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  1. Fuchs
    Avatar von Meer Berge
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    AW: [SCO] Solo – Berge, Bothies, Flüsse, Meer – 15 Tage Wester Ross im März

    #41
    Mitreisende: Freedom33333
    Wunderbarer und sehr schottischer Bericht!

    Im Bunkhouse von Kinlochewe, das ich bisher auch immer alleine hatte, habe ich auch schon meine Zelte aufgebaut :-)
    Immer wieder nett da.

    Danke für deine Erlebnisse!
    Kalender *Papageitaucher 2019*
    Das Wetter, das man jeden Morgen in sich selber macht, ist viel wichtiger als das Wetter draußen. Fynn

  2. AW: [SCO] Solo – Berge, Bothies, Flüsse, Meer – 15 Tage Wester Ross im März

    #42
    Zitat Zitat von Borgman Beitrag anzeigen
    Klasse Bericht! Deine offenen und detaillierten Beschreibungen gefallen mir genauso gut wie Deine Herangehensweise an die Tour. Macht wirklich Spaß, Deine Erlebnisse zu verfolgen, danke dass Du uns mitnimmst und an Deinen Gedanken teilhaben lässt!
    Danke Danke. Da möchte ich an dieser Stelle doch noch lobend erwähnen, dass ich mir den Einstieg in die Tour von deinem Reisebericht im Frühjahr 2018 in der Gegend geborgt habe

    Zitat Zitat von Meer Berge Beitrag anzeigen
    Wunderbarer und sehr schottischer Bericht!

    Im Bunkhouse von Kinlochewe, das ich bisher auch immer alleine hatte, habe ich auch schon meine Zelte aufgebaut :-)
    Immer wieder nett da.

    Danke für deine Erlebnisse!
    Gerne. Typisch schottisch - wegen dem Wetter meinste wahrscheinlich

  3. AW: [SCO] Solo – Berge, Bothies, Flüsse, Meer – 15 Tage Wester Ross im März

    #43
    Dienstag, 2.4.19: Tag in der Bothy & der Umgebung

    Die nächsten beiden Tage lasse ich es erstmal ruhig angehen. Ich lese ein Buch, erkunde die Hütte und die Umgebung.





    Als erstes schaute ich ins Bothy Buch. Und erstaunlicherweise waren am Tag meiner Ankunft gegen Mittag einige Leute abgereist. Auch in den Tagen davor schien die Hütte gut besucht gewesen zu sein. Bei einem Blick auf die Karte kein Wunder: Bis Diabeig sind des ca. 4km zu Fuß, über einen recht gut ausgebauten Wanderweg.

    Erstmal zur Bothy: Diese hat einen vergleichsweise gemütlichen Gemeinschaftsraum mit Ofen, Tisch, Bank und Stuhl. Daran schließt sich eine Küche an. Diese war vollgestellt mit Kram, zig verdreckten Plastikgefäßen und den oft anzutreffenden Konserven. Solange diese zu sind – fair enough. Aber wer lässt bitte ein angebrochenes Glas Marmelade in einer Bothy? Das Plastikproblem sollte sich allerdings am zweiten Abend in Luft, oder vielmehr Rauch, auflösen, wenn auch nicht auf meine Initiative hin.

    Ansonsten gibt es im EG noch einen weiteren, recht leeren und damit nicht gerade gemütlichen Raum sowie eine Etage darüber 2 recht große Räume und eine kleine Kammer. Insgesamt stehen hier 4 Bettgestelle mit Matratzen herum. Dies begründet sich dadurch, dass die Hütte einmal eine Jugendherberge war. Und in der Tat war diese Bothy vergleichsweise stark besucht.

    Hier erst mal ein paar Impressionen aus der Hütte








    Blick aus dem Obergeschoss zur Küste



    Die Decke in der Hütte besteht aus einfachen Brettern. Und wenn in diesen ein Loch ist, dann kann man von oben in die Küche schauen






    Rechts neben der Hütte ist ein Fluss, nahe der Hütte ist eine gute und sichere Brücke, über die man zuverlässig auf die andere Seite kommt. Die ist auch nötig, denn ja nach Flussstand kann man diesen überqueren oder nicht. Unterhalb der Hütte in Richtung Küste gibt es einige Bäume und auch rechts vom Fluss hinter der Brücke ist alles voller Birken. Hier finden sich auch zahlreiche alte, mit Moos überwachsene Ruinen.

