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  1. [FR] [ES] HRP (Haute Randonnée Pyrénéenne), zweiter Teil

    #1
    Mitreisende: ticipico
    Zwischen den Bergwanderungen:

    Zwischen zwei direkt aufeinander folgenden Bergwanderungen ist kein stabiler Zustand:

    Das Projekt GTA-Nord ist abgeschlossen. Ich mache mich von Susa im Piemont auf in die Pyrenäen, um dort den zweiten Teil der HRP (Haute Randonnée Pyrénéenne) zu laufen. Die HRP musste ich im letzten Jahr wg. dauerhafter Knieschmerzen nach ungefähr der Hälfte abbrechen. So blieb noch ein zweiter Teil für diesen Sommer übrig, was auch seine Vorteile hat.

    Der typische Blues nach Abschluss eines Vorhabens, sei es erfolgreich abgeschlossen oder gescheitert, stellt sich bei mir ein.
    Aus meinem ehemaligen beruflichen Umfeld kenne ich diesen Zustand nur zu gut. Aber Blues ist ja auch eine wunderbare Musik, etwas traurig und melancholisch und gleichzeitig archaisch, kraftvoll und rythmisch. Irgendwas ist weg, meist die Freundin, das Auto oder beides, oder eben ein wunderbare FernBergwanderung ist abgeschlossen ... und man jammert hinterher. Bei mir ist es die GTA-Tour. Oh Jeah!

    Es ging von der "Ursprünglichkeit" und Leere der Berglandschaft (in Wirklichkeit meist alte, verlassene Kulturlandschaft) in die menschengefüllten Städte mit ihren Gerüchen, Geräuschen und Gebräuchen.

    Alles ist dicht, kompakt und wuselig. Angefangen von der altrömischen, engen, kleinen Innenstadt von Susa, über den Busbahnhof von Turin, wo ein rythmisches Kommen und Gehen von Bussen und Menschen herrscht, bis hin zum dichtgedrängt vollen Flixbus, der mich in einer Nachtfahrt über Marseille nach Toulouse gebracht hat. Dort konnte ich um 5 Uhr morgens das Wachwerden eines Bahnhofs beobachten. Menschliche Überbleibsel vor Vortag (oder noch älter) schlafen auf Bänken oder dem Boden, dann die ersten strukturierenden Maßnahmen durch den Sicherheits- und Reinigungsdienst bevor die Konsumtempel um 6 Uhr öffnen um den ersten bahnfahrenden Menschen etwas zu verkaufen, um so zum Bruttosozialprodukt beitragen.

    Froh bin ich darüber, dass ich mich nicht mehr mit Fahrkartenschaltern oder -automaten herumschlagen muss, sondern den Ticketkauf via Trainline oder Rome2Rio erledigen kann. Wirklich sinnvolle Anwendung der Informationstechnik, diese beiden Apps.

    Ab Toulouse in Richtung Pyrenäen wird es wieder weniger dicht. Zunächst zwei Etappen mit Landbahn und -Bus bis ich schließlich auf der letzten Strecke nach Loudenvielle am Ende des Val Lourdon für ca. 20km der einzige Fahrgast bin. Fahrpreis: 2 Euronen.

    Dafür ist das Bier noch teurer als im Piemont und Loudenvielle kein verschlafenes Bergdorf mit 280 Ureinwohnenden. Die Anzahl der BewohnerInnen stimmt. Doch scheint der Ort sowohl im Winter als auch im Sommer ein attraktives Urlaubsziel fast nur für europäische MitbürgerInnen französischer Herkunft zu sein. Windsurfen, Paragliding, Mountainbiking, Klettern und ein bisschen Wandern. Neben Essen, Trinken und Schlafen vertreibt man sich damit die Zeit bis zum Ende des Urlaubs.

    Zimmer sind in der Hauptsaison nur wochenweise mietbar, bereits ausgebucht und die Preise schrecken mich ab.

    Ich hatte noch Glück, auf dem Campingplatz überhaupt einen Stellplatz für mein Minizelt zu bekommen, - aber nur für eine Nacht, - dann kommen bereits die nächsten. Die Reservierung und Verteilung der Stellplätze ist hier streng geregelt und es gibt kein FünfeGeradeSeinLassen. Dafür kam ich in den Genuss einer Sauna und eines Whirlpools, was mir sehr gut getan hat, -im Camping-Preis von 8,80 € enthalten.

    Ich bin zwar von der Anreise noch ziemlich müde, doch für den HRP-Start morgen ist alles vorbereitet: Geld besorgt, (zuviel?) eingekauft (immerhin komme ich in den nächsten fünf Tagen in keinen Ort, jedoch liegen drei Refuges am Weg), Wäsche gewaschen, Wörterbuch auf französisch umgestellt, Landkarten und Wegbeschreibung (beides digital) studiert.

    Jetzt fehlt noch ein leckeres Abendessen für einen entspannten und langen Schlaf.
    Auf dem Weg zu "Chez Roge" auf ein Abendbier hab ich ein altes Foto vor einem Museum fotografiert.


    Dieser Art von Hirtenhund (Bild Mitte ) bin ich auch schon im Piemont begegnet und ihnen werde ich hier wohl auch noch ab und zu mal über den Weg laufen.




    Tag 1, Donnerstag, 8.8.2019: von Loudenvienne zum Lac des Isclots (2398m)

    Noch einen Café zum Abschied am Campingplatz und ich war froh, dass ich nur einen Tag dort bleiben konnte. Denn gleich nebenan bauten Schausteller Fahrgeschäfte auf und testeten sie bei sehr lauter, sehr unangehmer Musik.

