweile drei längeren Touren (2019er-Bericht wird gerade noch geschrieben) in der Gegend, sind die Helis nie im 30min-Intervall geflogen sind, sondern einmal am Tag im Linienbetrieb hin und zu zurück und vielleicht noch ein zweites Mal anderswo hin. Und im Padjelanta benötigen die Samen, bei denen man dort zu Gast ist, sie zur Versorgung ihren Sommersiedlungen und zum Transport von Produkten aus diesen.

    Ehrlich gesagt empfand ich den Mittagshubschrauber auch als guten Zeitindikator abseits der Uhr für die Mittagsrast. Wer den Hintergrund hinter meinem Nutzernamen kennt, kann sich vorstellen, dass das für mich 1-oclock-charlie war


    Zitat Zitat von Mika Hautamaeki Beitrag anzeigen
    ... Allerdings fehlte mir das Einschlafduell...
    Ich wollte eigentlich nicht so angeben, aber ich habe alle Duelle auf der Tour gewonnen
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