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    16.06.2017
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    [CA] Wind River

    #1
    Mitreisende: pippo
    Vorbereitung:
    Ursprünglich wollten wir nach Alaska. In der Vorbereitung – unter anderem hier im Forum mit euren Tipps und Erfahrungsberichten haben sich dann für mich allerdings bald die Mc Kenzi Mountains herauskristallisiert. Wir wollten eine Tour auf einem Fluss mit max. WW II oder einfachen WW III Stellen machen. Zumindest der Einstieg sollte nur mit dem Flugzeug erreichbar sein und Wandermöglichkeiten sollte es geben. All dies trifft auf den Wind River zu.
    Mittlerweile würde ich die Kriterien für einen perfekten Fluss noch um die Wasserqualität bzw. sogar die Klarheit des Flusses erweitern. Dass der Wind River bis kurz vor den Peel River glasklar ist, ist nicht nur traumhaft schön, sondern es macht auch das Schwimmen leichter, angenehmer und das Wasser schmeckt auch einfach besser.

    Anreise:
    Wir reisen mit Lufthansa von Wien – München – Vancouver – Whitehorse an und legen eine Übernachtung in Vancouver ein, um Sonntagfrüh um 10.00 Uhr (halbwegs) ausgeschlafen in Whitehorse anzukommen.

    Tag 1 - Whitehorse:
    Wir mieten uns ein kleines Auto für den ersten Tag, um gemütlich alle Besorgungen in Whitehorse erledigen zu können. Anstelle eines kleinen Autos erhalten wir das größte, dass der Autoverleih im Sortiment hat ohne Aufzahlung. Das Fahrgefühl in dem Monstertruck-ähnlichen Gefährt ist toll und wir sind fast traurig, dass wir keine Zeit für eine größere Tour haben.
    Im Nachhinein betrachtet wäre es auch möglich alle Erledigungen ohne Auto zu machen. Die Taxis sind nicht besonders teuer – aber viel sparen würde man sich auch nicht und komfortabler ist es natürlich mit eigenem Auto.
    Die Lebensmittelgeschäfte in Whitehorse haben ein erfreulich gutes Sortiment und wir kaufen in einem Geschäft ein, dass auch eine große Auswahl an Bio-Produkten hat. Wir denken uns, wenn wir schon 2 Wochen jeden Tag das Selbe essen müssen – dann wenigsten gute Qualität kaufen.

    Das Highlight des Shopping-Tages ist aber das Sportgeschäft in Whitehorse. Dort findet man wirklich alles was das Outdoor-Herz begehrt. Wir verbringen sicherlich 2 Stunden darin und kaufen deutlich mehr als wir auf unserer Einkaufsliste stehen haben. Die jungen Verkäufer sind allesamt selbst erfahren und haben u.a. auch unsere geplante Tour bereits gemacht. Die Info, dass sie dabei 14 Bären gesehen haben, erfreut Nora nur mäßig.

    Weniger ein Highlight war der Einkauf der topografischen Karten. Von unserem Outfitter wurde uns zwar gesagt in welchem Geschäft wir die Karten kaufen können aber nicht welche Karten wir kaufen sollten. Nachgefragt habe ich nicht, weil ich davon ausgegangen bin, dass die Verkäufer im Geschäft dieses Wissen haben. Das war jedoch nicht der Fall. Wind River … ?? Wir bekommen alle möglichen Karten-Ausschnitte vorgelegt, können aber nicht erkennen wo der Startpunkt unserer Reise ist und kaufen auf gut Glück ein paar Ausschnitte.

    Tag 2 – Ab in die Wildnis
    Um 7.00 Uhr geht es los Richtung Mayo. 5 Stunden Fahrt. Wir werden von Wolf Adventure abgeholt. Gleich nach einer halben Stunde sehen wir gerade noch den ersten Bären im Gebüsch verschwinden. Auf der Fahrt kommt man immer wieder an alten Waldbränden vorbei. Die Frau von Wolf erzählt uns viel über die Region, die Kultur und wir lernen unter anderem, dass Waldbrände hier gar nicht bekämpft werden. Viel zu viel Fläche, zu viele Brände und zu wenig Budget.
    Mayo besteht aus ein paar Häusern und der Flugplatz ist außerhalb des Dorfes. Der Flugplatz kombiniert idyllischen Blockhaus-Flair mit schönem Garten und Industrie-Gelände mit verrosteten Benzinfässern und sonstigen Flugzeugteilen.
    Wir laden unser Gepäck aus und wiegen alles. Nachdem wir nur zu dritt sind, müssen wir uns wegen Gewicht keine Gedanken machen. Von Wolf Adventure haben wir ein Kanu, Kayak, Schwimmwesten, Wurfsack und Bärenspray bestellt. Zu unserem großen Schreck müssen wir feststellen, dass die letzten beiden vergessen wurden und die Schwimmwesten mit Standardgröße für Nora mit ihren 55Kg nicht besonders geeignet sind.

    Was wir an dieser Stelle machen würden, wenn wir in 30 Minuten einen Flug für mehrere Tausend CAD haben aber kein Bärenspray, weiß ich nicht. Zum Glück ist es nicht so weil es zum Glück am Flugplatz noch einen Spray gab, den wir bekommen haben. Das nächstes Mal würde ich die Ausrüstung aber bereits in Whitehorse checken oder überhaupt zu einem Outfitter im Ort gehen, wo man sich das gesamte Equipment am Vortrag anschauen gehen kann und noch die eine oder andere Frage stellen kann.

    Helmut hat gerade erst die Pilotenlizenz erfolgreich abgeschlossen aber für Nora und mich war es der erste Flug in einem Kleinflugzeug. Entsprechend aufgeregt waren wir als endlich alles im Flugzeug verstaut war.
    Wir hatten gutes Wetter für den Flug – das sollte zum Glück auch fast für den gesamten Trip so bleiben. Der Flug zum Mc Clusky Lake ist mit ca. 1 Stunde relativ kurz. Am See angelangt muss ich mich erst einmal am Boden hinlegen. Ich bin als größter in der Mitte auf der Rückbank gesessen und konnte aufgrund der niedrigen Fenster den Horizont nicht sehen. Nora und Helmut durften erst einmal alleine ausräumen.
    Keine 15 Minuten später war alles draußen und das Flugzeug wieder weg. Ab jetzt waren wir wirklich alleine und das sollte auch für die nächste Woche so bleiben.

