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  1. Dauerbesucher
    Avatar von Feurio
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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    Mitreisende: Intihuitana
    Chapeau! Das ist ja wirklich sehr abenteuerlich, und auch noch sehr schön beschrieben!

  2. Dauerbesucher
    Avatar von Intihuitana
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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    Zitat Zitat von berniehh Beitrag anzeigen
    Ja, wahrscheinlich für vier Monate, von Juli bis Oktober.
    Was genau hast du denn dort vor?
    Wollte eigentlich in erster Linie wieder in den Regenwald, aber sicherlich werden auch mal wieder ein paar Andentouren drin sein.
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    Avatar von Intihuitana
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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    Das Salz in der Suppe

    Gut nach langer langer Zeit geht es hier endlich mal weiter. Es ist ja jetzt genug Zeit da um Reiseberichte zu schreiben.

    Nach nun etlichen Touren und Abenteuern sollte es nach Bolivien weiter gehen.
    Ich verbrachte ein paar Tage an der Isla del Sol am Titikaka See auf bolivianischer Seite.
    Von dort reiste ich bis nach La Paz weiter.

    Eine seltsamere Stadt als La Paz habe ich selten gesehen.
    Die Quasi Hauptstadt ist zwischen 3600-4000 auf mehreren Höhenstufen gelegen, umgeben von gewaltigen Eisriesen.
    Die ganze Stadt ist ein unglaubliches Chaos und kommt locker an afrikanische Verhältnisse ran.
    Eigentlich ein übles Drecksloch, aber mit ziemlich rauhem Charme, wenn man mal ne Weile dort verbringt.
    Zur Überbrückung der großen Höhenunterschiede ist die Stadt durchzogen von einem Drahtseilbahnsystem, welches hochmodern und brandneu ist und in krassem Kontrast zum verruchten Stadtbild.


    Im Zentrum.


    Der Illimani in den Wolken, vor der Unterstadt


    Die gesamte Stadt ist ein Markt

    Auf den Märkten bekommt man alles, was man braucht inklusive solcher Kuriositäten wie getrockneter Lama Föten, die als Grundlage für die Aymara Magie und Medizin gelten.
    Hexen und Heiler findet man an jeder Ecke und viele der Frauen sind in den traditionellen Cholitakleidern mit der markanten Melone gekleidet.



    Meine Zeit in La Paz, war eher Sex, Drugs und Rock n' Roll inklusive Besuch bei der berüchtigten "Route 36". und irgendwie vergaß ich die Zeit, aber eigentlich war ich nach Bolivien für ein anderes Ziel gekommen.
    So schaffte ich es den Verlockungen der Großstadt nach über einer Woche, letzlich endlich zu entkommen.

    Ursprünglich habe ich auch nicht großartig für Bolivien auf dieser Reise geplant, aber während meines Aufenthaltes in Peru ist mir eine Idee gekommen, die ich immer weiter gesponnen hatte, bis ich sie letzlich einfach durchgeführt habe.

    Eines der landschaftlichen Highlights und einzigartig in der ganzen Welt ist der Salar de Uyuni.
    Der mit mehr als 10.000 m² größte Salzsee der Erde ist der wohl auch flachste Ort der Erde.

    Mitlerweile gehört eine Tour zum Salar de Uyuni zum Standardprogramm für Bolivienreisen und etliche Touranbieter haben sich darauf spezialisiert.
    Tausende Touristen nehmen Allradtouren über den Salar und das Umgebene Altiplano in Anspruch.

    Wie man sich bestimmt denken kann, hatte ich nicht die Intention, mich dort mit dem Auto herumkutschieren zu lassen.
    Ich wollte den gesamten Salar de Uyuni, zu Fuß durchqueren.

    Grundsätzlich gäbe es zwei Möglichkeiten.
    Die Ost-West Durchquerung ist die mit mehr alsd 150 km längere Variante.
    Joe Vogel hatte diese Durchquerung vor einigen Jahren mit dem Wanderwagen und in zwei Versuchen gemeistert.

    Da ich nur mit Rucksack unterwegs war und keinen Wanderwagen hatte, entschied ich mich aber für die mit ca. 85 km. kürzere Variante von Nord nach Süd.
    Ich wollte also vom Vulkan Tunupa direkt nach Süden, mit Zwischenstopp auf der Insel Incahuasi um dann den See auf dem Südufer zu verlassen.
    Dies sollte locker in 3 Tagen zu schaffen sein.

    Allerdings musste ich erstmal eine Möglichkeit finden um zu meinem Startort zu kommen, denn es gab keinen öffentlichen Transport dahin.
    Daher nahm ich zuerst einmal einen Bus bis in die Stadt Uyuni und sollte dann weiter sehen.
    Hier in dieser kleinen Minenstadt blüht der Salartourismus und es finden sich Hotels, Pizzerien und etliche Touranbieter, die Jeeptouren organisieren.
    Ich nahm mir also Zeit zum herumfragen. Natürlich wurde ich mit meiner exotischen Forderung erstmal komisch angesehen.
    Doch ich fand letzlich eine Agentur, die ohnehin ein paar Touristen bis zum Vulkan Tunupa brachte.
    Ich musste also eine halbe Tour buchen. Gut es gab schlimmeres.
    Ich machte also das Touriprogramm mit. Im Hilux und mit 4 redefreudigen Kolumbianern ging es nun also quer über den See.

    Eigentlich wollte ich aus Gründen der Überraschung vermeiden, schon über den See zu fahren, aber es ließ sich ncht vermeiden. Unser erster Zwischenstopp war allerdings der Zugfriedhof etwas ausserhalb von Uyuni.

