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  1. AW: [IT] GTA - Grande Traversata delle Alpi (Teil Nord)

    #21
    Mitreisende: ticipico
    Zitat Zitat von TEK Beitrag anzeigen
    ... Susatäler ...
    Meinst du die Lanzotäler, nördlich von Susa ?
    Die kommen noch ... Geduld
    „Wie komm ich am besten den Berg hinan? Steig nur hinauf und denk nicht dran!“ – Friedrich Nietzsche


  2. AW: [IT] GTA - Grande Traversata delle Alpi (Teil Nord)

    #22
    Tag 9, Montag, 8.7.2019: Von Alpe Ciuppinella über Rifugio Alpe Laghetto nach Alpe Preia


    Morgenstimmung auf der verlassenen Alpe Ciuppinella

    Zunächst ging es lange Zeit durch Wälder mit Mittelgebirgscharakter. Nur manchmal ergab sich eine kleine Aussicht.


    Auf dem Rifugio Alpe Laghetto, die von drei Männern bewartet wurde, gab es am Mittag Gemüsesuppe, Alpkäse, Wurst, Brot und Chinotto, die italienische Cola.


    rechts mittig: Rifugio Alpe Laghetto, oben links: Passo Campo

    Dann hinauf zum Passo Campo und steil hinunter über Grasflanken zur Alpe Preia, die mit unterirdischen Ställen aufwartete.



    Das Zelt war mal wieder mein Nachtlager.

    Tag 9: ~4,6 Std. ~8km /~800m \~410m




    Tag 10, Dienstag, 9.7.2019: Von Alpe Preia über Lago Alpe del Cavalli nach Alpe Cheggio

    So allmählich kommt wieder Rhytmus in die Morgenaktivitäten: Anziehen, Geraffel aus dem Zelt raus, Schlafsack und Matte einpacken, Zelt abbauen, frühstücken, Körperpflege (stark vereinfacht), Rucksack packen, - und los geht's.

    Zunächst zum Passo Preia ...


    Hier beginnt der Naturpark des Antrona-Tals.


    Eine fantastische Sicht auf den Talabschluss des Antrona-Tal eröffnet sich, der gleichzeitig die Grenze zur Schweiz bildet.


    ... dann über Geröll und bunte Blumenwiesen hinab zum Lago di Alpe Cavalli mit seiner eigenartigen milchiggrünen Farbe.


    Am Mittag ist das Ziel Alpe Cheggio (sprich: Kedscho), ein kleines Bergdorf, erreicht. Ein halber Ruhetag im Alberto Alpino wird der Tagesausklang.


    Blick vom Balkon auf Oratorio San Bernardo.
    San Bernardo ist der angebliche Beschützer der Bergsteigenden

    Tag 10: ~4,5 Std. ~ 5,8km / ~410m \ ~980m




    Tag 11, Mittwoch, 10.7.2019: von Alpe Cheggio zum Campo Sportivo von Ruginenta


    In der Früh war die Aussicht vom Zimmer des Albergo Alpina noch beeindruckender, auch wenn man mit dem Christentum nichts am Hut hat.

    Heute ging es nur bergab. Zunächst über alte Mulattiere, die mich immer wieder beeindrucken. Denn diese sind sicher nur dann gebaut worden, wenn entlang dieser Wege intensiv transportiert und gehandelt wurde. Muss echt was los gewesen sein ... und wir Wandernde profitieren heute noch davon. Dank an die Vorfahren.


    Es ging bis nach Antronapiana, dem "größten" Ort im wunderschönen Antrona-Tal. Ausgestattet mit Bar und zwei kleinen Dorfläden, gab es fast alles, was das Herz begehrt, - bis auf eine neue Gaskartusche mit Schraubventil. Das war natürlich ziemlich doof, denn die brauchte ich, da die Füllung der aktuellen Kartusche zur Neige ging. Einen Adapter für Kartuschen mit Bajonett-Anschluss hatte ich mit, - nur leider den für Stechkartuschen aus Gewichtsgründen zu Hause gelassen. Pech.


    Mäßiger bergab ging es nach einer längeren Pause weiter durch kleine Weiler, die alle etwas eigenes hätten, wenn ich nur die Augen aufmachte...


    ein Waschplatz mit bereitliegender Bürste und Seife


    eine geschlossene Pizzeria, die
    im Wanderführer noch als Zwischenstop empfohlen wird


    an den Ortsrändern stehen häufig zig Bienenkörbe


    und zuletzt der Festplatz am Sportplatz von Ruginenta!

    Dieser war mit Strom, Wasser und einer ruhigen Schlafecke ausgestattet. Hier war der ideale Lagerplatz kurz vor dem Einstieg in die nächste Tagesetappe.

    Da war doch noch das "Problem" mit der leeren Schraubkartusche ...

    Es war erst Nachmittag und die nächste Kleinstadt, Villadossolla war "nur ein paar Kilometer" weit entfernt. Zwar fuhr kein Bus mehr, doch Trampen ging noch, obwohl nur wenige Autos vorbeikamen. Mit einem älteren Herrn und einem kleinen Fiat ging es talab durch steile Schluchtwände, an denen die Straße klebte wie ein Schwalbennest an der Wand.

    Er fuhr direkt zum nächsten Eisenwarenladen, leider hatten auch die nur die Stechkartuschen. Das weckte seinen Ehrgeiz und wir steuerten in der Umgebung bis Domodossola insgesamt 4 solcher Läden an, bis wir fündig wurden. Dann bot er auch noch an, mich wieder hoch zu fahren, wenn er seine Sache noch erledigt hatte. So wurde eine edle italienische Bar am Bahnhof von Domodossola meine Wartehalle.


    Dort habe ich recherchiert, dass man diese wirklich tolle Gegend mit der Bahn von Kassel innerhalb von 8 Std. erreichen kann, und das zu noch vernünftigen Preisen: gemerkt!

    Und diese Hilfsbereitschaft gegenüber Anderen hat mich stark beeindruckt und soll mir ein Beispiel sein, wenn jemand mal Unterstützung braucht.

    Tag 11: ~4 Std. ~9,7km / ~60m \~960m




    Tag 12, Donnerstag, 11.7.2019: von Ruginenta über Alpe Colma nach Molini


    mal wieder eine Mulattiera

    Sofort ab Einstieg ging es steil los und sollte fast immer so bleiben bis zu Alpe Colma. Teils auf Mulattiere, teils auf steilen Waldpfaden ging es an verlassenen Alpen vorbei oder durch Alpenrosen zugewucherte ehemalige Almwiesen.


    Es war einmal eine Alp ...


    Alpe Colma, als Unterkunft und Verpflegungsstation für Wandernde noch aktiv


    Hier wird die Pasta noch händisch hergestellt.


    Beim Abstieg ins ca. 1000hm tiefer liegende Tal gab es eine noch/wieder betriebene Ziegenalp.

    Die kurz darauf eingelegte Pasta-Mittagspause ...

    ... lockte die Ziegen an. Sie waren hartnäckig und nur durch mehrmaliges Verjagen davon abzuhalten, sich am Verzehr zu beteiligen.

    Der Abstieg bewegte sich durch terrassiertes Gelände mit verfallenen Häusern. Die letzten sind in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts aufgegeben worden.

    Es muss eine gewaltige Anstrengung von Menschenhand gewesen sein, diese kilometerlangen, ans Gelände angepassten Terassen zu erstellen, zu pflegen und zu bewirtschaften (Obst- und Ackerbau).

    Teilweise waren sogar mehrstöckige Anwesen zu sehen, die nun auf ihren natürlichen Einsturz warten.

    Einige nicht mehr begehbare Terrassenwege werden jedoch instand gehalten. Ich habe großen Respekt vor diesem Kunsthandwerk des Trockenmauerbaus.


    Aufstiegstreppe, um von einem Terrassenweg zu einer Terrasse zu gelangen.