    So verließ ich leichten Herzens den Ort und latschte erstmal ca. 6 Kilometer auf Schotterwegen und Straßen bis ans Ende des Val Lourden. Einen ersten Blick auf die höheren Pyrenäen habe ich versucht, in Bits festzuhalten.


    Durch Schatten ging es gemäßigt bergauf durch Wald und anschließend eine Schlucht entlang bis zum Rifuge de Soula, dass unglücklicherweise neben einer Generatoranlage eines Wasserkraft-Stromherstellers liegt. Draußen sitzen war wegen der Turbinengeräusche unangenehm.

    Drinnen war nicht viel los. Als ich ein Sandwich mit Käse bestellen will, sagt mir die Wirtin, dass gerade das Brot knapp ist und ob ich deshalb vielleicht nicht etwas anderes essen wolle, z.B. ein Omelett mit Schinken, dazu Käse und Salat. Hört sich gut an. Ich bin einverstanden und bekomme seit langem mal wieder alles zur gleichen Zeit und alles auf einem Teller serviert.


    Daran werde ich mich wohl wieder gewöhnen müssen, da ich raus bin aus dem paradiesischen Piemont mit den mehrgängigen Feinschmecker-Menüs.

    Weiter ging es zum Lac des Isclots über Wege, die nur noch am Anfang gekennzeichnet sind und man dann durch Spüren erahnen muss und manchmal mit Stein"männchen" markiert sind.


    Hier geht's lang ...

    Die großzügige rot-weiße Bemalung von Steinen als Wegweiser gibt es hier seltener. Na gut, einverstanden. Und eigentlich finde ich das sowieso besser. Nur verlangt es mehr Aufmerksamkeit.

    Der See liegt wirklich phantastisch und hat eine wundervoller grüne Farbe.


    Neben mir zeltet noch ein junges französisches Paar aus der Nähe von Genf, die hier eine Rundtour (...Poset...) gehen.
    Weitere sechs zeltende junge Wandernde mit osteuropäischer Herkunft haben sich an andere Seen verdrückt. Es ist Hochsaison, ich merke es.
    Die Sonne geht unter, es wird kühl und windig. Um 8 Uhr mache ich mich ins Zelt.


    ... der Windschutz aus Steinen stammt nicht von mir

    Tag 1: ~7,5 Std. ~ 16,3km /~1520m \~50m




    Tag 2: Freitag, 9.8.2019: vom Lac des Isclots zum Refuge du Portillion (2571m)

    Die Nacht hatte es in sich. Es stürmte. Das Zelt wackelte manchmal bedenklich, so dass ich alle lose herumliegenden Dinge in den Rucksack stopfte, so dass bei einem Zeltriss nicht noch die Klamotten durch die Gegend fliegen. Eine gute Übung, auch bei so einem Wind noch zu schlafen, die mir leider nur teilweise gelungen ist.


    Um sieben Uhr morgens dann, konnte ich glühende Wolken, die über mich hinwegfegen, fotografieren.

    Geraffel gepackt und es ging erstmal so weit, bis ich einen Windschutz zum frühstücken fand. Leider kein Foto.

    Auf dem Weg zum Col des Gourgs-Blancs, 2877m, habe ich einfach ein paar Weg- und Landschaftseindrücke aufgenommen.


    Hier geht's lang ...


    Seenlandschaft in den Hautes Pyrenees


    Wilde, karge Schnee- und Steinlandschaft

    Oben am Pass wieder beeindruckende neue Sichten. Die Namen spielen keine Rolle, sind ja eh nur von den Menschen vergeben...




    Durch Felsenlabyrinte und über Schneefelder geht es zum nächsten Col du Pluviomètre (2860m), von dem man rückwärtig einen beeindruckenden Blick auf einen Eissee hat.


    Jetzt ist es nicht mehr weit. Ich sehe schon den malerisch gelegenen Stausee ...


    ... und mit ein paar Felskraxeleien und Wegesucherfolgen erreiche ich das Refuge du Portillon (2571m)


    Es ist zwar noch früher Nachmittag, doch ein Weitergehen ist nicht sinnvoll, da die nächste Etappe recht lang lang und auch etwas schwierig sein soll. Dafür möchte ich gern einen vollen Tag Zeit haben.

    Ich melde mich fürs Abendessen an und schlage mein Zelt direkt neben dem Rifuge auf. Hier stehen schon vier andere. Es ist völlig normal, die Dienstleistungen der Hütte in Anspruch zu nehmen und gleichzeitig zu zelten. Hoffentlich ist es heute Nacht etwas weniger windig als gestern.

    Übrigens ...


    Panaché gibt es auch in den Pyrenäen !!

    Tag 2: ~ 4 Std. ~5,4km /~600m \~450m

    --- Fortsetzung folgt ---
    „Wie komm ich am besten den Berg hinan? Steig nur hinauf und denk nicht dran!“ – Friedrich Nietzsche


  2. Fuchs
    Avatar von Meer Berge
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    AW: [FR] [ES] HRP (Haute Randonnée Pyrénéenne), zweiter Teil

    #2
    Oh, klasse!
    Es geht wieder durch die Pyrenäen!
    Ich brauche nur ein Bild sehen und fühle mich gleich wieder hineinversetzt!
    Am liebsten würde ich jetzt auch dort wandern und freue mich, mit dir mitlaufen zu können!
    Diese beiden Pässe hatte ich auf meiner HRP auslassen müssen. Schön, sie hier zu sehen!
    War noch viel Schnee?
    Kalender *Papageitaucher 2019*
    Das Wetter, das man jeden Morgen in sich selber macht, ist viel wichtiger als das Wetter draußen. Fynn

