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  1. Erfahren
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    [Tag 041 & 042] Eisack & Brennerautobahn

    #41
    Mitreisende: vergissminet
    Auf den letzten beiden Tagen vor meinem Kurzurlaub in Meran mit Fräulein A wechselte ich von den Südtiroler Dolomiten in die Sarntaler Alpen.

    Die Wanderung von Völs nach Klobenstein ist beim ersten Hinschauen nicht sehr beeindruckend - die beiden Orte sind Luftlinie vielleicht 3 Kilometer voneinander entfernt, und man sieht daher schon beim Startpunkt ganz gut von der einen Dorfkirche zur anderen. Allerdings steckt der Teufel für Wanderer im Detail: Dazwischen schlängelt sich unten im Graben die Eisack zwischen den beiden Orten durch - und ein paar Meter weiter darüber, auf mächtigen Betonpfeilern, die Brennerautobahn. Das bedeutet in anderen Worten: 600 Höhenmeter runter, und nach dem Bach 800 Höhenmeter wieder rauf. Uffz!

    Das Wetter war eher bescheiden, was der erste Grund ist, warum es diesmal keine Fotos gibt. Der zweite, weitaus schmerzlichere: Keine drei Tage, nachdem meine Speicherkarte mit den Fotos der Dolomitenquerung den Geist aufgab, verabschiedete sich vorgestern mit einem leisen "Puff" auch gleich mein Smartphone dazu. Völliges Knockout, keine Chance, das Gerät wieder zum Laufen zu bringen (auch die Speicherkarte ist übrigens hinüber, keine chkdsk, kein RAW File Reader etc. konnte mir noch helfen).

    Egal, dafür habe ich heute wieder einmal ein Video - es ist ein kleiner Ausschnitt von unserer Begehung des Sentiero Astaldi ein paar Tage vorher. Der Sentiero ist ein aussichtsreicher, jedoch praktisch eben verlaufendem Klettersteig am Fuße der Tofane.

    Die besten Tiefblicke kommen im letzten Drittel - viel Spaß!
    https://www.youtube.com/watch?v=ksBOJComDHI
    Geändert von vergissminet (12.04.2019 um 08:49 Uhr)

  2. Anfänger im Forum

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    AW: [AT|SI|IT|CH|F] Wien - Monaco (2000 km): EPILOG

    #42
    Jetzt bist du endlich in meiner Heimat angekommen . Bin geboren und aufgewachsen in Meran, meine Mutter ist aus Klobenstein und meine Tante lebt in Völs. Ich hab mich als Kind bei Autofahrten vom Eisacktal nach Völs meist übergeben wegen der ganzen Serpentinen.

  3. Erfahren
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    AW: [AT|SI|IT|CH|F] Wien - Monaco (2000 km): EPILOG

    #43
    Zitat Zitat von adriano Beitrag anzeigen
    vom Eisacktal nach Völs
    Der Fußweg hinunter war dafür sehr gemütlich - breite Serpentinen bis zum "Steg", der alten Holzbrücke über den Eisack. Hinauf nach Klobenstein war's dafür wieder knackig! Ich könnte mir vorstellen, dass Deine Mutter und Deine Tante sehr genau abgewogen haben, bei welcher Gelegenheit sie sich auf einen Kaffee treffen

  4. Erfahren
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    [Tag 043 & 044] Zu Tode g'furchten ...

    #44
    ... is a g'storben, sagt man daheim. Einen wahren Kern hat die Sache: Dass ich wegen der angekündigten Gewitterfront einen Tag länger in Meran geblieben bin, erwies sich als zu übervorsichtig - schade drum!

    Dabei hätte ich einfach nur ein bisserl besser aufpassen müssen, denn: Die Bergwetter-Info, die ich außerhalb von Österreich verwende, stellt der Deutsche Alpenverein zur Verfügung. Hier kann man sich durch alle Gebirgsgruppen der Ostalpen klicken, was ich sehr praktisch finde.

    Die Prognosen werden allerdings von der österreichischen ZAMG erstellt, die die Wolken am Gebirgshimmel gerne ein wenig schwärzer malt, als sie dann tatsächlich über den Wanderer hinwegziehen. Nach jahrelanger treuer Nutzung der Prognosen erlaube ich mir so ein Urteil, jawoll.

    Was also tun, wenn Innsbruck das Jüngste Gericht verkündet? Im Tal Richtung Mittelmeer weiterzugehen bringt nicht viel, da ich ja wegen den Höhenwegen hier bin, und nicht wegen der - eh schönen - Vinschgauer Straße Richtung Reschenpass.

    Option 2 - in Meran bleiben? Bei Zimmerpreisen jenseits der 150 Euro pro Nacht auch kein Wunschkonzert für einen mittelmäßig bemittelten Mittelmeerwanderer, der diesen Sommer noch 70 Auswärts-Übernachtungen mit unsicherem Preisgefüge vor sich hat.

    Doch wie schon so oft hilft mir mein liebes Basislager in Wien aus der Patsche und zaubert eine Bleibe zu wohlfeilen 66 Euro aus dem Nichts. Das klingt zwar immer noch viel, ist aber ein Glücksfall, denn um das Geld schläft man in Meran - das nötige Münzgeld vorausgesetzt - bestenfalls am Bahnhofsklo.

    Apropos Fräulein A. Der letzte Tourenbericht endete weit oben am Rittner Horn, denn ich hatte eine Verabredung! Ausgerechnet von dort oben lassen sich die Zentren Südtirols sehr angenehm erreichen: Mit Seilbahn, Wanderbus, Schmalspurbahn und 'Wui-haut-die-sich-schnell-den-Berg-runter!'-Gondel kommt man vom Horn direkt in die Stadtmitte von Bozen. Die Talstation befindet sich nämlich unmittelbar neben dem Hauptbahnhof.

    Zurück zum Wiedereinstieg am Rittner Horn ging es dann sogar noch bequemer, weil wir mit dem Auto die Höhenmeter wieder gut machten, und vom Wandererparkplatz gemeinsam zum Gipfel aufgestiegen sind. Um uns dort, inmitten der prächtigen Bergkulisse Südtirols, für ca. 2 Monate Lebewohl zu sagen. Fräulein A hat diesen Sommer beruflich ein Mörderprojekt abzuwickeln, und die heiße Phase hat jetzt im Juli begonnen. Bis September sind daher gemeinsame Unternehmungen nicht nur wegen der Distanz, sondern auch wegen der blockierten Wochenenden nicht drinnen.

    Weshalb ich recht wehmütig nachgeschaut habe, als sich der türkise Punkt Richtung Süden verabschiedete ...



    ... während mein weiterer Weg nach Westen ins Sarntal führte. Nicht nur dort, sondern immer wieder - an verschiedensten Orten der Alpen - treffe ich auf Hinweisschilder, wo sich mir nicht so recht erschließen will, welches Verhalten von mir erwartet wird, nachdem ich den Inhalt zur Kenntnis genommen habe.

    Hier belasse ich es bei einem anerkennenden "Aso."



    Von meinem Etappenziel Bundschen im Sarntal wird mir nicht viel mehr in Erinnerung bleiben, als dass ich mich im gleichnamigen Gasthof einen Abend lang gefragt habe, wofür ich denn nun genau knapp 50 Euro für ein simples Zimmer bezahle. Die Wirtsleut' dort sind freundlich, die Zimmer pikobello sauber. Wohlgefühlt habe ich mich auch, aber das hab ich mich bei gleichwertigen Zimmern um 30 Euro ebenfalls, zumal in Bundschen bittschen nicht einmal ein Frühstück dabei war.

