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    [CA] Mit dem Reiserad 4 Wochen quer durch Neufundland

    #1
    Mitreisende: elbspitze

    Der T'railway verlangt uns viel ab, dass mancherorts nur noch Schieben eine Option ist

    Wir befinden uns in Howley, mitten in der Wildnis Neufundlands rasten wir in dem kleinen, beschaulichen Städtchen. Zwei Wochen liegen nun hinter uns und wir haben erst 700 der 1750 geplanten Kilometer zurück gelegt. Der T'railway hat unsere Nerven, Kräfte und Gelenke zur Genüge strapaziert. Jeder sehnt sich nach besserem Untergrund. Bitte keine faustgroßen Steine mehr, endlich mal schneller Rad fahren als nur Schrittgeschwindigkeit, nicht immer wieder absteigen und schieben.

    Dass der Tiefpunkt der Reise bevorstehen würde, ahnt bei dieser Pause noch Keiner. Ab Ortsausgang beginnt ein sandiger, ca. 1.5 km langer Abschnitt. Fahren ist wieder mal unmöglich, doch das Schieben der Räder mit 20 bis 25 kg Gepäck fühlt sich an als würde man das Rad einen 20% Anstieg hochwuchten. Aufgrund des Gewichtes wühlt sich das Vorderrad tiefer und tiefer in den Sand. Die Sonne brennt, der Schweiß rinnt und das Mittagsmahl ist bereits nach 200 m Sand vollends verbrannt.

    Ein Ende des Sandes ist erst nach mehren kleinen Pausen und Wutausbrüchen in Sicht. Während ich bis jetzt immer die Anderen ermutigen konnte, weiter zu machen, schreie ich nun auch mal mein volles Repertoire an Schimpfworten aus mir heraus. Zum Glück versteht Einen hier Keiner.

    Nun folgt wieder Schotter, kurze Erleichterung in den Gemütern. Kurz darauf dann die Ernüchterung. Nun vermischt sich Geröll mit Sand, wo sogar die Quads ihre Probleme bekommen. 10 km wechseln wir nun mit Schieben und Fahren ab, über 10 km/h kommen wir nicht. Keine Witze mehr, kein Lachen, kein Genuss. Jeder ist in sich gekehrt, kämpft mit sich und den Gegebenheiten.

    Nach Howley und den wohl härtesten 11.5 km unserer Tour endet der T'railway abrupt am Main Dam vor einem verschlossenem Zaun. Nun reicht es uns. Wir steigen ab, die Räder fallen unsanft ins Gras, wir fallen daneben genauso unsanft um und liegen einfach nur so da und starren in den Himmel.

    Haben wir uns so einen Aktivurlaub vorgestellt? Wir haben schon viele Strapazen in unseren vergangenen Urlauben durchgemacht, weil danach immer die ersehnte Entspannung kam, hier aber ist keine Entspannung in Sicht. Wir wechseln keine Worte, jeder ist vertieft in seine eigene Gedanken und doch weiß Jeder, was der Andere denkt: Tourabbruch?


    Der sandige 1.5 km ewig lange Abschnitt


    Campen direkt am T'railway


    Einer der besseren Abschnitte


    Täve gibt Mama Vorsprung am Berg

    to be continued...

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    AW: [CA] Mit dem Reiserad 4 Wochen quer durch Neufundland

    #2
    Warum Neufundland und warum mit Rad?

    Neufundland war schon immer auf unserer Liste, wir wollten es irgendwann mal mit Nova Scotia kombinieren. In 4 Wochen aber so ein großes Areal zu sehen, wäre unmöglich gewesen. Außerdem reizte mich an der Destination nur eines wirklich: Im Gros Morne Nationalpark die beiden Traversen Longe Range und Northern wandern, aber was mit dem Rest der Zeit anfangen? Was ist noch sehenswert auf Neufundland? Wie verwarfen Neufundland immer und immer wieder.
    Dieses Jahr aber kramten wir es wieder aus der Versenkung aus. Oberflächlich recherchierte ich und legte bald schon Nova Scotia ad acta. Das war uns zu überlaufen, zu viel Zivilisation. Neufundland, so groß wie die ehemalige DDR, sollte für 4 Wochen doch ausreichen. Das würde uns die lästigen Transfers sparen, Reisen am Stück war angesagt.
    Ende Juli begann ich mit der Planung. Wohl wissend, dass die Traversen Permits bereits Anfang des Jahres vergriffen sind, schrieb ich trotzdem noch einmal den Nationalpark an. Antwort: Erst wieder Mitte September möglich. War das bereits wieder das Ende von Neufundland?
    Beim Anblick der Insel auf Google Maps schoss mir auf einmal der Gedanke durch den Kopf, mal ein Ründchen mit Rad zu planen. Bei 500.000 Einwohnern sollte sich der Verkehr auf den Asphaltstraßen in Grenzen halten. Ich klickte eine Weile Punkte in die Landschaft und es entstand eine Runde über 1750 km. Klar, wollte ich den Gros Morne mit besuchen, aber auch durch das fast menschenleere Zentrum der Insel fahren.
    Beim näheren Hinschauen entdeckte ich, dass die automatische Wegführung die Route auf einem Trail mitten durch die Pampa plante. "T'railway" stand auf OSM geschrieben. Nun war ich richtig heiß. Nicht nur Asphalt, sondern auch unbefestigte, einsame Wege und Straßen.
    Die Idee wurde endlich in die Tat umgesetzt. Nachdem wir so viele Reisearten ausprobiert hatten, war nun das Reiserad dran.

    Der T'railway

    Davon hatte ich noch nie gehört, doch eine Recherche im Netz ergab einen glücklichen Zufall. Knapp 700 km des 900 km langen Teilabschnitts des TCT's, dem mit 24.000 km längsten Wanderwegnetz der Welt, verliefen von unserer Route genau auf diesem T'railway, ein ehemaliges Gleisbett, was über hunderte von Brücken führt.


    Kartenquelle Openstreetmap

    Die Zugstrecke wurde im Jahre 1988 eingestellt, da immer mehr Menschen und Ware auf den neu entstandenen und fast parallel verlaufenden Highway verlagert wurde. Nach fast 100 Jahren musste die Strecke der Neuzeit weichen. Sie wurde einst gebaut um die Hauptstadt St.Johns im Osten mit der Mine in Buchans im Zentrum und den Hafen Port aux Basques im Südwesten zu verbinden.
    Die Schienen wurden entfernt und beim Befahren des T'railways weisen nur noch alte Relikte wie 10 cm lange und 3 cm dicke Stahlnägel oder die teilweise vergrabenen Schwellen auf den alten Railway hin. Der Gleisschotter blieb und mit ihm die Ungewissheit wie gut diese Trail befahrbar sei.
    Dabei variiert nicht nur die Beschaffenheit des Belages, sondern auch die Breite des Weges. Zwischen 2 und 5 Meter gibt es alles. Manchmal ragt das Buschwerk soweit auf den Trail, dass man die Wahl zwischen schlechtem Untergrund unter Buschkontakt hat. Die einzige gute Nachricht für Bergmuffel. Es gibt keine steilen Rampen oder Anstiege. Wenn es bergauf oder -ab geht, dann meist sanft. Das war aber auch die einzige gute Nachricht, den Trail betreffend.
    Während in St. Johns oder anderen kleinen Städtchen der Untergrund gut befahrbar ist und man ohne weiteres 20 km/h fahren kann, gibt es es Abschnitte mitten in der Wildnis, wo Einem faustgroße Steine oder 30 cm tiefer Sand an der Weiterfahrt hindern. Dann kommt man mit Laufen schneller voran und ist auch sicherer unterwegs. Nicht wenige Momente hat es uns aus dem Gleichgewicht gebracht und fast einen Sturz verursacht.
    Meist hat man die Wahl zwischen zwei fahrbaren Linien, die von Pickup's und Quads gespurt worden. Dazwischen liegt meist ein 10 bis 20 cm hoher Steingeröllwall. Man muss vorausschauend fahren und entscheiden, ob links oder rechts besser ist. Eine Wahl, die gut überlegt sein sollte, denn der Spurwechsel über den kleinen Steinwall birgt Gefahren.
    Landschaftlich verläuft der Trail größtenteils durch nahezu unberührte Natur, von der man meist nicht viel mitbekommt, außer man pausiert und lässt den Blick schweifen. 100% Aufmerksamkeit sollte immer dem Trail gelten. Missachtet man diese goldene Regel und sucht nach Tieren in der Ferne, wird man mit einem Schwenker nach links oder rechts ins Gebüsch bestraft, verursacht durch einen übersehenen Stein.
    Ein was Gutes hatte der Trail allerdings noch: Entlang des Weges gibt es unendlich viele Camp Spots, die Einen förmlich dazu einladen, wild zu zelten, was auch völlig akzeptiert und toleriert wird. Auf den einsamen Abschnitten, bspw. zwischen Badger und Howley sieht man tagsüber keine Menschenseele und hat die Natur nur für sich allein.
    Nervend blieben uns jedoch die Abschnitte in Erinnerung, wo man sich teils 20 m entfernt vom Highway durch den Schotter graben durfte. Da fiel die Entscheidung nicht schwer, auf den Highway zu wechseln, der eigentlich kein richtiger Highway ist und somit auch Radfahrer zulässt. Der 2-3 m breite Seitenstreifen macht das Vorankommen ein wenig erträglicher.
    Unser Tipp: Je breiter der Reifen (2.0 oder mehr) und je weniger Luftdruck umso besser kommt man voran. Revue passierend würde ich sagen, dass der T'railway für ein voll bepacktes Reiserad nichts ist. Es verdirbt Einem ein wenig den Spaß am Radfahren. Die Gelenke schmerzen, man kommt langsam voran und sieht nichts von der Gegend. Weniger bepackt mit einem Fatbike und den neuzeitlichen Rahmen-, Sattel- und Lenkertaschen, ggf. noch mit Rucksack und die Sache könnte richtig Spaß machen.
    Am Rande sei erwähnt, dass der T'railway durchaus auch als Wanderweg zu empfehlen ist, gerade für Leute mit wenig Trittsicherheit. Außerdem ist er gut geeignet für Wanderer mit Pilgerwagen oder abenteuerliche Familien wie wir, die mit Kinderbuggy unterwegs sein möchten. Im Winter ist es gut vorstellbar, den Trail auch mit Pulka zu bestreiten, zumal einige Abschnitte durch die Schneemobile gut gespurt sein sollten.
    Neben den Tipps auch eine Warnung: Obwohl der Railway mal Städte verbunden hat, gibt es auch Abschnitte, wo man je nach Reisestil auch mal 4-5 Tage unterwegs ist, ohne durch eine Stadt oder Dorf zu kommen. Das heißt, hier muss mit dem Proviant gut geplant und recherchiert werden.