  3. AW: [FR] [ES] HRP (Haute Randonnée Pyrénéenne), zweiter Teil

    #3
    Zitat Zitat von Meer Berge Beitrag anzeigen
    Diese beiden Pässe hatte ich auf meiner HRP auslassen müssen. Schön, sie hier zu sehen!
    War noch viel Schnee?
    Die Nord- und teilweise die Osthänge waren ab ca. 2600m noch mit Schnee bedeckt. Bei geringer Steilheit war es auch kein Problem, einfach drüber zu laufen. Nur wenn es steil wurde ... aber das liest du ja dann im Tourenbericht.
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  4. AW: [FR] [ES] HRP (Haute Randonnée Pyrénéenne), zweiter Teil

    #4
    Tag 3: Samstag, 10.8.2019: vom Refuge du Portillion zum Plateau de Aiguallut

    Pustekuchen! Es halt genauso gestürmt wie in der Vornacht! Vor lauter Zeltgeflatter habe ich schlecht geschlafen. Max. 5 Stunden.

    Um kurz vor sieben bin ich wach geworden, habe alles zusammen gepackt und in der Hütte gefrühstückt (Kaffee, Brot, Butter, Marmelade, fertsch). Laut Hüttenordnung muss das Frühstück bis 7 Uhr! eingenommen sein! Doch der Hüttenwirt ist lässig und lässt überziehen.


    Abendblick nach Frankreich


    Morgenblick nach Frankreich


    Rückblick auf Refuge du Portillion

    Auf der Suche nach dem doch recht versteckten Einstieg zum Col de Literol lerne ich Victor, einen jungen Franzosen aus Nantes kennen. Er sucht auch und zusammen finden wir den Start und schnaufen uns den Hang hoch.

    Es geht über Schneefelder ...




    Selfie Victor&Klaus

    Oben am Col de Inférieur de Literole (2983m, höchster Pass der HRP) mussten wir erstmal eine Abstiegsmöglichkeit finden ...


    Hier muss es irgendwo runter aufs Schneefeld gehen.

    Nach dem selbst ausgetüftelten Abstieg durch griffigen Fels erreichten wir den Schnee. Das Schneefeld war ziemlich steil, so dass ich dankbar meine mitgeschleppten Grödeln unter die Schuhe band. Victor hatte ein paar Uraltsteigeisen seines Vaters mit, die jetzt auch zum ersten mal aktiviert wurden. So ausgerüstet ging es sicher und lässig das Schneefeld runter.


    Noch ein Blick zurück auf das Col de Literol ...


    ... und nochmal, diesmal mit Eissee


    einfach nur schön, sonst nix ...


    Die erste Rotpunktmarkierung seit zwei Tagen, - das ist ein Foto wert.

    Über Blockwerk ging es lange Strecken ein wunderschönes Tal hinunter. Immer mehr Menschen kamen uns entgegen, die erst am Mittag losgegangen sind und fashionstyled mit Trailrunning-Klamotten "mal eben" auf das Col de Literol wollten. Sie fragten uns nach Dauer und Schwierigkeit. Die meisten kehrten nach unserer Antwort um und genossen den Rückweg.


    Schließlich erreichten wir ein lang gestrecktes Hochtal, in dem sich als einziges Gebäude das "Hospital de Benasque", einem Berghotel, befindet. Nach einer kleinen Zwischenmahlzeit suchten wir unseren Zeltplatz auf dem Plateau de Aiguallut auf.


    Doch zuvor noch ein Anstieg durch Pinienwald ...


    Aussicht von unserem Zeltplatz auf den Pico de Aneto, dem höchsten Berg der Pyrenäen.
    Die schwarzen Flecken auf dem Bild sind kreisende Geier.


    Die Zelte stellten wir schon vorsichtshalber in einer windschattigen Ecke auf.


    Geier mit Berg an Mond


    Blick ins Talende, wo sich schon für die Nacht etwas zusammenbraut ... oh-oh!

    Tag 3: ~ 9 Std. ~16,8km /~1150m \~1300m

    --- Fortsetzung folgt ---
    Geändert von ticipico (01.10.2019 um 17:57 Uhr)
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  5. Gerne im Forum

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    AW: [FR] [ES] HRP (Haute Randonnée Pyrénéenne), zweiter Teil

    #5
    Schön, dass die Berichte weitergehen!

    Und die Essensodrnung scheint ziemlich anders zu sein als im Piemont. Frühstück möglichst bis 7 Uhr - das habe ich dort nicht erlebt. Eher nur ab 7:30 Uhr. Und Abendessen immer 19:30 Uhr ...

  6. AW: [FR] [ES] HRP (Haute Randonnée Pyrénéenne), zweiter Teil

    #6
    Zitat Zitat von MLO Beitrag anzeigen
    Und die Essensordnung scheint ziemlich anders zu sein als im Piemont...
    Nicht nur die Essensordnung, auch die Essensinhalte waren sehr unterschiedlich.
    Aber wie sagt man? Vergleiche machen unglücklich.
    Uns so hab ich es zur Kenntnis genommen und als Eigenschaft dieser Tour akzeptiert.
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  7. Fuchs
    Avatar von Meer Berge
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    AW: [FR] [ES] HRP (Haute Randonnée Pyrénéenne), zweiter Teil

    #7
    Macht natürlich für den Wirt und Koch auch einen logistischen Unterschied, ob er in einem italienischen Dorf kocht oder auf einer pyrenäischen Berghütte.
    Sonst sind die Franzosen ja eher berühmt dafür, pro Mahlzeit eine ganze Spülmaschine an Geschirr dreckig zu machen ...

