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  1. Dauerbesucher
    Avatar von Intihuitana
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    [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #1
    Mitreisende: Intihuitana
    Zeitraum: Juli-Oktober 2019

    Einleitung

    Recht frisch zurück bin ich von meiner letzten und bisher längsten Reise, als ich knapp 4 Monate in Südamerika verbracht habe.
    Die Erinnerungen sind jetzt noch recht frisch weshalb ich rasch mit dem Schreiben beginnen möchte.
    Ursprünglich war diese Reise gänzlich anders geplant, doch dann kam alles anders. Letzlich habe ich fast alle Wanderungen und Unternehmungen improvisiert, wobei ein paar sehr tolle Abenteuer herausgekommen sind.

    Persönlich war diese Reise recht aufwühlend, weil ziemlich viel passiert ist, auch zwischenmenschlich.
    Zwar war der Schwerpunkt der Reise eindeutig auf Outdoorunternehmungen, es gab aber auch klassisches Backpacking.
    Gemäß des Schwerpunktes dieses Forums werde ich in erster Linie von den Wanderungen und co. berichten. Wo ich es für sinnvoll halte werde ich auch mal ein paar Bilder von Inkaruinen, Städten oder Tageswanderungen einstreuen.
    Ich werde hier also von mehreren unabhängigen Unternehmungen in Peru und Bolivien berichten, wo ich durch nahezu alle Klimazonen der Erde gekommen bin.
    Es ist also gewissermaßen für jeden was dabei, vom dampfend heißen Regenwald, über einen Schneesturm in den Anden, die größte Salzwüste der Erde, vergessene Canyons und letzlich auch einen 6000er.
    Und letzlich wird auch das Geheimnis um meinen Forennamen gelüftet













    Weiße Flecken auf der Landkarte

    Warum überhaupt diese Reise? Seit ich 2017, das erste mal im tropischen Regenwald war, damals mit Guides und einer Gruppe, habe ich Blut geleckt, was dieses Ökosystem angeht.
    Neben Wüsten faszinieren mich tropische Regenwälder mit am meisten. So habe ich in den letzten zwei Jahren oft Stunden in Google Earth verbracht um interessante Regenwaldgebiete weltweit zum selber Entdecken, ausfindig zu machen.
    Es sind allerdings oftmals einige Hürden zu nehmen. Die Regenwälder der Erde sind an vielen Stellen noch nicht befriedet.
    Mit solch sympathischen Gestalten wie Drogenschmugglern, Warlords, kommunistischen Rebellen oder illegalen Goldsuchern darf man sich in vielen Regenwäldern herumschlagen.
    Dazu kommen im Amazonasregenwald noch die unkontaktiert lebenden Völker, um deren Gebiete man natürlich einen großen Bogen machen muss.
    Das Problem ist, dass niemand genau weiß wo sie sich aufhalten und daher sehr großzügige Pufferzonen existieren, die man nicht betreten kann.
    Eine Region ist mir aber schon vor langem ins Auge gestochen. In erster Linie wegen ihrer Topographie und Abgelegenheit.
    Im Norden Perus gibt es einen sehr weitläufigen Nationalpark mit dem schönen Namen "Cordillera Azul" - Die blauen Berge.

    Hier treffen die letzten Ausläufer der Anden in mehreren Ketten auf das amazonische Tiefland. So entstand eine Landschaft von Inselbergen, parallelen Gebirgsketten und vollkommen von der Aussenwelt abgeschnittenen Regenwaldtälern dazwischen.
    Je mehr ich recherchierte, desto mehr begeisterte mich dieses Gebiet.
    Dieser Nationalpark ist im Jahre 2001 mehr oder weniger vom Reissbrett und durch Überflüge ins Leben gerufen worden.
    Die wenigen wissenschenschaftlichen Expeditionen haben immer nur stichprobenartig einige meist am Rande liegende Gebiete untersucht.
    Offenbar war fast noch nie jemand ins wilde Herz dieser verlorenen Welt vorgedrungen, geschweige denn hat sie jemand auf eigene Faust durchquert.
    Nicht an vielen Orten der Welt, wird man noch weiße Flecken auf der Landkarte finden, hier gibt es nicht gerade wenige.

