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  1. Gerne im Forum
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    [DE] Auf dem Querweg von Konstanz nach Freiburg

    #1
    Mitreisende: LewisTolleni
    Ein Bericht von unserer Wanderung auf dem Querweg von Konstanz nach Freiburg im März 2018.

    Allgemeines
    Der Querweg ist ein Weitwanderweg, der Schwarzwald und Bodensee miteinander verbindet und von Konstanz am Bodensee bis Freiburg im Breisgau führt. Wir sind den Weg in umgekehrter Richtung gelaufen und starteten somit im Hafen von Konstanz. Es geht nur kurz entlang des Sees und es gilt, einige Ortschaften zu durchqueren, bevor man Singen am Hohentwiel erreicht. Nach diesem ersten, stärkeren Anstieg warten hinter Singen die anderen Hegauberge und der Querweg lässt hier auch kaum welche aus. Eines der Highlights ist sicherlich die Wutachschlucht. Dahinter wartet mit dem Hochfirst der höchste Punkt der Wanderung, für den Aufstieg wird man jedoch mit einer wunderschönen Aussicht auf den Titisee mehr als entlohnt. Am Ufer des Titisees entlang führt der Querweg weiter nach Hinterzarten und dann bergab durch das Höllental. Ans Ziel gelangt man dann in Freiburg.

    Wandern auf dem Querweg
    Gerade zu Beginn unserer Wanderung mussten wir Ortschaft um Ortschaft auf asphaltierten Wegen durchqueren, sodass die ersten zwei Wandertage mehr als zäh waren. Hinter Singen wird es dann angenehmer und sobald die Wutachschlucht erreicht ist auch richtig wild. Auch der Abstieg durch das Höllental hält einige schöne Pfade bereit. Insgesamt hat der Querweg leider doch einen großen Anteil an asphaltierten Wegen und Forststraße. Die Markierung ist insgesamt sehr gut.

    Vorlauf der Reise & Rahmenbedingungen
    Mit dabei auf der Wanderung sind Momo, Renate, Balu und ich, die wir alle gemeinsam die Schule besucht haben. Bevor wir eine klare Idee hatten, wo es hingehen soll, stand der Zeitpunkt der Wanderung mit 24.03.-31.03 fest. Nach einigen Emails hin und her waren dann kurze und günstige Anreise die ausschlaggebenden Argumente für den Querweg und auch die enthaltenen Wegpunkte lösten Kribbeln in den Füßen aus. Unsere größten Bedenken galten vor der Reise Temperatur und Niederschlag, insbesondere da wir alles andere als Kältespezialisten sind und auch keine High-End Ausrüstung dafür haben. Dass in den ersten zwei Märzwochen der Winter nochmals so richtig Einzug hielt im Schwarzwald, ließ uns weiter zittern und kurzzeitig stand sogar im Raum, nicht zu starten. Mitte März hat das Wetter sich dann aber wieder freundlicher gezeigt. Insgesamt war es für uns zwar knackig mit Minustemperaturen in der Nacht, aber nie grenzwertig. Insbesondere tagsüber wurden wir verwöhnt und nur zweimal von oben nass.
    Gestartet sind Momo, Balu und ich. Renate ist dann am dritten Wandertag morgens in Singen dazugestoßen.

    1.Wandertag: Start in Konstanz

    Ich steige um 07:39 Uhr in den Zug und zwei Stationen später steigt auch Balu ein. Mit der Schwarzwaldbahn und dem Gequassel aus dem Vierer nebenan geht es in etwa zweieinhalb Stunden in Richtung Bodensee. Ich noch schnell ins Sportgeschäft auf der Straßenseite gegenüber dem Bahnhof und ergänze meine Ausrüstung um einen Göffel. Derweil wartet Balu auf Momo am Treffpunkt und tankt die reichlichen Sonnenstrahlen. Das Wetter könnte in der Tat nicht besser sein für einen Start in unsere Querwegwanderung. Nach kurzem Toilettenbesuch und obligatorischem Startfoto setzen wir unsere Rucksäcke auf und laufen erstmal entlang des Hafens die ersten Meter. Wir finden uns schnell in Konstanzer Wohngebieten wieder und passieren unter anderem das Studentenwohnheim, in dem Momo einst gewohnt hat. Überhaupt ist die Idee, den Querweg zu laufen, auf Momos Mist gewachsen, verbindet er doch ihren alten Studienort mit ihrem neuen. Neben einer Straße führen uns Forstwege aus der Stadt über die Rheinbrücke und den Stadtteil Petershausen heraus zur Universität Konstanz, wo wir ein kurzes Erinnerungsfoto für Momo schießen.


    Im Hafen von Konstanz beginnt unsere Reise





    Es ist ein herrlicher Morgen und Weg sowie Umgebung noch unspektakulär, weswegen wir flott vorankommen. Langsam legen wir Schicht um Schicht unserer Kleidung ab und können teilweise sogar im T-Shirt laufen. Bald erreichen wir den Biergarten Katharinenhöhe und machen eine kurze Schokoladenpause.


    Katharinenhöhe


    Heute geht es noch viel auf breiten Waldwegen

    Momos Freund möchte uns auf der ersten Etappe auf dem Querweg ein Stück weit begleiten. Wir machen mit ihm aus, dass wir uns am Kreisverkehr vor Litzelstetten, der nächsten Ortschaft, treffen. Hinter dem Biergarten führt uns der Weg hinein in einen Wald, in dem wir immer wieder anderen WanderInnen begegnen. Nicht lange dauert es, bis wir am Kreisverkehr angekommen sind, aber von Momos Freund ist weit und breit nichts zu sehen. Wir geben Bescheid, dass wir schon einmal weiterlaufen – schließlich haben wir ein 180km Projekt zu bewältigen! – und dass er uns einfach mit dem Rad einholt. Nur am Rand streifen wir Litzelstetten und steigen stattdessen am Rand der Ortschaft und durch Kleingartenanlagen, Streuobstwiesen und Felder zum ersten Mal leicht an zum Aussichtspunkt „Purren“. Während des Aufstiegs hören wir von hinten ein lauter werdendes Knarzen, welches unseren Gruppenzuwachs ankündigt. Gemeinsam legen wir die letzten Meter zurück.


