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  1. Erfahren
    Avatar von Suomalee
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    AW: HR Seekajakrevival in Dalmatien

    #21
    Mitreisende: Suomalee
    @ Babsbara

    Ja, das war es wirklich.
    Es ist meine vierte Gepäckfahrt in Dalmatien.
    Und die erste fand auch Ende Sepmtenber/Anfang Oktober statt.
    Doch es war noch nicht so tuhig.
    Ich habe am Stück noch nie so stilles Meer erlebt.
    Auch das Licht war fantastisch.

    Wenn ich die Augen schließe bin ich immer noch voll mit dieser ruhigen blauen Weite.
    Der Velebit-Hodler ziert jetzt meinen Rechner und hält die Erinnerung wach.

    Allerdings haben wir die Tour zeitlich eingepasst zwischen einen Jugo und einer Bora.
    Und das war gut so.
    Mit der Bora ist nicht zu spaßen.
    Auf der Heimreise machten wir noch mal Bekanntschaft mit ihr.
    Aber dazu schreibe ich noch.

    Leider ist das Wetter im Oktober nicht mehr so zuverlässig.
    Das liegt mehr an den Stürmen als an den Temperaturen.
    Anfang September mag ein guter Kompromiss sein.
    Da ist der meiste Tourismus durch.
    Was uns wunderte war, dass eigentlich auch kaum Einheimische zu sehen waren.
    Allenfalls am Wochenende waren sie mit den Booten unterwegs.

    Lieben Gruß!

  2. Alter Hase
    Avatar von LihofDirk
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    AW: HR Seekajakrevival in Dalmatien

    #22
    Zitat Zitat von Suomalee Beitrag anzeigen
    Leider kein Foto.
    Aber ich wollte genießen und nicht nach dem kleinen Kasten suchen um, das Wunder durch eine Scheibe zu betrachten.
    Wie gut ich das verstehe. Bei der Sichtung von Walen und Delfinen vor Australien kam ich noch nicht mal auf die Idee nach der Kamera zu greifen (hing in wasserdichter Hülle an der Schwimmweste) sondern habe einfach nur genossen.

    Wie der Franzose so schön sagt sind Bilder gut aber die Vorstellung besser (L'image c'est bon, l'imagination c'est mieux).

  3. Erfahren
    Avatar von Suomalee
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    AW: HR Seekajakrevival in Dalmatien

    #23
    EIN LETZTES MAL MITTEN IM MEER

    Nachdem wir uns eingerichtet hatten und ein wenig ausgeruht, wir waren ja früh aufgebrochen heute, machten wir einen Spaziergang.
    Hier gab es ein breites, wenn auch zerklüftetes Felsenband auf dem wir teils gehend, teils kletternd vorwärtskamen.
    Wir erkannten einige Stellen wieder, fanden Treibhölzer und Mäuerchen, ab und zu eine verunfallte Möwe, die schon länger nicht mehr geflogen war.
    Also ihre sterblichen Überreste.
    Etwa die halbe Insel hatten wir umrundet, als wir an einen kleinen Naturhafen kamen.
    Dann war Ende.
    Richtig klettern in der Macchia wollten wir lieber nicht.
    Wir machten kehrt und betrachteten unseren Landgang noch einmal von der anderen Seite.
    Ein Seeöhrchen gesellte sich zu uns.
    Ein intakter Möwenschädel auch, interessantes Kleinholz.

    Zurück an unserer Felsenplatte angelangt, beobachtete ich winzige rote Ameisen, die sich fleißig um zwei verlorene Erdnüsse kümmerten.
    Die hatten einen Großeinsatz angefordert und zerlegten kunstvoll das seltene Nahrungsangebot.
    Okay, dachte ich mir, jetzt erinnere ich mich auch wieder hier in der Gegend diese kleinen roten Tierchen schon gesehen zu haben.
    Man musste den Müll ins Boot wegschließen und zwar sofort, denn vor diesen Minis war nichts sicher.
    Ich schaute in unsere Mülltüte.
    Die Verpackung von den Nüssen wimmelte bereits.
    So konnte die nicht in die Luke.
    Ich klemmte die wuselnde Tüte in einen Felsspalt, damit sie nicht verloren ging.
    Darum kümmern wir uns dann morgen, dachte ich und verschloss den unbelebten Müll in einer Gepäckluke.


    der geneigte Tag

    Der Tag ging zur Neige, der Sonnenuntergang verkündete den bevorstehenden Wetterwechsel.
    In zwei Tagen sollte das Wetter drastisch kippen.
    Es waren Windstärken von 6 bis 7 Bft angesagt mit Spitzen von 10 oder 11 Bft.
    Das ist beachtlich.
    Immer wieder sprachen wir den letzten Abschnitt unserer Tour durch.
    Das hilft, um einigermaßen auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein.
    Wir hatten geplant am andern Tag noch mal gute 10 Kilometer über das offene Wasser paddeln bis kurz vor dem südlichen Ende von Uglian.
    Dort wollten wir versuchen auf einer kleinen Insel zu übernachten.
    Wohlgemerkt:
    es waren alles sehr große Insel nachdem wir das kleinste Eiland in Dalmatien entdeckt hatten.
    Aber im Verhältnis zu Uglian oder seine Zwillingsinsel Pasman, waren die sogenannten kleinen Inseln klein.
    Vielleicht in einer Stunde oder einer dreiviertel Stunde zu umrunden.
    Das war das übliche Klein.