    Wir sind erschöpft von dem langen Tag und beschließen die erste Nacht gleich hier zu verbringen. Nora geht gleich einmal schlafen und ich begleite Helmut, der es kaum erwarten konnte, zum Fischen. Kurze Zeit später kommen wir mit 5 Eschen zurück und starten unseren Trip gleich mit einem Festmahl.

    Proviat für 3 Personen für die nächsten 12 Tage

    Das "Vorher-Bild"

    Unser 50 Jahre altes Flugzeug



    Am ersten Abend brauchen wir nicht viel von unserem Proviant

    Tag 2 – Mc Clusky Lake zum Windriver
    In der Früh gibt es, heute und für die nächsten 12 Tage, warmes Porrage mit Nüssen und getrockneten Früchten. Danach brechen wir gemütlich die Zelte ab und tragen alles rüber zum Creek, auf dem wir heute die Kanus bis zum Wind River ziehen müssen. In anderen Erfahrungsberichten haben wir gelesen, dass je nach Wasserstand längere oder kürzere Strecken zu ziehen/teideln sind. Der Creek bis zum Wind River führt nicht genügend Wasser zum Fahren und so teidelt Nora das leicht beladene Kayak während Helmut und ich das schwer beladene Kanu über die Steine im seichten Wasser ziehen. Das Wasser ist wie erwartet sau-kalt und wir sind froh, dass wir uns extra für diese Reise Neopren-Socken gekauft haben. Die Kombination aus Teva Sandalen und Neopren Socken macht den Tag erträglich.
    Kurz nach der Mittagspause erreichen wir den Wind River. In Ermangelung von passendem Kartenmaterial können wir das jedoch nur vermuten. Wir haben nämlich – wie es sich später herausstellen soll – nur die zweite Hälfte des Trips auf unseren Kartenausschnitten erwischt.
    Nicht weit von der Einmündung in den Wind River finden wir eine Outfitter Hütte. Wir fragen uns wer diese wohl nutzt, wofür und wann. Solange es draußen keine -50°C hat würde ich mich nicht freiwillig reinlegen wollen.

    Der Wind River führt hier auch noch so wenig Wasser, dass ein Fahren noch nicht wirklich möglich ist aber dafür kommen immer wieder tiefere Stellen so, dass wir uns teilweise für ein paar Meter ins Boot setzen müssen bevor wir gleich wieder weiter ziehen dürfen.
    Die kalten Füße verlangen immer wieder einmal kurze Pausen und nach einer dieser Pausen überredet uns Helmut dazu ins Boot einzusteigen und einmal zu fahren. Der Fluss ist hier recht schnell aber seicht und wir sitzen immer wieder auf.
    Nach ein paar Kurven sehen wir bereits von Weitem den ersten Sweeper (tiefhängender Baum über dem Fluss) und denken uns, dass wir da gemütlich rechts daran vorbeifahren können. Rechts davon ist das Wasser jedoch so seicht, dass wir auf den Steinen aufsitzen und uns der Fluss nach links zum Sweeper drückt.
    So schaffen wir es also nach gerade einmal 500 Meter Fahrt gleich in den ersten Sweeper reinzufahren und natürlich zu kentern. Wir machen Bekanntschaft mit dem gefühlt 7°C kalten Wasser. Ich schnappe mir das Boot und ein Paddel und mache den Fehler zu versuchen das Boot in der Strömung zu stoppen. Die starke Strömung und das nun mit Wasser gefüllte 500Kg schwere Boot lassen das natürlich nicht zu und ziehen mich nur entsprechend unsanft über die Steine im seichten Fluss.
    Nachdem es hier aber, wie gesagt, seicht ist und der Fluss eigentlich eher noch einem größeren Bach gleicht, kommen wir sofort raus. Keiner hat sich weh getan und Helmut, der vorangefahren ist sammelt noch das zweite Paddel ein.

    Sofort beginnen wir unser Gepäck aus dem Boot zu holen und merken, dass wir als erfahrene See-Kanuten das fließende Wasser ordentlich unterschätzt haben. Ein großer Teil unseres Gepäcks ist in Ziplocks verpackt. Das mag zwar helfen, um Sachen im Rucksack rasch zu finden – aber sobald Wasser im Rucksack ist, bringt ein Ziplock reichlich wenig. Entsprechend viel ist nass geworden.
    Zumindest war ich vor der Abfahrt noch so clever und habe meine neue Kamera in den Trockensack gegeben. Der Schaden hält sich also in Grenzen. Erfreulicherweise sind wir außerdem an einem schönen Campingplatz gekentert, hatten blauen Himmel und starken Sonnenschein und Wind. Keine zwei Stunden später war alles wieder trocken.
    Für heute hatten wir genügend Abenteuer und beschließen hier gleich unser Camp aufzuschlagen.
    Am Abend sehen wir noch ein großes Stachelschwein.

    Auf diesem Creek zieht man die Boote einige Stunde bis zum Wind River

    Equipment trocknen nach unserer nassen Bekanntschaft mit dem Fluss


    Tag 3
    Mental habe ich Nora und Helmut darauf eingestellt, dass das Wetter ähnlich unserem letzten Schweden-Trip werden kann. Damals vor zwei Jahren hatten wir im Rogen im August eine Woche lang zwischen 0°C und 10°C und kaum Sonne. Um auf das Schlimmste vorbereitet zu sein, habe ich gemeint, müssen wir uns das plus Regen vorstellen.
    In Realität hatten wir meistens mehr als 20°C und 80% blauen Himmel. In den ersten Tagen jeweils um Punkt 17.00 Uhr kamen Gewitter auf – eines eindrucksvoller als das Andere.

