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    Avatar von Ljungdalen
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    AW: [SE] 16 Tage Frust und Lust, Höhen und Tiefen: Anfänger im Sarek

    #21
    Mitreisende: Freedom33333
    Zitat Zitat von Freedom33333 Beitrag anzeigen
    Tag 3: <...> Und dann entdecken wir, weiter hinten, vor dem Knick des Bachs, der hier ziemlich flach dahinfließt, den perfekten Zeltplatz.
    Also wo seid ihr jetzt? Oberhalb des Alep Njoatsosjávrre?

    Da bin ich 2009 in Gegenrichtung langgekommen, Fotos gerade nicht erreichbar, sonst könnte ich nachgucken und vergleichen. Hatte da auch 24 h Starkwind und deshalb in der Nacht davor unterhalb des Lulep Njoatsosjávrre ohne Zelt (da hätte ich kein Auge zubekommen!) unter einem *zufällig daliegenden* Riesenstein - direkt am Pfad, da kommt man vorbei - übernachtet; war perfekt: Der Wind kam direkt von der anderen Seite. Am nächsten Tag flaute der dann langsam ab, und nachdem ich aus dem Njoatsosvágge Richtung Álggajávrre über den Pass kam, wurde es völlig windstill...

  2. Dauerbesucher
    Avatar von andrea2
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    AW: [SE] 16 Tage Frust und Lust, Höhen und Tiefen: Anfänger im Sarek

    #22
    Ja bei Sonne ist alles einfach, und bei Regen und Sturm frag man sich jedes Mal warum tun wir uns sowas an.
    Trekker müssen ganz besonders dumme Menschen sein, denn wir lernen NIE es zu lassen.

    Wie oft haben wir uns dieses Jahr gesagt, wir lassen es...

    Zitat Zitat von Freedom33333 Beitrag anzeigen
    ...Und doch wollte sich bei mir nicht das Gefühl einer kritischen Situation einstellen. Immerhin: wir waren zu zweit. Und Tom hatte schon so viel Erfahrung. Das finde ich, im Nachhinein betrachtet, erstaunlich: Wenn man zu zweit ist, fühlt sich alles viel einfacher an. Man sucht selbst einen Zeltplatz – aber man weiß: Da ist noch jemand, der sich auch umschaut, der vielleicht etwas weiter links oder rechts läuft und vielleicht etwas entdeckt, was einem selbst entgeht.

    Auch erscheint es einem nahezu unmöglich, dass man eben keinen Zeltplatz findet. Man ist zu zweit. Das würde den anderen auch betreffen. Der hat sowas schon oft mal gemacht. Die Zweifel, die man hätte, wenn man alleine wäre – habe ich im Voraus eine schlechte Entscheidung getroffen? Gibt es hier keine Zeltplätze? Hätte man das im Voraus erkennen können müssen? All das existiert nicht und wird im Kopf verdrängt vom Gedanken: „Klar, ich suche auch. Aber der andere wird schon etwas finden“...
    Wie hat Tom - evernorth denn das empfunden? Bei mir ist das sehr unterschiedlich, je nachdem mit wem ich unterwegs bin. Wenn ich mit meinem Mann wandere, und das tun wir nun schon seit über 30 Jahren, sind wir beide meist gleich angespannt oder entsapannt, keiner hat das Gefühl, er muss die alleinige Verantwortung tragen, und dadurch ist die Verantwortung nicht nur geteilt, sondern noch deutlich weniger. Ich kann mich aber andererseits auch an eine Wanderung erinnern mit einer Freundin, das war zufällig auch eine Tour durchs Njoatsosvágge. Wir hatten zwar schon eine Tour zusammen gemacht, aber ich hatte deutlich mehr Erfahrung, und fühlte mich absolut verantwortlich. Das war Quatsch, aber ich konnte es nicht abstellen. Die ganze Tour, bis wir auf dem Padjelantleden waren, hatte ich keine Ruhe, wollte weiter kommen um alle Unsicherheiten hinter mir zu lassen. Alleine wandern wäre für mich absolut nichts, da würde es mir ähnlich gehen.

    Bin sehr gespannt, wie es dir/euch weiter erging.

  3. Dauerbesucher
    Avatar von Pielinen
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    AW: [SE] 16 Tage Frust und Lust, Höhen und Tiefen: Anfänger im Sarek

    #23
    Geändert von Pielinen (05.11.2019 um 20:52 Uhr)
    Wer nichts weiß muss alles glauben...

  4. AW: [SE] 16 Tage Frust und Lust, Höhen und Tiefen: Anfänger im Sarek

    #24
    Zitat Zitat von andrea2 Beitrag anzeigen
    Ja bei Sonne ist alles einfach, und bei Regen und Sturm frag man sich jedes Mal warum tun wir uns sowas an.
    Trekker müssen ganz besonders dumme Menschen sein, denn wir lernen NIE es zu lassen.

    Wie oft haben wir uns dieses Jahr gesagt, wir lassen es...

    Wie hat Tom - evernorth denn das empfunden? Bei mir ist das sehr unterschiedlich, je nachdem mit wem ich unterwegs bin. Wenn ich mit meinem Mann wandere, und das tun wir nun schon seit über 30 Jahren, sind wir beide meist gleich angespannt oder entsapannt, keiner hat das Gefühl, er muss die alleinige Verantwortung tragen, und dadurch ist die Verantwortung nicht nur geteilt, sondern noch deutlich weniger. Ich kann mich aber andererseits auch an eine Wanderung erinnern mit einer Freundin, das war zufällig auch eine Tour durchs Njoatsosvágge. Wir hatten zwar schon eine Tour zusammen gemacht, aber ich hatte deutlich mehr Erfahrung, und fühlte mich absolut verantwortlich. Das war Quatsch, aber ich konnte es nicht abstellen. Die ganze Tour, bis wir auf dem Padjelantleden waren, hatte ich keine Ruhe, wollte weiter kommen um alle Unsicherheiten hinter mir zu lassen. Alleine wandern wäre für mich absolut nichts, da würde es mir ähnlich gehen.

    Bin sehr gespannt, wie es dir/euch weiter erging.
    Hm, also rein faktisch haben wir uns bei dem 5x Zeltplatz Suchen die Verantwortung geteilt. Mal hat er den besseren Zeltplatz gefunden, mal ich. Das ist ja dann auch ein Stückweit Mathematik.

    Ansonsten bestand für mich die Besonderheit hier in zwei Faktoren:
    (1) Meinen persönlichen Vorerfahrungen – eher negativen
    (2) Der ausgeprägten langjährigen Erfahrung von Tom.

    In meinem ersten Trekking-Urlaub vor einem Jahr habe ich beide male aus der Not heraus einen Zeltplatz gesucht. Das eine mal musste ich umkehren und 2km zurücklaufen, das andere mal 2 Stunden in der Dunkelheit mit Stirnlampe im Regen & Wind suchen. Sowas setzt sich im Kopf fest. Im zweiten Trekking-Urlaub war die Zeltplatzsuche dreimal entspannt und zweimal in der späten Dämmerung, das eine mal am Hang, das andere mal bin ich auch ein Stück wieder zurückgelaufen. Wirkliche Erfahrungen in der Zeltplatzsuche habe ich erst in diesem Urlaub gesammelt, daher auch das „Anfänger“ im Titel. Eben 15mal am Stück. Mittlerweile bin ich darin auch ziemlich souverän.

    Aber ich finde schon, dass sich da eine Menge Fragen stellen, bei denen Routine unglaublich hilft:
    (1) Was ist ein guter Zeltplatz?
    (2) Schlage ich mein Zelt zu früh auf an einem nicht perfekten Ort, zweifle ich dann die ganze Zeit, ob ich hätte länger suchen sollen. Ist der Wind zu stark? Der Boden doch zu uneben? Kann ich hier schlafen? Riskiere ich, später am Abend nochmal umziehen zu müssen wegen der Schräge?
    (3) Schlage ich mein Zelt zu spät auf, kommt irgendwann die Panik, überhaupt keinen Zeltplatz mehr zu finden.
    (4) Den idealen Zeltplatz gibt es nur selten. Oft gibt es irgendwelche Kompromisse. Also verwirft man ständig mögliche Zeltplätze und sucht weiter. Irgendwann muss man eben einfach sagen: Ich bleibe hier. Auch wenn nicht alles stimmt.

    Ist man zu zweit, kann man diese Fragen diskutieren. Ist man alleine, läuft das alles im eigenen Kopf ab ohne Feedback von einer zweiten Person. Wenn man mit den Vorerfahrungen trekken geht und weiß, der andere hat das schon zigmal gemacht, ist man geistig entspannter. Klar sucht und findet man genauso Zeltplätze - das war auch jedes mal der Fall bei beiden von uns.

    Aber wenn man bei seinen ersten Trekking-Urlauben solche Vorerfahrungen gemacht hat, muss man die Bedenken auch erstmal wieder wegbekommen. (Im zweiten urlaub habe ich mein Zelt auch das eine mal in der Dämmerung eine Weile nicht wiedergefunden, da hat man dann bei 0 Grad mit dünnen Klamotten im Regen auch mal existenzielle Ängste.


