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  1. Erfahren
    Avatar von OutofSaigon
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    AW: [NP] Pech und Glück am Kantschendzönga

    #21
    Mitreisende: OutofSaigon
    Zitat Zitat von Conce Beitrag anzeigen
    Cool, deinen Bericht hier zu lesen! Bin auch sehr gespannt, wie es weitergeht.
    Vor allem weil ich selbst in 2 Wochen zum Kanchenjunga reise. Wir werden allerdings zuerst die Route nach Ramche nehmen und auf den Rückweg über Amjilosa laufen.

    Hast du vl. einen wichtigen Tipp für uns?
    Und gibt es eigentlich unterwegs irgendwo Wlan, vl. theoretisch in Ghunsa, wenn der Strom geht???

    Hallo Conce (und andere),
    es freut mich, wenn mein Bericht auf Interesse stößt und ein wenig Resonanz hervorruft. Es freut mich ganz besonders, wenn er anderen zu mehr dient als nur damit auf dem Sofa die Zeit totzuschlagen. Ich werde mich bemühen, meinen Bericht bald abzuschließen, so daß du ihn noch vor dem Beginn deines eigenen Treks lesen kannst.


    Wichtige Tips? Uns begegnete das Pech auf den hohen Pässen zwischen Ramche und Ghunsa (davon wird noch die Rede sein), aber das war wohl eine singuläre Situation, vor der du dich nicht fürchten solltest. Die lange Autofahrt nach/von Taplejung über Tausende von Kurven mag bei manchen Passagieren Übelkeit hervor rufen, darauf muß man gefaßt sein. Auf dem südöstlichen Teil des gesamten Treks (für euch also auf dem ersten Teil des Aufstiegs in Richtung Ramche) mußt du mit Blutegeln rechnen, erst recht im September - nach der Regenzeit. Die Traverse über die hohen Pässe von Ramche her und der folgende Abstieg nach Ghunsa sind nicht leicht; bereite dich seelisch auf eine größere Anstrengung vor! Auf dieser Strecke brauchst du auch richtig gute Schuhe; denn der Pfad führt über zahlreiche und ausgedehnte Blockfelder, wo du nicht umknicken willst. Wie kalt es am Basislager werden kann, ist spekulativ: wir wurden dazu gedrängt, uns auf Temperaturen bis -15 Grad einzustellen; de facto war es doch viel weniger kalt, kaum ein paar Grad unter Null. Zwischen Gyabla und Amjalossa gibt es, wie ich in Wort und Bild beschrieben habe, einige Stellen, die gefährlich sind (vor allem bei Nässe); deshalb Trekkingstöcke griffbereit haben! Ansonsten aber fällt mir nichts ein, wozu ich besondere Tips geben sollte, die für diesen Trek spezifisch sind. Zu unspezifischen Aspekten (z. B. Akklimatisation und Umgang mit der großen Höhe, Hygiene und Anpassung an ungewohntes Essen) sollte ich mich hier nicht auslassen.


    In Ghunsa haben sie sicherlich längst den Schaden repariert, der durch den Blitzeinschlag vom April an der Stromversorgung entstanden ist, und es gibt wieder Strom, u.a. um Batterien nachzuladen. Im April 2019 gab es nirgendwo oberhalb von Chiruwa Empfang für "normale" Mobiltelefone (Satellitentelefone funktionierten natürlich), aber ich habe am 28. April in der Nähe von Sekathum das folgende Foto geschossen:



    Hier schleppt jemand eine große Satellitenschüssel das Tal hinauf. Über den Zielort kann man nur spekulieren (wir haben nicht explizit gefragt), aber es ist höchstwahrscheinlich Ghunsa, das größte Dorf weit und breit. Dies ist ja auch keine Satellitenschüssel für den Fernseh-Empfang eines Privathaushalts, dies ist etwas Professionelles, höchstwahrscheinlich für den Aufbau eines Sendemastes für die Mobil-Telefonie. Ich kann mir also gut vorstellen, daß es jetzt - fünf Monate später - in Ghunsa bereits Empfang für Mobiltelefone und damit auch Zugang zum Internet gibt, entweder über WLAN oder 3G. Garantieren kann ich dies aber natürlich nicht.


