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  1. Erfahren
    Avatar von vobo
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    AW: [SE] 16 Tage Frust und Lust, Höhen und Tiefen: Anfänger im Sarek

    #61
    Mitreisende: Freedom33333
    Das Gestrüpp im südlichen Álggavágge ist aber schon auf der Karte zu erkennen. Warum war dann Deine Entscheidung falsch? Aus meiner Sicht ist es wirklich empfehlenswert, relativ früh den Fluß zu furten und den immer wieder vorhandenen Pfad auf der anderen Seite zu nutzen.

  2. AW: [SE] 16 Tage Frust und Lust, Höhen und Tiefen: Anfänger im Sarek

    #62
    Zitat Zitat von vobo Beitrag anzeigen
    Das Gestrüpp im südlichen Álggavágge ist aber schon auf der Karte zu erkennen. Warum war dann Deine Entscheidung falsch? Aus meiner Sicht ist es wirklich empfehlenswert, relativ früh den Fluß zu furten und den immer wieder vorhandenen Pfad auf der anderen Seite zu nutzen.
    Da habe ich mich wohl missverständlich ausgedrückt. Ich würde in der Tat empfehlen, den Fluss so früh wie möglich zu furten. Nur eben nicht da, wo ich es gemacht habe, nämlich an der breitestmöglichen Stelle durch den Sumpf Das war aus der Not und dem Frust heraus eine Hauruckaktion. Richtig wäre es gewesen, sich aus erhöhter Stelle eine gute Stelle herauszusuchen.

    edit: Zwingend ist das Queren aber übrigens nicht. Es gibt, wie sich noch herausstellen wird, auch auf der südlichen Flussseite einen Pfad, der war gar nicht mal schlecht. Schien ungefähr 100m hinter der Stelle, wo ich gequert habe, anzufangen
    Geändert von Freedom33333 (26.11.2019 um 17:58 Uhr)

  3. Fuchs
    Avatar von dominiksavj
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    AW: [SE] 16 Tage Frust und Lust, Höhen und Tiefen: Anfänger im Sarek

    #63
    Zitat Zitat von Gonorth Beitrag anzeigen
    Nice spot you choose!

    This is the same spot a few days later at september 8th 2019. I also had to search for a while to find a nice spot to pitch my tent. The surrounding mountains look a bit more white.





    Da oben waren wir letztes Jahr Baden
    freedom's just another word for nothing left to lose

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    AW: [SE] 16 Tage Frust und Lust, Höhen und Tiefen: Anfänger im Sarek

    #64
    Zitat Zitat von Freedom33333 Beitrag anzeigen

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    Avatar von Mortias
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    AW: [SE] 16 Tage Frust und Lust, Höhen und Tiefen: Anfänger im Sarek

    #65
    Zitat Zitat von vobo Beitrag anzeigen
    Das Gestrüpp im südlichen Álggavágge ist aber schon auf der Karte zu erkennen. Warum war dann Deine Entscheidung falsch? Aus meiner Sicht ist es wirklich empfehlenswert, relativ früh den Fluß zu furten und den immer wieder vorhandenen Pfad auf der anderen Seite zu nutzen.
    Hier will ich mal meinen Senf beisteuern, da ich bei meiner Tour dieses Jahr auch den Abschnitt gelaufen bin (vom Niejdariehpvagge ins Alggavagge). Nur dass ich dann auf der orografisch linken Seite vom Fluß geblieben bin. Dort gabs zwar schon einiges an Gestrüpp, aber besonders ein mehrere km lang erscheinender Dickicht-Abschnitt (wo ich erst dachte "och nö, muss das sein") war dann deutlich angemehmer als gedacht, da es neben dem Flußufer viel trockenen und kaum bewachsenen Untergrund gab wo man gut voran kam (Trampfelpfade inklusive). Von daher bin ich sehr froh, dass ich erst später die Seite gewechselt habe. Übrigens habe ich dann Abends an fast derselben Stelle mein Zelt aufgeschlagen (und zwar auf der kleinen Anhöhe die man im vorletzem Bild im Hintergrund sehen kann).