    Zum Vergleich: Die Unterkunft nahe Bozen, in der ich mit Fräulein A das Wochenende verbrachte, bot jeden Schnickschnack, den man sich von einem Haus, das sich Wellneshotel nennt, erwartet. Und im Gegenzug erwartete man sich von uns ebenfalls 50 Euro pro Nacht. In Bundschen hingegen gab es nicht einmal WLAN. Das halte ich heutzutage in einer talnahe gelegenen Herberge für genauso anachronistisch wie umgekehrt die bei manchen Häusern immer noch angebrachte Werbung "Fremdenzimmer mit Dusche".

    Aber wurscht, kurz vor sechs Uhr morgens ging es frisch geduscht für mich wieder auf den Berg, 1200 Höhenmeter waren der Preis fürs selbstgemachte Frühstücksfernsehen (ich trage Nescafe, Milchpulver, M&M und Müsli mit mir herum, damit kann man schon was machen!).

    Ich war flott unterwegs, denn für Nachmittag waren Gewitter prognostiziert. Weshalb ich danach trachtete, noch am Vormittag über den Grat zu kommen, wo das Gestüt Sarntal den einzigen Tisch (wo ich mir mein zweites Frühstück machen wollte - in der Bildmitte zwischen Brown Beauty und Iltschi) belagerte.



    Also beschloss ich, die Jausenpause auf das Wesentlichste zu beschränken.



    Unterwegs gab's zwar nirgends Trinkwasser, aber viele Tümpel, in denen sich dicke fette Quappies tummelten (Maßstab: ca. 0,7 cm lang) ....



    Und um ca. 14 Uhr erwies sich der frühmorgendliche Start als PERFEKT. Ich erreichte genau mit den ersten Regentropfen eine sehr sympathische Hütte und erbat Vitaminzufuhr.



    Wenige Minuten später ging es ordentlich nieder, und mir hüpften - obwohl unter Dach - die Hagelkörner aufs Essen.



    In der Hütte drinnen war's auch fein, die sympathische Wirtin spendierte mir sogar einen Schnaps. Ich glaub' das war deshalb, weil ich der fescheste war.

    Come rain, come shine

    Ich nutzte ein kurzes Sonnenfenster, um den Talabstieg zu wagen, Wie man am folgenden Foto sieht, hat man hier keine Mühen gescheut, ansonsten lebensgefährliche Abschnitte durch eine Seilsicherung zu entschärfen.



    Doch während ich noch feixte, zog die nächste (von der ZAMG geschickte?) schwarze Wolke über mein Haupt und hörte nicht auf, auf mich niederzuwettern, bis ich hoch und heilig geschworen habe, nie mehr voreilig die Bergwetterprognosen aus Innsbruck in Zweifel zu ziehen!

  5. Erfahren
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    [Tag 045 & 046] So a haaßa Summa!

    #45
    Mein Gastspiel auf dem Meraner Höhenweg dauerte nur eineinhalb Tage - und fand seine Fortsetzung am nicht minder schönen Vinschger Höhenweg.

    Früh morgens, beim Start in Meran, musste ich mich zu allererst einer Herausforderung stellen, die Fräulein A für mich zwischen den Landkarten versteckt hat: Anhand kurzer Textzeilen gilt es zu beweisen, dass das heimische Kulturgut - also lange nicht mehr gehörte Beispiele aus dem Genre "Austropop" - bei mir nicht in Vergessenheit geraten ist:



    Laufmaschin', sinnliche Lippen & Alpenglüh'n! Da kenn ich mich aus, und so durfte ich nach einer lobenden Bestätigungs-SMS von dannen ziehen.

    Nach mehreren Tagen auf der Sarntaler Alpentraverse bin ich endlich auf dem Meraner Höhenweg angelangt, von dem ich nur Gutes gehört habe. Vor lauter Freude entscheide ich mich am Startpunkt gleich einmal für den falschen (von zwei) Felsenwegen. Egal, nix was man mit ein paar Extra-Höhenmetern nicht wieder gut machen kann.

    Die Aussicht ist ... wow:



    Der Weg ist meist breit, manchmal etwas schmäler. Doch nirgends so schmal, dass man sich mit dem Gegenverkehr nicht irgendwie ausreden könnte.



    Gefühlte 1000 Fotos entstehen ...



    Am Ende des Meraner Höhenweges hieß es für mich ins Tal abzusteigen, denn eine steile Felswand trennt die Texelgruppe vom Südtiroler Anteil an den Ötztaler Bergen. Und genau dort, zwischen Texel und Ötz, steht ein gut sortierter Bauernladen und buhlt mit frischem Obst (Südtiroler Erdbeeren!), Tomaten, Biospeck und Schüttelbrot um Kundschaft.



    Beim Studium des weiteren Wegverlaufes ein Aha-Erlebnis: Die gemütliche Waalwege-Wanderung, die ich mir in meinem Geiste bei den gerade vorherrschenden 33 Grad ausgemalt hatte, entpuppt sich als knapp 1300 Höhenmeter schwerer Nachmittagssonnen-Aufstieg.

    Nur die erste Stunde verlief entlang des Jahrhunderte alten Wasserversorgungsnetzes. Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie fein das ist! Schattige Laubwälder, daneben plätschert ständig gemütlich das Wasser, Vögel singen, und alles ist gut, Pulsschlag irgendwo zwischen 20 und 40.



    Daran kann auch die Staatsanwaaltschaft nicht rütteln, denn das einzige, was hier ins Wasser hineinkommt, ist meine Trinkflasche:



    Am Ende eines schweißtreibenden Aufstieges die Belohnung - ein Rückblick auf den unteren Teil des Oberen Etschtales, also auf den Vinschgau:



    Zum Abschluss gibt es heute ein Rätsel für die Rucksackträger ... und ja, wir bleiben beim Austropop (wie auch schon bei der heutigen Überschrift). Also ... um welches Lied handelt es sich hier?



    Für Christen ist das nix!

    --
    [OT]PS: .... hier geht's zur Lösung)[

  6. Erfahren
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    [Tag 47 & 48] Segway to Hell

    #46
    Wie am Meraner Höhenweg waren mir am Vinschger Höhenweg auch nur zwei Tage beschieden - die hatten es allerdings in sich. 56 Kilometer und 3100 Höhenmeter - und das im Juli. Im heißesten Tal Italiens.

    Die Vinschgauer Berge stehen so hoch in den Himmel, dass sich selten eine Regenwolke in die Region zwischen Reschenpass und Reinhold Messners Schloß Juval verirrt. Die Meteorologen meinen sogar, dass es in Sizilien über das Jahr gesehen kälter ist als hier. Glaub ich ihnen sofort.

    Die Übernachtung auf knapp 1800 m Seehöhe war allerdings sorgenfrei. Urlaub am Bauernhof für eine Nacht - und die sympathische Familie am Gehöft Oberkaser versorgte die anwesende Wanderschar am nächsten Morgen mit einem großartigen Frühstück aus eigener Produktion.

    Wie's dann ums Bezahlen ging, übernahm die Chefin selbst die Geschäfte ...



    ... und nachdem ich schuldenfrei war, durfte ich losziehen. Eine Hofwanderung stand heute auf dem Programm - auf Höhen rund um 2000 m kann man im Vinschgau von (Ganzjahres-)Hof zu Hof ziehen - unglaublich eigentlich. Und das in steilem Wiesengelände. Und ich habe gedacht, ich hätte im Mölltal schon alles gesehen ...

