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  1. Erfahren
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    AW: [SE] Wieder alles anders im Kebnekaisefjäll

    #21
    Mitreisende: Blahake
    Hallo Bernd,
    schön, dass Du dabei bist. Ich begleite Dich auch schon die ganze Zeit auf der Tour de Troms

  2. Erfahren
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    #22
    Dienstag, 21. August, Unna Reaiddávággi

    Veronika ist heute schon früh auf und macht wundervolle Bilder, während ich noch im Schlafsack liege:







    Aber mit dem Regenbogen stehe ich dann auch auf












    Heute soll es weiter gehen bis zur Unna Räitastuga. Auf die bin ich sehr gespannt, habe ich doch schon viele Bilder gesehen, wie sie da so malerisch über der Steilkante thront. Apropos Steilkante – auf die bin ich auch gespannt, und darauf, ob sie mir ein Schwindelproblem bereiten wird. Die Gipfel zeigen sich heute mit frischem Puderzucker bestäubt und ich hoffe, dass das Unterfangen Jojoleden nicht wieder am Neuschnee scheitert.

    Das Wetter scheint uns heute hold und wir ziehen frohen Mutes gegen zehn Uhr los:









    Zunächst verfransen wir uns ein bisschen zu weit westlich in Hang und Sumpf, aber dann finden wir doch noch den richtigen Weg und es geht wieder leichter voran.








    Ich laufe mal ein bisschen vorweg, mal lasse ich mich hinter Veronika zurückfallen. Irgendwann fällt mir ein, dass ich ja gar nicht sicher sein kann, dass Nikkaluokta wieder Gaskartuschen vorrätig hat, wenn ich zurückkomme. Und dann habe ich für den weiteren Weg ein Problem!

    Mist! Was mach' ich denn dann?

    Zum Glück fällt mir dann aber auch ein, dass Andrea2, kurz bevor ich in Nikkaluokta sein werde, dort startet. Haben wir uns doch im Vorfeld kurzgeschlossen und festgestellt, dass wir uns knapp verpassen werden. Und über mein InReach kann ich sie ja erreichen! Das versuch' ich! Ich hocke mich also auf einen Stein und formuliere eine E-Mail mit Gasbestellung an Andrea. Ich habe ja eine Tüte mit Essen und weiteren Sachen, die ich erst auf der zweiten Etappe brauche, in Nikkaluokta zur Aufbewahrung gegeben. Da könnte Andrea doch das Gas dazustellen lassen... Nach einer Weile fällt mir ein, dass die beiden unterwegs ja nicht unbedingt Internetempfang haben und schicke noch eine SMS hinterher. Bin gespannt, ob das klappt...

    Kaum eine Stunde, nachdem ich die SMS verschickt habe, piepst mein InReach und meldet: „Ganz Schweden hat kein Gas mehr. Wir haben Jokkmokk leer gekauft. 1x450g aber nur halb voll und 2x100g. Alle Primus.“

    Wie großartig ist das denn !??! Meine Gasbestellung aus der Mitte von nirgendwo hat funktioniert und Andrea hat sich gleich ins Zeug gelegt. Ich bin schwer begeistert und sehr froh, dass ich mir keine Gedanken mehr um das Gas machen muss.



    Wenig später kommt uns ein junger Mann entgegen, Veronika spricht mit ihm, ich schließe gerade auf. OT: Hallo Nuklid!
    Veronika fragt ihn nach einer kniffligen Stelle, die in ihrer Beschreibung erwähnt ist, aber ihm sind keine Schwierigkeiten auf dem Weg begegnet.

    Im weiteren Verlauf das Tal hoch, ziehen sich Wolken um die Berggipfel und es nieselt ab und zu. Da wo wir herkommen, ist das Wetter noch schön...



    trübes Wetter voraus





    schönes Wetter hinter uns

    Zwischenzeitlich wird es aber auch wieder besser. Wir nähern uns einem zu querenden Bach, der Abstieg da hinunter war die Stelle, von der Veronika in der Beschreibung gelesen hatte, dass sie etwas schwierig sei und mir war deswegen schon ein bisschen mulmig. Aber dann stellt sich das als ganz harmlos heraus, genauso wie die Furt.














