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  1. Erfahren
    Avatar von OutofSaigon
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    [IT] Vinschger Höhenweg. Zu Risiken u. Nebenwirkungen fragt nicht den Apotheker!

    #1
    Mitreisende: OutofSaigon



    Wenig bekannt und wenig begangen, dabei interessant und oft mit schönem Wetter gesegnet, so wünscht man sich eine Weitwanderstrecke, oder? Über gut 100km führt eine Wanderroute am sonnigen Südwesthang des Vintschgaus entlang: der Vinschger „Höhenweg“, den ich auf „Bergwelten“ entdeckt hatte. Daß ich das Wort „Höhenweg“ hier in Anführungsstriche setze, hat seinen guten Grund, und den werdet ihr noch erfahren.


    Wenn man so durch die Alpen vagabundiert wie ich im Sommer 2019, ist es nicht leicht, den Start- oder Endpunkt einer Tour zu definieren. Ich setze dafür hier das Dorf Pfunds in Tirol, auf halbem Weg zwischen Landeck und dem Reschenpaß gelegen.




    Der Vinschger Höhenweg führt von Reschen (am Reschenpaß) nach Staben (bei Naturns im Vintschgau) bzw. umgekehrt. Die meisten Beschreibungen führen die Leserschaft von Staben nach Reschen, also von Südost nach Nordwest. Welchen Grund das hat, darüber mag man spekulieren, und ich werde noch darauf zurück kommen. Auf jeden Fall hat man von Pfunds (Tirol) aus erst einmal eine Anreise zu bewältigen. Diese beginnt mit einer Fahrt in das höher gelegene Nauders (immer noch in Tirol), was man z. B. mit dem eigenen Fahrzeug tun kann. Wer den Bus benutzt, der läuft Gefahr, in Nauders den Anschlußbus über den Reschenpaß nach Südtirol zu verpassen, so wie es mir erging. In solch einem Fall hat man eine knappe Stunde lang Zeit, den Ort und die ihn überragende Burg in Augenschein zu nehmen.




    In Südtirol bietet sich zunächst einmal (auch vom fahrenden Bus gut zu sehen) der bekannte Blick auf den ehemaligen Kirchturm des alten Ortes Reschen, der mittlerweile von einem Stausee überflutet ist.




    Auch im Vintschgau findet man zahlreiche Burgen, die von alters her die Südseite des strategisch wichtigen Reschenpasses bewacht haben.




    In einer Kombination von Busfahrt und Bahnfahrt erreiche ich schließlich den Ort Staben, unterhalb des Schlosses Juval und 2km westlich des viel größeren Naturns gelegen. Hier steige ich aus der Vintschgauer Bahn aus und beginne meine Wanderung den Vinschger Höhenweg entlang.










    Während meines Aufstiegs von dem kleinen Ort Staben zum Schloß Juval ist es sonnig und heiß, und ich bin froh, daß der Weg großenteils im Halbschatten verläuft.



    Die ganze Zeit sehe ich die Hinweisschilder auf den „Schlosswirt Juval“ und freue mich schon auf einen kühlen Spezi und ein Mittagessen an diesem schönen Mittwoch. Als ich endlich da bin, sehe ich mit Enttäuschung und Verärgerung das Schild „Mittwoch Ruhetag“. Weit und breit ist niemand zu sehen. Nur einen Wasserhahn finde ich. Der Insasse eines mittelalterlichen Gefängnisses hatte wenigstens noch Wasser und Brot, ich habe nur Wasser und bin nicht gerade erbaut darüber. Das mit dem Ruhetag hätte sie auch gleich an den ersten Wegweiser hinschreiben können, dann wäre ich im Ort irgendwo eingekehrt.



    Neben dem Schloßwirt befindet sich noch ein anderes Gebäude, das ich euch hier zeige:

    Die Holzfigur rechts scheint nicht wirklich der Südtiroler Handwerks-Tradition zu entstammen, und die zwei Löwen rechts und links der Tür zeigen eine verdächtige Ähnlichkeit mit den Löwen auf der Treppe des Haupttempels von Bhaktapur in Nepal. Zufall kann das nicht sein.


    Hungrig gehe ich weiter, zunächst durch einen kleinen Tunnel mit Blick nach Südwesten.




    Nach kurzer Zeit finde ich mich auf einem Waalweg wieder, also einem Weg, der entlang eines Bewässerungskanals am Hang verläuft.




    Der Weg ist kinderleicht, und der Blick hinunter in den Vintschgau ist schön, wenn man davon absieht, daß die Etsch hier in einer ästhetischen wie ökologischen Sünde zu einem schnurgeraden Kanal umgebaut worden ist.




    So sieht die Markierung des Vinschger Höhenweges aus: wie der Abdruck eines Fußes, dessen große Zehe amputiert worden ist – leicht merkwürdig.




    Ich passiere eine leicht exponierte Stelle ...



    ... aber dann geht es doch wieder einen Waalweg entlang, immer mit der Fließrichtung des Wassers, und das bedeutet natürlich: bergab.




    Es ist mir klar, daß ich die in der Mittagshitze mühsam gewonnene Höhe langsam wieder verliere, aber als ich dann oberhalb des Dörfchens Tschars bin (kaum zwei oder drei Kilometer von Staben entfernt), bin ich doch verärgert, feststellen zu müssen, daß ich mittlerweile kaum noch höher bin als die Kirchturmspitze.


