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  1. Dauerbesucher
    Avatar von Intihuitana
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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #41
    Mitreisende: Intihuitana
    Hoch hinaus

    Ich schlief die Nacht erstaunlich gut, für die erste Nacht über 4000 m. Allerdings hatte ich wirklich viele seltsame Träume und zwar auf der ganzen Tour.
    Ich neige ohnehin zu seltsamen bis verstörenden Träumen, aber nie in dieser Häufigkeit wie auf dieser Tour. Ich vermute mal schwer, dass es an der Höhe und dem wenigen Sauerstoff liegen muss.
    Dennoch war ich gut ausgeruht.
    Draussen muss es leichte Minusgrade gegeben haben und ich machte mir in der Apsis erst mal Frühstück und wartete auf die Sonne.
    So kalt es auch Nachts sein mag, tagsüber wird es in sekundenschnelle warm, sobald die Sonne auftaucht, die mit all ihrer tropischen Gewalt auf uns sterbliche niederbrennt.
    Zum Glück sah es Chris genau wie ich und ließ sich morgens Zeit bis die Sonne uns erreichte. Dies war meistens so gegen 7 Uhr.
    Um 8 ging es dann endlich weiter. Meinem Problemfuss ging es ziemlich gut.
    Am linken Ufer der Jahuacocha wanderten wir in Richtung unseres ersten Tageszieles, den Sambuyapass.


    An den Seen finden sich immer viele Wasservögel


    Rallen?




    Riesiger Polylepisbaum, wie alt er wohl sein mag?


    Diese Kakteen haben ihre Stacheln zu Haaren umgewandelt um sich vor der Kälte zu schützen

    Blöderweise sind wir an dem in der Karte eingezeichneten Wasserlauf vorbeigelaufen und mussten ca. eine halbe Stunde zurück um Wasser aufzufüllen, denn wir waren kurz vor dme Aufsteig zum Pass und bis ins nächste Tal würde es kein Wasser mehr geben.



    Schon gestern Abend im Camp konnten wir immer wieder ein Donnern hören. Da der Himmel absolut klar war, konnte dieses Geräusch nur von den Gletscherabbrüchen vom Jirishancagletscher kommen.
    Nun kamen wir dem Gletscher immer näher und konnten die gewaltige Abbruchkante immer besser sehen.
    Auch wurdne wir Zeugen von erneuten Gletscherabbrüchen, die hier ca. jede halbe Stunde heruntergingen. Es war ein beindruckendes und bedrohliches Schauspiel das mit anzusehen.


    Abbruchkante, des Jirishancagletschers

    Wir waren jetzt am Aufstieg und es ging stramm bergauf. Der Sambuyapass lag auf 4740 m.
    Zum Glück hatte ich mir noch in Chachapoyas eine Extravorteilspackung an Kokablättern gekauft, und zwar so wie es sich gehört mit Kalkpulver.
    Das Kalkpulver befindet sich in dem kleinen ausgehöhlten Kürbis und wird im Mund mit dem Koka vermischt und das Kügelchen, in Peru liebevoll "Bolito" genannt in der Wange gehalten. Dadurch entsteht die chemische Reaktion bei der zuerst der Mund leicht taub wird und man dann den aufputschenden Effekt bemerkt.
    Für heftige Aufstiege in großer Höhe ist es genau das richtige und ich habe mich vor dem Aufstieg reichlich bedient, so dass mein Mund so taub wurde, dass man eine Wurzelbahndlung hätte durchführen können.
    Ich habs Chris angeboten, aber Seins war das nicht.


    Kokazeremonie. Ein paar Blätter lässt man immer für die Pachamama, die Mutter Erde zurück

    Trotz des kleinen Dopings war der Aufstieg immer noch knallhart. Entschädigt wurden wir mit unglaublichen Ausblicken auf den Yerupaja und seine Brüder und Schwestern, allesamt Apus, Berggötter der Inkamythologie.


    Einfach beindruckend diese Berge





    Es wurde schnell klar, warum dieser Hike eine der schönsten Bergwanderungen der Welt sein soll. Die Eisgiganten sehen aus jedem Winkel unglaublich aus, dazu kommt die rauhe, teilweise seltsam karge Bergwelt darunter und die Türkisblauen Seen.

    Die letzten dreihundert Höhenmeter, waren ein echter Kampf. Chris war im Vergleich zu mir UL unterwegs, aber ich war trotzdem etwas schneller.(Bin ich mit jemand anderem Unterwegs, zwinge ich mich immer dazu der schnellste zu sein )
    Es dauerte aber etwas bis ich meinen guten Rhytmus für diese ungewohnte Höhe gefunden hatte. Mir persönlich liegt es besser in meinem gewohnten Tempo zu gehen und dann und wann ein paar Atempausen einzulegen, anstatt bewusst langsam zu gehen, was mir überhaupt nicht liegt.


    Kurz vor dem Pass


    Pass in Sicht



    Aus dem letzten Loch pfeifend haben wir es zum Pass geschafft. Das war echt ein starkes Stück Arbeit.
    Trotz der Akklimatisierungstreks, waren die ersten beiden Tage dennoch sehr hart.


    Blick vom Pass in Richtung Süden

    Diese kahlen Berghänge, dieses Motiv vom "fernen Berg" haben etwas, was mich fasziniert. Vermutlich weil sie mich an Wüsten erinnern. Ich hatte schon immer eine Vorliebe für leere Landschaften.
    Nichtsdestotrotz sind die großen Spektakulären Eisriesen, die echten Eyecatcher in dieser Landschaft.






    Rundumblick

    Parralel mit der Westflanke des Jirishanca verlief also unser langer Abstieg ins Tal, Richtung zweites Camp.
    Interessant ist, das auf dieser Seite plötzlich Kalkstein vorherrscht, auf der anderne Seite waren es eher Schiefer und Granite.


