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  1. Anfänger im Forum

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    Mehrtägige Wildniswanderung - nur wo? (Anfänger)

    #1
    Hallo zusammen,

    ich würde gerne nächstes Jahr alleine (event. mit Hund) eine mehrtätige Wanderung in Nordeuropa machen. Doch ich weiß nicht so recht wo ich anfangen soll mit der Suche nach einer geeigneten Tour. Ich bin Anfänger und kann noch nicht richtig einschätzen, wieviele KM ich pro Tag packe usw.

    Folgende Anforderungen an mein Abenteuer hätte ich:
    • Anreise sollte möglichst unkompliziert sein (da ich event. meinen Hund mitnehmen möchte -> ist aber noch nicht sicher und kommt auf den Aufwand an)
    • Ich möchte durch ein Gebiet wandern, wo nicht dutzend andere Wanderer auf dem selben Pfad laufen und ich ständig anderen Wanderern begegne.
    • Ich plane nicht mehr als 5-7 Tage zu wandern (wieviel km schafft ein Amateur-Wanderer dabei so in etwa?)
    • Ich möchte bewirtete Hütten vermeiden und will lieber im Zelt schlafen


    Was würde euch dazu spontan einfallen? Freue mich auf eure Routen- und Wandertipps!

  2. Erfahren

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    AW: Mehrtägige Wildniswanderung - nur wo? (Anfänger)

    #2
    Das ist das komische, wir hier oben freuen uns wenn wir andere Wanderer treffen,uns mit ihnen austauschen können oder eine kleine Unterhaltung.
    Wir freuen uns auch wenn es irgendwo in der Nähe eine Behausung gibt wo man Hilfe erwarten kann wenn es einen Notfall gibt.


    Diese zunehmende individualisierung ist irgendwie erschreckend, was spricht dagegen jemanden der abends das Lager passiert
    einzuladen zu bleiben oder bei anderen zu fragen ob sie ein Problem damit haben wenn man bleibt.
    Da können tatsächlich sogar Bekanntschaften entstehen,Trekkinggemeinschaften auf Zeit, aus denen Freundschaften entstehen können usw.
    Der Mensch ist ein soziales Wesen.

    Nordeuropa.
    z.B. in Schweden oberhalb der E 18 rechtsseitig des Glaskogen. Der Glaskogen mit seinen 300 km Wanderwegen ist recht "überlaufen",(man kann da doch 3 oder 4 Leuten am Tag begegnen) aber rechts davon ist "totes Land".

  3. Erfahren

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    AW: Mehrtägige Wildniswanderung - nur wo? (Anfänger)

    #3
    Hei,
    ich sehe das auch wie jag. Oft sind die Begegnungen mit anderen Wanderern für mich das Spannendste auf der ganzen Tour. Man trifft so unterschiedliche Menschen und hört so wahnsinnige Geschichten, wenn man einen Abend gemeinsam am Lagerfeuer sitzt. Absolut nicht mit den Begegnungen im städtischen Alltag zu vergleichen.
    Die Angst vor einer überbevölkerten Wander-Disneyland kann ich trotzdem auch nachvollziehen. Man sieht Bilder von mitteleuropäischen Wanderwegen, wo Leute an der Schlange stehen...
    Das wirst du im Norden kaum finden. Nur ein paar Hotspots im Hauptsaison würde ich eventuell vermeiden, z.B. Karhunkierros in Finnland im September wäre für mich vielleicht etwas zu voll.

    Zu deinen Fragen...
    Wie viele Kilometer man am Tag schafft, ist sehr schwer zu sagen. Hängt von der Kondition, Gelände, Wetter, von dem Gewicht deines Rucksacks, von deiner Lust und Laune und, und, und....ab. Auf meinen Touren in bewaldeten Gebieten in Finnland mit einem Rucksack mit ca. 15 Kilo ist meine grobe Planung im Durchschnitt ca. 15-20 Km / Tag. Ich bin aber nicht mehr die jüngste und außerdem trödele ich sehr gerne herum, suche unterwegs Beeren, sammele Tannenzapfen, sitze und träume und höre dabei zu, wie die Steine wachsen...

    Falls Dir Finnland in Frage kommt, siehe mal www.luontoon.fi. Die Anfahrt ist natürlich länger als nach Schweden.