    Danach geht es dann wiederum bergauf.






    Große Teile des Weges sind kein Fußweg, sondern Trassen von geschotterten oder sogar geteerten Fahrstraßen, was mich nicht gerade begeistert. Wenigstens aber kann ich die Fahrerin eines vorbei fahrenden Autos fragen, ob ich hier wirklich richtig bin auf dem Weg nach Sankt Martin im Kofel. „Sie sind hier schon richtig, aber es ist noch arg weit“, sagt die Dame in einer Mischung aus Freundlichkeit und Bewunderung/Verwunderung. „Das macht nichts“, antworte ich „der Tag ist ja noch lang“.


    Es geht durch einen schönen Lärchenwald ...



    ... dann erreiche ich eine kleine Gedenkstätte ...



    ... mit Blick nach Südwesten in Richtung des Ortler-Massivs.




    Lange und langweilig geht es anschließend durch den Wald dahin, immer die Fahrstraße nach Sankt Martin entlang. Endlich erreiche ich den Ort und frage ein junges Mädchen, wo man hier wohl übernachten könnte. „Gehen Sie durch die Glastür der Seilbahnstation und dann den kleinen Fußweg hinunter zum Gasthof Oberkaser“, sagt sie. Das tue ich denn auch und erreiche den Gasthof.




    Eine Drei-Generationen-Familie empfängt mich freundlich. Das erste Radler wird mir noch von der Mutter serviert, das zweite von der etwa vierjährigen Tochter, die das große Glas ganz vorsichtig durch die Gaststube trägt und vor mir auf den Tisch stellt, wunderbar süß anzusehen. Zum Abendessen bestelle ich mir Hauswurst mit Sauerkraut, und das ist dann auch wirklich so kernig wie es klingt. Am Nebentisch sitzen ein Vater-Sohn-Gespann und ein älteres Ehepaar aus England. Der Ehemann spricht ganz gut deutsch, aber mit dem „R“ hat er immer noch seine Probleme (wie eigentlich alle, deren Muttersprache Englisch ist): wenn er „Reisebüro“ sagen will, kommt doch immer „Weisebüwo“ heraus. Diese vier Personen sind ebenfalls auf dem Vinschger Höhenweg unterwegs, aber in „umgekehrter“ Richtung, also von Reschen nach Staben (siehe Einleitung). So können wir unsere Erfahrungen austauschen und uns Hinweise geben.


    Nach dem Essen genieße ich noch einmal den Blick zum Ortler in der Abendsonne, dann geht der Tag zu Ende.





    Fortsetzung folgt
    Geändert von OutofSaigon (26.08.2019 um 07:38 Uhr)

  2. Erfahren
    Avatar von vergissminet
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    AW: [IT] Vinschger Höhenweg. Zu Risiken u. Nebenwirkungen fragt nicht den Apothe

    #2
    Sehr unterhaltsamer Bericht, freue mich schon auf den Weg zum Paflur

    Danke!
    Geändert von vergissminet (21.08.2019 um 16:54 Uhr)

  3. Freak Moderator
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    Avatar von Flachlandtiroler
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    AW: [IT] Vinschger Höhenweg. Zu Risiken u. Nebenwirkungen fragt nicht den Apothe

    #3
    Da kommen Kindheitserinnerungen hoch

    Wie oft habe ich hier auf Anfragen schon den Vinschgauer Höhenweg empfohlen; gut das es jetzt auch einen (aktuellen!) Tourenbericht dazu gibt!
    Meine Reisen (Karte)

  4. Erfahren
    Avatar von Fjellfex
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    AW: [IT] Vinschger Höhenweg. Zu Risiken u. Nebenwirkungen fragt nicht den Apothe

    #4
    Da hast Du es diesen Sommer ja sauber krachen lassen!

    Auch diesem Bericht ist meine Anteilnahme gewiß.

  5. Erfahren
    Avatar von OutofSaigon
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    AW: [IT] Vinschger Höhenweg. Zu Risiken u. Nebenwirkungen fragt nicht den Apothe

    #5
    Hallo Vergissminet, Flachlandtiroler und Fjellfex,
    danke für euere ermunternden Worte!

    Die Geschichte wird anders zu Ende gehen, als ihr wahrscheinlich denkt. Es waren doch Risiken und Nebenwirkungen im Spiel.

    Ja, dieses Jahr habe ich erstmals seit 2014 wieder ein paar Wochen in den Alpen verbracht. Dabei ist "krachen lassen" aber stark übertrieben; es waren alles nur Wanderungen der sehr gemäßigten Art. Eher wäre dieser Ausdruck angebracht für meine Himalaya-Tour im April (Bericht folgt irgendwann einmal; vielleicht).

    Herzlich aus Saigon,
    Gottfried
    Geändert von OutofSaigon (27.08.2019 um 19:26 Uhr)

  6. Anfänger im Forum
    Avatar von Schwindelfrei
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    AW: [IT] Vinschger Höhenweg. Zu Risiken u. Nebenwirkungen fragt nicht den Apothe

    #6
    Zitat Zitat von OutofSaigon Beitrag anzeigen
    Die Geschichte wird anders zu Ende gehen, als ihr wahrscheinlich denkt. Es waren doch Risiken und Nebenwirkungen im Spiel.
    Du machst es ja spannend...

