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    [US] 2018 – 522,5 km auf dem Pacific Crest Trail und John Muir Trail

    #1
    Mitreisende: blackteah
    Reiseziel: Sierra Nevada, Kalifornien, USA
    Reisedauer: 27 Tage Trekking (danach noch ca. 1 Woche an der Küste)
    Reisezeitraum: Mitte Juni bis Mitte Juli


    Dies ist der zweite Teil meiner 9-wöchigen Reise durch den Westen der USA. Den ersten Teil findet ihr hier: klick


    Prolog

    27 Tage voller Abenteuer, Genuss, Qualen, fantastischer Momente und einfach nur Durchhalten. 522 Kilometer in wilder, fantastischer und beeindruckender Natur mit wunderbaren Menschn. Ich träume mich immer noch oft dorthin und vermisse das Trailleben.


    Cowboy Campen am Evolution Lake

    Die Weitwanderwege in den USA sind mir schon länger ein Begriff, und als ich die USA als Reiseziel auserkoren hatte, kam der Pacific Crest Trail schnell in die nähere Auswahl. Er führt von Mexiko nach Kanada immer durch die Coast Mountain Range, daher auch der Name „Crest“, also „Kamm“ Trail. Als ich aber erfuhr, dass es darüber sogar einen Hollywood-Film gab und der Trail dementsprechend beliebt war, wuchsen meine Zweifel. Ich wollte nicht in einer Horde anderer Menschen wie in den Alpen wandern.

    Doch je mehr ich mich mit dem Thema befasste (und zwischendurch auch von der Existenz des John Muir Trails erfuhr), desto mehr fühlte ich mich bestätigt: Der PCT klang so schön, wild und interessant, außerdem verteilen sich auf 4000 Kilometer die Menschen doch recht gut… Die Wahl fiel also dann recht schnell auf das kalifornische Teilstück in der Sierra Nevada. Das „Herzstück“ des PCT. Ich wurde nicht enttäuscht.

    Plant ihr selbst eine Wanderung auf dem John Muir Trial, könnt ihr euch meinen Beitrag mit Tipps zur Planung auf meinem Blog durchlesen: Survival-Kit für den John Muir Trail

    Meine komplette Ausrüstung findet ihr hier

    Die Sierra Nevada und der PCT / JMT

    Pacific Crest / John Muir Trail verlaufen durch das Hochgebirge der Sierra Nevada, die Pässe liegen oft über 3000m, der höchste (Forester Pass) sogar über 4000. Der Trail ist sehr gut ausgebaut und nicht zu vergleichen mit den schmalen, oft absturzgefährdeten Pfaden in den Alpen. Er ist problemlos auch mit einem schweren Rucksack zu bewältigen, gleichzeitig fördert das angenehme Gehen auch sehr weite Tagesetappen – sogenannte Thru-Hiker, also Leute die den PCT in seiner vollen Länge gehen, schaffen 30-40 km am Tag. Ich bin natürlich nicht ganz so viel an einem Tag gewandert

    Auf dem Pacific Trail gibt es zwischen Kennedy Meadows und Agnew Meadows (ca. 320km) keine Straßen – man befindet sich in ursprünglicher Natur ohne Spuren menschlicher Behausung, nicht einmal Forstwege sind hier angelegt. Als Europäer ist es beinahe unvorstellbar, dass auf einer so großen Fläche nie Straßen oder breitere Wege angelegt wurden. Es wäre wie eine Alpenüberquerung von Garmisch-Partenkirchen nach Verona, auf der man keiner einzigen Straße oder gar Siedlung begegnet, keiner Berghütte, keinem Auto.


    Auf dem Silver Pass

    Die Natur ist abwechslungsreich und beeindruckend. Bei meinem Start am Walker Pass wanderte ich tagelang durch Wüstenberge, die Quellen waren teilweise über 20km weit auseinander. Genaue Wasser- und Etappenplanung war angesagt. Später, im Hochgebirge, wechselten sich dichte Talwälder mit kargen Passregionen ab, Wasser gab es in Hülle und Fülle. In schneereichen Jahren kommen hier schwierige Furten durch Schmelzwasserflüsse als Schwierigkeit ins Spiel, doch bei mir waren die Flüsse alle zahm und einfach zu queren.

    Auf dem gesamten John Muir Trail ist das Tragen eines Bear Canisters, also einem bärensicherem Behälter der alles Essbare enthält, Pflicht. Nicht nur zum Schutz der Menschen: Bären, die gelernt haben dass es beim Menschen Futter gibt, werden abgeschossen.

    Die Menschen sind allesamt super nett und offen und stellen eine absolute Bereicherung des Traillebens dar. Es ist etwas völlig anderes, als bei uns in den Alpen und ich kannte so ein Gemeinschaftsgefühl mit fremden Menschen bis dato überhaupt nicht.

    Für eine Wanderung auf dem JMT, dem PCT oder einem der Nationalparks, durch die die Wege verlaufen, braucht man ein Permit – also eine Erlaubnis, dort übernachten zu dürfen. Diese Permits sind teilweise sehr begehrt und es ist zuweilen schwierig welche zu bekommen. Hier hilft es, entweder "asymetrisch" zu wandern oder zu nicht so beliebten Zeiten sein Glück zu versuchen.
    Die Permits und das Tragen der Bear Canister werden kontrolliert (ich wurde zweimal kontrolliert) und für Verstoße gibt es sehr hohe Geldstrafen.

    Falls ihr mehr über den Pacific Crest Trail / John Muir Trail und das Wandern in der Sierra Nevada erfahren wollt, könnt ihr das im Übersichtsbeitrag zum PCT auf meinem Blog tun: einbisschensonne.de


    Meine Route:



    Teil 1: Walker Pass (inkl. Fahrt von Las Vegas) – Kennedy Meadows
    3 Tage: 80 km, 2500 m hoch, 2300 m runter
    Hier läuft man noch durch die Wüste, Quellen sind teilweise 20 km auseinander und man muss die Tagesetappen gut planen, damit man nicht plötzlich ohne Wasser da steht. Die Landschaft ist allerdings ein Traum.

    -> Den Tourbericht findet ihr im Beitrag #2

    Teil 2: Kennedy Meadows – Kearsarge Pass nach Bishop
    8 Tage: 180 km, 6700 m hoch, 5700 m runter
    (davon ein Tag Besteigung des Mount Whitney mit 30 km und 1400 Höhenmetern)
    Ab Kennedy Meadows geht es langsam ins Hochgebirge. Betonung liegt klar auf langsam, die ersten Tage nach Kennedy Meadows haben mich stark an den bayerischen Wald erinnert. Sanfte Hügel, viel Wald, wenig weite Sicht. Erst ab dem Mount Whitney, dem höchsten Punkt auf dem PCT (und der „Lower 48“), gelangt man wirklich in die hohen Berge, sprich wenig Vegetation, hohe Pässe, Schnee… Der Forester Pass ist nicht nur der höchste Pass, hat man ihn überquert ändert sich auch schlagartig die Landschaft und die Vegetation.

    -> Den Tourbericht findet ihr im Beitrag #3

    Teil 3: Kearsarge Pass – Vermillion Valley
    8 Tage: 160 km, 5500 m hoch, 5900 m runter
    Mein persönliches Highlight. Auf diesem Abschnitt befindet man sich wirklich in der High Sierra. Wunderschöne Hochgebirgspässe wechseln sich ab mit langen Passagen durch die bewaldeten Täler, überall gluckert Wasser, die Sicht schweift meist weit in die Landschaft.

    -> Den Tourbericht findet ihr im Beitrag #4

    Teil 4: Vermillion Valley – Toulumne Meadows

    6 Tage: 103 km, 3100 m hoch, 2100 m runter
    Langsam lässt man das Hochgebirge hinter sich, die Anstiege werden weniger Steil, auf den Pässen überleben Pflanzen. Die Mücken werden immer mehr. Beinahe hätte ich den Abschnitt von Mammoth Lakes nach Toulumne Meadows ausgelassen, weil ich dachte, es wird langweilig. Ein großer Irrtum! Hier warten nochmal einige wunderschöne Passagen mit großartigen Aussichten und tollen Seen. Generell wird die Landschaft aber durchaus sanfter.

    -> Den Tourbericht findet ihr im Beitrag #5

    Die Route auf Google Maps: klick

    Highway No. 1 und San Francisco

    Nach dem PCT war ich noch ca. eine Woche auf dem Hwy No1 mit dem Auto unterwegs und war ein paar Tage im schönen und kalten San Francisco. Darauf werde ich in diesem Reiebericht nur ganz kurz eingehen, ich möchte es aber nicht ganz auslassen, da es der Abschluss meiner 9-wöchigen Reise durch die USA war.

    -> Den Bericht findet ihr im Beitrag #6


    Ungeduldige können sich den Reisebericht bereits kopmplett auf meinem Blog ansehen: einbisschensonne.de
    Geändert von blackteah (24.07.2019 um 22:23 Uhr)

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    #2
    PACIFIC CREST TRAIL TEIL 1: WALKER PASS BIS KENNEDY MEADOWS



    --> Meine Route auf Google Maps


    Aufgeregt, gespannt, vorfreudig: durch meinen Körper summen gerade viele Gefühle. Es ist der 12.06.2019, Tag 29 meiner USA Reise, Tag 0 meiner Wanderung auf dem PCT. Es ist alles bereit: Meine „normalen“ Klamotten und sonstiger Schnickschnack ist in einem Paket auf dem Weg nach Hause, ich habe meine unbequeme Trekkinghose gegen eine bequeme Leggins eingetauscht, mein Rucksack steht fertig gepackt mit Essen für fünf Tage in der Zimmerecke, das Taxi ist für morgen um 6 Uhr bestellt. Ich drehe noch eine letzte Runde durchs Zimmer, ziehe nochmal die Rucksackgurte fest und falle totmüde ins Bett.


    13. Juni 2018 – Start am Walker Pass

    PCT Tag 1, Reisetag 30

    Greyhound Busse haben in den USA einen recht schlecht Ruf – zu unrecht, wie ich finde. Mein Uber Taxi fährt mich zum Busbahnhof und ich bin sehr überrascht, wie ordentlich und strukturiert hier alles abläuft. Es erinnert mich mehr an die Bahn als an Fernbusse, es gibt elektronische Anzeigen mit den Abfahrten. Alle Leute warten in einer großen Wartehalle – zugegeben, es sieht schon ein bisschen aus wie eine Sammelstelle für lauter verrückte (oder interessante) Leute. Die Busse werden ausgerufen und alle Fahrgäste stellen sich in einer Schlange auf, die Tickets werden kontrolliert und dann darf man erst einsteigen. Familien werden nach ganz vorne gerufen, damit sie zusammen sitzen können.

    Die Fahrt ist recht gemütlich und in Bakersfield fahre ich nach 30 minütiger Wartezeit weiter nach Lake Isabell. Dort steigt noch ein Rucksackträger mit mir aus und er frägt mich gleich, ob ich auch zum PCT will. Justin hat 8 Wochen Zeit und möchte die Sierras und NorCal (Nordcalifornien) wandern. Während wir zwei Stunden auf den nächsten Bus warten, kommen wir im Subway ins Gespräch und lernen auch noch einen anderen PCT Hiker kennen, Penguin Pants (er trägt eine Schlafanzughose mit Pinguindruck). Ich bin froh, so schnell „Anschluss“ zu finden und nicht allein rumsitzen zu müssen.

    Auf der anschließenden Fahrt in dem sehr kleinen Bus zum Walker Pass unterhalten sich typisch Amerika alle Insassen miteinander und die Zeit vergeht im Flug. Vor mir liegen nun 80 Kilometer bis zur nächsten Einkaufsmöglichkeit und 20 km bis zur nächsten Quelle. Ich starte also mit 7 Litern Wasser und Essen für fünf Tage.


    Vor dem Start das obligatorische Starter-Foto…

    Es ist mittlerweile zum Glück recht angenehm warm und nicht mehr wie mittags brüllend heiß. Justin und ich beschließen, eine Weile miteinander zu wandern. Er redet viel und legt ein ganz schönes Tempo vor, ich bin vollauf damit beschäftigt nicht abzufallen und gleichzeitig genügend Luft zu bekommen. Man könnte meinen, ich saß die letzten Wochen nur auf der Couch rum… Aber immerhin schleppe ich hier gerade 7 Liter Wasser den Berg hoch, was durchaus anstrengend ist.


    „How old are you?“ – „28. And you?“ – „29. Oh, we both look young for our age! That’s awesome!“
    Justin ist sehr bescheiden…


    Die Landschaft ist wunderschön. Endlich habe ich wieder Berge um mich! Wie habe ich sie vermisst. Das Licht ist zauberhaft und ich bin so froh, hier zu sein. Die Wüste ist anders als in Utah, es wachsen ganz andere Pflanzen und die Bäume stehen weit auseinander. Auch das Licht erscheint mir viel weicher.


    Wandern wie im Bilderbuch


    Langsam geht die Sonne unter


    Ein Weg aus goldenen Funken

    Nach dem ersten Anstieg läuft es sich auch merklich leichter und wir wandern noch 5 Meilen (ca. 8 km) bis zu einem auf der Karte als geeigneten Campground markierten Platz (hinter Morris Peak). Es dämmert mittlerweile und ich erkenne im Schummerlicht Schlafsäcke und Zelte: Hier liegen schon ca. 8 Leute verstreut herum. Ich baue schnell mein kleines Zelt auf und helfe danach, Justins Zelt aufzubauen. Er hat es neu, erst ein Mal aufgebaut und ist etwas überfordert… Schließlich liege ich endlich in meinem Schlafsack, freudig, glücklich und gespannt, wie es morgen wird.

    • Campground: KM 1057, 1983m
    • Unterwegs: ca. 6pm – 8:30 pm, ca. 8 km, ca. 370 hm bergauf



    14. Juni 2018 – Desert Hike

    PCT Tag 2, Reisetag 31

    Ich wache um 7am erschrocken auf und fühle mich mal wieder von meinem Wecker verarscht: Er schaltet sich nach einer Minute klingeln von selbst aus. Mein Schlaf muss wirklich ziemlich tief gewesen sein, aber andererseits auch kein Wunder, war ich von den letzten Tagen doch ziemlich geschafft. Justin schläft noch, alle anderen sind schon weg. Da merkt man eben die unerfahrenen Section-Hiker…

    Als ich um 8 Uhr dann endlich aufbreche, geht es größtenteils bergab und daher auch gut voran. Man läuft immer am Bergrücken entlang, der Weg windet sich von einer Bergflanke zur nächsten und die Landschaft ist schön. So macht das laufen Spaß, auch wenn das Licht hart wird und die Sonne immer höher steigt. Es wird heißer und heißer, meine Schultern beginnen zu schmerzen und ich sehne die Quelle herbei.

    Nach über drei Stunden erreiche ich Joshua Tree Spring, hier begegnen mir heute auch das erste Mal andere Wanderer. Die Quelle ist ein sehr kleiner, kaum noch fließender Bach.


    Die Abzweigung zur Quelle

    Ich fülle mein Wasser auf, koche Mitagessen und während ich esse kommt zuerst Penguin Pants und dann Justin. Ich lege mich hin und schlafe ein bisschen. Es ist eine seltsame, aber positive Stimmung. Es liegen viele Wanderer im Schatten herum, aber es wird nicht miteinander geredet, die meisten essen oder schlafen. Ich denke an meine Wanderung durch den Zion Nationalpark und wie viel wohler ich mich hier fühle, allein durch die Tatsache, dass andere Menschen um mich herum sind.

    Um 3pm breche ich mit wenig Wasser im Gepäck wieder auf. Es geht nun eher bergauf und ich merke schnell, dass es eigentlich noch viel zu heiß ist, es ist furchtbar anstrengend. Die schöne Landschaft entschädigt für die Strapazen, aber ich beschließe, morgen noch länger zu pausieren.


    Ich hatte irgendwie nicht erwartet, dass die ersten Tage auf dem PCT so wüstenartig sein werden, ich hatte mir eher „normale“ Berge vorgestellt. Umso mehr bin ich davon begeistert.

    Trotzdem komme ich ganz gut voran und schaffe es in 2,5 Stunden bis zur nächsten Quelle. Auch Justin ist schon hier, es ist wirklich lustig, wie sich alle immer an den Quellen versammeln. Außerdem lerne ich Ray Now aus der Schweiz und Turbo aus Los Angeles kennen. Letzterer ist heute am Walker Pass gestartet und bleibt für die Nacht hier.

    „Are you a Section Hiker?“ – „Yes, how did you know?“ – „Your cap is too clean for a thruhiker“

    (Ich war ja der Meinung, dass mein Cap nach 4 Wochen wandern in Utah und Arizona schon ziemlich staubbedeckt und ramponiert aussah, aber als ich die PCT Hiker aufmerksamer beobachtete, wurde mir sehr schnell klar, was Turbo meinte… )

    Ich mache mit Ray Now, Thor und ChilliMac an der schönen Quelle mit dem vielen Schatten nochmal ausgiebig Pause. Die drei erzählen begeistert vom Trail, wie sehr ihnen das Leben gefällt und wie sehr sie die Wüste genossen haben. Sie rauchen 2 „Pötte“ (ich wusste bis dato nicht, dass kiffen in Kalifornien erlaubt ist) und laufen weiter. Eine Stunde später breche ich auch wieder auf, es ist mittlerweile sogar in der Sonne auszuhalten.

    Kleine Trailkunde: In Amerika ist es Tradition, sich bei Langstreckenwanderungen gegenseitig Trailnamen zu geben. Einfache Namen für ein einfaches Leben. Trailnamen sind leicht zu merken und haben meistens eine kleine Geschichte. Ich bin sogar einem ca. 70-jährigen Hiker begegnet, der seinen Trailnamen seit seiner ersten Wanderung vor 50 Jahren trägt.

    Ray Now z.B. hatte einen komplizierten deutschen Namen, so dass die anderen meinten „We just call you Ray now“, Thor kommt aus Finnland und hat rote Haare und einen langen Bart, Turbo wandert sehr langsam und die Strecke des PCT über mehrere Jahre… Trailnamen können entweder sehr schnell vergeben werden, doch manchmal muss man auch mehrere Wochen wandern, um einen passenden zu bekommen.

    Ich hatte übrigens keinen Trailnamen auf dem PCT

    Es geht jetzt steil nach oben und es ist sau anstrengend, einige Wanderer überholen mich. Ich bin sehr langsam. Immer schön einen Fuß vor den anderen. Immer wieder muss ich Pause machen, obwohl ich versuche, langsam und stetig zu gehen, ich habe einfach keine Kraft mehr. Irgendwann hole ich überraschenderweise Justin ein, er reibt sich gerade mit einem Tuch Schokolade vom Gesicht, weil er sich sehr schnell sehr viel Trailmix einverleibt hat: Auch er ist am Ende seiner Kräfte.


    Langsam geht die Sonne unter

    Gemeinsam gehen wir weiter, der Sonnenuntergang ist wunderschön. Justin geht zwar generell schneller als ich, muss aber immer wieder über seine Stecken gebeugt schwer atmend stehen bleiben, während ich weiter laufe. So haben wir insgesamt dann doch das gleiche Tempo.