    Letztendlich empfing das Locanda del Tiglio in Molini auf 500hm mit morbidem Charme und einem phantastischen WLAN seine abendlichen Wandergäste. Hier ist auch ein guter (Wieder-)Einstiegspunkt für die GTA, so dass die Abendtafel mit 8 Personen für GTA-Verhältnisse gut gefüllt war. Die meisten Wandernden gehen auf der GTA ein bis zwei Wochen, um dann im nächsten Jahr den Weg fortzusetzen. So kann aus der GTA ein bis zu 8jähriges Vorhaben werden.

    Tag 12: ~7 Std. ~10,3km / ~1000m \ ~1110m
    Geändert von ticipico (11.09.2019 um 20:22 Uhr)
    „Wie komm ich am besten den Berg hinan? Steig nur hinauf und denk nicht dran!“ – Friedrich Nietzsche


  3. Gerne im Forum

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    AW: [IT] GTA - Grande Traversata delle Alpi (Teil Nord)

    #23
    Zitat Zitat von TEK Beitrag anzeigen
    Bislang wandern beide gerne. Vielleicht, wenn die Kleine 6/7 Jahre alt ist ...

    Videoüberwachung in einem Rifugio.
    Andere Länder, andere Sitten

  4. Gerne im Forum

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    AW: [IT] GTA - Grande Traversata delle Alpi (Teil Nord)

    #24
    Und diese Hilfsbereitschaft gegenüber Anderen hat mich stark beeindruckt ...
    Das habe ich einige Etappen weiter südlich auch mehrfach erlebt!
    Und die Schlussfolgerung daraus ist konsequent und logisch!

  5. AW: [IT] GTA - Grande Traversata delle Alpi (Teil Nord)

    #25
    Tag 13, Freitag, 12.7.2019: von Molini zum Bivacco Alpe Pian Lago

    Frühstück in Locanda Tigli mit Elke und Jörg aus der Pfalz. Jörg läuft gerade von Speyer (Pfalz) auch über die GTA ans Mittelmeer. Seine Frau begleitet ihn während der Schulferien für sechs Wochen.


    Über eine Talbrücke und der Möglichkeit zu einem letzten "göttlichen Kontakt" geht es mal wieder steil durch Wald und ehemalig bewirtschaftete Alpi ...


    zum Hochtal der Alpe de Lago, dass jetzt als Bivacco von Wandernden und vielen Mücken genutzt wird.


    Nach einem Nachmittagsnickerchen steht mein Entschluss fest, dass es noch weitergehen soll, auch wg. der Mücken, die sich mehr und mehr versammeln, um eine Blutprobe von mir zu entnehmen. Nochmal eine Rückschau auf die wunderschön gelegene Hochebene ...


    Raus aus der Hochebene und hinauf auf den Passo Camino und noch ein Stück hinab zur Alpe Pian Lago. Anscheinend ist das Mückenvolk gefolgt, denn auch hier ist es nur möglich, sich drinnen bei geschlossener Tür aufzuhalten.

    Räuchern von Kaffeepulver soll ebenfalls Mücken vertreiben. Ich versuche es und bilde mir etwas Erfolg ein.

    Das Bivacco ist gut ausgestattet ...


    Im Aussen wird um spirituellen Beistand gebeten ...


    Tag 13: ~7,4 Std. ~11,1km / ~1570m \ ~300m




    Tag 14, Samstag, 13.7.2019: vom Bivacco Alpe Pian Lago nach Campello Monti - und ein halber zero day

    In dreieinhalb Stunden vorbei am ...


    Lago dell' Usciolo ...


    ... mit Wollgrasfeldern ...

    hinauf zum gleichnamigen Colle. Nach 700hm Abstieg war das Walserdorf


    Campello Monti in Sicht

    mit seiner Albergo "Alla Vetta delle Campezzone" und einer Boccia-Bahn, die zum Spiel einlud.


    Boccia mit großen Kunststoffkugeln, recht ungewöhnlich zu spielen,
    - man kann sie eigentlich nur rollen lassen

    Beim Abendessen gab es Pizza als ersten Gang. Zweiter Gang war Fleisch, Gemüse und Kartoffeln. Zum Schluss eine Schokoladentorte als Süßspeise. Und das alles inmitten walserisch-italienischer Familien mit Kindern, Omas und Opas, eben "tutta la famiglia".

    Tag 14: ~3,5 Std. ~6,0km / ~310m \ ~750m




    Tag 15, Sonntag, 14.7.2019: von Campello Monti nach Rimella

    Nur noch eine Partie Boccia ...


    ... und der Abschied vom idyllischen Campello Monti ist abgerundet.


    das alte Schulhaus leistet seine Dienste noch als einfache Übernachtungsmöglichkeit (Posto Tappa)

    Oder doch noch ein Bild von Mauerblümchen ?


    Dann geht es auf dem "Leichenweg" nach Rimella, einem weiteren Walserdorf. Campello Monti hatte im Mittelalter keinen eigenen Friedhof und es mussten die Toten zum Friedhof nach Rimella transportiert werden. Daher "Leichenweg". Von Dauer und Schwierigkeit war es ein zweiter halber zero day.

    Albergo Fontane in Rimella ist das ultimative SlowFood-SlowMotion-Center.

    Aufziehende dunkle Wolken tragen zur Entscheidung bei, am zeremoniellen Abendessen teilzunehmen.


    Die Belohnung war ein dreizehngängiges!! Essen von 20 bis 23:30 Uhr. Slowfood in Perfektion! Die "Gänge" waren bis auf einige wenige natürlich nur Appetithäppchen, die alle superköstlich waren.

    Tag 15: ~5 Std. ~9km /~650m \~750m




    Tag 16, Montag: von Rimella zum Col di Baranca

    Das ist der erste Regenmorgen bei dieser Tour.


    Die Wetter-App "Warnwetter" vom DWD versprach am Mittag abklingenden Regen mit zunehmender Aufheiterung.
    So wurde bis zum späten Vormittag das gestrige Abendessen weiter verdaut und der integrierte Lebensmittelladen besichtigt.


    Mehr braucht's nicht

    So gegen 11 Uhr kam dann doch Unruhe auf und und trotz allem "slow" wurde in den Regen hineingegangen.
    Belohnt wurde dies durch immer geringer werdenden Regen. Auch die Steine und Wurzeln waren nicht so glitschig wie angekündigt. Nur der Schweiß lief, weil es feuchtwarm war.


    Auf den Gipfeln gab's sogar Zuckergussschnee.

    Ab dem Sattel von Le Res ging es hinunter nach Piana. Eine Pause in einer kleinen Ein-Personen-Osteria bei gefüllten Pfannkuchen mit Schinken und Käse stärkten die Kräfte.

    Talauf, zunächst auf der Straße, dann auf einer Mulattiera in ein enges Tal hinein. Selbst weit hinten im Tal stehen noch mehrstöckige verfallene Häuser ohne jemals Straßenanschluss gehabt zu haben. Welch ein Aufwand, diese hier zu bauen. Wer hat hier gewohnt? Für Alpwirtschaft zu herrschaftlich. Viele Fragen bleiben offen ...


    Die Alpe Baranca liegt bei der Ankunft noch im Sonnenschein. Hier sammeln sich weitere GTA-Wandernde zum Sonnenbade.


    Das heutige Ziel liegt aber noch ca. 45 min. dahinter: Col di Baranca auf 1819m.


    Von Eseln begrüßt wird das Zelt aufgebaut und das Abendessen bereitet, Terrainverteidigung gegenüber neugierigen Eseln und Kühen inbegriffen. Guter Schlaf trotz kalter Nacht folgt.

    Tag 16: ~7,3 Std. ~13,1km /~1250m \~650m
    „Wie komm ich am besten den Berg hinan? Steig nur hinauf und denk nicht dran!“ – Friedrich Nietzsche


  6. AW: [IT] GTA - Grande Traversata delle Alpi (Teil Nord)

    #26
    Tag 17, Dienstag, 16.7.2019: vom Col di Baranca nach Carcoforo

    Außer einem neugierigen Besuch um 3 Uhr in der Früh von acht Eseln mit Glocken um den Hals war die Nacht o.k.


