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  1. Anfänger im Forum

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    AW: [FR] E5 Bretagne, ich komme. Ca. 700km von Point du Raz bis Le Mont Saint Mi

    #21
    Mitreisende: adriano
    11. Tag
    Dienstag, 26.02.2019
    Le Faou – St. Rivoal
    30,4 km (620m Aufstieg, 450m Abstieg)



    Guten Morgen

    Die Nacht war sehr kalt, das Außenzelt ist von Eis überzogen. Ich beeile mich beim packen um schnell warm zu werden. Ich will heute nach Saint Rivoal in eine Gemeinde-Herberge, das sind 30,4km und ich möchte vor 17:00 Uhr dort sein, da die Gemeinde dann zusperrt. Gerade am Anfang ist der Weg heute nicht der Hit, vorbei an Industriegelände, aber es wird laufend besser und es geht dann entlang von Forststraßen durch schöne große Waldgebiete durch.







    Oft geht es auch auf Pfaden neben Äcker vorbei. Die Abgrenzungen sind interessant. Es scheint als wären das einfach die Schnittreste von Hecken die dort über Jahre (Jahrzehnte?) aufgestapelt werden und so langsam wieder zu Erde werden. Hat sowas einen Namen? Vielleicht weiss das ja jemand von Euch.





    Es wird extrem matschig. Die Wanderwege werden hier von den Landwirten zum Teil mit großen Maschinen befahren und verschlammen die Wege. Manchmal gibt es kleine Quellen und/oder Sümpfe die den Weg überspielen. Auf jeden Fall stapfe ich sehr oft knöcheltief durch Matsch.



    Zum Teil gibt es neben den Pfaden Bewässerungskanäle für die Äcker, die jedoch zu viel Wasser führen und einfach über in den Wanderweg schwappen und diesen mit runterfließen.

    Auf jeden Fall schaffe ich es bei schönstem Wetter dauernd nasse Füße zu haben.

    Die nächsten Tage soll Schluss sein mit meinem Glück und eine mehrwöchige Regenperiode beginnen. Ich bin schon gespannt wie ich da dann durch komme.

    Heute habe ich meine erste Begegnung mit Hofhunden, was ja auch kein Wunder ist da die Wege jetzt sehr oft an Bauernhöfen vorbeigehen. Bellend werde ich die Straße mit 2m Abstand von 2 Hunden begleitet bis ich außer Sichtweite des Hofes bin. Ich hab mich an solche Begegnungen mittlerweile etwas gewöhnt und bin noch recht entspannt.

    Früher bin ich in solchen Situationen sehr oft erstarrt, doch mittlerweile bin ich da relativ sicher und kann weitergehen.

    Dieser Reisebericht basiert auf ein Tagebuch welches ich täglich geschrieben habe. Der obere Eintrag über Hunde wird sich in ein paar Tagen relativieren.

    Weiter geht es durch die Foret Domaniale de Carnou. Ein recht großer schöner Wald der dem Staat gehört.


    Sind das Holsteinrinder? Bisher auf jeden Fall die am häufigsten draußen anzutreffende Rinderrasse

    Um 16:30 bin ich in St. Rivoal und bekomme auf der Gemeinde den Gite-Schlüssel. Sie ist wieder wunderschön, und es gibt einen Holzofen. Der Dorfladen hat nur zwei mal die Woche ab 16:00 Uhr offen, und ich habe Glück denn er hat genau heute offen. Mir gefällt es so gut, dass ich beschließe viel zu früh wieder einen Pausentag einzulegen.

    Die Gemeinde hat nur 170 Einwohner. Im Dorfladen treffe ich einige von ihnen und komme mit einem Mann ins Sprechen. Es haben sich hier tatsächlich viele junge Menschen zwischen 25 und 35 angesiedelt, und viele davon haben Kinder. Es gibt den Dorfladen (ausschließlich mit Produkten von den Bauernhöfen der Gemeinde), eine Bibliothek, ein Restaurant/Bar und einen Gemeindesaal mit vielen Veranstaltungen.

    Ein wirklich schöner Gegensatz zu all den kleinen Gemeinden in denen es keine Infrastruktur mehr gibt.


    12. Tag
    Mittwoch, 27.02.2019
    Ruhetag in St. Rivoal


    Ich mach nichts anderes als dauernd Holz in den Ofen nachzulegen, zu lesen und essen.
    Schön wars.

    Geändert von adriano (09.04.2019 um 11:58 Uhr)

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    AW: [FR] E5 Bretagne, ich komme. Ca. 700km von Point du Raz bis Le Mont Saint Mi

    #22
    Zitat Zitat von adriano Beitrag anzeigen
    Gerade am Anfang ist der Weg heute nicht der Hit, vorbei an Industriegelände, aber es wird laufend besser und es geht dann entlang von Forststraßen durch schöne große Waldgebiete durch.
    Bist Du genau diese Route gegangen, inkl. der Schleife Richtung Brasparts gegen Ende der Etapppe? https://www.gr-infos.com/gr37e.htm
    Da lag "mein" Arbeitsgebiet in den letzten Jahren - gerade die Strecke am Fluss hätte ich mir nicht schöner vorstellen können. Aber das stimmt, direkt um Le Faou dürfte das Laufen nicht soo viel Spaß machen.

    Ich bin auf jeden Fall gespannt wie es weitergeht und definitiv angefixt, auch wenn mir das ein, zwei Monate zu früh im Jahr wäre

    Zitat Zitat von adriano Beitrag anzeigen
    Oft geht es auch auf Pfaden neben Äcker vorbei. Die Abgrenzungen sind interessant. Es scheint als wären das einfach die Schnittreste von Hecken die dort über Jahre (Jahrzehnte?) aufgestapelt werden und so langsam wieder zu Erde werden. Hat sowas einen Namen? Vielleicht weiss das ja jemand von Euch.
    Die Abgrenzungen dürften normalen Wallhecken entsprechen.

  3. Anfänger im Forum

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    AW: [FR] E5 Bretagne, ich komme. Ca. 700km von Point du Raz bis Le Mont Saint Mi

    #23
    Zitat Zitat von morit.z Beitrag anzeigen
    Bist Du genau diese Route gegangen, inkl. der Schleife Richtung Brasparts gegen Ende der Etapppe? https://www.gr-infos.com/gr37e.htm
    Da lag "mein" Arbeitsgebiet in den letzten Jahren - gerade die Strecke am Fluss hätte ich mir nicht schöner vorstellen können. Aber das stimmt, direkt um Le Faou dürfte das Laufen nicht soo viel Spaß machen.

    Ich bin auf jeden Fall gespannt wie es weitergeht und definitiv angefixt, auch wenn mir das ein, zwei Monate zu früh im Jahr wäre



    Die Abgrenzungen dürften normalen Wallhecken entsprechen.
    Hallo. Ja genau das war meine Route. Ich bin auch sehr begeistert vom Landesinneren. Ich hatte in den wenigen Infos die man darüber finden kann oft gelesen dass es sich nur um landwirtschaftlich genutztes Gebiet handelt, was ja schon großteils zutrifft, aber es gibt eben auch sehr schöne Waldstücke, Pfade, kleine Berge und es ist sehr abwechlungsreich.

    Danke für den link zur Wallhecke, vor allem der Teil mit der Pflege macht Sinn, da ich ganz viele davon gestutzt waren (und die abtgeschnittenen Teile aufgeschichtet).

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    AW: [FR] E5 Bretagne, ich komme. Ca. 700km von Point du Raz bis Le Mont Saint Mi

    #24
    13. Tag
    Donnerstag, 28.02.2019
    St. Rivoal - Huelgoat
    34,1 km (400m Aufstieg, 410m Abstieg)



    St. Rivoal

    Ich gehe los und schon bald nach St. Rivoal zeigt mir ein Schild eine neue Streckenführung. Laut IGN Karte sollten der GR37 und der GR380 erst nach dem Reservoir de St-Michel gemeinsam verlaufen (der GR37 sollte den See südlich umgehen, der GR380 nördlich). In Wirklichkeit biegen beide nach Norden ab und laufen ab hier gemeinsam. Ein Blick ins Kartenmaterial zeigt mir, dass der Weg dadurch zwar etwas länger ist, aber etwas schöner sein könnte, da es auf zwei Erhebungen rauf gehen soll. Wir befinden uns übrigens im westlichen Teil der Monts d'Arret und die Landschaft ist heute abwechslungsreich und schön.


    Menez Mikel noch etwas in der Ferne


    Und schon kurz davor

    Vom Menez Mikel hab ich noch einen wunderschönen Ausblick, vom Tuchenn Kador allerdings nicht mehr. Der Regen setzt ein und es wird sehr nebelig.


