Ergebnis 1 bis 12 von 12
  1. Dauerbesucher

    Dabei seit
    26.12.2006
    Beiträge
    852

    Pickellänge - eine theoretische Frage

    #1
    Hallo Zusammen,

    als Vorbereitung zu meinem Eiskurs ackere ich grad ein Lehrbuch (Alpin Lehrplan Eisklettern und Hochtouren) durch und schaue mir diverse Videos zum Thema an, und dabei kam ich auf die Frage der Pickellänge.

    Ich selbst bin 1,84m groß und mein Pickel hat mit 59cm mittlere Größe, reicht mir bis zum Stiefelansatz.

    Als ich hier im Forum mal rumgefragt hatte, wurden mir damals gar sehr kurze Pickel empfohlen fürs gelegendliche Schneefeld (Becks z.B. erwähnte die Petzl Gully).

    Das ist ja ne arge Glaubensfrage.

    Nun stellt sich mir im Kopf die Überlegung der Nachteile diverser sehr kurzer Pickel bzw eines langen Pickels:
    - zu Lang: nerft bei Steigungen, sonst fallen mir keine Nachteile ein.
    - zu kurz: Verletzungsgefahr beim Bremsen (Dorn/Ende im Bereich des Bauches); nicht genügend Hebel beim Bremsen, evtl. zu Kurz für viele Wege, für T-Anker zu wenig Haltekraft?


    Stellt sich das wirklich so krass dar? Ich hab bisher lediglich bissel am Rodelberg gespielt mitm Pickel (Bremsen), und da auch nur mit dem einen.

    Ist ein zu kurzer Pickel tatsächlich ein Risiko beim Bremsen und Vergraben? Wie viel machen da die 15-20cm Länge im T-Anker aus?

    Ich hatte auch mal in nem Bergsportgeschäft mich beraten lassen und dann auch dort gekauft, O-Ton des Verkäufers: "lieber kürzer kaufen, selbst wenn du 3m groß wärst würd ich dir nen 60er Pickel empfehlen".

    Was sagt ihr?

    Grüße
    Micha
    EVER TRIED. EVER FAILED. NO MATTER. TRY AGAIN. FAIL AGAIN. FAIL BETTER.

  2. Freak Moderator
    Liebt das Forum
    Avatar von Flachlandtiroler
    Dabei seit
    14.03.2003
    Ort
    Duisburg
    Beiträge
    18.967

    AW: Pickellänge - eine theoretische Frage

    #2
    Zitat Zitat von Shuya Beitrag anzeigen
    Nun stellt sich mir im Kopf die Überlegung der Nachteile diverser sehr kurzer Pickel bzw eines langen Pickels:
    - zu Lang: nerft bei Steigungen, sonst fallen mir keine Nachteile ein.
    - zu kurz: Verletzungsgefahr beim Bremsen (Dorn/Ende im Bereich des Bauches); nicht genügend Hebel beim Bremsen, evtl. zu Kurz für viele Wege, für T-Anker zu wenig Haltekraft?

    Ist ein zu kurzer Pickel tatsächlich ein Risiko beim Bremsen und Vergraben? Wie viel machen da die 15-20cm Länge im T-Anker aus?

    Ich hatte auch mal in nem Bergsportgeschäft mich beraten lassen und dann auch dort gekauft, O-Ton des Verkäufers: "lieber kürzer kaufen, selbst wenn du 3m groß wärst würd ich dir nen 60er Pickel empfehlen".
    ACK.
    Ich würde mich auch mit einem kurzen Eisgerät als T-Anker wohlfühlen (bekanntlich hält ja sogar eine PET-Flasche einiges...).
    Beim Bremsen kannst Du Dir immer ein scharfes Teil irgendwo hinrammen, das ist dann aber das kleinste Problem vs. Absturz.
    Langpickel sind in kombiniertem Gelände (ich gehe davonaus Du willst auch Fels) ein Horror, egal ob auf oder hinter dem Rucksack verstaut.
    Meine Reisen (Karte)

  3. Moderator
    Liebt das Forum
    Avatar von Vegareve
    Dabei seit
    19.08.2009
    Ort
    700 ü. M.
    Beiträge
    11.932

    AW: Pickellänge - eine theoretische Frage

    #3
    Zitat Zitat von Shuya Beitrag anzeigen
    Ist ein zu kurzer Pickel tatsächlich ein Risiko beim Bremsen und Vergraben?
    Nicht, dass ich was gemerkt hätte. Hatte nie einen langen, klassischen Stützpickel*. Gut, ich bin auch klein, aber auf dem flachen Gletscher laufe ich sowieso mit Stöcken und auf steilen Passagen oder gar im Eis sind halbwegs gebogene Eisgeräte sowieso das Beste. Bremsen musste ich damit auch, da spielt die Länge echt keine Rolle, in meinen Augen.