    Zum Frühstück zeigen sich die Berge in ihrer ganzen Schönheit.


    Noch eine Schüppe drauf gab es am Col d'Egua (2239m), wo sich das Monte-Rosa-Massiv (ca. 4600m) ganz ohne Wolken zeigte.

    Hier gibt es ein gleichnamiges Bivacco, dass von seiner Terrasse aus eine dauerhafte Aussicht gewährt. Ist für eine Übernachtung vorgemerkt!


    Nun wie immer abwärts über meist verfallene Alpen hinunter nach Carcoforo mit seiner kunstvollen Häuseransammlung.


    Carcoforo

    Im Albergo/Rifugio "Alpenrose" (Walserland) gibt es Sanbitter ...


    ... und ein gemeinsames Abendessen mit einigen anderen GTA-Wandernden.

    Abschließend noch ein typisch italienisches Etagenbett mit durchhängendem Metallrost im Posto Tappa und alles ist tutto bene.

    Tag 17: ~4,3 Std. ~7,2km /~430m \~940m




    Tag 18, Mittwoch, 17.7.2019: von Carcoforo nach Rima

    Der kleine Lebensmittelladen in Carcoforo öffnete offiziell erst um 9 Uhr, in Realität dann erst um 9:30 Uhr. Relaxieren war angesagt.

    Wieder vollgetankt mit dem Lebensnotwendigem ging es heute unspektakulär alperauf zum Col de Termo (2351m) und auf komfortablem Serpentinenpfad alperunter nach Rima. Man gewöhnt sich an die täglichen Auf- und Abstiege.

    Rima ist ein gut herausgeputztes Dorf am Talende. Etwas außerhalb liegt der heutige Geheimtipp von Jörg, das kleine aber feine Rifugio Brusà.


    Der etwas zerzauste Gastgeber hat hier einen Kleinod zum Wohlfühlen geschaffen, inkl. bester Weine und fast ausschließlich selbst hergestelltem Essen: Brioche aus dem Jura, Ziegenfrischkäse mit einen süßscharfen Vinigrette, geschmorte Kalbsscheiben in Weißweinsoße, etc.

    Dazu noch drei französische Wandergäste, mit denen gute Gespräche möglich waren. Welch eine Tischkultur...


    Zum Abschluss lud uns der Hüttenwirt zum Wiederkommen ein, sowohl im Winter als auch im Sommer seien von hier aus ein paar gute Touren möglich, und natürlich stets mit gutem Essen unterfüttert.


    Natürlich eine handgeschriebene Speisekarte!

    Gemerkt!

    Tag 18: ~7,2 Std. ~11,9km /~1060m \~1000m




    Tag 19, Donnerstag, 18.9.2019: von Rima nach Alagna
    Von so einem guten Ort wie dem Rifugio Brusà fällt der Abschied schwer.
    Noch ein Blick in den Vorraum der "kreativen Küche" mit seinem gut sortierten Weinregal ...


    Dann geht es über den bereits bekannten Fußweg zurück nach Rima, wo alte, stolze Walserhäuser in den Himmel ragen ...


    ... und Schönheit und Funktion eine Einheit bilden.

    Dann ist Schluss mit lustig und es geht auf gut gepflegtem Weg steil hinauf zum Colle du Mud, 2324m.


    Noch aktive Alpgebäude begleiten den Weg. Nicht umsonst heißt die Tour "Grande Traversata delle Alpi".

    Kurz hinter dem Colle, in einer windgeschützten Ecke, kocht der Chef de Cuisin Pasta con Pesto verde.
    Lecker und die Energiespeicher werden für den Abstieg aufgeladen.


    Dieser gestaltet sich höchst komfortabel über hunderte von Serpentinen und gelegten Steinstufen ...


    ... bis schließlich Pedemont und dann Alagna, ein touristisch gut erschlossenes Ski- und Bergsteigerdorf unterhalb des Monte Rosa erreicht wird.


    Alagna mit Walsertradition und
    deutschsprachigen (alten) Werbeschriften

    Genächtigt wird auf dem Campingplatz, den eine freundliche Holländerin mit ihrem schweizerischen Mann leitet.

    Tag 19: ~7,2 Std. ~13,2km /~920m \~1120m




    Tag 20, Freitag, 19.7.2019: von Alagna durch das Val Vogno zum Lago Nero

    In der Früh noch einen "Cappucio" in der zentralen "Bar del Guide" (Bar der Bergführenden).

    Alagna ist ein guter Ausgangsort für Bergtouren in der Monte Rosa Region. Es gibt einen achttägigen Rundweg um den Monte Rosa, der wg. Schnee erst ab Mitte Juli begehbar ist - gemerkt!

    Nachdem mal wieder das ganze Geraffel gepackt ist, geht es auf Wirtschaftswegen talauswärts bis zum Taleingang des Val Vogno, einem seeeehr langgestreckten Tal mit alter und noch teilweise aktiver Walserkultur.

    Auch hier laufe ich erst auf ermüdenden Fahrstraßen und Wirtschaftswegen, bis dann endlich wieder abwechslungsreiche, schmale Pfade kommen.


    Die mit Naturstein vor hunderten von Jahren hergestellten Terrassen und Terrassenwege faszinieren mich immer wieder.

    Wie haben die damals bloß diese großen Steine bewegt? Mit welchem Aufwand? Und mit welchem Können! Die Mauern stehen jetzt noch meist stabil da.

    Typische Walserhäuser begleiten den Weg durchs Tal.


    Das Refugio Valle Vogna ist noch mit dem Auto und Kleinbus-Shuttle erreichbar. Es ist Freitag und italienische Tagesausflügler verdichten sich hier zu Picknick und Pranzo (Mittagessen in der Hütte).


    Bei diesem Walserhaus hat es jemand mit dem Blumenschmuck etwas zu gut gemeint.


    Auch hier wieder eine mehrere hundert Stufen lange Natursteintreppe, ein Indiz dafür, dass dies mal ein ökonomisch wichtiger Weg war.


    Wer hat diese wie und wann hier gebaut? Ich bin immer wieder platt. Unsere Betonbauten, perfekt aussehend und hauptsächlich mit Maschinen hergestellt, werden wohl nicht so lange überdauern.


    Wolfs-Eisenhut

    Die Alpwirtschaft ist hier noch ein bisschen aktiv und auf der dritten Alpe stoße in auf eine Herde "Angusrinder"
    Zitat Zitat von codenascher Beitrag anzeigen
    Nix Angusrind, sondern Schottisches Hochlandrind.
    , deren Hörnerbesatz doch etwas beunruhigen können.




    Ob sie wahrgenommen haben, dass ich gestern Abend ein "Entrecote del Angus" verspeist habe?


    Überall dort, und hauptsächlich in der Nähe von Alpen, wächst dieses Kraut in Massen, so dass ich den Weg nur erahnen kann.
    "Der Alpen-Ampfer ist eine ausgesprochen stickstoffliebende Pflanze und gilt als Düngerzeiger. Im Gebirge ist die Pflanze häufig rund um Almhütten und in der Nähe von Viehtränken zu finden. Die durch das Vieh verursachte hohe Stickstoffzufuhr der Mist- und Lägerflora verträgt diese Pflanze besonders gut. Sie kann nach Ende der Almwirtschaft Jahrzehnte, manchmal sogar Jahrhunderte weiterbestehen, wenn von der ursprünglichen Almhütte kaum noch sichtbare Überreste existieren." (Wikipedia:Alpen-Ampfer)


    Alpe Lago Maccagno, leider geschlossen. Ansonsten gäbe es hier eine gute Alpvesper.

