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    AW: [CA] Mit dem Reiserad 4 Wochen quer durch Neufundland

    #21
    Mitreisende: elbspitze
    17.August | Schulbuscamp


    Wir müssen zeitiger raus, das geht auch ohne Wecker, dafür aber bitte mit ein bisschen mehr Motivation. Kein Problem, denn 50 der heutigen 80 km sollen mit Fähre zurück gelegt werden. Also stehen wir normal auf, ziehen aber das Frühstück nicht unnötig in die Länge. Noch ist es bewölkt, aber als wir losfahren, zieht mehr und mehr der Himmel auf.


    Wir sind im Aufbruch, zusammen packen und los geht's

    Da wir Zeit haben, fahre ich ein wenig vor, lege mein Rad an den Straßengraben und lege mich mitten auf die Straße. Hier auf der Marystown Halbinsel ist morgens um die Zeit nicht viel los. Ich möchte ein Video drehen, da kommt prompt ein Auto aus der anderen Richtung, bremst abrupt und schaltet die Warnblinkanlage ein.


    (INFO: Bitte kein Bildmaterial einfügen, das die Rechte Dritter verletzt. d.h. i.d.R. keine Musikvideos, TV-Serien etc. )

    Yvonne lacht und meint, dass er dachte, dass ich einen Unfall hatte. Gut, das sehe ich nun auch erst jetzt. Da liegt ein Rad quer und Jemand liegt auf der Straße. Nett, dass die Leute helfen wollen. So war das nicht gewollt. Wir haben genug Zeit und trödeln weiter des Weges. Die Straße 212 zweigt nun von der 210 ab und bald erreichen wir den Abzweig zum Hafen. Hier gibt es eine Tankstelle. Ich versuche mein Glück, die Flasche aufzufüllen.


    Die Straßen werden einsamer, dafür aber auch ruppiger

    Die Frau meint nur, dass ich doch Gas und kein Benzin benötige. Sie kennen anscheinend nur Gaskocher. Ich lasse sie an der Flasche schnüffeln. "Okay, ist wirklich Benzin" Ohne Probleme lässt sie mich zapfen. Erstes Problem des Tages gelöst. Wir fahren weiter und erreichen nach 4 km das Nest Bay L'Argent. Der von mir recherchierte Minimarkt hat geschlossen. Nicht nur jetzt, nicht nur heute, nein für immer.


    Es rollt so dahin, bis zum Hafen ist es nicht mehr weit. In Täves Satteltasche befinden sich die Regenklamotten



    Die Küste hier unten ist hinter jeder Ecke ein erneuter Hingucker

    Zweites Problem des Tages nicht gelöst. Okay, in Pools Cove soll es auch was geben. Füllen wir halt unsere Reserven im Zielhafen auf. Wir fahren zum kleinen Hafen, wo auch schon Einheimische auf das Schiff warten. Wir haben noch 1 Stunde Zeit und schlendern durch das Örtchen. Beruhigt bin ich aber erst, nachdem wir die wartenden Fahrgäste gefragt haben, ob das Schiff auch Fahrräder transportiert. Drittes Problem gelöst, sie nehmen sie mit.


    Warten am Hafen, im Hintergrund lösen sich die Wolken auf



    Das Schiff erscheint und wir sind bereit

    Jetzt steht der Minikreuzfahrt nichts mehr im Wege. Mit jeder Stunde klart der Himmel mehr und mehr auf. Pünktlich legt das kleine Schiff an, welches ca. 30 bis 40 Personen fasst. Daneben kann es auch so einiges an Fracht mitnehmen. Die Radtaschen kommen in einen Container, der aufs Schiff gehoben wird, die Räder werden an der Reling fixiert.


    Der überschaubare Hafen von Bay L'Argent

    Die Fahrt wird, mit einem Zwischenstopp in Recontre East, ca. 3 Stunden dauern. Wir zahlen ca. 30 Euro für Alle zusammen, die Räder sind gratis. Kaum haben wir den Hafen verlassen, strahlt die Sonne mit voller Kraft. Yvonne ist müde und will schlafen, ich muss draußen sitzen und suche auf der ruhigen See nach Walen. Eine Finne taucht auf einmal weit in der Ferne aus dem Wasser auf.


    Wir verlassen die Bucht und etwas entfernt von der Südküste geht es nun Richtung Westen



    Sie springen aus dem Wasser und ich bin zu langsam für DAS Foto

    Nein, das sind keine Wale, es sind Delfine. Damit habe ich nun hier nicht gerechnet. Ich bin begeistert, meine anfängliche Müdigkeit ist verflogen, ich will nun noch mehr sehen. So kommt es auch, denn nun begleitet ein Schwarm das Schiff längsseits und auch in unmittelbarer Nähe springen die Delfine nur so aus dem Wasser. Yvonne ärgert sich wenig später, als ich ihr von dem Schauspiel berichte.


    Die wertvolle Fracht ist trotz ruhiger See gut gesichert



    Recontre East in Sicht

    Es sind keine 10 Passagiere an Bord, alles läuft familiär ab. Nach der Hälfte der Zeit legen wir in Recontre East an, ein Ort, der nur per Schiff erreichbar ist. Sie werben mit dem Slogan "Isolated and loving it" Das trifft hier wirklich zu. Kurz ringe ich mit dem Gedanken, hier doch eine Übernachtung zu verbringen. Der Kapitän erzählt mir von dem traumhaften Recontre Lake keine 2 km im Hinterland. Obwohl oder besser weil der Ort so abgeschieden ist, verbringen hier auch viele Neufundländer ihren Urlaub. Es gibt kleinere Guesthouses und einen Minimarkt.


    Die Küste hier unten ist sehr abwechslungsreich



    In Abgeschiedenheit leben, anscheinend nicht nur unser Traum

    Es entspannt ungemein, dem Treiben hier zu zu schauen. Ausladen , einladen, beladen, nette Gespräche und knatternde Quads, die einzigen motorisierten Fahrzeuge im Ort. 30 Minuten später legen wir ab und hangeln uns weiter an der Küste entlang Richtung Westen. Wir sind uns einig. Hier mal mit dem Seekajak langfahren wäre sicher ein tolles Erlebnis. Wir erspähen sandige Buchten, umgeben von Wäldern und Felsklippen.


    Mal baumlose Klippen, dann wieder sandige Waldbuchten

    In Pools Cove angekommen schaut uns die Besatzung des Schiffes zu, wie wir uns wieder sammeln und startklar machen. Sie verabschieden sich von uns und wünschen eine gute Fahrt. Die soll uns vorerst nur zum Supermarkt führen. Nein, nicht doch. Das zweite ungelöste Problem entwickelt sich zu einem größeren. Auch dieser Laden hatte schon länger nicht mehr die Pforten geöffnet. Ein wenig hilflos stehe ich am Straßenrand, da kommt der Kapitän des Weges und meint, dass keine 5 Häuser weiter ein neuer kleiner Markt aufgemacht hätte.

    Bei uns Allen sieht der Kapitän Erleichterung in den Gesichtern, lachend verabschiedet auch er sich. Im Minimarkt bekommen wir alles, was wir brauchen. Nudeln, Brot, Marmelade, Aufstriche, Cola und Süßigkeiten. Die Preise hier sind noch höher als sonst schon und noch nie haben wir eine solche Markendominanz von Pepsi gesehen. Coca Cola ist Mangelware, wir müssen uns mit dem fremdartigen Geschmack von Pepsi anfreunden und gewöhnen uns auch bald daran.

    "Bis jetzt wurde gekleckert, nun wird geklotzt!" Es war bis jetzt ein entspannter Tag, aber nun heißt es von Meter 0 auf 100 hoch zu klettern. Da wir nun für die kommenden 3 Tage Proviant geladen haben, ist die Anstrengung deutlich spürbar. Eigentlich wollen wir nur aus Pools Cove raus und die erste Möglichkeit nutzen, Camp zu beziehen. Doch es will einfach keine Möglichkeit kommen.

    Kurz bevor eine Rampe weitere 100 m hoch geht, entdecken wir links eine Waldschneise zum Fluss. Hier steht ein ausgedienter gelber Schulbus. Für uns ist es nicht erkennbar, ob es ein Privatgrundstück ist. Wir bauen unser Zelt unten nahe dem Fluss auf. Es ist schon etwas später, nach 18 Uhr. Die Abendstimmung am breiten Fluss nutzen wir um baden zu gehen. Täve baut ein paar Boote und lässt sie treiben.


    Unser Schulbuscamp



    Leise rauscht der Fluss dahin, fast einschläfernd



    Tolle Abendstimmung und kein Tier zu sehen

    Umgezogen stehen wir gerade am Zelt, da erscheint keine Minute zu früh ein Pick-up. Ein Mann steigt aus. Wir kommen ins Gespräch. Er meint nur, dass der Schulbus ihm gehöre und es für ihn kein Problem darstelle, dass wir hier zelten. Ein wenig unwohl war uns bei der Sache schon, nun sind wir beruhigt. Er bietet uns bei schlechtem Wetter noch seinen Schulbus an und lässt ihn offen. Dann fährt er wieder und wünscht uns einen schönen Abend.

    Wir packen den HoBo aus und trotz weniger Kilometer heute, wird auch dieses Mal keine Nudel übrig bleiben. Die Fähre heute, da sind wir uns Alle einig, war ein kleines Highlight der Tour. Eine Abwechslung, um mal nicht nur Asphalt oder Steine zu sehen. Ursprünglich hatte ich erst eine Fährfahrt bis Burgeo geplant, was locker 300 km gewesen wären. Das schien uns zu lang, der heutige Trip dagegen genau richtig.


    Der HoBo reicht aus, um die Mücken zu vertreiben


    "Irgendwie haben wir immer Glück" meint Yvonne. Erst die geschlossenen Läden, dann die Ungewissheit der Radmitnahme, einfach alles. Es findet sich immer ein Weg. Ob sie damit für diesen Urlaub Recht behalten sollte?
    Geändert von elbspitze (14.09.2019 um 11:49 Uhr)

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    #22
    18.August | Lakeview Terrace Camp

    Es weckt uns keine wärmende Sonne, aber bei dem gestern schon beäugten Anstieg brauche ich die wohl auch nicht, um auf Betriebstemperaturen zu kommen. Wir freuen uns auf die Straße 360, die sehr zentral von der Südküste nach Grand Falls auf den TCH in den Norden führt. Sie wird wohl noch ruhiger und einsamer sein.

    So richtig ist noch Keiner aufgewärmt und motiviert, also wird die Rampe hoch geschoben. Viel langsamer sind wir mit der Vorgehensweise nicht wirklich und belastet mal andere Muskelgruppen. Wir müssen heute noch auf 300 m Höhe, das bedeutet, längere Anstiege und kürzere Abfahrten. Es ist ein wechselhafter Tag, der Wind steht gut und drückt ein wenig von hinten.


    Wir haben die Straße für uns und können zum Quatschen nebeneinander fahren

    Die Landschaft hier ist so anders im Vergleich zu den Vortagen. Weniger Baumbestand, viele Seen, Sümpfe, grasige Hügel. Weit kann man in die Ferne blicken, der Straßenverlauf weithin sichtbar. Es bleibt viel Zeit, in der Gegend nach Tieren zu suchen. Schließlich soll sich hier im Süden und im Zentrum die höchste Bärenpopulation befinden. Nun müssen wir doch mal Glück haben.


    Die Anstiege sind sanft, der Belag gut, so kann es weiter gehen



    Am Straßenrand entdecken wir immer wieder Elchspuren

    Yvonne stellt fest, dass es sicher ein noch größeres, noch wilderes Abenteuer wäre, hier im Hochland querfeldein zu wandern. Ich gebe ihr Recht, weise aber auf die sehr sumpfige, wasserreiche Landschaft hin. Sicher kein Spaziergang. Ich hatte bei der Planung ja vergebens nach einer Schotterpiste gesucht, die das Zentrum von Ost nach West durchquert. Ich traf auf eine Option, die aber an einem großen Fluss auf der einen Uferseite endete, jedoch auf der anderen weiter Richtung Westen verlief. Es wäre DIE Route gewesen, aber zu ungewiss.

    Die wenigen Autos, die uns überholen, hupen freundlich und halten stets mehr als genug Abstand. Täve will heute keinen Meter unterstützt werden. Er ist hoch motiviert und gut gelaunt. Eine Belohnung hierfür sollte er heute noch einfordern. Wir pausieren etwas abseits des Straßenrandes. Während ich einen Apfel zugeschmissen bekommen, teilt sich der Rest der Bande die leckeren Digestive Kekse. Täve überlässt mir die Krümel, mit einem übertriebenen "Danke" würdige ich diese nutzlose Geste.


    Gut gelaunt auf den langen Straßen unterwegs


    Bei km 42 kommen wir am Jipujijkuei Kuespem Provincial Park vorbei. Was für eine blöde Werbung am Straßenrand. Nicht wirklich kindergerecht. Es ist ein Zelt, ein Spielplatz und ein Badesee abgebildet. Ich versuche Täve mit Blick nach rechts abzulenken, aber er zeigt auf das Schild links. Für die Frage "Können wir hier bleiben?" setzt er seinen besten Hundeblick auf. Obwohl es erst 14 Uhr ist und wir gut voran kommen und Keiner fertig ist, soll er seine Belohnung bekommen.

    Die Nacht kostet schlappe 8 Euro gesamt, dafür bekommt man auch nur einen rudimentären Stellplatz ohne Dusche und Strom. Wir suchen uns ein lauschiges Plätzchen aus, die als Separees an einer Wegschleife liegen. Wir schnappen uns ein Camp mit Terrasse zum See. Viel los ist hier nicht, nur noch ein Camper ist anwesend und ein paar Tagesgäste im Freibad etwas weiter entfernt.


    Das Lakeview Terrace Camp

    Richtig glücklich bin ich mit der Entscheidung nicht, Täve verspricht mir aber, morgen mal so richtig los zu legen. "Hhm, irgendwie versuchen wir das seit einer Woche schon?" denke ich mir und begrabe mehr und mehr den 8-Loop-Plan. Egal, Urlaub ist Urlaub und der Maßstab ist immer Täve, das wissen und akzeptieren wir. So entspannt Yvonne im Zelt und die Männer erkunden die Gegend.