    Es sollte auch noch einmal richtig sonnig werden morgen und darauf freuten wir uns.
    In zwei Tagen dann sollte Wind vormittags aufkommen, ca. 5 Bft und es war auch Regen ab dem frühen Morgen angesagt.
    Wir schliefen unter freiem Himmel, vielleicht das letzte Mal.
    Mir ging es irgendwie blümerant.


    Blick in die Zukunft

    Ich musste etwas Falsches gegessen haben und ich schwächelte etwas.
    Das machte die aufkommende Anspannung nicht weniger.
    Sollten wir erst zum Festland queren oder möglichst lange auf der Ostseite von Uglian paddeln?
    Dann hätten wir die 5 Bft später auf der Überfahrt.
    Sie kämen wohl seitlich von Nordost.
    Und später von hinten, wenn wir die Richtung änderten.
    Geht alles, aber muss man nicht haben.
    Zwar hatten wir keine großen Aufbauten und waren daher recht schnittig, aber ich habe die Wellen am liebsten von vorne.

    Wir legten uns schlafen.
    Ich betrachtete die Felswand neben mir und hatte den Eindruck ganz woanders zu sein.
    Dieser Ausschnitt hätte auch in einer Wüste sein können.
    Ich kam mir vor wie ein Nomade oder ein Soldat.
    Mit diesem Eindruck schlief ich ein.
    Nachts hörte ich wiederholt Rascheln.
    Nicht wirklich nah aber es klang nicht mechanisch, sondern nach Lebewesen.
    Ich sah nichts.
    Ein anderes Mal spürte ich etwas unter mir zwischen Schulter und Kopf.
    Etwas bahnte sich seinen Weg durch die Höhle, die durch meinen Hals entstand.
    Es war unter dem Schlafsack.
    Ich richtete mich auf und lies dem Etwas Zeit zu passieren.
    Besser is…
    Geändert von Suomalee (08.10.2019 um 18:51 Uhr)

  4. Erfahren
    Avatar von Suomalee
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    AW: HR Seekajakrevival in Dalmatien

    #24
    RUHE VOR DEM STURM


    ein letzter Sonnenaufgang mitten im Meer

    Der Sonnenaufgang war schön lange.
    Erst fahl, dann rot und dann orange.
    Wir schauten über eine Stunde nur an den Horizont.
    Welch ein Luxus.
    Die anfänglichen Wolken lösten sich auf und bis wir in See stachen war der Himmel blau und alles ist freundliches Licht getaucht.
    Schnell hatten wir unser Lager geräumt.
    Ich holte den Müll aus der Felsenritze.
    Sieh an, daher kam das Geräusch, dass ich in der Nacht gehört hatte.
    Die Verpackung der Nüsse hatte ein kleines zerfleddertes Loch, dass nach einem kleinen Nager aussah.
    Das arme Tier, ich hatte ein schlechtes Gewissen.
    Viel mehr als Plastikfitzel konnte es nicht gefressen haben.
    Aber das ist nicht gesund.
    Ich nahm mir vor, den Müll nur im Boot zu deponieren, wenn keine Bäume zur Verfügung standen.
    Jetzt lagen vor uns über zwei Stunden offenes Meer.


    Blick auf die Durchfahrt Uglian/Pasman

    Es war herrlich.
    Wir ließen uns Zeit.
    Wir hatten heute keinen weiten Weg, nur diese zwei Stunden, dann waren wir schon am Ziel.
    Früher waren diese offenen Fahrten befremdlich für mich.
    Kein Ufer in der Nähe zu haben, war irgendwie verunsichernd.
    Heute ist es mir egal ob Land meine Route begleitet, solange der Seegang stimmt.
    Die meiste Zeit schaute ich nach links und rechts.
    Da war die größte Ausdehnung an Wasserfläche.
    Um ein vielfaches als die zwei Stunden Überfahrt.
    Ich hoffte darauf noch einmal Delfine zu sehen, aber stattdessen blickte ich in zauberhafte Bergketten in Blauschattierungen.
    Die Kornaten zur einen, Dugi Otok zur anderen Seite.
    Vor uns lag die Durchfahrt zwischen Uglian und Pasman, verbunden mit einer Brücke.
    Diese leuchtete im Sonnenlicht.
    Wir waren absolut im Genusspaddeln.
    Ab und zu sahen wir eine Fähre in größerer Entfernung an uns vorbeiziehen.
    Einmal kreuze ein Segler unseren Kurs.
    Er hob anerkennend seine Daumen während er zu uns herübersah.
    Das Inselchen an der Durchfahrt wuchs allmählich und wir konnten Details erkennen.

