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    [DE] 1x den seniorenteller bitte! der westfalenwanderweg

    #1
    Mitreisende: danobaja
    17.3.-19.3.2019 der westfalenwanderweg

    immer wenn man nicht weiss wo man anfangen soll ist es ganz gut mal das andere ende zu betrachten. also gehts los mit dem fazit. wohlgemerkt, das ist ein fazit der ersten 50 km.

    ich hab mir bis letzte woche nicht vorstellen können, dass deutschland so dreckig sein kann. an keinem ort hab ich s mir so dreckig und zugemüllt vorgestellt. die dunkle pennergasse hinter der geldwäsche-pizzaria der ruhrpott-mafia kann nicht schlimmer sein. einzig die auffahrt von der a7 auf die a44 bei kassel kann auf dem linken seitenstreifen mithalten mit den klitzekleinen strassen über die der westfalenweg immer wieder führt. das sind keine wege die von fremden befahren werden. zigarettenschachteln, müllermilch flaschen, wodkaflaschen, red bull dosen, bier dosen und flaschen, immer wieder wodkaflaschen, zuviele zum einsammeln. es stehen soviele abfalleimer rum, dass ich mich echt frag wer leert die alle? aber alle waren leer. naja, kein wunder könnt man sagen, wo doch alles im strassengraben landet. ich hab am ersten tag noch eingesammelt, aber irgendwann gibt man einfach entnervt auf.

    der gedanke, dass der gemeine westfale ein "bitte passendes schimpfort einsetzen" sein könnte kam dennoch nie auf in mir. selten hab ich freundlichere leute beim wandern getroffen. selten soviel hundekacke auf den wegen liegen sehen. noch nie ist mir passiert, dass alle hunde angeleint werden wenn ich entgegenkomme.

    ich muss ja fürchterlich aussehen nach nur einem tag wanderung. dabei hab ich noch nie einen hund gebissen! ausser mal bissl ins ohrläpple. aber der mochte das. ehrlich!

    es gibt erstaunlich viel wald, also erstaunlich für einen neuthüringer mit klischee-behaftetem oberbayerischem background. für einen für den der ruhrpott immer nur russiger himmel, graue wohnblöcke, schwarze gesichter auf der strasse und jeder ein kumpel waren. und alles eine einzige riesige stadt, haus an haus, nichts grünes, grau in grau. 60er jahre filmmaterial geht im kopf ab. heimatkunde. film # 317, der kumpel auf schalke. rauchende kamine am horizont, das rasseln des filmprojektors, der streifen helles licht am ende des jalousie.

    es ist leider viel strecke auf teer, pfadartiges gibts kaum. highlights waren immer waldstücke am hang mit schmaleren (reit?)wegen und gelegentlich auch mal ein pfad der sich dahinschlängelt. weg vom bergrücken ist man eigentlich immer auf schotterpiste oder teerbelag unterwegs.

    die strassen sind wenig befahren, hauptsächlich passieren einen grössere suv´s mit kennzeichen der umgebenden landkreise. alle fahren langsam und rücksichtsvoll. gerade so wie wenn sie damit rechnen müssten, dass ihre eigenen enkelkinder auf der strasse spielen. fand ich echt prima!

    einkaufen kann man auf den ersten 2 etappen täglich, man streift immer wieder orte.

    dass dortmunds süden völlig anders ist als in meinem kopf durfte ich schon vor einigen jahren erfahren, ich freute mich, dass ich so viele jahre lang ein völlig falsches bild hatte. ist ja viel schöner hier gewesen all die zeit!

    also mir hats bis hier gefallen. ich werd weitergehen, immer mal wieder für 2-3 tage. bin gespannt wie oft ich mich noch verlaufe.

    so, erstmal gehts los. hauptsächlich bilder, soviel action war nicht am www, ah ja, das sieht gleich besser aus. der www!

    etappenbeschreibungen gibts im netz, zb hier:
    https://www.wanderkompass.de/Westfal...-Etappe-1.html

    so hab ich dann samstag abend entdeckt, dass meine freundin susanne auch noch ein trailangel ist. sie hat mir angeboten mich nach hattingen zu fahren als sie von meinen plänen gehört hat. ich hab gerne angenommen, sonntag, später vormittag, gings los. kaum sassen wir im auto kam der erste regenguss. für später war besserung angesagt im internet. ich war froh diesen schauer hinter mir zu haben, trocken versteht sich. das navi des dacia brachte uns zur eingegebenen adresse. die hatte es sich selber vorgeschlagen. am bahnhof in hattingen. nur waren wir in der mitte von 3 häusern und weit und breit kein bahnhof. also weiter ins zentrum nach hattingen, 3 kilometer weiter. wo ist der bahnhof? naja, erstmal weiter geradeaus. da links, abbiegen geht nicht, um den block, anpirschen von der anderen seite, ok, kannst mich rauslassen, den rest lauf ich. ein abschiedsfoto für den start. auch das foto wird nichts. zuerst geht die kamera immer aus anstatt auszulösen. als ich dann am nur verdrehten aber nicht gelöteten verbindungskabel zwischen powerbank und akku-dummy ein bischen rumbog war alles wieder gut. nur ein pic von mir gabs trotzdem keines. wir wissen nicht warum das nix geworden ist.

    susanne fuhr nach hause, ich lief die 100m zum bahnhof. am fahrradständer 20m vor dem gebäude stellte ich mich unter. es goss schon wieder wie aus eimern. die regenjacke rausholen wollte ich nicht, da stand ich lieber. kann ja nicht ewig dauern. beim warten entdeckte ich eine am boden liegende geldbörse. es waren noch ein paar fotos, die geldkarte und ein impfpass drin. und 3 cent in 2 münzen, ganz tief unten im eck des abteils für das kleingeld. erstmal eingepackt das teil, der rucksack war eh leicht.

    ich hatte von outdooractive die grobe wegbeschreibung abkopiert und ausgedruckt. das ist so ungefähr wie verlassen sie den bahnhof und kommen sie in ein paar stunden in witten an...
    im kopf hatte ich noch von einer anderen webseite: verlassen sie das bahnhofgebäude und gehen sie über den park and ride parkplatz.... und schon stand ich, das erste mal weglos, und es ging nur noch in die falsche richtung am bahngleis entlang. auf der von outdooractive gezogenen karte auf papier konnte ich nur erkennen, dass die richtung nicht stimmte, es waren keine strassennamen angegeben beim von susanne gewählten abbildungsmassstab. immerhin stand hattingen drauf. entschlossen faltete ich die karte zusammen und steckte sie in die jackentasche. ich machte mich auf den weg ins zentrum, der berg auf den ich musste lag auf der anderen seite dahinter. da kann ja nix anbrennen. nach 150m kam ich an einem cafe vorbei und beschloss, nein, nicht nach dem weg zu fragen, sondern mir 2 stück kuchen zu kaufen.

    am s-bahnhof, gerade mal weitere 150m weiter, stellte ich den rucksack aus dem wind und setzte mich dazu mit dem kuchen. exzellenter kirschkuchen mit streusel drauf. auf allen seiten drückte es die kirschsosse beim reinbeissen raus. die richtige stärkung für den anstieg im kalten wind. irgendwie verlor sich der weg schon wieder bevor ich aus der stadt heraus war. durch ein wohngebiet mit reihenhäusern stieg ich bergan. am ende der teerstrasse fand ich das x mit dem kleinen w wieder. rein gings in den wald, das nette x versteckte sich hinter a1, a2, und a3. und als das x mal abbog lief ich gerade aus, denn ich wollte weder den a`s folgen noch dem einfachen x. xw war mein ziel. paderborn calling!

    hattingen bahnhof


    s-bahnhof, 150m sind geschafft, paderborn muss warten.


    schön markiert! gut sichtbare x´e, so muss das...


    nicht lang und ich kam beim nächsten regenschauer aus dem wald. dabei sollte ich eigentlich die nächsten kilometer unter bäumen wandern.... erstmal rucksack abstellen, unter der nackten buche schutz suchen und die karte studieren. ich hatte eine idee wo ich sein könnte, ein eingeborener der vorbeikam wusste zwar nichts vom westfalenwanderweg, aber er konnte mir zeigen wo ich war und in welche richtung ich muss. "dort hinten finden sie dann einen haufen schilder an den bäumen!" nette leute hier!

    dem ridgeback und dem schwarzen puli begnete ich bereits zum 3. mal. die beiden gelbbejackten frauen, die sie an der leine hatten, quasseltenununterbrochenmiteinander und sahen mich gar nicht. die hunde erkannten mich wieder und grüssten freundlich.

    eine halbe stunde weiter kam ich im nachbartal aus dem wald und in den regen. bis die brücke zum unterstellen kam war ich natürlich gut nass. der weg kreuzt die landstrasse und es ging zum ersten mal auf schmalem pfad entlang der abbruchkante steil bergauf. der ilex griff mit stacheligen blätten von allen seiten nach mir.