    Mit dem Rad und ohne Radtaschen eiere ich Täve wie ein Besoffener hinterher. Komisches Fahrgefühl. Da das Freibad mit Spielplatz Eintritt verlangt und ich kein Geld dabei habe, meint Täve, dass er noch einen anderen Spielplatz gesehen hätte. Den steuern wir nun an. Doch eine kleine Maus im Unterholz erweckt unser Interesse. Einmal eingefangen, bleibt sie in Täves Hand sitzen und lässt sich streicheln. Am Ende putzt sie sich sogar und entspannt völlig.


    Ist das eine Etruskerspitzmaus?


    Am Spielplatz angekommen, lasse ich meine Gedanken treiben und Täve tollt herum. Das Glück steht ihm ins Gesicht geschrieben, was will Papa mehr? Am Zelt gibt's ein wenig Schulunterricht, bisschen lesen, schreiben und rechnen, sonst muss Täve ab der 2.Klasse bei Null anfangen. Wir vertreiben uns den Nachmittag mit Gesprächen und Radpflege. Mein Gates Riemen quietscht durch den Dreck nur so dahin, ich muss diesen mal reinigen und die anderen beiden Ketten ölen.

    Ziemlich zeitig essen wir zu Abend. Wir sparen uns das Benzin und nehmen wieder einmal den HoBo. Es gibt mal Reis, der soll eigentlich stopfen, aber nicht unsere Mäuler. Jedes Reiskorn ist ein Kampf und der Topf wird mit dem Finger sauber geputzt. Unterm Wassersack duschen wir alle Drei, müssen aber Acht auf vorbeifahrende Autos geben. Ab uns an patrouillieren hier die Parkangestellten.


    Ausblick auf den River Pond

    Was wird der Tag wohl morgen bringen, wo werden wir Camp beziehen und was werden wir erleben. Genau diese Ungewissheit ist das Schöne am Urlaub. Der Abend klingt ziemlich früh aus, kurz nach Sonnenuntergang gehen wir ins Zelt. Ich spreche aus Erfahrung, wenn ich sage, dass dies nicht bedeuten soll, dass wir morgen eher aus den Federn kommen.

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    #23
    19.August | Straßencamp

    Wieder einmal haben wir Glück mit dem Wetter. Im Wald und Zelt merken wir das aber nicht. Erst, als wir auf der Terrasse stehen, prophezeie ich einen perfekten Tag. Es geht nun weiter auf der Straße Richtung Norden und die Landschaft nimmt an Bewaldung wieder zu.


    Frühstücksbuffet errichtet, die Meute kann drüber herfallen

    Der Wind steht heute, von Süden kommend, richtig gut und schiebt ordentlich. Man hat das Gefühl, die kleinen Wellen fast von allein hoch zu rollen. Ohne große Anstrengung in der Ebene haben wir Zeit für viel Gespräche und Rundumblicke. Zum ersten Mal sehen wir eines dieser gelben Elch-Warn-Schilder. Keine 50 m danach, Yvonne und Täve rollern gerade etwas weiter vor mir, knackt es rechts im Wald im Unterholz.

    Ein Elch stolpert über Äste und ich kann nur noch seinen breiten Arsch sehen. Yeah, einen lebender Elch gesehen. Ist zwar auch noch steigerungsfähig, aber immerhin. Tummeln sich die Elche etwa nur an diesen Warnschildern herum? Der Verkehr hält sich in Grenzen. Mal kommen 5 Autos auf einmal, dann mal wieder 10 Minuten Asphaltidylle.


    Es rollt nur so dahin

    Die Autoruhepausen nutzen auch viele Eichhörnchen, um die breite Straße zu überqueren. Witzig wird es immer dann, wenn sie bereits mitten auf der Straße stehen, uns entdecken und sich dann hektisch hin- und herdrehen und doch wieder zurücklaufen. Das sorgt bei uns immer für maximale Erheiterung.

    Täve entdeckt am Wegesrand sogar ein Fuchs, der im Graben parallel zur Fahrbahn sicher nach Abfällen sucht. Was ist das hier für ein Leben an der Straße. Da fahren wir durch viel wildere Abschnitte und sehen nichts und hier kommen wir uns vor wie bei einem Zoobesuch.


    Ferne, einsame Straßen

    Die Straßenverlauf ist wieder mal weit ein zu sehen, die kleinen Wellen versetzen uns heute nicht in Angst und Schrecken. Täve fährt allein, nur ab und an drücke ich ihn mit dem rechten Arm ein wenig über die Kuppen. Runter zu rollt er etwas langsamer, merkt aber bald, dass Papa's Windschatten ordentlich für Sog und Geschwindigkeit sorgt.

    Es rollt so genial dahin, dass ich gegen späten Mittag erschreckend aufs Navi schaue und die 40 km Marke bereits geknackt ist. Wir beschließen Mittagspause zu machen. Da man trotz der Sonne im Wind schnell auskühlt, finden wir ein ideales, verstecktes Plätzchen im Straßengraben. Die Räder stehen, mit der Pedale im steilen Schotter fixiert, sehr nahe an der Fahrbahn.

    Ungewollt von uns, erreichen wir damit, dass so einige Autofahrer langsamer fahren oder sogar fast anhalten. Unbemannte Räder, mitten im Nirgendwo? Die Neugierde, aber vielleicht auch die Hilfsbereitschaft ist hier echt ungebrochen. Wir füllen gleich noch die Wasserflaschen mit auf, denn es gibt Wasser und man kommt auch mal an die Quelle der Begierde heran.


    Die Abfahrten werden so schnell gefahren, dass man meist drüber mühelos den Anstieg hochrollt

    Dem ist nicht immer so. Neufundland ist durchzogen von Seen und Flüssen und Wasser ist wirklich kein Problem. Doch des öfteren steht man in Sichtweite, kommt aber wegen dem dichten Buschwerk oder den steilen Hängen nicht ans Wasser heran. Irgendwann haben wir dann den Wassersack an ein Seil gebunden und an Brücken das Wasser somit hochgefördert.

    Mit vollen Bäuchen und Flaschen schmeißen wir uns wieder in den Windsog, der uns weiter gen Norden trägt. Bei den Geschwindigkeiten liefern die Nabendynamos ordentlich Strom. Powerbank und Smartphones werden maximal geladen. Auf dem T'railway brachte es bei < 10 km/h nichts, sie anzuschließen. Geschwindigkeiten jenseits der 15 km/h-Marke sind schon notwendig.


    Täve zieht heute ordentlich mit, Wahsinn

    Auf einer langen Geraden überholt uns ein Auto, was ca. 500 m nach uns abrupt mit Reifengequietsche abbremst. Das erregt unsere Aufmerksamkeit und ist auch gut so. Nur so bekommen wir mit, wie ein Tier die Straße kreuzt. Alles passiert so schnell, dass nur Yvonne und ich das Tier sehen und Täve zutiefst traurig wirkt. Erst vermuten wir, dass es ein Elch war, doch nach langen Diskussionen sind wir uns sicher, es war ein Schwarzbär. Sein x-beiniger, relativ flotter Gang und das schwarze Fell waren eindeutige Indizien. Elche trotteln doch eher über die Straße und sind braun, naja und irgendwie auch größer.

    Gott, wir freuen uns, einen Bären gesehen zu haben, rollern weiter dahin. Bei km 60 machen wir nochmals eine kleine Pause an einem klaren Baggersee. Eine der wenigen klaren Seen, denn sonst ist das Wasser hier schon eher leicht bräunlich. Täve will hier Camp beziehen, aber ich kann mir besseres vorstellen.


    Yvonne ist noch gut gelaunt, weist mich aber auf eine baldige Stimmungsänderung hin

    Wir ziehen weiter, beschließen aber, bei km 70 mit der Campsuche zu beginnen. Die 10 km vergehen wie im Fluge und als wir mehr nach Spots Ausschau halten, quert dieses Mal ein Jungbär viel näher die Straße. Keine 100 m vor uns spaziert er über Straße, da gerade kein Auto kommt. Wir stoppen und beobachten ihn. Als ich zu Täve sage "Da, schau' mal, ein Bär!" bleibt dieser erschrocken stehen und schaut in unsere Richtung. Ohje, gehe bitte doch weiter deinen Weg. Ich zücke die Kamera und will noch ein Foto machen, da ist er auch schon wieder im Unterholz verschwunden.

    Was für ein Tag. Die Campsuche geht weiter und immer wieder erscheinen links und rechts enge Quadpfade, die so verwachsen sind, dass sich nach der heutigen Bärensichtung Keiner mehr hineintraut. Wir fahren also weiter und weiter. Kurz bevor wir den Northwest Gander River queren, entdecken wir links nahe der Straße ein Camp. Nach 86 km reicht das heute, wir sind nicht mehr wählerisch, denn ist ist bereits 18 Uhr.


    Das Straßencamp, ca. 50 m von entfernt

    Boar, sind wir glücklich. Der heutige 86 km lange Zoobesuch bleibt uns sicher lange in Erinnerung. Das Camp ist schnell errichtet und trotz Straßennähe sieht uns Keiner. Die Sonne ist schon hinter den Bäumen verschwunden, es wird kühler. Eine Lagerfeuerstelle gibt es schon, Totholz liegt genügend herum. Unter den Brückenpfeilern baden wir nackt und suchen immer wieder die Ufer des breiten Flusses nach Tieren ab.

    Naja, zu wissen, dass es hier Bären gibt, ist die eine Sache. Sie gesehen zu haben, wieder eine ganz andere. Jedoch 10 km entfernt von der letzten Begegnung sein Zelt auf zu bauen, eine sehr spezielle. Am Lagerfeuer bereiten wir das Essen zu und in der Abenddämmerung bemerkt Yvonne etwas sehr großes am Himmel. Sie schaut hoch und siehe da, ein Weißkopfseeadler hat uns mit seinem seitlichen Blick abgescannt.


    Der breite Northwest Gander River

    Ich verpasse den schönen Anblick, muss mich auf die Töpfe auf dem Lagerfeuer konzentrieren. Kaum zu glauben, dass man über eine Woche fast keine Tiere sieht und jetzt, heute und hier kommt man aus dem Staunen nicht mehr raus. Soll das für heute alles gewesen sein? Natürlich nicht.


    Tolle Abendstimmung, die Straße und Brücke mittlerweile ausgestorben

    Während wir das Abendessen verputzen und das Feuer leise dahin knistert, ertönt in der Nähe, auf der anderen Seite des Flusses auf einmal lautes Kojoten Geheule. Nicht nur einmal, nicht leise, nicht nur von der gleichen Stelle. Es treibt Einem die Gänsehaut über den Körper. Dabei wissen wir nicht, ob wir es schön finden und genießen oder lieber ins Zelt springen sollen.


    Yvonne beim Abwaschen

    Wir ermutigen uns gegenseitig, dass sie ja gar nicht durch den tiefen Fluss kommen können. "Na und Papa, hier ist aber eine Brücke!" meint Täve. Hhm, gut mitgedacht. Bald lässt das Geheule nach und wir entspannen uns wieder. Trotz der langen Tour heute sind wir nicht geschafft und sitzen noch sehr lange am Feuer und genießen die Einsamkeit an der mittlerweile stumm gewordenen Straße.

    Das nenne ich mal einen perfekten Tag.
    Geändert von elbspitze (01.10.2019 um 22:30 Uhr)

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    Avatar von Sternenstaub
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    AW: [CA] Mit dem Reiserad 4 Wochen quer durch Neufundland

    #24
    ein wirklich schöner und spannender Bericht! Bin gespannt, wie es weiter geht. Euer Sohn ist ja echt schon ein Tourenprofi, klasse das! Mit meinen Kindern unterwegs zu sein, fand ich auch immer besonders toll.
    Two roads diverged in a wood, and I—
    I took the one less traveled by,
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    AW: [CA] Mit dem Reiserad 4 Wochen quer durch Neufundland

    #25
    @Sternenstaub: Danke, ja Täve ist auf dem bestem Weg zu seiner 1. Tour de France Teilnahme

    20.August | Grand Falls Camp

    Die Nacht verlief ruhig und wir wollen auch nicht wissen, was so die Nacht um unser Zelt los ist. Ab und an raschelte es am Zelt, aber es waren die ca. 5 bis 10 cm großen Erdkröten, die sich zu schaffen machten. Der Tag beginnt wolkig und so wird halb im Zelt, halb vorm Zelt gefrühstückt. Früh fällt es meinen Beiden immer besonders schwer, sich zu bewegen.

    Wir hoffen heute auf weitere Tierbegegnungen, aber da wir am Ende des Tages wieder am TCH sein werden, wird die Wahrscheinlichkeit wohl eher abnehmen. Wir rollen auf der Straße 360 weiter und es muss heute ein wenig mehr Druck aufs Pedal, der Wind ist eher eine Brise.


    Die letzten Kilometer auf der Straße 360

    Mehr und mehr nimmt nun auch der Verkehr wieder zu und so sehnen wir nach 40 km der Schotterpiste entgegen, die links nach Grand Falls abzweigt. Die Straße führt weiter nach Bishop Falls und endet dort am Highway. Eigentlich soll jetzt eine große Pause her. Yvonne und Täve wollen aber die 15 km auf der Piste durchziehen und in Grand Falls Rast machen, eine der 10.größten Orte auf der Insel soll also sehr verspäteter Mittagsort und gleichzeitig Proviantnachschub bedeuten.


    Es rollt so gut, dass wir Mama hinterher hasten müssen


    Wir knabbern also an den kläglichen Resten und lassen wieder etwas Druck von den Reifen ab, denn ab Grand Falls soll es sowie so wieder auf dem T'railway weitergehen. Nun mögen böse Zungen behaupten, dass wir masochistisch seien, aber irgendwie werden wir dieser Behauptung mal wieder gerecht. Die Piste ist zwar breit und fahrbar, dafür folgt eine Rampe nach der anderen.

    Da nun mittlerweile der Magen knurrt und die Anstiege Einem die letzten Körner rauben, schieben wir ab und an paar Abschnitte, aber das Nörgeln hört nicht auf. Ich dagegen motiviere mit dem bevorstehenden leckeren Mittagessen. Die Strecke zieht sich wie Gummi in die Länge, aber dann erscheint endlich in der Ferne Grand Falls.

