Seite 4 von 5 ErsteErste ... 2345 LetzteLetzte
Ergebnis 61 bis 80 von 97
  1. Dauerbesucher
    Avatar von Intihuitana
    Dabei seit
    19.06.2014
    Beiträge
    822

    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #61
    Mitreisende: Intihuitana
    Zitat Zitat von codenascher Beitrag anzeigen
    Wie du den Kolibri eingefangen hast ist ja der Hammer!
    Danke nicht mir, danke Mr. Nikon, dass er so weise war die Sportfunktion einzubauen.

  2. Fuchs
    Avatar von berniehh
    Dabei seit
    31.01.2011
    Ort
    Hamburg
    Beiträge
    1.609

    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #62
    Zitat Zitat von Intihuitana Beitrag anzeigen
    Im Gegensatz zu all den anderen Reisenden, welche wieder einen Bus zurück nach Cusco nahmen, sollte für mich das Abenteuer hier überhaupt erst anfangen auf meiner nächsten Wanderung...
    Da bin ich ja gespannt

    Nach deiner Schilderung bekomme ich den Eindruck daß zwischen Hidroelectrico und Aguas Calientes noch mehr Touristen unterwegs waren als in dem Jahr wo ich da war, und da waren es auch schon sehr viele

  3. AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #63
    Wow, ein Traum die Bilder. Das Bild vom tempel des Viracocha: Haben die Inka da gepfuscht oder wars ein Erdbeben?
    So möchtig ist die krankhafte Neigung des Menschen, unbekümmert um das widersprechende Zeugnis wohlbegründeter Thatsachen oder allgemein anerkannter Naturgesetze, ungesehene Räume mit Wundergestalten zu füllen.
    A. v. Humboldt.

  4. Dauerbesucher
    Avatar von Intihuitana
    Dabei seit
    19.06.2014
    Beiträge
    822

    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #64
    Zitat Zitat von berniehh Beitrag anzeigen
    Da bin ich ja gespannt

    Nach deiner Schilderung bekomme ich den Eindruck daß zwischen Hidroelectrico und Aguas Calientes noch mehr Touristen unterwegs waren als in dem Jahr wo ich da war, und da waren es auch schon sehr viele
    Das glaub ich gerne, denn der Tourismus nimmt dort immer mehr zu, so dass es nun Begrenzungen für die Besuchermengen gibt.

    Zitat Zitat von Mika Hautamaeki Beitrag anzeigen
    Wow, ein Traum die Bilder. Das Bild vom tempel des Viracocha: Haben die Inka da gepfuscht oder wars ein Erdbeben?
    Das liegt an den Erbeben.

  5. Dauerbesucher
    Avatar von Intihuitana
    Dabei seit
    19.06.2014
    Beiträge
    822

    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #65
    Auf Bernies Spuren

    Schon als ich die Cordillera Huayhuash fertig hatte, habe ich mir überlegt was ich denn so in der Nähe von Cusco anstellen könnte.
    Eine Salkantaytrek Variante stand bei mir jedenfalls sehr hoch im Kurs. Der Salkantay Trek ist einer der berühmtesten Treks in Peru überhaupt und zuweilen wohl auch recht überlaufen, da er von Cusco aus einfach mit einer Agentur gebucht werden kann und natürlich mit Machu Picchu verbunden werden kann.
    Ich wollte aber eine unbekanntere Route gehen, das ist mehr nach meinem Geschmack.
    Ich erinnerte mich, dass ich hier im ODS mal einen Bericht von keinem geringeren als Berniehh gelesen hatte, der hier mal in der Gegend gewandert ist. Die Bilder hatten mich schon damals begeistert und inspiriert.
    https://www.outdoorseiten.net/forum/...l=1#post857300

    Da ich ohnehin vor hatte zum Machu Picchu zu gehen und meinem Fuß mitlerweile wieder zu trauen war, dachte ich mir, warum nicht.
    Da ich ohnehin einen Zwischenstopp in Lima machen musste, holte ich mir dort Kartenausdrucke von der Region.
    Eigentlich ist ein großer Teil Perus abgedeckt mit Karten, die man kostenlos bei der University of Texas herunterladen kann, aber leider fehlen immer mal wieder einzelne Blätter.
    http://legacy.lib.utexas.edu/maps/topo/peru/

    Genau für die Cordillera Vilcabamba, ist dies auch der Fall, also musste ich mir im Instito Geografico nacional, einen Ausdruck besorgen.
    In Cusco stellte ich weitere Nachforschungen an. Zwar war der Pfad von Bernie begagangen worden, aber seitdem ist fast ein Jahrzehnt vergangen. Was wenn der Pfad nicht mehr genutzt würde und mit Regenwald zugewuchert sein würde, oder durch Erdrutsche dramatische Änderungen im Tal des Rio Ahobamba stattgefunden hätten?
    Wie erwartet erhielt ich allerdings nicht wirklich viele Infos. Die meisten Mitarbeiter der Agenturen wussten nix, oder wollten nix wissen. Nur in einer, der Agenturen sagte man mir, dass dort ein Pfad ist, den man bis zum Pass gehen kann, mehr wusste man allerdings nicht.
    Auch im Internet war eigentlich nix über diese Tal ztu finden. Ausser Bernies Bericht gibt es keinen anderen.
    Nun musste ich es wohl einfach versuchen.

    Im Tal des Rio Ahobamba

    Ich war nun also wieder an der Hidroelectrica angekommen und wendete mich vom Kreuzungspunkt aus nach links.
    Hier begann nun schon die Talöffnung des Rio Ahobamba, welchem ich folgen wollte.


    Hier beginnt der Trek

    Zuallererst läuft man auf einem Fahrweg auf der linken Flussseite. Die Landschaft ist noch dominiert von Trockenwald und Buschlandschaft.


    Orchidee

    Diese Landschaft ist sehr reich an Orchideen und Kolibris.


    Kolibri

    Bereits nach wenigen hundert Metern lief mir ein Hund zu, der mir folgte. Ein Streuner, der was zu Essen möchte, dachte ich mir. Ich ließ ihn gewähren, er würde schon abhauen, wenn er nix zu fressen kriegen würde.

    Bereits nach kurzer Zeit kommt man auf die erste Hängebrücke über den Ahobamba. Von hier aus ist der Weg nur noch ein kleiner Pfad, der sich durch den Wald schlängelt.


    Brücke mit Hund

    Schon nach wenigen hundert Metern wird es deutlich grüner und der Buschwald, wird von tropischem Bergregenwald abgelöst, der hier aber noch ziemlich gestört ist, da sich viele kleine Höfe und Gärten am Eingang des Tales befinden.
    An einer kleinen Gaststätte, welche vermutlich für die Salkantaytrekwanderer errichtet wurde gabelt sich der Pfad.
    Rechts geht in vielen Serpentinen der original Salkantaytrek hoch, bzw. kommt herunter, denn die Hauptwanderrichtung ist von Mollepata im Süden, so dass man Hidroelectrica am Ende des Treks erreicht.
    Die Frau, welche die Kaschemme betrieb, wollte mich auch zurück auf den Salkantaytrek schicken, da sie dachte ich wollte auch dort lang.
    Erst nach mehrmaligem erklären, konnte ich ihr begreiflich machen, dass ich in das Tal des Ahobamba vordringen wollte.
    Da war sie recht überrascht und wies mir den Weg rechts an ihrer Hütte vorbei und fragte noch einmal nach ob ich ganz sicher dort entlang wolle.
    Wenn Einheimische so reagieren ist das immer ein gutes Zeichen, denn es deutet darauf hin, dass der Weg oder das Gebiet kaum begangen werden, was ja gerade das ist was ich suche.

    Nach der Hütte kommt man weiter durch Sekundärregenwald mit sehr dichtem Unterwuchs und Buschwerk. Es gibt sehr viele Nebenpfade die zu einzelnen Höfen und Gärten führen und die Orientierung ist recht schwierig, da es ein Labyrinth aus Pfaden darstellt.
    Ich verlief mich auch einmal, kam an eine Sackgasse an einen Hof und stieg dann querfeldein durch das Gestrüpp und halbwilde Kaffeplantagen wieder auf den Hauptweg ab.
    An dem größten Gebäude des gesamten Tales, kam ich mit den Besitzern in Gespräch. Der weitere Pfad durch das Tal, führte direkt durch ihren Innenhof.
    Sie erklärten mir den weiteren Weg und dass kurz nach ihrem Haus, die Höfe aufhören und man in die Wildnis kommt.
    Auch fragte ich, ob noch andere Leute hier entlangwandern. Es gäbe laut ihnen hin und wieder geführte Touren, für abenteuerlustigere Touristen durch das Tal, aber alleine wie ich, würde nie einer kommen.
    Immerhin wusste ich jetzt dass der Pfad gehbar sein würde.
    Weiter ging es also durch den Bergwald, der jetzt immer wilder wurde.