    Abstieg



    Unten im Tal stößt der Pfad auf eine Piste. Hier muss man ca. 2 km. bis zum nächsten Camp in Quartelhuain auf dieser entlanglaufen. Es ist das einzige Stück auf dem ganzen Trek, wo man auf so einer Piste laufen muss. Es ist aber auch das nervigste, da einem dauernd LKWs in Richtung Mine entlang kommen.
    Ich war ziemlich geschafft und die Piste wollte einfach nicht enden. Zum Glück war ja Chris mit seinem amerikanischen Optimismus da um mich für die letzten km. aufzubauen.
    Am Camp wurde erstmal der obligatorische Wegzoll gezahlt.
    Es waren auch noch einige Franzosen da, die ihren Trek hier begonnen hatten und offenbar kam ihr gebuchter Eselstreiber einfach nicht an. So mussten sie wol oder übel Ihre Klamotten selbst schleppen für den Trek.
    Dies scheint hier nicht zum ersten mal vorgekommen zu sein.
    Kurz bevor es heftig zu winden angefangen hat konnte ich noch mein Zelt aufbauen und hereinschlüpfen.
    Viel draussen sitzen war wieder nicht, so verkrochen wir uns schnell ins Zelt, kochten und erwarteten die lange Nacht.





    Wieder gut ausgeruht starteten wir am nächsten Morgen, wieder in etwa zur selben Zeit. Es war weniger kalt als die Nacht davor, da es Wind und Wolken gegeben hat.

    Vor uns waren bereits zwei Wanderer zu sehen, die zielstrebig aufstiegen. Da hier viele Eselspfade quer verlaufen folgten wir ihnen einfach ohne auf die Karte zu schauen. Wir bogen also in dieses Kar ein welches nach oben hin immer blockiger wurde.


    Auf dem Weg zum nächsten Pass

    Wir überholten die beiden Wanderer, hielten ein Pläuschchen und gingen weiter. Was auffiel war, wie schlecht sichtbar der Weg gewesen ist. Immer wieder verlief er sich oder es taten sich Nebenpfade auf.
    Soll dies wirklich der Pfad sein, auf dem etliche Maultiere und Esel entlang getrieben werden?
    Wir wurden schon schwer spektisch, gingen aber vorerst weiter.
    Einen Pfad gab es jetzt praktisch überhaupt nicht mehr. Nie im Leben konnte dies der echte Pfad sein.
    Ich schaute also auf meine Karte und stellte fest, dass wir, da wir den beiden Wanderern gefolgt waren, falsch abgebogen sind und ein Tal zu früh aufgestiegen sind ins Tal des Gasha Passes, statt in jenes des Canananpasses
    Wir waren nun aber schon sehr weit oben und laut der Karte sah es danach aus, dass auf der anderen Seite ebenfalls ein Geröllkar sein musste, auf dem man eventuell gu herunter kommen könnten, dass wir beschlossen es nun hier zu versuchen.
    Wir warnten jedoch noch vorher die beiden anderen Wanderer, welche noch sehr weit unten waren, dass die nicht der richtige Weg ist, durch lautes zuschreien, so dass sie letzlich umkehrten.

    Wir machten uns weiter auf den Weg zum Pass. Diese letzten hundert Meter waren einfach unglaublich anstrengend. Oft mussten wir mangels Pfad durch das Blockgerüll, wo man gefühlt zwei Schritte aufsteigt um dann einen wieder nach unten zu rutschen, dazu kam dann noch die Höhe, was diesne Aufstieg zu einem der anstrengendsten machte, die ich jemals hatte.


    Blick zurück, kurz vor dem Pass

    Mit dem letzten bischen Atem kamen wir oben vollkommen am Ende an. Sehr neugierig war ich auf den Blick auf die andere Seite. Wäre hier jetzt ein unüberwindbarer Steilhang oder ähnliches, hätten wir wohl oder übel, alles wieder zurück gemusst.
    Zum Glück war dem nicht so und der Hang war von feinem Geröll bedeckt, den man gut herunterlaufen laufen konnte.


    Blick auf die andere Seite


    Und zurück nach Norden

    Nach einer obligatorischen Pause, fuhren wir auf dem Geröll in kürzester Zeit fast den kompletten Hang innerhalb einer viertel Stunde ab. So hatten wir ungewollt, unsere eigene Alpine Route geschaffen.
    Es war zwar heftig aber hat sich wegen der Landschaft in jedem Fall gelohnt.
    Jetzt ging es noch querfeldein über Fels und Gras um auf den Pfad der Alternativroute zu gelangen, welcher dann zum nächsten Camp an der Laguna Mitococha führte.


    Abstieg


    Nahe an der Mitococha

    Ohne weitere Vorkommnisse erreichten wir die Campstelle an der Laguna Mitococha. Da wir durch unsere ungewollte Abkürzung recht früh ankamen, probierte ich noch etwas in dem Bergbach zu angeln, allerdings ohne Erfolg.
    Stück für Stück füllte sich die Campstelle, auch die Franzosen von gestern Abend waren angekommen und trugen ihre Sachen selber.



    Zum Abend hin kamen dunkle Wolken auf und ich erwartete schon Regen, aber es war letzlich viel Wind um nix, gab aber immerhin ne hübsche Dämmerung ab.



    Zur gewohnten Uhrzeit ging es für uns beide wieder weiter mit dem Ziel der Laguna Carhuacocha.


    Morgenstimmung

    Die heutige Nacht war ziemlich kalt. Die ganze Wiese war dick mit Rauhreif überzogen und die Flasche in der Apsis hatte eine leichte Eisschicht.
    Laut Chris Thermometer waren es -20 °F was ca. -5°C sind. Allgemein war es immer amüsant, dass wir beide stets umrechnen mussten, zwischen Fahrenheit, Celsius, Feet, Metern und anderen Einheiten. Da wir natürlich dauernd an irgendwelchen hohen Bergen vorbeikamen und auch unsere Gepsräche sich viel um Outdoor drehten, gab es immer wieder die große Verwirrung. Jedenfalls sind wir beide zu dme Entschluss gekommen, dass die USA endlich mal das metrische System einführen sollten.

