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    AW: [FR] [ES] HRP (Haute Randonnée Pyrénéenne), zweiter Teil

    #21
    Mitreisende: ticipico
    Danke für Text und Bilder, lese hier gerne mit! Die HRP mäandert schon seit einiger Zeit in meinem Hinterkopf herum, du bringst mich mit deinem schönen und humorigen Bericht noch dazu, sie wirklich mal in Angriff zu nehmen...
    Schmunzeln musste ich bei "Um 8 Uhr mache ich mich ins Zelt." Schreibt da der Kasseläner, Kasselaner oder Kasseler? Habe ich lange nicht mehr gehört/gelesen!

  2. AW: [FR] [ES] HRP (Haute Randonnée Pyrénéenne), zweiter Teil

    #22
    Zitat Zitat von Bergahorn Beitrag anzeigen
    Danke für Text und Bilder, lese hier gerne mit! Die HRP mäandert schon seit einiger Zeit in meinem Hinterkopf herum, du bringst mich mit deinem schönen und humorigen Bericht noch dazu, sie wirklich mal in Angriff zu nehmen...
    Das freut mich .

    Zitat Zitat von Bergahorn Beitrag anzeigen
    Schmunzeln musste ich bei "Um 8 Uhr mache ich mich ins Zelt." Schreibt da der Kasseläner, Kasselaner oder Kasseler? Habe ich lange nicht mehr gehört/gelesen!
    Das schreibt ein nach Kassel Gezogener, der ganz gern übernimmt, was ihm gefällt.
    „Wie komm ich am besten den Berg hinan? Steig nur hinauf und denk nicht dran!“ – Friedrich Nietzsche


  3. AW: [FR] [ES] HRP (Haute Randonnée Pyrénéenne), zweiter Teil

    #23
    Tag 11: Sonntag, 18.8.2019: von Camping Masia ‘Bordes de Graus’ bis Pla de Sellente (2080m)

    Gestern Abend noch lernte ich John und Michael, 2 Kanadier, kennen. Sie sind in einer ähnlichen Lebenssituation wie ich: frisch in Urlaub bis zum Tod, die Kinder stehen selbstverantwortlich in ihrem eigenen Leben, ansonsten keine Verpflichtungen mehr, - jetzt ist die Zeit das zu erleben, was nicht mehr aufgeschoben werden sollte, z.B. die HRP zu begehen.

    Vielleicht sehen wir uns auf dem Weg wieder, denn sie wollten eine leichtere Variante gehen und gleichzeitig noch Lebensmittel für die nächsten Tage einkaufen.

    Erstmal geht es eine Stunde auf dem gleichen Weg hinauf, auf dem ich gestern abgestiegen bin. Der Morgen begrüßt mich mit tollem Sonnenlicht.


    Noarre ist ein Dorf ohne Straßenanbindung, was im Gegensatz zum Tessin oder Piemont hier ziemlich selten ist.


    Noarre


    ausnahmsweise mal ein ebener Weg, der ans Talende führt ...


    ... mit einem wunderschönen Talabschluss. Ab jetzt geht es aufwärts.


    Hier scheinen die Steine ins Wasser zu fließen.

    Es folgen wie auf einer Kette aufgereiht ein prachtvoller See nach dem anderen ...


    In dem ganzen Gestein fallen selbst einfache Blumen besonders auf.




    "Seenbrille"


    Steinwesen an See


    Harlekinfels

    "Seerie":



    Nach 5 Std. erreiche ich um 13 Uhr das Refugi de Certascan (2240m).


    Dort bekomme ich einen Linseneintopf, der meine Kräfte belebt. Eigentlich habe ich mein heutiges Ziel erreicht. Doch ist für übermorgen Dauerregen angekündigt. Wenn ich nach Etappenplan weiter laufen würde, müsste ich den Regentag in einer Biwakschachtel verbringen, was nicht so erstrebenswert ist.

    So entscheide ich mich, heute noch einen Großteil der nächsten Etappe zu gehen, um morgen dann bereits die erste bewirtschaftete Hütte in Andorra zu erreichen. Auf geht's.