    es wird windiger, ich packe die dünnen fleecehandschuhe aus und bereue dass ich die etwas dickeren zuhause gelassen hab. die kapuze bleibt ständig am kopf, das tempo nimmt zu. die bewölkung auch schon wieder. es formt sich eine grauschwarze regenschwangere wolke die mich 2 tage lang begleiten wird. wir pendeln uns ein beim wechsel von regenwolke schiebt sich vor sonne, regenwolke macht mich nass, regenwolke gibt die sonne für 2 minuten frei und sammelt eine stunde lang kraft für einen kräftigen regenguss direkt über mir.


    unterstellbrücke


    steile kante und ein bischen pfad


    das frühjahr kommt




    blick zurück


    die schwarze freundin sammelt kraft


    manchmal hatte ich glück und fand irgendwas zum unterstellen und wurde nicht ganz durchnässt. aber durch den kalten wind wars einfach ungemütlich. auch die schokolade wärmte weder gemüt noch körper. am späten nachmittag beschloss ich mein erstes kartenblatt hinter mir zu lassen. das hiess die autobahn queren und dann noch ausser hörweite laufen. ich gab gas, hielt trotzdem ein kurzes pläuschchen mit den schafen und wurde noch im ort von der wolke erwischt. diesmal hagelte es. das schlimmste verhinderte ein dachvorsprung auf einer garage. natürlich verlief ich mich im nächsten ort. das ominöse einfache x begleitete a2 und a3 in die büsche, ich lief geradeaus weiter, kam in ein neues wohngebiet, kurvte bis zur landstrasse am ende des dorfes. kein xw, nichtmal ein x. der www musste rechts von mir liegen, also der landstrasse folgen bis die kreuzung mit dem www kommt. auf dem weg dahin hält ein range rover neben mir und erklärt mir, dass da weiter vorne ein paar bäume hinter dem parkplatz stehen mit einem haufen schildern dran. vom www haben weder er noch seine frau jemals gehört. trotz zunehmender dunkelheit entdecke ich hinter dem parkplatz ein xw auf einem der schilder. na also, geht doch. ordentliche karten werden deutlich überbewertet.


    ach ist regen schön...


    aber wenn ich mal nass bin ists gleich vorbei...


    auf ein pläuschchen


    grüsse von der schwarzen freundin, hagel diesmal


    der weg biegt auf schmalem pfad in ein waldstück mit bach ab. ich brauche nicht lange bis ich eine flache stelle ausser sicht finde und mein lager aufschlage. im boden, der nur aus verrottenden buchenblätern besteht halten die heringe fast nicht. aber es ist windstill und ich darf halt nicht ans aussenzelt kommen. ich koche kartoffelpürree mit currysosse und vorher noch einen halben liter tee in meinem ti-topf. zum nachtisch gibts eine rippe nougat schokolade und ein paar seiten aus "abgelatscht", meiner reiselektüre für unterwegs. das buch ist sauschwer, ich denke kurz über den kauf eines pilgerwagens nach. wi, was setzt du mir nur für gedanken in den kopf!

    ich liege eine ganze weile im zelt und verdrehe die gelenke und strecke meine muskeln durch. wohliges gestöhne begleitet mein schmerzverzerrtes gesicht. eine gratwanderung zwischen schmerz und wohl. es ist sooo schön wenn der schmerz nachlässt, ich bin gespannt wie ich morgen aus dem zelt komme.

    "quäl mich!" sagt der masochist
    "aber nicht doch!" sagt der sadist

    das ist das mantra für heute nacht. ich schlafe unruhig, drehe mich ständig. als ich beim ersten licht wach werde wage ich nicht mich zu bewegen, es tut gerade mal nichts weh. als bekennender masochist quäle ich mich mangels eines sadisten selbst in der unbeweglichkeit, wohl wissend dass eine gute chance besteht, dass tatsächlich doch was weh tut wenn ich mich bewege.

    autobahnquerung


    kurzes stück pfad und ilex


    die apsis lebt


    camp


    in der nacht bekam ich besuch. die erste zecke des jahres hatte sich angeschlichen. in gönnerlaune schenkte ich ihr das leben und schnippte sie mit dem finger zurück auf los. ziehen sie keine 8000 euro ein... ich erinner mich noch wie das ein paar mark waren beim monopoly. ja, die zeit fliegt nur so dahin, auch im kleinen. eh ich mich versehe ist es halb 8 und meine übliche stunde die ich zum frühstück und einpacken brauche ist um. so eine portion asia nudeln mit ner dose tunfisch drin und eine tasse tee dauern halt.

    weiter gehts mit steifen knien, weichen fussohlen und schmerzenden hufen. die 12,5 km stecken in den knochen. ich bin lange nicht mehr unterwegs gewesen in den barfussschuhen. aber auch sonst bin ich nicht fit.

    durch nebelschwaden gehts durch die "neue welt", trotz nassem gras bleiben die füsse warm und trocken. der weg gefällt mir so gut, dass ich ihm weiter folge, obwohl das xw auf der teerstrasse abbiegt und dieser folgt. auf meiner kartenkopie sieht es aus wie wenn ich direkt hinter den letzten häusern wieder auf den www treffen werde. eine eingezäunte weide zwingt mich zu einem kleinen umweg, die wolke zu einer pause unter einem grossen baum. ich erreiche eine kleine teerstrasse mit wodkaflasche und red bull dose und folge ihr in richtung www. aber der hat sich verlaufen,.... weit und breit kein x. die strasse verläuft in real genauso wie der www auf der, hihi, "karten"kopie. auf dem papier ist hier wald, ich laufe durch eine wohnsiedlung und komme an einem kindergarten vorbei in dem gerade die kinder abgeliefert werden. mit einer mutter komme ich ins gespräch. ich will wissen ob ihr kind krank ist weil sie es wieder mit nach hause nimmt. nein, der ist noch zu klein für kindergarten. sie haben den gösseren bruder hingebracht. irgenwann lande ich auf einer grösseren strasse, die lkw rauschen vorbei und schieben einen schwall eiskalte luft zu mir an den strassenrand. ein denkmal für krieger aus dem 1. weltkrieg ist top gepflegt und ich hoffe auf einen pfad neben der strasse, aber hinter dem stein ist nicht als ilex land. da geht kein weg durch.

    ich folge der strasse für ein paar kilometer. diesmal liegt der www links von mir, der müll auf beiden seiten der strasse. entschuldbar. diesmal ist die strasse grösser und es sind ganz sicher die fremden die den müll aus dem fenster werfen. in den vororten von bommer treffe ich eine frau mit einem terrier, sie laufen nach witten und begleiten mich eine ganze weile. im gespräch werde ich durch den ort geführt und wir landen im muttental und bei einem herrlich anzusehenden xw.

    auf autolosem schotter gehts im tal bachabwärts. anfangs mäandert er wild über die wiese, nicht lange und er wird eingefangen in einem steinernen bett. schilder und bergbaurelikte am weg begleiten mich durchs tal.

    die besucherin


    denkmal


    es blüht


    die/der/das??? mutte


    schilder




    lorenkippe


    an hundetrainings- und jugendlagerplätzen vorbei gehts es nochmal hoch zu schloss steinhausen. eine junge frau kommt mir entgegen, schweigend eingewickelt in einen schwarzen mantel mit fellkragen. der wind ist wirklich kalt, handschuhe sind angesagt. oben beim schloss ist eine kleine ausstellung. steinskulpturen vom ansässigen steinmetz und tiere in blech von einem anderen künstler. nashörner find ich einfach klasse. ein australischer hirtenhund steigt aus einem auto, sieht mich und schiesst mit eingezogenem schwanz davon. jetzt weiss ich warum alle ihre hunde anleinen wenn sie mich sehen. nah, klärt mich der besitzer auf. der findhund hatte angst vor meinen stöcken. was da passiert war wusste der mann auch nicht. auch mit abgelegten stöcken hat sich der hund nicht mehr zu mir hergetraut.