    Liebe Grüße
    Maahinen
    Geändert von maahinen (22.08.2019 um 20:16 Uhr)

  4. AW: Mehrtägige Wildniswanderung - nur wo? (Anfänger)

    #4
    Vielleicht ein paar Fragen, wenn du in die totale Einsamkeit suchst, aber schreibst, dass du Anfänger bist:

    - Hast du Erfahrung mit zelten, auch abseits von Campingplätzen?
    - Hast du Erfahrung mit wandern?
    - Hast du Erfahrung damit, wieviel Gewicht du tragen kannst, und wie sich das auf deine Leistung und Freude am wandern auswirkt?
    - Hast du Erfahrung mit kochen unterwegs?
    - Hast du Ausrüstung, die du tragen kannst?
    - Kannst du Karten lesen?
    - Was stellst du dir für ein Verhalten in Notfällen vor, wenn du alleine unterwegs bist?

    Von allerlei solchen Themen hängt ab, was man als mehrtägige Wanderung so empfehlen kann...
    Wie stellst du dir z.B. das einkaufen und kochen vor, suchst du eine Wanderung, wo du Nachschub kaufen kannst? Wie oft? Wo es Läden gibt, gibt es tendenziell auch Menschen. Willst du nicht einkaufen, musst du alles tragen - und auch der Hund will fressen. Schaffst du das?

  5. Fuchs
    Avatar von Pfiffie
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    AW: Mehrtägige Wildniswanderung - nur wo? (Anfänger)

    #5
    Ich würde dir empfehlen langsam an zu fangen. Machs wie ich, fahr ins südliche Fjäll, am nächsten ist der Grövelsjön, Fullufjäll Nationalpark, Langfjällt etc.. Am besten bei Hund mit dem Auto und geh dort mit deinem Zelt in die Natur, erkunde die Gegend und sammel Erfahrung. So hab ich das auch gemacht. Wie Rumpelstil schon schreibt stehst du bald vor ganz vielen Fragen die dir niemand und du selbst nicht beantworten kannst.
    "Freiheit bedeutet, dass man nicht alles so machen muss wie andere"

  6. Gerne im Forum

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    AW: Mehrtägige Wildniswanderung - nur wo? (Anfänger)

    #6
    Deinen Wunsch nach Zivilisationsferne und keine oder möglichst wenig andere Wanderer treffen zu wollen, kann ich total gut nachvollziehen. Das ist auch bei mir nach mehreren Touren noch so. Es gibt halt unterschiedliche Wandertypen: die, die auf ihrer Tour lieber für sich sind und jene, die auch mal gerne quatschen. Jeder wie er mag!

    Nichtsdestotrotz finde ich es sinnvoll, die erste Tour irgendwo zu machen, wo Hilfe im Notfall doch nicht all zu weit entfernt ist. Ich hatte bei meiner ersten Tour ziemlich genau Deine Vorstellungen und habe mich dann für das Rogen-Gebiet ab Grövelsjön entschieden (siehe auch @Pfiffies Empfehlung). Ich hatte mich dabei von diesem Tourbericht inspierieren lassen und bin die Strecke auch genauso gelaufen.

    Die Gegend bietet alles, was mir wichtig war: gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar und doch eine Art von unberührter, wilder Natur, wie ich sie mir erhofft hatte, offenes Fjäll, viele Seen, Wald und steiniges Gelände und auch mal einen anstrengenden Anstieg. Auf dem Weg liegen genügend Rastplätze sowie drei Fjällstationen (mit Nottelefon), was ich für mich als beruhigend empfunden hatte. Du kannst auch einfach an allem vorbeilaufen und Dein Zelt aufstellen, wo immer es Dir beliebt. Und vielleicht ergeht es Dir dann wie mir und Du nutzt nach einem langen Wandertag im Regen die Möglichkeit, Deine durchnässten Klamotten in der Rogen Fjällstation zu trocknen und freust Dich über die direkt am See gelegene Sauna und empfindest diesen Zivilisationspunkt plötzlich als überraschend angenehm.