    Auf dem Purren


    Luftverkehr


    Schönes Wanderleben

    Vom Aussichtspunkt können wir bis zu den Alpen zu blicken. Die grandiose Fernsicht auf die Berge und den Überlinger See, die Sonnenstrahlen und Panoramabänke laden uns zu einer ausgiebigen Pause ein. Wir bereiten unsere erste Brotzeit zu und genießen den Moment. Immer wieder stoßen andere Leute hier am Aussichtspunkt dazu. Auch in der Luft ist einiges los. Über dem See kreist ein Zeppelin und auf einer nahegelegenen Wiese starten kleine ferngesteuerte Flugzeuge. Es fällt uns schwer uns von hier loszueisen. Zu viert nun geht es weiter auf Forstwegen größtenteils durch Wald und an kleinen Riedgebieten vorbei. Immer wieder erhaschen wir durch den noch lichten Wald einen Blick auf den Bodensee. Nach einem Stück direkt auf der Straße biegen wir wieder auf landwirtschaftliche Wege eine, die oberhalb von Dingelsdorf und Bodensee entlangführen. Auf den Feldern können wir aus der Ferne einen Fasan und zwei Störche ausmachen, die sich schnell aus dem Staub machen, sobald wir uns nähern.



    Hier auf den Wegen oberhalb von Wallhausen machen wir unsere vielleicht skurrilste Begegnung unterwegs. Wir treffen auf zwei Männer, die uns ansprechen und interessiert sind an unserem Vorhaben. Obwohl das Schwäbische unserem Dialekt von der anderen Seite des Schwarzwaldes gar nicht so fremd ist, stellt diese besonders ausgeprägt gesprochene Form der beiden Herren vor allem mich vor große Verständnisprobleme. Doch nicht nur der Dialekt, sondern auch das verwendete Vokabular stellt mich vor einige Herausforderungen. Und so dauert es einige Rückfragen, bis ich verstehe, dass die Frage „Schlafe na inna Daggelgarasch“ darauf abzielt, ob wir mit dem Zelt unterwegs sind. Dies war in jedem Fall sehr lustig für alle Beteiligten und zauberte uns auch während der nächsten Tage immer wieder ein Lächeln ins Gesicht.


    Immer wieder haben wir einen Blick auf den See

    Wir entscheiden uns, einen Abstecher zur Einkehr in den Burghof, eine Gaststätte, zu nehmen. Dort ist es ganz nett im Garten zu sitzen und wir stärken uns an Russ und Himbeerkuchen. Wir verweilen aber nicht zu lange, da sich der Tag langsam dem Ende zuneigt. Leider ist die Marienschlucht gesperrt und wir umgehen das Gebiet weiträumig. Vorbei an einem Golfplatz gelangen wir wieder an eine Landstraße, wo uns Momos Freund verlässt. Auf einem Gehweg neben der Landstraße ist es nicht mehr lange bis nach Langenrain. Wir machen uns auf die Suche nach einem Nachtlager, sobald wir den Wald hinter der Ortschaft erreicht haben. Es dauert nicht lange, bis wir eine Schneise erreichen, die wegen einer Stromleitung in den Wald gehauen wurde. Die Aussicht wäre wirklich gut gewesen von hier, allerdings war uns dieser Ort aufgrund der vielen Schießstände zu unsicher. Wir laufen also nochmal weiter und werden bald direkt am Weg im Wald fündig. Das Laub am Boden ist überraschend trocken und ermöglicht uns einen weichen Untergrund. Wir bauen unsere Zelte auf und kochen Couscous zum Abendessen.






    Hinter Langenrain

  2. Gerne im Forum

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    AW: [DE] Auf dem Querweg von Konstanz nach Freiburg

    #2
    Sehr schön!
    Fortsetzung folgt wahrscheinlich.

    Dies ist unsere Statistik auf dieser Strecke:
    Querweg FR -> KN 2018 (incl. Feldberg)
    24. 09. -04. 10 2018
    zurückgelegte Wanderstrecke: 233 km
    Bewegungskilometer: 302 km
    Wanderzeit. 63h 37′
    6.900 Hm aufwärts 6.280 Hm abwärts
    23.843 kcal

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    AW: [DE] Auf dem Querweg von Konstanz nach Freiburg

    #3
    Zitat Zitat von MLO Beitrag anzeigen
    Sehr schön!
    Fortsetzung folgt wahrscheinlich.

    Dies ist unsere Statistik auf dieser Strecke:
    Querweg FR -> KN 2018 (incl. Feldberg)
    24. 09. -04. 10 2018
    zurückgelegte Wanderstrecke: 233 km
    Bewegungskilometer: 302 km
    Wanderzeit. 63h 37′
    6.900 Hm aufwärts 6.280 Hm abwärts
    23.843 kcal
    Die Fortsetzung folgt Danke für die Daten, das sieht doch ganz ordentlich aus was ist genau der Unterschied zwischen zurückgelegte Wanderstrecke und Bewegungskilometer bzw. wie kommt dieser zustande?

    Und nun zu Tag 2:

    2. Wandertag, bis kurz vor Singen

    Von der Zeitumstellung in der Nacht bekommen wir nichts mit und so zeigt die Uhr schon auf acht, bis in unseren Zelten Leben erwacht. Zwar ist es noch sehr kalt, doch am Himmel sind keine Wolken zu entdecken und ein weiterer Sonnentag kündigt sich an.


    Die ersten Meter am Morgen

    Die Landschaft wird etwas offener und bald sehen wir unterhalb den Mindelsee, noch leicht im Nebel eingehüllt. Kurz bewundern wir eine Rostgans auf dem Dach eines Bauernhauses und verlassen dann schnurstracks die Pfade des Querwegs. Eigentlich führt dieser oberhalb des Mindelsees weiter, doch an diesem wunderschönen Morgen (erwähnte ich dies bereits?) kommt es nicht in Frage, keinen Abstecher dorthin zu machen.


    Der Mindelsee



    Momo besteht darauf, hier schon einmal gewesen zu sein, den Weg zu kennen und prescht voraus. Nach etwa drei Kilometern am Morgen stehen wir also am friedlichen Ufer des Mindelsees. Wir setzen uns in der Sonne auf den Steg und frühstücken, sonnen uns und genießen den Moment. Nur kurz wird dieses Idyll von SpaziergängerInnen gestört, unter anderem von einer Frau, die sehr besorgt darüber ist, dass das Ziel unserer Wanderung die „gefährliche Stadt“ Freiburg ist. Sachen gibt’s.


    Friedlich liegt der Mindelsee in der Morgensonne...


