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  1. Erfahren

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    [IS] Hornstrandir, Polarfüchse und der Nordwesten

    #1
    Mitreisende: neumania
    Reisezeitraum 20.06.-10.07.2017


    Prolog:

    Hatte der letzte Islandurlaub auch einige Schwächen, so blieb mir der Eindruck, wie ich in Laugar stehe und mich nach einer Wanderung im Hot Pot visualisiere, einfach unwiderruflich haften.

    Da ich zudem zwischendurch schicke Reiseberichte von Hornstrandir gelesen hatte, war schnell folgender Vorschlag (Plan will ich das gar nicht mehr nennen ) gefunden:

    Ich fliege nach Reykjavík, Anschlussflug nach Ísafjörður und am nächsten Tag Bootsshuttle nach Grunnavík; dann wandere ich über Hornvík nach Hesteyri und Bootsshuttle zurück nach Ísafjörður.
    Den Wanderweg will ich vor Ort bestimmen, Zeit habe ich reichlich, ein Abstecher zum Horn von Hornbjarg ist auch vorgesehen.

    Wieder zurück in Ísafjörður buche ich vorab einen Leihwagen, mit dem ich mich noch im Nordwesten umtuen und unter anderem in Laugar Boxenstop machen will um zu wandern und nach der Wanderung im Hot Pot zu sitzen und schön im Zelt zu nächtigen. Erwähnte ich glaube ich bereits
    Abschließend Ankunft in Reykjavík und Rückflug.
    Soweit der (OK, einmal sag ich’s doch noch) Plan, also wohlan!



    Kleiner Foto-Exkurs:

    Da ich in den Reiseberichten über Hornstrandir von der Möglichkeit Polarfüchse zu sichten (und somit auch zu fotografieren) gelesen hatte, hatte ich nun ein Luxusproblem:

    Meine geneigte Eos 5DII wiegt mit 24-105mm Zoom schon 1,4 kg. Dazu ein Stativ (ca. 1 kg) und mein 16-35mm Weitwinkel (0,6 kg) sind schon schwer genug; nehme ich noch mein 70-300mm Tele (1 kg) mit, komme ich auf vier Kilo für die Kernausrüstung und da sind Filter, Ersatzakkus und -speicherkarten, Fototaschen, Selbstauslöser und anderes Gedöns noch nicht bei; hmmm…

    So entschied ich mich im Vorfeld dann doch, den schon einmal halbherzig anvisierten Wechsel zu Fuji zu vollziehen und mit Kamera X-T2, den Objektiven 10-24mm, 18-55mm und 55-200mm einen fast identischen Brennweitenbereich äquivalent Kleinbild abzudecken, allerdings nur die Hälfte an Gewicht mitzuschleppen…


    Jetzt aber wirklich los
    Geändert von neumania (30.09.2019 um 09:48 Uhr) Grund: Länderkürzel eingefügt

  2. AW: Hornstrandir, Polarfüchse und der Nordwesten

    #2
    Hmm, das war es schon ...?
    Ooch

    * LästerExkurs*

  3. Erfahren

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    AW: Hornstrandir, Polarfüchse und der Nordwesten

    #3
    Natürlich war's das noch nicht, aber ich muss heute abend erst noch weiterschreiben

  4. Dauerbesucher
    Avatar von blackteah
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    AW: [IS] Hornstrandir, Polarfüchse und der Nordwesten

    #4
    schnällaaa!

  5. Erfahren

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    AW: [IS] Hornstrandir, Polarfüchse und der Nordwesten

    #5
    20.06.2017 Reykjavík, Hotel Naturata???


    So, den Start darf man ein wenig holprig nennen!

    Auf um ½ 7 verzettel ich mich ein wenig, bekomme aber planmäßig die S-Bahn um 9.41 zum Flughafen D’dorf und bin zeitig dort.
    Die Schlange am Check-Inn ist erfreulich kurz, so dass ich noch etwas essen und trinken gehen kann, bevor dann bald das Boarding beginnt.