    Zitat Zitat von Freedom33333 Beitrag anzeigen
    edit: Zwingend ist das Queren aber übrigens nicht. Es gibt, wie sich noch herausstellen wird, auch auf der südlichen Flussseite einen Pfad, der war gar nicht mal schlecht. Schien ungefähr 100m hinter der Stelle, wo ich gequert habe, anzufangen
    edit: Da hab ich Deinen Kommentar dazu wohl ganz übersehen. Genau den Pfad bin ich dann (mehr oder weniger) gelaufen.

    Davon abgesehen gefällt mir Dein Bericht echt gut. Er ist unheimlich ehrlich und authentisch geschrieben. Natürlich ist echt bitter, dass Du gleich bei der ersten Tour in Lappland die volle Dröhnung an Unannehmlichkeiten abbekommen hast. Aber wenn es Dir dann trotzdem insgesamt gefallen hat, weißt Du defnitiv, dass Du auch auf späteren Touren Deinen Spaß haben wirst.

  6. AW: [SE] 16 Tage Frust und Lust, Höhen und Tiefen: Anfänger im Sarek

    #66
    Tag 10: Sonntag, 8.9.2019. Die Rettungsmission. Wunderschönes Alggavagge – Blick ins Guohpervagge – und ein Traum von Zeltplatz

    Die Nacht war kalt. Der Fußteil des Schlafsacks ist ordentlich nass und leicht eingedrückt.


    An den Stiefeln hat sich eine Eisschicht gebildet. Waren wohl nicht ganz trocken. Auch einiges an Reif am Zelt. Mein Thermometer zeigt morgens -3 Grad.



    Der Reif stellt mich vor die nächste Frage: Konnte man den vom Zeltmaterial einfach mit einem Lappen abschaben wie von einer Autofensterscheibe? Das kratzte bedenklich. Wieder sowas worüber man vorher nie nachgedacht hat. Ich entscheide mich dafür. Der Lappen ist nach kürzester Zeit vereist und die Hände frieren einem ab. Na klasse.


    Erstmal nen Tee. Immerhin: Ich war nicht allein!


    Suchbild. Welches süße Tier suchen wir hier?



    So, heute muss ich auch wieder ordentlich Strecke machen! Moment, war da nicht was? Ach ja. Mist. Die Neoprenschuhe.
    Nun musste ich abwägen: Sollte ich die Strecke nochmal zurücklaufen oder nicht?

    Dafür:
    (1) Ich brauche die Neoprenschuhe zum Flüsse durchqueren. Sie sind nicht ersetzbar. Wer weiß, wie viele anspruchsvolle Flüsse noch kommen.
    (2) So weit war es nicht weg. Vielleicht eine Stunde Fußweg hin, eine Stunde zurück.
    (3) Das eigene Ego. Die Schuhe nicht abholen würde bedeuten, den Fehler nicht wiedergutzumachen, mithin die eigene Dummheit zu perpetuieren.
    (4) Der Umweltschutz. Das waren 200g Stoff. Einerseits Klopapier verbrennen, andererseits 200g Stoff zurücklassen? Widersprüchlich.

    Kontra:
    (1) Der Weg war beschwerlich. Wer weiß wie lange ich brauchen würde.
    (2) ich müsste das Zelt zurücklassen. Davor war mir nicht wohl.
    (3) War ich mir sicher, dass die Schuhe dort lagen? Oder hatte ich sie eingesteckt und im Sumpf verloren? Aber hätte ich mich dann nicht an das Einstecken erinnern müssen? Und doch – im Hinterkopf ließen sich die Zweifel nicht ganz vertreiben. So viele neue Erfahrungen, so viel neues, jeden Tag. War ich mir 100% sicher?
    (4) Was, wenn jemand vorbeigekommen war, der sie mitgenommen hatte? Dann würde ich ganz umsonst laufen. Ach komm…wie wahrscheinlich war das denn. Und wenn ein Tier sie mitgenommen hatte? Quatsch!
    (5) Es mag komisch klingen. Aber: mental befand ich mich jetzt „in der Mitte“ vom Sarek. Bis heute war ich sozusagen „tiefer in den Sarek hineingelaufen“, ab heute wollte ich „wieder aus dem Sarek heraus, zurück in die Zivilisation“. Darauf hatte ich mich psychisch irgendwie den ganzen gestrigen Tag eingestellt und gefreut. Stattdessen würde ich nun wieder zurück in die Wildnis laufen.


