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  1. Erfahren
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    [DE] Rheinsteighäppchen

    #1
    Mitreisende: Taunuswanderer
    Ein paar Eckdaten:
    • Mehrtageswandertouren auf dem Rheinsteig mit ein paar Abstechern
    • gewandert an 4x2 und 2x4 Tagen zwischen 15. Juli und 24. Oktober 2017
    • Gesamtstrecke: rund 360 km mit guten 12.500 hm Aufstieg und fast so viel ging’s dann auch wieder runter
    • An-/Abreise per Bahn und Übernachtung in vielen netten Gasthöfen, Pensionen und Hotels, wobei die eine oder andere Herberge gerne die durch mich erwirtschafteten Umsätze in die Instandhaltung und Renovierung stecken darf...


    Vorgeplänkel
    Irgendwann 2016 beschloss ich, dass ich mal ein wenig ran muss an den Speck, also an meinen eigenen Zwischen Entschluss und tatsächlicher Aktion lagen natürlich ein paar Tage und ein ganzer Winter. Samt guten Vorsätzen für das Jahr 2017. Nachdem die Reduktion eines Teils meines Overfills tatsächlich glückte, buchte ich mir für September 2017 einen Urlaub im schönen Norden Portugals mit der Absicht dort ausgiebig wandern zu gehen. Ein Taunuswanderer geht natürlich nicht ohne Training einfach so los und daher kam der Gedanke auf, die ein oder andere Wanderung hier in Deutschland einzuschieben. Dazu kam die Entdeckung eines Buches über den Rheinsteig, welches seit seit fast zehn Jahren im Regal verstaubte. Eine alte Idee flammte wieder auf: ich könnte mal den Rheinsteig machen. Zuerst fallen mir natürlich ein paar Ausreden ein: nicht fit genug, fast kein Urlaub mehr, keine Erfahrung mit Mehrtagestouren, usw. usf...es ziehen ein paar Tage ins Land...
    Mitte Juni hole ich dann recht spontan meinen Vaude Astra light 40 aus der staubigsten Ecke meiner Wohnung. Dort lag er seit meiner ersten und bis dato einzigen Zweitagestour, dem Rotweinwanderweg an der Ahr, anno 2013. Für eine kleine Testtour bepacke ich den Rucksack mit 5 kg Gedöns und 6x1,5 Liter Wasser. Es geht 25 km und knapp 1000 hm über und durch meinen Hometurf, den Hochtaunus. Mal testen, ob ich das schaffe....
    Die Tour endet erfolgreich, der Rücken tut nicht weh und auch sonst gibt es keine Ausreden mehr. Ich plane das erste Wochenende auf dem Rheinsteig und buche ein Hotel in Rhöndorf. Da ich tatsächlich nicht mehr genügend Urlaubstage über habe, müssen jetzt erst mal die Wochenenden und ein paar Resturlaubstage herhalten. Die Häfte des Rheinsteiges möchte ich schon noch 2017 schaffen. Und damit ich nach dem ersten Wochenende nicht gleich einknicke, buche ich das zweite Wochenende gleich hinterher...

    Der erste halbe Happen: das Siebengebirge
    Von Bonn nach Rhöndorf - 15.07.2017

    Es geht los. Frühmorgens mit amtlichen 14 kg Rucksackgewicht (ca. 10 kg Baseweight) mit dem Zug nach Bonn. Mindestens 25 km möchte ich heute schaffen und morgen dann auch mindestens 15, besser aber auch nochmals 25 km.

    In Bonn angekommen geht es schnellstmöglich über den Rhein...



    Die ersten Kilometer verlaufen recht flach rheinaufwärts durch Bonn und seine Vororte und als der Rheinsteig sich das erste mal vom Rhein verabschiedet sehe ich folgende Verlockung:



    Umkehren ist natürlich nicht. Schon gar nicht nach erst sieben Kilometern...es geht bergauf ins Siebengebirge und nach knapp neun Kilometern lege ich oberhalb des Dornheckensees (Fotorätsel) eine kleine Pause ein.



    Schöne Aussicht auf Bonn, aber leider ziemlich lärmverseucht. Das animiert mich die Autobahngeräusche musikalisch zu untermalen. Ich schnappe mein iPhone und lade den entsprechenden Song von Kraftwerk auf meine Ohren...

    Weiter geht es gut beschattet...



    ...vorbei an einer im Bau befindlichen neuen „Attraktion“...