    Es tummelten sich etliche Gruppen von Backpackern und Reisenden an, auf und in den Waggons.



    Es war mir etwas zu viel los, als dass diese schön trostlose Wüstenathmosphäre aufkommen konnte, die dieser Ort sonst sicherlich hatte.

    Es ging von hier aus also direkt auf den See.
    Ich habe ja schon einige leere Flächen gesehen, aber das war schon noch weniger und reduzierter. Ich versuchte aber nicht so viel herauszugucken, da ich mir die Atmosphäre für meine Wanderung aufheben wollte.


    Ojo de Agua - Wasserauge

    An manchen Stellen ist die Salzkruste durchbrochen und das darunter liegende Wasser tritt an die Oberfläche.

    Einen weiteren Zwischenstopp gab es am Monument für die Rallye Dakar, die ja in den letzten Jahren in Südamerika statt findet.


    Monument gebaut aus Salz



    Wir fuhren also weiter nach Norden auf den Vulkan Tunupa zu.
    Hier am Fuße des Vulkanes gibt es eine weitere Atraktion. In einer Vulkanhöhle befinden sich einige prä-Inka Gräber mit Mumien. Die Mumien und die Grabkammern sind in der selben Lage und Position in der sie gefunden wurden. Es wurden damals nur Untersuchungen vor Ort durchgeführt.
    Sie gehören der lokalen Kultur an uns sind in die Zeit kurz vor der Inkaokupation zu datieren.




    Mumien in den Grabnischen


    Abendstimmung



    Es wurden dann noch die obligatorischen Fotos mit dem Perspektivenspiel gemacht, wo einer ganz groß ist und die anderen auf der Handfläche hält und so weiter und so fort.
    Und da die anderen diese Fotos gemacht haben und sich nicht mehr gemeldet haben, gibts davon halt keine Fotos. Ist ja auch egal, fand icheh was lächerlich.
    In dem nahegelenen Örtchen Coqueza übernachteten wir in einer Herberge. Meine Mitreisenden und der Fahrer versuchten mich noch zu überzeugen, dass ich nicht zu Fuß gehen soll, das sei viel zu gefährlich.
    Ich hab mich nicht beirren lassen.

    Einer muss ja machen

    Also ging es am nächsten Morgen mit dem allerersten Morgenlicht los auf den See.

    Hier nahe des Ufers gibt es noch einige Wasserflächen, die ein fantastisches Lichtspiel in der Dämmerung schaffen.


    Götterdämmerung



    Und so ging es los. Ich startete meinen Marsch durch eine der leersten Landschaften der Erde.


    Man blickt hier über 100 km. weit. Im Vordergrund die Isla de pescados

    Nun was kann man über den Marsch über den Salar sagen?
    Es ist ähnlich wie andere Wüsten, die ich schon bereist habe, aber noch extremer, da es absolut gar nichts zu sehen gibt.
    Alles was am Salar interessant ist, sind genau die Dinge, die nicht der Salar sind. Die Inseln, die Bergketten, oder ein einsamer Jeep, der durch die Landschaft fährt.
    Der Salar ist eigentlich das Gegenteil einer Landschaft, eine Antilandschaft.

    Hinter mir konnte ich zusehen, wie der Vulkan Tunupa immer kleiner wurde.



    Vor mir lag die gähnende Leere.
    Konnte ich früh am Morgen noch winzig klein die Insel Incahuasi sehen, verschwand sie im verlauf des Tages durch die Lichtbrechung am Horizont. Inseln wurden zu schwebenden Inseln, durch diese optische Täuschung.
    Dennoch war die Navigation kein Kunststück. Es hieß einfach weiter geradeaus zu gehen.


    Mein Tagesziel


    Fast wie ne Wintertour, nur in Salz


    Eine leere, kristalline Welt

    Irgendwann kam ich der Mitte des Sees immer näher und es passierte überhaupt nix. Man konnte weder vor, noch zurück sehen dass sich was änderte. Zwei, Fünf, Zehn Kilometer. Es geschah absolut gar nix.
    Und da ich auf der wenig befahrenen Nordroute unterwegs war, sah ich auch kein Auto.
    Mein Geist schaltete nach einigen Stunden wieder in den Leerlaufmodus. Gedanken zogen vorüber und es blieb irgendwann nur noch die Leere. So wie Außen, so auch innen.


    Mehr Einfachheit geht nicht

    Endlich tauchte nach einer gefühlten Ewigkeit, wieder die Insel am Horizont auf und es sah gut aus, denn sie wurde immer größer.


    Endlich



    Still zieht diese Landschaft, die aus meinen Träumen sein könnte an mir vorbei.

    Welch ein Unterschied zu dieser Reizüberflutung im Regenwald noch ein paar Wochen vorher und dennoch ist es die selbe Welt. Nur ein paar Hundert km. von einander entfernt.

    Es müssen die Berge gewesen sein, derer man stets einige irgendwo am Horizont sehen kann, die mich nicht diese extreme Leere und Einsamkeit haben spüren lassen, wie etwa in der peruanischen Küstenwüste, oder dem Erg Ouarane.
    Denn allein der Anblick der Berge, zeigt einem, dass es irgendwann vorbei ist und da hinten am Horizont wieder etwas anderes kommt.


    Die einzige Abwechslung auf dem Wege


    Und so gut wie geschafft

    Nach gut 40 km. Marsch erreichte ich am frühen Nachmittag die Insel Inkahuasi (Das Haus der Inka)
    Nach dieser völligen Einsamkeit, war ich nun geworfen in den vollen Touristentrubel.
    Alle organisierten Touren kommen natürlich bei der Inkahuasi an und es wimmelte von Leuten.