    Bei mir gibt es sowieso immer Tütensuppe mit Pü oder Couscous
    Mal ein Mahl im Tal genieße ich aber durchaus auch gerne
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    Das Wetter, das man jeden Morgen in sich selber macht, ist viel wichtiger als das Wetter draußen. Fynn

  8. AW: [FR] [ES] HRP (Haute Randonnée Pyrénéenne), zweiter Teil

    #8
    Zitat Zitat von Meer Berge Beitrag anzeigen
    Macht natürlich für den Wirt und Koch auch einen logistischen Unterschied, ob er in einem italienischen Dorf kocht oder auf einer pyrenäischen Berghütte.
    Stimmt. Auch auf den piemontesischen Hütten flacht die die Essensqualität etwas ab. Aber nur etwas.
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  9. AW: [FR] [ES] HRP (Haute Randonnée Pyrénéenne), zweiter Teil

    #9
    Tag 4: Sonntag, 11.8.2019: Sturm- und Ruhetag

    Bis 3 Uhr in der Früh war es ruhig, dann kam der Wind wieder mit so einer Wucht, dass ich manchmal die Zeltstangen festgehalten habe. An Schlaf war nicht mehr zu denken.


    Zelt am Morgen im Wind

    An ein Weiterkommen über das Col de Mulleres auch nicht. Was tun? Victor und ich entschieden uns für "Rückzug" zum Hospital Benasque und dann würden wir weitersehen. Nach 2 Std. Schlendern erreichten wir das Hotel und ich entschied mich vor Müdigkeit (war doch nicht genug Schlaf in den letzten windigen Nächten) sofort für einen Ruhetag und checkte ein. Victor wollte am Nachmittag nochmal den Zeltplatz aufsuchen. So trennten sich leider unsere Wege.


    Hospital de Benasque

    Ich genoss die windfreie Zone und das Abendessen mit dem Steak eines toten domestizierten Rindes.

    Tag 4: ~2,5 Std. ~6,4km /~20m \~680m




    Tag 5: Montag,12.8.2019: vom Hospital de Benasque zum Rifugio Cap de Llauset (2425m)


    Der nächtliche Regen hat Spuren auf dem Weg hinterlassen ...

    Wieder auf dem Weg zum Plateau des Aiguallut machen die Wolken zwar was her, stimmen mich jedoch nicht so hoffnungsvoll.


    Überraschung neben den Weg: Geier haben anscheinend hier ihr Nachtquartier gehabt und werden leider von mir aufgeschreckt. Vorher mache ich mir jedoch zwei Bilder ...


    3 Geier


    1 Geier, wenigstens auf dem Foto unscharf

    Der Weg über das Col de Mulleres, ein weiteres HRP-Highlight, der nur bei einigermaßen gutem Wetter sinnvoll ist, schminke ich mir wegen der unsicheren Wetterlage und fehlender Aussicht ab. Anstelle dessen wechsele ich auf den GR11.5, der vom Plateau des Aiguallut über einen Pass zum Rifugio Cap de Llauset führt.

    Im Nieselregen geht es mit Blockkraxelei aufwärts. Die Wolken schlucken den Schall und dämmen wie Watte. Ein etwas unwirkliches Gefühl.


    Hier geht's lang

    Dann endlich der Pass, ca. 2700m. Auf der anderen Seite lichten sich die Wolken bzw. versuchen so gaaanz langsam über den Pass zu kriechen. Auch hier sind wieder Balanceakte auf Blockwerk angesagt, die mir bei Sonnenschein auch viel Freude machen. Nur heute ... naja.


    Endlich mal ein paar Seen sehen. Erleichternd, aus dem Nebel heraus zu sein.


    Dann endlich, nach 8 Std., ist das Ziel in Sicht, das fast ganz neue Rifugio Cap de Llauset, bestehend aus Fertigbauteilen, die im Tal hergestellt werden und per Helicopter angeliefert und platziert werden.


    Rifugio Cap de Llauset

    Innen ist sie jedoch mit Holz gemütlich gestaltet und wird von freundlichen Menschen bewirtschaftet.
    Den Abend verbrachte ich mit einem crazy Spanier und einem Paradiesvogel aus Tschechien.

    Tag 5: ~ 7,5 Std. ~15,6km /~1240m \~560m




    Tag 6: Dienstag, 13.8.2019: Vom Rifugio Cap de Llauset zum Refugi de la Restanca (2010m)

    Gerade umgibt mich ein Sprachengewirr von Spanisch, Englisch und ich vermute Katalanisch. Ich sitze draußen vor der Hütte. Der Nebel packt die Landschaft langsam in kaltes Grau.


    Doch zurück auf Start heute morgen.
    Die Nacht war unruhig. Ein starker Schnarcher war im Zimmer. Mir war noch nicht klar, wie es mit der Tour weitergehen soll. Die heutige Etappe war meine letzte im vergangenen Jahr. Danach hatte ich Schmerzen im Knie, so dass nichts mehr ging. Irgendwie habe ich Sorge vor einer Wiederholung des Erlebnisses. Aber: 90% aller Gedanken sind überflüssig.

    Frühstück (mit Salami und Schinken!) und dann los. Diesmal absichtlich mit kleinen Schritten abwärts und ohne! Stöcke, damit ich nicht in Versuchung komme, größere Schritte als angebracht zu machen.

