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  1. Erfahren
    Avatar von Borgman
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    AW: [NO] Hardangervidda 6.-22. 8. 2019

    #21
    Mitreisende: Bergahorn
    Jetzt habe ich es auch endlich geschafft, Deinen herrlichen Bericht zu Ende zu lesen, vielen Dank für diese außerordentlich kurzweilige Stunde! Da hast Du ja in zwei Wochen eine Menge gesehen von der Hardangervidda. Damals, bei der Nord-Süd-Querung mit meiner Frau, hatten wir ähnlich wechselhaftes Wetter, fiese glatte Felsplatten und nette Begegnungen. So gekonnt, wie Du hier Deine Erlebnisse zwischen Matsch und Loriot, nassen Socken und Lyrik in einem vergnüglichen Text erzählst, könnte ich mir gut vorstellen, dass Du auch jenseits von diesem Forum öfter schreibst. Jedenfalls werde ich Deine beiden Schwarzwald-Berichte auch lesen und hoffe auf mehr aus Deiner Feder.

    Zitat Zitat von Bergahorn Beitrag anzeigen
    ...diese Bitix-Haferkekse, die einen im normalen Leben wahrscheinlich schnell wie Evelyn nach dem Riegel-Testen in Loriots „Papa ante portas“ aussehen lassen…
    Dem widerspreche ich entschieden! Wenn nach der Tour noch welche übrig sind, verspeise ich diese auch zu Hause noch mit Genuss … oder wecken sie vielleicht nur schöne Erinnerungen ans Draußensein?

    Meine Füße und die Schuhe sind sich allerdings noch nicht so einig, v.a. der rechte kleine Zeh ist mit dem Platzangebot nicht einverstanden. Liegt es an der neuen Besohlung, den anderen Socken oder einfach daran, dass die Schuhe leider ganze zwei Jahre quasi brach liegen mussten?
    War bei mir dieses Jahr auch so. Ich bin der Meinung, dass der Geröllschutzrand aus Gummi mit der Zeit geschrumpft ist. Habe dann mit dem Messer Kerben hineingeschnitten, damit er sich etwas ausdehnt, und alles war gut. Bei Dir scheint das Problem ja nicht mehr aufgetreten zu sein.

    Ich sinne mal wieder darüber nach, warum mich dieses Karge, die Flechten, Moose, Kriechweiden und das fotogene Wollgras immer wieder so begeistern, mich üppige Vegetation eher nicht so berührt. Eine Erklärung finde ich allerdings nicht.
    Das habe ich mich auch schon gefragt, mir geht es genauso. Ein unscheinbarer Gletscherhahnenfuß mitten im Geröll berührt mich mehr, als die üppigste Blumenwiese. Ich denke, das liegt daran, dass es die Pflanzen hier so schwer haben, acht Monate oder mehr von Schnee bedeckt, bis sie endlich wieder Licht bekommen und tapfer ihren Platz in dieser unwirtlichen Umgebung behaupten.

    Schäfchen zählen für Veganer...
    Sehr schön!

    Ich habe diese Nacht mal wieder jede Menge Quatsch geträumt, zuletzt, dass ich nichts Geringeres als Wagners „Ring“ inszeniere. Ein Konzept fehlte mir allerdings, das war dann wohl der realistischste Teil des Traumes…
    Hmm, da drängt sich mir der Gedanke auf, dass Du (beim Blick in das nebelverhangene Simadal?) vielleicht doch ein Konzept gefunden hast, das nur noch nicht ganz ausgereift ist… wäre ja nicht ganz abwegig, sich an Landschaft und Begegnungen in der Vidda zu orientieren… hast Du nicht Alberich schon im Bus getroffen? Und den Wanderer? Und Hagens Sitzbank? OK, die hab ich mir jetzt ausgedacht. Aber bist Du nicht sogar auf Brünnhildes Felsen gestiegen?

    ...geht mir immer wieder die Zauberflöten-Arie „Dies Bildnis ist bezaubernd schön...“ durch den Kopf, die hat ja nun schier gar nichts mit meiner Tour zu tun, außer man würde „Dies Bildnis“ durch „Die Wildnis“ ersetzen. Dazu gesellen sich der letzte Satz aus Brahms 1. Sinfonie…
    Vielleicht das Hornthema? Passt doch! Du kennst bestimmt Brahms‘ Geburtstagsgruß an Clara Schumann auf dieses Thema: „Hoch auf‘m Berg, tief im Tal grüß ich dich viel tausendmal!“ Bestimmt ist es nicht ganz zufällig, welche Musik einem in den Sinn kommt, das Bildnis der Wildnis ist doch ganz einleuchtend. Warum ich seit vielen Jahren beim Wandern an besonders kniffligen Stellen immer den Brindisi aus „La Traviata“ auf einen Nonsenstext singe, ist mir allerdings bis heute schleierhaft…

    ...nicht premiumverdächtig, alles sehr naturbelassen…
    Da musste ich schmunzeln. Geht es den meisten von uns nicht gerade darum, die ausgebauten Wege zu verlassen und die Natur in einem bei uns weitgehend verloren gegangenen „Urzustand“ (ich weiß, in einer von Schafen beweideten Landschaft ist dieser Begriff eigentlich fehl am Platze) zu erleben?