    Zunächst begleitet wieder ein See meinen Weg. Ich kann mich daran nicht sattsehen.


    Sattessen kann ich mich an Heidelbeeren zwar nicht, ...


    ... jedoch sind sie eine willkommene Abwechslung beim Aufstieg zum nächsten Pass.


    Italienische Einlage bei der Wegmarkierung

    Anschließend geht es steil hinab, immer entlang einer Schlucht ...


    ... in der sich Wasserkaskaden ...


    ... an Wasserfälle...


    ... an Badegumpen reihen ...


    ... es will nicht aufhören. Großartig!!

    Durch einen wirklich wilden Wald geht es weiter steil bergab. Ich habe alle Füße und Hände voll zu tun, um dort durchzufinden und -zusteigen. Keine Fotos. Um 17 Uhr endlich bin ich unten angekommen und muss gleich wieder hoch.


    Der Weg sieht aus wie eine piemontesische Mulattiera.

    Zweieinhalb Stunden später, nach ca. 11,5 Std. Laufzeit erreiche ich erschöpft und zufrieden die Hochebene Pla de Sellente.


    Perspektive beim Probeliegen, ob der vorgesehene Zeltstellplatz einigermaßen eben ist.

    Jetzt nur noch Zelt aufbauen, waschen, essen, trinken und ... schlafen.

    Tag 11: ~11,5 Std. ~19,5km /~1970m \~1230m




    Tag 12: Montag, 19.8.2019: von Pla de Sellente nach Refugi de Coma Pedrosa (Andorra)

    Die Nacht war windstill und ich habe einigermaßen geschlafen.


    Der Himmel ist bedeckt und der morgige Regentag kündigt sich so langsam an.

    Auf dem Weg zum Frühstücksplatz entdecke ich die ersten Pyrenäengämsen.


    Suchbild

    ... ein bisschen zoooooooooooomen ...


    Gefundenbild

    1,5 Std. Fußmarsch und mein Frühstücksplatz ist in Sicht.


    Refugi de Baborte (2438m)

    Die Aussicht von dort ist echt klasse.


    unten am See hatte Folko mal seinen Biwakplatz, wenn ich seinen Bericht richtig in Erinnerung habe.

    Frisch gestärkt geht es steil bergab durch Pinienhaine ...


    ... und Ginsterfelder, den Vorboten der Verbuschung und Bewaldung ...


    ... und an Wildbächen vorbei ...


    ... bis ich mal wieder "ganz unten angekommen bin" (ca. 1400m), um danach wieder hochzugehen, - das ewige Prinzip des Bergwanderns.


    Hinter dem übernächsten Bergkamm liegt bereits Andorra.


    Pionierpflanzen und Bäume erobern den vom Gletscher glattgeschliffenen Fels zurück. In ein paar hundert Jahren ist hier vom Fels nichts mehr zu sehen. Wenn wir so weitermachen gibt es auch keine Menschen mehr, die sich das ansehen könnten .

    Kurz vor der nächsten Biwakschachtel treffe ich wieder auf John und Michael, die beiden Kanadier.


    Refugi de Baiau (2517m)

    Drinnen ist es prima sauber und es riecht auch nur ein bisschen modrig.


    Vor dem letzten Aufstieg machen wir uns Kaffee und essen Schoki.


    FelsArt


    John und Michael beim Aufstieg


    Rückblick vom Port de Baiau (2757m).

    Es windet bereits ganz ordentlich. Andorra ist erreicht.

    "Wanderer, kommst du nach Andorra rein, tritt nicht daneben, - tritt mittenrein."
    (frei nach Insterburg&Co.)

    Jetzt noch 1,5 Std. runter ...


    ... und das Refugi de Coma Pedrosa (2260m) ist im Trocknen erreicht. Der Regentag kann kommen.


    Mit John und Michael verbringe ich einen intensiven Männergesprächsabend und lege mich anschließend im Massenlager (diesmal wörtlich) schlafen.