    ...bis wir kamen



    Gegen 11:30 Uhr geht es weiter, zuerst Richtung Möggingen, eine der vielen kleinen Ortschaften durch die am heutigen Tag wie an einer Perlenschnur aufgereiht der Querweg führt. In der Ortsmitte soll ein Brunnen auf uns warten, doch offensichtlich hat er nicht mit durstigen Wandersleuten gerechnet und somit bleiben unsere Trinkflaschen erstmal leer. Dies sollte sich im Verlauf der Wanderung noch öfter als problematisch herausstellen, dass aufgrund der frühen Jahreszeit fast alle der vorher in mühevoller Kleinstarbeit recherchierten Brunnen am Weg noch kein Wasser führen. Wir legen erstmal unsere Rucksäcke ab und wollen kurz die Lage beraten. Von der anderen Straßenseite kommt aber just in diesem Moment ein Mann auf uns zugelaufen. Sein Blick deutet uns an, dass er unsere problematische Situation erkannt hat und uns gleich die Lösung dazu verrät. Doch dann sagt er etwas, mit dem keiner von uns gerechnet hat: „Komm, ich mach ein Foto von euch!“ Verdutzen. Im kurzen Smalltalk verrät er uns dann noch, dass er auch immer dankbar ist, wenn es nach so einer Reise auch Fotos von der ganzen Gruppe gibt. Wir bedanken uns artig und wünschen einen schönen Sonntag. Somit wäre auch festgehalten, wie wir in Möggingen auf dem Trockenen sitzen geblieben sind.

    Auch in Güttingen haben wir kein Glück mit den Brunnen. Zu allem Überdruss schaffen wir es auch noch, den Weg im Ort zu verlieren. Doch nach einem kurzen Blick auf die Karte rücken wir unsere Orientierung wieder zurecht. An einer Straße entlang gelangen wir nach Stahringen, wo wir eine Frau vor einem Hause sehen, die gerade eine Art Selbstbedienungsflohmarkt aufbaut, um Spenden zu sammeln. Momo darf mit reinkommen und unsere Flaschen auffüllen. Die Frau wünscht uns alles Gute auf dem weiteren Weg nach Singen. Es sei noch ein gutes Stück, aber „meist auf ebenen Wegen.“ -- Zwei Straßenbiegungen später befinden wir uns mitten im ersten Anstieg unserer Wanderung. Es geht hoch zur Burguine Homburg. Dort legen wir eine Vesperpause ein und erholen uns vom kurzen, aber steilen Aufstieg und genießen den Ausblick bis zum Bodensee.


    Schöne Aussicht nach den ersten Höhenmetern





    Angenehm unspektakulär, aber wieder viel auf Straßen geht es weiter durch Ackerflächen und Wald ins nächste Dorf Steißlingen. Wir tanken Cola und Radler in der Dorfwirtschaft und füllen abermals unsere Flaschen auf. Erstaunlich, wie viel wir an diesem Märztag getrunken haben.



    Zum Abschluss des Tages geht es nochmal kurz am Ortsausgang bergauf und anschließend durch Wald, unter der B33 hindurch und dann schlagen wir kurz vor Singen im Wald das Nachtlager auf. Wir durften nicht zu schnell sein, da wir uns am Morgen darauf mit Renate, der vierten Wanderin, am Bahnhof in Singen verabredet haben. Andererseits war die Strecke nach dem Mindelsee kein wirklicher Wandergenuss, sodass man eigentlich nur durchwandern wollte. Während wir uns darüber austauschen hören wir, dass irgendwo in der Nähe ein Feuerwehrgroßeinsatz sein muss. Wir setzen Käsespätzle als Abendessen auf, lassen es uns schmecken und schlafen dann gegen 20 Uhr ein.


    Der Hegau ruft

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    AW: [DE] Auf dem Querweg von Konstanz nach Freiburg

    #4
    ... Unterschied zwischen zurückgelegte Wanderstrecke und Bewegungskilometer...
    Auf der einen App messen wir nur die Entfernung von einem Etappenort zum nächsten. Da wir nicht im Zelt übernachtet haben, gibt es immer auch weitere (Bewegungs)Kilometer, die eine weitere App misst.

  5. Gerne im Forum
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    AW: [DE] Auf dem Querweg von Konstanz nach Freiburg

    #5
    3. Wandertag – vor Singen bis kurz vor Welschingen

    Momo ist gerade dabei, ihre Isomatte im Rucksack zu verstauen, als es aus Balus Schlafsack „Noch fünf Minuten!“ ruft. Auch am zweiten Morgen unserer Querwegwanderung fällt es leicht, die Konfrontation mit der kalten Realität außerhalb des Schlafsacks so lange wie möglich hinaus zu zögern. Der blaue Himmel hat uns zudem verlassen. Auf Waldwegen geht es dann aber recht zügig nach Singen.


    Kurz vor Singen

    Dort sind wir am Bahnhof mit Renate verabredet, die unsere Wandergruppe heute komplettiert. Wir machen es uns vor dem Bahnhofsgebäude bequem und beratschlagen ein wenig das weitere Vorgehen. Da noch ausreichend Zeit ist gehen Momo und ich einkaufen für die nächsten beiden Abende, während Balu die Stellung hält. Beim ausgiebigen Frühstücks aus der Bäckerei malen wir noch ein Willkommensschild für Renate, mit dem wir sie am Bahnsteig begrüßen wollen. Leider sind wir uns nicht mehr ganz sicher, wann Renate genau ankommt. 10:24 oder 10:42? So kommt es, dass Renates Zug just in dem Moment ankommt, als Momo das nicht verschließbare Toilettenhäuschen neben dem Bahnhof nutzt und ich Wache stehe. Aus Ärgernis über den Zahlendreher und die misslungene Begrüßung entfährt mir in Renates und Momos Hörweite ein „Scheiße!“. Renate, sichtlich verwirrt von dieser Situation, Momo, verwundert, was passiert ist, und ich müssen laut lachen und freuen uns, dass wir nun komplett sind.


    In Singen: Blick auf den Hohentwiel

    In Singen machen wir nochmal einen kurzen Abstecher in den Supermarkt und in eine Apotheke und folgen dann einem Fluss heraus aus der Stadt. Es geht direkt hinauf zum Hohentwiel, der erste von vielen kleinen Aufstiegen des Tages. Dort treffen wir auf den ersten Langstreckenwanderer der in Schweden aufgebrochen und entsprechend schon mehrere Monate unterwegs ist. Arg viel mehr können wir jedoch nicht von ihm erfahren, da er nicht besonders gesprächig ist. Die zweite Begegnung am Fuße der Festungsruine machen wir mit der neuesten Generation Wachhund. Zwei tollwütige Gänse, die uns partout nicht passieren lassen wollen, gackern uns laut an und schnappen nach uns. Nur mit unseren Stöcken können wir diese wild gewordenen Biester einigermaßen auf Distanz halten.


    Die Wachgänse





    Auf einer Wiese geht es hinab mit Blick auf den Hohenkrähen und die Autobahn, unter der wir dann auch hindurchwandern. Wir werden an einem leerstehenden Gebäude vorbeigeführt, vor dem ein Container steht. Darin liegen Erinnerungen an vergangene Jahrzehnte, ganz oben Liebesbriefe frankiert mit Briefmarken Gustav Heinemanns.