    Tom hat auf mich bei der Zeltplatzsuche immer einen recht entspannten Eindruck gemacht. Ich glaube für ihn ist das daher auch völlig egal, ob er für sich oder noch für einen anderen sucht. Er hat tendenziell aber eher früher einen Platz gewählt, ich wäre mitunter bereit gewesen, noch etwas länger zu laufen.

    Am Ende der Tour bin ich noch mit Gonorth, den ich zufällig getroffen habe und vorher nicht kannte, eineinhalb Tage gelaufen – Spoiler – da haben wir das Tageslicht weitestgehend ausgereizt und kamen erst in der Dämmerung an, absteigend über ein ewig langes Geröllfeld in dadurch bedingt sehr hohem Tempo. Wobei das Wetter an dem Tag auch echt schlecht war mit krassem Nebel und einer Sicht von teils unter 10m.
    Geändert von Freedom33333 (05.11.2019 um 15:00 Uhr)

  5. Fuchs
    Avatar von Pfiffie
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    AW: [SE] 16 Tage Frust und Lust, Höhen und Tiefen: Anfänger im Sarek

    #25
    Zitat Zitat von Freedom33333 Beitrag anzeigen
    Hm, also rein faktisch haben wir uns bei dem 5x Zeltplatz Suchen die Verantwortung geteilt. Mal hat er den besseren Zeltplatz gefunden, mal ich. Das ist ja dann auch ein Stückweit Mathematik.

    Ansonsten bestand für mich die Besonderheit hier in zwei Faktoren:
    (1) Meinen persönlichen Vorerfahrungen – eher negativen
    (2) Der ausgeprägten langjährigen Erfahrung von Tom.

    In meinem ersten Trekking-Urlaub vor einem Jahr habe ich beide male aus der Not heraus einen Zeltplatz gesucht. Das eine mal musste ich umkehren und 2km zurücklaufen, das andere mal 2 Stunden in der Dunkelheit mit Stirnlampe im Regen & Wind suchen. Sowas setzt sich im Kopf fest. Im zweiten Trekking-Urlaub war die Zeltplatzsuche dreimal entspannt und zweimal in der späten Dämmerung, das eine mal am Hang, das andere mal bin ich auch ein Stück wieder zurückgelaufen. Wirkliche Erfahrungen in der Zeltplatzsuche habe ich erst in diesem Urlaub gesammelt, daher auch das „Anfänger“ im Titel. Eben 15mal am Stück. Mittlerweile bin ich darin auch ziemlich souverän.

    Aber ich finde schon, dass sich da eine Menge Fragen stellen, bei denen Routine unglaublich hilft:
    (1) Was ist ein guter Zeltplatz?
    (2) Schlage ich mein Zelt zu früh auf an einem nicht perfekten Ort, zweifle ich dann die ganze Zeit, ob ich hätte länger suchen sollen. Ist der Wind zu stark? Der Boden doch zu uneben? Kann ich hier schlafen? Riskiere ich, später am Abend nochmal umziehen zu müssen wegen der Schräge?
    (3) Schlage ich mein Zelt zu spät auf, kommt irgendwann die Panik, überhaupt keinen Zeltplatz mehr zu finden.
    (4) Den idealen Zeltplatz gibt es nur selten. Oft gibt es irgendwelche Kompromisse. Also verwirft man ständig mögliche Zeltplätze und sucht weiter. Irgendwann muss man eben einfach sagen: Ich bleibe hier. Auch wenn nicht alles stimmt.

    Ist man zu zweit, kann man diese Fragen diskutieren. Ist man alleine, läuft das alles im eigenen Kopf ab ohne Feedback von einer zweiten Person. Wenn man mit den Vorerfahrungen trekken geht und weiß, der andere hat das schon zigmal gemacht, ist man geistig entspannter. Klar sucht und findet man genauso Zeltplätze - das war auch jedes mal der Fall bei beiden von uns.

    Aber wenn man bei seinen ersten Trekking-Urlauben solche Vorerfahrungen gemacht hat, muss man die Bedenken auch erstmal wieder wegbekommen. (Im zweiten urlaub habe ich mein Zelt auch das eine mal in der Dämmerung eine Weile nicht wiedergefunden, da hat man dann bei 0 Grad mit dünnen Klamotten im Regen auch mal existenzielle Ängste.


    Tom hat auf mich bei der Zeltplatzsuche immer einen recht entspannten Eindruck gemacht. Ich glaube für ihn ist das daher auch völlig egal, ob er für sich oder noch für einen anderen sucht. Er hat tendenziell aber eher früher einen Platz gewählt, ich wäre mitunter bereit gewesen, noch etwas länger zu laufen.

    Am Ende der Tour bin ich noch mit Gonorth, den ich zufällig getroffen habe und vorher nicht kannte, eineinhalb Tage gelaufen – Spoiler – da haben wir das Tageslicht weitestgehend ausgereizt und kamen erst in der Dämmerung an, absteigend über ein ewig langes Geröllfeld in dadurch bedingt sehr hohem Tempo. Wobei das Wetter an dem Tag auch echt schlecht war mit krassem Nebel und einer Sicht von teils unter 10m.

    Die Zeltplatzsuche kann ich nicht so ganz nachvollziehen, vor allem was den Anspruch an einem Platz betrifft oder die Zeit wann man ihn sucht. Für mich war es ja auch dieses Jahr das erste mal und ich hatte mich darauf konzentriert a) ein Stück Rasen und b) mit Bach im Umkreis zu finden. Die Aussicht war egal, ich shclafe dort und seh sowieso alles). In der Vorbereitung konnte man schon viele Stellen ausmachen (Videos, Grundsten Führer, Forum) wo es ungefähr gute Stellen gibt. Ohne Reservetage gibt es ein Mindestlaufpensum (zum Beispiel 150km durch 10 Tage, was heißt das man 15km am Tag laufen sollte). Wenn ich also etwa 15km gelaufen bin und es ist erst 15Uhr und der Platz ist schön braucht man kein schlechtes gewissen haben.
    Aber ok, ist halt auch nur meine Sicht, jeder ist wirklich anders, aber ich würde da echt entspannter ran gehen. Vielleicht warst du recht nervös/hibbelig

    Gruß Maik
    "Freiheit bedeutet, dass man nicht alles so machen muss wie andere"

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    AW: [SE] 16 Tage Frust und Lust, Höhen und Tiefen: Anfänger im Sarek

    #26
    Zitat Zitat von Pfiffie Beitrag anzeigen
    Aber ok, ist halt auch nur meine Sicht, jeder ist wirklich anders, aber ich würde da echt entspannter ran gehen. Vielleicht warst du recht nervös/hibbelig

    Gruß Maik
    Maik, du darfst nicht vergessen, dass es einen Unterschied macht, ob man im Juli/August oder Mitte/Ende September unterwegs ist. Ab 19.30 Uhr wird es dämmrig, da sollte das Zelt stehen. Wenn es im Juli fast die ganze Nach hell ist, dann hat man abends raus viel mehr Zeit. Da ist es egal, wenn man mal weiter laufen muss und erst um 22 Uhr das Zelt aufbaut.

    Wir sind da im Herbst auch immer eher übervorsichtg als in der Dämmerung noch laufen zu müssen.

    Allgemein wird man aber da auch entspannter mit der Zeit. Wenn ich überlege wo wir schon überall das Zelt stehen hatten und wie schief man schlafen kann. Ich kann mich erinnern, dass ich schon mal den Rucksack unter der Isomatte leigen hatte um das Unebene etwas auszugleichen. Windschutz ist uns da aber immer wichtig. Am Ende ist aber immer jeder auf der Suche nach dem perfekten Zeltplatz.

    Meine Überlegungen bezogen sich aber gar nicht mal konkret auf die Zeltplatzsuche sondern auf alle Entscheidungen der Tour.

  7. Fuchs
    Avatar von Pfiffie
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    AW: [SE] 16 Tage Frust und Lust, Höhen und Tiefen: Anfänger im Sarek

    #27
    Zitat Zitat von andrea2 Beitrag anzeigen
    Maik, du darfst nicht vergessen, dass es einen Unterschied macht, ob man im Juli/August oder Mitte/Ende September unterwegs ist. Ab 19.30 Uhr wird es dämmrig, da sollte das Zelt stehen. Wenn es im Juli fast die ganze Nach hell ist, dann hat man abends raus viel mehr Zeit. Da ist es egal, wenn man mal weiter laufen muss und erst um 22 Uhr das Zelt aufbaut.

    Wir sind da im Herbst auch immer eher übervorsichtg als in der Dämmerung noch laufen zu müssen.

    Allgemein wird man aber da auch entspannter mit der Zeit. Wenn ich überlege wo wir schon überall das Zelt stehen hatten und wie schief man schlafen kann. Ich kann mich erinnern, dass ich schon mal den Rucksack unter der Isomatte leigen hatte um das Unebene etwas auszugleichen. Windschutz ist uns da aber immer wichtig. Am Ende ist aber immer jeder auf der Suche nach dem perfekten Zeltplatz.

