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    [DE] 1x den seniorenteller, bitte! radtour im solling und eggegebirge.

    #1
    Mitreisende: danobaja
    radtour im solling und eggegebirge, 30.4.-3.5.2019

    30.4.19
    der westfalenwanderweg lag mir im magen. ich wollte keinen teer mehr laufen und doch wollte ich den www zu ende bringen. ganz kurzfristig ergab sich eine möglichkeit ein outdoortreffen mit einer radtour zum rest des www zu kombinieren. so parkte ich das auto am dienstag mittag am treffpunkt für freitag nachmittag. der gemeindearbeiter war gerade dort zum rasenmähen. das auto durfte dort parken und wurde hinter der schranke eingeschossen. perfekt.

    in lauenberg am solling gings los, nach büren um dort den www wieder aufzunehmen. dann dem www bis altenbeken folgen und hernach wieder über höxter und quer über den solling zurück zum auto. so ziemlich genau 300 km insgesamt. die obligatorischen verfahrer mit eingerechnet.

    die neuen gepäcktaschen sahen schick aus, und ja, die sind so klein. nein, eigentlich noch viel kleiner. so ein ungewohntes format, ich bekam 40 liter gepäck gerade so in die 60 l fassenden taschen. der wetterbericht sprach von schnee und regen und kalt ab donnerstag. meine regenhose war verschollen, ich setzte auf nasse füsse und den regenrock vom ali. die erprobte regenjacke, wasserdichte winterhandschuhe, winddichte mütze, fleecehose zum wechseln, daunenhose und jacke, essen für 4 tage, wasser... da kam schon was zusammen. weils schon egal war und es aufm rad ja alles nix wiegt hab ich dann noch ersatzhandschuhe, camp-sandalen, kopftuch und sonnenbrille (immer optimist!) und den leichten sommerschlafsack aus china zum quilt aus usa gepackt. und schwupps, schon war die 40l rolle aufm gepäckträger auch voll. ein letzter blick auf den atlas der in die schaummatte eingeklemmt war, endlich konnte es losgehen!

    ich suchte mir feld- und waldwege neben der strasse, nichts davon im atlas zu erkennen, aber immerhin wusste ich wie der nächste ort heisst. anscheinend war ich der einzige tourist hier, nirgendswo ein schild. das tal führt nach süden so wie es soll, was kann ich viel falsch machen? es geht eine weile sanft bergauf als sich der zustand des weges dramatisch verändert. alles aufgerissen vom harvester, anstatt laub und nadeln lehm und erde. nass und klebrig. solange ich noch fahren konnte wurde trotz schutzblechen erstmal alles mit erbsengrossen braunen brocken bespritzt. das dunkle braun harmoniert sehr gut mit dem blendenden weiss der nagelneuen taschen. als die dünnen reifen fahren unmöglich machen sind nach wenigen metern schieben die schutzbleche zugeschmiert. ich kratze immer wieder mal frei und schiebe einen kilometer bis zum nächsten schotter. wenn ich jetzt wüsste wo ich bin könnte ich durch den wald fahren, aber so nehme ich wieder ein stück strasse bis ich durch einen ort komme, der auch im atlas steht.

    los gehts in lauenberg am pfadfinderplatz


    schöner weg im schönen wald


    schöner weg war mal


    braune erbsen überall


    zugeschmiert


    am fuss einer steigung habe ich die wahl teer oder schotter. ich wähle den teer und pumpe mich nach oben. zwischendrin muss ich anhalten, der schweiss rinnt mir in die augen, ich kann nichts mehr sehen. weh tuts auch. ich beisse mich durch bis oben, bevor das lange bergab kommt esse ich ein paar bananen und versuche runter zu kühlen. es ist nicht so warm draussen wie in mir drinnen und nach einer guten pause bin ich wieder startklar.

    bald ist in volpriehausen der rehbach und die bahnlinie erreicht. das gelände wird flacher, ich nehme fahrt auf und schaffe es bis abends noch die 55 km voll zu machen. kurz hinter uslar ist die weser erreicht. ich folge ihr stromabwärts bis zur mündung der diemel. von da an geht es eine ganze weile auf dem dem diemelradweg weiter. hinter helmarshausen ist eine hütte mit grillplatz die mich für die nacht beherbergt. mein wasser habe ich unterwegs schon an einem friedhof aufgefüllt, es ist mehr als genug für tee und kartoffelpürree. ein e-bikendes ehepaar noch älteren datums stoppt ohne mich eines blickes zu würdigen an der hütte und er macht sich daran alles mögliche an seinem und dann auch an ihrem rad zu überprüfen. er schimpft aufgeregt als sie weiterfahren, sie ist ganz gelassen, hat die ganze zeit über kein wort gesagt. eine gewisse sehnsucht nach freundlichen westfalen und zugekackten strassen stellt sich ein.