    Wir steigen höher, während die Sonne immer weiter sinkt und der Himmel immer röter wird

    Unsere App sagt, es ist nur noch eine Meile bis zum Campground am Grat. So weit! Die Steigung macht mich echt fertig. Wir begegnen vier Thruhikern, die gerade nach einer Pause aufbrechen und uns ihren Pausenplatz als Campground empfehlen. Justin beschließt sofort, hier zu bleiben, während ich mir den Zeltplatz erst mal anschauen will. Man läuft einige Meter vom Trail weg auf einen kleinen Felsvorsprung, auf den tatsächlich genau zwei Zelte passen. Es ist total schön und idyllisch. Ich schätze Justin nicht so ein, dass er plötzlich zum Psycho wird, wenn wir hier allein sind und beschließe, ebenfalls zu bleiben.

    Es ist wirklich ein toller Platz, unsere Zelte passen genau hin und man hat eine schöne Aussicht in drei Richtungen. Ich bin wirklich froh, hier geblieben zu sein. Ohne die aufbrechenden Thruhiker hätten wir den Platz nie gefunden.

    Lustiger Zwischenfall: Justin kocht sich konzentriert Essen, als ich mir neben ihm mit einer zwischen den Knien eingeklemmten Flasche die Hände wasche. Er dreht sich total erschrocken um: „Oh god, I just thought you are peeing!“ Wer brechen beide total ab und lachen erst mal ziemlich lange ziemlich laut. Er meint, er dachte „We got too close way too fast“ und ich erkläre ihn für ein bisschen verrückt



    Nachts strecke ich nochmal meine Nase aus dem Zelt um den Himmel abzusuchen, und tatsächlich: Eine wunderschöne Milchstraße spannt sich über den Himmel! Es ist einfach wunderschön.

    • Campground: KM 1082, 1993m
    • Unterwegs: 8h 15min Gehzeit, ca. 25 km, 480 hm bergauf




    Unser kleiner Felsvorsprung am nächsten Morgen


    15. Juni 2018 – Night Hike

    PCT Tag 3, Reisetag 32

    Obwohl ich bereits um 6am aufstehe, komm ich erst um 8am los – Justin steht nämlich irgendwann auch auf und ich verquatsche mich total…

    Der Weg rauf zum Pass zieht sich dann noch eine Weile und ich bin wieder froh, auf dem kleinen Felsvorsprung übernachtet zu haben. Oben angekommen kann man weit ins schöne Tal blicken und langsam verändern sich die Berge, es wird viel grüner. Als ich eine kurze Riegelpause einlege überholt mich ein Mädchen, mal wieder der erste Mensch heute.

    Ab 10am wird es richtig anstrengend, die Hitze drückt mich nieder. Ich überhole das Mädchen von vorhin, es rastet in einem Baumschatten. Lustig, wie man die Leute immer wieder sieht, das kenne ich so gar nicht.

    Der Tagesrhythmus auf dem Trail wird von der Sonne und den Quellen bestimmt. Die Wasserquellen sind teilweise 20km auseinander, man muss gut planen, um nicht dehydriert auf dem Trockenen zu stranden. Ich überprüfe stets, wie weit die nächste Quelle ist: Mittagsrast, Campground, Wasservorrat, alles wird daran gemessen. Mittags wird es so heiß, dass man es in der Sonne kaum aushält.

    Für mich ist es daher am Besten, mittags 4–5 Stunden an einer Quelle im Schatten zu rasten und dabei meine Hauptmahlzeit zu kochen. Abends campe ich oft ohne Wasser (dry camping) und esse nur eine Kleinigkeit. Natürlich muss man dann sehr sparsam mit dem Wasser sein, Zähneputzen und waschen dürfen dann kaum Wasser verbrauchen.

    Ich checke immer öfter das GPS, wann erreiche ich endlich den Fluss? Auf den ausgedruckten Karten fällt mir die Orientierung schwer, die Bäume versperren die Sicht und ich kann die umliegende Landschaft nicht lesen. Ich bin es eigentlich gewohnt, mit Papierkarten zu wandern, aber hier im Wald braucht man (ich) schon ein GPS.


    Wüstenweg


    Waldweg

    Nach 14 km komme ich um 12 Uhr am Fluss an, suche mir eine Schattenstelle und ziehe meine Schuhe aus – ich habe mal wieder einige neue Blasen gesammelt. Nimmt das denn nie ein Ende? Normalerweise habe ich mit Blasen eher keine Probleme. Jetzt reihen sie sich förmlich an meinen Fersen auf.

    Während ich Wasser koche läuft jemand an meinem schattigen Plätzchen vorbei und sieht sich fragend um. Ich winke automatisch und er dreht sich daraufhin um und setzt sich zu mir. Wir unterhalten uns ganze 30 Minuten auf englisch, bevor wir bemerken, dass wir beide Deutsch sind. No Nuts studiert Psychologie in Dresden, ist mega nett und hat eine Nussallergie. Er hat auch ziemliche Probleme mit den Füßen und so unterhalten wir uns einige Zeit über Blasen, Socken, Schuhe und das Wüstenwandern. Ich werde mich auch in Zukunft auf dem PCT mit sehr vielen Leuten über Füße, Blasen, Socken und Schuhe unterhalten, ich denke, das bringt die Natur der Sache so mit sich…

    Diesmal wird es eine sehr gesellige Rast, da nach einigen Stunden eine Freundin von No Nuts (Firecracker mit roten Haaren) und ein Bekannter (Maps, nur mit Papierkarten unterwegs) sich zu uns gesellen und wir uns gut unterhalten.

    Erst um 5pm breche ich auf, es ist mittlerweile angenehm kühl. Es geht stetig bergauf und ich komme an der letzten Quelle für die nächsten 16km vorbei, sodass ich mir nochmal 5 Liter Wasser mitnehme. Selbst mit dem Zusatzgewicht geht es gut voran und das Laufen ist wirklich angenehm.

    Das GPS auf meinem Handy spinnt mal wieder, und so schätze ich meinen Standort anhand der Karten und wegen dem lichten Wald völlig falsch ein. Ich denke, ich komme unglaublich schnell voran, so dass ich bei diesem Tempo locker noch den Berg runter laufen kann, um zum nächsten Campground an einer Dirt Road zu gelangen. Es beginnt bereits zu dämmern, als ich eine wunderschöne Wildflower-Section erreiche, ein ehemaliges Waldbrand-Gebiet. Es wirkt, als würden die Berge um mich herum in Gelb erstrahlen. Wunderschön.


    Eine wunderschöne Wildblumen-Section in der Dämmerung


    Ein paar abgebrannte Baumstämme ragen ab und an noch in die Höhe


    Es wird rasch immer dunkler…

    Kurz danach kreuze ich eine Dirt Road, die hier eigentlich nicht sein sollte, wodurch ich meine Position etwas länger auf der Karte suche. No Way! Ich liege völlig falsch mit meiner Lokalisation und habe gerade mal die Hälfte des Anstiegs! Ich bin einigermaßen frustriert.

    Laut Karte ist es hier überall ziemlich steil (in echt auch), so dass man nirgendwo sein Zelt aufschlagen kann. Es wird immer dunkler. Ich laufe immer schneller, da ich fest entschlossen bin, die Dirt Road zu erreichen: Ich will nicht hier in völliger Einsamkeit, mitten im Nirgendwo, alleine zelten. Und vor allem möchte ich nicht im Dunkeln mein Zelt alleine aufschlagen.

    Mein erster Night Hike?

    Ich bin ziemlich aufgeregt und auch ein kleines bisschen ängstlich, da ich sicher im Dunkeln wandern werden muss. Die Geschichte von Penguin Pants und seiner nächtlichen Puma-Begegnung kommt mir in den Sinn. Aber ich sage mir: Was soll schon passieren, die Thruhiker machen das dauernd! Ich mache ein Video mit der Handykamera und rede von meinem bevorstehendem Night Hike, was mich beruhigt und alles normal wirken lässt. Dann packe ich meine Stirnlampe in meine Jackentasche, damit ich sie griffbereit habe. Noch kann man dank Streulicht und der exponierten Pfadführung den Weg erahnen.


    Sich selbst Mut zusprechen

    Mit dem allerletzten Streifen orangenem Licht am Horizont erreiche ich schließlich den höchsten Punkt des Berges und bemerke überrascht, dass Zelten hier super möglich ist. Und im nächsten Moment entdecke ich Schlafsäcke zwischen den Büschen! Es ist irgendwie total schön, völlig unerwartet in einen Lagerplatz zu laufen und ich bleibe natürlich hier oben.

    Es ist aber trotzdem aufregend, weil ich diesmal nur meine Unterlage und Isomatte ausrolle und einfach „Cowboy campe“, wie man das hier nennt. Ich snacke noch ein paar Nüsse im Schlafsack und beobachte den Himmel.


    Der letzte Streifen Licht am Horizont, mit dem ich den Hügel erreiche…

    Es ist wunderbar, im Schlafsack die Sterne zu beobachten. Ich nehme meine Brille ab und beneide in diesem Moment Normalsichtige, weil sie für den Sternenhimmel einfach nur im Liegen ihre Augen öffnen müssen. Ich dagegen sehe jetzt nur noch ein paar verschwommene Flecken. So aufregend die Nacht begonnen hat, desto entspannter bin ich jetzt an diesem schönen Ort.

    Zwei Mal habe ich Nachts das Gefühl, ein Tier schnuppert an meinem Essensbeutel zu meinen Füßen und ich strampel in meinem Schlafsack um es zu verjagen – Aber vielleicht war das ja nur ein Traum.

    • Campground: KM 1107, 2373m
    • Unterwegs: 7h 45min Gehzeit, ca. 24 km, knapp 800 hm bergauf




    16. Juni 2018 – Kennedy Meadows

    PCT Tag 4, Reisetag 33

    Ich wache auf, weil mir die Sonne ins Gesicht scheint. Kann man schöner geweckt werden?


    Guten Morgen!


    Mein Nachtlager

    Es ist wunderbar, im Schlafsack zu dösen, immer wieder die Augen zu öffnen und den Sonnenaufgang zu beobachten. Um mich herum stehen die anderen Wanderer einer nach dem anderen auf, packen zügig ihr Zeug zusammen und brechen auf. Ich bin beeindruckt, wie schnell das geht.

    Schließlich stehe ich auch auf und laufe los. Ich bin schon gespannt, wie weit ich es heute schaffe. Die letzten Tage habe ich viel mehr Kilometer geschafft, als ich gedacht hätte.


    Es geht weiter an den Berghängen entlang, man hat weite Sicht und kann erkennen, wie der Trail verläuft. Ich liebe sowas.

    Irgendwann höre ich hinter mir ein Geräusch, blicke mich um und hinter mir hat ein PCTler aufgeschlossen und ist bereit, zu überholen. Das ist wie auf der Autobahn, wenn von ganz weit weg ein Auto zu erkennen ist und wenn man 2 Sekunden später in den Spiegel schaut, klebt es plötzlich hinter einem… Ich mache Platz auf dem schmalen Trail und irgendwie kommen wir ins Gespräch, sodass ich eine Weile mit doppelter Geschwindigkeit hinter ihm herlaufe. Er heißt Backtrail, er musste mal eine halbe Tagesetappe zurücklaufen, da er sein Essen am Lagerplatz vergessen hatte… Ich genieße solche Begegnungen mit den Menschen hier, alle sind immer nett und jeder hat eine eigene Geschichte.


    In der Ferne kann man den Trail erkennen, wie er den Hang quert.

    Es dauert nicht lange und ich kann das Tempo nicht mehr halten, und schon bald ist er um die nächste Kurve verschwunden. An einem kleinen Fluss mache ich kurz Pause, versorge meine blasengeplagten Füße und treffe das erste Mal auf Chris & Pete aus Australien. Sie erzählen, dass sie vor dem PCT eine 21-tägige Schlauchboot-Tour den Colorado hinunter gemacht haben. Ich werde sie die nächsten Wochen immer wieder sehen, sie sind ein sehr nettes, humorvolles und ungewöhnliches Paar.


    Steine oder ein Dinosaurierskelett?

    Der restliche Weg nach Kennedy Meadows verläuft größtenteils flach in einem weiten Tal. Um 12 Uhr erreiche ich den South Fork Kern River, dem ich in den nächsten Tagen immer wieder begegnen werde. Ich habe mich etwas im Wasser verschätzt und bin mittlerweile bereits etwas „ausgetrocknet“ .


    Wunderbarer Rastplatz am South Fork Kern River an einem der wenigen Schattenplätze

    Da es nur noch etwas über 8km nach Kennedy Meadows sind breche ich schon um 2 Uhr wieder auf, der Weg ist wirklich schön und zieht sich über einige liebliche Hügel. Die letzten 1,6km verlaufen dann an der Straße entlang und fühlen sich eeeendlos an, ich checke bestimmt 5x das GPS wie weit es noch ist…

    Den General Store hört man, bevor man ihn sieht. Es spielt laute Musik, ich laufe etwas „versteckt“ zum Campingplatz und komme so ungesehen hinein. Es ist nämlich Tradition, für alle Neuankömmlinge zu klatschen, weil sie die Wüste Kaliforniens „überlebt“ haben. Da ich aber nur 3 Tage hier unterwegs war, würde es sich für mich total falsch anfühlen, Applaus zu bekommen. Smokie, ein netter Hiker erklärt mir, wie hier alles abläuft und ich suche mir einen geeigneten Zeltplatz.


    Ich fotografiere mein Gepäck und bin etwas überrascht, nach wie viel es aussieht


    Die „Veranda“ in KM (hinten links ist die Essensausgabe)

    Es ist schwer Kennedy Meadows zu beschreiben. Für mich war es ein sehr ungewöhnlicher Ort, anders als alles, was ich bisher gesehen habe. Es herrschte dort auch eine ganz besondere Stimmung. Das rührt sicher davon, dass es ein sehr wichtiger Punkt auf dem PCT ist: Er markiert das Ende der Wüste, der Wasserlosigkeit, und den Anfang der Berge und des Schnees.

    Ich dusche erstmal, kaufe mir Oreos und Bier und schaue dann, ob ich jemanden entdecke, den ich kenne. Justin und Turbo sitzen zusammen und winken mir gleich zu, als sie mich sehen. Hinter uns spielt Live Musik, es wird ein sehr lustiger, langer und bierseliger Abend. Irgendwann tanzen alle in ihren Daunenjacken, was irgendwie ein echt lustiger Anblick ist.

    Es ist echt ganz cool hier, ich treffe im Laufe des Abends fast jeden wieder, den ich die letzten Tage auf dem Trail getroffen habe. Um halb drei verziehe ich mich schließlich in mein Zelt.

    • Campground: KM 1127, 1824m
    • Unterwegs: 7h 10min Gehzeit, ca. 24 km, knapp 100-200 hm bergauf

  3. Dauerbesucher
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    22.05.2010
    Ort
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    AW: [US] 2018 –522,5 km auf dem Pacific Crest Trail und John Muir Trail

    #3
    PACIFIC CREST TRAIL 2: KENNEDY MEADOWS BIS KEARSARGE PASS

    Der zweite Teil meiner Wanderung auf dem PCT führt mich vom Mini Dorf Kennedy Meadows bis in die High Sierra mit dem höchsten Berg der südlichen USA: Mount Whitney.

    --> Meine Route auf Google MyMaps

    Oft liest man, die Sierra Nevada mit ihrem Wasserreichtum beginnt ab Kennedy Meadows. Und tatsächlich lässt man hier die Wüste mit ihren Kakteen und Salamandern hinter sich. Doch bis man wirklich das Hochgebirge erreicht und sich keine Gedanken um die nächste Quelle mehr machen muss, ist man durchaus noch ein paar Tage unterwegs. Wasserlose Etappen von über 15km sind keine Seltenheit in den ersten Tagen nach KM, die Berge sind flach und die Täler sanft und breit.

    Zumeist wandert man im lichten Bergwald mit nur kurzen Ausblicken auf bewaldete Hügel. Erst kurz vor Mount Whitney eröffnen sich Ausblicke auf baumfreie Gipfel, es wird felsiger und kälter. Stets sind wir bei Nordblicken auf der Suche nach dem Berg, der alle anderen überragen müsste – doch von Süden ist der Mt Whitney äußerst unscheinbar. Erst nachdem man ihn erklommen hat und in alle Richtungen blicken kann, weiß man dass man den höchsten Punkt erreicht hat…


    Gipfelfoto auf 4.421 m

    Beitragsübersicht

    Tag 5 – Nero in Kennedy Meadows; ca 8,5km
    Tag 6 – Im Wanderflow; 22,5 km, ca. 1.000 hm
    Tag 7 – Fußprobleme; 24 km, ca. 900 h
    Tag 8 – Der erste Bergsee: Campen am Chicken Spring Lake; 25,5 km, ca. 550 hm
    Tag 9 – Der PCT, der Strand ohne Meer; 26,8km, 700 hm
    Tag 10 – Mount Whitney; 29 km, 1450 hm
    Tag 11 – Forester Pass; 23,3 km, 1100 hm
    Tag 12 – Hungrig über den Kearsarge Pass; 18 km, ca. 700 hm
    Tag 13 – Zero in Bishop


    17. Juni 2018 – Nero in Kennedy Meadows

    PCT Tag 5, Reisetag 34

    Kleine Trailkunde: Ein „Zero“ ist ein Tag, an dem man gar nicht wandert. Ein „Nero“ dagegen ist ein Tag, an dem man nur wenig wandert – nearly zero.

    Ich will eigentlich ausschlafen (es wurde gestern ja recht spät), wache aber schon um 7 Uhr auf. Schließlich treibt mich die Sonne / Hitze aus dem Zelt und ich warte müde darauf, dass der Store um 9 Uhr öffnet. Ich verbringe den Tag hauptsächlich mit Turbo und JJ (No Nuts hat für Justin einen Trailnamen gefunden: Just Justin, kurz JJ) und wir beschließen, heute Abend zusammen zu campen.

    Ansonsten tue ich heute hauptsächlich warten: Warten auf den Store, warten auf die Paketverteilung, warten auf das Taxi zu Grumpy Bear, warten auf das Essen…


    Die Duschen in Kennedy Meadows

    Wo ist mein Paket?

    Ich habe vor vier Wochen ein Resupply-Paket nach Kennedy Meadows geschickt, doch als ich es abholen will, ist es nicht da: offensichtlich gibt es in der Sierra Nevada auf dem PCT noch ein Kennedy Meadows, das über 400 km weiter nördlich liegt. Und ich habe mein Paket tatsächlich aus Versehen dorthin geschickt. Unglaublich.

    Da es in Kennedy Meadows weder Internet noch Handyempfang gibt, kann ich mich um das Weiterschicken meines Päckchens erst in der nächsten Stadt kümmern – also in ca 8 Tagen.

    Merke: besser ganz genau Adresse und Standort prüfen, wenn man Päckchen verschickt…


    Die Essensauswahl des General Stores in Kennedy Meadows: Links Travellunch, rechts Kartoffelbrei, unten Riegel, Süßes und Fisch- sowie Fleischkonserven – Alles, was das Trekkerherz begehrt

    Zum Glück kann man auch in KM Nahrung kaufen, auch wenn das Angebot an Snacks und Studentenfutter sehr dürftig ist. Ich kaufe ein bisschen planlos mein Essen und wähle Wraps mit Peanut Butter fürs Frühstück und Abendessen und Travellunch sowie Tütenfutter fürs Mittagessen. Meine wichtigste neue Errungenschaft sind allerdings Zehensocken, für die Blasen. Ich habe nicht nur einige an der Ferste, sondern auch viele zwischen den Zehen. Neue Schuhe finde ich leider nicht.