    auf dem abstieg nach witten nimmt die häuserdichte stark zu. anfangs sind die grundstücke gross, je weiter man absteigt, zum fluss hin, desto kleiner der grund und um so höher die häuser. die riesigen fabrikgebäude gegenüber betrachte ich mit staunen. ich komm halt doch aus ner kleinstadt. da sind die grossen anlagen so wie hier eine halle. auf der brücke entdecke ich einen aufkleber über den ich mich sehr freue. ich kenne den besitzer, erinnerungen an mehrere urlaube in amsterdam werden wach. fallende rindenstücke von den riesigen platanen holen mich in die kalte wirklichkeit zurück. ich beschliesse, dass ich mich aufwärmen muss und was zu essen brauche. ausserdem muss das gewicht mal für mehr als 5 minuten von den knien. der xw biegt rechts ab, ich gehe gerade aus, dorthin wo es nach zentrum aussieht. das thermometer der sparkasse hängt hoch oben in der sonne und zeigt unverschämte 16° an. unten auf der strasse ist es arschkalt, das messgerät auf der rückseite des gebäudes meldet 6° in roten leuchtdioden. den 4 wartenden herren vor dem finanzamt scheint die kälte und der wind nichts auszumachen. ich beschliesse zum grill zu gehen, das schild ist schon weitem zu sehen. aber direkt davor kommt noch eine pizzeria mit take-out und lieferservice. die jungs vom personal liefern sich eine freundschaftliche rauferei als ich eintrete und frage ob offen ist. ja, natürlich, t-shirt richten, bestellung aufnehmen. das coke muss ich mir selbst holen aus dem kühlschrank, die grosse pizza wird frisch gemacht. ich lese die zeitung, neben den üblichen schlechten nachrichten lese ich auch noch ein paar unwichtige, wie zum, beispiel dass der fc bayern jetzt 7 tore vor der punktgleichen dortmunder elf in der tabelle rangiert. ich bin gespannt obs heute nacht gefriert.

    die pizza ist klasse. die jungs haben gute laune, die gäste mehren sich. es ist halb eins. ich esse in ruhe auf, bezahle, fülle eine wasserflasche auf und stürze mich in die kälte. ach, die füsse fühlen sich wohl, der bauch auch, der kopf ist unter der kapuze warm, nix wie raus aus der stadt.


    traumlage


    nashorn


    elefant und fohlen


    abstieg nach witten


    überall riesige hallen


    selfie im spiegel


    der aufkleber freut mich!


    platane


    keine eile


    super pizza!



    aus der teerhölle komme ich noch trocken heraus. gerade als ich die häuser verlasse und in den buchenwald eintauche hat mich die wolke entdeckt. es fängt an zu nieseln. im wildpark sieht das schweinegehege aus wie mordor. schwarze erde, aufgewühlt und zermatscht, zwischendrin schwarzgraue bäume ohne ein bischen grün. ich stoppe an einem metallkasten weil ich nicht weiss was das ist. die wildsau hat mir was voraus. sie weiss was es ist und kommt nachschauen ob ich mir futter für sie gezogen hab. sorry, erklär ich ihr. bin aufm weg zu ultralight und hab keine münzen an mir. verständnislos dreht sich die sau um, streckt mir kurz den arsch hin und verschwindet wieder in richtung bäume.

    die eltern mit den kleinen kindern flüchten in einen unterstand und verpacken den nachwuchs. ich bin mir sicher, wenn es ein halsband hätte würden sie es anleinen. im zick-zack gehts durch ein grösseres waldstück. als ich im nächsten tal ein wenig auf teer laufen muss kommt die sonne wieder für 2 minuten. ich entdecke das loch in der leitplanke und das klitzekleine xw darauf, steige die böschung hinunter und quere den bach auf einer wagemutigen brückenkonstruktion und nutze die gelegenheit für eine kurze pause. einen liter wasser füll ich mir noch ab bevor es weiter geht. meine freundin am himmel wird schon wieder dunkler. an der nächsten strassenkreuzung bin ich schon wieder nass. ich passiere gut schede und als ich am hartkortschen herrenhaus vorbei bin beschliesse ich mir einen platz zum schlafen zu suchen. beides hat in der kartenkopie keinen namen. entfernungen lassen sich auch nicht abschätzen, da jede kopie einen anderen massstab hat, dieser aber nicht angegeben ist. ich finde eine ebene stelle im buchenwald, es ist zu kalt um draussen zu sitzen. ich verabschiede mich bald und koche und esse im zelt. nicht lange und es ist richtig dunkel. die nacht ist ein wenig lauter, ich kann die lichter von oberwengern auf der anderen flusseite sehen. zwischendrin läuft eine grosse bundesstrasse und 2 zuglinien.

    wildsau


    buchenwald


    brücke für wagemutige westfalen


    drohgebärde der schwarzen freundin


    über die strasse


    hartkortherrenhaus


    blasser marienkäfer, naja, war ja winter


    abendlager


    abendessen


    oberwengern bei nacht


    n der früh packe ich im frost zusammen, beim abstieg nach wetter wird es noch kälter. die autos sind knallhart angefroren. im ort ist noch alles geschlossen, ich steige durch ein wohngebiet auf zum hartkortberg mit dem hartkortturm und der hundewiese. trotzdem es noch früh ist sind doch schon einige vierbeiner mit ihren leuten unterwegs. als die sonne durch durch die leichten, dunstigen wolken bricht wird es fast warm. es gibt erste ausblicke auf die ruhr. natürlich sieht man die rauchenden fabrikschlote als erstes und meilenweit. der kletterwald ist noch geschlossen, ich passiere einen schilderwald aus das verboten, dies verboten, an jedem baum im kletterwald ist ein verbotsschild angenagelt. zusammen mit dem ruhrhöhenweg bleibt der www anfangs immer auf der höhe, weit oberhalb der ruhr. man passiert den speichersee des pumpspeicherkraftwerks herdeke. ein bautrupp errichtet eine grosse bohranlage. der gedanke an fracking schleicht sich bei mir ein. aber ich weiss nicht für was die gebohrt haben, könnte ja auch für wasser sein. oberhalb von herdecke mache ich eine kurze pause und geniesse die sonne, die immer länger durchkommt. der wolke geht die kraft aus.


    hartkorttturm und sportgelände


    blick zur ruhr


    vogelhöhle


    klettergarten, voll mit verbotstafeln


    vogelhäuser mitten im wald


    playmobilaltar


    schöner weg


    nach 1 km bundesstrasse


    moos


    ok wohnlage


    reitweg


    kurz vor hohensyburg


    blick zurück, die ruhr


    pause auf einer angeketteten bank


    breakfastburger mit ei


    an einer stelle ist der www umgeleitet. anstatt hinunter zum wasser gehts ins hinterland und ein kurzes stück auf dem fussweg der bundesstrasse entlang. immerhin kannte ich mich dort aus und nutzte die gelegenheit mir einen hamburger einzuverleiben. am kaiser wilhelm denkmal biegt der weg an der kante links ab und hinter der ruine der hohensyburg und der modernen spielbank steige ich in der sonne hinunter. xr biegt links ab und bleibt auf der höhe, xw knallt die höhenmeter raus. zuerst runter bis zum bahngleis. dann gehts dort entlang auf geteertem radweg bis zur autobahn und dort dann wieder die satten 100 höhenmeter hoch zum ebberg. ich bin froh als ich die autobahn im lichten wald aus den augen verliere. kurz darauf kann ich sie dann auch nicht mehr hören. der wind steht gut. am naturfreundehaus sitzt ein einsamer wanderer draussen und isst ein stück kuchen. wenn ich nicht so nah am ende meiner tour gewesen wäre hätte ich mich dazugesetzt. so laufe ich weiter und als ich den www für diesmal verlasse mache ich noch kurz pause. der kuchenessser kommt an und wir unterhalten uns ein bischen. er ist mit freunden immer dienstags beim wandern. sie haben mich schon unterwegs 2x gesehen und jetzt wollte er wissen woher, wohin. er war am heimweg zu sich nach schwerte.

    denkmal an der hohensyburg


    ruine syburg


    blick nach süden


    die wege trennen sich


    downtown dortmund ist nicht weit


    das erste wochenende auf dem www ist geschafft


    ich bog links ab um 500m weiter bei susanne den kühlschrank zu plündern und die jura an zu werfen. es war keiner zuhause, aber auch so wars gut die füsse auf der windgeschützten terrasse hoch zu legen und die finger am heissen porzellan zu wärmen. und hey! es hat den ganzen nachmittag nicht ein einziges mal geregnet!


    1. tag: 12,5 km
    2. tag: 17,6 km
    3. tag: 15,4 km
    Geändert von danobaja (23.05.2019 um 17:50 Uhr)
    danobaja
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  2. Dauerbesucher
    Avatar von danobaja
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    27.02.2016
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    AW: 1x den seniorenteller bitte! der westfalenwanderweg.

