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  1. Anfänger im Forum

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    AW: [SCO] Solo – Berge, Bothies, Flüsse, Meer – 15 Tage Wester Ross im März

    #21
    Mitreisende: Freedom33333
    Ja, die Carnmore Bothy.
    Wir haben uns die beiden Male als wir in der Ecke waren auch dagegen entschieden in ihr zu nächtigen.
    Wir hatten aber mit dem Wetter mehr Glück. So haben wir einmal am Strand beim Anleger gezeltet und das andere Mal unter freiem Himmel auf dem südlichen Zipfel zwischen Fionn Loch und Dubh Loch geschlafen.

  2. Erfahren

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    AW: [SCO] Solo – Berge, Bothies, Flüsse, Meer – 15 Tage Wester Ross im März

    #22
    Schottlandsehnsucht kommt auf - vielen Dank für den tollen Bericht!
    ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
    ~~ https://youtu.be/BlXgHcd7tok ~~
    ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

  3. AW: [SCO] Solo – Berge, Bothies, Flüsse, Meer – 15 Tage Wester Ross im März

    #23
    Ich schreibe hier ja nun nicht nur einen recht ausführlichen, sondern auch einen sehr ehrlichen Reisebericht. Und zu einem ehrlichen Reisebericht gehören Fehler auch dazu. Vor allem, damit andere Einsteiger, die ebenfalls Learning by Doing machen, aus diesen Fehlern lernen können.

    Mittwoch 27.3.19. Carnmore Bothy bis Lochan Fada. Oder: Warum Navigationsfehler sehr gefährlich sein können.

    Wie üblich erwache ich gegen 6.00 Uhr. Und wie üblich, regnet es um diese Uhrzeit draußen und ist windig. Irgendwie habe ich heute aber keine Lust auf weiterschlafen und lese ein bisschen im Kindle. Irgendwann muss man sich dann aber doch aus dem warmen Schlafsack in die Kälte bequemen. Das Ritual sitzt: Schlafsack weg, Fleecejacke an, Fleecehose als zweite Schicht an, Daunenjacke an, Tee kochen. Dann Müsli mit Milchpulver, hier hatte ich mir im Voraus bereits Portionen abgepackt.

    Dann wie üblich nochmal die Karte vornehmen und planen. Links oder rechts am Dubh Loch vorbei? Soweit ich mich an gestern erinnerte, sah die südliche Seite nicht gerade einladend aus, vielmehr sogar sehr steil am Ufer. Dies bestätigte mir auch meine Wanderkarte. Gleichwohl war auf der Karte ein Wanderweg am südlichen Ufer eingezeichnet. Das Navi und die Höhenlinien auf diesem ließen dagegen das Nordufer deutlich attraktiver erscheinen. Ich beschloss, vor Ort zu entscheiden, sobald ich die Karten mit den realen Gegebenheiten abgleichen konnte.

    Zusammenpacken – vorsichtig, nicht dass etwas auf den Boden fällt – und dann los. An diesem Tag kam ich erst recht spät los, ich schätze es war bereits gegen 10.00 Uhr.



    Sonderlich einladend einfach sah das südliche Ufer nicht aus, dennoch konnte man so etwas wie einen Küstenpfad erblicken. Auch wollte ich unbedingt die Brücke zwischen Dubh Loch und Fionn Loch sehen, wunderte es mich doch, wie eine Brücke zwischen diesen beiden Seen aussehen sollte.

    Also zum Dubh Loch und zur Brücke. Dem kleinen Hügel zwischen beiden Seen konnte ich nicht widerstehen, wollte ich doch gerne nochmal den Blick auf den gesamten Fionn Loch haben. Den Rucksack ließ ich liegen, auch wenn mir dabei nicht sonderlich wohl war.

    Oben auf dem Hügel war die Aussicht toll – vor allem der Blick auf den kleinen runden See zwischen den beiden Seen war beeindruckend. Auch fand ich hier oben ein paar Stellen, an denen man hätte zelten können – etwas windgeschützt, etwas nass, halbwegs eben – ich wiederhole mich.