    Ich hätte euch ja gerne die weißen Flecken gezeigt, aber ich darf nicht

    Ich habe mir durch meine Erfahrungen im Regenwald schon ausmalen können, dass dieses Gebiet nicht ohne Grund unbesiedelt ist. Das Gelände muss knallhart und unglaublich schwer zu durchqueren sein. Steiler, fast undurchdringlicher Bergregenwald, Felswände, Schluchten, wilde mäandrierende Urwaldflüsse. Von den wilden Tieren, den Krankheiten und Parasiten jetzt ganz zu schweigen.
    Es wurde schnell klar, dass ein Zugang zum nördlichen Plateau nur oder zu einem großen Teil über die Flüsse stattfinden konnte.
    Es musste also eine Möglichkeit gefunden werden, sich auf diesen Flüssen irgendwie zu bewegen. Schnell wurde klar, es muss ein Packraft her.
    Vom Paddelsport habe ich bisher nicht viel Ahnung gehabt, bis auf ein paar harmlose Kanutouren auf sanften Seen.
    Ich musste also 1. micht so gut es geht über Packraften informieren und Trainingsbefahrungen durchführen und 2. Die Route so planen, dass man möglichst auf kein Wildwasser trifft, oder dies umtragen kann.
    Auch alleine wollte ich mir diese Tour keinesfalls antun. Es musste ein Tourpartner her.
    Mein Kumpel Fabian, mit dem ich bereits in Mauretanien gewesen bin, wäre eigentlich ideal gewesen, dieser musste aber absagen da er sich in Sibirien selbst finden musste.
    Zum Glück fand ich über Facebook einen anderen interessierten . T. wäre am ehesten in Frage gekommen, da er schon einiges an Regenwalderfahrung vorweisen konnte und als Hobbybiologe auch sehr viel Fachwissen über die hiesige Flora und Fauna hat, allerdings hatte er keine Erfahrung mit autarken Wandertouren.
    Es war ein Jahr Zeit zum üben und zu trainieren. Ich traute ihm soweit zu dass er sich fit macht und auf der Probewanderung im Harz machte er auch eine gute Figur.
    So war es also beschlossen, dass wir versuchen die Cordillera Azul als erste selbst zu durchqueren und womöglich alles mögliche dort entdecken. Wir fühlten, wir waren gut vorbereitet und ausgestattet.
    Doch wie immer im Leben sollte alles anders kommen...
    Geändert von Intihuitana (31.10.2019 um 10:56 Uhr)

  2. Fuchs
    Avatar von Rattus
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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #2
    In letzter Zeit überschlagen sich hier die spannenden Einstiege Bin schon gespannt.
    Das Leben ist schön. Von einfach war nie die Rede.

  3. Alter Hase
    Avatar von codenascher
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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #3
    Liest sich spannend, ich bleib am Ball!

    Bin im Wald, kann sein das ich mich verspäte

    meine Weltkarte

  4. Fuchs
    Avatar von Pfiffie
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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #4
    Eingeloggt das Klingt jetzt schon total Spannend und stellt jede Beschreibung hinten auf einem Buch in den Schatten
    "Freiheit bedeutet, dass man nicht alles so machen muss wie andere"

  5. Fuchs
    Avatar von berniehh
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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #5
    Sehr interessanter Einstieg. Bin gespannt wie es weitergeht.
    Die Cordillera Azul würde mich auch mal reizen

  6. Fuchs
    Avatar von Meer Berge
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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #6
    Ich bin seeeehr gespannt!
    Das klingt nach richtig richtig Abenteuer!
    Kalender *Papageitaucher 2019*
    Das Wetter, das man jeden Morgen in sich selber macht, ist viel wichtiger als das Wetter draußen. Fynn

  7. Fuchs
    Avatar von berniehh
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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #7
    Mich interessiert mal warum du schreibst daß man um die unkontaktiert lebenden Völker einen großen Bogen machen sollte und auch eine sehr großzügig bemessene Pufferzone nicht betreten darf.
    Ist es zu gefährlich??

  8. Fuchs
    Avatar von Meer Berge
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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #8
    Ich vermute, die sollen "unkontaktiert" bleiben ...
    und nicht zur Attraktion werden.
    Kalender *Papageitaucher 2019*
    Das Wetter, das man jeden Morgen in sich selber macht, ist viel wichtiger als das Wetter draußen. Fynn

  9. Dauerbesucher
    Avatar von Intihuitana
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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #9
    Zitat Zitat von berniehh Beitrag anzeigen
    Mich interessiert mal warum du schreibst daß man um die unkontaktiert lebenden Völker einen großen Bogen machen sollte und auch eine sehr großzügig bemessene Pufferzone nicht betreten darf.
    Ist es zu gefährlich??
    Erstens zu unserem Schutz, damit wir nich eines morgens mit Pfeilen im Kopf aufwachen, aber viel mehr zu ihrem eigenen Schutz.
    Diese Völker haben sich frewillig zurückgezogen, oftmals weil sie schlimme Erfahrungen gemacht haben mit der zivilisierten Welt, einige aber haben tatsächlich noch niemals Kontakt zur Aussenwelt gehabt.
    Damit haben sie keine Abwehrkräfte für unsere modernen Keime und Bakterien, sollte ein Kontakt mal nicht tödlich verlaufen, besteht immer noch die große Gefahr, dass man unbeabsichtigt Keime überträgt und damit praktisch das ganze Volk dem Tode geweiht ist und an einem für uns harmlosen Schnupfen zu Grunde gehen könnte.

    Die Pufferzonen sind ja deshalb da, weil man nie genau weiß wohin sich die Gruppen als nächstes bewegen, eventuell ihr Lager verlegt etc.
    Geändert von Intihuitana (31.10.2019 um 11:18 Uhr) Grund: Kommas können Leben retten

  10. Fuchs
    Avatar von berniehh
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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #10
    Zitat Zitat von Meer Berge Beitrag anzeigen
    Ich vermute, die sollen "unkontaktiert" bleiben ...
    und nicht zur Attraktion werden.
    kann sein.
    Andererseits ist die Gegend so abgelegen dass da eh kaum jemand hinkommen würde. Ausserdem vermute ich dass es so richtig unkontaktierte Völker eh kaum noch gibt. Ich denke mal fast jedes Volk hatte schon irgendwie mal Kontakt mit der Aussenwelt, sei es mit Goldsuchern, Drogenschmugglern, Siedlern, Durchreisende oder wem auch immer.......