    Kann ich sonst noch etwas helfen?

  2. Neu im Forum

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    AW: [NP] Pech und Glück am Kantschendzönga

    #22
    Danke dir!

    Das hatte ich mir schon gedacht, dass das mit dem Empfang ziemlich schlecht aussehen wird. Aber manchmal wird man dann ja doch überrascht. (Am Manaslu gab es z.B. in einer Lodge auf 4000m plötzlich wlan.)
    Das Bild ist auf alle Fälle der Knaller! Ich bin sehr gespannt, ob die sat-Schüssel schon fertig installiert sein wird. Wenn ich sie sehe, schicke ich dir auf alle Fälle das Bild dazu!

    Ansonsten freue ich mich schon sehr auf die Autofahrt nach Taplejung - Nicht! Die letzte Serpentinenfahrt in Nepal habe ich auch noch stark in Erinnerung. Aber was hilfst; irgendwie muss man ja da hinkommen. Aber danke für die Erinnerung. Die Kotztüten hätte ich glatt vergessen. Die stehen noch gar nicht auf meiner Packliste und das letzte Mal haben sie nicht ausgereicht.

    Und dann interessiert mich jetzt natürlich doch sehr euer Pech auf der Passetappe! ... Eine unfreiwillige Nachttour? Kaum Sicht? verlorenen Kamera? Oder was war es? .. Aber das wirst du bald bei der Fertigstellung von deinen Bericht schreiben!

  3. Anfänger im Forum
    Avatar von Brichdirnix
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    AW: [NP] Pech und Glück am Kantschendzönga

    #23
    Zitat Zitat von Conce Beitrag anzeigen
    ... Die Kotztüten hätte ich glatt vergessen. Die stehen noch gar nicht auf meiner Packliste und das letzte Mal haben sie nicht ausgereicht...
    Leicht bizarr, aber wohl richtig: auf die Packliste für einen Trek im Himalaya gehört auch dies: "Kotztüten für die Autofahrt". Denkt man irgendwie gar nicht dran...

    Ansonsten bin auch ich gespannt auf die Fortsetzung (kommentiere aber lieber erst, wenn der Bericht fertig ist).

  4. Erfahren
    Avatar von Bergzebra
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    AW: [NP] Pech und Glück am Kantschendzönga

    #24
    Zitat Zitat von Brichdirnix Beitrag anzeigen
    Leicht bizarr, aber wohl richtig: auf die Packliste für einen Trek im Himalaya gehört auch dies: "Kotztüten für die Autofahrt". Denkt man irgendwie gar nicht dran...

    Ansonsten bin auch ich gespannt auf die Fortsetzung (kommentiere aber lieber erst, wenn der Bericht fertig ist).
    Aufgrund der Packungsdichte im Bus ist meist kein Platz mehr für die Kotztüte bzw. für das normgerechte "Auffüllen" der Tüte.

    Besser in Nepal ist es den Verkehr aus dem Bus heraus gar nicht zu beobachten und definitiv nicht in der ersten Reihe im zu Bus sitzen. Erspart spätere Albträume und wahrscheinlich auch die K-Tüte. 7h in erster Reihe von Pokhara nach Kathmandu im Bus und man wundert sich nur noch warum es keine zig schweren Unfälle gegeben hat.

    Solange der Fahrer noch keine Schweißperlen im Gesicht hat, läuft der Straßenverkehr noch "normal".

    Bin schon auf die Fortsetzung des Berichts gespannt.
    Schaffe Dir Erinnerungen bevor Du nur noch diese hast!