    hunde scheint es hier keine zu geben, nicht ein hauch von hinterlassenschaft war den ganzen tag lang zu entdecken. Auch kein plastikmüll. beide, niedersachsen und hessen, waren blitzsauber in dieser ecke. zwei blitzsaubere mountainbiker sausen noch schnell vorbei. auch sie grusslos und vollgas um die wette. eine junge frau mit einer orangen globi-ortlieb-tasche am rad hält und wir unterhalten uns ein bischen. woher, wohin, das übliche. gerade als ich sie fragen will warum sie angehalten hat erzählt sie es von selbst. ihre familie fängt zur zeit an ausflüge mit den inzwischen selbst fahrenden kindern zu unternehmen. im urlaub wollen sie dann zu einer 10 tägigen radtour aufbrechen. und sie wollte schon mal bissl reiseluft schnuppern bei mir. schön, ich dufte also schon am ersten abend nach reise. fühlen tu ich mich so. so wie auf einer reise.

    pause oben


    idyllisch am bach


    sanfte steigung


    ordentlich gekämmter wald


    die weser


    zug und bach verspricht relativ flaches gelände


    ich park hier trotzdem!


    schöne farben


    kirschblüte


    der erste anstieg nach dem start, gerade den berg hoch, hat mich geradewegs ins jetzt gebracht. gestern egal, morgen egal, was gibts heut abend zu essen. hallelujah, hört der berg nie auf, hinter der kurve wirds flacher (wirds natürlich nicht, nur die richtung ändert sich geringfügig), den sitz des geringsten schmerzes wählen, weitertreten, es wird flacher, gegenwind kommt auf, der schmerz bleibt der gleiche, der gang geht von ganz kurz 5 zurück auf 4, was ess ich heut abend? kartoffelpürree! ach verdammt was soll der scheiss. dann schieb ich halt den rest... der schmerz im oberschenkel verändert sich. schleicht schreiend von oben-aussen nach unten-vorne. mit 5km/h schiebe ich hoch. so um die 9 waren´s als ich gefahren bin. ach ist das schön wenn es im flachen dann fast von selbst rollt. morgen brauch ich mehr luft in den reifen. und ich könnte ja heut abend nudeln essen.

    ich versuche ein bischen im "abgelatscht" zu lesen, aber ich kann keinen gedanken fassen und keinem folgen. keinen ganzen absatz schaffe ich bis ich das buch weglege und einfach der natur lausche. alles gut, nur der hofhund der schweinefarm gegenüber bellt bis er abends entweder tot umgefallen ist oder ins haus durfte. als mit der dämmerung die ersten fledermäuse auftauchen ziehe ich mich humpelnd und mit steifen knien zurück in die hütte. die pumpe für meine neo air ist leider nicht im essenssack aufgetaucht und ich muss pusten. der müllsacktrick funktioniert nicht, das ventil ist zum teil mit sich lösender folie verstopft und ich bekomme nicht genug druck um effektiv aufzublasen. 19 mal puste ich und nehme mir vor als erstes zuhause die matte einzuschicken. im daunenzeug ist es unter dem quilt schön kuschelig bei noch ganz leichten plus graden.

    56,9 km
    durchschnitt: 13,1 km/h


    auf dem diemelradweg




    steinbruch, oder abbruchkante?


    vor der hütte


    natürlich kartoffelpürree


    jedesmal der gleiche verhau






    1.5.19
    der nebel beim ersten grau des morgens hing schwer über der diemel. die wiesen waren klatschnass vom tau, die temperatur knapp über null. um halb 7 war ich auf dem rad, und das trotz einer portion kartoffelpürree mit pilzsosse zum frühstück. beim zusammenpacken, das heute schon viel besser klappte mit den ungewohnten taschen, kam noch ein radler mit 4 schwarzen taschen am schwarzen rad vorbei, ganz in schwarz gekleidet, ninjamässig mit maske überm gesicht. er wär beinahe vorbeigefahren, entschied sich aber dann doch noch anzuhalten. aber über "wie war die nacht" und "kaffee im nächsten dorf" kamen wir nicht hinaus.