    Fakten zur Reise und zur Destination

    Reisedauer........................28 Tage | 9.August bis 6.September
    An-/Abreise.......................Hin ab Frankfurt mit Air Canada über Ottawa nach St.Johns
    .......................................Rück über Toronto nach München
    Einreise............................ETA Registrierung online zur visafreien Einreise Pflicht, 7 CAD
    Klima...............................subarktisches Klima, obwohl NFL auf europäischen Breitengraden liegt
    .......................................schnelle Wetterumschwünge, starke Winde, Nächte um die 10 Grad
    .......................................tagsüber 20 bis 25 Grad
    Reiseart............................Radwandern / Bikepacking, Mitnahme der eigenen Räder
    Unterkunft........................25 Tage im Zelt, davon 7 auf Campingplätzen, Rest wild
    .......................................Vor- und Nachübernachtung im Cozy pet friendly home in St.Johns
    Reiseroute........................St.Johns - Bay L'Argent - Fähre nach Pools Cove - Grand Falls -
    .......................................Badger - Deer Lake - Gros Morne - Corner Brook - Red Indian Lake - Badger
    Allgemein.........................St.Johns Halbinsel dicht besiedelt, viel Camper, sehr gute Infrastruktur
    .......................................Zentrum der Insel wild und einsam, die Nord-Süd-Straßen wenig befahren
    .......................................auf dem T'railway nahe den Orten viele Quads
    .......................................sehr viele Touristen im Gros Morne Nationalpark
    Sicherheit / Gefahren.........sicheres Reiseland, hilfsbereite und nette Menschen, wenig Kriminalität
    .......................................NFL is "bear country", es lebt dort der größere Neufundland Schwarzbär,
    .......................................aber auch Kojoten und Elche. Doch noch mehr nerven die Mücken, die auch
    .......................................bei stärksten Regen und Wind ihre Arbeit verrichten (Autan & Co.) hilflos,
    .......................................einzig Lagerfeuer hilft

    Reiseroute -und Planung und Vorbereitung

    Die Meisten werden sich an den Kopf greifen, warum man in 4 Wochen eine Runde von 1750 km plant und das mit 8-jährigem Kind im Schlepptau. Es gibt darauf drei klare Antworten.
    1. Unterm Strich sind das 60 km/Tag und bei ca. 5 Std Fahrzeit im Schnitt 12 km/h. Klingt machbar?
    2. Als Entlastung hatte ich ein 5 m langes Seil dabei, mit dem ich Täve stets unterstützen konnte.
    3. Lieber plane ich mehr und schaffe weniger als nach 3 Wochen vorm Ziel zu stehen und keinen Plan mehr zu haben.


    Unsere 8- Loop

    Die Route wurde so geplant, dass sich Schotterabschnitte mit Asphalt abwechseln würden. Camps und Wasserressourcen markierte ich nicht als Wegpunkte. Davon gab es zur Genüge. Ich widmete meine Aufmerksamkeit allen Supermärkten, Convenience Stores und Tankstellen. Hier verzeichnete ich jeden noch so kleinen Laden, notierte die Entfernung zwischen den Läden und rechnete mir das nötige Proviant dazwischen aus. Meist waren nur 2 Tage Proviant nötig, es gab aber auch Abschnitte, wo 5 Tage abgedeckt werden mussten.
    Mein Pinion Stadtrad wurde umgebaut, Schutzbleche und Lichtanlage ab, Platz für dickere Reifen schaffen. Yvonne legte sich spontan ein gebrauchtes Reiserad zu, gleiches Procedere auch bei ihr. Während bei mir 2.0er Reifen passten, reichte es bei Yvonne nur für 1.75er. An mein Rad montierte ich einen Dynamo Harvester, an Yvonne das Buschmüller E-Werk um Strom aus den Nabendynamos zu quetschen. Zusätzlich bestellte ich noch den 31L Packsack von Ortlieb, der quer über die Hintertaschen kommen und als Proviantsack dienen sollte.
    Die Räder wurden bei der Airline angemeldet und bezahlt, Kartons beim Radhändler in der Nähe besorgt. Mit drei Radkartons und Gepäck hatte unserer VW Passat sein Packvolumen deutlich überzogen. Wir mieteten also einen Van an, so konnten wir ab unterschiedlichen Flughäfen fliegen und sparten uns die Parkkosten. In St.Johns buchten wir eine preiswerte Unterkunft für 44 Euro gesamt als Vor- und Nachübernachtung und sprach mit denen ab, dass ich die Radkartons die 4 Wochen dort unterstellen könne. In St. Johns buchte ich noch bei Red Yellow Cab zwei Taxis, die nötig waren um uns zur Unterkunft zu fahren.

    Mehr Informationen findet Ihr auch hier: http://www.taeve-supertramp.de/neufundland-2019/


    ....und nun denkt man, der Plan sollte doch aufgehen. Tat er aber nicht
    Geändert von elbspitze (26.09.2019 um 12:45 Uhr)

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    AW: [CA] Mit dem Reiserad 4 Wochen quer durch Neufundland

    #3
    10.August | Das Strandcamp

    Es ist 9 Uhr, von selbst werde ich nicht wach, ich brauche die Unterstützung des Weckers. Wir waren erst 1 Uhr gelandet, gegen 2.30 Uhr fielen wir ins Bett. Erst einmal ausgiebig frühstücken, danach werden die 11 Taschen gepackt. Der weilen baue ich die Räder zusammen. Gegen 12 Uhr kommen wir los, nicht verspätet, sondern so geplant. Heute sollen nur noch 40 km gefahren werden, Hauptsache raus aus St. Johns. In Nähe besorgen wir alles Nötige. Wie praktisch doch die großen amerikanischen Einkaufsareale sind. In Laufdistanz finden wir alles, was wir brauchen.


    Der T'railway zieht sich mitten durch St. Johns

    Skeptisch beäugen wir den wechselhaften Wolkenhimmel. Die Wolken ziehen schnell vorüber, dazwischen immer wieder dunkle Fronten. Das Navi führt uns vorerst auf Hauptmagistralen zum T'railway, der quer durch die Stadt führt. Lange dauert es nicht und wir fahren die ersten Meter auf dem ehemaligen Gleisbett. Richtig gut lässt es sich rollen, auf dem platt gewalzten feinen Schotter. So kann es bleiben. Nun wollen wir Kilometer schrubben, doch werden erst einmal durch einen Starkregen ausgebremst. Zum Glück finden wir Unterschlupf unter einem kleinen Vordach einer Schule.