    Wenig später überqueren wir die Brücke, die von unserer ursprünglichen 8-Loop die Schnittstelle der Acht sein sollte. Dass wir hier jemals ein zweites Mal drüber rollen werden, bezweifle ich aber bereits jetzt. Es dauert nicht lange und wir erreichen das Zentrum des Ortes, was von Fastfood Ketten und Supermärkten übersät ist.

    Zur Belohnung gehen wir amerikanisch essen und steuern das große gelbe "M" an. Wir hauen ordentlich rein. Nach 55 km ohne große Nahrungsaufnahme hat Jeder Kohldampf. Es ist Nachmittag und es bleibt viel Zeit für die Pause und den anschließenden Einkauf. Da Tim Hortens und Mc Donalds die einzigen sind, die freies WLan bieten, nutzen wir die Zeit zur Kommunikation mit der Heimat.

    Da neben Walmart auch Dominion relativ günstig sind, wählen wir heute letzteres. Walmart ist mir zu groß und man braucht Ewigkeiten, bis man was findet. Heute sind wir überladen, 4-5 Tage Proviant müssen erst einmal verstaut werden. Dazu müssen sogar die Fronttaschen überladen werden.

    Der Weg führt uns wieder raus aus dem Ort und direkt auf den T'railway. Dieser erwartet uns in gewohnt unterirdischen Zustand. Während wir herumeiern, rauscht ein Motorradfahrer an uns vorbei. Das war knapp. Bald führt der Trail aber wieder auf eine Straße und setzt sich direkt neben dem Asphalt fort. Wir nehmen doch lieber den Asphalt.

    Leider befinden wir uns in einer misslichen Lage. Bald wird es Zeit, ein Camp zu suchen, aber die kommenden 40 km wird der Trail sich nie mehr als 500 m vom Highway entfernen und die Gegend ist hier sehr überbevölkert. Während ich mir darüber so meine Sorgen mache, endet nun bald die Straße an einem Eingang zu einem Park, während der Trail weiter gerade aus geht.

    Der Beothuck Family Park ist unsere Rettung. Es ist ein kleiner Park am See Rushy Pond. Für ca. 25 Euro übernachten wir hier nun und kommen mit der Empfangsdame ins Gespräch. Sie meint nur, dass auf den "unserviced camps" Niemand ist, nur eine Frau, die auch mit Fahrrad angereist ist.


    Der Rushy Pond See

    Das klingt spannend. Wir drehen eine Runde, um den idealen Platz zu finden und treffen die Frau. Sie ist mit einem Mountain Bike unterwegs und wir kommen ins Gespräch. Sie ist bereits den Abschnitt des T'railways gefahren, den wir noch vor uns haben. Sie schwärmt uns auch vom Gros Morne Nationalpark vor. Sie will noch weiter in Richtung St. Johns. Respekt, allein als Frau unterwegs. Sie ist weniger beladen und kehrt abends immer auf Campingplätzen ein.

    Wir haben einen Platz gefunden, breiten uns aus und sortieren alle stinkenden, nassen und dreckigen Klamotten aus. Der Haufen wird immer größer. Wir werden wohl zwei Maschinen waschen müssen. Bei den Münzmaschinen dauert das Programm aber nur 20 Minuten, eigentlich geht nur der Geruch ein wenig weg, in unserem Fall ist das aber schon eine starke Leistung für die Maschinen.

    Da noch Zeit ist und wir noch von Burger & Pommes gesättigt sind, schlendern wir zum See runter und entspannen dort ein wenig. Der Park ist gut besucht, sicher auch aufgrund seiner Nähe zu Grand Falls. Der See lädt schon zum baden ein, aber der Wind kühlt schnell aus, obwohl die Sonne noch da ist. Da wir außerdem in gewohnter Weise hier nackt rein springen würden und es zu viele Zuschauer gibt, entscheiden wir uns für die Dusche.


    Entspannung bei Sonnenschein und viel Wind

    Boar, mal wieder warm duschen, da geht Dreck ab, der sich bei kaltem Wasser hartnäckig hielt. Es wird bereits dunkel und wir machen das Lagerfeuer an der Grillstelle am Platz an. Wir kochen heute etwas weniger an Kartoffelpüree, lieber später beim Süßen etwas mehr zugreifen, denkt sich Jeder.

    Der Abend wird von Geräuschen im Unterholz begleitet. Eichhörnchen, kleine Hasen und Erdkröten sorgen für Stimmung. So richtig wissen wir nicht, ob wir uns auf die kommenden Tage freuen sollen. Es wird wohl der einsamste Abschnitt werden, aber auch der ohne jegliche Alternative zum Trail.
    Geändert von elbspitze (15.09.2019 um 21:45 Uhr)

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    #26
    21.August | Vogelcamp

    Es ist wieder mal ein perfekter Morgen und wir diskutieren beim Frühstück die Aussage der Biker-Lady, dass der Highway TCH eigentlich kein richtiger Highway ist und man dort auch mit dem Rad fahren darf. Sie hatte das aus Verzweiflung heraus auch mal gemacht. Nein, vergesst es, sowas würden wir uns nie antun.

    Nach den ersten 6 km auf dem T'railway denken wir auf einmal anders. Permanent sehen und hören wir die Autos, warum dürfen wir dann nicht auch den Asphalt spüren? Wir nehmen es nun in Kauf und wechseln auf den TCH, wollen die weiteren 20 km schnell voran kommen. Was sich so schlimm anhört, fühlt sich am Ende nur halb so schlimm an. Es gibt einen 1-2 m breiten Seitenstreifen und der Verkehr auf der einen Spur in unsere Richtung hält sich in Grenzen.


    Könnte schlimmer sein, Natur gibts auch am TCH zu bestaunen

    Auf dem Asphalt rollt es gut, wir haben aber leichten Gegenwind und der Verlauf ist sehr wellig. Wir Alle wollen hier durchziehen und machen unterwegs nur eine kleine Rast. Wieder einmal entdecken wir Elchrester, dem Anschein nach von Jägern. Wir haben von Einheimischen gehört, dass erstmals diese Jagdsaison aufgrund der hohen Elch- und Bärenpopulation anstelle von 2 nun 4 Tiere je Person erlegt werden dürfen.


    Immer wenn ein Schild kommt "In 2 km zweispurig" wissen wir, es geht bald bergauf

    Wir ziehen nun ohne weiteren Stopp bis Badger durch. Dort wollen wir Mittagspause machen. Dass dieser Ort in unserem Urlaub noch einmal eine wichtige Rolle spielen würde, ist uns jetzt noch nicht bewusst. Kurz vor Badger stehen wir an einer Baustelle, vor uns ein Gelände Lkw, ähnlich dem Unimog, mit Schweizer Kennzeichen. Krass, wo die wohl herkommen und hinwollen. Leider kommen wir nicht ins Gespräch.

    Badger ist nun erreicht, die Mittagspause mit belegten Bagels eingeläutet. Ab hier soll es nun unumgänglich auf dem T'railway vorangehen. Kann das der Grund sein, warum Keiner so richtig los will? Wenigstens wissen wir, dass wir jetzt für die Strapazen auch eine Belohnung bekommen: Einsame Natur.


    Auf dem Trail und schon wird es ruhiger

    Gegen späten Mittag haben wir nun ordentlich Kilometer vorgelegt, mal schauen, wann uns der Trail mal wieder in die Knie zwingen wird. Wir rollern dann also mal los, durchs Örtchen hindurch und ab auf den Trail. Die Landschaft sagt uns zu, die sich mit offenen Flächen von ihrer schönsten Seite präsentiert.


    Natur genießen, das geht nur im Stillstand- Die Momente sind unverzichtbar

    Dieses Mal sollen wir Drei belohnt werden. Da man meist auf den Trail fixiert ist, hat man keine Chance, in der Landschaft nach Tieren Ausschau zu halten. Wenn es dann aber 2 m neben dem Weg im Unterholz knackt, muss man stehen bleiben. So bekommen wir nun in voller Pracht einen Elch zu sehen. Beide Parteien schauen sich erstaunt an, er zieht träge davon, wir ebenso.

    Der Trail ist ungewöhnlich breit, ca. 3-5 m, was wohl auch daran liegen mag, das am Trail vereinzelt Hütten stehen. Trotzdem haben wir den Trail weitestgehend für uns und können lauthals fluchen, wenn uns mal wieder danach ist. Das Problem sind die schnellen Wechsel an Belag. Da rollt es mal 50 m mit 20 km/h und man möchte fast aufjubeln, da wird man auch schon wieder abrupt auf 5 km/h abgebremst, weil man sich fest gefahren hat.


    Der Trail ist breit, man viel Platz um seine Fahrfehler auszubügeln, ohne davon Schaden zu tragen

    Sofort merken wir, dass wir auf dem Trail keine 10 km ohne Pause vorankommen. Nerven und Gelenke brauchen eine Unterbrechung. Irgendwann beichte ich dann auch noch, dass es die kommenden 2 Tage nur hoch gehen wird. Wir müssen in sanften Anstiegen 400 Höhenmeter überwinden. Doch sanft fühlt sich hier wie steil an, da man permanent treten muss. Mit meinen klugen Weisheiten "Wo es hoch geht, muss es auch irgendwann mal wieder runter gehen" punkte ich an diesem Tag nicht mehr. Meine Zeit würde aber noch kommen.

    Ich weiß nicht, wie wir die 13 km bewältigt haben, aber nun stehen wir hier am Lake Pond und haben mal wieder nach 39 km Sehnsucht nach einem Schlussstrich. Meine Liebsten sind anscheinend so benebelt, dass sie jegliche Gefahren ignorieren. Sie wollen hier und jetzt das Camp aufbauen, was sich auf einer ca. 20 cm höher gelegenen Sandbank am See befindet.

    Daneben fließt ein kleines Rinnsal entlang, was von der gegenüberliegenden sumpfigen Seite durch ein Rohr unter dem Trail lang fließt. "Nein,ist mir zu heiß. Ordentlich Niederschlag und wir stehen hier unter Wasser" Ich suche die nähere Umgebung ab und finde eine Waldschneise, die noch unbebaut ist, kein Hinweis auf ein Privatgrundstück.


    Das Vogelcamp, der Name würde morgen noch Progamm sein



    Der Lake Pond, idyllisch zwischen Wäldern gelegen

    Obwohl hier am See noch zwei weitere Häuser stehen, sind wir allein. Die Besitzer scheinen diese nur als Wochenendhütte zu nutzen. Wir errichten hier also unser Camp, direkt am See, wo wir auch bald wieder ein paar Angelversuche unternehmen. Im Wasser entdecke ich im sandigen Boden erstmals Bärenspuren. Das kann ja heiter werden, wenn die heute Abend hier auch wieder herkommen.


    Blick vom See zum Zelt, der HoBo qualmt dahin

    Der HoBo brennt auch bald wieder, am See sind Mücken unvermeidlich. Nach dem Waschgang im warmen See geht es auch gleich ans Essen. Komischerweise ist Keiner mehr von den Bagels gesättigt, Alle schreien nach Nudeln, sehr viel Nudeln. Während es anfängt zu dämmern, wird die lautlose Stille erneut durch Kojoten Geheule gestört. Da es aber sehr weit entfernt ertönt, lauschen wir eher mit Genuss, weniger mit Angst.


    Täve hat Fische gesehen, ob die so blöd sind und bei uns anbeißen?

    Kurze Zeit später mischen sich auch noch die Loon's mit ein, die es mit ihren Geräuschen echt drauf haben. Es ist eine Mischung aus Gelächter und Gemeckere. Wir kennen sie schon aus Ostkanada und haben immer herzlich gelacht, wenn sie über uns gelacht haben. Der Abend wird entspannt am HoBo verbracht, nicht die Wärme, sondern der Rauch ist überlebensnotwendig.


    Der HoBo kann auch wärmen

    Was wird der morgige Tag wohl bringen und warum heißt dieses Camp wohl Vogelcamp?
    Geändert von elbspitze (01.10.2019 um 22:31 Uhr)

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    #27
    22.August | Stangenbruchcamp

    Wir werden von ungewöhnlichen Geräuschen geweckt, Yvonne meint, dass Vögel durch die Lüfter in unsere Apsis geflogen sind. Nun sind wir einmal wach und schälen uns aus den Schlafsäcken. Traumhaft ruhig ist es und auf dem See markiert ein einsamer Loon sein Revier mit den unverwechselbaren Geräuschen.

    Auf einmal gesellt sich ein Vogel in der Größe eines Eichelhähers zu uns. Ich kenne die lustigen Flugakrobaten schon und weiß, dass gleich noch zwei folgen werden. Zack, und da sind sie auch schon. Bis jetzt habe ich diesen Vogel immer nur im Dreierpack gesehen. Diese Drei sind aber besonders zutraulich. Sie hüpfen immer näher an unser Frühstücksbuffet, bis auf einen Meter kommen sie heran.

    Täve füttert eine Scheibe Brot. Oh ja, ich weiß, man füttert keine Wildtiere, aber kann das mal Jemand auch diesen Vögeln sagen. Wenn wir denen nichts freiwillig geben, habe ich Angst, dass sie sich was holen. Jedenfalls stellt Yvonne gleich noch fest, dass diese eine Scheibe von meiner Ration abgezogen wird. Für dieses witziges Schauspiel nehme ich das so hin. Sie flattern immer wieder um uns herum, haben sich die Gestängebögen als Favoriten ausgesucht, um zu landen, zu starten und sich den Überblick zu verschaffen. Ich möchte gern ein Foto machen, aber die Tiere nicht verschrecken.


    Der Constance Lake

    So genießen wir also weiter, der Moment ist so schön, die Tiere so witzig an zu schauen, dass Fotos sekundär sind.
    Der Himmel ist sehr bedeckt, richtig warm ist es auch nicht. Wir kommen trotzdem bald auf die Räder, zeitiger als sonst, weil wir wissen, dass heute 100% T'railway bevorstehen und wir die Zeit lieber für kleine Pausen zwischendurch nutzen wollen. Millertown Junction, ein kleines Dorf am Joe Glodes Brook, soll nach ca. 15 km als Mittagspause anvisiert werden. Vielleicht gibt es ja eine Lädchen um was Warmes zu kaufen. Bei meiner Vorrecherche bin ich hier aber nur auf Wohnhäuser gestoßen.

