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  1. Erfahren
    Avatar von vergissminet
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    [Tag 085 - 086] Rocciamelone, 3538 m

    #61
    Mitreisende: vergissminet
    Mit der Besteigung des höchsten Gipfels der gesamten 2000 Kilometer-Tour erhielt die Durchquerung der Grajischen Alpen einen besonders schönen Schlusspunkt.

    Die zweitägige Überschreitung nahm in Usseglio ihren Ausgang - gemeinsam mit Sonja und Christoph, meinen beiden temporären Leibärzten aus Wels. Zeitig morgens machen wir uns an den 1800 Höhenmeter schweren Aufstieg zum Nachtquartier am Ende von Tag eins, dem Rifugio Ca d'Asti auf 2800irgendwas.
    Schon der Aufstieg ist traumhaft schön, über ein Hochtal erreichen wir bei klarem Himmel den Stausee und das nah am Wasser gebaute Rifugio Vulpot - hier ganz hinten zu sehen. In diesem Bericht können übrigens ausnahmsweise alle Bilder vergrößert werden, da ich am Wochenende dickes fettes Internet hatte.



    2000 Höhenmeter oberhalb von Susa gönnte ich mir ein falsches Gipfelbier, steht die Capanna Sociale Aurelio Rivetto ja an einem Pass mit eisernem Kreuz, stimmig Colle Croce di Ferro genannt.

    Der Blick ins Tal ist enorm cool und von Christoph ist in regelmäßigen Abständen ein ungläubiges "Mah hamma mir a Maassn mitm Wetter!" zu vernehmen. Von hinten links grüßt Turin:



    Unser Ziel, der Rocciamelone, ist ein vorgeschichtlicher Kultplatz, aus dem, wie auch überall sonst in Europa bei solcherart vorbelasteten Stätten, später ein christlicher Wallfahrtsort wurde. Am Gipfel befindet sich Europas höchstgelegene Kapelle, wo jedes Jahr am 5. August bei der traditionellen Gipfelmesse der Teufel los ist. Denn der lange als höchster Gupf der Alpen verkannte 3500er ist mit normaler Wanderausrüstung erreichbar und darüberhinaus nicht weißgottwie schwierig.

    Das Publikum im Rifugio d'Asti ist bunt gemischt. Gläubige Pilger fühlen sich beim Seniorchef, einem Hüttenwirt aus Bestimmung, sehr gut aufgehoben. Ihn werden wir am nächsten Tag am Weg retour von der Jungfrau Maria treffen, deren 3 Meter hohe Statue am Gipfel das Kreuz ersetzt. Gipfelstürmer ohne Bußticket werden jedoch bereits hier von einer anderen, eisernen Jungfrau willkommen geheißen:



    Knapp 700 Meter gilt es am folgenden Morgen zu schultern, weshalb wir uns bereits lange vor Sonnenaufgang auf die Beine machen. Die Aussicht soll nämlich frühmorgens besonders gut sein. Und das stimmt auch - was Christoph - siehe oben - zu Recht nicht unkommentiert lässt.

    Hier sieht man übrigens sehr schön den typischen piemontesischen Wolkenstau an einem Berggrat, während sich hinten bereits die Morgensonne wichtig macht:



    Oben am Gipfel wird nach allgemeiner Sprachlosigkeit trotz bzw. wegen der "unglaublichen Wettermaassn" erst einmal ein Panoramafoto für die unten gebliebenen angefertigt (klickiklick zum Vergrößern)



    Und ich darf mich freuen, meinem von überall leicht erkennbaren Leitberg, dem Monviso, bereits auf überschaubare 60 Kilometer nahe gekommen zu sein:



    Der höchsten Maria Europas mache ich vor dem Abstieg meine Aufwartung...



    ... wobei mich ganz oben der Blick zu den Viertausendern des Ecrins ablenkt, die ebenfalls nur etwas mehr als 60 Kilometer entfernt sind:



    Im Abstieg haben wir ständig das sich 3000 (!) Höhenmeter weiter unten ausbreitende Susa-Tal im Blick. In der Bildmitte das Rifugio Ca d'Asti:



    Nach einem Frühstücksteller Pasta Bolognese im Rifugio heißt es Abschied nehmen von Sonja und Christoph. In einer guten Woche Gran Paradiso und Grajische Alpen gemeinsam durchquert - und die Frisur hält! Danke euch beiden v. a. für die feinen Abende, der nächste Nebbiolo geht auf mich!

    In diesem Sinne: Mahlzeit!

  2. Fuchs
    Avatar von Wafer
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    AW: [AT|SI|IT|CH|F] Wien - Monaco (2000 km): EPILOG

    #62
    Großartig! Ja, ich lese immer noch begeistert mit! So leicht bin ich nicht zu vergraulen!!!
    Geändert von Wafer (09.05.2019 um 23:34 Uhr)

  3. Erfahren
    Avatar von vergissminet
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    [Tag 087 – 089] Es wird Herbst…

    #63
    Zum Auftakt in den Cottischen Alpen geht's in den einsamen Naturpark Orsiera-Rocciavrè, wo unterhalb des 2600 m hohen Passüberganges ein Selbstversorger-Biwak einen Platz für die Nacht bereithält.

    Es scheint, als begänne für mich in Susa der meditative Teil der Tour. Drei Tage lang werde ich nun keinen einzigen Wanderer treffen, auch in den Quartieren bin ich bereits der einzige Gast. Spricht man mit den Menschen, so spürt man, dass auch sie die Saison innerlich für beendet erklärt haben. Wiederholt bekomme ich zu hören, dass ich vermutlich der letzte GTAler dieses Sommers wäre.