    Das nenne ich mal ne Pfütze


    So wohl ist uns bei der Sache aber nicht, denn links und rechts davon läuft das Wasser in Strömen die Wände hinunter, schön über mehrere Steckdosen hinweg. Wir halten Abstand und warten nur noch auf den Moment bis wir hier Alle unter Strom stehen. So schnell wie der Regen kam, geht er auch wieder. Ab auf's Rad und weiter. Auf dem Weg treffen wir auf viele Jogger und Mountain Biker, die uns nett grüßen und den Daumen zeigen.

    Bald wird es ruhiger, weniger Verkehr, mehr Wohnsiedlungen, kaum haben wir die Peripherie der Stadt erreicht, setzt erneut Starkregen ein. Wiederum finden wir Unterschlupf in einem Pavillon unweit eines Spielplatzes. Ja, wir wissen, hier gibt es noch solche Schutzmöglichkeiten, doch mitten im Zentrum der Insel würden wir alt aussehen. Daher traf ich die Vorkehrung und packte das Tarp ein. Das soll nun zur Not aufgebaut werden. So schnell wie hier aber der Regen kommt und wieder geht, amüsieren wir uns gerade bei dem Gedanken, dass es wieder aufgehört hat zu regnen, wenn ich das Tarp endlich mal abgespannt habe.

    Wir sitzen noch ein bis zwei weitere Fronten aus, dann kommt es am Horizont heller und wir fahren weiter. Nun ändert sich der Untergrund schlagartig. Nichts mehr mit genüsslichen Dahinrollern und Umherschauen. Nein, nun gilt die volle Konzentration dem Weg. Wir holpern nur so über die Steine hinweg. Die Pfützen meiden wir, wo es nur geht, denn Niemand weiß, was in ihnen lauert. Keiner will sich die Blöße geben und sich gleich am ersten Tag in einer Pfütze baden.


    Der T'railway zeigt nun sein wahres Ich

    So eiern wir dahin und ich ermuntere die Familie, dass wir bald wieder auf Asphalt stoßen werden. Noch keine 10 km T'railway und wir wissen bereits, dass wir jede Möglichkeit nutzen sollten, Asphalt zu fahren, wo es nur geht. Langsam aber sicher kommen wir in waldiges Gebiet, kleine Örtchen reihen sich wie an einer Perlenkette am Ufer entlang. Der Autoverkehr ist noch sehr stark, wir pausieren an einer Kirche und genießen den Ausblick auf die Bucht. Yvonne erwähnt nebenbei, dass eine Frau im Flieger meinte, dass aktuelle viele Wale vor Ort sind. Wir halten also Ausschau, sehen aber keine.


    Keine Wale in Sicht, dafür eine grandiose Aussicht



    Die Wolke droht nur, regnen wird es an diesem Tag nicht mehr

    Auf der welligen Küstenstraße geht es nun weiter, gleich werden wir wieder den T'railway kreuzen. Dort angekommen, ein kurzer skeptischer Blick, aber siehe da, der Belag scheint besser zu sein, wir wechseln wieder auf die Schotterpiste. Obwohl wir richtig Gas geben können, fahren wir noch ohne Druck. Yvonne muss sich erst mit dem Gewicht am Rad anfreunden, taumelt ab und an von links nach rechts. Trotzdem kommen wir gut voran, haben noch genügend Zeit, da die Sonne erst 20.30 Uhr untergehen wird.


    Endlich weniger Verkehr, mehr Ruhe, Abendstimmung genießen

    Diese Zeit nutzen wir und pausieren nochmals am Strand, wo der T'railway nun endlich weg von den Straßen, einsam an der Küste entlang führt. Es kommt Abendstimmung auf und wir genießen die warme Abendsonne. Sowas kannten wir von unseren bisherigen Reisen nicht, wo wir stets gegen Nachmittag am Camp waren. Mit der untergehenden Sonne noch unterwegs zu sein, das hat was melancholisches. Sehr relaxt radeln wir nun weiter, Alle scheinen noch ein wenig vom langen Flug geschafft.

    Ich schlage nun vor, schon hier mal nach einem Camp Ausschau zu halten. Nicht ohne Grund mache ich mir Sorgen, was geeignetes zu finden, denn immer wieder stehen am Strand Häuser. Auf dem Navi kann ich jedoch ein 1 km langes Waldstück erkennen, was wir soeben passieren. Glücklicherweise geht sogar ein kleiner, ausgetretener Pfad links in dieses Wäldchen hinein.


    Das Strandcamp mitten im Dickicht widerspenstiger Äste


    Täve und ich verschwinden im Busch und kehren bald mit der frohen Nachricht zurück. "Camp und Wasser gefunden". Nach 33 km heißt es Zelt aufbauen, Fahrräder unter dem Tarp vor Regen schützen und dann die letzten Sonnenstrahlen des Tages genießen. Wir sind zufrieden mit dem Verlauf des ersten Tages, stinken aber und sind hungrig. In einem kleinen Wasserloch, nicht weit vom T'railway entfernt, waschen wir uns in gehockter Stellung. Wir wollen doch die Abendspaziergänger nicht erschrecken.


    Die Räder werden unterm Tarp vorm Regen geschützt und sind auch noch gut versteckt



    Das Wasserloch und kurz dahinter der Trailway


    Der Benzinkocher wird angeworfen und ich diskutiere mit Yvonne, wie das zukünftige Befüllen der Benzinflasche nun laufen solle. In St. Johns hatten wir uns an einer Tankstelle die Flasche selbst befüllt, wurden aber vom Personal ermahnt, dass das illegal sei. Benzin kommt nur in den Tank oder in dafür vorgesehene gelbe Kanister. "In der Not haben wir ja noch den HoBo mit, also wird schon gehen" meint Yvonne. Toll, wieder die neuen Töpfe über dem Feuer einsauen, danke auch.


    Obwohl das Wasser sauber ist, filtern wir von Anfang an

    Die Sonne ist kaum untergegangen und wir beschließen mit ihr schlafen zu gehen, auch Täve widerspricht nicht. Doch ein Schlückchen vom leckeren, kanadischen und nebenbei schweinisch teureren Rum muss aber sein. Wir stoßen auf einen erfolgreichen Start und einen tollen Urlaub an und fallen ins Zelt. Die Daunenschlafsäcke reichen als Decke völlig aus, es sind ca. 14 Grad und angenehm warm.
    Geändert von elbspitze (01.10.2019 um 22:28 Uhr)

  4. Fuchs
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    AW: [CA] Mit dem Reiserad 4 Wochen quer durch Neufundland

    #4
    Neufundland!
    Zweimal war ich jetzt für je 5 Wochen da - und habe es lieben gelernt!
    Ich war allerdings wandern, auch in den Gros Morne (auch Northern und Long Range Traverse).

    Ich freue mich auf bekannte und noch unbekannte Orte und eure Erlebnisse und Begegnungen!



    Der Puffin in meinem Avatar ist auch ein Newfie :-)
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    AW: [CA] Mit dem Reiserad 4 Wochen quer durch Neufundland

    #5
    @Meer Berge Was macht man 5 Wochen und das 2x auf Neufundland? Wo warst Du sonst noch wandern? East Coast Trail? Wir könnten uns maximal ein 2.Mal Neufundland und T'railway im Winter mit Pulka vorstellen.

  6. Fuchs
    Avatar von Meer Berge
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    AW: [CA] Mit dem Reiserad 4 Wochen quer durch Neufundland

    #6
    Beim ersten Mal bin ich den ECT gelaufen, macht incl. Tage vorher und nachher in St. John´s 3 Wochen. Dann habe ich mir ein Auto gemietet und bin zu den Puffins nach Elliston und zu den Gannets am Cape St. Mary´s gefahren und habe dort jeweils einige Tage verbracht. Dazwischen einige Tagestouren hier und da. Auch in manchem Dorf habe ich zwischendurch einige Zeit verbracht, weil ich mich mit Fischern, Leuchtturmwärtern oder anderen Leuten festgequatscht habe ...

    Beim 2. Mal Bin ich erst eine Weile durch die Table Mountains gelaufen, dann durch den Gros Morne incl. der Northern und Long Range Traverse, habe dann viele Tagestouren und kürzere Mehrtagestouren auf der Northern Peninsula gemacht, um dann wiederum per Leihwagen an der Nordküste entlang zurück nach St. John´s zu gurken, wiederum mit vielen Wanderungen zwischendurch.