    Wieder sind wir allein auf dem Trail und der scheint fest in der Hand der Loons zu sein. Immer wieder ertönen die Geräusche und ihnen bei sonstiger Stille zu lauschen hat was sehr beeindruckendes. Wir pausieren am Constance Lake um genau dieses Spektakel zu genießen. Es ist eine ungewöhnliche große Gruppe von ca. 8 Tieren unterwegs, aber meckern darf anscheinend immer nur Einer.


    Pause mit Loon Konzert



    Wenig los auf dem Trail, die Ruhe genießen



    (INFO: Bitte kein Bildmaterial einfügen, das die Rechte Dritter verletzt. d.h. i.d.R. keine Musikvideos, TV-Serien etc. )

    Es geht beschwerlich voran, aber die Landschaft und Einsamkeit belohnt uns immer wieder. Pünktlich erreichen wir das Dorf, aber kein Zeichen von einem Shop oder Minimarkt. Dann müssen wir hier auch nicht Pause machen und suchen uns etwas später am Trail ein lauschiges Plätzchen.

    Kaum haben wir den Ort verlassen, schaut auf einmal links ein Kopf aus dem Gebüsch. Ein einzelnes Karibu bestaunt uns, aber nicht das es weg rennt, nein es tritt auf den Weg und versperrt und diesen. Wir müssen nun langsamer fahren als sonst, was schon fast Stehen gleich kommt und fahren dem Burschen hinterher. Bald biegt er rechts in einen Weg ein, dreht sich mit einem dankenden Blick nach uns um und frisst weiter seine Flechten und Moose am Wegesrand.


    Platz da für das Karibu


    Süß sehen sie aus, mit ihren Pantoffelfüßen


    Die Liste der Tiersichtungen wird immer länger, wir sind glücklich und da der Pausenort wenig später folgt, strahlen heute zur Pause Alle ein breites Grinsen aus und das, obwohl die Sonne keine Anstalten macht, mal heraus zu kommen. Wir knabbern am Brot, Äpfel gibts auch noch und paar Kekse zum Abschluss und Alle sind gestärkt für die Weiterfahrt.

    Wir haben ca. 20 km hinter uns und starten mit etwas Nieselregen. Regenklamotten müssen noch nicht sein, es hört auch bald wieder auf. Doch setzen nun in immer kürzeren Abständen kleine Nieselperioden ein. Es rollt erst einmal weiter und wir pausieren nun immer dann, wenn es mal nicht regnet. Immer noch sträuben wir uns gegen die Regenklamotten. Es ist ja auch noch verhältnismäßig warm.

    Bei km 30 entscheiden wir uns, bevor es noch toller regnet, nach einem Camp Ausschau zu halten. Genau jetzt beginnt ein sehr sumpfiger Abschnitt, der Trail, etwa 1-2m höher gelegen, ist die einzige trockene Fläche. Es kommt weder eine Möglichkeit direkt am Trail oder in der Umgebung. Gott will es so und läutet richtigen Regen ein, der mit Wind nun so richtig in Fahrt kommt.

    Da denkt man, alles Schlimme ist eingetroffen, wird der Trail auch noch steiler. Ich entscheide, den Trail schneller zu befahren, um die Gegend nach einem Camp ab zu suchen. Es dauert ganze 6 km, bevor ich endlich eine Stelle direkt am Trail finde. Es müssen noch ein paar Büsche gezupft werden. Als Yvonne auch den Platz erreicht, ist die Fläche präpariert. "Und gibts hier auch Wasser?" Guter Einwand von Täve, aber ich winke großkotzig ab. "Hach Gottchen, hier ist doch überall Sumpf"

    Keine 5 Minuten und das Zelt steht. Zum Glück hatten wir es heute Morgen halbwegs trocken eingepackt. Yvonne und Täve ziehen sich im Zelt schnell trockene Sachen an, dann schmeiße ich eine nach der anderen Tasche ins Zelt. Die Räder werden an einem Busch angelehnt, das Tarp kommt drüber und mit dem Spruch "Ich hole mal schnell Wasser" verabschiede ich mich.

    In dem Fall bedeutet "schnell" 30 Minuten, denn jeweils ca. 1 km in die eine und 1 km in die andere Richtung auf dem Trail gibt es entweder kein Wasser, kein Rauschen zu hören oder unerreichbares Wasser zwischen Buschwerk und Sümpfen. Obwohl es stark regnet und windet, habe ich keine Regenklamotten an, ich bin eh schon durch und kalt ist mir auch nicht wirklich.

    Umso bemerkenswerter finde ich den Ehrgeiz der Mücken hier, bei dem Wetter trotzdem noch über mich herfallen zu müssen. Ich töte die Sauger schon nicht mehr mit einem Handschlag, sondern schlage quer mit dem rechten Unterarm auf den linken Oberarm. Ha, 8 auf einen Streich erwischt. Achja, ich soll ja nach Wasser suchen. Gut, ich traue mich nahe dem Zelt in den Sumpf und versuche hinter den Buschwerken was zu finden.

    Glücklicherweise finde ich 50 m vom Zelt ein Wasserloch, was zum waschen locker auch noch ausreicht. Ich fülle erst einmal den Wassersack, aber da in der braunen Brühe viele Algen und Dreck drin ist, muss die erst einmal durch den Filter. Zurück am Zelt gilt meine Aufmerksamkeit aber erst einmal wieder dem Kaitum. Der Wind hat so stark zu genommen, dass das Zelt ordentlich in Bewegung geraten ist. Ich spanne die Leinen nach und platziere weitere Heringe am Außenzeltboden.

    So, nu habe ich ein weiteres Projekt. Wo hängt man einen Wassersack auf, wenn es keine Bäume gibt. Da war doch noch eine Tarpstange unbenutzt. Ich stecke sie zusammen und platziere sie so im Busch, wo die Räder stehen, dass das Ende nur noch herausschaut. Nun hänge ich den Wassersack dran. "Knack!" und das Teil bricht in sich zusammen, ist wohl für die Querbelastung von 7 Litern nicht ausgelegt? Ich fluche nun erst einmal ordentlich los. Was nun? Alles zum kotzen hier. Ich will auch endlich ins Trockene.

    Die letzte Chance sind die Räder. Ich platziere sie sehr senkrecht stehend und hänge den Wassersack an den Lenker. Wenn jetzt auch noch der Lenker bricht, kriege ich einen Anfall. So nun kann das Wasser erst einmal durchlaufen und ich gehe mich derweil waschen. Von drin höre ich nur ein verachtendes "Viel Spaß". Sie würden sicherlich auch gerne, aber bevorzugen es, im warmen zu bleiben.

    Auf der Wind abgewandten Apsis koche ich nun das Abendessen. Alle brauchen Kalorien. Warmes Essen bringt den Kreislauf in Schwung und die gute Laune zurück. Es wird wohl heute nicht mehr aufhören und wir verbringen den gesamten Abend im Zelt. Yvonne kann sich dann später doch noch überwinden und in einer kurzen Regenpause geht es raus zur Katzenwäsche.

    Naja, wir hatten schon schlimmere Tage und bei einem Gläschen Rum und viel Süßem ist die Stimmung bald wieder am überkochen. Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlecht gelaunte Leute, oder wie war das?

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    AW: [CA] Mit dem Reiserad 4 Wochen quer durch Neufundland

    #28
    Zitat Zitat von elbspitze Beitrag anzeigen
    ...Loon...
    Auf Deutsch übrigens Seetaucher bzw. vermutlich genauer Eistaucher (englisch "common loon"). Falls sich das schon jemand gefragt hat.

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    #29
    23.August | Quellencamp

    In der Nacht bin ich kurz mal munter geworden. Es war still geworden, kein Regen und kein Wind mehr. Jedoch hörte ich unweit des Zeltes auf dem Trail was. Es knirschte der Schotter. Ein Tier lief dort lang, das Geräusch kam immer näher. Auf einmal räusperte Täve und drehte sich auf die andere Seite. Auf einmal stoppte das Geräusch. Ich lauschte weiter. Nun ging das Knirschen weiter. Mein Herz schlug höher und höher, schließlich waren wir direkt am Trail. Ich blieb starr liegen und das Geräusch entfernte sich auf einmal wieder. Was es war? Ich hatte nicht wirklich den Drang nach zu schauen.

    Der Morgen beginnt wie gewohnt, es regnet nicht, aber trotzdem frühstücken wir im mollig warmen und übrigens auch stinkenden Zelt. Die nassen und verschwitzten Klamotten in der anderen Apsis haben ihre Düfte gut verteilt. Wir verstauen sie in einem dichten Packsack und streifen die Wechselklamotten über. Präventiv ziehen wir heute gleich die Regenschützer für den Helm drüber und schwören uns, beim kleinsten Anschein, die Regenklamotten an zu ziehen. Die Zweitmontur darf nicht auch noch nass werden.


    Vorsorglich die Regenschützer auf die Helme gezogen


    T'railway bis an den Horizont

    Wir rollern weiter und wollen die letzten 150 Höhenmeter auf 10 km in einem Ritt schaffen. Danach soll es tendenziell bergab gehen, heute und morgen. Die Landschaft wird noch offener, ähnlich den skandinavischen Bergen. Ab und an entdeckt man Berge, die wie Kegel aus der flachen Gegend heraus schießen. Es gibt viel zu sehen und bei kleineren Pausen sind auch wackelfreie Fotos möglich.


    Einsam stehen sie in der Ferne, die Bergkegel


    Weit ist es nicht mehr, der Trail ist gut und die Steigung lässt langsam nach

    Mit Schrecken stelle ich fest, dass die Schutzkappe der Kamera in der Lenkertasche abgegangen ist und eine Schraube im Inneren den UV Filter zerkratzt hat. Schwein gehabt. Der Filter ist im Arsch und muss abgeschraubt werden, aber wenigstens ist das Objektivglas beschädigt. Ich packe sie nun in einen Softbeutel ein, der eigentlich das Kochgeschirr umhüllt.

    Wir kommen gut voran, der Belag könnte noch besser rollen, wenn es nicht stetig bergauf gehen würde. Die weiter Landschaft ermöglicht es, Tiere zu suchen und siehe da, an einem nahe gelegenen See treffen wir auch eine Elchkuh mit Nachwuchs. Toll, nun haben wir uns maximal gesteigert, mehr geht nicht. Vom bloßen Knochen über einen toten Elch bis hin zur Kleinfamilie, alles dabei gewesen.


    Wir überraschen sie beim Trinken


    Schnell verschwinden sie im Busch


    Yvonne bemerkt mal wieder, dass ihre Trinkflaschen alle sind. Die Sonne zeigt sich mehr und mehr und die Steigung auf dem Trail macht den Mund trocken. Ich nehme es zur Kenntnis, aber erst einmal dürfen wir aufschreien. "Wild hogs" ist neuerdings unser Schlachtruf nach Erreichen eines Anstieges (aus dem Film "born to be wild"). Der Aufschrei wird von einem Hochreißen des rechten Armes begleitet.


    Das Steinfeld markiert den Höhepunkt des Abschnitts

    Bei km 20 machen wir Pause an einer Brücke, wieder einmal ist das Wasser zu sehen, aber unerreichbar. Wir angeln uns mit dem Wassersack Schluck für Schluck nach oben. Nun wird es so warm, dass wir Armlinge und Helmschützer einpacken. Heute sieht es nicht mehr nach Regen aus und bei leichten Gefälle kommen wir nun auch ab und an nur mit rollen voran. Das motiviert nach einer verkürzten Mittagspause Alle schnell zur Weiterfahrt.


    Die andere Art zu angeln


    Nur so kommt man ans Wasser

    Leider verstehen mich Yvonne und Täve immer nicht so ganz, wenn ich meine, dass es "tendenziell" bergab geht. Sie hören nur "bergab" und so bekomme ich bei jeden noch so kleinen Gegenanstieg einen Spruch geklopft. Ich fahre ein wenig vorne weg und die Nörgeleien verstummen im Schotterbett.

    Bei den Chain Lakes, einer Kette von kleinen, aneinander gereihten Seen, öffnet sich der Blick in die weite Ferne gen Westen. Oh Gott, was für eine schwarze Wand und direkt vor uns. Ich weiß nicht, warum wir weiter geradelt sind und nicht hier schon Schutz gesucht haben, aber wir fahren noch weitere 2 km, als rechts des Weges eine Quelle auftaucht. Es nieselt schon und kein Schutz in Sicht.

    Die Wolken sehen nicht danach aus, als würde es beim Niesel bleiben. Ich zücke das Tarp und spanne es zwischen Bäumen und Rädern behelfsmäßig ab. Kaum abgespannt, haut es so richtig runter. Die Regenmenge drückt das Tarp auf uns, wir müssen die Wassermassen immer wieder hochdrücken. Zum Glück sind wir aber trocken geblieben und können nun ausharren. Nach 10 Minuten ist der Spuck vorbei.


    Kurz nach dieser Brücke beziehen wir das Camp

    Ich will schon das Tarp abbauen und weitermachen, da meint Yvonne, dass ich mir doch mal die Wolken am Horizont anschauen soll. Super, dahinter kommt es noch dicker. Okay, nun muss es schnell gehen. Wir entscheiden uns, das Camp hier nach 29 km auf zu bauen. Eine Quelle ist schon mal da, nur ein Platz muss noch gefunden werden.


    Sumpfiges Gelände um uns herum

    Nahe einer Brücke entdecke ich ein kleines, grasiges Plateau. Überall ist es sumpfig oder noch getränkt vom Platzregen. Eine Stelle jedoch fühlt sich nur nass an, schmatzt aber nicht beim Herumlaufen. Mitten auf dieser Fläche befindet sich ein Stein, den ich nun wegräumen will. Dies erweist sich als hartnäckige Aufgabe. Erst nach 10 Minuten und heftigen Tritten, Stößen und Herumhebeln, bekomme ich den 50 cm Brocken frei.

    Es nieselt schon wieder und ich entscheide mich, das Tarp nun schnell abzubauen und an dem Camp schnell wieder aufzubauen. Keiner weiß, wann der Regen wieder einsetzt. Unter dem Tarp werden die Räder abgelegt und alle Taschen abgestellt. Wir bauen hektisch das immer noch feuchte Zelt auf. Der Untergrund ist auch nass, das wird wohl eine Weile dauern, bis es wieder halbwegs trocken ist.