    Etwas später mein "Campingplatz" am Lago Nero auf 2322m.




    Hier richte ich mich häuslich ein, tausche meine Bergschuhe gegen Schläppchen und koche Kartoffelpürree angereichert mit Parmesan und Makrele in Öl aus der Dose. Datt nennt man Camping, datt nennt man schön ...

    Tag 20: ~7,5 Std. ~17,8km /~1310m \~200m

    -- Fortsetzung folgt --
    Geändert von ticipico (15.09.2019 um 16:16 Uhr)
    „Wie komm ich am besten den Berg hinan? Steig nur hinauf und denk nicht dran!“ – Friedrich Nietzsche


  7. Gerne im Forum

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    AW: [IT] GTA - Grande Traversata delle Alpi (Teil Nord)

    #27
    Viel Bekanntes von vor zwei Jahren, nur anders dargestellt,
    Danke!

  8. Alter Hase
    Avatar von codenascher
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    AW: [IT] GTA - Grande Traversata delle Alpi (Teil Nord)

    #28
    Zitat Zitat von ticipico Beitrag anzeigen
    ....

    Die Alpwirtschaft ist hier noch ein bisschen aktiv und auf der dritten Alpe stoße in auf eine Herde Angusrinder, deren Hörnerbesatz doch etwas beunruhigen können.




    Ob sie wahrgenommen haben, dass ich gestern Abend ein "Entrecote del Angus" verspeist habe?

    ...
    Nix Angusrind, sondern Schottisches Hochlandrind. Angusrind ist schwarz, bullig, hat kurze Beine und KEINE Hörner. Also das Gegenteil von den Viechern die du gesehen hast.

    schottische Grüße
    Sven

    Bin im Wald, kann sein das ich mich verspäte

    meine Weltkarte

  9. AW: [IT] GTA - Grande Traversata delle Alpi (Teil Nord)

    #29
    Zitat Zitat von codenascher Beitrag anzeigen
    Nix Angusrind, sondern Schottisches Hochlandrind.

    Danke. Jetzt kenne ich mich wieder ein bisschen mehr aus.
    „Wie komm ich am besten den Berg hinan? Steig nur hinauf und denk nicht dran!“ – Friedrich Nietzsche


  10. AW: [IT] GTA - Grande Traversata delle Alpi (Teil Nord)

    #30
    Tag 21, Samstag, 20.7.2019: Von Lago Nero zum Rifugio Madonna della Neve

    Der Himmel ist voller wabernder Wolken und vermischt sich mit dem Grau des Gerölls, über das ich mit hinauf zum Passo Maccagno (2495m) bewege.


    Natürlich habe ich vorher in feuchter Kühle mein Geraffel geraffelt. Frühstück soll später an einem angenehmeren Plätzchen folgen. Es ist noch zu kühl.

    Nach einem etwas steilen Abstieg folgen Stücke von genüsslichen Plattenwegen, die zu zwei weiteren Pässen führen. Irgendwie haben sie schon französische Namen, ich bin etwas desorientiert.


    Kaffee, Brot und Käse am letzten Col d. Mologna Grande, für den zu meinem Erstaunen zwei gravierend abweichende offizielle Höhenangaben angegeben werden.




    Kurz hinab zum im Nebel liegenden Rifugio Rivetti, in dem ich einen großen Cafelatte und eine Tafel Schokolade vertilge.


    Über Alpen Rücksturz nach Piedicavallo (frei übersetzt: Pferdefüße).




    Piedicavallo


    Blumen am Wegesrand

    Nachdem ich meine Sachen und mein Zelt in schwacher Sonne halbwegs getrocknet bekommen habe, setze ich meinen Weg fort hinauf zum Rifugio Madonna della Neve.


    Dieses entpuppt sich als kleine Oase.


    Duschen, Wäsche waschen, Abendessen, angenehme Gespräche mit dem Hüttenwirt, der seine Tierliebe in Form von drei tschechischen Wolfshunden und sieben großen, schwarzen französischen Pferden auslebt.

    Ein guter Schlaf in einem guten Bett rundet alles ab. Mehr braucht's nicht.


    Tag 21: ~8,1 Std. ~14,1km /~820m \~1660m




    Tag 22: Sonntag, 21.7.2019: Von Rifugio Madonna della Neve nach Rifugio Coda

    Nach einem typisch italienisch mageren Frühstück ging es hinab nach Rosazza, einem etwas eigentümlichen Ort. Ein Architekt hat sich hier mit verschiedenen Baustilen, unter anderem dem schottischen, verewigt. Ansonsten wirkt der Ort leer und wie aus der Zeit gefallen.


    Hinauf zu einer ersten alten Klosteranlage, die heute ein beliebtes Sonntagsausflugsziel ist.


    Santuario San Giovanni

    Dann "pilgere" ich weiter über einen langgestreckten Höhenweg, lasse mein Blut von Mücken aussaugen, kratze mich überall und bleibe so wenig wie möglich stehen, vor lauter Sorge, komplett ausgesaugt zu werden. Dann endlich Santuario Oropa, ein norditalienisches "Pilgerzentrum".


    Santuario Oropa


    Innenhof mit allen touristisch-pilgerischen kommerziellen Möglichkeiten

    Wahrscheinlich wären vor ca. 2000 Jahren alle Händler und Gastronomen von einem gewissen J. aus N. verjagt worden.


    Oder ein gewisser G. hätte die wahre Freude daran, wie seine Fans am Sonntag sich spielend und genießend um seine Kultstätte versammeln.


    Sogar die Picknickmöbel werden mitgebracht, in der Menge platziert, um sich dem Glücksspiel hinzugeben.

    Um dem ganzen Sonntagstrubel zu entkommen nehme ich die Seilbahn und lasse mich auf 1800m hochkatapultieren.


    Hier treffe ich auf eine noch aktive Korbseilbahn, die weiter auf den Monte Camino führt. Kurios.


    Das ist die Warteschlange der Ausflügler vor der Seilbahn, die abwärts fahren wollen. Geduld ist angesagt.


    Für die musikalische Untermalung sorgt ein Blasorchester der italienischen Gebirgsjagenden.

    Nach ca. 150hm Anstieg kommt der typische Effekt auf: Stille und kein Mensch mehr weit und breit. Geschafft!


    Es geht über (zu) gut markiertes Blockgelände ...


    ...und über eine etwas exponierte, gut abgesicherte Stelle ...


    ... zum Rifugio Coda mit der phantastischen Aussicht von der Punta della Sella (2315m).

    Hier treffe ich wider Erwarten auf Jörg und Elke, die ihren Ruhetag hier verbringen. Wir geniessen gemeinsam mit Mischa und zwei weiteren GTA-Wandernden den Abend inkl. Sonnenuntergang. Der Rest braucht keine Worte...




    Tag 22: ~9,8 Std. ~24,5km /~1130m \~900m
    „Wie komm ich am besten den Berg hinan? Steig nur hinauf und denk nicht dran!“ – Friedrich Nietzsche


  11. AW: [IT] GTA - Grande Traversata delle Alpi (Teil Nord)

    #31
    Tag 23, Montag, 22.7.2019: Ruhetag


    Das Rifugio Coda ist ein idealer Ort für einen Ruhetag: gute Aussicht (wenn keine Wolken alles vernebeln), nette Wirtsleute und erstklassiges WLAN.

    Leider hat sich an meinem Schuh die Sohle gelöst und ich werde wohl im nächsten Tal nach einer Lösung suchen müssen: Reparatur oder Kauf von neuen Schuhen.

    Jörg hat Kabelbinder mit. So wird meine Sohle an den Schuh gezogen. Darüber noch Panzerband gewickelt. Das wird die morgen anstehenden Abstieg überstehen. Dann sehe ich weiter.

    Tag 23: 0 Std. 0km / 0m \ 0m




    Tag 24, Dienstag, 23.7.2019: vom Rifugio Coda nach Quincinetto.