    Verglichen mit den ersten drei Tagen, war es heute eine sehr lockere Wanderei, zum größten Teil über Grashänge.






    Einfaches Wandern


    Gänse in einem kleinen Feuchtgebiet

    An einem kleinen Pass kam ich gerade zur rechten Zeit um einen Fuchs zu fotografieren, der hier die Landschaft durchstreifte.



    Hier machten wir eine Pause und wurden von zwei Wanderinnen eingeholt.
    Es stellte sich raus, dass die beiden Mädels auch aus den USA kamen und so war schnell eine Reisegruppe gebildet.
    So stiegen wir nun also zu viert, über Gott und die Welt redend zur Laguna Carhuacocha ab.




    Unsere lustige Reisegruppe




    Dieser nette Herr wollte unbedingt fotografiert werden, also tat ich ihm den Gefallen


    Und wieder der Yerupaja und sein kleiner Bruder rechts, diesmal von der anderen Seite

    Am flachen Seeufer war natürlich der ideal Ort zum Fotos machen.




    Jetzt waren wir bereits am Camp angekommen, aber es war eigentlich noch viel zu früh zum Camp aufschlagen, also zogen wir es vor weiter zu gehen.
    Unsere Idee war es entweder am anderen Ende der Carhuacocha zu campen oder sogar noch weiter zu gehen bis zu den drei Seen.



    An diesem winzigen Weiler wollten wir nach Campstellen nachfragen. Der einzige Bewohner erklärte uns zwischen dem zweiten und dritten See weiter im Tal gäbe es eine kleine ebene Fläche zum campen.



    Hier hatte ich mal die Chance einen der großen Gletscherabbrüche zu fotografieren.



    Wir wanderten weiter entlang der Endmoräne, die den ersten See, die Laguna Gangrajanca bildet. Die Mädels wollten unbedingt die Aussicht von der Endmoräne bewundern, also gab es einen kleinen Abstecher.
    Ich muss sagen es hat sich gelohnt. Man konnte hier auf den türkisblauen See und die darüber befindliche Bergwand blicken.





    Vor allem die Mädels, waren in typisch amerikanische Überschwänglichkeit völlig verzückt und es wurden viele "Oh my God" und "Oh my Gosh" ausgetauscht.
    In ihren Augen offenbar vollkommen teilnahmslos fragten sie mich verwundert ob mir die Aussicht nicht gefalle. Dann musste ich ihnen erklären dass wir Europäer uns eher nach innen freuen.

    Nicht weit von diesem Aussichtspunkt fanden wir genau wie vom Einheimischen beschrieben eine Campmöglichkeit zwischen dem zweiten und dritten See.
    In dieser kleinen Mulde fanden wir alle einen Platz für unsere Zelte.



    Es sollte nun die kälteste Nacht auf dieser Reise folgen...

  2. AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #42
    Wow, was für ein genialer Trek!!!

  3. Dauerbesucher
    Avatar von Sternenstaub
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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #43
    ja, wirklich! Was für eine wundervolle Landschaft. Ich kann echt nur sagen, irgendwie war es doch gut, dass das mit der Reiseplanung nicht ganz so durchgeführt werden konnte, sonst könntest du uns nicht auf diesen Teil der Reise mitnehmen. Ganz wundervolle Fotos! Schon mal daran gedacht, aus ihnen einen Kalender zu machen? Ich würde sofort einen kaufen!

    Ich denke, der Grund dafür, dass ihr die Campstellen einzeln zahlen musstet, lag schlicht daran, dass es sonst in den Taschen eines "Bosses" gelandet wäre und die Leute, die dort wohnen, mit Sicherheit nichts davon abbekommen hätten.
    freue mich auf weiteres
    Geändert von Sternenstaub (15.11.2019 um 12:12 Uhr)
    Two roads diverged in a wood, and I—
    I took the one less traveled by,
    And that has made all the difference (Robert Frost)

  4. AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #44
    traumhafte Bilder. *nach innen freu*
    So möchtig ist die krankhafte Neigung des Menschen, unbekümmert um das widersprechende Zeugnis wohlbegründeter Thatsachen oder allgemein anerkannter Naturgesetze, ungesehene Räume mit Wundergestalten zu füllen.
    A. v. Humboldt.

  5. Erfahren
    Avatar von Voronwe
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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #45
    Ich freue mich auch nach innen über diesen tollen Bericht und habe ihn gleich Mal abonniert

  6. Moderator
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    Avatar von Vegareve
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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #46


    Huayhuash war tatsächlich auch für unseren diesjährigen Urlaub geplant (der aber letztlich ausfiel).
    "Niemand hört den Ruf des Meeres oder der Berge, nur derjenige, der dem Meer oder den Bergen wesensverwandt ist" (O. Chambers)

  7. Alter Hase
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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #47
    Zitat Zitat von Intihuitana Beitrag anzeigen
    Ich frag mich, wie lange der Stein da schon liegt.

  8. Gerne im Forum
    Avatar von NF
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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #48
    einfach toll!

  9. Alter Hase
    Avatar von Scrat79
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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #49
    Zitat Zitat von AlfBerlin Beitrag anzeigen
    Ich frag mich, wie lange der Stein da schon liegt.
    Wenn du genau hinguggst, siehst du, dass der Stein auf dem Hering vom grünen Zelt liegt.
    Somit war er den Tag zuvor noch nicht da.
    Der Mensch wurde nicht zum Denken geschaffen.

  10. Anfänger im Forum

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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #50
    Helmut Rittlinger paddelte - bis heute soviel ich weiß als Erster Solo 1936 von den Quellen des Amazonas runter fast bis zum Atlantik. Über diese und andere Fahrten hat er einige Bücher geschrieben, die auch heute noch zu haben sind. Rittlinger ist heute fast vergessen, doch wenn du sein Buch „ich hatte Angst“ oder andere von ihm liest, weißt du was der damals so gemacht hat... weltweit.