    Nachtrag: Oh ich sehe gerade Intihuitana hat schon geantwortet. Damit hat sich die Frage also erledigt.

  11. Dauerbesucher
    Avatar von Intihuitana
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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #11
    Die Anreise

    Wieder einmal wurde ein Flug nach Lima gebucht.
    Da ich mehr Zeit hatte und der günstigste Flug schon am 11. Juli verfügbar war, flog ich ca. eine Woche vor T. los.
    In Lima hielt ich mich nur so kurz wie möglich auf und nahm daraufhin einen 24 Stunden Bus nach nach Tarapoto.
    Erst auf der Strecke ist mir aufgefallen, dass wir gar nicht an der Küste entlang fuhren sondern direkt durch die Anden über Huanuco und Tingo Maria entlang am Rio Huallaga fuhren.
    Oh je, diese Region gilt neben der Red Zone am Rio Ene, als eine der Hauptprodutktionszentren für Kokain und die Narkos sollen auch mal gerne einen Bus überfallen um sich die Kasse aufzubessern.
    Das war zumindest das was ich gelesen hatte. Die anderen Busgäste versicherten mir aber, dass man sich keine Sorgen machen brauche und die Region mehr oder weniger befriedet ist.
    Gut dann musste ich mir ja bloss noch Sorgen machen, dass die völlig von Profil befreiten Reifen meines Busses nicht an der unasphaltierten Dschungelpiste durchdrehten und wir einen schmerzhaften Tod in einer Schlucht fanden.

    Es ging natürlich alles gut und ich kam in Tarapoto an.
    Tarapoto ist eine dieser typischen Retortenregenwaldstädte, wo großteils Zugegezogene aus der Küste oder den Anden leben.
    In Tarapoto (und anderen Regenwaldstädten) geht gefühlt kein Mensch zu Fuss. Es ist wirklich jeder mit dem Mopped, selbst für kurze Strecken unterwegs. Wer kein Moped hat, nimmt eines der unzähligen TukTuks, die hier Mototaxi oder schlicht Moto heissen.
    Eine feuchtheisse Dschungelstadt, in der fast nur knatternde Zweitakter rumfahren, da kann man sich vorstellen wie die Luftqualität hier ist.
    Ich verbrachte also meine Tage in denen ich auf T. wartete, mit socialising, lernte die lokale Damenwelt kennen und erkundete die unmittelbare Umgebung.
    Viel gibt es in Tarapoto nicht zu sehen, es wird aber in letzter Zeit touristisch immer Bedeutender durch den Ayahuascatourismus.
    Ayahuasca ist eine uralte traditionelle Droge des Amazonasgebiets, welche aus einer Liane und anderen Geheimzutaten gewonnen wird. Ursprünglich wird Ayahuasca für schamanische Rituale und Kontakt mit der Geisterwelt genutzt.
    Es ist bei westlichen Touristen aber immer beliebter geworden, vor allem für Leute die sich selbst finden müssen oder Probleme bei sich bekämpfen müssen.
    Da die Droge sehr stark psychoaktiv ist, sollte sie immer unter Anleitung von erfahrenem Personal genutzt werden, die einem da eine gewisse Führung und Unterstützung bereitstellen.
    Ob ich selber am Ayahuasca genascht habe?
    Nun das bleibt besser mein Geheimnis
    Darüberhinaus gab es direkt in Laufreichweite ein kleines Regenwaldgebiet, die Cordillera Escalara, welches die gewissermaßen die Verlängerung der Cordillera Azul auf der westlichen Seite des Rio Huallaga darstellte.
    So machte ich Tagesausflüge dorthin, wo man allerdings in erster Linie auf angelegten Pfaden einen touristischen Rundweg abläuft.
    Ich war aber so frech auch mal ein bischen durchs Gestrüpp und den Bach zu kriechen.
    Die Touren waren insofern als Aklimatisierung nicht verkehrt, da das Regenwaldklima schon heftig zuschlägt.
    Bisher war ich ja nur in Regenwald oberhalb von 1500 hm. gewesen.
    Hier auf nur 400 hm. unterscheidet sich der Wald schon ein wenig. Es ist natürlich heisser, die Bäume sind größer und wachsen eher gerade, es gibt viel weniger Moos und Epipyhten. Dafür deutlich mehr Schmetterlinge und Insekten.


    Eingang in die Cordillera Escalara


    Helikonien

    Helikonien kommen hier im prämontanen Regenwald sehr häufig und in den verschiedensten Formen und Farben vor.



    Zurzeit befanden wir uns in der Trockenzeit, daher waren die Bachläufe relativ niedrig. Jedoch kann es auch in der Trockenzeit immer mal wieder zu einem heftigen Regenguss kommen, der den Bach temporär anschwellen lässt. Also ist immer Vorsicht geboten, wenn man sich entlang an Flussläufen bewegt.