    Das Quellencamp

    Wie bestellt setzt der Regen ein als ich den letzten Hering platziert habe. Yvonne huscht schnell rein und wischt das Zelt erst einmal aus. Ich bringe alle Taschen ins Zelt und hänge unter dem Tarp die nassen Klamotten auf. Wieder hört der Regen auf. So nass war das Zelt gar nicht, meint Yvonne. Also platzieren wir uns erst einmal Alle im Zelt. Das große Loch unterm Zelt musste ich mit viel Gras ausstopfen, aber trotzdem merkt man es noch. Natürlich direkt unter meiner Matte.


    Camp unweit der Brücke

    Als wir uns im Zelt sortiert haben, kurz mal entspannt haben und lange keinen Regen mehr kam, trauen wir unseren Augen nicht. Auf einmal erwärmt die Sonne unser Zelt. Nicht dein Ernst, ein Blick aus dem Lüfter und alles ist klar. Das war die letzte Regenfront, dahinter kommt es nun heller. Aber der Ärger über die wenigen Kilometer und den vorzeitigen Zeltaufbau wehrt nur kurz, denn schließlich haben wir noch einen tollen Platz mit Wasseranschluss gefunden.


    Kochen vorm Zelt, es wird noch ein sonniger Abend

    Wir haben noch genügend Zeit, daher relaxen wir im Zelt, ich überdenke die Planung der Route, spiele am Navi herum und bald spielen wir auch noch Karten. Dann rafft es uns alle Drei dahin und wir nicken 30 Minuten lang weg. Nur vorbeifahrende Quads reißen uns aus dem Schlaf. Bloß gut, wir hätten sonst noch länger gelegen.

    Nun gehen wir waschen, dieses Mal sehr früh, es ist noch hell und die Quelle direkt am Weg. Mit dem einen Ohr lauschen wir eventuellen Motorgeräuschen von Autos oder Quads, mit dem anderen Auge halten wir Ausschau nach dem, was das Ohr nicht hören kann. Sicher ist sicher. Wow, ist die Quelle kalt. Gut, das haben sie an sich. Dafür bekommen wir im Gegenzug fürs Essen sauberstes Wasser ohne zu filtern.


    Leise plätschert der Fluss dahin

    Im Anschluss kochen wir am Zelt und öffnen die Kaitum Apsis fast komplett. Die Sonne strahlt mitten ins Zelt, es ist wollig warm und das Zelt kann durchtrocknen. Wir sind zufrieden, den höchsten Punkt des Abschnitts überschritten zu haben und freuen uns auf den morgigen Ritt, der uns in einer Talfahrt bis Deer Lake bringen soll. Dort heißt es Proviantnachschub. Somit werden heute größtenteils die Reserven aufgebraucht. Es gibt reichlich Fleisch und Zwiebeln mit Nudeln und auch der Süßkram wird voll vernichtet.


    Unterm Tarp liegen die Räder und hängen die nassen Klamotten

    Wir erleben wieder einen gelungenen Abend im Camp und merken irgendwie, dass man mit gedanklichen Abstand zum Trail den Tag am Ende nie so beschissen findet. Im Moment ist es immer schlimm und nervenaufreibend, aber am Ende des Tages überwiegen die schönen Momente und man redet nur noch darüber.


    Gute Stimmung bei Resteressen
    Geändert von elbspitze (18.09.2019 um 19:07 Uhr)

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    AW: [CA] Mit dem Reiserad 4 Wochen quer durch Neufundland

    #30
    Vielen Dank elbspitze für Deinen schönen Bericht! Ich lese hier auch fleißig mit.

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    AW: [CA] Mit dem Reiserad 4 Wochen quer durch Neufundland

    #31
    @TEK: Danke für Dein Feedback und schon geht's weiter im Text.

    24.August | Deer Lake Camp

    Der Morgen beginnt wie einer der vielen. Frühstücken, Packen, Abfahrt! Wir wollen heute bis Deer Lake kommen, was 56 km entfernt ist. Ab Howley, unser anvisierter Mittagspausenort nach der Hälfte, verspreche ich mir und auch meinen beiden Leidensgenossen lange Brücken, bis zu 1 km. Laut Navi werden wir hier den 96 km langen, schmalen Grand Lake über kleine Inselchen überqueren um nach Deer Lake zu kommen. Das ist nur mit Brücken möglich.

    Wir begeben uns wieder auf die Talfahrt, vor uns liegen 300 Höhenmeter Differenz. Es rollt fantastisch. Wenn das so weiter geht, sind wir gegen Nachmittag in Deer Lake und können sogar noch wieder raus aus dem Ort und wild zelten. Es regnet bis Mittag nicht, doch ziehen ab und an dunkle Wolken über uns hinweg. Dazwischen kommen immer wieder paar Sonnenstrahlen durch, die zusätzliche Glückshormone produzieren.


    Mittagspause in Howley

    Vor Glück überschäumen wir wörtlich, als wir in Howley auch noch auf ein kleines Restaurant stoßen. Der Tag ist fast schon perfekt, denn gerade in dem Moment, wo wir am Tisch Platz nehmen, fängt es an zu regnen. Das nenne ich Punktlandung. Wir bestellen uns frittierte Zwiebelringe, Hamburger und Pommes und lassen uns Zeit, bis der Regen aufgehört hat. Wir kommen mit der Bedienung ins Gespräch, die uns von einem Wanderer erzählt, der uns hätte eigentlich entgegen kommen müssen. Er war 1 Woche zuvor hier entlang gekommen und wollte nach St. Johns. Schade, dass wir ihn verpasst haben, gerade sicher dann, wo wir mal wieder den T'railway verschmäht hatten.

    Aus Howley heraus nutzen wir die kleinen asphaltierten Nebenstraßen, die größere Straße 401 führt zum Highway. Wir liebäugeln zwar damit, aber es würde ein großer Umweg sein. Außerdem rollt es doch gerade so gut und wir sind bei bester Laune, was sollte uns schon umstimmen? Nun sollen auch noch die leicht zu rollenden Brücken kommen, die Vorfreude steigt ins Unermessliche.


    Der Trail wird schlechter und schlechter

    Der Trail beginnt wieder und wir rollen uns warm. Viel ist dazu nicht nötig, denn die Sonne ist zwar nicht ganz draußen, aber es ist ordentlich warm. Oha, nun kommt es ganz dick. Es beginnt ein sandiger Abschnitt, genau dort, wo eigentlich Brücken sein sollten. Das ist mal ein Dämpfer, in Sachen Tempo und Moral. Es scheint so, als habe man hier die Brücken aufgrund der Instandhaltungskosten abgebaut und dafür kleine Dämme aufgeschüttet. Da der See hier am Ufer sehr sandig ist, hat man halt gleich das Material zum Bau zweckentfremdet.


    Über die vielen Inseln führt der Trail

    Wir müssen fortan schieben. Es ist Schwerstarbeit. Yvonne schiebt sogar am Unterlenker. Ich kommentiere das nur mit den Worten "Bei den Geschwindigkeiten kannst du Dir den Untergriff sparen, bringt nichts". Es hallt ein lautes "Schnauze" über den See. Yvonne ist bereits nach 50 m am kotzen und hat die Nase voll, ich folge wenig später. Nun schieben wir stückchenweise. 50 m schieben, Pause und weiter. Das Vorderrad gräbt sich aufgrund des Gewichts immer wieder in den Sand oder hält nicht die Spur. Täve dagegen kommt gut voran. Es ist der Einzige, der nicht mault.


    Yvonne schuftet sich ab, ich muss ihr wohl helfen

    Er weiß auch, dass er jetzt nicht auch noch einen blöden Spruch reißen darf, dann ist hier richtig dicke Luft. Gefühlt eine halbe bis dreiviertel Stunde dauert es, bis wir endlich den Sand hinter uns lassen. Wir hätten nie gedacht, dass wir uns mal so auf ein Schotterbett freuen würden, aber wir feiern es euphorisch.

    Langsam geht es nun wieder voran, die Erschöpfung steckt uns noch in den Oberarmen. Yvonne meint, dass sie kaum den Lenker gerade halten kann. Nicht gut, denn der Belag wird zunehmend schlechter, die Steine immer größer, das Schotterbett immer tiefer. Man eiert nun ein paar Meter, steigt ab, schiebt die schlechten Passagen, sitzt wieder auf und fährt wieder ein paar Meter. Das Spiel wiederholt sich unzählige Male.


    Das vorerst letzte Foto, wir sind auf den Trail fokussiert

    Unser Überschuss an guter Laune, die wir bis Howley aufgebaut hatten, ist nun bereits nach 2 Stunden vollends aufgebraucht. Es werden wenige Worte gewechselt, Jeder ist mit sich selbst beschäftigt. Nur zum Fluchen werden noch die Lippen bewegt. Schlimmer kann es nicht mehr kommen, denke ich und werde am "Main Dam", den wir nach 11.5 km erreichen, eines besseren belehrt.

    Über den "Main Dam", einen großen Staudamm, führt der T'railway, doch ein großer, verschlossener Zaun versperrt uns den Weg. Nein, ich will nicht mehr, knalle das Rad in die Wiese und versinke daneben im hohen Gras. Schon seit Ewigkeiten habe ich nicht mehr so sehr die Schnauze voll gehabt. Klar, dass auch Yvonne und Täve fertig sind. Nun wäre der Zeitpunkt gekommen, das Zelt hier aufzubauen, aber unsere ganzen Reserven sind aufgebraucht.

    Wir müssen weiter, wollen aber nicht mehr und können noch weniger. Die Pause wird ausgedehnt um klare Gedanken zu fassen. Doch dazu fehlt ein Plan. Keiner will den Weg bis Howley wieder zurück, nicht heute, nicht morgen. Haben wir den Hinweis, dass der Weg versperrt ist, übersehen?

    Bald sind wir gefasster und beraten gemeinsam über das weitere Vorgehen, ein Tourabbruch kommt nicht in Frage, es ist ja nur ein weiterer Tiefpunkt auf der Tour, den wir überwinden müssen. Motorgeräusche? Woher kommen die? Aus der Ferne kommt es immer näher und ca. 200 m vorm Damm kommt ein Quad aus dem Gebüsch gefahren. Wir haben diesen Pfad übersehen.

    Wir schlagen den Pfad ein, es geht sehr steil bergab. Bald befinden wir uns am Boden der Talsperre. Der Weg muss doch drüben wieder hochführen und weitergehen? Etwas zügiger als sonst schieben wir die Räder durch das überflutete Flussbett. Wir kommen trockenen Fußes auf der anderen Seite an, steigen noch ein paar Höhenmeter auf und machen dann beruhigt an einem Schild Pause. Aufschrift: "Hier wird ohne Vorwarnung geflutet. Aufenthalt im Flutungsbereich lebensgefährlich"


    Der "Main Dam" von unten

    Ach was, und schon haben wir das Glück wieder auf unserer Seite, dass mal eben nicht geflutet wurde. Dass sich die Glücksspirale noch weiter nach oben drehen würde, ist für uns heute nicht mehr vorstellbar. Wir werden wohl kriechend und in der Dunkelheit ankommen. Also ziehen wir weiter. Den steilen Gegenanstieg schieben wir die Räder hoch und stehen bald wieder am T'railway, der in weiterhin miserablen Zustand auf uns wartet.

    In diesen Moment erscheint ein Pickup, der oben auf dem Damm mit ordentlich Tempo entlang gefahren kommt. Was ist das? Nein, das kann doch nicht wahr sein. Neben dem Trail führt ein Damm, ein ca. 5m höher gelegener großer Erd-/Steinwall, entlang. Der Pickup Fahrer gibt uns den Tipp: "Fahrt die Piste lang, die führt direkt nach Deer Lake".

    Die Piste ist auf keiner meiner drei GPS Karten eingezeichnet. Wir bedanken uns mit einem breiten Lächeln bei dem Fahrer und stehen bald auf diesem besagten Damm. Symbolisch küsse ich einen Stein auf dem Boden, es ist der wohl beste Schotterbelag, den wir bis jetzt hier erlebt haben.


    Der Dammweg, unsere Rettung

    Wir treten in die Pedale und schreien vor Freude unseren Schlachtruf "wild hogs" heraus. Was für ein Tag, Glück und Pech, Lachen und Weinen, alles so nah beieinander, so wechselhaft die Gefühle. Direkt am Ufer des Grand Lakes fahren wir nun auf einer ca. 8 m breiten Piste Richtung Deer Lake. Wahnsinn, dass wir mal wieder über 20 km/h fahren. Wie im Rausch drücken wir die kleinen Wellen hoch. Parallel zu uns erhaschen wir immer wieder einen Blick auf den T'railway.

    Was wäre gewesen, wenn der Pickup nicht gekommen wäre? Wären wir die letzten 20 km weiter den Trail gefahren? Wir hätten nicht gewusst, wo die Piste hinführt. Am Ende hätten wir sie unten vom Trail aus noch nicht einmal gesehen. Gott, es rollt so göttlich dahin. Eine Stunde später erreichen wir Deer Lake. Es ist nun kurz nach 18 Uhr und wir beschließen, uns für die heutigen Strapazen zu belohnen.

    Dem ungesunden Mittagessen folgt ein nochmaliger Besuch im Fastfood Restaurant. Bei Burgers Family wird kräftig reingehauen. Vorher hatten wir noch im Supermarkt für die kommenden 2 Tage eingekauft. Wir genießen nun erst einmal, dass wir angekommen sind und entscheiden uns, heute hier in Deer Lake einen Campingplatz zu suchen. Keiner will mehr auch nur einen Kilometer fahren.


    Sonnenuntergang am Deer Lake Camp

    Die Sonne ist schon dabei, ihre Kraft zu verlieren, da erreichen wir das Camp, direkt am Deer Lake. In einem Separee, umgeben von Büschen, bauen wir unser Zelt auf. Im verlassenen Nachbarseparee stibitzen wir Brennholz und relaxen nach einem warmen Duschgang am Lagerfeuer. Dabei stellen wir wieder mal fest, dass Opa mal wieder mit seiner Weisheit "Geht nicht, gibt's nicht!" den Nagel voll auf den Kopf getroffen hat.