    Blick auf das Reservoir de St Michel


    Kapelle am Menez Mikel


    Höchster Punkt






    Die letzten drei Bilder sind entlang des Reservoirs entstanden


    Das nächste Dorf ist wieder eine typisch kleine Gemeinde der Monts d'Arret, Botmeur.

    Nach dem See komme ich bei einer rundherum gesicherten Industrieanlage an die da mitten in der schönsten Natur steht. Erst jetzt beim recherchieren realisiere ich, dass es das Atomkraftwerk von Brennilis ist. Es ist nicht mehr aktiv und man ist scheinbar schon ewig lang mit den komplizierten Abbauarbeiten beschäftigt. Und das Reservoir de St. Michel ist ein Stausee um Wasser für die Kühlung zu haben.

    Weier geht es nach Huelgoat. Kurz vor Huelgoat mache ich noch Bekanntschaft mit Rambo, einem 17 Jahre alten Ziegenbock, der seinem Besitzer als Rasenmäher dient. Er wird jeden Tag mindestens eine Stunde spazieren geführt.


    Rambo





    Nach Huelgoat nehme ich einen lokalen Wanderweg, da der E5 die Stadt nördlich umgeht, und ich südlich zum Camping Municipal will. Dort werde ich die Nacht verbringen.

  5. Anfänger im Forum

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    AW: [FR] E5 Bretagne, ich komme. Ca. 700km von Point du Raz bis Le Mont Saint Mi

    #25
    14. Tag
    Freitag, 1.3.2019
    Huelgoat – Gare de Scrignac
    11,6 km (140m im Aufstieg, 200m im Abstieg)



    Es hat die letzten Tage ziemlich abgekühlt, und es fällt mir schwer in der früh meinen Quilt zu verlassen. Aber sobald ich mich etwas bewege und mir meine Wanderklamotten angezogen habe geht’s wieder. Ich hol mir in der Altstadt noch ein Baguette, frühstücke und starte.

    Die erste Stunde geht es am Rivière d'Argent entlang, vorbei an wunderschönen Steinformationen und einem kleinen Wasserfall. Vorher gehe ich auch ein Stück den Weg nach Norden wo der eigentliche GR Weg hergekommen wäre, da sich dort die Artusgrotte und der Camp d'Artus befindet. Camp d'Artus soll der Hauptort der Osismier gewesen sein, ein keltischer Stamm der an einem Aufstand während der Gallienfeldzüge Cäsars teilgenommen hat. Renitente Gallier, klingt sehr nach Asterix und Obelix.









    Hier trennt sich auch der GR37 und der GR380, welchem ich ab hier folge



    Es gibt jede Menge Sagen und Legenden die sich um den Wald von Huelgoat ranken, und ich finde die Gesteinsformationen, Grotten und bemoosten Bäume generieren auch eine Stimmung die dafür prädestiniert ist. Leider hab ich viel zu wenig Fotos gemacht.

    Hauptgrund ist, dass es seit gestern regnet. Es regnet nicht andauernd, aber immer wieder. Manchmal Sprühregen, manchmal ganz kurze Regenschauer, manchmal bei Sonnenschein. Und dazwischen immer wieder schönstes Wetter als ob nix wäre nur um 20 Minuten später wieder vollkommen bewölkt zu sein. Na, dann hab ich mal wenigstens landestypisches Wetter.

    Nach dem Wald geht’s eher unspektakulär aber nicht unangenehm auf Forststraßen durch Wälder.

    Zum Schluss noch an der Trasse einer ehemalige Bahnlinie entlang. Dort befindet sich dann die Gare de Scrignac, ein ehemaliges schönes Bahnhofsgebäude, welches in eine Gite d'Etape für Wanderer umgebaut wurde.


    Gare de Scrignac, jetzt eine Gite d'Etape

    Da ich seit zwei Tagen die Feuchtigkeit bis in die Knochen spüre möchte ich dort übernachten. Auf der Homepage steht, dass bis 19:00 Uhr jemand dort ist um Wanderer zu empfangen, also ruf ich gar nicht an sondern geh einfach hin. Schon um 15:00 Uhr bin ich dort, und hab gar nichts dagegen diesen kurzen Tag zu halten bei dem Wetter. Leider ist niemand da. Auf der Glastür klebt ein A4 Zettel mit einer Telefonnummer falls niemand da ist.

    Unter diesem A4 Zettel klebt ein zweiter auf dem steht dass es hier keinen Handyempfang gibt, und dass es erst wieder in 3km Empfang gibt. Bingo.

    Da es kurz aufgehört hat erkunde ich die nähere Umgebung. Es gibt sehr viele ebene Wiesen mit Rastbänken in Sichtweite zur Gite. Eine davon sogar überdacht. Hinter der Gite gibt es eine öffentliche Toilette mit Leitungswasser. Ich beschließe nun einfach hier zu bleiben, unter dem überdachten Rastplatz vorerst, falls jemand kommt gut, sonst stelle ich einfach mein Zelt auf einer Wiese auf.

    Ich esse, lese, schreibe am Tagebuch und versuche irgendwie mein Zelt auf engstem Raum zu trocknen.

    Ein Mann kommt vorbei und fragt mir ob ich was brauche. Ihm gehört ein schönes Haus ca. 100m entfernt. Wir plaudern ein wenig, und er bietet mir sogar an Kaffee vorbeizubringen. Er meint die Betreuer der Gite sind viel weg, aber wohnen sogar im ersten Stock derselben, also müssten sie irgendwann kommen. Wenn ein weißer Renault Kangoo auf den Parkplatz fährt, dann sind sie das.

    Er bietet mir sogar an mein Zelt in seinem Garten aufzustellen, aber wir finden dann beide dass es in der Nähe des öffenlichen Wcs praktischer ist.

    Bei Einbruch der Dunkelheit stelle ich mein Zelt auf und bin mittlerweile fast froh dass ich in der Gite niemanden angetroffen habe.

    Irgendwann spät in der Nacht höre ich ein Auto. Es ist ein weisser Renault Kangoo

    15. Tag
    Samstag, 2.3.2019
    Gare de Scrignach – Guerlesquin
    27,3 km (420m im Aufstieg, 340m im Abstieg)

    Heute ist der Weg sehr unspektakulär, immer wieder an Bauernhöfen vorbei. Zusätzlich regenet es, der Boden ist matschig und die Windböen, die sich bis jetzt meist auf die Nachtstunden und den ausgesetzten Kuppen beschränkt hatten werden immer stärker und unangenehmer.







    Meine Stimmung ist schon nicht gerade am Höhepunkt als ich eine unangenehme Situation mit gleich 3 Hofhunden habe. Ich habe dann in der Nacht diesen Thread gepostet:

    https://www.outdoorseiten.net/forum/...light=hofhunde

    Dazu wäre dann wohl nichts mehr zu sagen, nur vielleicht schon vorwegnehmend, dass das sicher eine spezielle Einzelsituation war. Alle anderen Begegnungen waren selbst für mich, der sehr skeptisch, um nicht zu sagen ängstlich in Situationen mit Hunden ist, handelbar.

    Ich erreiche Guerlesquin und gehe mal in den dortigen Supermarkt meinen Proviant aufstocken und Superkleber für die sich auflösenden Nähte meiner Meindl Schuhe zu besorgen (die Schuhe haben maximal 500km auf dem Buckel). Es regnet immer noch und der Himmel wird dunkel.




    Guerlesquin

    Ich gehe noch ins Zentrum und weiß dann nicht so recht weiter. Ist es Müdigkeit oder noch der sinkende Adrenalinspiegel? Mich überfallen urplötzlich und unerwartet Zweifel an meiner Wanderung. Ich frag mich was das soll, warum ich das überhaupt tue. Ich vermisse meine Lebensgefährtin und meine Freunde. Ich vermisse Menschen. Wenn man meinen Reisebericht liest, glaubt man ich hätte immer wieder nette Begegnungen gehabt, was auch stimmt. Nur lagen oft Tage dazwischen. Ich fühle mich ganz einfach einsam und ausgelaugt.

    Ich nehme ein Hotelzimmer, und zwar gleich für zwei Nächte, da am Sonntag kein Bus von hier wegfährt. Ich bin völlig überzeugt davon am Montag die Heimreise anzutreten.