    Es war schön nach all der Zeit in den hohen Anden, wieder mal im Regenwald zu sein, auch wenn sich dieser schon von demjenigen in der Cordillera Azul oder am Rio Huallaga unterschied.
    Ich war hier schon auf bereits 1800 m. Der Wald ist dichter, die Bäume wachsen weniger hoch und es kommen deutlich mehr Epiphyten vor. Je höher ich steigen würde, desto intensiver, würden diese drei Faktoren zutreffen.
    Auch ist der hohe Bergregenwald und der darauf folgende Nebelwald viel stiller als der kreischend laute Tieflandwald.
    Dennoch hat man es auch hier immer wieder mit Stechbiestern zu tun, weshalb ich gut dran tat, dass Repelent mit zu nehmen.
    Mein hündsicher Begleiter, war noch immer bei mir. Da ich damit rechnete, dass er mir nun wohl die nächsten Tage bis ins nächste Dorf folgen würde, gab ich ihm einen Namen. Ich bedachte ihn mit dem hochkreativen Namen "Hundefreund".


    Lippenblüter




    Zweite Brücke über den Ahobamba


    Und das Tal wird immer wilder


    Schwertliliengewächs


    Der Wald wurde immer wilder und grüner

    Der Pfad war bisher recht gut gangbar, doch man konnte sehen dass es wohl jedes Jahr in der Regenzeit hier, heftige Erdrutsche geben musste und der Pfadverlauf, dann vermutlich jedes mal aufs neue angepasst wurde.
    Auch waren hier und da einmal ein paar kleine umgestürzt Bäumchen oder Äste auf dem Pfad, was zeigt, dass der Weg wohl nicht allzu regelmäßig begangen wird, aber oft genug, dass er nicht zu wächst.


    Der Pfad führt entlang eines alten Erdrutsches

    Im immer dichter werdenden Dschungel erkannte ich plötzlich einen gepflasterten Pfadverlauf.
    Nach allem was ich über den Chapaq Nan gelesen hatte, kann es sich hierbei nur um einen originalen Inkapfad handeln, welcher seit über 500 Jahren genutzt wird.


    Inkapfad



    Ich vermute, dass dieser Teil des Inkaweges noch intakt ist, weil er einem relativ flachen, gelogisch nicht so aktiven Abschnitt des Tales lag, wohingegen andere Teile des Weges, an den steileren Hängen, wohl immer wieder neu angelegt werdne müssen.
    Jedes Jahr werden neue Inkapfade entdeckt und ich bin mir sicher dass auch in diesen Bergen, noch einige unentdeckte Orte sind.
    Ich erkundete aus diesem Grund ein Seitental, dass in den Ahobamba einmündet ein wenig und ohne Rucksack, musste aber recht schnell wieder umkehren, da der Wald derartig dicht wurde, dass ohne Machete kein vorankommen möglich war.


    Interessantes Seitental

    Allgemein ließ ich mir recht viel Zeit, schoss viele Fotos und beobachtete den Wald. Es war zu schade hier einfach durch zu rennen und all die kleinen Wunder zu verpassen.


    Wie etwa diese Raupe


    Epiphyten in allen Formen und Farben




    Helikonien


    Bromelien


    Steineiben (Podocarpus), die einzigen Nadelbäume im Tropenwald





    Und zu guter letzt gelang mir auch noch einen Anden-Felsenhahn zu fotografieren. Dieser Vogel ist der Wappenvogel Perus und einer der größten und farbenprächtigsten Vögel der Berg und Nebelwälder.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Andenfelsenhahn


    Welch ein Glück

    Ich war nun schon an die 3000 m. gekommen und der Wald wurde immer mehr zum Nebelwald. Die Bäume wachsen oftmal schräg und knorrig und sind über und über mit Moosen und Epiphyten bedeckt.
    Im Unterwuchs kommt mehr und mehr Bambus vor.





    Es ist ein recht düsterer und stiller Wald.
    Hundefreund schien es aber zu genießen. Immer wieder verschwand er irgendwo im Dickicht um irgendetwas zu jagen oder zu erschnüffeln. Dieser Nebelwald ist die Heimat der Brillenbären.
    Hinter einer Kurve am Pfad jagte Hundefreund etwas großes braunes den Hang hoch und bellte wie ein irrer.
    Ich konnte beim besten willen nicht erkennen um was sich handelte. Vermutlich war es nur ein Andenhirsch, aber ich will mir gerne einreden, dass es ein Brillenbär gewesen ist.


    Immer und immer dichter

    Auch der Geruch ändert sich vom drückenden Tropenhausaroma in den tieferen Lagen zu einem erdigeren moosigeren Geruch im Nebelwald.

    Amüsanter weise fand ich aber auch das hier:


    Walderdbeeren und auch noch verdammt lecker

    An sonnigen Stellen direkt am Pfad gab es etliche Walderdbeeren. Ich vermute mal es ist hier ein Neophyt und wird durch die Menschen, die den Pfad benutzen verbreitet.








    An alten Erdrutschen, kann man auch immer wieder ins Tal blicken


    Erdrutsch auf der anderen Talseite




    Bromelien

    Es wurde schon recht spät und im Wald ist es ruckzuck düster. daher beschloss ich mein Zelt an einer winzig kleinen freien Stelle aufzubauen. Es hat gerade so gereicht um mich da rein zu quetschen.



    Da ich noch im Wald war und im Wald Feuer gemacht werden muss, suchte ich mir noch etwas Holz zusammen.
    Im stets klammen und nassen Nebelwald ist das Feuer entfachen keine Leichtigkeit. Zum Glück gibt der trockene Bambus einen perfekten Zunder ab.





    Mein hündischer Begleiter, hatte sich nah bei meinem Zelt zusammen gerollt. Ich gab ihm etwas von den Resten von meinem Essen und er war glücklich. Ich war auch glücklich über diesen wunderbaren Zeltplatz und ging nach dem ich noch etwas am Feuer herum saß, ins Bett...

  6. Erfahren
    Avatar von Griffon
    Dabei seit
    13.02.2012
    Beiträge
    372

    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #66
    Zitat Zitat von Intihuitana Beitrag anzeigen

    Amüsanter weise fand ich aber auch das hier:


    Walderdbeeren und auch noch verdammt lecker

    An sonnigen Stellen direkt am Pfad gab es etliche Walderdbeeren. Ich vermute mal es ist hier ein Neophyt und wird durch die Menschen, die den Pfad benutzen verbreitet.
    Ich vermute da eher die Chile-Erdbeere oder eine ihrer neuweltlichen Verwandten.
    Dieser Beitrag wurde maschinell erstellt und ist auch ohne Unterschrift gültig.

  7. Anfänger im Forum

    Dabei seit
    26.10.2017
    Beiträge
    34

    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #67
    Jetzt wird es wieder spannend! War ja auch undenkbar, dass du dich noch länger mit den ganzen Backpackern auf Touripfaden bewegst.
    Den Andenfelshahn habe ich vor einigen Jahren im Podocarpus National Park fotografieren können, ein toller Vogel!

  8. Neu im Forum

    Dabei seit
    25.07.2019
    Beiträge
    9

    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #68
    coole Tour soweit sieht ja wesentlich einfacher zu gehen aus als in bernies altem Bericht, oder?

    was ist das eigentlich für ein naturehike Zelt? und hat es sich bewährt? hattest ja auch bestimmt öfters ordentlich Wind und Regen.

  9. Dauerbesucher
    Avatar von Intihuitana
    Dabei seit
    19.06.2014
    Beiträge
    822

    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #69
    Zitat Zitat von tikro Beitrag anzeigen
    coole Tour soweit sieht ja wesentlich einfacher zu gehen aus als in bernies altem Bericht, oder?

    was ist das eigentlich für ein naturehike Zelt? und hat es sich bewährt? hattest ja auch bestimmt öfters ordentlich Wind und Regen.
    Das ist ein Naturehike, Star River Zelt.Habe ich vor 5 Jahren beim Chinamann gekauft. Hat mich seitdem als Hauptzelt auf drei Kontinenten begleitet.
    Kann mich nicht beklagen, denn es taugte auch im allerschlimmsten Gewitter und im Schneesturm mit ordentlich Windstärke. Irgendwann haben mal die Reissverschlüsse gespackt,aber hab das mit ner Kombizange geregelt.
    Seit dem keine Probleme mehr.

  10. Fuchs
    Avatar von berniehh
    Dabei seit
    31.01.2011
    Ort
    Hamburg
    Beiträge
    1.609

    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #70
    Zitat Zitat von tikro Beitrag anzeigen
    coole Tour soweit sieht ja wesentlich einfacher zu gehen aus als in bernies altem Bericht, oder?
    das habe ich mich auch schon gefragt. Du hast ja nichts über zugewachsene Pfade geschrieben.
    Aber wenn heutzutage schon geführte Gruppen durchs Tal wandern, werden die Pfade wohl freigeschlagen sein.