  7. Erfahren
    Avatar von OutofSaigon
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    AW: [IT] Vinschger Höhenweg. Zu Risiken u. Nebenwirkungen fragt nicht den Apothe

    #7
    Tag 2
    Am nächsten Morgen bin ich relativ zeitig in der Gaststube („relativ“ bedeutet in diesem Falle: etwa um sieben Uhr). Die anderen vier Gäste sind nicht zu sehen, schlafen wahrscheinlich noch. So durchdenke ich denn die nun vor mir liegende Etappe. Die „Königsetappe“ sei dies, sagt „Bergwelten“ mit der Begründung, daß dies die längste Etappe sei, rund 24km. Das Vater-Sohn-Gespann erzählte allerdings gestern abend, sie hätten auf ihrem GPS-Gerät sogar 28km gemessen. Ich bin also innerlich durchaus auf einen langen Marsch eingestellt (und deswegen so früh auf den Beinen, abgesehen davon, daß solches ohnehin meine Gewohnheit ist). Die anderen vier Gäste sind ebenfalls auf dem Vinschger Höhenweg unterwegs, das hatte ich im ersten Teil meines Berichts ursprünglich nicht erwähnt, habe es mittlerweile aber nachgetragen.


    Im Morgenlicht nach meinem Abmarsch schaue ich noch einmal zurück auf die Wiesenhänge von Sankt Martin im Kofel, welches weit oberhalb des Talbodens liegt, und ich registriere die zahlreichen Sprinkler-Anlagen zur Bewässerung der Bergwiesen.




    Hier seht ihr erstens eine solche Sprinkler-Anlage aus der Nähe und zweitens, daß der „Höhenweg“ in diesem Abschnitt eine Straße ist, schön mit Stützmauer und Leitplanke eingegrenzt (auch dies ist der Blick zurück; beim Vorwärtsgehen hat man stets den Berg rechts und das Tal links).




    Nach einiger Zeit passiere ich im Wald diese Gedenktafel: da ist ein Bürschchen von knapp 17 Jahren in den Tod gestürzt, auf welche Weise auch immer. Tragisch! Ich stelle fest, daß die Gedenktafel offenbar nicht von der Familie gestiftet wurde, sondern von der Dorfgemeinde von Sankt Martin. Nachsichtig lächelnd nehme ich auch den orthographischen Fehler zur Kenntnis: der Ort am Main heißt Gemünden (mit „e“); da hat vielleicht jemand an Gmunden in Oberösterreich oder Gmünd in Niederösterreich gedacht.



    Zwar gehe ich hier durch den Wald, dies aber stets auf einer Fahrstraße (teilweise asphaltiert, teilweise „nur“ geschottert), und ich bin nicht wirklich begeistert davon.


    Nach einiger Zeit allerdings erreiche ich zu meiner Freude eine schöne Wegstrecke: Wanderweg statt Fahrstraße, mit schönen Blick hinunter ins Tal. Unter anderem betrachte ich eine Burg aus diesem ungewöhnlichen Blickwinkel: es ist Schloß Annenberg oberhalb von Goldrain im Vintschgau (nachzuschauen z. B. auf Opentopomap).










    Im Wald sehe ich diese schöne Quellfassung und zolle sowohl dem handwerklichen Geschick als auch dem grafischen Reiz die gebührende Anerkennung.




    Ganz in der Nähe, allemal hundert Meter entfernt zu beiden Seiten der Quellfassung, befinden sich zwei interessante Gebäudereste. Um ehemalige Bauernhöfe handelt es sich dabei offensichtlich nicht; dazu sind die Gebäude zu klein, und Bauernhöfe haben auch nicht Schießscharten als Fenster. Das ganze umgebende Gelände ist auch viel zu steil, um irgendeine landwirtschaftliche Tätigkeit zu erlauben, und hier würde wohl kein vernünftiger Mensch einen Bauernhof errichten. Es kann sich nur um ehemalige militärische Anlagen handeln. Auch die können aber eigentlich nur Beobachtungsposten gewesen sein, denke ich; für jeden anderen Zweck wären sie zu klein.






    Nach einer Weile erreiche ich einen aufgelassenen Bauernhof. Daß ich auf dieser Etappe einige solche antreffen würde, hatte ich schon auf „Bergwelten“ gelesen. „Aufgelassen“ heißt in diesem Falle „nicht mehr ständig bewohnt“. Völlig vernachlässigt ist das Anwesen aber keinesfalls: irgendjemand hält das Haus und die Zufahrt in Schuß und schneidet regelmäßig das Gras.









    Auch diesen ehemaligen Bauernhof findet ihr in Opentopomap verzeichnet (nordwestlich von Goldrain).


    Noch einmal schaue ich zurück auf Sankt Martin im Kofel (dessen modernes Wahrzeichen der Antennenturm ist, den man sogar von der Bahnlinie im Tal aus erkennen kann); in Bildmitte der Gasthof Oberkaser. Dies alles schaut auf dem Foto so nah aus, aber ich war bis hier hin fast zwei Stunden unterwegs gewesen.




    Von Patsch an gehe ich zu meinem ausgesprochenen Mißvergnügen wiederum kilometerlang auf einer Fahrstraße. Am Weg sehe ich eine weitere Gedenktafel: dieser junge Mensch ist auch nur 28 Jahre alt geworden. Wie genau er hier verunglückt ist, bleibt unklar; es ist eigentlich kein gefährliches Gelände.