    Heute merkt man bei Nora und mir noch die Anspannung am Fluss. Haben wir die Tour vielleicht unterschätzt? Nora stellt mir diese Frage ganz direkt und natürlich verneine ich das mit absoluter Überzeugung – zumindest nach außen. Dennoch spüre ich die Anspannung, die auf mir als selbsterkorener Reiseleiter liegt. Der zweite Tag am Fluss ist von hoher Geschwindigkeit und engen Kurven geprägt. Die wohl wichtigste Erkenntnis vom Vortag war, dass wir an seichten Stellen, an denen das Boot durch uns nicht mehr gesteuert werden kann, einfach jederzeit raushüpfen können und das Kanu dann halt um die Kurve teideln.
    Nachträglich betrachtet war das Kentern am ersten Tag für uns sicherlich eine wertvolle Erfahrung, weil wir ab diesem Zeitpunkt den Fluss nicht mehr unterschätzt haben und die herausfordernden oder sogar gefährlichen Stellen erst kommen sollten. Gefährlich nur in dem Sinne, dass man an diesen Stellen mit deutlich mehr Wasserdruck und möglichen Unterspülungen oder verkanteten Bäumen nicht kentern möchte – während unser Kenter-Platz komplett harmlos war.
    Im Allgemeinen ist der Wind River ein leichter Fluss mit einigen WW II Stellen. Alle davon kann man aber entweder umfahren oder problemlos davor aussteigen.

    Wir hatten uns auf diese Reise mit 3 Wildwasserkursen (jeweils ein Wochenende) auf der Salza vorbereitet aber trotzdem fühlte sich unser schwer beladenes Kanu in dem sehr schnell fließenden Fluss mit engen Kurven und ohne Neopren-Anzug einfach anders an.
    Den ganzen Tag sind wir jede Kurve übervorsichtig angegangen und haben uns Kurve für Kurve wieder Selbstvertrauen aufgebaut. So war ich dann am Abend erleichtert als ich mich auch selbst wieder davon überzeugt hatte, dass wir dieser Reise gewachsen sind.
    Der Abend sollte aber noch einmal ein Naturspektakel der Sonderklasse für uns bereithalten. Zwischen zwei Bergkuppen braute sich langsam ein Gewitter zusammen. Neben Blitzen im Minutentakt, mehreren Regenbögen und einer Mischung aus blauem Himmel mit schwarzen Gewitterwolken konnten wir unser Glück, diese Schönheit erleben zu dürfen, nicht glauben.

    Das erste Gewitter der Reise gleicht einem Naturschauspiel



    Sogar ein Blitz lässt sich von uns einfangen (c) Helmut

    Tag 4
    Den Tag starteten wir mit einer kurzen Wanderung auf einen Hügel und sahen den wunderschönen blauen Wind River zum ersten Mal von oben. Rund um uns herum ist ein Berg schöner als der andere und doch haben wir noch keine richtige Wanderung gemacht. Das hat mehrere Gründe. Auf der einen Seite ist ein Berg steiler als der andere und wir denken uns mehrmals, dass wir schon noch welche finden, die leichter zu besteigen sind. Es sollte sich aber im Verlauf der 3 Wochen herausstellen, dass im Yukon selbst die „offiziellen Wander-Trails“ so steil sind und fast in Luftlinie zum Gipfel führen, dass wir uns immer wieder fragen wieso man das eigentlich als Trail ausschildert.

    Ein weiterer Grund war unsere Orientierungslosigkeit. Unser GPS Gerät aka Handy ist beim Kentern baden gegangen. Somit waren wir von nun an mehr oder weniger auf das Kartenmaterial angewiesen, dass wie vorhin bereits erwähnt aber nur die Hälfte der Strecke abbildet, was wir zu diesem Zeitpunkt aber auch noch nicht wussten. Einziger Lichtblick der Orientierung war ein zweites Handy auf dem wir vor Abflug noch die GPS Daten des Ziels am Peel River eingegeben haben. Leider hat dieses Handy den Kartendownload aber nicht geschafft, dass heißt wir konnten auf einer leeren Karte ohne eingezeichnetem Fluss Tag für Tag unserem Ziel-Punkt etwas weiter nähern.
    Unsere Orientierungslosigkeit wurde dadurch verstärkt, dass wir bisher kaum Kilometer gemacht haben. Am zweiten Tag haben wir uns ja nur in langsamer Schrittgeschwindigkeit bewegt bis wir bereits am frühen Nachmittag gekentert sind und am dritten Tag mussten wir gefühlt auch alle 10 Minuten wieder aussteigen, um das Kanu um eine zu enge Kurve zu ziehen.

    Auch am vierten Tag rollt am frühen Abend ein Gewitter an. Diesmal befinden wir uns noch auf dem Fluss und werden langsam nervös, da wir schon lange nicht an einem guten Halteplatz vorbeigekommen sind. Wir beschließen so lange wie möglich zu fahren, weil wir keine Lust haben einen kurzen Gewitterstopp einzulegen und nachher noch einmal Campingplatz suchen zu müssen und haben Glück. Wir finden einen traumhaften Platz. In wenigen Minuten haben wir unser Camp aufgebaut und merken, dass das Gewitter heute sogar an uns vorbei zieht.
    Dafür kommt uns ein Bieber besuchen, dem wir anscheinend zu nahe an seinem Bau campen, denn er schwimmt für mindestens eine halbe Stunde vor unserem Platz auf und ab und versucht uns mit lauten Schwanz-Platschern zu vertreiben.
    Am Abend haben wir eine unglaublich schöne Kulisse und Nora fängt ihren ersten Fisch, dem sie dann auch selbst den Hals durchschneidet, ihn ausnimmt und isst. Eine sehr emotionale und eindrucksvolle Erfahrung für Nora.
    Gerade als wir schlafen gehen läuft noch ein Karibu direkt über unseren Camping Platz.

    Morgenspaziergang

    Auch am Abend konnten wir uns nicht über die Kulisse beklagen

    Noras erster Fisch; Das Lächeln verschwand eine Minute später beim Hals durchschneiden

    Unser Nachbar ...