    Dort anglangt, umrundeten wir sein Ufer, um einen geeigneten Ausstieg zu finden.
    Es wäre möglich gewesen.
    Doch das nahe Land von Uglian sah noch interessanter aus.
    Wir entschieden uns für einen Abstecher hinüber.
    Und tatsächlich, hier lockte ein großer Ausstieg und ein hübscher Platz einige Meter weiter unter zwei großen Pinien oberhalb des Felsengürteln.
    Eine provisorische Bank war unter ihnen aufgebaut.
    Hier würde es sich gut aushalten lassen bis die Nacht kam.
    Das sollte unser letzter Lagerplatz sein.
    Es lag viel Treibgut herum.
    Das versprach Kurzweil.
    Nach dem Boote sichern badete ich.
    Dabei erkundete ich die Küste in nördlicher Richtung.
    Die Felsen fielen nur mit geringer Neigung ins Wasser und bildeten endlose Badewannen.
    Ich kehrte zurück zu den Booten.
    Neben Walters Kajak lag ein großer Seeigel. Wie durch ein Wunder hatten wir ihn nicht zertreten.
    Ich hob ihn auf und dankte dem Zufall.

    Wir schleppten unsere Schlafsachen über die Felsen zu den Pinien.
    Auch den Kocher und etwas zu essen nahmen wir mit.
    Der Rest blieb in den Booten.
    Jetzt erst entdeckte ich hinter der Bank auf den Piniennadeln einen weiteren großen Seeigel.
    Er hatte noch seine dunklen Stachen am Gehäuse und verschmolz farblich mit dem Untergrund.
    Heißa!
    Noch so ein großes Teil.
    Mit so viel Fund hätte ich hier gar nicht gerechnet.


    Seeigel klar zum Transport

    Später machten wir einen Spaziergang in Richtung Südspitze Uglians.
    Es war noch mal so richtig heiß geworden.
    Bestimmt 24 Grad.
    Wir genossen die sommerliche Wärme und kletterten auf der Grenze zwischen Felsen und Macchia.
    Meine Sammelleidenschaft erwachte und ich nahm einige brauchbare Schwemmhölzer in Obhut.
    Ich hatte da so eine Idee, was ich daraus bauen konnte.
    Nach unserer Rückkehr setzten wir und auf das Bänkchen und schauten lange in eine nie zuvor gesehene Kulisse.
    Vor uns von links nach rechts, soweit das Auge reichte Meer…und dort wo es aufhörte wurde es von Hügelketten gesäumt. Über die ganze Breite.
    Von hier aus betrachtet bildeten die Kornaten und Dugi Otok eine Einheit.
    Schon unwirklich sah das aus.
    Fischerboote kreuzten die Wasserfläche und manchmal auch die Sonnenstraße.
    Wir sahen uns daran satt.


    Die Siluette

    Abends dann legten wir uns unter den Pinien schlafen.
    Keine Plane diesmal, obwohl in den Morgenstunden Regen angekündigt war.
    Wir wollten früh aufstehen und die Zeit vor dem aufkommenden Wind nutzen, um möglichst weit voranzukommen, bevor das Unausweichliche uns erreichte.


    Das letzte Abendlicht
    Geändert von Suomalee (09.10.2019 um 22:18 Uhr)

  5. Erfahren

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    AW: HR Seekajakrevival in Dalmatien

    #25
    auch von mir einen herzlichen Dank fürs Bericht
    Einfach herlich zum lessen...

    Liebe Grüsse,
    Ivo
    "We will either find a way, or make one"
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  6. Erfahren
    Avatar von Suomalee
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    AW: HR Seekajakrevival in Dalmatien

    #26
    @Euch:
    Es macht mir viel Spass zu beschreiben.
    Gut, dass Ihr da seid, denn sonst würde es nur halb so viel Freude machen.

  7. Erfahren
    Avatar von Suomalee
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    AW: HR Seekajakrevival in Dalmatien

    #27
    DIE ÜBERFAHRT VON MODOR INS AUENLAND

    In der Nacht wurden wir nicht gestört.
    Ab und zu warf ich einen Prüfenden Blick in den Himmel.
    Wolkenfelder zogen durch.
    Bisher kein Tropfen Regen.
    Gut so.
    Vielleicht würde der Himmel aushalten bis in den frühen Morgen und wir kamen trocken in die Boote.

    Beim ersten Tageslicht waren Walter und ich gleichzeitig wach und einigten uns darauf aufzubrechen.
    Der Himmel war nun mächtig bewölkt...wenn wir Glück hatten, dann blieben die Schlafsäcke & Co trocken.
    Hurtig raffte ich alles zusammen und gingen auf den Felsen vor in Richtung Boote.
    Nun einmal die Sachen ablegen, gut zwei Meter hinunterklettern (dazu brauchte man beide Hände) und alles wieder einsammeln.
    Ich schaute hinunter und staunte nicht schlecht.
    Wir mussten wohl so etwas wie eine Mini-Springflut gehabt haben, denn das Meer war unerwartet hoch gestiegen.
    Üblicherweise lesen wir an der Verfärbung der Felsen ab, bis wohin das Wasser steigt.
    Oberhalb davon ist man auf der sicheren Seite.
    Nun waren die Tritte mit Wasser überspült.
    Glücklicherweise nicht viel.
    Es war noch möglich zu passieren ohne mehr als nasse Füße zu bekommen.


    Wetterwechsel

    Walters Boot lag mit seinem Heck fast im Wasser!
    So hatten wir es definitiv nicht abgelegt.
    Etwas weiter vorne hatte ich Schwemmholz auf den Felsen gestapelt, damit wir es am nächsten Tag gleich aufs Boot packen konnten.
    Es lag zwar noch genauso da, jedoch war es komplett nass.
    Hätte ich es nicht schon gebündelt; es wäre davon geschwommen.