    Etliche Anwesen am Weg ließ man im 20. Jahrhundert verfallen - schwierige Lage, die Bewässerung ein Lotteriespiel, aufkommende Monokultur in den begünstigten Lagen, ehschowissen. Man fragt sich unweigerlich, wer überhaupt auf die Idee gekommen ist, ausgerechnet da oben im 50Grad-Winkel mit dem Bau eines Hofes anzufangen.

    Auf den schmalen, jedoch heute mountainbiketauglichen Wegen inmitten der Steilwiesen finden sich im 10-Minuten-Takt Gedenktafeln an abgestürzte Bergbauern, die daran erinnern, dass die Wege zwischen den Höfen nicht immer so großzügig ausgebaut waren, wie sie sich heute zeigen.

    400 Höhenmeter tiefer ist wieder alles viel einfacher ...



    ... und heißer! Auf einem längeren Bergstraßenhatscher ist mir doch tatsächlich wegen dem beinahe kochenden Asphalt der Kleber der Einlegesohlen aufgeweicht! Die ganze Zeit denke ich mir schon "was ist denn heute mit den Socken los, eine derart innige Verbindung mit den Schuhen ist mir neu". So war schon zu Mittag, als ich auf dem einzigen Schattenbankerl Südtirols den Kleber aus der Sockenferse kletzelte, irgendwie klar, dass ich nun wohl definitiv im Süden angekommen bin.

    Abwechslungsreiche Steige mischen sich zwischen die schönen Hofwege, so wie hier, wo es aussichtsreich rund um eine Felsnase ging.



    Unterwegs Hinweise auf die historischen Wurzeln des Segways ...


    Der Weg zum letzten Quartier am Vinschger Höhenweg, dem GH Paflur in Tanas, hat sich ungefähr genauso gezogen wie der Kleber in der Sockenwolle. Gefühlte 10 Mal habe ich geglaubt, der Alpengasthof ist nur mehr eine Fichtenwipfelgruppe entfernt, doch hinter den Wipfeln standen noch erstaunlich viele andere Fichtenwipfel ...

    Und markieren tut hier offenbar die Autobahnmeisterei ("nur mehr 2 km bis zum Ende der Fichtenwipfelstrecke")



    Bevor jedoch an diesem gewitterverdächtigen Abend der Vinschgauer Anteil an der Welt unterging, waren alle Vinschgauer Höhenwipfelpilger wohlbehalten in Tanas angekommen. Ganz ohne Segway.

    Mahlzeit!

    PS: Tag 48 diente der Querung des Etschtales und ist eine reine Verbindungsetappe, die wegen anhaltenden Regens auch eher foto-arm ausfiel.

  7. Erfahren
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    [Tag 049, 050 & 051] From now on it's easy sailing

    #47
    Hat man im Westen des Vinschgaus erst einmal die Etsch überquert, bleibt für einen Alpentraversaten nicht mehr viel zu tun in Südtirol. 1,5 Tage sind's vom Bachufer bis zum zweithöchsten befahrbaren Alpenpass Europas.

    Von Prad gelangt man über den "Sentiero Archaico", eine uralte Handelsstraße, an der sich bereits bronzezeitliche Siedlungen nachweisen lassen, in das sehenswerte Bergdörfchen Stilfs. Der Sentiero war über Jahrtausende die Hauptverkehrsroute zwischen Südtirol und der Lombardei. Sogar das Erzbistum Salzburg machte sich hier wichtig, befand sich doch in Prad ein Hallstätter Salzlager.

    In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Strasse jedoch aufgegeben - die Erosion an der exponierten Hanglage, einer eiszeitlichen Moränenstufe, machte dem Weg immer wieder zu schaffen, und man sah sich nach einer neuen Trassenführung um.

    Heute ist der alte Säumerweg ein schöner Spaziergang zum 400 Meter oberhalb der Etsch gelegenen Ort Stilfs. Die auf dem Kopf stehende Markierung dürfte ebenfalls noch aus dem Mittelalter stammen ...



    ... weil ich zu wissen glaube, wer damals Wegewart der zuständigen Alpenvereinssektion war.



    In Stilfs erwartet mich eine freudige Überraschung: Andi, Kumpel früher Tage, hat es tatsächlich geschafft, mit öffentlichen Verkehrsmitteln ans hinterste Ende des Etschtales anzureisen, um mich auf dem Weg in die Lombardei zu begleiten.

    Mit Andi habe ich vor vielen vielen Jahren in Innsbruck bereits die Hochschulbank gedrückt. Ich, der halbe Kärntner, und er der halbe Kärntner, wohnten später in Wien nur eine Gasse auseinander, damals, als wir uns beide gesagt haben: Was kostet die Welt! - und uns unsere erste fette 30 m2 Wohnung im 15. Bezirk geleistet haben.

    Andi war es auch, der mir mein erstes Motorrad einredete (es war zufälligerweise vorher auch sein erstes). Mehrmals standen wir gemeinsam mit unseren Zwei(t)rädern am Stilfserjoch - und waren die coolsten.

    Heute, viele Jahre später, ist es uns beiden alten Herren zu Fuß gerade schnell genug, um noch ein weiteres Mal das Joch der Joche zu bezwingen.

    Und ich bin sehr stolz, dass ich es sein darf, der Andi auf den "Dreisprachenspitz" begleiten darf. Mit dem Wissen, dass Andis Ausflugsfotos meist so ....



    ... so ...



    ... oder so aussehen ...



    ... weiß man erst die Ehre zu schätzen, die einem da bei einer solchen gemeinsamen Bergfahrt zuteil wird.

    Und gemeinsam kämpfen wir uns am nächsten Vormittag durch die ersten 800 bewaldeten Höhenmeter. Die zweiten 800 beginnen etwa bei der Waldgrenze und erlauben uns auch an diesem etwas verhangenen Tag großartige Ausblicke in die Ortlergruppe.



    Mein erstes Andi-Photobombing fand irgendwo auf ca. 2400 Meter statt, wo wir aus irgendeinem Grunde glaubten, kurz vorm Ziel zu sein.



    Doch der "Goldseeweg", wie wir ihn uns vorstellten, und der "Goldseeweg", wie er tatsächlich verlief, verhielten sich zueinander ungefähr so wie die Vorder- und die Rückseite von einem Eierschwammerl.

    Das erste, was es nach einer jeden Bergkante zu sehen gab, war ... genau ... die nächste Kante. Seil und Pickel brauchten wir heute dennoch nicht ...



    ... sodass sich Andi und sein immer mitreisendes Haustier sogar der Aufgabe stellten, ihren allerersten gemeinsamen Geocache miteinander zu finden. 2873 m Seehöhe - braves Schweinderl!



    Drei Tage waren wir gemeinsam unterwegs, immer im Nationalpark Stilfser Joch. Tag zwei brachte uns über die Furkascharte ins Veltlintal ...



    ... wo wir erstmals die von Andi schon wortreich herbeigesehnten Pizzocheri bekamen. Niemals war ein Vorarlberger zufriedener!



    Von unserem dritten Tag werde ich ein andermal berichten, denn nun gehen mir die vorbereiteten Bilder aus.

    Mahlzeit!

    PS: Den Titel dieser Geschichte hat Andi beigesteuert - veery long time no see! (bei 04:50)

  8. Fuchs
    Avatar von blauloke
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    AW: [Tag 038, 039 & 040] I beg your pardon ...

    #48
    Zitat Zitat von vergissminet Beitrag anzeigen

    Gleich zum Einstieg das begehrteste Fotomotiv in den Südtiroler Bergen - dahinter die Drei Zinnen:


    Dein Schreibstil gefällt mir, immer ein bißchen hintersinnig.
    Du kannst reisen so weit du willst, dich selber nimmst du immer mit.