    Ich musste mich erstmal sammeln, denn der Marsch war härter als gedacht. Mit ungedämpften Bergschuhen und einem schweren Rucksack über betonharten Boden zu laufen hat irgendwann ziemlich weh getan.

    Die Insel ist berühmt für ihre unzähligen Kakteen. Diese Echinopsis Atacamensis genannte Spezies wächst extrem langsam und einige Exemplare hier werden wohl über die 2000 Jahre alt sein.


    Auf der Insel




    Welch eine bizarre Welt. Im Hintergrund der Vulkan Tunupa



    Ein Souvenirshop und selbst Toiletten wurden für die Touristen eingerichtet. Neben den Arbeitern die hier periodisch leben, lebt ein altes Pärchen seit Jahrzehnten als einzige permanente Bewohner der Insel.
    Als sie erfuhren dass ich zu Fuß unterwegs bin, luden sie michzu Kaffee und Suppe ein und lagen mir ihr Gästebuch vor. Hier schreiben sich alle rein die auf ungewöhnliche Art und Weise anreisen. Mit dem Mopped, Fahrad oder zu Fuß.
    Aber zu Fuß kommt so gut wie niemals jemand. Ich war dieses Jahr der erste.

    Ich konnte im Abstellraum übernachten, was besser war als das Zelt bei dem extremen Wind aufzuschlagen.




    Abendstimmung

    Am nächsten Tage ging es dann also genau wie vorher weiter. Mit dem ersten Sonnenlicht marschiert ich hinaus in die Leere.
    Mein Ziel war es den See heute zu verlassen. Das würden nocheinmal 45 km. sein.


    Es ging in Richtung dieser Berge

    Und wie am vorigen Tage, verließ ich meinen Hafen und ging hinaus ins Meer aus Salz.



    Und wie auch gestern geschah wieder nix.



    Und ich lief und ich lief und ich lief.



    Das Einschätzen von Distanzen misslingt meist komplett. Es gibt überhaupt keine Anhaltspunkte und man meint etwas 50 km. entferntes, ist eigentlich zum greifen nah.


    Welch freudige Abwechslung

    Heute sollte ich mehrere Autos sehen, aber die meisten kümmerten sich nicht um mich und fuhren einfach weiter.
    Es war auch besser so. Eine Landschaft wie diese, kann man eigentlich nur alleine erleben und genießen.


    Hier wird Salz abgebaut


    Das Ende des Sees rückt immer näher

    Es waren noch ca. 12 km. zu laufen. Das kleine Dorf Chuvica war schon in Sichtweite, als ein extremer Gegenwind aufkam.
    Ich musste mich richtig dagegen stemmen und kam kaum noch voran.
    Es war ein absoluter Wahnsinn und irgendwann schrie ich selbst den Wind an.
    Dann musste noch eine Ebene mit Salzschlamm durchquer werden.

    Irgendwann kam ich langsam auf festen Boden. Ich hatte den den größten Salzsee der Erde zu Fuß durchquert. Irgendwie war es mir erstaunlich egal. Ich war einfach froh wieder Pflanzen zu sehen.


    Wilde Vicunas und das erste bischen Gras

    Mit wirklich letzter Kraft nach 45 km. kam ich in Chuvica an und zeltete am Dorfrand.
    Im Dorf gab es eine große Herberge für all die Gruppen, die hier weiter ins Altiplano fahren.
    Hier wurde ich noch von einem französischen Pärchen zum Essen eingeladen, denn sie hatten mich zuvor mit dem Rucksack herumlaufen sehen und konnten es kaum fassen, dass jemand sowas zu Fuß macht.


    Chuvica

    Was sollte ich jetzt machen? Den See hatte ich durchquert. Das war mein Ziel. Aber ich beschloss noch etwas weiter zu marschieren, durch die Altiplanosteppe.
    Karten und GPS hatte, also warum nicht einfach weiter.

    Es war eine karge Wüstensteppe, aber verglichen mit den letzten beiden Tagen, die totale Reizüberflutung.
    Es gab wieder Pflanzen, Tiere, Steine, überhaupt etwas anderes als nur flaches Salz.


    Durchs Altiplano




    Kleines Dorf

    Das Altiplano ist nicht mehr die totale Abgeschiedenheit. Es gibt immer wieder kleine Dörfer, Weiler und Felder.
    So marschierte ich von Dorf zu Dorf.






    Chullpas - Begräbnistürme aus der Inkazeit

    Es gab hier in der Steppe wirklich viele Vicunas




    Hallo !


    Und Chinchillas

    Mich umfing eine seltsame Gleichgültigkeit. Ich hatte kein großes Ziel mehr vor Augen und lief einfach so vor mich hin.
    Mal sehen wie lange ich noch weiterlaufen würde.




    Oh je, Fech Fech gibt es auch in Südamerika


    Parade der Staubteufel

    Drei Tage verbrachte ich noch im Altiplano. Lief weiter, pausierte in Dörfern, blieb etwas länger, freundete mich mit den Einheimischen an, starrte auf die Vulkane.



    Ich erblickte in einer kleinen Salzpfanne in der Ferne, einen Zug. Er schien zu schweben statt zu fahren. Durch die Lichtbrechung waren die Räder des Zuges nicht zu sehen und so schwebte dieser Zug völlig lautlos und gleichmäßig durch die vulkanische Einöde.
    Ein surreales Bild, welches zu dieser surrealen Landschaft passte.

    Der schwebende Zug


    Bahnübergang im Nirgendwo


    Wohin mögen diese Schienen wohl führen ?