    Nur heute wärmt uns das Feuer, gestern war es Holz und morgen wird es Asche sein.
    (Autor unbekannt)

  5. Erfahren
    Avatar von OutofSaigon
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    AW: [NP] Pech und Glück am Kantschendzönga

    #25
    Zitat Zitat von Bergzebra Beitrag anzeigen
    Besser in Nepal ist es den Verkehr aus dem Bus heraus gar nicht zu beobachten und definitiv nicht in der ersten Reihe im zu Bus sitzen. Erspart spätere Albträume und wahrscheinlich auch die K-Tüte. 7h in erster Reihe von Pokhara nach Kathmandu im Bus und man wundert sich nur noch warum es keine zig schweren Unfälle gegeben hat.
    Nun ja, SOO schlimm ist Nepal ja auch wieder nicht, finde ich. Allerdings habe ich eben vier Jahrzehnte in Entwicklungsländern gelebt und mich an die dort herrschenden Fahrweisen gewöhnt. In Nepal bin ich meines Erinnerns nie mit dem Bus gefahren. Bei meinen Arbeitseinsätzen hatten wir natürlich unsere eigenen Projekt-Autos, und bei meinen Treks hatte ich immer die paar Dollar übrig, mir ein anständiges Auto zu mieten.

    Dennoch wird auch der Fahrer eines eigens angemieteten Autos nicht im Radfahrer-Tempo nach Taplejung schleichen, weil er sonst zwanzig Stunden dort hin brauchen würde anstatt "nur" zehn. Und da kann sich bei empfindlichen Menschen schon einmal der Magen melden...

  6. Erfahren
    Avatar von OutofSaigon
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    AW: [NP] Pech und Glück am Kantschendzönga

    #26
    Zitat Zitat von Heather Beitrag anzeigen
    Super, sehr schoen und danke fuer's mitnehmen!

    Nur darueber habe ich mich gewundert:

    [hier stand in Heather´s Beitrag (#16) ein Zitat meines eigenen Textes; aber ich kriege es irgendwie nicht hin, daß ein Zitat-im-Zitat angezeigt wird]

    Ich mag es auch nicht sonderlich, wenn jemand Fremdes einfach so ein Photo von mir machen will. Wenn ich als Austellungstueck dienen soll, dann nehme ich Karte und Bahres.
    Was ist daran verwunderlich, daß ich andere Menschen respektiere? Ob eine Person arm ist oder nicht, sollte für ihre Würde doch keine Rolle spielen, oder?

  7. Erfahren
    Avatar von OutofSaigon
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    AW: [NP] Pech und Glück am Kantschendzönga

    #27

    Zum Fuß des Kantschendzönga

    Ghunsa ist ein viel größeres Dorf als alle anderen weit umher. Anders als in Phale sind hier die Häuser wieder aus Holz. Der Hauch der tibetischen Kultur ist spürbar.

    #43: Früher Morgen in Ghunsa





    #44-45: Aufbruch von dem Gästehaus, in dessen Garten wir campiert hatten


    Auf dem Weg talaufwärts sind wir nicht allein. Dieser Mann trägt eine riesige Rolle, die eigentlich nur Schaumstoff zur Abdichtung und Isolierung von Häusern sein kann. Das ist hier eine verbreitete Praxis; denn ohne dies wären die Bretterhütten arg zugig und kalt.

    #46: Ein „Mitwanderer“, der allerdings nicht zum Spaß hier marschiert


    Ein paar Fotos von unserer Route oberhalb von Ghunsa, auf dem Weg zum Kantschendzönga-Basislager



    #47-48: Wald und Schlüsselblumen oberhalb von Ghunsa


    #49: Das Flußtal ist immer noch steinig, aber viel weniger steil als unterhalb von Ghunsa


    #50: Überzuckerte Felsen und Bäume


    Nach einer Weile machen wir eine kleine Trinkpause und treffen dort erstens wieder den Mann mit der Schaumstoffrolle, zweitens eine junge Frau, die wie wir unterwegs ist nach Lhonak (der letzten Siedlung vor dem Kantschendzönga-Basislager), und drittens eine ältere Frau, die im Abstieg nach Ghunsa ist.