    Das Wetter tut sein Übriges dazu, dass beim Start in Susa Herbststimmung in der Luft liegt.

    In dieser Region des Piemont spricht man übrigens neben der Landessprache am ehesten französisch. Oder aber nicht zu selten Okzitanisch - was die Sache für mich nicht unbedingt einfacher macht. Aber irgendwie geht's immer, und man versteht mich und meine Gebärdensprache. Beim italienischen Activity wäre ich mittlerweile sicher eine Hausmacht. Gib mir irgendein deutsches Wort, und ich zeige es - auf italienisch!

    In welchem Land man sich befindet, darüber besteht in Italien auch wenige Kilometer vor der französischen Grenze kein Zweifel:



    Vom Susa-Tal zur (im Sommer unversperrten) Hütte braucht man einen halben Tag.



    Am frühen Nachmittag treffe ich dort ein. Um keine Sekunde zu früh...



    ... denn kaum dass ich unter Dach bin, beginnt es so stark zu gewittern, dass Regenwasser in die Hütte gelangt.

    Brennholz ist auf Hütten oberhalb der Waldgrenze immer Mangelware, also heize ich am Nachmittag nur einmal kurz ein, koche viel Tee - und einen halben Kilo Spaghetti für Mittag-, Abendessen und Frühstück. Kalte Pasta Asciutta ist eine Delikatesse - wenn es sonst nichts anderes gibt.

    Am nächsten Morgen geht es in Einklang mit der Wetterprognose noch in der Dämmerung zum Colle dell'Orsiera hinauf, an dessen Südseite mich das Chisone-Tal vorerst recht freundlich aufnimmt.



    Dennoch habe ich nur bis ca. 14 Uhr Zeit, um den angekündigten Regengüssen auszuweichen. Kurz nach 13 Uhr sitze ich bereits vor meinem Vitello Tonnato in der Trattoria von Usseaux. Bald darauf beginnt es zu regnen.

    Usseaux gilt als einer der schönsten Orte Italiens. Eng aneinander gereihte Steinhäuser, schmale gepflasterte Gassen, viele kleine und größere Brunnen mit schrägen Steinplatten, auf denen einst die Wäsche saubergerieben wurde.

    Sehr nett, manchmal vielleicht auch ein wenig kitschig die 'Murales' - die auf den Wänden der Häuser das Ortsbild aufheitern - so wie bei diesem Verteilerkasten:



    Ich übernachte im sehr sympathischen Agriturismo Pzit Rei und habe das gleichsam gemütliche wie geschmackvolle Speisezimmer abends für mich alleine.



    Alles, was auf den Tisch kommt, ist selbst gemacht bzw. kommt aus dem Bio-Garten unterm Balkon.



    Am nachsten morgen geht's immer der Gams nach:



    Der Weg zum 1300 m höher gelegenen Col Albergian (2713 m) ist gemütlich - und kurzweilig.



    Einzig das begleitende Donnergrollen macht mich ein wenig unentspannt, doch es bleibt nach anfänglichem Herumgeniesel letztlich ein trockener Tag.



    Zu sehen gab es allerdings nicht viel. Anstelle des von Iris versprochenen Monte-Rosa-Blickes begnüge ich mich mit dem Entziffern der Wegtafeln.



    Im Abstieg sichtbare Spuren des Zeitzahnes. Bei manchen Gebäuden wird man nicht umhin kommen, sich das Dach einmal näher anzusehen.



    Im Piemont allgegenwärtig und nicht gerade meine Begeisterung schürend sind die vielen freilaufenden, wenig Liebenswürdigkeit ausstrahlenden Wach- und Hirtenhunde. Mit letzteren habe ich mich bereits arrangiert, denn die Hirtenhunde sind in der Regel gut erzogen und sehen ihre Aufgabe darin, mich, den potentiellen Viehdieb, nur lauthals zu stellen, ohne mich gleich in der Luft zu zerreißen.

    Was aber tut man, wenn sich einem ein solches Ungeheuer in den Weg wirft?



    Da hilft nur beten.

    Das Schicksal meinte es gut mit mir. In Didiero übernachte ich in der alten Waldenser-Schule. Bei Iris steht zu lesen, dass die Schulkinder dazu angehalten waren, täglich ein Stück Brennholz mitzubringen. Wer darauf vergaß, stapfte mit einem Holzzockel weniger nachhause.



    Im Schulgebäude wurde der obere Stock zu einem Posto Tappa ("Etappenstützpunkt") umgebaut, weil es im Tal zu wenige Gästebetten gibt. Das sieht dann beispielsweise so aus und kostet inklusive viergängigem Abendessen und Frühstück im Ort zwischen € 40 (Lager) und € 50 (Zimmer).



    Die nächsten zwei Tage bringen meine Planung durcheinander. Das Zusammenfallen von Schlechtwetter (Schneefallgrenze auf 2300 m) und zwei hohen Passübergängen lässt mich zwei Sightseeingtage in der ehrwürdigen, zu Unrecht als "Detroit Italiens" bezeichneten Hauptstadt des Piemonts - Turin - andenken.

    Dazu muss ich allerdings vorher bei diesen Beiden vorbei - denn die Bushaltestelle ist genau hinterm hinteren Hintern.