    Schade dass ich kein Historiker bin. Es würde mich wirklich interessieren, wie alt diese Fundamente sind und welchem Zweck sie einmal gedient haben.



    Unmittelbar neben der Hütte befinden sich einige Bäume an denen die schon erwähnten Lampions hängen.





    Dann geht’s erstmal an die Küste. Auch hier – komplette Einsamkeit. Bis auf ein Schiff, das in einiger Entfernung zu patroullieren scheint. Als ich mich aufmache, schwimmen zu gehen, hält das Schiff an und macht den Motor aus. Ich denke mir: Hoffentlich steht da kein ODS User mit Systemkamera und Teleobjektiv drauf.







    Leider sind die Steine ausgesprochen rutschig und das Wasser ist sehr kalt, als beschränkt sich das Schwimmen gehen auf einige Züge raus und dann wieder zurück. Brrr.



    Hier unten am Strand laufen auch einige Schafe herum, die aber recht schüchtern sind und schnell Reißaus nehmen. Dann ziehen aber auch schon einige dunkle Wolken vom Landesinneren auf und ich verziehe mich wieder in die Bothy.

    Später setze ich mir dann in den Kopf, ein Feuer zu machen. Mist. Hätte ich mal vorher ein paar Youtube-Videos geschaut oder eine Anleitung gelesen. So muss ich mich auf das verlassen, was mir noch so im Kopf herumschwirrt. Von einem Nadelbaum kratze ich etwas Harz ab. Dann suche ich mir einige Rinde von herumliegenden Birkenästen. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich die Birken auch nach Harz abgesucht habe. Konnte aber keinen finden ;). Ansonsten gilt: Es war Try and Error.

    Erst machte ich mich auf, vom Boden zahlreiche Strohhalme aufzulesen, die dort überall herumlagen. Irgendwann fragte ich mich dann: Was ist Stroh eigentlich? Richtig, trockenes Gras. Und was stand überall in der Landschaft herum? Richtig, vertrocknete Gräser ;).

    Also schnitt ich mich auch davon einige ab. Genauso ging ich auf die Suche nach Holz und sammelte doch eine recht ordentliche Menge, die ich dann noch nach Größe ordnete.



    Irgendwann wurde es abend und ich konnte es nicht mehr länger aufschieben, ich musste es probieren. Ich erspare mir jetzt mal die weiteren Details: Ein kleines Feuerchen habe ich hinbekommen. Aber: Ich habe es nicht geschafft, damit auch nur kleinere Hölzer in Brand zu setzen. Klar, wenn die Dinger in Schottland auf dem Boden rumliegen, dann sind die halt vollgesogen mit Wasser.

    Später versuche ich sogar noch, mit mit Alufolie einen „kleineren“ Ofen zu basteln, um die Hitze zu halten. Denn der riesige Ofen schien mir dafür deutlich zu groß. Aber irgendwie glaubte ich schon nicht mehr so richtig daran.

    Sollte ich in diesem Urlaub kein einziges mal in einer Bothy an einem schönen Kaminfeuer sitzen? Das stand zwar nicht auf meiner ursprünglichen Liste, aber mittlerweile stand es drauf. Und so ärgerte ich mich schon ein bisschen, kein Feuer zustandegebracht zu haben.

    Immerhin hatte jemand in der Hütte einige Kerzen zurückgelassen – teils standen diese in der Mauer. Und so kommt dann doch nochmal richtig Atmosphäre auf.
    Geändert von Freedom33333 (18.05.2019 um 23:53 Uhr)

  4. Erfahren
    Avatar von Heather
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    AW: [SCO] Solo – Berge, Bothies, Flüsse, Meer – 15 Tage Wester Ross im März

    #44
    Kann es sich um die Ueberreste des Gemaeuers vielleicht um "Shielings" handeln? Das sind "Almen" schottischer Art, die frueher im Sommer bewirtschaftet wurden. https://en.wikipedia.org/wiki/Shieling

    Kann sein, muss nicht. Auf jeden Fall finde ich deinen Bericht sehr schoen, und lese aufgeregt mit.