    Bona Nit (=Gute Nacht auf katalanisch)

    Tag 12: ~11,5 Std. ~19,8km /~1690m \~1500m

    --- Fortsetzung folgt ---
    „Wie komm ich am besten den Berg hinan? Steig nur hinauf und denk nicht dran!“ – Friedrich Nietzsche


  4. AW: [FR] [ES] HRP (Haute Randonnée Pyrénéenne), zweiter Teil

    #24
    Tag 13: Dienstag, 20.8.2019: Refugi de Coma Pedrosa: Regen- und Ruhetag in Andorra

    Es kübelt aus allen Rohren. Als wenn nachgeholt werden müsste, was in den letzten Tagen nicht heruntergekommen ist.


    Sogar die dick bewollten Schafe versuchen auch zu uns in die trockene Hütte zu kommen.


    Die Hüttenwirte hatten ihre liebe Mühe, den Tieren lediglich den Eingangsbereich zu überlassen. Ein mauliger, gar nicht erfreuter Schäfer holte sie dann nach einiger Zeit mithilfe seiner Hunde ab. Er wäre wahrscheinlich auch lieber in seiner trockenen Schäferbehausung geblieben.

    Was uns bleibt: ganz langsam ...
    - frühstücken
    - Notizen machen
    - Wäsche waschen
    - Rucksack "aufräumen"
    - rumsitzen
    - Nickerchen machen
    - Schwätzchen halten
    - Langeweile haben
    - an zu Hause denken

    In den Nachmittagsstunden hört es auf zu regnen und die Wettervorhersage (meteoblue) wird wohl stimmen, so dass ich die Tour morgen im Trocknen fortsetzen kann.




    Tag 14: Mittwoch, 21.8.2019: von Rifugio Comapedrosa nach El Serrat (Andorra)

    Die Sonne scheint wieder und es geht heute an Andorras Nordkante entlang.


    Blick zurück auf die alte Schäferhütte Comapedrosa


    Beim Abstieg könnte ich noch einen unscharfen Geier einfangen.


    Andorras Wegenetz ist sehr gepflegt. Auch gibt es eine gut beschriebene 6tägige Hüttentour rund um Andorra, die GRP, die meist von Katalonienienden/Spanienenden begangen wird.


    Andorra besteht aus einigen wenigen Tälern und vielen Bergen. Der südliche Teil ist durch menschlichen Befall von Skipisten zerschnitten, die sich allgemeiner Beliebtheit (natürlich nur wenn Schnee liegt) erfreuen.

    Die Nordseite hat noch "Natur" zu bieten ...


    ... Wildseen ...


    ... Wildbäche ...


    ... Wildlandschaft ...

    ..."Wild" in bereits kulturlandschaftlich veränderter Variante.

    Kurz vor dem Tagesziel erreiche ich ein typisch aufgepepptes, aufgeräumtes Bergdorf.


    In El Serrat angekommen, gehe ich zum in meinem Wanderführer empfohlenen Hotel "Bringué". Ich bin erstaunt über den vordergründigen Luxus, in den ich hineinkomme.


    Die goldenen Kissen sind aus fürchterlichem Leder-Imitat, auch sonst ist alles bestens overstyled.
    Da ich die Chance genutzt und fast all meine Sachen gewaschen habe, gehe ich in Regenhose und T-Shirt zum Abendessen ... vornehm geht die Welt zugrunde.

    Tag 14: ~ 10,3 Std. ~17,7km /~1190m \~1890m




    Tag 15: von El Serrat zum Refugi de Cabana Sorda (2250m)

    Trotz oder wegen des Luxus fällt mir der Abschied vom Hotel Bringué leicht, auch weil der Weg mich gleich zu Beginn an wunderschönen Wasserkaskaden vorbeiführt.


    Am Refugi de Sorteny (1970m) vorbei geht es über eine Hochebene.


    Da passiert es:
    Zur Absicherung, dass ich den richtigen Weg erwischt habe, schaue ich auf mein "Navi" (mobiltel) und ... das Display ist schwarz!
    Mehrmalige Versuche eines Neustarts, Akkuwechsel, etc. helfen nicht. Es bleibt schwarz!