    ich trug warme, winddichte handschuhe und kapuze. immer auf höhe des baches ging es durch wald am schmalen wiesenstreifen entlang. das fahren war entspannt, bald liefen knie und muskeln wieder rund, sogar die sonnenbrille konnte ich mal kurz aufsetzen. die strausse gaben willkommenen anlass für eine kleine pause, äh, fotosession natürlich. alles war wie ausgestorben. am 1. mai war keiner so früh auf, die strassen waren autoleer. erinnerungen an die 70er werden wach. ein spaziergang auf der leeren autobahn kommt hinten im kopf hoch. manchmal, so denke ich, war damals die autobahn auch mit autos leer im vergleich zu den blechlawinen die sich heute von baustelle zu baustelle quälen.

    nicht lang und der weg teilte sich. lange variante und kurze durch den tunnel. ich war gespannt und hatte ein deja-vu. genau so einen tunnel hatte ich schon mal durchquert, aber ich habe keine ahnung mehr wo das war. das tal weitete sich, aus sanftem auf und ab wurde ein flaches dahingleiten, die kilometer nur unterbrochen von rechtwinkeligen kurven und schmerzen beim sitzen. gegen 10 uhr sah ich die erste gruppe mit bollerwagen und bierflasche in der hand. schwarze shirts, onkelz im ghettoblaster. sie grüssen freundlich, ich halte an. das mädchen in der gruppe ist schon betüdelt, die jungs stecken es besser weg. ziel ist ein bier je kilometer erfahre ich. weit werden sie nicht kommen ausser sie treiben irgendwo nachschub auf. stressig solls nicht werden, ein schönes plätzchen kennen sie auch, da wollen sie hin. das grillzeug kommt nachmittags mit dem auto dorthin. als sie von meiner 300 km runde hören kichern sie und überlegen wo ich denn das ganze bier versteckt habe. "naja, 60 l in den taschen", sage ich, "da komm ich alleine schon nen tag oder 2 klar damit". lachend verabschieden wir uns und die bösen onkelz grölen wieder lauter aus dem lautsprecher.

    willkommene pause bei den straussen


    der tunnel


    sogar beleuchtet


    an der diemel entlang


    nicht immer am bach entlang, sondern oft schnurgerade durch die felder


    überall werden an den sportplätzen vorbereitungen getroffen für die obligatorische maifeier am nach mittag. gegrillt wird noch nirgends, ich hätte lust auf ne wurst gehabt. in warburg verfahre ich mich und mache erstmal pause. die wiese am fluss füllt sich langsam mit leuten, jung und alt grüppchenweise getrennt, aber insgesamt doch bunt gemischt. die erste meiner beiden ananasse (ananässer?) wird geköpft und gehäutet. sie ist zuckersüss und saftig. das klebrige zeug kann ich mir am gut zugänglichen fluss abwaschen.


    am nachmittag wird es schön warm, erstmals fahre ich im t-shirt, wenn auch nur für eine stunde. die bollerwagendichte nimmt zu, immer mehr fussgänger. kaum hunde. immer wieder mal verlässt der weg den fluss, dann geht es jedesmal gut bergauf. ich kühle schnell aus ohne windstopper und als ich neben einer hütte eine sonnige und windstille stelle ausmache stoppe ich und esse meine 2. ananas. süss und saftig, genauso gut wie die am vormittag. ich klebe wieder bis zu den ellenbogen. weil ich nicht ans wasser komme schlecke ich eine ganze weile den klebrigen saft von den armen. ein paar fussgänger starren mich an, ich versuche erst gar nicht irgendetwas zu erklären. (ich...) leck mich am arm denke ich mir und mache ungeniert weiter. ein freilaufender hund kommt mich anschauen, er holt sich noch eine zunge von dem süssen saft und ich bleibe sitzen am boden, lasse den hund an meine arme und wechsle kichernd ein paar worte mit seinem chef. der macht das echt gut der vierbeinige kerl, kitzelt bissl, aber viel zu schnell bin ich sauber. der felltest beweist es. nix klebt mehr! als dank knuddel ich ihn und beiss ihn ins ohr.

    entlang der diemel


    immer wieder abbrüche, zum teil auch künstlich






    schöne brücke


    warburg
    danobaja
    __________________
    resist much, obey little!

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    AW: [DE] 1x den seniorenteller, bitte! radtour im solling und eggegebirge.