  11. Alter Hase
    Avatar von Der Foerster
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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #51
    OT: ...und dann sollte man natürlich Percy Fawcett nicht vergessen "Z" ist noch immer nicht gefunden...

    Ein sehr schöner Bericht und ich freue mich schon auf den Rest Interessanterweise geht es mir so, dass ich total angefixt von Deinen Regenwald-Bildern bin und nun in den Anden es im Vergleich dazu eher nicht ganz so spannend finde, halt noch ein Berg

    Bitte nicht falsch verstehen, beides ist der Hammer, mir gefällt der bisherige Teil 1 nur besser
    Geändert von Der Foerster (21.11.2019 um 16:31 Uhr)
    Ich mag verdammen, was Du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass Du es sagen darfst. Voltaire.

  12. Dauerbesucher
    Avatar von Intihuitana
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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #52
    Zitat Zitat von Der Foerster Beitrag anzeigen
    OT: ...und dann sollte man natürlich Percy Fawcett nicht vergessen "Z" ist noch immer nicht gefunden...

    Ein sehr schöner Bericht und ich freue mich schon auf den Rest Interessanterweise geht es mir so, dass ich total angefixt von Deinen Regenwald-Bildern bin und nun in den Anden es im Vergleich dazu eher nicht ganz so spannend finde, halt noch ein Berg

    Bitte nicht falsch verstehen, beides ist der Hammer, mir gefällt der bisherige Teil 1 nur besser
    Geht mir genauso. Die Schönheit von Regenwäldern oder Wäldern allgemein erschließt sich meistens nicht direkt, und es ist viel schwerer dort etwas spektakuläres abzulichten. Es ist auch keine "Landschaft" im eigentlichen Sinne.
    Dennoch bieten Wälder auf kleinstem Raum viel mehr zu entdecken als andere Landschaften und bei Regenwäldern steigert sich das ganze noch bis ins Extrem.
    Aber ich hatte schon immer eine besondere Beziehung zu Wäldern, und dir geht es da vermutlich ähnlich, bei deinem Accountnamen.

    Aber grün wirds auch noch mal. Und zwar richtig ;)

  13. Alter Hase
    Avatar von Der Foerster
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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #53
    Da freue ich mich schon drauf

    Ja, ich habe halt auch einen besonderen Bezug zu Wäldern. Eine Reise in den Amazonas-Regenwald steht auf jeden Fall noch mal auf meiner Liste
    Ich mag verdammen, was Du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass Du es sagen darfst. Voltaire.

  14. Anfänger im Forum

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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #54
    Gebe euch da Recht. Bilder aus den Anden sind schön, teilweise wahnsinnig beeindruckend, oft hat man geniales Licht, trotzdem ist der Regenwald(für mich) einfach faszinierender. Im dem speziellen Fall hier liegt es sicher aber auch daran, dass es wenig über lange UNGEFÜHRTE Trekkingtouren im Regenwald zu lesen gibt. Ich war schon oft im Regenwald aber eine mehrwöchige Tour in der grünen Hölle kann ich mir nicht vorstellen. Freue mich auf mehr!

  15. Dauerbesucher
    Avatar von Intihuitana
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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #55
    Die drei Seen

    -0°F zeigte Chris Thermometer in der Morgendämmerung an. Das sind knapp -18°C. Es war brutal kalt, so dass das Wasser in meiner Flasche im Zelt fast zur Hälfte tiefgefroren war. Mein Lamina 0, kam auch langsam an seine Grenzen und ich musste mich in der Nacht schon bekleiden.
    Die Kombination aus der sternenklaren Nacht und der Mulde ließen einen Kältesee enstehen.
    Eigentlich wollten wir bis zum auftauchen der Sonne warten, allerdings war genau im Osten eine hohe Felswand und konnte bis neun oder zehn dauern bis der Schein der Sonne unsere Zelte erreichen würde.
    Es half also alles nix. Raus aus den Federn und bei der Grabeskälte packen war angesagt. Tatsächlich war es, wenn man nur ein wenig aus der Mulde heraus stieg beteudend wärmer.
    Mein Hände konnte ich bald nicht mehr wirklich fühlen und ich war froh möglichst bald aufzusteigen um mich endlich wieder aufzuwärmen.

    Am See entlang beginnt in Kürze danach der Aufstieg Zum Mirador tres Lagunas, von dem man aus die drei Seen am Stück sehen kann.


    Gleich ist die Sonne da



    Endlich war das mit dem laufen kein Problem mehr und ich konnte den Pass am Stück aufsteigen. Mein Körper hatte sich endlich an die Höhe angepasst.
    Chris kam hinterher, doch die Mädels hatten ein wenig Schwierigkeiten und kamen mit etwas Abstand.
    Der berühmteste Aussichtspunkt des Huayhuash Treks ist der Mirador de las 3 Lagunas. Hier kann man in einer Reihe die Laguna Gangrajaca, Siuala und Quesilaqocha sehen, eingerahmt von dem beindruckenden Ostabhang des Yerupaja.




    Gruppenfoto am Mirador



    Der Mirador ist allerdings nicht der Pass, sondern zur Punta Siula muss man von dort noch mal ca. 300 hm. aufsteigen.
    Neben uns waren auch einige andere geführte Wanderguppen hier unterwegs. Es wurde also recht belebt.
    Seit 2 Tagen hatte ich seltsame Beschwerden am Hals und an den Bronchien.
    Es fühlte sich an wie eine Bronchitis, nur fehlte der Husten und der Schleim. Ich hoffte, dass es sich hierbei nur um irgend eine Höhenerscheinung handeln würde.


    Kleines Plateau mit Blick zurück

    Auf den letzten Metern lieferte ich mir noch ein kleines Wettrennen mit einer unglaublich schnellen Französin.
    Und da war ich dann auf dem Siulapass.
    Nach ein wenig warten triefen auch meine Mitwanderer ein.