  9. Erfahren
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    AW: [Tag 038, 039 & 040] I beg your pardon ...

    #49
    Zitat Zitat von blauloke Beitrag anzeigen
    Dein Schreibstil gefällt mir, immer ein bißchen hintersinnig.
    Vielen Dank! Freut mich wirklich sehr, dass der Reisebericht gut ankommt! Vielleicht bekomme ich ja dann nach dem Sommer vom einen oder anderen Alpenüberquerer auch etwas zu lesen ...!

  10. Erfahren
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    Tag 052 - 055: Valtellina & Engadin

    #50
    Die letzten 10 Tage an der Grenze ITA-CH waren sensationell. Weshalb ich mit der Tourenberichterstattung ein wenig ins Hintertreffen geraten bin.

    Der letzte Tag der Herumstrawanzerei mit Andi war gleichzeitig mein erster Tag über Fünfzig. Vom Startpunkt Wien aus gerechnet, gehe ich also ab nun bereits auf die Hundert zu.



    Das Veltlin ist wirklich so grün, wie man sich das umgangssprachlich vorstellt. Nur Weinbauern werden auf der Seehöhe, wo wir unterwegs sind, bestimmt nicht glücklich.



    Bevor wir uns zum letzten Abendmahl begeben durften, mussten wir uns noch dem alpinen Passübergang des Tages stellen, und der hat sich gezaaaaht

    Egal, auf der anderen Seite wartete - und das wussten wir - das sympathische Rifugio Eita auf uns.



    Praktisch für uns und unsere Abendplanung: Wir wussten, wo im Haus man wahrscheinlich den Rotwein findet.



    Überhaupt waren inzwischen alle Zweifel beseitigt, auch ganz ohne Muttergottes an jedem Gartenzaun: Wir sind inzwischen im italienischen Italien angekommen, und nirgends zeigt sich das so deutlich wie zu Tisch. Der kulinarische Spannungsbogen zieht sich über den ganzen Tag: Am Morgen wird man noch mit Zwieback zur Mäßigung erzogen ... doch am Abend gibt's kein Halten mehr ...



    ... der Wein steht am Tisch "zum Nehmen". Der als Nachspeise gereichte Käseteller würde daheim ungefähr eine Fantastilliarde kosten.

    Zufriedene Gesichter rundum ...



    Am nächsten Morgen - für die tränenreichen Bilder ist hier nicht genügend Platz - zieht Andi zu den Drei Schwestern weiter, um mit ihnen die Drei Türme zu besteigen (oder irgendwie so halt). Für mich geht's indessen nach Malghera. in meinen Ohren klingt das wie die Haupststadt aller Almen. Der Pfad dorthin ist vielversprechend - hinten links geht's rauf.



    Seit Meran sind die täglichen Höhenmeter übrigens sagma mal "sportlich". Es gibt kaum einen Tag unter 1300, jeden zweiten Tag sind's sowieso 1500plus. Wie auch am Weg zur Mutter aller Almen. Bei einem Bergsee auf ca. 2450 m warten die Groupies auf mich wie im Tal sonst nie.



    Ich flüchte kerzengrad' nach oben. Steilstes Stück seit dem Hohen Trieb übrigens - da müssen auch die Ziegen anerkennen, wer hier der Chef ist. Markierungen gibt's auf dieser Etappe übrigens seit Jahren keine mehr, also zumindest seit 2010, seit man auf der Via Alpina Homepage darüber sudern kann. Hier orientiert man sich am Gelände. Das Hochtal im Rückblick:



    Überhaupt ist man hier in einer völlig faszinierenden Bergwelt. Keine Wege, keine Schilder ....



    ... nur sehr sehr schüchterne Steinmännchen, die einem den Weg zeigen durch dieses Paradies der Einsamkeit.



    Ein Biwak - die einzige "Einkehr" auf dieser Etappe - lädt zum selber Kochen ein. Es gibt .... ja was? Mit etwas Geduld wird daraus etwas, das Maggi (und nur Maggi!) "Nasi Goreng" nennt.



    Im Rif Malghera aß ich dann wieder was G'scheites.

    Von Malghera nutzte ich einen wenigversprechenden Regentag, um nach Poschiavo, also in die Schweiz zu übersetzen. Wieder stand ein etwa 2500 m hoher Pass zwischen mir und dem Tagesziel. Die Swissmeteo prognostizierte ein niederschlagsfreies Fenster von 10 - 13 Uhr. Genug, um über den Pass zu kommen - und EXAKT so war es auch.

    Der nächste Morgen war sowieso wieder vom Feinsten. 1600 Höhenmeter wie gehabt, zuerst über ein fesches Bergdorf ...



    ... dann hinauf zur Grenze - mit meinem ersten "Aug-in-Aug" Blick in die Berninagruppe (Piz Palü zur Rechten).



    Die Aussicht auf italienischer Seite war ebenfalls schmerzfrei.



    ... und so passte es perfekt zu diesem Tag, dass ich beim Lago di Campo Moro ein feines Platzerl fürs Zelt fand.



    Cheers!

  11. AW: [AT|SI|IT|CH|F] Wien - Monaco (2000 km): EPILOG

    #51
    Danke für die Eindrücke, die Idee und Durchführung, die Alpen auf der sonnigeren Südseite von Ost nach West zu durchqueren. Bin ab jetzt zumindest als fleißiger Leser dabei.

    LG Klaus
    „Wie komm ich am besten den Berg hinan? Steig nur hinauf und denk nicht dran!“ – Friedrich Nietzsche


  12. Erfahren
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    [Tag 056-060] Bergell & Avers

    #52
    (... ich mache nun einfach dort weiter, wo ich vorgestern aufgehört habe.)

    Das Praktische an einer Zeltnacht: Man braucht keinen Wecker stellen.



    Ziel der folgenden schönen Tagesetappe, die sich zwischen Sasso Nero und Lago Palü durchschlängelt, ist der (rein italienische) Natur-Urlaubsort Chiareggio. Und zum zweiten Mal innerhalb einer Woche übernachte ich - wie schon im Rifugio Eita - quasi in der Kirche. Diesmal ist es die Bar St. Anna, die ihren Schutzmantel für eine Nacht über mich ausbreitet. Mein (im Bild sichtbares/offenes) Fenster im zweiten Stock hat's nicht extrig weit zu Annas heiligen Glocken, also brauche ich mich erneut nicht ums zu späte Aufstehen sorgen.



    Im Ort gibt es bei Carla auch Einkaufsmöglichkeiten für den Konnossör.



    Seit meinem - ich weiß gar nicht mehr wievielten - erneuten Übertritt nach Italien (zuletzt von Poschiavo kommend) habe ich einen schneebedeckten Gipfel im Visier, der mich magisch anzieht. Glücklicherweise führt auch mein Weg in die Richtung des "Monte Disgrazia". Wieder ein Bergname, der mir außerordentlich gut gefällt. Klingt auf italienisch auch viel erhabener als ... tja ... "Schandberg".

    3678 m ist sie hoch, die Schande, die im Veltlin ein jeder ins Herz geschlossen zu haben scheint. Und ich habe in Chiareggio das Glück, einen (den?) Mann kennenzulernen, der die am linken Bildrand sichtbare Nordflanke vom Gipfel weg mit den Schiern abgefahren ist. Unvorstellbar.