    Nachdem ich vor dem Hotel dann noch 1 ½ Stunden warten muss bis mir die Besitzerin aufsperrt ist meine Laune vollends hin. Ich wälze mich im Bett rum, poste den Hundethread und denke nach. Mir fällt eine Geschichte ein: Letzten Sommer traf ich einen jungen Mann auf der Via Gebennensis – der mit Tarp unterwegs war. In der Nacht haben sich Ameisen über sein Essen hergemacht. Er war erst den 3. Tag unterwegs und wollte aufhören. Ich empfahl ihm noch mindestens 2 Tage zu gehen und wenn er dann immer noch abbrechen wolle, dann weiss er wenigstens dass es keine zu emotionale Entscheidung war.

    Vor ein paar Monaten bekam ich eine Whats App Nachricht aus Porto: Er ist dann noch weiter bis Santiago und weil er noch Lust hatte weiterzugehen runter nach Porto.

    Also entscheide ich mich meinen eigenen Rat zu befolgen. Ich gehe noch weiter und verschiebe den Abbruch vorerst.

  6. Anfänger im Forum

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    AW: [FR] E5 Bretagne, ich komme. Ca. 700km von Point du Raz bis Le Mont Saint Mi

    #26
    16. Tag
    Sonntag, 3.3.2019
    Ruhetag in Guerlesquin

    Bis auf einen erneuten Provianteinkauf (Supermärkte haben Sonntag Vormittags meist offen), den ich brauche, weil ich die Hälfte des gekauften verputze, verlasse ich das Hotel nicht. Ich lese und schlafe dabei immer wieder ein.

    17. Tag
    Montag, 4.3.2019
    Guerlesquin – Pont Menou
    26,9km (280m im Aufstieg, 470m im Abstieg)


    Es regnet stark, und obwohl ich nicht gleich auf Anhieb den richtigen Weg aus die Stadt raus finde fühle ich mich erstaunlich frisch und komme gut voran. Es geht wieder vorbei an einigen landwirtschaftlichen Betrieben. Um 15:15 bin ich in Trémél, wobei ich um einiges früher hätte sein können wenn ich nicht eine ungewollte 3km Schlaufe auf dem GR Le Pays de Morlaix (einen Rundwanderweg um die Stadt Morlaix der auch teilweise parallel an von mir benutzten GR Wegen läuft).


    Hier bin ich bei den letzten Ausläfern der Monts d'arree


    Es wird auch immer flacher

    Ich sollte hier vor Tremel eigentlich dem GR34D folgen, aber auf einem Wanderschild ist der GR34D komplett rausgestrichen worden, aber es läuft ein lokaler Wanderweg weiter westlich nach Trémel. Nun wird sich der GR34D auch nicht markiert nicht in Luft aufgelöst haben, ich bevorzuge es aber trotzdem den lokalen zu benutzen. Könnte doch vielfältige Gründe gehabt haben den GR34D hier zu schließen.


    Dank des Umweges finde ich einen neuen Freund


    Die übermalte Markierung des GR34D, dann geh ich halt nach links


    Die Winterschäden auf den GR Wegen im Landesinneren müssen großteils noch beseitigt werden


    Teilweise geht es heute schon am Douron entlang. Auch hier gibt es immer wieder umgefallene Bäume. Hier hats einen mit Markierung erwischt



    Am Abend finde ich lange keinen geeigneten Zeltplatz, bereits im Dunkeln finde ich diesen am Rande einer Obstwiese hinter einer Böschung. Es ist eben und besteht aus Gras und etwas höherem „Unkraut“. Also schnell aufgebaut. Das Unkraut stellt sich als Brennesseln raus, aber die sind die ganze Seite entlang und ich mag nicht weiter gehen. Also heisst es stark bleiben und die 6 Heringe einfach unter Brennen in den Boden stecken.

    Als alles steht fällt mir ein dass ich die Handschuhe griffbereit in den Hosensäcken gehabt hätte...

    Es wird die Nacht wieder regnen und etwas stürmen, ich bin durch die Böschung aber ziemlich geschützt.

    18. Tag
    Dienstag, 5.3.2019
    Pont Menou – Locquémau
    30,3km (400m im Aufstieg/420m im Abstieg)


    Ich folge auf schönen Wegen einem Fluss, dem Douron. Es regnet wieder und der Boden ist extrem rutschig. An einer Stelle an der es zwei Meter auf lehmigem Boden steil runter geht haut es mich dann so richtig auf die Schnauze und ich rutsche den ganzen Hang hinunter. Kurzer check, bis auf einen kleinen Schmerz in der Schulter scheint alles gut zu sein. Nur ein Stock ist leider an der obersten Kante liegengeblieben, und ich komme tatsächlich nicht mehr rauf. Mithilfe eines langen Astes kann ich ihn dann heranziehen.





    Echt gut dass mir da grad niemand zuschaut.

    Kurz darauf hört es mal kurz zu regnen auf und ich kann meine Regensachen am Fluss waschen.

    Bei Plestin-les-Grèves erreiche ich wieder das Meer und damit auch den GR34. Der mich nun bis Mont Saint Michel begleiten wird.






    Wieder am Meer


    Wieder an der Küste entlang


    Römisches Bad bei Plestin, von denen gab es hier scheinbar mehrere.


    Und so funktionierten diese Bäder. Darauf hätte ich jetzt auch Lust


    Bei Trédrez gehe ich in eine Mischung aus Bar/Tabaktrafik/Bistro und genehmige mir mal einen großen Milchkaffee und eine Bruschetta.

    Zu Hause trinke ich eigentlich täglich 3-5 Tassen Kaffee täglich. Seit ich unterwegs bin ist es eher eine Tasse alle drei Tage, und es stört mich überhaupt nicht.

    Ich studiere die Wegführung und sehe einen (geschlossenen) Camping Municipal in Locquemeau. Mich auf solchen für eine Nacht aufzuhalten hat bisher immer sehr gut geklappt, und so auch diesmal. Mehrere Personen sehen mich, aber außer dass sie mir freundlich zunicken passiert gar nichts.

    Die ganze Nacht gibt es starke Sturmböen. Mein Zelt ist zwar recht laut im Wind, und auch das Gestänge verbiegt sich manchmal ziemlich, aber im Großen und Ganzen hält mein 3-Jahreszeiten-Zelt bisher Böen bis 80km/h recht gut aus.

    Eine Anmerkung zum Regen bisher: Es regnet oft, aber nie wirklich lange. Das rechtzeitige Regenklamotten an- und ausziehen ist eine Kunst für sich. Entweder hört es zum Regnen auf sobald ich sie anhabe, oder wieder an sobald ich sie ausziehe. Wenn man dem ein Schnippchen schlagen will und die Regensachen anlässt obwohl es aufgehört hat, wird es so lange wieder nicht anfangen zu regnen bis man dann völlig durchgeschwitzt sich doch entscheidet seine Regenklamotten auszuziehen.
    Geändert von adriano (13.04.2019 um 03:48 Uhr)

  7. Erfahren
    Avatar von vergissminet
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    AW: [FR] E5 Bretagne, ich komme. Ca. 700km von Point du Raz bis Le Mont Saint Mi

    #27
    Toller Bericht, wo es beim Lesen exakt gleich warm/kalt/windig/sonnig/regnerisch ist wie auf den Bildern

    Ad Markierungen von Fernwanderwegen: Da ich selbst durch die Tafeln überregionaler Wege zum Weitwandern gekommen bin, sehe ich diese Tafeln als super Mittel, den Weg in seiner ganzen Länge bekannt zu machen. Bei mir war's das Schild des österreichischen Zentralalpenweges, wo darunter Hainburg - Feldkirch (1200 km) gestanden ist. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich in meinem Leben keine Sekunde lang die Möglichkeit in Betracht gezogen, dass es so lange Wanderwege geben könnte!

    Ad "am ersten Tag Wasser verschüttet": Ich habe voriges Jahr nach der ersten Nacht auf dem E1 den Inhalt meiner Halbliterflasche in den Topf gegossen, um mir einen Frühstückskaffee zu kochen. Als es brodelte, schüttete ich das Instantpulver hinein, das sich jedoch umgehend zu Klumpen verband. Das "Wasser" war, wie sich herausstellte, mein Zirbenschnaps, den ich mir für den Gegenwert eines halben Vermögens selbst ans Nordkapp vorausgeschickt habe. Ein sehr trauriger Moment!

  8. Alter Hase
    Avatar von LihofDirk
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    AW: [FR] E5 Bretagne, ich komme. Ca. 700km von Point du Raz bis Le Mont Saint Mi

    #28
    Talus werden die Wallhecken in Frankreich, die daraus gebildete Kulturlandschaft heisst bocage.


