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  1. Fuchs
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    [CZ] Zlatá Stezka - Goldsteig in Tschechien

    #1
    Mitreisende: blauloke
    Zlatá Stezka - Goldsteig in Tschechien

    Letztes Jahr habe ich erfahren, dass in Tschechien ein paralleler Weg zu den bestehenden Goldsteig Routen in Bayern markiert wurde. Seitdem wartete ich vergeblich darauf, dass der Weg bei OpenStreetMap eingetragen wird.
    Na gut, wenn die tschechischen Kollegen das nicht machen, dann mache ich das.

    Wie ich von meinen früheren Wanderungen her weiß, z.B. Sumava und Cesky Les verlaufen die Wanderwege in Tschechien oft über gut ausgebaute Waldwege bzw. sogar viel über geteerte Wege. Deshalb entschließe ich mich, die Strecke mit dem Fahrrad abzufahren um schneller fertig zu werden.


    Übersichtskarte, Daten von OpenStreetMap - Veröffentlicht unter CC BY-SA, erstellt mittels uMap

    Link zur Hauptseite des Zlatá Stezka - Goldsteig in Tschechien, rechts oben kann auf Deutsch umgeschaltet werden.
    Strecke des Zlatá Stezka bei Waymarked Trails


    1.Tag-------- 1.5.2019-----------erste Erfahrungen



    Ich lasse mich von meiner Familie zum kleinen Ort Marchhäuser fahren, von dort geht es noch auf einem Feldweg ein paar hundert Meter steil abwärts zur alten Brücke, auf der ich den Grenzbach überquere.



    Direkt danach sehe ich auch schon die erste Markierung des Tschechischen Goldsteigs. Er ist nur mit kleinen Aufklebern auf den bereits bestehenden Schildern markiert und besteht aus einem stilisierten Weg in Orange.

    Gleich zu Beginn schiebe ich mein Rad den steilen Hang hinauf, oben wird der Waldweg zum Teersträßchen und ich erreiche bald den ersten Ort.



    In Ceske Zleby sehe ich einen großen Brunnentrog, an dem nirgends steht ob das Trinkwasser oder keines ist. Am Zulauf hängt eine Tasse und ich probiere das Wasser. Es schmeckt gut und ich habe es überlebt. So nehme ich an, dass das Wasser trinkbar ist und nehme den Brunnen auf, um ihn in unser WIKI zu übernehmen.



    Nach dem Dorf kann ich bequem abwärts rollen, bis zum Schilderbaum "Stozecka Luka". Dort verpasse ich fast die Abzweigung. Zum Glück hatte ich mir vor der Fahrt den GPX-Track auf mein Navi geladen und nun warnt es mich als ich gerade weiter fahre.
    Die Markierungen des tschechischen Goldsteigs befinden sich nur auf den Schilderbäumen. Dazwischen muss man der Farbe folgen, welche das jeweilige Schild hat.
    Hier bin ich mit Blau von Ceske Zleby gekommen und muss nach Dobra mit Gelb weiter.
    Die beiden blauen Goldsteigzeichen kennzeichnen Verbindungswege zum bayerischen Goldsteig.
    Die Farben des Weges wechseln öfters, weil der Weg auf bestehenden Wanderwegen geführt wird.



    Bereits zwei Kilometer weiter fahre ich am Dorf Dobra vorbei - ein Straßendorf, dass nur aus einer Häuserzeile auf einer Straßenseite besteht. Diese Häuser bestehen größtenteils aus Holz und sind frisch renoviert. Die meisten davon vermieten Zimmer an Urlauber.
    Im Ort muss ich die Straße verlassen und biege in einen Wiesenweg ein, der bald zum Pfad wird.



    In der Flussaue schiebe ich mein Rad. Hier ist nur noch ein schmaler Pfad, der durch die Wiese verläuft. Am Fluss angekommen blicke ich auf die Karte, die mir verrät, dass ich an der Moldau stehe.
    Den Pfad weiter schiebend komme ich zu einer Holzbrücke, auf der ich die Moldau überquere. Am anderen Ufer setzt sich der schmale Pfad durch die Wiese fort. Die Strecke durch die Flussaue ist sehr schön.
    Im Wald kann ich wieder fahren und komme nach Volary. Dort ziehe ich zu Beginn einer längeren Pause erst mal ein paar tschechische Kronen.



    Nach Volary schiebe ich durch eine lange Allee einen Berg hoch bis zum Wald. Dann kann ich wieder fahren, es geht abwärts und im Wechsel wieder aufwärts. Die Strecke schneidet hier mehrere Bachläufe. Der Untergrund wechselt zwischen Asphalt, Waldweg und Pfad.



    Im Wald stehen einige alte Bunker herum, die unterschiedlich verfallen sind oder gepflegt werden. Auch an der Moldau habe ich einen gesehen. Sie gehören zu einer Bunkerlinie, die in den 1930er Jahren gebaut wurden.



    Nach den Bunkern führt ein Wiesenpfad über eine größere Lichtung. Sie ist mit einem elektrischen Zaun abgesperrt. Die Markierung zeigt über die Lichtung und im Zaun gibt es die Möglichkeit den Draht ohne Gefahr zu öffnen und auch wieder zu schließen.



    Kurz vor Prachatice raste ich länger an einem der typischen überdachten Rastplätze. Ich wiederhole mich, aber so etwas sollte es bei uns auch öfters geben.
    Von hier habe ich nur noch eine kurze, steile Abfahrt in die Stadt.





    Prachatice ist früher durch Salzhandel reich geworden und das sieht man der Stadt heute noch an. Viele Häuser am Marktplatz sind mit Graffiti geschmückt. Eine sehenswerte Stadt.
    Ich verlasse die Stadt schnell wieder, ich bin ja nicht zum Vergnügen unterwegs.



    Nach Prachatice durchquere ich noch einen Wald und finde einen aussichtsreichen Zeltplatz am Waldrand wo ich eine ruhige Nacht verbringe.