    #2
    nach der autobahn verlasse ich den diemel radweg, ich will ja nach büren. das gelände wird hügelig, und bis oesdorf geht es ewig bergauf. der südliche zipfel des eggegebirges macht mir ganz schön zu schaffen. ich bin im hochsauerland angekommen, die orte sind alle nach marsberg eingegliedert worden. als willkommensgruss geht es hinter oesdorf weiter bergauf. wieder ewig, aber vielleicht liegts an meinem tempo. oder ist es timewarp durch zu langes sitzen auf schmalem gegenstand? das ist ja eine bekannte weitradlerkrankheit. heut abend gibts kartoffelpürree mit chilli-sosse.

    immerhin attackiere ich jede steigung voll und bin selbst erstaunt wie weit ich komme bevor ich absteigen muss. heut abend gibts nudeln mit tomatensosse. als ich übern berg bin erwarten mich windräder. überall auf der hochebene verstreut stehen windräder, der weg führt mittendurch. es ist kein sehr starker wind, die monster sind ruhig und drehen ruhig und gelassen ihre 3 hände im kreis. kein pfeifen, und so wie die sonne steht auch kein schlagschatten der bedrohlich über einen hinwegsaust.

    autobahnüberquerung bei diemelstadt


    nette lage, keine laute strasse in der nähe




    bergauf nach oesdorf


    von wegen geschafft, es geht noch weiter hochzufahren


    nimmt kein ende


    und irgendwann bist du doch oben!


    der beweis: wo die sind ist oben!





    nach einer längeren abfahrt nach fürstenberg fülle ich mein wasser aus einem schnell fliessenden bach auf und kurz vor bad wünnenberg zelte ich auf offenem feld, das ich durch einen steilen anstieg erreiche. neben dem stadel, der dort steht, ist kein flacher platz. aber ein kleines stück weiter finde ich zwischen 2 feldern eine ebene stelle mit liegenden baumstämmen, die ein wenig schutz vor dem kalten wind bieten. die bundesstrasse ist unten noch leise zu hören, der bauer, der mit seinem trecker seine letzten plastikverschweissten heuballen einfährt, ist deutlich lauter. ich rechne eigentlich damit, dass er mich anschauen kommt, aber er winkt nur und schleppt seine fuhre nach hause.

    während das wasser am kochen ist spanne ich beim rad die kette nach. dazu lege ich die brille auf den boden neben dem rad, klar, sonst sehe ich ja nichts, und vergesse sie hernach. ein paar mal geht es gut, aber als ich mit dem kartoffelpürree in der hand dann zwischen zelt und rad durchlaufe trete ich doch noch drauf. die brille ist das gewohnt, wie gewöhnlich nehme ich meine mini-zange und biege sie wieder gerade. mit ein paar mal nachbiegen passt es dann wieder recht gut.

    ich bin noch nicht mit essen fertig als ein alter passat auf mich zukommt, der fahrer winkt freundlich und fährt noch 50m weiter. dort schaut er die felder an und kommt zu mir zurück. durchs offene fenster erfahre ich, dass er sowas wie ein ranger ist, schulklassen und gruppen führt, ein zeltlager oder landschulheim oder etwas ähnliches wird von ihm gemanagt und als teilzeit-landwirt ist er grad auch noch bei der arbeit. klingt wie wenn sein tag 48 stunden hätte. als er merkt, dass mir im wind kalt wird wünscht er mir noch eine gute nacht und fährt davon. kurz vor sonnenuntergang verschwinde ich unter dem quilt. das chilli im pürree wärmt eindeutig.

    85,1 km
    durchschnitt: 12,6 km/h


    lager am abend


    edward abbey: for a tree, once uprooted, takes many weeks to die!
    (denn ein baum, einmal entwurzelt, braucht viele wochen um zu sterben!)


    sonnenuntergang


    kein drama, die ist das gewohnt




    2.5.19
    in der früh erwache ich bei grauem licht und null grad mit eisigem wind, fleckenweise ist der boden angefroren. nach einer schnellen tasse tee packe ich zusammen und schaue dass ich weiter komme. schnell bin ich warm gestrampelt.

    und so gegen halb 7 fahre ich durch bad wünnenberg als mich an der einzigen ampel ein auto auf der gegenfahrbahn anhupt. es ist der alte passat mit dem winkenden ranger in knalloranger holzfällermontur. alles war noch zu, naja, dann halt in büren zum bäcker. kartoffelpürree gibts abends, das muss in der früh nicht auch noch sein.