    Super Fotos

  11. Alter Hase
    Avatar von Der Foerster
    Dabei seit
    01.03.2007
    Ort
    Göttingen
    Beiträge
    2.918

    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #71
    Endlich wieder Regenwald - so wollte ich das haben
    Ich mag verdammen, was Du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass Du es sagen darfst. Voltaire.

  12. Dauerbesucher
    Avatar von Intihuitana
    Dabei seit
    19.06.2014
    Beiträge
    822

    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #72
    Von Nebel und Elfen

    Es war noch etwas Glut von Gestern Abend dam also konnte ich meinen Frühstückshaferschleim auf dem Feuer machen und konnte meine Gaskartusche schonen.

    Daraufhin ging es unentwegt höher hinauf in den immer dichter werdenden Nebelwald.
    Hundefreund hatte die ganze Nacht nicht weit vom Zelt verbracht. Ich hab ja noch irgendwie gehofft, dass er Nachts oder frühmorgens zurück kehren würde, aber nix da.
    Es war also spätestens jetzt klar, dass wir die nächsten Tage Gefährten sein würden. Ich beobachtete eine witzige Geste, als ich den Rucksack aufsetzte. Mein Freund, lief dann nämlich mit wedelndem Schwanze den Weg herunter um mir anzudeuten, dass hier genug ist und wir umkehren sollen. Traurig kam er dann zurück und folgte mir, als er feststellen musste, dass ich ihm den Gefallen nicht tat.
    Zum größten Teil beherrschen jetzt Lorbeerblattgewächse die Baumschicht, welche hier über und über von Pflanzen bewachsen ist, so dass man die Rinde nur selten zu sehen bekommt.
    Unzählige Bromelien, Baumkakteen und Orchideen, siedeln sich hier auf den Baumstämmen an.
    Gewissermaßen ist der Nebelwald deutlich Betrachterfreundlicher aufgebaut als der Tieflandregenwald. Die Bäume wachsen hier viel kleiner, oft horizontal und durch die steile Hangneigung, kann man auch oft leicht an hohe Äste oder gar Kronen kommen und sehen was sich da tummelt, etwas was im Tieflandregenwald in 30-50 m. höhe unnereichbar ist.
    Mit zunehmender Höhe nimmt auch die Blattgröße ab. Riesige Stauden, wie Helikonien finden sich nun kaum noch, Palmen ebenso.
    Die Rolle der Palmen, wird hier oben von den Baumfarnen eingenommen, die der Szenerie oft etwas urzeitliches verleihen.


    Ceja de la Selva

    Die Augenbraue des Regenwaldes, wie es auf spanisch heißt markiert die obere Waldgrenze.



    Vom Tal stieg jetzt auch eine Wolkenfront auf, die den Wald endlich in den Nebel hüllte, der ihm seinen Namen verlieh.
    Plötzlich wurde alles noch viel mystischer und geheimnisvoller.






    Bizarre Baumkronen




    Der Pfad windet sich durch sonst undurchdringlichen Nebelwald

    Immer kleiner wurden die Bäume hier oben und der Wald wandelte sich immer mehr in den Elfenwald, die höchste Waldstufe der tropischen Anden. Nur die Polylepiswälder kommen noch höher hinaus.
    Diese Elfenwälder sind charakterisiert durch kleinwüchsige Bäume, kaum noch Bromelien und dafür einer sehr hohen Anzahl an Flechten, Moosen und Farnen, sowohl auf den Bäumen, als auch auf den Böden.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Elfenwald

    Auch die Temperaturen sind deutlich reduzierter. Es herrschte nun ein kühl feuchtes Klima vor. Wenn ich Pause machte, musste ich mitlerweile den Pulli anziehen.


    Undurchdringlicher Elfenwald




    Orchidee auf Augenhöhe

    Auch der Elfenwald machte nun langsam der offenen Hochlandvegetation Platz.


    Der Wald öffnet sich


    Die Konfluenz des Rio Ahobamba links und des Gletscherbaches, direkt vom Salkantay

    In dieses Tal musste ich gelangen und von dort auf das linke Tal nehmen.


    Bodenlebende Orchidee

    Es fing sobald wir aus dem Wald heraus waren, immer stärker zu regnen an und kühlte auch immer mehr ab.
    Man fühlte sich jetzt eher wie irgendwo in den Karpaten oder in Schottland, als in den Tropen.

    Wir passierten einige kleine Hütten, die aber verlassen zu sein schienen.
    Allerdings konnte man Kühe sehen, was bedeutete, dass Menschen zumindest irgendwo in der Nähe sein mussten.
    Kurz darauf folgte eine kleine schon recht verrottete Brücke um den rechten Nebenbach des Ahobamba zu überqueren.


    Nicht sehr vertrauenserweckend

    Ich musste Hundefreund auch mit allen Mitteln überzeugen, die Brücke auch zu überqueren.

    Auf der anderen Seite fand ich die Inkaruinen der Adlerfeste (Den Quechuanamen habe ich leider wieder vergessen)
    Diese Ruinen sind wohl kaum jemandem bekannt. Sie sind mit dichtem Bushwerk bewachsen, was dem ganzen eine noch sehr viel geheimnissvollere Athmosphäre verleiht.


    Im inneren der Adlerfeste




    Dies ist kein Fenster sondern eine Nische zum einstellen eines Götterbildes



    Anhand der einfachen Bauweise und ohne viel Aufwand betriebene Steinbearbeitung, handelt es sich hier um einen reinen Zweckbau, der wohl die militärische Kontrolle des Pfades, durch das Ahobambatal zum Zwecke hatte.
    Dieser Pfad scheint also in frühere Zeit ein wichtiger Weg gewesen zu sein, welcher direkt zum Machu Pichu führte.

    Der Regen und Nebel intensivierten sich nun noch mehr.
    Ich lief nun durch eine Landschaft, die nicht mehr viel von sich preis gab.




    Immer weiter folgten wir beide dem Rio Ahobamba, wobei die Wegfindung in dem Geröll und dem Nebel nicht mehr so eindeutig gewesen ist.


    Flechtenparadies




    Dieser alte Baum umwuchs einige andere Inkamauern


    Merkwürdige Flechten


    Inkamaeurwerk

    Wir kamen nun an einen Punkt, wo man gut das das Zelt hätte aufstellen können, doch es war noch recht früh.
    Jedoch hat der Regen derartig zugelegt und ich bin auch heute wieder über 1000 m. aufgestiegen und war recht müde, dass ich wirklich nicht mehr weitergehen wollte hier das Camp errichtete.


    Da kommt noch etwas auf uns zu


    Kollege hat auch die Schnauze voll für heute

    Eingeschneit

    Es hatte fast die ganze Nacht geregnet. Die Temperaturen sanken auf einstellige Temperaturen. Also so ziemlich das ungemütlichste Wetter, das man sich wünschen kann.
    Ich kam aus dem Zelt und sah einen recht erbärmlich dreinbickenden und zitternden Hundefreund vor mir.
    Für sein braves ausharren gab es dann auch noch ne Ladung Haferschleim und ein bischen Trockenfleisch.

    Beim treten aus dem Zelt sah ich auch, dass es in den Hochlagen geschneit hatte.



    Da ich heute einen Pass von 4700 m. überqueren musste, war klar, dass ich also später durch den Schnee stapfen müsste.

    Durch die letzten Reste des Buschwaldes wanderten wir nun also in die offene Paramo Graslandschaft hinein.


    Flechtenstilleben


    Kleiner verlassener Weiler



    Wir kamen nun langsam an den ersten Schnee.
    Was für ein Unterschied. Kaum zu glauben, dass ich zwei Tage vorher im tropisch heißen Bergregenwald gestartet bin.
    Ich bin auf dieser Wanderung wirklich durch fast alle Klimazonen gekommen.


    Der erste Schnee


    Leer stehende Hütten


    Da oben musste ich rauf

    Noch hatten wir eine ziemlich gute Sicht, doch hinter uns rollte bereits die nächste Nebelfront an.
    Ich wollte lieber schnell so hoch kommen, dass es wenigstens schneit anstatt wieder im Dauerregen zu landen.