    2.Tag-------- 2.5.2019-----------Irrungen und Wirrungen

    Nachdem ich meinen schönen Zeltplatz verlassen habe, fahre ich erst durch ein paar Ortschaften. Hinter Chlumany geht es in den Wald und hier schiebe ich das Rad den Waldweg hoch. Ungefähr in der Mitte der Steigung protestiert mein Navi und behauptet, dass der richtige Weg zwischen den Bäumen verläuft. Ich sehe keinen anderen Weg oder Pfad und bleibe auf dem Waldweg, den ich mein Rad hoch schiebe. Schließlich komme ich am Waldrand auf eine Lichtung und finde keine Zeichen. Auf der Wiese gehe ich jeweils ein Stück rauf und runter ohne Erfolg zu haben. Verdammt, irgendwo habe ich den richtigen Weg verloren oder er ist hier schlecht markiert. Da der Waldweg doch recht holprig ist, fahre ich zu der unterhalb verlaufenden Straße zum letzten Dorf zurück. Das geht flott, den auf der Teerstraße geht es ständig abwärts. Das macht zwar Spaß, aber die ganzen Höhenmeter, die ich hier verliere muss ich wieder aufwärts schieben.
    Vor dem letzten Dorf finde ich die Markierungen wieder, schiebe mein Rad den nun bekannten Weg wieder hoch und passe auf wo ich die blauen Markierungen verloren habe. Und tatsächlich, ein Pfad zweigt vom Weg ab und ist auch deutlich mit drei Markierungen gekennzeichnet. Die habe ich vorher total übersehen.


    Der Pfad führt in Falllinie auf den Berg, den ich vorhin bereits hoch bin, nur ist dieser steiler und ich muss mein schwer bepacktes Rad kräftig nach oben wuchten. Oben ist es ein schöner, ebener Pfad der sich um die Bäume windet.
    Wäre ich vorher auf der Wiese nur hundert Meter weiter nach oben gegangen hätte ich den Pfad gefunden und mir den zweiten Aufstieg erspart.



    Wieder auf der richtigen Weg genieße ich die Aussicht .
    Mir geht das Wasser aus. Im Dorf Horni Kozli bitte ich einige Leute, die an einem Haus arbeiten, mit meinen vier Worten tschechisch, um Wasser und bekomme es ohne Probleme.
    Weiter geht es abwechselnd mit schmalen Straßen und Waldwegen.



    In Dvorec hat man kreative Wagenheber.



    Nach Dvorec geht es wieder in den Wald, allerdings nicht lange. Ein großer Kahlschlag bremst mich aus. Die Harvester haben keine Spur eines Weges hinter lassen. Wenigstens haben die Holzfäller die Baumstümpfe mit den Wandermarkierungen stehen gelassen. Trotzdem brauche ich das Navi, um an der richtigen Stelle aus dem Kahlschlag zu finden. Mein Rad hebe ich dabei oft über die herum liegenden Äste und Zweige oder tiefe Fahrspuren der Harvester.



    Nach einiger Zeit erreiche ich die Sendeanlage auf dem Marsky vrch. Daneben befindet sich ein Unterstand mit Feuerstelle, der sich notfalls zum Übernachten eignet.



    Ein Kreuzweg steigt zum Gipfel hoch, auf dem eine Kapelle steht. Der angebaute Turm ist kein Kirchturm wie ich erst meine, sondern ein frei zugänglicher Aussichtsturm.



    Von oben sehe ich weit über die böhmische Landschaft und hinter der Kapelle auf das kleine Blockfeld, weswegen der Gipfelbereich unter Naturschutz steht.



    Bei der Weiterfahrt fallen mir die Wiesen mit den unzähligen Löwenzahn auf.



    Bald kommt die nächste größere Stadt, Vimperk. Im ersten Coop, den ich sehe, kaufe ich erst mal Wasser und etwas Proviant.
    Dann mache ich mich wieder auf die Suche nach den Markierungen. Durch die Stadt ist das nicht so einfach. Das Zentrum wird nur gestreift, schließlich soll ich über eine Treppe zum Schloss hoch. Das tue ich mir jetzt nicht an, Rad mit den schweren Packtaschen die Treppe hochzuschleppen.
    Auf einem Stadtplan sehe ich, dass eine Straße von hinten zum Schloss hoch führt. Die nehme ich und kann ja oben wieder auf die Route stoßen, um dann zu erkunden, wie sie genau zum Schloss und weiter verläuft. Nur; oben angekommen sind keine Markierungen obwohl ich auf dem Goldsteig sein muss, wie mein Navi anzeigt. Vorne am Schloss, das übrigens wegen Renovierung geschlossen ist, sehe ich nur einen Wegweiser runter in die Stadt.

    Jetzt bin ich total verunsichert. Habe ich unten eine Abzweigung übersehen und der Weg die Treppe hoch ist nur ein Stichweg zum Schloss? Um nichts falsch bei OSM einzutragen fahre ich vorsichtshalber wieder nach unten bis ich am Zentrum vorbei bin, kehre um und schaue genau ob irgendwo der Weg abzweigt. Zu guter Letzt stehe ich wieder oben am Schloss und beschließe nun dem Navi zu folgen obwohl keine Markierungen vorhanden sind. Bis jetzt waren sie immer zu sehen, teils sogar frisch gemalt.

    Das Navi leitet mich zunächst auf eine kleine Straße, dann jedoch muss ich einen Kilometer lang auf einer viel befahrenen Hauptstraße radeln. Das macht keinen Spaß. Endlich kann ich in einen Wiesenweg abbiegen, schiebe mal wieder einen Hang hoch, um oben vor einen Elektrozaun zu stehen, der keinen Durchlass hat. Ich schaue mich um, sehe einen Pfad der eine steile Böschung hoch führt und nach einigen Metern am Zaun entlang auf einen Feldweg mündet. Hier muss ich meine Packtaschen abschnallen, weil ich sonst nicht die Böschung hoch komme.

    Auf dem Feldweg passiere ich ein Dorf, danach fahre ich auf einen Wiesenweg, der nach links und rechts Aussicht bietet, in einen Wald mündet und dort wird daraus ein schmaler Pfad. Die Strecke seit dem letzten Dorf ist ein sehr schöner Abschnitt. Kurz bevor der Pfad den Wald verlässt, tauchen neu gemalte Wanderzeichen auf. Offenbar muss die Strecke bis Vimperk noch markiert werden und hoffentlich wird der Weg dann auch von der Hauptstraße weg verlegt.



    Ich fahre noch ein paar Kilometer und es wird langsam Abend. In Ubislav, das auf der Strecke liegt, gibt es einen Zeltplatz und so steuere ich ihn an.
    Die Rezeption ist bei meiner Ankunft noch geschlossen, es steht kein Zelt auf dem Platz, nur einige Wohnwagen und etliche Ferienhäuser. Schließlich kommt der Besitzer und als er mein Rad und kleines Zelt sieht meint er, dass ich gratis zelten kann, weil erst Morgen offizielle Eröffnung ist und die Männerduschen auch noch kalt sind. Ich gebe ihm trotzdem einige Kronen und er meint, ich kann auch in die Frauenduschen gehen, die haben bereits Warmwasser und es sind so wie so noch keine Damen auf dem Platz.
    Auf einer Lagerfeuerstelle koche ich noch mein Abendessen und beziehe mein Zelt.