    Meine Überlegungen bezogen sich aber gar nicht mal konkret auf die Zeltplatzsuche sondern auf alle Entscheidungen der Tour.
    Jupp das stimmt natürlich, würde aber wenn ich so zurück denke trotzdem passen, da meine Startzeiten zwischen 6-8Uhr liegen. Aber ja mit Zelt im September war ich noch nicht unterwegs und ich glaube auch gerade Wettertechnisch ist das noch mal ein anderes Level (Sturm, Frost, Regen, eventuell Schnee), die Unterschiede können groß sein im Gegensatz zum Juli, wo ich kaum Frost, weniger Sturm und schon garnich Schnee (ganz ganz ganz selten) erwarte.
    "Freiheit bedeutet, dass man nicht alles so machen muss wie andere"

  8. AW: [SE] 16 Tage Frust und Lust, Höhen und Tiefen: Anfänger im Sarek

    #28
    Zitat Zitat von Pfiffie Beitrag anzeigen
    [...] In der Vorbereitung konnte man schon viele Stellen ausmachen (Videos, Grundsten Führer, Forum) wo es ungefähr gute Stellen gibt. Ohne Reservetage gibt es ein Mindestlaufpensum (zum Beispiel 150km durch 10 Tage, was heißt das man 15km am Tag laufen sollte). Wenn ich also etwa 15km gelaufen bin und es ist erst 15Uhr und der Platz ist schön braucht man kein schlechtes gewissen haben.
    Aber ok, ist halt auch nur meine Sicht, jeder ist wirklich anders, aber ich würde da echt entspannter ran gehen. Vielleicht warst du recht nervös/hibbelig

    Gruß Maik
    Zum Thema nervös / Hibbelig: Vergleiche oben. Ich denke es ist auch einfach eine Frage der persönlichen Vorerfahrung. Glaub mir, wenn du mal 2 Stunden mit Stirnlampe im Regen & Wind & völlig erschöpft in Schottland versuchst, vom Sturm an der Küste wegzukommen und einen Zeltplatz zu finden, dann brennt sich das ein wenig in deinen Kopf. Dann brauchst du einige lockere Erfahrungen, bis das verschwindet.

    Die liebe Vorbereitung Tja, die kostet eben immer auch so unendlich viel Zeit. Und nimmt einem ein wenig das Abenteuer. Ich denke ein guter Kompromiss macht Sinn. Mit dem Garmin am PC die Tour im Voraus planen wäre z.B. to much für mich. Wobei ich Googlemaps kurz vor dem Urlaub für mich entdeckt habe, damit kann man prima arbeiten. Macht mir auch mehr Spaß als einen Reiseführer durchlesen

    Zitat Zitat von Pfiffie Beitrag anzeigen
    Jupp das stimmt natürlich, würde aber wenn ich so zurück denke trotzdem passen, da meine Startzeiten zwischen 6-8Uhr liegen. Aber ja mit Zelt im September war ich noch nicht unterwegs und ich glaube auch gerade Wettertechnisch ist das noch mal ein anderes Level (Sturm, Frost, Regen, eventuell Schnee), die Unterschiede können groß sein im Gegensatz zum Juli, wo ich kaum Frost, weniger Sturm und schon garnich Schnee (ganz ganz ganz selten) erwarte.
    Ich glaube das ist ein weiterer guter Punkt: der Tagesrythmus. Wenn ich so früh aufstehe (Startzeit um 6 Uhr? oder meinst du Aufstehzeit? Da wäre es im Herbst ja fast noch dunkel beim Loslaufen.

    In der Tat sind wir immer - manchmal auch wetterbedingt - erst recht spät losgekommen. Wenn man dann noch - was mir einfach wichtig ist - an schönen Orten nicht durchrennen will sodern auch mal stehen bleiben, Fotos machen oder einfach nur die Aussicht genießen, dann kann man halt abends nicht 3 Stunden vor Sonnenuntergang das Zelt aufschlagen. Jedenfalls nicht wenn man noch ein wenig Strecke machen will.

    Zitat Zitat von andrea2 Beitrag anzeigen
    Maik, du darfst nicht vergessen, dass es einen Unterschied macht, ob man im Juli/August oder Mitte/Ende September unterwegs ist.[...]
    Allgemein wird man aber da auch entspannter mit der Zeit. Wenn ich überlege wo wir schon überall das Zelt stehen hatten und wie schief man schlafen kann. Ich kann mich erinnern, dass ich schon mal den Rucksack unter der Isomatte liegen hatte um das Unebene etwas auszugleichen. Windschutz ist uns da aber immer wichtig. Am Ende ist aber immer jeder auf der Suche nach dem perfekten Zeltplatz.
    [...]
    Das mit der Jahreszeit ist ein starkes Argument. Das Land kommt ja auch noch dazu. In Schotland steht halt ständig das Wasser da, wo man meint, sein Zelt hinstellen zu können. Klar, Schweden war nass, aber Schottland war nasser. Die "Sümpfe" in Schweden gingen ja selten über den Knöchel hinaus, da war ich anderes gewohnt.

    Rucksack unter die Isomatte? Meine Güte, das muss ja sehr steil gewesen sein. Ich dachte am Anfang auch, ich könnte nur in perfekt ebener Lage schlafen, aber wenn man erschöpft ist geht alles.

  9. Fuchs
    Avatar von Pfiffie
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    AW: [SE] 16 Tage Frust und Lust, Höhen und Tiefen: Anfänger im Sarek

    #29
    Startzeit 6Uhr ja (Gällivare 15.09. 5:54 Sonnenaufgang) das ist schon recht früh und im September durchaus dunkel beim aufstehen. Letztes Jahr war ich ja im September (Nikka-Abisko), allerdings war das eine Hüttentour zugegebener maßen. Da kann man im dunkeln essen und packen in der Hütte. Mit Zelt dann eher 7-8Uhr. Aber ich bin tatsächlich Frühaufsteher. 4 Uhr gehen da schon mal die Augen auf


    Aber ok, das sind tatsächlich gute Argumente von Euch an die ich bei meinem Post nicht gedacht habe. Man sollte manchmal etwas länger nachdenken
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  10. Erfahren
    Avatar von Ljungdalen
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    AW: [SE] 16 Tage Frust und Lust, Höhen und Tiefen: Anfänger im Sarek

    #30
    Zitat Zitat von Pfiffie Beitrag anzeigen
    Jupp das stimmt natürlich, würde aber wenn ich so zurück denke trotzdem passen, da meine Startzeiten zwischen 6-8Uhr liegen.
    +1. Also 6 ist bei mir selten (kam aber schon vor, sogar noch früher: wenn ich solo unterwegs, zB im Juli um 5 richtig wach bin und es ist hell ist, stehe ich auf und gehe los). 8 ist aber normal. Wundere mich über regelmäßige VIEL spätere Startzeiten. Die Ruhe hätte ich gar nicht. (Schlechtes Wetter ist ein Sonderthema.)

    Gut, jeder ist da anders.

  11. AW: [SE] 16 Tage Frust und Lust, Höhen und Tiefen: Anfänger im Sarek

    #31
    Tag #4, Montag der 2.9: Alep Njoatsosjavrre – Jieggnavagge – Sarvesvagge

    Morgens aufwachen.
    Das leise Plätschern eines Baches hören.
    Realisieren: Ich bin nicht in meinem Bett. Ich bin im Schlafsack. In der Wildnis.
    Aus dem Fenster schauen.
    Eine riesige Bergwand erblicken.
    Trekken ist toll. Trekken ist leicht.

    Wo sonst kann man derartiges schon erleben? Jeden Morgen eine andere Aussicht?
    Vielleicht auf einem Kreuzfahrtschiff. Aber dort wird man nur Städte sehen, nicht dagegen unberührte Natur. Und geweckt wird man nicht vom Prasseln des Regens oder dem Plätschern eines Bachs, sondern den Stimmen der Nachbarn auf dem Balkon in der Kabine daneben.

    Die zweite Nacht im Zelt überstanden. Damit war mein bisheriger Rekord eingestellt. Nach einem gemütlichen Kaffee und Frühstück – vorher abgepacktes Müsli mit Milchpulver – erstmal ein bisschen draußen rumlaufen. Wir ließen es eher gemütlich angehen.


    Foto von Tom


    Ich war dann doch der erste, der schon eingepackt hatte.



    Blick zurück, oben links das Schneefeld an dem wir abgestiegen sind. Ich finde das immer erstaunlich, dass es auf solchen Fotos so aussieht, als wäre man in 10min da, der Weg ist dann aber doch um einiges länger

    Ich konnte zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht ganz begreifen, dass wir gerade an diesem Ort übernachtet hatten. Man gewöhnt sich ja doch recht schnell an diese Art Urlaub, nimmt es nicht mehr als etwas Besonderes wahr. Aber sitzt man dann wieder zuhause im Büro im Alltag, erscheint es immer wieder erstaunlich, was für eine andere Art Erlebnisse man mit solchen Urlauben sammelt -gegenüber den „sozialüblichen“ Urlauben.