    Danke für den spannenden Bericht. Wann geht es endlich weiter? Ich hasse Cliffhanger

  9. Anfänger im Forum

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    AW: [FR] E5 Bretagne, ich komme. Ca. 700km von Point du Raz bis Le Mont Saint Mi

    #29
    @ vergissmi.net: Interessant, dass du das heute mit der Markierung von Fernwanderwegen schreibst, ich habe im nächsten Eintrag eine Begegnung die mich zur selben Erkenntnis kommen lässt.

    @ LihofDirk: Hab mich da im letzten Eintrag ein bisschen missverständlich ausgedrückt damit dass ich jetzt den GR34 wieder erreicht habe und ihm bis zum Mont Saint Michel folge. Das stimmt zwar, sind aber noch ein paar hundert km, es gibt also noch einige Tourentage in dieser Etappe.

    Weiter durch die Normandie geht es dann ab Mitte Mai

    19. Tag
    Mittwoch, 6.3.2019
    Locquémao – Porz Mabo (Trébeurden)
    24km (280m im Aufstieg, 270m im Abstieg)


    Am Morgen finde ich gleich Wasser und frühstücke ordentlich. Ich hab das Gefühl mein Hungergefühl ist generell größer geworden. Deckt sich auch mit früheren Erfahrungen, dass ich die ersten zwei Wochen auf einer längeren Tour eher wenig bis normalen Appetit habe und es dann nach 2-3 Wochen wesentlich mehr wird. Ich vermute mal der Körper konzentriert sich die ersten zwei Wochen auf andere Dinge.

    Heute bekomme ich meine erste Lektion nach dem Motto „Der Weg ist das Ziel“. Der GR34 folgt nämlich dem Leguér (Fluss der in der Bucht von Lannion mündet) für ca. 10km bis in die Stadt Lannion. Dort überquert man eine kleine Brücke. Danach geht es auf der anderen Seite wieder 10km bis zur Bucht von Lannion zurück, nur um zu sehen dass man Luftlinie 1km geschafft hat.








    Pfad an der Bucht von Lannion




    Le Leguer



    Man muss dazu sagen, dass man sehr viel vom Zöllnerpfad abkürzen kann wenn man will. Es gibt viele GR34 Varianten um Halbinseln abzuschneiden, oder aber man weicht auf lokale Wanderwege aus. Wer also weniger Zeit zur Verfügung hat kann mit genauer Planung einiges bewirken.
    Ich habe jedoch keinen Zeitdruck und deshalb beschlossen so viel an der Küste zu bleiben wie vom E5 vorgesehen.

    In Lannion angekommen kauf ich mir im Supermarkt Apfel, Cola, fertigen Couscoussalat und Joghurt, also im Prinzip Sachen die ich wegen dem Gewicht nicht lang mit mir rumschleppen möchte und verspeise alles am Hafen. Danach merke ich, dass ich meine Trekkingstöcke im Supermarkt stehen lassen habe. Das passiert mir auch einmal pro Tour – und damit hoffentlich abgehakt.




    Lannion

    Eine Touriinfo liegt am Weg und ich möchte rein um mir eine Übersichtskarte des Departements Cotes d'Armor zu holen. Seit St. Plestin bin ich nämlich in meinem zweiten Departement nach Finstére. Von Finistére hatte ich in einer Gite eine schöne Übersichtskarte bekommen, und so was möchte ich jetzt für jedes Department durch welches ich gehe als Erinnerung.

    In der Touriifo arbeitet Rolf – ein Holländer. Der netteste Touristeninformationsbüromitarbeiter den ich je kennen gelernt habe. Er zeigt sich interessiert für meine Unternehmung, versorgt mich noch mit Zusatzinfos zu der cote de granit rose an die ich bald gelangen werde und plaudert mit mir einfach ein wenig. Dann checked er mir für morgen abend noch eine Gite auf der Ile Grande.

    Als ich dann wieder auf der Nordseite des Leguér Richtung Bucht von Lannion gehe habe ich eine zweite schöne Begegnung. Eine Frau fragt mich wo meine Wanderung startete und ich sage Pointe du Raz (ich bin ja eigentlich viel früher gestartet, aber Pointe du Raz als Ausgangspunkt des E5 ist einfacher zu erklären). Daraufhin fragt sie ob ich etwa den E5 gehe.

    Sie erzählt mir dann sie sei den kompletten E5 2004 gelaufen. Und schon damals bis Venedig (dass Teilstück zwischen Verona und Venedig gab es damals noch gar nicht). Wir haben dann noch etwas über die nicht vorhandene Kennzeichnung geredet, und sie meinte früher gab es in unregelmäßigen Abständen Tafeln mit der Beschriftung E5 Venise- Pointe du Raz. Sie hat bei einem Tagesausflug so ein Schild entdeckt, und dies hat in ihr den Wunsch geweckt diese Langstreckenwanderung anzugehen. Aber mittlerweile seien wohl so gut wie alle diese Schilder über die Jahre verschwunden.

    Das beantwortet auch die Frage die ich mir am Startpunkt des E5 gestellt habe, nämlich ob eine Markierung nötig ist. Nötig ist sie nicht, aber sie wäre wichtig als Inspiration. Wichtig um den Weg bekannt zu machen. Und um ein wenig pathetisch zu klingen: Kleinigkeiten wie ein paar Schilder an europäischen Fernwanderwegen anzubringen helfen der europäischen Idee und der europäischen Identität.

    Es muss ja nicht jede Kurve markiert sein, aber ein paar Hinweistafeln entlang des gesamten Weges und ein Start/Ende Monument so ähnlich wie es die US-Trails haben wäre schon was schönes.

    Die Begegnung mit Rolf und der Wanderin bauen mich ungemein auf und geben mir einen neuen Motivationsschub. Mein Tief von vor drei Tagen liegt schon in weiter Ferne und ich bin froh am Ball geblieben zu sein.

    Um 18:00 Uhr erreiche ich Porz Mabo (Ortsteil von Trebeurden). Die Campingplätze haben geschlossen, öffentlichen gibt es keinen. Es gibt aber einen Parkplatz mit öffentlicher Toilette. Dort bau ich mein Zelt auf und schlafe mit dem gewohnten prasseln des Regens auf selbiges ein.
    Tagsüber hat es nur ein paar mal kurz geschauert, die Nacht wird es aber wieder durchregnen und leicht stürmen.


    20.Tag
    Donnerstag, 7.3.2019
    Porz Mabo – Ile Grande
    16 km (140m im Anstieg, 160m im Abstieg)


    Ich bin gestern weiter gekommen als erwartet, und so wird es heute ein sehr kurzer Tag.

    Es geht entlang der Küste von Treubeurden, und obwohl sehr besiedelt gibt es schöne Wege, Ausblicke und Felsformationen














    Ich erreiche tatsächlich schon um 12:00 Uhr die Ile Grande. Die Gite liegt am Anfang der Insel, welche über eine kleine Brücke erreichbar ist. Da der GR34 die Insel auch umrundet, mache ich dies gleich heute und besuche auch eine Allée couverte (im Prinzip ein Dolmengang). Ich habs noch nicht wirklich erwähnt, aber die ganze Bretagne ist voll von tausende Jahre alten Megalithanlagen (Allées couvertes, Steinreihen, Cromlechs, Steinkreisen etc.




    Allée couverte


    Fontaine auf der Ile Grande. Wenn man in den IGN Karten eine Fontaine eingetragen sieht, sollte man nicht davon ausgehen dass es eine Quelle oder ein Brunnen mit Trinkwasser ist. Meist ist es so ein grüner Schlotz. Ich weiss nicht ob man das gefiltert trinken könnte, schaut aber im normalfall recht ekelig aus

    Ich gehe noch in die Inselbar auf einen Kaffee und checke dann ein.

    Dann folgt das übliche: Wäsche waschen, kochen, lesen, schreiben.

  10. AW: [FR] E5 Bretagne, ich komme. Ca. 700km von Point du Raz bis Le Mont Saint Mi

    #30
    Bei mir war es keine Infotafel, sondern die kleinen Markierungschilder/Aufkleber des Eifelvereins zum E8 (nutzt den linksrheinischen Rheinhöhenweg). Die markieren den E8 zwar nicht durchgängig, doch es hat damals gereicht, mich neugierig zu machen. Obwohl der E8 keine 5 Kilometer Luftlinie hinter dem Haus verläuft, waren mir Europäische Fernwanderwege in den ersten Wanderjahren nicht bekannt. Das war noch vor dem Internet. Infos über diesen E-Weg gab es fast keine, allerdings über den E1. Arthur Krauses Buch "E1 Nordsee-Bodensee-Gotthard" hat dann endgültig den Stein ins Rollen gebracht.
    .