    #51-52: Nepalis, die uns begegnen


    Immer weiter gehen wir das Tal hinauf. Hier seht ihr im Bildmittelgrund bereits die Endmoräne des Gletschers. Dies ist allerdings eine alte Endmoräne; denn der Gletscher endet nun bereits weit oberhalb davon.

    #53: Blick talaufwärts

    Auf diese Endmoräne klettern wir wenig später hinauf. Dabei eröffnet sich der Blick auf den spektakulären Gipfel des Jannu (7711m).

    #54: Erklimmen der Endmoräne und Blick auf den Jannu


    Etwa vier Stunden nach Abmarsch von Ghunsa ereichen wir das Dorf Kambatschen, rund 4100m hoch gelegen.



    #55-56: Das Dorf Kambatschen


    #57: Drei „Generationen“ von Häusern in Kambatschen


    #58: Die Betreiber des Gästehauses

    Ich frage den „Wirt“ (den Herrn links in obigem Foto) nach der Geschichte dieses Dorfes. Er ist erstaunlich lückenhaft informiert und kann nur vage Auskunft geben. Er sagt, sein Großvater, ein Tibeter, sei einer von denen gewesen, die dieses Dorf aufgebaut hätten. Auf meine Frage, wann das denn gewesen sei, meint er, das müsse nun wohl etwa 60 bis 70 Jahre her sein. Damit wären wir in den Fünfziger-Jahren des 20. Jahrhunderts, also in der Zeit kurz nach der Besetzung Tibets durch chinesische Truppen. Das mag wohl sein, das macht ja Sinn: Flüchtlinge aus Tibet haben seinerzeit dieses Dorf errichtet.


    Eine Maultierkarawane marschiert vorbei, beladen mit Feuerholz. Meine Vermutung, daß sie weiter ziehen will nach Lhonak, erweist sich als unrichtig: das Holz wird hier in Kambatschen abgeladen und dient somit u. a. uns:



    #59-60: Eine Maultierkarawane bringt Feuerholz nach Kambatschen


    In Kambatschen ist noch einmal ein Tag zur Akklimatisation vorgesehen, und wir verbringen hier eine ruhige Nacht.


    Auf 4100m Höhe wird es nachts schon ordentlich kalt, und am nächsten Morgen sind die Wiesen mit Rauhreif überzogen:

    #61: Morgendlicher Rauhreif in Kambatschen

    Heute wollen wir nur ein wenig spazieren gehen und die Seitenmoräne des Gletschers besteigen (die Endmoräne hatten wir ja am Tag vorher überklettert).

    #62: Das Ziel unseres heutigen Spaziergangs: die Seitenmoräne im Mittelgrund. Links hinten der Gipfel des Jannu




    #63-64: Am Fuß und auf dem Kamm der Seitenmoräne



    #65: Rückmarsch nach Kambatschen (zu sehen links oberhalb der Trekker). Ich nehme Notiz von dem geringen Gefälle des Flusses und den ausgedehnten Schotterbänken zu beiden Seiten


    Kurz vor Kambatschen begegnet uns eine weitere Karawane von Tragtieren. Allerdings sind es dieses Mal keine Maultiere, sondern Tiere, die vermutlich eine Kreuzung von Yak und Rind sind. Als ich das Foto schoß, achtete ich nicht auf den Inhalt der Säcke; das tat ich erst später am Computer und wunderte mich: ich das Heu? Muß wohl so (gewesen) sein...


