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  1. Dauerbesucher
    Avatar von Feurio
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    Die Latschenfrage: welches Schuh-System nutzt ihr?

    #1
    ... und wie kommt ihr damit klar?

    Ich hab über die Suche erstmal nichts gefunden. Um meine Frage zu konkretisieren: Abgesehen von extremen Geländeanforderungen (Geröll und steile Schneefelder im (Hoch-)Gebirge, ausgedehnte Sümpfe oder Wüsten) lässt sich vielleicht eine Art Standard für gemäßigte Breiten aufstellen.

    Es geht mir um:
    - mehrtägige Wanderungen mit Sonne, Regen oder Schnee
    - Temperaturen zwischen -10°C und +25°C
    - auf "normalem" Wanderweg-Terrain. Also auf relativ festen Wegen über Stock und Stein, zum Teil auch durchs Unterholz - und für Geübte dann auch mit dem selben Schuhwerk durch anspruchsvolleres Terrain.

    Mit Schuh-System meine ich das Gesamtpaket Schuhe-Socken-evtl. Gamaschen oder was ihr sonst noch nützt.

    Ich bin beispielsweise in der wärmeren Jahreszeit mit Barfuß-Trailrunnern und dünnen Wollsocken unterwegs, in der Übergangszeit und im Winter mit Solerunners (Barfußschuhe ohne Membran) und mitteldicken - dicken Wollsocken plus Mülltüten bei anhaltendem Regen (zwischen Socken und Schuh), im Winter mit viel Schnee habe ich Lederstiefel mit dicken Wollsocken und Lodengamaschen an.

    Mit GoreTex habe ich bei mehrtägigen Touren ebenso wie mit Vollleder keine guten Erfahrungen gemacht, insofern die Schuhe nach einem Tag im Regen immer nass waren und es bis zum Ende der Tour - unabhängig vom Wetter - geblieben sind. Im Sommer finde ich nichts an nassen Füßen, zumal ich Abends in meine trockenen Schlafsocken wechseln kann. Aber wenn es kalt ist finde ich nasse Füße schon sehr unattraktiv: habt ihr da ein System gefunden, dass für Euch gut funktioniert?

    Man könnte auch Vor- und Nachteile des jeweiligen "Systems" anführen. Ich schätze zum Beispiel an den Barfuß-Trailrunnern, dass sie so luftdurchlässig sind und außerdem fast nichts wiegen. Als Nachteil sehe ich aber den starken Verschleiß...
    Mit den Plastiktüten als Ergänzung für etwas Schnee oder Dauerregen habe ich gute Erfahrungen gemacht; allerdings reißt so ein Tütchen natürlich gern mal und dann hat man doch plötzlich nasse Füße. Außerdem ist das ein nerviger System-Zusatz und ich muss ständig abwägen, wie nass es werden wird, bzw. Wie lange es regnen wird- und ob es sich ergo lohnt die Tüten überzuziehen. Bei viel Regen lohnt es sich aber definitiv.
    Geändert von Feurio (08.02.2019 um 20:06 Uhr)

  2. Dauerbesucher
    Avatar von Igelstroem
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    AW: Die Latschenfrage: welches Schuh-System nutzt ihr?

    #2
    Bei mir sind die Prinzipien des Systems sozusagen umgekehrt:

    Die Stiefel sollten aufgrund ästhetischer Vorentscheidungen aus Leder sein und einen möglichst hohen Schaft haben, und im weiteren Verlauf der Überlegungen wird dann nach funktionalen Gründen und Vorwänden gesucht, die das gewährleisten. Natürlich muss trotzdem gewandert werden, d.h. es gibt einige funktionale Grenzbedingungen.

    Die zuletzt am meisten verwendeten Stiefel sind diese drei:

    https://www.recon-company.com/lowa-m...p-schwarz/3182

    https://www.nightgearstore.com/de-DE...82532748ng.htm

    https://www.altberg.co.uk/product/me...ry-issue-boot/

    (1) Die Futterfrage und die Membranfrage:
    Der erste der drei genannten Stiefel hat ein Lederfutter, die beiden anderen haben ein Cambrelle-Futter, jeweils ohne Membran.
    Die Goretex-Membran gilt bei mir als überflüssiges funktionales Risiko bzw. als Versuch der Hersteller, den Kunden ein Gefühl anstelle einer Funktion zu verkaufen (was offenbar recht gut gelingt und auch vernünftig ist, wenn die meisten Wanderschuhe während ihrer ›Standzeit‹ weniger als 500 km getragen werden).
    Lederfutter ist grundsätzlich am Fuß angenehmer als Cambrelle-Futter, letzteres ist aber leichter, was sich tatsächlich im praktischen Vergleich der beiden oben genannten Modelle auch bemerkbar macht.