    An meiner Ferste tummeln sich viele alte und neue Blasen (rechts die Reste der Blutblase des Grand Canyons von vor vier Wochen…)


    Meine Rettung: Die Injinji Liner-Socken

    Als ich endlich bereit bin aufzubrechen, ist es schon 6 pm. Obwohl ich gefühlt den ganzen Tag in Warteposition war, ist es jetzt doch schnell spät geworden und ich packe hastig alles zusammen, um endlich los zu kommen. Als ich ein Starter-Selfie mache fällt mir auf, dass ich einen krassen Sonnenbrand im Gesicht habe – eincremen vergessen…

    Starter-Selfie mit Sonnenbrand

    Endlich wieder auf dem Trail

    Es ist schön, wieder unterwegs zu sein. Der Trail verläuft meist am Fluß entlang, über sanfte Hügel. Es ist sehr grün, eine willkommene Abwechslung nach den Wochen in der Wüste. Obwohl ich Essen für 8 Tage im Rucksack dabei habe, läuft es sich leicht und angenehm.


    Die „Kennedy Meadows“, Kennedys Wiesen

    Kurz vor der Brücke über den Kern River durchfährt es mich plötzlich: Meine gewaschene Wäsche hängt noch immer an der Wäscheleine in Kennedy Meadows!

    Nach einigen Überlegungen und Abwägungen entscheide ich mich dazu, weiter zu laufen: es bleibt nichts essenziell Wichtiges zurück. Nur um mein Lieblings-Tanktop und meine neuen Darn-Tough-Wandersocken ist es wirklich sehr schade, ansonsten muss ich mich eben mit den Dingen arrangieren, die ich jetzt noch dabei habe. Ich bin ziemlich niedergeschlagen, wieso vergesse ich dauernd irgendwelche Sachen?

    Doch schon kurz nach der Brücke ruft mich Turbo zu sich, er hat zusammen mit zwei anderen PCTlern einen schönen Platz gefunden. Ich teile mein Leid und er meint sofort, er hätte auch so entschieden. Und da es in KM eine Hiker Box gibt, wird sich bestimmt bald jemand anderes an dem Shirt und vor allem an den neuen Wandersocken freuen. Das tröstet mich ein wenig.

    Ich esse einen Wrap mit Peanut Butter (erstaunlich lecker) und falle ins Bett. Das Flussrauschen trägt mich schnell in den Schlaf

    • Campground Brücke am South Fork Kern River: KM 1.137, 1.934m
    • Unterwegs: 2h 40min, ca 8,5km, kaum Höhenmeter




    18. Juni 2018 – Im Wanderflow

    PCT Tag 6, Reisetag 35



    Die nächsten Tage komme ich immer mehr in den Wander-Flow. Ich stehe früh auf, da es mittags immer noch irre heiß wird, mache lange Mittagspausen im Schatten und laufe abends so lang es geht.

    Turbo, Justin und ich haben ungefähr den gleichen Rhythmus und campen deswegen zusammen, während tagsüber meist jeder für sich läuft. Ich finde das eine sehr befreiende Art miteinander zu wandern, da man so sein eigenes Tempo gehen kann. Außerdem ist es wunderschön, alleine in dieser großartigen Natur zu sein.


    Am Campground mit Turbo

    Die beiden sind eine super Trailfamily und total witzig. Als Turbo und ich z.B. vom Kern River aufbrechen, begegnen wir nach 10 min JJ, der hier gecampt hat. Turbo fragt, warum JJ ihn gestern ignoriert hat, obwohl er nach ihm gerufen hat. Er hat eine amerikanische Serie zitiert, laut „A Oh River!“ geschrien und gewunken. Er trug seine dicke Mütze und seine Puffy (Daunenjacke). Justin meint, er habe ihn gar nicht erkannt:

    I thought you are a random drunk Person. I didn’t want to camp with a crazy drunk stranger who is screaming A Oh River the whole night.

    Für Turbo sah es allerdings so aus, als ob Justin ihm einen „Celebrity-Wink“ gibt und einfach weiter läuft. Es ist ziemlich witzig, auch wenn ich die Serie nicht kenne.


    Immer wieder führt der Trail durch Burnt Areas. Teilweise liegt der Brand schon Jahre zurück, die Natur erholt sich nur langsam.


    Der South Fork Kern River schlängelt sich durchs trockene Tal


    Pause an der Brücke

    Turbo kennt gefühlt alle wichtigen Spots des Trails und empfiehlt uns immer wieder tolle Pausen- und Übernachtungsplätze, wie z.B. die Brücke über den Kern River, an der wirklich jeder pausiert.

    Ich habe in Las Vegas auch meinen Wasserfilter zurückgeschickt, was ich mittlerweile ziemlich bereue. Ich habe die Qualität der Wasserquellen auf dem Weg in die Sierras eindeutig überschätzt und mittlerweile plagen mich Darmprobleme… Das ist ja immer ziemlich nervig, aber beim wandern ist es so richtig ätzend. Es ist ja nicht so, als könnte man überall Klopapier nachkaufen 😉 …

    Den restlichen Tag geht es anstrengend durch Bergwald bergauf, deswegen bin ich froh, als ich unseren verabredeten Campground erreiche. Wir verbringen den Abend zu dritt am Lagerfeuer.

    • Campground am Cow Creek: KM 1.159, 2.753m
    • Unterwegs: 8h 15 min, ca. 22,5 km, ca. 1.000 hm bergauf.





    Der Campground am Cow Creek – endlich mal mit fließend Wasser




    19. Juni 2018 – Fußprobleme

    PCT Tag 7, Reisetag 36

    Turbo benutzt mich heute das erste Mal als „Pacecar“: Er meint, wenn er alleine läuft verausgabt er sich viel zu schnell, er braucht jemanden mit guter Pace, der vornewegläuft. Mich macht das etwas nervös, da ich manchmal anhalten muss um meinen Socken zu richten oder ähnliches, aber Turbo ist tiefenentspannt. Und er „nutzt“ die Pace auch nur für die Aufstiege: „I don’t need a pacecar downhill“.

    Das Stück zwischen KM und Mount Whitney ist landschaftlich zwar durchaus schön, sagt mir aber nicht so sehr zu wie die Wüstenberge oder die High Sierra nach dem Forester Pass. Bisweilen erinnert mich die Landschaft an den Bayerischen Wald, meist hat man nur wenig Ausblicke auf sanfte Berghänge. Die Täler sind lang und breit, Wiesenstücke wechseln sich mit Wäldern ab.


    Die Landschaft erinnert mich an den bayerischen Wald – nur ohne Besiedlung.

    Heute ist auch der Tag, an dem die Moskitos beginnen: In der Pause bei Gomes Meadow setze ich mich an den Fluss und muss mich in meine Puffy und Regenjacke einwickeln, um vor ihnen geschützt zu sein.

    Auch mit den Füßen bzw. Blasen habe ich immer größere Probleme. Die Zehensocken sind zwar super Liner unter den normalen Wandersocken, aber für zwei Paar Socken sind meine Schuhe eindeutig zu klein.

    Nachdem ich aus lauter Verzweiflung einen halben Tag in meinen Neoprensocken laufe, hat jeder Zeh seine eigene Blase: Im Nachhinein betrachtet keine so gute Idee…

    (Das Bild spar ich euch, da es hochkant ist und die Bilder hier immer so groß dargestellt werden.... Jedenfalls sieht es nicht so apettitlich aus )

    Die Landschaft wird abwechslungsreicher, große weiße Felsbrocken und -türme liegen umher. Bald hat man die ersten Ausblicke ins Owens Valley, das sehr plötzlich das östliche Ende der Sierra Nevada markiert. Die Bergkette auf der anderen Seite gehört zu der Gegend des Death Valleys und hat sichtbar ein völlig anderes (Wüsten)Klima.


    Erster Ausblick ins Owens Valley, dem östlichen Ende der Sierra Nevada

    Heute Nacht campen wir an der höchsten Stelle des Berges, mit grandioser Aussicht und wunderbarem Sonnenuntergang. Mit uns ist auch Erik hier, alt, nett und mit Rock wandernd.


    Campground mit Aussicht



    Ich merke langsam, dass ich zu wenig Essen eingekauft habe: Die Wraps, von denen jeweils zwei fürs Abend- und zwei fürs Frühstück gedacht war, haben ca. 50 Kalorien pro Wrap – natürlich schaue ich erst jetzt auf die Energiewerte. Selbst mit viel Peanut Butter komme ich so nie auf genügend Kalorien, und meine Snacks für zwischendurch sind auch schon fast aufgegessen. Ich habe dauernd Hunger und muss mein Essen streng rationieren.

    • Campground Bergsattel mit Owens Valley Blick: KM 1183, 3239m
    • Unterwegs: ca 8h?, 24 km, ca. 900 hm bergauf





    20. Juni 2018 – Der erste Bergsee: Campen am Chicken Spring Lake

    PCT Tag 8, Reisetag 37

    Auf den schönen Sonnenuntergang folgt ein schöner Morgen und schon bald laufe ich los. Hier oben gefällt mir der Trail richtig gut, der weiße Sand, die großen weißen Steine, die Felstürme, der lichte Wald… Einfach schön


    Leider geht mir schon bald das Wasser aus und ich habe ziemlich Durst. Ich habe meine Tage bekommen und so braucht man fürs Waschen immer mehr Wasser als man denkt. Aber immerhin, ich habe keine Bauchkrämpfe 🙂

    Bei der Mittagspause bekommen ich vom Adventurer (Asiate, Mitte 40, erzählt vom Trekking in Nepal und Patagonien) Leukotape geschenkt. Man klebt es auf aufgestochene Blasen, was sie entlastet, und das hilft erstaunlich gut.

    Fazit: Nie wieder wandern ohne Leukotape.


    Heute komme ich an vielen umgestürzten Bäumen mit tollen Wurzelgebilden vorbei

    Den restlichen Tag geht es gut bergauf und ich nutze auch die nächste Quelle für eine lange Pause. Stundenlang laufe ich durch lichte Bergwälder, manchmal hat man schöne Ausblicke auf die umliegenden Berge. Als ich die Abzweigung zum Chicken Spring Lake erreiche, bin ich schon aufgeregt: Mein erster Bergsee! Er ist wirklich sehr schön und auch sehr kalt, trotzdem kann ich einem Bad nicht widerstehen. Ich fühle mich unglaublich erfrischt und gut, wasche meine gesamte Kleidung, baue mein Zelt auf, mache Yoga, esse einen Wrap und falle dann zufrieden in den Schlafsack.

    Erik ist auch hier und schenkt JJ ein paar Beutel Oatmeal. Der hat wie ich auch zu wenig Essen eingepackt…


    Der Campground am Chicken Spring Lake, dem ersten Bergsee

    • Campground Chicken Spring Lake: KM 1208, 3420m
    • Unterwegs: 7h 10min, 25,5 km, ca. 550 hm bergauf





    21. Juni 2018 – Der PCT, der Strand ohne Meer

    PCT Tag 9, Reisetag 38

    Es ist arschkalt, aber ich quäle mich trotzdem um 6 Uhr aus dem Bett um ein paar Fotos vom See zu machen… So still und idyllisch.


    Sonnenaufgang am See

    Der Tag beginnt mit einem knackigen Anstieg, doch von oben wird man mit einem tollen Blick auf neblige blaue Berge und den See belohnt. Egal wie anstrengend oder fertig oder frustriert man ist, oben angekommen ist das meist alles vergessen .


    Blaue Nebelberge – Die Aussicht kurz über dem Chicken Spring Lake

    Der Trail verläuft wie so oft auf Sand. Weißer Sand, wie am Strand. Bloß ohne Meer, aber genauso heiß. Ich frage mich mittlerweile, ob der ganze Südwesten der USA nur aus Sand besteht, nachdem ich nun schon fünf Wochen darin herumlaufe.


    Sand, Sand, Sand.


    Schöne Ausblicke auf baumlose Gipfel


    Pause am Rock Creek. Es gab Kartoffelbrei – ein bisschen eklig, aber dafür bin ich endlich mal richtig satt


    Meine Küche – der selbstgebastelte Aluwindschutz hat erstaunlicherweise die ganzen 8 Wochen in den USA überlebt.

    Die nächsten anstrengenden Anstiege erfordern wieder einige Pausen, obwohl ich versuche slow & steady zu laufen. Leider klappt nur das slow. Und ich verliere nach dem nächsten Fluss kurz den Trail. Es ist unglaublich, obwohl der Trail so gut ausgebaut ist, verliert man ihn manchmal einfach.

    Als mich auf den letzten Kilometern vorm Campground Crabtree Meadows ein müder JJ einholt, drückt er kurz und knapp aus, was ich mir fast jeden Abend denke:

    "That’s the longest 1.5 Miles ever."

    Hier beim „Basecamp“ des Mt Whitney steht ein richtiges Zeltlager. Die meisten campen zwei Nächte bei Crabtree Meadows, um einen Tag für die Besteigung des Mt. Whitney zu haben, für den man immerhin 23 km und 1300 Höhenmetern bewältigen muss. Einige Leute zelten auch beim höher gelegenen Guitar Lake, allerdings darf man das nur mit einem zusätzlichen Whitney Portal Permit.

    Leider erzählt uns Turbo heute, dass er morgen durch das Whitney Portal aussteigt. Ich bin sehr traurig darüber, weil das bedeutet, dass ich ihn nicht wieder sehen werde. Er wird mir fehlen.

    • Campground Crabtree Meadows: KM 1233, 3244m
    • Unterwegs: ca. 8h 30min, 26,8km, 700 hm bergauf





    22. Juni 2018 – Mount Whitney

    PCT Tag 10, Reisetag 39

    JJ und ich haben uns um halb 5 verabredet, um den Mount Whitney gemeinsam zu erklimmen. Tatsächlich schaffe ich es auch, um 4 Uhr aufzustehen. Im Dunkeln laufen wir gemeinsam los, bis wir im Morgengrauen den Timberline Lake erreichen.


    Am Timberline Lake wird es langsam hell – Es ist sehr kalt, kleine Pfützen auf dem Trail sind gefroren

    Der Aufstieg auf den Mt. Whitney ist anstrengend, beeindruckend und völlig anders als der bisherige Weg. Und auch völlig anders als die Berge, die ich so kenne. Manchmal kommt er mir vor wie ein riesiger Schutthaufen mit daraus aufragenden Splittern.


    An der Trail Junction zum Whitney Portal – Der kleine Mensch ist der glücklichste Mann, den ich je gesehen habe. Das Glück strahlte ihm förmlich aus jeder Pore

    Die Ausblicke nach unten sind total schön und ich genieße es, endlich im Hochgebirge unterwegs zu sein. Der Trail ist auch schön schmal und steinig.


    Endlich mal ein felsiger und steiniger Bergweg

    Wir haben den Aufstieg gut geplant und können den Großteil der Strecke im Schatten wandern. Leider wird mir irgendwann richtig Übel, und es wird schlimmer je höher wir kommen. JJ ist total nett und passt sich an meine Geschwindigkeit an, was ich nicht für selbstverständlich halte. Ohne ihn hätte ich wohl nicht bis zum Gipfel durchgehalten.

    Das letzte Stück ist besonders hart, alle 100 Meter muss ich stehen bleiben weil mir so schlecht ist und warten, bis es etwas besser ist. Ich denke mittlerweile, ich habe die Höhe nicht vertragen.


    Der Mount Whitney ist ein seltsamer Berg: Von unserer Seite kommend flach und gut begehbar, zur anderen Seite senkrecht und zerklüftet abfallend

    Nach sechs Stunden erreiche ich endlich den Gipfel. Ich schleppe mich bis zur Kante und frühstücke meinen Peanutbutterwrap. Dann schicke ich mit dem bisschen Empfang den man hier hat, eine SMS an meinen Freund, esse die letzten Gummibärchen aus Escalante und mache mich wieder an den Abstieg.


    Gequältes Gipfelfoto, 4.421 m über dem Meer

    Da es mir mittlerweile etwas besser geht, kann ich den Abstieg mehr genießen und die Landschaft bewundern. Kurz vor Ende treffe ich Backtrack wieder, den ich an Tag 2 auf dem PCT kurz kennengelernt habe. Auch Raynow und seine Freunde kommen mir entgegen.


    Aussicht vom Mount Whitney ins Owens Valley

    Insgesamt habe ich für den Auf- und Abstieg 10,5 Stunden gebraucht.

    Am Zeltplatz lege ich mich hin und döse ein wenig. Nach ca. einer Stunde kommt JJ, wir essen zusammen zu Abend und brechen dann nach einem traurigen Abschied von Turbo auf, um näher an den Forester Pass zu kommen. Zum Glück schenkt er uns noch seine letzten zwei Knorr-Gerichte…

    Langsam neigt sich unser Essen dem Ende entgegen. Und die nächste Stadt ist immer noch so weit – wir müssen Strecke machen, obwohl ich am liebsten heute hier geblieben wäre.

    Abends laufe ich wirklich fast am liebsten. Das Licht ist einfach so wunderschön. Zwei besondere Momente sind mir immer noch deutlich im Gedächtnis: Die tiefstehende Sonne, die durch den Wald kurz vor der Trail Junction scheint, während wir unter den stillen Bäumen wandern. Und das magische sanfte Licht, das den Berg hinter der feuchten Wiese erleuchtet, während mich hundert Mücken attackieren.


    Der Trail beschert einem immer wieder solch magische Momente…


    Abendlicht bei den Sandy Meadows

    Der Nachteil am abendlichen Laufen ist ganz klar, dass nach dem schönen Abendlicht naturgemäß die Dunkelheit kommt. Leider fällt mir das erst auf, als ich mich mit JJ an einem Campground verabredet habe, der nach einer Furt liegt. Mittlerweile sieht man kaum noch was. Eine Furt mit unbekannter Tiefe und Strömung im Dunkeln, Allein? Ich werde nervös. Außerdem fällt mir wieder ein, dass ich hier ja im Bear & Mountain Lion Country bin, was mich auch nicht unbedingt beruhigt. Ich quere einen kleinen Fluss von Stein zu Stein springend und überlege, wo ich die Nacht verbringen soll.

    Da es so schon so dunkel ist, dass ich nichts mehr sehe, krame ich in meinem Rucksack nach der Stirnlampe. Kaum habe ich sie angeschaltet, da ruft JJ nach mir: Er ist keine 40 Meter neben dem Trail und hat schon sein Zelt aufgeschlagen. So ein Glück 🙂 .

    Im Zelt mache ich mir etwas Sorgen um Morgen: Ich habe noch für 1,5 Tage Essen, allerdings weiß ich nicht, ob ich es morgen über den Forester Pass schaffe. Es ist noch weit und wer weiß wie es mir morgen geht. Andererseits geht sich die Strecke bis zur Stadt nicht auf 1,5 Tage auf, wenn ich es morgen nicht über den Pass schaffen sollte. Eigentlich habe ich gar keine andere Wahl, als irgendwie drüber zu kommen…

    • Campground Kurz vor Wallace Creek: KM 1239, 3246m
    • Unterwegs: ca. 11h, 29 km, 1450 hm bergauf, 1300 hm bergab





    23. Juni 2018 – Forester Pass

    PCT Tag 11, Reisetag 40

    Ich stehe zeitig auf und fange zügig an zusammenzupacken. Denn mittlerweile lauert ein neuer Schrecken im Morgengrauen: Mücken! Sie kommen in Scharen, sobald die ersten Sonnenstrahlen die Luft erwärmen.


    Wandern mit Mücken – kein großer Spaß

    Die Furt, vor der ich gestern Abend etwas Schiss hatte, ist problemlos über Steine mit trockenen Füßen zu durchqueren: Dieses Jahr ist wohl ein trockenes Jahr.