    Da ich meinen Sack für die Zeltheringe vermisse, laufe ich nochmal die Gegend ab, kann ihn aber nicht finden. Natürlich war er irgendwo verstaut, aber das wusste ich zu dem Zeitpunkt nicht. Tom war da entspannter, meinte, den hast du bestimmt irgendwo im Gepäck. Jedenfalls durchlebte ich so das erste mal in diesem Urlaub das Gefühl, etwas verloren zu haben. Es sollte nicht das letzte mal bleiben…und nicht immer sollte ich mich geirrt haben. Aber dazu später mehr.

    Dann laufen wir am Bach entlang in Richtung See, erstmal rauf auf die „Düne“ und dann links am See entlang. Der Plan ist klar: Zwischen dem genannten See und dem Gasska Njoatsosjavrre steil bergauf ins Jiegnavagge.

    Der Grundsten war hier ein wenig widersprüchlich: Bei der Beschreibung der möglichen Route stand dort, dieser Aufstieg sei nicht machbar, da zu steil. Bei den Tagesausflügen stand dann dagegen eine Tour beschrieben, wie man so auf den Bulkas käme.

    Nach einer Weile bogen wir nach links ab und versuchten auf diesem Wege, schonmal ein wenig Höhe zu gewinnen. Die Bodenstruktur bestand zum Teil aus Gras und Moos, desto höher wir kamen aber immer mehr aus Geröll. Und schon hier zeigte sich, dass wir unterschiedliche Präferenzen beim Besteigen eines Berges hatten – ich blieb von der Distanz stets ein wenig zurück, bevorzugte es aber, erstmal Höhe zu gewinnen. Die Aussicht bergab war – man konnte es sich schon anhand der Karte vorstellen – atemberaubend.


    Blick runter zum östlichen Ende des Alep Njoatsosjavrre


    Blick nach Süden runter zum Gasska Njoatsosjavrre


    Desto höher wir kamen, desto besser wurde die Aussicht





    Im Kern versuchte ich hier, mich auf einem grünen Streifen zu halten und das Kreuzen der Geröllfelder zu vermeiden. Zu diesen hatte ich, bedingt durch ein unschönes Erlebnis in meine letzten Urlaub, ein etwas gespaltenes Verhältnis – auch wenn ich mich im Laufe dieses Urlaubes noch an sie gewöhnen sollte.

    To make a long story short – wieder und wieder verschob ich das Kreuzen des Berges, wieder und wieder sah es für mich so aus, als wäre es besser, steil weiter aufzusteigen und erst ganz oben dann weiter nach Osten zu laufen, wo es so aussah, als gäbe es Grasstreifen. Irgendwann musste ich dann sogar die Hände zu Hilfe nehmen. All das mit 23kg Gepäck. Tom war längst in weiter Ferne, deutlich tiefer, aber deutlich weiter rechts.

    Auch ein paar Bäche und Rinnsale kamen mir mittlerweile entgegen. Hier könnte man rüber. Aber 5m höher, da sieht es doch einfacher aus. Und wieder höher. Das Adrenalin und die Nervosität stieg. Als ich schließlich an einer schmalen Stelle – vorsichtig mit einem Stock vorfühlend – eine Steinlawine auslöste hatte ich nur zwei Optionen: Wieder absteigen oder noch höher. Vorsichtig fühlte ich an einem kleinen Fels im Gras vor, ob ich mich an ihm festhalten und hochziehen könnte – er war aber durch die Rinnsale als gelockert zu ertasten. Hier weiter aufsteigen war lebensgefährlich.
    Mist!

    Es half nichts – ich hatte mich verstiegen. Und musste dann doch wieder 30 hm absteigen, bevor ich waagerecht weiter kam. Als ich zu Tom aufgeschlossen hatte sah ich, dass dieser sich mit einem anderen Wanderer unterhielt – wie könnte es anders sein, einem Deutschen – der ihn wohl sogar sinngemäß mit den Worten „Und du bist evernorth“ begrüßt hatte. Mir scheint, ich war mit einem Promi unterwegs .

    Ansonsten hatte dieser keine guten Neuigkeiten zu verkünden – das Wetter würde schlechter werden und er zweifelte an, dass es eine gute Idee sei, auf die Luohttolahko aufzusteigen, da es dort noch jede Menge Schnellfelder gäbe. Er hatte an diesem Tag schon eine beachtliche Strecke zurückgelegt und hatte wohl auch noch einiges vor.

    Dann beeilten wir uns, um vor einem etwaigen Regen den steilen Aufstieg hinter uns zu lassen. Und steil war er, ziemlich steil. Teils wand sich der Pfad links von einem reißenden Gebirsgsbach entlang, sodass ich mich eher weiter links hielt.


    Eine Weile dauerte es dann doch noch, bis wir endlich auf dem Kamm angekommen waren. Dieser war und den wunderschönen Blick hinunter ins Jiegnavagge genießen konnten.

    Jiegnavagge. Der Fluss am Ende des Tals dürfte der sein, der vom Sarvestjahkka runterkommt





    An einer Stelle passierte dort beim Foto machen noch etwas sehr Merkwürdiges – ich zog meine Handschuhe aus um ein Foto zu machen. Als ich damit fertig war – Oh Schreck – fehlte auf einmal einer der Handschuhe. What? Ich verbrachte ungefähr 15min damit, den Handschuh zu suchen. Schon am dritten Wandertag einen Handschuh verlieren? Nee… Zwar hatte ich noch ein zweites Paar dickere Handschuhe, aber es ging mir auch einfach um mein Ego. Es machte keinen Sinn. Es war unlogisch. Undenkbar. Es gab kaum Wind. Ich ließ den anderen Handschuh fallen – er kam immer in einem Umkreis von 2m zum Liegen. Und doch war er weg. Ich hob 10 Steine am Boden an, rannte herum wie ein aufgescheuchtes Huhn, dann wieder kalt mit Logik, rational abwägend – aber es half nichts. Der Handschuh war nicht da. Irgendwann mussten wir dann doch weiter. Ich war richtig sauer.

    Spoiler: Was war passiert? Ich hatte für das Foto die Handschuhe zwischen den Zähnen und die Jacke leicht geöffnet. Der zweite handschuh war mir zwischen Regenjacke und Fleecepullover gefallen und hatte sich – auf der Innenseite – beim anschließenden Schließen des Reißverschlusses nach dem Foto mit einem Finger im Reißverschluss verfangen. So hatte ich ihn auch beim Ablegen der Regenjacke, diese Option bedenkend, nicht gefunden. Und so sollte ich ihn am Ende des Tages dann doch noch finden. Uff

    Ich weiß nicht mehr, woran es lag. Vielleicht lag es an der Handschuh-Suchaktion. Vielleicht daran, dass es für mich völliges Neuland war, über eine solche Distanz auf einem Geröllfeld zu laufen. Vielleicht hatte ich mich auch für die Navigation auf Tom verlassen und er sich auf mich, da ich das Garmin die ganze Zeit anhatte, er nur sporadisch. Jedenfalls: Irgendwann hatten wir plötzlich eine unglaublich schöne Aussicht hinunter ins Sarvesvagge auf das Flussdelta im Westen.



    Flussdelta am westlichen Ende des waagerecht laufenden Abschnitts des Sarvesvagge

    Und realisierten beide zur gleichen Zeit: Wir waren viel zu weit gelaufen. Längst hatten wir die richtige Abfahrt verpasst. Längst waren wir viel zu weit über die Geröllfelder abgestiegen. Und zum Umkehren war es mittlerweile auch zu spät. Die ganzen Höhenmeter über das Geröll wieder zurück? Und dann noch die ganze Strecke auf der Luohttolahko bis zum namenlosen See auf 1244m im Osten? Mit der Aussicht auf Schneefelder und ohne Hinweis im Reiseführer auf Zeltplätze davor? Nein.

    Also beschlossen wir, hinunter ins Sarvesvagge abzusteigen und heute einfach noch ein Stück zu laufen. Damit hielten wir uns offen, wie es morgen weitergehen würde – wir könnten direkt hinauf ins Niejdariehpvagge oder könnten einen Abstecher auf die Hochebene machen.

    An einer Stelle mussten wir zu zwei Bachbetten hintereinander hinab- und dann wieder hinaufsteigen. Bereits aus größerer Entfernung konnten wir – wohl bei Gegenwind – hinter dem zweiten Einschnitt eine Herde Rentiere ausmachen. Da wir also von „Unten“ kamen und die Rentiere direkt hinter ein paar Felsblöcken grasten kamen wir doch ziemlich nahe an sie heran.




    Blick hinunter ins Sarvesvagge vom nördlichen Ende des Jiegnavagge

    Unten im Tal erinnere ich mich an zwei Zelte, jeweils direkt am Fluss. Ich schlug vor, heute noch so weit wie möglich zu laufen, also liefen wir, auf der rechten Flussseite, noch fast bis zum links abbiegenden Niejdariehpvagge. Mittendrin gab es – das zeigte schon der Blick auf die Karte – keine guten Zeltplätze, aber ich ging davon aus, dass wir diese in der Nähe des Niejdariehpvagge finden würden, wo der Boden wieder flacher und breiter wurde.