    Nachdem ich nervig in brütender Hitze warte, dass der Shuttle-Bus zum Flieger endlich fährt, dort eine angenehme Überraschung: Fensterplatz mit ohne Sitznachbar, schick

    So fliege ich entspannt nach KEF und gehe dann bei 10° und leichtem Nieselregen vom Terminal zum Fly-Bus und denke zu meiner eigenen Verwunderung: gut und richtig so


    Da ich schon kurz nach vier Uhr am BSI bin und massig Zeit habe, trage ich den Rucksack noch ein gutes Stündchen durch Reykjavík und dann zum Inlandsflughafen, wo ich warte.
    Und zwar solange, bis mich eine Dame anspricht, ob ich nach ISA fliegen möchte. Nachdem ich bejahe erklärt sie mir ganz entspannt, dass der Flug heute Abend gestrichen ist und ich für den Flug morgen früh vorgemerkt sei, gibt mir einen Voucher für ein Taxi zum und einen Voucher für eine Übernachtung im Hotel Naturata, in dem meine Frau Tina und ich zufällig die Abschlussnächte unseres Winterurlaub 2014 verbracht haben.
    Das mit dem Flug morgen früh klingt leider sehr halbherzig, denn im gleichen Zuge rät sie mir regelmäßig e-Mails und SMS abzurufen, falls auch der ausfällt.


    Ich wackel also aus dem Terminal zum Taxenstand und lasse mich die lächerlich kurze Strecke zum Naturata fahren, doch selbst der kurze Plausch mit dem Taxifahrer lässt mich erkennen, dass Flugausfälle dieser Art eher regelmäßig sind; wieder was gelernt
    Dann noch kurze Wartezeit an der Rezeption, weil irgendwas mit dem Voucher nicht so richtig richtig ist, aber dann bekomme ich die Schlüsselkarte zum Zimmer.

    So liege ich also am Abend in einem Bett statt in einem Zelt und bin gespannt, wie’s morgen weitergeht…

  6. Erfahren
    Avatar von Dieter
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    AW: [IS] Hornstrandir, Polarfüchse und der Nordwesten

    #6
    Zitat Zitat von neumania Beitrag anzeigen
    ... und bin gespannt, wie’s morgen weitergeht…
    … ich auch - ich auch

    Dieter

  7. AW: [IS] Hornstrandir, Polarfüchse und der Nordwesten

    #7
    Schneller weiterschreiben, biddääää
    So möchtig ist die krankhafte Neigung des Menschen, unbekümmert um das widersprechende Zeugnis wohlbegründeter Thatsachen oder allgemein anerkannter Naturgesetze, ungesehene Räume mit Wundergestalten zu füllen.
    A. v. Humboldt.

  8. Erfahren

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    AW: [IS] Hornstrandir, Polarfüchse und der Nordwesten

    #8
    21.06.2017 Reykjavík - Warteschleife!


    Ich stehe um ½ 7 auf, frühstücke kurz und will gerade packen und zum Flughafen gehen, da kommt eine SMS: Flug momentan nicht möglich, weitere Informationen um ¼ nach acht.
    Also gehe ich erst noch einmal runter in den Frühstücksraum und gönne mir eine zweite Ladung Skyr und Kaffee.

    Außerdem mache ich mir schon Gedanken wie’s weitergehen soll, wenn ich den Bootsshuttle heute nicht bekomme, und setze mich noch an einen Rechner in der Lobby um mich über einen alternativen späteren Bootsshuttle zu informieren.

    Als ich um kurz nach acht wieder auf dem Zimmer bin kommt die nächste SMS: Flug momentan nicht möglich, weitere Informationen um ¼ nach zehn. Na prima…

    Weil ich hier im Hotel nix mehr zu tun habe packe ich und checke aus und wackel zum Flughafen. Dort lasse ich mir von einer sehr freundlichen Dame von Air Iceland erklären, dass die Windverhältnisse am Flughafen in Ísafjörður besonders seien und auch wenn hier kein Lüftchen weht, das Landen dort unmöglich sein kann. Hmmm

    Also parke ich meinen Rucksack und gehe zu Fuß in die Stadt und vertreibe mir die Zeit, während ich alle zwei Stunden eine SMS bekannten Inhalts bekomme. Bei der um ¼ nach vier ist dann klar, dass ich den Bootsshuttle heute nicht mehr bekomme; zum Glück kann ich einfach per Telefon den Bootsshuttle auf morgen Nachmittag umbuchen; dann wird zwar Grunnavik nicht angefahren, aber mit jetzt schon einem Tag minus wäre die lange Tour eh knapp geworden.