    ...bis zur Klosterruine Heisterbach, wo ich mir erst mal ein Mittagessen gönne - nicht dass noch mein Rucksack um Essensvorräte erleichtert wird - wäre ja schade um den Trainingseffekt...





    Gut gestärkt folge ich dem perfekt ausgeschilderten Rheinsteig, bis ich den Ölberg entdecke...



    ...und feststellen muss, dass dieser nicht auf dem Weg liegt. Kann gar nicht sein, sage ich mir und tausche einen Kilometer Rheinsteig gegen gute vier Kilometer Umweg mit 200 hm extra. Dafür geht mir das Wasser aus. Ich hatte im Kloster nicht nachgetankt. Egal. Auf dem Ölberg freut sich die Gastronomie über einen Besuch. Zudem lohnt sich der Abstecher auch aussichtstechnisch:


    (Sorry für das schlechte Foto)

    Es ging bislang, insbesondere für das gastronomisch dicht erschlossene Siebengebirge, doch Recht ruhig zu. Das ändert sich jetzt allerdings blitzartig. Der späte Nachmittag führt mich zum Drachenfels.



    Unzählige Touristen, teils mit Bollerwagen, tummeln sich um das Neuschwanstein des Nordens. Einmal wird mir auch direkt Hochprozentiges angeboten. Ich lehne ab und gebe etwas Gas. Ich möchte schließlich noch bis 18 Uhr am Hotel sein...



    ...geschafft. Vier vor sechs checke ich ein :-) Nach knapp 32 km und guten 1000 hm lege ich erst mal entspannt ab und gehe noch ein Häppchen Essen und drehe eine Runde durch Rhöndorf. Der Tag endet, wie er begann, mit einem Hauch bundesdeutscher Geschichte...



    Zurück im Hotel frage ich mich was hier im Zimmer so „riecht“. Es stellt sich raus, dass es meine recht neuen Wanderstiefel sind. Die sind mir zwei Wochen zuvor bei einem Dauerregeneinsatz im Hohen Vogelsberg abgesoffen und müffeln jetzt. Es ist das letzte Wochenende für die Stiefel, welche somit keine 200 km schaffen, aber den Gestank konnte ich auch die Wochen nach dieser Tour nicht wieder loswerden. Irgendwie werde ich den Verdacht nicht los, dass die Schuhe schon vorbelastet waren. Schließlich hatte ich sie nach dem Dauerregen schön offen hingestellt und zunächst auch mit Zeitungspapier gefüttert. Nevermind. Geschlafen wird bei offenem Fenster...
    Geändert von Taunuswanderer (21.05.2019 um 23:14 Uhr)

  2. Erfahren
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    AW: [DE] Rheinsteighäppchen

    #2
    Rheinsteighäppchen Teil 2 - Wald- und Landfluchten
    von Rhöndorf nach Erpel - 16.07.2017

    Gut ausgeschlafen und gestärkt geht es Sonntag früh weiter zur Löwenburg...



    ...selbige liegt wieder nicht direkt am Rheinsteig, ist dafür mit gelbem „R“ markiert und bringt ein paar extra Höhenmeter ein. Danach wird der Weg geradezu langweilig. Wald, Wald und Wald und ein Graben...



    Sieht irgendwie menschengemacht aus. Ich muss googeln. Tatsächlich: es ist ein Landgraben aus früheren Zeiten und dieser markiert tatsächlich noch heute die Grenze zwischen NRW und RLP. Der Grenzschützer....



    ...lässt mich passieren. Das erste Bundesland ist geschafft.

    Weiter geht es im Wald und bald auch über Wiesen. Vom Rhein ist weit und breit nix mehr zu sehen...



    ...und meine Wasservorräte neigen sich dem Ende entgegen. An einem heißen Tag müsste man hier besser planen...
    ...aber es taucht Rettung auf...



    ...Selbstbedienung gegen Einwurf kleiner Scheine und schon geht es wieder flott in Richtung Rhein weiter...



    ...welchen ich in der Nähe von Unkel zumindest wieder erahnen kann...



    Es folgt der „Endspurt“ nach Erpel, wo man nochmals gen Unkel blicken kann...



    ...oder auf die andere Rheinseite nach Remagen. Gegenüber stand ich tatsächlich auch Im Herbst 2013 bei meiner ersten Zweitagestour, als ich von der Ahr zurückkehrte und die Reste der Brücke von Remagen besichtigte. Heute habe ich keinen Nerv mehr auf Besichtigungen. Ich habe fertig und steige von der Erpeler Ley hinunter zum Bahnhof...