    Sarvesvagge, im Hintergrund der Gipfel auf 1696m


    Blick zurück nach Westen, Sarvesvagge


    In Wolken am Ende des Tals das Rijddajahkka


    Blick zurück

    Tom fand einen guten Zeltplatz rechts vom Fluss – ich hatte diesen überquert und fand, links vom Fluss, rechts neben einem wirklich großen, nicht zu verfehlenden Felsen, einen schöneren, direkt am Wasser. Rundherum Sumpf, aber dieser Abschnitt hatte wirklich festen Untergrund und schönes Gras. Und so schlugen wir denn – schon zum dritten mal hintereinander – unsere Zelte an einem wirklich schönen Zeltplatz auf.

    Nach 3 Wandertagen hatte ich dann auch endlich genug von der Katzenwäsche und nahm im Fluss an einer etwas tieferen Stelle noch ein schönes warmes *hust* Bad.


    Hier noch ein Foto vom Zeltplatz vom nächsten Morgen
    Geändert von Freedom33333 (20.11.2019 um 15:27 Uhr)

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    AW: [SE] 16 Tage Frust und Lust, Höhen und Tiefen: Anfänger im Sarek

    #32
    Gefällt mir sehr gut Dein Bericht. Gerade aufgrund der ehrlichen Berichterstattung wie Du Deine erste Lapplandtour erlebst und welche Erfahrungen Du dabei machst. Das mit dem Verlieren von Sachen kann ich übrigens gut nachvollziehen. De facto habe ich zwar bisher nur selten wirklich etwas verloren, aber diese Erfahrung, wenn etwas weg ist, erstmal wie ein aufgescheuchtes Huhn rumzulaufen kenne ich nur zu gut.

  13. AW: [SE] 16 Tage Frust und Lust, Höhen und Tiefen: Anfänger im Sarek

    #33
    Tag #5: Dienstag der 3.9.2019: Die Luohttolahko. Endlich!
    Der Plan für heute lautete: Vorbei am Niejdariehpvagge, nah dem Knick nach rechts unten und dann, nicht etwa am Naite vorbei und das Noajdevagge hinauf sondern direkt den Hang am Luohtttotjahkka besteigen und von dort hinauf auf die Hochebene.


    Blick morgens aus dem Zelt.

    Noch ein Exkurs zum Abendessen des Tages davor: Um die Speiseplan ein wenig abwechslungsreicher zu gestalten hatte ich mir Volleipulver im Internet bestellt und dieses mit Röstzwiebeln gemischt. Die Nährwerte erschienen mir ein Traum: 579kcal pro 100g, 41g Fett, 47,4g Eiweiß. Zwei Versuche damit zuhause in der Pfanne hatte ich auch absolviert, der erste war gescheitert – flüssig mit Gummiartigen Stücken – der zweite war gelungen. Ich hatte sogar extra Öl in einer 100ml Flasche dabei. So eine Powershot-Flasche, zig mal saubergemacht. Trotzdem hat das hochwertige Olivenöl am Ende mehr nach Gummibärchen gerochten als nach Öl. Kauft euch lieber unbenutzte Flaschen für sowas

    Aber wenn man mit derartigem herumprobiert, sollte man es auch zuhause mal im Trekking-Topf probieren. Immerhin ist dieser deutlich höher als eine Pfanne und hat damit auch weniger Oberfläche nach unten. Ich mache es kurz: Das Rühreipulver, gemischt mit Wasser (Geschüttelt im Beutel) ist trotz Öl angebrannt. Aber so richtig. Der Rest ergab eine klumpige Konsistenz, durchsetzt mit dem Geschmack von Verbranntem. Und ich Dämel hatte insgesamt 5 Packungen davon dabei, hatte Leckeres Müsli mit Milchpulver bzw. Trekking-Nahrung damit ersetzt. Ich kämpfte mich durch die erste Hälfte der 100g und und musste den Rest entsorgen. Und dann, im Nieselregen am Fluss, 10min kratzen, mit einem Tuch und einem Schaber. Da man nicht weiß, wie das Wetter am nächsten Morgen wird, war das unabdingbar, zumal mein Topf gleichzeitig mein Essgefäß fürs Müsli am nächsten Morgen ist. Erst als ich Sand aus dem Fluss dazunahm, bekam ich den nagelneuen TitanTopf halbwegs wieder sauber.


    Nochmal direkt aus dem Zelt heraus fotografiert.

    Auch war ich froh, am letzten Abend mein Bad genommen zu haben – morgens nach dem aus dem Schlafsack kriegen, friert man doch immer ein wenig. Unvorstellbar, morgens baden zu gehen. Auch von der Sonne hatten wir zunächst wenig.

    Als wir kurz vor dem Abbau waren, hatten wir noch direkt morgens ein Highlight: eine kleine Herde Rentiere lief hinter dem Felsen auf unserer Flussseite, also der nördlichen, an uns vorbei – eine große Entfernung war das nicht. Zunächst sehr gemütlich, dann aber, als sie uns bemerkten, doch noch ein wenig Tempo aufnehmend.








    Nach dem Aufbruch ging es das Sarvesvagge nach Osten. Endlich hatten wir mal gutes Wetter!

    Zunächst stellte sich die Frage, auf welcher Flussseite des Sarvesjahke wir weiterlaufen sollten. Für mich war klar: Wir wollten hinter der Talbiegung rechts den Berg hinauf. Da die Innenkurve stets kürzer ist, überquerte ich direkt hier, nicht weit hinter unserem Lager, den Fluss zurück auf die südliche Flussseite. Dafür musste ich zunächst über ein Geröllfeld ein Stück absteigen.


    Hier habe ich den Fluss überquert, musste allerdings die Schuhe dafür ausziehen.

    Tom dagegen argumentierte, in anderen Reiseberichten und wohl auch im Grundsten stünde etwas von der nördlichen Flussseite, auf der wir uns gerade befanden, also blieb er auf dieser. Und so war es dann schon ein wenig witzig, wie wir beide, jeweils auf der anderen Flussseite, den anderen beim Vorankommen beobachten konnten. Auf meiner Seite gab es gut ausgebaute Pfade, teils 5 Pfade nebeneinander. Auf Toms Seite gab es aber wohl auch Pfade. Ist also beides möglich gewesen.





    Beim Einschnitt ins Niejdariehpvagge erinnere ich mich an zwei Zelte und eine herumlaufende Person, wahrscheinlich eine Frau, mit der Tom dann ins Gespräch kam. Was die Länge des Abschnitts betraf sollte ich Recht behalten, und so konnte ich denn auch mehr als eine Fotopause machen.

    Einmal blieb er stehen und schaute in meine Richtung. Aber kommunizieren über diese Entfernung - unmöglich.

    Kurz hinter dem Niejdariehpvagge, als der Fluss sich zu beachtlicher Breite aufspaltete, kam Tom dann herüber, was mir die Gelegenheit zu weiteren tollen Fotos gab.




    Ganz links im Bild der Hang hinauf zum Pass des Niejdariehpvagge

    Dann mussten wir uns eine Weile besprechen, wie es weitergehen sollte. Der Hang von hier bis zum Naite war von beachtlicher Länge und so hatten wir zahlreiche Möglichkeiten, diesen zu besteigen. Eine Möglichkeit – wohl die bessere – wäre gewesen, noch ein Stück weiter im Tal zu laufen und erst weiter östlich den Hang zu besteigen. Dort befinden sich 5 auf der Karte eingezeichnete Flüsse, die von der Hochebene herabfließen. Wir dagegen entschieden uns, gar nicht groß weiter dem Tal zu folgen sondern direkt Höhe zu gewinnen. Das schien mir laut Karte – bis auf einen Abschnitt – anhand der Höhenlinien als gut machbar. Wenn man sich die Karte anschaut, so stiegen wir tatsächlich den Hang hinauf zum Luohttotjahkka, kamen am Ende also sogar höher heraus als die Hochebene war und mussten dann ein kleines Stück wieder absteigen.

    Zunächst war der Abfluss vom Nuortap Luohttojiegnja zu überqueren. Dieser stützte sich nicht etwa durch ein Flussbett, sondern durch ein Geröllfeld bergab. Wir wählten eine Stelle wo er sich auf mehrere Arme aufteilte und überquerten dort. Ich musste bei solchen Flussdurchquerungen stets meine Stiefel aus- und meine Neoprenschuhe anziehen, Tom hatte so eine Art Halbschuhe an und ließ diese, da sie wohl recht schnell trocknen würden, für Flussdurchquerungen einfach an.


    Tom ließ seine Schuhe einfach an .