    3.Tag-------- 3.5.2019-----------Quälerei

    Ich werde wach und höre Regen auf mein Zelt fallen. Es war zwar Regen vorhergesagt, aber für später und nur leicht. Ich packe so gut es geht zusammen, schleppe alles unter eine überdachte Terrasse bei der Rezeption und frühstücke erst mal. Danach packe ich endgültig zusammen, das Zelt muss ich nass einpacken, da bei dem Wetter eh nichts trocknet.
    Eine Zeit lang warte ich noch und als der Regen etwas nachlässt fahre ich los. Kurz danach schüttet es regelrecht, so dass ich an einem Waldrand unter den Bäumen auf einer kleinen Bank den Schauer aussitze. Nass werde ich trotzdem noch. Im leichten Regen geht es dann schiebend einen Wiesenhang empor. Schon wieder kommt ein kräftiger Schauer. Zum Glück finde ich eine Hütte mit überdachter Terrasse auf der ich mich, diesmal trocken, unterstellen kann.


    Nach diesem Regenschauer mache ich mich auf den Weg zum Kralovsky Kamen, mit 1059m den höchsten Gipfel des tschechischen Goldsteigs.

    Zunächst fahre ich auf relativ ebenen Waldwegen, dann geht es auf einem breiten Weg abwärts und ich verpasse fast die Abzweigung zum Gipfel.
    Hier hat die Qualitätskontrolle der Qualitätswanderwege zugeschlagen. Der Pfad führt über einen mit großen Felsbrocken übersäten Pfad steil aufwärts. Tschechische Wege sind normalerweise breit und eben. Für Wanderer ist das vor mir liegende Stück sicher reizvoll, doch ich bin mit meinem schwer bepackten Rad hier falsch.
    Trotzdem mache ich mich an den Aufstieg, da ich ja für OSM die Strecke aufnehmen will. Mein Rad wuchte ich über die Felsen hoch, muss immer wieder stehen bleiben um Luft zu holen, verfluche mich selbst weil ich das mache, werde vom Rad fast umgeworfen, versaue mir an der Kette meine Hose und die Steigung will kein Ende nehmen. Irgendwann bin ich oben auf dem Gipfelplateau und beschließe, mich nicht nochmal so zu quälen, sondern so ein Stück Weg zu Fuß zu machen und das Rad auf einem anderen Weg hoch zu bringen. Wenigstens hat mich bei dieser Aktion niemand gesehen, sonst wäre ich für verrückt erklärt worden.

    Nach dem Gipfel kann ich zunächst auf einem schmalen Pfad vorsichtig abwärts fahren, komme auf einen breiten Weg und rolle nun schnell den Berg runter. So hatte ich mir das vorgestellt.



    In Zlibek fällt mir dieser Brunnentrog auf, der aus einem einzigen Baumstamm besteht. Inzwischen regnet es mal wieder, zum Glück nur leicht.



    Direkt nach dem Dorf zweigt ein Waldweg von der Straße ab, auf dem ich zu der kleinen Burgruine Pusty hradek komme. Von dort habe ich einen romantischen Blick auf die Burg Kasperk in der Regenwolke.
    Von Pusty hradek geht ein steiler, felsiger Pfad runter zur Burg Kasperk. Da darauf auch der Goldsteig verläuft, sollte ich den Pfad runter - das tue ich mir nach der Quälerei am Kralovsky Kamen jetzt nicht an. Ich fahre zurück auf die Straße, die den Bergsporn umgeht und komme so zur Burg Kasperk. Von da nehme ich dann den steilen Pfad auf.
    Hier an der großen Burg sind viele Leute unterwegs, um sie zu besichtigen. Ich fahre weiter den steilen Weg abwärts, wobei ich ständig bremsen muss um nicht zu schnell zu werden.



    Es ist gerade Mittag als ich in Kasperske Hory ankomme. Am Marktplatz gibt es einige Restaurants und ich beschließe mir ein Mittagessen zu gönnen. Ich erwische das vermutlich einzige Restaurant in dem niemand Deutsch spricht. Ein Bier kann ich noch bestellen, aber bei der Speisekarte habe ich Probleme. Es wird eine Frau geholt die englisch kann und sie bietet mir an, extra für mich, eine englischsprachige Speisekarte aus zu drucken. So weiß ich wenigstens was ich bestelle.
    Während ich esse geht draußen noch mal ein Schauer nieder, das war der letzte für heute. Nach dem Essen kaufe ich im Coop am Marktplatz noch Wasser nach.



    Ich mache mich wieder auf den Weg. Nach der Stadt zunächst auf einer schmalen Teerstraße, im anschließenden Wald auf einem Waldweg, wobei ein kurzes Stück aus grobem Schotter besteht, der weder zum Wandern noch Radfahren geeignet ist.
    Nach dem Wald habe ich einen schönen Blick über das Tal der Otava, dann geht es quer über eine Wiese abwärts. Nach der Brücke über den Fluss, ein Stück der Otava entlang, biegt der Weg ab um den nächsten Höhenzug zu überqueren.



    Erneut schiebe ich lange aufwärts, nur manchmal kann ich auf flacheren Teilstücken fahren. Im kleinen Weiler Velky Radkov denke ich, ich habe mich verfahren. Bin ich plötzlich in den Alpen gelandet? Jedenfalls haben die Häuser einen alpenländischen Stil.
    Etwas später raste ich an einem Picknicktisch mit weiter Aussicht, erreiche danach die Kuppe des Berges und kann nun lange abwärts fahren.



    Aus dem Wald kommend sehe ich die Kirche von Dobra Voda vor mir, dahinter die Waldberge Böhmens. Neben der Kirche steht eine Kapelle in der sich eine Quelle befindet.
    Weiter geht es abwärts nach Hartmanice, von dort über Wiesen und durch Wald in ein schmales versumpftes Bachtal. Das Tal ist Naturschutzgebiet und sieht interessant aus.



    Über den ohnehin schlecht zu fahrenden Weg liegt ein dicker Baum. Rechts eine steile Böschung, links das sumpfige Tal. Es hilft nichts, zum zweiten mal auf dieser Fahrt muss ich die Packtaschen abschnallen, damit ich sie und das Rad einzeln über den Baum heben kann.
    Kurz darauf sehe ich zwei Bergwerkschächte in der Böschung. Einer ist abgesoffen, der andere durch ein Gitter verschlossen.