    ...und düse zurück nach Frankfurt. Der Weg führt mich über Köln, wo ich eine knappe Stunde zur Verfügung habe und mir den Dom anschauen möchte...



    ...aber mehr als dieses Foto gibt es nicht. Der Rücken zwickt, Beine und Füße schmerzen. Ich gehe zurück in den Bahnhof. Essen und Trinken klappt noch ohne fremde Hilfe. Die knapp 29 km mit abermals 1000 hm haben dann doch ziemlich Spuren hinterlassen. Zur Abfahrtszeit schleppe ich mich an das Gleis und in einer guten Stunde und ner halben bin ich wieder zuhause. Vom ersten Wanderwochenende habe ich auch die nächsten Tage noch was: Muskelkater vom Feinsten.

  3. Alter Hase

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    AW: [DE] Rheinsteighäppchen

    #3
    Oh wie schön. Bitte weiter. So ähnlich habe ich das vor ein paar Jahren auch gemacht.

  4. Erfahren

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    AW: [DE] Rheinsteighäppchen

    #4
    ja, super. Hab ich mehrmals gemacht, auch mit Familie...absolut kindertauglich...
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  5. Erfahren
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    AW: [DE] Rheinsteighäppchen

    #5
    Auf und nieder immer wieder - 3. Tag auf dem Rheinsteig
    von Erpel nach Rheinbrohl - 22.07.2017

    Kurze Erholungswoche. Montag und Dienstag war selbst der Weg zur Arbeit eine Qual für meine Muskeln. Gottseidank hatte ich die nächste Tour schon geplant und gebucht. Ansonsten hätte ich mir wohl eine kleine Auszeit gegönnt. So ging es am nächsten Wochenende weiter. Wieder früh morgens los und in Erpel muss ich natürlich erst mal wieder hoch auf die Erper Ley. Ich möchte ja genau da weiter machen, wo ich aufgehört habe. Ein Hügelchen auslassen ist nicht...



    ...von da geht es gleich wieder runter nach Kasbach, von dort wieder hoch gen Ockenfels und wieder runter nach Linz am Rhein. Ein pittoreskes Fachwerkstädtchen was zu einer kleinen Rundtour einlädt...





    ...man beachte die Hochwassermarken...



    ...und die Katholen haben sich getraut einen architektonischen Kontrastpunkt zu setzen...



    ...danach geht es wieder hoch auf den Kaiserberg (174 m NHN)...und wieder runter...und wieder hoch nach Dattenberg...



    ... und wieder runter nach Leubsdorf. Irgendwie sind die Anstiege alle verkraftbar und an sich harmlos. Aber über die heutigen 28 km läppern sich auch wieder 1000 hm zusammen. Und bei dem ganzen auf und ab kommt mir Roland Kaisers Song „Es geht schon wieder hoch, das darf doch wohl nicht wahr sein...“ (oder so ähnlich ) in den Sinn. Den Ohrwurm werde ich den ganzen Tag nicht mehr los, obwohl Schlager eigentlich nicht so meins ist...

    In Leubsdorf steuere ich die Pizzeria für die Mittagspause an und stehe vor verschlossener Türe: Betriebsferien....ja ne is klar. Ein paar Meter weiter ist eine Bäckerei: geschlossen. Es ist fünf nach zwölf und samstags hat die nur bis zwölf auf....es gibt Trockenfutter aus dem Rucksack...
    ...und danach geht es wieder hoch und weiter in Richtung Schloss Arenfels:



    Doch vorher sorgt meine grandiose Wasserlogistik für ein paar weitere Höhenmeter und zusätzliche Strecke. Meine ersten zwei Liter sind alle, das Trockenfutter sorgt für erhöhten Trinkfluss und die 27 Grad im Schatten wirken wie ein Turbo auf den Wasserverbrauch. Ich steuere den nächsten Getränkemarkt an. Der hat auf, das hatte ich extra vorab auf Google gecheckt und Betriebsferien hat er Gottseidank auch nicht.