  5. AW: [SCO] Solo – Berge, Bothies, Flüsse, Meer – 15 Tage Wester Ross im März

    #45
    Mittwoch, 3.4.2019: Menschen aus UK sind trinkfest. Oder: Endlich keinen Whisky mehr schleppen.
    Am nächsten Tag stehe ich auf, ohne auf die Uhr zu schauen. Und philosophiere darüber, dass es jahrhundertelang keine Uhren gab. Wahrscheinlich sind die Leute einfach bei Sonnenaufgang aufgestanden und bei Sonnenuntergang ins Bett gegangen. Und vielleicht haben die Leute im Winter dann einfach länger geschlafen? Wer weiß.

    Das Wetter ist heute nicht gerade toll – es regnet. Wieder mal.

    Ich beginne ein neues Hörbuch – und höre einige Stunden am Stück. Etwas, bei dem ich sonst nach einer halben Stunde unruhig würde: So, jetzt musst du aber noch n paar Sachen erledigen.

    Internet gibt es hier freilich nicht. Und Internet – wer braucht das überhaupt? Ich kann gar nicht glauben, dass ich das Internet kein bisschen vermisse. Wieso starrt man dann in der Zivilisation den ganzen Tag auf dieses blöde Smartphone? Ist es so schlimm, mal ein bisschen Zeit zu verbringen – einfach nur mit den eigenen Gedanken?

    Sitzt man in dieser Hütte und holt sich Wasser vom Fluss, kommt es einem erstaunlich vor, dass bei uns Wasser – auch warmes Wasser – aus der Wand kommt. Was für ein Luxus. Wohnen, auch nur in einer 1 Zimmer Wohnung – verglichen mit dem, was Menschen jahrtausendelang hatten, ein purer Luxus. Essen können was man will – Luxus.

    Philosophiert man so ein wenig herum, erscheinen einem zahlreiche Gegebenheiten des Alltags nur noch absurd. Die Menschen gehen in einen Supermarkt, kaufen Obst aus Holland, Wein aus Frankreich, Früchte aus Übersee, Schinken aus Italien und Steaks aus den USA – und fangen dann an, genervt auf ihr Smarthone zu schauen, weil sie an der Supermarktkasse 5min anstehen müssen. Ein genervtes „Können Sie bitte eine weitere Kasse aufmachen?“ Kinder fangen an zu schreien, weil sie nicht die bunte Verpackung mit Schokolade bekommen, die sie haben wollen. Der Mensch ist formbar. So unendlich formbar.

    Wieso muss man sich nach 2 Jahren eine neue Kamera kaufen? Macht die alte keine guten Bilder mehr? War man mit seinen Fotos vor 2 Jahren etwa unglücklich? Aber nein, kaum kommt ein neues Modell raus, muss man es haben. Konsum! Konsumier dich glücklich! Klar, unsere Wirtschaftsordnung basiert genau darauf: Auf Wirtschaftswachstum. Und dafür muss man nun mal möglichst viel Geld verdienen und möglichst viel Geld ausgeben. Hinzu kommt immer der Vergleich: Wenn jemand anderes etwas besseres hat, dann will man das auch haben. Und wenn man es hat, dann freut man sich natürlich darüber und erzählt allen davon, wie toll es ist. Aber hatten die Menschen vor 10 Jahren weniger Naturerlebnisse, weil die Kameras nicht so gut waren? Waren sie unglücklicher? Wohl kaum.

    Will man diesen Kreis durchbrechen, so muss man sich denen, die einem die ganze Zeit vom Konsum vorschwärmen, mutig entgegenstellen. Und darf sich nicht von der ganzen Werbung beeinflussen lassen und die Gegenstände insgeheim selber haben wollen.

    Ich sage übrigens nicht, dass es falsch ist, 5 Zelte zu haben oder 5 Kameras. Selbstverständlich steht es jedem frei, sein Geld für Dinge auszugeben, die man toll findet. Aber meines Erachtens sollte man sich dabei bewusst machen, worum es sich handelt - um Luxus. Und nie um eine zwingende Notwendigkeit, nie um "Ohne könnte ich nicht leben".

    Wie toll ist doch so ein Trekking-Urlaub, in dem man auch mal Zeit zum Nachdenken hat.