    Blick zurück nach Westen, hier kann man gut die Schneefelder auf dem Pass des Niejdariehpvagge sehen

    Nach der Durchquerung der Bäche wählten wir einen recht steilen Aufstieg. Auf der Karte gut ersichtlich war eine Kante oberhalb von der Renvaktarstuga-Hütte, auch etwas weiter westlich gab es bereits eine weitere eingezeichnete Kante auf der Karte. Dahinter lagen die Höhenlinien dann so nah beieinander, dass ich so so interpretierte, dass wir dort nicht entlangkämen. Also war der Plan, möglichst steil, möglichst weit aufzusteigen und dann, erst auf einer Höhe von schon fast 1200m, das letzte Stück nach Osten auf die Hochebene zu machen.


    Blick nach Osten, rechts im Bild der Naite


    Ein Teleobjektiv hatte ich zwar nicht dabei, aber auch mit 50mm kann man ein wenig reinzoomen.

    Wenn sich jemand dafür interessiert lade ich auch gerne noch meinen Garmin-Track hoch wie wir exakt gelaufen sind, muss mich da aber erst reinarbeiten wie man das am PC bearbeitet. Ich meine es war schon die erste Kante, die wir nicht passieren konnten, also die, die sich noch vor der Stelle befindet, an der sich der Fluss im Tal auf ein kleines Delta aufspaltet.

    Ansonsten lässt sich sagen: Der Aufstieg war steil, anspruchsvoll, aber bei trockenem Wetter gut machbar. Allerdings eben wirklich wirklich steil, vor allem mit dem ganzen Gepäck auf dem Rücken, sodass wir nur langsam – aber stetig – vorankamen. Wieder und wieder mussten wir uns die Hangformationen vor uns anschauen um zu planen, welchen Hügel wir anpeilen sollten.

    Als wir in die Nähe der Kante kamen wollte Tom sich diese noch anschauen – ich hatte meine Route so geplant, dass ich gar nicht in ihre Nähe kommen würde, befand mich also schon etwas höher und musste ein Stück wieder absteigen – bestätigte dann aber, dass es dort nicht weitergehen würde.

    Also wieder ein Stück zurück, einen kleinen Bach durchqueren und wieder weiter, steil bergauf.
    Desto höher wir kamen, desto steiniger wurde es.


    Ich meine mich zu erinnern dass das ungefähr die Höhe von 1150m und damit die Höhe war, ab der wir gut weiter nach Osten queren konnten.


    Eine traumhafte Aussicht beim Aufstieg!


    Danke an Tom für dieses tolle Motiv mit mir drauf!

    Als wir endlich auf der richtigen Höhe waren ging es dann noch ein ganzes Stück nach Osten. Hier gab es nochmal eine anspruchsvolle Stelle zu passieren. Vor uns zwei Schneefelder an einem Geröllhang, darüber schieferartiger Fels. Tom entschied sich, oberhalb des oberen Schneefeldes über die schieferartige Bodenstruktur zu laufen.

    Bereits auf dem ersten Blick war mir nicht wohl beim Anblick dieser Bodenstruktur. Zig sehr dünne Platten. Ein zögerlicher Versuch, das erste Stück zu machen, quittierte der Boden bei mir, wie auch schon bei Tom davor, damit, teilweise wegzurutschen. Und direkt unter der noch deutlich anspruchsvolleren Stelle ein steiles Schneefeld. Würde der Boden nachgeben, man wegrutschen, würde man auf diesem Schnee / Eisfeld landen und, ohne Chance zu bremsen, mit Geschwindigkeit das Schneefeld runterrutschen, dann käme ein kurzer felsiger Abschnitt und dann das zweite Schneefeld. Nix für mich. Ich machte direkt wieder kehrt.

    Man muss beim Wandern - noch mehr beim Trekken – immer wissen, wo die eigene Grenze liegt. Und es ist schon erstaunlich gut zu beschreiben, was man im Kopf durchlebt, wenn man an dieser Grenze kratzt. Die Entspanntheit des Aufstiegs verflüchtigt sich, man ist auf einmal sehr angespannt. Man hat eigentlich schon eine erste Assoziation, die dann auch beim Versuch nur bestätigt wird. Ich war schon froh, die ersten 2m wieder runterzukommen und durchatmen zu können. Ich wählte dann die deutlich einfachere und ungefährlichere Route, nämlich zwischen zwei den beiden Schneefeldern entlang. Dafür musste ich zwar vielleicht 50hm absteigen, aber das nahm ich gerne in Kauf. Schon hier war der Boden, durch seine Struktur, anspruchsvoll, und auch ich trat einmal eine kleine Steinlawine los. Aber: Wäre ich weggerutscht, wäre ich maximal ein paar Meter abgerutscht und dann zum Stillstand gekommen. Hinter den beiden Schneefeldern kam noch ein drittes, oberhalb dessen dann auch Tom nicht mehr weiterklettern wollte und zu dessen unteren Rand er dann kam.

    Als wir diese Stelle endlich hinter uns hatten, kam langsam die Hochebene in Sicht.


    Blick nach Süden, hinten der Luohttojavvre


    Blick zum Naite


    Auch an einem Flussbett mit Schneeresten kamen wir noch vorbei.

    Das Wetter hier oben war alles andere als angenehm. Windig war es. Regen hatten wir am Anfang noch nicht. Zwischendurch dafür aber mal kurz Hagel. Die Wolken sahen bedrohlich aus.



    Aber ich muss sagen: Die Bodenstruktur hier oben war außerordentlich abwechslungsreich. Das war schon ein ziemliches Erlebnis. Am Anfang war der Boden noch eine Mischung aus Gras und Felsen. Dann kam ein sumpfartiger Abschnitt, in dem wir wieder und wieder von Grasbüschel zu Grasbüschel springen mussten, stetig auf der Suche nach Grasbänken, weil der Morast dazwischen knöcheltief oder tiefer war. Auch diverse Flüsse waren zu durchqueren.



    Auch gab es hier oben Abschnitte, auf denen man gefühlt bis zum Horizont diese weißen Blumen sehen konnte. Sahen aus wie eine vegane Daunenalternative. Wie heißen die? Unglaublich schön!

    Zur Tourplanung: Wir erblickten zunächst den Luohttojavvre und peilten diesen an seinem östlichen Ende an. Unser Ziel für einen Zeltplatz waren die beiden Seen im Süden. Denn laut Grundsten gab es am Nordwestufer der namenlosen Seen, 1244m, „Zeltplätze“. Ursprünglich stand hier "viele schöne Zeltplätze", das war eine Verwechslung, das war aber eine Verwechslung, mein Fehler. Diese beiden Seen waren zunächst aber nicht zu sehen, da zwischen dem Luohttojavvre und diesen beiden Seen noch eine Hügelkette kam, der Hügel weiter im Westen liegt auf 1335m. Eine solche Hügelkette konnten wir in einiger Entfernung auch erblicken und peilten den flachsten Punkt an, um dann von dort zu den beiden Seen abzusteigen.

    Wer jetzt denkt, er würde auf dem Kamm stehen und dann die beiden Seen auf der Karte erblicken und könnte dann perfekt planen wird aber bitter enttäuscht: Die Bodenstruktur war außerordentlich unübersichtlich mit vielen kleinen Hügel dazwischen, sodass man jeweils nicht all zu weit schauen konnte.


    Düstere Atmosphäre. Perfekter Überblick? Nope!



    Die Sicht war auch nicht gerade toll. Einen der beiden Seen konnten wir zunächst überhaupt nicht sehen. Und mein Navi? Ein Navi ist nur so gut wie sein Kartenmaterial!!! Auf meinem Navi waren die beiden Seen ÜBERHAUPT NICHT Eingezeichnet. Ich dachte ich spinne. Da braucht man einmal das Navi und dann das. Wahnsinn. Wir peilten also die mittlere Stelle des Balgatjiegnja Gletschers an. Der auf der Karte übrigens deutlich größer am Mittelstück aussah als in der Realität. Würde mich nicht wundern wenn das Mittelstück in 10 Jahren nicht mehr existiert.

    Das Wetter wurde zunehmend schlechter und spät war es mittlerweile auch schon geworden. Schon seit dem Aufstieg auf die Hügelkette – davor war ja Sumpf – liefen wir nur noch über Geröll- und Blockfelder. Hier ein Zelt aufstellen – unmöglich. Absolut undenkbar. Und viel Sonnenlicht verblieb uns nicht mehr. Der Wind wurde stärker, kam direkt vom Gletscher und war eiseskalt.

    Aber irgendwo mussten wir die Zelte ja aufschlagen. Einmal erblickten wir an einem kleinen See eine perfekte, wunderschön grüne, ebene Fläche – aber es war natürlich Sumpf, hier sackte man tiefer als knöcheltief ein.

    Um mehr Stellen zu finden teilten wir uns, als wir denn endlich den namenlosen See sahen, auf, ich hielt mich weiter rechts, er sich weiter links. Zwischendurch kam ich noch einmal an einer Stelle direkt auf einem Hügel vorbei mit ein wenig Gras und ein wenig Fels. Aber schön oder gut war dieser Zeltplatz keinesfalls. Aber machbar. Also einen Vermerk auf dem Navi und dann weiter. Tom war in weiter Ferne, sodass ich ihm den Zeltplatz auch nicht zeigen konnte. Das ist der Nachteil, wenn man sich aufteilt.