    Vorbei an einem schönen See mit Anglerhäuschen ...


    ... und dann ab in den "bösen" Wald, der zwar noch genauso steil war wie im letzten Jahr, aber diesmal lange nicht so auf die Knie geht.

    Ich hatte sogar Muße, je ein Blumen- und Stimmungsbild zu machen.




    In der Nähe des Tunnels nach Vielha liegt das Rifugio Conanglais, das ich nach 4 Std. schon um 12:30 Uhr erreiche.
    Ich gönne mir eine Plata del Dia ...


    ... und entschied, nochmal 4 Std. draufzusatteln und zur nächsten Hütte zu gehen.

    Dabei versuchten die Schlechtwetterwolken aus Frankreich einzudringen, was in Katalonien erfolgreich verhindert wurde.


    Ein paar Blumen liefen mir über den Weg und wurden von mir geschossen ...




    Der Weg führte an tollen Seen vorbei, einer schöner als der andere ...





    ... und an einem Nacktbadestrand für dicke Felsbrocken ...

    Zum Rifugio ging es letztendlich nochmal steil hoch. Dabei könnte ich einen interessanten Vogel im Baum beobachten, ich vermute es war ein Tunix ...


    Endlich, kurz vor 19 Uhr erreiche ich die Hütte. Sie hat den Charme der 60er/70er Jahre.


    Doch das freundliche Personal macht die offensichtlichen Mängel wieder wett.

    Jetzt kann ich, wenn ich das mobiltel ausschalte, die Hand nicht mehr vor meinen Augen sehen, so dunkel ist es geworden. Zeit fürs Bett.

    Doch zuvor noch in die Medienzentrale zum Aufladen ...


    Tag 6: ~9,5 Std. ~21,3km /~1100m \~1530m

    --- Fortsetzung folgt ---
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  10. AW: [FR] [ES] HRP (Haute Randonnée Pyrénéenne), zweiter Teil

    #10
    Tag 7: Mittwoch, 14.8.2019: vom Refugi de la Restanca nach Salardu

    Am Abend lernte ich noch Graig und Marc aus England kennen. Beide sind solo auf der HRP unterwegs, essen in den Hütten zu Abend und laufen anschließend weiter, um sich ein Zeltplätzchen zu suchen. Eine gute Möglichkeit, Essens- und Trinkgenuss mit DraußenSein zu kombinieren und evtl. (Mit-)Schnarchern auf den Hütten zu entgehen.


    Abschiedsfoto von der Hütte, rechts am Seerand steht sie im Schatten.


    Es war eine Wanderung, die an vielen wunderschönen Seen vorbeiführte und auch kurz den Nationalpark Aigüestortes-Nationalpark streifte, einem Granitmassiv mit fast 500! Seen. Durch diesen Nationalpark gibt es auch eine mehrtägige Hüttenrundtour (9 Hütten, 55km, 9200hm): Carros de Foc. Aber Achtung: In diesem Nationalpark ist das Zelten grundsätzlich nicht gestattet!


    Selfie


    Pyrenäischer Eisenhut


    Hier geht's gleich weiter durch das wunderbare Saboredo-Tal in Richtung Salardu.

    Doch vorher gab es noch eine dünne Nudelsuppe im wunderschön gelegenen Rifugio Colomer, ...




    ... so wunderschön gelegen, dass Hunderte von Wandernden den Weg durchs Tal hinauffinden: Hochsaison und tolles Wetter.


    Der Weg schlängelt sich lieblich durch Pinienhaine ...


    ... über eine flache Wiesenebene ...


    ... an Badegumpen vorbei ...

    ... um letztendlich nach 6 km Teerstraße in Salardu zu enden. Hier fand ich Unterschlupf in einer Herberge des katalanischen Wandervereins.

    In einem "Supermercado" (ca. 50qm) besorgte ich alles, was ich in den nächsten Tagen brauchen werde. Bei den kommenden 10 Tagen Wanderung gibt es lediglich 3 Unterkünfte mit Verpflegung.

    In der nächsten Zeit geht's also anscheinend durch eine ziemlich wilde Gegend der HRP bis nach Andorra. Bin mal gespannt, neugierig und etwas unsicher.

    Tag 7: ~8,2 Std. ~19,7km /~660m \~1430m

    --- Fortsetzung folgt ---
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  11. Fuchs
    Avatar von Meer Berge
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    AW: [FR] [ES] HRP (Haute Randonnée Pyrénéenne), zweiter Teil

    #11
    Schade, fast hätten wir uns getroffen, ich war eine Woche vor dir in Salardu :-)

    Wie schön, all die bekannten Orte aus deiner Sicht zu sehen und dazu einige neue.

    Schade, dass es mit dem Col de Mulleres nicht geklappt hat. Aber immerhin konntest du über Gourge-Blanc und Pluviometre steigen.

    Über den Col de Salenques, die endlose Blockhalde, bin ich dieses Mal auch von Benasque zur Ref. Cap Llausert gestiegen, etwa 3 Wochen vor dir. Lag noch ziemlich viel Schnee im Anstieg und ein bisschen im Abstieg, den ich z.T. genutzt habe, um einige Boulderanstiege abzukürzen. Ging aber nur mit Schneeketten, war ziemlich steil. Ich habe, genau wie im Jahr zuvor, am See über der Hütte gezeltet.

    Die Geier waren da auch schon in dem Tal hinter Benasque, sicher 20 Tiere, stritten sich mit vollem Krallen- und Körpereinsatz um eine verendete Kuh.