    Ich war Anfang September unterwegs und ich hatte (wenn ich mich richtig entsinne) folgende Begegnungen:
    1 Mal in der Ferne 1 Zelt stehen sehen
    8 Begegnungen tagsüber unterwegs
    3 Mal an Rastplätzen beim Übernachten
    1 Schulklasse

    Die Schulklasse fällt weg, weil das ganz am Ende der Tour war und ich mich nach drei Tagen ohne Begegnungen über diese total gefreut habe - außerdem hat mir die Lehrerin Schokolade geschenkt.
    Die Rastplätze wollte ich anfangs überhaupt nicht nutzen, sondern mein Zelt irgendwo im Wald aufstellen. Als es dann darum ging, meine erste Nacht im Wald zu verbringen, musste ich plötzlich ständig an Bären denken und mir rutschte das Herz doch in die Hose und ich hab mich beeilt, vor Einbruch der Dunkelheit noch schnell einen Rastplatz zu erreichen, wo zum Glück schon ein anderes Zelt stand. Prinzipiell hätte ich die Begegnungen an den Rastplätzen aber vermeiden können, indem ich einfach woanders übernachtet hätte. 2 der 8 Begegnungen waren im Bergwald des Femundsmarka Nationalparks direkt östlich des Rogens, den ich als so wild und unwirtlich empfunden habe, dass ich große Sorge hatte, vor Einbruch der Dunkelheit dort nicht mehr herauszukommen. Als dann plötzlich ein Zelt mitten auf dem Weg stand, war ich total froh, dass da noch jemand war, mit dem ich mich kurz unterhalten konnte. Und als der Weg etwas später an einer am Rand des Bergwalds gelegenen, kleinen, einfachen Hütte vorbeiführte, vor der ein alter Mann auf der Bank saß und sich sonnte und mir erzählte, er würde jedes Jahr hier Urlaub machen, war ich erleichtert und wusste, dass ich es geschafft hatte und dem Bergwald entronnen war.

    Bleibt die Zelt-Sichtung und 6 Begegnungen beim Wandern innerhalb von 6 Tagen. Das mag sich für Dich jetzt vielleicht viel anhören, aber ich finde 1 Begegnung/Tag bei einer ersten Tour, wenn man noch nicht weiß, wie das alles so läuft, völlig i.O.

    Du hast ja noch etwas Zeit. Lies Berichte über Touren, über gelungene aber auch über abgebrochene und geh auch mal hier in Deutschland mit Deiner Ausrüstung los und probier alles aus. Ich wünsche Dir viel Freude bei Deiner ersten Tour - sie wird bestimmt immer etwas Besonderes bleiben!

  7. AW: Mehrtägige Wildniswanderung - nur wo? (Anfänger)

    #7
    Das finde ich super schön und nachvollziehbar berichtet, Roiber!

  8. Anfänger im Forum

    Dabei seit
    07.12.2017
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    AW: Mehrtägige Wildniswanderung - nur wo? (Anfänger)

    #8
    Vielen Dank für die vielen tollen Tipps hier und auch dir Roiber, für diese Eindrücke von dir.

    Ich habe in den letzten Tagen ein wenig recherchiert.
    Ich habe einen interessante Trekkingtourbericht gelesen über die Hardangervidda (hier). Allerdings habe ich dann hier im Forum ein wenig gelesen und mir einige Reiseberichte dazu durchgelesen. Dieser Teil Norwegens scheint mir als Anfänger meiner Einschätzung nach nicht geeignet zu sein wg. der Gefahren die das Fjell doch scheinbar bieten kann, für einen "Flachlandwanderer" wie mich, vorallem wenn man alleine unterwegs ist. Stimmt ihr dem zu?

    Ich habe übrigens kein Problem damit, anderen Menschen zu begegnen. Ich gebe zu, ich habe das in meinem Eröffnungsbeitrag nicht optimal geschrieben. Mir geht es nur darum, dass ich keine Lust habe ausschließlich auf bekannten Wanderrouten zu laufen, wo man regelmäßig Menschen begegnet.

    Ich möchte ein Abenteuer erleben, meine Grenzen kennenlernen und weitgehend alleine sein (daher nehme ich auch ein Zelt mit und meide Hütten). Ich möchte auf gar keinen Fall ausschließen, dass ich mich unterwegs dem ein oder anderen Wanderer anschließe oder auch mal eine der vielen Hütten besuche um dort frische Energie zu tanken, der Plan jedoch ist, selbstständig ohne fremde Hilfe einige Tage in der Natur / Wildnis zu verbringen.

