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  1. AW: [SE] 16 Tage Frust und Lust, Höhen und Tiefen: Anfänger im Sarek

    #81
    Mitreisende: Freedom33333
    Zitat Zitat von Freedom33333 Beitrag anzeigen



    Keine Ahnung ob essbar oder nicht, ich probiere es lieber nicht. Wäre auch etwas weit oben.
    Sind die Beeren der Eberesche (Vogelbeere). Man kann sie essen (nicht giftig) aber durch den Gehalt an Parasorbinsäure sind sie übelkeiterregend. Durch Kochen wird die Parasorbinsäure zu Sorbinsäure abgebaut, dadurch werden die Früchte genießbar.
    So möchtig ist die krankhafte Neigung des Menschen, unbekümmert um das widersprechende Zeugnis wohlbegründeter Thatsachen oder allgemein anerkannter Naturgesetze, ungesehene Räume mit Wundergestalten zu füllen.
    A. v. Humboldt.

  2. AW: [SE] 16 Tage Frust und Lust, Höhen und Tiefen: Anfänger im Sarek

    #82
    Tag 13. Mittwoch 11.9.2019. Am Fuße des Alep Vassjajagasj - rauf auf die Hochebene - Suorkitjahkka - Ebene Östlich des Gierdogiesjtjahkka - oder: Nebel. Einfach nur Nebel.

    Da ich nicht wusste, wann Arjan aufbrechen würde – und ich einen gewissen Respekt vor der Tagesetappe hatte – stand ich recht früh auf.


    Die Stimmung des vergangenen Tages setzte sich fort.

    Langsam ging mir mein Müsli zur Neige. Eigentlich immer meine Lieblingsmahlzeit.Während ich mich also auf mein vorletzes Müsli freue und mir gerade das Wasser dafür noch ein wenig erhitze, komme ich irgendwie gegen den Topf auf dem Kocher und stoße den Topf um. Mein leckeres Müsli kippt auf den Boden und ist verloren.




    Hrrrrnnnggg. Hatte ich das Wort Frust schonmal irgendwo im Thread erwähnt? Immerhin nicht ins Innenzelt. Jedenfalls gibt es in der Folge 150g Salami zum Frühstück. Davon hatte ich 1,4kg mitgenommen und noch reichlich übrig.


    Das Wetter nahm sich nicht viel im Vergleich zu gestern. Klar, hier unten im Tal war es noch nicht nebelig, aber die Wolken sahen beeindruckend aus und es war schon jetzt klar, dass wir früher oder später in den Nebel hineinstoßen würden.




    Nachdenklicher Blick von mir beim Zeltabbau („Wo ist hier bloß die nächste Cocktail-Bar?“), Foto von Arjan

    Dann ging es nach oben auf die Ebene. Zunächst ein wenig durch den Busch – einen Pfad fanden wir hier nur schwerlich – dann, endlich auf einem doch ziemlich guten Pfad rechts vom Alep Vassjajagasj entlang.


    Blick zurück.




    Blick nach vorne

    Ein paar steilere Stellen gab es, aber insgesamt sehr gut machbar. Währenddessen hatten wir immer wieder sehr schöne Ausblicke auf das Wasser, wie es sich von oben herabstürzte. Zunächst ging es durch den Wald, die Baumgrenze kam aber doch recht schnell näher.

    Der Blick zurück ins Rapadalen in Richtung Norden war überaus beeindruckend und entschädigte mich doch ein wenig dafür, dass ich ihn nicht vom Laddebakte bzw. beim Abstieg gestern bewundern durfte.


    Der Fluss an dessen – von hier aus gesehen – linken Ufer wir aufgestiegen sind, rechts der Blick auf das Rapaselet


    Geschlossene Wolkendecke ab einer gewissen Höhe




    Nach einer Weile verlor sich der Pfad. Das war aber kein Problem, der Plan war klar: Schräg nach oben in Richtung Osten.


    Auch die Sicht war zunächst unproblematisch.




    Die Frage „Tschuldigung, wo geht’s hier zur U-Bahn?“ blieb leider unbeantwortet.

    Spannend waren die diversen Flussbette die wir durchqueren mussten. Für diese ging es stets ein gutes Stück steil bergab und dann auf der anderen Seite wieder bergauf. Ohne Schuhwechsel ging hier nichts, dafür waren die Bäche zu breit und zu tief.