    Die restlichen zehn Kilometer entlang und durch Bad Hönningen und Rheinbrohl sind dann schnell erledigt. In Rheinbrohl steuere ich meine Pension an. Checke ein und such mir noch eine geeignete Lokalität fürs Abendessen. Das erste: geschlossene Gesellschaft (Hochzeit - mit ein paar Gästen komme ich am kommenden morgen am Frühstückstisch ins Gespräch), der „Grieche“: Betriebsferien, das Steakhaus: nur Stammgäste, da Küchenpersonal ausgefallen...also zum Italiener: so komme ich doch noch zu meiner Pizza...

    ...im übrigen habe ich die nächste Grenze überschritten. Ich bin jetzt über den obergermanischen Limes endlich in das zivilisierte Römischen Reich eingewandert. Das barbarische Germania Magna liegt hinter mir. Da schläft es sich gleich viel besser...

  6. Erfahren
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    AW: [DE] Rheinsteighäppchen

    #6
    Halbtagswanderung und Sightseeing - 4. Tag
    von Rheinbrohl nach Leutesdorf - 23.07.2017

    Am Sonntag früh wird erst mal ausgiebig gefrühstückt und ich unterhalte mich mit dem Chef des Hauses und Gästen am Nachbartisch - unter anderem auch über den doch recht geringen Wanderverkehr auf dem Rheinsteig. Denn mal abgesehen vom Siebengebirge/Königswinter war ja jetzt nicht gerade viel los. Liegt wohl an der Urlaubszeit. Die Deutschen fahren lieber weiter weg. Mehr ist wohl im Mai und September und Oktober los. Für den Pensionswirt kommt noch dazu, dass er wohl auch eher mehr Fahrradgäste hat. Der Limesradweg startet/endet hier und bezüglich Rheinsteig liegt Rheinbrohl nicht an einem „offiziellen“ Etappenort. Selbiger liegt nebenan in Bad Hönningen.

    Nach dem ausgiebigen Frühstück geht es hoch auf die Rheinbrohler Ley...







    ...und weiter Richtung Hammerstein, wo ich Pause im Rhein mache...



    ...zumindest sieht es in meinem GPS-Track so aus. Ich war nicht baden, sondern habe mich auf der Wellenbrechermole ausgeruht und die Sonne genossen, um den „harten“ Aufstieg zur Burgruine Hammerstein besser meistern zu können...





    Es geht weiter südwärts dem Rhein entlang gen Leutesdorf. Mein heutiges Etappenziel. Der Weg führt über ganz leicht ausgesetztes Gelände (T2 steht bei OSM. In der Schweiz würde man darüber eher bemitleidenswert lächeln)...



    ...mitten durch den Biergarten des Naturfreundehauses...



    ...und ein paar Weinberge...



    ...nach Leutesdorf. Leutesdorf habe ich als heutiges Etappenende gewählt, weil danach der Rheinsteig einen großen Bogen weg vom Rhein macht und dem Rand des Neuwieder Beckens folgt. Da „hinten“ kommt man aber nur mit dem Bus wieder raus, da habe ich keinen Bock drauf. Was also tun mit einem angebrochenen Tag? Ich bin erst knappe 18 km (rund 750 hm) gewandert? Ich setze über...



    ...und mache noch etwas Sightseeing in Andernach...





    Nach ein paar (ungetrackten) Kilometern durch Andernach und einem großen Eisbecher geht es wieder zurück nach Hause. Jetzt ist erst mal drei, nö vier Wochen Rheinsteigpause - zuerst habe ich keine Zeit und dann finde ich keine passende Unterkunft in/um Rengsdorf...
    Geändert von Taunuswanderer (22.05.2019 um 22:25 Uhr)

  7. AW: [DE] Rheinsteighäppchen

    #7
    Seit Wochen pausierst du quasi vor meiner Haustür. Soll ich vorbeikommen, damit es weitergeht?
    .

  8. Erfahren
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    AW: [DE] Rheinsteighäppchen

    #8
    Zitat Zitat von Werner Hohn Beitrag anzeigen
    Seit Wochen pausierst du quasi vor meiner Haustür. Soll ich vorbeikommen, damit es weitergeht?
    Gemach. Gemach. Wurde halt in Häppchen abgewandert. Und so tröpfeln jetzt auch die Etappenberichte... ich habe gestern Abend schon mal zehn verregnete Bilder der nächsten Tagesetappe ausgesucht...