    Ich hätte theoretisch weiterlaufen können. Eventuell bis nach Chile. Es fehlte mir aber etwas an der Ausrüstung. Schon jetzt hatte ich mit den heftigen Winden und der Kälte zu schaffen und mein Zelt war nicht für die extremen Winde gemacht, die weiter oben auf dem Hochplateau bei nahezu 5000 m. herrschen.
    Es war mir auch irgendwie egal. War ich hier oder dort. Wo war der Unterschied? Der Salar de Uyuni scheint jegliche Bedürfnisse ausgeschaltet zu haben.

    Ich hatte noch genug Wasser also blieb ich noch eine Nacht irgendwo in der Pampa. Danach wollte ich umkehren und sehen was ich so als nächstes machen kann. Oder einfach einige Tage im Dorf bleiben.




    Der letzte Abend

    Was sollte ich jetzt machen? Sollte ich überhaupt irgendetwas machen? Mir würde schon etwas einfallen. Oder auch nicht.


    Rückblickend betrachtet war dies eine seltsame Erfahrung. Anders als alles andere was ich jemals vorher getan hatte.
    Man kann die Wanderung nicht direkt als "schön" bezeichnen. Über große Zeiträume war auf dem See einfach gar nichts. Nix positives, nix negatives, keine Gedanken, einfach gar nichts.
    Direkt nach dem Erlebniss habe ich mir gesagt, dass ich das nie wieder tun werde. Aber mitlerweile denke ich anderes darüber. Ich könnte mir wirklich vorstellen es nocheinmal zu tun. Dann aber die lange Strecke und ohne Zwischenstopp auf einer Insel.
    Geändert von Intihuitana (20.03.2020 um 13:15 Uhr)
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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    Respekt vor dem Fußmarsch über den Salar! Warum hast auf der Touri-Insel genächtigt? Es gibt noch andere, Kakteen und Chinchillas habe sie alle, Menschen (und Wasser) nicht.
    Danke für die Fotos aus dem altiplano, da kommen viele Erinnerungen hoch. Auch LaPaz erscheint vertraut, obwohl ich es noch ohne Seilbahn kenne.
    Grüße von Tilmann

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    Avatar von Intihuitana
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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    Zitat Zitat von TilmannG Beitrag anzeigen
    Respekt vor dem Fußmarsch über den Salar! Warum hast auf der Touri-Insel genächtigt? Es gibt noch andere, Kakteen und Chinchillas habe sie alle, Menschen (und Wasser) nicht.
    Danke für die Fotos aus dem altiplano, da kommen viele Erinnerungen hoch. Auch LaPaz erscheint vertraut, obwohl ich es noch ohne Seilbahn kenne.
    Grüße von Tilmann
    Ich wusste ja vorher, dass da Touristen hinkommen, hab aber echt nicht den Mengen gerechnet.

    Hätte ich es gewusst, hätt ich wohl auf einer anderen Insel genächtigt.
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  6. Fuchs
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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    Klingt nach einer krassen Erfahrung.
    Vor allem Selbsterfahrung.
    Ich habe mir oft vorgestellt wie sich das anfühlt, das grönländische Inlandeis zu überqueren.
    Bis auf die Brüche am Anfang und am Ende nur weiße Weite mit nichts.
    Garnichts. Noch weniger.
    Wochenlang. Puh.
    Oben gewesen bin ich schon, aber nur für Stunden.
    Da war es einfach faszinierend.
    Aber Tag für Tag, Woche für Woche.
    Abwechslung bringt nur das Wetter.
    Kalender *Papageitaucher 2021* Familienplaner
    Das Wetter, das man jeden Morgen in sich selber macht, ist viel wichtiger als das Wetter draußen. Fynn

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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    Zitat Zitat von Meer Berge Beitrag anzeigen
    Klingt nach einer krassen Erfahrung.
    Vor allem Selbsterfahrung.
    Ich habe mir oft vorgestellt wie sich das anfühlt, das grönländische Inlandeis zu überqueren.
    Bis auf die Brüche am Anfang und am Ende nur weiße Weite mit nichts.
    Garnichts. Noch weniger.
    Wochenlang. Puh.
    Oben gewesen bin ich schon, aber nur für Stunden.
    Da war es einfach faszinierend.
    Aber Tag für Tag, Woche für Woche.
    Abwechslung bringt nur das Wetter.
    Mich begeistern solche Leeren.

    Orte wie die Tanezrouft, Majabat al Koubra oder die großen Inlandseisschilde.
    Eigentlich ist es fast schon absurd, so lange Wege auf sich zu nehmen nur um an einen Ort zu reisen wo es nichts gibt.
    Aber zumindest in Europa ist es schwerer als man meinen mag, Nichts zu finden.
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  8. Fuchs
    Avatar von Meer Berge
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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    Zitat Zitat von Intihuitana Beitrag anzeigen
    Mich begeistern solche Leeren.

    Orte wie die Tanezrouft, Majabat al Koubra oder die großen Inlandseisschilde.
    Eigentlich ist es fast schon absurd, so lange Wege auf sich zu nehmen nur um an einen Ort zu reisen wo es nichts gibt.
    Aber zumindest in Europa ist es schwerer als man meinen mag, Nichts zu finden.
    Ich kann mir das irgendwie schon gut vorstellen.
    Und würde es auch gerne mal ausprobieren.
    Vielleicht erstmal für eine Woche um zu sehen, was in mir passiert.