    Für mich geht's von der Disgrazia wieder in die Schweiz rüber, und zwar nach Maloja. Der gleichnamige Pass ist mir vom Motorradfahren bereits bekannt - und nicht der einzige Sattel, den ich auf dieser Tour zum ersten Mal von viel weiter oben sehe.



    Einen Malojasee hätte ich auch noch aufzubieten.



    Der nächste Tag soll mich nach Juf führen, dem höchsten ganzjährig bewohnten Dorf Europas. Der Aufstieg auf den ca. 2600 m hohen Passo Lunghin ging recht schnell, denn eine böse Gewitterwolke trieb mich den Berg hinauf, als gäbe es kein Morgen.



    Der Pass Lunghin ist übrigens - wie mein Zielort Juf - in Europa einzigartig. Auf seinem Sattel verteilen sich die Niederschläge nicht nur auf langweilige zwei, sondern auf drei verschiedene Meere - der Pass ist also die einzige - nein, das weiß ich eigentlich gar nicht - aber jedenfalls die höchste dreigeteilte Wasserscheide Europas.

    Hier die Fließwasserroute Richtung Mittelmeer.



    Ich habe an diesem regenreichen Tag allerdings nur Augen für das Wasser, dass über meinen Nacken in die Hose und weiter in meine Schuhe rinnt.

    Weshalb ich bei der Ankunft in Juf sehr froh bin, dass mir das "Touristenlager" alleine gehört, und ich alle anderen 20 Betten mit meinem nassen Zeug zuhängen darf. Touristenlager sind für Schweiz-Weitwanderer übrigens eine segensreiche Einrichtung, liegen doch zwischen einem Zimmer- und einem Lagerbett in der Regel um die 40 Euro. In anderen Worten: Der Lagerplatz kostet immer noch so an die 35 Euro aufwärts - ohne Futter, versteht sich.



    Am nächsten Tag sind die Regenwolken - wie ich vernehme - nach Wien weitergezogen. Grund genug für mich, an der entgegengesetzten Richtung festzuhalten.

    Das Averser Tal endet bergseitig in Juf - mein heutiger Auftrag lautet, es talabwärts zu durchstreifen. Für mich ist das wie ein Ruhetag - zum ersten Mal seit Meran (dem letzten Ruhetag) keine 1000 Höhenmeter im Aufstieg. Wenn's anders wär, wär's mir aber auch wurscht. Überhaupt fühle ich mich fit wie nie zuvor. Ich hab gar kein Bedürfnis nach einem Ruhetag. Wenn's wirklich einmal ungut regnet vielleicht. Aber vorher? Sicher nicht! Mir geht's grad gut, und es "läuft" einfach.

    Und nichts kann mich derzeit aus der Ruhe bringen ...



    ... auch kein sich mir in den Weg stellender, schießwütiger Hydrant.



    Ich freu' mich lieber über Blumen, die so manche Altersfalte kaschieren ...



    ... und über eine großartige Initiative der Averser: Die alte Handelsstraße (Walserweg), die beinahe dem Verfall preisgegeben war, wurde in den letzten 1 1/2 Jahrzehnten Stück für Stück restauriert und ist nun einer der spannendesten Abschnitte der von mir besuchten Via Alpina. www.aast.ch



    Bei der Bushaltestelle, wo ich auf das Shuttle zu meinem Quartier warte, kann ich mich noch schnell in die geltende Hydrantenverordnung einlesen.



    Am nächsten Morgen geht's mit dem Bus zurück nach Innerferrera, und vom Trittbrett aus gleich wieder 900 Meter hinauf. Und damit zurück nach Italien. Der Aufstieg ist schon lange keine Herausforderung mehr, sondern reiner Genuss. Genau in der Kerbe über dem Stall links ist Italien.



    Und hier der Blick vom Pass hinunter zum Rifugio Bertacchi. Versteht Ihr, warum ich keine Sorgen mehr habe?



    Vom freundlich geführten Rifugio geht es hinunter zum Splügensee ...



    ... wo ein weiterer historischer Passübergang vorbeizieht. Auch hier war ich bereits. Den Splügenpass habe ich in guter Erinnerung, ist er doch der einzige (mir bekannte) Pass, wo man durch eine endlose Abfolge von aus dem Fels gehauenen, unbeleuchteten Tunnels fährt.

    Der Fußweg, der vom See nach Isola hinunter führt, ist genauso schön und abwechslungsreich, wie er hier auf diesem Foto ausschaut (man beachte den Wegverlauf rechts oben im Bild).



    Tja, und jetzt bin ich in Isola und werde den Bericht hier und jetzt zu einem Ende bringen, denn ...



    Gute Nacht!

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    (Tag 064-067) Schöne neue Welt!

    #53
    Nach zwei Ruhetagen nehmen wir Abschied vom Lago Maggiore und arbeiten uns über zwei Verbindungsetappen zur Grande Traversati dei Alpi vor. Rosi & Roman sind extra aus Kärnten angereist, um mich eine Woche lang zu begleiten.

    Will man vom Lago Maggiore aus in die entlegenen Bergregionen des Piemont vordringen, empfiehlt sich Stresa als Startpunkt, hier sind es nur mehr zwei Tage bis zur GTA. Die "Grande Traversati delle Alpi" ist für mich eine ganz besondere Sache. Dieser Weitwanderweg wurde von ehrenamtlichen Turiner Bergfexen vor fünf Jahrzehnten aus der Taufe gehoben. In etwa 60 Tagen werden 1000 piemontinische Bergkilometer erwandert, und zwar vor allem im Auf und Ab, denn die Berge hier weisen ein äußerst markantes Relief auf.

    Der Weg erlebte einige Jahre lang einen richtiggehenden Boom, bevor noch in den 70er Jahren das Interesse erlahmte. Erst einige Jahre später, als der deutsche Alpenforscher und Universitätsprofessor Werner Bätzing die GTA einem größeren Wanderpublikum bekannt machte, um durch Nächtigungseinnahmen der Entsiedelung der strukturschwachen Region entgegenzuwirken, erlebte der Weg einen zweiten Frühling.

    Heute ist die GTA immer noch ein Geheimtipp, hier ist man so gut wie immer alleine unterwegs. Entlang des Weges wurden in Orten, die keine Beherberger haben, sogenannte Posti Tappa eingerichtet. Das sind Räume in Schulen etc., die über den Sommer zum Schlaflager umgerüstet wurden. Dort kann schon sein, dass man jemand trifft. Derzeit sind wir ungefähr im Gleichschritt mit zwei Däninnen unterwegs, und eine fünfköpfige deutsche Familie ist etwa in gleichem Tempo, jedoch ganz autark mit Zelt unterwegs. Unterwegs trifft man sich hin und wieder, und dann zieht jeder wieder in seinem Tempo weiter. Das war's dann auch schon wieder an "Gewusel" am Weg.

    Zwei Verbindungsetappen waren es, die uns zur GTA brachten. Die erste führte über den Ausflugsberg Mottarone nach Omegna am Lago d'Orta. Eine Tour, die gegensätzlicher nicht sein hätte können: Führte der Vormittag über Straßen und breite Forstwege eher gemütlich (also todelsicher) zum Gipfel, ging es am Nachmittag bei spannender Markierung durch mannhohes Gras zum See. Für den Weg hinunter haben wir jedenfalls deutlich länger gebraucht als für den gleich langen Aufstieg - trotz dem immer sichtbaren Ziel vor Augen.



    Erst am späten Nachmittag erreichten wir die erste und einzige Alm am Weg - die auf knapp 600 m gelegene Alpe Mastrolini - mit Trinkwasser!