    Dann kam nochmal ein Geröllfeld, mit einer Bodenstruktur, die mich einfach nur faszinierte. Dieser Boden zog sich ewig hin. Wielange liegen diese Steine hier schon so herum? 2000 Jahre? 5000? 100.000 Jahre? 5 Mio Jahre? Wie kurz ist doch ein Menschenleben im Vergleich zu dem, was Steine so "erleben".

    Als wir endlich am See ankamen, untersuchte ich das westliche Ende des Sees, Tom hielt sich weiter im Osten. Zwischendurch fing es auch noch an zu regnen! Bäh! Da ist es kurz vor Sonnenuntergang, man findet keinen Zeltzplatz, weil es nur Geröll gibt und dann kommt, natürlich kurz vor Sonnenuntergang in der kritischen Phase, auch noch Regen dazu! Aber ich fand hier am See, am nordwestlichen Ufer – überhaupt nichts! Garnichts! Hier gab es keine einzige Stelle wo man ein Zelt aufstellen konnte.

    Tom stand auf einem kleinen Hügel, weiter im Osten – m.E. definitiv nicht am nordwesentlichen, sondern am nördlichen Ende des Sees – und so lief ich dann zu ihm. Und tatsächlich hatte er eine Stelle gefunden, auf der man zwei Zelte würde aufstellen können. Der Wind war stark, Heringe zu setzen war schwierig, da das Gras nur sehr dünn war. Wir bauten – im Wind – erst mein Zelt auf, dann seines. Dann noch Wasser holen und ins Bett. Was für ein Tag!
    Geändert von Freedom33333 (20.11.2019 um 15:26 Uhr)

  14. Fuchs
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    AW: [SE] 16 Tage Frust und Lust, Höhen und Tiefen: Anfänger im Sarek

    #34
    Vielen Dank für speziell diesen Einblick in das Sarvesvagge. Gerade dieser Steilhang interessiert mich auch für mein Plan a.02, falls das Lillihavagge nix für mich ist. Das ist eine tolle Gegend, ich freue mich auf die Fortsetzung
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    AW: [SE] 16 Tage Frust und Lust, Höhen und Tiefen: Anfänger im Sarek

    #35
    Zitat Zitat von Freedom33333 Beitrag anzeigen
    Auch gab es hier oben Abschnitte, auf denen man gefühlt bis zum Horizont diese weißen Blumen sehen konnte. Sahen aus wie eine vegane Daunenalternative. Wie heißen die? Unglaublich schön!
    Das ist Wollgras, hat Dir das der gute Tom nicht verraten? Es gibt unterschiedliche Arten, mindestens eine davon wächst auch bei uns in den Mooren, z.B. bei mir quasi vor der Haustür:



    Bei der Beschreibung Deines Abendessens hätte ich fast Mitleid bekommen , klumpiges, angebranntes Tütenei ist ja so ziemlich das Letzte, was man als Belohnung für einen anstrengenden Wandertag brauchen kann. Hoffentlich konntest Du noch irgendwas improvisieren für die weiteren Tage. Ansonsten macht Dein Bericht sehr viel Spaß!

  16. Dauerbesucher

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    AW: [SE] 16 Tage Frust und Lust, Höhen und Tiefen: Anfänger im Sarek

    #36
    Zitat Zitat von Borgman Beitrag anzeigen
    Bei der Beschreibung Deines Abendessens hätte ich fast Mitleid bekommen , klumpiges, angebranntes Tütenei ist ja so ziemlich das Letzte, was man als Belohnung für einen anstrengenden Wandertag brauchen kann. Hoffentlich konntest Du noch irgendwas improvisieren für die weiteren Tage. Ansonsten macht Dein Bericht sehr viel Spaß!
    Ich auch Wobei ich mich auf Tütenei ja immer extrem freue, vorher gut anrühren, dann über ein bisschen angebratenen Speck gießen und "durchbacken" und es wird gut...

    Aber ja, das sollte man vorher mal ausprobieren

    Vielen Dank für die vielen schönen Fotos und die tolle Beschreibung, macht mir sehr viel Lust auf nächstes Jahr

    MfG, Heiko

  17. AW: [SE] 16 Tage Frust und Lust, Höhen und Tiefen: Anfänger im Sarek

    #37
    Tag 6, Mittwoch der 4.9: Luohttolahko - Noajdevagge - Nördliche Seite des Naite im Sarvesvagge

    Die Nacht war kalt. Sonderlich gut habe ich in dieser Nacht nicht geschlafen. Kein Wunder, wir campen, exponiert auf einem Hügel, auf einer Hochebene. Der Wind kommt teilweise vom Gletscher und ist entsprechend kalt. Morgens zeigt das Thermometer zwar 2 Grad an, aber der Wind sorgt für gefühlte Minusgrade.


    Blick aus dem Zelt, rüber zu Toms Zelt


    Blick zum Balgatjiegnnja-Gletscher


    Bei molligen 34 Grad im Schatten.
    (Ok, ich hatte ausversehen Fahrenheit eingestellt)

    Am morgen regnet es. Die Wolken hängen tief, fast auf unserer Höhe. Jedenfalls ist es kein Wetter, das dazu motiviert, aufzubrechen. Vor allem nicht in dem Regen. Er prasselt und prasselt aufs Zelt. Auch mal schön. Der Regen prasselt aufs Dach, ein gutes Buch, ein schönes Kaminfeuer…naja man kann nicht alles haben. Ein Kakao wäre nett gewesen, aber den hatte ich nicht dabei. Zum ersten mal koche ich mir morgens einen Kaffee und am vormittag noch einen.

    Da wir nebeneinander campen kann man sich bequem von Zelt zu Zelt unterhalten, ohne sich nach draußen wagen zu müssen. Die Wettervorhersage vom Garmin InReach Mini sagt ebenfalls Regen voraus. Sonderlich zuverlässig waren die aber übrigens nicht. Ich erinnere mich daran, dass sie oft danebengelegen haben.

    Gegen Mittag wird der Regen schwächer und schwächer und wir beschließen, aufzubrechen. Bloß nicht noch einen Tag hier oben verbringen müssen denke ich mir. Bloß wieder runter von hier oben, runter ins Tal. Zumindest einreden kann man sich ja, dass da unten bestimmt schönes Wetter ist.




    Unser Zeltplatz. Beim See auf 1244m, am nördlichen Ufer des größten davon, direkt vor dem „Steg“ zu einer Halbinsel. Der einzige Zeltplatz in der ganzen Gegend den wir gefunden haben! Ich würde aus der Beschreibung von vobo und einem Foto vom Gletscher schließen, dass er an derselben Stelle gecampt hat?!

    Also alles einpacken und auf geht’s. Da der Wind immer noch erheblich war, bauten wir die Zelte auch jeweils zu zweit ab. Es hat schon seine Vorteile, zu zweit unterwegs zu sein.

    Dann, endlich fertig, auf geht’s. Wäre das Wetter besser gewesen, wäre der Plan klar gewesen: unbedingt auf einen der Berge rauf. Insbesondere der Naite stand eigentlich auf unserem Programm. Aber in dem Wetter? 90% der Zeit lag er in dichtem Nebel, man konnte seine Spitze gar nicht sehen. Selten lichteten sich mal die Wolken. Navigationstechnisch war es dagegen alles sehr einfach: Links der Naite, rechts der Hang vom namenlosen Gipfel auf 1544m und in der Mitte das Noajdevagge.


    Links der Naite


    Blick zurück. Steine gab es genug hier.


    Blick nach Osten, das dürfte der namenlose Gipfel auf 1544m sein, dahinter der Lulihatjakka



    Aber rauf auf den Naite? Wir wollten es erst dann entscheiden, wenn wir unmittelbar davorstehen. Entweder links den Berg rauf oder rechts den Hang runter ins Sarvesvagge.

    Der Weg dorthin war vor allem: Felsig. Geröllfelder, Blockfelder. Daran hatte ich mich inzwischen schon gewöhnt. Hin und wieder gab es Moos dazwischen, sodass man die Füße mal ein wenig entlasten konnte. Auch ein paar Schneefelder gab es, bei denen man aufpassen musste, dass nicht irgendein Bach darunter war.


    Manchmal muss es gar nicht das große Panorama sein das einen fasziniert.



    Ich hing durch meine Fotos mal wieder ein paar Meter dahinter. Irgendwann scherte Tom dann vor mir doch nach rechts aus zum Hang. Und in der Tat lag der Naite mal wieder im Nebel, sodass ein Aufstieg wohl keinen Sinn gemacht hätte. Also bergab.

    Zunächst sah der links Hang eigentlich auch noch recht gut begehbar aus – der Grundsten empfahl dagegen die rechte. Auf den ersten paar hundert Metern wäre die links Seite wohl auch noch gegangen, ab dem ersten Drittel dagegen fiel die links Seite extrem steil ab. Definitiv nicht empfehlenswert. Die rechte Seite war richtig.