    Am Ende der Etappe wartet noch eine große Überraschung auf mich. "feriale" heißt nicht wie irrtümlich angenommen "Ferien", sondern "werktags".

    Das wirft natürlich ein völlig neues Licht auf den Busfahrplan!

    Also ging es per Autostopp mit einer sehr gesprächigen, jedoch keines einzigen nicht-italienischen Wortes mächtigen Dame den Berg hinunter, sodass ich den Tag doch noch mit einem regionstypischen Menü ausklingen lassen kann.



    Mahlzeit!

  4. AW: [AT|SI|IT|CH|F] Wien - Monaco (2000 km): EPILOG

    #64
    Vielen Dank für den lockeren und humorvollen Bericht.

    Erinnerungen an meine GTA-Tour werden wach und machen mich zappelig vor lauter Lust aufzubrechen ...
    „Wie komm ich am besten den Berg hinan? Steig nur hinauf und denk nicht dran!“ – Friedrich Nietzsche


  5. Erfahren
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    [Tag 090 - 094] You can call me Al

    #65
    Nach 65 Tourentagen werde ich morgen Italien verlassen, und auf der französischen Seite der Grenze dem Weg Richtung Meer folgen.

    Die letzte Woche war schön, aber eingangs ein bisserl mühselig. Nie war klar, ob ich am Abend wirklich dort rauskomme, wo ich hinwollte. Denn der unerwartet heftige Herbstschnee sorgte für Probleme an den höher gelegenen Passübergängen.

    Der Montag nach den Schlechtwettertagen sollte allerdings außerordentlich gut werden, also beschließe ich, gleich zwei Etappen zusammenzulegen.

    Am ersten Passübergang lag tatsächlich ein wenig Schnee, aber der war wurscht. Außerdem entschädigte der Blick zum Monviso für die nassen Patschen.



    Es wird allerdings das letzte Mal gewesen sein, dass ich diesen "meinen" Berg sehe, der mir über mehrere Wochen den Weg nach Süden angezeigt hat. Doch das wusste ich am ersten Pass des Tages noch nicht.

    Auch beim Rifugio Barbara Lowrie wies noch nichts darauf hin, dass ich am nächsten Tag nicht zu den Po-Quellen im Osthang des "von überall sichtbaren Berges" (daher der bereits von den Römern verwendete Name Monte Viso) vordringen werde können.



    Doch 750 Meter oberhalb des Rifugio Barbara komme ich zu der Einsicht, dass meine zweite Scharte des Tages heute ein Problem darstellen könnte (im nächsten Bild rechts). Schon auf meiner Seite recht knackig im Finale, und wer weiß, wie steil es auf der anderen Seite runtergeht. Normalerweise wohl kein Problem, doch mit meiner (auf sommerliche Verhältnisse ausgelegten) Ausrüstung habe ich in steilen Neuschneehängen nichts verloren.



    Also wieder zurück zur Barbara. Dort gibt es einen Wandererparkplatz, und so hoffe ich, dass mich von dort jemand mitnimmt. Wohin, weiß ich beim Abstieg selbst noch nicht. Ich muss irgendwie um den Berg herum, doch das bedeutet hier in dieser zerfurchten Berglandschaft zumindest eine halbtägige Busfahrt: Raus in die Po-Ebene, und von dort über den nächsten regionalen Verkehrsknotenpunkt ins Nachbartal - 3x Umsteigen, 3 Stunden reine Fahrzeit).

    Doch in Italien lässt man dich bei einem Problem nicht im Regen stehen. Father Al, Texaner von Geburt, doch seit mittlerweile 10 Jahren für die gottesfürchtigen Seelen Pinerolos zuständig, bietet mir einen Platz in seinem berggängigen Fiat an. Dank seines Fahrstils - einer erfrischenden Mischung aus den Blues Brothers ("A Mission from God!") und Roberto Begnini in Night on Earth fand ich mich nur eine Stunde später erstaunlicherweise auf der anderen Bergseite wieder.

    Vielen Dank nochmals dafür, Father Al!

    In Paesana war ich zwar weit von der französischen Grenze weg, konnte aber von dort aus zwei Tage lang unter der Schneegrenze nach Süden weiter wandern.

    Den Po querte ich etwa 20 km vom Ursprung entfernt (rechts vom Schild der Monviso).



    Der Weg nach Sampeyre erinnerte mich sehr an die heimatlichen Nockberge.



    Der folgende Tag ist zwar weniger freundlich, aber was soll's, es ist Ende September!



    Und weil ich nie über das Wetter jammere, werde ich in der Regel tagsdrauf umgehend mit einem Hochdruckfenster belohnt.

    Wie auch hier, wo mir von Elva ein wunderbarer Wandertag zurück Richtung Frankreich vergönnt war. Nockberge im Piemont...



    ... und immer noch viele Kühe. Die haben bei uns daheim bereits den Weg ins Tal angetreten. Hier verträgt die Grasmatte auf der Hochalm zwei Wochen mehr, aber bald ist auch im Piemont Schluss.



    Mit mir im Val Maira unterwegs sind Grit und Frank aus Leipzig. Wieder brauche ich mir um Betreuung im Bedarfsfall keine Sorgen zu machen: Sollte ich der deutschen Muttersprache verlustig gehen, sind die beiden Sprachtherapeuten zur Stelle.

    Und sie sprechen erfreulicherweise in jeder Hinsicht meine Sprache.