    bevor ich den ort verlasse geht es durch eine baustelle hindurch. die brücke für die umgehungsstrasse wird bald fertig. sie ist so neu, dass sie google maps noch nicht anzeigt und die strasse zur brücke wird gerade gebaut auf dem pic. im wolkenverhangenen grau passiere ich den keddinghäusersee und mehrere rückhaltebecken. ein schwan, vermutlich das schwarze schaf der familie, flirtet eine graugans an. hartnäckig. sie flieht verdächtig langsam, bürzel verlockend schwenkend, eine kurze distanz um dort wieder auf ihn zu warten. ich muss grinsen als ich mir die kinder vorstelle. schwänse, oder gwane. warm im herzen, kalt an den fingern und zehen strample ich in ungefähr einer stunde nach büren, mir wird kälter anstatt warm und in büren wirds mir auch nicht wärmer. schmucklos, grau, noch alles geschlossen. dann muss der kuchen warten. heut abend gibts dafür nudeln mit tomatensosse.

    umgehungsbrücke


    keddinghäusersee


    das schwarze schaf und seine muse


    rückhaltebecken


    es wird neblig


    schnurgerade wege


    mitten in der stadt finde ich ein xw, die markierung für den westfalenwanderweg. ich folge den aufklebern aus der stadt und schenke mir die 3 km bis nach weine. das örtchen roch sehr streng als ich vor 3 wochen dort meine wanderung auf dem www beendete. dafür muss ich nicht noch 6 km auf das tagespensum draufpacken.

    nach ein paar feldern taucht der weg in die wälder östlich der stadt ein. sogar ein stück pfad gibt es. es ist breit genug zum fahren. selbst ich als bekennender fahrrad-grobmotoriker muss nicht absteigen. könnte nicht der ganze weg so sein? oder wenigstens der rest? da würde ja auch laufen wieder spass machen. die gedanken erledigen sich von selbst, nach 5 minuten gehts auf teer weiter. meine sitzfläche freuts. der prinz eisenarsch, der mit rucksack auf dem buckel in den 90ern 2 alpenüberquerungen durchs zillertal ohne klagen abgestrampelt hat, ist nur noch ein schatten seiner selbst. sitztechnisch ist heute der härteste tag, ich rede mir ein morgen wirds besser werden. zusammen mit dem muskelkater. und den steifen knien. und dem stechen zwischen den schulterblättern. ich glaub heut abend gibts kartoffelpürree und regen.

    nachdem mitten im wald die autobahn gequert wird folgt ein idyllisches stück im tal der alme. die wewelsburg taucht auf, holzfäller versperren den weg mit grossem gerät. als der baggerfahrer mich entdeckt beim schwenken winkt er mich durch. ich finde kaffee und kuchen und ein bischen wärme. und 5 vollkornbrötchen für unterwegs. mit dem völlegefühl verschwindet kurzfristig der abendessengedanke aus dem hirn. der zuckerschub fordert seinen zoll. ich muss meilen machen bevor der regen kommt. selbst der hintern zappelt und will aufs rad. draussen ist es nasskalt und greislig. an jedem pfosten hängt ein x, entweder seh ich die kleinen aufkleber besser aufm rad oder es gibt hier mehr davon. der weg führt immer wieder mal über einen feldweg, aber das meiste ist geteert. die strasse ist so klein, ich begegne nur einem auto. waldstücke wechseln ab mit feldern. der raps blüht und verströmt seinen komischen süsslichen geruch. die buchenwälder, die vor 3 wochen noch grau und vor allem am boden kupferfarben waren sind heute grün. am boden bedeckt frischer bärlauch die rötlichen blätter des letzten jahres, über dem grau der stämme treiben die buchen ihre hellgrünen blätter aus. es herrscht eine schöne, angenehme, ruhige, friedvolle atmosphäre, verstärkt durch das gefilterte tageslicht. ein paar grad wärmer und der tag wär hier perfekt. mist, ich hab vergessen die schokolade griffbereit zu packen. naja, heut abend gibts mal nudeln. ich fahr ja die sosse im tetrapack schon die ganze zeit spazieren.

    hey, wanderweg!


    die wewelsburg




    park unterhalb der burg


    könnt das nicht immer so sein?


    immer wieder steinbrüche


    windrad gegen wald? eindeutiger sieger!