    Ich hatte ja bereits in der Einleitung erwähnt, dass ich mit meinen Leki Khumbu 2019 alles andere als zufrieden war. Hier mal anschaulich, was – ständig – passiert ist:


    Auf meinen Hinweis an Tom, dass die Stöcke im Vergleich zur Vorjahressaison um 50g leichter geworden sind und ich mich frage, wo die wohl gespart haben antwortete er dann auch ganz trocken „An der Bindung“.

    Zwischendurch kam nochmal ein Plateau in der Mitte, wo sich der Fluss auf mehrere Arme aufspaltete. Ich erinnere mich daran, dass mir das wunderschön vorkam. Jetzt, auf den Fotos, denke ich mir: War ok. Und während ich diesen Satz schreibe, fällt mir wieder ein, was mich daran so fasziniert hatte – und was das Foto leider nicht einfangen konnte: Erstens, es war, seit der ganzen Trübheit auf der Hochebene, der erste richtig sonnige Moment. Und zweitens, wichtiger, kamen an dieser Stelle mehrere kleine Bäche von der rechten Wand herunter – und in jedem von ihnen spiegelte sich die Sonne. Es war traumhaft!



    Dann gab es andere Stellen, da schnitt sich der Fluss weit in den Boden und der links Hang fiel steil ab. Jedenfalls: Die Rechte Flussseite war ausgesprochen gut zu begehen, gegen Ende gab es wieder und wieder Plateaus.


    Irgendwann kamen wir an mehreren kleinen Seen vorbei. Der Blick auf die Seen im Vordergrund, das Sarvesvagge im Hintergrund – es war ein traumhaftes Panorama! Wäre es nicht noch zu früh gewesen und hätten wir nicht noch ein wenig Strecke machen müssen – hier wäre ein traumhafter Zeltplatz gewesen. Wenn das Wetter mitspielt und ihr Zeit habt, kann ich also definitiv empfehlen, hier das Zelt aufzuschlagen. Hier gab es auch einige sehe ebene Stellen.



    Ich fand es hier so schön, ich hätte Lust gehabt, hier einfach nur 30 Minuten die Aussicht zu genießen und herumzuphilosophieren. Auch ohne diese Pause blieb ich noch ein wenig zurück, bot mir doch der Fluss prächtige Gelegenheiten, mit meinem Dunkelfilter für die Kamera mit längerer Belichtungszeit und Stativ herum zu probieren. Wenn ihr Wasserfälle fotografieren wollt, so kann ich euch dieses Tal wärmstens empfehlen. Man müsste halt ab vom Pfad laufen und dichter am Wasser mit entsprechenden Klettereinlagen.





    Irgendwann, schon recht weit unten, kam von rechts noch ein weiterer Fluss dazu aus dem Lulihavagge – die beiden Flüsse vereinigten sich in der Mitte. Ein tolles Motiv!



    Da wir nach links wollten mussten wir den Fluss aus dem Lullihavagge überqueren und wählten nach Abwägen einiger Optionen den Pfad ganz links, der anschließend ein paar Meter am recht steilen Ufer auf der anderen Seite entlang ging.


    Ab hier, bzw. schon vorher, änderte sich die Vegetation komplett – die Felsen und Steine waren mit Gras und jeder Menge Gestrüpp und auch Bäumen bewachsen. Dennoch gab es hier einige richtig gut ausgetretene Pfade, wenn auch das Gestrüpp sich seinen Platz oft zurückgekämpft hatte.



    Da wir erst recht spät aufgebrochen waren, war es nun schon recht spät und so mussten wir nun, mit vielleicht einer Stunde Sonne übrig, noch einen Zeltplatz finden. Tom war etwas weiter vorne – ich musste einfach eine Klettereinlage am Fluss für ein paar schöne Fotos einlegen – und fand einen Zeltplatz recht weit unten auf einer Wiese direkt am Fluss.


    Klettereinlage ohne Rucksack auf diversen Felsplatten für dieses schöne Motiv.

    Aber das war mir eigentlich schon zu tief unten, wollte ich doch unbedingt etwas weiter oben Zelten mit Aussicht. Man konnte in beide Richtungen blicken, ich fühlte mich hier oben einfach pudelwohl und hatte wenig Lust, jetzt noch die paar 100m abzusteigen. Hier gab es eine Menge Plateus, von denen die meisten zu schräg waren, aber hin und wieder ging es. Ich ließ den Rucksack liegen und lief 15min bergauf - immer sah das nächste Plateau besser aus. Jedenfalls von unten...Und nach ewigem Hin und Her und Abwägen von drei möglichen Zeltplätzen hier oben legte ich mich schließlich auf eine recht ebene Stelle fest. Recht exponiert im Wind, aber da hier schon ein paar Steine herumlagen war ich sicher nicht der erste, der hier zeltet. Dafür war ich gerne bereit, in Kauf zu nehmen, zum Wasser 10 Minuten laufen zu müssen und keine perfekt ebene Stelle zu haben.


    Blick nach Osten ins Sarvesvagge, am Horizont der Laddebakte. 5 Tage später sollte ich auf der anderen Seite, hinter diesem, campen.
    Rechts neben dem Baum sieht man Tom in der roten Regenjacke das Zelt aufbauen.

    Dann ging ich nochmal runter zu Tom, Wasser holen und besprechen wie es weitergehen würde. Für morgen war – wer hätte es gedacht – Regen angesagt. Den ganzen Tag, stark und ohne Pause. Wir zogen also bereits in Betracht, einen Ruhetag einzulegen. Auch lagen hier einige Äste herum, aufgeschichtet wie für ein Feuer - das wäre natürlich noch ein Highlight gewesen. Aber es zogen bereits die nächsten Wolken auf. Schade.

    Den Rest des Abends genoss ich dann noch die Aussicht aus dem Zelt.





    Geändert von Freedom33333 (20.11.2019 um 15:31 Uhr)

  18. Fuchs
    Avatar von Pfiffie
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    AW: [SE] 16 Tage Frust und Lust, Höhen und Tiefen: Anfänger im Sarek

    #38
    Da will ich auch hin

    Spaß beiseite, da will ich auch hin


    Danke für diesen speziellen Teil , ich plane tatsächlich dort von unten ins Lullihavagge zu laufen, daher hab ich das noch interessierter gelesen als eh schon.


    Edit: irgendwie hab ich das fast schon im letzten beitrag geschrieben....verdammt
    Geändert von Pfiffie (19.11.2019 um 10:56 Uhr)
    "Freiheit bedeutet, dass man nicht alles so machen muss wie andere"

  19. Neu im Forum

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    AW: [SE] 16 Tage Frust und Lust, Höhen und Tiefen: Anfänger im Sarek

    #39
    Tom stand auf einem kleinen Hügel, weiter im Osten – m.E. definitiv nicht am nordwesentlichen, sondern am nördlichen Ende des Sees – und so lief ich dann zu ihm. Und tatsächlich hatte er eine Stelle gefunden, auf der man zwei Zelte würde aufstellen können. Der Wind war stark, Heringe zu setzen war schwierig, da das Gras nur sehr dünn war. Wir bauten – im Wind – erst mein Zelt auf, dann seines. Dann noch Wasser holen und ins Bett. Was für ein Tag!
    Nice spot you choose!

    This is the same spot a few days later at september 8th 2019. I also had to search for a while to find a nice spot to pitch my tent. The surrounding mountains look a bit more white.






  20. AW: [SE] 16 Tage Frust und Lust, Höhen und Tiefen: Anfänger im Sarek

    #40
    Zitat Zitat von Pfiffie Beitrag anzeigen
    Da will ich auch hin

    Spaß beiseite, da will ich auch hin


    Danke für diesen speziellen Teil , ich plane tatsächlich dort von unten ins Lullihavagge zu laufen, daher hab ich das noch interessierter gelesen als eh schon.


    Edit: irgendwie hab ich das fast schon im letzten beitrag geschrieben....verdammt
    Ach, das macht nichts, Feedback ist immer schön.

    Das mit dem Lulihavagge finde ich witzig, ich habe erst gestern beim Schreiben bzw. beim Nachschauen des Namens auf der Karte gedacht, dass man von dort eigentlich auch prima in die Gegend unterhalb des Gadoktjahkka käme, die mir ja auch super zentral zu sein scheint. Jedenfalls steht auf meiner Wanderkarte Sareks nationalpak genau da

    Ganz am Anfang hatte ich auch mal in Betracht gezogen, da entlang zu laufen - und mir dann, als Challenge, vorgenommen, statt den Skierffe auf den Tjahkelij zu laufen. Von der westlichen Seite aus. Das habe ich dann aber verworfen, erstens weil jemand schrieb, die linke Seite des Rapadalen sei extrem schwer zu begehen durch die Vegetation, andererseits weil ich, wäre ich ein Bär, mich genau da aufhalten würde.
    Aber auf google Earth sah für mich die linke Flanke zwar anspruchsvoll, aber machbar aus. War mir dann aber für die erste richtige Trekking-Tour doch alles ein wenig zu krass.

    Von wo willst du dann kommen im Sarvesvagge? von Osten oder von Westen?
    Geändert von Freedom33333 (19.11.2019 um 11:53 Uhr)

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