    Blick zurück auf den Hohentwiel


    Blick Voraus auf den Hohenkrähen

    Vorbei an frisch bestellten Feldern über denen dutzende Rotmilane ihre Kreise ziehen kommen wir dem Hohenkrähen immer näher. Am Fuße der Ruine legen wir unsere Rucksäcke ab, als uns plötzlich aus dem nebenan stehenden Haus mehrere Gesichter anlachen. Dort findet gerade ein Seminar für Pfadfinder statt, die – jeden Tag eine gute Tat – uns auf einen Kaffee einladen, was wir natürlich sehr gerne annehmen. Drinnen ist gerade das Mittagessen vorüber und es herrscht eine lustige Atmosphäre. Der Kamin hält die Stube warm, bevor es uns aber zu gemütlich wird, brechen wir wieder auf. Wir wollen aufsteigen zur Ruine und lassen unsere Rucksäcke unten liegen. Oben machen wir unseren Mittag mit Blick auf die Autobahnauffahrt und die schöne Landschaft drum herum.


    4 Leute - 4 Farben





    Durch eine liebliche Landschaft, sanfte Hügel und auf Feldwegen geht es weiter, immer den Blick in die Ferne schweifen lassend. Der Hegau ist einfach unglaublich schön.





    Wir lassen den Mägdeberg und den hier üppig sprießenden Bärlauch links liegen und erreichen das Hegaukreuz. Aber der kalte Wind lässt uns schnell von dieser exponierten Lage weiterziehen durch Felder und Obstanlagen.


    Ende März sind wir noch die einzigen Farbtupfer


    Bärlauch für's Abendessen





    Wir überqueren eine Straße und steigen wieder auf, diesmal zum Hohenstoffeln. Durch den Wald führen steile Wege und das Ende des Aufstiegs ist lange nicht in Sicht. Es macht sich bemerkbar, dass Renate noch ordentlich Schmackes in den Waden hat, bald sehen wir nur noch ihre Rückansicht. Der Aufstieg so spät am Wandertag belohnt uns mit einer herrlichen Aussicht auf den Hegau, Hohentwiel und Bodensee. Wir erreichen einen traumhaft gelegenen Hof. Die Schafe laufen hier frei umher und ein Hängebauchschwein kreuzt grunzend unseren Weg. Aus dem Gartenschlauch füllen wir unseren Wasservorrat auf und machen uns mit dem zusätzlichen Gewicht und einem letzten Blick über die Schulter an den Schlussanstieg.




    Der heimliche Star unserer Wanderung


    Ein letztes Mal sehen wir den Bodensee

    Lange können wir den Ausblick von hier oben nicht genießen. Die Sonne ist schon dabei, unter zu gehen und ohnehin führt uns der Weg schnell wieder bergab Richtung nächster Ortschaft. Ganz hinauf auf den Hohenstoffeln sind wir auch gar nicht aufgestiegen. Nachdem wir ein paar nicht ganz perfekte Zeltmöglichkeiten ausgeschlagen haben, befinden wir uns bald im Ort und laufen auf einer alten Straße heraus durch Felder dem nächsten Dorf entgegen. Über unseren Köpfen brauen sich dunkle Wolken zusammen und mahnen uns zur Eile.




    Der Hohenhewen warten erst morgen auf uns

    An einem kleinen Waldstück werden wir dann schnell fündig. Der Zeltplatz ist eben, weich, liegt an einem kleinen Bach und ist somit für eine Nacht gebucht. Schnell sind unsere Zelttempel aufgebaut und der Kocher angefeuert. Vor dem Essen (Kartoffelbrei, Rotkraut und NicNacs) gibt es noch unsere „daily soap“, d.h. Katzenwäsche. Zwar ist es mittlerweile ganz schön frisch geworden, aber der angekündigte Regen bleibt erstmal aus bis wir in die Zelte kriechen.

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    AW: [DE] Auf dem Querweg von Konstanz nach Freiburg

    #6
    4. Wandertag: Welschingen bis Wald vor Randen


    Morning has broken

    In der Nacht hat es dann doch angefangen zu nieseln, doch bis wir aufwachen hat es auch schon wieder aufgehört. Beim Frühstück erzählt uns Momo begeistert von der Waldohreule, die sie beim Einschlafen gehört hat. Auf der Straße Richtung Welschingen kommt uns Querweg-Gegenverkehr entgegen in Form von drei anderen Wanderern mit großem Gepäck. Hinter Welschingen heißt vor Hohenhewen, unser letzter Aufstieg auf eine der Erhebungen im Hegau.


    Der Hohenhewen ist noch in Wolken gehüllt

    Auf halbem Weg wartet eine Frühstücksbank in der Sonne auf uns. Bis wir aber die Müslischalen geleert haben, pfeift ein kalter Wind um unsere Ohren und die Sonne wurde von Wolken verschluckt. Schnell packen wir zusammen, brechen auf und schlängeln uns auf einem schmalen Pfad nach oben, wiederum aber nicht bis ganz nach oben. Also verlieren wir schnell die gerade eben erst hart erkämpften Höhenmeter und erreichen die ersten Ausläufer von Engen.


    Bergauf


    Engen

    In Engen heißt es, unsere Vorratskammern wieder aufzufüllen. Wir teilen uns in Zweierteams auf. Während Momo und Balu auf Sack und Pack Acht geben, das wir an einer Treppe direkt am Weg zwischenlagern und sich um eine Wasserspende kümmern, machen Renate und ich uns auf zum Supermarkt. Dieser liegt glücklicherweise in direkter Nähe zum Querweg. Mit vollen Taschen zurückgekommen teilen wir den Einkauf auf. Abermals geht es nun wieder bergauf, zuerst durch das Wohngebiet, dann durch das sogenannte Franzosenwäldle. Immer wieder haben wir dabei eine schöne Aussicht auf Engen und in die Umgebung. An einer Bank mit schönem Ausblick am Napoleonseck setzen wir unsere Rucksäcke ab für die Mittagspause. Diese wird aber nur zu einem Päuschen, da abermals der Wind garstig um unsere Ohren saust und sich bis tief in unsere Kleidungsschichten frisst. Brot und Käse werden schnell wieder zwischen Isomatte und Schlafsack verstaut.