    Ich versuchte mich so schnell wie möglich mit der neuen Umgebung vertraut zu machen, mir die typischen Eigenarten einzuprägen, die Gerüche zu merken und dergleichen.
    Auf einer winzigen Fläche kann man im Regenwald unglaublich viel entdecken. Überall verstecken sich Insekten, Epiphyten oder Pilze. Leider ist der enorme Artenreichtum auch ein Problem, denn man muss schon ein wirklicher Experte sein um irgendwie einen Überblick zu behalten. Und dann hat man auch nur einen Überblick über sein Spezialgebiet und nicht den ganzen Lebensraum.
    Da haben wir es mit unserem eiszeitgeschädigten Mitteleuropa geradezu einfach.
    Die Gerüche sind dann wieder ein anderes Thema, hinter jeder Ecke hat es irgendeine andere Blüte, die die fantastischsten Düfte absondert, alles eingebettet in den schweren erdigen Duft des Regenwaldes.


    Ein kleines Feuchtgebiet


    Mauritia Palme, hier heißt sie Aguaje. Die Früchte sind essbar und werden auf lokalen Märkten verkauft. Hat man das Glück in der Wildnis auf reife Aguajepalmen zu stoßen, ist der Tisch reich gedeckt.


    Am Bach entlang


    Sehr hübsches Exemplar. Vielleicht sollte ich demnächst mal dne Insektenfaden zuspammen. Material hab ich genug




    Kakao

    Als ich etwas vom Weg abwich fand ich diese verlassene Kakaoplantage im Wald. Eine wahre Köstlichkeit ist das schon leicht vergorene Fruchtfleisch, welches die Kakaobohnen umhüllt.


    Unbekannte Blüte mit unbekannten Ameisen



    Für die kommende Regenwaldquerung habe ich mir vor Ort schon mal Gummistiefel gekauft. Die gibt es dort an jedem Markt für 5 Euro.
    Ich schwöre nach wie vor auf Gummistiefel als das ideale Schuhwerk für Regenwaldwanderungen.
    Für das Camp und lange Abschnitte durch Flussbetten hatte ich noch Sandalen.

    Als dann T. ca. eine Woche später ankam, ging es darum recht schnell alles nötige zu besorgen und uns möglichst rasch auf den Weg in den Dschungel zu machen.
    So kauften wir neben den Lebensmitteln, noch einiges an Insektenspray, Schnur und für T. noch eine kleinere Machete, die wir erst noch schärfen lassen mussten.
    Meine Machete hatte ich wieder aus Deutschland mitgebracht. Die hab ich in der Zwischenzeit etwas modifiziert damit sie besser in der Hand liegt und schneidet.
    Am darauf folgenden Tag wollten wir dann bereits ein Collectivo nach Chazuta nehmen, wo unsere Tour beginnen sollte.

  12. Dauerbesucher
    Avatar von Sternenstaub
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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #12
    der Beginn deines Berichtes gefällt mir schon sehr gut, vor allem die Fotos!!! Und ich finde es sehr gut, dass du die Rechte der Menschen dort, welche zum Glück für sie selber mit der Zivilisation kaum oder teils gar keinen Kontakt hatten, achtest und respektierst. Danke, das zeigt, dass man Abenteuer ohne Ende erleben kann, ohne solchen Menschen zu schaden!!
    - sind jetzt schon wirklich geniale Fotos dabei!
    Two roads diverged in a wood, and I—
    I took the one less traveled by,
    And that has made all the difference (Robert Frost)

  13. Moderator
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    Avatar von ronaldo
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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #13
    Na endlich gehts los, prima!
    Sehr schön, dass du zur lokalen Damenwelt eine Pufferzone einhältst und dich mit den Indigenen anfreundest... oder so.

  14. Alter Hase
    Avatar von Scrat79
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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #14
    Uhi! Klingt ja sehr genial! Da bin ich auch mal gespannt, wie's weiter geht.

    Und ja:
    Da kann ich Sternenstaub nur Recht geben:
    Super, dass du das Leben anderer Menschen dort achtest.
    Der Mensch wurde nicht zum Denken geschaffen.

  15. AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #15
    was für ein Einstieg. Ich bin gespannt wie mein Eibenbogen was die Fortsetzung angeht
    So möchtig ist die krankhafte Neigung des Menschen, unbekümmert um das widersprechende Zeugnis wohlbegründeter Thatsachen oder allgemein anerkannter Naturgesetze, ungesehene Räume mit Wundergestalten zu füllen.
    A. v. Humboldt.