    Das Mairatal, dessen Maultierwege wir gerade abschreiten, ist ein Juwel...



    ... sodass mir der Abschied aus Italien, der nun unmittelbar bevorsteht, nicht leicht fällt...



    ... ich genieße meine Lieblingsjahreszeit, den farbenfrohen Herbst....



    .... und werde bei den allerletzten piemontesischen Bergdörfern auf meiner Tour zugegebenermaßen auch ein wenig schwermütig...



    .... denn morgen heißt es Abschied nehmen von (a) der Grande Traversati dei Alpi, (b) vom Piemont, und - nach 65 unvergesslichen Tourentagen, von Italien. Denn hinter diesem Talschluss wartet Frankreich.



    Mein letztes italienisches Quartier steht für das ganze Land: Entspannt, sympathisch, lässig. Ich treffe am Nachmittag ein, bestelle ein Bier, bekomme ein selbstgebrautes IPA - und dazu vom Chef - einfach so aufs Haus - einen Gustoteller vom Feinsten.



    Ich werde Italien vermissen.

  6. Erfahren
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    Zehn - Deset - Dieci - Dix

    #66
    Über den Col de Sautron überschritt ich gestern den Alpenhauptkamm, um auf den letzten Tagen meiner Reise die Französischen Seealpen kennenzulernen.

    Der Empfang in Frankreich war in jeder Hinsicht freundlich. Schon gestern hatte ich das Glück, mit rund 20 ehrenamtlichen Wegewarten des Französischen Alpenvereins den Abend verbringen zu dürfen. Meine Sorgen, ohne Französischkenntnisse auf offener Straße verhungern zu müssen, erwiesen sich sehr schnell als unbegründet.

    Am nächsten Tag hieß mich auch der Nationalpark Mercantour mit bestem Herbstwetter willkommen.



    Schon bald war klar, dass mir hier nicht fad werden würde.



    Von oben ein erster Blick ins Herz des Nationalparks...



    ... wo ich eine bizarre, von tektonischen Bruchlinien durchzogene Hochalm durchquere...



    ... um vom zweiten Pass auf die letzten Stunden zurückzusehen - links der Bildmitte der Col de Cavale, von dem sich die Schotterbänder zur Alm hinunter ziehen.



    Ich befinde mich nun auf dem Weitwanderweg GR5 - dem französischen Pendant zur italienischen GTA. Auch er verläuft nahe der Staatsgrenze, und Militärstraßen wie auch alte Handelspfade sind hier die Wegbereiter.



    Resümee nach Tag eins: Ich fühle mich in Frankreich gut aufgehoben, auch wenn ich nicht immer alles verstehe.



    Bon appetit!

  7. Erfahren
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    Neun - Devet - Nove - Neuf

    #67
    Als Belohnung für alle, die bis hierher durchgehalten haben, gibt es heute einen besonders grünen Bericht von der ersten vollständig französischen Etappe.

    Am frühen Morgen ging es über den Col de Colombiere auf die Sonnenseite.



    Ich greife unterwegs nix an, was ich nicht kenne.



    Auch nicht die vielen Hagebutten, die hier niemanden zu interessieren scheinen.



    Die Disteln scheinen sich über den sonnigen Tag zu freuen.



    Der Weg nach St Dalmas-le-Selvage ist ein Genuss - der schöne Ort versteckt sich im Talschluss beinahe genauso gut ...



    ... wie dieser Käfer hier.



    Soll ich jemandem was mitbringen?



    St Dalmas ist ein Örtchen, dessen Bewohner ihre Häuser mit viel Liebe zum Detail gestaltet haben.



    Und nicht nur einmal stellt man sich die Frage, was sich wohl auf der anderen Seite des Eingangs verbirgt (das Bild muss man vielleicht vergrößern).



    Und weil auch ich die Früchte des Gartens zu schätzen weiß, schließe ich mit einem Blick aufs heutige Mittagessen.



    Bon appetit!

  8. Erfahren
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    Acht - Osem - Otto - Huit

    #68
    Die Etappe von St Etienne nach Roya gehört zu den Dingen, die man NICHT gesehen haben muss.

    Irgendwann musste er ja einmal kommen, der Tag, den keiner braucht. Kurz vor Acht stehe ich im Frühstücksraum meines sternelosen Nachtquartiers - vor einem vollkommen leer geplünderten Buffet. Die fünf älteren Semester, die mich am Vorabend wortlos vom Gemeinschaftstisch delogierten, weil sie den Platz für ihren Tetrapak-Wein brauchten, sind wie die Heuschrecken über das Dargebote hergefallen. Nur ein paar Teebeutel sowie ein leeres, umgeworfenes Saftpack'l zeugten davon, dass sich hier einst ein Buffet befand.

    Nun, dass es bei Tisch einmal knapp wird, kann ja passieren. Dass ich den Hauswart dieser, ähm, sich "Pension" schimpfenden Jugendherberge jedoch förmlich beknien muss, auch mir noch irgendeinen Gegenwert zu dem bereits am Vortag bezahlten Frühstück anzubieten, verhieß bereits nichts Gutes für diesen Tag. "Kann ich etwas Kaffee haben? Ein wenig Milch? Gibt es noch etwas Brot? Und Butter vielleicht?" Begleitet von großem Zögern und latentem Widerwillen erhalte ich krümelweise mein petit déjeuner. Unzweifelhaft ist dem Wirt in erster Linie am petit gelegen.