    Die einzige Leere, die ich über längere Zeit kennen gelernt habe, ist das Meer. Beim Segeln.
    Das fand ich nach einer Weile langweilig. Aber ich glaube, das lag nicht an der Leere, sondern am Nichtstun.
    Man sitzt zu viel rum. Ob das beim Paddeln besser wäre? Glaube nicht.
    Wenn ich mir leere Landschaften vorstelle, will ich die durchwandern.
    Auch nicht per Rad. Zu Fuß! Allenfalls mit einem Kamel oder einem anderen Last-/Reittier.
    Eigentlich schon interessant, nicht so schnell wie möglich, eher so langsam wie möglich, aber auch so intensiv wie möglich, durch die Langsamkeit.
    Geht dir das auch so?
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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    Zitat Zitat von Intihuitana Beitrag anzeigen
    Mich begeistern solche Leeren...
    Zitat Zitat von Meer Berge Beitrag anzeigen
    ..
    Wenn ich mir leere Landschaften vorstelle, will ich die durchwandern.
    ...
    Eure Begeisterung teile ich absolut. Der Salar, das Inlandeis, Sandwüsten...

    Aber das Bedürfnis sie zu durchwandern, das bekam ich nie. Auf Grönland hatte ich das Inlandeis immer mit großer Faszination im Blick, bin gern und viel auf Gletschern unterwegs gewesen - habe das aber immer als Etappe gesehen.

    Dann stelle ich mir immer den besonderen organisatorischen Aufwand vor, der vor dem meditativen Erlebnis steht. Wasser in den Wüsten, Transport in Grönland...auch meine Touren erforderten natürlich Logistik, aber im Endeffekt konnte ich halt losziehen, mit dem was auf den Rücken geht.

    Aber die Menschen sind verschieden, lasst euch von mir nicht bremsen...
    Grüße von Tilmann

  10. Erfahren
    Avatar von Pero
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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    Vielen Dank für die tollen Berichte. Wie immer spannen und ehrlich und anders!
    Gruß Pero

  11. AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    Vielen Dank für den Bericht, ganz großes Kino!
    So möchtig ist die krankhafte Neigung des Menschen, unbekümmert um das widersprechende Zeugnis wohlbegründeter Thatsachen oder allgemein anerkannter Naturgesetze, ungesehene Räume mit Wundergestalten zu füllen.
    A. v. Humboldt.

  12. Dauerbesucher
    Avatar von Intihuitana
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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    Im wilden Westen

    Na, wo sollte ich denn jetzt hin? Planlos stand ich also wieder in Uyuni rum und überlegt was man jetzt wohl noch so machen könnte.
    Irgendwo noch in La Paz hatte mir jemand erzählt, dass es ein paar Hundert km. im Osten von Uyuni eine hübsche kleine Stadt, namens Tupiza geben solle, die ganz nett sein soll.
    Warum also nicht mal dorthin? Ich hatte keinerlei Plan oder Erwartungen. Aber ich musste meinen Körper etwas ausruhen, nach all den Touren war ich ziemlich abgemagert und brauchte mal einen Ort zum verweilen.

    Also ab nach Tupiza.

    Und welch eine Überraschung. Nachdem man die Altiplanohochebene verlassen hat tat sich eine zerklüftete Halbwüsten-Canyonlandschaft vor einem auf, besetzt von riesigen Kakteen, Akazien, Pfefferbäumen, einsamen Farmen und heruntergekommen Höfen.

    Tupiza hat den rauhen Charme einer Minenstadt mit harten Kerlen, leichten Mädchen und viel Alkohol.
    So geriet ich auch prompt am ersten Abend in eine brenzlige Situation mit zwei betrunkenen Minenarbeitern, einer Nutte und einer resoluten Barbesitzerin, die unter dem Tresen die Machete rausholte um für Ruhe zu sorgen.
    Touristisch ist in Tupiza nicht all zu viel los, wobei es doch immer einige Backpacker hier hin zieht. Vor allem US-Amerikaner scheinen diesen Ort aus einem bestimmten Grund aufzusuchen.

    Die wohl ziemlich berühmten Westerngangster Burch Cassidy und Sundance Kid, hatten sich in in dieser Region vor dem bolivianischen Militär versteckt und wurden dann letzlich im nahegelenen San Vicente erschossen.
    Wie passend die Landschaft für solche Storys doch ist.
    In den zerklüfteten Canyons würden sich sicher noch alte Minen oder andere Geheimnisse finden lassen.
    Niemals würde ich die Füße still halten können.

    Dennoch nutzte ich ein paar Tage zum Ausspannen und nix tun.


    Tupiza, hat ein äusserst angenehmes Klima




    Das günstigste Mittagessen gibt es in der Markthalle



    Bis zur Aussenstelle des Instito Geografico Militar musste ich mich rumfragen, und vernünftige Karten hatte niemand anzubieten.
    Blieb also nur Satellitenbilder und Open Topo Maps auf dem Handy. Das sollte reichen.

    Westlich von Tupiza gab es eine ausgeprägte Canyonlandschaft wovon einer, der Canyon de los Inkas auch touristisch bekannt ist und wo Pferdetouren hin angeboten werden.
    Es war mein Ziel durch den Canyon zu marschieren und dann westlich davon die Bergkette zu durchqueren um in die etwas abgelegeneren Canyons vorzudringen.
    Ich hoffte auf Gold, Silber und den großen Reichtum.

    Nirgendwo in Südamerika habe ich derartig aggressive Straßenhunde und Hofhunde erlebt hier. Es sollen sogar schon Menschen getötet worden sein.
    Ich hielt daher immer drei, vier Steine parat um mir agressive Köter vom Leib zu halten.
    Ich hoffte mal dass sie sich nicht dort irgendwo in den Canyons sammeln und mich zerfetzen würden, wenn ich ums Eck kommen würde.