    meine hoffnung auf eine gelegenheit eine tafel zu kaufen erfüllt sich nicht. die 2 oder 3 dörfer die der www hier streift sind zu klein, und tante emma ist ja auch schon viele jahre tot. zur grünen natur kommen noch ein paar steinbrüche am weg und noch ein grosser windpark. ich fahre durch den nasskalten tag, erfreue mich an jedem stück blauen himmel, und natürlich am elendslangen aufstieg zum rücken des eggegebirges. zum ersten mal bin ich so richtig froh, dass ich aufm rad sitze und nicht mit rucksack am buckel laufen muss. das ist zwar hier das schönste stück des www für mich, aber das ist nicht nur dem erwachenden grün geschuldet. auch die leichtigkeit des aufwandlosen gleitens in den vielen flachen stücken trägt ihren teil dazu bei. je später es wird desto dunkler werden die wolken am himmel. es fängt an zu regnen, meine erfahrung sagt mir, es sind noch 20 minuten bis zu einem guten platz. wasser bräuchte ich noch, der eine liter ist knapp, ich hab auch nix getrunken unter tags. letztendlich komme ich tatächlich nach 15 minuten zur knochen hütte, ich bin nass, aber nicht total durchnässt. ich parke das rad unter dem dach und stelle als erstes meine beiden töpfe in den regen. die böden sind gerade so bedeckt als ich einen der töpfe zum wasserkochen brauche. damit komm ich nicht weit. das kartoffelpürree ist schnell gegessen, auf tee verzichte ich, ein gelegentlicher schluck aus der flasche mit dem rest wasser muss reichen. es nieselt, aber richtig regnen tut es nicht.

    76+ km, tacho hatte aussetzer
    durchschnitt: 11,4+ km/h


    diesig


    freundlicher, aber kalt


    buchenwälder, wunderschön


    löwenzahn erinnert mich immer an die geburt meines sohnes


    immer wieder kleine steinbrüche am weg


    also schön sind sie wirklich nicht


    richtig bin ich!


    hase am weg


    gibts regen?



    3.5.19
    in der früh packte ich schnell zusammen, wie gestern nacht regnete es nicht, aber es war alles nass, die pfützen am weg gefüllt mit dreckig braunem wasser. als der www aus dem wald trat bog ich falsch ab. rechts anstatt links, ich bemerkte den fehler gleich, aber zurück wollte ich nicht und so fuhr ich erstmal zu dem einsam gelegenen hof und dann von dort aus zurück hoch zum www. so war der plan, aber es ging dann einfach zu verlockend in der falschen richtung bergab. unwiderstehlich, es zog mich abwärts und so landete ich nach schneller abfahrt am ortsrand von bad driburg. ich fand tatsächlich ein offenes kaffee, füllte meine wasserflaschen mit wasser auf und mich mit kaffee und kuchen. die bedienung wollte mir einreden, dass ich nicht weiterfahren kann. "der radio hat schnee gesagt". ach, sie hat vermutlich das radio gesagt. "was schon 3 tage unterwegs und draussen geschlafen... na dann?" mit verdrehten augen überliess sie mich dem atlas und meiner routenplanung. altenbeken wollte ich schon noch sehen. so entschied ich mich für ein stück bundesstrasse um zur bahnlinie zu kommen, der ich über die felder nach altenbeken folgen wollte. eine frau mit kind fragte mich wohin ich will und kannte altenbeken nicht, immerhin der nächste ort am weg. als die bahnlinie in den bergen verschwand ging es auch bei mir auf dem waldweg steil bergauf. bald traf ich auf die teerstrasse und folgte ihr aufwärts. es sind ja nur 150 höhenmeter, aber oben angelangt am pass hatte ich die schnauze voll. ich wollte ja noch zum auto zurück heute, weitere 80 km. ich beschloss nach kurzer pause, und dem lesen der infotafel für die historische telegrammlinie, den www hier für beendet zu erklären. die 2,7 km hinunter nach altenbeken nur um die gleiche strecke jojo-mässig wieder hochzufahren brauche ich heute nicht. ich fuhr nicht ab, sondern bog links ab auf den www in richtung süden. da ich wieder nach bad driburg musste wollte ich zurückfahren bis zur abfahrt von heute morgen und versuchen die höchstgeschwindigkeit von bisher 45,9 km/h zu erhöhen. 50,9km/h wurden es. nicht ganz end to end erklärte ich an der knochenhütte den www für beendet. das kleine 3 km stück zwischen weine und bühren werde ich gar nicht vermissen. das stück hinunter nach altenbeken soll einmal teilstück einer fahrt nach amsterdam werden.

    blick hinunter auf bad driburg


    hinter den bergen liegt altenbeken


    bach



    ich traf einen liegeradler der gerade aus holland zurückkam. wir unterhielten uns kurz, stellten fest, dass wir nur 500m von einander entfernt geschlafen hatten, und dann trennten sich unsere wege auch schon wieder. in bad driburg sah ich ihn nochmal als ich aus dem fenster des cafe´s in die fussgängerzone blickte. er parkte sein liegerad neben meinem und ich rechnete damit, dass er auf einen kaffee reinkomen würde, aber er ging nach nebenan in den rewe.