    Nach der Furt schlägt Veronika vor, dass ich doch ruhig bis zur Hütte vorausgehen könne, da bräuchte ich nicht unterwegs auf sie zu warten. Ich versuche noch kurz herauszufinden, ob sie das nur mir zuliebe sagt, oder ob es ihr wirklich recht ist. Vielleicht möchte sie ja auch gern ein bisschen allein gehen. Und als ich zu der Einschätzung komme, dass das tatsächlich o.k. ist, gehe ich schon mal voraus.





    Bald kommt die Steilkante in Sicht, mit dem See davor und wenn man genau hinsieht, erkennt man schon die Hütte als kleinen Punkt über dem Wasserfall. Na, wenn das mal keine schöne Lage ist!!!





    Während ich auf das Talende zulaufe inspiziere ich aus der Entfernung schon den Hang links der Steilkante, um zu sehen, wo man da wohl am besten aufsteigen kann. Ich beschließe, möglichst weit links einzusteigen und schräg nach rechts hoch zu gehen. Das sieht machbar aus.



    Erst mal muss ich aber sehen, wie ich über das Wasser komme, es klappt unterhalb des Sees gut trockenen Fußes von Stein zu Stein.

    Den Hang hoch funktioniert dann auch alles ganz prima, zwar ist es anstrengend und die Steine rutschen manchmal ein bisschen weg, aber es ist nirgendwo so steil, dass mir schwindlig würde.



    anstrengendes Gelände



    endlich oben

    Bis ich endlich oben an der Kante bin, hat sich das Wetter deutlich verschlechtert. Es schnee-regnet und ist lausig nasskalt.



    nasskalt

    Und erinnere mich daran, wie ich vor zwei Jahren mal auf sehr rutschigen Steinen unterwegs war, weil die Nässe auf ihnen gefroren ist. Hoffentlich passiert das heute nicht, das kann man in diesem Gelände nicht gebrauchen! Und dann denke ich 'Au Backe – in dem Wetter kann ich doch Veronika nicht alleine lassen!'

    Was machen?

    Hilft nix, den Hang wieder runter und nach ihr sehen. Ich hangele mich also geradewegs wieder hinunter und treffe Veronika unten am Fuß des Hanges. Sie hat mich nicht herunterkommen sehen und ist ganz überrascht. Ich schlage ihr vor, hier unten am See das Zelt aufzubauen, weil ich mir nicht sicher bin, ob wir es vor Einbruch der Dunkelheit wieder hoch und bis zur Hütte schaffen. Aber sie ist entschlossen, heute noch bis zur Hütte zu gehen.

    So gehen wir dann gemeinsam den Hang hoch.









    wieder hoch

    Oben angekommen gilt es, den Weg nach rechts zur Hütte zu finden. Es gibt einen, der für meinen Geschmack ein bisschen zu nah an der Steilkante entlangführt. Zwar ist da noch ordentlich Abstand, aber das Ganze ist mir zur Kante hin zu abschüssig. Zum Glück gibt es aber auch noch eine Variante weiter weg. Das bedeutet zwar einen weiteren Anstieg, ist mir aber wohler.

    Nach links sieht man schon den Pyramidenpass – bin gespannt, ob wir da morgen rüber kommen!



    noch ein Anstieg, im Hintergrund der Pyramidenpass



    ab hier nur noch geradeaus zur Hütte



    In der Hütte angekommen fallen wir ziemlich müde in die Betten.

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    AW: [SE] Wieder alles anders im Kebnekaisefjäll

    #23
    Oha, hoch, runter und wieder hoch. Das klingt natürlich nach Spaß. Aber dafür ist die Steilkante im Unna Reaiddávággi wirklich sehr spaktakulär und ansehlich. Da kann man auch gerne ein paar Umwege für machen.

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    AW: [SE] Wieder alles anders im Kebnekaisefjäll

    #24
    Zitat Zitat von Blahake Beitrag anzeigen
    Zum Glück fällt mir dann aber auch ein, dass Andrea2, kurz bevor ich in Nikkaluokta sein werde, dort startet. Haben wir uns doch im Vorfeld kurzgeschlossen und festgestellt, dass wir uns knapp verpassen werden. Und über mein InReach kann ich sie ja erreichen! Das versuch' ich! Ich hocke mich also auf einen Stein und formuliere eine E-Mail mit Gasbestellung an Andrea. Ich habe ja eine Tüte mit Essen und weiteren Sachen, die ich erst auf der zweiten Etappe brauche, in Nikkaluokta zur Aufbewahrung gegeben. Da könnte Andrea doch das Gas dazustellen lassen... Nach einer Weile fällt mir ein, dass die beiden unterwegs ja nicht unbedingt Internetempfang haben und schicke noch eine SMS hinterher. Bin gespannt, ob das klappt...