    Blick nach Westen auf den Siula


    Blick nach Südosten


    Nordosten

    Der weitere Abstieg verlief ohne weiteren Vorkomnisse. Das Wetter war schon nahezu zu perfekt und zauberte diese Postkartenmotive.





    Entlang der Laguna Quesillacocha stiegen wir zum Weiler Huayhuash ab, wo das nächste Camp liegen sollte.


    Adler


    Letztes gemeinsames Camp

    Ab dem nächsten Morgen sollten sich unsere Wege trennen, sowohl die Mädels als auch Chris, hatten vor die Talroute zu den heißen Quellen zu gehen, wohingegen ich über die Alpine Route über den Paso Trapezio steigen wollte.


    Nevado Cuyoc im Abendlicht

    Getrennte Wege

    So zogen wir dann also am nächsten Morgen das erste Stück zusammen los. Ich musste allerdings nach kurzer Zeit nach rechts abweichen um über einige Kämme und Täler auf den kleinen, fast nicht zu findenden Pfad zum Trapeziopass zu stoßen.
    Es wurden noch Adressen ausgetauscht und dann gingen wir unserer Wege.
    Zum ersten mal war ich also ganz alleine auf diesem Trek und genoss es auch ein wenig endlich mal alleine zu sein.


    Grundmauern, eventuell Inka



    Der Pfad zum Trapeziopass läuft zuerst entlang einer Steilwand und kommt danach auf ein Zwischenplateau an dem auch einige Seen zu finden sind.







    Langsam wurde die Luft knapp. Ich kam den 5000 m. immer näher. Eine Höhe auf der ich bisher noch nie gewesen bin.
    Die letzten 200 Höhenmeter wurden dann auch tatsächlich sehr anstrengend und ich musste immer wieder pausieren.


    Endlich oben

    Mann mann, war das ein Aufstieg. Mit mir oben war ein katalanisches Pärchen, die sich auch abgerackert haben hier hoch zu kommen.
    Hier oben habe ich die kontinentale Wasserscheide Südamerikas überschritten. Alles Wasser was östlich von hier herunterkommt fließt am Ende in den Amazonas und den Atlantik. Alles was westlich von hier herunterkommt landet im Pazifik.
    Auch die Landschaft ändert sich abrupt. War im Osten noch grünes Gras und weiden zu finden ist die Landschaft auf der Westseite eher Wüstenartig.


    Blick zurück


    Trocken und karg hab ich gern






    Auf 5000 m. noch Pflanzen

    Eigentlich hatte ich vor, von hier die Alpine Route weiter entlang des Trapecio Gletschers nach Norden zur Laguna Juraucocha zu folgen. Ich fühlte mich allerdings nicht wirklich gut und dieser Abschnitt soll ein wenig gefährlich sein, daher zog ich es vor den einfacheren Weg herunter ins Tal zum Quebrada Quyoc abzusteigen, wo es auch eine Campstelle gibt.
    Ich habe mich mehr heruntergeschleppt und fühlte mich wirklich schlecht.
    Ich hab am Morgen angefangenBreitbanantibiotikum zu nehmen, weil meine vermeintliche Bronchitis nicht besser geworden ist.
    Möglicherweise war das Antibiotikum zusammen mit der Höhe und der Anstrengung dafür veantwortlich, dass es mir so schlecht ging.


    Höhenangepasste Lupinenart


    Am Camp

    Und wen traf ich witzigerweise wieder am Camp? Chris, hatte sich die heißen Quellen gespart und war von dort über einen weiteren Pass bis hierhin gekommen, da er lieber einen Puffertag hatte.
    In der Nacht versucht ich mich noch etwas daran Sterne zu fotografieren. Nur mit dem 18-250 mm. Reisezoomobjektiv und einem Packsack als Stativ, war das Ergebnis natürlich nicht umwerfend.



    Am folgenden Tag wollte ich es ruhig angehen lassen nach der heftigen Etappe auf den Trapeciopass, daher trennte ich mich abermals von Chris, welcher den Umweg über den San-Antoniopass machen wollte. Das würde heißen nocheinmal steigen auf über 5000 m.
    Nein danke, ich hatte meinen 5000er Pass schon gestern und zog die gemächliche Talroute für heute vor.

    Diese ging sanft absteigend in Richtung des Dorfes Huayllapa.


    Blick zurück auf den Nevado Cuyoc


    Eine Gruppe Ibisse sucht nach fressbarem

    Bis auf Vögel zumeist an den Feuchtgebieten und einen Fuchs, habe ich recht wenig Tierleben in der Cordillera entdeckt, dabei soll es auch Pumas und Vicunas geben, doch ich vermute, dass sie in den abgelegeneren Teilen der Berge zu finden sind.


    Das Tal verengte sich

    Ab hier geht es steiler zu und es gibt auch einige minimale Kraxelpassagen. Zum ersten mal seit dem ersten Tag, kam der Trek wieder unter 4000 m.
    Auch die Vegetation änderte sich schnell. Neben Polylepisbäumen tauchten auch die ersten Agaven, Kakteen und Tillandsien auf.



    Nach dem Wasserfall traf ich auf bestelltes Land. Den Rest des Weges bis nach Huayllapa lief ich immer entlang von Gärten und komplizierten Bewässerungssystemen.



    Der Abstieg in die niedrigeren Höhen tat mir auf der Stelle gut. Meine Bronchitis war plötzlich verschwunden, womit klar war, dass dies keine bakterielle Geschichte war, sondern wohl an der Höhe gelegen haben muss.
    Hätte ich mal einen Tag gewartet, dann hätte ich das Antibiotikum gar nicht erst anbrechen brauchen. Jetzt musste ich es wohl oder übel zu Ende nehmen.

    Huayllapa rückte immer näher. Am Wegesrand saß eine Cholita, die recht kurz angebunden war und meinen Wegzoll verlangte.
    Naja bezahlt und schnell weiter.

