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  1. Anfänger im Forum

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    29.12.2016
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    [IT] Durch die Pfunderer Berge

    #1
    Mitreisende: Octopi
    Der Pfunderer Höhenweg steht schon seit Jahren auf meiner To Do Liste, immer kam etwas dazwischen. Dieses Jahr hat es dann endlich geklappt.
    Sonderlich viele Informationen findet man nicht im Netz und entsprechend ruhig ist es auch über weite Teile des Wegs. Die Strecke führt zwischen 2000m und 2800m von Sterzing nach Bruneck, im Norden die Zillertaler Alpen, im Süden die Dolomiten als Ausblick.


    Etappe 1: Von Sterzing zur Simile-Mahd-Alm

    Die Anreise ist möglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Sterzing, Wiesen oder Freienfeld, wo jeweils auch das Auto stehen gelassen werden kann. Wer in Freienfeld startet, spart sich das erste, recht unschöne Stück im Eisacktal.
    Für mich ist das keine Option, der Fernbus spuckt mich mit etwas Verspätung um 13.00 Uhr irgendwo in Sterzing aus. Immerhin ist ein Supermarkt um die Ecke, da versorge ich mich noch schnell mit Wasser bevor es los geht. Durch Wald und über Wiesen geht es stellenweise recht steil hinauf, immer mit dem Lärm der Autobahn im Hintergrund. Regelmäßig zweigen Wege ab, es ist nicht immer klar, welcher denn nun der für mich richtige ist, die Markierung ist etwas dürftig. Es ist heiß und die Sonne knallt, ich habe etwas Sorge, dass mein Wasser nicht reicht. Unterwegs gibt es aber immer mal wieder Gelegenheit nachzufüllen. Ab ca. 1800m Höhe höre ich die Autobahn nur noch, wenn ich aus dem Wald rauskomme. Beim alten Trenser Joch Biwak geht es zum letzten großen Aufschwung, vorbei am neuen Trenser Joch Biwak hinauf Richtung Höllenkragen. Da es schon spät ist, lass ich den links liegen. Höhe haltend geht es den Hang entlang zum Trenser Joch, danach Abstieg zur Simile-Mahd-Alm, Ankunft 19.40 Uhr. Abendessen und ab ins Lager.

    15,9km (bis T3)
    1350hm hoch, 290hm runter


    Da gehts hoch

    Da hab ich wohl wen gestört

    Blick ins Pfitscher Tal

    Blick Richtung Sterzing zurück, die Autobahn dröhnt

    An der Simile-Mahd-Alm


    Etappe 2: Von der Simile-Mahd-Alm zur Brixner Hütte

    Eindeutig markiert folge ich dem roten Kreis mit weißer Mitte. Am Himmel zeigen sich erste Wolken, es ist deutlich kühler als gestern, aber immer noch angenehm. Der Weg schwingt sich auf bis zum Sengesjöchl über dem Wilden See. Der Ausblick ist klasse, noch besser wäre es, wenn es nicht immer wieder zuziehen würde. Der Gipfel der Wilden Kreuzspitze ist immer wieder verhüllt. Am anderen Seeufer ist einiges los, vermutlich Tagestouristen aus dem Tal, vielleicht auch von der Brixner Hütte. Da die Etappe sonst recht kurz ist, gehe ich trotz der mangelnden Aussicht auf die Wilde Kreuzspitze (3132m). Der Weg hoch führt zum Teil über lockeres Gestein, auch ein Paar Schneefelder müssen noch gequert werden. Die fehlenden Spuren zeigen, dass hier nicht oft gegangen wird. Oben angekommen ist der Gipfel mal wieder in Wolken gehüllt. Viel los ist trotzdem, sodass ich nicht lange bleibe. Im Abstieg warten hinter dem Rauhtaljoch noch zwei große Schneefelder, die durch die Besucher von der Brixner Hütte matschig getreten sind. Der Abstieg wird so recht rutschig. Zur Brixner Hütte führt der Weg recht eben durch einen Kessel. Nach 5 bis 6 Stunden bin ich da. Die Hütte ist überbelegt, alles hoffen hilft nichts, die Familie mit fünf kleinen Kindern landet bei mir im Lager.