    Wir frühstückten nicht, tranken auch keinen Kaffee.
    Es war die typische „Herr-der-Ringe-Stimmung“.
    Schnell fort von hier bevor das Auge uns sieht.

    Doch das Auge hatte uns schon gesehen…

  8. Alter Hase
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    AW: HR Seekajakrevival in Dalmatien

    #28
    Zitat Zitat von Suomalee Beitrag anzeigen
    DIE ÜBERFAHRT VON MODOR INS AUENLAND

    ...

    Doch das Auge hatte uns schon gesehen…
    Immer diese Kliffhänger

  9. Erfahren
    Avatar von Suomalee
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    AW: HR Seekajakrevival in Dalmatien

    #29
    Hach ja...

    lass mir doch das Vergnügen.
    Es ist ja sowieso gleich vorbei.

    Dieser ruhige, herbstlich-idyllische Trip hatte nichts Spektakuläres.
    Außer seinem Ende.

    Und das kommt jetzt...

  10. Alter Hase
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    AW: HR Seekajakrevival in Dalmatien

    #30

  11. Erfahren
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    AW: HR Seekajakrevival in Dalmatien

    #31
    ZITTERPARTIE ERSTER TEIL

    Eigentlich ist Frühstücken für mich ein Muss vor körperlicher Anstrengung.
    Ich laufe sonst sehr schnell nur noch auf Standgas.
    Doch mir war immer noch nicht wohl, geradezu übel.
    Das vertrug sich mit Seegang auch nicht so gut.
    Deshalb wollte ich erst einmal sehen, wie es so läuft und dann Stückchenweise zufüttern.
    Nach dem strahlenden sonnigen Wetter der letzten Tage war, seit wir die Augen aufgeschlagen hatten, nun eine dichte graue Masse um uns herum.
    Hie und da blitze etwas rosa oder gelb von der aufgehenden Sonne durch.
    Ich hörte Gerumpel.
    Walter hörte jedoch nichts.
    Na gut, dann werden es vielleicht Sprengungen sein irgendwo im Hinterland sein…
    Bald darauf umrundeten wir die Südspitze von Uglian und waren froh, trocken in unseren Boten zu sitzen.
    So ein Kajak kann auf dem Wasser ein Zuhause werden, es ist alles eine Sache des Kontextes.
    Das Rumpeln blieb konstant und ich begriff: wir haben Gewitter!
    Noch stand es über Dugi Otok.
    Na super.
    Das machte die anstehende Entscheidung nicht leichter.

    Ein einsames Fischerboot lag in der Passage vor der Bücke.
    Der Mann darauf sprach uns an, sobald wir in seiner Hörweite waren.
    Er machte uns auf das Wetter aufmerksam und gab uns zu verstehen, dass jetzt keine gute Zeit zum Paddeln sei.
    Wir nahmen seinen Rat freundlich entgegen.
    Wohl wissend, dass er es gut mit uns meinte.
    Daraufhin war ich noch angespannter.
    Wir unterfuhren die hohe Brücke, welche die Zwillingsinseln verband.
    Eigentlich Zeit zu staunen, doch ich konzentrierte mich nur auf die Passage.
    Hier konnten Schnellfähren überraschend fix auftauchen.
    Oder größere Fischerboote oder Lastkähne.
    Wir befanden uns sozusagen auf der Schiffsautobahn.
    In der Regel haben große Schiffe keinen Blick für Kajaks.
    Defensives Fahren und Umsicht sind wichtige Devisen für Kajaker.
    Es blieb zum Glück recht übersichtlich.

    Die ersten Tropfen fielen aufs Wasser.
    Dann öffnete sich das Meer wieder zu beiden Seiten und in etwas über dreieinhalb Kilometer Entfernung wartete das Festland auf uns.
    Von unserer bevorstehenden Route war dies die schmalste Stelle zum Queren.
    Nun mussten wir eine Entscheidung treffen.
    Besser ich.
    Walter wollte es mir überlassen, da nur ich einschätzen konnte, was zu leisten ich gerade in der Lage war.

    Wegen des Gewitters weiter Uglian entlang dicht am Land paddeln und hoffen, dass das Gewitter vorüber war, wenn wir weiter nördlich auf Höhe unseres Ausgangspunktes queren würden?
    Aber bis dann hatten wir die 5 Bft seitlich und einige Kilometer mehr an offener See zu bewältigen.
    Jedoch gab es zumindest theoretisch die Möglichkeit die Fahrt zu unterbrechen und an Land zu gehen.
    Wenn es jedoch anhaltend junge Hunde regnen würde und die Temperatur empfindlich abkühlte, wäre ich gern am Festland und in der kleinen Unterkunft, wo auch mein Auto stand und wir schon den Jugo abgewettert hatten.
    Ich sehnte mich nach sanitären Anlagen.
    Noch war der Wind nicht aufgebraust.
    Es waren vielleicht 3 Bft und nur dreieinhalb Kilometer.
    Aber was, wenn der Wind unterwegs einsetzte?
    Was, wenn das Gewitter schneller heranzog und wir uns mitten auf dem Wasser befanden?
    Was, wenn es mir noch blümeranter wurde, als es mir ohnehin schon ging?