    Eine Gedankenwelle rollt los: Alles ist auf diesem Gerät: Landkarten, Wanderführer, Telefonnummern, Apps, um Fahrkarten und Reisezeiten zu finden, - einfach alles, inkl. der schönen Nebensächlichkeiten wie Musik, Lesestoff, etc. Die Überlegungen gehen von "neues mobiltel in Andorra kaufen" bis zu "Tour mal wieder vorzeitig abbrechen". Mein Kopfkino baut kurzfristig eine Tristesse-Noir auf.


    Ich packe meine Sachen und trete zerknirscht den Rückweg an. Eine Chance ist die Hütte an der ich vorbeigekommen bin.

    Dort frage ich, ob sie Internet-Zugang haben und die sehr, sehr freundliche Hüttenwirtin stellt mir ihr Notebook zu Verfügung!

    Im Nu habe ich bei den Samsung-FAQ die Lösung für das Problem gefunden: Soft-Reset durch eine bestimmte Tastenkombination (die ich bestimmt nicht mehr vergessen werde!). Gerettet. Alles wieder normal. Es kann weitergehen. Was ich draus gelernt habe, dass ich zukünftig bei solch langen Touren ein Ersatzgerät mitnehmen werde, denn das mobiltel kann wirklich mal komplett die Grätsche machen.

    Kurz danach wartet ein Ungeheuer auf mich, dem ich auch entkommen kann.



    An die Feinheiten des heutigen Weges kann ich mich nicht so recht erinnern. Was bleibt, sind ein paar schöne Bilder.




    Ehemalige Schäferhütte, jetzt Notunterkunft




    Von ganz da hinten komme ich heute her

    Am Abend erreiche ich nach 9 Stunden Gehzeit das Refugi de Cabana Sorda. Die Selbstversorgerhütte ist zwar nur elementar eingerichtet (Metallbetten, Tische und Bänke aus Stein), dafür ist sie sauber und sie riecht nicht modrig.

    Hier treffe ich auf zwei junge Wanderer aus dem südwestlichsten England mit viel Elan und lerne ein "007-Bondgirl-Quartett"-Kartenspiel kennen. Was es alles gibt ...

    Nach kochen, essen, spielen und lesen geht der Tag zu Ende und ich bin echt froh, dass mein mobiltel wieder funzt.

    Tag 15: ~10,2 Std. ~14,9km /~1760m \~1100m

    --- Fortsetzung folgt ---
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  5. Gerne im Forum
    Avatar von FatmaG
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    AW: [FR] [ES] HRP (Haute Randonnée Pyrénéenne), zweiter Teil

    #25
    Zitat Zitat von ticipico Beitrag anzeigen
    ... dick bewollte Schafe, unscharfe Geier, goldene Kissen, ein "007-Bondgirl-Quartett"-Kartenspiel sowie eine Tristesse-Noir ...
    Ein herrliches Abenteuer!
    Dazu mit Happy End!

    Was will man mehr?!


    PS entschuldige mein stümperhaftes Zitieren - aber die "künstlerische Freiheit" musste sein

    PPS HERRLICH!!!

  6. Fuchs
    Avatar von Rattus
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    AW: [FR] [ES] HRP (Haute Randonnée Pyrénéenne), zweiter Teil

    #26
    Ich genieße es auch sehr, mitzuwandern, insbesondere deinen Humor und den Blick für normal-fantastische Motive.
    Das Leben ist schön. Von einfach war nie die Rede.

  7. Gerne im Forum
    Avatar von FatmaG
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    AW: [FR] [ES] HRP (Haute Randonnée Pyrénéenne), zweiter Teil

    #27
    Zitat Zitat von Rattus Beitrag anzeigen
    den Blick für normal-fantastische Motive.
    Ganz genau!
    Ich vergaß das "Such-" und "Gefundenbild" in all den Herrlichkeiten!