    Dann ging es runter zur Brücke. Dort hatte es einen schönen Strand. Nur auf die Stacheln im Wasser konnte ich mir keinen rechten Reim bilden. Wäre es nicht schon so spät gewesen, wäre ich hier wahrscheinlich schwimmen gegangen, das Wasser sah wirklich einladend schön aus.





    Ein paar Meter weiter erblickte ich dann plötzlich ein halb abgenagtes, halb auseinandergerissenes Tiergerippe. Ich verzichte mal auf das Foto, wenn es jemand sehen will, kann ich es ja nachreichen.
    Zum Leben gehört auch der Tod. Auch wenn er aus unserer Gesellschaft stark verdrängt ist. Wie lange mag dieses Tier wohl durch diese wunderschöne Natur gestreift sein? Irgendwann war es auch für ihn/sie vorbei. Aber wer nagt hier bitte Tiergerippe ab? Welche Fleischfresser gibt es hier in Schottland?



    Dann weiter. Der Weg entlang an der Küste war nicht gefährlich, dennoch kam ich nicht so recht voran. Jedenfalls hatte ich in meiner Planung den Weg bis zum Hang überschlagen und war mir sicher, gegen 11.00 Uhr nach einer Stunde den See umrundet zu haben. Gegen 11.40 Uhr war ich dann endlich da.


    Blick zum Hang über den ich gestern gekommen war, auch der schmale Pfad der sich dort entlangschlengelt ist gut sichtbar







    Dann ging es – wegelos - bergauf. Teils auch sehr steil bergauf.



    Es war anstrengend. Ich erinnerte mich daran, im Sportgeschäft ein „Powergel“ auf Basis von Maltodextrin gekauft zu haben. Das wollte ich mir jetzt gönnen. „Berry“ stand drauf. Hörte sich doch gut an. Der Geschmack war....bäh. Schmeckt wie Toilettensteine riechen schoss mir durch den Kopf. Irgendwie kam ich aus dem Lachen nicht mehr raus. Tatsächlich fiel mir der Aufstieg im Folgenden leichter. Und ich dachte mir: Wahrscheinlich wirkt das Powergel genau so. Es schmeckt so schlecht, dass die Leute sich ekeln oder anfangen zu lachen und die körperliche Anstrengung ganz vergessen.





    Das Wetter war gut. Am Hang fast kein Wind. Einen Wanderweg konnte ich nicht erblicken. Die Steigung war teilweise heftig – aber irgendwie lag mir das. Bei hohen Steigungen kommt man so schnell voran, dass es ungemein belohnend ist, zurückzublicken und festzustellen, wie viel Strecke man in wie kurzer Zeit geschafft hat.





    Irgendwann war es endlich soweit – der Gorm Loch Mor zeigte sich. Auf den letzten Metern hatte ich wieder einen Pfad gefunden – dieser war steinig und rutschig wie üblich – weshalb ich beim Aufstieg, wieder einmal, das wegelose Gras bevorzugt hatte. Daher kann ich auch nicht sagen ob es bergauf durchgehend einen Pfad gegeben hätte.



    Kaum sehe ich das Wasser schlägt mir auch schon ein unglaublicher Wind ins Gesicht. Klar, so ein einsamer See hat ja einen Ruf zu verlieren. Also trickste ich ihn aus – sofort kehrte ich um, bis ich außer Sichtweite war. Soll er doch denken, ich hätte aufgegeben und würde umkehren. Hier machte ich dann auch meine Pause und gönnte mir ein paar Minisalamis. Meine Taktik ging auf – als ich dann doch die letzten paar Höhenmeter zum Gorm Loch Mor machte, war es dort fast windstill.

    Ein toller See! Komplett umrundet von hohen Bergen. Erstmal die Umgebung abchecken – die nördliche Seite des Sees war nicht passierbar, die südliche Seite schon.