    Nächster Stopp: Die Tourismusinformation. Die hatte bei meiner Ankunft Ruhetag, doch am nächsten Tag, also heute, um 9h wäre wieder jemand da, versprach das Schild an der Tür. Weil auf meiner Strecke bereits ein Quartiergeber nach dem anderen in eine Art postsaisonale Winterstarre verfällt, erschien es mir nämlich ratsam, die Stationen der kommenden Woche vorzubuchen.

    Nachdem mich am Frühstückstisch wirklich nichts hielt, war ich bereits eine halbe Stunde vorher dort. Brav wartete ich vor der Tür - und sah der örtlichen Informationsbeauftragten durch die Glasscheibe bei wichtigen Telefonaten zu.

    Um Dreiviertel steht sie plötzlich auf und kommt zur Tür. Doch, wie sich zeigen sollte, nur um hinauszugehen - und hinter sich abzusperren. Gut, denke ich mir, wird sie sich halt noch schnell ein Wurstsemmerl holen, bevor die Action losgeht.

    Als sie um zehn nach Neun immer noch nicht zurück war, beginne ich - inzwischen schon etwas ungeduldig - die Vitrine abzuschreiten. Und was entdecke ich? Dieses Cretin hat einfach das Schild getauscht! "Heut ist geschlossen, kommt halt morgen wieder."

    Und das, nachdem mir diese Gurk'n durchs Fenster eine halbe Stunde beim Warten zugesehen hat!

    Na mehr brauchst nimmer.

    Nachdem ich einem völlig unbeteiligten Franzosen aufgeregt mit Händen und Füßen mein Leid geklagt hatte, und er für meinen Weltschmerz nur ein lapidares "Sellerie" übrig hatte, war für mich die Zeit gekommen, funkensprühend diesen unseligen Ort zu verlassen.

    Es folgte ein fader Asphalthatscher, dem eine noch fadere Serpentinenspirale durch unvorstellbar faden Wald folgte.

    Auf halbem Weg gelange ich nach Auron, ein Wintersportort von beinahe sehenswerter Scheußlichkeit. "Trotz des gut entwickelten Tourismusangebotes bewahrt das Dorf Auron noch die Spuren einer älteren Geschichte", ist der Tourismusverband (also das Mädel mit den flexiblen Arbeitszeiten) nicht verlegen, dieses Fegefeuer schönzureden.



    Dass der Abstieg nach Roya über eine schöne Hochalm mit Blick Richtung Mont Mounier verläuft, vermochte dieses Streichresultat nicht mehr zu retten.

    Weshalb sich die Macher der Via Alpina hier inmitten des wunderschönen Nationalparks Mercantour zu einer derartig unverständlichen Wegführung hinreißen ließen, lässt sich eigentlich nur mit außerordentlichen Zuwendungen erklären.

    Resümee: Einen Tag von hundert halte ich aus. Augen zu und durch, dann der nächste Tag lässt alles wieder vergessen.
    Geändert von vergissminet (19.05.2019 um 21:55 Uhr)

  9. Fuchs

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    AW: [AT|SI|IT|CH|F] Wien - Monaco (2000 km): EPILOG

    #69

    Der gebrauchte Tag, war aber sehr unterhaltsam geschrieben!

  10. AW: [AT|SI|IT|CH|F] Wien - Monaco (2000 km): EPILOG

    #70
    So einen Tag hatte ich letztes Jahr auch in Frankreich (Stück auf dem GR52 Richtung Lac de Trécolpas). Ich persönlich würde daher immer auf der italienischen Seite bleiben. Alleine schon kulinarisch viel geiler . Auch wenn der GR52 im Bereich der Seealpen def. ein Highlight ist.

    Btw.: toller Bericht =)

  11. Fuchs
    Avatar von Meer Berge
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    AW: [AT|SI|IT|CH|F] Wien - Monaco (2000 km): EPILOG

    #71
    Herrlich!!!

    Nicht, was du erlebt hast an diesem miesen Tag,
    aber wie du das beschrieben hast - hab mich schlapp gelacht!

    Ja, kenne ich auch, solche Tage. Aber im Nachhinein möchte ich die ebenfalls nicht verpasst haben.

    Super Bericht!
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    Das Wetter, das man jeden Morgen in sich selber macht, ist viel wichtiger als das Wetter draußen. Fynn

  12. Erfahren
    Avatar von vergissminet
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    Sieben - Sedem - Siete - Sept

    #72
    Danke für das nette
    OT: - im Unterschied zu Auron mich sehr erfreuende -
    Feedback!

    Alsdann, der Countdown läuft weiter - auf in die letzte Woche ...!

    Die letzte hochalpine Etappe ist gleichzeitig eine der schönsten der gesamten Alpentraverse.

    Im Hochtal der Sallevielle werden bis in den späten Herbst hinein Schafe gehalten. Doch nicht stationär - die nicht sesshaften Hirten ziehen mit dem Tieren von Weidegrund zu Weidegrund. Diese traditionelle Form der Alpwirtschaft, Transhumanz genannt, sieht man europaweit nur mehr im französisch-italienischen Grenzgebiet.

    Bei meinem morgendlichen Aufstieg ist die Alpe noch leer, doch ich höre die Herde bereits über den Bergkamm ziehen, vorangetrieben von Schäfern und scharfen Hirtenhunden.