    So werde ich also morgen zur Bucht Veiðileysufjörður geshuttelt, falls der Flieger mal fliegt…



    Zeitvertreib-Stadtbummel bei schönstem Wetter


    So; um sechs Uhr, schon am Flughafen sitzend, dann das K.O. für heute, kein Flieger mehr

    Trotzdem ich direkt zum Servicedeck gehe braucht’s aufgrund der mittlerweile nicht wenigen Wartenden eine Weile bis die Hotelfrage geklärt ist, dann lande ich im leider sehr bräsigen Hotel Smàri, wo ich um ½ acht abends endlich auf dem Zimmer bin.


    Nächster Versuch morgen um acht in der Früh

  9. Erfahren

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    AW: [IS] Hornstrandir, Polarfüchse und der Nordwesten

    #9
    22.06.2017 Veiðileysufjörður


    Ich stehe wieder um ½ 7 auf, Frühstück gibt’s leider noch keines.

    Dann sitze ich um kurz nach 7 mit anderen "Flugopfern" im Taxi zum Flughafen und hoffe, dass während der Fahrt keine SMS kommt. Die anderen Flugopfer und ich sind dann froh als wir am Flughafen ankommen und der Flug wirklich stattzufinden scheint.

    Während ich auf den Check-In warte dann die Durchsage, dass es eine Verspätung wegen technischer Probleme gibt. „Macht kein‘ Scheiß“ denke ich, aber um ½ 9 geht’s dann wirklich los, hurra!



    Das Flugzeug, dass leider nicht immer fliegt...


    Nach einer guten halben Stunde Flug weiß ich dann auch, warum die Landung hier so tricky ist: wir fliegen in den Fjord und müssen dann noch eine enge Kehre machen, bevor wir schlussendlich landen. Da wäre schlechter/falscher Wind wirklich fatal.



    Der Flughafen im Fjord.


    Nach der Landung ist das Gepäck quasi sofort da und ich finde ein Flugtaxi, das mich in’s Städtchen bringt. Im Gegensatz zu gestern ist das Wetter heute und hier oll, da bin ich froh, dass ich den Weg vom Flughafen nicht gehen musste.

    Das Café Brædraborg, in dem Borea (in 2017) sein Büro hat, finde ich erst auf Nachfragen, werde dann aber herzlich begrüßt.

    Da ich bis zum Shuttle am Nachmittag massig Zeit habe frühstücke ich erst einmal ausgiebig. Dabei komme ich schon mit den Guides in’s Quatschen und bekomme das Angebot, während der Wanderung überflüssiges Gepäck im Lager unterzubringen, super.

    Zum Dank kaufe ich dann hier direkt auch eine Gaskartusche und eine brandaktuelle Karte. Den Rest der Zeit verbringe ich mit einem Spaziergang durch’s Dorf, Essen, Trinken, Routen gucken und Informationen über Hornstrandir sammeln

    Dann ist es auch bald soweit und ich stiefel zum Boot, wo ich zwei Flamen wiedersehe, mit denen ich schon im Café in’s Plauschen gekommen bin. Tatsächlich sind wir drei die einzigen Passagiere dieser Tour.

    Wir fahren eine Stunde durch schöne Fjordlandschaft, ich sehe unterwegs schon Papageitaucher, dann werden wir in eine kleine Nussschale verladen, mit der wir anlanden.

    Als das Boot dann weg ist, sind wir drei ganz schön alleine!



    Erst ist die Nussschale wech...


    ...dann auch das Shuttleboot.


    Erst mal ist Zeltplatzsuche angesagt und das ist gar nicht so einfach, da alles nass oder schief ist, aber schlussendlich finde ich ein feines Plätzchen.






    Feines Plätzchen


    Dann klart es sogar für schöne Fotos noch einmal auf, schließlich geht’s um 9 dann doch in den Schlafsack, gute Nacht.






  10. AW: [IS] Hornstrandir, Polarfüchse und der Nordwesten

    #10
    coole Fotos, hast Du die nachbearbeitet? Das blau sieht so unecht aus. gar nicht isländisch
    So möchtig ist die krankhafte Neigung des Menschen, unbekümmert um das widersprechende Zeugnis wohlbegründeter Thatsachen oder allgemein anerkannter Naturgesetze, ungesehene Räume mit Wundergestalten zu füllen.
    A. v. Humboldt.