    Flussbett #1




    Ich gehe zwischendurch auch mal voran, überließ diese Rolle aber die meiste Zeit Arjan.


    Der Fluss ist tiefer als erwartet.



    Arjan beim Durchqueren des Flusses. Die Story warum er nur einen Stock dabei hatte muss er schon selbst erzählen.

    Ich bin mir beim heutigen Tag leider nicht 100%ig sicher, ob nicht die ein oder andere Begebenheit zeitlich etwas vor- oder nachgelagert war, der Nebel hat doch alles ein wenig überlagert. Im Wesentlichen wechselten sich Nebelbänke, Sonnenschein und sich einschneidende Bachbette ab.


    Blick nach vorne, hier war ein Pfad erkennbar


    Blick zurück


    Direkt in den Nebel hinein!


    Blick ins Tal nach Westen. Ich bin mir nicht mehr sicher welcher Berg das war.




    Hinter diesem Schneefeld kam ein weiteres Bachbett. Dieses war zwar nicht tief, aber die Steine waren ziemlich rutschig.





    Das eine mal machten wir, mitten im Nebel bei einer Sicht von vielleicht 10m, eine Pause. Als wir weiterlaufen wollten herrschte zunächst Uneinigkeit darüber, in welche Richtung wir weitermüssten. Unsere Ansichten unterschieden sich um 90 Grad. Orientierung boten uns am Ende zwei Faktoren: Erstens die Sonne, die von rechts bzw. ca. von Süden kam und zweitens das Rauschen eines Baches, der laut Karte in Kürze zu durchqueren war, also die Richtung nach vorne wies.

    Besonders als wir zwischen dem Suorkitjahkka (1214m) und dem namenlosen Gipfel weiter südlich (1078m) hindurch wollten mussten wir uns gut orientieren, denn noch weiter südlich lag ja der Gipfel des Ridok (978m). Bei unserer Sicht war es jedoch nahezu unmöglich festzustellen, ob wir den Durchgang zwischen dem ersten und zweiten oder dem zweiten und dritten Berg anpeilten.

    Alles was wir im Nebeldust erkennen konnten waren Umrisse die die Interpretation zuließen, dass es sich um zwei Gipfel handeln würde. Aber welche waren es? Ich bin mir im Nachhinein nicht mal sicher, denke aber dass wir den richtigen Weg gewählt haben. Diskutiert wurde auch, ob wir uns wieder südlich oder nördlich halten sollten, da nördlich wohl ein Blockfeld / Geröllfeld lag, das wir umgehen wollten. Dadurch drifteten wir aber am Ende so weit nach Süden ab, dass wir ein Stück am Hang entlangliefen.


    Das erste mal taucht aus dem Nebel das große Flussdelta unterhalb des Skierffe auf.


    Wenige Minuten danach sah es schon wieder so aus.


    Und ein paar Minuten später wieder so


    Blick zurück zum Ridok, der südlichsten Bergspitze. Bei dem Bild kann man den Wind und den Nebel erahnen.


    Blick zum Alep Suobbatjavrre


    Und hier nochmal rausgezoomt

    Die letzte Herausforderung bestand dann darin, sich den Weg über den Gierdogiesjtjahkka zu suchen.


    Gierdogiesjtjahkka links im Bild (Bzw. einer der Vorgipfel)


    Der Blick auf den Nammasj war einfach der Hammer!

    Hierfür ging es zunächst steil bergab zu einem Fluss, nach dessen Durchquerung dafür umso steiler wieder bergauf.

    Da runter zum Flussbett






    Blick nach vorne zu Arjan der vorangegangen ist


    Da Arjan ohne die Schuhe auszuziehen über diverse wackelige Steine - mit einem Stock - vorangeht, muss ich es ihm gleichtun Wackelig wars, aber ich schaffe es unfallfrei.


    Nach relativ kurzer Distanz schien sich der Bach schon ins Tal zu stürzen

    Hier waren die Stöcke nutzlos und mussten verstaut werden, hier war es unabdingbar, die Hände zu Hilfe zu nehmen um sich an den diversen Felsen hochzuziehen. Zunächst fassten wir von weiter oben einen Pfad weiter rechts ins Auge, einmal unten angekommen verzichteten wir aber darauf und suchten uns – Arjan voran – einen direkteren, steileren Weg bergauf. Es ging. Dennoch gebe ich gerne zu, dass ich an dieser Stelle froh war, nicht alleine unterwegs zu sein. Wobei ich mir, alleine, wahrscheinlich einen etwas flacheren Aufstieg gesucht hätte.