    Auf dem Weg zum ersten Canyon.


    Der Bühnenbildner hat ganze Arbeit geleistet - für einen Westernfilm


    Die berühmte Puerta del Diablo


    Canon de los Inkas







    Aus irgendeinem Grund muss ich falsch abgebogen sein und landete in einem anderen Canyon, der in einer großen Nordschleife wieder zurück nach Tupiza führte. Es gab da schon keinen Weg mehr über die Berge, weil die Canyons zu steil wurden.
    Na toll musste ich wohl wieder eine Nacht in Tupiza verbringen.

    Bei meinem zweiten Versuch ging ich etwas weiter südlich zu einem weiteren Canyon um dort mein Glück zu versuchen.


    Wieder so ein Durchlass

    Es folgte ein sehr enger wunderschöner Canyon, wo es aber für mich mit dem Rucksack beim besten Willen kein durchkommen gab. Ich ging so weit ich kam und musste also wieder zurück.



    Also musste ich wohl um das Bergmassiv herumlaufen, ein Stück auf der Piste.

    Am Fluss angekommen musste ich diesen erstmal watend durchqueren, was bei diesem niedrigen Wasserstand kein Problem gewesen ist.


    Fotogen sind sie ja, diese Berge



    Es ging dann durch ein riesiges Oued in Richtung der westlich gelegenen Bergkette, wo ich zwei interessante Canyons ausgemacht hatte.



    Selbst ein kleines Gewitter überraschte mich noch und ich rettete mich unter einen uralten Rotpfefferbaum.




    Mein letztes Lagerfeuer in Südamerika

    Ich übernachtete bereits am Taleingang. Es war eine ideale Landschaft für Pumas, von denen es hier viele geben sollte. Ich hoffte noch einen zu Gesicht zu bekommen.

    Am nächsten Tag hatte ich nicht mehr viel Wasser übrig. Vielleicht noch einen halben Liter. Wenn ich im tieferen Canyon kein Wasser finden würde, dann wäre Dursten angesagt, bis ich wieder im nächsten Dorf ankommen würde.


    Auf dem Weg in den namenlosen Canyon


    Papageienartiger




    Ein interessanter Nebencanyon, den ich aber nicht hochgeklettert bin


    Riesiger Pfefferbaum

    Langsam war es echt an der Zeit, dass ich Wasser finde.
    Naturgemäß findet man Wasser in solchen Wüstenschluchten immer recht weit oben, wo sich der Canyon verengt und sich Wasserbecken im undurchlässigen Fels halten.


    Unglaubliche Felsformationen


    Besser als Gold und Silber

    Endlich fand ich Wasser. Es war eine ziemlch eklige Brühe und ich hoffte Flussaufwärts noch bessere Wasserqualität zu finden. Wenn nicht müsste ich wohl damit vorlieb nehmen müssen.
    Ich fand hier auch viele Spuren von Hundeartigen und hoffte, dass es keine wilden Hunde sondern Koyoten oder Andenschakale sein würden.

    Und siehe da, im Talende fand ich wirklich noch fließendes Wasser.
    In den kleinen Wasserbecken lebten sogar kleine Frösche und Fische.



    Von hier ging es ohne Kletterei nicht weiter. Also ging ich etwas zurück und überquerte den Bergkamm, wo es möglich wurde um den Nebencanyon noch zu erkunden.


    Kammüberquerung


    Im Nachbartal







    Hier übernachtete ich noch eine Nacht und machte mich am nächsten Morgen wieder auf den Weg richtung Tupiza.
    Ich wäre gerne länger geblieben, aber meine Reise neigte sich langsam dem Ende entgegen und ich hatte einen langen Rückweg zurück nach Lima anzutreten.

    Es gab nur noch eine letzte Sache, die ich unbedingt noch gemacht haben wollte, bevor ich diesen fantastischen Kontinent verlassen würde...
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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    Einmal 6000 bitte.

    Es ging also über La Paz wieder zurück nach Peru.

    Meine letzte Station war Arequipa.
    Die weiße Stadt ist wohl eine der europäischsten Städte Südamerikas.
    Im Gegensatz zu Cusco, ist Arequipa nicht auf den Ruinen einer alten Inkastadt erbaut, sondern nahezu rein Kolonialspanisch.

    Es tat mir ehrlichgesagt gut wieder mal etwas ganz klassisches Backpacking und Sightseeing zu betreiben.

    Unter anderem besichtigte ich die Altstadt, machte eine der typischen Free walking Touren mit, ging in das Kloster Santa Catalina, wo von ich keine Fotos habe und besuchte auch das sehr sehenswerte "Juanita"-Museum, wo man am Ende noch die sehr gut erhaltene Mumie ansehen kann. Leider sind auch dort keine Fotos erlaubt.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Juanita_(Mumie)




    Die weiße Stadt

    Neben all den Sehenswürdigkeiten (und den schönen Töchtern der Stadt), gab es aber vor allem eine Sache die Arequipa so interessant macht.
    Nahezu direkt vor den Toren der Stadt erheben sich einige der höchsten Vulkane der Erde. davon einige über 6000 m.
    Wohl nirgendwo sonst hat man so einfach die Möglichkeit so einfach, so hohe Berge zu besteigen ohne großartige Bergsteigerische Ausrüstung und Kentnisse.