    9,9km (bis T3)
    1050hm hoch, 800hm runter


    Da geht's lang

    Blick zurück

    Blick voraus

    Noch scheint die Sonne

    Der Wilde See

    Blick zurück beim Aufstieg zur Wilden Kreuzspitze

    Nochmal Blick zurück

    Auf dem Abstieg

    Kurz vor der Hütte

    Blick zum Talschluss

    Von da kam ich

    Die Murmeltiere auf der Ebene sind an Menschen gewöhnt


    Etappe 3: Von der Brixner Hütte zur Edelrauthütte

    Der Tag wird lang, es geht also früh los. Die Wirtin meckert über die Kinder, die schon seit 5.00 Uhr Radau machen. Tatsächlich war auch die Nacht nicht besonders gut, die Kinder waren zwar ruhig, aber es war viel zu warm im Lager, so dass ich kaum geschlafen habe. Gegen 2.00 Uhr ist eines der Kinder aufgewacht und beschwerte sich, es sei kalt, ich musste fast laut loslachen, so heiß war mir.
    Die Etappe führt über vier Scharten, mit 9 Stunden Gehzeit sollte man rechnen. Dieser Teil des Höhenweges ist recht anspruchsvoll, die letzte Scharte, die Gaisscharte, ist zum Teil mit Ketten versichert und erfordert ein wenig Kletterei. Bei Regen und Wind wird die Etappe schnell unangenehm und rutschig. Ausrutschen kann dann schnell Feierabend bedeuten. Wem das zu heikel ist, der kann nach der ersten Scharte ins Tal Richtung Pfunders absteigen und dann zur Edelrauthütte aufsteigen.
    Glücklicherweise ist es nur neblig und nicht nass, sodass ich die Etappe gehe. Scharte eins stellt kein Problem dar, den Weg zu Nummer zwei muss ich erst suchen. Es dauert etwas bis der Nebel die Markierungen ausspuckt. Es ist offensichtlich, dass der Weg nicht oft begangen wird. Nach der dritten Scharte besteht die Möglichkeit zum Walter-Brenninger-Biwak abzusteigen. Für mich geht es aber hoch zur Gaisscharte, zum Teil über verblocktes Gelände, zum Teil recht steil am Hang entlang. Oben angekommen gucke ich ein wenig erstaunt, die Starte ist nicht viel mehr als ein Fuß-breiter Spalt im Fels. Direkt auf der anderen Seite geht der versicherte Teil los. Das stelle ich aber erst fest, als ich schon in der Scharte stehe. Vorwärts möchte ich mich aber nicht in die Ketten hängen, immerhin geht da gut 20m senkrecht runter und gute Tritte konnte ich auf die Schnelle nicht entdecken. Also drehe ich mich in der Scharte und gehe dann langsam rückwärts, bis ich die Kette greifen kann. Es dauert ein bisschen bis ich wieder auf festem Grund stehe, danach geht es größtenteils über blockiges Gelände zur Edelrauthütte/Eisbruggjochhütte.

    15,1km (bis T3, evtl. T4)
    1260hm hoch, 970hm runter


    Viel mehr ist morgens nicht zu sehen

    An der Steinkarscharte

    Zwischendurch ein wenig Licht

    Und dann auch wieder nicht

    Blick zurück von der Gaisscharte

    Nochmal Blick zurück

    Gaisscharte

    Da geht's runter

    Eisbruggjochsee

    Unter der versicherten Stelle


    Etappe 4: Von der Edelrauthütte zur Chemnitzer Hütte

    Heute verlasse ich für zwei Tage den Pfunderer Höhenweg, um noch ein paar Gipfel mitzunehmen. Das Wetter ist zur Abwechslung mal wieder gut, so geht es im Sonnenschein auf den Neveser Höhenweg Richtung Chemnitzer Hütte. Hier liegen wieder einige Altschneefelder auf dem Weg, ein paar davon sind kritisch unterspült. Dank des Guten Wetters sehe ich ein paar Zillertaler Gipfel und Gletscherreste. Ca. dreißig Minuten von der Hütte entfernt fängt es plötzlich stark an zu wehen. Kurz darauf fallen die ersten Tropfen. Schnell schmeiße ich die Jacke über und flott geht es zur Hütte. Kurz nachdem ich ankomme stehen die Fahnen schon waagerecht und es wird draußen ungemütlich. Mit Aussicht ist auch nichts mehr. Das ändert sich den ganzen Tag über nicht mehr, und so gibt es keine Gipfel mehr für mich. Dafür aber ein Akkordeonkonzert vom Feinsten, das der Sohn des Wirtes kostenlos zum Besten gibt.

    9,6km (überwiegend T2)
    290hm hoch, 420hm runter


    Blick zurück

    Was willst du denn hier?