    Ich wollte eigentlich den in Planung befindlichen International Appalachian Trail laufen, zu dem es immerhin schon ein paar Eckdaten gibt, aber der Wetterbericht hielt mich davon ab: für die kommenden 10 Tage Sehr viel Regen und ständige Gewitter. Dabei wollte ich mich nicht durch wegloses Gebirge mit voraussichtlich viel Bush whacking und ein paar Flussquerungen kämpfen. Das steht aber noch auf meiner Liste ...
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    AW: [CA] Mit dem Reiserad 4 Wochen quer durch Neufundland

    #7
    11.August | Das Fuchscamp


    Dieses Mal lassen wir den Wecker weg, mit den ersten Sonnenstrahlen gegen 6 Uhr werde ich wach, aber wie ihr das vermutlich auch kennt, schläft es sich morgens irgendwie am besten. Daher drehe ich mich noch einmal um und stehe erst 8 Uhr auf. Tolles Wetter erwartet mich vorm Zelt. Ich koche erst einmal einen vollen Topf Wasser für Kaffee, Grießbrei und Milch auf. Unterdessen regt sich was im Zelt. Nun werden auch Täve und Yvonne wach. Sie wollen nicht aufstehen, fühlen sich eher genötigt, weil Papa wieder mal Stress macht.


    Eine ungebrochene Regel: Papa steht als Erster auf

    Gemeinsam frühstücken wir ausgedehnt, während durch die Baumwipfel die Sonne unsere Rücken erwärmt. Das ist schon mal ein guter Start in den Tag. Wenig später sortieren wir die Sachen in den Taschen neu. Das Gewicht soll ausbalanciert sein. Daher kam auch die Idee mit der breiten Querpacktasche auf. Hätten wir das variable Proviant in den Seitentaschen verstaut, hätte jeden Tag neu ausbalanciert werden müssen. So aber liegt nun die Provianttasche quer und ist stets ausgeglichen. Außerdem kann das Essen immer in der Tasche verbleiben und ermöglicht durch die Breite einen sofortigen Zugriff auf alle Sachen.


    Mit Morgensonne aus den Federn

    Schon beim ersten Packen merke ich, dass es schneller von der Hand geht als beim Wandern. Man kann immer wieder eine Tasche packen, dann kommt die nächste dran. Gefühlt macht das mehr Spaß und läuft geordneter ab. Gegen 10.30 Uhr wuchten wir dir Räder wieder durch das sumpfige Terrain auf den Weg. Aufsitzen und durchstarten. Es rollt immer noch flüssig dahin. Nach 5 km wird jedoch der Untergrund schlagartig schlechter, wir wechseln auf die Straße und nehmen lieber den Autoverkehr in Kauf.

    Wir fahren weiter an einer mäßig stark befahrenen Küstenstraße entlang. Die Stimmung, die wir einfangen, ist fantastisch. Fischerboote liegen vor Anker, Familien entspannen am Strand oder in den idyllisch gelegenen Häusern. Man wird förmlich von der Ruhe mitgerissen und wir pausieren am Maloneys Beach. Da der T'railway keine 10m entfernt von der Straße entlang führt, fällt die Entscheidung leicht, welchen Pfad wir nach der Pause einschlagen.

    In Avondale ist ein Stopp obligatorisch. Erst hatten wir noch drüber gesprochen, dass es interessant sei, mal Züge zu sehen, die früher auf den Gleisen gefahren sind und just hier wird unser Wunsch erfüllt. Täve klettert auf einem ca. 4m hohen Schneeschieber herum, der im Winter vor die Lok gespannt wurde um das Gleisbett frei zu räumen. Imposant!


    Was für Schneemassen haben die hier denn im Winter?



    Nostalgie pur - 30 Jahre ist es nun her

    Bald aber stehen wir vor der Frage: kurzer T'railway oder Umweg auf Straße. Es rollt gerade so gut, der Verkehr lässt nach, also bleiben wir auf dem Asphalt. Der T'railway hätte noch genügend Möglichkeiten, uns zu zermürben. Kurz bevor wir den Transcanadian Highway (T.C.H.) queren, ist es soweit. Nun kommt nur noch der T'railway in Frage. Da wir nun die kommenden vier Tage überwiegend T'railway fahren werden, senke ich den Luftdruck der Reifen von 4 auf schätzungsweise 2.5 bar.

    Schlagartig lässt es sich auch schon besser fahren. Die Steine schnipsen nicht mehr wie Kugelhagel durch Gegend, es ist angenehmer für die Gelenke und man hüpft nicht mehr im Sattel so dahin. Wir unterfahren nun den TCH und entfernen uns zunehmend vom Highway. Es folgt noch eine kleine Ortschaft namens Brigus Junction und dann sehen wir nur noch einsame Hütten vereinzelt an den vielen Seen. Vermehrt sehen wir nun andere Camper mit Zelt am T'railway. Es scheinen Einheimische zu sein, die ihr Wochenende genießen und jagen gehen. Sie sind mit Quad unterwegs. Nun haben wir auch keinen Skrupel mehr, unser Zelt direkt am Weg auf zu bauen, denn Möglichkeiten gibt es hier viele.

    Nach 40 km entdecken wir ein lauschiges Plätzchen am Railway Pond. Ehe wir wieder keins finden, wenn wir konkret danach suchen, nehmen wir doch lieber gleich diesen Platz. Eine Feuerstelle ist auch vorhanden, wir verzichten aber noch auf ein Lagerfeuer. Bald wird es unumgänglich sein, eins zu entfachen. Alles ist bald hergerichtet und schon jetzt zeichnet sich ab, dass 60 km / Tag auf dem T'railway unmöglich sind. Ich hoffe ein wenig auf die langen Asphaltpassagen, wo wir das noch aufholen können.


    Das Fuchscamp, rechts ist leicht der T'railway zu erkennen

    Der T'railway Abschnitt verbindet hier anscheinend viele kleine Örtchen und ehrlich gesagt, kann ich es nachvollziehen, dass es sicherlich auch Spaß macht, einfach nur mit dem Quads hier herum zu heizen. Wir nehmen das so hin und die Einheimischen grüßen auch immer nett beim vorbeizischen. Jedoch sind die Zeitfenster zwischen den Quads sehr eng, um mal schnell nackt in den See zu springen.

    Nun muss also alles schnell gehen. Ausziehen, nackt schnell zum 10m entfernten See rennen, waschen, schnell zurück rennen und hinterm Zelt verstecken. Erwischt Dich hier ein Quad, würden beide Seiten wohl ins Staunen kommen. Wir Nacktbader bleiben unentdeckt, nur Mr. Fuchs, dieser Voyeurist, schleicht aus dem Busch und schaut uns zu. Damit können wir alle Drei aber leben.

    Beim Abendmahl haben wir mal wieder große Auswahl: Spaghetti, Spirelli oder Bandnudeln! Mit reichlich Zwiebeln und Dosenfleisch angereichert, macht es Alle satt. Wir zwingen uns, alles schön auf zu essen und nichts weg zu hauen. Wir wollen doch keine Tiere anlocken. Was übrig bleibt, kommt in eine Radtrinkflasche und wird Tag darauf als Mittagessen wieder vorgeholt.

    Bald wird es schlagartig ruhiger, ein klarer Sternenhimmel baut sich über uns auf. Doch was ist das? Am Horizont erblicke ich einen wechselnden Lichtschein. Ich weiß aus Lappland wie Nordlichter ausschauen. Das sah anders aus, aber am Ende kann es nur ein Nordlicht gewesen sein. Wir diskutieren noch ein wenig darüber, ob das sein kann, vertagen aber die Entscheidung und gehen gemeinsam ins Zelt. Drin reden wir noch ein wenig in der Horizontalen, lachen noch ein wenig über bereits Erlebtes und sind bald Alle ruhig.

  8. Dauerbesucher
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    AW: [CA] Mit dem Reiserad 4 Wochen quer durch Neufundland

    #8
    12.August | Rohrduschencamp

    Und täglich grüßt das Murmeltier: Ich als Erster wach, ich als Erster beim Aufstehen. Yvonne beichtet mir beim Frühstück, dass sie morgens immer mal zu mir rüber schielt, ob ich noch im Zelt liege. Wenn sie mich dann liegen sieht, freut sie sich und dreht sich auch noch einmal um. Im Umkehrschluss heißt das: Wenn ich nicht aufstehen würde, kämen wir nie los. Ich kann es verstehen, es schläft sich aber auch so toll im Zelt.


    Das voll bepackte Stevens ist startklar, rechts das Zugseil zu erkennen

    An unserem Frühstücksbuffet rasen die ersten Quads vorbei und mit vollen Mund grüßen wir nett zurück. Auf einmal hören wir jedoch Stimmen ohne die begleitenden Motorgeräusche. Wir springen auf um zu schauen, was da Sache ist. Eine Gruppe von Wanderer kommt es Weges. Sie fragen, wo wir hinwollen, sie erzählen, dass sie einen verlängerten Wochenendtrip auf dem T'railway wandern gehen. Wir wünschen uns gegenseitig noch eine tolle Tour, die bei ihnen bald enden wird und bei erst begonnen hat.