    #2
    30.3.-2.4.2019 der westfalenwanderweg

    ein zweites fazit, über diese 4 tage. was dem armen westfalen sein rhodesian ridgeback, ist dem betuchteren westfalen sein isländer. mit dem wechsel des landkreises wechselte auch der fahrbahnbelag. von hund in würsten auf pferd in äpfeln. ... aus haufen werden hügel. fliessender übergang, aber ist ja egal um was man zickzack läuft. es war hart. die windmaschinen auf dem haarstrang liefen alle, geräuschbelästigung, optisch genauso, anfangs erschrak ich jedesmal wenn der schatten der rotorblätter über mich hinwegfegte, begleitet von einem wuuushchhhhh. klapperschlangenrasselähnliche wirkung. und ständig gegenwind, eiskalt. also, die propeller funzen klasse! jede menge radfahrer kamen mir entgegen, keiner musste gross treten. für mich war das jetzt ganz ok, besser wie die wolke vom letzten mal. aber fast die ganze strecke führt über teer, ein wenig ist schotterpiste, 100m pfad. es war neben den strassen ein bischen sauberer. auch hier je näher am dorf desto schmutziger die strassengräben. es stank nach schwein, seit montag wurde überall gülle ausgefahren. der gemeine westfale kennt den www nicht. schickt mich der angeblich eingeborene falsch. das merk ich mir. also bis jetzt ist es ganz ok. ich werd weitergehen, aber ich denk zum ersten mal über den www mitm rad nach.


    das wetter war gut als ich susannes zuhause am samstag nachmittag über die hintertür verlies. der wind noch bissl kühl, aber die sonne war schon kräftig. durch den urwald hinterm grundstück stieg ich ab. am bach hat jemand eine röhre gesetzt und eine brücke geschaffen. so kommt man wieder trockenen fusses über die wiese am bach. ich startete ohne windstopperjacke, nach 15 mintuen war ich am abzweig wo ich den www. vor 11 tagen verlassen habe. am ersten unterstand zog ich die jacke an und die daunenjacke gleich drüber. die fichten lassen sonne durch, jede zweite tot und nadellos durch den borkenkäfer. aber das reicht nicht zum wärmen. eine kleine stärkung, dann gehts bald wieder weiter.


    neustart


    ente


    noch am weg zum www


    trockengelegte wiese


    wieder aufm www


    brotzeit nach wenigen km


    unten im tal führt der weg auf einer typisch deutschen brücke über die autobahn a45. einstmals war sie mit 100km/h zu befahren. inzwischen wurde auf 30 reduziert und ein schild "fahrbahnschäden" dazu gestellt. die kirschen blühen hier im tal und der weg führt direkt an meinem lieblingsitaliener vorbei. wenn ich das gewusst hätte hätte ich ein döner eingeplant.

    dino macht ausser supa pizza auch supa döner in seiner supa pizzaria. aber jetzt bin ich satt und will raus aus dem dorf. immerhin ein richtig tolles hinweisschild für den www haben sie hier aufgestellt. so mag ich´s. fettes schwarzes kreuz über dem kleinen weissen kreuz. wir gewöhnen uns schon noch zusammen, der www und ich. so wie walter mattau und jack lemon, waldorf und stattler, romeo und julia. gleich hinterm ortsschild liegt wieder jede menge müll, aber hase und reh sind auch nicht weit. der kormoran ist weg bis ich die kamera rausgefummelt hab aus dem schultergurthalter für sie. nicht schlecht das teil, ein umgebauter kameraschutz vom aliexpress. mein erstes neopren und natürlich hab ich schnell, bereits am ersten abend, herausgefunden, dass ich andere nähte verwenden muss. aber es hat gehalten bis zum ende der tour, jetzt kann ich weitermodden.

    der pfad hält nicht lange an, nach 20 metern mündet er in eine schotterpiste. das gelbe m zeichen ( in den usa meist sehr treffend als "big tits of america" bezeichnet) krönt die wunderschönen magnolien. der wald wird dichter und es ist vorbei mit der aussicht. aber es zieht auch weniger. handschuhe und kapuze bleiben trotzdem an.


    in den tälern blüht es


    müll


    magnolie


    ordentlich beschildert, da freut man sich


    mehr müll


    hase


    rehe


    kurzes stück netter weg


    magnolien mit krone


    die betonmauer neben der autobahn schluckt erstaunlich viel lärm, spass machts trotzdem keinen. mitten im wald ist plötzlich eine riesige gaststätte, ein abenteuerspielplatz mit kletterwald für kinder. für soviele kinder in den bäumen ist es überraschend still. kein gekreische, sei es aus freude oder auch aus angst. alle akteure in der höhe sind hochkonzentriert, selbst das pausieren auf den podesten ist anstrengend. der einzige auf dem naturlehrpfad bin ich. hinter dem riesigen haus geht es über die bundesstrasse b 236. viel verkehr hier, ich muss nicht hetzen, ich nehme die brücke. fast idyllisch ist es hier, 100m pfad und hernach nur schotter.

    am himmel ziehen sich die wolken zusammen. es sieht meiner freundin vom letzten trip ziemlich ähnlich was sich da zusammenbraut. kann man eigentlich von "ex" sprechen wenn man den nächsten trip unternimmt ohne ihr bescheid zu sagen? darf sie auch als ex über mir abregnen wenn sie mich trotzdem erwischt? brotlose gedanken wie man unschwer erkennen kann. wo sie doch letztes mal auch gemacht hat was sie wollte...

    aktiver lehrpfad


    vergnügungspark


    aktiver klettergarten




    ach ja, die wolke


    blick nach süden


    es wird schon wieder dunkel


    aber noch bin ich trocken. das bedeutet, dass ich noch mindestens 20 minuten gehen muss. weil ich werd immer 20 minuten bevor ich ankomm nassgeregnet. so beschliesse ich noch bis über die autobahn und ausser hörweite zu laufen heute. ich erhasche noch einen letzten blick auf die untergehende sonne. leider kann die kamera mit soviel rot nix anfangen. auch das lichterspiel im objektiv, das sie mir vorgaukelt, erscheint auf den bildern nicht.

    auf der brücke, diesmal darf man 50 fahren, gehts über die a1, 50 meter später ist es dunkel. ich erkenne kurz vor mir einen ort und beschliesse, auf einem kleinen seitenweg, nach oben zu gehen. um das dortige windrad ist alles eingezäunt, ich bleibe auf einer kuhweide die ich durchs gatter betrete. kühe sind keine da. auch kein mist. na also, geht doch!

    durch einen kleinen erdwall bin ich geschützt vor dem lärm der autobahn, die nahe daran vorbeiführt. es ist so leise, dass ich ohne ohrenstöpsel schlafen kann. als ich das zelt auspacke scheppern die heringe, aber ich kann sie nirgends finden. nach 5 minuten geb ich auf und hole mir abgebrochene äste und mache mir holzanker fürs zelt. im wind steht das notch perfekt, der angeblich windunempfendliche kocher braucht 9 minuten für einen knappen liter kochendes wasser. ich mache noch schnell ein foto von den lichtern im tal vor mir, dann flüchte ich vor dem tau ins zelt. eine raupe hat die gleiche idee, sie versucht die heizung hoch zu drehen. oder sie ist den eloxierten drehgriff des kochers verknallt. das ist aber auch ein süsses orange!

    es gibt chinesische gebratene nudeln mit ente, ohne braten allerdings. egal, da ist vermutlich soviel chemie drin, da muss kochen auch reichen. ich hab das zum ersten mal probiert, ich finds ganz ordentlich. es ist auch ordentlich scharf und kämpft mit dem ingwer in der teetasse um die vorherrschaft im rachenraum.


    autobahn, dunkel wirds


    nachtaufnahme


    besuch im zelt


    ich hab am zelt vorne und hinten die öffnungen ganz auf durchzug und bin in der früh innen schön trocken, aber draussen ist trotzdem alles nass. da ich auf teer tippe lasse ich die wasserdichten sealskins im stopfsack mit der wäsche. bis ich beim gatter bin sind die zehen in den schuhen klatschnass. aber vorher gibts noch mit dem rest wasser frühstück. 1 brett asia-nudeln, 1 dominostein gemüsebrühe, 1 halber liter wasser. einpacken, zähneputzen. die kinderzahnpasta aus dem bioladen war die kleinste tube die ich bekommen konnte. apfel papaya geschmack. steht drauf. blauer kaugummigeschmack ist drin. der schaum ist weiss und so schaumig dick, dass man ihn nicht richtig ausspucken kann. im nicht gespülten kopf der bürste ist noch soviel schaum dass ich mir zwischendrin einen kaugummi ohne kauen putzen kann. als ich den platz nochmals zum abschluss nach den heringen oder irgendwelchem müll absuche finde ich nichts.

    in der früh ist es nicht angefroren, der himmel noch grau aber er verspricht sonne. nach der stunde die der aufbruch dauert empfängt mich wirklich schneidend kalter ostwind als ich den schutz der hanglage verlasse.

    leider bekomme ich recht mit dem vielen teer. einmal versuche ich auf dem grasstreifen nebendran zu laufen. viel zu gefährlich. tretminen versteckt unter frischem, unschuldigem grün. grau in grau von oben, aber kein regen. dafür immer noch dieser bissige ostwind. ohne handschuhe läuft nix. ohne kapuze auch nicht.