    Ich bestieg zunächst die Hügel auf der rechten Seite. Und desto weiter ich nach oben kam, desto beeindruckender wurde die Sicht. Schon die Sicht auf den Gorm Loch Mor. Als ich schließlich oben ankam war die Aussicht zurück auf den Dubh Loch einfach nur schön. Wäre es nicht so früh am Tag gewesen – hier zu campen wäre auf jeden Fall ein Erlebnis gewesen. Wie oft kommt hier um diese Jahreszeit ein Wanderer vorbei?






    Blick zurück ins Tal durch das ich gekommen bin




    Dennoch war mir bereits jetzt klar, dass ich mir den A 'Mhaigdean abschminken konnte. Bereits die Berge, die den Gorm Loch Mor umringten, waren ganz oben von einer Nebelschicht umgeben.

    Schade, aber nicht zu ändern. Dass man sich in Schottland keinen „Muss ich machen“ Munroe vornehmen kann, sondern dass die Sinnhaftigkeit der Besteigung stets vom jeweiligen Wetter abhängt, hatte ich bereits aus einigen Reiseberichten – auch von erfahrenen Wanderern, die „krasse“ Touren machen – gelernt.

    Wie sollte es nun aber weitergehen? Ich erinnerte mich dunkel an einen Reisebericht aus dem Forum von einer Gruppe von Wanderern. Diese hatten – dessen war ich mir sicher – die Bergkette im Norden bestiegen. Aber da hoch? Um Himmels Willen. Das ging ja garnicht. Wie soll das gehen? Unschlüssig stand ich eine Weile herum.


    Da rauf? Lieber nicht


    Nach Osten, in der Hoffnung, dort irgendwo auf den Kamm raufzukommen?

    Toll war die Sicht nicht. Ich schaute mir nochmal die Fotos von vor 20min an, als die Berggipfel um den See teils noch nicht im Nebel lagen. Die westliche Flussseite schien mir vielversprechend – einfach sah es von hier nicht aus, aber machbar. Und so ging es denn zum westlichen Seeende.



    Zum westlichen Ende des Sees und dann da rauf, nahe dem A Mhaigdean

    Wieder einmal zeigte sich – von weitem sieht der Weg einfach aus, da liegen doch nur ein paar kleine Steinchen. Steht man dann vor diesen, sind die schnell mal 5m hoch, und so hatte ich eine tolle landschaftliche Abwechslung, weil ich das erste mal zwischen gigantischen Steinen umherkletterte.

    An einer Stelle blieb ich mit einem Stock hängen – statt hinzufallen nahm ich in Kauf, mich weiter auf diesen zu stützen. Verbogen. Krass. Beim Globi hatte ich ganz fasziniert die Wanderstöcke aus Carbon in der Hand gehabt. Der Verkäufer hatte mir davon abgeraten. Diese würden sich nicht verbiegen wie Aluminium – das man einfach wieder zurückbiegen kann – sondern brechen. Gut dass ich auf ihn gehört und die Finger vom Carbon gelassen hatte. Wer weiß ob der Stock das ausgehalten hätte.

    Dann kam der Aufstieg immer näher – und desto näher er kam, desto einfacher sah er aus. Als ich schließlich davorstand – ein toller Strand übrigens – hatte er jeglichen Schrecken verloren, war sogar deutlich weniger steil als der erste Aufstieg heute. Und so nahm ich die Erkenntnis mit: Nicht zu viel nachdenken. Nicht groß Rumüberlegen, ob das möglich ist, sondern es sich erst mal von Nahem anschauen.

    Der Aufstieg – was soll ich sagen. Direkt in den Nebel hinein.







    Noch sieht man ihn.
    Nach einiger Zeit blickte ich mich um – und der See unter mir war verschwunden. Nichts als eine Nebelwand. Auch der Blick nach oben war nicht gerade vielversprechend. Und so lernte ich denn hier mein Navi das erste mal wirklich zu schätzen. Bislang konnte man sich immer bequem mit Karte, Kompass und dem „Blick in die reale Welt“ orientieren – letzteres scheiterte hier. Da war nichts. Nichts außer Nebel.

