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  1. Anfänger im Forum

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    [FR] E5 Bretagne, ich komme. Ca. 700km von Point du Raz bis Le Mont Saint Michel

    #1
    Mitreisende: adriano
    Vorbereitung

    Heute bin ich nach 41 Tagen wieder zurück zu Hause von meiner Wanderung am E5 in der Bretagne. Ich freu mich schon meine Fotos und Tagebucheinträge aufzuarbeiten und hier zu posten

    Schon länger liebäugle ich mit diesem europäischem Fernwanderweg. Und zwar mit dem kompletten Weg von Point du Raz bis Venedig in Etappen.

    Das hat mehrere Gründe. Zum einen liegen im Alpenraum am oder in der Nähe des Weges mein Geburtsort und die Geburtsorte meiner Eltern. Zum anderen mag ich Außenseiter. Der bekannte Teil des E5 hat unter Bergfreaks den Ruf als Wanderautobahn. Wird wohl nach einiger Recherche auch so sein dass der stark begangen ist. Aber der E5 besteht eben aus mehr als nur Oberstdorf - Meran.

    Seit meinem Camino auf der Via Gebenensis und Via Podiensis letztes Jahr bin ich auch ein Fan der französischen Wanderkultur geworden. Allein das "bon courage" als Wandergruß find ich sensationell. Das Wegenetz - zumindest so weit ich es kenne - ist fabelhaft und meist gut markiert.

    Es gibt auch sehr viele Campigplätze (die für meine erste Etappe nicht so relevant sind da noch geschlossen) und diverse Formen von Unterkünften (Rando Accueil, gite comunal)

    Folgender Artikel hat mich auch sehr inspiriert heuer so bald wie möglich zu starten:

    http://www.zeit.de/reisen/2015-05/bretagne-frankreich-probleme

    Zur Vorbereitung habe ich folgende Seiten verwendet:

    https://www.gr-infos.com/gr-fr.htm
    https://www.outdoorseiten.net/wiki/E5
    https://www.geoportail.gouv.fr/

    Während der Wanderung sind noch folgende zur Unterkunftssuche dazugekommen:

    http://www.gites-refuges.com/www/
    https://www.rando-accueil.com/

    Da ich kein GPS-Gerät verwende, diente eine Tourenplanung auf Komoot eigentlich nur dem kennenlernen der Strecke.
    Was ich habe sind Screenshots der gesamten Strecke mit eingezeichnetem GR Wegenetz und die OSMand App mit der offline Karte von Frankreich, wo ich jederzeit schauen kann wo ich mich gerade befinde

    Mein Wegeverlauf in der Bretagne ist anders als im Outdoor-Wiki Artikel beschrieben, und zwar komme ich nicht erst bei Saint-Malo wieder an die Kanalküste, sondern schon weit vorher bei Plestin-les-Greves.

    Die Variante über Plestin-les-Greves habe ich sowohl in einem Baedekker Reseführer als auch im Wikipedia Eintrag gefunden.
    Und ich kann es schon vorwegnehmen, die einzigen drei Hinweise in der gesamten Bretagne auf den E5 fand ich an der Küste, und zwar in der Nähe von Saint Brieuc.

    Meine Wanderung beginnt sogar 3 1/2 Etappen vor der Pointe du Raz. Dies hat den einfachen Grund dass ich vom Flughafen Nantes Atlantique eine BlablaCar Mitfahrgelegenheit bis Kerity fand, die ziemlich genau zum GR34 fuhr. Ich dachte mir, wenn ich schon mal dort bin warum noch umständlich selten fahrende Busse raussuchen, sondern einfach losgehen.

    Folgende Wege aus dem GR Netz benutzt der E5 in der Bretagne:
    GR34
    GR37
    GR380
    GR34D

    Der Grund warum ich (noch) keine genau km Angaben zur Gesamtstrecke machen kann ist weil ich es selbst noch nicht weiss. ich habe bei der komoot Planung einige Sachen abgekürzt, bin sie dann aber alle ausgegangen am Weg. Ich werde beim Schreiben des Berichts Tag für Tag rekonstruieren, und zum Schluss weiss ich dann wieviel km es tatsächlich waren.

    Geplant ist der Weg mit Zelt, und ca. 2 mal die Woche eine Gite zum waschen und aufwärmen. Dies ist meine erste Tour in einer kälteren - und vor allem so feuchten Umgebung. Es wird wahrscheinlich sehr oft regnen und die Temperaturen sollten sich zwischen 5 und 15 Grad bewegen. Auch starker Wind mit Sturmböen ist zu dieser Jahreszeit, speziell noch im Februar recht normal

    So, nun bleibt mir nur noch ein Gustofoto einzustellen und mit der Schreibarbeit zu Hause zu beginnen.

    Man liest sich.

    Geändert von adriano (31.03.2019 um 11:56 Uhr)

  2. Anfänger im Forum

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    AW: [FR] E5 Bretagne, ich komme. Ca. 700km von Point du Raz bis Le Mont Saint Mi

    #2
    Freitag, 15.02.2019
    Anreise

    Alles läuft wie am Schnürchen. So einen „Lauf“ glaube hatte ich beim Verreisen noch nie: Der Zug zum Flughafen ist halb leer, für das einchecken des Rucksacks und der Sicherheitskontrolle brauche ich in Summe 10 Minuten und im Flugzeug bleibt der Platz neben mir frei.

    Überpünktlich komme ich in Nantes an. Vier Stunden habe ich nun totzuschlagen. Da ich eigentlich keine Lust habe ins Zentrum zu fahren, mache ich es mir einfach mit meinem Tolino in der Ankunftshalle gemütlich.

    Um 18:00 Uhr werde ich dann gemeinsam mit zwei Frauen von Maude, meiner Blablacar Mitfahrgelegenheit, abgeholt. Ich hab Blablacar auf Empfehlung eines in Frankreich lebenden Freundes das erste mal benutzt. Scheinbar ist die Firma mit Sitz in Frankreich in ihrem Heimatland sehr erfolgreich.

    Wir unterhalten uns ein wenig und ich werde gefragt ob ich schon mal eine galette zum Essen hatte. Meine Italienischkenntnisse aufs französische übertragend (galletto=Hähnchen) bejahe ich und wundere mich was denn nun an einem Hühnchen so besonderes sein soll.