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    #32
    25.August | Rocky Harbour Camp

    Der Generator am Nachbarwohnmobil, der uns gestern in den Schlaf gewogen hatte, weckt uns heute mit dem gleichen monotonen Geräusch. Wie wir die Campingplatz-Idylle doch lieben. Vorm Zelt erwartet uns die Sonne. Das Buffet ist wieder reichhaltiger als sonst gedeckt. Frische Milch schmeckt doch viel besser als dieses Milchpulver. Der gestrige Tag ist längst vergessen. Wir schauen in die Zukunft, was da wohl heute kommen wird.


    Packen am Deer Lake Camp, wir sind bereit für den Gros Morne


    Auf dem ersten Blick schiere Unordnung

    Wir wollen Gros Morne ansteuern, wohl das Highlight von Neufundland. Es wird bergiger, aber alles auf Asphalt. Als wir die Richtung gen Nordwesten einschlagen, bemerken wir den Gegenwind. Viel wird der uns heute wohl nicht antun. Berghoch sollte er uns nicht zu sehr stören, es ist ja nur eine Brise. Etwas weiter nach Ortsausgang machen wir Halt an einer Tankstelle. Vergebens suche ich nach einer Möglichkeit, die Reifen aufzupumpen, aber so eine Möglichkeit, wie es sie bei uns gibt, kennen die hier nicht.

    Abermals muss ich selbst Hand anlegen und auch im Schatten bin ich schnell am schwitzen. Yvonne unterstützt mich und pumpt die erste Luft rein, ich bin für die schweren, kräftigen Endstöße zuständig. Merklich rollt es besser. Die Straße 430 ist gut asphaltiert, ein breiter Seitenstreifen existiert leider nur selten. Meist ist nur ein 1 m breiter Schotterstreifen vorhanden, den wir aber nicht nutzen. Der Verkehr hält sich in Grenzen.


    "Ist das normal, dass das so schwer geht und lange dauert?" Ja!

    Wie sieht heute eigentlich der Plan aus? Bei km 20 gibt es eine Tankstelle, die wollen wir zur Mittagspause ansteuern. Das Terrain wird hügliger, gar bergiger. Die Straße rollt gut, aber schraubt sich immer weiter in die Höhe. In Jack Ladder haben wir schon 230 Höhenmeter gemacht und es gibt zum Mittag Sandwich und frische Milch, ein Eis ist auch noch drin.

    Bei der Pause diskutieren wir über die kommenden Tage. Der Plan ist, heute auf dem Weg Richtung Westküste wild zu zelten, am besten noch vorm Nationalpark Eingang, dann eine Nacht an der Westküste in Rocky Harbour, weiter an der Westküste noch einmal wild zelten, wieder zurück in Rocky Harbour nächtigen und dann zurück über den gleichen Weg, den wir heute bewältigen. Vier Nächte würden dafür drauf gehen.


    Es rollt motiviert, das Wetter spielt super mit

    Yvonne fragt, warum wir nicht heute bis Rocky Harbour durchziehen. Machbar wäre es, es sind 70 km auf Straße und 30 km davon würden bergab gehen, wenn wir die 350 Meter Höhe in 20 km nach der Pause erreicht hätten. Täve nickt, ich bin auch dafür. Ich komplettiere die Idee mit dem Vorschlag, in Rocky Harbour dann zwei Tage im Camp zu bleiben, einen Ruhetag einzulegen und ohne Gepäck durch den Nationalpark zu radeln.

    Das motiviert dermaßen, dass wir mit Vollgas die weiteren 20 km berghoch angehen. Da es nicht ständig berghoch geht, können wir die kurzen Abfahrten ein wenig entspannen, während in der Ferne schon der nächste Anstieg auf sich wartet. In Wiltondale machen wir ein letztes Mal Pause, bevor der Anstieg nun ins Finale geht. Wir pedalieren langsam und mit hoher Frequenz. Nach gesamt 40 km und 650 Höhenmeter ertönt mal wieder unser Schlachtruf. Kurz noch einmal Pause am Scheitelpunkt, dann heißt es "Abfahrt".


    Es wird hügliger, waldiger und die Seen setzen dem Ganzen die Krone auf

    Vorsorglich kläre ich noch einmal auf, dass es nicht nur bergab gehen wird und mit Gegenanstiegen zu rechnen ist. Außerdem will ich gleich schon mal vorfahren, um Yvonne und Täve in der Abfahrt zu filmen. Ich brettere also vor und lasse mich lange rollen. Nach 2 km komme ich zum Stehen und drehe mich um. Keiner hinter mir, Keiner zu sehen. Was ist los?

    Ein Auto hält neben mir und sagt "Dein Sohn ist gestürzt!" Scheiße, ich sehe sie noch ganz oben kurz nach der Kuppe an der Leitplanke stehen. Ich drehe um und will ihnen gerade entgegen fahren, da sehe ich, wie sie mir schon entgegen gerollt kommen. Puuh, zum Glück nichts gravierendes. Täve und Rad geht es den Umständen entsprechend gut.

    Am Straßenrand schaue ich mir die Wunden näher an. Täve hatte Glück, er hatte einen langen, etwas dickeren Pullover und Radhandschuhe an, der Helm ist an der Seite eingedellt. So sind schwere Verletzungen ausgeblieben. Nur sein Knie ist auf 8 x 8 cm aufgeschürft und blutet. Bei einer seiner Fingerkuppen ist ein kleiner Hautlappen, aus dem es blutet. Der seelische Schmerz scheint größer. Er weint und zittert ein wenig. Wir beruhigen ihn und erstmals kommt das Erste-Hilfe-Set zum Einsatz.

    Es wird erst einmal die Wunde desinfiziert, dann kommt eine Wundkompresse drauf und eine Binde fixiert sie. Derweil erzählt mir Yvonne, was passiert war. Der Seitenstreifen auf der Abfahrt war etwas breiter, dort fuhr Täve mit ordentlich Gas bergab. Auf einmal lag dort Schotter, den ein Starkregen auf die Straße gespült hatte. Täve versuchte in einer ruckartigen Bewegung auszuweichen, schaukelte sich mit dem Vorderrad auf und ohne jegliche Kontrolle fuhr er in ein Schlagloch, stieg über den Lenker ab und machte sich im Schotterbett lang. Yvonne meinte nur "Als er vor mir gestürzt ist, dachte ich, jetzt ist es aus. Krankenwagen rufen, aber schnell!"

    Bei allen schlägt der Puls noch hoch, Täve geht's wieder besser und gemeinsam bewältigen wir die Abfahrten nun gebremst. Leider sind bald die Bremsen bergab nicht mehr nötig, der Wind hier an der Westküste hat so stark zugenommen, dass man sogar bergab treten muss. Was für ein Kampf. Die Beiden verstecken sich in der Ebene in meinem Windschatten und verstehen mein Gejammere nicht.


    Das Knie ist verbunden und Täve wieder auf Achse


    Die steilen Abfahrten bremsen wir nun lieber

    Wir erreichen den East Arm, eine fjordähnliche, lang gezogene Bucht und die Straße führt nun nördlich an dieser entlang. Jeder Gegenanstieg fühlt sich doppelt so hart an. Frontaler kann man den Wind nicht ab bekommen. Ich nehme nun Täve ans Schleppseil, nach dem Schreck vorhin darf er mal entspannen. Die letzten 20 km ziehen sich wie Gummi. Der späte Nachmittag ist längst vorbei, es kommt schon ein wenig Vorabendstimmung auf. Der Verkehr wird weniger und vorm letzten finalen 100 Höhenmeter Anstieg brauche ich noch einmal eine Pause, die mit den Worten "Mann, ich bin dermaßen im Arsch!" eingeläutet wird. Täve bietet mir an, wieder selbst zu fahren, aber nein doch, den finalen Stoß will ich mir im letzten Anstieg doch noch gönnen.


    Der East Arm, von da hinten kommen wir und müssen noch viel viel weiter


    Eine der vielen Pause nach den "Rämpchen"

    Gegen 18.30 Uhr erreichen wir Rocky Harbour und steuern den RV Gros Morne Campground an. Wieder finden wir ein idyllisches Camp vor, mit kleinen Plätzchen, durch viel Busch- und Baumwerk separiert von einander. Wir besorgen noch Brennholz, bauen das Zelt auf und gehen erst einmal duschen. Täve's Wunde zu reinigen ist noch einmal eine Herausforderung, aber er meistert es mit Bravour. Starkes Kerlchen! Am Zelt inspiziere ich noch einmal das Rad. Außer Kratzer ist aber nichts zu finden.


    Die letzten 100 Höhenmeter müssen portioniert werden, in einem Stück geht hier nichts mehr

    Die 70 km und 1000 hm haben uns heute so die Kalorien aus dem Körper gesaugt, dass das Kochen nicht schnell genug gehen kann. Täve lutscht unterdessen an den rohen Spaghettis. Nach dem Essen kann Täve am Lagerfeuer schon wieder über seinen Sturz lachen. Wir genießen nach diesem anstrengenden Tag den Abend noch lange am Feuer und beschließen, morgen aus zu schlafen um dann gegen Mittag unseren ersten Relaxtag des Urlaubs zu starten.
    Geändert von elbspitze (20.09.2019 um 17:21 Uhr)

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    #33
    26.August | Rocky Harbour Camp

    Obwohl der Campground gut besucht ist, wecken uns keine Geräusche von Dritten, sondern unsere innere Uhr. Ich bin dieses Mal der Letzte, der die Augen gegen 8 Uhr öffnet und erwische Yvonne und Täve wie sie zu mir rüber äugeln. Warum stehen die nicht mal eher auf? Die faulen Säcke. Naja, die nehmen das Wort "Relaxtag" wohl zu wörtlich, ich bequeme mich also als Erster aus dem Zelt.

    Ganz gediegen frühstücken wir, die Sonne blinzelt durch die Baumwipfel, es scheint ein schöner Tag zu werden. Nach der Stärkung pflege ich den Antrieb der Räder ein wenig, schaue mal nach, ob noch alle Schrauben fest sitzen. Endlich habe ich den Übeltäter gefunden. Seit Tagen hatte ich am Rad ein quietschendes Geräusch, gerade auf dem Trail nervte es mich dermaßen, dass ich nun froh bin, die eine Schraube gefunden zu haben, die an der Gepäckträgerstrebe locker ist.

    Ich fixiere noch das Tarp als UV-Schutz überm Zelt, dann geht es leicht bepackt durch den Ort an der Küste entlang. Wir eiern so dahin und kommen nur langsam damit zurecht, heute ohne Packtaschen unterwegs zu sein. Unser Tagesziel soll Western Brook Pond sein, der Startpunkt für Wanderer, die eine oder beide Traversen Northern/ Long Range gehen möchten.


    Blick auf das hübsche Örtchen Rocky Harbour



    Die Küste ist atemberaubend schön

    Der Wind bläst uns von Süden direkt in den Rücken. Es rollt fantastisch und die kleinen Wellen nehmen wir locker mit. So richtig hatte ich mir am Vorabend die Tour nicht angeschaut, wusste bloß, dass es paar Kilometer an der Küste lang gehen wird. Das sollte sich bald als Fehler herausstellen.


    Mehr Pausen als nötig, aber bei dem Anblick musste man einfach innehalten


    Das Schild beweist, wer beim Zusammenstoß als Sieger hervor geht

    Unterwegs pausieren wir immer, wenn es gerade was Nettes zu sehen gibt. Gegen frühen Nachmittag erreichen wir den überfüllten Parkplatz, die 30 km haben wir schnell geschafft. So richtig wissen wir nicht, ob wir mit dem Rad die noch verbleibenden 2.5 km direkt bis zum See fahren dürfen. Es scheint nur ein Wanderweg zu sein. An der Infotafel steht jedoch, dass es erlaubt ist, also fahren wir weiter.

    Endlich sind wir mal Diejenigen, die am schnellsten sind. Wir überholen alle Fußgänger, die ein wenig erschrocken darüber sind, dass hier auch Radfahrer lang kommen. Am Ende des Weges angekommen, erwartet uns ein Infogebäude mit Souvenirshop und kleinem Restaurant. Außerdem kann man hier Karten für ein Ausflugsschiff kaufen, um den kompletten See zu befahren. Wir investieren das Geld lieber in ein warmes Mittagessen und entspannen ein wenig im Trubel der Menschen.


    Die letzten Meter zum Western Brook Pond


    Grandiose Landschaft, sicher ein traumhaftes Wanderparadies

    Zum ersten Mal auf Neufundland spricht mich ein Mann auf die Pinion an. "Mir gefällt Dein Rad und die Schaltung" Wir kommen nur kurz ins Gespräch, am Ende fragt er, ob er Fotos machen kann, was ich bejahe. Kaum zu glauben, dass es die Pinion bis nach Amerika geschafft hat.


    Hinten links geht es tief ins Fjord hinein

    Im Schutze des Gebäudes bemerken wir nicht, dass der Wind zugenommen hat. Erste Ausmaße bekommen wir auf dem Rückweg zur Straße zu spüren. Ich werde wohl Täve ans Seil nehmen müssen. Am Parkplatz angekommen klicke ich Täve ein und es geht los. Das wird ein harter Rückweg, denke ich mir, und trete kräftig in die Pedale. Je schneller man ist, umso kürzer ist man unterwegs. Die Devise geht bald nicht mehr auf.

    Ich muss rausnehmen und stelle an diesem Relaxtag fest, dass hier gar nichts daran relaxt ist. Mit schroffen Ton beordere ich Yvonne in den Wind, damit ich auch mal ein wenig Windschatten habe. Viel bringt das nicht. Nach der Hälfte des Rückweges müssen wir rasten. Gott, ich habe schon leichtere Touren im Urlaub gehabt. Der Wind ist ein unberechenbarer Gegner.

    Die letzten Kilometer rollern wir langsamer, ohne goß zu kämpfen, dahin. Wir haben in der Pause beschlossen, in Rocky Harbour in ein kleines Restaurant zu gehen. Danach müssen wir nur noch den Einkauf für die kommenden 3 Tage tätigen. Es ist 17 Uhr und so haben wir alle Zeit der Welt.

    Das servierte Abendessen ist bitter nötig um die Gemüter von Täve und Yvonne wieder zu besänftigen. Ich selbst gebe mir gedankliche Arschtritte. Aus dem Relaxtag ist nun nichts geworden, dennoch ist es ein schöner, lohnenswerter Tag gewesen. Gegen 20 Uhr sind wir wieder am Camp, es dämmert langsam schon. Am Lagerfeuer besprechen wir den morgigen Tag.