    Von der Seehafenstadt Omegna führt uns der Weg ins schöne Strona-Tal. Weil die örtlichen Tourismusverantwortlichen jedoch seit Jahren nicht in der Lage sind, den etwa 3 Kilomer langen Wanderweg zu Beginn der Etappe freizuschneiden, ist der Fußweg durchs Tal de facto zum Vergessen. Unverzagte wie wir, die es trotzdem versuchen, werden nach etwa 1,5 Stunden auf die schmale, und dennoch unangenehm stark befahrene Straße abgedrängt, der man dann für weitere 12 Kilometer nach Forno zu folgen hat.

    Forno ist ein sehr hübscher Ort am oberen Talschluss. Alte Steinhäuser (mit Schieferdach) mischen sich mit Gebäuden neuerer Machart, die alle sehr gut miteinander harmonieren. Hier im "Gebirg" habe ich in einem Garten eine Palme gesehen. Am Zaun davor hängt ein Schild, welches den Gemeindearbeiter ersucht, bei der Schneeräumung bitteschön nicht immer den Schnee vor seine Einfahrt zu schieben.



    Abendessen gibt es beim Löwenwirt. Im Albergo de Leone werden wir vom einheimischen Publikum sehr freundlich aufgenommen. Wir unterhalten uns übrigens meist auf dengilienisch und mit Einsatz aller Gliedmaßen - was in der Regel hervorragend funktioniert! Der Herr neben mir am Foto (dessen Sitzposition unter dem Monte Rosa Massiv übrigens in etwa unseren Aufenthalt markiert) spricht allerdings besser Englisch als alle anderen Italiener bis hierher zusammengenommen, das machte die Sache einfach.



    Im Piemont fällt das Munterwerden nicht schwer. Eine Kirchenglocke läutet - wie in Rimella - um 7 Uhr morgens erst einmal 50 mal (Tatsache!), um drei Minuten später (!) die aktuelle Uhrzeit zu verkünden (weitere 7 Glockenschläge). Ein paar Minuten später folgen nochmals 6 Schläge - und keiner von uns weiß, wofür die noch gut gewesen sein könnten - wahrscheinlich für die 6 Minuten, die die Folter schon andauert. Wozu man quer durch die Nacht ebenfalls zu jeder vollen Stunde läutet, wissen wohl auch nur die gottgefälligsten Piemontesen.

    Uns kann das nicht erschüttern. Trotz oder vielleicht wegen der etwas kühleren Tage sind wir alle jeden Morgen hochmotiviert. Rosi kann sich beim Abmarsch eine Weile nicht von diesem wunderschönen Stilleben lösen (man beachte die "Diebstahlsicherung" am Lenker) ...!



    An Tag 3 unseres Piemont-Abenteuers geht es endlich auf die "richtige" GTA. Eine sehr fesche Etappe bringt uns über gut erhaltene/gepflegte Walserwege zur Baumgrenze. Für mich war das erste GTA Schild zugegebenermaßen ein recht emotionaler Moment ... zu Fuß quer durch mittlerweile vier Alpenstaaten zu DEM europäischen Weitwanderweg zu gelangen ... ein sehr großer Moment ...!



    Am Abend kommen wir zu unserem ersten "Posto Tappa", diesmal in Form des geschichtsträchtigen Albergo Fontana. Eine Institution! Der (in Wahrheit ein kleines bisschen kleinere) Gasthof ist bei GTA Wanderern wegen seiner einzigarten Halbpension bekannt. Fünf (5!) Gänge galt es zu bestreiten, als die Chefin des Hauses sich anschickte, die Vorspeisenteller wegzuräumen und für die HauptspeiseN aufzudecken! Das Spiel wiederholte sich fünf (5!) weitere Teller lang, bevor wir mit der Bitte um Mitleid die Kapitulation verkündeten.



    Tja, und für heute, dem Tag danach, hatten wir uns Einiges vorgenommen. Unseren hochtrabenden Plan, zu einem Biwak am Übergang ins Nachbartal hochzutraben, mussten wir am späten Vormittag in einem plötzlich einsetzenden (und nie mehr aufhörenden) Starkregen ersäufen.

    Zeit genug, um endlich ein paar Rechnungen bei meinem turm- und damenfressenden Freund Roman zu begleichen!



    Mahlzeit!

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    [Tag 068 & 069] Alles Rosa!

    #54
    Ro&Ro mussten gestern Abend wieder heim. Eine gemeinsame Woche mit ein wenig Faulenzen, aber auch vielen Höhenmetern liegt hinter uns.

    Den Regentag haben wir in Santa Maria ausgesessen, und nach einem Tag und einer Nacht waren wir alle froh, dass uns der Ohrwurm - bei bestem Wetter - aus seinen Fängen ließ.

    Inzwischen sind wir unzweifelhaft im Piemont angekommen, man beachte die Farben:



    Selber Blickwinkel, diesmal eine Höhenstufe weiter oben. Schönheiten Schlag auf Schlag! Das Barranca-Tal im Detail, v.o.n.u. über beide Bilder - Längspanorama sozusagen: Bergdorf mit verfallener Sommervilla von Signor Lancia, alteingesessener Autotandler. Darunter der Barranca-See, dessen stürmischen Abfluss man am nächsten Bild sieht. Nochmals tiefer die Alpe Barranca, eine der sympathischen GTA Übernachtungsmöglichkeiten. Und darunter... ja da kommt dann wie erwähnt der Roland Kaiser.

    Roman strahlt auch von hinten zufriedene Ausgeglichenheit aus.



    Doch im Tal heißt's Abschied nehmen. Der Bus, auf den keiner von uns auch nur einen Schilling gewettet hätte, kommt tatsächlich. Von den beiden Däninnen, die uns zur Haltestelle begleiteten, gibt es für Rosi und Roman einen alten nordisch-spirituellen Abschiedstanz.



    Kaum sind die beiden weg ("Hallo Martin, die Fahrt hätte zwei Stunden dauern sollen, doch unser Busfahrer hat alle Autos unterwegs überholt, so waren wir nach einer Stunde schon da") , gibt's bei mir nur mehr - auf dem ersten Blick unlösbare - Probleme: Meine Hose fängt nach nicht einmal 1700 km zum Schwächeln an!



    Doch mit nordisch-spirituellem Zaubergarn konnte sogar ich diese Unpässlichkeit vergessen machen.



    In Carcoforo nächtigte ich nach Längerem wieder einmal im Zelt. Auf dem Wochenmarkt bekam ich Käse, Hartwürstl, Ochsenherz-Tomaten, Paprika, Obst, Wein aus dem Aostatal, and last but not least: Das erste Schwarzbrot seit Eeewigkeiten.

    Das reichte für ein Haubenmenü im Zelt. Aber noch viel genialer war die Mittagspause am Folgetag. Etwa 1000 m höher bekommt man am Col del Termo die Monte Rosa Gruppe aufs Jausenbrot ...



    ... worauf ich umgehend beschloss, auf den ca 2500 m hohen Gupf, der sich da ins Foto warf, hinaufzusteigen.

    Da oben, am leicht zu merkenden Cima del Termo, sehe ich mehr 4000er auf einmal wie vorher in meinem ganzen Leben nicht.

    Den höchsten Gipfel am Bild errät man nicht so leicht, es ist die unscheinbare Erhebung rechts der nächsten Bildmitte. Der Funziberg, der so aussieht wie die Volksschulkameraden, die beim Klassenfoto hüpfen müssen, um auch aufs Bild zu kommen, ist einer der höchsten Berge Europas.