    Solche Momente sind purer Stress.
    In solchen Situationen sind Fehlentscheidungen mehr als fatal.
    Solche Erlebnisse haben einen großen Ernst.
    Problem ist nur, sie müssen entschieden werden.
    Warten ist keine Lösung.
    Es verstreicht kostbare Zeit.
    Ich öffnete meine Tagesluke und griff in die Tüte mit den Nüssen.
    Soviel und so schnell ich konnte stopfte ich mir Kalorien in den Mund und kaute.

    Der Wind stand eigentlich so, dass das Gewitter an uns vorbeiziehen musste.
    Noch hatte der angekündigte Starkregen nicht eingesetzt.
    Noch war es früh genug am Morgen, dass wir die Überfahrt vor den 5 Bft schaffen konnten.
    Dann hätten wir auch wieder Land in unmittelbarer Nähe.
    Die Wellen würden von hinten schieben und unser Vorankommen beschleunigen.
    Aber wir mussten an der gesammten Industrie von Zadar vorbei.
    Da war mit Aussteigen sicher nichts.
    Und Zadar Stadt hatte auch keine Strände, sondern Stadtmauern oder war teils auf Fels gebaut.
    Aber, dachte ich mir, wenn wir dort in Not geraten, dann müsste Hilfe sehr nah sein.
    Auch nicht zu verachten.
    Ich lauschte in mich hinein und gab mir einen Ruck.
    Noch eine letzte Hand voll Nüsse.
    Ich verschloss die Luke und teilte Walter mit, dass wir jetzt und sofort queren.
    Geändert von Suomalee (09.10.2019 um 22:49 Uhr)

  12. Erfahren
    Avatar von Suomalee
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    AW: HR Seekajakrevival in Dalmatien

    #32
    ZITTERPARTIE ZWEITER TEIL

    Ich hob zu einen kräftigen und gleichmäßigen Paddelschlag an und fixierte das Festland.
    Einmal losgerissen von Uglian, wollte ich nur noch da rüber.
    Der Regen wurde gleichmäßig, der Donner häufiger.
    Wir suchten uns einen Fixpunkt in einer gegenüberliegenden Ortschaft am Festland, auf den wir zuhalten und an dem wir unsere Abdrift überprüfen konnten.
    Bisher waren die Wellen ganz okay, ein schwacher Vierer, vielleicht?
    Hie und da waren Schiffe zu sehen.
    Wir waren hier immer noch auf einem stark befahrenen Kanal zwischen dem Festland und zwei länglich ausladenden Inseln.
    In einer breiten Fahrrinne sozusagen.
    Wir schauten immer wieder in alle Himmelsrichtungen, um sicher zu gehen, dass wir anderen Schiffen nicht in den Weg kamen.
    Das Meer ist laut, wenn der Wind weht und der Regen prasselt.
    Da ist es vielleicht zu spät erst zu reagieren, wenn man Motorengeräusche hört.
    Für Nicht(see-)kajaker: Bereits stärkerer Wind reicht aus, um sich in 5 Meter Abstand nicht mehr schreien zu hören.
    Daher kommt das “auf Sicht fahren“.
    Eine Trillerpfeife kann bis zu einem gewissen Abstand auch hilfreich sein.

    Wir näherten uns der Mitte der Fahrrinne…und bemerkten, dass der Wetterbericht versagt hatte, weil das Gewitter inzwischen seitlich auf uns zukam.
    Es war hinter uns nördlich vorbeigezogen und warum auch immer, jetzt hatte der Wind sich gedreht und der ganze Himmel wanderte wieder nach Süden.
    Also über uns hinweg.
    Nicht in über eine Woche täglich und mehrfach Windfinder Pro abrufen, war die eingetretene Situation abzusehen.
    Nie tauchte diese Dynamik nur im Ansatz auf.

    Aber wir, wir tauchten in sie jetzt umso konkreter ein.
    Ich verwünschte alles.
    Bei nahem Gewitter auf einer großen Wasserfläche…
    Das ist der Alptraum.
    Das Auge hatte uns eben doch gesehen.
    Der Himmel war inzwischen so dunkel, dass wir die Blitze hinter uns in ihm wiederleuchten sahen.
    Wir zählten jedes Mal bis zum Donner.
    Es war nur noch drei, vier Kilometer von uns entfernt.

    Immer wieder passten wir unseren Fixpunkt an, damit wir möglichst kleine Hundekurve paddelten.
    Dabei versetzten wir unser Ziel weiter nach Norden.
    Ich wollte nur noch das Land erreichen, egal wie und wo.
    Nur runter vom Wasser.
    Das einzig Gute war, dass die 5 Bft brav auf sich warteten ließen.

    Ich kann nicht beurteilen, ob die Zeit langsam oder schnell verging.
    Alles bestand aus gespannter Aufmerksamkeit ohne jegliches Zeitempfinden.
    Jeder Paddelschlag brachte uns ein Stück näher ans Ufer.
    Jede Welle, die gemeistert wurde, war ein kleiner Sieg auf dem Weg zum Ziel.
    Endlich wurden die Häuser größer und wir erkannten eine vorgelagerte Strandpromenade.
    Hier konnten wir leicht aussteigen.
    Na immerhin etwas.
    Bald hatten wir es geschafft...