    So richtig können wir es nicht beurteilen, ob es gut oder schlecht ist, dass wir wissen, was uns morgen bevorsteht. Rund 40 km der morgigen Tour werden wir den gleichen Weg zurück fahren, den wir gestern hierher gefahren waren. Wir hoffen mal, das der Wind wieder so steht und mit Rückenwind alles erträglicher wird.

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    #34
    27.August | Traumcamp

    Bei bedeckten Himmel starten wir wie üblich gegen 10 Uhr. Noch einmal Stopp an der Tankstelle, um die Benzinflasche zu befüllen. Nun befinden wir uns wieder auf der Straße 430. Wir spüren noch die gestrigen Anstrengungen in den Beinen, doch mit jedem Kilometer geht es besser. Sogar der Wind ist uns gnädig und bläst von hinten sanft.


    Am East Arm entlang, zweispurig = bergauf

    Die Straße ist heute ruhiger als gewohnt. Das schafft Zeit und Freiheit zum Umherschauen und neben einander Fahren. In der Ferne entdecken wir die Tablelands, die mit markanter, rötlicher Färbung aus dem Rest der Berge herausstechen. Was man da sieht, ist der Erdmantel. Nur selten kann man auf der Welt so etwas betrachten.


    Die Tablelands aus der Ferne, wir werden ihnen aber noch näher kommen



    Da liegt ja noch oder schon wieder Schnee

    Wir erreichen relativ schnell und noch ganz fit das Ende des East Arms und wissen, dass damit der Anstieg eingeläutet wird. Von fast 0 m geht es nun auf 350 m hoch. Wir machen ein größeres Päuschen und nehmen misstrauisch die dunklen Wolken um uns wahr. Sollen die etwa noch Regen bringen? Täve wird nun wieder ans Seil genommen, aber kaum im ersten Teil des Anstieges resignieren wir und steigen ab.


    Ganz unten auf dem Meeresspiegel, nun heißt es hoch, höher, am höchsten

    So langsam wie wir da hochradeln, kann man auch gleich schieben. Das entspannt die beanspruchte Muskulatur und schont den Arsch. Immer wieder, wenn es unter 15% Steigung sind, treten wir wieder in die Pedale. So kommen wir Stück für Stück voran, wenn auch langsam. Keiner hetzt uns, maximal die Regenwolken, die sich kurz darauf über uns zu schaffen machen. Zum Glück ist ein Rastplatz mit Klo in der Nähe. Die Toilette riecht extrem, aber nass will auch Keiner werden.


    Zwischenstopp am Rastplatz, den kleinen Regen aussitzen

    Lange dauert der Regen nicht an und soll für heute auch der letzte sein. Über uns wird es heller und heller. Es geht weiter, aber mit schieben. Wir befinden uns nun im längsten und steilsten Schlussabschnitt. Ich empfehle Yvonne, nicht immer nur mit beiden Händen zu schieben, sondern mit der rechten Hand das Rad vom Sattel aus zu ziehen. Für mich ist das eine vorübergehende Abwechslung. Fast tut mir mein Schatz leid, wenn ich sie so am Unterlenker schieben sehe. Dabei legt sie sogar manchmal den Kopf auf die Lenkertasche. "Das sieht doch nicht mehr nach Urlaub aus", müssen sich Manche denken.


    "Wer sein Rad liebt, der schiebt" oder in dem Fall "Geht's steil bergauf, doch besser lauf"

    Gegen späten Mittag ist die Kuppe und der höchste Punkt erreicht. Logisch, "wild hogs" ertönt. Wir wollen hier nicht Pause machen, sondern noch bis Wiltondale fahren. Dort hatte ich auf dem Hinweg ein Café entdeckt. Ganz entspannt und ohne zu treten, rollen wir dahin. Die kleinen Gegenanstiege schaffen wir meist mit Schwung. Am Café angekommen, strahlt Täve über beide Ohren. Erstmals gibt es Pancakes. Na gut, die Pause dehnen wir etwas aus. Wir schlürfen einen Kaffee und essen Kuchen.

    Schätzungsweise noch 3 bis 5 km und wir werden uns mal wieder Schotter unter den Rädern antun. Viel wollen wir aber heute auf der Piste nicht mehr machen, da schon ein hartes Stück Arbeit hinter uns liegt. Für die kommenden zwei Tage verabschieden wir uns vom Asphalt und biegen gegen 17 Uhr rechts in Richtung Corner Brook ab. Wir lassen erst einmal wieder Luft von der Reifen ab. Es rollt gut dahin, die Piste ist breit und einsam genug, um zu Dritt die volle Breite nutzen zu können.


    Eine Wolkenwand hängt sich östlich fest und bleibt auch dort


    Skurrile Wolkengebilde, wir biegen hier aber ab auf die Piste

    Es kommen immer wieder schöne Seen und Flüsse, aber weder auf dem Navi noch live vor Ort sehen wir irgendeine Chance auf ein tolles Camp. An einem namenlosen See bei km 50 pausieren wir noch einmal. Ich schaue mich derweil um, will mal die Lage checken. Hier gibt es mehrere kleine Wege, die in die Wälder zu den Seen führen. Von jedem Weg komme ich aber enttäuscht zurück. Entweder enden sie im Nirwana oder es gibt keine geeignete Stelle.


    Es doch noch ein schöner Tag geworden


    baumreiche Landschaft mit vielen kleinen Seen

    Ich will schon zum Weiterfahren aufrufen, da entdecke ich einen kleinen Trampelpfad zu einem See. Okay, eine letztes Mal schaue ich hier nach und werde belohnt. Nun stehe ich direkt am See mit sandigem Ufer und klarem Wasser. Was für ein Traumcamp. Wir müssen nur noch die Räder durch das Gestrüpp wuchten und über einen kleinen Bach stemmen, aber der Platz ist es Wert.


    Das Traumcamp (ohne Zweifel)

    Wir sind uns sofort einig, dies ist das bisher schönste Camp. Entspannt bauen wir alles auf, packen alles aus und genießen dabei die Ruhe. Täve ist damit beschäftigt, mit alten Stämmen eine Brücke über den Bach zu bauen. Er fängt ein paar Frösche, sammelt Kaulquappen oder wirft Steine in den See. Wir dagegen schaukeln in unseren TAR Chairs und können nicht genug vom Anblick der Umgebung bekommen.


    Täve schleppt Treibgut durch die Gegend

    Da wir sehr gut versteckt von der Straße entfernt campieren, gehen wir mit den letzten Sonnenstrahlen mal im Hellen waschen. Wir setzen uns in den kalten Bach und erfrischen uns so sehr, dass wir nun wieder putzmunter sind. Nun noch ein leckeres Abendmahl und Alle sind wieder auf der Höhe. Ohne Lagerfeuer ist es heute auch noch nach Sonnenuntergang auszuhalten. Daher sitzen wir noch lange und lauschen den Geräuschen der Natur.


    Blick auf den See

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    #35
    28.August | Bibercamp

    Mit Blick auf den See genießen wir den Kaffee und starten euphorisch in den neuen Tag. Was er wohl bringen wird, wissen wir nicht, aber genau das macht den Reiz an solchen Urlauben aus. Nachdem wir Räder und Gepäck wieder auf die Piste geschleppt haben, geht es auch schon los.


    Frühstück mit Aussicht

    Die Piste lässt sich gut fahren und ist wenig besucht. Wir durchfahren nun ein Gebiet, das als Forst genutzt wird. Immer wieder abgeholzte Gebiete, dazwischen Seen und ab und an Wälder. Aufgrund der breiten Straße kann man lange und sicher in der Ferne nach Tieren suchen. Wir entdecken sogar wieder eine Elchkuh mit Nachwuchs in de Ferne. Sie schauen zu uns rüber, aber sehen können uns die halbblinden Viecher wohl eher nicht.


    viele freie abgeholzte Flächen

    Wir kommen immer wieder an Hütten vorbei, die im Winter den Schneemobilnutzern als Schutz dienen sollen. Wir nutzen diese nur als Rastmöglichkeit und benutzen die Trockenklos. Obwohl es sich gut fahren lässt, schieben wir den einen oder anderen Anstieg die Räder hoch. Da Täve nicht gezogen werden möchte, darf er entscheiden, wann geschoben wird. Eigentlich können wir schneller fahren, aber keine Kraft zwingt uns dazu. Ausgebremst werden wir durch viele Weitblicke und Fotopausen.


    Die besagten Schutzhütten

    Nach 20 km wollen wir große Pause machen, da kommen die ersten Motorisierten des Weges. Es ist eine Gruppe von ca. 8 Quads, die eine gebuchte Tour auf Neufundland fahren. Der Guide und ich unterhalten uns ein wenig über die lokale Fauna und dass es noch 65 km bis Corner Brook sind. Wir werden das wohl heute nicht in einem Ritt schaffen. Heute noch ein bisschen und morgen dann der Rest.

    Wenig später ziehen sie weiter und wir pausieren am Wegesrand. Die Sonne haben wir zum letzten Mal heute Morgen gesehen, aber dafür regnet es wenigstens nicht. Mal etwas Sonnenpause tut auch gut. Nach der Pause rollen wir weiter, dazwischen immer mal Anstiege mit 100 Höhenmetern. Nach einem dieser längeren Anstiege werden wir mit einer Überraschung belohnt.

    In der Ferne tauchen wieder die Tablelands auf. Auf dem Navi kann ich nicht erkennen, ob wir diesen noch näher kommen werden, aber auch dieser Ausblick ist schon Belohnung genug. Nach kurzer Rast und Genuss stürzen wir uns in die Abfahrt. Ich weise Täve noch einmal darauf hin, dass er das "Stürzen" bitte nicht wörtlich nehmen soll. Seine Wunde ist super verheilt und so soll es bitte auch bleiben.


    Wieder erscheinen die Tablelands

    Bald nimmt die Bewaldung wieder zu und wir würden in 5 km den tiefsten Punkt des Abschnitts erreicht haben. Dann würde es 350 Höhenmeter hinauf gehen. Bei km 28 pausieren wir also noch einmal, oberhalb von einem namenlosen See, gleich in der Nähe vom Wigwam Lake. Die Aussicht ist fantastisch und Yvonne meint nur: "Komm' lass uns das mal genießen, was für ein schöner See". Wir haben es Nachmittag, Zeit ist dafür genug vorhanden.


    Aussicht genießen


    Pause am namenlosen See

    Wo wir da so sitzen und die Umgebung auf uns wirken lassen, beschleicht mich das Gefühl, dass Yvonne das gleiche denkt wie ich. Wir schauen uns an und beschließen, hier und jetzt zu bleiben. Der See hat uns eingefangen, die Aussicht und die Ruhe gefesselt. Warum weiterfahren, wenn man einen Platz so extrem schön findet. Ohne dass das Zelt steht, wollen wir den Platz schon Supertraumcamp nennen, es wird aber nie dazu kommen.


    Das Bibercamp

    Unterhalb des steilen Steinwalls, auf dem wir pausiert haben, finde ich einen kleinen Stellplatz für unser Zelt. Die Räder lassen wir oben an der Piste liegen, decken sie mit der Plane ab und legen ein paar Äste drauf. Die wird schon Keiner finden und klauen. Am Ufer liegt genug Totholz und wir bauen eine kleine Feuerstelle auf. Die Mücken halten sich in Grenzen, daher warten wir noch mit dem Anzünden.

    Das Zelt steht auch bald und Yvonne liegt auch bald in selbigen und entspannt. Ich genieße mal kurz den Ausblick weiter und entdecke mit dem Fernglas am gegenüberliegenden Ufer einen Biberbau. Ob der noch bewohnt ist? Dann schlage ich Täve vor zu angeln, er aber will wieder einmal Brücken bauen. Los geht's. Über die vereinzelten Steine im See legen wir Stämme und als Versuchsperson darf ich dann herhalten um sie einzuweihen.

    Am See liegen schön flache Steine, die danach zum flitschen einladen. Ich mache damit lieber Pferdefurze, die klingen immer irgendwie geil, wenn die flachen Steine senkrecht ins Wasser eintauchen. So verleben wir den Nachmittag mit vielen Aktivitäten aber auch entspannten Abschnitten und die wenigen Kilometer heute sind vergessen. Da müssen wir halt morgen ordentlich klotzen.


    Unsere Badestelle am großen Stein

    Gegen Abend öffnet sich die Wolkendecke und wir nutzen die warmen Sonnenstrahlen, um uns waschen zu gehen. Der See ist sehr klar und viele kleine Tierchen tummeln sich im See. Fische sehen wir leider keine, aber es gibt sie, da wir in der Ferne sehen, wie sie beim Auftauchen Wellen schlagen. Täve winkt wieder ab "Kein Bock zu angeln, wir fangen doch eh keine". Nun gut, Ausdauer und Geduld waren noch nie seine Stärke.


    Wo ist der Biber

    Am Lagerfeuer kochen wir unser Abendessen und während sich Alle Nudeln reinschaufeln, entdeckt Yvonne mitten auf dem See etwas. Es ist ein Biber, der seine Runden im See dreht. Das ist wie eine Live Doku im Fernsehen. Wir sitzen noch lange und beobachten den Biber bei seinen Kontrollgängen. Dabei streift er auch ab und an unsere Uferlinie. "Bleib' ja im See, wir tun Dir nichts" besänftigt Yvonne ihn.


    Der Biber zieht seine Bahnen

    Wir gehen etwas zeitiger als sonst ins Bett, lassen das Feuer noch ein wenig brennen. Mitten in der Nacht werde ich auf einmal von einem lauten Wasserklatschen geweckt. Mein erster Gedanke: Ein Bär springt am Ufer herum und fängt Fische. Ich liege starr da, mein Herz pumpt. "Klatsch" und ein zweites Mal. Nun sind auch Yvonne und Täve wach. Was war das? Wir spekulieren uns in Rage und lauschen ruhig den Außengeräuschen. "Komm' Jens, geh' mal nachschauen" meint Yvonne, Täve bestätigt diese Aussage mit "Ja, genau".