    hinter bad driburg folgte ich dem radweg nach höxter. in einem der dörfer passierte ich 2 riesige bierzelte mit pferdeboxen. das muss eine grössere party gewesen sein. überall lag stroh rum. sowohl radweg als auch strasse und zugtrasse folgten dem flüsschen vethe. so gegen mittag konnte ich mal kurz die sonnenbrille aufsetzen. ohne handschuhe ging es nicht, ohne muskelkater auch nicht mehr. seit ich gestern den sitz ganz nach vorne geschoben habe fahre ich entspannter. das gefühl ständig nach vorne wegzurutschen ist weg, sitzen tut noch weh ist aber schon deutlich angenehmer heute. solange ich die knie in bewegung halte flutschen die wie eine 1. aber 5 sekunden rollen lassen und ich muss supervorsichtig antreten, es fühlt sich wie an wie verrostet, wie grobkörniger sand im gelenk.

    pferdefete, mann lag da stoh rum!


    toplage, gehört leider dem energieversorger


    allgäu? die bergkette am horizont fehlt, sonst nix


    sehr freundlich


    noch ein baum der nicht sterben will


    noch ein ganzes stück vor höxter kann ich ein schild in boffzen sehen. da muss ich hin. 100m und ein fluss trennen mich vom schild, die nächste brücke ist in höxter. die ganze fahrt lang kann ich die strecke sehen die ich zurückradeln werde am anderen ufer der weser. wenn sommer wär könnte ich rüberschwimmen. bin ich froh dass nicht sommer ist... wo ist eigentlich das nächste warme cafe? welchen kuchen? na den, von dem die stücke am grössten sind natürlich. und abends gibts dann nudeln mit tomatensosse!

    brücken sind immer gut


    da muss ich hin


    ordentlich beschildert



    in höxter liegt nichts an der strecke, aber in boffzen werde ich fündig. im cafe mit lauter unterschiedlichen stühlen bekomme ich einen frisch gebrühten filterkaffee. ich frage ob es einen weg neben der bundesstrasse gibt nach neuhaus. die antwort ist verwirrend. ja, gibt es aber da war sein motorrad kaputt. ???

    "äh, ja, da konnte ich nicht weiterfahren und deshalb weiss ich nicht ob der weg weitergeht". er erklärt mir den weg, 3x, die internetsuche gibt auch keine eindeutige auskunft. 2 frauen die am nebentisch sitzen mischen sich ein. nicht links, sondern rechts, und dann immer gerade aus. also in kurven durchs industriegebiet, aber nicht abbiegen. an der kreuzung kann ich dann die himmelsleiter sehen. da kann ich hoch, fast ohne verkehr und komme weiter oben dann auf die teerstrasse. es geht auch ohne teerstrasse, aber das wird kompliziert. ich entscheide mich für die himmelsleiter als die tasse leer ist. mit steifen knien eiere ich zum rad steige mit einem spagat über die stange auf. im industriegebiet kommt mir ein mann entgegen. älteres baujahr, rüstig, eher noch sportlich wie rüstig. ich frage ihn ob er von hier ist und die himmelsleiter kennt.

    sein blick wandert von oben nach unten an mir, er grinst breit als er mir wieder in die augen blickt. ja, die himmelsleiter grins, immer gerade aus und an der kreuzung kann ichs sehen. er grinst noch breiter als er sagt: "da bist du genau richtig! wo willst du hin?" und als er mein ziel erfährt meint er nur trocken. "da gehts aber noch höher raus wie die himmelsleiter. aber das kriegst du schon hin". ich bedanke mich einem "hilft ja nix", komme nach einigen kurven an die kreuzung und sehe die himmelsleiter.


    NEIN! es geht nicht bergab im vordergrund!


    die freude währt nur kurz


    ich sehe auch das "noch höher raus". der chuck norris in mir erwacht, wenn ichs bis zum ortsschild schaffe ohne abzusteigen gibts heut abend nudeln mit tomatentetrapack als belohnung. nach überqueren der hauptstrasse begann der solling. anfangs sanft wurde die himmelsleiter immer steiler bis sie letztendlich die letzten 2 kilometer gleichbleibend steil bergan zog. ich verdiente mir einen nachschlag beim abendessen, ich kam ein gutes stück über das ostsschild hinaus bevor ich abstieg. allerdings nahm ich auch sofort eine pause auf einer der bänke am weg.