    Der Nebel des Grauens

    Und so geschah es dann auch, dass uns der Nebel erreichte und der Schneefall begann, aber ich war irgendwie ausser mir.
    Ich war mitten in den Tropen und wanderte durch ein Whiteout. Das war der Knüller. Wo sonst auf der Welt kann man sich im tropischen Regenwald eine Banane pflücken und dann ein paar Tage später durch dne Schneesturm zu flanieren?
    Meine Euphorie konnte auch nicht von der überaus bescheidenen Sicht und der schwierigen Orientierung im immer felsiger werdenden Gelände getrübt werden.
    Ganz ungefährlich war es nicht, an einigen Stellen würde auch ein wenig Absturzgefahr herrschen, wenn man sich verlaufen würde.
    So griff ich auch hier und da auf das GPS zu um den Weg zum Pass zu finden.
    Hundefreund wurde immer nervöser und lief ängstlich ganz an meinen Füßen. Bei jeder kleinen Pause deutete er mich stets darauf hin, dass wir doch bitte wieder umkehren sollen.
    Ich glaube der arme hat noch nie Schnee gesehen.


    Selfie im Schnee

    Endlich kamen wir gegen 13 Uhr am Pass an.
    Die Sichtweite war fast Null, es war düster und kalt, doch auf der anderen Seite des Passes war der Pfad deutlich besser zu erkennen, wenn auch sehr steil und rutschig durch all den Schneefall.


    Am Pass

    Jedoch kamen wir recht schnell unter die Wolkendecke auf der anderen Seite des Passes und konnten den Blick in das nächste Tal bewundern.






    Der Pfad verläuft entlang der Endmoräne

    Es lichtete sich sogar ein klein wenig auf und für ein paar Sekunden konnte man den vergletscherten Salkantay zumindest erahnen.

    Ein kurzer Blick auf den Salkantay






    Das morgige Ziel

    Hier konnte ich schon das Ziel für Morgen sehen, ein 5000 m hoher Pass. Hoffentlich würde er nicht zu tief im Schnee stecken.
    Auf einer Ebene baute ich das Zelt auf, denn für heute war es zu spät um noch den Pass zu überqueren.
    Hier traf ich auch die ersten Menschen, seit den Besitzern des Hofes am Anfang des Rio Ahobamba. Es waren einige Wanderer mit Guide.
    Ich machte mir für diese Nacht ein wenig sorgen um meinen Hund, der tapfer immer noch an meiner Seite war und mitlerweile schon fast sowas wie gehorchte.
    Er hatte schon in der vorherigen Nacht erbärmlich gezittert und da war noch kein Schnee.
    Ich wollte nicht unbedingt, dass mir mein Gefährte in der Nacht erfriert.
    Jegliche Versuche ihn in meine Zeltapsis zu bringen waren natürlich zum Scheitern verurteilt. Was soll man auch von einem wilden Hund erwarten?
    Vor der Rettungsfolie hatte er auch panische Angst. Immerhin schaffte ich es ihn mit dem Raincover von meinem Rucksack zu zudecken, was immerhin ein wenig wärmen würde.
    Ich hoffte auf das beste und machte mich auf eine kalte lange Nacht gefasst.


    Hundeschlafsack...

    In der Nacht schneite es ziemlich heftig. Ich schaute einige mal nach Hundefreund, und er schien es weg gut zu stecken.
    Wir würden also duch noch mehr Schnee über den Pass kommen müssen, als gestern Abend eh schon lag.


    Eingeschneit

    Wieder war die Sichtweite erbärmlich. Der Weg war aber gerade so irgendwie zu finden, da vor uns jemand mit dem Maultier rum gelaufen sein musste und man den Spuren gut folgen konnte. Zumindest so lange sie nicht zugeschneit werden würden.
    Im kräftigne Schneegestöber arbeitete ich mich hoch zum Inka Chiriasca Pass, welcher bei fast 5000 m. liegt. Der nasse Schnee verwandelte sich auch immer mehr in Pulverschnee und es wurde richtig kalt.


    Kurz vor dem Pass


    Am Inka Chiriasca Pass


    Bibber bibber kalt kalt...

    Dies war der höchste Punkt dieses Treks.
    Es gab zwar noch einen Pass, aber dieser liegt etwas tiefer.
    Wir stiegen also wieder recht flott ab und ließen auch den Schnee und die Kälte schnell hinter uns.


    Blick auf die Salkantay Endmoräne

    Von der riesigen Endmoräne des Salkantaygletschers, als auch vom Salkantay selbst, bekamen wir leider praktisch nix zu sehen, durch die tiefhängenden Wolken.
    Hätte ich den Huayhuash Trek nicht gemacht, hätte ich mich vermutlich genervt, dass man so eine schlechte Aussicht hätte, aber so hat es mich nicht gestört und gehörte halt einfach dazu.





    Wir kamen am Ende an die Soraypampa und stießen schließlich nach dreieinhalb Tagen auf den original Salkantaytrek.
    Es war auch urplötzlich sehr viel belebter. Es gab hier eine Camplager und immer wieder kamen Treiber mit ihren Mulis, den Trek heruntergelaufen.


    Lama in der Soraypampa


    Soraypampa

    Von hier aus würde der Trek als auf dem Salkantay Trek verlaufen.
    Die einsamen Tage würdne vorbei sein und ich machte mich schon auf Menschenaufläufe gefasst.
    So schlimm sollte es dann doch nicht mehr kommen.

    Nach einer kurzen Pause machten wir uns zu einem abermaligen Aufstieg zum Abra Salkantay, DEM Aussichtspunkt auf den Salkantay und die Endmoräne und der höchste Punkt des klassischen Salkantay Treks.

    Der Pfad ist hier breit ausgetreten und beinahe eine Wanderautobahn.
    Ich überholte hier eine geführte Wandertruppe, die einzige Gruppe, die ich auf dem Rest des Treks treffen sollte.
    Entweder lags am miesen Wetter, oder ich war genau zufällig so getimt, dass ich praktisch ohne andere Wanderer auf dem Trek unterwegs war und andere Gruppen vor oder nach mir starteten.

    Am Abra Salkantay war natürlich nur Suppe und mit Aussicht genießen war nix.
    Dafür durften wir noch ein weiteres mal durchs Schneegestöber.
    Von einem der anderen Wanderer, der geführten Tour ließ ich mir und meinem hündsichen Freund ein Foto schießen.


    Am Abra Salkantay

    Es ging von dort aus bergab, durch die übelste Pampe. Der Pfad verwandelte sich im schmelzenden Schnee und Regen in einen Bach.


    Novemberstimmung

    Auf einer Wiese, wo ich meinte dass es passt errichtete ich das Camp im Nebel und Sprühregen, neben einigen Gebäuden.

    Von der Landschaft habe ich bisher nix gesehen und machte mir auch keine Hoffnungen mehr, doch dann am Abend lichteten sich die Wolken und gaben den Blick auf die Berge frei.





    Es klarte bis zum Sonnenuntergang komplett auf und gab zum ersten mal auf diesem Trek, den Blick auf den Salkantay frei.
    Der Berggott war also noch so gnädig sich mir zu zeigen.


    Apu Salkantay

  13. Alter Hase
    Avatar von AlfBerlin
    Dabei seit
    16.09.2013
    Ort
    Berlin, Rhön & WWW
    Beiträge
    3.105

    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #73
    Allmählich machen wir uns echt Sorgen um Hundefreund

  14. Dauerbesucher
    Avatar von Intihuitana
    Dabei seit
    19.06.2014
    Beiträge
    822

    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #74
    Zurück in den Wald


    Zitat Zitat von AlfBerlin Beitrag anzeigen
    Allmählich machen wir uns echt Sorgen um Hundefreund
    Hundefreund musste noch eine mehr oder weniger ungemütliche Nacht mit einigem Regen, auf der Wiese neben meinem Zelt verbringen.


    Am nächsten Morgen war wieder alles recht zugezogen. Mit Sicherheit würde es in den höheren Lagen heute auch wieder regnen und schneien. Zum Glück waren wir aber unter der Wolkenschicht und bewegten uns immer weiter nach unten.
    Langsam kamen wir wieder in den Wald.



    Und Hundi war plötzlich wie verwandelt.
    Das kalte verschneite Hochgebirge hatte ihm sichtlich Angst bereitet, jetzt wieder im grünen, tollte er schwanzwedenld wie verrückt durch das Unterholz, jagte irgendetwas hinterher und nun war er es der vorlief und auf mich warten musste.
    Der Wald scheint also eher sein Terrain zu sein.

    Ich musste auch langsam überlegen, wo und wie ich meinen Freund loswerden könnte. In einem Dorf würde es ihm sicherlich besser gehen, als ihn wieder in die Wildnis zu schleppen.

    Der Pfad war hier nicht mehr der Rede wert. Es war ein breiter, von tausenden Mulis ausgetretener Pfad.


    Kolibri im Elfenwald





    Wir überholten auch die Wandergruppe von gestern wieder. Die Tatsache mit diesem wilden Hund unterwegs zu sein, machte mich vor allem bei den weiblichen Teilnehmern der Gruppe recht beliebt.

    Ohne weiter Vorkomnisse ging es daher immer weiter bis in Dorf Colcapampa.