    Blick zurück auf Engen



    Links und rechts des Weges, auf dem wir uns vom Napoleonseck bei immer noch kaltem Wind wegbewegen, fallen die Felder sanft ab. Dies bedeutet für uns eine konstant schöne und weite Aussicht, insbesondere auf unsere Strecke der letzten Tage. Imposant ragen die Hegauberge aus der Landschaft. Wir passieren Post- und Spitzweghütte und nutzen vor letzterer einen Platz in der Sonne zum Aufwärmen und kurzer Wegbesprechung.





    Im folgenden Nadelwald stehen die Fichten geordnet Spalier, interessanter ist da schon der Froschlaich in den Pfützen am Wegesrand. Bis nach Riedöschingen wandern wir auf einer kerzengeraden, ebenen Wegstrecke durch den Wald für Ordnungsliebhaber. Dort wartet ein warmer Saal in einem Wirtshaus/Café mit Stammtischgeplauder auf uns. Ferner warten Zwetschgen- und Käsekuchen sowie heiße Schokolade auf uns. Unsere Augenlieder werden schwer und uns überkommt Müdigkeit von der Wärme. Die Wirtin füllt uns zum Abschied unsere gefühlt tausend Flaschen auf und zollt uns Respekt für unser Wandervorhaben.





    Hinter Riedöschingen gehen wir zuerst durch Felder bergauf und dann am Waldrand entlang. Es ist nun schon später Nachmittag und so langsam sollten wir nach einem ebenen Fleck Erde Ausschau halten. Balu und ich flitzen den Mädels davon und warten dann am „Blauen Stein“, bis sie aufgeschlossen haben. Hier hätten wir ausreichend Platz für die Zelte und sogar Tische und Bänke. Allerdings liebäugeln wir auch damit, die Wanderung bereits einen Tag früher beenden zu können und somit nicht erst Ostersonntag, sondern bereits am Samstag zurück zu sein. Deshalb beschließen wir, noch etwas weiter zu wandern. Kurz vor Randen, einem sehr kleinen Ort, biegen wir ein in den Wald und finden schnell zwei Zeltplätze. Zeltaufbau, Körperpflege und Essenszubereitung erfolgen bei immer noch eklig kaltem Wind. Da es draußen zu kalt ist, quetschen wir uns zu viert ins Männerzelt, essen das Pilzrisotto und naschen noch ein paar Nüsschen und Rosinchen zum Tagesausklang.


    Am Blauen Stein

  7. Gerne im Forum
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    AW: [DE] Auf dem Querweg von Konstanz nach Freiburg

    #7
    5. Wandertag: Wald vor Randen bis Bruderhof

    Der Wind nimmt über die Nacht ab, dafür beginnt es wieder zu regnen. Im Zelt stört dies aber freilich wenig. Weitaus mehr stören jedoch die kalten Temperaturen beim Anziehen und Zeltabbau. Schnell wie selten sind wir abmarschbereit und ziehen auch erstmal ohne Frühstück los. Auf der anderen Seite von Randen dröhnen bereits zu dieser frühen Stunde die Motorsägen aus dem Wald. Auf Teerwegen geht es nach Randen. An einem Thermometer, das an einem Haus hängt, lesen wir frische 4 Grad. Hinter Randen geht es erstmal bergab und dann hinein in einen schönen Wald. Auf schönen Wegen geht es weiter bergab, sehr nah an einer Abbruchkante.



    Farne und Moos säumen unseren Weg. Wir überqueren eine Straße und gerade als wir wieder bergauf geführt werden sollen, kommen uns zwei Querweg- Wanderinnen mit zwei Hunden entgegen. Nach einem kurzen Gespräch wünschen wir uns weiter viel Spaß auf der weiten Wanderung. Wir kommen immer näher an eine Stelle, die Momo und mir bereits von der Schluchtensteig- Wanderung bekannt ist.


    Vor dem Aufstieg zum Buchberg



    Wir halten kurz inne, inklusive Erinnerungsfoto, und beginnen dann mit unserer Märchenstunde. Damals war es schon spät abends und am Dämmern. Momo erzählt von den Eindrücken eines Märchen-Feen-Waldes bei Nebel und anbrechender Dunkelheit. Auch heute steht der Wald hier dem in Nichts nach. An der Buchberghütte haben wir aber diesmal mehr Glück und können etwas von der fantastischen Aussicht hier erahnen. In der einigermaßen windgeschützten Buchberghütte frühstücken wir und kochen noch einen Schluck Tee, um uns weiter aufzuwärmen. Ein Gassigeher und Wetterfrosch, der während unserer Pause vorbeikommt, kündigt uns für den Nachmittag leichten Nieselregen an, was nicht gerade für Begeisterung sorgt.



    Satt und aufgewärmt wagen wir uns an den teilweise steilen und rutschigen Abstieg durch Laubwald nach Blumberg. Renate und ich werden dort unter einem Vordach zwischengeparkt während Momo und Balu heute dran sind mit der Besorgung der Verpflegung. Wir werden nicht enttäuscht als die beiden neben der Grundverpflegung auch noch ein paar Naschereien zum Sofortverzehr aus der Bäckerei mitbringen. So gestärkt brechen wir auf und machen uns auf einer anderen, aber nicht weniger schönen Strecke als vom Schluchtensteig bekannt, Richtung Achdorf auf. Zuerst wandern wir oberhalb Blumbergs und dann in einem Wald auf schmalen, teils etwas abschüssigen und steilen Pfaden.



    Dann erreichen wir den Ort und sind etwas verwirrt von der Wegführung. Wir folgen dem Querweg-Wegzeichen durch einen, wie sich herausstellt, privaten Hof und die dort werkelnden Leute sind auch verwirrt. Aus lauter Verwirrung nehmen wir dann auch noch die falsche Richtung, merken dies aber schnell und überqueren doch die Brücke auf die andere Seite der Wutach.

    Mittlerweile hat Regen eingesetzt und unter dem Dach eines Geräteschuppens pausieren wir zur Lagebesprechung. Weitergehen oder Unterkunftssuche? Es ist nicht mehr weit bis zur Wutachschlucht und dort besteht ohnehin keine Möglichkeit zu zelten. Wir kleiden uns luft- und regendicht und entscheiden, erstmal weiter zu laufen. Wobei das mit dem Laufen zumindest für Renate gar nicht mehr so einfach ist, da sie nun Balus Regenhose – für sie leicht überdimensioniert – trägt. Entlang der Wutach geht es recht eben entlang bis wir zum Kiosk am Eingang zur Wutachschlucht einkehren, um uns aufzuwärmen und vom Regen zu schützen. Nach der ersten Runde heiße Schokolade und der Abwägung einiger Argumente pro und wider Weiterlaufen verrät uns die Inhaberin des Kiosks, dass etwa 300 m die Straße hoch ein Bauernhof, der Bruderhof, öfters einmal Wandersleute aufnimmt. Renate und Momo wollen die Lage dort abklären und fragen, ob auch wir eine Nacht unterkommen dürfen. Die Zeit vergeht, aber als sie wieder um die Kurve biegen ist schon aus der Ferne ein breites Grinsen auf beiden Gesichtern zu erkennen.