    hätte ich mal die lange unterhose und das extra fleece angezogen. dauert nicht lange und ich muss das nachholen. in hengsen entdecke ich einen alten kaugummiautomaten. geplündert, geschändet, zerstört. auf einer flaniermeile am ende eines dorfes, auf der jede parkbank einen eigenen abfalleimer hat, zog ich mich schnell aus und um. hunde, die leute an der leine hatten, bogen jeweils vor mir in den wald ab. vermutlich waren die frauchens schreckhaft, oder vielleicht kurzsichtig. es ging weite strecken über felder und wiesen. am horizont liefen alleen aus platanen und kirschen mit den eisernen stromleitungen um die wette. den bismarckturm liess ich links liegen. wieviele gibts davon eigentlich in deutschland? wiki sagt: von 240 stehen heute noch 173.

    am frühen nachmittag hätte ich ein schönes plätzchen neben einem stehenden windrad gefunden. ich hab lange überlegt ob ich bleiben soll, hab mich aber für "noch ein kurzes stück wenigstens" entschieden. evtl. hinter dem nächsten ort. als die hangneigung den blick auf den weiteren wegverlauf freigibt sehe ich häuser wie perlen aneinandergereiht. und entscheide um. ab in den buchenmischwald auf halber höhe. auf einer fahrspur ist ein flaches plätzchen. ich stelle das notch direkt auf den weg. 4 äste sind schnell gefunden. ein paar fichten sind frisch gefällt, die nadeln noch an den ästen.


    ordentlich markiert, aber halt immer teer


    flach und verhangen, aber meist regenfrei


    geschändeter kaugummiautomat


    alle 100m eine bank mit tonne


    so was wie´n museum


    alleen und drähte


    wa wa wa ... bismarkturm der 100e


    zeltplatz


    als der rucksack geleert ist sehe ich noch unter dem müllsack-liner nach und finde die heringe. ich ziehe die daunensachen an, lasse die luftpumpe die matratze aufpusten, den kocher das teewasser wärmen. immer wieder gehen kinderwagenschiebende silhuetten auf der strasse am waldrand vorbei. ich weiss nicht ob sie mich sehen oder nicht. es gibt natürlich kartoffelpürree zum abendessen. mit currywurst-sosse. während die kartoffeln wasser ziehen tausche ich noch schnell die äste gegen die heringe aus. es wird sehr schnell sehr frisch, ich plane im zelt zu bleiben um aus dem wind zu sein. als es dunkel wird geht auch bei mir schnell das licht aus. ich schlafe bestens bis es hell wird. zwischendrin ist es mal kalt, ich stecke den kopf in die kapuze und schlafe sofort weiter.

    es gibt ingwerwasser und nudelblock mit gemüsebrühe, und eiskalte finger beim zusammenpacken. natürlich hab die fleecesachen wieder an. in nullkommanix bin ich wieder auf dem www, den ich zum anschauen des windrades für kurze zeit verlassen hatte. alle autos und die schattigen stellen in den saftigen wiesen sind mit eis überzogen. wenn ich mich gestern fürs weiterlaufen entschieden hätte wäre es kein problem gewesen einen guten schlafplatz zu finden. immer wieder wechseln wiesen, felder und waldstücke ab. nur der teerbelag bleibt. und der eiskalte ostwind. am werler stadtwald spricht mich ein jogger an. wir ratschen ein bischen, er erklärt mir den weg, zeigt mir die allee wo ich lang muss. am abzweig ist ein x und laufe mit der sonne im nacken nach norden. überquere die autobahn. sieht komisch aus auf der karte, passt alles irgendwie nicht so recht. die wegbeschreibung sagt was von brücke, ich hatte ne unterführung. der nächste ort ist nicht mehr weit und an der autobahnauffahrt ist eine shell tankstelle. normalerweise meide ich seit der brent spar geschichte diese marke, aber heut ist ein notfall. ich bekomme kaffee und 2 apfeltaschen, überzogen mit fetten kristallen aus weissem zucker, und einen von werbung umrahmten stadtplan. ich finde schnell heraus, dass ich viel zu weit nördlich bin um auf meinen kartenausschnitt zu sein. nichtmal die autobahn ist mehr drauf. ich hab die falsche überquert. na macht nix, der kaffee war gut, die apfeltaschen hatten einen hohen zuckergehalt, es kann weitergehen. noch schnell die flaschen mit wasser gefüllt und los gehts. rein nach werl, und dann wieder nach süden raus aus der stadt. nur knapp entgehe ich dem lidl und der fress-flash-attacke die mich jedesmal in supermarktnähe überkommt wenn ich einen rucksack trage. ich bin stolz auf mich. den ganzen abend lang noch.

    irgendwann sollte ich den www kreuzen. kann nix schief gehen. ich laufe mitten durch die grünen felder auf dem teerband. am haarstrang erreiche ich 220m höhe, oben auf dem langen, flachen bergrücken steht eines von diesen windrädern nach dem anderen. verbunden mit einer teerstrasse, aufgereiht wie an einer schnur. sie machen eisigen ostwind heute, schauerliche geräusche, fliegende schatten. manche knarzen. hier ist hundeland. jede menge davon, jeder hat sein eigenes windrad als ganz persönlichen parkplatz für das auto. die radfahrer kommen mir alle in einem affentempo entgegen, prima rückenwind für sie. als die windräder langsam ausgehen finde ich eine geschützte stelle und bleibe. im nachbarwald wird zwar noch gearbeitet, dort liegen sämtliche fichten entwurzelt wie mikadostangen durcheinander. es wird ein wenig wärmer, das bissige ist aus dem wind verschwunden. ich nutze die kochzeit zum fotografieren. meinen quilt auf dem zelt mag ich gerne, erinnert mich an batman.

    wär richtig schön, nur der teer...


    die windräder kommen, der haarstrang




    lustiger hoplzstapel


    felder


    doppel A, allee und atom?-kraftwerk


    waben im baum


    werl


    blick zurück


    windräder


    schlagschatten




    quilt trocknen


    abendessenzeugs


    kartoffelpürree mit chilli con carne sosse ohne carne


    windräder


    päärchen


    sonnenuntergang


    notch bei nacht


    es gibt kartoffelpürree, diesmal mit chilli-con carne-sosse ohne carne. schmeckt mir besser. während die sonne untergeht knipse ich ein bischen. bin entäuscht, keine farbe, keine spiegelungen in den linsen. als die sonne weg ist esse ich noch draussen und verschwinde dann im zelt. entsetzt stelle ich fest, dass ich keine schokolade mehr habe. notgedrungen nehme ich etwas mehr zahnpasta heute abend und schimpfe über meinen sieg über den lockruf des discounters. und schäme mich und gelobe besserung für nächstes mal. aber nur eine einzige tafel...

    in der früh das ganze rückwärts und nudelblock statt kartoffelpürree. ich darf das zelt oben trocken einpacken. der boden ist aber leider klatschnass von unten.

    früh bin ich unterwegs, ich schätze es auf 7 uhr. im nächsten ort treffe ich den gemeindearbeiter der versucht mit 3 rasenmäherrobotern den sportplatz zu mähen. das projekt läuft seit gestern, er ist recht überzeugt davon. spart den platzwart zwar nicht ein, aber weniger arbeit für die ehrenamtlichen des sportvereins bedeutet es.

    ein schäfer zieht mit seinen schafen um. der hund beobachtet mich genau. wenn ich weitergehe wird er nicht kommen, aber ich schiesse ein foto und natürlich werde ich sofort kontrolliert. nach kurzem beschnüffeln läuft er wieder zum schäfer zurück und sammelt unterwegs noch schnell ein paar schafe ein. kurz darauf erkenne ich den ersten schimmer des möhnesees zwischen den hügeln.

    es sieht eh nach regen aus, so beschliesse ich nach dem besuch der örtlichen bäckerei susanne mit der bitte um abholung anzurufen. ich versüsse mir die wartezeit in günne mit apfelkuchen und 100 seiten "abgelatscht". der regen bleibt aus, aber macht nix. ich werd mirs merken. erst kurz vor ende unserer fahrt kommen wir in einen kurzen schauer.

    rasenmäherexperiment


    schafherde


    der möhnesee taucht auf


    gülletraktor beliefert den "rasensprenger"


    lustige buslinie


    warten auf susanne


    tag 1: 11,8 km
    tag 2: 26,1 km
    tag 3: 12,8 km


    30.3.-2.4.2019 westfalenwanderweg

    fazit:
    ja, da bin ich nun an die 150 km auf teer gelaufen und ich muss sagen es gefällt mir mit jedem km weniger. zwar tun die füsse in der früh inzwischen nicht mehr weh, die erste stunde geht auch schon ganz gut, aber dann... und meine barfusssschuhe bin ich nach dem winter auch noch nicht richtig gewöhnt. inzwischen denk ich ernsthaft über mein rad für die letzten etappen nach.