    #66: Eine Lasttier-Karawane knapp unterhalb von Kambatschen


    Am Nachmittag rasten wir nur. Obwohl das Wetter sonnig ist und zum Draußen-Sitzen einlädt, hat Conrad sich in Zelt verzogen und ganz und gar seinem E-Reader gewidmet. Das tut er jeden Tag, das ist ihm aus irgendeinem Grund furchtbar wichtig. Im Gegensatz zu mir bleibt er auf dem Trek fast nie stehen, um vielleicht zu schauen, zu genießen, oder ein Foto zu machen. Er ist mir deshalb auf dem Weg fast immer voraus und stapft schnurstracks zum nächsten Camp, wo er nach einer Tasse Tee schnellstmöglich in sein Zelt kriecht, um dort allein zu sein und zu lesen. Warum man dafür zum Kantschendzönga kommen muß, erschließt sich mir nicht, aber es ist natürlich sein gutes Recht. Ich plausche gerne ein wenig mit unseren Begleitern oder mit Menschen, die wir unterwegs treffen.

    Conrad hat übrigens deutlich mehr Gepäck dabei als ich. In Katmandu bestand die Trekking-Agentur darauf, unser Gepäck zu inspizieren, um sicher zu stellen, daß wir auch alles Notwendige dabei haben. Ich sagte zu der Mitarbeiterin: „Ich bin noch nie mit einer derartig riesigen Tasche verreist.“ Sie antwortete: „Ich hatte noch nie einen Kunden, der mit solch einer kleinen Tasche daher kam.“ – So unterscheiden sich eben die Sichtweisen... *schmunzel*


    Nach einer weiteren Übernachtung in Kambatschen brechen wir auf zu unserem höchstgelegenen Übernachtungsort: Lhonak, etwa 4780m hoch gelegen.

    #67: Beginn des Aufstiegs nach Lhonak

    Immer karger wird die Vegetation, immer hochgebirglicher wird der Eindruck, auch wegen der gewaltigen Mengen an Moränenmaterial entlang unseres Weges:

    #68: Aufstieg durch karge Hochgebirgslandschaft nach Lhonak

    Unser Gehtempo verlangsamt sich logischerweise: wir sind nun rund 4.500m hoch, und da hüpft man nicht mehr so leichtfüßig dahin. Mir selbst macht die Höhe darüber hinaus eigentlich nicht zu schaffen; ich verspüre weder Kopfschmerzen noch Übelkeit o. ä. Damit habe ich gerechnet, so habe ich mich auf allen früheren Treks in ähnlichen Höhen gefühlt. Ich gehe langsamer als „normal“ und schnaufe mehr als „normal“, aber ansonsten ist eigentlich alles „normal“. Viele sagen ich könne von Glück reden, daß dies so ist. Conrad hat vorsorglich Diamox eingenommen (schon seit Gyabla, um genau zu sein); ich habe das weder auf diesem Trek noch sonst jemals getan.

    Es ist ein langer und irgendwie ereignisloser Aufstieg, jedenfalls bis zu dem Augenblick, wo sich, schon auf über 4700m Höhe, dieser Anblick eröffnet:

    #69: Fantastische Hochgebirgslandschaft kurz vor Lhonak

    Es ist eine fantastisch schöne Berglandschaft, wie man sie sich für diese Region nur erträumen kann. „Der schönste Himalaya der Welt“, wie Kamerad OoS es formuliert hat (siehe Beitrag #18 in diesem Faden). Davon könnte man ein tolles Poster machen. Darüber hinaus aber gibt es noch etwas anderes in diesem Foto, das mich beinahe umgehauen hat. Bemerkt ihr es? Schaut doch mal: mitten durch das Foto läuft eine fast schnurgerade horizontale Trennlinie zwischen Mittelgrund und Hintergrund. Hier oben treffen wir auf eine fast perfekt ebene Schotterfläche! Glaziale Ablagerungen sehen nie und nimmer so aus. Dafür gibt es nur eine einzige Erklärung: nur das Wasser kann Geröll so gleichmäßig und eben aufschütten; hier muß es einmal einen See gegeben haben, und zwar einen von beachtlicher Größe, nicht nur so einen kleinen Karsee (von denen es ja viele gibt). Unglaublich! Wodurch das Wasser so aufgestaut wurde, das ist eine andere Frage; es mag der Gletscher selbst gewesen sein. Und mit dem langsamen Abschmelzen des Gletschers lief dann auch der See langsam leer und ließ den Schotter zurück, ganz logisch eigentlich.