    Von Conangles bin ich diesmal über einen alten, wohl nur noch sehr selten begangenen Pass (daher über große Strecken weglos, aber sehr schön) oberhalb des Tunnels gestiegen und dann über Vielha (hübscher als befürchtet, 3 Sportläden mit Schraubgaskartuschen!) über ein paar Hügel nach Salardu.
    Von dort aus bin ich tatsächlich für 12 Tage durch und um den NP Aigüestortes gelaufen, nicht ganz den Carros de Foc, aber zum Teil schon. Voll war es da nicht, nur an ein paar leicht zugänglichen Hütten.

    Ich bin gespannt, wie er bei dir weitergeht - und ob du am Mittelmeer ankommst!
    In der Zwischenzeit fahre ich mal mit dem Rad ans Mittelmeer, genauer an die Adria.
    Bin gespannt, was ich nachher hier lesen kann!
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  12. AW: [FR] [ES] HRP (Haute Randonnée Pyrénéenne), zweiter Teil

    #12
    Zitat Zitat von Meer Berge Beitrag anzeigen
    In der Zwischenzeit fahre ich mal mit dem Rad ans Mittelmeer, genauer an die Adria.
    Bin gespannt, was ich nachher hier lesen kann!
    Wow! Positiver Neid! Von hier aus? Oder erstmal ein Stück mit Öffis?

    Ja, gern wäre ich mit dir durch die Pyrenäen gelaufen. Lässt sich ja vielleicht noch mal nachholen ...

    Ich finde es auch immer wieder interessant, bereits gegangene Wege mit der Wahrnehmung anderer nachzuerleben. Gibt nochmal ganz andere Einsichten, die ich bisher noch nicht so hatte.

    Dann erstmal alles nur erdenklich Gute in Bezug auf Wetter, Technik, Gesellschaft, Landschaft, etc. für deine Radtour.

    LG Klaus
    Geändert von ticipico (03.10.2019 um 17:25 Uhr)
    „Wie komm ich am besten den Berg hinan? Steig nur hinauf und denk nicht dran!“ – Friedrich Nietzsche


  13. Erfahren
    Avatar von FatmaG
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    AW: [FR] [ES] HRP (Haute Randonnée Pyrénéenne), zweiter Teil

    #13
    Zitat Zitat von Meer Berge Beitrag anzeigen
    Schade, fast hätten wir uns getroffen, ich war eine Woche vor dir in Salardu :-)
    HA!
    Am 9. August habe ich im Refugio Cap de Llauset übernachtet (wir waren nur 6 Personen fürs Abendbrot!).
    Und am 11. im Refugio dera Restanca...
    Allerdings via GR11, dh ab Colomers drifteten unsere Wege wieder auseinander...


    Ich lese natürlich auch sehr gespannt mit als großer Pyrenäen-Fan...
    Danke also für Deinen Bericht und die Fotos!

  14. AW: [FR] [ES] HRP (Haute Randonnée Pyrénéenne), zweiter Teil

    #14
    Zitat Zitat von FatmaG Beitrag anzeigen
    Am 9. August habe ich im Refugio Cap de Llauset übernachtet (wir waren nur 6 Personen fürs Abendbrot!). Und am 11. im Refugio dera Restanca...
    Das hätte ja beinahe ein kleines Forumstreffen in den Pyrenäen gegeben ...

    Zitat Zitat von FatmaG Beitrag anzeigen
    Ich lese natürlich auch sehr gespannt mit als großer Pyrenäen-Fan...
    Danke also für Deinen Bericht und die Fotos!
    Danke zurück fürs feedback. Gleich geht's weiter .
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  15. AW: [FR] [ES] HRP (Haute Randonnée Pyrénéenne), zweiter Teil

    #15
    Tag 8: Donnerstag, 15.8.2019: von Salardu zum Refugi Gracia Airoto (2200m)

    Ade Salardu. Nach einem reichhaltigen Frühstück bei einer sehr freundlichen Gastgeberin ging es zunächst auf der Straße nach Bagergue, wo mich eine halbe Frau überraschte.


    Ist das jetzt schon als "divers" anzusehen?

    Noch ein Rückblick auf die Hohen Pyrenäen, die ich nun verlasse.


    Und Salardu darf natürlich auch nicht fehlen.


    Die andere Seite der Medaille ist der Skizirkus im Val d'Aran, dass nur ca. 4 Autostunden von Barcelona entfernt liegt.


    Diese Ferienwohnunghausansammlungen sind nur im Winter belebt, im Sommer sind sie tote Orte.

    Im Aufstieg begegnet mir ein schöner windschiefer Baum ...


    ... der aber mal zurechtgerückt werden muss:


    Natur aufräumen

    Dann kommt Magdalena von hinten angestürmt. Sie ist Österreicherin, 31 und fit wie ein Bergschuh. Seit 30 Tagen ist sie auf der HRP unterwegs. Wir beschließen, heute gemeinsam zu gehen.

    Trotz schönen Wetters versuchen mal wieder Wolken aus Frankreich nach Spanien einzudringen, was ihnen auch für ein paar Stunden gelingt. Gleich wird es erheblich kühler.




    Hilfe, hier läuft ein See aus.

    Nicht so schlimm, es gibt davon genügend hier ...



    Ein Blick in meine Wanderzukunft.


    Sind die Wolken nicht wunderschön?

    Oben am Pass stellt sich heraus, das es über den Tuc de Marimanya (2662m) geht. Blockkraxelei ist angesagt und hört auch für den Rest des Tages nicht auf. Die für jeden Tritt notwendige volle Konzentration strengt an.