    Erst Tage später komm ich drauf dass galette ein bretonischer Buchweizenpfannkuchen ist...

    Die anderen zwei Mitfahrerinnen steigen schon in Städten entlang des Weges aus, um 21:15 erreiche ich mit Maude die Küste, und sie macht sich etwas Sorgen um mich. Ich bin nun selber ob meines Mutes ohne Buchung einfach in der Dunkelheit mir einen Zeltplatz zu suchen etwas überrascht und eigentlich selbst nicht mehr ganz so sicher, lasse mir aber keine Schwäche anmerken, schultere den Rucksack, verabschiede mich und marschiere mit gespielter Selbstsicherheit los.

    Tatsächlich finde ich nach etwa 200m schon einen Super Platz unterhalb einer Böschung hinter ein paar Bäumen. Das war ja easy. Mein Zelt ist auch schnell aufgestellt und ich schlafe überraschend gut (üblicherweise schlafe ich die erste Nacht im Zelt gar nicht gut).

    Vielleicht war es ja das Meerrauschen das mich einlullt.

    1. Tag
    Samstag, 16.02.2019
    Kerity- Kerguellec (24,1km (70m Anstieg, 60m Abstieg)


    Haferflocken mit Studentenfutter und kaltem Wasser schmeckt tatsächlich ganz gut. Dies ist mein Frühstück nachdem ich mein Zelt in rekordverdächtiger Zeit zusammengapackt habe.


    Streetart in Kerity

    Der Weg bis zur Pointe de la Torch ist ziemlich bebaut, und die meisten der Häuser haben die Rolläden zu. Werden wohl Ferien- und/oder Sommerhäuschen sein.


    Hafen Penmarch


    Denkmal für Schiffbrüchige


    Phare d'Eckmühl


    Plage de Porzh Karn




    Felsen bei Saint Guenole

    Ich schau mir die Pointe de la Torche mit seinen Verteidigungsanlagen aus dem zweiten Weltkrieg (ich glaube es sind Nazi-Bunker) an, und beobachte die Surfer in diesem bekannten Wellenreiter-Hotspot.


    Bunker auf der Pointe de la Torche

    Danach verläuft der Weg zuerst entlang einer schönen Dünenlandschaft und zieht dann einige Teiche umgehend etwas ins Landesinnere. Es wäre möglich den Teil abzukürzen und auf lokalen Wanderwegen am Strand zu bleiben, ich entscheide mich aber auf dem GR34 zu bleiben.


    Dünenlandschaft in der Baie d'Audierne

    Um 14:00 Uhr erreiche ich die Chapelle St. Evy und mach dort eine Mittagspause.


    Steg zur Chapelle St. Evy


    Das ist etwa kein Bach, sondern der Wanderweg. Einer der Nachteile beim Winterwandern in der Bretagne. Durch die vielen Niederschläge gibt es sehr viel Wasser und Matsch


    Betonbau bei Kerguellac direkt am Meer. Ich hab leider keine Ahnung was das ist.



    Um 16:00 Uhr erreiche ich in Kerguellac einen geschlossenen Camping Municipal, der zwar geschlossen, aber von allen Seiten zugänglich ist. Ich bleibe hier um mir eine längere Zeltplatzsuche zu ersparen. Ich habe letztes Jahr am Jakobsweg in Frankreich die Erfahrung gemacht das Franzosen generell sehr freundlich zu Wanderern und Wildcampern sind.

    Auf einem Camping Municipal letztes Jahr galt die Regel dass man sich einrichten soll und um 19:00 Uhr kommt jemand von der Gemeinde den kleinen Obulus kassieren. Als ich die Gemeindeangestellte fragte was denn nun wäre, wäre ich erst um 20:00 Uhr gekommen. Daraufhin zuckte sie nur die Schultern und meinte wär auch egal.

    Und so wird es auch sein, niemand stört mich und bei Einbruch der Dunkelheit lieg ich schon im Schlafsack im Zelt um nicht auszukühlen. Es ist zwar nicht sehr kalt, aber die feuchte Luft und eigentlich ständiger Wind kühlen einen trotzdem aus sobald man nicht mehr geht.


    Mein erster Zeltplatz
    Geändert von adriano (31.03.2019 um 11:58 Uhr)

  3. Moderator
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    AW: [FR] E5 Bretagne, ich komme. Ca. 700km von Point du Raz bis Le Mont Saint Mi

    #3
    Zitat Zitat von adriano Beitrag anzeigen
    Romantisch ist was anders.
    Aber die Landschaft dort gefällt mir, gerade auch zu der Jahreszeit.
    Klar ist überhaupt nichts - aber das dafür umso deutlicher.

  4. Gerne im Forum

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    AW: [FR] E5 Bretagne, ich komme. Ca. 700km von Point du Raz bis Le Mont Saint Mi

    #4
    Da lese ich gerne mit, interessante Tour, zumal um die Jahreszeit! Danke fürs Einstellen.
    Bin gespannt, wie es dir erging.

  5. Anfänger im Forum

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    AW: [FR] E5 Bretagne, ich komme. Ca. 700km von Point du Raz bis Le Mont Saint Mi

    #5
    Romantisch ist was anders.
    Jo, die Romantik bei der Zeltplatzsuche hab ich tatsächlich weit hinten angestellt und eher ganz pragmatisch entschieden.

    Da lese ich gerne mit, interessante Tour, zumal um die Jahreszeit!
    Danke! War für mich auch eine interessante Erfahrung, da es überhaupt meine erste Tour mit einem großen Anteil Wildcampen war und das auch noch im Winter / Frühlingsanfang

    2. Tag
    Sonntag 17.02.2019
    Kerguellec – Mesperleuc 28km
    110m Anstieg, 110m Abstieg


    Ich habe sehr wenig Wasser übrig, also halte ich mich nicht mit Frühstücken auf, sondern packe meine sieben Sachen zusammen und gehe los. Sehr schön zieht der Weg wieder um zwei Teiche herum (Étang de Trunvel, Étang de Kergalan) und zu den Ruinen der Chapelle de Languidou in Plovan





    So langsam werde ich hungrig, durstig und um einen Spatenstich zu vermeiden wäre ein WC auch bald mal hilfreich. Gut dass ich um 12:15 Uhr Penhors erreiche, wo ich eine saubere öffentliche Toilette mit einem wunderbaren Pausenplatz 100m davor finde.