  11. Erfahren
    Avatar von Dieter
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    AW: [IS] Hornstrandir, Polarfüchse und der Nordwesten

    #11
    Mika schrieb:
    coole Fotos, hast Du die nachbearbeitet? Das blau sieht so unecht aus. gar nicht isländisch
    ooooch, Mika sei doch nicht so pingelig

    Dieter

  12. Liebt das Forum
    Avatar von Prachttaucher
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    AW: [IS] Hornstrandir, Polarfüchse und der Nordwesten

    #12
    @neumania : Lese auch gespannt mit. Der Flug nach Ísafjörður kann heftig sein. Bei meinem zweiten Besuch war es zunächst so stürmisch, daß der Flug um einige Stunden verschoben wurde. Dann ging es doch los und es war...... grauenvoll. Das einzige was einen in den Luftlöchern beruhigte waren die isländischen Fluggäste - die ließen sich absolut nichts anmerken. Landung in Ísafjörður war dann nicht möglich und es ging zu einem anderen Flughafen von dem es mit dem Bus weiter ging. Ankunft war dann um 24 Uhr im strömenden Regen....

  13. Erfahren

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    AW: [IS] Hornstrandir, Polarfüchse und der Nordwesten

    #13
    Zitat Zitat von Mika Hautamaeki Beitrag anzeigen
    coole Fotos, hast Du die nachbearbeitet? Das blau sieht so unecht aus. gar nicht isländisch
    ...tatsächlich habe ich die letzten drei Fotos Richtung Mitternachtssonne mit ND- und Grauverlaufsfiltern gemacht, bin spät abends noch einmal extra dafür aufgestanden.

    Der ND-Filter schluckt Licht, so dass die Belichtung mehrere Sekunden beträgt, was (aus meiner Sicht) für eine schöne Sättigung der Farben sorgt; der Verlaufsfilter hat ca. das obere Drittel leicht abgedunkelt, ansonsten ist der Farbton im Rest des Bildes original.

    War halt eine sehr schöne Lichtstimmung, sonst wäre ich auch nicht noch einmal aus dem Schlafsack gekrabbelt

    Grüße,
    Markus

  14. Erfahren

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    AW: [IS] Hornstrandir, Polarfüchse und der Nordwesten

    #14
    23.06.2017 Höfn


    Nachdem ich schon öfter mal aufwache stehe ich um ½ 8 auf, frühstücke kurz und bin um ¼ nach 8 abmarschbereit. Der Weg soll mich bringen über den Pass Hafnarskarð (519m) an Höfn vorbei nach Látravík, von wo aus es dann später einmal um’s Horn herum zum Zeltplatz bei Höfn gehen soll.

    Meine Fjordnachbarn schlafen noch, aber Aufwecken nur zur Verabschiedung will ich sie nicht.


    ...erst mal da lang


    Also gehe ich frohen Mutes los, bin aber schon nach relativ kurzer Zeit total genervt, weil der „Weg“ so schwierig ist. Faktisch gibt es nämlich gar keinen, stattdessen überall Bäche, Flüsslein, Wasser; dazu halbhoher Bewuchs, der nicht erkennen lässt, was passiert wenn man drauf tritt

    Stoisch geht’s bergauf und kaum bin ich dann endlich über die Bewuchsgrenze hinaus treffe ich wieder auf meine leidigen Bekannten letzter Wanderungen: ungeliebte Altschneefelder unbekannter Konsistenz und Tragfähigkeit.


    Blick zurück, inklusive Schneefeld


    Mache ich mir zu Beginn noch die Mühe zu schauen, was drunter ist, folge ich bald einfach den Fußspuren zweier Wanderer, die vor mir anscheinend den gleichen Weg hatten.

    Erfreulicherweise hört dann endlich der schon zwei Stunden andauernde stete Regen auf und in der Höhe habe ich tatsächlich Empfang und telefoniere kurz mit Tina.
    Die Freude währt leider nur kurz, denn als ich weitergehe Richtung Pass schließt sich die Schneedecke, in der ich mit jedem Schritt tief einsinke, was bergauf echt mühsam ist.


    noch einmal Blick zurück, voran jetzt nur noch Schnee


    Ich versuche die vorhandenen Fußspuren zu nutzen, trotzdem habe ich das Gefühl kaum vorwärts zu kommen, auch die mittlerweile angelegten Grödel helfen nicht wirklich.