    Natürlich ist auch im Vintschgau die Landwirtschaft weitestgehend mechanisiert, aber ein wenig Handarbeit ist doch hin und wieder erforderlich:



    Dieses Foto schaut so schön und traditionell-romantisch aus (soll es auch, hahaha), aber macht euch nichts vor: der Traktor des Bauern steht nur ein paar Meter entfernt.

    Dieser Traktor ist natürlich nicht mit dem Hubschrauber hierher gekommen, sondern auf einer Asphaltstraße, und auf dieser gehe ich nun abwärts, immer abwärts, bis zu einer Abzweigung, von wo dann eine andere Fahrstraße wieder aufwärts führt.



    Und an dieser Abzweigung kann ich dann meinen Mißmut nicht mehr unterdrücken. Ich latsche hier also Kilometer um Kilometer auf irgendwelchen blöden Fahrstraßen dahin und bin schließlich kaum noch hundert Höhenmeter über dem Talboden (schaut einmal auf das Foto!). Das soll ein „Höhenweg“ sein?? Beschiß! Etikettenschwindel!! Ich bin richtig sauer. Aber ich habe nur die Wahl zwischen Abbruch und Weitergehen und entscheide mich zähneknirschend für letzteres.


    Die Fahrstraße führt zu einem kleinen Ort – was auch sonst? – wo die Kapelle noch in Ordnung ist, der daneben gelegene ehemalige Bauernhof aber völlig verlassen und verfallen (anders als in Patsch).




    Anschließend kommt – endlich wieder! – so etwas wie ein Wanderweg, wie ich ihn mir gewünscht hatte:




    Ein wenig weiter mache ich Rast im Wald, an einer Stelle, wo ebenfalls einmal ein Bauernhof gewesen war:






    Auf dem Weiterweg, immer noch im Wald und immer noch auf einem Wanderweg, passiere ich dann – wieder einmal – eine kleine Gedenkstätte:








    Bald jedoch finde ich mich auf einem weiteren Fahrweg wieder, und dieser führt – ihr habt es erraten – bergab, bergab, bergab. Natürlich ist es angenehm und entspannend, solch einem Weg zu folgen, aber ein alpiner „Höhenweg“, wie ich ihn mir gewünscht hatte, ist so etwas nicht, und ich bin entsprechend enttäuscht und verärgert. Da hilft auch der ästhetisch interessante Anblick von geschnittenem Holz nicht viel.






    Noch einmal passiere ich einen verlassenen Bauernhof. Über der Tür lese ich „1-C-9-M-3-B-2“. Wer südlich der Donau lebt, kann sich darauf wohl einen Reim machen: es sind die Initialen der Heiligen Drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar, eingebaut in die Jahreszahl 1932. In jenem Jahr waren wohl die „Sternsinger“ zum letzten Mal hier. Andererseits sehe ich sehr wohl die modernen elektrischen Kabel und die Hofbeleuchtung (im Foto rechts neben dem Kruzifix): auch diese ehemalige Hofstätte ist nicht ganz und gar verlassen.




    Ähnliches gilt für eine weitere Hofstätte nicht weit entfernt; sie wird offensichtlich nicht mehr ständig bewohnt, aber ihr seht Blumenkästen, Bierkästen und sogar ein Solarpaneel auf dem Dach. Hier gibt sich immer noch jemand Mühe.






    Ein nettes Detail im Wald: eine ausgemusterte Fahrradkurbel dient nun als Anker für ein Absperrtor; inhaltlich wie farblich interessant anzuschauen:




    Weiter geht es, natürlich auf einem Fahrweg. Eine Sitzgruppe lädt zur Pause ein, und ich nutze diese Pause auch zum Nachdenken. „Königsetappe“ hat es auf „Bergwelten“ geheißen. Königlich kommt mir das aber nicht vor. Ewig lang zu sein, das allein macht eine Etappe noch nicht „königlich“, meiner Meinung nach. Eine andere Homepage (www.suedtirol.com) charakterisiert diese Etappe insgesamt als „schwierigen Bergweg“, und ich hatte mich wirklich auf diese Herausforderung gefreut. Kameraden, schaut euch dieses Foto an! Ist das vielleicht ein „schwieriger Bergweg“ im Sinne einer interessanten Herausforderung?? Etikettenschwindel! Betrug am Kunden!! Nicht ohne Absicht habe ich dieses Foto als Titelfoto für meinen Bericht ausgewählt.



    Zunehmend vergrätzt gehe ich weiter.


    Nicht weit von der Sitzgruppe entfernt wieder einmal eine Gedenktafel. Hier ist ein siebenjähriges Büberl zu Tode gekommen, und zwar beim „Tschurtschenklauben“. Das Wort „Klauben“ kenne ich natürlich, das Wort „Tschurtschen“ aber nicht; danach werde ich heute abend im Gasthof Paflur fragen.