    Dazu an dieser Stelle gleich mal ein hoch auf die französischen Gemeinden. Ich hab keine Ahnung ob es verpflichtend ist, aber jedes Dorf welches auch ein Rathaus besitzt, scheint in der Nähe von diesem, oder in der Nähe der Kirche eine öffentliche Toilette zu haben. Zusätzlich gibt es diese auch noch an Stränden. Das Wasser hat zwar klarerweise keine Wiener Hochquellenwasserqualität, ist aber trinkbar.

    Ich mache an dieser Stelle auch gleich eine etwas längere Pause zum trocknen des Zeltes. Dieses ist in der früh jeden Tag einfach nur richtig nass, egal ob es geregnet hat oder nicht. Auch meine Füße sind wieder nass, da einige der Wege wieder überflutet sind. Manchmal gibt es kleine Ausweichwege, manchmal kann man eine im Wasser stehende Stelle auf Straßen umgehen, und manchmal geht man halt einfach mitten durch.

    Mir wird so langsam klar was die Schwierigkeit bei einer Winterwanderung in der Bretagne wird. Es sind nicht die Temperaturen für sich allein gestellt, die ja dank des Golfstroms gemäßigt sind. Es ist die Kombination aus Luftfeuchtigkeit und eines völlig gesättigten Bodens.

    Mein Weg führt mich weiter entlang der beeindruckenden Baie d'Audierne. Beiendruckend deshalb weil der Wellengang dergestalt ist, dass der Geräuschpegel gewaltig ist. So ein Meeresrauschen hab ich noch nie gehört.


    Strandsegeln ist eine sehr beliebte Sportart hier. Ich hab ganze Schulklassen gesehen. Wird wohl das äquivalent zu den Skiwochen für Schüler sein




    Um 18.00 Uhr beginnt es leicht zu nieseln. Ich finde einen schönen Zeltplatz, der jedoch vom GR34 und einem anderen Pfad kurz einsehbar ist. Ich warte deshalb noch bis zur Abenddämmerung, baue mein Zelt und schlafe wieder ausgezeichnet.
    Geändert von adriano (01.04.2019 um 11:12 Uhr)

  6. Fuchs
    Avatar von blauloke
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    AW: [FR] E5 Bretagne, ich komme. Ca. 700km von Point du Raz bis Le Mont Saint Mi

    #6
    Das verspricht eine tolle Wanderung zu sein auf die du uns mit nimmst.
    Freue mich auf die Fortsetzung.
    Du kannst reisen so weit du willst, dich selber nimmst du immer mit.

  7. Anfänger im Forum

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    AW: [FR] E5 Bretagne, ich komme. Ca. 700km von Point du Raz bis Le Mont Saint Mi

    #7
    Zitat Zitat von blauloke Beitrag anzeigen
    Das verspricht eine tolle Wanderung zu sein auf die du uns mit nimmst.
    Freue mich auf die Fortsetzung.
    Vielen Dank!

    3. Tag
    Montag, 18.02.2019
    Mesperleuc – Primelin
    16,4 km
    100m Aufstieg, 60m Abstieg

    Am Morgen regnet es. Ich ziehe mich komplett mit Regenklamotten im Zelt an, pack alles bevor ich das Zelt verlasse und stopfe dieses dann noch schnell in den Rucksack und gehe weiter.

    Ich habe mich für diese Tour für Regenjacke und -hose entschieden. Am Jakobsweg habe ich meist den Poncho mit, aber da bin ich auch mit Freundin unterwegs. Und die brauch ich, ich hab nämlich die Erfahrung gemacht, dass meine Versuche ohne Hilfe in den Poncho zu kommen in Slapstick ausarten und bis er angezogen ist bin ich meist schon waschelnass und es hat zum Regnen aufgehört hat.

    Ich weiß von einer Gite eine halbe Tagesetappe in Primelin und entscheide mich dort zu nächtigen. Einmal alles richtig trocknen und waschen. Ansonsten bin ich jedoch mit meinem Regenschutzsystem zufrieden. Müllsack im Rucksack für Schlafsack, Kleidung und Zelt (falls trocken, sonst kommt es über den Müllsack), zusätzlich trotzdem noch eine Rucksackhülle und wie schon erwähnt meine Regenklamotten.

    Leider pack ich Handy und Kamera bei Regen in einen Ziplock Beutel, und mach dadurch sehr wenig Fotos.

    Um 11.00 bin ich in Audierne. Ich finde die Stadt recht hübsch. Hier wollt ich mich eigentlich auf die Suche nach einer Gaskartusche machen, aber es regnet und ich hab keinen Bock auf Umwege in die Gassen hinein, und direkt am Hafenweg gibt es nichts.




    Von Audierne bis Primelin folgt der mir bisher liebste Teil der Wanderung. Die Häuser sind etwas weiter ins Landesinnere gerückt, und die Küstenlandschaft schaut naturbelassener aus.



    Die Pfade liegen nach Audierne weiter von Wohgebiet weg


    Um 13:30 bin ich bei der Gite. Irgendwie hab ich das Gefühl ich sollte noch weitergehen, weil ich eigentlich gar keinen halben Ruhetag benötige. Das Gefühl verfliegt aber bald als ich merke ich werde die Gite ganz für mich haben. Große Küche, Waschmaschine und Trockner stehen mir zur Verfügung und 1.7km die Straße entlang gibt es einen großen Supermarkt.