    Kaum eine Stunde, nachdem ich die SMS verschickt habe, piepst mein InReach und meldet: „Ganz Schweden hat kein Gas mehr. Wir haben Jokkmokk leer gekauft. 1x450g aber nur halb voll und 2x100g. Alle Primus.“

    Wie großartig ist das denn !??! Meine Gasbestellung aus der Mitte von nirgendwo hat funktioniert und Andrea hat sich gleich ins Zeug gelegt. Ich bin schwer begeistert und sehr froh, dass ich mir keine Gedanken mehr um das Gas machen muss.
    Hallo Anne,

    4.30 Uhr , kein Wunder, dass du da noch geschlafen hast.

    Die SMS war definitiv eine gute Idee. Ich glaub die Mail hätte ich nicht mehr gesehen. Da wir immer mit Spiritus kochen, kannten wir uns mit Gas überhaupt nicht aus, aber ich hatte hier im Forum mitbekommen, dass es da Probleme gab in diesem Jahr. Da wirk zu dem Zeitpunkt noch südlich von Jokkmokk waren, wollten wir direkt dort beginnen nach Gas zu schauen, hätten die keines, wäre ja noch Gällivare und Kiruna gewesen.
    In Jokkmokk hatten sie dann diese besagte halbvolle 450ml und noch zwei letzte 100ml. Anscheinend hatte Decathlon in großem Umfang Gas aufgekauft und Primus ist nicht mehr mit der Lieferung hinterher gekommen. Das haben sie uns dort zumindest erzählt. Aber egal wir haben genommen was wir bekommen haben. Ist halt etwas mehr Verpackungsgewicht gewesen. Als wir auf der Rückreise wieder dort waren, waren die Regale randvoll mit Gaskartuschen.

    Als wir am Abend des 21.08. dann in Nikkaluokta gestartet sind, liefen wir in der Sonne, sahen aber, wie sehr die Wolken in den Bergen und Tälern hingen und immer wieder kam dort Regen herunter.

    An dem Tag hast du ja wirklich einige Höhenmeter gemacht. Ich kann verstehen, dass Veronika dich vorlaufen hat lassen. Es ist ja immer besser jeder geht sein Tempo, aber unter den Bedingungen war es sicher nicht verkehrt noch einmal zurück zu gehen.

    Nun wird es ja spannend mit dem Pyramidenpass.

  5. Erfahren
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    AW: [SE] Wieder alles anders im Kebnekaisefjäll

    #25
    Hallo Matthias,
    ja - wenn schon hin und her gehen, dann ist das sicher nicht die schlechteste Gegend dafür gewesen, langweilig war mir definitv nicht

    Hallo Andrea,
    ja, ihr wart echt meine Rettung mit dem Gas, aber das weißt Du ja schon Morgens um halb fünf ist wirklich nicht meine Zeit, aber die Stimmung auf den Bildern finde ich schon toll, die hab' ich Murmeltier verpasst.
    Gleich kommt die Auflösung zum Pyramidenpass...

  6. Erfahren
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    AW: [SE] Wieder alles anders im Kebnekaisefjäll

    #26
    Mittwoch, 22. August, Ein Drittel Pyramidenpass

    Wir schlafen lange in den nächsten Tag hinein, der uns mit strahlendem Sonnenschein begrüßt. Beste Voraussetzungen, um den Pass anzugehen. Aber erst mal in Ruhe frühstücken und die Gegend genießen:
















    Gegen Mittag ziehen wir dann los. Über die erste Kuppe erwischen wir den Weg, der mir ein bisschen zu nah an der Kante liegt, aber mit tief durchatmen und sehr langsam und vorsichtig gehen, komme ich doch gut rüber. Zum Glück ist die für mich knifflige Stelle nur kurz. Veronika hat, wie fast alle schwindelfreien Menschen, keinen blassen Schimmer, wo da ein Problem sein könnte.