    Jedenfalls wenn da nicht der Faktor Zeit gewesen wäre. So viel Zeit bis Sonnenuntergang hatten wir nämlich gar nicht mehr. Und dass man hier nirgendwo ein Zelt aufschlagen könnte brauche ich wohl nicht zu erwähnen.




    Foto von Arjan von mir


    Toller Blick zurück, wenn der Nebel mal weg war



    Der Blick zurück – und der Pfad hinein in den Nebel – waren überaus beeindruckend. Wir liefen direkt in eine Nebelbank hinein Wenn ich meinen GPS-Track richtig interpretiere umrundeten wir den Gipfel auf der nördlichen Seite.

    Beim Aufstieg wurde die Sicht so unfassbar schlecht, dass man sich sehr konzentrieren musste, den anderen nicht zu verlieren. Einmal drehte ich mich um, um ein Foto zu machen – und nach vielleicht 20 Sekunden Stehen statt laufen konnte ich gerade noch den Schemen von Arjan im Nebel verschwinden sehen! Was für ein Abenteuer!


    Und weg ist er

    Irgendwann waren wir endlich ganz oben – nur spät war es mittlerweile geworden, viel zu spät.




    Endlich geht es wieder bergab!


    Dunkel war es geworden

    Und so liefen wir denn in einem überaus hohen Tempo bergab. Das erhoffte Gras ließ lange Zeit auf sich warten, ewig ging es über ein Blockfeld. Bei unserem Tempo im Nachhinein ein Wunder, dass man sich nicht irgendwo den Fuß verstaucht oder ein Band angerissen hat. Mehrfach fühlten sich Tritte so an, als wäre ich kurz davor.


    Bei einem Schneefeld überlegten wir denn eine Weile, ob wir es betreten könnten, entschieden uns dann aber dafür. Der Weg außen herum wäre zu lang gewesen.

    Dann, endlich wurde es flacher, wir kamen aus dem Nebel heraus und konnten etwas flacheres Gelände erblicken. Ein potentieller erster Zeltplatz wurde mangels Wasser verworfen, ein paar hundert Meter weiter unten fanden wir dann – etwa im Abstand von 50m – zwei geeignete Zeltplätze. Natürlich fing es dann beim Zeltaufbau wieder an zu regnen.


    Unsere Route von heute. In Anbetracht des starken Nebels höchstwahrscheinlich nicht gerade die ideale Routenführung.

    Eine große Frage beschäftigte mich an diesem Abend - wie würde das Wetter morgen sein? Würde sich der Nebel verziehen? Oder müssten wir den Skierffe auch streichen?

    Schnell noch Wasser holen und dann ab ins Bett. An Tagen wir diesen – und Tage wie diese gab es für mich fast nur – war an gemütliches Lesen im Schlafsack nicht mehr zu denken. Schlafsack zu, umdrehen und schlafen. Man war ich froh, diese Tagesetappe bewältigt zu haben.
    Geändert von Freedom33333 (14.01.2020 um 22:42 Uhr)

  3. AW: [SE] 16 Tage Frust und Lust, Höhen und Tiefen: Anfänger im Sarek

    #83
    Du kannst uns doch jetzt nicht hier einfach so schmoren lassen.....
    So möchtig ist die krankhafte Neigung des Menschen, unbekümmert um das widersprechende Zeugnis wohlbegründeter Thatsachen oder allgemein anerkannter Naturgesetze, ungesehene Räume mit Wundergestalten zu füllen.
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    Avatar von Mortias
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    AW: [SE] 16 Tage Frust und Lust, Höhen und Tiefen: Anfänger im Sarek

    #84
    Schade, dass Du die letzten beiden Tage so feuchtes und nebliges Wetter hattest. Auf den Fotos sieht das ja richtig stimmungsvoll und beeindruckend aus. Aber aus Erfahrung würde ich aber mal stark vermuten, dass Du sicherlich nichts gegen etwas bessere Sichtverhältnisse einzuwenden gehabt hättest. Zumal die Route oberhalb des Rapadalens auch wirklich eine geradezu famose Panoramastrecke ist. Bin dann mal gespannt wie das noch weitergeht und die Aussicht vom Skierfe dann war. Zu Beginn des Berichtes hast Du da ja schon ein bisschen was geteasert.