    Ich beschloss nach Huayllapa zu laufen und zu sehen ob man ein Bier oder etwas zu Essen bekommen konnte.



    Und tatsächlich fand ich ein winziges Restaurant, welches eigentlich eher ein ausgebautes Wohnzimmer war, wo sich die Herrin des Hauses noch ein paar Soles dazu verdiente, indem sie Wanderer bekochte.

    Der einzige Nachteil an dem Abstecher ins Dorf war, dass ich nun all das wieder hochlaufen musste um zur Wegkreuzung zu kommen.
    Kurz nachdem ich aus dem Dorf herauskam, traf ich abermals auf Chris. Das wurde schon langsam unheimlich.
    Auch er war auf dem Weg etwas zu Essen aufzutreiben und wir verabredeten uns für die nächste Campstelle.

    Die galt es nun erstmal zu erreichen. Denn es hieß jetzt wieder knapp 1000 hm. aufzusteigen entlang des Quebrada Milo.
    Die erste Hälfte lief wie von selbst. Durch den langen Aufenthalt über 4000 m. war der Aufstieg von 3500 m ein Klacks und plötzlich ging der Motor wie geölt.
    Dennoch hatte es der Aufsteig in sich und die letzten Meter zogen sich wie immer.




    Es sollte wieder eine frostige Nacht folgen


    Nev. Ancocancha

    Endspurt

    Also wieder zu zweit ging es mit Chris weiter wieder in Richtung Laguna Jahuacocha, wo wir den Kreis schließen würden.
    Die heutige Landschaft war recht angenehm und es gab viele Weitblicke.
    Ein gutes Stück liefen wir mit einer Trekkinggruppe zusammen.
    Auf einer der Pausen, wollte einer der Eselstreiber mal meinen Rucksack Probetragen und blickte mich schockiert an, als er das Gewicht hob


    Nah an der Tapush Punta


    Laguna Susacocha




    Bis zur Cordillera Blanca konnte man heute sehen

    Nach einem Abstieg geht es von einem Talkessel wieder hinauf zum allerletzten Aufsteig auf diesem Trek.


    Vorbei an diesem kleinen Polylepiswald


    Aufstieg zum Jauchapass (4850 m)




    Jauchapass

    Es war nun fast geschafft. Dies war der allerletzte Aufstieg dieser Tour, von hier an ging es nur noch hinunter. Zuerst zur Laguna Jahuacocha, wo wir schon am ersten Tag nächtigten und dann den selben Weg wieder zurück nach Llamac.


    Ja da kann man sich schon mal verblöden

    Der Abstieg war zwar lang aber nur noch Formsache. An sich hatten wir den Trek schon fertig.


    Zurück an der Jahuacocha

    Da waren wir nun wieder. Nach neun Tagen hatten wir die Cordillera Huayhuash umrundet. Tolles Gefühl, da war zuerst ein Sprung in den eiskalten See fällig um den ganzen Schmutz abzuwaschen. Das gab zwar fast einen Herzinfarkt, war aber wunderbar erfrischend.
    Tatsächlich wurde hier in der kleinen Hütte auch Bier verkauft und wir gönnten uns eins zum Abschluss der Tour.

    Nachts gab es noch einen Versuch mit der Sternfotografie:





    Wir mussten nun nur noch wieder bis nach Llamac zurück kommen, auf dme selben Weg, auf dme wir gekommen sind.

    Es gibt in Llamac pro Tag nur eine Möglichkeit um dort weg zu kommen und zwar täglich um 11.
    Wir hatten keine Lust uns zu hetzen und gingen schön gemütlich zurück ins Dorf.
    Dort kann man ausserhalb des Dorfes umsonst zelten.
    Endlich mal eine warme Nacht in der man sich nicht tief im Schlafsack vergraben musste.
    Am nächsten Tag nahmen wir dann also mit einigen anderen Wanderern den Minibus zurück nach Huayhuash.
    Dort gab es erstmal eine Dusche und eine Riesenpizza am Abend.

    Fazit:
    Der Huayhuashtrek ist schon der absolute Hammer. Landschaftlich habe ich glaube ich noch nix so spektakuläres gesehen wie diese Berge.
    Dadurch dass es einen durchgehenden Pfad gibt und immer wieder Menschen vorbei kommen ist der Trek nicht all zu schwer, aber dennoch eine gute Herausforderung, vor allem durch die Höhe, die Steigungen, die kalten Nächte und heißen Mittagsstunden und auch die Tatsache, dass man seine Verpflegung für mindestens 9 Tage mit schleppen muss.
    Für weitere Touren in der Gegend würden sich etliche Möglichkeiten anbieten, wo man dann aber schon mehr planen müsste, und für alpine Varianten auch besser mit einer Seilschaft geht.
    Diesen Trek konnte ich in kurzer Zeit vor Ort planen und in Huaraz gibt es fast alle Möglichkeiten sich auszustatten, was es auch für Südamerikareisende interessant macht, die den Trek spontan angehen wollen.
    Für Anfänger ist die Tour eventuell zu schwer um sie autark zu gehen, da gibt es aber die Möglichkeit des Gepäcktransportes mit Maultieren.
    Mein schlimmer Fuß hat sich zwar immer wieder bemerkbar gemacht aber im Endeffekt war die Tour gut machbar.
    Ich bereue es jedenfalls keine Sekunde hier hin gekommen zu sein.



    Für mich ging es nun weiter nach Cusco wo weitere Abenteuer auf mich warten sollten...

  16. Alter Hase
    Avatar von AlfBerlin
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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #56
    Zitat Zitat von Intihuitana Beitrag anzeigen
    ... Die Schönheit von Regenwäldern oder Wäldern allgemein erschließt sich meistens nicht direkt, und es ist viel schwerer dort etwas spektakuläres abzulichten. ... Dennoch bieten Wälder auf kleinstem Raum viel mehr zu entdecken als andere Landschaften und bei Regenwäldern steigert sich das ganze noch bis ins Extrem. ...
    Deine beiden Sätze scheinen sich zu widersprechen. Aus meiner Sicht ist Schönheit subjektiv, aber man wird man auf einem Quadratmeter Wald, erst Recht Regenwald, vermutlich mehr entdecken können als auf 100 Quadratkilometern Wüste.