    So wird es ein sehr gemütlicher Nachmittag und Abend
    Geändert von adriano (03.04.2019 um 09:58 Uhr)

  8. Anfänger im Forum

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    AW: [FR] E5 Bretagne, ich komme. Ca. 700km von Point du Raz bis Le Mont Saint Mi

    #8
    4. Tag
    Dienstag 19.02.2019
    Primelin – Keriolet
    21,3 km (270m Anstieg, 260m Abstieg)



    Der Weg wird traumhaft schön, der Pfad immer schmäler und ausgesetzter, es gibt jetzt sogar so einige Stellen bei denen man besser nicht ausrutschen und nach links fallen sollte. Ich würde von mir selbst behaupten zwar halbwegs schwindelfrei zu sein, aber nicht 100% trittsicher. Soll heissen bis jetzt hats mich noch auf jeder längeren Tour mal auf die Schnauze gehaut. Finds zwar immer demütigend wenn Trailrunner bei mir vorbeisprinten als ob nichts wäre, aber ich konzentrier mich um nicht bei den Fischen zu landen.

    Ich will jetzt nicht den Eindruck erwecken als wäre der Weg sehr schwierig und gefährlich. Aber man hat halt genug Zeit, alle Szenarien durchzuspielen, was passiert wenn man an gewissen Stellen ausrutscht wenn man so den ganzen Tag vor sich dahinstrawanzt.

    Was es heute sicher leichter macht ist das traumhaft schöne Wetter. Ich kann es gar nicht glauben. Die Landschaft wirkt gleich so viel bunter.




    Am letzten Bild sieht man zwischen Abfallender Küste und Plateau den Weg genau dazwischen. Wenn man da entlangwandert hat man das Gefühl durch ruhige Natur zu wandern, selbst wenn es 500m weiter im Landesinneren eine Siedlung geben würde


    Zu Mittag erreiche ich den Startpunkt des E5, den Pointe du Raz. Ich finde nirgends einen Hinweis, dass es hier los gehen soll, also beschließe ich für mich dem Schiffbrüchigendenkmal eine zweite Bedeutung zu geben. Es soll auch mein inoffizieller Startpunkt sein.


    Pointe du Raz schon in Sichtweite


    Pointe du Raz


    Menschenansammlung am Pointe du Raz


    Startpunkt E5



    Ich merke dass ich schon seit 3 1/2 Tagen alleine unterwegs bin und sehr wenig mit anderen Menschen spreche, weil sich meine Gedanken anfangen zu verselbstständigen und um bestimmte Themen zu Kreisen.

    Ein paar Stunden beschäftigt mich zum Beispiel das Thema ob es notwendig ist den E5 zu markieren wenn er wie in Frankreich eh schon durch Departmentübergrefende Wanderwege markiert ist. Eigentlich ja nicht mehr, denn der Weg ist ja nur eine Idee und musste nicht eigens angelegt werden. Andererseits kann sich eine Idee vielleicht besser durchsetzen wenn auf sie nicht nur im Netz hingewiesen wird sondern es auch haptisch greifbare Schilder gibt. Muss ja nicht durchgehend sein, aber so ab und an... Ich werde durch eine Begegnung ein paar Tage später zu einer Entscheidung kommen, dazu dann aber mehr.


    Der Weg ist ausgezeichnet markiert. Ich brauche meine Karten eigentlich lediglich mal dazu um zu schauen wo das nächste Dorf oder der nächste Parkplatz im Landesinneren liegt.

    Ich esse am Pointe du Raz in einem windstillen Rasthäuschen und bemerke eine weitere Eigenschaft von Touristenströmen in der Bretagne die sich bis zum Schluss durchziehen wird: Generell ist der Küstenpfad so gut wie menschenleer (bis jetzt sind ab und an Trailrunner unterwegs, und ich vermute ab Frühling dann doch mehr Wanderer). Es gibt aber so einige Points of Interest wie eben den Pointe du Raz. Dort führt dann meist ein Parkplatz hin und man kann davon ausgehen dass es in einem kleinen Umkreis um die Sehenswürdigkeit einen Menschenauflauf gibt. Sobald man aber wieder ein paar Meter Abseits ist hat man wieder seine Ruhe.

    So gehe ich nach der Pause gleich mal weiter und habe bis am Abend wunderschöne Küstenlandschaften ganz für mich alleine.

    Irgendwo bei Keriolet habe ich bei Dämmerung noch keinen passenden Zeltplatz gefunden. Es geht die meiste Zeit links steil runter ins Meer und rechts steil rauf. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit finde ich dann doch noch ein zwei qm großes ebenes Plätzchen direkt am Weg. Da stell ich mich einfach auf und schlafe bei Meeresrauschen ein.
    Geändert von adriano (04.04.2019 um 09:38 Uhr)

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    AW: [FR] E5 Bretagne, ich komme. Ca. 700km von Point du Raz bis Le Mont Saint Mi

    #9
    Vielen Dank für diesen, bislang sehr lesenswerten Bericht! Nachdem ich in den letzten Jahren mehrmals arbeitsbedingt in der Bretagne war, hatte ich mir schon mal genau so eine Wanderung zurecht gesponnen - Dein Bericht zeigt, dass das keine dumme Idee ist

    Es gibt aber so einige Points of Interest wie eben den Pointe du Raz. Dort führt dann meist ein Parkplatz hin und man kann davon ausgehen dass es in einem kleinen Umkreis um die Sehenswürdigkeit einen Menschenauflauf gibt. Sobald man aber wieder ein paar Meter Abseits ist hat man wieder seine Ruhe.
    Ich war zwar noch nicht in der absoluten Hauptsaison dort, aber das habe ich auch so empfunden (zB am Pointe de Penhir oder am Cap de la Chèvre): sobald sich mehr als einen halben oder ganzen Kilometer von den Parkplätzen entfernt, wird es erstaunlich ruhig um diese Hotspots.

  10. AW: [FR] E5 Bretagne, ich komme. Ca. 700km von Point du Raz bis Le Mont Saint Mi

    #10
    Pointe du Raz erreicht, ab jetzt hast du einen ständigen Begleiter bis Venedig. Ich bin gespannt, ob du noch in diesem Jahr deine Füße im Wasser der Adria baden wirst.

    Die Bretange kenne ich auch nur von März und April als menschenleere Landschaft mit einsamen Küstenwegen. Den Hinweis auf den E5 habe ich auch gesucht und nicht gefunden. Frankreich ist nicht besonders fleißig, wenn es um Hinweisschilder für die E-Wege geht. Spanien übrigens auch nicht. Am Kap Finisterre, dem zweiten Ende des Jakobswegs und Anfang/Ende des E3, sucht man ebenfalls vergeblich nach einem Hinweis auf diese mehr als 7.500 km lange Route.
    Geändert von Werner Hohn (04.04.2019 um 16:05 Uhr) Grund: Korrektur: Der Jakobsweg endet in Santiago.
    .