    Blick in morgendlicher Atmosphäre nach Osten


    Blick zurück nach Westen.

    Hmmmmmm.
    Das Wetter war gut.
    Ich war schon gegen 6 Uhr wach, gegen 7 Uhr abmarschbereit.
    Ich musste sie zurückholen!

    Das Zelt blieb stehen und es ging, nur mit dem Nötigsten, wieder zurück nach Westen.



    Auch die Routenführung war eigentlich klar: An der Stelle, an der ich den Fluss überquert hatte, befand sich dieser nahe an der südlichen Talseite und den Sumpf wollte ich keinesfalls nochmal dort durchqueren. Also entschied ich mich, den Fluss gleich hier zu überqueren und dieses mal das andere Ufer zu verwenden. Dann müsste ich zwar den Fluss insgesamt viermal überqueren, aber alles war besser als der Sumpf. Ein Glück dass ich gestern das Navi den ganzen Tag anhatte, so musste ich mir nur die Stelle raussuchen, wo die Route von gestern den Fluss kreuzte und konnte diesen Punkt anpeilen.
    Also über den Fluss.

    Ok, also Stiefel aus, Neoprenschuhe an und dann…
    Moment.
    Ach Mist.


    Nach einigen 100m finde ich eine Stelle wo ich mit ein paar schnellen Schritten durchs eigentlich etwas zu Wasser, die Regenhose eng an den Schuhen dran, den Fluss quere. Ohne mir nasse Socken zu holen. Wieder. Erstaunlich .


    Dann geht es erstmal recht gut über Gras und Hügel, später dann wieder durchs Gestrüpp. Unglaublich wie flott man ohne Gepäck unterwegs ist. Und tatsächlich: es gibt einen Pfad. Mal zugewachsen, aber insgesamt ziemlich gut. Die Stimmung so früh am morgen ist irgendwie anders, fand ich klasse. Eigentlich alle Pfützen am Boden hatten über Nacht eine Eisschicht bekommen. Mega!

    Wieder und wieder schaute ich aufs Navi. 2km. 1km. 500m. Auf den letzten 200m wurde es extrem sumpfig und sehr schwer, Stellen zu finden, die nicht schienbeintief waren. Das war die Gegend an der ich gestern frustriert den Fluss gequert hatte. Da! Das ist die Flussbiegung!


    Die Berge spiegelten sich hier wunderschön im Wasser.

    Stiefel aus und Barfuß rüber. Ging ja nicht anders, aber der Fluss war nicht steinig sondern sandig.
    Und tatsächlich…


    Beweisfoto.
    Mission Accomplished. The hostage has been rescued.


    Blick nach dem Queren der Flussbiegung nach Westen

    Ok, wieder zurück über den Fluss auf die südliche Seite und den ganzen Weg zurück nach Osten.


    Die Lichtverhältnisse so früh am morgen waren völlig anders und ich hatte das Gefühl, ich würde eine völlig andere Strecke laufen als gestern (Ok, bin ich ja auch)


    Auch die Wolken trugen ihren Teil zur Atmosphäre bei

    Das geht wieder recht flott.


    Ich quere den Fluss schon etwas früher zurück.




    Ziemlich genau nach 2,5 Stunden bin ich wieder am Zelt.

    Beim Abspülen des frisch vor der Tour gekauften Titantopfes Toak 700m passiert das undenkbare: Auf einmal war nur noch ein Griff da. WAS? Erst jetzt realisiere ich, dass die beiden Titan-Drähte die als Griff fungierten jeweils mit beiden Enden nur in eine Lücke durch die aufgeschweißte Metallplatte gesteckt waren, innen aber nicht verbunden. Und so reichte schon ein leichter falscher Druck und ein Griff war weg. Frust. Ärger. Das Ding war teuer, und dann sowas? Unfassbar!
    Hmm….ich wage an einer ruhigeren Stelle den Test mit dem zweiten Griff. Trotz des kaum spürbaren Gewichts fällt dieser direkt zu Boden ohne sich fortspülen zu lassen. Hoffnung kommt auf. Nochmal an der Spülstelle…30 Sekunden den Boden absuchen – und tatsächlich finde ich den zweiten Griff, im Wasser liegend, 30cm tief. Kalt wars!
    Trotzdem für mich ein Konstruktionsfehler – mindestens aber ein Instruktionsfehler.