    ... wäre lieber unter seines Gleichen geblieben


    Tag 5
    Wir brechen heute früher auf, weil wir das Gefühl haben einmal mehr Kilometer machen zu müssen. Außerdem hatten wir gehofft in der Früh noch mehr Tiere zu sehen. Nach den Erfahrungsberichten und den Erzählungen aus dem Sportgeschäft hatten wir den Eindruck, dass der Wind River quasi wie eine Bootsattraktion durch einen Tierpark sein muss und Bären haben wir ja noch überhaupt keine gesehen.
    Den ganzen Vormittag bekommen wir aber keine Tiere zu Gesicht, dafür steht dann plötzlich in der stärksten – wirklich fast unerträglich heißen – Mittagshitze eine ausgewachsene Moosekuh vor uns und lässt sich von uns auch nicht beirren. Wir können sie 15 Minuten beobachten, bis uns der Hunger weitertreibt, um einen Platz für die Mittagspause zu suchen.
    Heute ist es so heiß, dass es am Wasser mit dem kühlenden Wind gerade noch erträglich ist – wir jedoch wirklich gerne einen Schattenplatz für die Pause finden würden. Das gelingt uns aber leider nicht und nach einer knappen Stunde suchen bleiben wir bei einem Hügel stehen. Schnell merken wir, dass wir auf der falschen Seite des Hügels Pause eingelegt haben – nämlich auf der windgeschützten Seite. Da wir bereits so hungrig und müde sind, beschließen wir auf den Hügel zu gehen, um dort vielleicht auf der Spitze wieder in den Wind zu kommen. Doch es wird nur schlimmer und nach jeder gedachten Spitze kommt noch eine Spitze und wir befinden uns immer noch auf der windstillen Seite.
    So gewinnt der Hunger und wir verschlingen unsere Mittagsjause und laufen dann gleich wieder den Hügel hinunter, um uns im Fluss abzukühlen. Sehr interessant habe ich die starken Temperaturunterschiede des Wassers zwischen Früh und Abend gefunden. Der Fluss ist über weite Strecken so breit und dafür sehr seicht, dass er sich an den langen Tagen bei starker Sonneneinstrahlung untertags stark erwärmt. Sprich das Schwimmen am Nachmittag und Abend ist dann schon fast angenehm – zumindest für 90 Sekunden.

    Apropos Schattenplätze: Wir haben in 12 Tagen nur zwei Schattenplätze gefunden, die sich für eine Pause geeignet haben. Die Bäume und Büsche sind so mickrig und die Sonne steht den ganzen Tag so gerade über uns, dass es keine Schattenplätze gibt, an denen man nicht literweise Blutzoll an die gierigen Mosquito-Blutritter zahlen müsste.
    Am Nachmittag zieht wieder ein Gewitter auf – diesmal wollen wir aber nachher noch weiterfahren und bauen nur ein Zelt auf. Dieses Gewitter hat als Vorboten aber einen wahnsinns Sturm geschickt so dass Nora und Helmut von innen unser Tunnelzelt festhalten mussten und ich außen wie ein Verrückter Kiloweise große Steinpyramiden auf die Zeltnägel gebaut habe. Den Sand den es uns bei dem Gewitter ins Material geweht hat, haben wir den Rest der Zeit brav mit uns herumgetragen. Bisher haben wir ja noch keine Menschen getroffen aber bereits am nächsten Tag sollte sich das ändern. Da haben wir dann auch gehört, dass der Gruppe fast ein Zelt abhandengekommen wäre und es sich nur mit viel Glück auf der anderen Flussseite mit den Schnüren in einem Baum verhangen hat.
    Wie geplant fahren wir vor Sonnenuntergang – also kurz nach 22.00 Uhr – wieder los. Abermals in der Hoffnung, die 14 Bären zu sehen. Zumindest war das meine Hoffnung.

    Bekommen haben wir aber nur eine 2-stündige Fahrt gegen die tiefstehende Sonne, sehr schlechte Sicht auf bzw. unter Wasser und dafür die bisher stärksten Wildwasserstellen. Ich spreche noch einmal die wichtigsten Regeln laut aus, um diese für Nora und mich selbst wieder ins Bewusstsein zu rufen „wenn wir gegen ein Hindernis gedrückt werden immer zum Hindernis lehnen…“. Gesagt getan und wir vermeiden nur ganz knapp unsere nächstes Kentern als wir einen großen Stein im Wasser nicht sehen und uns mit der richtigen Reaktion daran vorbei drücken lassen.

    Jetzt ist bei mir die Gelassenheit wieder weg – die schlechte Sicht macht das Steuern sehr anstrengend und herausfordernd und ich dränge dazu einen Camping Platz zu suchen. Nora möchte aber unbedingt noch um die nächste Kurve und um die nächste Kurve und um die nächste Kurve schauen, bis es mir zu viel wird und wir einen mittelmäßigen Camping Platz nehmen. Es ist aber eh bereits kurz vor Mitternacht und wir gehen gleich schlafen. Heute mit dem beruhigenden Gewissen, dass wir diesem Punkt (Ziel der Route) auf der weißen, inhaltslosen Karte einen sichtlichen Schritt näher gekommen sind.

    Ein erfreulicher Anblick in der Mittagssonne



    Ganz so gemütlich wie es auf diesem Foto aussieht war die Temperatur freilich nicht

    Das nächste Gewitter naht und diesmal kommt es gleich ...

    ... von zwei Seiten mit uns mittendrin


    Es hat drei Leute gebraucht, um das Zelt am Boden zu halten

    Tag 6
    Nachdem wir gestern einmal ordentlich Strecke gemacht haben, wollen wir heute einen Berg suchen, um ein bisschen wandern zu gehen. Allgemein waren wir keine besonders schnelle Fahrgemeinschaft. Helmut war in seinem Kayak immer deutlich schneller als wir, weil wir ständig wieder wo hängen geblieben sind oder in zu engen Kurven mit Bäumen am Rand geteidelt haben, während Helmut immer direkt durchgefahren ist. Dafür ist Helmuts Kanu von oben und unten undicht und nach einer halben Stunde Fahrt sitzt er bereits im Wasser. Das ist bei den kalten Temperaturen für die besten Stücke natürlich nicht besonders angenehm und so braucht Helmut häufig Trockenpausen.
    Als wir also wieder eine Trockenpause brauchten, haben wir uns einen schönen Berghang gesucht und sind diesen gleich hochgegangen. Von oben hatten wir wirklich eine wunderschöne Aussicht und gleichzeitig sollte es unsere letzte Wandermöglichkeit werden, denn in der Ferne konnte man schon sehen, dass es flacher wird. Im Nachhinein ist es etwas schade, dass wir keine ausgedehnteren Wanderungen auch in Richtung Gipfel gemacht haben – aber mit neuen Abenteuern an jedem Tag waren wir so auch ganz gut beschäftigt.
    Als wir dann oben unsere Mittagspause machten, haben wir dann mit unserem Feldstecher Zelte und Kanus in der Fern ausgemacht. Hocherfreut nach 6 Tagen Wildnis auch noch andere Menschen zu sehen, haben wir uns in spannender Erwartung auf wen wir dort wohl treffen würden auf den Weg gemacht.