    (2) Die Pflegefrage:
    Das Oberleder wird bei mir ohne übertriebenen Aufwand mit verschiedenen Pflegeprodukten behandelt (BW-Schuhcreme, G-Wax, Tierowa etc.), wobei das Kalkül darin besteht, durch den Wechsel zwischen fett- und wachslastigen Produkten eine hinreichende Wasserdichtigkeit zu erzeugen. Etwas Glanz darf natürlich auch sein.

    (3) Socken und Einlagen:
    Innen werden bei längeren Wanderungen zwei Paar Socken getragen, nämlich Polypropylen-Liner (Rohner Protector Plus; Lebensdauer ca. 40–50 Tourtage) und Woolpower 400, bei Tageswanderungen trage ich häufig nur normale Falke-Wollsocken ohne besondere Trekking-Funktionalität.
    Seit zwei Jahren trage ich permanent individuelle orthopädische Leder-Einlagen (wegen Plantarfasziitis), die sich sehr bewährt haben.

    (4) Nässe von innen und außen:
    Ich neige nicht zu Schweißfüßen, und Probleme mit Nässe beim Wandern haben sich bisher in Grenzen gehalten. Ein Lederfutter wird natürlich immer etwas feucht, aber in der Praxis bisher nicht so, dass es sich beim Gehen nass angefühlt hätte. Kurzzeitige Wassereintritte z.B. in nassem Schnee oder beim Durchlaufen tiefer Pfützen werden normalerweise vom ›System‹ gepuffert, das sich insoweit als ›unperfekt, aber fehlertolerant‹ erweist.

    (5) Marktverfügbarkeit:
    Die beiden ersten genannten Stiefelmodelle sind Auslaufmodelle, so dass der Eindruck entsteht, dass der Hersteller Lowa das für mich einigermaßen Brauchbare sukzessiv abschafft. Das zweite Modell ist außerdem vorwiegend für die britische Armee gedacht gewesen, so dass man es in EU-England normalerweise preisgünstiger bekommt; ich habe also ein zweites Paar in Braun auf Vorrat gekauft. Man kann sich natürlich mittelfristig auch auf die Altberg-Stiefel kaprizieren, hier gibt es aber keine halben Größen, was in meinem Fall nachteilig ist.

    (6) Nutzen im Gelände:
    Wenn ich in Brandenburg oder Mecklenburg unterwegs bin, bin ich an zwei von drei Tagen froh, dass die Stiefel viel höher sind als im Flachland normalerweise empfohlen. Denn man ist ja viel auf multifunktionalen Wirtschaftswegen ohne Zertifizierung unterwegs, so dass man fast bei jedem Wetter auch matschige oder zerwühlte Passagen vorfindet. Andererseits läuft man manchmal auf Asphalt, mitunter auch unerwartet lange, und hier hat sich die starke Dämpfung der Lowa-Modelle bewährt.
    Geändert von Igelstroem (08.02.2019 um 22:22 Uhr)
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  3. Dauerbesucher
    Avatar von Feurio
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    AW: Die Latschenfrage: welches Schuh-System nutzt ihr?

    #3
    Besten Dank für den Beitrag. Ich finde es höchst erstaunlich, dass Du keine wirklich nassen Füße bekommst. "Ein Lederfutter wird natürlich immer etwas feucht, aber in der Praxis bisher nicht so, dass es sich beim Gehen nass angefühlt hätte."
    Im Schwarzwald bist Du doch auch im Dauerregen unterwegs gewesen, wenn ich mich richtig erinnere. Ich habe in Lederstiefeln bei ausreichend Nässe irgendwann zwangsläufig eingewässerte Füße... ob das an deiner raffinierten Pflegetechnik liegt?

  4. Dauerbesucher
    Avatar von Igelstroem
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    AW: Die Latschenfrage: welches Schuh-System nutzt ihr?