    Hauptaufgabe der Hunde ist jedoch nicht der Herdentrieb, sondern der Schutz der Schafe vor Wölfen, wie sie hier im Nationalpark zuhauf vorkommen. Der Artenschutz hat unter den Hirten allerdings wenige Freunde. Allein in diesem Sommer hätte er wegen der Wölfe bereits vierzig Tiere verloren, erzählt einer der Hirten, hier berger genannt.

    Weshalb er dem "Lupus" auf seiner Alpe kurzerhand den Zutritt verboten hat - entsprechende Hinweise für den gebildeten Wolf finden sich überall:



    Auch für fremdsprachige Wölfe gibt es keine Ausreden.



    Unbehelligt erreiche ich meinen allerletzten alpinen "Pass des Tages", den knapp 2500 m hohen Col de Crousette. Hier ein letzter Blick zurück Richtung Royatal:



    Weil die heutige Tour mit nicht einmal acht Stunden bemessen ist, ich aber vor Mittag bereits das schlimmste hinter mir habe, beschließe ich, dem Gruppenhöchsten einen Besuch abzustatten.

    Die Aussicht vom 2800 m hohen Mont Mounier ist gewaltig.



    Auch die weiterere Strecke sieht vielversprechend aus.



    Hier im Rückblick der "schwarze Berg" (Mounier=mont noir) samt Vorgipfel.



    Auf dem Weg zur Longon-Hochalpe passiere ich ein letztes echtes Bergdorf - denn der verbleibende Weg zum Meer bleibt ab nun durchwegs weit unter der Waldgrenze.



    Hier in diesem Teil des Parks wurden übrigens erfolgreich Bartgeier angesiedelt. Den ganzen Nachmittag über kann ich etliche von ihnen dabei beobachten, wie sie im Revier patroullieren und dabei steile Schuttrinnen nach Essbarem absuchen.

    Wenn ein Bartgeier bereits leergeputzte Knochen findet, nimmt er sie dennoch mit und lässt sie aus großer Höhe auf einen Felsen fallen, um so ans Innere zu kommen (Mark, Gehirn...). Weshalb sich über das Gebiet einschlägige Fundstücke verteilen.



    Rechtzeitig zum Sonnenuntergang erreiche ich die Hütte, wo sich noch ein kleines Bier im Liegestuhl ausgeht, bevor es sehr schnell Nacht wird.



    Die Hütte ist sehr einfach...



    ... gehört aber sicher zu den nettesten Plätzen zwischen Wien und Monaco.



    Ein üppiges Menü, ausschließlich Zutaten aus eigener Produktion, begleitet von viel Gelächter - ein perfekter Ausklang für meine 100ste Tagesetappe.

    Santé!

  13. Erfahren
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    Sechs - Šest - Sei - Six

    #73
    Diese Etappe führt aus dem Nationalpark hinaus in die ganzjährig bewohnten, fruchtbaren Täler. Von der Lärche zum Feigenbaum braucht man hier keine drei Stunden.

    Niemand will im Refuge de Longon der Palmesel sein - gefrühstückt wird daher bei Sonnenaufgang.



    Wie auch in den Bergen des Piemonts gibt es Kaffee aus der großen Schale, in die man je nach Vorliebe sein Brot tunkt - oder selbiges mit hausgemachter Marmelade garniert. Aus der Sennerei kommen ein frisches Joghurt sowie die Butter. Und mehrere Sorten Käse, die vor Ort hergestellt werden.



    Im Abstieg - etwa 1400 m sind's bis zum Ufer des Tinée - grölen die Hirsche. Die Jagdhütten sind zur Brunftzeit gut belegt und ich bin froh, dass mich mein leuchtend hellgrünes Shirt bis hierher begleitet hat.

    Ein letzter Blick in die Berge....



    Roure ist ein schönes, mittelalterliches Dorf mit italienischer Prägung. Hier wachsen die eingangs erwähnten Feigen auf erstaunlichen 1000 m Seehöhe.



    Doch ich muss ganz hinunter ins Tal, um dort den Tinée zu queren.



    St-Sauveur-sur-Tinée: Nett...



    ... aber mir zu heiß, selbst Ende September ist hier Hochsommer. Weshalb ich mich wieder ein Stockwerk weiter hinauf begebe und in meine geliebten Berge zurückziehe, solange ich sie noch habe.



    In La Bolline wartet ein schönes, stilvoll renoviertes Hotel samt sehr gutem Essen im angeschlossenen Bistro auf mich ... Mahlzeit!

  14. Erfahren
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    Fünf - Pet - Cinque - Cinq

    #74
    Die heutige kurze Etappe führt fast ausschließlich durch Wald. Da gibt's nicht viel zu erzählen.

    Der Ruf der Heimat ist bereits deutlich zu vernehmen, glaube ich doch bereits schon wieder, überall den Kilnprein zu erkennen...



    Auch die Straßennamen klingen eher nach Attnang-Puchheim als nach Cote d'Azur.



    St Martin-Vésubie ist ein Städtchen, wo man es gerne einen halben Tag aushält. Durch das mittelalterliche Zentrum führt heute noch ein oberirdischer Kanal sauberes Wasser für die Gärten am Stadtrand.



    Neben einem Stadtbummel blieb für mich heute nicht viel zu tun, als mich um Mittag- und Abendessen zu kümmern.

    Aber das muss jeder.



    Mahlzeit!

  15. Gerne im Forum

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    AW: [AT|SI|IT|CH|F] Wien - Monaco (2000 km): EPILOG

    #75
    Dir endlich mal 1000 Dank für diesen großartigen, hintersinnigen, interessanten und so vergnüglichen Bericht, den ich von Anfang an mitlese und bei dem ich mich immer sofort auf die Fortsetzung stürze.