    Gegen 10 Uhr sitzen wir im Sattel und folgen dem Trail weiter. Von den Wanderern erfuhren wir, dass in Whitbourne, einem Ort nahe dem T'railway ein Minimarkt existiert. Das spornt uns an, dort Mittagspause zu machen. Bis dahin sind es aber noch 20 km auf 90% gerade so zufriedenstellendem Schotter. Den Rest fahren wir auf einer Autopiste parallel zum T'railway. Dort rollt es nicht von allein, aber der Schotter ist durch die Pickups platt gefahren und daher hinnehmbarer.


    Wo es geht, werden Serpentinen gefahren


    Unterwegs legen wir immer wieder kleine Trinkpäuschen ein. Würden wir während der Fahrt zur Flasche greifen, wären wir früher oder später im Gebüsch gelandet oder man hätte sich mit der Flasche die Zähne ausgeschlagen. Entspannter geht das Trinken wohl im Stehen. Danach rollen wir immer wieder motiviert weiter. Es geht vorbei an vielen einsamen Seen, aber auch sogenannten "cabin areas". Hier stehen vermehrt Häuser an den Seen, eine Art kleine Häusergemeinde ohne Ortsnamen.

    Gegen 13 Uhr erreichen wir den Minimarkt und erregen das öffentliche Interesse des kleinen Dorfes. Während wir Mittagessen, erzählt uns eine Einheimische von den vielen Kojoten-Rudeln, die hier unterwegs sind und warnt uns ausdrücklich aufzupassen. Sie haben keine Scheu und können auch Menschen angreifen, wenn sie Futter wittern. Ich beruhige erst einmal meine beiden Mitstreiter, mache mir aber so über die Aussagen der Frau Gedanken.

    Wir füllen unser Proviant im Minimarkt auf, was für die nächsten 2-3 Tage reichen muss. Dann genießen wir die letzten kurzen Asphaltpassagen des Ortes und dann geht es weiter auf der Rüttelplatte. In 3-4 km würden wir die Route 100 queren und dort entscheiden, ob wir weiter T'railway oder Straße fahren. Wir würden so nur 2.5 km T'railway auslassen, aber bereits jetzt tauschen wir gern jeden Meter T'railway gegen die Straße.


    Linke oder rechte Spur, Pest oder Cholera



    Los Mama, fahr' vor, ich bin eh bergauf schneller

    Daher fällt uns an der Straße 100 die Entscheidung nicht schwer, auf die Straße zu wechseln, wird jedoch bald hart bestraft werden. Auf dem T'railway hatten wir nicht mitbekommen, dass der Wind von vorn kam. Auf der Straße bekommen wir nun diesen Wind frontal zu spüren. Damit nicht genug, es geht auch noch bergauf. Um nicht stehen zu bleiben, nehme ich Täve ans Seil und kotze mich nun ordentlich aus.


    Route 100, um die Rechtskurve nahm der Wind ordentlich zu

    Yvonne fragt Täve, warum er denn rückwärts tritt. Er entgegnet nur, dass ihm kalt sei und er fahre sich warm. Das ist mein Sohn! Nicht, dass er mich mit vorwärts treten mal unterstützen würde, nein! Wenn Papa so ein Scheiß raus gesucht hat, darf er das auch ganz allein ausbaden. In der Ferne kann ich aufgrund der sehr geraden Straße den Abzweig auf den T'railway bereits erkennen, aber er will nicht näher kommen.

    Jetzt wünsche ich mir gern eine vorbeirauschende LKW Kolonne her, mit deren Windsog ich nach oben fliege. Aber nein, gerade diese Straße ist relativ ruhig. So kann ich wenigstens ein wenig Serpentinen auf der rechten freien Spur fahren. Da ich am Limit bin und trotzdem nur 10 km/h fahre, habe ich viel Zeit, die Landschaft rechts und links zu erkunden. Sie schleicht an mir vorbei, aber ich erspähe keine Tiere.

    Am Abzweig angekommen, wird die Pause dazu genutzt, den Puls und Schweißfluss wieder auf ein Normalmaß zu bekommen. Es geht nun vorerst kurz auf einer breiten Autopiste entlang, bevor uns der T'railway wieder hat. Bei Placentia Junction wird es wieder ernst, aber ich ermutige Alle, inklusive mich, dass wir schon mal die Augen nach einem Camp offen halten können.
    Es ist noch nicht spät, aber es reicht mal wieder. Nach 38 km finden wir ein tolles Camp direkt am T'railway, jedoch ziemlich exponiert.


    Ein schönes, ruhiges, aber windiges Camp

    Der Wind bläst uns um die Ohren und nur im Zelt ist es aus zu halten. Ich spanne komplett alle Leinen ab, dass Kaitum steht ruhiger und wir verschnaufen kurz. Yvonne relaxt und die Männer werfen erst einmal einen Stock mit Angelhaken in den See. Fische soll es geben, wenn wir einen fangen würden, hätte ich die Aufgabe gehabt, ihn aus zu nehmen und zu zubereiten. Ich, der keinen Fisch isst. Hoffen wir also mal, das Keiner anbeißt.

    Zwischenzeitlich ziehen wir mal wieder direkt am T'railway blank und lassen uns von einem Rohr berieseln, was unterhalb des Trails lang führt. Es führt ordentlich Wasser und spritzt den Dreck auch ohne Seife ab. Das Wasser ist warm und klar. Erstmals nehmen wir keinen Filter, was sich die nächsten Tage negativ auswirken sollte. Am Camp wird der Kocher angemacht und im Schutz des Zeltes mit Aluwindschutz gekocht. Der Wind hätte den Kocher vermutlich ausgeblasen.


    Die Raubtiere im Zelt sind gefüttert

    Ein Abend im Zelt entspricht nicht gerade unseren Vorstellungen von einem gemütlichen Abend, aber als Abwechslung ist es okay, zumal man mal Karten spielen und im Schein der Taschenlampe lesen kann. Nebenbei wird die Kojoten-Rudel-Frau noch einmal zum Thema. Für uns ist es einfach nicht vorstellbar, dass sich Kojoten an Menschen bewusst herantrauen und diese angreifen. Trotzdem liegt die Tarpstange griffbereit am Eingang. Das beruhigt Alle, ob und wie diese jedoch zum Einsatz kommen wird, weiß auch Niemand.


    Blick in die andere Richtung auf den T'railway und den hinter den Bäumen liegenden Big Gull Pond
    Geändert von elbspitze (03.10.2019 um 10:36 Uhr)

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    AW: [CA] Mit dem Reiserad 4 Wochen quer durch Neufundland

    #9
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    #10
    13.August | Highwaycamp

    Es gibt zwei Gründe, heute nicht motiviert das Zelt zu verlassen. Der Regen schlägt sanft aufs Außenzelt, das ist so schön einschläfernd und bei dem zusätzlichen Wind will Keiner der Erste vorm Zelt sein. Gut, wir wussten es, dass es nicht immer schön sein kann.

    Irgendwie muss es aber weitergehen, also koche ich in der Apsis und Yvonne und Täve bleiben zum Frühstück gleich im Schlafsack liegen. Füttern tue ich sie aber nicht auch noch. Wir warten ein wenig ab und dehnen das Morgenmahl aus bis der Regen nachlässt. Wirklich aufhören wird er heute nicht, die Wolken hängen tief und keine Aussicht auf Wetterwechsel.

    Also packen wir die Klamotten im Zelt zusammen. Auf engsten Raum stört Jeder den Anderen bei seinen Aufgaben. Wir wünschen uns das Keron 4 GT her, müssen aber mit dem Kaitum leben. Bald ist alles gepackt und wir sind startklar, da nimmt der Regen wieder zu. Wir warten diesen Schauer noch einmal ab, dann muss das Zelt klitschnass zusammengepackt werden. Es wird im Wassersack verstaut und die Regenklamotten werden übergestreift.


    Mama macht heute ihr eigenes Ding, ich widme mich der Motivation von Täve

    Die gute Laune lassen wir uns trotzdem nicht verderben. Im weiteren Verlauf hat der Wettergott zwar kein Mitleid mit uns, aber er gibt uns Schonfristen. Es haut immer dann wieder mal ordentlich vom Himmel, wenn gerade mal ein Unterschlupf in der Nähe ist. So orientieren sich heute die Pause am Wetter. Einmal stehen wir unter einem Vordach eines Wochenendhäuschens, dann mal halb liegend unter einem aufgebockten Camper, das andere Mal in einem alten ausrangierten Schulbus.