    Wenig überraschend, daß die Einheimischen die Häuser von Lhonak auf dieser Fläche errichtet haben; sie ist bereits eingeebnet, und man kann sich problemlos von steinschlag-gefährdeten Hängen fern halten:



    #70-71: Lhonak ist erreicht; der höchst gelegene Übernachtungsort unseres Treks

    Lhonak ist natürlich nur eine Sommersiedlung, die in erster Linie vom Tourismus lebt. Im Winter ist hier niemand. Wozu auch?


    Es ist Mittagszeit, und Einheimische wie Trekker genießen es, sich die warme Sonne auf den Buckel scheinen zu lassen.



    #72-73: Ein Nepali und euer Berichterstatter genießen die warme Mittagssonne


    Noch den ganzen Nachmittag bleibt es sonning und angenehm. Es gibt auch hier nichts weiter zu tun, und so folgen Conrad und ich auch hier unseren Gewohnheiten, wie oben beschrieben. Ich lasse den Aufstieg hierher vor meinem inneren Auge noch einmal Revue passieren. Mir ist aufgefallen, daß wir hier kaum Klöster gesehen haben (nur ein kleines nahe Ghunsa und ein noch kleineres in Phale). Vielleicht sind wir hier zu hoch in den Bergen für größere, permanent bewohnte Klöster (also anders als beispielsweise im Kali Ghandaki, dem Tal, das hinauf führt nach Jomsom bzw. Muktinath); mindestens Gyabla aber wäre doch ein guter Platz für ein Kloster gewesen. Außerdem haben wir auf dem ganzen Trek bis hierher kaum Tiere gesehen, lediglich ein paar Blauschafe und zwei Schneehühner. Das erscheint mir doch irgendwie „wenig“ für einen Trek vor einer Woche (den Talhatscher bis Sekathum noch nicht einmal eingerechnet).


    Nach dem Abendessen versuche ich mich an einer Nachtaufnahme. Obwohl der Wind so stark bläst, daß mein Stativ zittert, finde ich das Ergebnis noch akzeptabel:

    #74: Abend in Lhonak. Die Berge links im Bild bilden die Ostgrenze Nepals. Dahinter liegt Sikkim


    Nachts ist es hier schon recht frisch, deutlich unter Null Grad. Dazu schneit es noch ein wenig.

    #75: Conrad´s Zelt am Morgen

    Ich selbst habe nicht im Zelt geschlafen, sondern in einem Zimmer in dem Gästehaus. Dies in der Annahme, daß es dort weniger kalt sein würde; denn ich hatte nur den dünneren meiner beiden Schlafsäcke mitgenommen. Meine Annahme war aber wohl falsch: Conrad´s Zelt war bestimmt winddichter als das Guest House (das ja eigentlich nur eine Bretterbude ist). Pech! Aber mit einer Lage guter Unterwäsche bin ich auch so problemlos durch die Nacht gekommen.


    Mittlerweile haben wir den 22. April und blasen nun zum „Sturm auf das Kantschendzönga-Basislager“ (natürlich ohne unsere Träger und die Küchenmannschaft). Zunächst geht es von Lhonak aus auf einem recht „zahmen“ Pfad gleichmäßig langsam aufwärts, und so können wir die Augen schweifen lassen, um diese wunderbare Landschaft „einzusaugen“.