  9. Erfahren
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    AW: [DE] Rheinsteighäppchen

    #9
    Petrus öffnet die Schleusen - 5. Tag auf dem Rheinsteig
    von Leutesdorf ins Hinterland - 18.08.2017

    Ein paar Wochen sind vergangen. Dafür kann ich dieses Mal noch zwei Urlaubstage spendieren, um das Wochenende zu verlängern. Es sind drei Tage Wandern geplant plus ein Tag Sightseeing in und um Koblenz. Drei Tage am Stück bieten sich hier auch an, da es zwischen Leutesdorf und Koblenz keine Etappenstopps mit Bahnanschluss gibt. Es geht ab ins Hinterland. Dort wo Hotels nur an manchen Tagen online buchbar sind. Dort wo Unterkünfte auch seit ihrer Eröffnung in den 60ern nicht wirklich grundlegend saniert wurden. Dafür ist erfreulicherweise das Preisniveau auch irgendwo in den vergangenen Jahrzehnten stecken geblieben. Nicht ganz 1960er, aber fast. Und sauber war es auch. Also alles gut...

    Zuerst aber mal steht der Start in Leutesdorf auf der Kippe. Es gibt Unwetterwarnung für fast den gesamten Westerwald und die „Gewitterkante“ des Tiefdruckgebiets führt genau entlang meiner heutigen Route. Ich checke permanent den kurzfristigen Wetterforecast und das Regenradar per App und entscheide mich die Felskante in Leutesdorf doch zu nehmen. Mein Zeitfenster beträgt ein bis zwei Stunden. Dann muss ich möglichst weit im Hinterland sein.

    Noch am Rhein, noch ist es trocken:


    Die Wetter-App sollte Recht behalten und die heutige Wanderung verkommt danach zur Dauerdusche mit dem ein oder anderen Gewitter, welches ich aber jeweils geschickt aussitzen kann. Mal war ne Schutzhütte da, mal eine Bushaltestelle...

    Dank dem miesen Wetter und meinem damals noch nicht wetterfesten iPhone gibt es jetzt neben einem der langweiligsten Abschnitte des Rheinsteigs auch noch die miesesten Bilder. Ich tue sie uns trotzdem an...

    Obwohl es noch nicht richtig angefangen hat zu schütten, ist das Geläuf schon unter aller S*u... neben dem Regen der Vortage tat hier schweres Gerät sein übriges...



    ...aber es gibt auch Profiteure des regenreichen Wetters...



    ... etwas Abwechslung bietet der Abstecher nach Monrepos...



    ...mit Sequoia Mammutbaum. Ok nicht gerade ein typisches Gewächs der Gegend. Kann man aber mal anschauen...



    Der Rheinsteig führt unaufhörlich weg vom Rhein ins Hinterland...



    ...mittlerweile ist auch der Regenponcho von innen gut angefeuchtet. Nicht dass er undicht ist, aber ich komme halt doch ins Schwitzen. Bei den Schuhen ist das anders. Die sind mittlerweile von außen durchnässt. Ein paar Wiesenabschnitte, um die Wachsschicht zu killen und ein paar Regenschauer später: schon habe ich ein feuchtes Klima in meinen schönen und recht neuen Hanwag-Lederstiefeln ohne Goretex...

    Dafür gibt es Kurioses am Wegesrand...





    ...die Reise führt mich weiter durch Altwied...



    ...gen Rengsdorf. Aber vorher muss ich mal wieder einen Starkregenschauer in einer Schutzhütte aussitzen. Da bleibe ich nicht lange alleine. Hin und wieder schaut die eine oder ander Waldmaus rein. Deren Wohnungen sind wohl landunter und sie suchen ebenfalls nach einem trockenen Unterstand. Der ist aber schon besetzt und so ziehen sie wieder flott von dannen...

    Nach gut 24 km erreiche ich Rengsdorf. Das dauerte heute über neun Stunden, obwohl ich mittags kein Restaurant aufsuchte. Vor dem Hotel hat die Wirtin eine kleine Druckluftstation stehen, damit die Wanderer ihre Schuhe säubern können. Spannend. Funktioniert auch wie gewünscht. Auf meinem Zimmer breite ich erst mal alle nassen Klamotten zum trocknen aus und werfe einen Blick aus dem Fenster direkt auf den vorbeiführenden Rheinsteig. Wassertaufe geschafft...



    Nach dem Abendessen drehe ich noch eine größere Runde durch den Ort. Das geht erfreulicherweise trockenen Fusses in meinen Barfußschuhen. Auf Bilder verzichte ich mal. Wirklich sehenswert finde ich Rengsdorf ja nicht. Irgendwie liegt hier der ein oder andere Hund begraben...