  8. AW: [FR] [ES] HRP (Haute Randonnée Pyrénéenne), zweiter Teil

    #28
    Zitat Zitat von FatmaG Beitrag anzeigen
    PPS HERRLICH!!!
    Danke für die Antwort.
    Ja, das mit dem temporär nicht funktionierendem mobitel war wirklich "mal was anderes".
    Das Ersatztelefon hab' ich auch schon besorgt und wenn ich mich bei größeren Touren nur noch auf das mobiltel als Navigationshilfe verlasse, werde ich einen kompletten Ersatz als Backup dabei haben. Muss nur noch überlegen, wo ich die 180g an anderer Stelle einspare . Am besten einfach ein bisschen abnehmen .
    „Wie komm ich am besten den Berg hinan? Steig nur hinauf und denk nicht dran!“ – Friedrich Nietzsche


  9. AW: [FR] [ES] HRP (Haute Randonnée Pyrénéenne), zweiter Teil

    #29
    Zitat Zitat von Rattus Beitrag anzeigen
    Ich genieße es auch sehr, mitzuwandern, insbesondere deinen Humor und den Blick für normal-fantastische Motive.
    Danke!
    „Wie komm ich am besten den Berg hinan? Steig nur hinauf und denk nicht dran!“ – Friedrich Nietzsche


  10. AW: [FR] [ES] HRP (Haute Randonnée Pyrénéenne), zweiter Teil

    #30
    Tag 16: Freitag, 23.8.2019 von Refugi de Cabana Sorda nach l’Hospitalet-près-l’Andorre (F)

    Mein Schlaf war mäßig. Trotz Kaffee kommt mein Kreislauf nicht so richtig in die Gänge.

    Um 8:15 Uhr leider nur noch ein Schattenfoto von der Cabana Sorda

    Mäßig, aber regelmäßig steige ich hinauf zum Port de Fontargente (2260m), wo ich Andorra zum ersten Mal verlasse und nach Frankreich wechsele.

    Vorbei geht es an traumhaft gelegenen Seen, wobei jeder von ihnen einen Tagesaufenthalt wert wäre ...




    Hier stehen auch einige wenige Zelte von Angelnden und Wandernden.


    Das wunderschön gelegene Refuge du Rulhe lasse ich wortwörtlich links liegen.

    Mit Blockkraxelei geht es weiter, mal wieder durch ein sehr wildes, sehr beeindruckendes Seenparadies. Jetzt kommen einfach nur neun schöne Seen. Keinen will ich weglassen und wenigstens fotografisch versuchen "festzuhalten" (obwohl ja eigentlich "loslassen" en vogue ist).










    Ab hier bin ich dann mal wieder in Frankreich.








    Nach ca. 9 Stunden Geh- und Kraxelzeit erreiche ich l’Hospitalet-près-l’Andorre, nicht gerade eine Schönheit unter Frankreichs Pyrenäen-Dörfern.


    Elektrizitätswerk, Bahnstation und Durchgangsstraße nach Andorra: Das Environment eines menschlichen Heuschreckenschwarms. So kommt es mir vor, wenn ich direkt aus wenig menschlich besiedelten Gebieten auf solche (ich gebe zu: kleinen) Zuvielisationsanhäufungen stoße.

    Das Gite d'Etape, meine heutige Bleibe, hat schon etwas Patina angesetzt und ist (vielleicht deshalb) ganz nett und erinnert mich ein bisschen an GTA-Unterkünfte...




    ... ohne an die kulinarischen Qualitäten des Piemont heranzureichen (ich weiß, vergleichen macht nicht glücklich).

    Hier lerne ich ein sehr nettes holländisches Paar kennen, die in der Nähe der Nordsee (one "stonethrow" away) und nahe Amsterdam (25km) wohnen (Wijk aan See) und ein Zimmer zur Vermietung anbieten ... gemerkt!

    Mal sehen, wie es ab morgen weitergeht, - in den nächsten zehn Tagen nähere ich mich Etappe für Etappe dem Mittelmeer ... - das habe ich vorher natürlich auch schon gemacht, - nur wird es mir gerade bewusst.