    Irgendwo im Nirgendwo. Das letzte mal einen Menschen hatte ich vor zweieinhalb Tagen gesehen. Wer sich hier verirrt oder verletzt – der hat ein Problem. Beruhigend, aufs Navi zu schauen und zu wissen, wo man ist. Ewig lange hatte ich überlegt, mir ein solches anzuschaffen, hier und heute war ich froh über diese Entscheidung.

    Irgendwann musste ich mich entscheiden, links oder rechts. Beide Wege führten in den Nebel hinein.



    Der Pfad ging nach links, und so folgte ich diesem. Dann ging es erst mal auf einen der Hügel – hier fand ich eine Stelle, an der man würde zelten können. Es war schon recht spät geworden, und so wagte ich einen Versuch. Soll das Hilleberg doch mal zeigen, was es kann. Aber: Der Boden ließ es nur zu, das Zelt in einer Richtung aufzustellen. Dann hätte der Wind das Zelt aber von der Längsseite getroffen. Und der Wind war konstant. Kaum hatte ich die Stangen im Zelt, zog es mir durch den Wind schon einen Hering und die noch nicht abgespannten Zeltstangen wurden zusammengedrückt wie Zahnstocher. Mist.

    Nach einigem Überlegen packte ich das Zelt wieder ein und entschloss mich, doch weiter unten am Lochan Fada zu campen. Bis zur Dämmerung hatte ich noch genug Zeit, also war ich guter Dinge. Kein Vergleich zur Situation auf meiner ersten Tour, als ich auf Skye nahe der Küste gescheitert war, mein Zelt im Sturm (direkt vom Meer kommend) aufzustellen und mich das doch an meine Grenzen gebracht hatte. (Dort hatte ich vorher aber auch schon einiges mitgemacht, inklusive einer hüfttiefen Passage durch das Meer in voller Ausrüstung, "Bad Step", da es der einzige Weg war) Das war mittlerweile anders. Souverän packte ich das Zelt wieder ein und es ging weiter. Macht nix, war einen Versuch wert.

    Aber in welche Richtung? Die Sicht war schlecht. Weit schauen konnte man nicht. Einen See im Tal erblicken und daran orientieren? Nope. Eine Bergspitze an der man sich orientieren könnte? Nö.






    Ich war mir sicher, in eine bestimmte Richtung zu müssen – doch der Blick aufs Navi sagte mir, ich würde in die Richtung laufen, aus der ich gekommen bin. . Auch der Blick auf den Kompass des Navis war nicht gerade hilfreich. Da fiel mir wieder die Bedienungsanleitung ein – der Kompass müsse vor der Benutzung kalibriert werden. Zum ersten mal holte ich meinen Kompass in einer Situation raus, in der ich ihn wirklich benötigte.

    Die Bergformation an der ich mich befand war ausgesprochen verwirrend – links ging es steil bergab. Und ich wollte ja nach unten zum See. Aber war das nicht hinab zum Gorm Loch Mor?



    Da wollte ich nicht hin. Ich wollte zum Lochan Fada. Aber in der Richtung, in die ich gemusst hätte, ging es nur bergauf – obwohl ich laut Karte eigentlich schon ganz oben sein müsste. Oder doch nicht? Vielleicht einfach nach Süden, das wäre definitiv richtig. Plötzlich stand ich, den Kompass in der einen, die Karte in der anderen Hand und auf letztere konzentriert, an einer Abbruchkante, die man erst bemerkte, als man fast unmittelbar davorstand. Da ging es 10-20m steil nach unten. Hülfe. Da runterfallen, dann ist es aus.

    Das sind so die Situationen, in denen es eben doch einen Unterschied macht, ob man alleine oder in einer Gruppe unterwegs ist. Da ist niemand, den man fragen kann. Niemand, der einem weiterhilft, wenn man in Anbetracht der neuen Herausforderung mal etwas übersieht. Man trifft sämtliche Entscheidungen alleine und muss auch mit den Konsequenzen leben – im Positiven wie im Negativen.