  11. AW: [FR] E5 Bretagne, ich komme. Ca. 700km von Point du Raz bis Le Mont Saint Mi

    #11
    Hallo,

    ich lese auch interessiert mit. Kenne die Gegend noch gar nicht und werde sicher auch kein Zeltbewohner mehr, aber schön ist es trotzdem. Frankreich ist so vielfältig! Danke auch für den Link zum Bretagne-Artikel - toll geschrieben!

    LG,
    Babs

  12. Anfänger im Forum

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    AW: [FR] E5 Bretagne, ich komme. Ca. 700km von Point du Raz bis Le Mont Saint Mi

    #12
    Vielen Dank für die Kommentare.

    @Werner: Danke auch für deine ganzen Beiträgen zu den E-Wegen sowie Jakobswegen. Dieses Interesse teilen wir auf jeden Fall

    5. Tag
    Mittwoch, 20.02.2019
    Keriolet – Kermaden am Rasthäuschen
    16,9 km (190m im Anstieg, 170m im Abstieg)


    Die Morgenroutine passt. 30 Minuten brauch ich vom Aufwachen bis zum los gehen. Aber leider ist mir in der Nacht ein Missgeschick passiert. Ich habe meine letzte halb gefüllte Wasserflasche nicht richtig geschlossen und sie ist ausgelaufen, und so habe ich jetzt nur noch so ca. 200cl. Na ja, irgendwann muss ich dann halt vom Pfad ab zu einem Parkplatz oder einem Dorf im Landesinneren. Gerade hier ist das etwas ungünstig weil es direkt am Weg nichts gibt.


    Morgenstimmung

    Der Weg ist wunderschön und oft ausgesetzt. Im Gegensatz zur Südseite des Cap-Sizun sind die Klippen höher und die Wohngebiete ab ca. 1km im Landesinneren. Alles in allem eine sehr pittoreske Angelegenheit, und man kommt bei zahlreichen Pointes vorbei: Pointe de Castelmeur, Pointe de Brézellec, Pointe de Kerhano, Pointe de Penharn und dadurch auch an vielen kleinen Stränden, Buchten, Häfen die dazwischenliegen






    So langsam wird das mit dem Wasser aber ein Problem, welches es zu lösen gilt. Ich habe zwar zur Sicherheit Micropur Forte mit, aber ich traue den kleinen Meereszuflüssen überhaupt nicht, weil im Landesinneren Landwirtschaft betrieben wird und ich keine Ahnung habe wo die Quellen liegen könnten und wo die Bächlein vorher noch überall vorbeifließen.

    Die Auf- und Abstiege summieren sich auch. Laut Komoot sind es nur 190m im Aufstieg und 170m im Abstieg heute. Es fühlt sich aber definitiv nach mehr an. Pointe runter zu einer Bucht und auf der anderen Seite wieder rauf, dann wieder runter und wieder rauf. Vielleicht fühlt es sich so streng an weil es nur so kurze Auf- und Abstiege sind.

    Am frühen Nachmittag komme ich zu einem Schild das ins Landesinnere zeigt, mit Hinweis auf ein kleines Lebensmittelgeschäft und eine kleine Bar. Laut google maps hat die Ortschaft auch eine Kirche – also sollte Trinkwasser auch vorhanden sein. Leider ist das Dorf aber 2,8 km im Landesinneren, macht in Summe 5,6km.

    Na gut es scheint wirklich dann wieder etwas länger nichts zu geben und ich habe schon seit ein paar Stunden kein Wasser mehr. Also nimm ich den Umweg in Kauf. Ein Cola und ein bisschen frisches Gemüse als Ergänzung zu meinem Salamibrot wären auch super. Dann vielleicht noch einen Kaffee in der Bar.

    Angekommen werde ich dann aus meinen Träumen gerissen. Die Bar ist im Winter zu. Das Lebensmittelgeschäft wird umgebaut und ist ebenfalls zu. Die Kirche und der Kirchenplatz sind eine riesige Baustelle. Dort wird wohl auch das öffentliche WC mit Trinkwasser gewesen sein.

    Na gut, ohne Wasser verlass ich das Dorf nicht. Und so spreche ich einen der Bauarbeiter an ob er denn „eau potable“ hätte. Er schaut etwas verwirrt und muss tatsächlich seinen Vorarbeiter fragen und der sagt dann nur ein Wort das dem italienischen Wort für Wasserhahn ähnelt und ich bejahe.
    Ich werde in die Baustelle zu einem Wasserhahn mit köstlichem H2O geführt.

    Nach einer Mittagspause inklusive kurzer Siesta mach ich mich wieder zurück zum GR34 und finde nach ein paar Metern einen wunderschönen Rastplatz mit Rasthäuschen für Wanderer. Davor und dahinter eine ebene Wiese. Es ist zwar erst 15.00 Uhr, aber ein schöneres Plätzchen werde ich wohl nicht finden und entscheide hier zu bleiben

    Ich überlege auch kurz ob ich auf dem Boden im Haus schlafen soll, fühl mich dann aber doch im Zelt wohler. Ich will wie üblich bis zur Dämmerung warten, packe aber schon mal alles aus dem Rucksack und hänge das Zelt zum trocknen auf.

    Kurz vor der Dämmerung kommen zwei ältere Damen vorbei. Jetzt bin ich mal gespannt wie sie reagieren werden. Ich grüße sehr freundlich und komme ins Gespräch. Tatsächlich freuen sie sich dass ich in ihrer Gemeinde bei ihrem schönen Rasthäuschen übernachte. Sie erzählen mir dass dies früher ein kleiner Hof war, der nach dem Tod des Besitzers ziemlich verfallen ist und dann von einem Dorfverein renoviert wurde und als Wanderrast hergerichtet.