    Als dann auch noch dicker Nebel, seltsamer Weise gepaart mit Schneefall dazukommt erlebe ich meinen ersten Whiteout: ich sehe die Schneedecke unter mir, ansonsten ist auch alles um mich herum einfach nur weiss! Hätte ich nicht vorhin schon einen kurzen Blick auf den Pass gehabt und auch die Fußspuren, denen ich noch folgen kann, müsste ich hier stehen bleiben, bis sich das Wetter ändert oder sogar zurück gehen.


    man kann den Pass voraus erahnen


    So folge ich einfach weiter den Fußspuren durch den Schnee und bin irgendwann ziemlich erledigt endlich auf dem Pass. Nun geht’s unter den gleichen (Wetter-)Bedingungen weiter, aber zum Glück bergab.
    In einem wortwörtlich lichten Moment sehe ich die Bucht von Hornvík, ansonsten herrscht bis in’s Tal mehr oder weniger dichter Nebel. Dazu kommt seit dem Pass ein kalter Wind von vorne, der mich trotz aller Kleidung und Bewegung auskühlt


    die Bucht Hornvík, ganz links der Campingplatz Höfn, der hier aber nicht wirklich zu erkennen ist...

    Irgendwann unterhalb der Schneegrenze mache ich Halt und ziehe die Grödel aus; an einen Stein gelehnt merke ich, dass ich schon ziemlich platt bin und frage mich, ob ich’s überhaupt noch bis nach Látravík schaffe, oder einfach unten am Campingplatz in der Bucht übernachte…

    Ich gehe erst einmal weiter, dann zieht sich der Weg bei immer noch arschkaltem Gegenwind; ich habe wieder Gras unter den Füssen, leider sehr nass bis suppig, und als es unten aufklart sehe ich eine Hütte, in der ich gerne übernachten würde.
    Aber leider nein, leider gar nicht; scheint ein privates (Wochenend-)Häuschen zu sein.


    ja, da hätte ich jetzt gerne übernachtet...

    Also gnadenlos weiter komme ich endlich gegen 14 Uhr am Campingplatz in der Bucht an, der ziemlich unter Wasser zu stehen scheint. Dort finde ich keinen Warden, dafür zwei aufbruchbereite Wanderer, die gestern den gleichen Weg gewandert sind und deren Fußspuren ich heute gefolgt bin.


    das Camp Höfn


    Die beiden waren gestern ähnlich geschafft und bieten mir netterweise direkt an beim Zeltaufbau zu helfen, aber ich will erst im Windschatten des Toilettenhäuschens was Warmes essen und dann entscheiden ob ich hierbleibe oder doch weiterwandere.

    Wir quatschen noch ein wenig, dann verabschieden sich die beiden Richtung Hesteyri.
    Während ich Wasser für eine Portion Real Turmat koche wird mir klar, dass ich eigentlich nur noch in den Schlafsack will und Látravík mir jetzt echt zu weit ist.
    Also baue ich an Ort und Stelle auf einer kleinen nicht ganz so suppigen Grünfläche schnell das Zelt auf und habe Glück: kaum bin ich fertig kommt zum Sturm noch der Regen, das hätte mich auf dem weiteren Weg noch richtig abgefuckt.

    So sitze ich also statt im Regen weiter zu wandern trocken im Zelt, esse was und und schreibe Tagebuch. Anschließend lese ich noch und verziehe mich in der Hoffnung, dass das Zelt dem mittlerweile starken Sturm standhält, zum Schlafen in den kuscheligen Schlafsack.

    Gute Nacht.

  15. Erfahren

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    AW: [IS] Hornstrandir, Polarfüchse und der Nordwesten

    #15
    24.06.2017 Höfn


    Es hat die Nacht gestürmt wie sonst was, aber Dank Hillebergscher Zeltbaukunst war auch das kein Problem für mein Unna.

    Da ich überraschend erst um 10 Lust habe aufzustehen und mich leider nicht wirklich fit fühle Entspannungsentscheidung: ich bleibe heute einfach hier.
    So frühstücke ich erst einmal und daddel rum bis 12, dann plausche ich nett mit dem extrem freundlichen Warden/Ranger, der mir unter anderem erzählt, dass viele Wanderer die Runde um Hornbjarg von hier aus machen.
    Da zudem der Leuchtturm von Látravík noch nicht bewirtet wird bezahle ich also einfach direkt für drei Nächte und mache die Runde morgen auch von hier aus.
    Außerdem habe ich dann nur kleines (Foto-)Gepäck dabei, hurra!


    Da ich wirklich nicht so auf der Höhe bin entscheide ich mich erst einmal für ein für mich untypisches Mittagsschläfchen und erkunde die Bucht auf einer Fotorunde.
    Vorher quatsche ich noch einmal mit dem Ranger und informiere mich über Polarfüchse und deren steigende Population hier.