  5. AW: [SE] 16 Tage Frust und Lust, Höhen und Tiefen: Anfänger im Sarek

    #85
    Zitat Zitat von Pfiffie Beitrag anzeigen
    Krass mit den Nordlichertern, so unverhoft. Wie glücklich muss man dann einschlafen können. Und selbst bei Nebel sieht das Rapadalen richtig Mytisch aus.
    Danke .

    Happy und dankbar war ich in der Tat, aber erstaunlich fand ich, dass die Komponente der Unsicherheit, ob die Fotos etwas taugen, hinzukam. Wer weiß wie oft man so eine Gelegenheit hat. Gerade die Unschärfe der anfänglichen Fotos hat mich doch arg verunsichert. (Exkurs: habe mir gerade ein manuelles Objektiv zugelegt und habe beim ersten Versuch kein einziges scharfes Foto hinbekommen. Bin ich froh dass ich für die Sarek-Tour das KIT-Objektiv dabei hatte und nicht volles Risiko gegangen bin).

    Zitat Zitat von Mika Hautamaeki Beitrag anzeigen
    Geniale Atmosphäre, die Du sehr gut eingefangen hast. Und die Fotos von den Nordlichtern sind genial.
    Vielen Dank! Wobei man fairerweise dazu sagen muss, dass diese durch die längere Belichtungszeit auf den Fotos doch ein Stück stärker zur Geltung kommen als es in der Realität war. Vergleiche hier:
    https://blickgewinkelt.de/wie-polarl.../#wirklichkeit

    Bearbeitet habe ich dagegen kein einziges Foto von den Nordlichtern. Müsste ich eigentlich auch nochmal probieren, was sich da noch rausholen lässt.

    Zitat Zitat von Mika Hautamaeki Beitrag anzeigen
    Sind die Beeren der Eberesche (Vogelbeere). Man kann sie essen (nicht giftig) aber durch den Gehalt an Parasorbinsäure sind sie übelkeiterregend. Durch Kochen wird die Parasorbinsäure zu Sorbinsäure abgebaut, dadurch werden die Früchte genießbar.
    Na da traue ich mich irgendwo im Sarek lieber nicht ran.

    Zitat Zitat von Mika Hautamaeki Beitrag anzeigen
    Du kannst uns doch jetzt nicht hier einfach so schmoren lassen.....
    Das ist leider äußerlichen Zwängen geschuldet, da das Schreiben eben doch immer recht viel Zeit in Anspruch nimmt. Bilder sichten, Text anhand der Bilder und der Karte schreiben, die besten Bilder auswählen, fürs Forum verkleinern, Hochladen, in den Text einfügen, Bildunterschriften anhand der Karte hinzufügen. 4-5 Stunden ist man da schon beschäftigt. Gerade beim Schreiben des Texts beobachte ich auch bei mir, dass ich dafür in der richtigen Stimmung sein muss, dann schreibe ich den auch immer an einem Stück runter. Aber es macht ja auch Spaß. Vielen lieben Dank jedenfalls für das Feedback .

    Zitat Zitat von Mortias Beitrag anzeigen
    Schade, dass Du die letzten beiden Tage so feuchtes und nebliges Wetter hattest. Auf den Fotos sieht das ja richtig stimmungsvoll und beeindruckend aus. Aber aus Erfahrung würde ich aber mal stark vermuten, dass Du sicherlich nichts gegen etwas bessere Sichtverhältnisse einzuwenden gehabt hättest. Zumal die Route oberhalb des Rapadalens auch wirklich eine geradezu famose Panoramastrecke ist. Bin dann mal gespannt wie das noch weitergeht und die Aussicht vom Skierfe dann war. Zu Beginn des Berichtes hast Du da ja schon ein bisschen was geteasert.
    Ja, man fragt sich oft „Was wäre gewesen wenn“. Aber ein weiser Mann hat mal gesagt:
    „Aber die Natur ist nicht immer schön. Sie ist auch rau, nass, kalt, stürmisch und hart.“
    Es gehört eben doch alles dazu. Wichtig ist, dass es sich die Waage hält – ich denke das war bei mir insgesamt der Fall – und dass man nicht alle Highlights, die man sich vorgenommen hat, verpasst. In meinem zweiten Schottland-Urlaub wollte ich z.B. unbedingt den einen Munro machen, konnte ihn wetterbedingt aber nicht machen. Dafür war ich dann auf zwei anderen Bergen die absolute Highlights waren.