    Rastplatz Ti Felix

  13. Moderator
    Alter Hase
    Avatar von ronaldo
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    AW: [FR] E5 Bretagne, ich komme. Ca. 700km von Point du Raz bis Le Mont Saint Mi

    #13
    Vielen Dank für einen ordentlichen Nostalgieschub, die Cornouaille kenne ich wie meine Westentasche, war leider schon lang nicht mehr da. Definitiv eine der schönsten Ecken Frankreichs.
    Bin gespannt wie es weitergeht, v.a. wie du die Nordküste findest.

  14. Anfänger im Forum

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    AW: [FR] E5 Bretagne, ich komme. Ca. 700km von Point du Raz bis Le Mont Saint Mi

    #14
    Zitat Zitat von ronaldo Beitrag anzeigen
    Vielen Dank für einen ordentlichen Nostalgieschub, die Cornouaille kenne ich wie meine Westentasche, war leider schon lang nicht mehr da. Definitiv eine der schönsten Ecken Frankreichs.
    Bin gespannt wie es weitergeht, v.a. wie du die Nordküste findest.
    Danke! Wenn mich jemand z.B. fragen würde welchen Teil ich für ein paar Tage Küstenwanderung und evtl. einer kleinen Stadtbesichtigung empfehlen würde, wäre ein Tip auf jeden Fall vom Pointe du Raz bis Douarnenez und anschließend noch 1-2 Tage in dieser wunderschönen kleinen Stadt verbringen. Aber etwas mehr zu Douarnenez gibts morgen.

    6. Tag
    Donnerstag, 21.02.2019
    Kermaden am Rasthäuschen – nach Pointe du Millier
    17,5km (210m im Anstieg, 230m im Abstieg)



    Zeltabbau im Morgengrauen


    Morgenstimmung

    Der Weg verläuft recht anspruchsvoll, zum Teil ausgesetzt und mit einigen Steigungen und Abstiegen. Die Ausblicke sind wunderschön, und ich bin von der Nordküste des Cap Sizun einfach nur beigeistert.






    Man kennt es ja wenn man sich in der Vorbereitung eine etwas idealisierte Vorstellung von der Landschaft macht durch die man wandert. Nun, dieser Teil deckt sich genau mit dieser Vorstellung.

    Kurz vor 13:00 Uhr kommt mir eine Frau mit ihrem Hund am Weg entgegen und wir kommen ins Gespräch. Sie sagt mir auch, dass es oberhalb der nächsten Bucht einen Parkplatz mit Wasseranschluss gibt. Sie steht dort mit ihrem Camper und wird mir gefiltertes Wasser geben. Sie erklärt mir, dass die meisten Bretonen kein Leitungswasser trinken. Einige verwenden Filter um das Wasser vom Chlorgeschmack zu befreien, andere wiederum kaufen sich ihr Trinkwasser im Supermarkt. So krieg ich von ihr 3 liter gefiltertes Wasser. Ich verstehe nun auch warum der Bauarbeiter in Goulien auf meine Frage nach Trinkwasser nicht gleich wusste wie er mir helfen kann.

    Wir reden auch kurz über ihren Campingbus. Sie bestätigt mir meine Beobachtung dass in Frankreich campen extrem beliebt ist, und es in der Bretagne auch sehr viele Parkplätze für Campingbusse gibt. Sie macht damit einfach oft auch nur zweitägige Touren am Wochenende.


    Pointe de Kastel Koz, oberhalb befindet sich ein Parkplatz mit Toilette und Trinkwasser

    Am Nachmittag habe ich noch eine nette Begegnung. Ein Mann fragt mich wohin ich gehe, und ich erkläre ihm, dass ich dem E5 folge, und mache mich schon bereit ihm zu erklären was denn der E5 überhaupt ist. Er schaut aber gleich sehr erstaunt drein, und erzählt mir dass er vor einer halben Stunde mit seiner Frau darüber gesprochen hat im Ruhestand den E5 nach Venedig zu gehen.

    Die heutigen zwei Begegnungen waren die ersten etwas längeren Gespräche der letzten 6 Tage. Erkenntnis: Ich bin kein Einsiedler. Ich mag Menschen und ich merke gerade wie mir etwas mehr Kontakt zu anderen gleich gut tut.

    Am Abend komme ich bei der Pointe de Millet und dem dazugehörigen Leuchtturm vorbei. Etwas im Landesinneren befindet sich eine schöne Wassermühle, Le moulin de Keriolet. Zuerst schaue ich mir die dazugehörigen Parkplätze an, ob ich dort irgendwo mein Zelt platzieren könnte, aber es ist mir zu viel los. Ich laufe etwas weiter, und lande wohl an einem der schönsten Plätze der ganzen Tour ziemlich nah an einer Klippe.


    Leuchtturm bei der Pointe du Millier, der eigentliche Leuchtturm ist auf der Meeresseite ins Leuchtwärterhäuschen eingebettet




    Eine sehr helle und klare Nacht

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    Avatar von kletterling
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    AW: [FR] E5 Bretagne, ich komme. Ca. 700km von Point du Raz bis Le Mont Saint Mi

    #15
    Danke für den schönen Bericht bisher! Ich lese begeistert mit. Die Ecke werd ich mit der Familie im Sommer besuchen und mir da den GR34 genauer anschauen, der reizt mich schon länger.

  16. Fuchs
    Avatar von Wafer
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    AW: [FR] E5 Bretagne, ich komme. Ca. 700km von Point du Raz bis Le Mont Saint Mi

    #16
    Hallo Adriano.

    Ich lese hier schon eine Weile mit. Eigentlich aus 2 Gründen: Zum Einen habe ich sehr viel Zeit in Frankreich zugebracht. In Summe ca. 4 Jahre. In der Zeit war ich viel in Frankreich unterwegs und war auch in der Bretagne. Die "raue" Landschaft hat mir schon immer gut gefallen. Daher bin ich gespannt auf mehr! Und das was ich hier bisher gesehen habe gefällt mir sehr gut. Also weiter so! Zum Anderen bin ich auch auf dem E5 unterwegs. Aber in der anderen Richtung. Aber wie der Titel schon andeutet habe ich nicht vor es in Obersdorf gut sein zu lassen. Ich will weiter. Auch wegen meiner Vergangenheit in Frankreich. Daher interessiert mich dein Bericht natürlich noch mehr. Und mit dem Mont Saint Michel hast du ein würdiges Abschlussziel für diese Etappe gewählt. Aber das sind noch ein paar spannende Km bis dorthin. Ich könnte mir aber gut vorstellen, dass du den Weg irgendwann weiter gehen wirst. Planst du sowas?