    Nach einiger Zeit hatte ich dann doch den Bogen raus – dem Kamm in Richtung Südosten folgen – teils auf Umwegen weil es nicht weiterhing, also steil bergab und dann wieder steil bergauf – dann tauchte irgendwann endlich das Gefälle auf, das, wie gewünscht, in südöstlicher Richtung lag. Uff!

    Nach einer Weile war ich dann endlich aus dem Nebel raus und erblickte den Lochan Fada.



    Der Boden in der ganzen Gegend hier war äußerst erstaunlich – zerfahren von tiefen Furchen, ein ständiges Auf und Ab.





    Immer wieder erblickte ich Hirsche, die aber schnell Reißaus nahmen.

    Mittlerweile war es schon reichlich spät geworden – die Dämmerung drohte über mich hereinzubrechen. Bis runter zum See? Was, wenn es da keinen guten Platz gab? Bloß nicht im Dunkeln suchen müssen! Am bereits genannten Tag bei meiner ersten Tour hatte ich fast eine Stunde im Dunkeln einen Zeltplatz gesucht. Als ich dann eine halbwegs ebene Stelle fand, fiel der Entschluss schnell, die sollte es sein. Klar, besser geht immer. Aber irgendwann muss man sich einfach entscheiden. Da der Wind aus südlicher Richtung kam, musste ich das schon aufgestellte Zelt dann doch nochmal umstellen, da ich vermeiden wollte, dass der Wind auf die lange Seite trifft.






    Hier sieht man schön die Größenverhältnisse der Furchen im Boden. Ganz so nah an der Kante wie es hier wirkt, stand das Zelt allerdings nicht, die Abspannleinen waren gerade noch an einer nicht unterhöhlten Stelle befestigt. Man fragt sich natürlich: Wie kommt es zu diesem Phänomen?





    Dann erstmal in Ruhe auspacken. Wieder ging einige Zeit vorüber.

    Ein ereignisreicher Tag. Ich war froh, alles überstanden zu haben und war körperlich und geistig schon ordentlich k.o. Mittlerweile war bereits die Dämmerung angebrochen. Schnell noch Wasser vom Bach holen, der vielleicht 50-70m entfernt lag. Dünne Klamotten an, keine Wanderstöcke, auch die Stirnlampe lag im Zelt. Trinkblase befüllen und zurück zum Zelt.

    Hier müsste es doch sein? Hier ist es nicht. Ein paar Meter weiter oben vielleicht? Auch nicht. Hier sieht in der Dämmerung alles gleich aus. Ach du meine Güte!!!

    Es fing an zu regnen. Es war kalt. Es wurde mit jeder Minute dunkler. Es würde in der Nacht wohl, wie bisher immer, regnen und stürmen. Das Zelt dient dazu, das Wasser abzuhalten, damit die Daune des Schlafsacks die Kälte fernhalten kann. Und ich hatte nur dünne Klamotten an. Eine volle Trinkblase in der Hand, körperlich am Ende, stolperte ich ohne Stöcke durch die Landschaft. Und fand mein Zelt nicht. Ich muss es hier nicht beschreiben, ich bin kein professioneller Autor. Aber jeder weiß, wie es sich anfühlt, wenn die Panik in einem hochsteigt. Das hier war gefährlich. Die Leute in der heutigen Zeit kriegen Panik vor Prüfungen, obwohl absolut keine Lebensgefahr besteht. Aber hier – in Sekunden schießen einem alle möglichen Szenarien durch den Kopf.