    Etwas Neues sind ab heute auch die entgegenkommenden John Muir Trail Hiker, die auf das Ende ihrer Wanderung zugehen: Der JMT endet am Mount Whitney. Man erkennt sie irgendwie sofort, da sie anders aussehen als die PCTler: größere Rucksäcke, sauberere Kleidung, hellere Haut.

    Zum Glück geht es mir heute viel besser als gestern und ich bin wirklich erleichtert. Die Landschaft wird immer schöner, die Sicht weiter, die Berge höher. Bald blicke ich zurück zum Mount Whitney und bin überrascht, wie fern er aussieht. Vor nicht mal 24 Stunden stand ich da oben auf dem Gipfel, und jetzt ist er so ein kleiner Berg in der Ferne…


    Blick zurück zum Mount Whitney, den flachen Berggipfel rechts. Gestern Mittag stand ich noch darauf und heute wirkt er so klein und fern


    Ich liebe es, wenn der Trail sich so dahinschlängelt

    Nach dem Bighorn Plateau geht es wieder bergab in den Wald – ich mag gar nicht weiterlaufen. Ich will endlich Fels und freie Fläche! So wie hier oben. Ich sauge die Aussicht nochmal in mich ein und laufe weiter.

    Der anschließende Aufstieg zum Forester Pass – immerhin der höchste Pass auf dem ganzen PCT – ist erstaunlich human und sanft. Ich bin überrascht, wie leicht es nur bergauf geht, außerdem gibt es überall Wasser und kleine Bäche. Ich höre Stöcke hinter mir und denke, das klingt wie JJ. Und tatsächlich holt er mich mal wieder ein und da wir beide fast am verhungern sind, machen wir gleich zusammen Mittagspause.


    Gemeinsame Mittagspause kurz vorm letzten Anstieg


    Die linke Einkerbung ist der Forester Pass – von hier unten fragt man sich, wo wohl der Trail durch den Schutt und die Steilwand durchführt.

    Doch auch der letzte Anstieg ist zwar steil und anstrengend, aber mega gut ausgebaut und daher leicht zu gehen. Serpentine folgt auf Serpentine und bald sind wir im letzten beeindruckenden Steilstück. Man hat einen mega Ausblick auf die Bergseen hier oben und ich bin im 7. Himmel, es ist so wunderschön. Heute geht es mir wirklich großartig, ich bin voller Energie und das Laufen macht richtig viel Spaß.


    Beim genauen Hinsehen erkennt man den Trail, der im Zickzack den Berg hinaufführt und dann nach rechts zum Pass verschwindet. Und einen kleinen Menschen, der im rechten unteren Drittel des Bildes gerade dabei ist, nach oben zu laufen.


    Auf dem Forester Pass auf 4.009 m – Ich bin erleichtert und in einem richtigen Hochgefühl. Überall so schöne Berge!


    Blick nach Süden, wo wir herkommen

    Auf der anderen, nördlichen Seite liegt beachtlich viel Schnee. Wir lachen beide über Turbos überzeugte Aussage, die er vor ein paar Tage bezüglich unserer Sorgen über Postholing gemacht hat:

    „Postholing? What Postholing? There won’t be any snow!“

    Tatsächlich war es vor ein paar Tagen noch schwer vorstellbar, dass hier irgendwo noch Schnee liegt. Aber das tut er. Reichlich.


    Hallo Postholing

    Kleine Trailkunde: Postholing ist der englische Ausdruck für das Einsinken in weichen, tiefen Schnee, den die Sonne aufgewärmt hat. Die meisten PCTler machen die Pässe daher ganz früh am morgen, da der Schnee noch gefroren ist und man so mit Microspikes an den Schuhen gut darauf laufen kann.

    Wir haben auch tatsächlich Probleme damit und sinken teilweise bis zur Hüfte in den Schnee ein. Der Trail ist natürlich nicht erkennbar und so landet man immer wieder überraschend mitten in den großen scharfen Felsen. JJ bleibt einmal richtig stecken, bekommt ein bisschen Panik und schürft sich beim hastigen Befreien des Beins das Schienbein auf.

    Irgendwann trauen wir uns, auf dem Po „abzufahren“ und so geht der Abstieg über das Schneefeld dann erfreulich schnell und einfach .


    Blick nach Norden – Das Schneefeld ist geschafft.


    Erste Vegetation auf der Nordseite des Forester Passes

    Auf dem Weg ins Tal kommen wir an einigen sehr schönen Seen vorbei. Wir entdecken viele schöne Zeltplätze, doch unsere leeren Rucksäcke mahnen zur Eile:

    „If I wasn’t running out of Food I would stay here“

    Wir laufen noch recht lang, bis JJ meint dass er nicht mehr kann. Ich könnte heute noch ewig weiter laufen, aber natürlich lasse ich ihn nicht allein zurück und wir bauen unser Lager am Bubbs Creek auf. Ich sage nur: Mückenseuche!


    Abendessen mit Mückenschutz…

    • Campground Bubbs Creek: KM 1262, 3197m
    • Unterwegs: ca. 9:30h, 23,3 km, 1100 hm bergauf, 1100 hm runter





    24. Juni 2018 – Hungrig über den Kearsarge Pass

    PCT Tag 12, Reisetag 41

    Die Mückenseuche von gestern noch im Kopf, breche ich so schnell wie möglich auf. Zum Frühstück gibt es die letzten zwei Wraps mit der letzten Peanut Butter, was gerade mal 1,5 Stunden her hält.

    Diese Seite des Forester Passes ist irgendwie eine andere Welt. Der Wald ist grün und saftig, man sieht kaum die riesigen Sequoia-Bäume, auf dem Trail finden sich Schlamm und Wurzeln. Immer wieder verschwindet er auch unter großen Pfützen. Insgesamt gibt es einfach viel mehr Wasser.


    So viel Grün!


    Nach ein paar Stunden durch den Wald im Tal führt der Weg wieder nach oben, wodurch ich das ganze durchwanderte Tal überblicken kann

    Kurz nach der Abzweigung zum Kearsarge Pass machen wir Mittagspause und essen unser letztes Essen: Die Knorr-Gerichte von Turbo. Er hat uns echt gerettet.


    Der Trail zum Kearsarge Pass ist ausgesprochen schön. Er verläuft am malerischen Bullfrog Lake vorbei, an dem Zelten leider verboten ist. Ich lasse mir viel Zeit und genieße die Landschaft, während mein Magen eigentlich weiterdrängt.


    Wir lassen uns doch zu einer kurzen Pause verleiten


    Adieu du schöner See


    Der Aufstieg ist sehr steil und anstrengend. Ich esse meinen letzten Riegel, weil ich so Hunger habe, doch auch der ist nach 30 Minuten verpufft. In meinem Rucksack (und Bauch) herrscht essenstechnisch jetzt gähnende Leere


    Immerhin ist die Aussicht bombastisch. Blick zurück, rechts unten liegt der Bullfrog Lake, links die Kearsarge Lakes


    Endlich sind wir auf dem Pass angekommen. Der Blick nach Osten verspricht Wüstenklima.

    Auf dem Pass treffen wir einige alte Bekannte aus Kennedy Meadows. Es ist immer wieder schön, die Leute wiederzusehen. Leider ist das immer nur ein paar Tage der Fall, weil die PCT Leute einfach viel schneller und länger laufen.

    Hungriger Abstieg

    Der Abstieg wird eine psychische Prüfung: Wir kippen beide vor Hunger fast aus den Latschen. Vor allem JJ ist am Ende und ich versuche ihn immer wieder zu motivieren. Ca. ab der Hälfte des Abstiegs sieht man den Parkplatz in der Ferne, was wirklich kontraproduktiv ist, da er stundenlang nicht näher kommt. Mir tun meine Beine ziemlich weh, vor allem mein linker Oberschenkel, aber eine Pause kommt nicht in Frage. Wir erzählen uns gegenseitig von Essen und irgendwie schaffen wir es endlich, am Ende anzukommen.


    Am Ende unserer Kräfte und der John Muir Wilderness


    Ich sammel immer noch Herzen für meinen Freund…

    Auf dem Parkplatz haben wir unendliches Glück: Wir treffen sofort auf einen Trailangel, der seit seiner Rente sich die Zeit damit vertreibt, PCT Hiker nach Independence und Bishop zu fahren. Und noch dazu hat er einen Kuchen in seinem Auto!!! Wir fallen wie hungrige Löwen darüber her und müssen uns zurück halten, nicht alles aufzuessen… 😉 . Er zeigt uns auch sein Büchlein, in das jeder, den er mitnimmt, seinen (Trail)Namen hineinschreibt. Total schön, ich blättere ein wenig darin und entdecke ein paar bekannte Namen.

    Er fährt uns sogar bis ins 80 km entfernte Bishop (wir geben ihm natürlich Geld dafür, auch wenn er nicht darum bittet) und lässt uns da auf JJ’s Wunsch bei McDonalds raus. Mir ist in dem Moment eigentlich alles egal 🙂 .

    In Bishop angekommen

    Leider habe ich keine Fotos von der Stadt gemacht. Wir teilen uns ein Hotelzimmer, da hier alles unglaublich teuer ist und gehen dann erst mal in die Tankstelle gegenüber, wo ich meinen unglaublichen Hunger nach sauren Gummibärchen stille. Abends gehen wir essen und ich kaufe mir endlich meinen großen Salat, von dem ich seit Tagen träume.

    • Ausstieg im Onion Valley
    • Unterwegs: ca. 8h, 18 km, ca. 700 hm bergauf, 1.100 hm runter





    25. Juni 2018 – Zero in Bishop

    PCT Tag 13, Reisetag 42

    Bishop ist eine kleine süße Stadt am Fuße der Sierra Nevada und hat erstaunlich viele Outdoor- und Bergsport-Geschäfte. Es ist geradezu perfekt für einen Resupply geeignet. Es gibt auch ein Hostel, in dem die meisten PCTler übernachten, das einen Fahrradverleih anbietet.

    Der Zero in Bishop vergeht rasend schnell. Wir schlafen beide bis ca. 8 Uhr aus (haha) und bummeln dann durch die Stadt. Ich finde endlich neue Schuhe (riesige Lone Peak Altras, die mir von sehr vielen PCTlern empfohlen wurden und seltsamerweise auch super passen – Ich bin echt schwierig bei Schuhen), kaufe neue Socken und ein zweites Paar Zehensocken, viele Travel Lunches und noch viele saure Gummibärchen. Ich esse eigentlich nie Gummibärchen, aber jetzt bin ich geradezu süchtig nach der sauren Variante.

    Der restliche Tag ist mit meinem Freund telefonieren, Wäsche waschen, Essen einkaufen und Essen gehen dann auch ziemlich gut gefüllt.


    Foooood! Das Pad Thai with Chicken war übrigens phänomenal lecker

    Den hungrigen letzten Tag habe ich noch deutlich im Gedächtnis und so kaufe ich Unmengen an Essen ein. Dadurch verbringe ich den Abend mit umfüllen, packen und quetschen, aber es passt beim besten Willen nicht alles in meinen Bear Canister. Mein ganzer Rucksack ist übervoll mit Essen. Mir graut ein bisschen davor, das morgen wieder auf den Kearsarge Pass zu schleppen, aber ich habe jetzt lieber zu viel als zu wenig Essen dabei…

    Gespannt gehe ich schließlich viel zu spät ins Bett. Morgen geht es früh weiter, der Bus wird mich wieder zurück zum Trail bringen. Dann geht es in die High Sierra, das Herzstück des PCT und des JMT. Hohe Pässe, schöne Seen und viele Mücken warten auf mich.


    Die Menschen auf dem PCT
    Mit diesem Abschnitt des Treks verknüpfe ich jetzt, fast ein Jahr später, vor allem die langen Waldpassagen im Kontrast zu den tollen Campgrounds, den ständigen Hunger und die vielen schönen Begegnungen und Gespräche. Meine Mittagspausen verbrachte ich stets an Flüssen, wo man immer andere Wanderer traf. So gut wie jeder war an einem Gespräch interessiert, offen und neugierig.

    So wie der Wanderer, der Turbos erstes Pacecar wird, mit dem ich über Atomkraft, Umweltschützer und Kalifornien rede. Ciara, die man wie „Sierra“ ausspricht und die deswegen keinen Trailnamen braucht, und ihr netter weißbärtiger Wanderpartner. Ben und seine Freundin aus Österreich, die ich vom Kern River bis zum Mt Whitney öfter treffe und die ein ziemlich cooles Zelt haben. PCT Hiker Felix mit seiner Freundin, die wie ich am Walker Pass eingestiegen ist und jetzt mit ihm 30 km Tage runterrockt. Gotham, der Amerikaner mit indischen Wurzeln, der mich vor der Vogelkacke am Kern River warnt und den ich in VVR wieder treffe. Thor aus Finnland, der mein Tempo läuft aber trotzdem jeden Tag 10 km länger geht. Der etwas ältere Wochenendwanderer, der schwer bepackt mit seinem Bruder wandert und so oft es geht hier trekkt. Ran aus Israel, der den PCT so schnell wie möglich läuft, um Zeit für „Ausflüge“ zu haben: Er hat z.B. den Grand Canyon besucht und ist zum Bright Angel Campground gewandert. Er erzählt mir begeistert vom Israelian Trail und in mir steigen schon neue Trekkingträume auf. Außerdem filtert er mir Wasser und zeigt mir alle Vorteile seines Katadyn-Wasserfilters. Der Österreicher (oder Schweizer?), der mir Tipps für neue Schuhe gibt und auf einer Kuppe so malerisch in der Landschaft steht, dass ich ihn für einen gut platzierten Baum halte. Avatar, das lässige Mädl, das ich gern näher kennen gelernt hätte. Erik, der graubärtige entspannte ältere Wanderer. The Adventurer, der mir lange von seinen Treks in der Welt erzählt, vor allem von dem zum See beim K2, als er allein mit einer Horde Trägern, Guides und Köchen eine Tour gegangen ist. Seine schweigsame Wanderpartnerin Svetlana. Die beiden treffe ich an einem Tag bestimmt fünf Mal. Der nette Kanadier vom Chicken Spring Lake. Der asiatisch-amerikanische PCTler, der in 10 Tagen von Kennedy Meadows bis Mammoth Lakes laufen will und fast seine gesamte Ausrüstung voraus geschickt hat, um seinen Rucksack voll Essen packen zu können. Ich gebe ihm etwas Papier, damit er am Mt Whitney seiner Trail Family eine Nachricht schreiben zu kann. Raynow, Aragorn, Sam und Backtrack, die ich schon an den ersten Tagen auf dem PCT getroffen habe. Mouse, mit der ich leider nur ein paar Sätze gewechselt habe.

    Für mich haben diese Begegnungen den PCT auf jeden Fall bereichert und spannender gemacht.
    Geändert von blackteah (01.07.2019 um 20:18 Uhr)

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    AW: [US] 2018 – 522,5 km auf dem Pacific Crest Trail und John Muir Trail

    #4
    PACIFIC CREST TRAIL 3: AUF DEM JOHN MUIR TRAIL VOM KEARSARGE PASS BIS ZUM VERMILLION VALLEY RESORT

    Im dritten Teil meiner Trekking Tour auf dem PCT befinde ich mich endlich in der ersehnten „High Sierra“, dem Hochgebirge der Sierra Nevada. Wasser gibt es hier in Hülle und Fülle, zahlreiche Schmelzbäche fließen die Berghänge hinab und auf den Pässen liegt oft noch Schnee. Die Tage sind ein Wechsel aus karger Steinlandschaft und grünen, mückengefüllten Wäldern, ein steter Wechsel zwischen Pässen und Tälern.


    Vom Pass ins (Palisade Creek) Tal und auf der anderen Seite wieder nach oben… Ein schöner Rhythmus

    Beitragsübersicht

    Tag 14 – Zurück zum Trail über den Kearsarge Pass mit Traumblick über den Bullfrog Lake.
    11,5 km, 800 hm
    Tag 15 – Glen Pass und die kristallklaren Rae Lakes (wo ich meinen Löffel verliere).
    18km, 400 hm
    Tag 16 – langer Aufstieg zum Pinchot Pass, viele schöne Bergseen und ein anstrengender Abend.
    22,5km, 1350 hm
    Tag 17 – Mather Pass, traumhafte Ausblicke auf der golden Staircase ins Palisade Creek Valley und ein nicht enden wollender Abstieg.
    27,6km, 550 hm
    Tag 18 – spannender Muir Pass und cowboy campen am schönen alpinen Evolution Lake.
    21,6 km, 1050 hm
    Tag 19 – Furt über den Evolution Creek und viel Wald.
    29,2km, 600 hm
    Tag 20 – die schönste Aussicht des Trails: Selden Pass und Nachts Sterne gucken.
    19,8 km, 500 hm
    Tag 21 – 10km Abstieg zum Vermillion Valley Resort

    -> Meine Route bei Google My Maps


    Die High Sierra

    Die Pässe markieren ab jetzt keine dramatischen Klimaveränderungen mehr, wie das beim Forester Pass und auch beim Kearsarge Pass der Fall war. Für ein so hohes Gebirge ist es für mich allerdings überraschend, wie hoch die Baumgrenze liegt. Ich bin die spärliche Vegetation der Alpen gewohnt, doch in der Sierra Nevada läuft man locker 50% der Zeit unter hohen Bäumen (mit tausenden Mücken). Da mich diese Passagen eher stören und nerven, habe ich sie kaum fotografiert. Doch lasst euch von den Fotos dieses Beitrages nicht täuschen. Es sind wirklich 50% Wald!


    Wald, Wald, Wald…

    In den acht Tagen bis zum Vermillion Valley Resort laufe ich fast täglich über einen Pass. Es ergibt sich ein natürlicher Rhythmus: Ich versuche stets, so nahe wie möglich an den nächsten Pass heranzulaufen, damit ich am kühleren Vormittag aufsteigen kann. Leider übernachte ich dadurch auch oft unter der Baumgrenze und sehr selten an den wunderschönen Bergseen. Aber mir ist ein ausgefüllter Wandertag lieber, als schon am frühen Nachmittag mein Zelt aufzuschlagen.

    Ich komme jeden Tag auf eine reine Gehzeit zwischen 8 und 10 Stunden und laufe zwischen 18 und 29km und 400 bis 1350 Höhenmetern (bergauf) am Tag. Ich genieße zwar das Wandern und die Zeit unterwegs, doch die hohe Belastung fordert auch ihren Tribut: Meine Fußgelenke schmerzen stark nach dem Aufstehen und nach Pausen, der Rucksack scheuert und drückt an Hüfte und Schultern, die Knie schmerzen, Beinmuskeln tun weh… Doch mit der steten Bewegung spürt man alles nicht mehr so sehr, und mit den neuen Schuhen gehören meine Blasenprobleme der Vergangenheit an. Außerdem entschädigt die Landschaft eh für alle Mühen .


    Meine Wohlfühlregion: Der Blick zurück zum Aufstieg auf den Glen Pass.

    Justin und ich gehen ab Bishop getrennte Wege: Es fahren 2x täglich Busse nach Independence zurück zum Trail, ich möchte Vormittags fahren und er Nachmittags. Als ich 9 Tage später in Mammoth Lakes wieder Handyempfang habe, erfahre ich allerdings, dass er seinen Bus verpasst hat und noch eine Nacht in Bishop bleiben musste. Dadurch sehen wir uns natürlich nicht mehr und ich habe keine Trail Family mehr.