    Wegen dem sumpfigen Weg schiebe ich mal wieder bis ich zu einer Straße komme. Dort fahre ich nur ein paar hundert Meter, dann biegt die Strecke wieder in einen Wald ab und steigt an.



    Mir fällt ein, dass ich mein nasses Zelt vom Morgen noch nicht getrocknet habe. Ich hätte zwar noch eine Stunde Zeit bis es dunkel wird, aber hier ist eine kleine ebene Fläche und für heute reicht es mir auch. So breite ich mein Zelt und die anderen nassen Sachen beidseitig des Weges zum trocknen aus.
    Dann esse ich auf einem Baumstamm gemütlich zu Abend. Nach einer Stunde ist das Zelt trocken, ich stelle es direkt neben dem Goldsteig auf und gehe schlafen.




    4.Tag-------- 4.5.2019-----------Regen

    Der Morgen ist sonnig und für mich beginnt er gleich mal wieder mit schieben. Als ich den Grasweg oben bin muss ich noch zwischen ein paar Häuser durch und kann dann auf einer kleinen Straße fahren.


    Nach einiges an Strecke mache ich an einem überdachten Tisch mein Frühstück und genieße dabei die Aussicht in die Täler. Anschließend fahre und schiebe ich das Sträßchen weiter aufwärts, meist durch Wald oder Wiesen.


    Die ersten 250 Höhenmeter für heute habe ich geschafft und bin jetzt auf 900 Meter NN. Das ist an der kargen Vegetation zu erkennen. Trotz Sonnenschein ist es kühl hier oben. An einer Kreuzung stehen viele Jugendliche, da es hier sowas wie eine Jugendherberge gibt.
    Der Weg geht zunächst auf einer breiteren Teerstraße weiter und zweigt dann in einen Feldweg ein der schöne Aussichten bietet. Zunächst noch höhenparallel biegt er dann ins Tal der Ostruza ab, das 150m tiefer liegt und ich habe eine lange Abfahrt. Dafür bekomme ich am Gegenhang eine eben so lange Auffahrt, die ich schieben muss, nur um wieder auf der vorherigen Höhe zu sein.

    Weiter geht es durch Wald und Wiesen. Mittag ist schon vorbei als ich merke, dass ich müde werde. Eine Bank am Waldrand kommt gerade recht und ich lege mich darauf um zu schlafen. Der Himmel zieht sich zu, es wird kühler und so mache ich mich wieder auf den Weg.


    Vor Nyrsko ist der Himmel von Wolken überfüllt und es sieht nach Regen aus. Ich fahre in die Stadt, suche einen Supermarkt, der hat aber vor einer viertel Stunde geschlossen. Mist, das kenne ich sonst anders in Tschechien, da haben die Märkte eigentlich lange Öffnungszeiten, teilweise sogar Sonntags offen und sperren nicht Samstagnachmittags zu. Mir bleibt nichts anderes übrig und ich kaufe mir meinen Wassernachschub teuer an der Tankstelle.

    Inzwischen fängt es zu tröpfeln an. Ich suche mir ein Cafe in dem ich den Regen aus sitzen will. Es kommen noch mehr Radfahrer die ins Trockene wollen, das Cafe füllt sich. Ich sitze bereits ziemlich lange und als der Regen etwas nachlässt fahre ich los.
    Zunächst leiten mich die Markierungen auf einen kleinen Hügel auf dem eine Kapelle steht, die wie üblich in Tschechien verschlossen ist.


    Inzwischen regnet es stark. Ich fahre vom Hügel runter durch das nächste Dorf in dem dieser Turm als Eingangsbauwerk für ein Schloss dient. Jetzt geht es durch offenes Gelände über Wiesen. Der Regen wird stärker. Das macht keinen Spaß mehr. Im nächsten Dorf stelle ich mich bei der Kirche an der Wind abgewandten Seite unter.


    Wieder lässt der Regen nach und ich mache mich auf den Weg. Diese Strecke kenne ich bereits von meiner Wanderung vor zehn Jahren.
    Hier verläuft der rot markierte Wanderweg, der sich entlang der böhmisch-bayrischen Grenze zieht. So hatte ich mir auch den größten Teil des tschechischen Goldsteigs vorgestellt und deshalb das Rad genommen. Das war nicht immer die beste Lösung. Es sind doch viele Pfade mit eingebaut, auf denen das Rad eher hinderlich ist.

    Nicht mal diese Teerstraße kann ich zum Fahren ausnutzen. Die Steigung ist zwar nicht zu steil, aber dafür ewig lang. Ich bin bereits erschöpft und schaffe sie nur schiebend. Endlich oben angekommen mache ich eine Rast an einem überdachten Picknicktisch.
    Von nun an geht's Berg ab auf einem breiten Schotterweg. Es regnet immer noch und der leichte Regen, wenn ich stehe, verwandelt sich bei der schnellen Abfahrt in einen kalten, kräftigen Schauer. Mir frieren die Hände ein. An einer kleinen Kapelle, die von zwei großen Bäumen umgeben ist halte ich, ziehe meine Fahrradhandschuhe aus und krame meine Winterhandschuhe von unten aus der Fahrradtasche. Jetzt ist es besser, Gott sei Dank habe ich sie mit genommen. Es war zwar Regen vorhergesagt, ich hatte aber nicht damit gerechnet, dass es so schlimm wird.
    Bald geht es in Serpentinen hinunter nach Kdyne. Am Marktplatz orientiere ich mich neu und radle in Richtung des Campingplatzes, der rund zwei Kilometer außerhalb liegt. Die gesamte Strecke hat eine leichte Steigung.


    Inzwischen hat es aufgehört zu regnen, ich bin aber durchnässt. An der Anmeldung stelle ich das Rad ab und gehe hinein. Innen tropfe ich erst mal alles voll, die Dame hinter der Theke nimmt das gelassen zur Kenntnis. Sie ist nur etwas erstaunt, als sie erfährt, dass ich bei diesem Wetter mit Zelt unterwegs bin. Sie bietet mir ein kleines Häuschen für 6 Euro an und ich freue mich, dass ich meine Sachen im Trockenen ausbreiten kann. Noch besser ist die heiße Dusche unter die ich mich lange stelle.