    Weiter und weiter gehe ich auf der Fahrstraße und erreiche schließlich eine Gruppe von Gebäuden, die ebenfalls einmal Bauernhöfe waren:





    Nahe diesen Gebäuden begegnet mir eine Dame auf dem Fahrweg, und ich frage sie, wie weit es denn noch wäre bis zum Gasthof Paflur. Sie antwortet mir, sie habe keine Ahnung, und das ganz ohne jeden Südtiroler Zungenschlag; es mag wohl eine Künstlerin aus Deutschland sein (sie sah mir schon aus der Entfernung so weltfremd-vergeistigt aus).


    Während ich so weiter auf der Fahrstraße dahin laufe und im Kopf die bereits gemachten Fotos Revue passieren lasse, da wird mir bewußt, daß meine bisherigen Fotos die Realität eigentlich völlig verzerrt darstellen. Man hat ja immer so die Tendenz, das Schöne zu fotografieren, auch wenn es nicht wirklich typisch ist. So ist es auch mir gegangen. Wenn ich diese Etappe des Vinschger Höhenwegs repräsentativ abbilden sollte, dann müßten zwei Drittel aller Fotos eigentlich aussehen wie folgt:




    Wanderwege durch den Wald gibt es schon auch, das will ich nicht leugnen, aber es sind eigentlich immer nur kurze Verbindungsstücke zwischen Fahrstraßen oder Abkürzungen, wo eine Fahrstraße lange Serpentinen aufweist.




    Die große Zahl von Gedenktafeln entlang dieses Weges ist bemerkenswert, und ich entschuldige mich, wenn ich euch zu viele davon gezeigt habe (aber auch dies ist eben die Realität). Diese eine letzte aber müßt ihr auf jeden Fall noch gemeinsam mit mir anschauen. Sie stammt aus dem Jahr 1779 (siebzehn hundert neun und siebzig!); das ist nun genau 240 Jahre her; damals wurde das Habsburger Reich noch von Kaiserin Maria Theresia regiert. Unglaublich!




    Mittlerweile ist es halb sechs Uhr nachmittags. Ich bin weit gelaufen, und das mit den 28km mag sehr gut hinkommen, schätze ich (ich habe kein GPS-Gerät). Der Gasthof Paflur kann nicht mehr weit sein. Noch einmal laufe ich auf einem Fahrweg entlang, bis dieser auf eine geschotterte Straße einmündet.



    Wenig später mündet die geschotterte Straße ihrerseits auf eine Asphaltstraße, und einen Kilometer weiter erreiche ich dann wirklich, endlich, mein Tagesziel.

    Die Wirtin und ihre Assistentin aus der Slowakei begrüßen mich freundlich. Ich kann auch problemlos ein Zimmer bekommen; denn außer mir sind nur zwei andere ältere Herren da (ihr Auto, mit Graubündener Kennzeichen, steht vor der Tür). Ich frage erst einmal, was „Tschurtschen“ sind, und die Wirtin bestätigt meine Vermutung: es sind Lärchenzapfen. Solche haben früher die Bauernkinder gesammelt, um sie im Tal zu verkaufen und sich damit ein paar Groschen zu verdienen. Und so hat der arme Bauernbub Anton Telser um dieser verdammten paar Groschen willen sein Leben verloren, gerade einmal sieben Jahre alt. Da habe ich schon eine Träne im Augenwinkel.

    Als nächstes muß ich leider der Wirtin gegenüber meiner Enttäuschung Luft machen. Ich bin heute schier endlos irgendwelche bescheuerten Fahrstraßen entlang gelatscht, hangauf und hangab, bestimmt drei Viertel der gesamten Wegstrecke bzw. zwei Drittel des gesamten Gehzeit. Was soll der Scheiß?? Wie kommen die Südtiroler darauf, diese beknackte Route als „Höhenweg“ zu bezeichnen? Die Wirtin erklärt mir, daß diese Route als westliche Verlängerung des bekannten Meraner Höhenweges konzipiert worden sei, in der Hoffnung, ein paar Wanderer anzulocken. Diese Erklärung verärgert mich aber gerade noch mehr, weil sie den Etikettenschwindel ja belegt. Davon abgesehen, ist es natürlich logisch, Staben als Startpunkt und Reschen als Endpunkt der Route anzusehen, wenn dieser „Höhenweg“ eine westliche Verlängerung des Meraner Höhenweges sein soll.


    Nun aber schaue ich erst einmal auf die Speisekarte. Eine „Knödel-Tris“ wird da angeboten, und ich frage, was das denn sei. Die Erläuterung klingt verlockend: es sind drei große Knödel verschiedener Art: je ein Spinatknödel, Speckknödel und Käseknödel. Beim Genuß dieses Mahls sowie des selbstredend dazu gehörenden Bieres verfliegt mein Ärger wieder ein wenig, wenn auch nicht ganz.

    Das Zimmer ist wunderschön, ganz mit Lärchenholz getäfelt. Das sieht man selten. Ein ordentliches Bad ist ebenfalls dabei (es ist ja auch ein Gasthof und keine Berghütte). Insgesamt ein guter Gegenwert für die 39 Euro, die es kostet.

    So lasse ich denn diesen Tag ausklingen und bin bereit für die nächste Etappe. Mal schauen, was kommt!