    Auf dem Weg queren wir die Straßen 202 und 203, dazwischen immer wieder cabin areas, die uns Schutz bieten. 1 km gönnt uns der T'railway heute sogar eine Auszeit und es geht auf Asphalt weiter. Ansonsten ist der Untergrund heute mal akzeptabel. Wir kommen voran, aber eher in mäßigen Tempi. Da uns die vielen kleinen Pausen heute jede Menge Zeit kosten, sind wir gefühlt schon eine Ewigkeit unterwegs.


    Auf dem nassen Trail lässt es sich irgendwie besser rollen

    Bis jetzt waren wir ca. 4 km westlich des TCH unterwegs. Nun nähern wir uns aber dem TCH wieder hör- und bald auch sichtbar. Da der folgende Weg aber noch näher am TCH entlang führt, entscheiden wir, hier nun nach einem Camp zu suchen. Heute ist Keiner wählerisch. Hätten wir die Heringe in den Asphalt bekommen, wir hätten direkt am TCH Camp bezogen. Nach langer Suche zu Fuß abseits des Trails finden wir nichts und müssen weiter ziehen.


    So eine Suppe, wirklich kein Lichtblick am Horizont


    Glücklicherweise entfernt sich bald der Trail wieder ein wenig von der Straße und es erscheint ein akzeptables Plätzchen. Die Straße ist zwar immer noch zu sehen und noch besser zu hören, aber an einer der schmalsten Stellen Neufundlands mit 10 km haben wir keine Wahl.

    Das klitschnasse Zelt wird aufgebaut und muss erst einmal trocken gewischt werden. Wenigstens regnet es gerade mal nicht und so trocknen unsere Körper das Zelt schnell durch. Yvonne verzichtet heute mal gern aufs Waschen. "Ich habe heute genug Wasser gesehen". Ich dagegen muss es mir heute noch geben. Bei starkem Wind und unangenehmer nassen Kälte entkleide ich mich und springe ins Wasser, wo es wärmer als draußen ist.

    Täve angelt derweil im gegenüberliegenden See. Ich fand seine Idee, dass er dort angeln darf, wo ich bade, nicht gerade prickelnd. Bei seinem Geschick hätte er mir den Angelhaken in den Oberschenkel gezogen. Beim Abtrocknen bekommt Täve einen Lachkrampf. Ich versuche vergebens bei starkem Wind, das kleine Handtuch hinter meinen Rücken zu bekommen. Ich gebe es auf und lasse den Rücken lufttrocknen.


    Das Highwaycamp, der See im Hintergrund ist Täves Angelrevier

    Am Zelt liegt Yvonne im Zelt und wird es heute auch nicht mehr verlassen. Ich koche wieder in der Apsis und Yvonne verteilt derweil beim Zuschneiden der Zwiebeln und des Fleisches so einige Reste im Zelt. Den Geruch sollten wir noch eine Weile im Zelt behalten. Es wird wieder ein Abend im Zelt, das Abendessen ist kaum verdaut, da schreien alle nach Süßigkeiten. Mama und Papa gönnen sich Rum, Täve bekommt seine tägliche Ration Cola als Belohnung.

    Trotz der Nähe zum Highway wird es bald ruhiger, auf dem Trail kommt Keiner mehr vorbei. Wir schlafen ein, der Regen nimmt wieder zu. Hoffentlich wird morgen ein besserer Tag, schlimmer konnte es nicht mehr werden.
    Geändert von elbspitze (12.09.2019 um 22:38 Uhr)

  11. Fuchs

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    AW: [CA] Mit dem Reiserad 4 Wochen quer durch Neufundland

    #11
    https://www.youtube.com/watch?v=Lg1FiA8jCZM

    Da hat man ein Tarp und nutzt es nicht -

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    AW: [CA] Mit dem Reiserad 4 Wochen quer durch Neufundland

    #12
    14.August | Elchknochencamp


    Wie in einer anderen Welt. Ich bin der Erste, der den beinahe wolkenfreien Himmel bestaunen kann. Auch der Wind hat nachgelassen. Nach den gestrigen 37 km und Schlechtwetterstimmung sollten die heutigen Kilometer wieder mit besserer Laune absolviert werden, ich bin mir sicher.


    Bei dem sanften Grashügel in der Bildmitte befindet sich der TCH

    Das Zelt kann nun richtig gut trocknen und bei Yvonne machen sich die ersten Auswirkungen des ungefilterten Wassers bemerkbar. Sie rennt immer wieder mit der Klorolle ins Gebüsch. Durchfall feinster Güte. Bald kann auch Täve das Wort Diarrhoe aussprechen, es ist in aller Munde. Wir entscheiden uns, fortan wieder konsequenter zu filtern.


    Yvonne wird beim Aufstehen erwischt, eine Sensation

    Beim Zusammenpacken stellen wir fest, dass Yvonne bei einer der Radtaschen den Gepäckträgerhaken verloren hat. Er ist komplett ausgerissen. Bei dem Weg kein Wunder. Den ersten Verlust können wir akzeptieren, die Tasche wird mit einem Spannband fixiert. Nun geht es los. Die nassen Klamotten vom Vortag können wir gar nicht alle am Rad während der Fahrt trocknen. Das würde wie ein rollender Wäscheständer aussehen. Wir verpacken sie in einem Sack und verstauen sie.

    Heute, bei dem tollen Wetter, sind auch wieder mehr Quads unterwegs. Wir müssen immer Platz machen und absteigen. Auf dem engen Trail ist nur Platz für Einen, und zwar dem mit den meisten Argumenten. Wir geben klein bei, ein wenig stört es aber. Ab und an kommen sie auch mal wie ein Geschoss um die Kurve geschossen und können es gerade so noch ermeckern.


    Platz da, Geschwindigkeit vor Sportlichkeit

    Immer wieder queren wir den TCH, entfernen uns aber auch mal wieder 2 km davon. Die Landschaft ist hier seenreich und bewaldet. Ein ideales Terrain für Elche, aber immer noch will sich Keiner von denen blicken lassen. Wir sind sicher weithin hörbar. Heute wird Mittagspause in Arnolds Cove gemacht. Es bedeutet zwar einen Umweg von 10 km, aber auf dem Weg ist es die einzige Option, Lebensmittel nach zu kaufen. Dafür ist es asphaltierter Umweg, der gut rollt.


    tolle Landschaft gleich am TCH



    Die letzten Abschnitte rollen mal wieder unterirdisch schlecht


    Natürlich befindet sich der Foodland Laden am Ende des Ortes, am letzten Zipfel. Wir durchqueren das beschauliche Hafenstädtchen und werden gegrüßt, beäugt und bestaunt. Während wir am Supermarkt uns der ungesunden Ernäherungsweise hier anpassen und es Donuts gibt, komme ich mit dem Besitzer des daneben befindlichen Jagd- und Angelladens ins Gespräch.

    Er belächelt uns ein wenig als wir nach Bärenspray fragen. "Für was braucht Ihr das?" Hee, natürlich für die Mücken. Was für eine Frage, aber er klärt uns auf, dass das nun wirklich nicht nötig sei und er deshalb sowas gar nicht verkauft. Maximal Canadian Tire würde sowas vertreiben. "Wir haben hier zwar eine Unmenge an Bären, aber es gab noch nie eine Bärenattacke". Gut, das beruhigt uns. Auch die Kojoten verharmlost er. Bei beiden Tieren reicht es aus, in die Hände zu klatschen oder "Buuh" zu machen und sie hauen ab. Wir sollten mehr Acht auf die Elche geben, die können wesentlich gefährlicher werden.

    Okay, die Info von so einem Insider klingt plausibel. Wir vergessen das nun mit dem Bärenspray und üben nun lautes Klatschen und Buuh-Rufe in Perfektion. Nach der Pause und dem Auffüllen der Provianttasche für die kommenden 3-4 Tage geht es maximal beladen wieder den Anstieg zurück. Wir durchfahren eine riesige Raffinerie bei Long Beach. Schrecklich anzuschauen in sonst so atemberaubender Natur, aber was muss, dass muss.

    Wir fahren auf der Straße 216, die eher eine Piste ist, durch den Ort mit klangvollen Namen "Come by Chance" . Knappe 40 km sind gemacht und beim Abzweig links auf den T'railway kündige ich an, schon mal die Augen wieder nach einem Camp offen zu halten, wir haben es schon wieder 17 Uhr. Da der Trail sich bald wieder an den TCH schmiegen würde, wollen wir dieses Mal ein Camp ohne Rastplatzgeräusche.


    Bei der Campsuche am Trailway


    Nach ca. 1.5 km lächelt uns ein Camp links des Trails förmlich an. Nur Wasser fehlt. Täve schreit "Ruhe!". Was für ein Bursche, er hat Wasser gehört und gefunden. Perfekter Platz mit toller Aussicht und endlich mal windstill. Heute wird zum ersten Mal Lagerfeuer gemacht um den einzigen Nachteil des Camps zu vertreiben. Die Mücken fallen über ein her, so dass wir erst einmal eine Feuerstelle herrichten und Feuer entfachen, bevor wir das Zelt aufbauen. Kurzer darauf ist Ruhe im Puff. Die kommen erst einmal nicht mehr wieder.