    Dann ist da doch mal ...

    ... ein Seeauge ...


    ... und ein altehrwürdiger Baum ...

    eine willkommene Abwechselung.

    Am frühen Abend, nach erschöpfender Kraxelei, kommt das Biwak Refugi Gracia Airoto (2200m) in Sicht.


    Es liegt traumhaft an einem See und wir stürzen hinunter.



    Die Hütte ist bereits von Menschen mit katalanischem Zugehörigkeitsgefühl belegt, denn heute Nacht werden besonders viele Sternschnuppen erwartet.


    Wir schlagen unsere Zelte auf und gehen nach Körperpflege und Nahrungszufuhr trotz aller abstürzenden Sternchen früh schlafen.

    Tag 8: ~9,2 Std. ~17,2km /~1620m \~680m

    --- Fortsetzung folgt ---
    Geändert von ticipico (05.10.2019 um 14:51 Uhr)
    „Wie komm ich am besten den Berg hinan? Steig nur hinauf und denk nicht dran!“ – Friedrich Nietzsche


  16. Erfahren
    Avatar von Ljungdalen
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    AW: [FR] [ES] HRP (Haute Randonnée Pyrénéenne), zweiter Teil

    #16
    Ah, danke für den Bericht, Pyrenäen - immer sehr schön... und Erinnerungen werden wach:

    Zitat Zitat von ticipico Beitrag anzeigen
    ...Loudenvielle... Weiter ging es zum Lac des Isclots...
    Da in der Nähe hatten wir mal eine Woche ein Ferienhaus, als unsere Töchter noch klein waren. (Stimmt: Loudenvielle selbst ist zuviel Trubel, auch damals schon. Aber mal ganz erfreulich: außer uns eine Woche lang so etwa NULL Deutsche; außer Franzosen faktisch nur ein paar Spanier und noch weniger Niederländer und Belgier.) Mit einer Tochter mal eine Tagestour zum Lac de Caillaouas gemacht, das ist ein Stück unterhalb des Lac des Isclots. Und ich war dann noch auf dem Pic de Hourgade (2964 m), wenig unterhalb des Gipfels ziemlich nahe Steinböcke beobachtet, beeindruckend.

  17. AW: [FR] [ES] HRP (Haute Randonnée Pyrénéenne), zweiter Teil

    #17
    Tag 9: Freitag, 16.8.2019: vom Refugi Gracia Airoto zum Refugi del Fornet

    Kalt war es in der Nacht. Im Zelt habe ich 2° gemessen. Draußen muss es also unter 0° gewesen sein.
    Zum ersten mal habe ich in der Nacht noch Jacke und Hose angezogen. Dann war mir wieder warm und ich konnte weiterschlafen.

    Um 7:15 hörte ich vom Nachbarzelt Geräusche und war erstaunt, dass Magdalena schon fast startbereit war. Die heutige Etappe dauert nur 3,5 Std. Doch sie möchte die nächste Etappe (7,5 Std.) gleich dranhängen. Das ist mir heute zu viel, insbesondere weil direkt danach noch mehrere Etappen mit 7-8 Std. Gehzeit folgen.

    So verabschiede ich sie und mache in meinem Rhytmus weiter. Nasses Zelt einpacken, frühstücken und um 8:30 Uhr los.

    Erstmal wieder über einen kleinen Pass (der wievielte ist das bei dieser Tour?). Die Pässe werden etwas niedriger, derzeit ca. 2200m. Man merkt den Austritt aus den Hohen Pyrenäen.


    Am Col de ... (2228m)

    Der Abstieg erweist sich als Suchaufgabe. Es gibt keinen offiziellen Weg, nur Schotterwege, kombiniert mit Kuhpfaden und weglosem Gelände.


    Rückwärtig gesehen sieht das ganz einfach aus.

    An der Straße angekommen bleiben noch 4km zum Refugi del Fornet, dass ca. 2km abseits der HRP-Hauptroute liegt. Ich gehe auf Schmetterlingsfang, weil sie zu Hunderten (wirklich!) beim Vorbeigehen vor mir aufflattern.


    Im Refugi angekommen (14 Uhr) gönne ich mir ein selbstgepanschtes Panaché und ein Mittagsschläfchen. Die Freude auf das Abendessen steigt ...

    Tag 9: ~5,5 Std. ~12km /~350m \~1180m




    Tag 10: Samstag, 17.8.2019: von Refugi del Fornet zum Camping Masia ‘Bordes de Graus’

    Den gestrigen Abend habe ich gemeinsam mit einem Franzosen, einer Begierin und einer Polin verbracht.
    Sprachbasis war Englisch. Schon kurios, doch auch irgendwie sinnvoll, eine gemeinsame Basissprache zu haben.
    Nach dem heutigen Frühstück verstreuten wir uns in alle Winde, jedoch nicht bevor wir uns noch ein gutes Leben gewünscht haben.

    Für diesen Tag wird es mehr ein Bilderbuch als ein Texthaufen...


    Abschied vom Rifugi del Fornet

    Gleich danach fällt mir die erste Weihnachtsdeko auf, obwohl ich damit nicht so viel im Sinn habe.



    Maurerkunst


    Morgenstimmung


    Sie staunt nicht schlecht, wer da so früh kommt.


    Da oben ist der erste Pass für heute.


    Doch vorher kommt der erste See, dessen Ufer auch als Zeltplatz empfohlen wird.


    Und gleich vom Pass aus die nächsten Seen.

    Wenn man in allen baden wollte, bekäme man Schwimmhäute zwischen den Fingern und Zehen ... von mir sind insgesamt nur einige wenige bebadet worden. Richtig bitterkalt waren sie nicht.