    5.Tag-------- 5.5.2019-----------im Chodenland


    In dem Hüttchen mit der offenen Tür habe ich übernachtet. Leider hat es keine Heizung und ich muss morgens meine klamme Kleidung anziehen. Wenigstens regnet es nicht mehr. Vom Campingplatz kann ich die zwei Kilometer nach Kdyne bequem hinunter rollen.

    Vom Marktplatz aus schicken mich die Markierungen gleich wieder bergauf. Zunächst noch sacht auf einer Teerstraße, dann am Ortsrand sehr steil auf einen Kopfsteinpflasterweg, der schließlich in einen Waldweg übergeht. Was soll ich eigentlich auf diesem steilen Berg? Eine weitere Steigung später weiß ich es: am Gipfel ist die Burgruine Ryzmberk. Nun gut, dafür geht es jetzt wieder abwärts. Bequem abwärts rollen funktioniert hier nicht. Hier geht nur ein Pfad in Falllinie durch den Wald runter und der ist noch steiler als der Aufstieg. Ich habe zu tun, dass mir mein schwer bepacktes Rad nicht nach unten abhaut. Für MTB ist hier eine beliebte Strecke, wie ich an den Spuren sehen kann.
    Ein paar Kilometer weiter kommen mir vier Deutsche entgegen, die den tschechischen Goldsteig bis Vimperk wandern wollen. Die Tage vorher habe ich immer wieder einzelne und kleine Gruppen gesehen, die größere Rucksäcke dabei hatten. Offenbar wird dieser neue Wege bereits gut angenommen.

    Heute ist die Regenfront durchgezogen und es scheint wieder die Sonne. Ich bin deshalb bald in Domazlice, dem Hauptort der Choden. Das waren im Mittelalter freie Bauern, die die Grenze zu Bayern bewachten und dafür Privilegien erhielten.
    Eigentlich habe ich gedacht, ich schaffe in den fünf Tagen den ganzen Weg, aber durch die vielen Steigungen habe ich mehr geschoben als ich geradelt bin. Auch sind mehr Wege holprige Pfade als sonst in Tschechien üblich, so dass ich dort auch nicht schnell fahren konnte, bzw. schieben musste.

    OT: Warum ich an diesem Tag nicht mehr fotografiert habe weiß ich auch nicht. Vermutlich war ich doch sehr erschöpft durch die anstrengende Tour.
    Geändert von blauloke (12.06.2019 um 21:31 Uhr)
    Du kannst reisen so weit du willst, dich selber nimmst du immer mit.

  2. Fuchs
    Avatar von blauloke
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    22.08.2008
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    Schnaittenbach
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    1.773

    [CZ] Zlatá Stezka - Goldsteig in Tschechien

    #2
    6.Tag-------- 30.5.2019-----------CZ3

    Drei Wochen später komme ich dazu, den tschechischen Goldsteig endgültig für OSM fertig zu machen.
    Diesmal fahre ich mit dem Zug bis Furth im Wald, um von dort aus auch gleich den Verbindungsweg CZ3 nach Domazlice mit aufzunehmen.
    Es gibt zehn Verbindungswege, die den bayrischen und tschechischen Goldsteig verbinden.


    Kurz nach Furth im Wald habe ich einen schönen Blick zurück zum Hohen Bogen, den ich vor drei Jahren im Nebel überschritten habe.
    Zunächst bin ich auf der Hauptroute des Goldsteigs unterwegs, erst bei Schafberg trennt sich der Verbindungsweg ab, um kurz darauf die Grenze zu erreichen. Hier stehen nur ein paar Schilder und ein baufälliges Wachhäuschen ohne Wache.
    Kurz nach dem Bahnhof von Ceska Kubice biegt der Weg, am Beginn des Sägewerks beim Radfahren verboten Schild, als schmaler Pfad in den Wald ab. Ein schönes Stück Weg.


    Im Wald wird von einem Bach ein Wasserkanal abgeleitet der bereits seit Jahrhunderten Domazlice mit Wasser versorgt.


    An ihm entlang führt ein schmaler Pfad, den ich gut fahren kann. So macht das mit dem Rad Spaß.


    Unterwegs komme ich an einem Wackelstein vorbei. So sehr ich auch drücke und zerre der Stein bewegt sich kein bisschen. An der dortigen Sitzgruppe mache ich erst mal Pause.


    Bei der weiteren Fahrt komme ich an Weihern vorbei. In Böhmen wie in der Oberpfalz wird viel Fischzucht betrieben.


    Unterwegs schöne Blumenwiese, bei uns ist da nur grünes Gras.


    Auch weite Blicke in die Landschaft tun sich auf.


    Kurz vor der Stadt Domazlice geht es noch durch einen teils verwachsenen Hohlweg.


    Noch durch Vororte erreiche ich bald den Marktplatz mit dem weißen Turm, dem Wahrzeichen von Domazlice. Da es heute sonnig und warm ist gönne ich mir einen Eisbecher, bevor ich weiter radle.

    Auf dem Marktplatz endet der Verbindungsweg CZ3 und ich folge nun wieder der Hauptroute des tschechischen Goldsteigs.


    Ich komme gut voran. Im Umkreis der Städte verläuft der Weg viel auf Teerstraßen - gut für mich, schlecht für Wanderer. So komme ich schnell bis zum Fuß des Berges Hradek. Hier wird der Weg zum Graspfad und der Berg ist sehr steil. Ich schaffe es nicht das Rad mit den Packtaschen hoch zu schieben. Eine nach der anderen schnalle ich ab und lasse sie auf der Wiese liegen. Mit dem Rad schiebe ich weiter bis ich es am Gipfel abstellen kann. Dann gehe ich wieder runter und hole die Packtaschen nach.
    Auf dem Gipfel steht ein Denkmal des Chodenführers Jan Sladký Kozina.
    Von einer Aussichtsplattform kann ich einen großen Teil meines Weges nach voll ziehen.


    Hinter der Statue geht ein Pfad den Berg wieder hinab, zuerst noch über den Parkplatz und von dort wieder in den Wald. Da ist schon lange niemand mehr durch gegangen, er ist komplett zu gewachsen. Ich kämpfe mich schiebend durch und bin froh den Fahrradhelm auf zu haben. So kann ich mich besser durch das Gestrüpp zwängen.


    Durch die Orte Trhanov und Chodov kann ich wieder fahren, danach schiebe ich die nächste lange Steigung hoch. An einem Denkmal für einen Dichter raste ich wieder und habe von dort eine weite Aussicht zurück.
    Unten im Tal die Orte Trhanov und Chodov und weiter hinten ist Domazlice zu sehen.