    Und: Die besten Momente müssen ja nicht immer in der Aussicht bestehen, die andere als „objektiv bestes“ Highlight betrachten. So würde ich meine wunderschönen Tage im Algavagge und Niejdariehpvagge gegen nichts eintauschen wollen.

  6. Fuchs
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    AW: [SE] 16 Tage Frust und Lust, Höhen und Tiefen: Anfänger im Sarek

    #86
    Ich muss mal zuhause schauen was das war, es gibt so eine manuelle unendlich Schärfeeinstellung, dann sind Objekte im Vordergrund und Himmel scharf, so hat es bei mir ganz gut geklappt. Aber das kann ich total nachvollziehen, so ging es mir in Singi auch und mir war arschkalt . In dem Moment kommt dann schon mal Hektik auf, man will den Moment ja unbedingt einfangen. Ist die gleiche Hektik wenn man plötzlich einen Elch sieht der jeden Moment weg sein könnte.
    "Freiheit bedeutet, dass man nicht alles so machen muss wie andere"

  7. AW: [SE] 16 Tage Frust und Lust, Höhen und Tiefen: Anfänger im Sarek

    #87
    Zitat Zitat von Pfiffie Beitrag anzeigen
    Ich muss mal zuhause schauen was das war, es gibt so eine manuelle unendlich Schärfeeinstellung, dann sind Objekte im vordergrund und Himmel scharf, so hat es bei mir ganz gut geklappt. Aber das kann ich total nachvollziehen, so ging es mir in Singi auch und mir war arschkalt . In dem Moment kommt dann shcon mal hektik auf, man will den Moment ja unbedingt einfangen. Ist die gleiche Hektik wenn man plötzlich einen Elch sieht der jeden Moment weg sein könnte.
    Hm ja es gibt meines Wissens (Anfänger! Youtube-Videos!) zwei Möglichkeiten: (1) Auf unendlich scharf stellen (2) Auf ein Objekt im Vordergrund scharfstellen mit der "Hyperfokalen Distanz", diese ist der Mindestabstand zum Objekt der einzuhalten ist und orientiert sich an der Blende und der Brennweite (=mm) Bereich der Kamera, wobei hier nochmal differenziert werden muss nach Sensor (Vollformat vs. Systemkamera).

    Soweit die Theorie. In der Praxis ist es aber eben doch nicht ganz so einfach. Ich war gestern Wandern und habe versucht die Sterne scharf zu stellen mit meinem neuem Samyang 12mm, aber es ist mir nicht so richtig gelungen. Ein bisschen Übung erfordert es eben doch. Aber bei Sternenotografie / Nordlichtern hilft der Autofokus sowieso nicht, da muss man eh manuell fokussieren.

  8. Fuchs
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    AW: [SE] 16 Tage Frust und Lust, Höhen und Tiefen: Anfänger im Sarek

    #88
    Hoffe das ist nicht zu viel OT: bei mir war der größte Fehler: Das Auslösen und kein Stativ. Ich habe dann ein kleines 15cm hohen Gummistativ gekauft und die Kamera auf 2sec. auslösen nach drücken gestellt, denn der erste Wackler macht das ganze Foto unscharf. Aber ich vermute das war bei dir nciht der Fall
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  9. AW: [SE] 16 Tage Frust und Lust, Höhen und Tiefen: Anfänger im Sarek

    #89
    Tag 14. Donnerstag 12.9.2019. Ebene östlich des Gierdogiesjtjahkka – namenloser Gipfel 1044m – Skierffe – Aktse. Oder: Atemberaubende Aussichten – und zurück in der „Zivilisation“.

    Am nächsten Morgen war der Nebel wie geggeblasen. Dafür war der Himmel wolkenbedeckt – und die Wolken brachten wieder mal eine tolle Atmosphäre mit sich.