    sauber? ja, sauber! rund um den möhnesee war es wirklich sauber. ich hab mehr orange uniformierte eimerausleerer getroffen als leute mit rucksack, auch nur unwesentlich mehr hunde wie leute mit rucksack. zu gut deutsch, menschenleer die gegend um diese jahreszeit. die lokale grossteils noch geschlossen, die saison kommt halt erst so langsam.

    susanne brachte mich wieder zum startpunkt. diesmal kam sie mit hund ein kurzes stück mit. das wetter schien gut. bis wir aus dem auto stiegen und den eiskalten wind um die nase bekamen. handschuhe und kapuze wiedermal. aber auch die sonnenbrille! meine schwarze ex-freundin hat mich noch nicht entdeckt, oder sie sammelt sich noch im hintergrund. ich hätt nix gegen mal keinen regen und ein bischen t-shirt.

    der weg führt über die hohe staumauer zum anderen ufer. unterwegs treffe ich jede menge touris, jede menge ist relativ hier. so 8-10 werdens gewesen sein. alle kamen vom parkplatz, liefen über den damm und dann wieder zurück. inzwischen hat das boot abgelegt. vermutlich leer, der parkplatz zumindest ist es bis auf ganz wenige autos. wo immer sich die möglichkeit bot waren schlösser angekettet. soviele verliebte gibts doch gar nicht, oder? wieviele hier wohl 3 oder mehr schlösser hängen haben? jens&julia forever, jens&jutta forever, jens&mama forever....

    susanne, porthos, hans


    staumauer am möhnesee


    blindschleiche


    schlösser


    gerade hat das boot abgelegt


    blick zurück von der mauer


    in einem der türme auf der staumauer




    der see


    am ende des sees fand ich einen schönen platz, ganz in der nähe einer schutzhütte. leider war die stockdunkel und der boden stark abschüssig. ich ging lieber zelten und fand einen flachen platz direkt neben einem kleinen bach und unter bäumen. ich richtete mich in ruhe ein, es gab kartoffelpürree zum abendessen und natürlich wieder ein brett nudeln mit gemüsedomino in der früh.

    der viele teer zum laufen stand mir bis oben, ich beschloss mal bissl in den wald zu gehen anstatt dem geteerten radweg der uferpromenade entlang dem bach weiter zu folgen. so gings bergauf zum start, es gab kurz pfad und hernach wenigstens schotter mit dämpfenden, im sonnenlicht dampfenden, tannennnadeln drauf. verwilderte wiesen und lockerer bewuchs mit fichten und kiefern wechselten ab. an einer stelle hat der sturm einen ganzen schwung fichten flachgelegt. mikado für riesen.

    mit erreichen des rennweges wars vorbei mit dem weichen laufen, der schotter wurde steinhart und bald landete ich wieder auf einer teerstrasse und folgte ihr zurück in richtung www. landschaftlich sehr schön und definitiv den umweg wert war dieses stück abseits des www. es ging weiter gen osten mit dem harten schwarzgrauen belag auf dem radweg entlang der möhne. an der kläranlage verteidigte ein schwanenpäärchen seine jungen gegen eine gans. vermutlich wollte die durchreisende hier nur mal kurz ins wasser, die geplagten füsse kühlen.

    nette hütte, aber zu dunkel und schiefer boden


    camp


    der frühling kommt immer stärker


    kalt am morgen


    riesenmikado


    und wieder teer


    am weg


    sie formiert sich schon wieder...


    schwan und gans


    die jungen



    während sich die möhne dahinschlängelt, eingefasst von büschen, einem gelegentlichen baum und zäunen dazwischen ging der radweg schnurgerade durchs tal. ein riesiges werk in dem holz verarbeitet wird und ein ausgesprochen nett gestaltetes gebäude eines malerbetriebes blieben mir im gedächtnis. in beleke lief ich am lidl vorbei. ich erinnerte mich an die letzte begegnung mit einer der filialen und beschloss diesmal dem ruf der natur zu folgen und hinein zu gehen. heut abend lieg ich nicht ohne was süsses im bett. das steht fest! ich kaufte semmeln, jaja, ich weiss der gemeine westfale sagt brötchen, und schokolade. weil ich vor begeisterung den tee vergass trank ich nur warmes wasser mit fichtennadeln drin abends. tee war wohl nicht so wichtig, weil ich ihn schon bei susanne nicht eingepackt hatte. kein grund zum nägelkauen. ich hab schon wichtigere sachen vergessen auf anderen touren.

    vor dem lidl setzte ich mich hinter einem schild halb versteckt auf den bordstein und ass erstmal 2 wurstsemmeln. den ganzen tag nichts getrunken, aber das kalte pepsi das ich mir gekauft habe will nicht so recht runter. warum ich mir ein kaltes geholt habe versteh ich auch nicht. das mach ich nie, nichtmal im sommer. jetzt sitz ich hier mit mütze, kaputze, und windstopper an der grenze zu unangenehm kalt und lang gehts nicht mehr so, und halte in den handschuhen ein eiskaltes pepsi. als die 2. semmel im mund verschwindet stecke ich das cola in die seitentasche und lupfe den rucksack elegant auf die schultern hoch. alles sortiert? gut. auf den ersten 20 metern lockern sich die eingerosteten knie wieder und der stechende schmerz der den fuss durchwalkt beim laufen ist wieder da. winter ohne barfussschuhe taugt nix. da brauch ich ne andere lösung nächstes jahr.

    bald darauf komme ich an einen grillplatz, biege ab und folge dem schild. offener unterstand, anplanierte fläche mit see davor, bach nebendran. perfekt. nur die heringe wollen nicht in den boden. zuerst null halt im losen laub, danach null halt in den verpressten groben steinen. ich versuche 3 stellen, aber da geht nix. ein kleines stück den bach hoch ist eine flache stelle auf einem überwucherten alten weg. ich zieh um mit meinem zeug und muss die heringe mit den fersen ins laub treten damit sie halten. ich bin froh aus dem wind zu sein, es wird deutlich kälter. und nach einem frühen abendessen, es gibt kartoffelpürree mit chillisosse, schlafe ich nach einer rippe milka und wenigen seiten "abgelatscht" bald ein. es begleitet mich bis zu letzt die frage ob es denn ein gegensatz ist wenn einmal die heringe nicht halten weil der boden zu locker ist und einmal weil der boden zu hart ist. denn ein gegensatz ist schon da. aber das ergebnis ist das gleiche. was ist der gegensatz zu das gleiche? was die mehrzahl? was die steigerung? gnädig breitet die wanderfee ihr deckchen über mir aus... es wird kalt in der nacht. sie könnte sich gerne unter dem quilt ein bischen wärmen bei mir. aber wie es scheint hat sie genügend deckchen, oder sie war gar nicht im bett in dieser nacht.

    nett angemalt


    historisches überall


    umgezogen in den wald


    in der früh will ich gerade aufstehen als es anfängt auf das zelt zu prasseln. ganz grober schnee, fast schon hagel kommt durch die immer noch unbelaubten bäume. ich drehe mich nochmal um und schlafe weiter. gegen 11 uhr gehts dann endlich los, der wechsel aus schnee und regen und graupel hat aufgehört. ich packe im trockenen ohne frühstück ein. nur aus dem topf bekomme ich die angefrorene eisschicht nicht heraus. es ist ungemütlich. kalt, windig, immer wieder schneeschauer, nur selten mit regen vermischt. ganz ok soweit.

    der radweg bringt mich weiter, nachdem ich gerade noch auf dem weichen laub wie ein junger gott ums zelt getänzelt bin, bringen mich meine füsse nach wenigen metern zurück in die realität. also gang aufrecht, zähne und backen zusammenkneifen und weiter gehts. das war jetzt 130 km so, warum sollte das jetzt auf einmal anders werden. kleine fortschritte bemerke ich sehr wohl, zb. ganz in der früh. aber sobald der teer kommt... und sobald die erste stunde vorbei ist ... und sobald ich länger wie 5 minuten gesessen bin ... und sobald ich in padernborn bin ist alles gut. heiliges kanonenrohr. was für ein mantra. "sobald ich in paderborn bin ist alles gut". bin ich froh, dass ich nicht nach bielefeld muss. 217 km, das sind ungefähr 300.000 wiederholungen, bei jedem schritt eine. und ich jammer? weichei! ich sollte mal über eine kailash-umrundung auf knien nachdenken für die nächste kleine ferienfreizeit.


    hagel, graupel, beinahe schnee aufm zelt


    hagel


    niesel


    grosse hallen neben der bundestrasse


    das tal wird schmaler, idyllisch. immer wieder kleine waldstücke zwischen den weiden und wiesen, der bach in busch gefasst. immer wieder staune ich was für grosse industrien sich hier in kleinsten dörfern angesiedelt haben. meist sehe ich nur die dächer der hallen, aber die sind riesig.