    Hier macht die Wegführung einige seltsame Bögen, vermutlich um die Sehenswürdigkeiten mit den Bahnhöfen zu verbinden. Ich muss dadurch ständig die Berge rauf und wieder runter. Dafür gibt es immer wieder weite Aussichten.


    Für heute ist der Sadecke Skaly der letzte Berg. Ihn plage ich mich wieder hoch, irgendwann wird er zu steil und die erste Packtasche fliegt vom Rad. Als auch noch Felsen auf dem Steig liegen fliegt die zweite Packtasche runter. Erst wieder das Rad hoch und anschließend die Packtaschen geholt. Oben bin ich auf dem roten Weg den ich schon mal gewandert bin, kann mich aber nicht mehr an dieses Teilstück erinnern. Entlang des Gipfelaufbaus ist der Pfad felsig, das Rad macht einiges mit. Als ein Steig zum Gipfel auf den Felsen abzweigt, steige ich ihn hoch, nur habe ich dort auch nicht mehr Sicht. Die Bäume sind höher.


    Bald nach dem Gipfel kommt ein überdachter Picknicktisch. Dort koche ich erst mal mein Abendessen auf der Feuerstelle, um dann mein Zelt auf zu stellen. Die Nacht verläuft erneut ohne Zwischenfälle.

    7.Tag-------- 31.5.2019-----------falsche Wegweisung

    Bevor ich losfahre regnet es erst mal. Da ich das Zelt bereits zusammen gepackt habe, kann ich alles unter dem Dach trocken verstauen. Es ist nur ein Schauer, der schnell vorüber ist.
    Von meinem Zeltplatz geht es erst mal auf Waldwegen abwärts. Lange kann ich allerdings nicht fahren, denn Harvester haben den Weg kaputt gefahren. So muss ich sogar abwärts schieben. Erst als ich aus dem Wald kommend das Dorf Dily erreiche kann ich auf einer geteerten Straße rund einen Kilometer abwärts rollen. Das tut richtig gut.


    Erneut geht es auf einem Feldweg weiter, der abwechselnd über Wiesen mit vielen Blumen und durch Wald verläuft. Teilweise muss ich hier ebenfalls schieben, jedoch ist es eine schöne Strecke und ich höre einen Kuckuck rufen.


    Der nächste Ort ist Poběžovice, wo ich mir gleich zu Beginn in einem Minimarkt eine Flasche Wasser und ein Eis kaufe.
    Der lang gezogene Marktplatz ist typisch für so ein kleines böhmisches Landstädtchen, ein Schloss gibt es auch noch, wie fast überall.


    Zwischen Kirche und Pfarrhaus steht eine Statue des tschechischen Nationalheiligen Johannes Nepomuk mit seinem Sternenkranz an Stelle eines Heiligenscheins. Da er in Prag von der Karlsbrücke in die Moldau geworfen und ertränkt wurde ist er nun für Brücken zuständig und steht fast auf jeder Brücke und auch oft in Orten.


    Nach Poběžovice geht es einige Zeit über Felder, Wiesen und durch ein paar Dörfer. Dann beginnt der Anstieg zum letzten, hohen Berg, dem Lysa hora. Zunächst schiebe ich noch ein Stück den Pfad hoch, jedoch wird er bald zu steil und ich kehre um. Ich will mich nicht schon wieder hoch quälen. Auf der Karte sehe ich, dass der Berg von der anderen Seite aus nicht so steil ist.
    Auf einer kleinen Straße umfahre/schiebe ich den Berg, verpasse die Abzweigung und komme an eine Kreuzung an der ein Unterstand steht.
    Das passt, es wird eh Zeit für das Mittagessen und so koche ich gleich mal mein Essen. Währenddessen geht ein Schauer nieder, der mir unter dem Dach nichts aus macht.
    Ein kurzes Stück die Straße zurück sehe ich die Markierungen für den Abzweig auf den Lysa hora. Nicht weit, dann lasse ich das Rad im Wald stehen, da große Steine auf dem Weg liegen. Den Rest bis zum Gipfel gehe ich flott hinauf und auf der anderen Seite wieder hinunter bis zu der Stelle, wo ich vorher aufgehört habe. Unterwegs liegen einige Bäume über den Weg, mit dem Rad wäre das nichts geworden.


    Nachdem ich den Pfad über den Gipfel auf genommen habe kehre ich zum Rad zurück und kann jetzt auf einem als Radweg ausgeschilderten breiten Schotterweg ins Tal fahren. Bald komme ich auf eine Straße und sehe ein Denkmal und einige Schilder stehen. Sie verweisen auf das untergegangene Dorf Rindl. Solche Hinweise auf untergegangene Dörfer habe ich bereits öfters gesehen.
    Dieses Gelände erkunde ich etwas, es sind aber nur ein paar Mauerreste zu sehen und angeblich einige Quellen, die allerdings trocken sind.


    Wo der Weg die Straße wieder velässt sehe ich zum ersten mal eine Herde weißer Rinder auf einer Wiese. Ich habe auch einen der weiten Blicke in die Landschaft, die sich immer wieder auftun.


    Die Strecke geht wieder durch einen Wald. Unterwegs ragen plötzlich diese beiden Felsplatten aus dem Boden, obwohl sonst keine Felsen zu sehen sind.