    Ich finde es höchst bedauerlich, dass er sich dem Ende zuneigt.

    Wie lange hast du eigentlich gebraucht, um den Weg so vorauszuplanen - mit allen Gipfeln, möglichen Umwegen, Quartieren und Hütten? Oder wurde das unterwegs vom Fräulein aus der Ferne supported?

    Also nochmals vielen, vielen Dank!

    Hier gibt's ganz viele tolle Reiseberichte, aber dieser gehört vor allem auch wegen seines Tons für mich zu den absoluten Highlights.

    VG

  16. Erfahren
    Avatar von vergissminet
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    Vier - štiri - quattro - quatre

    #76
    Der Weg nach Belvedere, einem kleinen Dorf oberhalb des Vallée de la Vésubie, führt durch geschlossenen, kastanienreichen Laubwald.

    St-Martin verlasse ich durch die Milchstraße.



    Unterwegs mehren sich die Anzeichen des nahenden Ballungsgebietes an der Küste. Die heutige Tour führt beispielsweise durch die Wasserspeicher der Provinz - Wasser sieht man allerdings den ganzen Tag keines, der Grund dafür ist offensichtlich:



    Der Küstenstrich zwischen Menton und Nizza bezieht seinen Strombedarf aus der Region. Der unverzagte Tourismusverband bemüht sich zu retten, was zu retten ist - und findet für die (deshalb in Beton und Stahl umgeleiteteten) Gebirgsbäche folgende Worte:

    "Angesichts des Zornes der Gewässer in den Tälern erbauten unsere Vorfahren die Dörfer auf Kämmen. Im Laufe der Zeit und dank der technologischen Fortschritte wurde das Wasser als Quelle des Lebens und der Energie erkannt, und die Anlagen der Wasserwirtschaft erlebten eine Blütezeit. Diese Etappe ist das beste Beispiel für diese Entwicklung."

    Et voilà - und schon ist's ein Traumpfad!

    Der Weg ist spärlich markiert, wohl um nicht von der Quelle des Lebens abzulenken. Dennoch ist er nicht zu verfehlen, wenn man intuitiv vorgeht.



    Aufpassen sollte man trotzdem immer -note to self: Die Warnung "Achtung Treibjagd - Sie werden unter Umständen erschossen" in allen gängigen Sprachen auswendig lernen - und nicht Fotos machen und daheim nachschauen, was denn das geheißen hat:



    Belvedere ist der kleine Ort in der nächsten Bildmitte ganz hinten. Der Weg ist länger als angegeben (oder ich bin heute um 16,7 % langsamer als sonst).



    Die unzähligen Parasole können nicht an meiner unterdurchschnittlichen Performance schuld sein, denn die lasse ich stehen. Hätte ich allerdings gewusst, dass ich ausgerechnet heute mein erstes und einziges Appartement auf der ganzen Tour überlassen bekomme...!

    Allein auf diesem Hüftschuss stehen drei Prachtexemplare:



    Da, wo jetzt dichter Wald steht, dürften sich früher Ackerflächen befunden haben - anders kann ich mir die Terrassen und Stützmauern entlang des Weges nicht erklären.



    Mitte Nachmittag erreiche ich den Ort. Mein Appartement befindet sich direkt am Hauptplatz. Wo der Schlüssel ist, haben wir uns gestern telefonisch ausgeredet.

    Beim Schlendern durch den Ort entdeckte ich dieses Plakat - ausgerechnet heute wird hier in einem Festzelt am Ortsrand der Almabtrieb gefeiert!



    Retour des bergers
    - das ist die "Rückkehr der Hirten". Das wäre ja ein passender Schlusspunkt! Mal schauen, ob ich so lange durchderhalt'...

  17. Erfahren
    Avatar von vergissminet
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    Drei - Tri - Tre - Trois

    #77
    Die Strecke von Belvedere auf den Col de Turini ist die letzte Bergauf-Etappe für mich.

    1400 Meter rauf auf den 1600 m hohen Pass. Damit sich das vom Bergdorf Belvedere aus ausgeht (900 m), muss ich am Vormittag wieder bis in die Talfurche hinunter. Zwei Flüsse sind zu queren...



    ... dazwischen befindet sich eine stark befestigte Anhöhe, die auf einstige Spannungen zwischen Italienern und Franzosen schließen lässt.



    In den Canyons wachsen Pflanzen, die sich in ihrer aktiven Zeit vor wenigen Wochen wohl noch von Kleinkindern ernährten. Davon bin ich überzeugt.



    Für einen Teil des Dschungelpfades habe ich allerdings Zutrittsverbot.



    Ich übersetze die Handschrift. "Die nächsten zwei Asphaltkilometer wurden Ihnen freundlicherweise vom Generalkonsulat Alpes-Maritime zur Verfügung gestellt. " Stimmt das so?

    Durch jene glückliche Fügung führt mein Weg an diesem Rastplatz vorbei. Kaum ein Ort in den Seealpen eignet sich besser, Aufbau und Struktur einer südfranzösischen Böschung zu studieren:



    Im dem sehr schönen (und ebenso schön gelegenen) Dorf La Bollene wird gerade ein Fest vorbereitet. Der Blick ins Zeltinnere lässt vermuten, dass es hierzulande offenbar gesitteter zugeht als auf der Wies'n.