    am frühen nachmittag bin ich in rüthen angekommen. die stadt liegt am berg, hat eine zum teil erhaltene stadtmauer auf der der www um die altstadt herumführt. als es steil bergauf geht begrüsst mich ein freundlicher hund. aus gummistiefeln. ich muss 2x hinschauen. der ist echt klasse der kerl! überall stehen schilder mit alkoholverboten. auf deutsch, englisch, arabisch. arabisch? wieso? ich dachte immer muslime trinken keinen alkohol... vermutlich sind die schilder für die christlichen muslime. ich frag mich ganz leise ob saufen nicht besser ist wie bomben legen? gings nicht ganz ohne? ohne beides, mein ich!

    schöne stellen gibt es entlang der mauer, kleine gartenparzellen, wohl gepflegt. in einem der gärten befindet sich ein plastikfolienbeet. hier wurde wohl ausgesäät mit hoffnung auf fette ernte im herbst. reiche parkbänke stehen im wallgraben unter später mal schattigen bäumen, jede von ihnen hat einen eigenen abfalleimer und personal das regelmässig ausleeren kommt. und ein "kein alkoholschild" in mehrsprachig.


    freundlicher hund


    rüthen


    stadtmauer


    plastikplantage


    am rausweg aus dem ort führt der weg direkt an einem netto vorbei. ich beschloss einen kaffee zu trinken und kohlehydrate aufzustocken. die nette verkäuferin brachte mir ein familienstück erdbeer-rhabarber-kuchen und eine überdimensionale kirschtasche gefüllt mit kirschzeug und weisser creme. beides war prima. der kaffee auch. gerade fange ich an aufzutauen, da öffnet die verkäuferin die tür und stellt auf durchzug. der macho in mir sagt natürlich "nein! überhaupt nicht!" als sie mich fragt ob es stört. dass ich mit mütze, kapuze und windstopper im cafe sitze scheint sie nicht zu stören. mich auch nicht. nach ausgiebiger pause gehe ich nach draussen und rufe susanne an. wir verabreden uns für später in weine, ich bekomme ein zeitpolster weil susanne nicht gleich losfahren kann. so laufe ich in aller ruhe mit ausreichend pausen dem schweinegestank von weine entgegen.

    in meiste windet sich der www durch den ort abwärts zum bach. durch ein enges tal fast ganz ohne verkehr geht es auf teer am bach entlang. erst später weitet sich alles und die hügel geben den blick auf weite felder und wiesen frei, viele von ihnen frisch mit schweinegülle getränkt. der geschmack manifestiert sich auf der zunge mit der zeit, auch ein kaugummi aus der zahnbürste hilft nur kurz. der geschmack wandert einfach in die nase hoch um hernach ganz ungeniert wieder in den mund abzusinken.

    kein wunder dass der ort so heisst. wenn ich hier wohnen müsste, ich würd den ganzen tag weinen. am ortseingang, neben 2 grossen ställen, ziehe ich mir am sportplatz meine daunensachen an. ich weiss ja nicht wie lange ich warten muss. aber egal, solange es nicht regnet ist alles gut. ein paar mal abbiegen und ich bin in der ortsmitte und an der vereinbarten strassenkreuzung. auf einem felsen am strassenrand setze ich mich nieder, und hole mein "abgelatscht" aus dem rucksack. noch keine ganze seite habe ich gelesen als susanne im silbernen dacia um die ecke kommt und mich einlädt. perfekt geteimt!

    wir sind gerade aus dem 200 häuser dorf heraussen und noch nicht einmal auf der autobahn als meine alte schwarze (ex-?)freundin wütend zuschlägt. wir fahren teils nur noch 60 auf der autobahn, keine sicht mehr vor lauter regentropfen. "in dortmund scheint die sonne" erzählt susanne ganz gelassen. das kann ich ganz gelassen aussitzen hier im trockenen auto. nichtmal fahren muss ich.

    zu kalt zum rasten


    schweineställe


    tag 1: 14,6 km
    tag 2: 15,7 km
    tag 3: 20,5 km

    fortsetzung folgt
    Geändert von danobaja (21.05.2019 um 09:38 Uhr)
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    AW: 1x den seniorenteller bitte! der westfalenwanderweg.

    #3
    kurze zeit später ergab sich die gelegenheit mit dem rad den rest des westfalenwanderweges abzufahren. ich nahm sie beim schopf und reiste mit rad nach lauenberg am solling an. von dort aus wollte ich eine 300 km runde fahren und dabei den rest des www integrieren. start mit dem rad war am 30.4., am 2.5. war ich nach ca. 150 km in büren um den www aufzunehmen.


    übernommen aus:
    1x den seniorenteller bitte, radtour im solling und eggegebirge 2019
    hier fehlt der link weil der beitrag noch nicht fertig ist!

    2.5.19
    in der früh erwache ich bei grauem licht und null grad mit eisigem wind, fleckenweise ist der boden angefroren. nach einer schnellen tasse tee packe ich zusammen und schaue dass ich weiter komme. schnell bin ich warm gestrampelt.

    und so gegen halb 7 fahre ich durch bad wünnenberg als mich an der einzigen ampel ein auto auf der gegenfahrbahn anhupt. es ist der alte passat mit dem winkenden ranger in knall oranger holzfällermontur. alles war noch zu, naja, dann halt in büren zum bäcker. kartoffelpürree gibts abends, das muss in der früh nicht auch noch sein.

    bevor ich den ort verlasse geht es durch eine baustelle hindurch. die brücke für die umgehungsstrasse wird bald fertig. sie ist so neu, dass sie google maps noch nicht anzeigt und die strasse zur brücke wird gerade gebaut auf dem pic. im wolkenverhangenen grau passiere ich den keddinghäusersee und mehrere rückhaltebecken. ein schwan, vermutlich das schwarze schaf der familie, flirtet eine graugans an. hartnäckig. sie flieht verdächtig langsam, bürzel verlockend schwenkend, eine kurze distanz um dort wieder auf ihn zu warten. ich muss grinsen als ich mir die kinder vorstelle. schwänse, oder gwane. warm im herzen, kalt an den fingern und zehen strample ich in ungefähr einer stunde nach büren, mir wird kälter anstatt warm und in büren wirds mir auch nicht wärmer. schmucklos, grau, noch alles geschlossen. dann muss der kuchen warten. heut abend gibts dafür nudeln mit tomatensosse. hauptsache es regnet nicht.

    nagelneue umgehungsstrassenbrücke in bad wünnenberg


    rückhaltebecken


    fahrt in den nebel


    schotter im wald


    stausee


    schwan und gans


    mitten in der stadt finde ich ein xw, die markierung für den westfalenwanderweg. ich folge den aufklebern aus der stadt und schenke mir die 3 km bis nach weine. das örtchen roch sehr streng als ich vor 3 wochen dort meine wanderung auf dem www beendete. dafür muss ich nicht noch 6 km auf das tagespensum draufpacken.

    nach ein paar feldern taucht der weg in die wälder östlich der stadt ein. sogar ein stück pfad gibt es. es ist breit genug zum fahren. selbst ich als bekennender fahrrad-grobmotoriker muss nicht absteigen. könnte nicht der ganze weg so sein? oder wenigstens der rest? da würde ja auch laufen wieder spass machen. die gedanken erledigen sich von selbst, nach 5 minuten gehts auf teer weiter. meine sitzfläche freuts. der prinz eisenarsch, der mit rucksack auf dem buckel in den 90ern 2 alpenüberquerungen durchs zillertal ohne klagen abgestrampelt hat, ist nur noch ein schatten seiner selbst. sitztechnisch ist heute der härteste tag, ich rede mir ein morgen wirds besser werden. zusammen mit dem muskelkater. und den steifen knien. und dem stechen zwischen den schulterblättern. ich glaub heut abend gibts kartoffelpürree und regen.

    nachdem mitten im wald die autobahn gequert wird folgt ein idyllisches stück im tal der alme. die wewelsburg taucht auf, holzfäller versperren den weg mit grossem gerät. als der baggerfahrer mich entdeckt beim schwenken winkt er mich durch. ich finde kaffee und kuchen und ein bischen wärme. und 5 vollkornbrötchen für unterwegs. mit dem völlegefühl verschwindet kurzfristig der abendessengedanke aus dem hirn.