    Vom außen nüchtern wirkenden Rifugio Coda verabschiede ich mich am Morgen ...


    ... nicht ohne noch einen Blick in Richtung Monte Rosa zu werfen. Umwerfend. Die Region Aosta ist wirklich noch eine Gegend, die ich gern kennenlernen möchte.


    Das Monte-Rosa-Massiv, von der italienischen Seite gesehen


    Zum Rifugio steigen immer Wolken aus der Poebene, der Risottoschüssel Italiens, auf. Dadurch gibt es stets eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit, die wiederum für eine hohe Mückenpopulation sorgt. Was ich zu spüren bekomme.

    Zunächst geht es über einen etwas ausgesetzten Grat, wo ich doch tatsächlich ...


    ... einen Steinbock? ...


    ... nein, einer Ziege mit Glocke und außergewöhnlich großen Hörnern begegne.

    Ich durchquere eine große Hoch"ebene" mit intensiver Alpwirtschaft ...

    ... bevor ich über Eselspfade durch ehemalige terrassierten Kastanienhaine nach Quincinetto (280m), insgesamt ca. 2300hm, hinabsteige ...


    Quincinetto (280m)


    Durch Weinpergolen erreiche ich mein heutiges Ziel.


    Trinken, Schweiß abwaschen, Arme kühlen

    Doch eine wichtige Aufgabe steht noch bevor: Schuh-Update.

    Der angekündigte Schuhladen in Quincinetto hat leider schon die Sommerpause eingeläutet. Ein freundlicher Einwohner lotst mich zur ...


    ... provisorischen Bushaltestelle.

    Dort soll ein Bus um 16:04 Uhr mich zum 15km entfernten Ivrea fahren. Der Bus erscheint nicht. Ich versuche es mit Trampen, was sofort gelingt. Dem Fahrer erläutere ich auf englienisch mein Absicht und er macht meine Aufgabe zu seiner und fährt mich nach Ivrea und dort direkt vor die Tür eines Sportgeschäftes, - obwohl er gar nicht nach Ivrea wollte.

    Im Sportgeschäft empfiehlt man mir erstmal den örtlichen Schuster aufzusuchen, der ca. 500m entfernt seine Werkstatt hat. Dieser wiederum zögerte, weil die Reparatur wegen der Pressdauer des Klebers mindestens 24 Std. dauern würde.

    Also zurück zum Schuhladen und neue Schuhe anprobiert, die auf Anhieb passen. Scarpa eben.


    Die defekten Schuhe schickt die Verkäuferin nach Hause, wo ich sie dann in Ruhe von Lowa reparieren lassen kann.

    Dann noch mit dem Bus zurück von Ivrea nach Quincinetto ...

    Untergekommen bin ich in einem komfortablem B&B, gegessen habe ich einfach und sehr gut in der lokalen, knallvollen Pizzeria.



    ... mit seinem netten Ortskern.

    Tag 24: ~8,3 Std. ~16,8km / ~320m \ ~2390m




    Tag 25: Mittwoch, 24.9.2019: von Quincinetto zum Agritourismo La Capanna

    1080hm bergauf. Heiß, schwül, viele Mücken, die mich auf Trab halten. Stehen bleiben gilt nicht, dann werde ich gestochen. Ich bin nur froh, dass ich den Großteil des Weges im Schatten laufen kann.




    ... und einer Stipvisite in einer ehemaligen Quarzgrube ...


    ... noch ein Blick zurück auf Quincinetto inkl. der gestrigen Abstiegsstrecke ...


    ... dann noch einen Schmetterling einfangen ...


    ... und schon bin ich nach 3stündigem Aufstieg im Schlafsaal des Agritourismo La Capanna, freue mich auf Dusche, Nickerchen und lecke meine Mückenstiche, soweit ich dran komme. Bei der Hitze reicht es für heute.

    Tag 25: ~3,1 Std. ~5,6km / ~1080m \ ~0m

    --- Fortsetzung folgt ---
    Geändert von ticipico (16.09.2019 um 23:56 Uhr)
    „Wie komm ich am besten den Berg hinan? Steig nur hinauf und denk nicht dran!“ – Friedrich Nietzsche


  12. Fuchs
    Avatar von Meer Berge
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    AW: [IT] GTA - Grande Traversata delle Alpi (Teil Nord)

    #32
    Hallo Klaus!

    Ich freue mich jedesmal auf eine neue Episode deiner GTA!
    Ein toller Bericht, herrliche Bilder!

    Das Problem mit den sich ablösenden Schuhsohlen bei Bergstiefeln höre ich seit ein paar Jahren immer häufiger. Einmal bin ich direkt Zeuge und Mitleidender gewesen, da sich die Schuhe meiner Wanderpartnerin aufgelöst haben. Wie soll man sich denn mit solchen Schuhen noch in eine ferne Wildnis begeben, wo man nicht mal eben im nächsten Schuhladen Ersatz bekommen kann!? Den Stiefeln kann man doch nicht mehr trauen ...
    Gut, dass du das Problem so schnell lösen konntest!

    Viele gespannte Grüße,
    Sylvia
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    Das Wetter, das man jeden Morgen in sich selber macht, ist viel wichtiger als das Wetter draußen. Fynn

  13. AW: [IT] GTA - Grande Traversata delle Alpi (Teil Nord)

    #33
    Zitat Zitat von Meer Berge Beitrag anzeigen
    Hallo Klaus!

    Ich freue mich jedesmal auf eine neue Episode deiner GTA!
    Ein toller Bericht, herrliche Bilder!
    Danke. Gleichzeitig freue ich mich auch, wenn ich zeitnah meine Bilder und Aufzeichnungen nochmal durchschaue und hier einstelle. Es ist wie ein nochmaliges "Drüberfliegen" und Nachschmecken. Parallel dazu lese ich Werner Bätzings Buch "Die Alpen - Das Verschwinden einer Kulturlandschaft". Das gibt mir nochmal eine, im wahrsten Sinn des Wortes, neue Sichtweise auf die Landschaften, die ich durchquert habe.

    Zitat Zitat von Meer Berge Beitrag anzeigen
    Das Problem mit den sich ablösenden Schuhsohlen bei Bergstiefeln höre ich seit ein paar Jahren immer häufiger.
    Vielleicht liegt eine Ursache ja auch beim Kaufenden: Meine neuen Scarpas, in denen ich wirklich toll gelaufen bin, haben jetzt nach ca. 550 km an der Vordersohle, heftige Abnutzungserscheinungen. Laut Schuhmacher nicht mehr sinnvoll reparabel. Eine Rückfrage beim meinem Outdoorprodukte-Händler des Vertrauens ergab, dass der Einsatzbereich "Alpin-Hochalpin" für diese Schuhe nicht vorgesehen ist: Die Sohle ist dünn, das Material sehr leicht und daher empfindlicher. Dadurch kommt man natürlich auf ein sehr geringes Gewicht, - was die Kaufenden heutzutage sehr oft anfragen und auch kaufen. Dann muss eben mit einer kurzen Lebensdauer gerechnet werden, was aus Sicht der Nachhaltigkeit nicht sinnvoll ist. Mir leuchtet die Argumentationskette ein und anscheinend ist Langlebigkeit mit höherem Gewicht gekoppelt (bei Schuhen, nicht bei Menschen ), insbesondere wenn der Schuh nachträglich nochmal besohlbar sein soll.

    Liebe Grüße

    Klaus

    p.s. ich hoffe, dass du deine Sommererlebnisse hier auch nochmal zu besten gibst.
    „Wie komm ich am besten den Berg hinan? Steig nur hinauf und denk nicht dran!“ – Friedrich Nietzsche


  14. AW: [IT] GTA - Grande Traversata delle Alpi (Teil Nord)

    #34
    Tag 26, Donnerstag, 25.7.2019: Vom La Capanna nach Fondo (Valchiusella)

    Der Abschied vom Agritourismo fiel mir nicht schwer, da es zunächst wieder hinauf in die Berge ging.