    Wenn Du auch mal anspruchsvollere Routen machen möchtest, kannst Du mit so was nichts falsche machen, denke ich.

    (auch wenn der eine oder andere Kursleiter da schon die Nase rumpft, schliesslich ist man früher mit 80 cm Steckpickel rumgelaufen ).

    *es geht nicht nur um Länge, sondern auch um Form. Gerade Pickel sind als Steckpickel vielleicht gut, aber, siehe oben, mal ein paar Meter Blankeis, steile Querungen, da ist man mit einem Eisgerät besser bedient.
    Geändert von Vegareve (01.07.2019 um 15:47 Uhr)
    "Niemand hört den Ruf des Meeres oder der Berge, nur derjenige, der dem Meer oder den Bergen wesensverwandt ist" (O. Chambers)

  4. Gerne im Forum
    Avatar von Toni6642
    Dabei seit
    01.09.2012
    Beiträge
    72

    AW: Pickellänge - eine theoretische Frage

    #4
    Zitat Zitat von Flachlandtiroler Beitrag anzeigen
    ACK.
    Ich würde mich auch mit einem kurzen Eisgerät als T-Anker wohlfühlen (bekanntlich hält ja sogar eine PET-Flasche einiges...).
    Beim Bremsen kannst Du Dir immer ein scharfes Teil irgendwo hinrammen, das ist dann aber das kleinste Problem vs. Absturz.
    Langpickel sind in kombiniertem Gelände (ich gehe davonaus Du willst auch Fels) ein Horror, egal ob auf oder hinter dem Rucksack verstaut.
    +1

    Und +1 auch für den Verkäufer

  5. Erfahren

    Dabei seit
    30.08.2014
    Ort
    Buchs
    Beiträge
    173

    AW: Pickellänge - eine theoretische Frage

    #5
    Einen zu kurzen finde ich aber auch mühsam: Wenn du mal einen etwas längeren ausgesetzten Grat gehen musst, musst Du Dich immer bücken.
    Beispielsweise hatte ich mir als Skiourenpickel einen Camp Corsa Nanotech in 50 cm gekauft (bin 1.74m gross). Der war mir dann aber manchmal zu kurz. Da ich den auf einer Hütte mal vergessen hatte, hatte ich mir dann später wieder das gleiche Modell gekauft, allerdings in 60cm.
    Eine Empfehlung die ich mal gelesen hatte ist, dass das Ende vom Pickel bis zum Fussknöchel reicht wenn man ihn in der Hand hält. Je nach Einsatz und Vorliebe kann das varieren.
    Ansonsten gefällt mir als Allround-Pickel den da ganz gut (habe den Ende Mai von einem Kollegen ausgelehnt und im Jungfraugebiet auf Skitouren verwendet):
    https://www.petzl.com/CH/de/Sport/Eispickel---Eisgerate/SUM-TEC

  6. Erfahren

    Dabei seit
    20.01.2015
    Ort
    Südlich des Nordpols
    Beiträge
    360

    AW: Pickellänge - eine theoretische Frage

    #6
    Das deckt sich auch mit meinen Erfahrungen.

    Letzten Winter war ich in Schottland auf einigen Munros unterwegs und benutzte dabei einen geliehenen Eispickel mit 55 cm Länge (bei 1,91 m Körpergröße). Die doch sehr gebückte Körperhaltung und damit verbunden das Gefühl beim Blick nach vorne fast schon in den Helm hineinzuschauen haben mich veranlasst, mir anschließend einen Eispickel mit 65 cm zu kaufen.

    Bestimmt nichts zum Eisklettern, aber das habe ich eh nicht damit vor.

  7. Freak Moderator
    Liebt das Forum
    Avatar von Flachlandtiroler
    Dabei seit
    14.03.2003
    Ort
    Duisburg
    Beiträge
    18.967

    AW: Pickellänge - eine theoretische Frage

    #7
    Auf dem Grat mit Absturzgelände willst Du zwar einen Pickel oder ein Eisgerät haben, um im Fall des Falles bremsen zu können. Der braucht aber doch beim normalen Steigen keinen Bodenkontakt.