    der zuckerschub fordert seinen zoll. ich muss meilen machen bevor der regen kommt. selbst der hintern zappelt und will aufs rad. draussen ist es nasskalt und greislig. an jedem pfosten hängt ein x, entweder seh ich die kleinen aufkleber besser aufm rad oder es gibt hier mehr davon. der weg führt immer wieder mal über einen feldweg, aber das meiste ist geteert. die strasse ist so klein, ich begegne nur einem auto. waldstücke wechseln ab mit feldern. der raps blüht und verströmt seinen komischen süsslichen geruch. die buchenwälder, die vor 3 wochen noch grau und vor allem am boden kupferfarben waren sind heute grün. am boden bedeckt frischer bärlauch die rötlichen blätter des letzten jahres, über dem grau der stämme treiben die buchen ihre hellgrünen blätter aus. es herrscht eine schöne, angenehme, ruhige, friedvolle atmosphäre, verstärkt durch das gefilterte tageslicht. ein paar grad wärmer und der tag wär hier perfekt. mist, ich hab vergessen die schokolade griffbereit zu packen. naja, heut abend gibts mal nudeln. ich fahr ja die sosse im tetrapack schon die ganze zeit spazieren. schön, dass es grad nicht regnet.


    fusspfad durch den wald, leider nicht lange


    erster blick auf die wewelsburg


    parklandschaft in wewelsburg


    ich komme näher


    steinbruch, einer von vielen


    die bäume umgeblasen mit den riesenventilatoren?


    an der schafweide vorbei




    meine hoffnung auf eine gelegenheit eine tafel zu kaufen erfüllt sich nicht. die 2 oder 3 dörfer die der www hier streift sind zu klein, und tante emma ist ja auch schon viele jahre tot. zur grünen natur kommen noch ein paar steinbrüche am weg und noch ein grosser windpark. ich fahre durch den nasskalten tag, freue mich an jedem stück blauen himmels, und natürlich am elendslangen aufstieg zum rücken des eggegebirges. zum ersten mal bin ich so richtig froh, dass ich aufm rad sitze und nicht mit rucksack am buckel laufen muss. das ist zwar hier das schönste stück des www für mich, aber das ist nicht nur dem erwachenden grün geschuldet. auch die leichtigkeit des aufwandlosen gleitens in den vielen flachen stücken trägt ihren teil dazu bei.

    je später es wird desto dunkler werden die wolken am himmel. es fängt an zu regnen, meine erfahrung sagt mir, es sind noch 20 minuten bis zu einem guten platz. wasser bräuchte ich noch, der eine liter ist knapp, ich hab auch nix getrunken unter tags. letztendlich komme ich tatsächlich nach 15 minuten zur knochenhütte, ich bin nass, aber nicht total durchnässt. ich parke das rad unter dem dach und stelle als erstes meine beiden töpfe in den regen. die böden sind gerade so bedeckt als ich einen der töpfe zum wasserkochen brauche. damit komm ich nicht weit. das kartoffelpürree ist schnell gegessen, auf tee verzichte ich, ein gelegentlicher schluck aus der flasche mit dem rest wasser muss reichen. es nieselt, aber richtig regnen tut es nicht. im topf verdampft mehr als dazu kommt. alles ist nass und feucht aber wasser gibts keines.

    rapsfelder im nieselregen


    über felder


    durch wald


    löwenzahnwiesen


    steinbruch


    windradwiesen


    ich bin richtig!


    hase


    über bad driburg


    es wird dunkel



    3.5.19
    in der früh packte ich schnell zusammen, wie gestern nacht regnete es nicht, aber es war alles nass, die pfützen am weg gefüllt mit dreckig braunem wasser. als der www aus dem wald trat bog ich falsch ab. rechts anstatt links, ich bemerkte den fehler gleich, aber zurück wollte ich nicht und so fuhr ich erstmal zu dem einsam gelegenen hof und dann von dort aus zurück hoch zum www. so war der plan, aber es ging dann einfach zu verlockend in der falschen richtung bergab. unwiderstehlich, es zog mich abwärts und so landete ich nach schneller abfahrt am ortsrand von bad driburg.

    ich fand tatsächlich ein offenes kaffee, füllte meine wasserflaschen mit wasser auf und mich mit kaffee und kuchen. die bedienung wollte mir einreden, dass ich nicht weiterfahren kann. "der radio hat schnee gesagt". ach, sie hat vermutlich das radio gesagt. "was schon 3 tage unterwegs und draussen geschlafen... na dann?" mit verdrehten augen überliess sie mich dem atlas und meiner routenplanung. altenbeken wollte ich schon noch sehen. so entschied ich mich für ein stück bundesstrasse um zur bahnlinie zu kommen, der ich über die felder nach altenbeken folgen wollte. eine frau mit kind fragte mich wohin ich will und kannte altenbeken nicht, immerhin der nächste ort am weg. als die bahnlinie in den bergen verschwand ging es auch bei mir auf dem waldweg steil bergauf. bald traf ich auf die teerstrasse und folgte ihr aufwärts. es sind ja nur 150 höhenmeter, aber oben angelangt am pass hatte ich die schnauze voll. ich wollte ja noch zum auto zurück heute, weitere 80 km. ich beschloss nach kurzer pause, und dem lesen der infotafel für die telegrammlinie, den www hier am pass für beendet zu erklären. die 2,7 km hinunter nach altenbeken nur um die gleiche strecke jojo-mässig wieder hochzufahren brauchte ich heute nicht. ich fuhr nicht ab, sondern bog links ab auf den www in richtung süden.

    da ich wieder nach bad driburg musste wollte ich zurückfahren bis zur abfahrt von heute morgen und versuchen die höchstgeschwindigkeit von bisher 45,9 km/h zu erhöhen. 50,9km/h wurden es. nicht ganz end to end erklärte ich an der knochenhütte den www für beendet. das kleine 3 km stück zwischen weine und bühren werde ich gar nicht vermissen. das stück hinunter nach altenbeken soll einmal teilstück einer fahrt nach amsterdam werden.


    rollende landschaft


    brücke


    pferdebierzelte, da lag haufenweise stroh rum!


    kühe wie in bayern


    am bach entlang


    verabschiedung kurz nach der knochenhütte
    Geändert von danobaja (21.05.2019 um 21:04 Uhr)
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  4. Alter Hase
    Avatar von LihofDirk
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    AW: 1x den seniorenteller bitte! der westfalenwanderweg.

    #4
    Der Anfang liest sich schon mal gut, aber was sollen diese cliffhanger?

  5. Dauerbesucher
    Avatar von danobaja
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    AW: 1x den seniorenteller bitte! der westfalenwanderweg.

    #5
    Zitat Zitat von LihofDirk Beitrag anzeigen
    Der Anfang liest sich schon mal gut, aber was sollen diese cliffhanger?
    erweckt aufmerksamkeit beim unausgeschlafenen leser?

    nein, ich hätte gerne den bericht zusammenhängend am anfang. und du wirst nicht all zu lange in der luft hängen...
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  6. AW: 1x den seniorenteller bitte! der westfalenwanderweg.

    #6
    Zitat Zitat von danobaja Beitrag anzeigen
    moos
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  7. Lebt im Forum
    Avatar von Sarekmaniac
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    AW: 1x den seniorenteller bitte! der westfalenwanderweg.

    #7
    Ah, ein Trip durch meine Heimat.

    Die "riesigen Fabrikgebäude gegenüber" sind das Gußstahlwerk Witten. Das hat in seinen besten Zeiten die halbe Stadt ernährt.

    Zitat Zitat von Spartaner Beitrag anzeigen
    Moos? Maus!
    OT: Murmeltier! Genauer gesagt: Murmeltiere. Mehrere. Vier noch im Ei, eins geschlüpft.
    Geändert von Sarekmaniac (21.05.2019 um 17:57 Uhr)
    Wir sind alle ein wenig beim Leben zu Gast
    Das Leben ist reine Gewohnheit
    (Anna Achmatowa)

  8. Dauerbesucher
    Avatar von danobaja
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    AW: 1x den seniorenteller bitte! der westfalenwanderweg.

    #8
    sehr gut erkannt. aber sarecmanic hatte auch heimvorteil. ja, murmeltiermarkierungen hab ich auch entdeckt, wollte aber keinen beunruhigen und habs deswegen nicht extra erwähnt.


    ***einfüg:
    im werler stadtwald, eingeweihte wissen bescheid!


    4221 soll eine extrem agressive untergruppe der marmot angels sein ....
    Geändert von danobaja (21.05.2019 um 19:44 Uhr)
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  9. Dauerbesucher
    Avatar von Pfiffie
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    AW: 1x den seniorenteller bitte! der westfalenwanderweg.

    #9
    Vielen Dank Danobaja ich habe richtig lust bekommen am Wochenende mal richtig unsinn zu machen Auf meinem Buch hinten steht zum Schluß "-denn Wälder gibt es überall, man muss einfach nur hineingehen" und genau das tust du!

    Gruß Maik
    "Freiheit bedeutet, dass man nicht alles so machen muss wie andere"

  10. Gerne im Forum

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    AW: 1x den seniorenteller bitte! der westfalenwanderweg.

    #10
    Vielen Dank D.

    Gruß. C.

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