    Erneut auf einer Straße muss ich laut Navi nach links abbiegen, auch ein Schilderbaum zeigt nach links, dort ist aber nur eine Wiese ohne erkennbaren Pfad und mit Betonpyramiden abgesperrt. Auf einer befindet sich eine gelbe Markierung die fast in den Boden zeigt, jedoch ist hier ein Feldweg, der scharf links von der Straße abzweigt. Es kommen auch zwei Tschechen auf dem Feldweg angeradelt. Dann muss es da weiter gehen - er hat viele Schlaglöcher, denen ich ausweichen muss und es geht abwärts. Schön, so komme ich gut voran, unten im Tal ist der Weg ohne Schlaglöcher und gut zu fahren. Erst bei der nächsten Weggabelung werfe ich einen Blick auf das Navi und sehe, dass ich komplett falsch unterwegs bin. Verdammt, jetzt muss ich den Weg zurück und die Steigung wieder hoch. Mir bleibt nichts anderes übrig, zwar käme ich auch auf diesem Weg wieder zum Goldsteig, aber dann fehlt ein Stück. Also fahre/schiebe ich zurück. Oben an der Kreuzung rätsle ich, wie es weiter geht. Sicherheitshalber fahre ich noch etwas die Straße entlang, jedoch ist das auch falsch. Ich muss also tatsächlich über die Wiese?
    Ich sehe mir die Situation genauer an. Rechts neben der Betonpyramide mit der Markierung ist ein Fleck auf dem Boden. Anscheinend ist sie mal verkippt worden. ich richte gedanklich auf und damit zeigt der Pfeil in den Himmel. Jetzt erst registriere ich die Stange die am Horizont in der Wiese steht. Soll das eine Markierungsstange sein?
    Ich schiebe einige Meter in die Wiese und tatsächlich bin ich da auf dem Track unterwegs wie mein Navi anzeigt. Normalerweise gehe ich nicht durch Wiesen die kurz vor der Mahd stehen. Mit schlechtem Gewissen schiebe ich weiter durch das hohe Gras. An der Stange angekommen ist dort tatsächlich eine Markierung angebracht. Hier muss ich nun nach rechts abbiegen und weiter durch das hohe Gras. Hier oben auf dem Rücken habe ich eine weite Aussicht nach links und rechts, vermutlich ist das der Grund warum der Weg mitten durch die Wiese geführt wird.
    Die Wiese zieht sich noch lange hin. Weiterhin orientiere ich mich an meinem Navi, da immer noch keine Spur zu sehen ist. Unterwegs erschreckt mich ein Reh, dass nur zehn Meter neben mir aufspringt und flüchtet. Wäre es liegen geblieben hätte ich es nicht bemerkt.


    Im Rückblick ist nur meine Spur zu erkennen, sonst alles unberührt. Diese Strecke hat sich fast einen Kilometer gezogen.
    Am Waldrand komme ich wieder auf einen Weg und kann weiter fahren. Streckenweise wird er zu einem breiten Schotterweg auf dem ich schnell abwärts rolle, dann wird er zu einem grasigen Pfad.


    Der endet an einem elektrischen Weidezaun, den ich durch einen isolierten Handgriff öffnen kann. Auf der großen Weide sind auch Kühe, die aber weiter weg stehen. Am Rand entlang sind die Markierungen angebracht und am unteren Ende ist wieder ein Isolierstück im Zaun um ihn zu passieren zu können.


    Nun komme ich nach Bela nad Rabuzou. Im Ort finde ich einen Schilderbaum an dem neue Schilder angebracht sind. Auf einem Wegweiser mit blauer Spitze ist gleichzeitig das Symbol des Goldsteigs und eines Verbindungsweg nach Eslarn auf geklebt. Also folge ich den blauen Markierungen. Am Ortsende biegen diese nach links ab, während ich eigentlich nach rechts müsste. Hier stimmt etwas nicht!
    Mein Navi kann ich nicht nutzen, da es momentan leer ist. Ich puffere es über den Nabendynamo und einen Lader, doch durch die vielen Schiebestrecken reicht das auf dieser Fahrt nicht aus.
    Vorsichtshalber fahre ich ins Zentrum zurück, schaue nochmal den Schilderbaum an mit dem gleichen Ergebniss wie vorher, beide Aufkleber sind auf dem blauen Pfeil. Das kann nicht stimmen. Hier hat offensichtlich der Wegwart geschlampt. Ich müsste den gelben Markierungen folgen.
    Wieder zurück am Ortsrand kann ich kurz mein Navi einschalten und es zeigt ebenfalls die Strecke der gelben Markierungen an.
    Diesen folge ich nun, einen zugewachsenen Hohlweg umgehe ich auf der angrenzenden Wiese, im liegenden Wald muss ich die Markierung erst wieder suchen, finde sie und bewege mich auf dem kaum erkennbaren Pfad weiter aufwärts.


    Wieder auf einem breiterem Weg kann ich gut abwärts fahren bis ich im Tal bin. Dort wird der Weg schlammig und bald sehe ich auch den Grund dafür. Ein fleißiger Biber hat den Bach an mehreren Stellen aufgestaut.
    Anschließend fahre ich durch das Dorf Bezdekov, dahinter einen Bach entlang wieder aufwärts.


    In einem großen Waldgebiet stelle ich mein Zelt wieder direkt am Wanderweg auf. Beim Dunkel werden stehe ich noch vor dem Zelt, plötzlich höre ich in der Nähe ein Reh bellen. Es läuft einen Bogen um meinen Platz, bleibt stehen und äugt neugierig in meine Richtung. Erst als ich es mit Blitz fotografiere läuft es weiter. Das Bild ist leider nichts geworden.


    8.Tag-------- 1.6.2019-----------endlich fahren


    Ich habe schon öfters auf dieser Tour Bäume quer über den Weg liegen, die ich umgehen oder übersteigen musste. Diese Buche kann ich noch recht einfach im Wald um schieben.


    Bei dieser Tanne geht das nicht mehr. Links ist der Hang zu steil und rechts stehen die Bäume zu dicht. Mir bleibt nichts anderes übrig, ich muss im Wipfelbereich einige Äste absägen um einen Durchgang zu schaffen. Mein Taschenmesser besitzt eine Sägeklinge und damit entferne ich vier hinderliche Äste. Dann kann ich das Rad um den Baum schieben und dahinter wieder nach oben auf den Weg.


    Ich fasse es nicht, nur 50m weiter ist der Weg durch mehrere Bäume blockiert. Da kann ich mit meiner Säge nichts mehr ausrichten. Das Rad lasse ich erst mal stehen und erkunde eine Möglichkeit die umgefallenen Bäume zu umgehen. Gott sei Dank stehen die Bäume nicht zu dicht und ich kann mit dem Rad gut 200m durch den Wald schieben um auf den freien Weg zu kommen.
    Nun geht es abwärts weiter durch den Wald, später über Wiesen und ich erreiche Primda. Im Zentrum gibt es einen COOP in dem ich noch ein paar Sachen einkaufe und auf einer Bank erst mal länger frühstücke.


    Wieder fällt der Weg ab, durch ein Dorf und über die Autobahn D5. Danach komme ich auf gut zu fahrenden Wegen schnell vorwärts. Die Sonne scheint und so hatte ich mir die Fahrerei eigentlich vorgestellt.