    #4
    Zitat Zitat von Feurio Beitrag anzeigen
    Besten Dank für den Beitrag. Ich finde es höchst erstaunlich, dass Du keine wirklich nassen Füße bekommst. "Ein Lederfutter wird natürlich immer etwas feucht, aber in der Praxis bisher nicht so, dass es sich beim Gehen nass angefühlt hätte."
    Im Schwarzwald bist Du doch auch im Dauerregen unterwegs gewesen, wenn ich mich richtig erinnere. Ich habe in Lederstiefeln bei ausreichend Nässe irgendwann zwangsläufig eingewässerte Füße... ob das an deiner raffinierten Pflegetechnik liegt?
    Meine Pflegetechnik ist nicht raffiniert. Zum Beispiel habe ich früher nur sehr grob vorgereinigt, und die Anweisung, vor der Pflege die Schnürsenkel herauszunehmen, habe ich praktisch nie befolgt. Es gab früher mal die Bequemlichkeitsdoktrin, dass der Schmutz am Schuh gemeinsam mit dem Pflegemittel zur Wasserdichtigkeit beiträgt. (Die wird von den Herstellern jedenfalls nicht vertreten.) Auch nehme ich bei meinen relativ kurzen Touren nie Pflegemittel mit.

    Von oben läuft ja kein Wasser in die Schuhe, das ist mir jedenfalls noch nicht passiert. Als die Lowa Mega Camp neu, d.h. wirklich neu waren, habe ich mich bei einer winterlichen Tagestour mit Christine am Rand von Berlin probehalber in ein Fließgewässer gestellt (»Wir müssen furrrrten, wir müssen furrrrten!«), dann wurde es nach einigen Sekunden feucht in einem der beiden Stiefel und ich bin schnell wieder rausgesprungen.

    Ähnliches ist mir im Schwarzwald zwei oder drei Mal passiert, dann später mal mit einem Lowa Mountain Boot, der ja eine Goretex-Membran hat (kleiner Wassereintritt seitlich im Bereich der Knickstelle), tiefer nasser Schnee ist dabei riskanter als kurzer Aufenthalt im Wasser. Und auch der relativ gepflegte membranlose Lowa Elite Light ist in solchen Momenten nicht ganz dicht, wie ich neulich festgestellt habe.

    Aber welchen Charakter haben diese Ereignisse? Man spürt am Fuß die Nässe in Gestalt einer Abkühlung in der Nähe der Eintrittstelle, aber wenn man weiterläuft, vergeht dieses Gefühl nach einer Weile. Solange es sich nur um Regen und nassen Untergrund handelt, ist das fühlbare Eindringen von Wasser offenbar kein permanenter Vorgang. Beim Einzelereignis (Durchqueren einer tiefen Pfütze und dergleichen) bleibt die Menge relativ gering.

    Socken, Lederfutter und Oberleder bilden (wenn es keine Membran gibt) im Prinzip ein kapillar leitfähiges, begrenzt diffusionsoffenes, von innen beheiztes System, das Wasser aufnimmt und durch zwei verschiedene Mechanismen auch wieder abgibt: nämlich durch Verdunstung kapillar aufgesogenen Wassers an der Oberfläche und durch Verdunstung im Inneren, insoweit durch die Pumpbewegung beim Gehen ein Luftaustausch (unbekannter Quantität) über den Schaft stattfindet. (Die Wasserdampfdiffusion durch das Leder dürfte hingegen als dritter Prozess eher eine untergeordnete Rolle spielen.)
    Dieses System mit seinen Pufferungs- und Austauschprozessen würde eventuell versagen, wenn der Dauerregen wirklich permanent wäre oder wenn man permanent durch nassen Schnee laufen müsste, aber das ist eben selten der Fall.

    Andererseits wird natürlich bei einer Tour wie im Schwarzwald das Lederfutter nie richtig trocken. Vielmehr stellt sich ein gewisses Feuchtigkeitsniveau des Gesamtsystems ein, aber bei mir immer auf dem Niveau, dass sich die Stiefel morgens beim Anziehen feucht anfühlen, die Füße aber beim Laufen trotzdem schnell warm werden, so dass die vorhandene Feuchtigkeit nicht als Nässe gefühlt wird. Die ebenfalls etwas feuchten Socken ziehe ich zum Schlafen aus und bewahre sie nachts eventuell im Schlafsack auf.