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    AW: [FR] E5 Bretagne, ich komme. Ca. 700km von Point du Raz bis Le Mont Saint Mi

    #31
    Vielen Dank, ein schön zu lesender, harmonischer Wanderbericht.. An der Küste sind wir mehrmals Wanderern des GR 34 begegnet und schon damals verspürte ich den Wunsch, das Fahrrad mal ein paar Tage stehen zu lassen um den Rucksack zu schultern. Schön auch zu lesen, dass das praktisch zu jeder Jahreszeit möglich ist. Freue mich auf die nächsten Berichte, Gatzek.

    - - - Aktualisiert - - -

    Vielen Dank, ein schön zu lesender, harmonischer Wanderbericht.. An der Küste sind wir mehrmals Wanderern des GR 34 begegnet und schon damals verspürte ich den Wunsch, das Fahrrad mal ein paar Tage stehen zu lassen um den Rucksack zu schultern. Schön auch zu lesen, dass das praktisch zu jeder Jahreszeit möglich ist. Freue mich auf die nächsten Berichte, Gatzek.

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    AW: [FR] E5 Bretagne, ich komme. Ca. 700km von Point du Raz bis Le Mont Saint Mi

    #32
    Vielen Dank für die Feedbacks! Weiter gehts mit dem


    21. Tag
    Freitag, 8.3.2019
    Ile Grande – Ploumanac'h
    29,5km (150m im Aufstieg, 150m im Abstieg)


    Nach der Ile Grande macht der GR34 eine relativ Große Schleife ins Landesinnere um die stark befahrene Küstenstraße zu umgehen. Zum Teil recht nett, am Anfang geht es sogar auf einem kleinen Damm durch Sumpfgebiet.


    Am rechten Bildrand im Hintergrund ein Eck der Ile Grande vom Festland aus, bei Ebbe


    Brücke auf die Ile Grande


    Im Landesinneren nach der Ile Grande


    Menhir de Saint Uzec. Er soll zwischen zwischen 4000 und 5000 Jahre alte sein, und wurde im 17. Jhd. christianisiert

    Wieder am Meer weiss ich nicht so genau was ich vom Weg halten soll. Die Aussicht aufs Meer sowie die Granitformationen sind wirklich sehr schön anzuschauen. Auf der anderen Seite ist die Gegend extrem erschlossen, und der Weg ist eigentlich eine Art durchgehende Promenade.


    Man sieht auch immer wieder Reiter am Strand

    Hier ein paar Felsformationen. Ich finde man kann da fast schon Skulpturen reininterpretieren:













    Zum Teil gibt es sogar Beschilderungen die einem den Einsatz von Trekkingstöcken untersagt.

    Am Abend finde ich einen schönen großen Parkplatz am Meer und stell mich ganz am Rand davon neben Fahrradabstellplätzen auf.



    Es wird kurz spannend als um 1:30 ein Auto ein paar Meter neben meinem Zelt hält und ziemlich lauter französischer Hip-Hop mich im Zelt mitschunkeln lässt. Nach 10 Minuten ist der Spuk vorbei. Es ist Freitag und ich vermute da wurde entweder vor oder nach einem Clubbesuch einfach mal einer schön am Meer durchgezogen.


    22. Tag
    Samstag 9.3.2019
    Ploumanac'h – Buguélès
    26,2km (280m im Aufstieg/ 290m im Abstieg)


    An der Charakteristik des Weges ändert sich heute nicht viel. Schöne Ausblicke, schöne Küste aber halt auch sehr stark be- und zersiedelt.


    Perros-Guirec










    Schöne Wandmalerei der Peche a Pied

    Von der Gegend um die Maison du Littoral bei Perros-Guirec habe ich wegen Regens leider keine Fotos, dort gibt es auch direkt am Küstenabschnitt sehr skurrile Felsformationen, aber ich habe hier einen link:

    http://ville.perros-guirec.com/ma-vi...-littoral.html

    Unter „Cirquit „rochers remarquables“ findet man einige Bilder.

    Auch hier wird, wie bisher an vielen sensiblen Stellen entlang der Küste, mit ganz niedrigen Abgrenzungen versucht die Fussgängerströme zu lenken. Am Weg gab es Vergleichsbilder von 1994, damit man sieht wie fruchtbar diese Aktion war. Ich habe diese auch im Netz gefunden. Beeindruckend wie sich die Natur erholen kann wenn man sie lässt bzw ein klein wenig hilft.

    http://ville.perros-guirec.com/filea...NALISATION.pdf

    Aber wie erwähnt, die Region ist sehr touristisch, Perros-Guirec hat z.b. 7212 Einwohner aber eine Bettenkapazität von 30.000. Zur Hauptsaison wird’s hier ordentlich rund gehen.

    Endlich ist es auch so weit. Ich finde nach 18 Tagen auf dem E5 den ersten Hinweis:



    Am Abend bin ich am Camping Municipal Buguéles und stell mich dort wieder einfach auf. Ich lese etwas und schlafe bald ein. Um 22:30 Uhr dann ein ohrenbetäubender Alarm. Ich brauche ein paar Sekunden um zu checken dass ich nicht träume und mein erster Instinkt sagt mir ich hätte eine Alarmanlage ausgelöst und bin jetzt sicher wegen Hausfriedensbruch dran. Beim Aufziehen des Reißverschlusses meines Zeltes schneide ich mir noch meinen Quilt auf. Draußen merke ich dass der Alarm von einem öffentlichen Defibrilatorkästchen kommt und das Türchen etwas offen steht. Ich drücke es zu und der Alarm hört auf. Es war wirklich extrem laut und im Umkreis vom 100m stehen 3 bewohnte Häuser.

    Ich lege mich ins Zelt und warte auf Rettung oder Polizei, aber nichts kommt. Scheint wohl mit keiner Zentrale verbunden gewesen zu sein. Jetzt habe ich drei Theorien. Es war entweder der Wind, ein Tier oder jemand hat mir einen Streich gespielt. Ich tendiere zu letzterem. Ich sollte mich beim Zelten vielleicht doch etwas mehr verstecken.
    Geändert von adriano (14.04.2019 um 11:41 Uhr)

  13. Anfänger im Forum

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    AW: [FR] E5 Bretagne, ich komme. Ca. 700km von Point du Raz bis Le Mont Saint Mi

    #33
    23. Tag
    Sonntag, 10.3.2019
    Buguélès – Chapelle Saint Votrom
    32km (290m im Aufstieg, 260m im Abstieg)


    Heute wird der Pfad wieder schmäler und wilder, die Besiedlungsdichte nimmt rapide ab und mir taugt es so richtig gut. Total schön fand ich die Gegend um Castel Meur bzw die Gemeinde Plougrescant. Plougrescant liegt auf einer Halbinsel die man theoretisch zwar abkürzen könnte, wobei man dann aber viel Schönes verpassen würde, z.b. das wohl am meisten fotografierte Haus der Bretagne: La Maison du Gouffre.


    La Maisson du Gouffre















    Nach der Halbinsel gilt es wieder einen großen Umweg in Kauf zu nehmen, nämlich wieder mal entlang eines Flusses (Jaudy) weit ins Landesinnere zu wandern, dort dann den Zufluss Le Guindy und eben den Jaudy bei der Stadt Treguir zu überqueren und dann am anderen Flussufer wieder zurück ans Meer zu gehen.


    Brücke über den Le Guindy

    Der Weg ist auch ziemlich anspruchsvoll. Es gibt eine Ebbevariante die direkt im Flussbett verläuft, und eine Flutvariante, die auf einer Anhöhe oberhalb des Flusses verläuft. Es ist zwar Ebbe, aber der Weg dafür extrem rutschig über Steinbrocken und Algen

    Am Rückweg zum Meer gäbe es auch wieder ein paar mal die Option im Flussbett zu gehen, diese lasse ich aber aus, und so geht es fast ausschließlich auf Güterwegen zurück. Noch vor erreichen des Meeres fang ich an einen Zeltplatz zu suchen, was aber sehr schwierig ist, da hier wirklich ein Gehöft nach dem nächsten kommt, und ich eigentlich auch nicht in ihren Äckern – vornehmlich Blumenkohl - mein Zelt aufschlagen will.

    Schon im dunkeln komme ich an die Chapelle Saint Votrom. Es gibt eine ziemlich große von Wallhecken eingegrenzte Wiese vor der Kapelle. Dort stelle ich mein Zelt auf. Leider ist der Platz noch schräger als ich zuerst bemerkt hatte. So versuche ich mich die ganze Nacht geckohaft am Zeltboden anzupressen um nicht permanent den Hang runter zu rutschen.