    Ein sehr realistisch dargestelltes Foto der Schlafsituation

    Im Bruderhof ist eine Scheune mit Stroh ausgelegt. Zwar seien die Sanitäranlagen um diese Jahreszeit nicht angeschlossen, aber wir dürfen es uns sehr gerne gemütlich machen und waschen dürfen wir uns in der Waschküche im Wohnhaus. Dankbar lassen wir uns ins Stroh fallen und können unser Glück gar nicht fassen. Hier können wir alles trocknen, bleiben selbst trocken, kochen und essen im halbwegs Warmen. Das Bier, das wir noch im Kiosk gekauft haben, schmeckt fantastisch. Schnell werden unsere Augenlider schwerer und wir legen uns im Strohbett schlafen.

  8. Gerne im Forum

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    AW: [DE] Auf dem Querweg von Konstanz nach Freiburg

    #8
    Ein sehr realistisch dargestelltes Foto der Schlafsituation
    Selfie beim Schlafen - sehr schön!
    Kannte ich auch noch nicht.

  9. Moderator
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    AW: [DE] Auf dem Querweg von Konstanz nach Freiburg

    #9
    Schick, erzähl weiter!
    Schutzgemeinschaft Grüne Schrankwand - "Wir nehmen nur das Nötigste mit"

  10. Gerne im Forum
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    AW: [DE] Auf dem Querweg von Konstanz nach Freiburg

    #10
    6. Wandertag: Bruderhof bis Wiese vor Kappel

    Um 6:50 Uhr werden wir von O-Zone geweckt (Dragostea din tei). Nach gemütlichem Zusammenpacken, Tee und Müsli, verabschieden wir uns noch vom Jungbauern und versprechen, bestimmt mal wieder zu kommen. Dieses Versprechen haben wir dann auch gleich im Mai 2018 eingelöst, als wir das 1. Mai Wochenende dort verbracht haben. Die leeren Bierflaschen stellen wir wie abgesprochen vor das noch geschlossene Kiosk und dann geht es ab in die Schlucht. Zu dieser frühen Uhrzeit ist außer uns in der Wutachschlucht noch niemand unterwegs und so haben wir – ganz ungewohnt – die schmalen Pfade entlang des Flusses ganz für uns allein. Rechts fließt der Fluss und links steigen steile und schroffe Felswände empor.


    Noch ist nichts von einer Schlucht zu sehen




    Mannschaftsfoto: Renate, Lewis, Balu, Momo (v.l.n.r)






    Es ist immer wieder imposant, hier zu wandern. Wir springen über kleine Zuflüsse, die aus der Felswand kommen, steigen kurz auf und stehen schon ein paar Meter über der Wutach oder passieren Wasserfälle. Am Strand gegenüber einer besonders schönen Felswand machen wir eine erste Müsliriegel-Pause. Im Vergleich zum gestrigen Wandertag ist auch wieder das Wetter in Wanderstimmung und wir wärmen uns an den ersten Sonnenstrahlen.









    Auch hier in der Wutachschlucht liegt richtig viel Froschlaich in den Pfützen. Die Schlucht wird wieder etwas breiter und in ständigem Auf und Ab laufen wir mal deutlich über dem Fluss, dann wieder direkt am Ufer. Mehrmals wechseln wir die Uferseiten bis wir an einer kleinen Kapelle ankommen, wo wir die Bänke für eine größere Vesperpause nutzen. Wir passieren eine größere Wiese, durschreiten ein paar Felsen und wandern wieder ein Stück direkt am Fluss.


    Der Winter hat seine Spuren hinterlassen








    Für Nachwuchs ist gesorgt

    Auf Forstwegen sieht man schon von weitem den imposanten, moosigen Wasserfall und von dort ist es nicht mehr weit bis zur Schattenmühle.







    Diese hat entgegen unserer Erwartungen schon Ende März geöffnet, was uns sehr entgegen kommt. Wir nehmen im Speisesaal Platz. Offensichtlich ist die Bedienung gerade noch in der Einarbeitungsphase. Momo und Renate bestellen sich eine heiße Schokolade und dazu gibt es für alle Apfelstrudel. Balu und ich entscheiden uns für die „Schwarzwälder Kuhmilch – speziell serviert“. Wir staunen nicht schlecht, als vor uns zwei Schnapsgläser serviert werden mit Sahnelikör als Inhalt nebst Plüschkuh auf dem Tablett. Wir können kaum noch vor Lachen, nicht nur, da sich die Bestellung komplett von dem unterscheidet von dem, was wir dachten, das wir es bestellen, sondern auch aufgrund der Selbstverständlichkeit, mit der uns die Bedienung den Likör mit Plüschkuh serviert. Na dann, Prost!


    Kuhmilch

    Bei leichtem Nieselregen starten wir in den letzten Streckenabschnitt des heutigen Tages. Zuerst geht es wieder kurz bergauf und dann an Feldern entlang bis zum Räuberschlössle, einer kleinen Ruine. Dort haben Momo und ich während der Schluchtensteigwanderung einen längeren Aufenthalt über Nacht gehabt. Nach einem ausgiebigen Blick in die Schlucht geht es weiter auf schönen Pfaden direkt am Fluss.


    Im Räuberschlössle


    Fertig machen zum Schlussspurt



    An der Rötenbachmündung legen wir nochmal eine Pause ein, damit Renate zumindest eine kurze Entlastung ihrer Knie hat, die zunehmend schmerzen. Bevor wir aber unser Nachtlager aufschlagen können wartet ein letzter kurzer, aber knackiger Anstieg auf uns. Leider können wir aufgrund umgestürzter Bäume die etwas schönere Variante durch die Haslachschlucht hier nicht begehen. So erreichen wir auf Forstwegen schnell eine einladende Wiese kurz vor Kappel. Vom gerade mit dem Hund vorbei spazierenden Jagdpächter erhalten wir das Okay zum Zelten. Es ist schon wieder sehr frisch und so essen wir die doppelte Portion Kartoffelbrei im Zelt und zum Nachschlag gibt es noch NicNacs.
    Da für den morgigen Tag abends Regen angesagt ist und die Mädels nach einer Dusche lechzen (und es sowieso gut in die Etappenplanung passt) organisiert Momo uns zwei Hotelzimmer in Hinterzarten. Mit dem Gedanken an das warme Bett schläft es sich gleich viel besser, auch wenn dies die kälteste Nacht auf Tour sein sollte.