    Und so bin ich erst gegen 10.30 bereit zum Aufbruch.
    Jetzt. Raus aus dem Sarek. Auf geht’s!


    Die ganze Zeit am Horizont: Verschneite Gipfel. Ich tippe auf das Sarektjahkka, es könnte aber auch der östliche Zipfel des Ruohtes sein.


    Erst geht es ein bisschen bergauf, dann weitet sich das Algavagge. Unfassbar schön! Hier kam ein Highlight nach dem anderen! Das Algavagge in diesem Teil ist der absolute Hammer und einfach nur empfehlenswert!





    Zunächst komme ich an mehreren Stellen vorbei, wo sich andere einen „Schutzwall“ gebaut haben. Aus meiner Erfahrung in Schottland nahe einem Gipfel weiß ich, wie lange so etwas dauert. Es bleibt die Frage, ob das eigentlich wirklich etwas bringt – oder nur der Beruhigung der eigenen Psyche dient. Als Schutz gegen die Wildnis.


    Blick zurück nach Westen, „Schutzwall“


    Eine tolle Weite!

    Dann komme ich an den Ahkajahka der durch das Ahkavagge vom Ahkajiegja Gletscher herabkam.


    Hätte ich mehr Zeit gehabt und wäre Tom noch dabei gewesen – das wäre meines Erachtens eine super Stelle gewesen, mal einen Gletscher zu betreten. Aber alleine, unter Zeitdruck – ne.



    Aber was machte das schon. Der Fluss spaltete sich hier auf zahlreiche Arme auf – ich hatte so etwas noch nie gesehen – und ich setzte erstmal den Rucksack ab, zog mir die Daunenjacke über und verbrachte 30min, lesend im Kindle, vor dieser Aussicht. Und wenn ich Lust auf Heidelbeeren hatte musste ich nichts weiter machen als die Hand ausstrecken und sie von den Büschen pflücken, auf denen ich saß. Hätte ich hier einen Bratwurstbaum und einen Bach in dem Kakao fließt gefunden, es hätte mich nicht weiter gewundert.

    Wenn ich diesen Ort in einem Wort beschreiben müsste dann wäre das:

    Friedlich.
    Einfach nur: Friedlich.

    Wer solche Flussarme gewohnt ist wird das kaum nachvollziehen können, aber für mich war diese Stelle – neben dem Skierffe und natürlich den Nordlichtern – das Highlight der Tour.

    Auch auf der anderen Seite des Hügels spaltete sich der Fluss auf mehrere Arme auf. Gerne hätte ich dieselbe Szene mal im August bei Hochwasserstand gesehen, so musste ich mich mit niedrigen Wasserständen begnügen.


    In paar 100m weiter wurde es gar noch spektakulärer: Der Fluss spaltete sich hier auf unzählige Arme auf, ich konnte sie kaum noch zählen.





    Und am Ende kam etwas, das sah aus wie ein Zaun. Ups. Erstmal im Reiseführer und auf der Karte nachschauen. Ah, tatsächlich, ein Zaun. Das Finden eines Gatters gestaltet sich dann aber nicht schwer, ich verzichte darauf, die Flussarme zu queren und halte mich links (Nördlich) vom Delta.


    Auch eine Hütte gibt es hier, auch wenn ich darauf verzichte, zu schauen, ob man sie betreten könnte.


    Gut getarnt in rot.

    Dann tat sich irgendwann der Blick nach Westen ins Guohpervagge auf.



    Die ganzen Hügel – einfach wunderschön. Trotzdem konnte ich keine Hobbits entdecken.
    Als nächstes würde ich den Guojperjahka furten müssen.




    Wer außer mir sieht die Sphinx im Bild?

    Reiseführer und Karte waren eindeutig: unbedingt rüber auf die nördliche Flussseite und dort weiter zur Skarja-Hütte. Ich entscheide mich direkt hier runter zum Fluss zu laufen, da er sich dort auf mehrere Arme aufteilt.
    Unten angekommen fasziniert mich diese Stelle ungemein – zig Sandbänke und große Steine.