    Endlich wieder im Wald








    Colcapampa

    Im Dörfchen Colcapampa gab es erst mal ein warmes Mittagessen. Hundefreund wollte ich zuerst hier lassen, aber er war mitlerweile so an mich gewöhnt, dass er schon anfing auf mich zu hören und ein guter Freund geworden. Daher ließ ich von meinem Plan ab. Irgendwo, irgendwie würden wir uns wohl verabschieden müssen, aber hier noch nicht.

    In Colcapmpa muss man erst mal eine Weile auf der ungeteerten Straße laufen bis die beiden Flüsse zusammenlaufen.
    Hier verläuft der Salkantay Trek auf der linken Flusseite auf kleinen Pfaden, während die Straße auf der rechten Seite bleibt.


    Seitental


    Hier geht es links auf dem Salkantaytrek weiter

    Da dieser Trek so beliebt ist, gibt es entlang des Weges immer kleine Kioske zum kaufen von Bier, Softdrinks und den üblichen Dingen, die ein Tourist so braucht.


    Entlang des Rio Santa Teresa


    Stilleben mit Orchideen

    Ich kam hier auch immer wieder an einigen Waldbrandstellen vorbei.
    2019 war das Jahr der großen Amazonasbrände, die durch die Medien gingen.


    Brandrodung ausser Kontrolle

    Hier sieht man sehr gut, warum es oft überhaupt zu Bränden kommt. Ein Bauer will ein bischen Fläche, für den Feldbau brandroden aber das Feuer greift auf den nebenstehenden Wald über.
    Die Einheimischen haben zum löschen keine Mittel, oder es ist ihnen schlicht egal.
    Primärnebelwald wäre von so etwas nicht beinträchtigt, aber gestörter Sekundärwald, oder bedingt durch das Mikroklima etwas trockenerer Wald mit viel Buschwerk, kann leicht Feuer fangen.




    Seitental

    An einem der kleinen Kioske übernachteten wir auf der Campingwiese und nahm am nächsten Tag den Weg weiter in Richtung des Dorfes Playa auf.
    Wer Berniehhs Bericht gelesen hat, weiß dass er damals nach Westen in die unerforschteren Bereiche der Cordillera Vilcabamba abgebogen ist.
    Ich habe mir die ganze Zeit überlegt ob ich die Route auch gehen will, aber entschied mich um.
    Der Grund war einfach der, dass ich für diesen Trek mindestens 16-18 Tage gebraucht hätte. Ich würde also im späten September wieder nach Cusco kommen.
    Da ich allerdings noch eine Tour im Tiefland geplant hatte und dort die Regenzeit ziemlich zuverlässig zu Anfang Oktober einsetzt, was alles schwieriger macht, hätte ich ein zu kleines Zeitfenster übrig.
    So entschloss ich mich also den normalen Salkantaytrek zurück zur Hidroelectrica zu gehen.


    Playa

    Kurz nachdem wir den Fluss überquerten, wurde ich von zwei Frauen angesprochen, die mir sagten, dass der Hund hier zuhause sei und seit einer Woche nicht mehr aufgetaucht ist.
    Bei einem nahegelegenen Campingplatz/Hostel lief Hundefreund zielstrebig auf seine Besitzerinnen zu und ließ sich streicheln.
    Na sowas, also kein Streuner.
    Mir wurde gesagt dass Cabo, so sein richtiger Name immer wieder mit Touristen das Stück von der Hidroelectrica bis nach Playa und zurück läuft.
    Daher folgte er mir auch von Anfang an so treu. Aber er hatte wohl nicht damit gerechnet, dass ich ganz und gar nicht den normalen Weg einschlagen würde, sondern ihn in die Tiefen des Ahobambatales und das verschneite Hochgebirge schleppen würde.
    Jetzt hieß es also Abschied nehmen, aber das war gar nicht so leicht, denn Hundefreund aka Cabo liess nicht von mir ab, folgte mir noch aus dme Dorf heraus, als ob er gar keine Besitzer hätte. Wir hatten uns so gut befreundet, wenn ich gewollt hätte, hätte ich ihn komplett übernehmen können, so treu folgte er mir.
    Also musste ich wohl oder übel mit dem Stock drohen und Steine nach ihm werfen, dass er endlich umdrehte.
    Schade drum es war eine schöne Zeit mit ihm.

    Etwas betrübt lief ich jetzt alleine die letzte Etappe bis zur Lactapapa hoch.
    Es ging nun wieder steil bergauf und ich musste nocheinmal, wieder auf knapp 3000 m. aufsteigen.
    Man läuft zum größten Teil druch Trockenwald und kommt immer wieder an kleinen Kaffeeplantagen und Höfen vorbei.



    Lactapapa ist eine kleine Station mit Camping am Sattel des Bergmassives.
    Hier oben zeigte der Nebelwald sich nochmal von seiner schönsten Seite.








    Beindruckender metallischer Hirschkäfer




    An meiner letzten Campstelle, hatte ich nocheinmal eine beindruckende Aussicht zurück ins Tal des Rio Ahobamba, und Machu Picchu. Es war der würdige Abschluss einer unglaublich schönen Wanderung.


    Links unten ist Machu Picchu


    Morgendämmerung

    Es ging am nächsten Tag wieder in den Eingang das Tal des Rio Ahobamba herunter, dort wo ich am Anfang des ersten Tages nach dem Weg fragte.
    Wieder traf ich auf die Wandergruppe und wir hielten für ein Pläuschchen und man war enttäuscht dass ich nun ohne Hundefreund unterwegs war.

    Auf dem Weg kommt man noch an den Inkaruinen Lactapapa vorbei, welche hübsch hergerichtet und restaueriert sind, aber dadurch gar nicht mehr so geheimnissvoll wirken, wie die Ruinen der Adlerfestung.





    Ich kam also wieder am Talausgang des Rio Ahobamba an, wo meine Reise 6 Tage vorher begonnen hatte.
    Ich nahm noch schnell ein Bad im Ahobamba und ging zurück zur Hidroelectrica um ein Collectivo zu organisieren mit dem ich zurück nach Cusco kommen kann, um mein nächstes Abenteuer im Tieflandregenwald von Madre de Dios zu planen...

    Fazit:

    Vergleicht man den Huayhhuashtrek und diese Wanderung, so ist ersterer sicherlich spektakulärer was dramatische Bergpanoramen angeht. Jeden Tag ist man dort von beindruckenden Bergriesen umgeben.
    Was meine Salkantayvariante aber so besonders machte, ist dass man durch fast alle Klimazonen kommt.
    Das Tal des Rio Ahobamba ist der Hammer und ich habe selten etwas so üppiges gesehen. Auch ist man auf dem ersten Teil des Treks sehr einsam unterwegs, dafür kann es sehr belebt werden sobald man auf den Haupttrail trifft.
    Ich hatte wohl einfach Glück im richtigen Zeitfenster unterwegs gewesen zu sein, so das ich nur dieser einen Wandergruppe immer wieder begegnete.
    Jedenfalls eine unglaubliche Wanderung, welche noch bereichert wurde durch meinen tierischen Begleiter. Wer auch mal gerne ein bischen Wald zwischen den Gebirgspanoramen zu schätzen weiß, dem wird diese Wanderung sicherlich gefallen.
    Geheimnissvolle dicht bewaldete Täler und verschneite Hochpässe. Schaut man sich die ganze Ecke bei Google Earth an, bieten sich noch viele Möglichkeiten für zukünftige Abenteuer. Und wer weiß welche Inkatrails und Ruinen noch in den Nebelwäldern verborgen sind?

  15. Fuchs
    Avatar von berniehh
    Dabei seit
    31.01.2011
    Ort
    Hamburg
    Beiträge
    1.609

    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #75
    tolle Geschichte mit Hundefreund.
    Bin schon sehr gespannt über den Madre de Dios Regenwald und was genau du da gemacht hast

  16. AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #76
    Traumhaft
    So möchtig ist die krankhafte Neigung des Menschen, unbekümmert um das widersprechende Zeugnis wohlbegründeter Thatsachen oder allgemein anerkannter Naturgesetze, ungesehene Räume mit Wundergestalten zu füllen.
    A. v. Humboldt.

  17. Moderator
    Lebt im Forum
    Avatar von November
    Dabei seit
    17.11.2006
    Ort
    Mickten
    Beiträge
    6.982

    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #77
    Och, ich sehe lieber Berge und Fernblicke als dichten Wald. Von daher kam mir deine Touränderung durchaus entgegen.
    Aber wenn man sich monatelang auf etwas freut und es intensiv vorbereitet, ist die Enttäuschung natürlich riesengroß. Das kann ich sehr gut nachvollziehen.

    Ganz großes Kino bis jetzt und es kann ja auch noch nicht zu Ende sein, denn wir erwarten ja noch die Lösung des Rätsels um deinen Nicknamen. Oder habe ich das überlesen?
    Klar ist überhaupt nichts - aber das dafür umso deutlicher.