    Die meiste Zeit wandere ich alleine. Beim campieren suche ich mir meist andere Wanderer, zu denen ich mich geselle: Alleine zelten macht mir persönlich nicht so viel Spaß.

    Die bisherige Zeit auf dem PCT war geprägt von den interessanten Begegnungen der Mitwanderer, an den Quellen traf man immer einige Leute und kam oft ins Gespräch. In der Sierra waren diese Leute auf einmal völlig verschwunden, ich bin kaum PCTlern begegnet. Oft habe ich Mittagspause gemacht, ohne dass überhaupt ein Mensch vorbei kam…



    26. Juni 2018 – zurück über den Kearsarge Pass

    PCT Tag 14, Reisetag 43

    Meine Rückkehr auf den Trail startet gewohnt geordnet und strukturiert: ich stehe früh auf und mache mich extra leise fertig, um JJ nicht zu wecken. Auf halben Weg zum Bus nach Independence fällt mir ein, dass mein Obst noch im Kühlschrank steht… Also schnell zurück rennen, JJ aus dem Bett klopfen und die 3km zum Bus hetzen – ich bin spät dran. Es geht doch nichts über einen entspannten Start in den Tag ...


    Independence ist zwar Mini, hat aber ein paar charmante Gebäude…

    Den Trailhead Onion Valley erreicht man nur durch trampen und ich bin froh, einen anderen PCT Hiker zu treffen: Gnocchi, Professor mit lateinamerikanischen Wurzeln. Ich hatte mir vorgenommen, nicht alleine zu trampen, und ohne Gnocchi wäre ich etwas in der Bredoullie gewesen… Nach einer Stunde Wartezeit nehmen uns zwei nette Bergsteiger mit zum Trailhead.


    Den Kearsarge Pass schon im Blick (links oben)

    Der Aufstieg geht trotz 20kg im Rucksack (inklusive 3l Wasser) erstaunlich gut, nur die Schultern schmerzen vom Gewicht. Nach 3.15 h erreiche ich den Pass und bin wieder von der grandiosen Aussicht überwältigt ❤️.

    Auf dem Kearsarge Pass (3603 m)


    Die Kearsarge Lakes im Abendlicht

    Beim Abstieg kommt mir No Nuts entgegen, wir reden kurz miteinander, bevor jeder seiner Wege geht. Schade dass er morgen erst seinen Resupply machen wird und somit ein paar Tage hinter mir ist.


    Der Bullfrog Lake, ich kann mich gar nicht satt sehen


    Der Trail führt wunderbar erhaben über der Landschaft entlang

    Ich habe mir schon gestern einen geeigneten Campground kurz vor der Trail Junction auf der Karte rausgesucht und als ich ihn ansteuere, bin ich froh: ein wunderbares Plätzchen. Der Sonnenunter- und Mondaufgang ist beeindruckend. Ich genieße mein reichhaltiges Abendessen (ich schaffe nicht mal alles!) und packe dann mein Zeug weg. Hoffentlich besucht mich heute kein Bär, so ganz alleine wie ich hier bin…

    Es ist das letzte Mal auf dem PCT, dass ich ohne Wasserstelle campe.


    Mein wunderschöner Campground bei Sonnenuntergang

    • Campground kurz vor der Trail Junction: KM 1269, 3283m
    • Unterwegs: ca. 4 Stunden, 11,5 km, 800 hm bergauf





    27. Juni 2018 – Glen Pass und Rae Lakes

    PCT Tag 15, Reisetag 44

    So einfach wie sich der Aufstieg zum Kearsarge Pass angefühlt hat, so anstrengend ist der Aufstieg zum Glen Pass. Obwohl heute nur 400 Höhenmeter (auf 4km) zu bewältigen sind, habe ich wirklich zu kämpfen. Es überholen mich zwei ältere JMT Wanderer, die eine 5 Tages Tour machen und mir bescheinigen, dass mein Rucksack wirklich sehr schwer aussieht.


    Gletscherspuren an den Bergwänden…


    Die Trails zu den Pässen sind immer sehr gut ausgebaut (hier vorne rechts zu sehen) und dadurch einfach zu gehen. Meistens wird die Steigung durch viele Serpentinen entschärft.


    Oben angekommen (2.5h Aufstieg, 3635 m) hat man eine wunderbare Aussicht auf die Rae Lakes (hinten rechts im Tal), von deren Schönheit mir in den letzten Tagen viel berichtet wurde.



    Pause an den Rae Lakes

    Der Abstieg geht trotz Schneefeld schnell und einfach und schon bald stehe ich am Ufer des ersten glasklaren Sees. Nach einer spannenden sehr schmalen Landbrücke zwischen zwei Seen mache ich in einer kleinen Bucht Mittagspause. Bald gesellen sich Thirsty aus Deutschland und Speedy aus Australien zu mir.


    Hier kann mans aushalten…

    Der weitere Weg führt an den Seen entlang, ich entdecke viele schöne Zeltplätze. Aber für mich ist es noch viel zu früh, um hier mein Lager aufzuschlagen. Nach knapp 4 Stunden erreiche ich schließlich den Campground am Talgrund bei der Suspension Bridge und finde noch einen kleinen Zeltplatz, hier lagern schon einige JMT Hiker.


    Abstieg Richtung Tal. Mein Ziel liegt zu Füßen der gegenüberliegenden Bergwand: Woods Creek

    Als ich mein Abendessen zubereite entdecke ich schließlich, dass ich eines meiner essenziellsten Ausrüstungsgegenstände an den Rae Lakes vergessen habe: meinen Spork! Habt ihr schonmal versucht, Müsli oder Reis ohne Löffel zu essen? Ich kann euch versichern, das ist kein Spaß. Ich esse also die nächste Woche mit einer Plastiktüte und meiner Hand . Es ist einfach super ätzend.

    Auch Thirsty ist hier und wir reden noch eine Weile, bevor sie ins Bett geht. Ich sitze noch lange mit einem JMTler am Lagerfeuer und wir reden über Gott und die Welt, bevor ich viel zu spät ins Bett gehe. Ich bin immer viel zu neugierig auf die Menschen die man hier trifft, als dass ich diszipliniert früh ins Bett gehen könnte…

    • Campground: Suspension Bridge, Woods creek: KM 1287, 2606m
    • Unterwegs: 8 Stunden, 18km, 400 hm Aufstieg




    28. Juni 2018 – Pinchot Pass und viele Höhenmeter

    PCT Tag 16, Reisetag 45


    Die schöne Suspension Bridge am Morgen

    Zum Pinchot Pass geht es knapp 1100m auf 11,5km bergauf. Anfangs geht es spannend am Woods Creek entlang, ein mächtiger Fluss, der den harten Granitfelsen formt. Besonders beeindruckend finde ich den Woods Creek Waterslide, an dem der Trail direkt vorbei führt. Man läuft auf dem glattpolierten Granit und nebendran rauscht und rutscht das Wasser vorbei – garniert ist das mit einer tollen Aussicht in das Tal, aus dem ich gestern abgestiegen bin.


    Woods Creek Waterslide: Das Wasser rutscht den Stein hinab


    Im Wald entdecke ich ein gut getarntes Huhn. Ich habe es nur gesehen, weil es sich bewegt hat


    An einer der vielen Flussquerungen treffe ich Low&Slow, eine ca. 70 jährige nette Wanderin, die noch langsamer ist als ich .

    Vor dem Pincho Pass macht der Trail nochmal eine weite Kurve, deswegen weiß ich lange nicht, wo es letztendlich über die Berge geht. Die Felsen sind schön bunt rot gefärbt, hier muss es wohl viel Eisen geben. Ich treffe Doc, den PCT Hiker, der Anfangs ständig seine Füße verarzten musste, und drei sehr nette ältere Dayhiker, die Las Vegas nicht mögen. Sie haben irgendwo in der Nähe ihr Zelt aufgeschlagen und machen Tagesausflüge.


    Wo ist der Pass?


    Rückblick beim Aufstieg zum Pinchot Pass auf eine Gruppe schöner Seen

    Nach knapp 5,5 Stunden erreiche ich den Pass (3672 m)

    Der Weg runter vom Pass ist bisher das Highlight, ich denke andauernd „oh wie schön“, bleibe stehen und muss einfach gucken. Ab und an mache ich auch ein Foto.


    Mittagspause an den Schmelzseen unterm Pinchot Pass


    Der wunderschöne Lake Marjorie


    Die meisten Flussquerungen sind so harmlos wie diese – der Trail ist wirklich gut ausgebaut


    In der Ferne sieht man schon den Mather Pass (weiß eingekreist), über den es morgen weiter geht. Aber erst mal heißt es Absteigen in ein bewaldetes Tal.

    Pinchot Pass und Mather Pass sind nah beeinander, und heute muss ich nur ca. 600m absteigen, um im Tal zu stehen. Auch hier fließt ein großer Fluss, der South Fork Kings River. Er hat einige Arme und ich suche zusammen mit einem anderen PCT Hiker lange nach geeigneten Stellen, um den Fluss zu queren. Letztendlich schaffe ich es, komplett über umgestürzte Bäume hinüber zu gelangen, auch wenn das einiges an Suchzeit erfordert.


    Es passiert öfter, dass umgestürzte Bäume über den Flüssen liegen und als Brücken benutzt werden können.


    Ich liebe es wenn der Trail so erblüht ❤️

    Abends geht es nochmal bergauf

    Ich bin schon recht müde, aber ich hatte heute eigentlich gehofft, wieder mit Thirsty campen zu können. Allerdings bin ich ihr noch nicht begegnet, also muss sie irgendwo vor mir sein.

    Mit diesem Gedanken im Kopf beginne ich mit dem Aufstieg ins nächste Tal. Letztendlich finde ich Thirsty nicht, und es werden noch sehr anstrengende und nervenzehrende 5 km und 300 Höhenmeter. An einem Fluss entschließe ich mich, nicht mehr weiter zu gehen und baue mein Lager auf. Es ist seltsam, wenn ich alleine bin, hab ich viel mehr Angst vor Bären und stelle meinen Bear Canister etwas weiter weg als sonst.

    Heute war ein sehr langer Tag und dementsprechend schnell und tief schlafe ich auch


    Bis ich gegessen und zähnegeputzt habe, ist die Sonne schon fast untergegangen…

    • Campground Small Creek beim South Fork Kings River: KM 1310, 3326m
    • Unterweg: ca. 10 Stunden, 22,5km, 1350m bergauf




    29. Juni 2018 – Mather Pass und die Golden Staircase des Palisade Valleys


    PCT Tag 17, Reisetag 46

    Heute Nacht wurde es so kalt, dass mein Rucksack von einer Eisschicht überzogen ist. Das sind ja fast norwegische Verhältnisse hier

    Ich habe noch nicht so ganz die optimale Frühstücksmenge rausgefunden, manchmal esse ich zu viel und mir ist während der anstrengenden Aufstiege schlecht, manchmal esse ich zu wenig und ich muss bereits nach einer Stunde Energie nachschieben. So auch heute, ich mache auf dem 2.5 h dauernden Aufstieg zum Mather Pass zwei mal eine kurze Snack-Pause…


    Der Trail zum Mather Pass (3688 m) – schnurgerade bis zum letzten Anstieg


    Blick zurück, aus dem Tal in der Mitte bin ich gestern vom Pinchot Pass abgestiegen. Man sieht außerdem recht schön die Baumgrenze.


    Blick nach vorne zum Palisade Lake und dem dazugehörigen Tal. Noch weiß ich nicht, wie beeindruckend das wird.

    Hier oben treffe ich auf zwei schwer bepackte JMT Hiker und einen Sierra High Route Hiker, der noch ultraleichter unterwegs ist als die PCTler. Die Sierra High Route ist eine schwierige, unmarkierte und meist weglose Route durch das Hochgebirge der Sierra Nevada, ich bin dementsprechend beeindruckt von dem Mann.

    So findet man hier Freunde: Essen verschenken

    Mittlerweile ist mir klar geworden, dass ich viel zu viel Essen dabei habe: es passt immer noch nicht alles in den Bear Canister. Meine 500g Packung saure Gummibärchen habe ich noch kaum angefasst, und so verteile ich ein paar handvoll an die drei Hiker auf dem Pass. Ich kann euch versichern, dass man hier mit Verschenken von Essen viel Freude bereiten kann .

    Beim Abstieg mache ich Mittagspause an den Palisade Lakes.

    Mein Trinkwasser nehme ich übrigens immer aus Bächen und nicht aus Seen, da ich ja keinen Filter dabei habe. Hier im Hochgebirge braucht man ihn aber auch nicht mehr wirklich.


    Mittagspause am unteren Palisade Lake


    Der Trail verläuft direkt an den Seen, wunderschön

    Traumhafter Abstieg ins Palisade Creek Valley

    Als ich die Seen verlasse, eröffnet sich ein fantastischer Blick in das Tal des Palisade Creek. Es ist unglaublich schön und beeindruckend, auch wenn das Nachmittagslicht das auf dem Foto nicht 100% wider geben kann. Es bleibt über Stunden so schön, denn hinab geht es über die sogenannte golden Staircase: Der Trail ist so steil, dass er immer wieder mit großen Steinen abgesichert ist, wie eine endlose riesige Treppe. Ich bin froh, dass ich sie nicht hochlaufen muss . Immerhin sind es insgesamt 1.300 m, die ich heute bergab laufe…


    Der Blick öffnet sich in das fantastische Tal des Palisade Creek

    Es wird heiß – zurück im Salamanderland

    Je tiefer ich komme desto heißer wird es. Ich bin zwar eigentlich traurig, wieder in den Wald hineinzuwandern, aber hier gibt es immerhin etwas Schatten. Salamander huschen über die Steine, die ersten seit Kennedy Meadows.


    Für einen Moment dachte ich, da steht ein kleiner Bär


    Bald wandere ich durch die beeindruckendste Burnt Area des ganzen Weges durch die Sierras. Ohne den Trail wäre es fast unmöglich, hier durchzukommen.


    Ich liebe Birken ❤️

    Der Abstieg geht gefühlt endlos dahin, die drückende Hitze erschwert das Wandern. Ich bin seit Stunden niemandem mehr begegnet, wo sind nur die ganzen PCT Hiker hinverschwunden?

    Nach sechs Stunden bergab laufen erreiche ich das Tal, hier ist es erstaunlich unspektakulär und so beginne ich wieder mit dem Aufstieg. Es geht eine Weile am imposanten Middle Fork Kings River entlang, der über einige Wasserfälle neben mir dahinrauscht.


    So viel Wasser! Middle Fork Kings River

    Trailmagic

    Bei den Grouse Meadows erlebe ich einen der schönsten Momente auf dem Trail: Die untergehende Sonne zaubert ein fast magisches Licht zwischen zwei Berge. Ich bleibe lange stehen und bewundere das Panorama.


    Sonnenuntergang…

    Und nur ein paar Minuten später eröffnen sich schöne Ausblicke ins Tal vor mir, auf das die untergehende Sonne scheint. ❤️


    lick in den Le Conte Canyon

    Ich laufe verträumt vor mich hin und als ich um die nächste Kurve biege, steht plötzlich ganz nah ein Reh vor mir. Ich bekomme den Schreck meines Lebens – das Reh auch – wir starren uns einen Moment an, dann springt es die Böschung nach oben. Ich lache und bin wirklich froh, dass es kein Bär war….


    Hallo! Ich bin genauso erschrocken

    Campen mit Trail Workern

    Schon bald überholt mich Boots, ein PCTler, der sich meiner Geschwindigkeit anpasst um sich etwas zu unterhalten. Er trägt feste Wanderstiefel (daher sein Name) und einen großen schweren Rucksack. Er ist unglaublich nett und erzählt, dass er letztes Jahr ein paar Monate als Trail Worker gearbeitet hat, allerdings in der Oregon-Section. Zusammen läuft es sich leicht und so fliegt eine Stunde dahin, bis wir an einer Gruppe vorbei laufen. Ich beschließe hier zu bleiben, da ich nicht wieder alleine Zelten will. Boots möchte zumindest auch hier Abend essen und entdeckt dann, dass er einige aus der Gruppe kennt: Es sind ebenfalls Trail Worker und ein paar waren auch letztes Jahr in Oregon. Zufälle gibts… Wir setzen uns ans Lagerfeuer und Boots packt einen gusseisernen (!!) Topf aus.


    Boots beim Wasser auffüllen

    Shaun, auch ein Trailworker, leiht mir fürs Abendessen seinen Löffel und ich schenke ihm als Dank ein paar Gummibärchen. Süßigkeiten sind ein wertvolles Gut auf dem Trail . Schon bald gehe ich ins Bett, es war ein sehr langer Tag heute.

    • Campground Bishop Pass Trail Junction: KM 1337, 2660m
    • Unterwegs: 9h 20min, 27,6km, 550m bergauf




    30. Juni 2018 – Muir Pass und cowboy campen am wunderbaren Evolution Lake

    PCT Tag 18, Reisetag 47

    Ich beobachte beim Frühstück neidisch einen netten israelischen PCTler, der sich mit seinem extra mitgeschleppten israelischen Kaffee-Set einen Kaffee braut. Er bietet mir eine Tasse an und ich schenke auch ihm ein paar Gummibärchen. Das war einer der besten Kaffees, den ich je getrunken habe!

    Einen Monat später lerne ich in Kirgistan, dass Israelis anscheinend nie ohne ihr Kaffee-Set verreisen und selbst jeder Trekker sein eigenes dabei hat


    Ein schöner Start in den Tag

    Der Aufstieg kommt mir ewig lang vor und ich denke mal wieder, dass ich einfach überhaupt keine Fitness aufbaue. Zwei PCTler überholen mich, die sind immer noch alle viel schneller als ich… Aber es sind auch einfach über 1000 Meter nach oben, und mein Rucksack ist immer noch schwer.


    Pause beim Aufstieg auf den Pass – Immerhin sind es 1000 Höhenmeter bis zum Muir Pass

    Beim nächsten See hole ich die zwei PCTler bei ihrer Mittagspause wieder ein und geselle mich zu ihnen: Third Wheel ist aus Amerika und war anfangs mit einem Paar unterwegs, High Tower ist aus Deutschland und zwei Meter groß. Sie machen die ganze Zeit Witze über Ultra Light und Ultra Heavy, weil Third Wheel ungefähr nur halb so viel Gepäck dabei hat wie High Tower .

    Gemeinsam über den Muir Pass

    Zusammen laufen wir weiter und ich bin ganz froh darum: Der Muir Pass hat noch relativ viele Schneepassagen und wir können zusammen nach dem Weg suchen. Ich mag diesen Pass am liebsten, da er noch so natürlich ist: Der Weg ist oft nicht erkennbar und nur mit Steinmännchen markiert, so macht das Wandern richtig Spaß.


    Third Wheel vor dem „Black Giant“ und dem Muir Pass


    Rückblick zum Helen Lake


    Steinmännchen weisen den Weg zum Muir Pass (Einkerbung rechts)

    Nach 7 Stunden erreiche ich um halb 4 den Muir Pass


    Die Muir Hut auf dem Pass (3650 m)

    Wir machen in der Muir Hut Pause, mittlerweile ist es selbst auf dem Pass so warm dass wir ganz froh um den kühlen Schatten sind. Beim Abstieg frage ich, ob die beiden ein Foto von mir machen können, und sie meinen: „That’s why you hike together!“


    Blick auf den Lake McDermand (vorn) Und Wanda Lake (hinten)

    Entspanntes Murmeltier

    Wir entdecken ein Murmeltier und ich komme ihm langsam immer näher, während das Murmel völlig entspannt in der Sonne liegt und mich immer wieder prüfend anschaut. Als ich ihm schließlich zu nahe komme (so ca. ab 2m) flitzt es schließlich davon.