    Wir hatten es geschafft!
    Erleichtert stiegen wir aus den Booten und zerrten diese aus dem Wasser.
    An der Promenade standen Strohsonnenschirme in Beton eingelassen.
    Ich forderte Walter auf, sein Kajak unter einen solchen Schirm zu ziehen.
    Ich selbst hatte meines bereits unter einem anderen platziert, stieg wieder ein und schloss die Spritzdecke.
    Warum?
    Es war ziemlich kalt und windig.
    Alles war feucht und meine Beine unbedeckt.
    In der Bootsluke war ich am Besten vor jedwede Art von Wetter geschützt.
    Wie sagte ich schon zuvor?
    Manchmal kann ein Kajak ein Zuhause sein.
    Walter tat es mir nach.
    Dann hatten wir nichts mehr zu tun als zu staunen.

    Die Welt um uns herum war bleigrau-blauschwarz…
    Es blitzte und donnerte über uns hinweg.
    Es prasselte derart, dass das Meer weiß aufspritzte und sich komplett türkis färbte, soviel Luft mengte der Regen hinein.
    Es war Weltuntergang.
    Nicht, dass ich so etwas noch nie erlebt hätte, doch es ist schon eher selten.
    Meist eines davon, aber nicht alles auf einmal.
    Ich warf Walter aus meiner Tagesluke Fruchtriegel herüber.
    Ziemlich viele sogar, sodass es ein richtiges Spiel wurde.
    Ich musste beim Werfen nämlich auch die Abdrift durch den Wind, oder besser Sturm berücksichtigen.
    Wenn ich nicht traf, musste Walter mit seinem Paddel nach den Riegeln angeln.
    Letztlich landeten sie jedoch alle in seinem Bauch.
    Das Wasser beruhigte sich farblich und wechselte wieder zu dunkelblau.


    nach dem Schlimmsten

    Wir beobachteten die Wellen.
    Es herrschte Chaos.
    Die Wellen wussten selbst nicht mehr, wie sie wellen sollten.
    Man konnte es bestenfalls mit Kabbelwasser beschreiben.
    Wir saßen in unseren Booten unter den Sonnenschirme...eine Stunde?
    Oder länger?
    Es spielte ja keine Rolle wie und ob die Zeit verging.
    Hauptsache wir waren sicher und weiter gehen würde es erst nach dem Gewitter.
    Ich hatte den Blick nach Norden.
    Vor mir lag Zadar, nein erst einmal seine Industrieanlagen.
    Es sah zum Fürchten aus.
    Alles in monochromen Graustufen, hie und da ein Licht.
    Alles andere als heimelig.
    Zeitweise waren die Inseln Uglian und Pasman mehr linkerhand von uns nicht mehr da.
    Mitten auf dem Wasser stand eine Wand und mehr war von der Welt nicht zu sehen.
    Einfach verschluckt.
    DAS AUGE!
    Nicht auszudenken, wenn wir noch auf dem Wasser gewesen wären.
    Ich war sehr froh.
    Wir hatten diesen kniffeligen Teil unserer Rückfahrt schon mal sicher hinter uns gebracht und waren außer Gefahr.
    Insgesamt hatte das Wetter mit dem Gewitter eine große kreisartige Bewegung gemacht.
    Erst von uns weg, nach Norden, dann auf uns zu, nach Süden.
    Und nun hatte es sich verklemmt und stand auf der Stelle.
    Der Regen prasselte in Schüben.
    Doch irgendwann beruhigte er sich zu einem harmlosen Tröpfeln.
    Es dauerte und dauerte, bis ich im Norden endlich einen hellen Streifen erkennen konnte.
    Sehr, sehr langsam wurde dieser größer.
    Auch tauchte Uglian wieder auf, Pasman blieb jedoch weiter verschwunden.
    Ganz hinten sah ich beschienenes Land auf Uglian.
    Ich war einigermaßen beruhigt.
    Die Welt war doch nicht untergegangen.
    Das Auenland war noch da und das Auge hatte uns nicht vernichtet.


    Erste Sonnenstahlen auf Uglian

    Es regnete nur noch schwach.
    Sobald die Blitze nachgelassen hatten und der Donner ihnen in gebührendem Abstand folgte, setzten wir ein.
    Nichts wie weg, bevor der Wind noch mal drehte.
    Während über uns noch tiefste Schwärze herrschte, paddelten wir dem Licht entgegen wie zwei Nachtfalter zu einer brennenden einer Kerze.
    Geändert von Suomalee (10.10.2019 um 00:54 Uhr)

  13. Erfahren
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    AW: HR Seekajakrevival in Dalmatien

    #33
    DAS POTENZIAL ZUM SEEMANNSGARN

    Euphorisiert und noch sehr beeindruckt von der gewaltigen Natur zogen wir weiter.
    Noch lange begleitete uns der schwarze Himmel.
    Obwohl vor uns die Welt wieder licht und farbig wurde, konnte die Sonne uns noch lange nicht erreichen.
    Immer wieder drehten wir uns um und beäugten die schwarze Wand hinter und über uns.
    Sollte sie bloß bleiben wo sie war.
    Interessanter Weise zog die höhere Luftschicht mit dem Regen und dem Gewitter über und von uns weg.
    Während eine tiefere Luftschicht, inzwischen mit den angekündigten 5 Bft und einer ordentlichen Dünnung, uns von hinten schob.
    Wir erreichten das Industriegebiet von Zadar.
    Trist und öde reihten sich Türme, Hallen, Förderbänder und Hafenanlagen aneinander.
    Schön ist anders, wenngleich sie auch sehr dramatisch in Szene gesetzt waren durch die herrschenden Lichtverhältnisse.
    Dann kam der erste Hafen.
    Dort lagen die Fähren, soweit wir das sehen konnten.
    Eine fuhr gerade los.
    Wir manövrierten entsprechend.
    Sie zog an uns vorbei ins helle Sonnenlicht.
    Ich schaute ihr nach.
    An ihr konnte ich abschätzen, wie weit wir selbst noch vom Sonnenschein entfernt waren.
    Es würde noch dauern…

    Und nun ein kleines Extra:
    So von wegen Modor, Auge & co.