    Für die Balance und Stütze gehört wenn in die andere Hand ein Trekkingstock:



    (Foto gerade vom Freitag )
    Meine Reisen (Karte)

  8. Dauerbesucher
    Avatar von danobaja
    Dabei seit
    27.02.2016
    Ort
    nähe saalfeld
    Beiträge
    827

    AW: Pickellänge - eine theoretische Frage

    #8
    ich seh das grösste problem beim kurzen pickel/axt dass die spitze sehr agressiv auf biss angeschliffen ist und man wirklich sehr dosiert angfangen muss zu bremsen weil sich das teil sonst einbeisst und versucht ohne bremsweg zu stoppen. das kann ganz schön weh tun, ohne schlaufe besteht gefahr dass die axt aus der hand gerissen wird, mit schlaufe ist halt das verletzungrisiko höher.

    so ein langer gletscherspazierstockpickel ist i.d.r. weniger agressiv was das bremsen angeht und man kann sich von anfang an voll drauf legen um zu bremsen.

    ansonsten nehm ich nur die stöcke bis es zu steil wird und dann wär mir auch ein langer pickel immer im weg, bzw muss er immer sehr hoch hangseitig aus dem schnee gehoben werden, teilweise mit dem arm über kopf. sehr anstrengend das ganze. fürn gletscherhatscher sind bei mir ausschliesslich die stöcke im einsatz. für balanceprobleme ist auch ein langer pickel nicht lang genug finde ich.

    mein 50 cm eisgerät von lucky ist meine erste wahl. der 65er pickel von salewa ist nur als 2.gerät für begleitung die keinen eigenen hat im eisatz. und er hängt als notfallabschreckung neben der haustür falls mal jemand kommt und hartnäckigst "jehova" oder "sie müssen das kaufen!" sagt.
    danobaja
    __________________
    resist much, obey little!

  9. Moderator
    Liebt das Forum
    Avatar von Vegareve
    Dabei seit
    19.08.2009
    Ort
    700 ü. M.
    Beiträge
    11.932

    AW: Pickellänge - eine theoretische Frage

    #9
    Zitat Zitat von danobaja Beitrag anzeigen
    ich seh das grösste problem beim kurzen pickel/axt dass die spitze sehr agressiv auf biss angeschliffen ist und man wirklich sehr dosiert angfangen muss zu bremsen weil sich das teil sonst einbeisst und versucht ohne bremsweg zu stoppen.
    Ich glaube, der Bremsweg kommt ziemlich von alleine. Bis man sich mit dem Rucksack auf den Bauch dreht und dann auch noch richtig den Pickel einrammt, kann es viele Meter dauern (selber ausprobiert). Dann ist man froh, wenn man doch irgendwie liegen bleibt.
    "Niemand hört den Ruf des Meeres oder der Berge, nur derjenige, der dem Meer oder den Bergen wesensverwandt ist" (O. Chambers)

  10. Dauerbesucher
    Avatar von macroshooter
    Dabei seit
    17.07.2012
    Ort
    Weimar
    Beiträge
    744

    AW: Pickellänge - eine theoretische Frage

    #10
    Ich glaube, dass es ziemlich egal ist, wie scharf die Haue ist. Ist der Schnee weich, sowieso.
    Eher ein Problem ist die Geometrie des Geräts. Auf hartem Untergrund (Firn) dürfte ein gerader Pickel besser geeignet sein als ein Eisgerät mit engerem Winkel zwischen Haue und Schaft. Beim Eisgerät wird der Dorn am Schaftende mitbremsen wollen.

  11. Dauerbesucher
    Avatar von danobaja
    Dabei seit
    27.02.2016
    Ort
    nähe saalfeld
    Beiträge
    827

    AW: Pickellänge - eine theoretische Frage

    #11
    Zitat Zitat von Vegareve Beitrag anzeigen
    Ich glaube, der Bremsweg kommt ziemlich von alleine. Bis man sich mit dem Rucksack auf den Bauch dreht und dann auch noch richtig den Pickel einrammt, kann es viele Meter dauern (selber ausprobiert). Dann ist man froh, wenn man doch irgendwie liegen bleibt.
    ich glaube ich denke steiler wie du. bis du in position bist hast du schon gut fahrt aufgenommen und wenn dann die axt sich festbeisst ...aua mit schlaufe oder axt weg ohne. mit dem langen pickel ist die gefahr viel geringer.

    die geometrie macht wie maccroshooter schreibt natürlich auch was aus. der winkel der frontschneide ebenso wie die neigung der haue. ein stumpfer winkel vorne an der spitze verbeisst sich nicht, bremst aber trotzdem. wenn aber da vorne ein spitzer winkel angeschliffen ist frisst sich das teil rein (solls ja im steileis auch). und ne steile haue verstärkt das. beim wanderpickel ist die haue ja fast rechtwinkelig angesetzt.

    ich bremse lieber mit der axt supervorsichtig als mich mit dem ganzen gewicht auf den pickel zu legen.
    danobaja
    __________________
    resist much, obey little!

  12. Moderator
    Liebt das Forum
    Avatar von Vegareve
    Dabei seit
    19.08.2009
    Ort
    700 ü. M.
    Beiträge
    11.932

    AW: Pickellänge - eine theoretische Frage

    #12
    Wir reden ja von weichem Schnee und Firn. Auf Blankeis hat er sowieso keine Chance.
    "Niemand hört den Ruf des Meeres oder der Berge, nur derjenige, der dem Meer oder den Bergen wesensverwandt ist" (O. Chambers)

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)