  11. Gerne im Forum
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    #11
    7. Wandertag: Kappel – Hinterzarten

    Am Morgen glitzert der Frost, der sich in der Nacht über die Wiese gelegt hat, in der Sonne. Auch über unsere Zelte hat sich eine dünne Schicht aus Eis gelegt. Dieses wunderschöne Szenario lässt auch die beim Zeltabbau tauben Hände vergessen. Schnell erreichen wir Kappel und sind so auch schnell wieder auf Betriebstemperatur. Im Ort machen wir uns zuerst auf die Suche nach Wasser, da unsere Vorräte nun völlig aufgebraucht sind. Eine ältere Dame kommt uns auf dem Gehsteig entgegen und ist sehr hilfsbereit. Sie kann es nicht glauben, dass wir bei diesen Temperaturen im Zelt draußen übernachtet haben und als sie beim Auffüllen der Flaschen gefrorenes Restwasser entdeckt entfährt ihr ein „Jesses Maria un Josef.“


    Brrrrrrrrrt




    Der Feldberg bleibt heute unser ständiger Begleiter

    Noch im Ort steigen wir wieder etwas auf und bald taucht eine Bank am Wegesrand und im Sonnenschein auf, wie wir sie besser nicht hätten bestellen können. Der Blick auf den schneebedeckten Feldberg und die Alpen am Horizont machen das Panorama zum Frühstück perfekt. Wir genießen die Wärme auf unserer Haut ausgiebig und trödeln, bis wir den Aufstieg zum höchsten Punkt der Wanderung, dem Hochfirst, angehen. Die Kilometerangabe bis zum Gipfel schwankt von Wegschild zu Wegschild und wird auch mal wieder deutlich länger. Wir lassen uns davon aber nicht ärgern, denn der Aufstieg verläuft bei kaum merklicher Steigung stetig aufwärts. Weiter oben wird der Waldboden noch von einer dicken Schneeschicht bedeckt.







    Dann aber die große Enttäuschung. „Oben“ wartet gar kein Gipfel auf uns und auch kein Rundumpanorama, sondern Wald, ein Wirtshaus und ein Sendemast. Sichtlich enttäuscht ziehen wir schnell weiter und erhalten dann doch nach der nächsten Kurve die Entlohnung für unsere Mühen. Vom Startplatz der Gleitschirmflieger liegt der Titisee direkt unter uns und in der Ferne der Feldberg. Wir können uns gar nicht von diesem Anblick loslösen, schießen ein Foto nach dem anderen und bemerken dabei gar nicht, wie in der Ferne eine Regenfront aufzieht, die uns eigentlich zur Eile mahnt. Nach dem Gipfel-Jägermeister, der eigens vom Momo auf den Gipfel getragen wurde (als Entschädigung für das versprochene und dann nicht eingehaltene Feldberg-Gipfel-Bier auf Balus und meiner Westweg Wanderung 2016), geht es nun also hinab zum Titisee.


    Traumhafter Blick auf Titisee





    Hier am Hang wurde offensichtlich erst kürzlich eine Menge Bäume gefällt und es scheint auch mindestens einer mit dabei gewesen zu sein, der unseren weiteren Weg hätte anzeigen sollen. So stehen wir also vor drei möglichen Wegen und entscheiden uns für die falsche Variante, die uns etwa 2 km extra beschert. An einem kleinen Flusslauf kommen wir schlussendlich doch zum See und mitten hinein ins emsige und wirre Touristentreiben. Wir setzen uns auf ein paar Stufen direkt am See und nehmen ein Sonnenbad – die Regenfront hat es sich doch anders überlegt. Und da es gerade so bequem ist, schließen wir noch etwas die Augen oder schauen Lennox und Emma-Lou beim Spielen am See zu.





    Wir gehen entlang des Sees auf der dem Ort abgewandten Seite. Hier im Schatten der Berge ist der Titisee noch von dickem Eis überzogen. Hinter einem Campingplatz geht es steil bergauf und auf breiten Forstwegen weiter. Wir klettern über zwei Gatter und erreichen so im gerade einsetzenden Regen gegen 17:00 Uhr Hinterzarten und unser Hotel. Endlich duschen!

    Zum Abendessen lassen wir heute die Gaskocher aus und verwöhnen uns im Restaurant samt Schwarzwaldbecher zum Dessert. Renate erklärt uns, dass ihre Wanderung leider nicht mehr weiterführen wird. Ihre Knieschmerzen sind zu stark, um die Wanderung weiter genießen zu können. Zum Abschluss des Abends treffen wir uns noch zum Massagezirkel im Männerzimmer, um unsere geschundenen Glieder und Rücken etwas zurück zu geben nach sieben Tagen Wanderung. Und natürlich, um gut in den letzten Wandertag zu starten.

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    AW: [DE] Auf dem Querweg von Konstanz nach Freiburg

    #12
    Es ist sehr interessant zu lesen wie anders so eine Strecke erwandert werden kann:
    von Ost nach West vs von West nach Ost
    März vs September
    draußen übernachten vs drinnen übernachten
    .......
    Hotel in Hinterzarten - das war dann wahrscheinlich im Parkhotel Adler



    Wir hatten Airbnb ...
    Geändert von Lobo (19.09.2019 um 07:48 Uhr) Grund: Link gekürzt

  13. Gerne im Forum
    Avatar von LewisTolleni
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    AW: [DE] Auf dem Querweg von Konstanz nach Freiburg

    #13
    Zitat Zitat von MLO Beitrag anzeigen
    Es ist sehr interessant zu lesen wie anders so eine Strecke erwandert werden kann:
    von Ost nach West vs von West nach Ost
    März vs September
    draußen übernachten vs drinnen übernachten
    .......
    Hotel in Hinterzarten - das war dann wahrscheinlich im Parkhotel Adler



    Wir hatten Airbnb ...
    Ich finde es auch sehr faszinierend, wie der Weg und die Wahrnehmung sich ändern, wenn man zu einer anderen Jahreszeit wandert. Ich bin jetzt z.B. dreimal durch die Wutachschlucht gewandert im März, Mai und Oktober und es war jedesmal etwas anderes.

    Nein, wir waren im Hotel Imbery.

    --

    8. Wandertag: Hinterzarten bis Freiburg

    Am Frühstückstisch herrscht noch die Ruhe vor dem Sturm. Frisch geduscht nehmen wir Platz und bedienen uns ausgiebig am Buffet. Nachdem Renate gestern Abend von ihren Ausstiegsplänen berichtete, hatten wir eine Nacht Zeit, um das sacken zu lassen. Bis nach Freiburg sind es noch etwa 34 Kilometer. Heute ist Ostersamstag und die Aussicht, den gesamten Sonntag bei unseren Familien zu verbringen ist deutlich reizvoller als daraus 2 Etappen zu basteln und nach dieser komfortablen Nacht nochmals draußen in der Kälte zu zelten.