    Auf dem Abstieg finde ich wunderbare Felsmuster ...



    Was blüht denn da?

    Es ist immer wieder verwunderlich. Von dem Pass bin ich heruntergestiegen ...


    Und wieder See, See, See ... und es wird nicht langweilig, weil sich Form und Farbe unterscheiden...








    Steinmensch an Wolken


    Ich kanns nicht lassen: See


    Ich kanns nicht lassen: Felsmuster


    Schon wieder: See


    Mal anders: Suchbild mit drei Seen, ganz hinten am Ende des letzten Sees die für heute angepeilte Hütte.

    Mir fällt auf, dass ich bei Alleingängen ein offeneres Auge für Interessantes am Wegesrand habe.

    Refugi Enric Pujol (2290m)



    Rifugio an See

    Es ist jetzt 15:30 Uhr. Jetzt müsste ich es mir hier nett machen. Doch ohne Gesellschaft, Strom, Wasser, Panaché wäre das nur ein Warten auf das Schlafengehen.

    Ich schaue auf die elektronische Karte und sehe ca. 3 Stunden weiter unten einen Campingplatz, der ca. 1,7km und 220hm abseits der Route liegt. Zumutbar. Also abwärts.


    Schon wieder ein See, - sie sind einfach zu schön, um sie einfach da zu lassen.


    Ich treffe auf dem Abwärtsweg ein französisches Paar, die mich sofort als HRP-Wanderer identifizieren. Warum? Weil die selbst vor zwei Jahren die HRP gelaufen sind und Gepäck und "die Gangart kennen" (!?).


    Das Blau, die Wolken, der Weg ... berauschend


    Die Landschaft verändert sich ...


    ... immer mehr.

    Der Weg zum Campingplatz Borges de Graus ist moderat. Ich handle mir für diesen Abstecher morgen eine Stunde zusätzlichen Weg ein.

    Allein schon wegen des Essens ist es wert:
    1. Spaghetti mit Pilzen,
    2. Lammbraten mit Kartoffeln und Zucchino,
    3. Zitronensorbet.
    Dazu Wasser, Wein und danach Espresso: fast wie im Piemont.


    Tag 10: ~10 Std. ~ 19,8km /~1410m \~1450m

    --- Fortsetzung folgt ---
    „Wie komm ich am besten den Berg hinan? Steig nur hinauf und denk nicht dran!“ – Friedrich Nietzsche


  18. Erfahren

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    AW: [FR] [ES] HRP (Haute Randonnée Pyrénéenne), zweiter Teil

    #18
    Sehr schöner Bericht. Aber ich wundere mich immer wieder, wie viele Leute dort unterwegs sind. Ich war Anfang der 80er Jahre häufig dort und wir sind kaum jemandem begegnet, mit Zelt sowieso nicht....
    Wandern & Flanieren
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  19. AW: [FR] [ES] HRP (Haute Randonnée Pyrénéenne), zweiter Teil

    #19
    Zitat Zitat von Galadriel Beitrag anzeigen
    Sehr schöner Bericht.
    Danke

    Zitat Zitat von Galadriel Beitrag anzeigen
    Aber ich wundere mich immer wieder, wie viele Leute dort unterwegs sind. Ich war Anfang der 80er Jahre häufig dort und wir sind kaum jemandem begegnet, mit Zelt sowieso nicht....
    Auch ich war 1979 schon mal in den Pyrenäen. Meine Wahrnehmung ist ähnlich deiner, - dass die Wander-Infrastruktur und die Anzahl der Wandernden in den Pyrenäen seitdem gewachsen ist. Aber ist die erste Beobachtung immerhin schon 40 Jahre her! In solchen Zeiträumen verändert (sich) "der Mensch" einfach schon viel. Doch scheint mir die Veränderungsgeschwindigkeit in den Pyrenäen geringer als in den Alpen, wo die Entwicklung teilweise schon zum Funpark (MT-Biking, Paragliding, Climbing, Trekking, SpeedHiking, TrailRunning, x-ing) hin tendiert und die Skizentren überhand nehmen.

    Und: In diesem Jahr war ich im August, dem Haupturlaubsmonat in Spanien und Frankreich unterwegs. Auch das ist eine Ursache für die Anzahl der Wandernden. Im September 2018 war erheblich weniger los. Außer an den Hotspots haben mich die Menge an Lebewesen gleicher Gattung bei der Wanderung nicht gestört, ja ich habe den Kontakt zu anderen Wandernden auch häufig genossen.
    „Wie komm ich am besten den Berg hinan? Steig nur hinauf und denk nicht dran!“ – Friedrich Nietzsche


  20. Fuchs

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    AW: [FR] [ES] HRP (Haute Randonnée Pyrénéenne), zweiter Teil

    #20
    Schön - HRP lohnt. Landschaftlich schön-und dabei auch fordernd und spannend

    Sehr schöner Bericht. Aber ich wundere mich immer wieder, wie viele Leute dort unterwegs sind. Ich war Anfang der 80er Jahre häufig dort und wir sind kaum jemandem begegnet, mit Zelt sowieso nicht....
    Ab September wird es leerer. Dann sind nicht mehr viele Unterwegs. Ausnahme - Gutes Wetter am WE - da wo sich auch die Tageswanderer tummeln.

    LG

    Folko
    www.mitrucksack.de
    Ganz viel Pyrenäen ( HRP- Haute Randonnée Pyrénéenne - komplett) und ein bisschen La Gomera

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