  18. AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #78
    Zitat Zitat von November Beitrag anzeigen
    ... wir erwarten ja noch die Lösung des Rätsels um deinen Nicknamen. Oder habe ich das überlesen?
    Ja, siehe #59.

  19. Moderator
    Lebt im Forum
    Avatar von November
    Dabei seit
    17.11.2006
    Ort
    Mickten
    Beiträge
    6.982

    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #79
    Urgs, da hab ich nicht richtig aufgepasst und es glatt überlesen - Danke.
    Klar ist überhaupt nichts - aber das dafür umso deutlicher.

  20. Dauerbesucher
    Avatar von Intihuitana
    Dabei seit
    19.06.2014
    Beiträge
    822

    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    #80
    Die Mutter Gottes

    Eins war klar, ich musste noch einmal in den Regenwald. Ich war deshalb in erster Linie auf diesen Kontinent gekommen und würde ihn nicht verlassen, ohne nicht noch einmal dort gewesen zu sein.
    Es hatte in der Cordillera Azul nicht geklappt, zwischenzeitlich stand die ganze Reise auf der Kippe, aber jetzt nach den letzten beiden erfolgreichen Touren, war ich wieder bester Dinge auch wieder etwas abgelegeneres anzugehen.
    Cusco ist dafür der ideale Ausgangspunkt. Innerhalb kürzester Zeit kann man von dort aus fast alle Landschaften erreichen.
    Man hat Lust auf verschneite Berge, oder genug von der Kälte und will in den Regenwald? Beides lässt sich von Cusco aus schnell ansteuern.
    Doch wo genau sollte ich hin? geplant hatte ich ja, da der ganze Abschnitt dieser Reise improvisiert war, nix.
    Ich hörte mich wiedermal in den Agenturen um, wo der Kanon recht einheitlich war: "Alleine in den Regenwald geht nicht". Ja alles klar.

    Dennoch konnte ich den Leuten einige Informationen entlocken. DER Hotspot für Regenwaldtourimus nahe Cusco ist das UNESCO Weltnaturerbe Manu Nationalpark.
    Dies ist einer der artenreichsten Orte der und einer der größten Tropennationalparks der Erde, zusammen mit dem noch größeren Alto Purus Nationalpark und einigen Schutzgebieten in Brasilien existiert so ein riesiger Korridor von den Hochlagen der Anden bis nach Brasilien hinein.
    An und für sich wäre dieser Ort ein Traum für jeden Regenwaldfreund. Von den Nebelwäldern bis in Tiefland durchgehende Wildnis ohne Wege oder Dörfer.
    Das große Manko ist jedoch, dass der Park in drei Zonen aufgeteilt ist. Der allergrößte Teil des Parks ist strenges Schutzgebiet und darf von niemandem ausser den Rangern und ein paar Forschern betreten werden.
    Die touristische Zone, welche nur einen kleinen Teil ausmacht, darf nur mit lokalen Guides betreten werden.
    Bleibt nur noch die Cultural Zone, wo ein ökologisch vertretbarer Nutzen erlaubt ist und man den Park frei betreten kann.
    Diesen recht kleinen Streifen, der von Lodges und privaten Regenwaldwanderwegnetzen durchzogen ist, fand ich uninteressant.
    Es blieb also noch alles, was explizit nicht der Manupark war.
    Bei der Recherche stieß ich auf eine östlich des Manu gelegene Schutzzone. Die Reserva Communal Amarakaeri, ist eine von lokalen Gemeinden verwaltete Schutzzone, welche jedoch frei betreten werden kann.
    Jedenfalls theoretisch. Was die einzelnen Indiogemeinden dazu zu sagen haben, steht wieder auf einem anderen Blatt.
    Damit hatte ich jetzt also schon Erfahrung gemacht.
    Eine andere Inspirationsquelle hatte ich in einem Youtubevideo gefunden, bei der einer den Rio Alto Madre de Dios mit dem Packraft heruntergefahren war.

    (INFO: Bitte kein Bildmaterial einfügen, das die Rechte Dritter verletzt. d.h. i.d.R. keine Musikvideos, TV-Serien etc. )

    Damit war für mich klar, was ich machen wollte. Ich nahm mir vor den Rio Alto Madre de Dios von Pilcopata aus ein Stück herunterzufahren, dann einen der rechten Nebenflüsse nahe Atalaya oder Salvacion hochlaufen oder auch treideln, Die Bergkette und Wasserscheide überqueren und dann auf der anderen Seite einem der drei Flüsse folgen, die in den Rio Madre de Dios entwässern und dann mit dem Packraft bis Puerto Maldonado abfahren.
    Kartenmaterial für diese Route hätte ich nur im IGN in Lima bekommen, musste also mit einigen unscharfen Satellitenbildern und Opentopokarten vorlieb nehmen.
    Ich nahm diese Planung allerdings als Arbeitsgrundlage und nicht als 100% durchzuführendes Projekt, denn es kommt ja bekannterweise immer anders und wer weiß was ich von den Einheimischen in den Dörfern alles noch an Informationen kriegen könnte, wollte also auch nicht die große Enttäuschung erleben, sollte der Plan geändert werden müssen.

    Mit einem der täglich fahrenden Minibusse fuhr ich die abenteuerliche ungeteerte Serpentinenstrecke von Cusco bis nach Pilcopata herunter. In der Regenzeit würde ich dort nicht fahren wollen.
    Es ist erstaunlich, wie man innerhalb kürzester Zeit vom kargen, trockenen und kalten Andenhochland in eine völlig andere Welt taucht. Alles ändert sich. Nicht nur die Landschaft und das Klima sondern auch die Dörfer, die Bauweise und die Menschen.
    Statt dick mit Lamaponchos eingepackte und wortkarge Hochlandbewohner war man nun wieder voll im tropischen Rhytmus des Tieflandes. Während in den Andendörfern nach Sonnenuntergang, wegen der Kälte tote Hose herrscht und die Leute in ihre Häuse gehen, fängt das Leben hier überhaupt erst am Abend an. Alle sind auf der Straße und bleiben bis tief in die Nacht draussen.
    Ich war froh endlich wieder im üppig tropischen Tiefland zu sein. Auch die Temperaturen liegen mir viel eher.
    Aber auch mich traf es zuerst wie der Dampfhammer, als ich aus dem Bus ausstieg.
    Ich bin nun seit gut anderthalb Monaten fast dauerhaft auf großer Höhe gewesen und selbst die Regenwaldtour im Rio Ahobamba startete bereits auf 1800 m. wo es Abends angenehm abkühlt.
    Hier war ich auf ca. 500 m. Meereshöhe und es war Abends noch glühend heiß und schwül. Dazu war ich gerade in eine Hitzewelle geraten und selbst die Einheimischen beklagten sich schon über die Temperaturen.
    In einer kleinen Hospedaje mietete ich mich ein und zog noch schnell los um ein paar Informationen einzuholen und mir das Dorf anzuschauen, denn eigentlich würde ich gerne direkt morgne früh los aufs Wasser.


    Blick von meinem Hostelzimmer auf Pilcopata




    Das Leben findet auf der Straße statt

    Trotz der Nähe zu Cusco und dem Manu Nationalpark war hier touristisch eigentlich kaum etwas los, was mich erfreute, denn ich hatte schon etwas genug vom Touritrubel in Cusco und Machu Picchu.
    Ich fragte mich ein bischen rum bezüglich rafting auf dem Rio Alto Madre de Dios. Es gab wohl auch ein paar organisierte Raftingtouren. Ein Junge, der an der Brücke über den Fluss lehnte konnte mir einige Infos geben.
    An und für sich sollte das raften auf dem Fluss ok sein, es gibt aber bis Atalaya doch noch einige Stromschnellen und vor allem sollte ich auf den großen Wirbel am Zusammenfluss vom Rio Pilcopata und Rio Piri Pini achten.
    Der war mir schon durch das Video bekannt welches ich oben verlinkt habe. Den Packrafter hat es dort auch zum kentern gebracht und er scheint deutlich erfahrener zu sein als ich.
    Ich würde also mehr als einmal zumindest bis Atalaya umtragen müssen.
    Von dem Amarakaeri Reservat hörte ich höchst unterschiedlichstes. Von riesigen Anakondas und Jaguaren und illegalen Goldgräbern und bösartigen Indianern.
    Mir schien aber es war noch keiner dort wirklich, zumindest tief drinnen gewesen und ich bekam wohl eine Menge Räuberpistolen zu hören. Da muss man nämlich oftmals filtern was einem die Einheimischen alles erzählen wollen. Vieles stimmt oft, aber es wird auch gerne übertrieben oder gelogen.
    Ausserhalb von Europa wird auch oft gedacht, dass Weiße aus Zucker seien und ihnen fast überhaupt keine selbstständigen Tätigkeiten in der Wildnis zu zutrauen sind. Vermutlich tun sie das aber einfach weil sie dann zumeist Erfahrung mit Pauschaltouristen gemacht haben, die tatsächlich so drauf sind.
    Jedenfalls nahm ich die Informationen an aber gab nicht blind alles drauf.
    Auch habe ich versucht nicht direkt meine ganzen Absichten bezüglich des Amarakaeri Gebiets zu erkennen zu geben, ich stellte die Fragen immer so, als ob ich es als grobe Möglichkeit ansehen würde, dort hin zu gehen und nicht einen festen Plan habe. Ich wollte nicht zu viel Aufmerksamkeit erregen, erstens dass mir nicht irgendwer in die Wildnis folgt, der meine genau Route kannte und mich eventuell nachts ausraubt und zweitens damit nicht ein übereifriger Dorfpolizist oder ähnliches mich zurückhält, weil er Angst hat, dass der komische Gringo im Dschungel verloren geht und es dann schlechte Publicity für das Dorf gibt.