    Ich wollte unbedingt, bevor ich die Rückreise antrete einmal auf 6000 m. gestanden haben.
    Ursprünglich habe ich daran gedacht, den 6288 m. hohen Ampato, auf dessen Gipfel die Juanita gefunden wurde zu besteigen.
    Dieser liegt aber erstens sehr abgelegen in der Hochlandwüste und sollte eigentlich auch zu zweit in einer Seilschaft begangen werden.
    Dafür fehlte mir leider Zeit und Mittel, so kurz vor Ende der Reise.
    Ich nahm also mit der zweitbesten Option vorlieb. Und entschied mich für den Chachani mit 6057 m.


    Hier will ich rauf

    Der Berg erhebt sich direkt vor den Toren der Stadt und theoretisch könnte man vom Ende der Stadt direkt hoch laufen.
    Die klassische Route ist es, mittels einer Agentur, derer es in der Stadt viele gibt, sich mit dem Jeep bis nahe ans Basecamp auf 5000 m. bringen zu lassen, eventuell einen Guide bis auf den Gipfel zu nehmen und am nächsten Tag wieder auf der selben Route wieder runter zu fahren.
    Irgendwie wäre ich lieber den kompletten Berg hoch und runter gelaufen, aber es hätte mich vermutlich zu viel Zeit gekostet und es gibt nur eine kaum begangene Route auf dem Südhang.
    Ich beschloss es also bei einer nur halb individualistischen Route zu belassen und nahm die Dienste einer Agentur für den Hinweg in Anspruch.
    Ich lieh mir bei der Agentur auch noch ein paar dickere Handschuhe und ab ging es.

    Zusammen mit einigen anderen Bergaspiranten quetschten wir uns in zwei Jeeps und nahmen die endlosen Serpentinen hoch bis zum Ende der Piste.
    Es ist eine Gruppe die mit Guide geht und mit mir noch zwei Leute die solo marschieren.


    Kühler ist am schnaufen


    Wildes Guanako auf der Hochebene



    Da taucht der Chachani schon auf.

    Von hier aus geht es zu Fuß bis zum Basecamp.



    Yareta. Diese Bizarren Pflanzen wachsen extrem langsam und werden mehrere Tausend Jahre alt





    Nach ca. zwei Stunden kamen wir schon am Basecamp an. Das Basecamp liegt auf knapp unter 5000 m. und einige der Wanderer taten sich bereits schwer mit der Höhe.
    Nicht jeder war gut akklimatisiert.


    Chinchilla


    Das Basecamp



    Es wurd eine illustre Runde hier am Basecamp und man vertrieb sich schön die Zeit.

    Zum Sonnenuntergang zeigte sich die Landschaft noch mal in unglaublichem Licht


    Der Vulkan Sabancaya sendet Grüße an die sterblichen

    Um ein Uhr in der Nacht ging es also nur mit dem allernötigsten zum Aufstieg.
    Es handelt sich um einen reinen Wanderaufstieg. Kein einziges mal muss man klettern. Man marschiert über eine ewige Schotterserpentine nach oben.

    Die geführte Gruppe war schon eine halbe Stunde vorher gestartet, meine beiden Solofreunde waren auch schon unterwegs.

    Ich überholte rasch die Gruppe, wo offenbar einige echt mit der Höhe zu kämpfen hatten und habe auch recht schnell meine Freunde eingeholt.
    Durch all die Touren in den Anden, die ich jetzt schon gemacht habe, hat mich die Höhe überhaupt nicht betroffen. Ich konnte fast normal hochwandern, natürlich alles etwas langsamer und mit schwerer Lunge.

    Was mich allerdings umgehauen hat, war die Kälte. Laut Wetterbericht sollte es in diesen Tagen nur ca.- 15 °C kalt sein, doch ich fror wie nix anderes.
    Auf dieser Höhe heizt der Körper nicht mehr richtig und- 15 °C fühlen sich dort locker doppelt so kalt an.
    (Danke Nita übrigens für die Erklärung darüber)
    Selbst mit den dicken Berghandschuhen konnte ich bald meine Finger nicht mehr fühlen, auch meine Zehen waren bald komplett Gefühllos.

    Ich hatte auch meine Freunde bereits überholt und stand vor einem Problem, wo ich wohl nie drauf gekommen wäre.
    Das einzige was mich irgendwie aufwärmte, war der rasche Aufstieg. Würde ich aber in diesem Tempo weitersteigen würde ich viel zu früh vor dem Sonnenaufgang oben am Gipfel ankommen und ständ dann vor einem Problem. Womit sollte ich mich da oben noch aufwärmen?
    Also kauerte ich mich in eine Felsspalte und zitterte mich irgendwie warm. Ich musste also Zeit schinden um nicht zu früh auf dem Gipfel anzukommen.
    Ich hätte locker eine Stunde später aufstehen können, aber richtete mich vorher nach den anderen.

    Selbst mit meiner kleinen Zeitschinderei kam ich noch etwas zu früh auf dem Gipfel als erster an.
    So, zum ersten mal über 6000 m.


    Am Gipfelkreuz

    Ein unglaubliches Gefühl durchströmte mich bla bla bla.. könnte ich jetzt alles schreiben, aber ich hatte zuerst ganz andere profane Probleme.
    Es war schon am Dämmern, aber die Sonne ließ noch auf sich warten. Mir war so unglaublich kalt, dass ich anfing Liegestütze und Kniebeugesprünge zu machen damit mir endlich irgendwie warm wird.
    Und dann geschah es endlich.
    Die Sonne tauchte über den Horizont.


    Gelobt sei die Sonne

    Und dann tauchten sie auch einer nach dem anderen auf.
    Meine beiden Freunde schafften es als nächstes und auch von der geführten Gruppe kamen fast alle an. Nur zwei mussten offenbar umkehren.