    Als wir dann in der besagten Kurve am Lagerplatz angekommen sind, haben wir nicht schlecht gestaunt als wir dort am Strand sechs Frauen begegnet sind. Unsere erste Frage an die Gruppe gerichtet: „Can you tell us where we are?“ hat dann in der Gruppe der Kanadierinnen für ausgelassenes Gelächter gesorgt. Anhand der GPS Systeme der Mädels haben wir dann auch erkannt, dass wir nur die halbe Strecke als Kartenmaterial mit hatten – aber dass wir uns nun immerhin auf dem vorhandenen Kartenmaterial befanden. Somit waren wir ab sofort navigationstechnisch also wieder top ausgestattet.
    Nachdem wir den Mädels erzählt haben was unsere Verpflegung für die 12 Tage ist, wurden wir mit Schokolade und selbstgemachten Haferflocken-Honig-Schoko-Kugeln versorgt und Soda-Wasser (!) mit Fireweed-Sirup angeboten. Soda-Wasser, what the fuck?? Ihre Erklärung war dann sehr einfach: Sie hatten noch ein paar Kilo frei im Flieger und haben sich gedacht warum also keine Soda-Stream Maschine mitnehmen.
    Wir beschließen dann kurzerhand auch den Abend noch bei den Mädels zu verbringen und müssen uns beim Abendessen allerlei Witze anhören müssen bzgl. unserer sechsten Couscous-Ration in Folge. Um unser Leid zu lindern erhalten wir free-refills auf Soda Wasser.







    Soda-Party

    Unser großes Lager für diese Nacht bei schönem Sonnenuntergang um ca. Mitternacht aufgenommen


    Tag 7

    Wir machen uns früh zum Abfahren bereit nachdem wir am letzten Tag wegen der Wanderung und der netten Begegnung wieder nur knapp 10 Kilometer weit gekommen sind. Die Mädls haben den Trip auf 16 Tage geplant, um ein paar Tage Relax, Wellness und Hiking einbauen zu können. Daher vermuten wir, dass wir uns nicht mehr begegnen werden. Wie sich später zeigen wird ist ein Fluss aber ein enges Ökosystem und wenn einem etwaige Wetter- oder Naturereignisse dazwischen kommen dann trifft man sich auf diesem Weg doch wieder sehr häufig.
    Heute fahren wir ca. 40KM, was wir dank unserem nun brauchbar gewordenen Kartenmaterial bestimmen können. Auf der heutigen Fahrt gab es auch ein paar größere Wellen so dass wir das Kanu zweimal ausschöpfen mussten. Die Nutzung der Spritzwasserdecke war uns zu mühsam zumal uns der Outfitter bei der Übergabe nicht erklären konnte wie man sie montiert. Vermutlich hätten wir es aber wohl geschafft, wenn wir uns nur ein bisschen damit gespielt hätten.

    Der Wind River verändert immer wieder sein Gesicht. Mittlerweile sind bereits einige Creeks in den Wind River geflossen und so ist der Fluss teilweise schon recht groß – teilweise deswegen, weil er sich ganz oft in viele Arme aufteilt, die teilweise kilometerweit parallel dahinschlängeln bis sie wieder zusammenkommen. An anderen Stellen ist das Tal zwischen den Bergen so breit, dass sich auch der Fluss auf einen Kilometer ausbreitet und das Wasser kaum knöcheltief ist. So kam es dann heute auch, dass wir uns zum ersten und letzten Mal wirklich verfahren sind und eine halbe Stunde in einen stehenden Flussarm hineingefahren sind, weil nicht erkenntlich war wo denn der Fluss eigentlich weiterführt.
    Zu Mittag merken wir, dass wir bereits mehr als die Hälfte unserer Tour hinter uns haben. Nämlich geht unser Mittagsproviant für die erste Woche zu Ende: Pumpernickel mit hartgekochten Eiern, Salami und Käse. Ab morgen gibt es dann Pumpernickel mit Erdnussmus, Humus (Pulver) und Nutella (für die restlichen 6 Tage).

    An dieser Stelle vielleicht einen kleinen Exkurs zu unserer Verpflegung:
    • Frühstück: Porrage mit Nüssen und Trockenfrüchten und zur Abwechslung Zimt, braunen Zucker und Kakao-Pulver; Für die ersten 6 Tage hatten wir noch jeweils einen Apfel (für 3 Personen)
    • Mittagessen: Pumpernickel mit gekochten Eiern, Salami und Käse (1. Woche) sowie Erdnussmus, Nutella und Humus (Pulver) für die 2. Woche
    • Abendessen: Couscous mit Nüssen (salzig oder süß); manchmal Fisch, 1x Spaghetti al Olio
    • Zwischendurch: Nüsse & 1 Riegel pro Tag

    Abwechslungsreich? Nein! Hats geschmeckt? Ja – zumindest solange wir noch Nüsse hatten. Diese sind uns an den letzten beiden Tagen ausgegangen dann wars langweilig.

    Am Abend, nach ca. 40 KM, hat sich dann das bereits bekannte Spiel wiederholt. Philippe: „Ich würde gerne langsam Camp aufschlagen. Wie gefällt euch der Platz?“ Nora: „Nur noch diese eine Kurve…!“ und noch eine und noch eine …

    Diesmal haben sich die extra Kurven jedoch gelohnt – so sehen wir noch ein Karibu mit einem beeindruckenden Geweih und schaffen es noch bis zu der Stelle wo der Little Wind in den Wind River kommt. Dort gibt es eine wunderschöne Insel auf der wir unser Lager aufschlagen.
    Als wir bereits im Schlafsack liegen, fällt mir noch ein, dass ich Helmut die Sonnencreme in seinen kleinen Rucksack gesteckt habe und er diesen im Zelt hat. Schweren Herzens klettere ich also noch einmal aus dem Mosquito-sicheren-Raum, um Helmut einen Bären-sicheren-Raum für die Nacht zu gewährleisten. Die gute Tat wird auch gleich belohnt, indem unweit von mir das Karibu mit dem beeindruckenden Geweih steht und mich verärgert anschnauft. Schnell sind die Mosquitos vergessen und ich beginne in Boxershorts und T-Shirt Fotos vom Karibu zu schießen. 15 Minuten später und 1 Liter (Blut) leichter beginnt dann tatsächlich die Nachtruhe.