    Gestrandet

    Ich wachte also am nächsten Morgen in aller Herrgottsfrühe auf um möglichst viel von der Morgenkühle zu haben und marschierte zum Steinufer nahe bei der Brücke um mein Packraft aufzubauen.




    Und ab gehts

    Der Fluss floss schnell und es gab immer mal wieder kleine Stromschnellen.
    Ich umtrug die ersten beiden Stromschnellen aus Vorsicht. Doch ich stellte fest, ich hätte auch durchfahren können.
    So fuhr ich dann also ohne Probleme durch die nächsten beiden Stromschnellen.


    Ufervegetation


    Erstes mal umtragen

    Vor mir folgte eine weitere Stromschnelle. Sie wirkte nicht größer als die letzte, die ich durchfahren hatte, also trug ich nicht um sondern wollte durchfahren.
    Es mag sein, dass ich eine Sekunde zu spät nach links gelenkt habe, oder einen anderne Fehler gemacht habe, doch dann passierte es. Ich kam durch zwei aufeinanderfolgende Wasserwalzen hinter denen direkt ein kleiner Wirbel war, dieser brachte das Boot gänzlich aus dem Gleichgewicht und ich kenterte.
    Das Boot schwamm kopfüber, der Rucksack saugte sich voll Wasser und mein kleines Daypack, welches ich vorne am Bauch trug wurde mir vom Leib gerissen und schwamm davon.
    Die Strömung war zwar stark aber nicht extrem und ich konnte das Boot schnell wieder umdrehen und mein Daypack wieder einsammeln.
    Ich steuerte auf die nächste Flussbank zu und stand noch voll Adrenalin.
    Gut das war jetzt kein toller Einstand gerade mal ein oder zwei Kilometer nach Start, aber alles halb so wild dachte ich mir.
    Erst als ich mich am Ufer sammelte und wieder etwas zur Ruhe kam, merkte ich jedoch dass eines der Paddelblätter fehlte.
    Es war einfach abgebrochen nahe am Alurohr und davon getrieben.
    Das hätte ich jetzt nicht erwartet und muss wohl irgendwo in der Stromschnell an einen Stein oder so geknallt sein.
    Und das war jetzt auch nicht mehr halb so wild. Ich hatte noch ein Paddelblatt und hätte das Packraft eventuell mit Stechpaddel weiterfahren können, wenn es denn möglich wäre.
    Aber zuerst packte ich meinen Rucksack aus um zu sehen was nass geworden war.
    Es war zwar alles in Packsäcken verpackt, aber es schien doch bei einigen Wasser eingedrungen zu sein, selbst bei dem großen roten Ortlieb Packsack, den ich für am robustesten und Wasserdichstesten hielt.
    Ich musste also wohl oder übel alles auspacken und zum trocknen legen.
    Es hatte auch meine Nahrungsvorräte erwischt und eine Spagettipackung war nass geworden.
    Die Technik hatte alles überstanden, weil ich die teilweise zwei bis dreimal verpackt hatte.
    Alles bis auf meinen GPS Spot. Denn den hatte ich am Gürtel angeklippt, eben für den Notfall, dass ich kentern und ohne Ausrüstung landen würde.
    Und da sah ich plötzlich Wasser aus dem Gerät heraus fließen. Wie konnte das denn sein? Und da sah ich dass der Gumminoppen, der den PC-Anschluss verschließt abgerissen war, wohl irgendwie in den Stromschnellen und das Wasser dort eindrang.
    Das was jetzt echt ein Problem.
    Ich konnte zum Glück mit dem kleinen Brillenschraubenzieher vom Vic, die Mini Torx herausdrehen und Platine rausholen, doch es war wohl schon zu spät. Die Platine war korrodiert und es hatte einen Kurzschluss gegeben. Auch an den Batteriekontakten war das Plastik bereits angeschmolzen. Das war ein ziemlich untrüglich Zeichen, dass das Gerät schweren Schaden erlitten hat.
    Ich versuchte dennoch alles zu trocknen und gab der Sache mehrere Stunden Zeit, vielleicht würde man es noch retten können.
    Wenn nicht dann hätte ich ein Problem. Weniger für meine eigene Sicherheit als, weil ich mit meiner Familie abgemacht habe, dass wenn 6 Tage keine Meldung vom SPOT ankommt, sie die Rettungsdienste einschalten.
    Sollte das Gerät also wirklich hinüber sein, müsste ich wohl oder übel zurück nach Pilcopata und irgendwo ins Internet um bescheid zu sagen.
    Ich gab den Dingen also Zeit zum trocknen und machte mir erstmal einen Tee.


    Sachen trocknen

    Danach lief ich auf der Flussbank herum um zu sehen ob ich eventuell ein Paddel improvisieren könnte, oder es einen Pfad in den Wald gibt. Denn rein von der Luftlinie her war ich nur einen halben Kilometer von der Straße entfernt.
    Es sah aber schlecht aus. Die Flussbank komplett von dichtestem Bambusgestrüpp und Sekundärregenwald von der Straße abgeschottet.
    Ich war hier also mehr oder weniger gefangen.
    Einige gute Baumstämme, würden hier eventuell ein passables Ersatzpaddel abgeben. Ich machte mich dran etwas mit meiner Machete zu behauen, doch es handelte sich zumeist um das brutal harte rote Tropenholz, oder Umbrella-Tree welches ich zudem auch kaum spalten konnte, selbst mit Spaltkeilen, die ich aus Steinen schlug und mir einen davon schön auf den Zeh haute.
    Nein, das würde alles nix bringen.
    Es wäre die bessere Lösung nach Pilcopata zurück zu gehen und mich dort neu zu sammeln.

    Am frühen Nachmittag war alles wieder getrocknet. Ich baute auch den GPS Spot wieder zusammen und es war, wie ich befürchtet hatte. Das Gerät war hinüber. Das machte immerhin die Entscheidung klar, ich muss zurück nach Pilcopata.
    Naja hilft alles nix, ich packte ein und sichte mir eine Stelle wo ich wohl am besten durch den Dschungel könnte.
    Das würde nicht leicht werden.
    Wieder musste ich den Rucksack liegen lassen und erstmal einen Pfad freischlagen.
    Das schwierigste war mit Abstand das ca. 6 m. hohe vertikale Steilufer aus Lehm und Erde. Ich musste also mit einem Stock einige Stufen in den Hand graben um irgendwie hoch zu kommen.
    Es war eine Knochenarbeit bei dieser schwülen Hitze.




    Da muss ich durch

    Ich war zwar nicht gerade in der besten Situation es machte aber dennoch Spaß mich hier durch zu manövrieren und auch in der schwersten Anstrengung findet man immer wieder etwas hübsches:


    z.B. das

    oder das

    oder das


    Was für eine Baumrinde


    Wespennest

    Nach einem brutalen Abschnitt durch den Sekundärwald, kam ich an eine Bananenplantage, wo nach kurzer Zeit ein Pfad auftauchte. Dieser führte dann auch zur Straße.
    Fast zwei Stunden hatte ich für diese gerade mal 500 m Luftlinie gebraucht.

    Ich lief also zurück nach Pilcopata, war so nass als ob ich im Fluss gebatet hätte und nahm die erstbeste Unterkunft.
    Ich musste mich erstmal wieder sammeln.

    Plan B

    Nach ein paar Bier mit den Einheimischen sah die ganze Sache schon nicht mehr so düster aus.
    Ich konnte irgendwo WLAN schnorren und sagte daheim bescheid, was passiert war.
    Ich hatte darüberhinaus den tollkühnen Gedanken, ob ich nicht das GPS-Spot hier vielleicht reparieren lassen könne. Es gab tatsächlich eine Handywerkstatt, aber der nette Herr sagte mir recht schnell, dass das über seinen Fähigkeiten lag.