    Murmeltier mit 12mm Brennweite


    Wunderschöne Landschaft, allerdings mal wieder mit extremer Mückenseuche

    Schließlich erreiche ich den Evolution Lake und während ich darum herum laufe, beschließe ich, heute Nacht auf jeden Fall hier zu bleiben – auch wenn Third Wheel und High Tower noch ins Tal absteigen wollen. Erstens ist es hier unglaublich schön und zweitens bin ich so fertig, dass ich kaum noch laufen kann.


    Der wunderschöne Evolution Lake

    Mit letzter Kraft zum Campground am Evolution Lake

    Obwohl ich vor Hunger fast vom Fleisch falle, muss ich immer wieder den See im Abendlicht fotografieren. Schließlich komme ich zu einem perfekten Campground, kurz bevor es von der Evolution Basin steil ins Evolution Valley hinabgeht. Hier liegen schon die Schlafsäcke von ein paar anderen Wanderern und ich geselle mich zu ihnen, koche mein Wasser und brühe mir mein Pad Thai auf, worauf ich mich schon lange freue. Danach sehe ich, dass es 30 min ziehen muss. 30 Minuten!! Halte ich noch so lange aus? Ich bin kurz verzweifelt, aber dann sehe ich, was der Sonnenuntergang mit der Landschaft anstellt und ziehe los auf eine kleine Fototour:


    Sonnenuntergang am Evolution Lake

    Läuft man um einen kleinen Hügel herum, gelangt man zum Ausfluss des Sees. Hier fällt die Landschaft abrupt steil ab, das Wasser fällt scheinbar endlos ins Tal hinab. Alles wird von rosanem sanften Licht beleuchtet. Es ist unwirklich schön und mystisch. Gegenüber geht die Sonne unter.


    Das Wasser verschwindet rauschend im Nichts


    Evolution Valley


    Nach Sonnenuntergang ❤️

    Als ich zurück komme ist es schon viel später und Papa Peanut meint scherzhaft, er hätte sich schon fast Sorgen gemacht. Ich leihe mir den Löffel von Peanut und genieße endlich mein heiß ersehntes Abendessen. Es schmeckt einfach himmlisch.

    Außerdem ist Franz / Cool Runnings hier (er fährt beim Film den Bob der österreichischen Olympia-Bob-Fahrer), ich rede heute nur kurz mit ihm, treffe ihn aber nochmal im Vermillion Valley Resort. Es ist ein sehr schöner und kurzweiliger Abend, aber bald bin ich so müde dass ich mich in meinen Schlafsack verkrieche.


    Wunderschöner Schlafplatz am Evolution Lake

    • Campground Evolution Lake: KM 1359, 3313m
    • Unterwegs: 8h 40min, 21,6 km, 1050 hm bergauf




    01. Juli 2018 – fast 30 km zum Senger Creek

    PCT Tag 19, Reisetag 48

    Mehrmals in der Nacht wache ich auf und checke den Himmel, doch immer scheint der Vollmond: keine guten Bedingungen, um romantisch die Milchstraße über dem Bergsee zu fotografieren.

    Morgens erwartet mich ein wunderschöner Sonnenaufgang am See, ich muss für mein Frühstück nicht mal den Schlafsack verlassen


    Abschied vom Evolution Lake

    Der 12,6km lange und 750m „hohe“ Abstieg durch das Evolution Valley ist realtiv „langweilig“, man läuft endlos durch mückigen Wald und hat kaum Ausblicke.

    Furt über den Evolution Creek

    Heute stehen einige Furten an, unter anderem die gefährlichste auf dem gesamten PCT, über den Evolution Creek. Da ich ein schneearmes Jahr erwischt habe und noch dazu relativ spät unterwegs bin, ist die Furt allerdings harmlos und einfach: Kaum Strömung und Knietief.

    In wasserreichen Jahren kann die Furt ein lebensgefährliches Unterfangen werden, 2017 sind leider zwei Wanderer beim Versuch alleine zu furten gestorben.


    Die Furt über den Evolution Creek


    Der Evolution Creek ca. 50m flussabwärts

    Bald danach führt der Weg über und am South Fork San Joaquin River entlang, einem sehr großen und wilden Fluss. Über ihn führen einige Brücken, unter anderem an der Grenze vom Kings Canyon National Park zur John Muir Wilderness.


    Blick in das Tal des South Fork San Joaquin River


    Grenzbrücke zwischen Kings Canyon National Park und John Muir Wilderness

    Heute werden die Mücken wirklich zur Plage und noch dazu geht überraschend mein Mückenmittel leer: der absolute Super-Gau! Und das in einem Moment, als sie plötzlich in Scharen auftreten und ich daraufhin hüpfend und fuchtelnd versuche, mein mückendichtes Hemd aus dem Rucksack zu ziehen, während 20-30 Mücken an verschiedenen Stellen auf mir landen. Muss ich sagen wie ätzend das ist?

    Trailmagic Part II

    Ich bin mittlerweile schon ziemlich müde, ich hatte heute keine richtige Mittagspause und gehe auf 30 gelaufene Kilometer zu. Zwar gab es heute keinen Pass zu bewältigen, doch mit 600 Höhenmetern war es nun auch nicht gerade eine entspannende Etappe. Wie ich mich so den Berg Schritt für Schritt hochschleppe, beschert mir der Trail mal wieder einen magischen Augenblick: Das Licht taucht die am Wegesrand blühenden Blumen in wunderschönes warmes Licht, die Landschaft liegt friedlich und still da, keine Mücken weit und breit. Ich bleibe stehen und bin überwältigt von der Stimmung hier, von der Landschaft, von dem Licht, und die Strapazen sind für einige Momente vergessen.


    Kein Foto kann die wunderbare Stimmung auf dem Anstieg zum Senger Creek wiedergeben.

    An der ersten geeigneten Stelle für ein Zelt baue ich mein Lager auf und verschwinde schon ziemlich bald im Schlafsack. Der heutige Tag hat durch die eintönige Landschaft und die Mücken an mir gezehrt. Ich fühle mich etwas einsam und allein.


    Mein Zeltplatz kurz vor der Furt über den Senger Creek


    • Campground am Senger Creek: KM1386, 2972m
    • Unterwegs: ca. 9h 30min, 29,2km, 600hm bergauf




    02. Juli 2018 – Selden Pass und Sterne gucken

    PCT Tag 20, Reisetag 49

    Heute gehts mir besser und ich beschließe, einen Nero einzulegen und am Marie Lake zu bleiben. Nach langem ausschlafen und einem gemütlichen leichten Aufstieg mache ich also erst mal lange Pause an einem See, bis mich kleine schwarze Mücken von dort vertreiben.


    Idyllische Badepause am westlichen Sallie Keye Lake

    Der Aufstieg zum Selden Pass ist unglaublich kurz, und auf dem Pass gibt es noch erstaunlich viel Vegetation: nähere ich mich etwa schon dem Ende der High Sierra?

    Kaum kann ich auf die andere Seite linsen, eröffnet sich mir die schönste Aussicht auf dem PCT. Ich stehe da und bin erst mal ziemlich geplättet, bis ich die vielen Mücken um mich herum bemerke. Wo kommen die denn her, auf der südlichen Seite des Passes gabs die doch noch nicht?


    Die schönste Aussicht auf dem JMT: Maire Lake

    Auf dem Pass habe ich eine interessante Begegnung: Mir kommt ein Mann entgegen, der dick verpackt ist und über das ganze Gesicht strahlt. Er verströmt regelrecht Glück. Ich schaue ihn genau an, dieses Glück-triefen kommt mir so bekannt vor. Und da fällt es mir plötzlich wieder ein: Ich habe diesen Mann vor über einer Woche auf dem Weg zum Mount Whitney gesehen! Unglaublich, diese Aura ist wirklich unverkennbar. Er erzählt, dass er vom Mount Whitney nordwärts gegangen ist, dann ins Tal zurück und jetzt in Tuolumne wieder eingestiegen ist, um südwärts zu laufen. Die Permits, die er bekommen hat, haben keine andere Wegführung zugelassen. Seiner Freude tut das keinen Abbruch

    Zu viele Mücken für einen entspannten Nero

    Ich laufe runter zum See und obwohl es hier so unglaublich schön ist und ich gar nicht weg will, ergreife ich die Flucht: So viele Mücken wie hier gab es fast noch nie auf dem Trail. Angesichts meines leeren Mückenmittels steht es außer Frage, ich kann hier nicht bleiben.

    Keine Wahl: Ich muss zum Vermillion Valley Resort

    Der Nero ist gestrichen und ich beschließe, möglichst schnell nach VVR zu gehen, damit ich mir neues Mückenmittel kaufen kann. So ist das irgendwie leider echt nicht so spaßig.

    Der folgende Abstieg ist recht unspektakulär, bis auf die zweitgrößte Furt des Trails über den Bear Creek. Doch nach kurzem antesten merke ich, dass sie kein Problem ist und laufe zügig durch und weiter.


    Einfache Furt über den Bear Creek

    Beim Aufstieg auf den Bear Ridge begegne ich zwei campierenden Jungs, die mir netterweise etwas von ihrem Mückenmittel schenken, so dass ich mir die Beine einsprühen kann. Durch meine Leggins können die Mücken mühelos durchstechen.

    Traum-Campground auf dem Bear Ridge

    Schließlich erreiche ich beim Aufstieg ein steinernes Plateau mit weiter Aussicht, der perfekte Lagerplatz. Weiter unten campt ein französisches nettes Paar. Ich bin ganz froh, dass sie hier sind, obwohl ich nur kurz mit ihnen rede und sie recht weit weg sind.


    Mein wunderschöner Campground bei Sonnenuntergang

    Nachts kann ich vor dem Aufgehen des Vollmonds endlich die Milchstraße beobachten. Ich staune und fotografiere und friere und bin mal wieder froh, hier zu sein.




    • Campground Bear Ridge: KM 1406, 2887m,
    • Unterwegs: ca. 8h, 19,8 km, 500hm bergauf




    03. Juli 2018 – Nero im Vermillion Valley Resort

    PCT Tag 21, Reisetag 50

    Sanft wecken mich Mücken, die in meinem Gesicht landen. Uäh!

    Ich habe nicht viel Zeit, um die 10 km bis zur Fährenabfahrt am Lake Thomas A Edison zu schaffen, und so gehe ich zügig und ohne große Unterbrechungen. Es geht eigentlich die ganze Zeit durch Wald, anfangs begleiten mich schöne gelbe Blumen, später Birkenwälder und ein paar sehr beeindruckende Sequoias. Die Fähre ist klein und der Fährfahrer sehr nett und gemütlich. Die Fahrt über den See ist auf jeden Fall ein tolles Erlebnis und die paar Dollar absolut wert, die sie kostet.




    Die Fähre über den Lake Thomas A Edison

    VVR – Einfach schön!

    Ich habe durchaus gemischtes über das VVR gelesen, von „völlig überteuert“ zu „beste Burger der Welt“. Ich weiß gar nicht mehr, was ich zum Abendessen gegessen habe, aber es war eine unglaublich große und leckere Portion. Teuer fand ich es dort nicht, die Travel Lunches waren sogar billiger als beim Walmart und das erste Getränk ist für Wanderer kostenlos. Man zahlt seine Rechnung allerdings nicht sofort, sondern bekommt bei der Abreise eine gesamte Rechnung. Ich kann mir gut vorstellen, dass so mancher PCTler nach einem Pausentag mit viel Speis und Trank aus allen Wolken fällt… Was aber eher an der Menge des Konsums denn an den Preisen liegt .

    Es sind eine Menge toller, netter und offener Leute hier und ich treffe ein paar PCTler wieder, die ich teilweise vor über einer Woche getroffen habe. Gotham ist z.B. seit ein paar Tagen hier, weil er Probleme mit der Achillesverse hat und auch die zwei Australier, die den Grand Canyon entlangepaddelt sind, haben viele lustige Geschichten zu erzählen. Zum Beispiel haben sie nach 20 Jahren Beziehung in Lone Pine spontan geheiratet .

    Auch Thirsty und Gnocchi treffe ich hier endlich wieder und rede viel mit ihnen, und in einer Hiker Box finde ich doch tatsächlich einen hölzernen Kochlöffel! The Trail provides.


    Der rettende Löffel aus der Hiker Box

    Ich kaufe Mückenmittel, nehme noch lecker aussehendes Essen aus den Hiker Boxen mit und genieße einfach die Zeit mit den Menschen hier. Ursprünglich wollte ich nur einen kurzen Einkaufsabstecher machen, doch da man hier umsonst zelten darf und ich die Gesellschaft hier so genieße, bleibe ich über Nacht. Eine hervorragende Entscheidung, denn ab jetzt habe ich wieder eine Trail Family .


    Gemütliches Beisammensitzen in VVR


    Da der Reißverschluss meines Zeltes kaputt gegangen ist, mache ich mir mittlerweile nicht mehr die Mühe, es aufzubauen. Lieber in "freier Wildbahn" bei Spinnen als mit einer in meinem kleinem Zelt "gefangen" zu sein
    Geändert von blackteah (09.07.2019 um 23:43 Uhr)

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    AW: [US] 2018 –522,5 km auf dem Pacific Crest Trail und John Muir Trail

    #5
    PACIFIC CREST TRAIL 4: AUF DEM JOHN MUIR TRAIL VOM VERMILLION VALLEY RESORT BIS TUOLUMNE MEADOWS

    Der nördliche Teil des John Muir Trails trumpft mit schönen Pässen, idyllischen Seen und langen Tälern nochmal richtig auf. Auch die Mücken fühlen sich hier pudelwohl, man sollte diesen Abschnitt nur mit geeigneter Kleidung und ausreichend Bugspray beschreiten… 😉. Als besonderes Highlight habe ich den Lake Virginia und den Silver Pass empfunden:


    Sonnenaufgang am Lake Virginia


    Am 04. Juli auf dem Silver Pass

    Beitragsübersicht

    Tag 22 – zurück auf den Trail, Silver Pass und Zelten am Virginia Lake. Tolle Sicht auf die Milchstraße.
    23,1 km, 1300 hm bergauf
    Tag 23 – nach Mammoth Lakes, „most boring section of the john muir trail“ (stimmt nicht!).
    24,1 km, 350 hm bergauf
    Tag 24 – Zero in Mammoth Lakes
    Tag 25 – zurück auf den Trail, Wiedersehen mit No Nuts, Ukulele-Session am Lagerfeuer
    15 km, 500 hm bergauf
    Tag 26 – 1000 Island Lake, mein letzter Pass: Donohue Pass, Lyell Canyon
    28,3 km, ca. 950 m bergauf
    Tag 27 – Mit Fußsschmerzen nach Tuolumne Meadows – eine wunderschöne letzte Etappe durch den Lyell Canyon
    14,7 km
    Reisetag 57 – Abschied vom PCT

    -> Meine Route bei Google My Maps

    Die unterschätzten letzten Tage

    Ganz ehrlich, ich habe von der Etappe Mammoth Lakes – Yosemite NP nicht viel erwartet. Ich habe sogar öfter mit dem Gedanken gespielt, die Wanderung schon in Mammoth Lakes zu beenden und in einen anderen Teil der Sierra zu fahren, damit ich noch länger im Hochgebirge bleiben kann. Ich bin so froh, dass ich das nicht gemacht habe! Vor allem dieser letzte Abschnitt war nochmal wunderschön und eine unglaublich tolle Abwechslung zur bisherigen Wanderung.


    Ein wunderschöner Platz fürs Campen

    Meine Furcht, man würde hauptsächlich im Wald laufen und hat kaum noch schöne Aussichten war völlig unbegründet, ja geradezu falsch. Zwar wandert man wirklich nur noch über einen „richtigen“ Pass – den Donohue Pass – jedoch verläuft der Trail sehr oft an Hängen mit weiter Sicht entlang, und die Täler sind nicht so dicht und stark bewaldet wie noch weiter südlich.

    Außerdem habe ich in den letzten drei Tagen eine so nette und tolle Trail Family gefunden, die meine Wanderung nochmal um einiges bereichert hat. Gerade die letzten Tage hatte ich starke Beschwerden durch Gelenkschmerzen und den Rucksack, das ist in guter Gesellschaft viel leichter auszuhalten als alleine .


    Mel und ich auf unserem letzten Pass, dem Donohue Pass (Foto: Bonfire)

    Auch der Abschluss im Yosemite Valley war super schön – obwohl ich von den Touristenmassen dort etwas erschlagen wurde. Es ist immer seltsam, von einer einsamen Wanderung zurück in die Zivilisation zu kommen. Aber man konnte sich schon davor etwas an frisch gewaschene, duftende Menschen gewöhnen, denn bei Tuolumne Meadows sind sehr viele Tageswanderer unterweges…


    Der Half Dome kurz nach Sonnenuntergang



    04. Juli 2018 – Silver Pass und Lake Virginia

    PCT Tag 22, Reisetag 51

    Für alle die es noch nicht wussten: Der 04. Juli ist Nationalfeiertag in Amerika. Ich begegne sogar zwei Wanderern mit Flagge, aber nur Gilligan läuft in meine Richtung, so dass ich ihn näher kennenlerne. Nach anfänglicher Abneigung merke ich dann doch, dass er ein netter Mensch ist (und mir in meiner Not sogar etwas Wasser überlässt, weil ich nicht geschaut habe wann die nächste Quelle kommt).


    04. Juli in Amerika, mitten in den Bergen im Nirgendwo…

    Ich starte diesmal nicht alleine, sondern mit einer neuen Trail Family: In VVR habe ich Thirsty (Mel) und Gnocchi wieder getroffen, die mit Holly unterwegs waren. Gemeinsam nehmen wir die frühe Fähre über den See.

    Der See ist nicht nur schön, ca. in der Mitte hat man auch noch Handyempfang. Ich nutze das und schicke eine SMS an meinen Freund. Es hat mich überrascht, dass es in VVR keinen Empfang gab und ich möchte nicht, dass sich zu Hause jemand Sorgen macht. Immerhin kam das letzte Lebenszeichen von mir vor 9 Tagen.


    Mel, ich, Gnocchi und Holly (Foto: Thirsty)

    Der 900 m Aufstieg zum Silver Pass ist schön und geht ganz gut, ich hab mich in VVR gut regenerieren können. Ich bin mal wieder die Langsamste, doch nach einiger Zeit hole ich die anderen bei ihrer Mittagspause wieder ein. Ich esse die Snacks, die ich in VVR in einer Hiker Box gefunden habe, unter anderem getrocknete Pflaumen. Sie sind richtig lecker, aber sagen wir einfach mal, dass ich relativ schnell gemerkt habe, warum sie weggegeben wurden . Kleiner Pro-Tipp: nicht zu viel Trockenpflaumen auf einmal essen .

    Das letzte Stück zum Pass genieße ich nochmal richtig, es geht über mehrere Plateaus nach oben, schöne Aussicht und tolle Landschaft.



    Geschafft, denken wir, und machen am schönen See Gipfelfotos.


    „Gipfelfoto“

    Danach suchen wir den weiteren Weg und merken, dass es weiter nach oben geht. Wie jetzt, das war noch gar nicht der Pass?

    Obwohl es bis hier ganz gut ging sind die letzten Meter zum richtigen Pass ziemlich anstrengend (alles eine Frage der Einstellung…), aber oben ist es dann noch viel schöner mit richtig toller Aussicht und wir machen einfach nochmal viele Gipfelfotos . Der Aufstieg hat mit Pausen knapp 5h gedauert.