    Die Blockfelder sind, da wo die Sonne noch nicht hinkommt, noch ein bisschen feucht, aber nicht sonderlich schwer zu gehen. Dann geht es über ein erstes kleines Schneefeld.




    bis wir endlich unterhalb des Passes stehen.




    Hier müssen wir irgendwie über das Schneefeld hoch kommen – auf den Steinen ist es viel zu steil. Im unteren Teil sieht es ja noch ganz leicht aus. Wir planen, auf dem Schnee erst mal parallel zu den Felsen schräg links hochzugehen und dann müssen wir sehen, ob wir einfach geradeaus hoch oder weiter rechts weitergehen können.

    Auf dem Schneefeld geht es aber nur sehr langsam voran. Um einen festen Stand zu finden, muss ich bei jedem Schritt fünf bis sieben Mal in den Schnee treten, bevor sich dadurch eine ausreichende Trittfläche ergibt. Unterhalb einer dünnen Schicht obendrauf ist der Schnee doch sehr fest. Mühsam trete und kicke ich so eine Spur in den Schnee, dabei habe ich immer ein bisschen Bange, dass ich mir gleich noch die Zehen an einem Stein unterm Schnee anhaue.

    Außerdem ist das Ganze viel anstrengender, als ich gedacht hätte. So ein bisschen Rumgekicke mit dem Unterschenkel kann doch eigentlich nicht so wild sein, denke ich. Bin aber nach wenigen Metern schon ganz schön aus der Puste.



    mühsam getretene Spuren

    Veronika schließt in meinen Spuren recht schnell zu mir auf.

    Nach einer Weile beschließt sie, etwas auszuruhen und wechselt dafür vom Schnee auf die Felsen. Die sind aber so steil und obendrein sehr rutschig, dass sie kaum Halt findet, um zu stehen, geschweige denn, sich hinzusetzen.





    viel zu steil und zu rutschig

    Langsam wird uns klar, dass es keinen Sinn macht, weiterzugehen. Zwar würden wir es uns konditionell schon zutrauen, noch lange auf diese Art weiter zu wursteln. Aber wir sind ja noch im vergleichsweise flachen Teil, oben wird das Schneefeld deutlich steiler. Da werden wir mit ein bisschen In-den-Schnee-treten nicht hochkommen, nicht ohne Steigeisen. Und die mitzunehmen, dagegen hatten wir uns ganz bewusst entschieden.

    Hm - adé Jojoleden, es hat nicht sein sollen. Es fällt uns beiden ein bisschen schwer hier umzukehren. Zwar war uns von vornherein klar, dass das nur bei optimalen Bedingungen klappen würde. Aber auf die hatten wir sehr gehofft.

    Jetzt kehren wir nach dem unteren Drittel des Schneefeldes schon wieder um und machen uns auf den Rückweg zur Hütte.





    Adé Jojoleden

    Als wir vom Schneefeld wieder runter in den Blockfeldern sind und uns noch einmal umschauen, sehen wir eine Gestalt oben am Horizont auftauchen:



    Jetzt sind wir aber mächtig gespannt, ob und wie der da runterkommt.

    Wir bleiben stehen und beobachten. Anfangs geht er von uns aus gesehen auf der linken Seite auf den Steinen entlang, so lange wie es geht. Von oben kann er anscheinend noch nicht sehen, dass er bald auf das Schneefeld muss. An der Kante geht er dann auch ein bisschen hin und her, bevor er sich auf den Schnee wagt. Man sieht, wie er bei jedem Schritt mit den Fersen fest in den Schnee hackt. Und mit einem Mal sehen wir ihn nur noch rutschen. Ob er gefallen ist, oder ob das absichtlich war, konnten wir nicht erkennen. Immerhin sieht es nicht allzu schnell und einigermaßen kontrolliert aus. Hier ein leider sehr schlechter Film von den letzten Metern:



    hier das Filmchen auf Vimeo

    Als die Rutschpartie beendet ist, steht er zum Glück bald auf, wirkt unverletzt und setzt seinen Weg aufrecht fort.





    Da er nicht mehr weit weg ist, warten wir, bis er bei uns vorbeikommt. Natürlich sprechen wir ihn an und bedanken uns höflich für die großartige Show, die er uns da geboten hat.
    Erfreulicherweise hat er Humor.

    Wir erzählen ihm, dass wir uns nicht weiter hoch gewagt haben. Er bestätigt unsere Entscheidung und meint, oben auf dem Schneefeld sei der Schnee noch deutlich fester gewesen, da hätten wir ohne Steigeisen keine Chance gehabt.