    Endlich konnte ich mich auch darüber freuen, wo ich hier überhaupt war und was für ein Moment das war.
    Mit einem kleinen Gipfelgin stießen wir auf unsere Leistung an und bewunderten den unglaublichen Sonnenaufgang.




    Ampato und Sabancaya in weiter ferne


    Gipfelfoto


    Was für ein Bergschatten




    Und wieder am Abstieg

    Langsam war es Zeit wieder abzusteigen.
    Was auf dem Aufstieg mehrere Stunden gedauert hat, ging begab in einer Drei- Viertel Stunde von statten.
    Auf dem lockeren Vulkanschotter konnte man prima herunterrennen und in Windeseile war ich wieder am Basecamp.
    Hier ruhte ich mich erstmal aus und wartete auf die anderen.
    Denn im Gegensatz zu allen anderen ging ich vom Basecamp nicht zurück zu den Autos und ließ mich herunter fahren sondern ich wollte den gesamten Berg durch die Caldera und den langen Westabhang absteigen und an der LAndstraße 34A herauskommen um per Anhalter zurück nach Arequipa zu kommen.
    So würde ich wenigstens eine halb individuelle Route haben.

    Ich verabschiedete mich also von den anderen und versicherte noch ein mal, dass ich wisse was ich tue und machte mich auf den langen Abstieg.

    Zuerst ging es wegelos durch die Vulkanwüste, die Caldera herunter.
    Es tauchten auch bald wieder die ersten Gräser und kleine Kakteen auf.



    Ich lief oberhalb parallel mit einem tiefen Canyon.
    Hier sah ich noch mal von weitem eine Herde wilder Guanakos.



    Das Gehen im oberen Teil war sehr einfach, weil man im Schotter schnell bergab kam. Je mehr Pflanzen und größere Felsen auftauchten, desto schwerer wurde das gehen.
    Ich war froh, dass bald kleine Pfade auftauchten denen ich folgen konnte.
    Sie gingen ziemlich genau in die Richtung die ich mir gedacht hatte und ich konnte ohne großes Improvisieren schnell absteigen.




    Der erste Polylepisbaum taucht auf


    Blick zurück zum Chachani


    Und zum Ampato


    Hier geht es runter




    Endlich wieder in warmen Gefilden



    Ich erreichte irgendwann eine kleine Piste und von dort auch noch recht schnell die Landstraße.
    Im Staub der letzten Kilometer entdeckte ich viele und große Hundespuren.
    Ich hatte keine Lust wieder von Straßenhunden angegriffen zu werden. Ich sammelte ein paar Steine auf, für den Fall der Fälle und sollte Recht behalten.
    Kurz vor der Straße wurde ich noch mal von Straßenhunden angegriffen und musste mich mit Stöcken und Steinen gegen diese besonders aggressiven Köter wehren.

    Von der Straße aus nahm mich ein Truckfahrer zurück nach Arequipa.
    Meine auf dem Aufstieg taub gewordenen Zehen haben zum Teil erst nach zwei Wochen wieder Gefühl gehabt. Zum Glück ist nix abgestorben

    Und das wars dann gewesen. Dies war meine letzte Tour in Südamerika. Ich verbrachte noch zwei Nächte in Arequipa und fuhr von dort nach Paracas wo ich nix besonderes mehr unternahm.
    Gerne hätte ich noch einmal die Küstenwüste durchwandert, aber das muss wohl auf ein andermal verschoben werden.
    Und dann ging es nach Lima und zurück nach Deutschland. Nach fast 4 Monaten Südamerika und unzähligen Abenteuern ging es wieder zurück nach Deutschland.
    Hiermit ist mein Reisebericht zu Ende.

    Für das Fazit der gesamten Reise werde ich noch einen gesonderten Post schreiben.
    Geändert von Intihuitana (11.04.2020 um 22:57 Uhr)
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  14. AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    Zitat Zitat von Intihuitana Beitrag anzeigen

    Der Vulkan Sabancaya sendet Grüße an die sterblichen
    Das ist ja phantastisch! Macht der das ständig oder war das eine Ausnahme?

  15. Dauerbesucher
    Avatar von Intihuitana
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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    Zitat Zitat von Spartaner Beitrag anzeigen
    Das ist ja phantastisch! Macht der das ständig oder war das eine Ausnahme?
    Alle halbe Stunde ca.
    Zumindest in der Zeit in der ich da war.
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  16. Fuchs
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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    Rundrum großartig!

    Ich war noch nie in Südamerika und habe fasziniert mitgelesen. Vielen Dank für den tollen Bericht und die super Bilder!

    Das mit dem Bergschatten auf dem Gipfel ist ja Wahnsinn! Das sollte groß an die Wand!
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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    Ganz großes Kino. Cooler Bericht. Danke.

  18. Fuchs
    Avatar von berniehh
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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    Ein krönender Abschluss die Chachani Besteigung

  19. Erfahren

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    AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    Vielen Dank für den tollen Bericht, hat mich sehr mitgenommen und viele schöne Erinnerungen aufleben lassen. Hut ab vor deinen individual und solo Aktionen.

    Beste Grüße, Robert

  20. AW: [PER,BOL] Zwischen Dschungel, Eis und Wüste - Abenteuer in Südamerika

    Genial, vielen Dnak für den grandiosen Bericht
    So möchtig ist die krankhafte Neigung des Menschen, unbekümmert um das widersprechende Zeugnis wohlbegründeter Thatsachen oder allgemein anerkannter Naturgesetze, ungesehene Räume mit Wundergestalten zu füllen.
    A. v. Humboldt.

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