  17. Fuchs
    Avatar von berniehh
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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #57
    Hammer Geil!!
    Der Huayhuash ist landschaftlich ein absoluter Muss-Trek. Den würde ich auf jeden Fall auch machen wenn ich mal in Nordperu wäre.

  18. Fuchs
    Avatar von Meer Berge
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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #58
    Super tolle Gegend!
    Hatte ich mir evtl. für nächsten Sommer vorgenommen.
    Jetzt habe ich schon mal einen besseren Eindruck von der Gegend.
    Vielen Dank!
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    Das Wetter, das man jeden Morgen in sich selber macht, ist viel wichtiger als das Wetter draußen. Fynn

  19. Dauerbesucher
    Avatar von Intihuitana
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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #59
    Im Land der Inka

    Mein nächstes Reiseziel war also Cusco im Süden Perus, der Anziehungspunkt für Touristen aus aller Welt.
    Cusco oder Qosqo wie es in Quechua heisst, war das einstige Zentrum des Tawantinsuyu, des riesigen Reich der Inka.
    Mit nix geringeres als dem Titel, "Nabel der Welt", gaben sich die Sonnenkönige zufrieden.
    Nach der Eroberung durch die Spanier und Francisco Pizarro 1532, wurde ein Großteil der alten Inkastadt geschleift und im Kolonialstil wieder augebaut.
    Was entstanden ist, ist eine bizarre Mischung aus den gewaltigen Inkagrundmauern auf denen die Kolonialgebäude errichtet wurden.
    Ich nahm mir also erstmal Zeit die Stadt zu erkunden. Es gibt hier wirklich sehr viel zu besichtigen.


    Jesuitenkirche Compania de Jesus auf der Plaza de Armas



    Kathedrale von Cusco

    Was bei der Ornamentik der Kirchen auffällt, ist dass sie im Indiobarock gestaltet sind. Viele Elemente aus der traditionellen Inkamythologie, wie Lamas, Pumas und die Pachamama komme hier auch vor. Letztlich auch von der Kirche initiiert, da es den Leuten mit diesen vertrauten Symbolen leichter fallen sollte, sich zum Christentum zu bekehren.




    Straßen der Altstadt

    Hier, wie an vielen anderen Stellen stehen die Kolonialen Bauten auf dem Mauerwerk der alten Inkastadt. Dieses Mauerwerk ist gänzlich ohne Mörtel gebaut. In der alten Welt wäre dies kyklopisches Mauerwerk, wie man es auch aus Mykene und Tyrins kennt. Die Steine sind derart perfekt aufeinander abgestimmt, dass nicht mal eine Messerklinge in die Fugen passen würde.
    Wie genau die Steine behauen wurden, ist bis heute noch nicht ganz klar. Daher können es ganz klar nur Aliens gewesen sein


    Kolibri

    Ein ganz besonderes Bauwerk ist die Coricancha. Dieser heutige dominikanische Konvent ist auf den Grundmauern, des heiligsten Ortes der Inka gebaut worden.
    Der ehemalige Sonnentempel, war nicht nur religiöses sondern auch geografisches und politisches Zentrum des gesamten Reiches.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Coricancha


    Coricancha

    Fast unbeachtet von allen Touristen gibt es im inneren der Coricancha einen ganz besonderen Ort.
    Heute die Mitte des Kreuzganginnenhofes des Konventes und markiert durch ein steinernes Wasserbecken, war früher das absolute Zentrum des gesamten Inkareiches.
    Von hier ging Strahlenförmig das Reich und seine vier Teilreiche, die Suyus aus. Auch ging von hier das Straßennetz der Inka, der Chapaq Nan aus.


    Nabel der Welt

    Cusco mag zwar sehr touristisch sein, aber dennoch habe ich es eigentlich als recht angenehm empfunden. Wenn man die ganzen Leute die einem was verkaufen wollen ausblendet, kann man es hier recht gut aushalten.



    Im Umland um Cusco ist die größte Dichte an Ruinenstätten der Inka zu erkunden, war dies schließlich ihr Kernland.
    Auch das weltberühmte, aber massiv überlaufene Machu Picchu wird von Cusco aus in Angriff genommen.
    Ich war immernoch am überlegen ob ich wirklich dorthin sollte und mir Tourizirkus antun sollte, oder es besser sein lassen solle.
    Vorher gab es aber noch ein paar andere Orte zu bewundern.

    Da waren:


    Die Festung Sacshuayman oberlab von Cusco


    Die Bergfeste Pisac






    Das auf Inkamauern errichtete Chinchero






    Die Bergfeste Ollantaytambo im Tal der Inka





    Spaziergang nach Machu Picchu

    Ich verbrachte also gut eine Woche damit, mir alles mögliche an Inkakram anzusehen und beschloss dann letzendlich mir den Machu Picchu doch an zu tun. Nicht zuletzt weil ich auch vorhatte eine Wanderung direkt von dort zu starten. Es ist zwar reichlich teuer und überlaufen, aber einmal im Leben sollte man es schon gesehen haben.
    Das Problem ist, dass es nach Aguas Calientes, von wo der Aufstieg beginnt, keine Straßenanbindung gibt, sondern nur eine Zugstrecke und die ist geradezu lächerlich teuer. Zumindest für Touristen.
    Zum Glück gibt es eine Alternative, welche mitlerweile sogar recht etabliert ist. Man kann mit einem Minibus einmal um die gesamte Bergkette herumfahren und sich in Hidroelectrica herauslassen.
    Viele Touristen und Backpacker ziehen diese günstige Variante vor, so auch ich.