    Fortsetzung folgt
    Geändert von OutofSaigon (26.08.2019 um 11:47 Uhr)

  8. Erfahren
    Avatar von OutofSaigon
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    AW: [IT] Vinschger Höhenweg. Zu Risiken u. Nebenwirkungen fragt nicht den Apothe

    #8
    Tag 3
    Frohgemut setze ich am folgenden Morgen, nach einem guten Frühstück, meine Wanderung fort. Der Mißmut des Vortags ist weitgehend verraucht. Natürlich geht es erst einmal einen Kilometer eine Asphaltstraße entlang (denselben Kilometer, der gestern abend der letzte Kilometer war), aber die Aussicht auf die andere Talseite verstärkt meine ohnehin schon recht gute Laune.




    Dann zweigt der Vinschger Höhenweg auf einen Wiesenweg ab. Auch hier habe ich eine schöne Aussicht auf den Gegenhang.






    Leider dauert das Vergnügen nur eine Viertelstunde, bevor ich grummelnd schon wieder auf eine weitere Asphaltstraße stoße. Selbst die Begegnung mit einer freundlichen jungen Kuhdame hebt meine Laune nur wenig.




    Minuten später erreiche ich den Heimathof der freundlichen jungen Kuhdame. „Der Hofhund macht dem Wand´rer bange“ reimt Wilhelm Busch, aber dieser Hofhund ist an Freundlichkeit kaum zu überbieten.




    Noch einmal bietet sich ein Blick wie aus dem Fremdenverkehrs-Prospekt. Besser kann es doch nicht mehr kommen, so stellt man sich eine schöne, leichte Sommerwanderung in den Alpen doch vor, oder?




    Auch dieses Vergnügen bleibt mir allerdings nur wenige Minuten erhalten. Dann bin ich wieder im Wald, und zwar – ihr habt es erraten! – auf einem Fahrweg, welcher – ihr habt es erraten! – stetig bergab führt.






    Nach zwanzig Minuten langsamen aber stetigen Abstiegs stoße ich auf eine Lichtung, auf der sich wieder einmal ein verlassener Bauernhof befindet. Allerdings sehe ich sofort mit Grausen, was auch ihr hier links unten im Bild seht: einen weiteren dieser verdammten Fahrwege, und natürlich führt mich die Markierung des Vinschger Höhenwegs unweigerlich auf diesen.



    Preisfrage: wo liegt typischerweise der Ausgangspunkt eines Fahrweges zu einem Bergbauernhof? Antwort: irgendwo unten im Tal – oder was dachtet ihr? So natürlich auch hier: es geht ins Tal hinunter.


    Daß der Vinschger „Höhenweg“ nun noch einmal auf einen kleinen Waldweg abzweigt, ändert nichts an der Tatsache, daß er weiter, immer weiter, bergab führt; ihr seht es hier im Rückblick:




    Ich komme dem Talboden immer näher, und auch wenn ich das im Wald nicht sehen kann, so ist es doch nicht zu überhören. Der Verkehrslärm der Hauptstraße im Tal wird immer lauter, und das keineswegs nur als ein amorphes Summen oder Brummen aus großer Entfernung; vielmehr kann ich problemlos einzelne Fahrzeuge identifizieren. Daß ich bald jedes einzelne Gasgeben jedes einzelnen Motorrads hören kann, verdirbt mir die Laune. Das soll ein alpiner „Höhenweg“ sein??


    Oberhalb von Schluderns führt der Vinschger „Höhenweg“ dann in das Matscher Tal hinein, zu einer Alm, die den Zielpunkt der dritten Tagesetappe darstellt. Anschließend führt die vierte Tagesetappe aus diesem selben Tal wieder hinaus, lediglich ein oder zwei Kilometer Luftlinie entfernt auf der anderen Talseite. Ich vergleiche die Landkarte mit dem Anblick der Landschaft vor mir und erkenne klar die Trasse der vierten Tagesetappe. Dort sehe ich die Autos flott dahin fahren; auch dort handelt es sich offensichtlich wieder um eine Asphaltstraße.

    Und an dieser Stelle passiert dann auch letztendlich, was sich schon am Vortag irgendwie angekündigt hatte: mir geht der Hut hoch. Ich habe jetzt die Schnauze voll von der ganzen vermaledeiten Straßen-Hatscherei. Was habe ich in den vorauf gegangenen beiden Wochen für herrliche Wanderungen machen können in der Kreuzeckgruppe und in den Niederen Tauern ! Für diesen Mist aber ist mir meine Zeit einfach zu schade. Da setze ich mich noch lieber in Meran ins Cafe. Jetzt am Freitag in dieses langweilige Seitental hinein zu latschen und gleich am Samstagmorgen wieder zurück, dazu habe ich einfach keine Lust.

    Aber man soll Entscheidungen nicht überhasten, daher setze ich mich erst einmal auf ein Bänkchen, das da gerade steht, und erwäge in Ruhe Für und Wider, Weitergehen oder Abbruch. Schließlich entscheide ich mich für Abbruch und folge in aller Gemütlichkeit der Wegmarkierung hinunter nach Schluderns. Auf dem Weg will ich einem Gasthof Mittagspause machen, aber auch daraus wird nichts: „Freitag Ruhetag“. Das paßt so richtig ins Bild. Irgendwie mag der Vinschger Höhenweg mich nicht, oder ich mag ihn nicht. Wie auch immer, es ist wohl wirklich besser, wir trennen uns. Ein netter Autofahrer nimmt mich mit in den Ort; dort genieße ich einen Teller gute Tagliatelle und ein Glas guten Wein dazu, dann fällt der Vorhang über dem Vinschger „Höhenweg“.