  16. Dauerbesucher
    Avatar von Intihuitana
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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #16
    Auf dem Rio Huallaga

    Wir hatten nun also alle unsere Erledigungen besorgt und es war Zeit nun endlich aufzubrechen.
    Von Tarapoto aus nahmen wir ein Collectivo zum ca. 2 std. von hier gelegenen Dorf Chazuta an den Ufern des Rio Huallaga.
    Hier waren wir nun bereits im tiefsten Regenwald.
    Die Cordillera Escalara am Westufer und die Cordillera Azul am Ostufer bildeten die allerletzte Hürde der Anden vor dem riesigen amazonischen Tiefland, welches sich von hier bis an den Atlantik ersteckt und nahezu keine Erhebungen aufweist.
    Unser Ziel war es auf unseren Packrafts, den Rio Huallaga ca. 40 km. abzufahren um uns dann an einem namenlosen Nebenfluss, stromaufwärts in das Herz der Cordillera Azul vorzuarbeiten.
    Ich habe Chazuta gewählt, da der Rio Huallaga vorher noch ein paar heftige Durchbrüche durch die Kordilleren hat, mit teilweise gruseligen Stromschnellen.
    Nix für uns, Zahmwasserpaddler.
    Ab Chazuta hat der Rio Huallaga eine recht moderate Strömung und nur noch zwei knifflige Stellen.
    So nahmen wir also eine einfache Unterkunft in Chazuta. Für uns beide würde das die erste große tropische Flussbefahrung sein. Entsprechend aufgeregt waren wir.
    Ich versuchte den Abend im Dorf noch soviel Informationen über den Fluss bei den Einheimischen einzuholen.
    Informationen über die Cordillera Azul zu erhalten war vergebens. Die wenigen, den dieses Gebiet überhaupt ein Begriff war, hatten nur vage Vorstellungen davon.
    Was ich hörte, hörte sich aber überwiegend gut an. Keine brutale undurchfahrbare Stromschnellen. Wobei man das Wissen der Leute natürlich immer auf ihre Erfahrungen mit großen Motorbooten, ableiten muss.
    Mit unseren kleinen Nussschalen ist es natürlich immer etwas anderes.

    In aller Herrgottsfrühe ging es dann also am nächsten Morgen zum Ufer, wo wir unsere Packrafts aufbauten.
    Es herrschte noch tiefhängender Morgennebel, das Geschrei der Regenwaldvögel war nahezu Ohrenbetäubend, obwohl der Wald erst am anderen Ufer anfing.
    Neben uns hatten sich auch einige andere Leute am Ufer versammelt.
    Hier ist nämlich die Bootsanlegestelle für Motorboote, die täglich die Dörfer am Rio Huallaga anfahren. Freilich wir hätten uns auch mit dem Motorboot fahren lassen können, aber es war natürlich interessanter die ganze Strecke aus eigener Kraft, bzw. ohne Motorunterstützung genommen zu haben.


    Bootsanlegestelle in Chazuta


    Beim Aufbau der Boote

    Natürlich wurden wir absolut exotischen Kreaturen angesprochen und gefragt, was wir hier machen und wo wir hin wollen?
    Zu erklären, dass wir die Cordillera Azul durchqueren wollen, stiess zumeist nur auf fragende Gesichter. Ich rettete die Diskussion letzlich damit, dass ich erklärte wir fahren letzlich den Rio Huallaga herunter.
    Unter sehr interessierten und amüsierten Blicken pumpten wir also unsere Packrafts auf.
    Wir beide hatten unterschiedliche Modelle.
    Ich hatte mir beim Packraftstore ein Amfibio Delta MX geholt. Ohne jegliche Extras und Sitz. Als Sitz verwendete ich letzlich einen meiner Packsäcke.
    T. hatte ein Nortik Trekraft mit Sitz. Sein Trekraft war von Gewicht und Volumen im zusammengepackten Zustand einige größer als meines, dafür würde ich meinen, dass es tendenziell ne Spur schneller war als meines.

    Da wir beide uns noch nicht ganz sicher fühlten auf dem Wasser haben wir beide unsere Kameras, tief im Rucksack wasserdicht verpackt und nicht im eigentlich auch Wasserdichten Daypack, welches auch als Auftriebs/Rettungskörper gedacht war. So kam es dass wir Fotos von diesme Abschnitt nur an Pausen und nicht auf dme Fluss gemacht haben.

    Zui Beginn mussten wir uns zuerst in den Fluss einfinden und uns auch gegenseitig aufeinander abstimmen.
    Meine Paddeltechnik war wohl etwas besser als T. und ich war am Anfang viel zu schnell.
    Neben der Einstimmung aufeinander war es auch wichtig immer die Flussarme im Auge zu behalten, denn es gab immer wieder große Flussbänke, die den Fluss teilten.


    Rio Huallaga von einer Flussbank aus gesehen



    Da die Strömung des Flusses doch recht ordentlich war, mussten wir uns immer weit vorher absprechen, wenn wir ein Ufer oder eine Flussbank ansteuerten. Dies taten wir nicht selten wenn wir uns unsicher über den weiteren Verlauf waren, oder eine Stromschnelle vermuteten.