    Ich bin absoluter Anfänger was Trekking angeht, habe jedoch noch ein gutes Jahr Zeit um mich darauf vorzubereiten. Ich möchte meine Ausdauer verbessern, werde die Navigation mit Kompass, Karte und GPS lernen und auch Dinge wie z.b.
    ein Zelt bei Wind und Wetter aufbauen, etc.
    Das sind Grundlagen, die ich auf jedenfall beherrschen muss, das ist mir klar.

    Die von Roiber vorgeschlagene Route (Rogen-Gebiet ab Grövelsjön) klingt wirklich so ziemlich nach dem, was ich suche! Auch die Fotos die in dem verlinkten Beitrag zu sehen sind, machen direkt Lust dort zu wandern.
    Das Einzigste Manko: ich würde gerne früh im nächsten Jahr wandern, also z.b. im Juni, in jedem Fall ausserhalb "der Saison", ich könnte mir vorstellen, dass dies angenehmer ist wg. Anreise / Reise zum Zielpunkt und Rückreise.

    Aber in den meisten Berichten ist von Ende August / September die Rede, woran liegt dies?
    Liegt im Juni noch Schnee? Oder sind es die Mücken?

    Und wie macht ihr das wenn ihr eine Wanderung "nachwandern" möchtet, die hier in Form eines Reiseberichts niedergeschrieben wurde? Wie kann ich einen exakten Weg planen? Es gibt ja sicherlich Tools im Netz mit denen dies möglich ist?

  9. AW: Mehrtägige Wildniswanderung - nur wo? (Anfänger)

    #9
    Zitat Zitat von Delgura Beitrag anzeigen
    Aber in den meisten Berichten ist von Ende August / September die Rede, woran liegt dies?
    Liegt im Juni noch Schnee? Oder sind es die Mücken?
    Im Norden Schnee und Schmelzwasser, oft bis weit in den Juli. Die meisten Huetten machen auch erst Ende Juni auf, mit ihnen die Bus- und Fährverbindungen. Viele Bruecken werden erst nach der Schneeschmelze aufgestellt bzw repariert. Schneebruecken sind zu der Zeit aber oft schon instabil, und dort, wo eine Bruecke eingezeichnet ist, findet man hin und wieder nur Holzbalken neben einem verbogenem Metallhaufen...

    Und dann haben die Schweden bis Ende August Ferien - danach wird es wieder "ruhig". Also weniger als eine Handvoll Menschen pro Woche.

    Tu dir einen Gefallen und geh die ersten Male zu den "Hauptwanderzeiten" und auch auf "Touristenwegen". Auch ein Kungsleden kann schwierig und spannend sein, bietet Scheisswetter, Schneefelder und andere Probleme, aber alles meist mit der Möglichkeit, umzudrehen und Hilfe zu suchen (sieh nur zu, dass du nicht zur Zeit des Fjällräven Classic dort bist.. ). Ansonsten die vielen Seitentäler, auf denen es dennoch zahlreiche Huetten gibt.

  10. Erfahren
    Avatar von Ljungdalen
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    AW: Mehrtägige Wildniswanderung - nur wo? (Anfänger)

    #10
    Zitat Zitat von toppturzelter Beitrag anzeigen
    Und dann haben die Schweden bis Ende August Ferien - danach wird es wieder "ruhig". Also weniger als eine Handvoll Menschen pro Woche.

    Tu dir einen Gefallen und geh die ersten Male zu den "Hauptwanderzeiten" und auch auf "Touristenwegen". Auch ein Kungsleden kann schwierig und spannend sein...
    Ferien in Schweden bis ca. Mitte August, in diesem Jahr war der 19. der erste Schultag.

    Auch Anfang August kann es abseits der Hauptwege leer sein. Habe ich schon in einem anderen Thread geschrieben: Bei unserer Tour unlängst trafen wir an den 6 Wandertagen zwischen Singi und Katterat insgesamt nur ca. 20 Leute, davon nur 4 unterwegs, die anderen in oder bei den Hütten. Das sind weniger als auf dem 2-Stunden-Abschnitt Kungsleden am Tag davor! Und erst recht weniger als zwischen Nikkaluokta und der Fjällstation; da waren es sicher an 100, auch ohne Fjällräven Classic.

    September 2017 im Padjelanta an 8 Tagen insgesamt 5 Leute. Und das auf dem Weg! Wenn man in weglose Nebentäler geht, ist es unwahrscheinlich, überhaupt jemanden zu treffen.

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