    Spritzschutz bei Bachquerung

    Blick zum Hauptkamm

    Blick voraus

    Blick zurück

    Noch sieht das Wetter gut aus

    Hier schon nicht mehr so sehr

    Sieht abenteuerlich aus, ist aber stabil

    Es wird grau am Hauptkamm

    Noch rechtzeitig an der Hütte angekommen


    Etappe 5: Von der Chemnitzer Hütte zur Edelrauthütte

    Heute geht es zurück auf den Pfunderer Höhenweg. Das Wetter ist immer noch bescheiden, sodass Gipfel für mich heute wieder ausfallen, bevor ich absteige zum Nevesstausee. Von dort geht es dann wieder hoch zur Edelrauthütte. Zwischendrin kommt mal kurz die Sonne raus, aber als ich an der Edelrauthütte ankomme, ist es wieder komplett zugezogen. Also auch hier wieder keine Gipfel für mich. Abends gibt es Regen und Gewitter.

    7,3km (T2)
    670hm hoch, 550hm runter


    Am Nevesstausee

    Da geht's glücklicherweise nicht drüber

    Hier auch nicht


    Etappe 6: Von der Edelrauthütte zur Tiefrastenhütte

    Das Wetter hat über Nacht aufgelockert, es gibt blauen Himmel, nur zwischendrin hängen noch ein paar Wolken. In den höheren Lagen sind die Berge ein wenig gezuckert, auch als ich losgehe, schneit es noch ein klein wenig. Bald eröffnen sich die ersten Blicke aufs Pustertal. Leider halten sich ab etwa 2600m Höhe hartnäckig ein paar Wolken, so dass die Dolomiten auch heute größtenteils verschleiert bleiben. Genauso zeigt nur zwischendrin mal einer der Zillertaler Gipfel sein Gesicht. Der Weg ist oft überwuchert, an einer Stelle sieht es aus als wäre er in einer kleinen Mure mitgerissen worden. Größtenteils Höhe haltend geht es Richtung Eidechsspitze. An der Gampisalm biegt man nach Osten Richtung Passenjoch ab, von da geht es durch einen blockigen Kessel hoch zur Hochsägescharte, von wo sich der Blick auf die wunderschön gelegene Tiefrastenhütte öffnet. Der Weg hinab wird gerade ausgebessert, als ich vorbeikomme liegen die Arbeiter grade in der Mittagspause auf den frisch gebauten Stufen. Es ist noch früh, ich entscheide mich noch eben zur Hochgrubbachspitze (2811m) aufzusteigen. Die Aussicht ist fantastisch, oder wäre es, wenn nicht immer noch Wolken den Blick auf die Gipfel der Dolomiten in der Ferne versperren würden. Auch die Zillertaler verstecken sich. Nach kurzem Abstieg bin ich an der Tiefrastenhütte.

    16km (bis T3)
    960hm hoch, 1200hm runter


    Die Gipfel sind gezuckert

    Blick voraus

    Das Tal liegt noch im Schatten

    Erster Blick auf die Dolomiten

    Nur noch weiße Suppe am Himmel

    Zwischendrin klart es auf

    Real-life Edelweiß

    Gestapelte Spitzen

    Eidechsspitze

    Blick auf Hochgrubbachspitze und Hochsägescharte

    Blick zum Passenjoch

    Passensee

    Der Hauptkamm lüftet seinen Schleier

    Blick aufs Pustertal

    In der Hochsägescharte

    Hochgrubbachspitze

    Drei Zinnen

    Tiefrastenhütte und -see


    Etappe 7: Von der Tiefrastenhütte nach Sankt Georgen

    Morgens ist es wieder wolkig und neblig, die Wirte sagen nachmittags soll es Regen geben. Also gehe ich zügig los Richtung Kleines Tor. Je weiter ich kommen, desto mehr lösen sich die Wolken auf. Trotzdem bleibt die Sicht beschränkt auf die nähere Umgebung. An der Zwölferspitz treffe ich einen Bauern. Wir unterhalten uns nett, er meint, die Wolken lösen sich zum Nachmittag hin auf. Außerdem beklagt er sich über die vielen Italiener, die die unteren Teile der Berge besetzen. Da möchte man doch die alte Trienter Grenze wieder machen, sagt er. Hier oben ist es jedenfalls schön ruhig. Und ruhig geht es weiter über Putzenhöhe und Bärentaler Spitze zum Sambock, wo es dann voll wird. Auf dem Grat zum Sambock ist nochmal ein wenig Block- und Gratkletterei erforderlich. Vom Gipfel geht es stetig bergab nach Sankt Georgen, die Wolken lösen sich immer weiter auf, bloß hilft mir das jetzt nicht mehr, je tiefer ich komme, desto weniger sehe ich von den Gipfeln. In Sankt Georgen stellt sich heraus, dass ich den Bus nach Bruneck um 5 Minuten verpasst habe, und da Feiertag ist, kommt der nächste erst in einer Stunde. Also beschließe ich zu Fuß nach Bruneck zum Bahnhof zu gehen. Von da geht es dann nach einer tollen Tour nach Hause.
    Und wie der alte Bauer meinte: Dank des Wetters hab ich einen guten Grund, nochmal wiederzukommen und den Weg nochmal zu gehen. Dann aber bitte bei Sonnenschein!