    24. Tag
    Montag, 11.3.2019
    Chapelle Saint Votrom – Lanmodez
    21,4 km (140m im Aufstieg, 130m im Abstieg)



    Guten Morgen

    Ich habe letzte Nacht sehr schlecht geschlafen, zum einen weil mein Zelt so schief stand, zum anderen weil es sehr stark gestürmt hat. Um 7:30 Uhr geht es etwas unausgeschlafen also weiter.

    Auf Güterwegen geht es zurück zum Meer, dort besuche ich ein paar hundert Meter ab vom Weg wieder eine Allee couverte.


    Wieder am Meer


    Sehr viel Blumenkohl wird hier angebaut


    Allee couverte

    Am Meer geht es wieder auf Pfaden weiter. Der Wind hat mittlerweile die Wolken verweht, und ich habe sehr schöne Ausblicke auf das Meer mit starkem Wellengang. Das Meer hier schaut sowieso zu jeder Tageszeit anders aus, da der Unterschied zwischen Ebbe und Flut ganze 12 m beträgt.










    Algensammler

    Ich finde eine Beschilderung zu einem Rando Accueil in Lanmodez. Etwas im Landesinneren nach der Umrundung der Halbinsel bei der Gemeinde Pleubian. Ich überblicke auch den Silon de Talbert, eine 3km lange Landzunge aus Kieseln und Sand die durch die starken Strömungen im Ärmelkanal entstanden ist. Von meiner Perspektive aus hab ich nicht wirklich gute Fotos gemacht.


    Silon de Talbert (der schmale Sandstreifen am Horizont)

    Aber wer Zeit hat sollte sich Fotos im Netz aus der Vogelperspektive anschauen. Wirklich schön.

    Um 15:00 Uhr bin ich bei der Gite, welche ich wieder für mich allein habe. Leider wird das in googlemaps angezeigte Lebensmittelgeschäft/Bar zum Verkauf feilgeboten und ist geschlossen, und da ich nichts mehr zu essen habe, gibt es heute nur Nudel mit Salz welche ich in der Gite finde.

  14. Alter Hase
    Avatar von LihofDirk
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    AW: [FR] E5 Bretagne, ich komme. Ca. 700km von Point du Raz bis Le Mont Saint Mi

    #34
    Zitat Zitat von adriano Beitrag anzeigen
    Cooles Bild. Ich liebe diese Tunnelwege.

  15. Anfänger im Forum

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    AW: [FR] E5 Bretagne, ich komme. Ca. 700km von Point du Raz bis Le Mont Saint Mi

    #35
    Zitat Zitat von LihofDirk Beitrag anzeigen
    Cooles Bild. Ich liebe diese Tunnelwege.
    Ich auch, Tipp für zukünftige E5/GR34 Wanderer: Zelt und alles andere was keine Löcher bekommen soll unbedingt im Rucksack und nicht am Rucksack angebracht packen, ansonsten könnte es im Zelt ganz schön zugig und nass werden. Die meisten hohen Gebüsche an den Wegen, welche oft sehr weit in den Pfad reinragen, haben Dornen und würden auf Dauer ziemlichen Schaden verursachen.

    25. Tag
    Dienstag, 12.3.2019
    Lanmodez – Loguivy de la Mer
    22,1 km (250m im Aufstieg, 280m im Abstieg)


    Ich habe so tief geschlafen, dass ich beim Aufwachen im Ersten Moment nicht mal begreife wo ich bin und warum ich nicht in Wien in meinem Bett liege. Zum Frühstück gibt’s Porridge aus den letzten paar Haferflocken und starte alsbald in den (Wander)Tag.

    Wieder gilt es einem Fluss (Le Trieux) weit ins Landesinnere zu folgen. In Lézardrieux kann ich meine Vorräte aufstocken und mir in einer Boulangerie ein frisches Baguette und ein Croissant besorgen. Vor der Kirche gibt es einen Garten mit Bänken, wo ich dann gemütlich mein Mittagessen verzehre. Nach der Pause geht es im Süden des Städtchens über die Brücke und dann an der Ostseite des Flusses wieder nach Norden zum Meer. Auf dieser Flussseite überrascht mich der Weg mit schönen Pfaden und teilweise recht steilen Auf- und Abstiegen.




    Letardrieux


    Kirche von Lezardrieux


    Brücke über den Trieux

    Plötzlich beginnt ein Regenschauer begleitet von sehr heftigen Windböen. Ich schlüpf schnell in die Regenklamotten und schau das ich weiterkomme. Ich bin nämlich ausgerechnet jetzt relativ weit Weg von den nächsten Häusern und kann mich nirgends unterstellen. Vor allem der Wind macht mir Sorgen und tatsächlich höre ich bald ein knacken und 3m vor mir kracht ein dicker Ast runter.

    Ich achte jetzt sehr auf Knackgeräusche ober mir und gehe weiter. Es ist diesmal kein kurzer Schauer wie üblich, sondern regnet und stürmt die nächste Stunde in ziemlich gleichbleibender Intensität. Gut dass ich nach 30 Minuten an einer Hütte eines Fischervereins vorbeikomme, bei der ich mich wenigstens unter das Vordach stellen kann. Nach weiteren 30 Minuten ist der Spuk vorbei und der Wind hat sich ebenfalls gelegt.

    Beim weitergehen komme ich dann tatsächlich an zwei frisch entwurzelten Bäumen vorbei die direkt auf den Weg gefallen sind. Ich glaub das war nicht ganz ohne. Danach geht es wieder am Meer weiter bis Loguivy de la Mer








    In Loguivy de la Mer angekommen gibt es nur mehr an und ab Sprühregen. Ich gehe zum etwas außerhalb des Ortes liegenden (wie überall bisher um diese Jahreszeit geschlossenen) Camping Municipal, und mache es mir dort schon um 18:00 Uhr in meinem Zelt gemütlich.

    Ich bin sehr froh meinen Tolino mitgenommen zu haben.


    26. Tag
    Mittwoch, 13.3.2019
    Loguivy de la Mer – Pointe de Bilfot
    24,5km (330m im Aufstieg, 290m im Abstieg)


    Der Tag vergeht heute fast wie in Trance. Ich bin so mit allerlei Gedankenspielen beschäftigt, dass ich mich am Abend beim Schreiben meines Tagebuchs kaum noch an Details des Weges erinnern kann.

    Was ich weiss ist, dass ich Mittags in Paimpol bin und dort eine Pause einlege; obwohl ich für drei Tage Proviant im Rucksack habe, kaufe ich mir im Supermarkt Couscoussalat, Joghurt und Äpfel und esse es gleich an Ort und Stelle.








    Paimpol

    Am Nachmittag geh ich einfach gedankenverloren weiter bis mir das Wasser ausgeht. Beim Port Lazo komme ich zu einer öffentlichen Toilette mit Trinkwasser. Dort esse ich was und beobachte die Arbeiten an einer Austernzucht. Traktoren und so bereifte Boote wie ich sie bei jeder Austernzucht antreffe machen sich gerade aus dem Staub, oder besser gesagt aus dem Meer da die Flut naht. Diese Austernzuchtgebiete schauen recht beeindruckend aus.










    Als es Zeit einen Zeltplatz zu suchen komme ich kurz vor der Pointe de Bilfot zu einem Privatwald in dem eine Skulpturenausstellung ist. Ich vermute mal dem Künstler selbst gehört das Grundstück. Ich gehe durch den Skulpturenwald und bin recht beeindruckt. Dort wo der GR34 auf den Park trifft gibt es auch einen großen Parkplatz. Da niemand da ist befinde ich die Stelle als geeignet und stelle hier mein Zelt auf und werde richtig gut schlafen.


    Blick vom Pointe de Bilfot


    Ein paar Bilder aus dem Skulpturenwald





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    AW: [FR] E5 Bretagne, ich komme. Ca. 700km von Point du Raz bis Le Mont Saint Mi

    #36
    27. Tag
    Donnerstag, 14.03.2019
    Pointe de la Bilfot – Saint Quay Portrieux
    26,7km (430m im Aufstieg, 460 m Abstieg)


    Mir geht es gut und ich fühle mich frisch, dennoch möchte ich morgen einen Ruhetag einlegen. Zudem ist morgen viel Regen angesagt, und ab übermorgen dafür wieder eine kleine Wetterbesserung.

    Heute ist das Wetter wieder mal sehr schlecht. Viel Regen und und kalter Wand begleiten mich.