    In einiger Entfernung, genau auf meinem Kurs beobachtete ich eine handvoll Möwen, die im Wind kreisten und aufs Wasser stießen, um wieder empor zu steigen.
    Ich dachte sie fischen.
    Aber wieso hier mitten im Wasser?
    Die Möwen ließen sich nicht beirren, obwohl ich mich ihnen geradewegs näherte.
    In ca. 40 Meter Entfernung sah ich, dass das Wasser dort, wo sie waren und auf das ich exakt zusteuerte eine andere Farbe hatte.
    Das Wasser war türkisfarben, wie zuvor bei dem Starkregen.
    Und es hatte eine Form.
    Es war kreisförmig türkisfarben und seltsam glatt inmitten der sonst herrschenden Wellen a la 5 Bft und mächtig Dünung oberdrein.
    ?
    Ich dachte kurzzeitig ich sei übergeschnappt.
    Von wegen: aha, hier erfinden sie also das Seemanngarn.
    Jetzt hab ich auch welches gesehen.
    Dann dachte ich, Moment mal, es gibt kein Seemannsgarn und ich bin nicht alkoholisiert und habe nur körpereigene Drogen im Blut.
    Nach den letzten Stunden wahrscheinlich gar nicht mal so wenig.
    Aber muss man denn gleich davon halluzinieren?
    Nur das, was ich da sehe sieht sehr unheimlich aus.
    Noch näher herangekommen, konnte ich das „glatt“ besser erkennen.
    Das glatt war eine Art Strudel!
    Wie eine plattgedrückte Walze.
    (Wenn vielleicht Wildwasserkanuten unter Euch sind?)
    Oder vielleicht besser so:
    Das dunkle Meer hatte einen ca. 10 Meter großen kreisrunden, türkisfarbenen Fleck, mit einer Oberfläche, welche siedendem Wasser glich.
    Besser kann ich es nicht beschreiben und nein, ich habe in meinem Zustand kein Foto gemacht.
    Aber ich habe Walter als Zeuge.
    Und eine Erklärung, zumindest meine.
    Verrückter Weise hielt ich weiter Kurs.
    Mir kam nicht der Gedanke auszuweichen.
    Die Möwen flogen fort.
    Vor lauter Beobachten und eigenem Antrieb, war ich ruck zuck in den „magischen Kreis" eingedrungen.
    Ich starrte auf das Wasser um mich herum.
    Kurz hielt ich die Luft an, ob „es" mich jetzt nach unten zieht???
    Tatsächlich floss das Wasser wie eine Walze in Kreisen.
    Ich schaute in die Tiefe, in das nicht endende Türkis.
    Und wusste was es war.
    Ihr wahrscheinlich auch?
    Einerseits war ich erleichtert, denn es ist immer schön, wenn Diffuses Kontur annimmt.
    Doch in diesem Fall hätte ich gern darauf verzichtet.
    Unter mir befand sich das Ende eines Abwasserrohrs der Stadt Zadar.
    Geändert von Suomalee (10.10.2019 um 00:56 Uhr)

  14. Fuchs

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    AW: HR Seekajakrevival in Dalmatien

    #34

  15. Erfahren
    Avatar von Suomalee
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    AW: HR Seekajakrevival in Dalmatien

    #35
    Zitat Zitat von qwertzui Beitrag anzeigen
    Ja, da kiekste, ne?


  16. Alter Hase
    Avatar von LihofDirk
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    AW: HR Seekajakrevival in Dalmatien

    #36
    Zitat Zitat von Suomalee Beitrag anzeigen
    Unter mir befand sich das Ende eines Abwasserrohrs der Stadt Zadar.

    Ja, den Anblick kenne ich, war bei mir zum Glück aber nur der "Brine" Auslass (keine Ahnung, wie die Aufkonzentrierte Salzlake einer Meerwasserentsalzung auf Deutsch heisst) vom Perth Seawater Desalination Plant im Cockburn Sound. Aber die Strömungsänderung ist schon ganz originell.

  17. Erfahren
    Avatar von Suomalee
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    AW: HR Seekajakrevival in Dalmatien

    #37
    ...ganz originell...
    auch eine schöne Beschreibung!

    Nach dem Gebeuteltsein von Naturgewalten, mutete diese Kulturgewalt sehr spooky an.

  18. Erfahren
    Avatar von Suomalee
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    AW: HR Seekajakrevival in Dalmatien

    #38
    DIE LETZTE ETAPPE

    Jetzt war ich wirklich mit allen Wassern gewaschen.
    Daher musste wohl das Sprichwort kommen.
    Ich schwöre, das Wasser war hauptsächlich türkis.
    Ich beeilte mich und versuchte gleichzeitig möglichst kein Spritzwasser abzubekommen.