    Guohpervagge

    Als Jugendlicher hatte ich mal ein Computerspiel gespielt, in dem das Ziel darin bestand, von Stein zu Stein zu hüpfen ohne runterzufallen. Einzig und allein – dort konnte man mit /quicksave und /quickload jederzeit neu beginnen. Das ging hier leider nicht…trotzdem verspürte ich wenig Lust, die Stiefel auszuziehen. Ich witterte die Herausforderung!


    Und auch hier war ich nicht allein.



    Dann, von Stein zu Stein. Das geht zunächst sehr gut.
    Uhm.
    Der Stein ist aber spitz.
    Aber ich habe ja meine Stöcke.
    Langsam…vorsichtig…
    Platsch.

    Ich rutsche ab, falle aufs Gesäß und rutsche den Stein runter ins hüfttiefe Wasser. Immerhin kann ich mich auf den Beinen halten und den Rucksack trocken halten.
    Mist!
    Ich rette mich auf den nächsten Stein.
    Das Wasser steht in beiden Schuhen!

    Warum habe ich das gemacht??? Ich bin noch ca. 5 Tagesmärsche entfernt von der nächsten Straße und habe, völlig überflüssigerweise, klatschnasse Stiefel. Man habe ich mich geärgert! High Risk High Reward. Sagt man. Aber was war das hier? Das war High Risk No Reward. Dämlich! Einfach nur dämlich!



    Auf der Wiese danach ziehe ich in den nächsten 30min gleich dreimal die Stiefel aus um die Socken auszuwringen. Den Versuch, die Sohle aus meinem Guffert GTX zu holen breche ich ab – wie schon im letzten Urlaub ist wieder an der Ferse der Kork um das Geldpad gebrochen. Ich friemel die Sohle wieder in Position. Das letzte was ich jetzt brauche, sind defekte Stiefel. Das hat mich schon gewundert, dass die Sohle von einem 280€ Stiefel sofort zerbricht, wenn sie mal nass wird.


    Blick zurück nach Süden, von da oben bin ich gekommen (Habs korrigiert ;) )


    Blick nach Osten, es gibt einen guten Pfad, man kommt schnell voran.



    Über all das Stiefel trocknen ist es doch schon recht spät geworden. Ich hatte mir als Ziel gesetzt, heute bis Skarja zu laufen. Der Pfad geht am nördlichen Hang entlang – einen eindeutigen Pfad gab es hier nicht. Vielmehr zig Pfade auf unterschiedlichen Höhen.


    Aber die Aussicht – der Blick auf die Seen südlich der Skarja-Hütte (die man freilich noch nicht sehen konnte) war wunderschön.



    Und der Guohperjahka stürzte sich das Tal hinab, immer wieder über Wasserfälle. Als ich hier zwei halbwegs ebene Stellen in unmittelbarer Nähe des Flusses erspähe war für mich sofort klar: Ich bleibe hier. Was soll ich jetzt unbedingt versuchen, bis zu der Hütte zu laufen, nur weil das eigentlich mein Tagesziel war. Nur das Rauschen der Wasserfälle hier war unglaublich laut. Der Liegetest brachte aber das Ergebnis, dass das Rauschen deutlich leiser war, wenn man keinen Sichtkontakt mehr hatte.

    Also schlage ich das Zelt auf. Windgeschützt ist hier nichts – aber die Wettervorhersage im Garmin sagt eine nahezu windstille Nacht voraus


    Blick zurück nach Westen, von dort komme ich: Ein Wasserfall


    Blick nach Osten ins Tal.


    Sieht zwar aus als hätte ich mit der Farbkorrektur rumgespielt, habe ich aber nicht. Die abendliche Atmosphäre ließ die Farben nur so strahlen.

    Ich klettere noch eine Weile am Fluss herum, mache Fotos, spiele mit dem Verdunkelungsfilter herum.




    Als es dunkel wird wage ich es – ich schichte diverse Steine zu einem Kreis auf, sammle trockene kleine Äste und versuche diese mit etwas Papier zu entzünden. Und zu meiner großen Überraschung kriege ich es hin. Ich will der Umwelt zu Liebe kein großes Feuer machen und begnüge mich damit, ein kleines Feuerchen für 15min am Leben zu erhalten.

    Laut Grundsten ist das nicht verboten, man solle es aber nur in Maßen machen.
    Trotzdem schaue ich mich die ganze Zeit versohlen wie ein kleiner Junge um, als würde gleich jemand hinter mir stehen, der mir die Hand auf die Schulter legt und sagt: "Mach das Feuer aus". Dabei habe ich seit 3 Tagen keinen Menschen mehr gesehen.