    Menhir in der Nähe des Pointe de Bilfot

    Am Vormittag treffe ich tatsächlich einen GR34 Wanderer der mir aus der Gegenrichtung entgegen kommt. Wir unterhalten uns ein wenig. Ich finde es sehr schade dass wir nicht in die selbe Richtung gehen. Ich merke nämlich wie mir ein wenig Gesellschaft fehlt. Ich hätte nichts dagegen mal ein paar Tagen mit jemandem in die selbe Richtung zu gehen und etwas mehr zu quatschen.

    Der Weg is wunderschön. fast ausschließlich Küstenpfaden entlang mit sehr vielen Auf- und Abstiegen. Es läuft aber gut, meine Muskulatur schein sich etwas aufs wandern eingestellt zu haben, und ich laufe ein für meine Verhältnisse recht zügiges Tempo.




    Hinten in der Mitte im sieht man den Pfad in einer typischen kurzen und knackigen Steigung, von denen mich heute mehrere erwarten


    Perspektivisch nicht gut erkennbar, aber auch hier geht der Pfad richtig steil nach oben

    Am Nachmittag finde ich in einem sehr kleinen Hafen überraschenderweise eine offene Bar. Da es wieder stärker regenet trinke ich dort zwei große Cafe au Lait und mache mal etwas länger Pause


    Hier ist noch geschlossen, aber am gleichen Strand finde ich noch eine schöne Bar


    Einer der zahlreichen Aussichtspunkte am Weg




    Ich reserviere ein Ein-Zimmer-Studio für zwei Nächte in Saint-Quay-Portrieux

    28. Tag
    Freitag, 15.03.2019
    Saint Quay Portrieux
    Ruhetag


    De Wochenmarkt ist in der Stadt. Ich mache eine kleine Runde, kaufe ein. Der Rest des Tages wird mit kochen, essen, lesen und schlafen verbracht.
    Geändert von adriano (20.04.2019 um 04:47 Uhr)

  17. Anfänger im Forum

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    AW: [FR] E5 Bretagne, ich komme. Ca. 700km von Point du Raz bis Le Mont Saint Mi

    #37
    29. Tag
    Samstag, 16.03.2019
    Saint Quay Portrieux – Plage de Valais
    30,7 km (430m im Aufstieg, 460m im Abstieg)


    Ausgeruht geht es heute weiter. Das Wetter ist wie vorausgesagt gut. Um 10.00 Uhr bin ich in Etables sur mer, und um 11.45 Uhr in Binic. Der Küstenpfad schlängelt sich wunderschön dahin und die stetigen Auf und Abs bringen angenehme Abwechslung.


    Saint-Quay-Portrieux













    So geht es dahin bis zum Fluss Le Gouet, dem man dann für ca. 1.5km ins Landesinnere folgt. Dort geht es über eine Brücke. Nach Westen weiter ins Landesinnere könnte man jetzt nach Saint-Brieuc gehen (wir befinden uns an der Stadtgrenze). Saint Brieuc ist eine der größeren Städte am Weg mit schöner Altstadt aus alten Fachwerkhäusern und Kathedrale, wäre also sicher einen Abstecher bzw einen Ruhetag wert. Den hatte ich jedoch schon, also gehe ich weiter nach Osten zurück zum Meer.

    Die Wanderung ist hier eher ein sehr urbanes Erlebnis, zuerst vorbei an Wohnhäusern, danach an jeder Menge Industrie, und wieder am Meer angekommen an diversen kleinen Siedlungen am Strand vorbei, die mich sehr an Kleingartensiedlungen in Österreich erinnern.

    Es ist gar nicht leicht einen Zeltplatz zu finden, aber oberhalb der Plage du Valais finde ich dann eine geeignete Wiese.


    30. Tag
    Sonntag 17.03.2019
    Plage de Valais – L'Ermont d'en bas
    22,8km (210m im Aufstieg, 210m im Abstieg)






    Tatsächlich finde ich heute wiede Hinweise auf den E5, aber ich kann schon vorwegnehmen, es werden die letzten auf dieser Tour sein.





    Um 9.00 Uhr bin ich bei der Baie de St. Brieuc (Naturreservat). Ich finde sie sehr beeindruckend. Es ist gerade Ebbe, und besonders an der westlichen Seite der Bucht, auf der ich mich Anfangs befinde, ist sehr viel Meeresgrund freigelegt. Sehr oft sehe ich auch Salzwiesen.

    Die Strecke entlang der Baie scheint die bevorzugte Joggingroute der Menschen aus der näheren Umgebung zu sein. Links und rechts wird an mir vorbeigeflitzt. Ist natürlich auch dem Sonntag geschuldet, aber hier geht’s wirklich rund.

    Ich lahme ein bisschen und brauche immer wieder Pausen. Irgendwie zieht ein Bein von der Hüfte abwärts bis in die Zehen. Ich glaub ich hab einen Nerv beim Schlafen beleidigt.


    Regenfreies Fenster zum Zelt trocknen zu finden gehört zu meiner täglichen Routine

    Sonnenschein und Schauer wechseln sich minütlich ab. Und der Spruch, dass man in der Bretagne alle Jahreszeiten an einem Tag erleben kann trifft heute zu.

    Am Nachmittag geht es vom Ort Yffiniac am südlichsten Punkt der Baie wieder nach Norden zur Pointe du Grouin und Pointe des Guettes. Am späteren Nachmittag erreiche ich den Fluss le Gouessant und folge diesem wieder ca. 2km ins Landesinnere. Der Weg ist überraschend anspruchsvoll und geht am Rande eines Tals entlang auf teils steilen Pfaden. Es ist auch sehr glitschig.


    Küste bei Hillion






    Weg entlang am Goussant, am rechten Ufer auf der Kammhöhe geht es dann wieder zurück

    Wieder zurück am Meer finde ich einen schönen Zeltplatz am Rande eines riesigen, aber um diese Jahreszeit völlig leeren Parkplatzes.


    Bouleanlage am Ende des Parkplatzes. Dass hier ja niemand auf die Idee kommt normales Boule oder gar Boccia zu spielen. Sollte schon Boule Bretonne sein

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    AW: [FR] E5 Bretagne, ich komme. Ca. 700km von Point du Raz bis Le Mont Saint Mi

    #38
    31. Tag
    Montag, 18.03.2019
    L'Ermont d'en bas – Erquy
    29,5km (360m im Aufstieg, 320m im Abstieg)


    Das gibt’s doch nicht. Heute habe ich im Zeltso gut geschlafen, dass ich tatsächlich verschlafen habe. Normalerweise wache ich alleine vor dem Wecker auf (den stelle ich ca. zu Sonnenaufgang). Heut drück ich die Alarmfunktion einfach weg und schlafe noch eine gute halbe Stunde weiter.

    Mit eingespielten Handgriffen wird dann alles abgebaut und in in meinem Rucksack verstaut. Ich komme recht gut voran und bin um 12:00 Uhr in Dahouet.


    Chapelle St. Maurice








    Dahouet





    Es beginnt zu regnen und wird auch kälter als üblich. Eine kurze Recherche ergibt, dass es eine Gite in Erquy 2km abseits vom Weg gibt. Laut Netz ist der Empfang immer von 16.00-18.00 Uhr besetzt, also gebe ich Vollgas um nach kurz nach 16.00 Uhr schon bei der Gite zu sein. So sollte ich so viel Zeit wie möglich ein einem warmen und trockenem Zimmer haben.

    Die Rechnung habe ich jedoch ohne dem Wirten gemacht. Und diese Lektion wird jetzt wohl hoffentlich meine Letzte sein, nachdem ich bei Scrigac schon or veschlossener Gite stand: In Frankreich ist sehr empfehlenswert immer in Unterkünften vorher anzurufen um sich unnötigen Stress zu ersparen.
    In der Gite hängt ein Zettel: „Aus familiären Gründen ist die Gite nicht besetzt, bitte hinterlassen sie eine Nachricht unter der Nummer xyz“ Ich rufe an und eine Dame erklärt mir, dass sie die Gite erst um 19:00 Uhr aufsperren kann.

    An diesem Punkt einfach weiter zu gehen und mir einen Zeltplatz zu suchen. Aber scheinbar hat das Wetter mein Gehirn ebenfalls ein wenig vernebelt und ich entscheide mich tatsächlich zu warten. Das ist deshalb ein Blödsinn weil die Warterei unangenehm kalt ist und ich dann auch nicht mehr viel vom Luxus eines eigenen Zimmers habe.