    Die Intuition, dass im Laufe der Tour eine Akkumulation von Feuchtigkeit stattfinden müsse, ist gewissermaßen falsch, denn die Feuchtigkeit im Socken-Stiefel-System bildet in Abhängigkeit von den äußeren Bedingungen ein Fließgleichgewicht; den Prozessen des Aufsaugens und der kapillaren Ausbreitung stehen Prozesse der Verdunstung gegenüber, die zu einem Gleichgewicht auf meistens noch akzeptablem Niveau führen (so jedenfalls meine Erfahrung).
    Geändert von Igelstroem (13.02.2019 um 11:08 Uhr)
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  5. Dauerbesucher
    Avatar von Zz
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    AW: Die Latschenfrage: welches Schuh-System nutzt ihr?

    #5
    Wenn es um trockene Füße geht, sind vielleicht Lundhags ganz gut, auch wenn sie eher für die Sümpfe und Moore in Skandinavien gedacht sind. Für wirklich felsige bzw. alpine Touren sind sie allerdings eher unpassend, was nicht bedeutet, daß man mit etwas Vorsicht auch mal über ein Geröllfeld wandern kann.

  6. Erfahren

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    AW: Die Latschenfrage: welches Schuh-System nutzt ihr?

    #6
    Ich trage folgende Schuhe:
    Mehrwöchige Gebirgstouren: Lederschuh von Geiger, Wandersocken bei schönem Wetter und Sealskinz bei Regenwetter
    Mittelgebirgstouren: Trailrunner mit unterschiedlichen Socken je nach Wetterlage
    Schnee- bzw. Schneeschuhtouren: Lundhags mit Filzfutter und dünnen Kniestrümpfen
    Wandern & Flanieren
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  7. Fuchs
    Avatar von wilbert
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    AW: Die Latschenfrage: welches Schuh-System nutzt ihr?

    #7
    Bis 0 Grad halte ich es, je nach Anwendungsprofil, recht flexibel. Von Trailrunnern, über Gummistiefel bis Kunststoffschalen ist da alles dabei, nur kein Leder.
    Sobald es Frost gibt, laufe ich nur noch mit schnürbaren „Gummistiefeln“ (Kamik) incl. Filzinnenschuh und VBL Socke.

    Die ganz fiese Witterung von 0 bis - 5 Grad bringt von außen viel Feuchtigkeit an den Schuh. Leider war bei mir in der Vergangenheit, nach drei nassen Tagen ohne Trocknungsmöglichkeit, jedes Leder final durchgeweicht. Die Feuchtigkeit zog dann von außen und von innen in die Socken, sodass ich am Ende zunehmend feuchte, kalte Füße hatte.
    Beim Laufen war ja alles okay, da ich noch genügend Bewegungsenergie erzeugte. Sobald ich allerdings zum Stehen kam, kühlten meine Füße rasch aus und brauchten relativ lange um wieder warmzuwerden.
    Da es beim Fotografieren schon mal länger dauern kann, bin ich im Laufe des Tages immer unleidlicher geworden.

    Mit den Filzinnenschuhen + VBL kann ich nach der Wanderung mit warmen Füßen draußen kochen, noch eine Weile fotografieren oder in Ruhe am Feuer sitzen Natürlich kann man seine Socken gleich wechseln, doch müssen die „Ruhesocken“ ebenfalls mit linern vor Feuchtigkeit geschützt werden. In der Praxis fehlt mir am Ende eines Wandertages einfach der Nerv ...

    Innen trage ich dünne Fleece Socken, darüber kommt der VBL, dazu noch eine 600ter Wollpower Socke und abschließend der Filzschuh. Das klingt erstmal nach sehr viel Isolation, hat aber den Vorteil, dass mich dieses Setup tatsächlich ohne Bewegung bis - 15 Grad warm hält.
    Die Fleece Socken sind am Abend zwar feucht aber nicht komplett nass. Ich kann sie im Schlafsack warmhalten, sodass es am nächsten Morgen nur wenig Überwindung braucht sie anzuziehen.

    Dies Setup funktioniert mehrere Tage einwandfrei, solange der VBL dicht bleibt.
    Vorletztes Wochenende hatte ich im Thüringer Wald einen Satz VBL Socken von RAB dabei, die leider nicht dampfdicht waren. Da war die Freude an warmen Füßen nach zwei Tagen vorbei.