    Und tatsächlich: kaum beginne ich meine Fototour, Polarfuchs hurra! Er sucht bei Ebbe nach Futter und lässt sich geduldig und mit kaum Scheu fotografieren.



    da ist er, der Polarfuchs...



    ...und hat was gefunden





    Anschließend erkunde ich schon einmal den weiteren Weg Richtung Hlöduvík und klettere dabei mithilfe eines Seiles einen sehr steilen Anstieg hoch, da bin ich oben prompt vis-à-vis mit dem Fuchs



    der Weg an der Notunterkunft vorbei



    da geht's dann später mal weiter Richtung Hlöðuvík



    ...und so sieht's von der anderen Seite aus

    Der überlegt kurz und sprintet an mir vorbei und hinunter. Kurz denke ich: das wäre ein tolles Foto geworden, dann erfreue ich mich einfach am Erlebten.



    Das Horn im diesigen Wetter, hoffentlich ist es morgen schöner...



    Auf dem Rückweg der Blick auf "Notbox" und Camp

    Auf dem Weg zurück sehe ich ihn dann noch einige Male, aber irgendwann habe sogar ich erst einmal genug Fotos.

    Zurück am Campingplatz mache ich mir noch was zu essen und komme mit einem Italiener in’s Quatschen, der Profifotograf ist, und heute mit über 10kg allein Foto- nebst anderer Ausrüstung über den Pass gekommen ist, Respekt! Er ist auf (Polarfuchs-)Fototour hier und will einige Tage hier in der Gegend bleiben. Nachdem wir uns ausgiebig über die Fotografie ausgetauscht haben besuche ich noch einmal den Ranger in seiner Hütte und hole mir letzte Tips für morgen, dann ist Zeltzeit




    ist aber auch einfach niedlich





    Flußquerung:


    Erst 'mal Schauen.


    Dann Anlauf nehmen...


    ...und hui...


    ..ist er drüben

  16. AW: [IS] Hornstrandir, Polarfüchse und der Nordwesten

    #16
    Wow, was für coole Fotos. So einen zahmen Polarfuchs hab ich 2011 im Mördurdalur direkt neben der Kirche/Tankstelle erlebt. Der hat sich sogar streicheln lassen.

    Die Westfjorde standen ohnehin auf der Liste meiner Ricke und mir, wenn die Kitze groß genug sind, wird da noch ne Hornstrandir-Tour gemacht. Das steht fest.
    So möchtig ist die krankhafte Neigung des Menschen, unbekümmert um das widersprechende Zeugnis wohlbegründeter Thatsachen oder allgemein anerkannter Naturgesetze, ungesehene Räume mit Wundergestalten zu füllen.
    A. v. Humboldt.

  17. Erfahren

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    AW: [IS] Hornstrandir, Polarfüchse und der Nordwesten

    #17
    Der Polarfuchs ist cool
    Sehr schöner Reisebericht, Hornstrandir ist auch auf unserer Reisewunschliste...
    www.lustwandler.at
    Trekking in Schweden, Norwegen und Island
    Letzte Tour: Gränsleden – Nordkalottleden – Narvikfjell (Ritsem – Riksgränsen)

  18. Fuchs
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    AW: [IS] Hornstrandir, Polarfüchse und der Nordwesten

    #18
    Tolle Fotos vom Polarfuchs Er macht auf den ersten Fotos einen etwas desolaten Eindruck, vielleicht kommt das aber auch von den Bildern in meinem Kopf (weißes gelecktes Fell).
    Das Leben ist schön. Von einfach war nie die Rede.

  19. AW: [IS] Hornstrandir, Polarfüchse und der Nordwesten

    #19
    Zitat Zitat von Rattus Beitrag anzeigen
    Tolle Fotos vom Polarfuchs Er macht auf den ersten Fotos einen etwas desolaten Eindruck, vielleicht kommt das aber auch von den Bildern in meinem Kopf (weißes gelecktes Fell).
    Ist saisonal abhängig und auch von der Population/Genetik.
    Wandern in Ísland?
    ICE-SAR: Ekki týnast!

  20. Fuchs
    Avatar von Rattus
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    AW: [IS] Hornstrandir, Polarfüchse und der Nordwesten

    #20
    Ja, Wiki zeigt Fotos von braun bis weiß und im Übergangsfell, hab eben nachgesehen.
    Das Leben ist schön. Von einfach war nie die Rede.

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