    Aussicht vom Silver Pass auf 3277 m

    Beim Abstieg mache ich gemeinsam mit Gnocchi, Mel und Holly im Windschatten eines großen Steinblocks Pause. Es ist wirklich schön, wieder in der Gruppe unterwegs zu sein. Die letzten 8 Tage waren zwar landschaftlich spektakulär, aber ich wurde doch etwas einsam mit der Zeit.


    Mittagspause im Windschatten

    Im Tal angekommen, muss man zum Lake Virginia nochmal 400 m aufsteigen, teilweise in steilen Serpentinen. Nach den 900 m vom Vormittag ist das ziemlich anstrengend und die anderen geraten dabei fast an ihre Grenzen. Bei mir gehts zum Glück, ich bin zwar insgesamt ultra langsam, aber dafür auch manchmal ein bisschen ausdauernd .

    Oben angekommen ist es dann umso schöner, ein mit einem lichten Wald bewachsenes, spannendes Hochplateau erwartet uns. Später bei der Umrundung des Lake Virginias treffe ich auf PCTler, die vor ein paar Wochen die Sierra Nevada übersprungen haben, den Northern California Teil gelaufen sind und jetzt von Norden nach Süden durch die Sierras laufen. Es gibt viele Wege, um den PCT von Mexiko nach Kanada zu laufen. Die beiden sehen super fit und glücklich aus.


    Holly und Gnocchi beim anstrengenden Aufstieg zum Lake Virginia


    Unser Zeltlager am Lake Virginia

    Ich laufe natürlich so lange, bis ich die anderen eingeholt haben, und gemeinsam ergeben wir ein stattliches Zeltlager. Es ist unglaublich kalt, ich glaube es ist fast meine kälteste Nacht auf dem PCT. Also schnell nach dem Sonnenuntergang in den Schlafsack!





    Allerdings kann ich es mir nicht nehmen, Nachts wieder den Wecker zu stellen, und tatsächlich ist das Panorama einfach nur fantastisch schön – wenn auch unglaublich kalt.




    1000 Sterne Hotel ❤️

    • Campground Lake Virginia: KM 1435, 3158m
    • Unterwegs: ca. 8 Stunden, 23,1 km, 1300 hm bergauf, 550 hm bergab;




    05. Juli 2018 – bis nach Mammoth Lakes

    PCT Tag 23, Reisetag 52

    Holly kündigt morgens an, dass heute „the most boring section of the JMT“ vor uns liegt – allerdings muss ich sagen, dass das Stück Hangwanderung mit Aussicht auf die umliegenden Berge bei weitem nicht so langweilig ist, wie die stundenlangen Waldwanderungen in den Tälern, die ich bereits hinter mir habe .

    Ich habe diesen Abschnitt als sanft und schön in Erinnerung, mit vielen Pausen zusammen mit Holly, Mel und Gilligan dem Fahnenträger. Die Berge vor Mammoth nehmen nochmal ganz eigene Formen an und es gibt immer wieder spannende Dinge zu entdecken. Man merkt aber auch deutlich, dass wir uns einer Bergsteiger-Stadt näher: Wir begegnen doch vielen Wanderern, mehr als ich gewohnt bin.

    Bei Mammoth Lakes wütet seit ca. 1,5 Wochen ein Feuer, und in den Tälern vor der Stadt hängen dichte Rauchschwaden. Zum Glück nicht bei uns auf dem Trail, und so können wir ohne vom Rauch behindert zu werden bis nach Reds Meadows laufen.


    Purple Lake


    Hangwanderung


    Waldbrand-Rauch vor Mammoth

    Was ich besonders beeindruckend fand war die Stunde direkt vor Reds Meadows: Man läuft durch ein riesiges, altes Waldbrandgebiet. Es ist wirklich faszinierend, wie lange die Natur braucht, um sich von einem Brand zu erholen. Auf einer großen Fläche ragen die Stümpfe in die Höhe, es haben sich noch keine neuen Bäume angesiedelt (wie das z.B. im Bayerischen Wald auf den geschädigten Flächen von Sturm Kyrill der Fall ist). Nur der Farn und kleinere Büsche tauchen die Hügel in ein sattes Grün und überwuchern teilweise den Trail.

    Besonders intensiv wird diese Section durch den Rauch des aktuellen Brandes, der über der ganzen Szene hängt.


    Ein ehemaliges Waldbrandgebiet, im Hintergrund zieht der Rauch eines aktuellen Brandes durch das Tal

    In Reds Meadows treffen wir wieder sehr viele PCT-Hiker und müssen leider von Holly Abschied nehmen. Sie beendet ihren JMT Hike in Yosemite und möchte nicht so kurz vor Schluss noch einen Zero einlegen.


    Abschiedsfoto von Holly

    Mel und ich fahren zusammen mit dem Bus von Reds Meadows nach Mammoth Lakes, er ist gesteckt voll mit Tagestouristen. Auf der Fahrt läuft doch tatsächlich ein kleiner Schwarzbär direkt vor dem Bus über die Straße und verschwindet im Wald! Unglaublich, mein erster Bär in freier Wildbahn! Der Busfahrer kündigt den Bär über das Mikrofon an und ein hoher Schrei geht durch den ganzen Bus. Die Menschenmasse drängt nach vorne und nach links zu den Fenstern und alle kreischen gemeinsam. Mel und ich schauen uns entgeistert an. Willkommen in der Zivilisation.


    Der kleine Bär.

    • Mammoth Lakes: vom Trail bei Reds Meadows Resort KM 1459, 2348m
    • Unterwegs: ca. 7 – 8 Stunden, 24,1 km, 350 hm bergauf, 700 hm bergab;




    06. Juli 2018 – Zero in Mammoth Lakes

    PCT Tag 24, Reisetag 53

    Zeros vergehen immer schneller als man schauen kann – vor allem wenn man wie ich zwei Stunden versucht, ein verschollenes Paket wieder zu finden. Mittlerweile bereue ich es, ein Fresspaket verschickt zu haben, denn es ist in der Poststation in Mammoth Lakes nicht eingetroffen.

    Nach stundenlangem telefonieren erfahre ich endlich, dass mein Paket in Bishop (!) gelandet ist, die nette Frau am Telefon fragt gleich ob ich den PCT hike. Die PCTler sind wohl schon bekannt . Sie schickt mir mein Paket nach San Francisco zu meinem bereits gebuchten Hostel, dann kann ich das Trekkingessen wenigstens in meinem nächsten Trekkingurlaub nutzen. Nerv nerv nerv.

    Ansonsten ist die Zeit in Mammoth Lakes sehr schön. Mel und ich verstehen uns super, gehen zusammen einkaufen, essen und ins Kino (Jurassic World II ) und treffen uns abends nochmal mit Gnocchi zum Abschied. Er startet erst später wieder auf den Trail.

    Wir verstehen uns so gut, dass wir beschließen, in Tuolumne gemeinsam auszusteigen, uns ein Auto zu mieten und noch die letzten Tage bis Mels rückflug über den Highway No1 nach LA zu fahren. Geplant, gebucht, es wartet ab jetzt ein Auto in Oakhurst auf uns!


    In Mammoth Lakes (Foto: Thirsty)


    Mit Mel und Gnocchi beim Abendessen


    Überall sieht man PCT Hiker



    07. Juli 2018 – Auf den Zero folgt ein Nero

    PCT Tag 25, Reisetag 54

    Wir haben es nicht eilig wieder auf den Trail zu kommen und fahren mit dem Bus zurück nach Reds Meadows, wo wir erst mal Brotzeit machen. Ich probiere das erste Mal Wraps mit Lachs, schmeckt wirklich gut und ist eine willkommene Abwechslung zu Peanut Butter und Salami.

    Der Trail beginnt spannend, es bleibt zwar waldig, aber wir wandern durch viel Stein und an Felswänden vorbei. Als ich Mel das nächste Mal einhole, deutet sie runter zum Fluss und ich sehe einen Hirschen, der uns aufmerksam beobachtet. Er ist sehr weit weg und auf meiner Kamera nur ein kleiner heller Punkt, doch Mel hat einen klasse Zoom und so kann ich den Hirsch auch „in groß“ sehen .

    Heute ist es wieder richtig heiß, wodurch die Anstiege doppelt anstrengend werden.


    Der Trail in der Nähe von "Devils Postpile"


    Hirsch No. 1 (Foto: Thirsty)

    Wiedersehen mit No Nuts

    An der nächsten Brücke treffe ich völlig unverhofft No Nuts wieder, den ich zuletzt vor ca. 10 Tagen auf dem Kearsarge Pass gesehen habe! Ich freue mich total, er ist mittlerweile mit Bonfire, einem super netten Japaner, und Nick und Erika aus Washington State unterwegs. Die nächste Zeit treffen wir uns immer mal wieder, wenn die jeweils anderen Pause machen.


    Bonfire und No Nuts

    Erste Straße auf dem PCT – seit 320 km

    Heute führt der PCT das erste Mal seit Kennedy Meadows (also ca. 320 km) über eine Straße, bzw sogar ein kurzes Stück darauf entlang. Mel wartet am Parkplatz auf mich, es ist seltsam, mitten auf dem Trail an Autos vorbei zu gehen und Wanderkarten zu lesen.


    Mel beim Agnew Meadows Trailhead

    Der restliche Tag ist einfach nur wunderschön. Das Abendlicht ist fantastisch, wir laufen durch Blumenwiesen Hänge hinauf und ich bin mal wieder ganz beglückt. Schon bald entdecke ich die anderen, sie haben sich auf einem schönen Felsvorsprung einen super Platz gesucht und Bonfire sucht sogar schon Feuerholz. Übrigens heißt er so, weil er vor seinem Start nach einem Permit für ein großes Feuer – also ein Bonfire – gefragt hat. Bekommen hat er natürlich nur das Fire Permit .








    Unser wunderschöner Campground

    No Nuts packt seine nagelneue Ukulele aus, spielt und singt, während Bonfire fleißig dazu summt und schnippst. Wir bekommen sogar eine japanische Einlage von „Country Road“, singen auf deutsch „Über den Wolken“ und übersetzen für die anderen den Refrain ins englische.





    • Campground Stream: KM 1473, 2669m
    • Unterwegs: ca. 4 h 30 min, 15 km, 500 hm bergauf;




    08. Juli 2018 – 1000 Island Lake, Island Pass und Donohue Pass

    PCT Tag 26, Reisetag 55

    Ich komme heute richtig früh los und durch den Panoramaweg kann ich das schöne Alpenglühen an den Bergen im Tal gegenüber bewundern. Wir sind heute auf dem kurzen Stück unterwegs, an dem JMT und PCT unterschiedliche Wegführungen haben – der JMT führt auf der anderen Talseite an zahlreichen Seen vorbei. Wir hingegen können diese Seen von hier aus betrachten und man sieht, wie das Wasser über schöne Wasserfälle abfließt.

    Der Rauch der Feuer bei Mammoth Lakes ist noch eine ganze Weile in der Ferne zu sehen, da der Trail heute wirklich stundenlang mit toller Sicht am Hang entlang läuft.


    Tolle Aussicht bei Sonnenaufgang


    Rauch vom Brand bei Mammoth sammelt sich in den Tälern


    Der Trail: weniger alpin, immer noch wunderschön


    Badger Lake

    Mittagspause am 1000 Island Lake mit 1000 Mücken (und Mel)


    Nach ca. 10 km erreiche ich den 1000 Island Lake und mache für heute meine erste Pause. Schon nach kurzer Zeit gesellt sich Mel zu mir und wir verbringen eine schöne Zeit am idyllischen See, während wir versuchen, uns von den Mücken nicht zu sehr ärgern zu lassen…


    Mittagspause mit Thirsty und vielen Mücken am 1000 Island Lake (Foto: Thirsty)

    Beim Aufstieg zum Island Pass sieht man dann auch deutlich, warum der See seinen Namen trägt. Unzählige kleine Inselchen gibt es zu entdecken, die Aussicht ist einfach super.

    Der Pass an sich ist sehr unspektakulär, es geht kaum bergauf und oben angekommen ist es nicht als „Pass“ identifizierbar, weil es so flach ist.


    1000 Island Lake von oben


    Vom Island Pass hat man einen fantastischen Blick auf den 1000 Island Lake (3115 m) (Foto: Bonfire)

    Kurze Durststrecke – Immer schön aufs Wasser achten…

    Beim Aufstieg geht mir das erste Mal seit langem wieder das Wasser aus. Ich wollte am See nichts abfüllen (es sah nicht so sauber aus), der nächste Fluss war ausgetrocknet und so laufe ich zwei Stunden durstig bis ich endlich einen Fluss erreiche. Den ersten Liter trinke ich natürlich erst mal gierig, bevor ich meine Flaschen auffülle.

    Nachdem man in ein kleines Tal abgestiegen ist, beginnt der 400 hm Aufstieg zum Donohue Pass.


    Bonfire


    Mal wieder eine schöne Baumbrücke....

    Der Trail fordert seinen Tribut

    Mittlerweile nehmen die Schmerzen langsam Überhand. Meine Achillesfersen und Fußsohlen schmerzen teilweise furchtbar (die ersten Minuten am Tag kann ich nur humpeln) und eine eigentlich ausgeheilte alte Entzündung am Muskelansatz des Oberschenkels meldet sich wieder. Dehnen und Yoga in den Pausen hilft da zwar sehr viel, aber vor allem die Schmerzen im Sprunggelenk bekomme ich nicht weg.

    Mel geht es leider noch viel schlechter, sie hat starke Schmerzen im linken Fuß und kann kaum noch laufen. Ihre Schonhaltung führt natürlich zu Überlastungen an anderen Stellen und sie rettet sich mit Ibuprofen über den Tag.

    Ablenkung durch die wunderschöne Landschaft

    Der Aufstieg wirft nochmal alles raus was geht und begeistert mich mit seiner vielfältigen und unterschiedlichen Landschaft. Wie schön es hier doch ist! Da vergisst man gerne alles andere und lässt sich von der Schönheit einfach mitreißen.


    Auf dem Weg zum Donohue Pass




    Endlich oben! Unser letzter Pass hat immerhin 3375m (Foto: Thirsty)

    Wir werden schon erwartet

    Oben treffen wir auf No Nuts, der hier auf uns gewartet hat und dabei Ukulele spielt. Es ist so ein schöner Moment, wie wir uns hier alle versammeln und No Nuts so grundzufrieden da hockt und leise vor sich hin spielt.

    Traumhafter Abstieg in den Lyell Canyon


    Auch der Ausblick ins den Lyell Canyon ist einfach der Hammer! Wie konnte ich nur annehmen, die Section wäre langweilig? Klar, sie ist nicht mehr gar so hochalpin wie die vorherige, aber was mich überrascht ist, dass man so viel weniger durch dichten Wald läuft. Oft führt der Trail an Hängen entlang und die Täler sind teilweise auch nicht so dicht bewachsen.


    Ausblick in den Lyell Canyon


    Flussquerung mit Mel


    Nachmittagspause, langsam wird das Licht schon golden

    Der Abstieg in den Lyell Canyon ist nochmal ein Highlight! Natürlich spielt da das fantastische Licht mit, aber mich fasziniert auch die Sicht auf den wunderschönen Lyell Fork. Der Fluss mäandert so perfekt durch das Tal, ich muss lange stehen bleiben und schieße ca. 20 Fotos…


    Abstieg in den Lyell Canyon


    Lyell Fork

    Beim verabredeten Campground finde ich die anderen gerade beim Angeln am Fluss, sie sind auch tatsächlich erfolgreich. Bonfire brät sich den Fisch und isst ihn, danach meint er, er würde den Fischgeruch wohl nie mehr von seinen Händen bekommen. Mel hat etwas Sorge, dass der Geruch vielleicht einen Bären anlocken könnte – aber dann meint sie trocken, dass es dann wohl zuerst Bonfire mit seinen Fischfingern treffen würde….


    Im Lyell Canyon, kurz vor unserem Campground


    Gemeinsames Zelten, diesmal ohne lange Lagerfeuer-Session: Wir sind alle ziemlich müde und es ist schon spät.

    • Campground Stream: KM 1502, 2741m
    • Unterwegs: ca. 11 h, 28,3 km, ca. 950 m bergauf, ca. 850 m bergab




    09. Juli 2018 – Abschlussetappe nach Tuolumne Meadows

    PCT Tag 27, Reisetag 56

    Ich starte heute das erste Mal ohne Frühstück, muss dafür jedoch schon nach kürzester Zeit Anhalten und etwas Essen – mein Kreislauf packt das einfach nicht. Ich kann einige süße flauschige Murmeltiere beobachten, es gibt hier wirklich viele.

    Der Trail verläuft den ganzen Tag ohne Steigung im wunderschönen weitläufigen Lyell Canyon. Je näher wir an Tuolumne Meadows und die dazugehörige Straße kommen, desto mehr Wanderern begegnen wir. Die Rucksäcke werden immer kleiner und die Wolken aus Parfüm und Waschmittel immer penetranter. Wahnsinn, wie stark man das auf einmal riecht.




    Der wunderschöne weitläufige Lyell Canyon im Yosemite NP

    An der Brücke über den Fluss nehmen die Jungs ein Bad, was total lustig aussieht – denn an den schneeweißen Körpern docken tief gebräunte Arme und Beine an, mit weißen Füßen. So schöne Tan-Lines sieht man wirklich selten .


    Lyell Fork

    Schließlich erreiche ich gemeinsam mit Mel Tuolumne Meadows – mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Muss ich dieser tollen Natur jetzt wirklich den Rücken kehren?

    Andererseits habe ich das Gefühl, keinen weiteren Schritt mehr gehen zu können, so sehr schmerzen mir so viele Stellen am Körper. Insgesamt ist es wohl der perfekte Ort und die perfekte Zeit, um aufzuhören.


    PCT Packs (Foto: Bonfire)


    Abschiedsfoto: Bonfire, ich, Erika, Nick, No Nuts, Mel (Foto: Bonfire)

    Schon bald trudeln auch die anderen ein und wir machen noch ein gemeinsames Abschiedsfoto, essen zu Mittag und nehmen dann den Bus ins Yosemite Valley zum Backpackers Campground (die Fahrt ist übrigens landschaftlich total lohnenswert!). Der liegt ziemlich versteckt hinter einem anderen Campground und ohne die anderen hätte ich ihn wohl nie gefunden.


    Bezahlen am Backpackers Campground (Foto: Bonfire)

    Es ist ein total schöner Abend mit der Gruppe. Wir stellen unsere Zelte (bzw. Schlafsäcke) wieder nah beieinander auf, baden im Fluss und gehen dann gemeinsam Tacos essen. Später versammeln wir uns bei der Sentinel Bridge um den Sonnenuntergang auf dem Half Dome zu bewundern und schaffen es dann tatsächlich, uns auf dem Campground auf der Suche nach der Abzweigung zum Backpackers Campground zu verlaufen. Ich sag ja, der ist ziemlich versteckt .

    Meine Beine fühlen sich sehr seltsam an. Wir sind heute nur gradeaus gelaufen, diese Bewegung bin ich gar nicht mehr gewohnt…


    Backpackers Campground


    Auf dem Weg zur Brücke verpassen wir einen Bären aber sehen dafür diesen schönen Hirschen


    Traumhafter Sonnenuntergang an der Sentinel Bridge

    Die heutige Etappe war ein wunderschöner Abschluss meiner 27-tägigen Wanderung auf dem PCT. Ich bin durch Wüstenberge gegangen, durch und über Flüsse, über viele Steine, Pässe und durch Wälder, habe meine Zeit mit wunderbaren Menschen und alleine verbracht. Hier in diesem sanften, schönen Tal mit so einer netten Gruppe aufzuhören, besser hätte es gar nicht kommen können. Man soll ja bekanntlich dann aufhören, wenn es am schönsten ist .