    #76: Beginn der letzten Etappe vor dem Kantschendzönga-Basislager

    Kurz danach allerdings kommen mehrere Passagen, die größere Anforderungen an unsere Kondition stellen: wir müssen einige Rinnen queren und einige Abhänge hoch krabbeln, das alles erstens durch das lose Material der Gletscherablagerungen, das den Füßen keinen festen Halt bietet und immer wieder abrutscht, und zweitens natürlich auf rund 5000m Höhe, wo man schon bei kleineren Anstrengungen ganz schön ins Keuchen kommt (und wo man glatt das Fotografieren vergessen kann, so wie es mir passiert ist). Man könnte sich bestimmt auch an solche konditionellen Herausforderungen gewöhnen, wenn man eine Woche in Lhonak verbringen wurde, aber solches ist eben nicht Teil unseres Treks.

    Immer weiter kämpfen wir uns vor bzw. hoch, durch immer kargere Vegetation, entlang dem vom Kantschendzönga herab kommenden Gletscher (dessen Oberfläche übrigens in erstaunlichem Maße von Schutt bedeckt ist, viel mehr, als ich das je bei einem anderen Gletscher gesehen habe):

    #77: Wir kämpfen uns immer weiter vor bzw. hoch

    Wir sehen mit Sorge, fast Panik, was auch ihr auf obigem Foto erkennt: vom Tal her (im Foto von rechts) wehen Wolken herein, und das wesentlich schneller als wir in dieser Höhe gehen können. Werden sie uns überholen?? Werden sie uns die Sicht auf den Berg rauben?? Wir geben Gas, wir marschieren, so schnell wir können, wir nähern uns dem Punkt kurz vor dem eigentlich Basislager, dort, wo man in das Seitental hinein schauen kann (oder theoretisch können müßte), um die Nordwand des Kantschendzönga zu bestaunen. Und dann passiert das Befürchtete: die Wolken holen uns ein, überholen uns sogar. Gerade ein allerletztes Foto kann ich noch schnell schießen:

    #78: Fast könnte man bereits die Nordwand des Kantschendzönga sehen (hier im Mittelgrund rechts um die Ecke, wo der Gletscher her kommt), aber eben nur fast

    Dann ist die Sicht weg. Alles nur noch Nebel. Wir machen lange Gesichter und knirschen mit dem Zähnen. Da sind wir zehn Tage hier hinauf gelaufen, und nun haben wir das Erlebnis, nach dem wir so gelechzt hatten, um vielleicht eine halbe Stunde verpaßt!! Was ist eine halbe Stunde? Gar nichts!! Wir verfluchen unser gottverdammtes Pech und uns selbst. Wären wir doch eine Stunde früher von Lhonak aufgebrochen! Wenn man so eine Wolkenwand mit Zähneknirschen vertreiben könnte, dann würde ich ernstlich erwägen, ein paar Zähne zu opfern, aber Petrus bleibt hart: verpißt euch!!


    Wo Wolken sind, ist Niederschlag nicht weit, und bei passenden Temperaturen fällt dieser Niederschlag als Schnee. So trotten wir denn zurück durch das Schneegestöber, niedergeschlagen. Der Rückweg noch Lhonak kommt mir viel kürzer vor als der Hinweg. Einerseits geht es sich selbstredend leichter bergab als bergauf, zumal in solcher Höhe. Darüber hinaus ist es aber auch das Gefühl der Enttäuschung und inneren Leere, die uns irgendwie dumpf und abgestumpft dahin trotten läßt. Von der schönen Landschaft sieht man ebenfalls nichts mehr, die Welt ist nur noch eintönig und grau, sowohl draußen vor meinen Augen als auch drinnen in meinem Kopf. Alles ist nur noch eintönig und grau.

    Irgendwann sind wir dann wieder in Lhonak.