    Um 18:00 Uhr kommt dann eine Nachricht per Whats App dass mir die Gite doch nicht aufgesperrt wird, und ich mich doch um eine andere Unterkunft kümmern soll.

    Super...

    Ich finde nichts unter 80€ die Nacht und schreibe zurück dass ich mich zur Not mit dem Zelt auf die Wiese vor die Gite stellen könnte. Das scheint wohl was zu triggern, denn auf einmal ist es doch wieder möglich in der Gite zu schlafen, welche mir um 19:30 aufgesperrt wird.

    Sehr super hab ich das alles gemacht.

    In neuer FKT (fastest known time) wird geduscht, Wäsche gewaschen, gekocht und gegessen.

    32. Tag
    Dienstag, 19.03.2019
    Erquy – Pléhérel
    22,2km (220m im Aufstieg, 230m im Abstieg)


    Das nächste Ungeschick. Ich gehe nach dem auschecken ins 2 km entferte Carrefour in meeresnähe, kaufe Proviant ein und bemerke, dass ich den Zimmerschlüssel noch immer bei mir habe. Das Handy war auf Flugmodus, als ich es in Normalbetrieb schalte erwarten mich schon ein paar Nachrichten die sich über den Verbleib des Schlüssels erkundigen.

    Schließlich kommen wir überein, dass ich den Schlüssel im Supermarkt hinterlegen kann.

    Das Wetter ist heute mal gut und der Weg zum und am Cap Erquy ist traumhaft schön.











    Der Weg nach Sables-d'Or-les-Pins ist nicht ganz so attraktiv, aber ich hab mir vor zwei Wochen angewöhnt an eher mäßig interessanten Teilabschnitten Musik zu hören. Die ersten 14 Tage der Wanderung kam ich total ohne aus, aber mittlerweile bin ich sehr froh mir meinen kleinen mp3 Player mitgenommen zu haben.













    Der Weg wird wieder schöner und zwei km vor dem Cap Fréhel finde ich nach der Ortschaft Pléhérel einen sehr großen geschlossenen Camping municipal. Er ist in einem kleinen Wald und zieht sich bis zum Strand. Würde man nicht die Strom- und Wasseranschlüsse an den Stellpletzen sehen, würde man teilweise gar nicht erkennen, dass man grad auf einem Campingplatz ist. Hier ist ein idealer Platz für die Nacht schnell gefunden.

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    AW: [FR] E5 Bretagne, ich komme. Ca. 700km von Point du Raz bis Le Mont Saint Mi

    #39
    33. Tag
    Mittwoch, 20.03.2019
    Pléhérel – Pointe Saint Efficace
    26,9km (280m im Aufstieg, 270m im Abstieg)


    Ich wache frisch und erholt auf und mache mich auf den Weg zum Cap Fréhel. Wunderschön ist es hier und ich werde auf dem Weg teils von Propellerbetriebenen Paragleitern begleitet. Direkt am Cap frühstücke ich mit traumhaftem Blick aufs Meer. Danach geht es weiter bis zum Fort la Latte. Bis zum Port Nieux ist es wahrscheinlich einer der schönsten Teilabschnitte auf dem GR34.








    Der Frühling kommt








    Ich stelle mich neben Ornithologen mit ihren Riesenobjektiven und knipse mal einfach schnell mit meiner Kompaktkamera




    Fort La Latte

    Das ändert sich schlagartig mit einem nicht allzu schönen Straßenhatscher. Ich habe schon seit Stunden kein Wasser mehr und verlasse den Weg Richtung Plébouelle. Trinkwasser gibt es hier an der Kirche bzw dem Rathaus nicht. Obwohl das Dorf sehr klein ist und fast verlassen wirkt gibt es eine richtig skurrile kleine Kneipe. Hier trink ich mal was und kann meine Wasserflaschen auffüllen.


    Auch durch sowas muss man als Weitwanderer durch.



    Anschließend geht’s wieder zurück ans Meer. Kurz nach Pointe Saint Efficace komme ich in eine ungewohnte Situation. Der Weg führt an einer Bucht einfach ins Meer, bzw auf einen kleinen Steinstreifen direkt am Meer. Dazu müsste ich runtersteigen und hätte an meiner Rechten eine ca. 3m hohe Klippe und gleich zur linken das Meer. Zusätzlich sieht man nicht um eine Ecke nach ca. 25m wie es dahinter weitergeht.

    Ich beschließe mich bis dorthin vorzutasten, und wenn es nicht weitergehen sollte einfach umzukehren und auf Straßen die Bucht zu umgehen.

    Beim runtersteigen ans Meer ruft mich ein Mann der gerade mit dem Auto zur Bucht gefahren ist. Ich steig wieder rauf zu ihm und er warnt mich recht eindrücklich davor hier zu gehen, da die Flut noch höher steigt und der Weg dann tatsächlich weit unter Wasser liegt.

    Wenn man bedenkt, dass ich heute nur eine handvoll Leute angetroffen habe (den Wirten in Plébouelle, die Paragleiter und ein paar Ornithologen beim Cap Fréhel) bin ich sehr glücklich darüber, dass diese Begegnung genau im richtigen Moment stattfand. Ich gehe die Straße entlang und tatsächlich ist die Bucht 15 Minuten später voller Wasser. Ich hätte es vielleicht noch grad so durchgeschafft, aber so ists mir schon lieber.

    Etwas verwundert bin ich, dass es hier keine markierte Flutvariante gibt, bzw es keine Warnung bei Flut in die Bucht zu gehen.

    Noch mehr Glück habe ich als ich kurz darauf einen leeren Parkplatz finde, der fast mehr ausschaut wie ein Naturcampinplatz. Hier bleibe heute Nacht

    34. Tag
    Donnerstag, 21.03.2019
    Pointe Saint Efficace – Saint-Jacut
    24,2km (250m im Aufstieg – 270m im Abstieg)


    Ziemlich genau 12 Stunden später (wieder Flut) sehe ich von der gegenüberliegenden Seite der Bucht die Stelle wo ich gestern runter wollte. Im Foto zu sehen an den helleren Steinblöcken rechts im Bild. Unten angekommen hätte ich nach rechts (am Bild links) um das Eck gehen sollen (wo ich von der anderen Blickrichtung nicht vorbeigesehen habe). Nun ja – jetzt ist wieder Flut und alles steht unter Wasser. Bin recht froh da gestern nicht reingegangen zu sein.






    Reste einer Wassermühle





    Zuerst geht es nach Saint Cast de Guildo, und dort ziemlich ausgehungert in einen Carrefour. Ich fülle meinen Proviant auf und kaufe mir auch für ein Mittagessen direkt dort an der Promenade. Irgendwie verleitet mich mein knurrender Mage zu einem zu großen Einkauf und so verputze ich zu Mittag:
    ¼ Baguette mit Salami
    2 Tramezzini mit Schinken
    2 Pan de Chocolat
    2 Naturjoghurt
    1 gemischte Schale mit Couscous und Karottensalat
    1 Cola
    1 Gatorade

    Lektion: Nie wieder überfressen wenn man vorhat weiterzuwandern. Die nächsten zwei Stunden werden zur absoluten Qual. Meine Energie scheint dafür draufzugehen die absurde Portion zu verdauen die ich vertilgt habe.




    Saint Cast




    Schichtende, die Flut kommt und jetzt fährt alles zum Hafen

    Am Abend erreiche ich Saint-Jacut-de-la-Mer

    Wer sich Saint-Jacut de la Mer auf einer Karte anschaut sieht, dass es auf einer ca. 4km langen Halbinsel liegt. Die Halbinsel ist von Ost nach West an der breitesten Stelle ca. 500m lang und man könnte extrem abkürzen.






    Küstenpfad Saint Jacut

    Wie immer gehe ich aber die gesamte Strecke aus und würde das auch weiterempfehlen. Die Halbinsel und die Stadt darauf ist nämlich traumhaft.

    Ich finde wieder einen leeren Parkplatz der sich zum Zelten eignet.

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    Avatar von Sternenstaub
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    da wo es zu viel Menschen und zu wenig Natur gibt
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    AW: [FR] E5 Bretagne, ich komme. Ca. 700km von Point du Raz bis Le Mont Saint Mi

    #40
    ich lese schon die ganze Zeit immer wieder hier. Ich glaube, ich muss definitiv mal wieder nach Frankreich, speziell in die Bretagne. Manchmal frage ich mich, ob es schön ist, so viele Wunschgegenden zu haben oder eher schlecht. .
    danke für den Bericht.
    Two roads diverged in a wood, and I—
    I took the one less traveled by,
    And that has made all the difference (Robert Frost)

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