    Der Rückblick zeigt eine auf Viehzucht orientierte Alplandschaft, wie ich sie auch vom Nordalpenraum her kenne.


    Schwül und wolkig ging es über einen Pass zu diesem geschlossenen Rifugio, dass auch schon bessere Zeiten gesehen hat.


    Die feuchte Wärme lässt hier hochkompakt alles vielfarbig erblühen.


    Stefano war der bisher einzige Italiener, den ich auf GTA-Pfaden erlebt habe. GTA-Wandern ist hauptsächlich (noch) eine deutschsprachige Passion.


    Giorgio, ein archaischer Älpler, lud uns zum Cafè ein. In seiner Stube war es dunkel.

    Heller und bunter ging es wieder auf den Wiesen zu.


    Ein Steilabschnitt war so zugewachsen, dass Weg- und Trittfindung schwierig und langwierig war.


    Wo ist er nur, der Weg?


    Das da unten ist noch lange nicht der Zielort.


    Birkenhaine brachten Abwechslung,
    und sind gleichzeitig die Vorboten der zunehmenden Verwaldung.


    Das war meine Pausenbadetümpel.


    Ein Zielfoto: Fondo
    Bereits fast völlig bebuscht und bewaldet.
    Wenn hier nicht noch ein bisschen (Wochenend-)Tourismus wäre ...


    Trattoria La Ponte

    Hier trafen sich am Abend neun GTA-Wandernde bei leckerem Essen und gutem Wasser und Wein. Unter anderem war dabei Michael Martin, ein wohl ziemlich bekannter Fotograf und Wüstenexperte, der mit seiner Frau auf der GTA für ein paar Tage unterwegs war. Neben seinem hohen Kontrollbedürfnis und seinen sehr stabilen Meinungen fand ich ihn sehr sympatisch.


    La Ponte an Trattoria


    Mein Nachtlager, diesmal auf Tannennadeln gebettet, unter passendem Baum.

    Hier erlebte ich in der Nacht ein mehrstündiges Berggewitter, jedoch in halbwegs sicherer Position.

    Tag 26: ~7,3 Std. ~13,5km / ~910m \ ~1190m




    Tag 27, Freitag, 26.7.2019: von Fondo (Valchiusella) nach Piamprato im Valle Soana

    Um 5:45 Uhr klingelt mein "Wecker". Ohne Frühstück gehe ich um 6:30 Uhr los, nachdem ich Zelt und sonstiges Zeugs zusammen gepackt habe.


    Zunächst talein unter mächtigen Gesteinsbrocken entlang auf einer Mulattiera hinauf zu immer höher liegenden Alpen.


    Ein Bach lädt zum Pausieren ein, doch irgendwie drängen mich die Schwüle und das etwas unsichere Wetter zu Weitergehen.

    Bevor es ganz steil hinaufgeht, mache ich mir einen Kaffee und esse Brot und Toma, die lokale Käsespezialität.


    Vor dem Abstieg darf ich noch Arnika an Berglandschaft erleben.


    (Noch) mir unbekanntes Blumenwunderwerk

    Hier bricht die Fotoserie ab, da ich voll mit dem "Weg" beschäftigt war: zugewachsen, feucht, steil, abschüssige Platten, - eine Sammlung und Addition von nicht so ganz schwierigen Schwierigkeiten erforderten meine ganze Aufmerksamkeit.


    Schließlich erreichte ich das Agriturismo Aquila Bianca in Piamprato, wo ich mit fünf anderen GTAlern einen schönen Abend bei gutem Essen verbrachte. Danke dafür.

    Tag 27: ~8,2 Std. ~13,1km / ~1360m \ ~880m




    Tag 28, Samstag, 27.7.2019: Von Piamprato (Valle Soana) nach Santuario di Prascondù

    Obwohl (oder weil?) er einer der spannendsten Tage war, gibt es nur wenige Bilder. Die Erinnerungen jedoch bleiben.
    Von Piamprato kamen wir sechs GTAler mit dem Bus nach Ronco. So ersparten wir uns ca. zwei Std. Straßelaufen. Das muss wirklich nicht sein.

    Als Alternative gäbe es noch eine fünfstündige Wanderung durch ein schönes Tal nach Ronco, was einen ganzen Tag und eine weitere Übernachtung in Ronco bedeutet hätte. Ronco ist ein Eingangsort zum Nationalpark Gran Paradiso, was ihn touristisch attraktiv und lebhaft macht (Autoverkehr, etc.). Das musste auch nicht sein.


    Nach dem etwas traurigen Abschied von zwei GTAlerinnen aus der Schweiz zogen wir Restlichen zunächst noch ein paar Kilometer Asphalt bergauf, bis wir wieder auf "natürlicheres" Gelände kamen.

    Gleichzeitig kamen dunkle Wolken auf, die auch bereits von mehreren WetterApps angekündigt waren.
    Weiter ging es bis auf 1922m zur Alpe Goie, wo uns Wind und Regen zwangen, unsere Regensachen anzuziehen. Eigentlich wollten wir den Regen und das aufkommende Gewitter hier abwarten, doch begannen wir zu frieren und beschlossen weiter zu laufen. Oben dann am Col de Crest, 2042m, erwischte uns das Gewitter voll. Es war direkt über uns und wir verkrochen uns im Hagelschatten an eine Felswand. Und froren.
    Dennoch hieß es abwarten bis das Gewitter zumindest einige Kilometer entfernt war. Dann zogen wir, durchgefroren, durch nasse, rutschige Grassteilhänge langsam und vorsichtig abwärts. Langsam nahmen Regen und Gewitter und damit unsere Anspannung ab.

    Im Santuario di Prascondù wurden wir belohnt: Ein Männerchor aus Seisa gab ein Konzert in der kleinen Kirche mit hauptsächlich weltlichen Bergsteigerliedern. Und Valentina, die gute Fee des Hauses, zauberte ein vielfältiges Abendessen und der köstliche Wein rundete das Ganze ab.


    Die GTAlerInnen: La Familia Traversata

    Der Tag fand einen guten Abschluss.


    Santuario di Prascondù

    Tag 28: ~7,3 Std. ~12,5km / ~1190m \~790m

    --- Fortsetzung folgt ---
    Geändert von ticipico (17.09.2019 um 18:51 Uhr)
    „Wie komm ich am besten den Berg hinan? Steig nur hinauf und denk nicht dran!“ – Friedrich Nietzsche


  15. Fuchs
    Avatar von blauloke
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    AW: [IT] GTA - Grande Traversata delle Alpi (Teil Nord)

    #35
    Klasse Bericht, schön bebildert und gut geschrieben.

    Hattest du beim Zelten Probleme einen Platz zu finden, bzw wie wird auf das Zelten reagiert?
    Du kannst reisen so weit du willst, dich selber nimmst du immer mit.

  16. AW: [IT] GTA - Grande Traversata delle Alpi (Teil Nord)

    #36
    Zitat Zitat von blauloke Beitrag anzeigen
    Klasse Bericht, schön bebildert und gut geschrieben.
    Danke. Es geht noch weiter!

    Zitat Zitat von blauloke Beitrag anzeigen
    Hattest du beim Zelten Probleme einen Platz zu finden, bzw wie wird auf das Zelten reagiert?
    Wenn ich ein Problem beim Zelten hatte, dann war es, einen ebenen Platz zu finden. Und wenn ich dachte ich hätte einen gefunden, inkl. Probeliegen, hat es sich in der Nacht doch meist herausgestellt, dass ich entweder zur Seite oder nach unten gerutscht bin. Gelöst habe ich das dann später, in dem ich so lange Sachen unter meine Matte geschoben habe, bis wenigstens diese einigermaßen eben lag.