    Abschließendes Gruppenfoto

    Diesen Sweeper haben wir auslassen



    Regenbögen haben wir viele gesehen; Stark geregnet hat es zum Glück fast nie



    Tag 8
    Wir sind jetzt am Ende des gebirgigen Teils angekommen und wollen in der Früh noch einmal rasch einen Hügel besteigen. Wie alle anderen landschaftlichen Erhebungen ist aber auch dieser Hügel gar nicht so einfach zu erklimmen. Wir versuchen es über ein spitzes Schotterfeld, merken aber rasch, dass wir uns da wohl den bisher gefährlichsten Weg ausgesucht haben. Die Steine kommen rasch ins Rollen und so steil wie es ist würden diese dann auch rasch den Kopf des darunter gehenden treffen.
    Wir schaffen es also nicht ganz rauf um noch einen letzten 360° Blick zu erhaschen werden aber trotzdem mit einem hübschen 160° Blick belohnt.

    Nach einiger Zeit fahren merken wir immer stärker, dass es in der Ferne sehr diesig aussieht. Wir vermuten bzw. befürchten, dass dies Rauch ist. Tatsächlich ist das der Fall und es wird immer deutlicher, dass wir wohl in Richtung eines großen Waldbrandes fahren. Erst am Vortag sind wir an einem winzigen Waldbrand, der bereits fast erloschen war, vorbeigefahren und hatten uns wirklich gefreut, weil wir somit auch einen Waldbrand erlebt hatten, ohne dass dieser beängstigend oder beeinträchtigend gewesen wäre. Das was wir hier vor uns hatten, erfüllte nun aber beide dieser Attribute.
    Kurz bevor es wirklich in den tiefen Rauch geht, sehen wir noch ein riesiges Moose-Geweih und nutzen die Möglichkeit, noch eine letzte Pause vor dem Rauch zu machen. Mit angespanntem Gefühl fahren wir nun in den Rauch hinein. Immer wieder sieht man in sicherer Entfernung Flammen.

    Der Rauch bleibt relativ dicht über den gesamten Tag. Nicht so dicht, dass man Atembeschwerden hätte aber schon so dicht, dass man sich müde und matt fühlt oder sogar leicht Kopfweh bekommt. Nach einem anstrengenden Tag und dem ersten ohne Sonnenschein, schlagen wir unser Zelt auf einer trostlosen steinigen Insel auf, um möglichst weit weg vom Wald zu sein.
    Helmut und ich versuchen uns noch einmal beim Fischen, aber auch die Fische sind wohl Flussaufwärts in die sonnigeren Bereiche geflüchtet. Seit zwei Tagen hat kein Fisch mehr gebissen.

    Morgenspaziergang

    Die ersten Opfer des Waldbrands im Hintergrund



    Helmut ist auf jedes Szenario optimal vorbereitet

    Lagerplatz am Abend

    Tag 9
    In der Früh ist die Wetterlage (Rauch) ein bisschen besser geworden. Die Sonne schafft es bereits wieder ein bisschen durchzuscheinen. Wir werden heute vermutlich den letzten Tag auf dem Wind River sein bevor es dann am nächsten Tag in den Peel River geht.
    Nach einigen Kilometer kommen wir an einem großen Hügel vorbei, der gefühlt aus Sand ist. Fast wie eine bewachsene Sanddüne. Ein Seitenarm des Flusses fließt durch diesen Hügel durch und bringt wenig später kiloweise Sand wieder zurück in den Wind River. Von da an ist es vorbei mit dem klaren Wasser im Wind River und der Fluss verwandelt sich in eine Gatsch-Suppe.
    Wenig später beschließen wir heute unser Camp bereits früher aufzuschlagen und einen halben Ruhetag einzulegen. Wegen der Hitze müssen wir aber fast im Halbstundentakt in den Fluss zur Abkühlung springen. Bei der starken Strömung ohne den Boden im Fluss zu sehen, ist das gar nicht mehr so einfach bzw. angenehm.

    Am Abend beschließen wir noch einmal einen „Safari-Ausflug“ auf einen Hügel, um Tierbeobachtungen zu machen. Wir klettern also einen Hügel hinauf von dem aus man eine gute Sicht auf das große Flusstal vor uns hat. Hinter uns im Rücken der Wald. Anhand der Spuren sieht man, dass schon das eine oder andere Großwild über diesen Weg in den Wald hinter uns gegangen ist bzw. gekommen ist.
    Wir sitzen sicherlich mehrere Stunden dort und sehe nichts. Dafür hören wir umso mehr. Überall knackt es und raschelt es bis direkt hinter uns das laute Schnaufen und Atmen eines größeren Tieres sehr deutlich zu vernehmen ist. Mit dem Bärenspray im Anschlag trauen wir uns kaum noch zu atmen mit einer Mischung aus Angst und Spannung ob wir etwas zu sehen bekommen. Wäre hier nun auf einmal ein Bär aus dem Gebüsch spaziert hätten wir auf jeden Fall gegen alle Regeln des „auf sich aufmerksam machen“ verstoßen. Es blieb aber bei der Spannung und wir sind ohne Tiersichtung schlafen gegangen.
    Auf dem Weg zurück zum Camp haben wir aber Spuren von jeder Sorte Großwild gesehen und in der Früh dann auch die Abdrücke eines großen Wolfs direkt bei unserem Camp, dessen Spuren am Vorabend noch nicht da waren.










    Tag 10
    Vor dem Peel River gibt es dann noch einmal ein paar Wellen und eine große Walze. Die Wellen sind wir erfolgreich umfahren, um dafür voll in die Walze zu fahren. Nachdem ich gemerkt habe, dass wir ein Umfahren nicht mehr schaffen, habe ich es gerade noch hinbekommen uns gerade auf die Walze zu bringen, die uns dann auch gleich wieder ausgespuckt hat. Nicht aber ohne unser Boot bis zum Rand mit Wasser zu füllen. Also hat es wieder einmal Kanu ausschöpfen geheißen. Unser Equipment haben wir in der Zwischenzeit bereits komplett in Trockensäcke verpackt und die Ziplocks der ersten Tage dienen mittlerweile nur noch zur Zierde. Somit ist Wasser im Kanu für uns kein Problem mehr und für Helmut eine immer willkommene Trocken-Pause für seinen Allerwertesten.