    Ich löse auf: Dofourspitze, 4634 Meter.



    Ob das mit dem Panoramabild auf ODS funktioniert? Hier isses:



    Heute bin ich früh im Quartier in Rima. Das Posto Tappa ist vom feinsten, und die Aussicht vom Balkon ein Genuss. Für mich als langjährigen Fan alter Handelswege sind die Walserdörfer mit ihren aus dem Stein geschlagenen Häusern einfach nur faszinierend.



    Ich schmökere in meiner Wanderliteratur und lerne, dass Rima einst die reichste Ortschaft Italiens war (an der Einwohnerzahl gemessen). Die Axerios, so der Name des hiesigen Denver Clans, hatten eine Technik für die Herstellung von täuschend echten Marmor-Imitaten drauf und waren überall in Europa gerne gesehene Baumeister.

    Piaru Axerio, also der J. R. Ewing höchstselbst, kam mit den Goldhosen zurück nach Rima und schenkte dem Ort zb eine Zufahrtsstraße. Am Grabdenkmal kann man sein eigenes Walserdütsch auffrischen...



    .... oder aber gleich daneben einen Nachmittag lang in diesem unglaublich schönen Ort einfach ein Fauli sein.



    Tja. :-)

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    [Tag 070-074] Vom Monte Rosa ins Aostatal

    #55
    Das gute Wetter bleibt mir treu, und ich ziehe weiter in die nordwestlichste Ecke Italiens.

    Der Übergang von Rima nach Alagna bringt 1300 Höhenmeter mit sich. Er ist jedoch auch um 900 Höhenmeter zu haben - vorausgesetzt, man lässt seine Kamera nicht am Frühstückstisch liegen.

    So komme ich in den doppelten Genuss der alten, aussichtsreichen Maultierstraße:



    In Alagna gönne ich mir einen halbtägigen Abstecher zu den spektakulären Südwänden des Monte Rosa:



    Wieder zurück in Alagna, bittet mich ein sportlicher Herr, ihm doch kurz zu helfen: Sein Minivan stecke in einem Erdloch fest und er bräuchte jemanden mit Schubkraft. Die Mission glückt und zum Dank bekomme ich von Alberto eine geführte Tour durch das Valsesia. Und der Mann hat wahrlich etwas zu erzählen, war er doch 22 Jahre Hüttenwirt am Capanna Margherita! Die sportliche Figur ist somit auch erklärt: In seiner Amtszeit wurde sämtlicher Bedarf noch auf die auf 4554 m gelegene Hütte GETRAGEN!



    Wie im Piemont üblich, übernachte ich auch im Val Vogna unmittelbar neben der Kirche. Das Santuario San Antonio ist sehr freundlich geführt (wie eigentlich alle bisherigen Posti Tappa).



    Am nächsten Tag wartet wieder ein wunderbarer Walserweg auf mich, 1300 m gilt's zu bestreiten. Diese schöne Brücke haben Napoleons Mannen im Jahre 1800 errichtet:



    Auf dem Weg zum 2500 m hohen Passübergang treffe ich Angus Young...



    ... und komme am Lago Nero (der exakt nirgends schwarz ist) zum bisher höchsten und überraschenderweise wärmsten Badevergnügen in diesem Traumsommer.



    Heute sehe ich auch erstmals ins Aostatal. Ganz hinten der Monviso, der letzte Alpendreitausender auf meinem Weg.



    Die Übernachtung im Rifugio Rivetti ist äußerst angenehm. Wer die entspannte Stimmung im Schiestlhaus auf dem Hochschwab kennt.... genau so - Musik, Niedrigpuls, nette Crew.

    Die Lage ist auch nicht ohne (ganz klein rechts der Bildmitte):



    Der Herr und sein G'scher essen gemeinsam mit den Gästen, und wieder gibt es mehr als genug für alle. Es wird Zeit, dass ich mir eingestehe, dass ich einem richtigen italienischen Abendessen konditionell nicht gewachsen bin :-)



    Vom Rifugio Rivetti sehe ich übrigens erstmals seit Wien so etwas wie ein Alpenvorland - die Berge geben den Blick ins Turiner Becken frei. Das Wolkenmeer hingegen nicht, aber das macht nichts, ich komme schon noch auf meine Rechnung...



    ... nämlich am Nachmittag, am Weg zur zweitgrößten Pilgerstätte Italiens.



    Der Wallfahrtsort Oropa ist wirklich enorm groß (ich habe leider kein eigenes Foto - hier die Google Imagegallery). 800 000 Menschen finden jedes Jahr hierher. 500 Betten laden zur Übernachtung in den Klostermauern.

    Am Abend heißt es Abschied nehmen von Tamara und Kathrin. Die beiden Schwabenmädels haben Teil zwei ihrer auf mehrere Jahre verteilten GTA Tour ohne einen Regentropfen hinter sich gebracht und machen nächsten Sommer hier bei der Schwarzen Madonna weiter.



    Am nächsten Morgen ging es an den Gemächern vorbei gleich einmal steil bergauf.



    Auf die Gondelbahn verzichte ich zugunsten eines schönen Maultierweges, und komme, stets über den Wolken bleibend, zum aussichtsreichen Rifugio Coda (im Sattel rechts).



    Wohl zum letzten Mal sehe ich zum Monte Rosa hinüber...

    Inzwischen sind bereits Mont Blanc und Gran Paradiso zu erahnen, doch mit einem Bild warte ich auf ein wolkenfreies Fenster.

    Mahlzeit!
    Geändert von vergissminet (27.04.2019 um 16:38 Uhr)

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    AW: [AT|SI|IT|CH|F] Wien - Monaco (2000 km): EPILOG

    #56
    Angus Young!!

  17. Fuchs
    Avatar von Meer Berge
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    AW: [AT|SI|IT|CH|F] Wien - Monaco (2000 km): EPILOG

    #57
    Wie gut, dass es heute regnet.
    So konnte ich nun endlich einmal aufholen, was ich während meiner Abwesenheit-wegen-Wanderung verpasst habe.

    Herrliche Tour!
    Dein Stil gefällt mir sehr, immer wieder muss ich schmunzeln.

    Wie lange im Voraus hast du jeweils die Unterkünfte gebucht?
    Gab es da Schwierigkeiten wegen großen Andrangs?

    Ich freue mich auf deine Fortsetzung!
    Kalender *Papageitaucher 2019*
    Das Wetter, das man jeden Morgen in sich selber macht, ist viel wichtiger als das Wetter draußen. Fynn

  18. Erfahren
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    AW: [AT|SI|IT|CH|F] Wien - Monaco (2000 km): EPILOG

    #58
    Zitat Zitat von Meer Berge Beitrag anzeigen
    Wie gut, dass es heute regnet.
    So konnte ich nun endlich einmal aufholen, was ich während meiner Abwesenheit-wegen-Wanderung verpasst habe.

    Herrliche Tour!
    Dein Stil gefällt mir sehr, immer wieder muss ich schmunzeln.

    Wie lange im Voraus hast du jeweils die Unterkünfte gebucht?
    Gab es da Schwierigkeiten wegen großen Andrangs?

    Ich freue mich auf deine Fortsetzung!
    Danke fürs nette Feedback! Mit den Quartieren hatte ich nie Probleme, nicht einmal in Südtirol während der Hauptsaison (war wohl auch etwas Glück dabei). Ich habe längstens am Vortag für den nächsten Abend angerufen, meist jedoch in der Früh für denselben Abend. Bis zum Lago Maggiore hatte ich ja auch ein Zelt dabei und war deshalb recht entspannt diesbezüglich.