    #79: Lhonak im Schneegestöber, eintönig und grau


    Wir hauen uns auf die Stühle in dem kleinen Gästehaus und bekommen Tee serviert, dazu ein paar Plätzchen. Der Tee schmeckt wie heiße Pferdepisse, die Plätzchen wie Pappmaché. Gestern schmeckte alles noch viel besser. Es muß an meiner Enttäuschung liegen. Warum mußten wir solches Pech haben? Ja, wir hätten deutlich früher aufbrechen können und sollen. Dafür könnten wir Bisuwa die Schuld geben. Er muß sich doch hier auskennen. Es war aber die letzten paar Tage immer bis in den Nachmittag hinein sonnig und schön gewesen; also wer konnte ahnen, daß es heute so ganz anders werden würde? Es war eben einfach Pech und nochmals Pech ...

    Fortsetzung folgt
    vielleicht irgendwann einmal,
    je nach Publikumsinteresse
    Geändert von OutofSaigon (10.10.2019 um 15:28 Uhr) Grund: Jannu statt Jammu

  8. Anfänger im Forum
    Avatar von Schwindelfrei
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    AW: [NP] Pech und Glück am Kantschendzönga

    #28
    Vielen Dank für die Fortsetzungen, vor allem die tollen Fotos!
    Geändert von Schwindelfrei (01.10.2019 um 12:24 Uhr)

  9. AW: [NP] Pech und Glück am Kantschendzönga

    #29
    Interesse angemeldet für die Fortsetzung
    So möchtig ist die krankhafte Neigung des Menschen, unbekümmert um das widersprechende Zeugnis wohlbegründeter Thatsachen oder allgemein anerkannter Naturgesetze, ungesehene Räume mit Wundergestalten zu füllen.
    A. v. Humboldt.

  10. Gerne im Forum

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    AW: [NP] Pech und Glück am Kantschendzönga

    #30
    Du hast mich richtig mitgenommen, vielen Dank dafür! Es ist schon selten das ich mir Zeit nehme einen so ausführlichen Bericht zu lesen und in Geiste “mitzugehen“. Der hier hat mich voll abgeholt, dafür habe ich sogar meine übliche Bettzeit gerne nach hinten verlegt. Würde mich auch über eine Fortsetzung freuen.

    Beste Grüße,
    Robert

  11. Freak Moderator
    Liebt das Forum
    Avatar von Flachlandtiroler
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    AW: [NP] Pech und Glück am Kantschendzönga

    #31
    He, wo bleibt das Happy End?

    edit:
    Ich kenne Nepal nur vom Nachmonsun; kälter, aber IMHO mit besseren Chancen für klare Bergsicht. Ende April kippt das Wetter ja schon langsam.
    Trotzdem, #79 ist auch ein gelungenes Foto!

    Eins noch, der "Jammu" ist eigentlich ein "Jannu"; Jammu ist eine Stadt/Provinz im Nordwesten Indiens.
    (Nur, damit die Schlagwortsuche auch gescheit funktioniert: Jannu)
    Geändert von Flachlandtiroler (07.10.2019 um 09:27 Uhr)
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  12. Erfahren
    Avatar von OutofSaigon
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    AW: [NP] Pech und Glück am Kantschendzönga

    #32
    @Schwindelfrei, Mika und Robatson: danke für euer Interesse! Allerdings finde ich meinen Bericht nicht wirklich "ausführlich". Da sind die Texte anderer Berichte weitaus detailllierter. Ich fasse mich lieber kurz und beschränke mich auf das Wesentliche; das ist mein Naturell.

    @Flachlandtiroler: du hast ein scharfes Auge, und ich habe meine Tippfehler nun ausgebessert. Danke für den Hinweis! - Außerdem hast du wohl recht: der Herbst wäre besser geeignet für Himalaya-Touren; allerdings bin ich durch berufliche Verpflichtungen eingeschränkt in der Wahl der Zeitfenster für meine Unternehmungen.


    Ein wirkliches Happy End dürft ihr hier nicht erwarten. Überhaupt habe ich bis auf Weiteres leider nicht die Zeit, diesen Bericht fertig zu stellen; aber ich habe es mir natürlich vorgenommen.
    Geändert von OutofSaigon (13.10.2019 um 02:26 Uhr)

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