    Tag 16: ~8,8 Std. ~16,9km /~890m \~1730m




    Tag 17: Samstag, 24.8.2019 von l’Hospitalet-près-l’Andorre zum Refuge des Bésines

    Eigentlich wollte ich es mir heute nochmal geben: eine drei- und eine sechsstündige Etappe in einen Tag "durchziehen".
    Neun- und mehr als neunstündige Tagestouren kenne ich ja nun schon. Nachdem ich jedoch gelesen habe, dass von den folgenden 10 Etappen sieben mehr als 8 Stunden umfassen, habe ich mich umentschieden. Heute 3, morgen und übermorgen 6 Stunden. So kann ich mich ein bisschen erholen bevor es nochmal etwas kräftiger zur Sache geht.

    Nach dem Frühstück in der Gite d'Etape bin ich in die nahegelegene Bar umgezogen, die gleichzeitig ein kleiner Lebensmittelladen ist. Dort habe ich bei zwei Dosen Orangina meine Erinnerungen online festgehalten.


    Erst am Mittag bin ich dann zum Refuge des Bésines in 3 Stunden aufgestiegen. Ein SamstagNachmittagSpaziergang.


    Zunächst hatte ich lange von oben Ausblick auf die Autoeinflugschneise von Frankreich in Richtung Andorra.


    Dann ging es mal wieder entlang eines typischen Sees, jedoch diesmal auf moderaten Wanderwegen.


    Am Refuge de Besinés herrscht eine sehr angenehme ruhige Atmosphäre. Von der Terrasse hat man eine wunderbare Aussicht.


    Mit einem französischen Bier "1664" lasse ich es mir gut gehen und lese im "Harari" weiter. Sehr zu empfehlen, um eigene Sichtweisen zur eigenen Spezies zu überprüfen und neue hinzuzugewinnen.



    Die Getränkepreisliste der Hütte lässt sich an Klarheit nicht übertreffen.

    Nach dem Abendessen fange ich noch die Abendstimmung ein.


    Tag 17: ~3,5 Std. ~7,2km /~730m \~90m




    Tag 18: Sonntag25.8.2019: vom Refuge des Bésines zum Étang de Pradelle

    Der Morgen beginnt frisch, kühl und irgendwie neu.


    Morgenstimmung beim Aufbruch
    vom Refuge de Bésines


    Dieses leuchtende Blau des Himmels und das Grau/Grün in der Landschaft ist hier in den Pyrenäen besonders intensiv. Ich bewundere ich immer wieder, - kommt auf Fotos leider nur zum Teil rüber.


    Pioniermoos erobert Steinwelt


    Pioniermoosblüte


    Die Seen hören immer noch nicht auf, da zu sein.


    Die Pässe sind heute gemäßigter, - ist ja Sonntag.


    Schäferhütte: dunkel, stinkt nach kaltem Rauch und ist dreckig

    Ab dem Pass zieht sich ein langes Tal auf ca. 2100hm. Ein echter Sonntagsspaziergang durch Wiesen, die sich mit Sumpfland abwechseln.


    Bei solche Art von Wegen kommt bei mir ein bisschen Langeweile auf, andere Menschen kommen da evtl. in eine meditative Stimmung.


    Zum Hochtalende erreiche ich den größten See der Pyrenäen, den Lac des Bouillouses (2015m).






    Idyll

    Der See ist natürlich ein beliebtes Ausflugsziel. Doch auch hier nimmt nur auf den letzten 500m zum Ende des Sees die Anzahl der Ausfliegenden exponentiell zur Nähe des Parkplatzes zu.


    Das in meinem Wanderführer angekündigte Refuge Bouillouses hat leider seit längerem anscheinend für immer geschlossen. Die Auberge de Carlit ist voll belegt. So kommt heute Abend mal wieder mein Zelt zum Einsatz.

    Eine Stunde ist es noch bis zu einer Hütte am See (Étang de Pradeille). Der Weg führt gemütlich über eine Hochebene. Es könnte auch auf einer Hochebene im Südschwarzwald sein, außer dass ich mich auf ca. 2000hm befinde und rundum Pinien stehen anstelle von Fichten.