  10. AW: [DE] Rheinsteighäppchen

    #10
    Zitat Zitat von Taunuswanderer Beitrag anzeigen
    Es geht ab ins Hinterland. Dort wo Hotels nur an manchen Tagen online buchbar sind. Dort wo Unterkünfte auch seit ihrer Eröffnung in den 60ern nicht wirklich grundlegend saniert wurden. Dafür ist erfreulicherweise das Preisniveau auch irgendwo in den vergangenen Jahrzehnten stecken geblieben. Nicht ganz 1960er, aber fast. Und sauber war es auch. Also alles gut...

    [...]

    ...gen Rengsdorf.

    [...]

    ... Wirklich sehenswert finde ich Rengsdorf ja nicht. Irgendwie liegt hier der ein oder andere Hund begraben...
    Sehr schön herausgearbeitet. Rengsdorf hat in Sachen Tourismus nie glänzen können. Auch der Rheinsteig hat daran nichts geändert. Die Masse der Rheinsteigwanderer lässt die Schleife durch den Unteren Westerwald aus. Das war schon vor 100 Jahren so. Den alten Rheinhöhenweg haben Wanderer dort schon immer als zwei Sprung-Etappen gemacht.

    Du hast das Museum auf Monrepos ausgelassen! Für "begrabene Hunde" haben die das schöne Wort "Kontemplation" genommen.

    MONREPOS war schon immer ein Ort der Inspiration, der Diskussion, aber auch der Kontemplation.

    Quelle: Monrepos -Archäologisches Forschungszentrum und Museum für menschliche Verhaltensevolution
    .

  11. Erfahren
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    AW: [DE] Rheinsteighäppchen

    #11
    Zitat Zitat von Werner Hohn Beitrag anzeigen
    Du hast das Museum auf Monrepos ausgelassen! Für "begrabene Hunde" haben die das schöne Wort "Kontemplation" genommen.

    MONREPOS war schon immer ein Ort der Inspiration, der Diskussion, aber auch der Kontemplation.

    Quelle: Monrepos -Archäologisches Forschungszentrum und Museum für menschliche Verhaltensevolution
    Ja, das wurde leider Schlechtwetteropfer. Als ich dort durchkam waren meine Stiefelprofile gut gefüllt und meine Zeitreserven von Regenpausen schon gut angeknabbert. Ferner war es gerade mal nicht ganz so Naß von oben. Das musste ich fürs Weiterkommen nutzen.

    Interessanterweise gibt es dort zusätzlich zum Rheinsteig noch eine der rot markierten Rheinsteig Premium Rundwege im praktischen Spazierformat von 10 km. Ob das zusätzliche Tagesgäste nach Altwied und Monrepos bringt?

  12. AW: [DE] Rheinsteighäppchen

    #12
    Das ist der Fürstenweg, einer der Rundwege, die am Rheinsteig in den letzten Jahren entstanden sind. Altwied profitiert davon nicht, denn das Dorf gibt bis auf Stadttor, Burgmauer und die immer vernagelte Burgruine nichts her. Als Anhängsel der Neuwieder Stadtverwaltung legt man auch keinen Wert auf Wanderer.

    Das Bistro im Museum liegt auf halben Weg, was nicht wenige zum Anlass nehmen, mal 'ne Pause einzuschieben. Die Laubachsmühle an der Wied wird ebenfalls nicht leer ausgehen. Als der Weg neu war, sah sich der Besitzer genötigt, fürs Wochenende ein Parkverbot für Fürstenweg-Wanderer einzuführen.

    Vermutlich haben die beiden Hotels in Waldbreitbach (das Wiedtal hoch) am meisten vom Weg. Die sind auf Wanderer eingestellt, bieten einen Transfer an und sonst noch Einiges. Oder man nimmt direkt den Bus, auch aus Neuwied. Die Linie 131 fährt das Wiedtal rauf und runter. Ab Laubachsmühle hättet du in 10 Minuten vor dem Hotel zur Post gestanden, das nicht nur online buchbar ist.
    .