    Reaktionen auf das Zelten waren extrem selten, da ich das Zelt meist spät aufgebaut und früh abgebaut habe. Und wenn dann in seltenen Situationen doch jemand da war, hatte ich nur zustimmende Reaktionen (Daumen hoch; das hab ich früher auch gemacht; das will ich auch mal wieder machen; toll, -in dem Alter und dann noch zelten; etc.). Natürlich habe ich nicht auf privaten Grundstücken, auf ökonomisch genutzten oder besonders naturgeschützten Flächen gezeltet. Aber es findet sich immer eine Ecke, auch unten in den Tälern. Auf den letzten Etappen auf der GTA war das Essen und die Gastronomie im allgemeinen allerdings so verführerisch gut, dass ich mein Zelt gern im Rucksack gelassen habe. Ich zelte ja nicht, um Kosten zu reduzieren, sondern aus Lust am DraußenSein.
    Geändert von ticipico (18.09.2019 um 13:09 Uhr)
    „Wie komm ich am besten den Berg hinan? Steig nur hinauf und denk nicht dran!“ – Friedrich Nietzsche


  17. AW: [IT] GTA - Grande Traversata delle Alpi (Teil Nord)

    #37
    Tag 29, Sonntag, 28.7.2019: Von Santuario di Prascondù nach San Lorenzo di Piantonetto

    Heute wird's etwas knackiger: ca. 1200m hoch und 1500m runter.

    Zunächst durch einen etwas verwunschenen Wald ...


    bis zur letzten Siedlung Posio.


    Beim Aufstieg zum Monte Arzola gibt es bei gutem Wetter einen Rückblick zum Santuario (rechts unten im Bild). Ich bin immer wieder erstaunt, wie schnell man an Höhe gewinnt und eine super Übersicht bekommt.


    Aus der Poebene versuchen Wolken, sich über den Bergkamm zu winden.
    Sie schaffen es heute nicht.


    Auf dem Südsattel des Monte Arzola gibt es ein kleines Bivacco. Hier könnte man Sonnenauf- und Untergänge erleben. Doch mich zieht es weiter.


    Wir mussten an einer Herde aus Schafen und Eseln vorbei. Lt. Schäfer waren es ca. 600 Tiere.


    Zwei große Hirtenhunde, wie ich sie auch aus den Pyrenäen kenne, versperrten uns mit lautem Gebell den Durchgang. Es gab kein Vor- und Zurück mehr, sondern nur Stehenbleiben und warten. Der Schäfer bequemte sich nach ca. 5 Minuten, uns aus der misslichen Situation zu befreien. Die Hunde ließen von uns ab und verschwanden in der Herde...


    Nun konnten wir auch mal in die räumliche Zukunft schauen: Nach da ganz weit unten wollten wir noch hin.

    Beim Abstieg kamen wir noch am Zuhause des Schäfers vorbei, einem abgehalfterten Wohnwagen, der bestimmt nur mit einem Helikopter hierher gebracht werden konnte.


    Die Trattoria in San Lorenzo wartete mit einer Vielzahl von lokalen Antipasti auf, die uns auch von der Chefin einzeln erläutert wurden. Dazu gab es Wasser, Wein, Café, Grappa und und Genepi, all inclusive. Ein wirklich genussvoller Tagesabschluss.

    Tag 29: ~9,4 Std. ~15,3km / ~1230m \ ~1580m




    Tag 30, Montag, 29.7.2019: von San Lorenzo di Piantonetto nach Noasca

    Im Prinzip eine schöne Höhenwanderung, die immer wieder Blicke zum Talende freigab, wo die wirklich mächtigen Berge aufgereiht sind.


    Ein bisschen schade ist es, dass ich dran vorbei laufe. Das soll mir in den nächsten Tagen noch öfter passieren ...

    Doch zunächst ermahnt ein Windspiel am Weg, die Abzweigung nicht zu verpassen.


    Wieder mal eine Blume, die ich vorher noch nicht wahrgenommen habe. Recherchiert danach wird zuhause.


    Ein schmaler Talpfad führt durch diverse Dörfer nach Noasca im Val dell' Orco. Hier führte in diesem Jahr der Giro d'Italia durch. Alles ist noch in der Farbe Rosa ausstaffiert, der Gewinnerfarbe dieses Radrennens.


    Die Unterkunft in Noasca war etwas kühl und unpersönlich aber sauber. Das Abendessen war wie immer außergewöhnlich gut und vielgängig.


    Der Wasserfall in Noasca ist beeindruckend, sowohl von seiner Fallhöhe als auch seine nie endende Geräuschkulisse, die schon ein bisschen an "Lastwagenstrom auf Autobahn" erinnert.

    Tag 30: ~6,6 Std. ~12,9km / ~890m \ ~890m




    Tag 31, Dienstag, 30.7.2019: von Noasca zum Rifugio Fonti Minerali in Ceresole

    Bei wunderbarem Wetter geht es durch Geisterdörfer und über Höhenzüge weiter hinein ins Val dell' Orco bis fast ins Zentrum des Nationalparks Gran Paradiso.

    Der Weg führte durch leerstehende, vom Wald bereits zurückeroberte Dörfer, die aus bis zu 20 Häusern bestanden. Einige wenige Siedlungen werden jetzt als bescheidene Feriendomizile genutzt.


    temporär kreative Verwendung von Plastik-Cola-Flaschen

    In einem dieser Dörfer war noch ein Schulzimmer erhalten, dass noch bis Anfang der 60er Jahre aktiv genutzt wurde. Erst dann erfolgte der vollständige Wegzug ins Tal bzw. die nächste Stadt.


    Kuriose Behausungen sind allgegenwärtig.




    Hier dient einem Farn der Backofen als Unterschlupf.


    Und immer wieder kleine Aussichten in Richtung Talschluss im Nationalpark Grand Paradiso.


    Paradiso-Hochsitz


    Schäferin bei der Arbeit


    ... und immer wieder Wasserfall an Landschaft


    ... Stausee in Sicht ...


    ... und angekommen am Posto Tappa Rifugio Fonti Minerali,
    das noch aus alten Zeiten eine Mineralquelle als Gesundbrunnen beherbergt.

    Die Unterkunft wird von einigen jungen Leuten bewirtschaftet. Hinzu kamen junge deutsche Familien mit kleinen Kindern, die hier Familien- und Kletter/Boulder-Urlaub miteinander kombinieren. Essen war mal wieder echt Spitze. Ich weiß gar nicht, ob ich mich wieder auf normale Kost umgewöhnen will ...


    Und gute Musik zum Selbstauflegen gab es: Von Vivaldi, Bergsteigerchören, italienischen Liebesschnulzen bis Pink Floyd und Dire Straits war alles möglich. Es war ein süffiger Abend.

    Tag 31: ~9,0 Std. ~10,9km /~1060m \~1980m

    --- Fortsetzung folgt ---
    „Wie komm ich am besten den Berg hinan? Steig nur hinauf und denk nicht dran!“ – Friedrich Nietzsche


  18. AW: [IT] GTA - Grande Traversata delle Alpi (Teil Nord)

    #38
    Tag 32, Mittwoch, 31.7.2019:
    von Rifugio Fonti Minerali nach Pialpetta im Val Grande (eins der "Lanzotäler")



    Zwar war es eine lange, aber auch wunderbare Panorama-Tour mit 1200m hinauf auf das Colle de Crocetta (2641m) und 1600m wieder hinab in ein vormals sehr bekanntes Touristenziel, Pialpetta, dass gern von wohlhabenden Turiner Familien als Naherholungsgebiet aufgesucht wurde.


    Schon beim Aufstieg durch den schattigen Wald hatte ich immer wieder beeindruckende Ausblicke auf Teile des Nationalparkes Gran Paradiso. Hier möchte ich noch herkommen und das ganze vertiefen.


    Wenn ich jemals in Kanada (Montana, Neuengland) gewesen wäre, würde ich wahrscheinlich sagen, dass es hier und dort ähnlich aussieht. So stelle ich es mir wenigstens vor.