    Viel Spaß noch damit! Gruß

    Wafer

  17. Anfänger im Forum

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    AW: [FR] E5 Bretagne, ich komme. Ca. 700km von Point du Raz bis Le Mont Saint Mi

    #17
    Zitat Zitat von kletterling Beitrag anzeigen
    Danke für den schönen Bericht bisher! Ich lese begeistert mit. Die Ecke werd ich mit der Familie im Sommer besuchen und mir da den GR34 genauer anschauen, der reizt mich schon länger.
    Kann ich echt nur empfehlen.

    @Wafer
    Ich habe natürlich deinen E5 Resebericht schon längst gelesen und ja, ich habe geplant weiterzugehen. Habe jetzt beruflich so einiges zu erledigen, aber ich vermute mal dass es Mitte Mai weitergeht.

    7. Tag
    Freitag 22.02.2019
    nach Pointe du Millier – Douarnenez
    15,7km (160m im Anstieg, 170m im Abstieg)


    Ist es, weil ich mir einen Ruhetag in Douarnenez vorgenommen habe, oder weil ich wirklich nicht mehr kann? Ich fühle mich schlapp und ehrlich gesagt ziemlich am Ende. Jeder kleine Aufstieg aus einer Bucht strengt mich extrem an. Ich hab zu wenig Wasser um mir meine Haferflocken zuzubereiten, also gibt’s mal nur Studentenfutter. Ich könnte ein paar mal in kleinere Dörfer abbiegen, aber das zahlt sich bei der heutigen kurzen Etappe nicht aus. Besser früh in der Gite sein und so quasi 1 ½ Ruhetage daraus machen.


    Über diese Steinblöcke bin ich tatsächlich nicht drüber gekommen. Es war extrem glitschig (Wasser und so eine dünne schleimige Moosschicht) und ich glaub wenn ich da ausrutsche breche ich mir was. Ich hab dann aber Spuren anderer Wanderer gefunden die sich ebenfalls durch die Büsche geschlagen haben und eine bessere Stelle gefunden. Ich vermute mal dass das Bächlein im Sommer weniger Wasser führt und die Steine dann auch trocken sind




    Der Küstenabschnitt kurz vor Douarnenez wird recht ruppig und felsig, und man muss schon mal die Hände zu Hilfe nehmen bei ganz kurzen Passagen


    Douarnenez in Sichtweite

    In Douarnenez angekommen gehe ich zur Gemeinde, die bei einer Gemeindeunterkunft ja zuständig für das einchecken sein sollte (auch laut Internet). Die dort zuständige Dame weiss zwar was ich will aber nicht wirklich wie sie mir helfen kann. Sie ruft wo an und sagt mir in der Gite würde niemand abheben. Ich soll doch einfach hingehen und schauen ob wer da ist.

    Kommt mir komisch vor. Normalerweise ist ja niemand vor Ort und wer von der Gemeinde schaut irgendwann bei der Unterkunft vorbei. Ist in diesem Fall tatsächlich anders. Die Gite ist eine Ansammlung alter Fischerhäuschen inklusive eines Biobauernhofes der besichtigt werden kann und hat einen ständigen Empfang mit Personal vor Ort.

    Ich hatte mich fast schon darauf gefasst gemacht, dass die Gite im Winter vielleicht doch außer Betrieb ist, und nun bin ich in einem wunderschönen Häuschen mit zwei Schlaflagern und Küche untergebracht.

    Ich teile mir die Unterkunft mit einem jungen Paar aus Lille. Am Nachmittag erledige ich Einkäufe, wasche meine Klamotten und auch mich selbst.






    Am Abend verbringen wir ein paar angenehme Stunden in der Küche der Gite. Die zwei können auch echt gut englisch und wir sprechen über alles mögliche. Ich lass mir erklären was es mit den unendlich vielen Créperies auf sich hat und zu welchen Gelegenheiten man sie ist (im Prinzip immer und in allen Varianten, und am nächsten Tag kalt. Heute check ich auch endlich was eine galette ist), sie lassen mich von ihrem Kouign amann Kuchen kosten den ich bisher noch gar nicht kannte.

    Sie teilen mit mir eine Dose Sardinen und die Käseplatte. Empfehlen mir für morgen eine Conserverie, eine Patisserie und noch so einiges mehr

    Ich habe am Nachmittag ein Sixpack bretnonisches Bier mitgenommen, den ich dann noch anbiete.
    So sitzen wir noch etwas in der Küche, reden über vieles – von der Armut in der Provinz Nor aus der sie kommen und der der Flamen generell bis über die aktuelle Situation und den Protesten gegen die Regierung.

    Es war sehr schön nach einer Woche mal so einen Abend zu verbringen.

    8. Tag
    Samstag, 23.02.2019
    Ruhetag in Douarnenez


    Den Tag verbringe ich mit etwas Sightseeing, auffrischen meines Proviants, der erfolglosen Suche nach einer Gaskartusche. Ich werde von Geschäft zu Geschäft geschickt und nirgends gibt es was. Ich pfeife dann irgend wann drauf, da ich mit kaltem Essen eigentlich gut zurecht komme. Und wenn ich wirklich mal was warmes will bin ich ja nicht von der Welt, sondern muss halt mal in ein Lokal.

    Die Stadt ist wirklich sehr schön. Es gibt einiges zu sehen. Drei Häfen, Conserverien, die kleine Ile de Tristan, ein Hafenmuseum, eine schöne Markthalle und sicher noch einiges mehr.


    Ile Tristan


    Pêche à pied bei Ebbe im Hafen von Douarnenez


    Es gibt unzählige Marken und Geschmacksvariationen an Konservendosen. Auch die grafische Gestaltung der Dosen kommt oft einem kleinen Kunstwerk gleich


  18. Moderator
    Alter Hase
    Avatar von ronaldo
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    AW: [FR] E5 Bretagne, ich komme. Ca. 700km von Point du Raz bis Le Mont Saint Mi

    #18
    Kouign amann!
    Da brauchst für den Rest des Tages nix mehr...