    mit dicken oberschenkeln versuchte ich die knie zu strecken. nach 3x abendessen ändern und ebensovielen verschnaufpausen war ich schliesslich oben. ich machte ein siegerfoto und sah auf die wegweiser im sicheren glauben dass ich waagerecht aus dem hang queren kann. ich hatte das "noch höher" vergessen... es ging geradewegs weiter nach oben, allerdings auf schotter und unter bäumen. der "noch höher punkt" am ende der himmelsleiter lag ungefähr auf einem drittel der strecke.

    noch höher....


    steine mit namen




    es folgte der abschnitt auf schotter, und hernach noch ein letztes drittel auf der teerstrasse. die war allerdings sehr wenig befahren, zumindest bis die gruppe motorradfahrer kam. kurz nach ihnen erreichte ich silberborn. noch vor ihnen war ich im cafe. leider war alles reserviert, ich bekam keinen kaffee. während die biker ins cafe strömten sattelte ich auf und fuhr weiter himmelan. bis torfhaus ging es noch bergauf, danach konnte ich auf schotter, den hölzernen wegweisern folgend, durch den wald nach abbecke und weiter nach sievershausen fahren. an einer windstillen stelle ass ich meine letzte halbe tafel schokolade, lange pause wurde es keine. es war gerade so auszuhalten und anziehen wollte ich nichts.

    als es zum schluss noch über die felder ging bekam ich nochmal eine nase voll gestank ab. es wurde wieder üppig gedüngt. das versprach regen. bisher war ich ja gut davon gekommen. jetzt am pfadfinderplatz mit dem zelt stationär war alles ok. auch die 3 cm hagel die am nächsten tag fielen störten nicht weiter. abends gab es dann übrigens nudeln mit tomatensosse. und einen nachschlag als belohnung: die restlichen 250 g aus der angerissenen tüte!

    99,2 km
    durchschnitt: 13,8 km/h

    oh oh, geheime murmeltierkolonie? nix wie weg....


    irgendwann muss ich doch mal oben sein! .... oder?


    es wird flach und der blick ( auf die regenwolken) öffnet sich


    bissl grösser gings noch... mehr stinken geht nicht.
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  3. Erfahren

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    AW: [DE] 1x den seniorenteller, bitte! radtour im solling und eggegebirge.

    #3
    ... sehr schön- Der gekämmte Wald gefällt mir besonders gut. Danke für`s mitnehmen...
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  4. Fuchs
    Avatar von blauloke
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    AW: [DE] 1x den seniorenteller, bitte! radtour im solling und eggegebirge.

    #4
    Danke für den Bericht, da ich an einer Deutschlandfahrt plane kommt dein Bericht gerade richtig. Die Diemel werde ich jetzt nachdem ich deine Bilder gesehen habe in meine Strecke mit aufnehmen.
    Den Regen kann ich dir nach fühlen. Ich war zur selben Zeit mit dem Fahrrad in Tschechien unterwegs und habe auch viel kalten Regen gehabt.
    https://www.outdoorseiten.net/forum/...-in-Tschechien
    Du kannst reisen so weit du willst, dich selber nimmst du immer mit.

  5. Vorstand
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    Avatar von lina
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    AW: [DE] 1x den seniorenteller, bitte! radtour im solling und eggegebirge.

    #5
    wunderschönesDiemeltal ist ein Wort, wie guteButter

    Danke ebenfalls für’s Mitnehmen Jetzt muss ich mal nachschauen, wo Du entlang gefahren bist – ich kenne die Gegend ja hauptsächlich zu Fuß :-) Schreibst Du noch weiter? Es klingt als käme noch mindestens eine Etappe *freu*

  6. Dauerbesucher
    Avatar von danobaja
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    AW: [DE] 1x den seniorenteller, bitte! radtour im solling und eggegebirge.

    #6
    euch auch ein danke!

    ja, nicht nur das diemeltal hat mir gut gefallen. der solling und das eggegebirge waren auch sehr schön. -mit dem rad.

    mich nerven zum laufen die schotterpisten und vor allem die teerwege. das kenn ich halt so nicht aus den alpen. da ist halt die schotterpiste mal der anmarsch und danach gibts pfad. ich hatte das gleiche problem mit dem könig ludwig weg (99,5% schotter und teer) und der lechhöhenweg ( 90%) ist nicht viel besser. zu fuss hats mich angekotzt, aber mitm rad wars schön.

    nein, lina, da kommt nix mehr. bin am startpunkt angelangt kurz nach dem stinkenden traktor. aber die nächste tour dortmund-amsterdam ist in vorbereitung.
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