    Auf dem Rückweg zur Hütte überlegen wir, wie es jetzt weitergeht. Einen Alternativplan hatten wir uns ja schon im Vorfeld überlegt. Es wird über das Stuor Reaiddávággi ins Kaskasavagge gehen und dann durch das Čievrraláhku und östlich vom Čievrracohkka zurück nach Nikkaluokta. Allerdings möchte Veronika heute noch einmal in der Hütte übernachten, während ich gerne noch weiter gehen würde. Deshalb trennen wir uns ab hier, zumal wir auf dieser Route nicht mit größeren Schwierigkeiten rechnen.

    So mache ich mich auf den Weg Richtung Stuor Reaiddávággi



    Blick zurück zum Pyramiden

    und bestaune den Gletscher am Vaktposten.







    Gletscher am Vaktposten

    Das Tal ist steinig, aber es ist nicht schwer, einen guten Pfad zu finden, außerdem gibt es Steinmännchen.

    Nach einer Weile komme ich an einem Zelt vorbei und plaudere kurz mit dem schwedischen Herrn, der da gerade sein Abendessen einnimmt. Er möchte morgen über den Pyramidenpass und er hat Steigeisen dabei. Da gehe ich davon aus, dass er das gut schaffen wird.





    Am Talausgang steht etwas rechts von meinem Weg ein rotes Zelt. Mir kommt der Gedanke, dass das vielleicht dem Schneefeld-Akrobaten gehören könnte. Ich habe nämlich gar nicht daran gedacht, Kontaktdaten auszutauschen, um ihm die Bilder und das Filmchen von seiner Showeinlage schicken zu können. Und so mache ich einen kleinen Abstecher zum Zelt. Ich hatte den richtigen Riecher und freue mich, das nachholen zu können.
    Wir tauschen uns noch über unsere weiteren Pläne aus – er geht weiter Richtung Abisko – und erzählen uns von unseren bisherigen Touren. Er hat da deutlich spannendere Sachen zu erzählen als ich, zum Beispiel Packraften in Grönland. Seine Augen leuchten, mir geht es nicht anders, wir kommen ins Schwärmen und ich muss innerlich schmunzeln über uns zwei Nordlandfieberpatienten. Unheilbar!

    Dann stiefele ich querfeldein weiter ins Stuor Reaiddávággi um mir dort unten am See einen schönen Zeltplatz zu suchen. Das sollte da unten:



    doch kein Problem sein.





    Ist es auch nicht
    Geändert von Blahake (27.01.2019 um 11:29 Uhr) Grund: Bild korrigiert

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    AW: [SE] Wieder alles anders im Kebnekaisefjäll

    #27
    Schade, dass es nicht geklappt hat. Auf den Bildern schaut es von unten gar nicht so schlimm aus. Aber so ist es ja meistens. Auf den beiden Bildern auf denen Veronika in den Felsen steht kann man besser sehen wie steil es ist.

    Wir standen ja diese Jahr auch unten an der Hütte und ich hab mir gesagt, da möchte ich wirklich nicht hoch. Auf der Karte sieht es so verlockend aus, aber in der Realität ist es einfach ein recht schwieriger Weg.

    Die Kunst ist rechtzeitig abzubrechen und das habt ihr ja gemacht.
    Geändert von andrea2 (23.01.2019 um 18:08 Uhr)

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    AW: [SE] Wieder alles anders im Kebnekaisefjäll

    #28
    Abenteuerlich mit dem Pyramiden-Pass, schade dass ihr da nicht weitergekommen seid, umso besser das ihr eine gute Alternative in der Hinterhand hattet.

    Bin gespannt wie es weiter geht.

    Liebe Grüße,
    Daniel
    Auf meinem Blog Longing for the Horizon:
    Sarek 2018 / Padjelantaleden 2017 / 4500km Radtour Berlin-Nordkapp 2017 / Kungsleden 2015 / Kungsleden 2014 / Israel-Hike 2014 und viele kleinere Radtouren (Berlin - Kopenhagen / Prag - Berlin etc.)