    Witzigerweise ist danach die Bodenplatte so unfassbar heiß geworden, dass ich sie neben mein Zelt stelle und meine Füße für 10min darauf wärmen kann. Das eine völlig andere Wärme als die Wärme vom Laufen.
    Dann geht’s zufrieden und glücklich ins Bett.
    Die nassen Stiefel sind längst vergessen.
    Geändert von Freedom33333 (10.12.2019 um 15:19 Uhr)

  7. Erfahren
    Avatar von Ljungdalen
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    AW: [SE] 16 Tage Frust und Lust, Höhen und Tiefen: Anfänger im Sarek

    #67
    Zitat Zitat von Freedom33333 Beitrag anzeigen
    Suchbild. Welches süße Tier suchen wir hier?
    Spinne (sieht man nicht vollständig... Kreuzspinne?)

    Zitat Zitat von Freedom33333 Beitrag anzeigen
    (2) ich müsste das Zelt zurücklassen. Davor war mir nicht wohl.
    Würde ich mir nie Sorgen drum machen. Nicht in der Gegend. Habe auch schon Rucksack (ohne aufgebautes Zelt) irgendwo für einen gepäcklose Abstecher ein paar Stunden stehen lassen. Sollte allerdings gut wiederfindbar sein, isbd. bei miesem Wetter/schlechter Sicht

    Zitat Zitat von Freedom33333 Beitrag anzeigen
    Auch eine Hütte gibt es hier, auch wenn ich darauf verzichte, zu schauen, ob man sie betreten könnte.
    Die Rentierwächterhütten sind eigentlich immer verschlossen.

    Apropos. Im Grundsten steht, die Hütte unweit der Brücke über den Gådokjåhkå sei unverschlossen. Ist das (heute noch) so? War da schon mal bzw. in letzter Zeit jemand?

    Zitat Zitat von Freedom33333 Beitrag anzeigen

    Blick zurück nach Norden, von da oben bin ich gekommen
    Hm, fast direkt nach *Süden*, oder?

    Hoffentlich komme ich im nächsten Jahr auch bis an die Stelle und habe dann so ein Wetter! Für den Áhkátjåhkkå als höchsten Gipfel des Massivs, genau in Bildmitte, habe ich einen ganzen Tag eingeplant. Von hier sieht man (bei voller Auflösung) gut den Aufstiegsweg: den Grat hoch und oben eher so am rechten (westlichen) Rand des Schneefelds zum Gipfel. Runter vielleicht direkt ins Tal links bzw. dahinter (Südwesten) - soll laut Grundsten gehen. Werde ich von oben besser einschätzen können

    Und nochmal: sehr schöner Bericht. Diese kleineren/größeren Missgeschicke (Schuhe, Topfgriff, unfreiwilliges Bad): ich kann das *so gut* nachvollziehen... Gar nicht weit von da habe ich es übrigens auch schon mal geschafft, mich mit Sachen ins Wasser zu setzen, allerdings war das Zelt schon aufgebaut und ich hatte nur noch Sandalen an. Wollte ausprobieren, ob die schlammbedeckten Steine am Grund eines Sees tatsächlich glitschig sind (warum nur?!). Nun ja, waren sie.

  8. Fuchs
    Avatar von Pfiffie
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    AW: [SE] 16 Tage Frust und Lust, Höhen und Tiefen: Anfänger im Sarek

    #68
    Sehr schön das ganze ohne den vielen Schnee Klasse.

    Aber bei den Richtungsangaben bin ich verwirrt. Ich glaube der Blick auf den Berg am Anfang des Alggavagge ist nicht südlich sondern westlich und du gehst nicht aus dem Sarek sondern richtung Zentrum wenn du zur Mikkastuga läufst, deswegen war ich etwas verwirrt im Kopf, da du geschrieben hast es geht wieder raus aus dem Sarek (war ja im Prinziep nur bis kurz nach dem Pass so

    Dieses Kiesdelta habe ich auch gut in Erinnerung und auch im Schnee ist das ein ganz toller Platz, da kann ich deine Ansichten absolut teilen. Mega!
    "Freiheit bedeutet, dass man nicht alles so machen muss wie andere"

  9. AW: [SE] 16 Tage Frust und Lust, Höhen und Tiefen: Anfänger im Sarek

    #69
    Zitat Zitat von Ljungdalen Beitrag anzeigen
    Hm, fast direkt nach *Süden*, oder?
    Haste Recht, habs korrigiert. Manchmal kommt man da durcheinander bei den ganzen Angaben, danke für die Korrektur. Und danke für das Feedback .