    Die einzig wirkliche Schlüsselstelle erreichten wir nach ca. 2 Stunden Bootsfahrt. Wir waren an das rechte Ufer gefahren um eine schwer zu durchschauende Stelle mit offensichtlichen Stromschnellen zu beobachten.
    Das Tal verengt sich hier und der Fluss macht eine scharfe U-Kurve. Große Steine und Weißwasser sprechen für eine recht knackige Stelle. Wir hätten hier also auf jeden Fall umtragen müssen.
    Allerdings erschien genau just in dem Moment, als wir ans andere Ufer übersetzen und umtragen wollten, ein Motorboot und steuerte auf uns zu.
    Der Bootsmann fragte uns nach unserem Zustand und wo wir hinwollen. Er bestätigte, dass hier gefährliche Stromschnellen waren, die wir mit diesen kleinen Booten unmöglich durchfahren könnten und bat uns an uns durch die Stromschnellen zu fahren.
    Da nahmen wir natürlich danken an und ließen uns durch die Schnellen fahren.
    Und ja, da wäre ich auch nicht durchgefahren. Ein paar beängstigende Walzen und Strudel waren zu sehen.
    Hinter den Stromschnellen ließ uns der Bootsfahrer wieder am Ufer ab und erklärte uns noch, dass ab hier wirklich keine problematischen Stellen mehr kommen würden.
    Wir konnten also gewissermaßen aufatmen.


    Unsere Helfer


    Blick auf die Stromschnellen


    Erstmal Pause


    Hier geht es weiter

    Und der Bootskapitän hatte tatsächlich Recht. Nach dieser Stromschnelle gab es keine wirklich gefährlichen Stellen mehr, bis auf eine weitere Engstelle mit einem recht großen Strudel, den man aber einfach umfahren konnten.
    So ergab es sich auch, dass es kaum noch Fotos, von der eigentlich sehr schönen Strecke gibt, da wir mehr oder weniger in einem Zug durchfahren konnten.
    Nachträglich tut es mir leid, dass ich die Kamera nicht direkt im Daypack gelagert habe. Es wären ein paar wunderbare Fotos bei herumgekommen.
    Nach einigen Engstellen fährt man daraufhin durch einen ruhigen Durchbruch mit bewaldeten Hängen zu beiden Seiten.
    Das nie gehörte bizarre Geschrei exotischer Vöger ertönte von überall. Zikaden und Insekten stimmten in das Konzert ein. Die düfte von 1000 versachiedenen Blüten schmeichelten den Geruchssinn. Zusammengefasst, wir waren im perfekten tropischen Paradies.
    Ich konnte mir gar nicht vorstellen wie viel intensiver und extremer dies in der Abgeschiedenheit der Cordillera Azul sein musste.

    Die verlorene Welt



    Kleine Pause kurz vor unserer Einstiegsstelle

    Am frühen Nachmittag kamen wir dann endlich an die Einmündung des namenlosen Flusses.
    Hier verließen wir den Rio Huallaga und paddelten den zuerst strömungsfreien namenlosen Fluss ein wenig hinauf.
    Was sich vor uns auftat, war ein unangetastetes tropisches Paradies.
    Von steilen Felswänden hingen unzählige Helikonien, Farne und allerei andere Stauden herab, darüber erhob sich der Regenwald. Unzählige Vogelstimmen ertönten überall um uns herum.


    Im tropischen Paradies des namenlosen Flusses

    Was man nicht genau auf den Fotos sieht, ist, dass der namenlose Fluss trotz einiges an Sediment (es hatte vor zwei Tagen sehr heftig geregnet) eigentlich ein Schwarzwasserfluss ist.
    Schwarzwasserflüsse sind eine der drei typischen tropischen Flussarten, neben den Weiß und Klarwasserflüssen.
    Dies bedeutet, dass dieser Fluss sehr viele Huminsäuren gelöste hatte. Die Kaffeebraunen Bäche im Hochharz sind nämlichgenau das selbe.
    Für uns ein großer Vorteil, den an Schwarzwasserflüssen gibt es nahezu keine Moskitos.


    Eingang in die verlorene Welt


    Es geht Flussaufwärts

    Nach kurzer Zeit gerieten wir an unsere erste Stromschnelle. Es war auf den Satellitenbildern zwar nicht zu sehen, aber mir war schon klar, dass der Fluss auf einige Steilstuen überwinden werden muss.
    Ich habe zuerst das Packraft durch die Stromschnellen getreidelt, was eine Heidenarbeit war und ich letzlich aufgab
    So riet ich T. lieber das Boot anzulanden und umzutragen, was deutlich leichter war.




    Nach den Stromschnellen ist vor den Stromschnellen

    Hier in der Kurve war auch genug für uns und wir suchten uns ein Nachtlager. Da wir in Hängematten übernachteten mussten wir erstmal in den Wald.
    Eine grüne Wand stand allerdings zwischen uns und dem Wald. Überall dort wo Licht hinkommt, also an Flussufern, Steilhängen oder oder wo große Bäume umfallen, bildet sich eine unglaublich dichte Sekundärvegetation.
    Es hat für mich ca. eine halbe Stunde gedauert mit der Machete einen Pfad freizuschlagen, damit wir die Böschung hoch klettern und in den Wald gelangen sollten.