    Klar, gehe ich jetzt da raus und begrüße den Bären bei seiner Nahrungsaufnahme. Die Hilleberg Zeltwand wird uns schon schützen, ich gehe keinen Meter vor die Tür. Ich öffne das Innenzelt und leuchte mit der Lampe durch die Lüftung auf den See. So ein Mistvieh, es ist der Biber, der ständig mit seinem Schwanz auf das Wasser aufschlägt. Ganz nah am Ufer schwimmt er lang. Der Dicke soll doch woanders lang schwimmen, der See ist groß genug.

    Da sich nun Alle fast eingemacht haben und wir nun wissen, dass es nur der Biber war, gehen wir gesammelt einmal pinkeln und schlafen dann beruhigt weiter. Yvonne schläft mit den letzten Worten ein "Bibercamp trifft es wohl besser!"

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    #36
    29.August | Corner Brook Camp

    Nach den vergangenen zwei Tagen stellen wir beim Frühstücken fest, dass dieser Schotterabschnitt mit zu den schönsten gehört, da er ruhig und einsam ist und neben der Landschaft wirklich tolle Camp Spots bietet. Mal schauen, wie der letzte Teil bis Corner Brook ist. Jedenfalls starten wir mit etwas gedämpfter Freude, denn gleich wird uns ein langer Anstiege erwarten.


    Noch lässt es sich gut rollen, noch!

    Wir sind aber noch frisch und entscheiden uns, die steilen Passagen zu schieben und aller 150 Höhenmeter zu pausieren. Am Goose Arm, ein Seitenarm einer Vierfinger-Bucht, haben wir den Tiefstpunkt erreicht. Nein, unseren mentalen Tiefstpunkt noch nicht, aber die Meereshöhe. Bevor wir die 8 km Anstieg bewältigen, pausieren wir noch einmal und dann geht es Rampe für Rampe hoch.


    Der Goose Arm, irgendwo da hinten müssen wir hoch

    Zum Glück geht es treppenartig bergauf. Ein Steilstück wechselt mit einer flachen Passage ab, was das Ganze erträglich macht. Die Sonne strahlt mal wieder mit voller Kraft, das tut sie meistens dann, wenn wir sowieso schon schwitzen. Schnell gewinnen wir an Höhe und genießen in den kleinen Verschnaufpausen die Ausblicke. Wirklich genießen kann ich das anscheinend nur, denn bei Yvonne und Täve macht sich schlechte Laune breit.


    Wieder in Sicht, die Tablelands

    Der Belag wird schlechter, so dass nun auch an flacheren Anstiegen geschoben wird. Ein Schuldiger ist schnell gefunden. Ich muss mir Sprüche anhören "Was hast Du Dir hier rausgesucht", "Wann hat das endlich ein Ende?" oder der Brüller "So habe ich mir den Urlaub aber nicht vorgestellt". Es wird nur noch gemotzt. Ich bin sauer, weil immer nur gemeckert, aber nie gelobt wird. Ich fahre nun vorneweg, will davon nichts mehr hören. Meine Motivationsgespräche bringen nichts mehr. Bis Mittag herrscht dicke Luft.


    Ausblick auf den Old Mans Pond, der lange Anstieg ist geschafft


    Fantastische Ausblicke beruhigen wieder die aufgeheizten Gemüter

    Erst, nachdem der Anstieg endlich geschafft ist und gleichzeitig der Untergrund besser wird, steigt auch wieder die Laune. Da ich nicht gleich wieder der Buhmann sein möchte, verheimliche ich vorerst, dass da noch einmal ein 150 Höhenmeter Anstieg kommen würde. Kurz bevor dieser am Old Mans Pond beginnt, machen wir erst einmal Mittagspause. Die letzten Reserven werden vernichtet, es bleibt nichts übrig.

    Es kommt ein älterer Mann des Weges, der uns motiviert, dass es der letzte Anstieg sei und dann nur noch bergab ginge. "Ha, solche Worte sollte man hier nicht äußern" denke ich. Was das für Konsequenzen hat, durfte ich schon all zu oft spüren. Mal schauen, ob er Recht behalten würde. 25 km seien es noch bis Corner Brook, wir hatten es gerade 13 Uhr. Das würde doch passen. Er gibt uns noch Tipps hinsichtlich Campgrounds und Einkaufsmöglichkeiten und bietet sogar an, uns dann vom Camp nach Corner Brook zu fahren. Wir lehnen dankend ab, aber es ist nette Geste.

    Nach der Pause haben sich Alle wieder vertragen und als dann mal wieder Luft zum Quatschen ist, gibt es nur ein Thema: "Wie geht es weiter?" Bis nach St. Johns werden wir es nie schaffen, die 8-Loop ist unrealistisch, aber es gibt einen Bus, der täglich den Highway zwischen St. Johns und Port aux Basques (Fährhafen nach Nova Scotia) bedient. Wir müssen nun einen Punkt finden, wo wir in den Bus steigen. Dabei ist das aber auch noch ungewiss, ob die uns und unsere Räder mitnehmen. Es bleiben zwei Optionen: Weiter in Richtung Port aux Basques fahren oder wieder Richtung St. Johns zurück. Auf dem Highway wollen wir aber nun nicht komplett fahren.

    Da ich so spontan keinen Plan aus dem Ärmel schütteln kann, schlage ich vor, in Corner Brook auf einen Campingplatz zu gehen. Dort können wir uns sortieren, Pläne für die letzte Woche schmieden, Wlan nutzen. Wir konzentrieren uns wieder auf die Landschaft. Zum ersten Mal seit 3 Wochen entdecken wir große Wiesen, die von Felsformationen eingekesselt werden. die stark an die Sächsische Schweiz erinnern.


    Bald kommt wieder Asphalt, Zeit also, um die letzten Körner zu verbraten

    Gegen 15 Uhr erreichen wir nach einem letzten steilen Schotteranstieg die Straße 440, die von Cox Cove kommend nach Corner Brook führt. Wie im Rausch rasen wir auf dem Asphalt lang und verpassen nach 4 km fast das Camp. Es ist eine weitläufige Anlage, außerhalb von Corner Brook, auf eine kleinen wilden Halbinsel gelegen. Wir suchen uns einen Platz auf den "unserviced sites" raus.

    Yvonne widmet sich der Camp Errichtung, ich dagegen darf noch einmal in die Pedale treten. Supermärkte gibt es leider nur im 8 km entfernten Corner Brook. Täve will mich begleiten, also ziehen wir flott los. Auf dem Weg dorthin entdecken wir Beide erstmals auch einen Weißkopfseeadler. Dieser versucht gerade, einem Kolkraben die Beute abzuluchsen. Was die für Flugakrobaten sind. Wir rasten kurz und schauen uns das Schauspiel an.

    Corner Brook haben wir bald an der flachen Küstenstraße erreicht. Hier unten aber ist nichts, nur Hafenindustrie. Wir müssen hoch auf den Hügel. Da oben liegt das Zentrum. Gedanklich taufe ich diesen Ort bald "Neufundlands San Francisco". Die Straßen gehen so steil hoch, dass wir auch ohne Gepäck schwer zu treten haben. Wir schieben lieber. Die 100 Höhenmeter sind aber schnell geschafft.

    Wir kaufen alles Nötige ein, Täve bekommt noch seine Portion Pommes und gegen 18 Uhr sind wir wieder am Camp. Unterwegs äußerte Täve noch die Idee, heute Abend hier noch einmal hin zu fahren, um Abendessen zu gehen. "Das glaube ich nicht, weil ich Yvonne's Antwort schon kenne". Sie fährt heute sicher keinen Meter mehr. Daher essen wir im Camp zu Abend. Vorher gehen wir noch duschen und bevor es richtig dunkel wird, zehren wir ein paar tote Bäume aus dem umliegenden Wald. Wir machen Feuer.

    Es wird noch ein gemütlicher Abend, ohne zu wissen, was uns noch bevorstehen würde. Darum müsste ich mich dann morgen früh kümmern.

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    AW: [CA] Mit dem Reiserad 4 Wochen quer durch Neufundland

    #37
    30.August | Corner Brook Camp

    Irgendwie stehe ich mit gemischten Gefühlen auf. Lustlos in den Beinen und im Kopf, aber draußen scheint die Sonne, noch. Vom Wald umgeben haben die Regenwolken die Chance, sich unbemerkt an zu schleichen. Zum Glück haben wir das Frühstück schon beendet und flüchten schnell ins Zelt. Was machen wir nun? Abwarten und später losziehen. Ein Plan liegt noch nicht bereit.

    Ich offenbare meine Lustlosigkeit. Gibt es also neben der Wanderdepression auch eine Radlerdepression? Vom Radfahren habe ich noch nie genug bekommen können, aber heute fühlen sie meine Beine schwer an, mein Kopf hat eine Blockade. Yvonne findet das nicht toll, sie will und kann eigentlich weiter. Täve dagegen ist auch für einen Tag Pause. Da es nun gerade regnet, habe ich Zeit, einen neuen Plan zu schmieden. Obwohl es bald wieder aufhört mit regnen, entscheiden wir uns für einen Relaxtag, einen richtigen Relaxtag ohne auch nur einen Zentimeter die Räder zu bewegen.


    Irgendwo, von da hinten sind wir gestern gekommen

    Noch nie war ich so ratlos. Alle Planungen führen ins Leere. Entweder zu wenig Zeit, zu lange Strecke, zu viel Highway oder oder oder. Neben der Strecke müssen wir auch die Rückfahrt des Busses und unseren Rückflug betrachten. Der Bus kommt erst gegen 22 Uhr in St. Johns an, der Rückflug geht Tag darauf um 14 Uhr. In diesem Zeitfenster muss ich auch irgendwann noch die Räder auseinander bauen und verpacken. Schaffe ich das? Müssen wir einen Tag eher in St. Johns sein, um keinen Stress zu haben?


    Corner Brook, da oben auf der Kuppe ist das Murphy Square Einkaufszentrum

    Ich entscheide mich, am Abflugtag einfach zeitig am Morgen auf zu stehen. Dann müsste das passen. Also haben wir nun 4.5 Tage Zeit, um eine Strecke von ca. 300 km zu schaffen. Jedoch ohne zu wissen, wie 1/3 dieser Strecke beschaffen sind. 70 km am Tag sind möglich, wir wollen also unsere Originalroute weiter fahren, aber ab Corner Brook den T'railway auslassen und den fast parallel verlaufenden Highway 50 km in Richtung Port aux Basques fahren. So kann man Kilometer machen und den Anteil an Schotterpiste minimieren. Ziel wird nun Badger sein, wo unser Bus am vorletzten Tag gegen 14 Uhr abfährt.


    Vogelbeobachtung


    Wenn die über Einen drüber fliegen, ist mal kurz Schatten

    Mit diesem Plan können wir nun Alle leben und schlendern nun auf kleinen Pfaden auf der kleinen Halbinsel herum. Am Ufer beobachten wir Weißkopfseeadler und entspannen. Jede größere Bewegung wird vermieden, nach ca. 2 Stunden sind wir wieder am Zelt, sammeln ein wenig Holz und vertreiben uns die Zeit mit Karten spielen, lesen und Musik hören. Ein wenig Augenpflege betreiben wir auch noch und so vergeht der Tag wie im Fluge.

    Yvonne fängt am späten Nachmittag schon mit dem Abendessen an, während ich ein letztes Mal die Räder pflege. Morgen müssen wir noch Proviant für die 5 Tage in Corner Brook besorgen. Täve kommentiert das mit "Mama, das wird Dir sicher Spaß machen. Solche Anstiege hast Du noch nie gesehen". Alles geht entspannt vonstatten, das Essen, das Abwaschen und das gemütliche Sitzen am Lagerfeuer. Ich schließe über Nacht noch einmal das Powerbank auf der Toilette an, so richtig haben es die Nabendynamos nicht geschafft unseren Stromverbrauch zu erzeugen.
    Geändert von elbspitze (23.09.2019 um 13:30 Uhr)

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    AW: [CA] Mit dem Reiserad 4 Wochen quer durch Neufundland

    #38
    Es ging ja wirklich seit meinem letzten Lesen spannend weiter, allein schon für die Tiersichtungen beneide ich euch, ok für die Piste weniger.
    Und mein Kompliment: ihr seid schon ein echt tolles Team!
    Two roads diverged in a wood, and I—
    I took the one less traveled by,
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    AW: [CA] Mit dem Reiserad 4 Wochen quer durch Neufundland

    #39
    Zitat Zitat von Sternenstaub Beitrag anzeigen
    Es ging ja wirklich seit meinem letzten Lesen spannend weiter, allein schon für die Tiersichtungen beneide ich euch, ok für die Piste weniger.
    Und mein Kompliment: ihr seid schon ein echt tolles Team!
    Danke Dir Sternenstaub. Um die Piste wird uns wohl Keiner beneiden, aber manchmal muss man ein wenig Leid in die Waagschale werfen, um was dafür zu bekommen. Bei den Tiersichtungen waren dann immer alle Schmerzen schnell vergessen. Ok, die kamen aber auch schnell wieder

    Ein tolles Team? Yvonne beschrieb es irgendwann mal mit den Worten "Du planst immer unmögliche Touren, aber zu Dritt machen wir sie dann möglich" Irgendwie stimmt das, weil wir uns arrangieren (müssen) und zugegebenermaßen Frau und Kind echt leidensfähig sind

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    #40
    Zitat Zitat von elbspitze Beitrag anzeigen

    Ein tolles Team? Yvonne beschrieb es irgendwann mal mit den Worten "Du planst immer unmögliche Touren, aber zu Dritt machen wir sie dann möglich" Irgendwie stimmt das, weil wir uns arrangieren (müssen) und zugegebenermaßen Frau und Kind echt leidensfähig sind
    Ja, natürlich! Was macht denn ein Team aus? Etwas gemeinsam möglich zu machen. Da ist eine Idee, von wem auch immer, der manchmal logischerweise auch verflucht wird . Scheinbar kannst du die Ideen dann doch so gut "verkaufen" (das is jetzt nicht böse gemeint), dass die anderen das in Erwägung ziehen und so wächst eine Idee und wenn da als Ergebnis heraus kommt, dass alle die Tour (meistens ;) ) genossen haben, ist das doch prima. Da zählt die Leistung und das Durchhaltevermögen aller, ihr seid ja alle drei wieder zurück gekommen.
    OT: Wenn ich dazu eine kleine Anekdote erzählen darf: ne, mache ich doch nicht, vielleicht in einem Extrafaden, das würde zu lang.
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