    • Campground Backpackers Campground Yosemite NP: KM 1517, 2616m
    • Unterwegs: ca. 2 h 30 min, 14,7 km, relativ geradeaus




    10. Juli 2018 – Abschied vom PCT

    Reisetag 57

    Leider kann ich kaum Zeit im Yosemite NP verbringen, da Mel und ich schon sehr früh den Bus nach Oakhurst nehmen, um unser Auto abzuholen. Immerhin erhaschen wir noch einen Blick auf die Yosemite Falls, bevor uns der Bus unweigerlich vom Trail fort bringt.


    522,5 unvergessliche Kilometer
    Geändert von blackteah (24.07.2019 um 21:41 Uhr)

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    Avatar von blackteah
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    AW: [US] 2018 –522,5 km auf dem Pacific Crest Trail und John Muir Trail

    #6
    Highway No. 1 und San Francisco

    Die nächsten Tage verbringe ich mit Mel. Wir fahren gemeinsam von Oakhurst aus an die Küste zum Highway No. 1 nach Pismo Beach und von dort aus nach Los Angeles / Santa Monica, wo Mel zurück nach Deutschland fliegt.

    Wir verstehen uns sehr gut, können gute Gespräche führen aber auch problemlos zusammen schweigen. Echt erstaunlich, wie vertraut man sich auf den Tagen auf dem Trail geworden ist.

    Die Fahrt durch "das Valley", wie der mittlere Teil von Kalifornien genannt wird, ist wunderschön. Wir fahren an goldenen Bergen entlang, ich kann mich einfach nicht sattsehen.


    Goldene Wunderberge


    Fields of Gold

    Der Highway No. 1 bis Santa Monica ist ganz nett – spricht mich persönlich aber einfach nicht so an. Die berühmten "californian vibes" kann ich jetzt nicht so verspüren, außer, sie stehen für amerikanische Häuser/Villen, die an einem Palmenstrand stehen. Santa Monica ist halt typisch amerikanisch, die Highways sind einfach nur wahnsinn – groß, voll, alles.


    Der südliche Highway No. 1


    Westküstenliebe

    Nach einem herzlichen Abschied von Mel geht es für mich nach Norden bis San Luca, wo ich wieder an die Küste fahre.

    Was mir erstaunlicherweise unglaublich gut gefällt ist der Highway 5 aus Los Angeles raus nach Norden Richtung Bakersfield: Man fährt ewig auf einer 5-6-spurigen Straße (was in Amerika überhaupt nicht verwirrend oder gefährlich ist, weil alle brav auf ihrer Spur und in ähnlichem Tempo fahren), die durch wunderschöne Wüstenberge führt. Auf einmal öffnen sich vor einem dann die Berge und geben den Blick auf ein sich in der Ferne verlierendes Tal frei: the Valley. Mit einem Schlag kann ich begreifen, warum alle nur „the Valley“ sagen. Die Fahrt führt mich durch viele Felder und an Plakaten vorbei, die die Politik mit dem Wasser thematisieren: Kalifornien leidet seit mehreren Jahren unter einer Dürre.


    Da war sie schon nur noch 4-spurig

    Auch der Weg von San Luca nach Lucia zum Meer (also am Schluss durch den Big Sur durch) gefällt mir wahnsinnig gut. Mini kleine und kurvige Landsträßchen, die durch wunderbare und einsame Landschaften führen


    Auf dem Weg vom Valley zu Big Sur, hier noch mit gut ausgebauter Straße


    Der Highway No. 1 war 2018 wegen Erdrutschen teilweise gesperrt, und so fahre ich erst bei Lucia wieder an der Küste entlang. Der Big Sur ist wunderschön, wenn auch neblig. Hier gefällt es mir richtig gut und ich genieße die Nebelberge. Ich übernachte am Kirk Creek Campground, der wirklich sehr schön liegt.


    Vom Inland über die Berge Big Surs bis an die Küste: Der Ozean ist von einer dicken Wolkendecke verhangen


    Die Straße schlängelt sich an den Bergen entlang


    Kirk Creek Campground – Mein Zelt nutze ich wegen dem kaputten Reißverschluss mittlerweile als Tarp


    Beim Kirk Creek Campground



    Der Teil kurz vor San Francisco gefällt mir dann wieder nicht so, auch wenn Monterey und Camerl-by-the-Sea ganz schöne Städte sind.


    Carmel-by-the-Sea


    Aquarium in Monterey

    Falls ihr noch mehr über den Highway No. 1 wissen wollt: Hier gehts zum ausführlichen Blogbeitrag: klick

    In San Francisco bin ich noch drei Tage: Ich treffe am ersten Abend nochmal Holly, die hier bei ihrer Schwester ist, schaue mir einen Makers Market an (ein unglaublicher Flohmarkt!), erkunde zu Fuß die Stadt und fahre mit einem gemieteten Fahrrad über die Golden Gate Bridge nach Sausalito. San Francisco gefällt mir gut, eine schöne Stadt mit vielen alten venezianischen Häusern – erinnert mich an Korfu, nur in renoviert und groß. Allerdings sind hier auch wirklich sehr viele Touristen und ich komme mir in meinen Trekkingklamotten etwas fehl am Platz vor ....


    Venezianische und moderne Häuser in San Francisco


    Die schöne Golden Gate Bridge


    Hausboote in Sausalito


    Beeindruckende Arbeiten (hier ein Plakat) von Künstlern und Handwerkern auf dem Makers Market


    Sitting on the dock of the bay....

    Ehrlich gesagt ist es jedoch alleine in einer so großen fremden Stadt irgendwann auch etwas fad – in meinem Hostel sind seltsamerweise überhaupt keine anderen Solo-Backpacker, und außer einem etwas creepy Typen komme ich mit niemandem richtig ins Gespräch.

    Wenn ihr noch mehr über low-budget-Aktionen in San Francisco wissen wollt: klick

    Letztendlich bin ich dann doch sehr glücklich, wieder nach Hause zu fahren und endlich, nach 9 Wochen, meinen Freund wieder zu sehen. Nach einer dreiwöchigen Pause ist meine Reiselust dann allerdings wieder hergestellt und wir brechen gemeinsam zu einer vierwöchigen Reise nach Kirgistan auf



    Diese Reise hat jedoch nicht nur durch die Länge und Vielseitigkeit einen besonderen Platz in meinem Herzen –auch die Erfahrungen und Begegnungen sind durch das alleine Reisen irgendwie viel intensiver, die Höhen wie die Tiefen. Ich bin auf jeden Fall sehr dankbar und froh um jeden Tag, vor allem um die Zeit in den fantastischen Bergen der Sierra Nevada.
    Geändert von blackteah (24.07.2019 um 22:19 Uhr)

  7. Erfahren

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    AW: [US] 2018 – 522,5 km auf dem Pacific Crest Trail und John Muir Trail

    #7
    ...schön, macht Spaß zu lesen; da freue ich mich doch auf die nächsten Etappen!

    Und muss ich jetzt doch noch einmal in die USA?

    Grüße in's Wochenende,
    Markus

  8. Erfahren

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    AW: [US] 2018 – 522,5 km auf dem Pacific Crest Trail und John Muir Trail

    #8
    Danke für den feinen Reisebericht, der macht definitiv Lust auf den Trail. Die Fotos sind auch toll, mir gefällt, wie Du die Lichtstimmungen einfängst!
    www.lustwandler.at
    Trekking in Schweden, Norwegen und Island
    Letzte Tour: Gränsleden – Nordkalottleden – Narvikfjell (Ritsem – Riksgränsen)

  9. Dauerbesucher
    Avatar von geige284
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    AW: [US] 2018 – 522,5 km auf dem Pacific Crest Trail und John Muir Trail

    #9
    Auch von mir danke für den schönen Bericht und die tollen Bilder! Ich freue mich auf die Fortsetzung

  10. Dauerbesucher
    Avatar von Pielinen
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    AW: [US] 2018 – 522,5 km auf dem Pacific Crest Trail und John Muir Trail

    #10
    Ich freue mich schon sehr auf die Fortsetzung
    Wer nichts weiß muss alles glauben...

  11. Optimist Vorstand
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    Avatar von boehm22
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    AW: [US] 2018 – 522,5 km auf dem Pacific Crest Trail und John Muir Trail

    #11
    Toll geschrieben - ich freue mich schon auf die Fortsetzung.
    Viele Grüße
    Rosi

    ---
    Follow your dreams.

  12. Vorstand
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    Avatar von lina
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    AW: [US] 2018 – 522,5 km auf dem Pacific Crest Trail und John Muir Trail

    #12
    Ich auch!

  13. Fuchs
    Avatar von evernorth
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    AW: [US] 2018 – 522,5 km auf dem Pacific Crest Trail und John Muir Trail

    #13
    Super, Hannah, ich bin dabei.
    Ausgetretene Pfade sind die sichersten, aber es herrscht viel Verkehr. Ergo: Wer neue Wege gehen will, muss alte Pfade verlassen.

  14. Dauerbesucher
    Avatar von Intihuitana
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    AW: [US] 2018 – 522,5 km auf dem Pacific Crest Trail und John Muir Trail

    #14
    Der Tagesrhythmus auf dem Trail wird von der Sonne und den Quellen bestimmt. Die Wasserquellen sind teilweise 20km auseinander, man muss gut planen, um nicht dehydriert auf dem Trockenen zu stranden. Ich überprüfe stets, wie weit die nächste Quelle ist: Mittagsrast, Campground, Wasservorrat, alles wird daran gemessen. Mittags wird es so heiß, dass man es in der Sonne kaum aushält.

    Für mich ist es daher am Besten, mittags 4–5 Stunden an einer Quelle im Schatten zu rasten und dabei meine Hauptmahlzeit zu kochen. Abends campe ich oft ohne Wasser (dry camping) und esse nur eine Kleinigkeit. Natürlich muss man dann sehr sparsam mit dem Wasser sein, Zähneputzen und waschen dürfen dann kaum Wasser verbrauchen.
    Die Freuden des Wüstenwanderns. Es gibt nix schöneres

    Was für schöne Landschaften und ansprechende Fotos. Vieles errinert an den östlichen hohen Atlas.
    Bin mal gespannt, wie es weiter geht.

  15. Erfahren
    Avatar von Ljungdalen
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    AW: [US] 2018 – 522,5 km auf dem Pacific Crest Trail und John Muir Trail

    #15
    Da braucht man doch ein Permit, nicht? War das kompliziert?

    (Vielen Dank schon mal für den Bericht bis hierher. Ich denke schon länger über den JMT in umgekehrter Richtung nach, aber "normal", mit Ausstieg über Whitney Portal. "Wüste" ist eh nicht so mein Ding.)

  16. Dauerbesucher
    Avatar von blackteah
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    AW: [US] 2018 – 522,5 km auf dem Pacific Crest Trail und John Muir Trail

    #16
    Zitat Zitat von neumania Beitrag anzeigen
    Und muss ich jetzt doch noch einmal in die USA?
    Danke Markus!
    Ehrlich gesagt denke ich auch manchmal über die Frage nach.... Ich denke, dass es sich nur ab einer gewissen Länge "lohnt": Das besondere an der USA war für mich vor allem die Weite und diese großen Flächen ohne menschliche Spuren / Besiedelung. Das lässt sich eigentlich nur zu Fuß in einem langen Zeitraum erfassen – Wenn man nur 8-10 Tage Zeit hat, findet man ja durchaus auch in Europa Touren, die so unbesiedelt (wenn vielleicht auch landschaftlich nicht ganz so abwechslungsreich) sind.
    Kulturell jedenfalls bietet die USA eigentlich nichts ("außer" offene nette Menschen...)

    Falls ich aber mal wirklich nochmal einen Weitwanderweg mache, würde ich das wenn möglich wahrscheinlich vielleicht in der USA machen.


    Zitat Zitat von bourne Beitrag anzeigen
    Die Fotos sind auch toll, mir gefällt, wie Du die Lichtstimmungen einfängst!
    Danke bourne, und das von dir, das freut mich doppelt .

    Zitat Zitat von geige284 Beitrag anzeigen
    Ich freue mich auf die Fortsetzung
    Zitat Zitat von Pielinen Beitrag anzeigen
    Ich freue mich schon sehr auf die Fortsetzung
    Zitat Zitat von boehm22 Beitrag anzeigen
    Toll geschrieben - ich freue mich schon auf die Fortsetzung.
    Zitat Zitat von lina Beitrag anzeigen
    Ich auch!
    Zitat Zitat von evernorth Beitrag anzeigen
    Super, Hannah, ich bin dabei.
    Ihr lieben, danke für die Worte und ich freue mich natürlich umso mehr, dass ihr euch über die Fortsetzung freut
    Da beeilt man sich gleich viel mehr, den Bericht fertig zu stellen
    Geändert von blackteah (01.07.2019 um 21:08 Uhr)

  17. Dauerbesucher
    Avatar von blackteah
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    AW: [US] 2018 – 522,5 km auf dem Pacific Crest Trail und John Muir Trail

    #17
    Zitat Zitat von Intihuitana Beitrag anzeigen
    Die Freuden des Wüstenwanderns. Es gibt nix schöneres

    Was für schöne Landschaften und ansprechende Fotos. Vieles errinert an den östlichen hohen Atlas.
    Bin mal gespannt, wie es weiter geht.
    Hallo Intihuitana, leider geht es ab dem nächsten Beitrag mehr waldig als wüstig zu....

    Mir hat es tatsächlich auch so gut gefallen, dass ich mir fast gewünscht hätte, noch südlicher eingestiegen zu sein. Mit richtiger Planung und mittäglichen Schattenplätzen könnte ich mir auf jeden Fall auch mal vorstellen, einen reinen und längeren Wüstentrek zu machen. Wenn der östliche hohe Atlas so ähnlich wie die südliche Sierra ausschaut, ist das ja durchaus eine Überlegung wert!


    Zitat Zitat von Ljungdalen Beitrag anzeigen
    Da braucht man doch ein Permit, nicht? War das kompliziert?
    Ja, man braucht ein Permit für die Strecke. Für den JMT Southbound im August eines zu bekommen, ist glaube ich ungefähr so erfolgsträchtig wie Lotto spielen . Ich würde mir eine etwas "unbeliebtere" Zeit raussuchen. Als ich am Mt. Whitney angekommen bin, waren z.B. noch kaum JMT Hiker unterwegs.
    Du musst das Permit immer in dem Nationalpark oder National Forest beantragen, in dem du startest. Wenn du also kein Permit für einen Start im Yosemite NP bekommst, würde ich es einfach wo anders probieren, das erhöht die Chancen. Zur Not die Strecke zusammenstückeln oder nur ein Teilstück gehen.

    Man muss auch nicht über das Yosemite Valley reinlaufen, nördlich davon gibt es auch einige sehr interessant aussende Trails und Bergseen. Ich hatte mir mal da eine Route zusammengestellt, weil ich anfangs auch mal überlegt habe, über den nördlichen Yosemite zur Straße zu laufen.

    Du holst dir nämlich kein Permit für "den John Muir Trail", sondern du holst dir ein Backpacking Permit für einen Nationalpark. Der genehmigt dir den Zeitraum. Wenn ich das richtig in Erinnerung habe musst du die ersten Übernachtungen und den Ort, wo du die "Wilderness" wieder verlässt angeben (also z.B. "Inyo National Forest, Whitney Portal"). Wenn du nicht das machst wie alle anderen, sind die Chancen auch gleich höher.

    Das System ist aber etwas kompliziert und verzwackt, am besten selber mal gut einlesen und auch Artikel lesen, wie man die besten Chancen auf ein Permit bekommt

    Ich hatte ein Permit für einen PCT Section Hike, was nicht so kompliziert war zu bekommen. Ich habe mich eine Minute nach Eröffnung der Anmeldung angemeldet und glücklicherweise für mein favorisiertes Datum ein Permit bekommen. Damit darf man den PCT halt auch nicht verlassen (außer für Resupply) und man darf z.B. auch nicht durchs Yosemite Valley wandern.

    Wenn du Southbound läufst und keinen Wert auf Wüste legst, ist es wirklich das Beste am Mt Whitney auszusteigen. Die Passage danach wäre als Abschluss des JMT doch ausgesprochen unspektakulär

    Ich drück dir auf alle Fälle die Daumen, dass du ein Permit bekommst
    Geändert von blackteah (01.07.2019 um 21:10 Uhr)

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    Avatar von blackteah
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    AW: [US] 2018 – 522,5 km auf dem Pacific Crest Trail und John Muir Trail

    #18
    Der zweite Abschnitt des Tourberichts ist jetzt in Beitrag 3

  19. Erfahren
    Avatar von Ljungdalen
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    AW: [US] 2018 – 522,5 km auf dem Pacific Crest Trail und John Muir Trail

    #19
    Zitat Zitat von blackteah Beitrag anzeigen
    Ja, man braucht ein Permit für die Strecke. Für den JMT Southbound im August eines zu bekommen, ist glaube ich ungefähr so erfolgsträchtig wie Lotto spielen . Ich würde mir eine etwas "unbeliebtere" Zeit raussuchen. ... Man muss auch nicht über das Yosemite Valley reinlaufen...

    Das System ist aber etwas kompliziert und verzwackt, am besten selber mal gut einlesen und auch Artikel lesen, wie man die besten Chancen auf ein Permit bekommt

    ...
    Ich drück dir auf alle Fälle die Daumen, dass du ein Permit bekommst
    Danke... aber sowieso wohl erst (frühestens) im nächsten Jahr. Juli-August wollte ich eh' nicht, eher Start so ab Mitte September, das sollte noch gehen, wie man so liest (ich bin normalerweise relativ schnell unterwegs, könnte so 14...18 Tage "schaffen").

    Ja, ein wenig habe ich das auf der Website schon zu verstehen versucht

    Yosemite als Start wohl aber schon, weil da in der Nähe im San Joaquin Valley eine Ex-Mitschülerin lebt... die würde ich dann erst besuchen und von da weiterfahren.

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    Avatar von blackteah
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    AW: [US] 2018 – 522,5 km auf dem Pacific Crest Trail und John Muir Trail

    #20
    Zitat Zitat von Ljungdalen Beitrag anzeigen
    Danke... aber sowieso wohl erst (frühestens) im nächsten Jahr. Juli-August wollte ich eh' nicht, eher Start so ab Mitte September, das sollte noch gehen, wie man so liest (ich bin normalerweise relativ schnell unterwegs, könnte so 14...18 Tage "schaffen").

    Ja, ein wenig habe ich das auf der Website schon zu verstehen versucht

    Yosemite als Start wohl aber schon, weil da in der Nähe im San Joaquin Valley eine Ex-Mitschülerin lebt... die würde ich dann erst besuchen und von da weiterfahren.
    Klingt schon so, als ob du dann ganz gute Chancen hättest . Für dieses Jahr wäre es eh schon viel zu spät für die Permits, soweit ich weiß...

    Das ist natürlich eine schöne Gelegenheit, jemanden vor Ort zu besuchen. Ich bin mir auch nicht sicher mit dem alternativen Start-Ort, aber was ich meinte war, dass du vielleicht im Yosemite NP startest – aber eben nicht im Yosemite Valley. Der Nationalpark ist ja groß...

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