    Ohne Feuer geht hier und heute gar nichts



    Das Elchknochencamp



    Auf dieser Wiese genießen wir die letzten Sonnenstrahlen....



    ...gleich neben dem Schlachtplatz


    Die noch hochstehende Sonne motiviert Alle, schnell mit an zu packen. Am Ende können wir noch die letzten Sonnenstrahlen auf einer freien Wiese vor der Baumreihe genießen, direkt neben einem Elchknochenhaufen. Unser erster Elch, wenn auch tot.
    Nachdem heute mal wieder Alle waschen gingen, riecht es am und im Zelt auch wieder angenehmer. Am Lagerfeuer werden heute die noch jungfräulichen Töpfe eingeweiht und eingesaut. Benzin sparen ist ja die Devise.


    Abendstimmung draußen genießen


    Es gibt zur Abwechslung mal Kartoffelpüree mit Ei. Es kommen nur noch wenige Quads vorbei und bald haben wir die Stille für uns allein. Es knistert am Lagerfeuer und dieser Abend ist die Entschädigung für den gestrigen. Wir sitzen so lange, dass wir sogar neues Feuerholz suchen müssen. Wir sind erstaunt als wir 23 Uhr auf die Uhr schauen. Spontan sind Alle müde, es geht ins Bett.


    toller Fernblick
    Geändert von elbspitze (12.09.2019 um 22:43 Uhr)

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    AW: [CA] Mit dem Reiserad 4 Wochen quer durch Neufundland

    #13
    Zitat Zitat von Katun Beitrag anzeigen
    https://www.youtube.com/watch?v=Lg1FiA8jCZM

    Da hat man ein Tarp und nutzt es nicht -
    Wir würden es noch oft genug nutzen. Aber warum das Tarp rauskramen, wenn Unterstände in der Nähe sind?
    Oder meinst Du zum Abspannen um bei Regen vorm Zelt draußen zu sitzen? Naja, meist waren ja die Räder damit abgedeckt, aber einmal haben wir es auch als Zeltvordach genutzt.

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    AW: [CA] Mit dem Reiserad 4 Wochen quer durch Neufundland

    #14
    Man bruzzelt in Kanada nicht im Zelt. Sollte man es mal nötig finden, ist Tütennahrung praktisch.

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    AW: [CA] Mit dem Reiserad 4 Wochen quer durch Neufundland

    #15
    Zitat Zitat von Katun Beitrag anzeigen
    Man bruzzelt in Kanada nicht im Zelt. Sollte man es mal nötig finden, ist Tütennahrung praktisch.
    Genau genommen haben wir auch VORM Zelt gebruzzelt

  16. Fuchs

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    AW: [CA] Mit dem Reiserad 4 Wochen quer durch Neufundland

    #16
    Wo genau man sich eigentlich befindet, kannst du im Falle eines Falles ausdiskutieren. Warum werden die Räder abgedeckt?

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    AW: [CA] Mit dem Reiserad 4 Wochen quer durch Neufundland

    #17
    Zitat Zitat von Katun Beitrag anzeigen
    Wo genau man sich eigentlich befindet, kannst du im Falle eines Falles ausdiskutieren. Warum werden die Räder abgedeckt?
    um sie vorm regen zu schützen....

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    Avatar von Ljungdalen
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    AW: [CA] Mit dem Reiserad 4 Wochen quer durch Neufundland

    #18
    Zitat Zitat von Katun Beitrag anzeigen
    Wo genau man sich eigentlich befindet, kannst du im Falle eines Falles ausdiskutieren. Warum werden die Räder abgedeckt?
    Katun, was ist dein Punkt? Verstehe ich schon die ganze Zeit nicht...

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    AW: [CA] Mit dem Reiserad 4 Wochen quer durch Neufundland

    #19
    15.August | Karibucamp

    Das wiederum schöne Wetter und die Aussicht, dass die kommenden 5 Tage auf Asphalt rollen sollen, treibt die ganze Familie gemeinsam aus dem Zelt. Wir begrüßen den vorm Zelt wartenden Schwarm von Mücken mit einem müden Lächeln. Nach Entfachen des Feuers lachen wir. Die nassen Klamotten der letzten Tages sind beinahe trocken, nur der Geruch will nicht mehr verfliegen.

    Da wir Alle riechen, stören wir damit nur Dritte. Es geht wieder etwas später los, der Tagesablauf wird sich im Urlaub nicht mehr groß ändern. Bis 8 Uhr ausschlafen, frühstücken, packen und zwischen 10 und 11 Uhr starten. Gegen 17/ 18 Uhr ankommen. Das passt gut und der Begriff Urlaub soll nicht zu kurz kommen.

    Es sind ca. 10 km bis Gobbies Station. Dort beginnt die Straße 210, die uns nach Süden auf an die Küste führen wird. Dort angekommen, trainiere ich erst einmal meine Oberarme und pumpe je 200 Züge in die Reifen um den Druck straßentauglich zu machen. Kurz darauf passieren wir ein Schild mit der Unfallstatistik von 2018 und 2019. Letztes Jahr gab es hier über 600 Unfälle mit Elchen, dieses Jahr erst 11. Sind die Elche vorsichtiger geworden?


    Noch vor Gobbies Station beginnt der Asphalt, was für eine Entspannung

    Wir steigern uns bei der Elchsichtigung. Nachdem wir gestern nur Knochen gesehen hatten, treffen wir heute auf einen toten und kompletten Elch direkt am Straßenrand. Es riecht stark nach Verwesung, nur die Augen fehlen. Seine Zunge hängt heraus. Kein schöner Anblick. Ich möchte aber nicht das Auto sehen, welches das Tier erlegt hat. Das sieht bestimmt schlimmer aus.


    An der Hinterradtasche ist das Spannband erkennbar

    Keine 2 km auf der Straße kommt rechts der Abzweig zur Old Mill Road, die alte unasphaltierte Straße, die parallel zur Route 210 verläuft. Wir haben Sehnsucht nach Schotter und fahren auf dieser ruhigen Straße weiter. Wird schon nicht so schlimm werden, wenn es mal eine alte Autopiste war. 3 km läuft es echt gut und wir genießen den 10 m breiten, einsamen Weg.

    Als der Weg auf einmal auf Trailbreite zusammenschrumpft winken wir nur ab. Sind wir doch gewohnt, schlimmer als der T'railway wird es wohl nicht werden. Denkste! Nach einer Brücke wird zwar der Belag nicht wesentlich schlechter, dafür steht der Trail auf ca. 30 m unter Wasser. Unserer Faulheit haben wir es zu verdanken, dass wir die Schuhe anlassen und die Räder durch die 20 cm dunkle Brühe durchschieben.


    Wer nicht hören will, muss (nass) fühlen

    Keiner will den Versuch wagen, hier durch zu fahren. Gut so, denn es liegen Riesenbrocken im Wasser. Bald haben wir es geschafft und bis zur Straße ist es kein Kilometer mehr. So, genug damit, keine Experimente mehr. Nun wollen wir erst einmal genüsslich rollen und die nassen Schuhe im Wind trocknen.

    Obwohl die höchste Erhebung auf Neufundland nur 800 m ist, soll mir bitte Keiner nach dem Urlaub sagen, dass es hier nur Flachetappen gibt. Stetig geht es bergauf und -ab. Außerdem habe ich mit weniger Verkehr gerechnet. Aber wer will bei so einem Flüsterasphalt schon meckern? Wir kommen vom Inland wieder an die Küste, eine fjordähnliche Bucht umrunden wir gegen Mittag.


    Einen breiten Seitenstreifen gibt es nicht, aber die Autofahrer überholen rücksichtsvoll



    Landschaft und idyliische Örtchen wechseln sich ab

    Wir werden wieder einmal angehupt. Nein, die Neufundländer sind keine Drängler, sie würdigen nur unser sportliches Transportmittel. Immer wieder zaubert es uns ein Lächeln ins Gesicht. Radreisende scheint es hier nicht viele zu geben. Das war aber auch mein Gefühl, als ich vorm Urlaub nach diesem Thema suchte. Es gab vereinzelt englischsprachige Berichte, aber erst nach langen Suchen.

    Die Mittagspause steht an, es gibt belegte Brote. In der Sonne machen wir mal 10 Minuten die Augen zu. Es muss aber weiter gehen. Mit jedem Kilometer hat man das Gefühl, dass die Autos nachlassen, denn immer wieder kommen kleine Örtchen oder Häuseransammlungen, wo Autos abbiegen.