    Das nächste Bild ist für Alex, Andi, Arno, David, Gerhard, Martin, Matthias ... und alle anderen, die ihr Bike auch so parken können:



    Am Weg zum Col ein letzter Rückblick auf die Zweitausender des Mercantour ...



    ... und am Pass ein "Ausblick" auf das Ende der morgigen Etappe. Sospel ist das Ziel, wo mein Gastspiel auf der blauen Via Alpina endet. Von den 60 Etappen habe ich 31 gesehen.



    Heute übernachte ich also noch einmal 1600 m über dem Meer.



    Drei talnahe Tage sind es nun noch, und von ebendiesem Meer ist immer noch nichts zu sehen. Erstaunlich!

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    AW: [AT|SI|IT|CH|F] Wien - Monaco (2000 km): EPILOG

    #78
    Wie schön, bekannte Gegenden wiederzusehen! Zwar erst ab St Martin-Vésubie, aber immerhin Der Campingplatz dort ist auch hübsch :-) Freu mich auf die weitere Strecke

  19. Erfahren
    Avatar von vergissminet
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    #79
    Die heutige Etappe vom Col de Turini nach Sospel war ein Zuckerl!

    Schon der Vorabend am Pass war fein, der Hotelbesitzer a gmiatliche Haut - Biker, Cineast und Pinball Wizard in einem. Sogar einen Game of Thrones Flipper hat er (Bild unten).

    Den Abend verbringe ich mit zwei sehr coolen Jungs aus der oberen Hälfte Deutschlands, die sich eingangs als Jungstudenten vorstellten, doch wie sich im Laufe des Abends herausstellen sollte, beide gerade an ihrem Doktorat feilen.

    Da die Nordlichter ein wenig später als ich im Auberge eintrafen, fehlen sie auf diesem (die Stimmung des Abends nur unzureichend wiedergebenden) Bild leider.

    Aber Jon Snow ist drauf.



    Am nächsten Morgen erarbeite ich mir den 1800 m hohen Hausberg der Turini. Dieser (mein letzter) Gipfel gibt sich von jedweden Glaubensrichtungen unbeeindruckt...



    ... wie auch das Meer, von dem ich glaube, dass es nicht mehr weit weg ist, sich aber immer noch zu verstecken weiß.

    Überhaupt werde ich heute den ganzen Tag kein Wasser sehen, also auch kein Trinkwasser, das ist neu.

    Der Wegverlauf auf dieser Etappe ist genial. 2000 Abstiegshöhenmeter werden mir untergeschoben, ohne dass ich es merke. Nie ist es ungut.



    Moulinet in der nächsten Bildmitte hat eine kleine Bar, wo man knuspriges Baguette, frischen Rohschinken und dann auch noch ein kühles Bier bekommt.

    Die zweite Tageshälfte könnte allerdings für Überraschungen gut sein: Die Via Alpina dokumentiert den Wegverlauf östlich des Tales, markiert ist er aber auf der Westseite:



    Mir ist's wurscht, denn bei einer Abweichung von 2 km Luftlinie ist die Gefahr einer Verwechslung überschaubar.

    Ich lege also mein Ohr auf den staubigen Boden und lasse mir von den Ameisen den verschlungenen Weg weisen...



    Themenwechsel. Dieses Zeug wächst hier. Habe ich vorher nur einmal, ca. 100 km Luftlinie entfernt, gesehen. Weiß jemand, was das ist (ca. 3 m hohe Bäume)? Kann das Wacholder sein?



    Der Berg am nächsten Bild war ein wenig knifflig. Nicht technisch, sondern weil sich die Markierer nicht einig waren, ob man den Mugl überqueren (steil) oder westlich über die Rückseite (botanische Herausforderungen) umgehen soll.

    Herausgekommen ist eine österreichische Lösung, also eine Melange aus allen Optionen: Bis zum Höhenrücken rechts der Bildmitte bin ich rauf, dann westlich wieder runter und über den links unten sichtbaren Felsweg weiter ins Vordergrundgemüse.



    Der letzte Teil durchs Tal nach Sospel ist nichts zum extra Heimschreiben, doch die Stadt selbst ist nett, grün, entspannt. Rechts zwischen den Baumreihen befindet sich die Wohlfühlzone.



    Resümee: Ich bin wohl im Voralpenland angekommen. Auch in zimmerpreislicher Hinsicht scheine ich es nicht mehr allzu weit zu haben bis nach Monaco.

    Dennoch habe ich morgen auf meiner vorletzten Etappe nochmals 1200 Höhenmeter vor mir, ist das zu glauben? Wo nehmen die Via Alpina Zeichner so kurz vorm Meer die Ideen - und vor allem die Berge - her?

    Uffz.

    Aber mir is wurscht, ich glaube, das Schlimmste liegt hinter mir.

    Mahlzeit!

  20. Erfahren
    Avatar von schoguen
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    AW: [AT|SI|IT|CH|F] Wien - Monaco (2000 km): EPILOG

    #80
    Sospel habe ich gemocht damals. Da habe ich 2 Tage verbracht, da mir das Ende des GR 5 in Menton zu teuer zum übernachten war.
    So bin ich zu Fuss nach Menton, Städtchen angeschaut und dann mit dem Bus zurück nach Sospel. Wirklich entspannt.
    Am Kreuzweg fragte er die Sphinx:
    Geh ich nach rechts, geh ich nach links?
    Sie lächelte: ...
    <Mascha Kaléko>

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