    Zitat Zitat von Pfiffie Beitrag anzeigen
    Sehr schön das ganze ohne den vielen Schnee Klasse.

    Aber bei den Richtungsangaben bin ich verwirrt. Ich glaube der Blick auf den Berg am Anfang des Alggavagge ist nicht südlich sondern westlich und du gehst nicht aus dem Sarek sondern richtung Zentrum wenn du zur Mikkastuga läufst, deswegen war ich etwas verwirrt im Kopf, da du geschrieben hast es geht wieder raus aus dem Sarek (war ja im Prinziep nur bis kurz nach dem Pass so

    Dieses Kiesdelta habe ich auch gut in Erinnerung und auch im Schnee ist das ein ganz toller Platz, da kann ich deine Ansichten absolut teilen. Mega!
    Das mit "Zentrum" und in den Sarek oder aus dem Sarek raus war rein im Sinne meiner subjektiven Einschätzung gemeint. In der Tat dürfte man wohl im Regelfall Skarja? als Zentrum des Sarek ansehen. Da mir keine Wege auf der westlichen Seite aus dem Sarek heraus bekannt waren (Kungsleden läuft da irgendwo lang? Haste nur nichts von wenn du deinen Flug kriegen musst) war für mich die Mitte quasi die Mitte meiner Tour, also der Punkt, an dem ich in beide Richtungen genausolang zurück zu einer Straße brauchen würde wo ein Bus fährt. 4 bis 5 Tage. Der wildeste Ort, an dem ich mich in meinem Leben jemals befunden habe. Hier war es völllig egal ob man Spaß hat oder Frust, gutes Wetter oder Schnee - man braucht 4-5 Tage um seinen Weg zurück in die Zivilsation zu finden. Der kürzeste Weg wäre wahrscheinlich nach Suorva nach Osten gewesen.

    Meinst du das Foto auf das sich Ljungdalen bezogen hat? Man könnte es auch als Südwesten beschreiben. Das dürfte die Stelle sein nachdem ich den Rentierzaun passiert hatte, runter zum Guohperjahka gelaufen bin und diesen überquert habe. Der Berg rechts im Bild müsste dann der Guohperskajdde sein (1644m), der Berg in der Mitte etwas weiter hinten der Ahkatjahkka, links der Skarvatjahkka.
    Geändert von Freedom33333 (10.12.2019 um 16:32 Uhr)

  10. Fuchs
    Avatar von Pfiffie
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    AW: [SE] 16 Tage Frust und Lust, Höhen und Tiefen: Anfänger im Sarek

    #70
    Du hast recht, immer noch verwirrt, das was du rechts beschreibst (richtig) war für mich in der Mitte . Da hatte ich irgendwo einen Hänger im Kopf. Aber wirklich schon dort und ein paar gute Zeltplätze gibt es da auch, da fühlt man sich richtig gut!
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  11. Erfahren
    Avatar von Ljungdalen
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    AW: [SE] 16 Tage Frust und Lust, Höhen und Tiefen: Anfänger im Sarek

    #71
    Zitat Zitat von Freedom33333 Beitrag anzeigen
    Da mir keine Wege auf der westlichen Seite aus dem Sarek heraus bekannt waren (Kungsleden läuft da irgendwo lang? ...
    Padjelantaleden. (Z.B.) Durchs Álggavágge zum Álggajávrre, von da entweder nach Darreluoppal am Padjelantaleden, dann auf selbigem nach Kvikkjokk, oder den Miellädno/Låddejåhkå abwärts bis zum Weg und dann nach Norden (aber um die Jahreszeit zu spät, weil Boot nach Ritsem nicht mehr fährt, 2020 sowieso noch unklar). Beides in 4 Tagen machbar, wenn es sein muss. Skarja-Suorva notfalls in zwei.

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