    Temperaturen um den Gefrierpunkt, nur eine dünne Regenacke an. Sturm, Regen, Nässe. Was, wenn man das Zelt nicht findet? Würde man erfrieren? War das hier schon lebensgefährlich? Oder waren Temperaturen um 0 Grad für etwa 10 Stunden Dunkelheit in dünnen Klamotten machbar? Wäre das eine echte physische oder nur eine psychische Herausforderung? Müssen nicht Menschen bei der Armee derartige Szenarien auch durchhalten? Hinlegen und schlafen wäre keine Option. Da ploppen die Artikel im Kopf auf, von irgendwelchen Betrunkenen, die sich nachts in die Landschaft legen um ihren Rausch auszuschlafen und dann erfrieren. Man müsste sich die ganze Nacht bewegen, in Bewegung bleiben. Vielleicht hinter einem großen Stein, um wenigstens ein wenig windgeschützt zu sein. Denn der Wind konnte brutal sein. Der Regen würde sich nicht abhalten lassen.

    Aber wieso den Teufel an die Wand malen? Du musst logisch denken. Erinnere dich. Wo stand das Zelt? Wie sah die Umgebung aus? Was war in der Nähe? Ist es schon wieder deutlich dunkler geworden? Panik – wer hat sich den Schmarn evolutionär bitte ausgedacht? Was soll das bringen?

    Weg damit. Durchatmen. Weiter nach oben gehen, um das Zelt zu sehen? Oder war ich schon zu weit oben? Jedenfalls zum Hang, irgendwohin wo man möglichst weit schauen könnte. Wie konnte ich nur die Taschenlampe im Zelt lassen? Unglaublich! Aber jetzt über Fehler nachdenken, das bringt nichts! Als ich schließlich – wie lange hatte ich gesucht? 5Min? 10? 15? Ich weiß es nicht. Ich habe keine Ahnung - an einer guten Stelle am Hang angekommen war erblickte ich das Zelt – ca. 100m weiter unten. Viel weiter unten als erwartet. Viel viel weiter unten. Aber wahrscheinlich geht man auf der Suche nach Wasser instinktiv immer nach oben.

    Egal. Zum Zelt. Durchatmen. Alles gut. Alles gut. Kein Stress. Als ich am Zelt ankam, war es schon fast komplett duster. Bei dem Himmel hätte einem der Mondschein auch nichts gebracht.

    Lektion gelernt: Nie Ohne Taschenlampe losziehen. Falls hier andere Einsteiger mitlesen, die auch gerne Solo losziehen und Learning by Doing machen, nehmt diese eine Sache mit: Nie ohne Taschenlampe weg vom Zelt. Nie! Und: Egal wie spät es ist, egal wie kaputt ihr seid, egal wie viel ihr durchgemacht habt: Wenn ihr euch vom Zelt entfernt, dann muss der Verstand hellwach sein!

    Ab ins Bett. Was für ein Tag.
    Geändert von Freedom33333 (20.04.2019 um 16:43 Uhr)

  4. Fuchs
    Avatar von Rainer Duesmann
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    AW: [SCO] Solo – Berge, Bothies, Flüsse, Meer – 15 Tage Wester Ross im März

    #24
    Hui.

  5. AW: [SCO] Solo – Berge, Bothies, Flüsse, Meer – 15 Tage Wester Ross im März

    #25
    Das erinnert mich daran, dass ich die Batterien in meiner Lampe austauschen wollte....

    Spannender Tag! Ich selbst mag es ja eher langweilig-beschaulich.
    Fionn Loch und Dubh Loch - das hat was. Am Dubh Loch habe ich vor ein paar Jahren mal gezeltet, das war schön und schön windig. Und bald bin ich wieder da!

    Ich bin gespannt, wie deine Tour weiter geht.

  6. Neu im Forum

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    AW: [SCO] Solo – Berge, Bothies, Flüsse, Meer – 15 Tage Wester Ross im März

    #26
    Bei einem Film hätte ich mir die Hände vor die Augen gehalten und zwischen den Fingern durchgelinst. So musste ich schonungslos weiterlesen. Puhhh, kann deine aufkommende Panik extrem gut nachvollziehen. Toll, wie du damit umgegangen bist.

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