    Wenn man in den Peel River fährt, verändert sich die Landschaft noch einmal komplett. Auf einmal ist man mitten in einem riesigen Canyon mit hohen steilen Wänden auf beiden Seiten. Direkt bei der Mündung gibt es noch einmal einen schönen Camping Platz, den die kanadischen Mädels belagert haben.
    Wir vorhin bereits erwähnt, haben wir die Mädels in den letzten Tagen mehrfach gesehen, weil aufgrund des Waldbrandes ein längeres campen in der Region nicht möglich war und somit auch die Mädels von ihrem Plan abgewichen und schneller weitergefahren sind.
    Am deutlich größeren Peel River merken wir dann auf einmal einen weiteren Unterschied zum Wind River. Starken Gegenwind bei teilweise nur sehr geringer Strömung. Sprich wir kommen fast nicht vorwärts.
    Außerdem schmeckt das Wasser nicht mehr gut und Nora und ich haben am ersten Tag am Peel River beide einen flauen Magen. Bisher haben wir das Wasser direkt über die Life-Straw Flasche aus dem Fluss getrunken, beginnen nun aber das Wasser mit unserem Katadyn Wasserfilter vorzufiltern. Am Papier sollen die Filter ja gleich gut sein – aber in der Realität schmeckts nach dem großen Katadyn-Filter einfach besser.
    In den letzten Tagen waren unsere aufregendsten Begegnungen mit Tieren Scheinangriffe von Möwen. Die Vögel scheinen ihre Reviere aggressiv zu verteidigen und fliegen teilweise mit nur 30cm Abstand über unsere Köpfe hinweg. Im Camp können wir noch einen Bieber beobachten, der sich vor unseren Augen 30 Minuten Zentimeter für Zentimeter gegen die Strömung flussaufwärts plagt.

    Angelangt am Peel River

    Tag 11
    Am Vorabend beschließen wir noch einmal besonders früh zu starten, um vielleicht an unserem letzten Tag noch Tiere zu sehen. Wir entscheiden uns aber trotzdem dagegen einen Wecker auf sieben Uhr zu stellen. Eine Stunde früher oder später, argumentiere ich, ist dann ja auch wieder egal. Ich habe eine Abneigung dagegen Handy und Uhr auf diesen Trips zu verwenden.
    Wie jeden Tag bin ich dann auch der erste der aufwacht und wie abgemacht wecke ich alle anderen gleich auf und Nora und ich beginnen unsere Luftmatratzen auszulassen. Helmut aus dem Zelt nebenan fragt etwas irritiert, ob wir tatsächlich schon aufbrechen wollen, es sei ja erst 5:22 Uhr….
    Zum Glück hat uns Helmut unsere Luftmatratzen nicht wieder aufblasen lassen und wir sind bereits um 6.00 Uhr nach einem warmen Frühstück auf dem Fluss. Wir hatten uns erhofft, dass der Gegenwind in der Früh etwas schwächer oder sogar nicht vorhanden wäre – dem war aber nicht so. Es war einfach nur kälter aber gleich windig.
    Die Sonne schaffte es heute auch nicht raus und Tiere haben wir bei unserer Früh-Tour auch keine gesehen. Also beschließen wir nach ca. 3 Stunden Fahrt eine Schlafpause einzulegen. Wir suchen uns eine schöne Schotterbank und legen uns mit unseren Iso-Matten und Schlafsäcken auf die Regenplane. Mit Schlafmaske und Haube holen wir den Teil der Nacht nach, den ich der Gruppe geraubt habe. Als uns ein paar einzelne Regentropfen unsanft aus dem Schlaf geholt haben, merken wir, dass es bereits 14 Uhr ist. Das heißt wir müssen drei oder vier Stunden geschlafen haben.

    Am Abend merken wir, dass der beste Part unserer täglich gleichen Diät aufgebraucht ist – sprich es gibt Couscous mit Nix. Zum Fischen sind wir heute auch zu müde und um 21 Uhr schlafen wir bereits alle. Heute allerdings nicht so gut da wir neben einer Steilwand zelten von der alle drei Minuten große Steine runterpurzeln und es am Anfang immer so klingt, als ob ein Tier auf den Steinen neben uns läuft.

    Müde suchen wir uns einen schönen Schlafplatz

    Wieder ausgeschlafen nach 3-stündigem Mittagsschläfchen


    Tag 12
    Heute müssen wir es bis zur Taco-Bar schaffen. Einem Schild gleich nach der Einmündung vom Snake River. Wir schätzen die Strecke auf 25 KM – sollte also gut schaffbar sein, unabhängig vom Wetter. Gleich in der Früh treffen wir auf eine internationale Forschergruppe, die die Auswirkungen vom auftauenden Permafrostboden untersuchen. Sehr spannend was sie uns erzählen und die Veränderungen der Landschaft sind sehr deutlich zu sehen, sobald man sie zu deuten weiß.
    Heute treffen wir auch noch auf ein männliches Moose (Elch), das majestätisch vor uns im Fluss steht. Nicht so geduldig wie das weibliche Moose, aber dennoch relaxt genug, damit wir schöne Fotos und Videos machen können, hinterlässt dieses riesige Tier einen erstaunlichen Eindruck auf mich. Nach 10 Kanu-Touren in den letzten Jahren ist es das erste männliche Moose, dass ich zu Gesicht bekommen habe.
    Wir kommen am frühen Abend zur Taco Bar. Uns tut alles weh von der Tour, aber wir sind überglücklich und auch ein bisschen stolz, dass wir das geschafft haben. Am Abend kommen dann auch noch die Forscher und auch die kanadischen Mädels zur Taco Bar und so ergibt sich der Zufall, dass sich jene 15 Menschen, die sich auf 300 KM Strecke über die letzten Tage getroffen haben, hier wieder alle zur gleichen Zeit zusammenkommen. Wir machen ein großes Lagerfeuer, die Mädels geben eine Runde Sodawasser mit Fireweed-Sirup aus und machen dazu Apple-Crumble, den sie zuvor gedörrt haben.