    Blick nach Süden zur Hügelkette mit dem namenlosen Gipfel auf 1044m, ggf. der Skierffe dahinter


    Blick nach Südwest, im Hintergrund Arjans Zelt


    Blick nach Nordost, wohl einer der beiden auf der Karte eingezeichneten Seen

    Wir diskutierten kurz die Optionen, verwarfen aber die Idee, direkt mit wenig Gepäck zum Skierffe zu Laufen und erst danach zurück zu den Zelten. Das hätte uns einiges an Zeit erspart – und wir hatten einige Bedenken, dass der Nebel zurückkehren könnte – wäre aber sinnlos gewesen, da wir relativ weit im Norden auf der Ebene waren und wir in Richtung Aktse ohnehin direkt am Skierffe vorbei mussten.

    Die Sicht war perfekt und die Orientierung war eigentlich auch recht klar. Bei der Bergspitze hinter uns tippte ich auf den Suorkisjnjurttje und nicht den Gierdogiesjtjahkka.

    In den anderen Richtungen fehlte es an klaren Orientierungspunkten. Die großartige Weite in Richtung Osten war eindeutig zuzurdnen. In Richtung Süden gab es ein wenig Raum für Interpretationen, der sichtbare Gipfel hinter der Hügelkette war wahrscheinlich der Skierffe, der Berg ganz links könnte der Bassoajvvve sein. Jedenfalls gehörte bei der Hügelkette irgendwo der Gipfel auf 1044m dazu, also peilten wir eine der flacheren Stellen zwischen den Hügeln an.


    Also erstmal zur Hügelkette.


    Blick nach Südost


    Eine wahnsinnige Weite im Osten


    Beeindruckende Wolken


    Sieht noch jemand außer mir die „Maus“ in Übergröße?

    Oben angekommen war bereits der Blick zurück einfach nur wunderschön.



    Die meiste Zeit hatte ich ja klare Begrenzungen durch Berge links und rechts der Täler gehabt - das hier war nochmal etwas anderes. Ich hätte gute Lust gehabt, einfach geradeaus dort hineinzuwandern, aber das Tagesziel war ja klar.


    Arjan ein Stück hinter mir

    Oben angekommen erblickten wir dann in der anderen Richtung den Skierffe, daran gab es keinen Zweifel. Auf dem Weg dorthin ging es zunächst nochmal ein Stück bergab, wobei ein paar kleine Rinnsaale zu durchqueren waren.


    Links der Skierffe, rechts der Tjahkelij jenseits des Flussdeltas

    Die dunklen Wolken am Himmel mahnten uns zur Eile – nichts wäre ärgerlicher, als die tolle Aussicht wegen Wolken um ein paar Stunden oder auch nur eine halbe Stunde zu verpassen.


    Auch Rentiere gab es auf dieser tollen Ebene.


    Blick relativ nah an der Kante, hineinragend in das Tal wahrscheinlich die Kette mit dem Ridok, bei den Bergen dahinter würde ich auf das Gadoktjahkka tippen.


    Hier nochmal rausgezoomt

    Als wir uns der Kante gen Tal näherten fragte ich mich schon ein wenig, warum wir so einen Umweg gelaufen waren und den Gierdogiesjtjahkka umrundet hatten, andererseits war der Nebel einfach nur heftig gewesen und einige Stellen am rechten Hang hatten doch eher abschüssig ausgesehen. Und im tiefen Nebel wählt man eben lieber die sichere Option.

    Arjan wollte am Fuße des Skierrfe angekommen den Rucksack unbedingt abstellen, ich dagegen hatte mir in den Kopf gesetzt, ihn mit nach oben zu nehmen. Es würde ja doch ewig dauern, sich zu entscheiden, was man mitnehmen müsste. Außerdem beschlug meine Linse wiederholt und nichts wäre ärgerlicher, als da oben zu stehen und dann kein Tuch dabei zu haben.

    Ich hielt mich beim Aufstieg weiter südlich, relativ nahe an der Kante, Arjan etwas weiter nördlich.


    Der Blick ins Tal – ich kann es nur schwer beschreiben, der Felsen in der Mitte des Tals ist der Nammasj.
    Bis zum Gipfel überholte mich Arjan zwar noch knapp, blieb aber zunächst durch die Packaktion ein gutes Stück zurück. Weiter oben konnte ich noch ein Pärchen sehen, die gerade beim Abstieg waren, allerdings begegneten wir uns nicht direkt, sodass ich mit diesen nicht ins Gespräch kam.