    Und so füllte ich an diesem Tag mein Notizbuch und rechtfertigte so die 200g Mehrgewicht. Mal draußen an der Küste, mal unter den Bäumen, mal am Bach, mal in der Hütte, mit Gedanken und Plänen. Und genoss die Stille und Einsamkeit.

    --
    Am späten Nachmittag öffnete sich mit einem lauten Knall die Tür und Steve kam herein. Ein Mann Mitte 40, den seine Freundin einige Kilometer von der Hütte abgesetzt hatte, weil er zwei Nächte in der Bothy bzw. im Zelt verbringen wollte. Steve war Busfahrer und kam aus Wales.

    Und was brachte Steve mit? Richtig! Einen 10kg Sack Kohle! Witzigerweise war er auch auf der Suche nach ein wenig Einsamkeit – und hatte den Sack vorsichtshalber erstmal draußen versteckt, um die Hütte zu erkunden. Er wollte sich wohl die Möglichkeit offen halten, den Sack nicht verbraten zu müssen, wenn sich in der Hütte eine größere Gruppe aufhalten sollte. Dann hätte er diesen lieber fürs nächste mal gebunkert.

    Wir verstanden und prächtig und hatten viele gute Gesprächsthemen. Es ging um Natur, Bothys, Munros, Whisky, Zelten und vieles mehr. Er erzählte mir von vielen überfüllten Bothys, gerade denen, die näher an dicht besiedelten Gebieten liegen, gerade im Sommer. Und er kam immer wieder auf den typischen Middle-Class-Teacher zu sprechen, der in seiner Freizeit zu einer Bothy nahe der Zivilisation läuft, dort übernachtet und sich dann wieder auf den Weg in die Zivilisation macht – wo er dann allen, die es hören wollten, von seinen großen und entbehrungsreichen Abenteuern erzählt ;).

    Auch über vollgemüllte Bothys unterhielten wir uns – und Steve hatte die Lösung. Verbrennen. Alles verbrennen. Und so lief er dann durch die Hütte und stopfte den Kamin voll mit altem Plastikgeschirr, Plastikgefäßen, einem dreckigen Lappen usw. „Is this your towel?“ Ja! Uff! Fast hätte es noch mein 15€ Globetrotter Reisehandtuch erwischt. Eine Mütze die an der Wand hängt? Verbrennen! Hier legte ich, der ich meine Mütze fast im Sturm verloren hatte, dann mein Veto ein.

    Dann entzündete er das Feuer – und ich war überrascht. Plastik brennt gut. Richtig gut. Unglaublich was das Zeug für eine Hitze produziert.

    Und ich dachte mir – wenn Steve schon einen 10kg Sack Kohle mitbringt und mir einen schönen Abend an einem Kaminfeuer ermöglicht, dann muss ich mich auch revanchieren. Und so stellte ich meine, doch noch recht volle, Flasche Whisky zur Verfügung. Da hatte ich die Trinkfestigkeit der Engländer unterschätzt! Und so war es kaum 11, da war die Flasche auch schon leer. Und so ein großer Trinker bin ich eigentlich gar nicht, auch wenn ich, da ich sah, wie schnell die Flasche leer wurde, mich auch ein wenig beteiligte.

    Aber was solls – dafür war ich das Mehrgewicht endlich wieder los. Und die Story vom Briten, mit dem ich am Abend eine Flasche Whisky gekippt habe, verkauft sich dann doch besser als die vom Briten, mit dem ich einen Shot getrunken habe. Und so nahm er denn auch die leere Flasche am nächsten Tag mit. Wieder und wieder hatte ich beim Laufen den Kauf der Flasche Whisky und das Mehrgewicht bereut - am Ende hatte es sich doch gelohnt, sie ab Kinlochewe mitzuschleppen.

    Irgendwann war die Kohle tatsächlich alle und dann ging es auch ins Bett.
    Geändert von Freedom33333 (Gestern um 17:34 Uhr)

  6. Alter Hase
    Avatar von codenascher
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    AW: [SCO] Solo – Berge, Bothies, Flüsse, Meer – 15 Tage Wester Ross im März

    #46
    Eine epische Begegnung in einer schottischen Bothy! Großartig

    Bin im Wald, kann sein das ich mich verspäte

    meine Weltkarte

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