  19. Erfahren
    Avatar von vergissminet
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    [Tag 075 - 080] Gran Paradiso

    #59
    Die letzten Tage standen im Zeichen jenes Nationalparks, der sich in gepflegtem südländischen Understatement "Gran Paradiso" nennt.

    Mein letzter Bericht brachte mich schon sehr nahe an das Aosta-Tal. Durch diese Furche zieht die Autobahn, die Genf durch den Mont Blanc Tunnel mit Turin verbindet. Mein Weitwanderweg, die GTA, bleibt auch hier den Eselwegen treu und so trommelt diese Halsschlagader des europäischen Fernverkehrs einen oben kaum hörbaren Puls.



    Mein Weg gleicht hier auf 300 m Seehöhe einem Managertraining: "Orientiere Dich an den 'low hanging fruits', um vorwärts zu kommen!"



    Mailand, Genf, Turin, Lyon... hier liegt ausnahmsweise alles höher als mein Standort. Abgesehen von Start- und Endpunkt der Alpentraverse lag nur der Lago Maggiore niedriger.



    Kulinarisch gehen im Piemont ebenfalls die Schleusen auf. Man kocht hier (a) gern, (b) saugut und (c) enorm viel. Man isst auf langen Tischen in Gesellschaft - und die Wirtin hört erst auf, riesige Schüsseln mit Delikatessen auf dem Tisch zu verteilen, wenn auch der letzte Gast seine bedingungslose Kapitulation verkündet.

    Und Wein geht sowieso aufs Haus. Überhaupt kriegt jeder genug zu trinken, egal was. Nur als Beispiel - das kommt, wenn man hierzulande einen Caffè con Grappa bestellt:



    Neue Themen bestimmen das Tischgespräch...



    ... und neben dem Schlangengebiet scheint man hier auch in dediziertes Mariengebiet vorzudringen. Hier beispielsweise wird Maria angerufen, einer jeden Seele bei der sicheren Querung des Gebirgsbaches zur Seite zu stehen.



    Die zur Sicherheit zusätzlich errichtete Betonbrücke erfüllt ihren Job übrigens durchaus gottgefällig.

    Wie auch diese Brücke, die in Fondo zu meinem bisher spannendsten Quartier führt: Eine Nacht lang gehört mir das ehemaliges Albergo auf der anderen Seite ganz alleine.



    Ein Tempomacher begleitet mich seit einigen Tagen beim Aufstieg zum jeweiligen Pass des Tages. Feuchte Luftmassen, die von der Po-Ebene heraufziehen, stehlen einem ab ca Mittag die Sicht. Hier hilft nur frühes Aufstehen und die Flucht nach vorne.



    Feuchte Luft bedeutet bedauerlicherweise auch feuchtes Gras. So sehr ich meine Merino-Volleder-Kombi liebe: Bei nassem Gras is sie ... nun ja, nicht so toll



    Zum zweiten Mal innerhalb einer Woche gewährt man mir am folgenden Abend neben einer Wallfahrtskirche einen Platz für die Nacht.

    Matthäus 7,7 gewährt mir Zugang zur Klosterküche, wo wir (seit heute drei Österreicher) von Signora Valentina ganz herzlich aufgenommen wurden (sinngemäß "Klopfet an, und Ihr dürft reinkommen.")



    Die Zimmer sind zweckmäßig und picobello sauber.



    ... und der Fensterblick entspricht der Szenerie.



    Am nächsten Tag stoße ich ins Herz des Nationalparks Gran Paradiso vor. Irgendwie amüsiert es mich inzwischen, wenn ausgerechnet dann, wenn ich den Apparat aus der Tasche hole, mein Fotomotiv unter einer Wolke verschwindet :-)



    Viele in den letzten Jahrzehnten verlassene Dörfer erzählen eine Geschichte, in der Wörter wie 'Landflucht', 'unglückliches Erbrecht' oder 'Turiner Landwirtschaftsindustrie' vorkommen.

    Übrig bleiben viele Steine.



    Aber hey, Brombeeren!



    Übrigens: Fast immer gehört das "große Paradies" mir ganz allein. Hier in diesem verlassenen Tal werde ich allerdings gleich eine sympathische Einheimische treffen, die mir von früher erzählt. Und von der Zeit, als ihr Großvater im Jahre 1952 die Kapelle links im Bild errichtet hat.



    Ja und dann hab ich da noch ein Bild, das überhaupt nicht dazupasst.



    Nur halt dass Ihr wisst, was auf Euch zukommt, wenn Ihr jemals auf die Idee kommen solltet, hierzulande einen kleinen Salat mit Büffelmozzarella zu bestellen.

    Mahlzeit!

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    [Tag 081 - 084] Grajische Alpen

    #60
    Zwei Tage noch, dann kommt mich Fräulein A besuchen! Zwischen mir und dem gemeinsamen Relax-Wochenende liegt nun nur mehr noch ein Berg.

    In Noasca hieß es Abschied nehmen von meiner, inzwischen sehr ins Herz geschlossenen, schwäbisch-fränkischen Wanderfamilie.



    Bierernst zogen wir eine Woche lang gemeinsam durch das nördliche Piemont. Zwei Ärzte verstecken sich auf diesem Foto - das ist natürlich auch kein Nachteil bei Bergtouren und so.

    Und zwei Ärzte - diesmal oberösterreichische - sind es auch, mit denen ich derzeit entlang der südlichen Nationalparkgrenze auf den 3538 m hohen Rocciamelone zusteuere, den wir uns gemeinsam ab morgen Früh zur Brust nehmen wollen.

    Doch vorher galt es noch, zwei Quertäler zu überwinden, samt den zugehörigen, jeweils rund 2500 m hohen Passübergängen.

    Der Vormittag ist hier meist klar...



    ... der Nachmittag dafür nicht mehr so. Offenbar gehe ich direkt auf irgendetwas Großes, Nasses zu.



    Charly Gabl sagte einmal: "Ein Himmel ohne Wolken ist fad." Was für ein Lichtspiel!



    Stimmt einfach. Ich kann ja jeden Tag am "Pass des Tages" vergleichen.



    Höhenmeter machen ist hier, wie wohl schon erwähnt, ganz einfach. Meist sind es plusminus 1200 m am Tag. Denn übernachtet wird immer im Tal, schließlich geht es bei der GTA darum, das Piemont auf allen Stockwerken kennenzulernen.



    Wenn ich dann in so einem Zimmer unterkomme, sind sogar 1300 Abstiegskniefoltermeter schnell vergessen.



    Nach Balme möchte ich irgendwann wieder hin. Ich bin begeistert vom Piemont, und im Albergo Camussot war es wieder einmal besonders fein.

    Die Orte hier sind selten groß (meist unter 100 Einwohnern), aber die Lage...



    Hier ein Blick zurück nach Balme. Der Ort liegt irgendwo da unten zwischen all dem 3500 m hohem Schmuckwerk.



    Dazwischen verstecken sich kleine Seen. Ganz klein hier der Lago Verde - der Grünsee.



    Hoch über dem See ein letzter Blick zurück.



    Übrigens. Von Österreich bis hierher hatte ich überall durchgehend frisches, ohne jeden Zweifel trinkbares Quellwasser. Am Alpenbogen gibt es glücklicherweise noch frei zugängliches Trinkwasser im wortwörtlichen Überfluss, das Wasser in der Flasche daher immer erfrischend kalt.



    Und jedes Mal, wenn ich hier kostenlos die Flasche auffülle, fließt in der Chefetage von Nestlé eine bittere Träne.

    Prost!

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