    Der Gipfel kam näher.
    Man war ich nervös.
    Gespannt.
    Gut erinnerte ich mich an die phänomenalen Fotos vom Skirffe aus dem Bericht von drtech.
    Und nun war ich hier.
    Nicht am PC.
    Nicht beim Lesen eines Reiseberichts.
    Sondern ich, live, nach fast 2 Wochen Trekking durch die Wildnis.
    Drei.
    Zwei.
    Eins.
    BAM! DER HELLE WAHNSINN. Was für eine Aussicht! Egal in welche Richtung man blickt!

    Und zunächst hatten wir die Aussicht sogar für uns.

    Blick nach Südost


    Blick nach Südwest, ganz unten der Sajvva

    Es folgten zig Fotos. Vor allem die krasse Kante war ein wenig scary. Man muss sich das so vorstellen: Oben eine Art Plateu, wenn auch mit mehreren Felsen – und auf der einen Seite geht es steil bergab. Wirklich steil.


    Wer da runter fällt ist mausetot.


    Auch der Blick zurück nach Norden konnte sich Sehen lassen.


    Danke an Arjan










    Und hier nochmal eine Gesamtaufnahme


    Freiheit! Die pure Freiheit! Wahnsinn!




    Arjan beim Fotografieren.


    Und hier noch die Perspektive, die er bei diesem Foto hatte vom westlichen Ende der Plattform.



    Nach einer Weile stießen noch zwei Männer in meinem Alter dazu. Kaum hatten die ein paar Worte mit Arjan gewechselt, begrüßte ich sie auch schon auf Deutsch. Den deutschen Akzent kriegt man einfach nicht weg. Witzigeweise hatte einer der beiden ebenfalls die Sony A 6000 dabei – und zwei kreative Foto-Ideen, die ich ihm direkt mal klaute.

    Erstens: Sportmodus und in die Luft springen. Das war schon unheimlich genug. Daher möge man mir verzeihen, dass ich nicht multitaskingfähig genug war, dabei auch noch zu Lächeln - ich war mehr damit beschäftigt zu Springen und beim Landen nicht zu Stolpern.





    Zweitens – und da musste ich lange mit mir ringen – sich an die Kante setzen. Das fiel auch den beiden anderen nicht gerade leicht und langsam tasteten wir uns – erst im Liegen – an eine geeignet erscheinende Stelle vor. Und während ich diese Zeilen schreibe, merke ich, wie mir die Hände nass werden. Boah. Es war so scary! Ich konnte die beiden beoachten, wie sie sich an die Kante setzten – und musste dennoch lange Zeit mit mir ringen, ob ich das auch wollte. Einerseits denkt man sich:

    Ja klar, unbedingt.
    Wie oft ist man schon an so einem beeindruckenden Ort?
    Wie oft hat man die Gelegenheit dazu?
    Außerdem will sich nicht hinterher ärgern, dass man sich nicht getraut hat.

    Und anderseits: Woher weiß man, dass der Felsen wirklich fest im Boden ist? Was, wenn er doch locker ist? Also Nachmachen auf eigene Gefahr. Wer hier mitliest und Bergsteigen oder Klettern geht wird mich für diese Gedanken wahrscheinlich auslachen, für mich war es krass. Man sitzt im Büro, geht seinem Leben nach, hat wahrscheinlich noch 40-50 Jahre – und riskiert dann, für ein dummes Foto, dass alles von einem Moment zum anderen enden kann. Sowas geht einem da durch den Kopf wenn man das nicht gewohnt ist.



    Ich ringe mich dann doch dazu durch. Großes Dankeschön an einen der beiden Jungs für das tolle Foto! Das war nicht gerade leicht, musste er sich dafür doch auch an die Kante stellen und dann, den Arm ausgestreckt und ohne Hinzuschauen, eine Reihe von Fotos machen.


    An dieser Stelle auch noch mal ein herzliches Dankeschön an Arjan für den gemeinsam bewältigten Abschnitt!

    Eine eigene kreative Foto-Idee hatte ich dann aber auch noch:



    Der Wind war so stark, dass er mir fast den Topf die Kante runterwehte, also musste ich ihn erst noch mit einem Stein beschweren. Da an der Kante sitzen und sich einen Tee kochen wäre mir dann in dem Wind doch zu krass gewesen. Auch die Idee, das Zelt kurz für ein Foto aufzubauen verwarf ich – beim nächsten Windstoß wäre es ja doch über die Kante geweht und weg gewesen.