    Um 08:15 Uhr verabschieden wir uns von Renate und begeben uns auf den Weg. Schnell lassen wir Hinterzarten hinter uns und steigen auf Straßen bergab. Auf der anderen Seite des Tals geht es dann aber auf Trampelpfaden ebenso schnell wieder bergauf. Wir laufen im Nebel (Kategorie: „Hat doch auch was“), wodurch wir weder links noch rechts des Weges abgelenkt werden – und leider auch nicht von den wahrscheinlich sehr beeindruckenden Ausblicken in die Ravenna-Schlucht. Wir sind wirklich sehr flott unterwegs und so geht es bald wieder bergab. Umgestürzte Bäumen zwingen uns immer wieder zu Kletter- und Limboeinlagen. Ein Großteil der beim Frühstück zugefutterten Kalorien dürfte mittlerweile verbrannt sein als wir die Hütte am Posthaldefelsen erreichen. Der Nebel und die Wolken haben sich schon etwas gelichtet und so erhaschen wir einen Blick ins Höllental.







    Nach einer Trinkpause geht es weiter Richtung Buchenbach. Zuerst laufen wir hier ein ganzes Stück mehr oder weniger eben und machen weitere Kilometer wett. Hinter dem Hofgut Rössle mit Alpakas wird es dann aber kriminell steil. Der Rucksack drückt mächtig nach vorne sodass die Oberschenkel gute Arbeit leisten müssen, um sich Schritt für Schritt dagegen zu stemmen. Erst auf Straße und Schotterweg, dann auf Pfaden verlieren wir so 500 hm auf 4 Kilometern und sind froh, als wir dann endlich in Buchenbach angelangen. Wir belohnen uns für die ersten Hälfte der heutigen Etappe mit einer Fanta in einer Wirtschaft im Ort zur Mittagszeit. Nach dem anstrengenden Abstieg halte ich mich selbst für furchtbar lustig und versuche Balu und Momo hereinzulegen und versuche ihnen zu verkaufen, dass ich nun auch aussteigen muss – quasi ein erster April-Scherz. Blöd nur, dass heute erst der 31. März ist.



    Insgesamt ging uns dieser erste Teil gut von der Hand und den anstrengenderen Teil haben wir jetzt auch hinter uns. Allerdings ist Wandern manchmal eher mental eine Herausforderung als physisch. Und so zieht sich der Weg bis Stegen mehr als eine Ewigkeit hin. In Stegen versuchen wir unsere Motivation deshalb durch Leckereien aus der Bäckerei und einer Pause im Schatten wieder zu steigern. Das funktioniert auch sehr gut. Weiter durchs Tal geht es bis zum Ziegelhüttenhof, wo der letzte Anstieg der Wanderung auf uns wartet.





    Auf Forstwegen schlängeln wir uns ganz langsam hoch zur St. Wendelins Kapelle. Momo läuft ihr Tempo und so warten Balu und ich unbemerkt auf der Rückseite der Kapelle, bis Momo diese passiert hat. Mit Sicherheitsabstand und auf leisen Sohlen folgen wir ihr unbemerkt. Sie beschleunigt ihren Schritt, um uns vermeintlich einzuholen und fragt kurz vor St. Ottilien einen Passanten, ob hier schon zwei Kerle mit großem Wanderrucksack vorbeigekommen sind. Vor der Wirtschaft erlösen wir die sichtlich verwirrte Momo und bei einem Radler ist der Ärger über unseren Schabernack auch schnell wieder verflogen.
    Die letzten Kilometer in den Wäldern über Freiburg und mit dem Ziel vor Augen lassen sich dann nochmal gut laufen. Im Wald herrscht eine schöne Stimmung und der Blick auf das Dreisamstadion tut dann natürlich sein übriges. Momo und Balu nehmen dann sogar noch eine „1-Euro-Challenge“ an und wetteifern neben einem vorbeikommenden Jogger an einer Station des Trimm-Dich-Pfads im Liegestütz mit Rucksack auf dem Rücken. Alle Schmerzen und Plagen der letzten acht Tage sind verflogen.


    Das Ziel: Freiburg im Breisgau

    Am Schlossberg herrscht an diesem sonnigen Samstagabend eine ausgelassene Stimmung. Es ist einiges los hier und viele genießen die Sonnenstrahlen bei einem Bier und grandioser Aussicht auf Freiburg mit seinem Münster. Wir schießen ein Abschlussfoto und ich löse meinen Wetteinsatz dann beim Schwabentor in einer Eisdiele ein. Momo muss nochmal kurz vorbei schauen in ihrer Freiburger Wohnung während Balu und ich schon mal am Bahnhof auf den Zug warten. Momo kommt und kommt allerdings nicht. Der Zug steht schon zur Abfahrt bereit als wir Momo das Gleis entlang sprinten sehen. Das war haarscharf. Gegen 22:00 Uhr kommen wir dann endlich zu Hause an.

    Fazit

    Querweg, what a ride! Acht Tage von Konstanz nach Freiburg liegen hinter uns. Ich hatte viel Spaß auf der Wanderung. Leider fand ich die ersten beiden Tage von Konstanz bis Singen eher enttäuschend, was die Streckenführung angeht. Viel Straße und eigentlich geht man nur von Ort zu Ort zu Ort. Hinter Singen und mit dem Hegau wird das aber schnell wieder wett gemacht und im Schwarzwald sind wir dann auch voll auf unsere Kosten gekommen. Interessant war es auch, zum ersten Mal bei kalten Temperaturen unterwegs gewesen zu sein und hier Erfahrungen zu machen (ok, auf dem Westweg war es teilweise auch sehr kalt inkl. Schneeregen) und eigentlich ist es gar nicht so schlimm.

    Momos Fazit

    Auch mir hat es sehr viel Spaß gemacht, den Vorfrühlings-Wald zu durchwandern: blühende Frühlingsblumen, singende Misteldrosseln, trommelnde Spechte und rufende Eulen entschädigen für so einige kalte Stunden.

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    AW: [DE] Auf dem Querweg von Konstanz nach Freiburg

    #14
    Vielen Dank für diesen sehr lebendigen und anschaulichen Bericht!

    Die Strecke im Dreisamtal bis Himmelreich fanden wir auch etwas ermüdend.
    Aber FR -> Hinterzarten hatten wir geruhsam in zwei Tagen gemacht.

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