    An einer Abzweigung sehe ich dieses Flugzeugteil. Offenkundig ist hier eine Cessna abgeschossen worden. es ist jedoch keine Erklärung vorhanden.
    OT: Ich habe einen Artikel zu dem Abschuss gefunden:https://tachovsky.denik.cz/zpravy_re...-20131005.html
    Ort des Denkmals:https://de.mapy.cz/fotografie?x=12.6...foto&id=520588

    Als ich an einem einsamen Weiher vorbei komme schwimme ich etwas. Der Grund ist schlammig und ich fühle mich an meine Kindheit erinnert in der ich auch öfters in Fischweihern gebadet habe und den Schlamm zwischen den Zehen spürte.


    Ab Stare Sedliste wird der Goldsteig auf einer markierten Fahrradstrecke geführt. Diese verläuft über schmale Landstraßen, ca 10km bis Tachov.


    Unterwegs sehe ich mehrere Herden von den weißen Rindern die in dieser Gegend gehalten werden.


    Letzte lange Steigung vor Tachov im Rückblick.


    Tachov ist die letzte größere Stadt und hat noch einige alte Bauten und Teile der Stadtmauer erhalten. Ich sehe mich nur kurz um, weil hier schon ein paar mal war.


    Vom Fluss Mies der durch Tachov fließt wurden mehrere Seitenkanäle abgezweigt. An einem der Kanäle entlang fahre ich unter schattigen Bäumen aus der Stadt hin aus. Eine Bisamratte lässt sich nicht durch die Menschen stören die sich am Ufer entlang bewegen und schwimmt gemütlich umher.


    Kurz nach Tachov komme ich in das Dorf Svetce. Dort steht die, nach der Wiener Hofreitschule, zweitgrößte Reithalle Europas. Diese ist allerdings schon lange nicht mehr in Betrieb, wird nur noch gelegentlich für Veranstaltungen genutzt.


    Danach geht es wieder mal durch Wald an dessen Ende sich ein Sumpfgebiet befindet. Der Weg ist diesmal jedoch trocken.


    Nun fahre ich durch ein Dorf und anschließend auf einer neu gebauten Straße auf der ich gut vorwärts komme. In den Dörfern fällt mir auf, dass die Sportplätze von vielen Kindern bevölkert werden. Ich vermute, dass heute eine Art Schulsportfest in ganz Tschechien ist.

    Die nächste Fahrt durch die nächste Stadt, Plana, zieht sich etwas. Der Marktplatz ist neu renoviert, so wie ich auf der ganzen fahrt festgestellt habe, dass bereits viel getan wurde, bzw noch viel renoviert wird.


    Nach Chodova Plana ist es nicht mehr weit und auf einem neu angelegtem Radweg gut zu fahren. Auch hier ist der Marktplatz neu renoviert und hier endet der tschechische Goldsteig.
    Es fehlt leider noch eine markante Stelle die den Beginn/Ende kennzeichnet. So stehe ich erst mal etwas ratlos auf dem Marktplatz herum.
    Schließlich sehe ich den Hinweis auf einen Biergarten wo ich meinen Durst löschen kann.

    Zusammenfassung: Mit dem Zlatá Stezka - Goldsteig in Tschechien ist ein Wanderweg entstanden der Natur und Kultur vereinigt. Er richtet sich an Wanderer die ohne Zelt unterwegs sind und von Hotel zu Pension wandern. Da er grob am östlichen Rand des Sumava und des Ceske Les (Tschechischer Wald) verläuft ist er sehr abwechslungsreich.
    Die Markierungen sind noch nicht durchgehend angebracht, deshalb unbedingt die GPX-Datei des Weges herunter laden. Ich kenne auch noch keine Papierkarte in der er eingetragen ist, nur eine grobe Übersichtskarte des gesamten Goldsteigsystems und einen Etappenführer.
    Den Weg mit dem Rad zu fahren war keine gute Idee, ich habe länger geschoben als ich gefahren bin.
    Im Gegensatz zu meinen bisherigen Erfahrungen in Tschechien wurde er über lange Strecken auf Pfaden und unebenen Wegen verlegt. Nur am letzten Tag konnte ich lange Strecken mit dem Rad fahren.
    Geändert von blauloke (14.06.2019 um 12:44 Uhr)
    Du kannst reisen so weit du willst, dich selber nimmst du immer mit.

  3. Anfänger im Forum

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    AW: [CZ] Zlatá Stezka - Goldsteig in Tschechien

    #3
    Klasse Bericht, vielen Dank! Auch wenn es für dich jetzt nicht so genial war, ist es ja schön, dass es ein "echter" Wanderweg und eben kein Fahrradweg ist!

  4. Dauerbesucher
    Avatar von Fritsche
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    AW: [CZ] Zlatá Stezka - Goldsteig in Tschechien

    #4
    Danke für den Bericht!

    Der Link zum Abschuss ist leider tot.

    In der Gegend um Domazlice habe mal gearbeitet, vor langer Zeit. Sehr schön, etwas über diese sehr schöne Gegend mal wieder zu lesen.
    Für eine Welt ohne Pressspan

  5. Fuchs
    Avatar von blauloke
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    AW: [CZ] Zlatá Stezka - Goldsteig in Tschechien

    #5
    Danke für die Kommentare.

    Zitat Zitat von Fritsche Beitrag anzeigen
    Der Link zum Abschuss ist leider tot.
    Ich habe den Link jetzt direkt auf den Artikel gesetzt. Ihr müsst ihn dann nur noch übersetzen lassen.
    Du kannst reisen so weit du willst, dich selber nimmst du immer mit.

  6. Erfahren
    Avatar von EbsEls
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    AW: [CZ] Zlatá Stezka - Goldsteig in Tschechien

    #6
    Danke für den interessanten Bericht und besonders für die Courage, den Weg in OSM zu aktualisieren (mit Fahrrad ).
    Das war in 80igern so ungefähr der grenznächste freie Weg.
    Viele Grüße aus Thüringen (oder von Sonstwo)
    Eberhard Elsner

  7. Fuchs
    Avatar von blauloke
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    AW: [CZ] Zlatá Stezka - Goldsteig in Tschechien

    #7
    Nun ja, ich bin ja jetzt in Rente und irgendwie muss ich mir die Zeit vertreiben. Da mache ich dann halt solche Sachen.
    Ursprünglich hatte ich mir eingebildet, dass ich mit dem Rad den Weg in fünf Tagen schaffe, bin dann aber nur bis Domazlice gekommen und musste noch drei Tage anhängen.
    Insgesamt war ich doch schneller als zu Fuß, jedoch war alles anstrengender als ich vermutet hatte. Besonders der Regen an den ersten Tagen war furchtbar.
    Du kannst reisen so weit du willst, dich selber nimmst du immer mit.

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