    Irgendwann brach Arjan auf – ich wollte noch ein wenig bleiben – und so verabredeten wir uns, uns in Aktse wiederzutreffen. Das war zwar eigentlich nicht direkt auf meinem Weg, aber ich hatte so viel davon hier im Forum gehört, dass ich einfach gespannt darauf war, wie man sich EINE Hütte – so mein Gedanke – hier in der Wildnis vorstellen musste.

    Ein wenig später – zu spät – machte ich mich dann auch auf, verabschiedete mich von den Deutschen (die wohl dort in der Gegend einen Zeltplatz suchen und den Sonnenaufgang mit Timelapse festhalten wollten) und ging die letzten paar Kilometer an.


    Blick nach Norden zum Gierdogiesjtjahkka

    Und tat mich – wieder einmal mit ständigem Blick auf die Uhr und ein wenig unter Zeitstress – erstaunlich schwer mit der Orientierung. Es dauerte eine ganze Weile, bis ich endlich den Pfad gefunden hatte.





    Die Steine waren groß und zahlreich und das Absteigen beschwerlich. Falls es einen Pfad gibt, habe ich ihn jedenfalls beim Abstieg verpasst. Vor allem war ich mir nicht sicher, ob ich den Berg links oder rechts umrunden musste.

    Blick zurück zum Skierffe


    Östliches Ende des Tjahkelij


    Irgendwann hatte ich dann endlich den Pfad gefunden



    Irgendwo hier stand eine Art Verkehrsschild herum – als eine Herde Rentiere dieses passierte schaffte ich leider auf die Schnelle kein scharfes Foto, aber es war ein wirklich witziges Motiv (leider hatte ich die Belichtungszeit noch zu hoch)


    Ansonsten kann ich über den Weg noch Folgendes berichten: Zunächst durch die typische Landschaft
    wurde der Pfad irgendwann links und rechts von Gestrüpp begrenzt – und der „Pfad“ selbst bestand einfach nur aus purer Matsche. Alles andere als angenehm zu gehen.




    Große Pilze gab es hier.




    Ein letzter Blick zurück nach Westen

    Irgendwann stieß ich dann endlich auf den Kungsleden und folgte diesem noch ein kleines Stück bergab nach Aktse, leider schon in der starken Dämmerung, sodass ich sogar meine Stirnlampe hinzuziehen musste. Es war ein komisches Gefühl, nach so einer langen Zeit wieder bei menschlichen Behausungen anzukommen. Aktse besteht aus einigen Hütten (Küche / Brennholzlager, Shop, Sauna, Toiletten und einige Hütten mit Räumen / Betten, ich war leider nicht drin.)

    Die Kosten für einen Platz in einer der Hütten waren mir mit ca. 45€ ? dann doch deutlich zu teuer und so zahlte ich ca. die Hälfte dafür, mein Zelt aufschlagen zu dürfen und die Gemeinschaftseinrichtungen zu benutzen.

    Es war doch ein wenig amüsant. Für die letzten 2 Wochen hatte es genau einen Ausrüstungsgegenstand gegeben, der:
    - mit Abstand am nutzlosesten war
    - ganz unten im Rucksack verstaut war
    - bei dem ich mich aber kein einziges mal (!) gefragt hatte, ob er denn noch da sei
    - hier dagegen war es der erste, den man brauchte
    - und ohne ihn hätte man hier auch sein Zelt nicht aufschlagen dürfen - nichmal im Umkreis von einigen 100m

    Und welchen Gegenstand suchen wir?

    Richtig, die Geldbörse. Das ist nicht als Kritik gemeint, aber ich fand es doch einprägsam.

    Die Sauna war natürlich top – wenn auch ein wenig dunkel. Eine eiskalte Dusche gab es draußen – dies schreckte weder Arjan noch mich ab – das absolute Highlight war dagegen, einen großen Eimer mit heißem Wasser (Feuer in der Sauna) zu erhitzen, kaltes Wasser dazu zu geben und sich das warme Wasser über den Kopf zu schütten. Wahnsinn! Dann zurück zum Zelt und ab „ins Bett“. Es war schon spät und es war hier auch nichts mehr los.
    Geändert von Freedom33333 (17.01.2020 um 14:59 Uhr)

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