    Zum Abschluß zeige ich euch hier noch einmal drei Landkarten-Ausschnitte (alle von Opentopomap, mit zusätzlichen Eintragungen von mir selbst) in der Reihenfolge von Ost nach West:







    Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende, SRTM | Kartendarstellung: © OpenTopoMap (CC-BY-SA)

    Geändert von OutofSaigon (05.09.2019 um 14:59 Uhr)

  9. Erfahren
    Avatar von OutofSaigon
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    AW: [IT] Vinschger Höhenweg. Zu Risiken u. Nebenwirkungen fragt nicht den Apothe

    #9
    Epilog

    Tja, liebe Freunde, am Anfang dieses Berichts habt ihr sicherlich nicht dieses Ende erwartet, und ich selbst hatte am Anfang der Unternehmung natürlich auch nicht dieses Ende erwartet. Aber so ist das eben mit den Risiken und Nebenwirkungen: sie sind einem am Anfang nicht recht klar; erst mit der Zeit kommt man dahinter. – So war es mein Anliegen, euch unverblümt und ohne Beschönigung meine Erfahrungen, Eindrücke und Bewertungen vom Vinschger „Höhenweg“ zu übermitteln. Ich persönlich würde diese Wanderroute nicht oder nur mit klarem Vorbehalt empfehlen, und andere mögen über meinen Bericht nachdenken wollen, bevor sie selbst eine Empfehlung aussprechen. Ich habe ja nichts gegen eher leichte Unternehmungen an sich, und viele der tollen Touren, die andere machen und beschreiben, würde ich mir nicht zutrauen. Das muß ja auch nicht sein. Aber Dutzende (ungelogen: Dutzende!) von Kilometern über Schotter- und Asphaltstraßen zu hatschen, wie auf diesem Vinschger „Höhenweg“, das ist nun wirklich nicht meine Vorstellung von einer alpinen Unternehmung. Allerdings werde ich niemals behaupten, daß meine Wahrnehmungen und Bewertungen die allein richtigen seien, und wer auf dieser Route andere Erfahrungen gemacht hat oder die gleichen Erfahrungen anders bewerten würde, der darf sich gerne dazu äußern.

    Liebe Grüße!


  10. Anfänger im Forum

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    AW: [IT] Vinschger Höhenweg. Zu Risiken u. Nebenwirkungen fragt nicht den Apothe

    #10
    Ich war auch schon einmal kurz davor, den Vinschger Höhenweg zu machen. Mich hat beim Kartenstudium aber schon die ständige Sichtbarkeit von den Talorten und die zu geringe Höhe abgeschreckt. Wenn ich in den Bergen bin, will ich auch dieses Gefühl haben, weit weg von der Zivilisation zu sein, was damit nicht zusammenpasst. Dass es sich zusätzlich auch noch überwiegend um Forst- und Asphaltwege handelt, war mir noch nicht einmal klar.
    Puh, richtige Entscheidung getroffen. Für dich tut es mir Leid, wobei du mit dem Abbruch sicherlich auch die richtige Entscheidung gefällt hast. Das Leben ist zu kurz für schlechte Wanderwege

  11. Dauerbesucher

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    AW: [IT] Vinschger Höhenweg. Zu Risiken u. Nebenwirkungen fragt nicht den Apothe

    #11
    Schade für Dich und mich als gespannten Leser, der sich für Ende September den Weg vorgenommen hat.
    Auf div. Onlinekarten karten konnte ich die Wegführung und den Ausbaustatus gut erkennen. Deine Beschreibung lässt mich an meinem Vorhaben zweifeln.

  12. Anfänger im Forum

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    AW: [IT] Vinschger Höhenweg. Zu Risiken u. Nebenwirkungen fragt nicht den Apothe

    #12
    Zitat Zitat von OutofSaigon Beitrag anzeigen
    Oberhalb von Schluderns führt der Vinschger „Höhenweg“ dann in das Matscher Tal hinein, zu einer Alm, die den Zielpunkt der dritten Tagesetappe darstellt. Anschließend führt die vierte Tagesetappe aus diesem selben Tal wieder hinaus, lediglich ein oder zwei Kilometer Luftlinie entfernt auf der anderen Talseite. Ich vergleiche die Landkarte mit dem Anblick der Landschaft vor mir und erkenne klar die Trasse der vierten Tagesetappe. Dort sehe ich die Autos flott dahin fahren; auch dort handelt es sich offensichtlich wieder um eine Asphaltstraße.
    Ich kann nichts dazu sagen wo die dort den Weitwanderweg gelegt haben, aber was die Wege an sich angeht muss ich das Matscher Tal da jetzt schon etwas in Schutz nehmen.

    Zumindest talauswärts läuft man da vernünftigerweise nicht auf der Straße, sondern auf einem recht schön angelegten Waalweg der nahe den Glieshöfen anfängt, und dann meist ca. 50 Höhenmeter oberhalb der Straße als Steig neben dem hangparallel angelegten, künstlichen Wasserlauf verläuft, und erst vorne am Dorf Matsch endet.

    Einen ähnlichen, deutlich kürzeren Weg gibts oberhalb von Schluderns auf der anderen Talseite auf ca. 1200 Metern im Wald.