  13. Erfahren
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    AW: [DE] Rheinsteighäppchen

    #13
    Zitat Zitat von Werner Hohn Beitrag anzeigen
    Vermutlich haben die beiden Hotels in Waldbreitbach (das Wiedtal hoch) am meisten vom Weg. Die sind auf Wanderer eingestellt, bieten einen Transfer an und sonst noch Einiges. Oder man nimmt direkt den Bus, auch aus Neuwied. Die Linie 131 fährt das Wiedtal rauf und runter. Ab Laubachsmühle hättet du in 10 Minuten vor dem Hotel zur Post gestanden, das nicht nur online buchbar ist.
    Ja, über Waldbreitbach bin ich damals auch gestolpert. Transfers kamen für mich aber vor zwei Jahren nicht in Frage. Ich bevorzugte Unterkünfte am liebsten direkt an der Strecke oder mit wenigen Kilometern Umweg, so dass ich alles wandernd erreichen konnte. Dazu kommt, dass mir für eine Übernachtung der Komfort egal ist, Hauptsache eine feste und saubere Unterkunft

    Das Hotel in Rengsdorf bekommt schon den ein oder anderen Wanderer ab. An besagtem Freitag haben da auch noch zwei Weitwanderer kurzfristig gebucht und vor mir eingecheckt. Die hatten wohl etwas Zuviel vom Regen und bevorzugten für eine Nacht mal ein festes Dach überm Kopf, waren ansonsten aber für draußen gerüstet. Und für diejenigen, die wie ich den Rheinsteig am Rande des Neuwieder Becken nicht auslassen, gibt es dort wenig Alternativen. Der „Rheinsteig-Effekt“ dürfte trotzdem recht überschaubar und somit allenfalls ein kleines Zubrot sein. In so einer Gegend muss man den Gästen halt mehr als nur ein paar saubere Zimmer bieten, um seinen Betrieb vernünftig auszulasten.

    Aber an der Situation kann man schön ablesen, wie die Premiumweg-Designer vermeintlich vorgehen. Etappenorte werden so gewählt, dass man Unterkünfte relativ einfach bekommen kann oder man sucht nach Kooperationen mit Hotels/Gasthäusern im Umland. Ich plane meine Etappen aber lieber selbst. In vielen Ecken Deutschlands sieht es mit festen Unterkünften ja noch schwieriger aus. Pensionen bevorzugen Übernachtungsgäste die wochenweise buchen. Häufig werden gar nur Übernachtungen >1 angeboten. Dabei bin ich gerne bereit für eine einzelne Übernachtung mehr zu bezahlen, da ja auch die Kosten dafür höher sind.

  14. Erfahren
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    AW: [DE] Rheinsteighäppchen

    #14
    Im Hinterland unterwegs - Tag 6 auf dem Rheinsteig
    von Hinterland nach Hinterland, respektive von Rengsdorf nach Bendorf- 19.08.2017

    Nach gemütlichem Frühstück geht es ans packen. Das meiste Zeugs konnte über Nacht gut trocknen. Der Poncho hat noch feuchte Ecken, da muss kurz das Handtuch ran und die Schuhe sind auch innen noch gut feucht. Die Wollsocken vom gestrigen Tag brauchen auch noch ein bisschen Sonne. Also darf das neue Merchandise-Equipment heute ran. Rheinsteigsocken - Made in U.S.A.



    Wrightsocks kannte ich zuvor nicht. Aber die doppelschichtigen Socken halten was sie versprechen. Keine Blasen - und das trotz des feuchten Innenschuhklimas. Das bleibt auch erst mal feucht. Zwar ist Eitel Sonnenschein auf dem Rheinsteig, aber das Gras ist noch so nass, als würde es noch immer regnen. Die Luftfeuchtigkeit scheint mir auch noch Nähe an der Sättigungsgrenze zu sein (klar: Sonne, Verdunstung und so). Der Weg führt mich heute weiter entlang des Randes des Neuwieder Beckens, über die Nonnenley...



    ...weiter zum Stausee Schwanenteich, wo ich nach 4 km erst mal ein Kaffeepäuschen einlege. Ist nett hier und Samstag früh morgens kaum was los. Weiter geht es wieder durch bewaldete Streckenabschnitte mit für touristischen Wanderwegen typischen Bildungsangeboten...



    ...und hin und wieder mit Ausblicken vom Waldrand aus über das Rheintal, welches sich hier weit öffnet...



    Bei der Schließung meiner Wissenslücken hilft heute mal wieder das Internet. Erst mal kurz bei Wikipedia die (peinliche) Geschichte zum AKW Mülheim-Kärlich nachgeschlagen (Bildmitte in der Ferne) und dann via OSM und Wikipedia geschaut, was dort (Bild Mitte links) für ein Kloster liegt? Abtei Rommersdorf in Heimbach-Weis. Aha. Dort führt mich dann jetzt erst mal ein Abstecher vom Rheinsteig hin...