    Camp im Wald

    Eine gute Sache, die T. dabei hatte, welche ich in meiner Packliste nicht beachtet hatte, war eine zweite UL-Hängematte welche man knapp unter der eigenen Hängematte aufspannt und die ganze Ausrüstung hereinlegt um sie so vor Krabbelzeug zu schützen, und dennoch unter dem Tarp aufbewahrt zu sein.
    Am Flussufer zündeten wir ein Feuer an um zu kochen und auch die Sandfliegen fern zu halten.
    Feuer im Regenwald an zu zünden ist freilich nicht unbedingt einfach.
    Alles ist bis in Mark zumindest leicht klamm und man muss sich schon wirklich Mühe geben um das Feuer zum brennen zu kriegen.
    Wer allerdings im bergischen Land im November ein Feuer ankriegt, der lacht auch nur über diese Aufgabe.

    Vom weiteren Fortschritt unserer Unternehmung hatte ich nur sehr wenige Fotos, denn das dauernde Wechseln zwischen Land und Wasser, als auch die extreme Anstrengung, haben die Kamera zumeist in der Tasche gelassen.
    Denn was jetzt folgte kann ich getrost als eine der anstrengsten Erfahrungen, die ich je gemacht habe, beschreiben.

    Wir mussten dem Flusslauf immer stets weiter folgen, allerdings ist es mitnichten so, dass man die Boote ganz einfach Flussaufwärts treideln kann. Immer wieder folgten Abschnitte, von treidelbarem Gewässer, Stromschnellen und Steilstufen. Boote wurden ein und ausgepackt.




    Auf dem Weg zu den nächstne Stromschnellen

    Oft genug kamen Stellen auf, an denen wir am Fluss nicht weiter konnten und durch den Wald mussten.
    So wie es nicht DEN europäischen Wald gibt, sondern eine vielzahl an Waldökosystemen, so ist es auch mit dem südamerikanischen Regenwald.
    Manche Waldformen lassen sich tatsächlich recht einfach durchqueren. Vor allem alte Wälder mit vielen große Bäumen und wenig Unterwuchs.
    Diese Wald war aber das genaue Gegenteil. Der kolline Bergregenwald, bekommt durch die Hanglage viel mehr Licht in den unteren Stockwerken.
    Was entsteht ist wohl eines der am schwierigsten zu durchquerenden Gelände der Erde. Nasse schlammige Hänge, umgestürzte Bäume, mit Moos bewachsene Felsen und höllisches Unterholz, machen das Durchkommen zu einem Kampf um jeden Meter.
    Zumindest in diesem Bereich gab es darüberhinaus sehr wenige und zu kleine Wildpfade, die man nicht wirklich zum weiterkommen nutzen konnte.
    Die Routine sah so aus, dass man die Rucksäcke ablegte, einer mit der Machete vorging, einen Pfad für ca. 30 m. freischlug, zurückkam und man dann mit den Rucksäcken die Strecke lief. Wobei man sich immer noch von allerlei Gestrüpp befreien musste. Es war als ob tausend Hände einen festhielten. Und dann wieder alles von vorne.
    Für ein paar hundert Meter brauchten wir oft mehrere Stunden.
    Leider kamen die Fotos etwas zu kurz, einige besondere Bäume habe ich dann aber doch noch abgelichtet.


    Würgefeige





    Trotz der extremen Anstrengung fand ich durchaus meine Freude an dieser Betätigung. Es hat mit klassischem Wandern kaum noch etwas zu tun, es ist eher wie ein Ganzkörperworkout. Nicht nur die Machetenarbeit, auch das krabbeln auf allen vieren, oder das klettern an einem steilen Hang fordern einem alles ab.
    Das Klima ist zwar erwartungsgemäß sehr schwül-heiß, aber solche Temperaturen machen mir tatsächlich überhaupt nix aus. T. hatte etwas mehr darunter zu leiden.
    Es ist eine unglaublich schöne, aber genau so extreme Wildnis. Es will sich einem oft der Begriff der grünen Hölle aufdrängen, allerdings verweigere ich mich dieser Bezeichnung. Es ist eine Landschaft wie jede andere auch, auf die man sich einlassen muss und sie verstehen muss. Wer versucht, alles zu erzwingen und die Landschaft zu "besiegen" wird scheitern.
    Bei T. bemerkte ich allerdings schon deutliche Schwächeerscheinungen. Es war allerdings ein deutlich schwerwiegenderes Problem welches mir die größten Sorgen bereitete.

    Abbruch

    Ca. 6 Wochen vor meiner Reise nach Peru habe ich mir, ganz banal beim laufen im Wald, den Mittelfußknochen heftig verknackst. Laut Röntgen war es wohl eine sehr heftige Prellung möglicherweise auch ein Haarriss involviert.
    Die Wunde verheilte jedoch sehr schnell und problemlos.
    Ich spürte nach 4 Wochen keine Beschwerden mehr und dachte mir, das würde keine Probleme mehr bereiten.
    Allerdings durch die wirklich heftige Wanderung tauchten wieder heftige Schmerzen auf. Noch mehr als das Gestapfe durch den Dschungel mit dem 35 kg. Rucksack, schadete mir das waten durch den Fluss. Im trüben Wasser konnte man nix sehen und trat immer wieder schräg auf runde Flusskiesel.
    Diese Anstrengung bereitete mir derartige Schmerzen das es kritisch wurde.
    Bereits am ersten Tag verspürte ich diesen Schmerz, machte mir Sorgen, aber dachte das wird schon werden, schluckte paar Ibus und ließ mir nix anmerken.
    Nach zwei Tagen wurde der Schmerz aber so stark und zwar auf eine Art, dass ich fühlen konnte, dass, wenn ich so weitermache noch etwas schlimmes passieren würde, was man nicht einfach mit Schmerzmitteln bekämpfen kann.