    Falls du mit der Alm die Matscher Alm meinst, so kann man von den Glieshöfen auf der östlichen Talseite auf einem Steig im Wald reinlaufen, und auf der westlichen dann entweder zu den Glieshöfen absteigen (teils Steig, teils Fahrweg), oder die Höhe halten und auf einem Höhenweg im Bergwald ca. auf der 2000er-Linie (oder wahlweise teilweise auch 2200-2400 Metern) talauswärts laufen.

    Was Bergwald angeht, so stehen im Großraum Matscher Alm immer wieder Zirben und Lärchen mit Stammdurchmessern bis über einen Meter herum (das dickste was ich gesehen habe waren zwei Lärchen mit 140cm), was ich gegeben die Höhenlage (2000 bis 2300 Meter) sehr ordentlich finde. Offenbar hat das Tal seinen Wald in der Vergangenheit recht pfleglich behandelt...

  13. Erfahren
    Avatar von OutofSaigon
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    AW: [IT] Vinschger Höhenweg. Zu Risiken u. Nebenwirkungen fragt nicht den Apothe

    #13
    Zitat Zitat von katha1 Beitrag anzeigen
    ... Das Leben ist zu kurz für schlechte Wanderwege
    Das stimmt. Und wenn man im siebzigsten Lebensjahr ist, dann denkt man erst recht sorgfältig darüber nach, wofür man die noch verbleibende Zeit nutzen will.


    Herzlichen Dank an d94 für den nützlichen und informativen Beitrag! So etwas mag ich, und auch die breitere Leserschaft würdigt das hoffentlich. Sicherlich gibt es viele Wege im Vintschgau, und man könnte sich diese nun mühselig zusammen suchen und daraus seine eigene Wanderroute destillieren. Das führt dann zurück zu der Frage "wieviel Zeit nimmt man sich?"


    Was auch immer die Einzelheiten, in jedem Falle ziehe ich aus dieser Erfahrung die folgenden beiden Schlußfolgerungen:

    1) die Trassenführung des Vinschger "Höhenwegs" liegt so nahe am Talboden, an der (in diesem Falle unerwünschten) Zivilisation und an allerlei Fahrstraßen, daß die Hoffung auf das Erlebnis eines alpinen Höhenwegs völlig vergeblich ist;

    2) in Bezug auf die technischen Ansprüche der Route ist die Etikettierung "schwieriger Wanderweg / Bergweg" völlig irreführend; es ist eine geradezu aufreizend lasche Route und damit das genaue Gegenteil der Erfahrung, die ich 2016 auf dem Adamello-Höhenweg gemacht hatte. Hinter der Bezeichnung "Alta Via" verbergen sich u. U. eben sehr verschiedene Dinge.

  14. Dauerbesucher

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    #14
    Vor Jahren waren wir auf dem Meraner Höhenweg unterwegs. Der ist teilweise alpin, führt aber auch durch Bauernland und Almsiedlungen. Ich fand es sehr schön, würde aber heute peinlich darauf achgten nicht in der Hochsaison dort unterwegs zu sein. Wir sind "rechtsherum" bgegangen und haben die Abschnitte an die Route von Oase Alpin abgestimmt.
    Es gibt dort Unterkunftsmöglichkeine mit gutem Flaschenwein und Live Musik...... geblasen und gezittert :-)).

    Da ich mich auch mit sehr kleinen Schritten auf die 70 zu bewege freue ich micht über jede zahme Tour die Opa und Enkel gemiensam bewältigen können.

  15. Erfahren
    Avatar von OutofSaigon
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    #15
    Zitat Zitat von Bulli53 Beitrag anzeigen
    ... Da ich mich auch mit sehr kleinen Schritten auf die 70 zu bewege freue ich micht über jede zahme Tour die Opa und Enkel gemiensam bewältigen können.
    Bezieht sich die "53" in deinem Usernamen auf dein Geburtsjahr?

    Also, für Kinder würde ich den Vinschger Höhenweg schon gar nicht empfehlen. Erstens fand ich große Teile davon (eben die ganzen Straßenhatscher) ziemlich langweilig, zweitens habt ihr unterwegs zwischen den ausgewiesenen Etappen-Stützpunkten keine Einkehrmöglichkeiten, von Übernachtungsmöglichkeiten ganz zu schweigen (!!). Mit Kindern bist du besser bedient in einer Region, wo solche Möglichkeiten näher beieinander liegen (zum Beispiel in den Radstädter bzw. Schladminger Tauern; davon habe ich in einem anderen Bericht erzählt). Es gibt in den Alpen eine Menge Gegenden mit leichten Wegen und hoher Hüttendichte.
    Geändert von OutofSaigon (03.09.2019 um 11:19 Uhr)

  16. Dauerbesucher

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    #16
    Ja, korrekt wäre 1953

  17. Erfahren
    Avatar von OutofSaigon
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    #17
    Zitat Zitat von Bulli53 Beitrag anzeigen
    Schade für Dich und mich als gespannten Leser, der sich für Ende September den Weg vorgenommen hat. .... Deine Beschreibung lässt mich an meinem Vorhaben zweifeln.
    Hast du dich nun entschieden? Falls du bei deinem Plan bleiben willst, könntest du ja vielleicht die andere (nordwestliche) Hälfte dieses "Höhenweges" gehen und uns an deinen Erlebnissen und Eindrücken von dort teilhaben lassen...

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