    23,3km (bis T3)
    610hm hoch, 2080hm runter


    Bärentaler Spitze

    Ein bisschen was vom Hauptkamm sieht man

    Sambock mit Grat dahinter

    Blick ins Pustertal

    Am Grat zum Sambock

    Aufschwung zum Sambock

    Blick zurück über den Grat
    Geändert von Octopi (17.08.2019 um 20:29 Uhr) Grund: Rechtschreibung und so...

  2. Erfahren
    Avatar von OutofSaigon
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    AW: [IT] Durch die Pfunderer Berge

    #2
    Hallo Octopi!

    Danke für den netten Bericht! Ich hatte deinen Namen bisher nicht auf dem Bildschirm; erstens hast du selbst ja noch nicht so viel geschrieben, zweitens lese ich auch nicht viel auf diesem Forum.

    Dein Bericht war für mich auch deswegen interessant, weil ich Anfang Juli 2019 selbst den Pfunderer Höhenweg im Visier hatte. Das habe ich u. a. deswegen fallen lassen, weil ich bei meinen vorauf gegangenen Wanderungen in den Niederen Tauern noch sehr viel Schnee angetroffen hatte und bei meinen Recherchen gelesen hatte, daß der Pfunderer Höhenweg durchaus technisch etwas anspruchsvoll ist, was bei viel Schnee so eine Wanderung vielleicht riskant machen könnte. Wie beurteilst du das im Rückblick?

    Da du in deinen Bericht auch immer wieder nützliche Informationen für andere Wanderer eingestreut hast: hättest du vielleicht auch ein paar Fotos von den kritischen Stellen dieses Höhenweges? Das würde wohl nicht nur mich interessieren.

    Vielen Dank im voraus!

  3. Fuchs
    Avatar von Wafer
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    AW: [IT] Durch die Pfunderer Berge

    #3
    Hallo Octopi.

    Herrliche Gegend! Das kannte ich noch nicht mal vom Namen her. Schön, dass du uns das vorstellst. Vom Wetter her hast du wohl etwas Pech gehabt. Vielen Dank für's virtuelle mitnehmen!

    Gruß Wafer

  4. Anfänger im Forum

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    AW: [IT] Durch die Pfunderer Berge

    #4
    Zitat Zitat von OutofSaigon Beitrag anzeigen
    Hallo Octopi!

    Dein Bericht war für mich auch deswegen interessant, weil ich Anfang Juli 2019 selbst den Pfunderer Höhenweg im Visier hatte. Das habe ich u. a. deswegen fallen lassen, weil ich bei meinen vorauf gegangenen Wanderungen in den Niederen Tauern noch sehr viel Schnee angetroffen hatte und bei meinen Recherchen gelesen hatte, daß der Pfunderer Höhenweg durchaus technisch etwas anspruchsvoll ist, was bei viel Schnee so eine Wanderung vielleicht riskant machen könnte. Wie beurteilst du das im Rückblick?

    Da du in deinen Bericht auch immer wieder nützliche Informationen für andere Wanderer eingestreut hast: hättest du vielleicht auch ein paar Fotos von den kritischen Stellen dieses Höhenweges? Das würde wohl nicht nur mich interessieren.

    Vielen Dank im voraus!
    Also die anspruchsvolleren Teile, bzw. die Teile, die Erfahrung wünschenswert machen, sind wahrscheinlich zum einen die Block- und Geröllfelder, natürlich die Gaisscharte, und zum anderen die Querungen von steilen Hängen. Man hat halt immer mal wieder kürzere oder längere Passagen, bei denen man nicht stürzen darf. Bei Schnee oder Nässe sollte man da schon sehr vorsichtig und trittsicher sein. Ich hatte jetzt nur noch im Aufstieg zur Wilden Kreuzspitze (nordseitig) und im Abstieg (auch nordseitig) Schneefelder, Anfang Juli kann es gut noch an anderen Stellen Schnee gegeben haben. Je nach dem wie viel Erfahrung man mit solchem Gelände bei den Bedingungen hat, ist es dann bestimmt nicht verkehrt, das Ganze lieber bleiben zu lassen.

    Ob ich noch aussagekräftige Fotos hab, muss ich nochmal schauen, das weiß ich grade nicht. Fotos von der Gaisscharte sind ja schon im Bericht.

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