    Über die durchaus spektakuläre Strecke fährt man von Cusco aus über die Anden in die Yungas bis man wieder im tropischen Regenwaldgebiet ankommt.
    Am Ende der Bahngleise wird man rausgelassen.
    Ab hier heißt es jetzt laufen. Entlang der Bahnstrecke läuft man ca. 10 km. nach Agua Calientes.
    Es ist ein wirklich interessantes Bild, welches sich da bietet.
    Hunderte Backpacker und Reisende, teilweise mit Flipflops und Reisetasche (Rolli hab ich auch gesehen ), machen sich täglich auf diesen Weg.


    Völkerwanderung

    Es hat etwas von Völkerwanderung, aber durchaus interessant. Die Strecke an sich ist auch sehr hübsch. Man läuft durch tropischen Bergregenwald. Es haben sich mitlerweile auch einige Verkaufsstände und Restaurants angesiedelt die dem durstigen Wanderer überteurte Coca Cola feilbieten.


    Im Tal des Urubamba






    Immer wieder heißt es, Achtung Zug.




    Rio Urubamba

    Der Schein trügt hier. Das schöne blaue Wasser ist leider eine Kloake, da das gesamte Wasser aus Aguas Calientes ungeklärt hereingeleitet wird.




    Passionsblume

    Ich hatte, da ich ja von Hidroelectrica meinen Trek starten wollte, all meine Wandersachen dabei und zum Glück gibt es am Ortsausgang von Aguas Calientes auch einen recht günstigen Campingplatz.
    Denn Aguas Calientes ist geradezu unverschämt teuer. Die ganze Stadt wurde nur für den Tourismus gegründet und besteht praktisch nur aus Hotels, Pizzerien und Souveniershops. Ein ganz besonders garstiger Auswuchs des Massentourismus
    Ich habe sie mir dennoch angeguckt, da ich hier noch eine Verabredung mit nem Mädchen hatte.

    Mein Ticket für Machu Picchu hatte ich bereits in Cusco gekauft, da pro Tag nur eine gewisse Menge an Leuten durchgelassen werden und es sein kann, dass man auch mal zwei Tage für das nächste Ticket warten muss.
    Um 7 Uhr morgens musste ich oben sein, ab da hatte mein Ticket Gültigkeit.
    Es war schon recht voll, aber vermutlich noch nicht so voll wie ein paar Stunden später.

    Und dann war ich da, an diesem Weltwunder und ja es ist schon eine recht imposante Angelegenheit.
    Dabei spielt vermutlich alles zusammen. Nicht nur die Architektur an sich, sondern auch die Lage auf dieser Steilen Bergkante im Bergregenwald machen dne Ort einzigartig.


    Hier bin ich Touri, hier darf ichs sein




    Tempel des Viracocha

    Viracocha war die große Schöpfergottheit und allen andinen Kulturen bekannt.







    Neben dem Viracocha, Schlangen und Kondortempel war die wichtigste Einrichtung der gesamten Anlage, der Sonnenstein, der Intihuatana.
    Upps na der Name kommt einem doch so bekannt vor. Tatsächlich hatte ich vor Jahren als ich mich hier im Forum anmeldete mich schonmal mehr mit den Inka beschäftigt und der Name blieb mir irgendwie hängen, also wählte ich ihn.
    Die Transkription scheint aber nicht einheitlich zu sein. Die Spanische Transkription aus dme Quechua ist Intihuatana, seltener Intiwatana. Inthuitana kommt hingegen in älterer deutschsprachiger Literatur vor.
    Wäre das Rätsel also nun auch für die Forenwelt gelöst.
    Die Sonnensteine, von denen es früher etliche gab, die aber von den Spaniern zerstört wurden, dienten der Berechnung der Tag und Nacht gleiche und somit als Kalender für Aussaat und Ernte.


    Stein der die Sonne festbindet - Intihuatana




    Terassen zur Eigenversorgung mit Nahrungsmitteln

    Den Zweck der Anlage kennt man heute noch nicht genau. Die wahrscheinlichste Hypothese, ist dass es ein Sommersitz der Inka sei, andere sagen es sei eine Rückzugsfestung.
    Der Name der Stadt bedeutet übersetzt alte Stadt und es gibt Überlieferungen, dass die Inka, die Ruinen einer weit älteren Kultur hier entdeckten und wieder für sich herrichteten.
    Zweifelsfrei sind alle wichtigen Städte der Inka tief in ihre Landschaftsmythologie eingebettet.
    Die Orte Cusco, Ollantaytambo und Machu Picchu liegen auf einer Linie und symbolieren auch die Milchstraße und die Sternzeichen, jede Stadt ist einem Tier zugeordnet.
    Weiter westlich liegt, tief im Regenwald das kaum bekannte Vilcabamba, die letzte Rückzugsstätte des Manco Capac auf seinem Wiederstandskampf gegen die Spanier.
    Laut der Inkamythologie und Überlieferungen muss es aber noch eine weitere bisher unbekannte Stadt in den Bergregenwäldern Nordwestlich von Machu Picchu geben.
    Nach diesem legendären Paititi haben schon einige Abenteuerer erfolglos gesucht.
    Vielleicht sollte ich es auch mal probieren

    Es war jedenfalls richtig, die Anlage zu besuchen, trotz all der Touristenmengen und dem schrecklichen Aguas Calientes.
    Ich stieg nach meinem Aufenthalt also wieder ab, packte meine Sachen beim Campingplatz und machte mich zurück auf den Weg nach Hidroelectrica.
    Im Gegensatz zu all den anderen Reisenden, welche wieder einen Bus zurück nach Cusco nahmen, sollte für mich das Abenteuer hier überhaupt erst anfangen auf meiner nächsten Wanderung...
    Geändert von Intihuitana (29.11.2019 um 10:41 Uhr)

  20. Alter Hase
    Avatar von codenascher
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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #60
    Wie du den Kolibri eingefangen hast ist ja der Hammer!

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