    VG. -Wilbert-
    Geändert von wilbert (18.02.2019 um 11:10 Uhr)

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    AW: Die Latschenfrage: welches Schuh-System nutzt ihr?

    #8
    Die subjektiven Erfahrungen beim Thema ›Durchfeuchtung von Lederstiefeln bei mehrtägigen Touren‹ sind, wie man oben sieht, unterschiedlich. Darauf kann man sich verschiedene Reime machen:

    (1) Es ist durchaus möglich, dass mir das Problem nur deshalb entgeht, weil ich im Winter normalerweise keine mehrtägigen Touren mache. Das heißt ich komme kaum in die Situation, dass ich mich bei Temperaturen um den Gefrierpunkt längere Zeit draußen aufhalte, ohne mich permanent zu bewegen. Normalerweise mache ich im Winter Tagestouren, zu deren Ende ich aus vollem Lauf in ein beheiztes Nahverkehrsprodukt der Deutschen Bahn AG einsteige. Auch neige ich unterwegs nicht zu langwieriger Beobachtung von Wildtieren. Man sollte also meine Erfahrungen thematisch nicht für das Ganze nehmen; bei winterlichem Wetter sind offenbar spezifische Vorkehrungen gegen kalte und nasse Füße erforderlich.

    (2) Bei nasser Witterung spielt die Schafthöhe der Stiefel womöglich eine größere Rolle als gemeinhin angenommen. Das Meiste, was als Wanderstiefel bezeichnet wird, weil es den Knöchel umschließt, gilt bei mir als Halbschuh. Stiefel mit einer Schafthöhe von 22–25 cm, wie ich sie oben aufgelistet habe, schließen hingegen in der Regel am Unterschenkel ziemlich dicht ab. Das behindert den Luftaustausch über den Schaft, bewirkt aber bei Regen (und auch bei Schnee), dass kaum noch Feuchtigkeit von oben eindringt. Oder umgekehrt: Es könnte sein, dass die von oben mehr oder weniger unbemerkt eindringende Nässe bei halbhohen Stiefeln als Ursache der Durchfeuchtung unterschätzt wird.
    Bei heißem, trockenem Wetter ist der hohe Schaft natürlich ein Nachteil (insbesondere wenn man zu Schweißfüßen neigt), weil dann das Funktionieren oder Nichtfunktionieren der Bewegungsventilation gegenüber der von außen kommenden Nässe im Vordergrund steht.
    Geändert von Igelstroem (18.02.2019 um 10:58 Uhr)
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  9. Erfahren

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    AW: Die Latschenfrage: welches Schuh-System nutzt ihr?

    #9
    Ich verfahre nach dem KISS-Prinzip ("Keep It Simple Stupid"): Trekkingstiefel mit Membran (Hanwag Tatra GTX) und Wandersocken (Falke). Bei ganz leichten Tageswanderungen im Sommer auch mal Sandalen (Keen) ohne Socken, im Frühjahr/Herbst Trailrunner (irgendwas billiges von Decathlon) plus Wandersocken.

    Bislang bin ich damit überall klar gekommen, für den größten Teil der Wege sind die Trekkingstiefel sicher überdimensioniert. Aber ich bin froh sie anzuhaben, wenn dann doch mal ein schwereres Stück, z.B. abseits der Wege, kommt.

  10. Dauerbesucher
    Avatar von Fritsche
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    AW: Die Latschenfrage: welches Schuh-System nutzt ihr?

    #10
    Flachland bis Mittelgebirge, trocken und nicht deutlich unter Null: Laufschuhe (und Gamaschen wenn Zecken).

    Alles andere: Volllederstiefel (Meindl Perfekt) und Gamaschen. Wenn Furtnotwendigkeit: Croqs zusätzlich im Gepäck.

    Socken: wenn warm und Laufschuhe: 1 Lage dünne Wollsocken. Wenn kühler: 1 Lage dicker Wollsocken. Wenn Lederstiefel: 2 paar dünne Wollsocken oder Kombi mit dicker Wollsocke.

    Nasse Füße: das letzte Mal hatte ich die ganze Tour über nasse Füße auf dem ACT. Damals hatte ich noch Gorestiefel (Hanwag Alaska).

    Im Laufe der Jahrzehnte gibt es bei mir den Trend, immer mehr mit Laufschuhen zu gehen und immer seltener Stiefel zu nehmen.
    Geändert von Fritsche (18.02.2019 um 12:28 Uhr)
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