    ...und anschließend durch den schönen französischen Garten...



    ...danach mal kurz im Internet recherchiert, wo ich denn jetzt Mittag machen könnte. Die Wahl fällt auf den nahegelegenen Supermarkt bzw. dessen integriertes Backwarenverkaufscafe. Danach steige ich wieder an der Stelle am Rheinsteig ein wo ich zuvor abgebogen bin. Es folgt ein tierreicher Abschnitt...



    ...bevor es hinab nach Sayn geht...


    (Suchbild: wo führt hier der Rheinsteig lang? Ja, tatsächlich über die Terasse des noblen Schlosses Sayn)

    ...und wieder hoch über Burg Stein „Kaff“ und Burg Sayn. Dann kam das, was sich schon angedeutet hatte: Regen. Doch dieses Mal habe ich Glück. Es regnet nur leicht und die Baumkronen fangen das alles ab. Ich bleibe ziemlich trocken

    ...keine zwei Kilometer später geht es auch schon wieder runter vom Bergkamm ins Brexbachtal. Ich komme auch heute wieder auf meine Höhenmeter. Beim nächsten Aufstieg treffe ich dann mal wieder auf den Limes...





    ...und kurz danach geht es zum Tagesendspurt. Einen Kilometer vor Etappenende riecht es nochmals nach Regen...



    ...ich gebe Gas und erreiche nach 25 km und 8 1/2 Stunden mein Hotel in Bendorf. Die ersten Tropfen fallen. Mal wieder Glück gehabt.

    Heute nächtige ich in einem ehemaligen Müttergenesungsheim. Nach der Insolvenz wurde die Anlage in zwei Hotels und eine Gastwirtschaft umgewandelt. Mein Hotelflur versprüht noch etwas von dem alten Charme des Kurbetriebes, während das Zimmer stilvoll und schön eingerichtet ist. Die Abendrunde durch den Ort fällt heute kurz aus. Es fällt wieder mehr Regen. Daher entschließe ich mich mein Abendessen im angeschlossenen Brauhaus zu mir zu nehmen.

  15. Erfahren
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    AW: [DE] Rheinsteighäppchen

    #15
    Mist. Jetzt habe ich noch zwei schon hochgeladene Bilder unterschlagen. Die Etappe hatte ja nicht nur Kultur zu bieten, sondern auch einige schöne „naturnahe“ Abschnitte:





    Alles in allem eine deutliche Steigerung in Sachen „Erlebniswert“, um mal in der Sprache der Premium-Wanderweg-Designer zu bleiben

  16. Erfahren
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    AW: [DE] Rheinsteighäppchen

    #16
    Back on Rhine - Mein siebter Tag auf dem Rheinsteig
    von Bendorf nach Koblenz - 20.08.2017

    Nach dem bislang besten Frühstücksbüffet auf meiner Rheinsteigtour geht es heute auf einer Kurzetappe nach Koblenz.

    Das Geläuf ist anfangs auf gleichem Niveau wie die letzten Tage...



    ...aber das Wetter deutlich besser. Die Strecke über Vallendar...





    ...passiere ich recht zügig. Meine Schuhe sind endlich durchgetrocknet, nachdem sie am Morgen noch gefühlte 20% Restfeuchte hatten. Das wandert sich jetzt wieder deutlich angenehmer. Die heute reichlich vorhandene Zeit nutze ich für die Besichtigung des Buga-Geländes in Koblenz-Ehrenbreitstein...



    ...und der Festungsanlage...





    Nach ausgiebiger Tour in der Anlage steige ich den Rheinsteig hinab nach Koblenz...



    ...und wechsle die Rheinseite...



    Nach 17,5 km (davon 3 km Festungsbesichtigung) ist die heutige Rheinsteigetappe schon zu Ende. Ich setze per Fähre über, besichtige noch Koblenz, checke in mein Hotel in der Altstadt ein und drehe dann noch eine kleine Abend-Runde mit dem Schiff auf Mosel und Rhein. Es gibt sozusagen ein Preview auf den morgigen Streckenabschnitt. Denn entgegen meiner ursprünglichen Planung spendiere ich den Montag nicht in Koblenz, sondern wandere weiter gen Taunus, der liegt schließlich in greifbarer Nähe

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