  19. Anfänger im Forum

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    AW: [FR] E5 Bretagne, ich komme. Ca. 700km von Point du Raz bis Le Mont Saint Mi

    #19
    Zitat Zitat von ronaldo Beitrag anzeigen
    Kouign amann!
    Da brauchst für den Rest des Tages nix mehr...
    ja, für Leser die den Kuchen nicht kennen hier die Zutatenliste für einen Kuchen für 6 Personen:

    300 g Mehl
    200 g Zucker
    50g Butter und 50g Puderzucker
    210 g streichfähige halbsalzige Butter
    10 g Backhefe



    Mir wurde erzählt dass diese Kalorienbombe Fischern auf mehrtägigen Ausfahrten mitgegeben wurde, da er sich recht lange hält und sehr kalorienreich ist. Ich weiss nicht ob die Geschichte stimmt, aber hört sich ganz vernünftig an.

    Aber nun weititer zum

    9. Tag
    Sonntag, 24.02.2019
    Douarnenez – Wald bei Kergoat Come
    26,1 km (300m Aufstieg, 200m Abstieg)


    Ich packe gaaanz gaaaanz langsam und ordentlich so als würde ich versuchen den Aufbruch aus dieser schönen Gite absichtlich rauszuzögern. Kurz vor 9 Uhr mach ich mich dann doch auf die Socken.

    Ich komme an einem antiken Hafen vorbei bei dem noch die Grundmauern einer römische „Fischfakbrik“ stehen und bald darauf bin ich bei den letzten Häusern des Einzugsgebiets von Douarnenez.


    Die Strasse raus aus Douarnenez. Sie führt auch vorbei am antiken Hafen, und ich vermute es könnte sich hier noch um eine alte Römerstraße handeln.


    Blick zurück auf Douarnenez


    Plage du Ry


    Plage de Trezmalaouen


    Mein letztes Stück Küstenpfad für längere Zeit

    Man merkt, dass es ein schöner Sonntag ist. Auf den Plages des Weges ist sehr viel los, und scheinbar dürfen heute alle Hunde der Gegend Gassi gehen.

    Am meisten los ist zwischen der Plage de Lestrevet und der Plage de Pentrez. Ich bin gerade bei Ebbe dort und der lange Sandstrand wird regelrecht gestürmt. Scheint fast so als würde der Bretone solch schönes und untypisches Wetter für die Jahreszeit voll ausnutzen.



    Bei Pentrez wechsle ich um 14:50 auf den GR37. Die Markierung fehlt und ich schaff es irgendwie die falsche Straße zu nehmen, aber dank App mit gps bin ich gleich mal wieder richtig. Es ist ein sehr eigentartiges Gefühl das Meer zu verlassen. Hab mich schon an den Anblick und an das Meeresrauschen so gewöhnt, dass es mir jetzt abgeht.


    Das Landesinnere, sehr stark von Landwirtschaft geprägt

    Gegen 17.00 Uhr sehe ich Saint Nic rechterhand und beschließe einfach so lange weiter zu gehen bis ich einen geeignetes Zeltplatz finde. Ca 1km vor dem Hof Kergoat Come finde ich diesen in einem Stück Wald.

    Ich glaub das ist meine erste Zeltübernachtung in einem Wald seit 21 Jahren. Ich lausche etwas den Geräuschen in der Dunkelheit, schlafe bald ein und träume von bretonischen Wildschweinen.

  20. Anfänger im Forum

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    AW: [FR] E5 Bretagne, ich komme. Ca. 700km von Point du Raz bis Le Mont Saint Mi

    #20
    10. Tag
    Montag, 25.02.2019
    Wald bei Kergoat Come - Le Faou
    25,3km (500m Aufstieg, 630m Abstieg)



    Morgenstimmung im Wald

    Die Markierungen des GR37 stimmen erst ab Le Faou wieder 100%ig. Aber eigentlich kein Problem, da mein erstes Ziel für heute, der Menez Hom, schon von weitem sichtbar ist. Ich erreiche ihn um 10 Uhr über wunderschöne baumlose Landschaften. Es erinnert mich hier sogar ein bisschen an meinen Shetland Urlaub. Ich habe eine wunderbare Fernsicht von dort oben, obwohl er nur 330m hoch ist. Damit ist es trotzdem die höchste Erhebung in der Bretagne außerhalb der etwas nordöstlicher gelegenen Monts d'Arret (welche ich auch duchqueren werde).


    Nebengipfel des Menez Hom, man sieht auch schön den Pfad dem ich gefolgt bin


    Blick vom Nebengipfel zum Menez Hom


    Menez Hom, Blickrichtung NNW, man sieht mittig hinten die Pont de Térénz


    Menez Hom

    Natürlich ragen sich um den Menez Home jede Menge (keltische) Legenden, es gibt auf einer Seite auch einen Dolmen. Im Sommer werden hier immer wieder Konzerte gegeben.

    Von dort oben sehe ich tatsächlich schon mein nächstes Zwischenziel, Pont de Térénez, eine Brücke die sich über die Bucht von Brest spannt. Theoretisch bin ich dort wieder am Atlantik, fühlt sich aber mehr wie eine kurze Flusswanderung an. Ich kann am Weg immer wieder einer gelb roten Markierung folgen bis ich kurz vor der Brücke wieder auf den GR34 stoße der mich bis Le Faou begleiten wird.


    Nachdem man die ersten Höhenmeter baumlos runtergeht, kommt man zu diesem schönen Pfad


    Pont de Térénez

    Von hier zieht es sich noch etwas bis Le Faou, ich muss an jeder Menge Äcker und Wiesen vorbei. Auch einige kleine Wälder sind dabei. Kurz vor 17.00 Uhr erreiche ich Le Faou und schlafe am dortigen Camping naturelle.


    Erster Blick auf Le Faou


    Kirche in Le Faou

    Wie man auf den Fotos sehen kann ist das Wetter wieder wunderschön. Ich habe mit dem Wetter bisher unglaubliches Glück.
    Geändert von adriano (08.04.2019 um 10:53 Uhr)

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