    Darüberhinaus war ich nicht wirklich zufrieden mit T.'s Leistung. Es war für ihn die erste große Trekkingreise und auch wenn er schon Dschungelerfahrung in Forschungsstationen und Nationalparks hatte, ist es natürlich etwas gänzlich anders so eine Unternehmung abseits jeglicher Wege und ohne Guide durch zu führen.
    Wenn ich top gesund wäre, denke ich hätte ich uns beide da trotzdem durch gebracht. Wir kamen zwar extrem langsam voran,Ich hielt aber unsere Unternehmung im Grunde für machbar, aber mit dieser wieder auflebenden Verletzung hatten wir keine Chance.
    Ich musste eine sehr unrühmliche Entscheidung treffen, nämlich abzubrechen und umzukehren.
    Diese schockierende Nachricht T. beizubringen, fiel mir sichtlich nicht leicht und er war davon vermutlich noch betroffener als ich.
    Soviel Planung, Zeit und Kohle flossen in diese Tour.
    Es war ein sehr deprimierender Moment. Was sollten wir jetzt tun?
    Wir versuchten einige Ideen durchzugehen.
    Letzlich einigten wir uns umzukehren und mit unseren Booten den Rio Huallaga weiter herunter zu fahren, womöglich sogar bis Iquitos, was knapp 800 km. Dies würde meinen Fuss schonen und wir könnten zumindest noch ein kleineres Abenteuer erleben.
    So trafen wir also die traurige Entscheidung wieder umzukehren.


    Blick in die Wildnis, von unserem Umkehrpunkt



    Da waren wir traurigen Gestalten nun in dieser unglaublichen verlorenen Welt und mussten umkehren. Diesesmal habe ich es vielleicht nicht geschafft, aber ich weiß das ich auf jeden Fall wieder kommen werde. Jetzt erst recht.

    Zu unserem Glück hatten wir jetzt den Fluss auf unserer Seite und konnten gute Stücke abfahren, so dass wir was wir in fast zwei Tagen Flussaufwärts geschafft hatten in paar Stunden wieder runter fahren und laufen konnten.
    So kamen wir schnell wieder an die Mündung des Huallaga.
    Welche Abenteuer würden uns wohl hier erwarten? Wir mussten jedenfalls wieder unsere Motivation aufbauen...

  17. Anfänger im Forum

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    27

    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #17
    Puhh, das klingt erstmal extrem bitter. Jeder, der schon mal eine "Reise" abbrechen musste, kennt dieses unschöne Gefühl. Aus der gemütlichen Außenperspektive des Lesers wirkt der Abbruch völlig abrupt und überraschend (da du ja auch vorher keine Beschwerden erwähnst) und man fragt sich jetzt natürlich, wie viel Abenteuer und Wildnis kommt da jetzt noch? Ich bin gespannt. Jedenfalls ist es grandios, wo du warst aber auch unfassbar bitter, wie du/ihr abbrechen müsst. Hatte mich schon auf kuriose Tiere gefreut, vor allem aus dem Bereich der Insekten und Spinnentiere. Große Säuger habt ihr wahrscheinlich keine gesehen (?), da das Gelände das ja kaum zulässt und es zudem nur wenige gibt. Gibt es in dem Gebiet eigentlich Jaguare?

    Aus Leserperspektive wirkt ihr als Team sehr ambivalent, bzw. hat dein Text eine sehr starke Färbung, die darauf hinweist, dass es nicht wirklich gepasst hat bei euch. Schon die Zensur des Namens und des Gesichts erscheint merkwürdig...Ich bin sehr gespannt, was da noch kommt. Und ich versuche mir gerade vorzustellen eine solche Tour zu machen, wenn man als Team gar nicht funktioniert oder zumindest merkt, dass es nicht passt...schwierig.

    Absolute Bewunderung, dass du in solche Regionen vorstößst, toll auch, dass es so etwas noch gibt und es ist so schön Anti-Influencer und Anti-Instagram! Bin gespannt.

  18. Dauerbesucher
    Avatar von Intihuitana
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    790

    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #18
    Ich kann euch beruhigen. Es kommt noch einiges.

  19. AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #19
    Sehr interessant, der Bericht. Klar gibts Jaguare

    Mich würde mal interessieren, ob bei dem Tempo, welches ihr dort stromauf in der Wildnis erreicht habt, ihr die Durchquerung rein rechnerisch tatsächlich geschafft hättet? Hast du mit solch geringen Geschwindigkeiten gerechnet?

  20. Fuchs
    Avatar von Meer Berge
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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #20
    So ein Mist!

    Wo es gerade spannend wird!
    Aber nützt ja nichts zu jammern.
    Da kann man nur versuchen das Beste aus der Situation zu machen.
    Genau das habt ihr ja nun vor.
    Ich bin gespannt ...
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