    Es ist so weit, wir knacken die 50 km Marke, erstmals. Das verspricht doch Gutes für die kommenden Tage. Nach dem großen See Long Pond wird entschieden, mit der Campsuche anzufangen. An der Straße was idyllisches zu finden wird sich schwer gestalten, denken wir. Doch bald sehen wir eine große Parkbucht. Hier pausieren wir. Täve und ich suchen zu Fuß weiter.


    Die letzten Meter auf dem Asphalt, bevor wir links zur Campsuche abbiegen

    Wir entdecken einen Pfad, der uns aber mit mächtig Gestank begrüßt. Komplett verstreut liegt vor uns ein völlig auseinander genommenes Karibu. Hier haben die Kojoten wohl mal ganze Arbeit geleistet. Durch den Mund atmend bewältigen wir diesen Schlachthof. Dahinter öffnet sich das Land und es wird sumpfig, ich will schon mit der Suche aufgeben, doch keine 200 m weiter treffen wir auf eine trockene Stelle direkt auf dem Trail.


    Unser Bade-, Angel- und Abwaschsee



    Exponiertes Camp, dafür mit viel Weitsicht

    Hier würde schon Keiner lang kommen, wir blockieren also den Trail. Yvonne meint nur "Hoffentlich dreht der Wind nicht". Da gebe ich ihr Recht, denn ansonsten hätten wir den ganzen Abend den Karibu Gestank gehabt. Alles geht wieder ganz schnell: Zelt aufgebaut, Räder abgedeckt, Wassersack befüllt und Angel ausgeworfen. Während wir die Abendstimmung genießen, entdecken wir einen Wanderer mit zwei Kindern. Wir winken ihm zu, er erwidert.


    Unser Karibucamp

    Er lässt es sich nicht nehmen, seine Neugierde zu stillen und kommt zu uns. Er entschuldigt sich mit den Worten "Sorry, dass ich Eure Ruhe und Idylle störe". Ralph ist ein älterer Mann, der seinen Enkeln aus Montreal die Natur näher bringen möchte. Er findet unseren Spot toll, er hat früher auch einmal viel gezeltet. Ich bemerke seinen Bärenspray am Gürtel, frage ihn, ob das nun doch nötig ist. Er erzählt von einer Schrecksekunde mit einem Schwarzbären vor seinem Haus. Seitdem ist er vorsichtig. Außerdem will er seinen Enkeln eine Wiese in der Nähe zeigen, wo Bären sich in der Dämmerung immer am Beerenfeld laben.


    Sicher eines unserer Highlight Camps

    Die nette Begegnung währt nur kurz, danach gehen wir uns im See baden. Im Wind ist es frisch, aber Jeder weiß, dass die anfängliche Skepsis bald einem unbeschreiblichen Wohlbefinden weicht. Am Zelt kochen wir das Essen wieder einmal mit Kocher, es ist zu windig für ein Lagerfeuer, außerdem gibts hier wenig Bäume.

    Der Abend ist wieder einmal eine der Abende, die einem im Gedächtnis bleiben. Die Sonne geht unter, der Sternenhimmel erleuchtet und der Wind lässt nach. Es ist mild und keine einzige Mücke quält uns. Wir lachen wieder einmal viel über Begegnungen und Situationen, haben unseren Spaß und finden schon jetzt Neufundland toll. Warum, kann Keiner sagen, aber es ist das Gesamtpaket.
    Geändert von elbspitze (13.09.2019 um 22:05 Uhr)

  20. Dauerbesucher
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    #20
    16.August | Blaubeerencamp


    Mit gemischten Gefühlen stehe ich auf. Es regnet nicht, ist aber bewölkt und frisch. Dafür steht heute eine 100% Asphaltetappe vor uns. Wir wollen so nah wie möglich bis Bay L'Argent kommen, denn übermorgen legt von dort die Fähre nach Pools Cove ab. Wir verkürzen das Frühstück und kommen so mal 10 Uhr los.


    Noch sind blaue Flecken zu sehen, die verschwinden aber bald

    Erstmals streife ich die Armlinge über, kalt ist mir aber nie, denn temporär darf ich Täve immer mal wieder die kleinen Rämpchen hochschieben. Ich verzichte auf das Seil und drücke meinen Sohn mit dem rechten Arm nach oben. Kurz vor der Bergkuppe gebe ich ihm dem letzten Schwung, während ich fast zum Stehen komme. Täve zieht dankend davon.

    Nachdem wir gestern 57 km schafften, hängt die Länge heute eher von der Nähe zum Hafen ab. Ich schätze, dass es 50 km werden. Mal schauen. Nun bleibt endlich mal Zeit, ohne Gefahr nach rechts und links zu schauen, um Tiere zu entdecken. Mehr als eine weitläufige Seenlandschaft mit zahlreichen Flüssen sehen wir aber nicht. Wo sind denn die 150.000 Elche. Werden wir je Einen lebend zu Gesicht bekommen?


    Bei solchen Ausblicken pausieren wir doch gern

    Wie immer wird dann Pause gemacht, wenn Einer danach verlangt oder die Landschaft einen Ausblick verspricht. In der Regel aller einer Stunde mal 10 bis 20 Minuten Kekspause. Es wird geknabbert und getrunken. Wie die Kekse schmecken, erfahre ich nur von Täve und Yvonne. Ich möchte mich in den Krümelstreit nicht einmischen. Da ich zum Frühstück immer die Grießreste von Täve verzehren darf, bin ich bis Mittag immer gut gesättigt.


    Eine der vielen, kleinen Pausen

    In einem kleinen Steinbruch pausieren wir, hier ist es windstill. Die vorbeirauschenden Autofahrer verrenken sich nach uns, um einen Blick zu erhaschen. Wir winken immer freundlich zurück. Vor allem die Truckerfahrer hupen Einen zu. Einige sehen wir schon zum zweiten Mal. Keine Sonne zu haben tut auch mal gut, denn wenn sie dann einmal da ist, wird es heiß.


    Die kleinen Wellen sind der Vorgeschmack auf das heutige Finale

    Die typischen nordamerikanischen, langen Straßen, die weite Einsicht in den Verlauf geben, gibt es auch hier. So sehen wir bald eine Rampe vor uns. Es scheint eine unüberwindbare Wand zu sein. Wir gehen sie portioniert an. 140 Höhenmeter auf 3 km ist eine Ansage. Zum Glück sind die steilen Straßenpassagen meist zweispurig, so bleibt viel Platz für uns beim Herumeiern.

    Eigentlich war es nicht geplant, aber oben angekommen, pfeifen Alle auf dem letzten Loch. Die Zeit und fehlende Motivation spricht für eine Campsuche. Bei km 50 entdecken wir einen neu angelegten Quadtrail. Wir inspizieren ihn, müssen weit laufen, finden aber eine weiche Plattform. Gerade hier ist aber das Wasser rar. Ein kleines Wasserloch entdecken wir auf dem Weg zurück zu Mama.


    Sohn und Papa suchen ein Camp, oben rechts des Trails findet sich ein Platz

    Das passt doch. Morgen würden es bis zum Hafen nur 20 km sein und die Fähre gegen 14 Uhr ab. Nun muss die Fähre nur noch Räder mitnehmen, denn überall steht auf den Schildern geschrieben "No vehicles" Zu was zählen Räder? Das wird noch spannend werden.

    Wir bauen unser Zelt auf, suchen Holz für den HoBo zusammen und schöpfen Wasser aus dem Wasserloch, bevor es mit Dreck und Schweiß kontaminiert wird. Bevor wir waschen gehen, gesteht mir Yvonne, dass sie sich das Radfahren nicht so anstrengend vorgestellt hat. Dem stimme ich zu, aber Aktivurlaub war ja schon immer unser Ding.


    Entspannen vorm Zelt und warten auf die warme Mahlzeit

    Täve pflückt im Umkreis eine volle Tasse Blaubeeren. Wow, sind die groß, fast 1 cm Durchmesser und so megalecker. Die gibt es zum Nachtisch. Nach dem Waschgang bereiten wir entspannt das Abendessen zu. Es ist die letzte Nudelpackung, morgen muss Nachschub im Abfahrtshafen her. Am Abend spähen wir die weit einsehbare Umgebung mit dem Fernglas aus, aber alle Tiere scheinen sich wieder hinter den Bäumen zu verstecken.


    Mini-Lagerfeueridylle am Blaubeerencamp

    Der Abend zieht sich heute nicht sonderlich in die Länge, wir sind ein wenig müde und morgen müssen wir früher raus um Puffer zu haben. Wir wollen die Fähre doch nicht verpassen.

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