    Ich beschloss mich den nächten Tag in Pilcopata auszuruhen und zu sehen wie ich weiter machen könne.
    Tagsüber machte ich einen Spaziergang in der unmittelbaren Umgebung des Dorfes.


    Etwas zu sehen gibt es immer


    Glattschnabelani


    Philodendron spec.

    Ich suchte die Bäume, immer nach Monstera Deliciosa ab, einem Aronstabgewächs mit einem sehr süßen, essbaren Blütenstand, fand aber keinen.








    Reiche Welt der Gliederfüßer

    Leider interessiere ich mich nicht genug für Schmetterlinge, dass ich mich da in die Identifikation hereinfuchse.

    Ich hatte nun also offiziell keinen GPS-Spot mehr, was alle Aktivitäten natürlich deutlich riskanter machte.
    Abbrechen kam aber für mich nicht in Frage. Ich musste jetzt halt umso vorsichter und achtsamer vorgehen.
    Die Sicherheit, die so eine Spot oder Inreach vermittelt ist sowieso etwas trügerisch. Am Ende sollte man sich dennoch nur auf sich selbst verlassen, denn es kann immer etwas mit der Technik oder der Rettung schiefgehen.
    Meine Angehörigen wussten bescheid. Ich verinbarte dass ich mich in spätestens 14 Tagen wieder melden würde. Ab dann können sie sich Sorgen machen.
    Anstatt also von Pilcopata aus loszufahren, beschloss ich am nächsten Tag per Bushtaxi ins zwei Dörfer weiter gelegene Salvacion zu fahren und von dort aus dem Flussbett des Rio Salvacion in das Schutzgebiet herein zu folgen. Wie ich weiter genau vorgehen würde, ob ich tatsächlich den gesamten Rio Blanco oder Chilive bis zur Mündung in den Rio MAdre de Dios herunterfahren würde, oder eher eine Rundtour machen würde, würde ich dann sehen.


    Salvacion

    Ich machte nicht mehr viel Aufhebens um noch großartig herumzufragen sondern marschierte jetzt einfach los, es würde sich schon alles irgendwie ergeben.
    Das durchaus riesige Flussbett des Rio Salvacion war nur noch ein erbärmliches Rinnsal. Es war das Ende der Trockenzeit und das war zu spüren. Es hatte auch seit 18 Tagen nicht mehr geregnet, was recht ungewöhnlich ist.
    Allgemein ist der Regenwald hier im Süden Perus, gefühlt auch etwas trockener als im Norden näher am Äquator.
    Je weiter südlich es geht, desto mehr wird sich der Wald in Trockenwald umwandeln.
    Es war brühend heiß und die Sonne stand schon hoch. Es half alles nix, ich machte weiter, wollte noch zumindest an den Oberlauf des Fluss kommen heute. Solang es noch Wasser gab was alles kein Problem.


    Im Flussbett des Rio Salvacion




    Dieser interessante Adler unterhielt sich lautstark mit einem Artgenossen im Gestrüpp

    Man sieht schnell warum diese Region ein Artenhotspot ist. Etliche Vögel, von denen ich die meisten leider noch nicht zuordnen kann, waren vom Flussbett aus zu sehen.
    Auch entdeckte ich einige Tapirspuren. Sie kommen also anscheinend sehr nah ans Dorf.
    Neben diesen Spuren fand ich auch Abdrücke von Kühen und Eseln. Also wird es wohl noch irgendwo einen Hof am Flussbett geben müssen.


    Zur Abwechslung mal hängende Helikonien


    Ein sperberartiger Raubvogel


    Ein Reiher ?




    Dieser Schmetterling war größer als eine ganze Hand

    Es flogen drei Aras vorbei, ich konnte im Gegenlicht nicht sehen ob roter oder blauer. Zum Foto hat die Zeit nicht gereicht.
    Allgemein sah ich mehr Tiere, als ich letzlich fotografiert habe. Zu Fuß schreckt man oft was auf, was dann schnell weg fliegt.
    Ich hörte in der Ferne auch Brüllaffen, was darauf hindeutet, dass trotz der Nähe zum Dorf, der Wald noch recht intakt sein muss hier.

    Das laufen auf den großen runden Flusskieseln war recht mühsam und ich machte mir Sorgen ob der Fuss nicht wieder die selben Probleme bekommen würde, wie in der Cordillera Azul,doch bisher verhielt er sich recht stabil.





    Der Rio Salvacion war nun nix mehr als ein winziges Bächlein, welches ab einem Punkt dann auch völlig verschwand.
    Das Flussbett war von hier an ausgetrocknet und ich machte mir ein wenig Sorgen, ob das jetzt die ganze Zeit so bleiben würde, denn der Wasserbedarf war relativ hoch und die Nachmittagssonne brannte erbarmunglos.
    Ich zog also ohne Rucksack los um zu sehen, ob weiter oben noch irgendwo Wasser sein würde, oder ich besser über Nacht an der Stelle bleibe, an der noch das letzte Rinnsal aus dem Boden tritt und ich dann morgen in aller Frühe, die Kühle ausnutzend, den Berg überwinde um auf die andere Seite der Wasserscheide zu kommen. (Wo dann hoffentlich bald Wasser sein würde)
    Ich kam recht bald an eine kleine Hütte mit einem Kahlschlag. Im Flussbett an der Hütte trat das Bächlein wieder zu Tage, es gab also Wasser.



    Um die Ecke kam ein Campesino mit der Machete auf der Schulter. Er war der Besitzer der Hütte und stellte sich als Sabino Torres vor.
    Er war sehr überrascht mich hier zu sehen und fragte mich was ich hier zu suchen habe. Ich erklärte ihm, dass ich auf die andere Seite der Berge ins Reservat wolle, was ihn noch mehr überrasche.
    Ausser einige Fischern, die am Oberlauf des Rio Chlivie fischen kommt eigentlich nie jemand hier vorbei, geschweige denn ein Gringo.
    Bevor wir weiter quatschten ging ich schnell meinen Rucksack holen.
    Ich würde die Nacht hier verbringen und dann morgen weiter ziehen.
    Von Sabino erfuhr ich einiges über die Gegend. Er hielt mein Vorhaben für ziemlich lebensmüde, es soll auf der anderen Seite vor großen Tieren, allen voran Jaguaren und Pumas wimmeln und auch die Tapire können auch mal auf einen Menschen gehen.
    Ohne Schusswaffe sei das ein Himmelfahrtskommando. Naja immerhin hatte ich ja eine Steinschleuder.
    Sabino erschien mir schon sehr viel näher an der Wahrheit, als was man mir in Pilcopata erzählte, doch auch er übertrieb vermutlich ein wenig.
    Es ist etwa so wie mit den Nomaden in der Wüste, die panische Angst vor Schlangen haben, ob giftig oder nicht und sie immer umbringen wenn sie eine sehen.
    Da ist vermutlich kollektives Gedächtnis von Generationen vermischt mit Aberglauben.
    Sehr viel handfesteres konnte er mir hingegen über die Topografie erzählen.
    Es gab ganz am Ende des Flusslaufes einen kleinen Pfad, den die Fischer benutzen, der aber regelmäßig zuwächst und über die Bergkette führte.
    Er schlug vor mich gegen Bezahlung natürlich, am nächsten Morgen auf den Kamm zu bringen von wo ich dann weiter auf die andere Seite gehen würde. Das war ein guter Vorschlag. Hätte ich erstmal den Einstieg gefunden könnte ich den Rest sicher selber machen.
    Auch sagte er mir, dass man auf der anderen Seite direkt Wasser hat und es durchgehend fließendes Wasser in den Bächen des Flussystemes habe.
    Durch den Oberlauf soll man in dieser Jahreszeit problemlos waten können, was mit dem Mittellauf ist konnte er mir jedoch nicht sagen, weder er noch irgendjemand den er kannte war dort jemals gewesen. Von riesigen Krokodilen und Anakondas war auch bei ihm die Rede. Waren dann sicherlich auch wieder nur Geschichten, die aber oft genug einen wahrne Kern haben.
    Offenbar war seit Jahrzehnten niemand mehr zumindest von dieser Seite aus gekommen, was es für mich natürlich viel aufregender machte.
    Sabino gab mir über den Abend noch einige Tips. So legte er mir sehr nahe Abends ein oder besser zwei große Feuer an meine Camp zu bauen, die am besten die ganze Nacht brennen um die Jaguare abzuhalten und Nachts ja niemals das Zelt zu verlassen.
    Ich war also sehr aufgeregt und mehr als gespannt, was mich wohl in der Wildnis auf der anderen Seite des Berges erwarten würde und und konnte es kaum noch abwarten...

Seite 4 von 5 ErsteErste ... 2345 LetzteLetzte

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)