    Stufenweise schälten sich die Gipfelkämme immer mehr heraus. Manchmal hatte ich den Eindruck, ich könne bis zum französischen Nationalpark ""Vanoise" hinüberschauen...


    Bei dem Anblick der Berge kam ich wieder auf die Idee, eine Bergwanderung auszuarbeiten, die sich oben an den Grenzkämmen "Aosta-Grand Paradiso-Orco-Lanzo" entlangschlängelt. Gemerkt!


    einfach nur beendruckend


    Zur Belohnung durchstreiften wir beim Abstieg prall gefüllte Heidelbeerfelder und ließen es uns darin schmecken.


    Pialpetta ist schon in Sicht.
    Es liegt im Val Grande, einem der tief eingeschnittenen Lanzotäler.


    Das Posto Tappa war ca. 200m vom eigentlichen Albergo entfernt
    und hatte den hier häufig anzutreffenden altehrwürdigen Charme ...


    ... inkl. der dazu gehörenden durchhängenden Etagenbetten.


    Das Albergo bot dann Hopfenkaltschale zur ersten Erfrischung und in gediegenem Ambiente mal wieder typisch piemontesische Küche inkl. vergorenem Traubensaft. Einfach, fein und lecker.

    Tag 32: ~9,0 Std. ~14,6km /~1160m \~1500m




    Tag 33, Donnerstag, 1.8.2019: von Pialpetta nach Balme im Val d'Ala (ein weiteres Lanzotal)

    Noch zwei Eindrücke aus dem teilweise in der Vergangenheit steckengebliebenen Pialpetta:


    Was ist eine "Banco Beneficenza"?
    Recherche ergab: "Wohltätigkeitsbank" (entspricht: öffentliche Verlosung für wohltätige Zwecke)


    1920er-Haus an Bergkulisse

    Dann ging's aber los mit dem Steilaufstieg, wie fast jeden Morgen ...


    und dem üblichen Rückblick auf Pialpetta.


    Steinhaufen, die bei der Landgewinnung auf der Alp entstanden sind. Lässt Rückschlüsse zu, wie wichtig damals jeder Quadratmeter Wiesenfläche zur Heugewinnung war.


    Doppelstöckiges Alpgebäude, - im Parterre der Stall


    verlassene Alp an Wolkenberge


    Getarnte Alpgebäude


    Getarnter Weg
    Wenn nicht bald freigeschnitten wird, kann er nicht mehr begangen werden. Entweder findet man ihn nicht mehr oder man wird von den Erlenbüschen vom Weg gedrängt.


    Wegsuchbild


    grandiose Kulisse (egozentrisch gesehen ) am Colle de Trione (2485m)


    In Balme dann erwartete uns ein bereits vor Jahren abgebrannten Posto Tappa, für das am Ortseingang immer noch fleißig Werbung gemacht wird.

    Versorgt wurden wir dann jedoch im gepflegten "Les Montagnards". Auch sprachlich merkt man die Nähe zur französische Grenze.


    Les Montagnards

    Genächtigt wurde in der benachbarten "Villa Tejas", einem Schweizer Chalet, das in sechster Generation als Familienbetrieb geführt wird. Überall altehrwürdige Patina inkl. liebevollem Renovierungsstau.


    Villa Tejas

    Es war mal wieder ein Abschiedsabend. Rainer verlässt morgen die GTA Traversata Famiglia, um nach Kassel zu seiner Familie zurückzufahren. Wie im Leben: Es geht vorbei.

    Und ich beschließe morgen einen Ruhetag einzulegen. Nach 12 Tagen auf der Walz ist das mal wieder nötig.

    Tag 33: ~10,0 Std. ~17,0km /~1670m \~1200m

    --- Fortsetzung folgt ---
    Geändert von ticipico (23.09.2019 um 22:39 Uhr)
    „Wie komm ich am besten den Berg hinan? Steig nur hinauf und denk nicht dran!“ – Friedrich Nietzsche


  19. Fuchs
    Avatar von Meer Berge
    Dabei seit
    10.07.2008
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    AW: [IT] GTA - Grande Traversata delle Alpi (Teil Nord)

    #39
    Sehr schöne Gegend da!
    Ich verfolge nach wie vor gespannt jede neue Etappe auf deiner GTA!

    Du übernachtest ja überwiegend in festen Unterkünften.
    Was meinst du, wäre die Tour auch rein mit Zelt machbar (wie die Pyrenäen, also mit Möglichkeiten, das Zelt auf Wiese an Wasser aufzustellen)?




    (Und habe nun mal begonnen meine Pyrenäenbilder zu sichten ... - allerdings kommt dann wohl bald die Hersttour dazwischen )
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  20. AW: [IT] GTA - Grande Traversata delle Alpi (Teil Nord)

    #40
    Zitat Zitat von Meer Berge Beitrag anzeigen
    Sehr schöne Gegend da!
    Stimmt !

    Zitat Zitat von Meer Berge Beitrag anzeigen
    Was meinst du, wäre die Tour auch rein mit Zelt machbar (wie die Pyrenäen, also mit Möglichkeiten, das Zelt auf Wiese an Wasser aufzustellen)?
    Das bedarf einer etwas ausführlicheren Antwort.
    Die GTA ist lt. den vorhandenen Beschreibungen von Werner Bätzing oder Iris Kürschner, bis auf einige wenige Ausnahmen, so konzipiert, dass die offiziellen Etappenziele meist in kleinen Orten am Ende tief eingeschnittenen Täler liegen.
    Nun kann man das Ganze natürlich auch umdrehen und sich Etappenziele (=Zeltmöglichkeiten) so aussuchen, dass sie entweder in der Nähe der zu überschreitenden Pässe oder kurz vor oder nach den Zielorten liegen. Dazu eignen sich z.B. die verlassenen Alpgelände, die es dort in großer Anzahl gibt. Manchmal, aber lange nicht so oft wie in den Pyrenäen, gibt es auch ein passendes Wasser (See oder Bach) dazu. Insgesamt sind die Auf und Abs auf der GTA etwas gedrängter und meist steiler als in den Pyrenäen, so dass die Auswahlmöglichkeit für Zeltplätze etwas mehr eingeschränkt ist. Mit ein bisschen Herumkniffeln wird man aber immer einen finden. Natürlich gibt es auch offizielle Einschränkungen fürs Zelten in Naturschutzgebieten und Nationalparks, die von Gebiet zu Gebiet verschieden sind. Wenn ich mal mein Zelt aufgebaut habe, so habe ich dies in der Abenddämmerung gemacht und auch am Morgen recht früh wieder abgebaut. Aber das kennst du ja.

    Was dir dadurch natürlich evtl. entgeht, ist das wirklich meist wunderbare Essen an den Etappenzielen, das aus meiner Sicht zusätzlich zur Qualität des Weges beiträgt. Auch empfand ich die abendliche Gemeinschaft mit den anderen Wandernden auf der GTA meist als Bereicherung. Aber das ist ja Geschmacksache.

    Eine andere Möglichkeit ist, sich ein Zeltplätzchen in der Nähe des Etappenzieles im Tal zu suchen (stilles Fleckchen am Ortsrand oder Anfrage beim Posto Tappa) und ansonsten die gastronomischen Vorteile mit zu nutzen. Ist häufig auch gut möglich.

    Hier im Forum gibt es bereits einen weiteren Bericht zu GTA mit Zelt.

    Hier noch ein Bericht über GTA mit Zelt aus einer anderen Website.

    Einen regelrechten Wanderführer, wie für die Pyrenäen "where you can pitch your tent", habe ich bisher leider noch nicht gefunden.

    Liebe Grüße

    Klaus

    p.s.: Hab noch einen Bericht gefunden, der zum Thema "GTA und Zelten und Proviant einkaufen" was schreibt. Etwas weiter unten.
    Geändert von ticipico (22.09.2019 um 09:35 Uhr)
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