    Wir zogen weiter an Zadar vorbei.
    Die ersten Vororte mit Neubauten…dann wieder ein kleinerer Hafen…dann ein Wäldchen…
    Hier musste irgendwo ein Campingplatz sein.
    Aber den brauchten wir jetzt nicht mehr.
    Wir hatten endlich das Licht erreicht und die Sonne uns.
    Wohltuend war es, für Seele und Körper, wieder unter ihrer Wärme sein.
    Wir kamen uns nicht nur vor wie Helden, wir waren welche!
    Nur, dass es Niemand außer uns wusste.

    Ach wie nährt es doch die Selbstachtung, wenn man Großartiges geleistet hat und nicht darüber spricht...
    (Sondern später schreibt )

    Aus allen Himmelsrichtungen kamen wieder Schiffe auf die Wasserfläche.
    Nördlich von Zadar segelten sogar große Yachten.
    Ich meine sie segelten wirklich.
    Sonst fahren sie meist unter Motor.
    Doch nun hatten sie ja ordendlich Wind.

    Wir erreichten die Altstadt.
    Zwar bin ich vor gut 15 Jahren dort gewesen, per Pedes, doch ich erkannte nichts mehr.
    In meiner Erinnerung ist die Altstadt aus dem für Dalmatien typisch weißen Stein errichtet.
    Überall diese cremeweiße Farbe - dem Boden inclusive.
    Das musste wohl weiter hinten sein.
    Die Bauten, die wir vom Wasser aus betrachten konnten waren fast durchweg so eine Art Neosozialistischer Prunkbau in, na wer sagst denn, rosa gehalten.
    Ich fand es trotzdem sehr schön Zadar auf diese Weise guten Tag gesagt zu haben.
    Die körpereigenen Drogen mussten, nach dem aktuellen Stand der Biochemie zu urteilen, jetzt auf ihrem Höhepunkt angelangt sein.
    Es war Wochenmarkt in der Altstadt.
    Wir fuhren in einer Entfernung, dass wir gerade noch alle Einzelheiten erkennen konnten.
    Wieder eine große Hafenanlage.
    Damlatien hat unglaublich viele Häfen.
    In allen Größen.
    Nun wurde die Besiedlung wieder niedriger.
    Der Leuchtturm...ein Kap.
    Zadar verwandelte sich in Vororte mit Freizeitanlagen und Urlaubsdomizile.
    Noch durch diese Bucht, noch vorbei an jenem Wäldchen vorbei…dann erkannten wir erste Details von unserem Ziel.
    Es gab dort eine gekennzeichnete Untiefe.
    Das war eine prima Orientierung.
    Noch mal richtig Fahrt aufnehmen und mit Schwung das Kajak in den Kies rammen, dass es festsitzt.
    Dazu hat man ja in Dalmatien eher selten die Gelegenheit.


    fast wieder da

    Es war erst Mittag.
    Das Kajak saß fest.
    Raus hier, Klamotten runter und etwas Trockenes anziehen.
    Jetzt war Häuten angesagt.
    Die Amphibie steigt an Land.
    Oder so.
    Gerne hätte ich mit Walter erst einmal mit einem kalten Bier angestoßen.
    Oder wenigstens drei oder vier Anlandeschlucke genommen.
    Aber mir war bei Weitem nicht danach.
    Mir war immer noch übel und hielt lieber Diät.
    Es waren kaum Menschen unterwegs an der Promenade.
    Und es nahm Niemand Notiz von uns.
    Wir leerten die Boote.
    Wenn man seine sieben Sachen so ausbreitet, staunt man selbst, was man alles unterbringt in seinem Kahn.
    Zwischen wasserdichten Säcken, Lenzpumpe, Schwimmwesten, Essensvorräten und anderem Gepäck, lagen etliche Schwemmhölzer, Seeigel und zwei Vogelschädel.
    Leider auch kein Foto, mir ging es so mies und ich deshalb lieber Schwarztee kaufen.
    Wir beeilten uns den Schlüssel für unsere Unterkunft zu bekommen.
    Auch weil es schon wieder nach Regen aussah.
    Es sollte noch den ganzen Tag bis in die Nacht regnen und gewittern.
    Das Schauspiel war also noch nicht vorbei.
    Aber für uns.
    Uns konnte das Wetter nichts mehr anhaben.
    Außer der Kälte.
    Sie drang zu uns bis durch die Mauern.
    Wir beglückwünschten uns zu unserer Entscheidung den Trip eingekürzt zu haben.
    Und waren gespannt, ob der Wetterbericht für den morgigen Tag hielt, was er versprach.
    Er übertraf sich.
    Wir beglückwünschten uns erneut.

  19. AW: HR Seekajakrevival in Dalmatien

    #39
    Wow! Was für eine Dramatik! Ich freue mich, dass ihr diesen Abschluss so gut überstanden habt und ich hoffe, dass es dir inzwischen auch wieder gut geht.

    LG,
    Babs

  20. Alter Hase
    Avatar von LihofDirk
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    AW: HR Seekajakrevival in Dalmatien

    #40
    Geniale Lektüre und wunderschöne Bilder.

    Danke (nochmals) für das Teilen.

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