  2. Gerne im Forum

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    AW: [NO] Hardangervidda 6.-22. 8. 2019

    #22
    Herzlichen Dank für eure so netten Antworten und "Werkbesprechungen", da werde ich ja fast rot!
    Eigentlich soll noch ein Abschlusskapitel dazukommen, ich kann ja nicht bis zum nächsten Bericht bei Laternenbeleuchtung im Zelt liegenbleiben!


    @NF: Ja, der Abstieg nach Kinsarvik ist zwar anstrengend, aber wirklich lohnend. Ich hatte den zunächst aus rein praktischen Überlegungen gewählt und mich dann gefreut, dass er so attraktiv ist.

    @ agricolina: Also wenn sich das so liest wie zwei Wochen Dauerregen, dann habe ich da was falsch gemacht...
    Tja, das Wetter! Ich war mir von vornherein klar darüber, dass es in der Hardangervidda keinerlei Sonnengarantie gibt, ich glaube, das half schon einmal. So richtig fiesen Dauerregen gab es eigentlich nur am vorletzten Tag, ansonsten pustete der Wind einen zwischenzeitlich ja wieder mehr oder weniger trocken.
    Die Markierungen waren eigentlich ausreichend, klar, weitaus sparsamer als man das teilweise aus Deutschland kennt, aber ich hatte nie Bedenken, völlig verloren zu gehen.

    @Borgman: Die Idee, den Geröllschutzrand etwas "anzusägen" werde ich mir merken. Bei mir ging es dann von selbst, wahrscheinlich hat sich das Leder in der Nässe gut gedehnt...

    Ich glaube, das Inszenieren des Rings überlasse ich dir, du hast da viel mehr Ideen! Rumpelwicht und Alberich in Personalunion finde ich z.B. sehr originell! Da fällt dir auch noch etwas für den Rhein und den teutschen Wald ein, fehlt ja beides in der Hardangervidda, die ich persönlich lieber nicht mit den vielen mehr oder minder grobschrötigen Individuen dieser reichlich schrägen Story bevölkern wollte. Falls du mal wieder dort bist, kannst du entgegenkommende Wanderer ja mal testweise mit "Hojotohoooo!" grüßen...

    Naja, irgendwie sucht man sich halt eine Verbindung von der Musik zur Landschaft, ich vermute allerdings, dass das einfach im Hirn herumschwimmende Fetzen sind, die alleine mangels Reizüberflutung dann mal nach oben gespült werden. Auf deinen Brindisi-Nonsensetext wäre ich ja direkt neugierig! Da lässt sich doch eine Erklärung finden...

  3. Erfahren
    Avatar von Fjellfex
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    AW: [NO] Hardangervidda 6.-22. 8. 2019

    #23
    Obwohl ja noch ein Abschlusskapitel in Aussicht gestellt ist, gibt es auch von mir jetzt schon eine "Werkbesprechung", und die lautet ganz knapp: !

    Richtig schöne Bilder, und der Text macht Laune.

    In diesem Faden wurde schon viel Bezug auf musikalische und literarische Hochkultur genommen. Da sollte auch Goethe erwähnt werden...
    Mephisto: Was hast du da in Höhlen, Felsenritzen
    Dich wie ein Schuhu zu versitzen?
    Was schlurfst aus dumpfem Moos und triefendem Gestein
    Wie eine Kröte Nahrung ein? ...
    Faust: Verstehst Du, was für neue Lebenskraft
    Mir dieser Wandel in der Öde schafft?
    Ja, würdest du es ahnen können,
    Du wärest Teufel gnug, mein Glück mir nicht zu gönnen.

  4. Gerne im Forum

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    AW: [NO] Hardangervidda 6.-22. 8. 2019

    #24
    Danke, Fjellfex, für die Sternchen und das wunderbare Goethe-Zitat, das mir nicht präsent war! Der Faust bietet wohl tatsächlich für nahezu jede Lebenslage passende Worte...
    Jetzt muss ich aber noch ganz pingelig sein: Du hast recht, Goethe wurde nicht erwähnt, aber zitiert habe ich ihn:"Vom Eise befreit...", auch Faust, nämlich der Beginn des Osterspaziergangs!

  5. Gerne im Forum

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    AW: [NO] Hardangervidda 6.-22. 8. 2019

    #25
    Mittwoch, 21.8.