    Die Hütte erweist sich als Flop. Wieder eine dunkle, nach kaltem Rauch stinkende, dreckige Behausung.


    Da nehme ich doch lieber den See ...


    ... und stelle mein Zelt auf.


    Der Rest ist schon Routine. Bon Nuit.

    Tag 18: ~7,3 Std. ~18,9km /~650m \~780m




    Tag 19: vom Étang de Pradelle zur Cabana Jaqa del Clots

    Die letzte Wettervorhersage war schon ein paar Tage her. Sie verhieß für die kommenden Tage Regen und teilweise Gewitter.

    So musste ich abwägen, ob ich der HRP folge und auf 2200hm bis 2800hm auf einem Kamm zwei Tage entlang der spanisch/französischen Grenze entlang wandere und dabei evtl. Gewittern ausgesetzt bin, oder ...


    Morgen am Étang de Pradelle

    ... aber die Überlegungen waren alle noch zu früh. Am liebsten hätte ich eine aktuelle Prognose.


    Zunächst auf einer "dirt road" bis zum nächsten Ort ...


    ... vorbei an Skipisten ...


    ... durch Pinienwald (kommen hier die teuren Pinienkerne her?) ...


    ... nach Bolquere.

    Hier trennen sich HRP und GR10, der französische Fernwanderwg durch die Pyrenäen vom Atlantik zum Mittelmeer. Der GR10 bleibt meist etwas niedriger und ist gut markiert, - also eine gute Alternative für schlechtes Wetter.

    Die aktuelle Vorausage für's Wetter war genauso wie vor drei Tagen: Regen und evtl. Gewitter. Also: Umschwenken für die nächsten zwei Tage auf den GR10. Zufällig steht sogar ein passendes Schild in Bolquere...


    Es geht zunächst über Land, so wie in den Voralpen. Auch hier in den Vorpyrenäen verstanden die Altvordern den Mauerbau.


    Ich laufe auf Landwegen an Wiesen und Feldern entlang, - auch mal ganz gemütlich ... auf Dauer aber ...


    Es geht wieder stetig und steil aufwärts bis ...


    ... zu einer Schäferhütte, der die Haare schon zu Berge stehen.


    Rifugio d'Orri, - mein eigentliches Ziel für heute. Doch sie ist zur Schäferhütte umfunktioniert.
    Das Lager für Wandernde: dunkel, dreckig und es stinkt.

    So ziehe ich noch zwei Stunden weiter bis zu einer Anhöhe, auf der wiederum eine Schäferhütte ...
    - nein, ich mache mir keine Hoffnung und baue mein Zelt in der Nähe auf.


    Abendhimmel, mal bedeckt und düster

    Tag 19: ~10 Std. ~26,5km /~980m \~900m

    --- Fortsetzung folgt ---
    „Wie komm ich am besten den Berg hinan? Steig nur hinauf und denk nicht dran!“ – Friedrich Nietzsche


  11. Fuchs
    Avatar von Meer Berge
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    AW: [FR] [ES] HRP (Haute Randonnée Pyrénéenne), zweiter Teil

    #31
    So, ich bin wieder hier, habe gerade voller Neugierde auf Seite 5 oder 6 deinen Bericht gefunden und verschlungen -

    kannst weiterschreiben!



    Zu jeder deiner Etappen springen mir so viele Erinnerungen durch den Kopf!
    Gerade zur letzten: Du bist also auch den langen Bergrücken umgangen ... ich war erst hinauf gelaufen, aber unterm Grat über Nacht eingeschneit worden. Am nächsten Tag musste ich eine Weile warten, bis ich zumindest dem Rückweg folgen konnte - bin dann an einem dorfnahen Hof von einem Patou kräftig in den Oberschenkel gebissen worden und habe am Abend gerade dort vor der l´Orri-Schäferhütte gezeltet. Der Schäfer war total nett und wir haben uns über die Schäferei / Küherei in den Pyrenäen und Alpen unterhalten. Morgens war mein Bein immer noch dran und ich bin weitergelaufen ...



    Und dann ... ?
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