    Unser Abschiedsgeschenk am letzten Tag



    Das Ziel - die Taco Bar. Das angekündigte free Wifi war gerade temporär ausgefallen

    Lagerfeuer-Party bis spät in die Nacht

    Die Mädels versorgen die Runde mit Dessert

    Tag 13
    Zuerst kommt das Flugzeug für die Forscher. Diese erhalten neues Material und Verpflegung und ein Teil des Teams lässt sich ausfliegen. Der Rest fährt noch eine Woche weiter. Die Mädels haben noch zwei Tage, die sie nun an der Taco Bar alleine verbringen werden.
    Wir springen noch ein letztes Mal in den Fluss und werden dann ebenfalls abgeholt. Der Flug zurück dauert nun 2 Stunden und wir fliegen fast den gesamten Wind River entlang. Dabei sehen wir von oben 4 Gruppen. Im Durchschnitt dürfte es 2 bis 5 Flüge pro Woche zum Wind River geben. Beim Rückflug sehen wir auch, wie sich die Gegend rund um Mayo in den zwei Wochen verändert hat – dort gab es nämlich einen großen Waldbrand.
    In Mayo angekommen werden wir bereits erwartet und in 5 Stunden Fahrt geht es zurück nach Whitehorse. Nora und Helmut schlafen fast die ganze Fahrt durch.
    In Whitehorse angekommen sind wir in einem recht teuren dafür aber besonders hässlichen Hotel untergebracht. Falls nicht unbedingt notwendig würde ich immer empfehlen auf einen Camping Platz in der Nähe von Whitehorse zu fahren. Die Hotels in Whitehorse sind überdurchschnittlich teuer und dafür auch überdurchschnittlich hässlich.





    Geändert von pippo (19.10.2019 um 22:16 Uhr)

  2. AW: [CA] Wind River

    #2
    Vielen Dank für den Bericht. Die Fotos sind genial. Insbesondere die Vertrautheit von Elch und Karibou ist erstaunlich, da ja doch viel Menschenkontakt vorhanden sein sollte.
    So möchtig ist die krankhafte Neigung des Menschen, unbekümmert um das widersprechende Zeugnis wohlbegründeter Thatsachen oder allgemein anerkannter Naturgesetze, ungesehene Räume mit Wundergestalten zu füllen.
    A. v. Humboldt.

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    AW: [CA] Wind River

    #3
    Sehr schöner Bericht, danke fürs Mitreisenlassen!
    Die Gewitter- und Waldbrandbilder sind toll - und dass man auch mal Menschen sieht ist noch besser.

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    AW: [CA] Wind River

    #4
    Sehr schön, vorallem da das Wasser so klar ist. Vielen Dank!

    Die Liste der Flußbeschreibungen auf ODS wird langsam länger.
    Wer nichts weiß muss alles glauben...

  5. Gerne im Forum

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    AW: [CA] Wind River

    #5
    Hallo Puppo, ein toller Bericht für eine tolle Tour, vielen Dank! Der Wind River steht für mich nach dem Hart und Snake River in den nächsten Jahren auch auf dem Programm. In welchem Monat seid ihr genau unterwegs gewesen...Juli? Ich hatte nie Probleme mit Moskitos im August. Es würde mich interessieren, wie viel ihr für die Beaver bezahlt habt.

    Wie war die Schwierigkeit auf dem Peel nach dem Zusammenfluss mit dem Bonnet Plume? Oder war das die Stelle mit der Walze, die Du beschrieben hast?

    Schade, dass ihr nicht mehr Tiere gesehen habt. Mit den Bärensichtungen hatte ich auf dem Hart River zwei Mal wenig Glück, resp. Nur 1-2 Begegnungen auf Distanz, während ich auf dem Snake vier teilweise sehr nahe Kontakte hatte. Der Wind fasziniert mich wegen der Landschaft und des klaren Wassers, einzig die vielen Gruppen haben mich bis jetzt abgehalten.

    Bezüglich Ausrüstung nehme ich praktisch immer alles selber mit, da würde ich niemals auf den Ausrüster vertrauen. Jana von Wolf Adventure kenne ich auch, sie hatte uns damals bei unserer ersten Tour zum Teslin gefahren.

    Viele Grüsse,

    Stefan

  6. Gerne im Forum

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    AW: [CA] Wind River

    #6
    Ja, wir waren Mitte Juli unterwegs.
    Die Flüge (hin- & retour) haben 5.600 CAD gekostet. 4 Personen wären damit auch noch möglich gewesen. Der Rückflug ist halt recht lang - aber das weißt du ja vom Snake dann eh auch.

    Auf dem Peel gab es überhaupt keine schweren Stellen mehr. Die Walze war eine knappe Stunde bevor man auf den Peel River gekommen ist. Vor der Mündung Peel River - Wind River hatten wir uns ein bisschen gefürchtet. Diese war dann aber auch total einfach. Bei Hochwasser möchte ich dort aber nicht unbedingt fahren müssen.

    Wir hatten am Wind River wie beschrieben nur eine einzige Gruppe getroffen. Aber es dürfte durchaus üblich sein, dass man vermutlich eher 2-3 Gruppen begegnet.

    @Grizzly: Fliegst du dann ein Hartschalenkanu von Deutschland nach Kanada ein? Oder meinst du, dass du es vor Ort holst?

  7. Gerne im Forum

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    AW: [CA] Wind River

    #7
    Danke Pippo, nein, ich nehme kein Hartschalenkanu mit, sondern mein Grabner Outside oder Adventure.

  8. Fuchs
    Avatar von Rattus
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    AW: [CA] Wind River

    #8
    Sehr interessant, Danke!

    Klasse, das Karibu von Tag 7:

    Mein Herr, das Geweih ist Ihnen ein wenig zu groß. Wir hätten hier noch ein kleineres Modell!
    Das ist in Ordnung so. Ich trage es nur für Tourifotos.
    Das Leben ist schön. Von einfach war nie die Rede.

  9. Dauerbesucher

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    AW: [CA] Wind River

    #9
    Sieht nach einer tollen Tour aus, danke fürs mitnehmen.

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