    Nun steht die Heimreise auf dem Programm, die überwiegend aus Extremtrödeln besteht, da dieser Tag sozusagen eiserne Reserve war. So trödele ich erst ausführlich beim Frühstück und dann in Kinsarvik herum, bis der Bus nach Voss fährt. An der Haltestelle treffe ich drei junge Deutsche, die vorgestern auch auf der Hütte waren und den Abstieg genauso anstrengend fanden wie ich. Die Frage des einen, wie ich denn zwei Wochen mit so einem kleinen Rucksack unterwegs sein konnte, nehme ich mal als Kompliment!
    Die Busfahrt bietet Blicke auf den Fjord, dazu neben einer Brücke v.a aber viele Tunnel, teilweise inklusive Kreisverkehr! Ich überlege, ob da wieder Schweizer am Werk waren, die haben ja auch in Kanada beim Tunnelbau maßgeblich mitgewirkt…
    Um 14.25 Uhr komme ich in Voss an und darf nun die Zeit bis 00.19 Uhr vertrödeln. Das gelingt auf und im Kulturhus, mit einem Bummel durch die „Innenstadt“, die ich intensiv besichtige, wobei ich mich auch immer wieder auf Bänken niederlasse. Dabei werde ich einmal von einem vorbeikommenden Obdachlosen genau betrachtet. Ob er wohl angesichts meiner dreckigen Hose überlegt, ob ich eine neue Kollegin bin oder ich einfach unwissentlich einen seiner Stammplätze belege?
    Irgendwann wechsele ich in den Trödel-, Pardon, Warteraum am Bahnhof.

    Donnerstag, 22.8.

    Um 00.19 Uhr fährt der Zug nach Oslo, ab 6.13 Uhr habe ich dann Gelegenheit zum Großstadttrödeln, später in Gardermoen zum Flugplatztrödeln. Dort checke ich ohne Probleme vollautomatisch ein und schaue dabei so staunend und fasziniert meinem Rucksack hinterher, dass eine Frau lachen muss. Ich kann es halt kaum glauben, dass das so einfach auf Anhieb geklappt hat! Der Flug klappt auch, danach trödele ich noch ein bisschen, bis der Zug, der 20 min. Vertrödelung hat, fährt und muss dann deshalb in Mannheim vom Extremtrödeln direkt in einen Superspurt zur Straßenbahn wechseln, auch das Umsteigen klappt nur gerade so eben – ich bin wieder daheim…


    Nachklang

    Physisch bin ich nun wieder zu Hause, die Seele trödelt noch ziemlich hinterher… Bei den üblichen Post-Tour-Arbeiten wie der Reinigung und Trocknung der Ausrüstung darf sie das, eine Zeit lang mag ich sogar die Unordnung aus herumliegender Ausrüstung, die ich dann so nach und nach wieder an ihren Platz räume. Die Fotosichtung und das Berichtschreiben lässt mich im Geiste noch oft in der Hardangervidda verweilen, auch als der Alltag ansonsten schon längst wieder die Oberhand hat und ich mich nur noch ganz selten dabei ertappe, selig lächelnd durch die Gegend zu laufen.
    Trotz des durchwachsenen Wetters war es meiner Ansicht nach eine wunderschöne Tour, ich hatte auch das Glück, dass ich als relativer Zeltneuling erst so nach und nach, als die meisten Handgriffe schon saßen, an die anspruchsvollere Witterung „herangeführt“ wurde.
    Ich habe viel gelernt und kann nun von der Nachbereitungsphase in die Planungsphase für die nächste Tour wechseln. Der ewige Kreislauf, in dem sich wohl alle Outdoorinfizierten befinden...
    Geändert von Bergahorn (27.11.2019 um 13:54 Uhr)

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    Avatar von Ljungdalen
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    AW: [NO] Hardangervidda 6.-22. 8. 2019

    #26
    OT:
    Zitat Zitat von Bergahorn Beitrag anzeigen
    …viele Tunnel, teilweise inclusive Kreisverkehr! Ich überlege, ob da wieder Schweizer am Werk waren, die haben ja auch in Kanada beim Tunnelbau maßgeblich mitgewirkt…
    Naja, mittlerweile haben das die Norweger wohl nicht mehr nötig: Gesamtlänge der Straßentunnel in Norwegen (>800 km) doppelt so hoch wie in der Schweiz. (OK, bei Bahn ist die Schweiz "vorn", aber da ist das Netz ja auch viel dichter.)


    Und vielen Dank für den schönen Bericht.

  7. Erfahren
    Avatar von Hapi
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    AW: [NO] Hardangervidda 6.-22. 8. 2019

    #27
    Huch, diesen schönen Bericht kannte ich noch gar nicht. Tolle Bilder und sehr nett geschrieben Vielen Dank!
    Look deep into nature and you will understand everything better (A. Einstein)

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