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    #29
    Hallo Andrea, hallo Daniel,

    ja, ich fand den Pyramidenpass auf Bildern und von unten besehen auch gar nicht so spektakulär. Aber in echt ist er doch viel steiler. Bisher ging es mir oft andersrum, dass ich dachte "da kommst Du nie hoch" und dann war der Weg nicht so steil wie befürchtet. Beim Pyramidenpass war es umgekehrt. Ich staune selbst noch, wenn ich die Bilder von Veronika im Hang sehe. Dennoch denke ich, es ist in erster Linie eine Frage des Schnees. Wenn der weicher gewesen wäre, hätte es schon klappen können. Aber unter einer dünnen oberen Schicht war er einfach zu hart, um Tritte und damit Halt für die Füße zu bekommen.

    Auf die andere Seite bin ich aber trotzdem noch gekommen...

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    #30
    Donnerstag, 23. August, Vom Stuor Reaiddávággi ins Kaskasavagge

    Aaahh, gut geschlafen an einem wunderbaren Platz am See, ist das schön! Erst mal frühstücken.



    Man könnte ja eigentlich auch die Gelegenheit nutzen und ein erfrischendes Bad nehmen. Aber heute bin ich Weichei, es ist mir definitiv zu kalt. Die überhaupt nicht streichfähige Butter belegt das auch:



    Butter unscharf und in Krümelform



    Da oben talaufwärts Richtung Nallo hatte ich vor zwei Jahren mit Petra einen wunderschönen Zeltplatz im Sonnenschein.


    Heute geht es in die andere Richtung, das Wetter ist leider auch ganz anders als vor zwei Jahren.



    Gegenüber auf der anderen Seeseite sehe ich zwei Gestalten in die gleiche Richtung wandern. Die weiteren Gestalten, denen ich begegne, drehen mir schnöde Ihre Hinterteile zu.





    die würdigen mich keines Blickes

    Die Pausen machen im Nieselregen nicht so richtig Laune, zwar lasse ich mich dank meiner neuen Regenhose getrost auch auf feuchten Steinen nieder, aber gemütlich ist das natürlich nicht.




    Dafür trösten leichte Anflüge eines Regenbogens.



    Nach einer ganzen Weile kommen die Sälkastugorna in Sicht.



    unscharfe Sälkastugorna

    Da will ich ja aber gar nicht hin. Daher halte ich mich geradeaus, als der Weg nach rechts schwenkt und gehe im Hang querfeldein, immer Richtung Taleingang des Kaskasavagge. Allerdings wird das durch diverse Blockfelder teilweise relativ beschwerlich, so dass ich mich im nachhinein frage, ob es nicht doch schneller gewesen wäre, wenn ich einen Umweg weiter unten gegangen wäre. Aber egal, immerhin werde ich mit ein paar wenigen Sonnenstrahlen und Heidelbeeren belohnt.

    Und dann bin ich irgendwann auch endlich am Taleingang:



    Kaskasavagge

    Ich bin gespannt und sogar irgendwie ein bisschen aufgeregt, wahrscheinlich, weil ich nicht so richtig weiß, was mich da erwartet. Das Tal hatte ich in der Planung ja kaum auf dem Schirm, weil wir es eigentlich nur queren wollten. Aber dass es rauer und garstiger wird, als hier unten in Kungsledennähe, ist mir schon klar. Hatte Mortias nicht in einem Bericht geschrieben, dass er da bei ganz ungemütlichen Bedingungen durch ist?

    Das geht mir durch den Kopf, als ich in das Tal einbiege und mich prompt eine kalte Windböe erwischt. Der lausige Nieselregen setzt auch wieder ein und obendrein kreisen und krächzen zwei schwarze Dohlen über mir. Sind das schlechte Vorzeichen?

    Ach Quatsch – alles blöder Aberglaube – ich rücke mich im Kopf wieder zurecht und freue mich auf Neuland.



    Hier unten ist das Tal noch superleicht zu begehen und belohnt mit schönen Gletscheransichten.






    Blick zurück auf den Kungsleden

    Im weiteren Verlauf wird es im Hang zu steil, so dass ich unten am Rand des Gaskkasjohka entlanglaufe, teilweise geht es sogar direkt im Bachbett besser.





    am...



    ...und im Bachbett

    Zwischenzeitlich regnet es kaum noch und ich kann gemütlichere Pausen auf den Steinen machen.



    Als ich meinen Pausenplatz verlasse, macht sich gleich eine freche Dohle daran, nach heruntergefallenen Krümeln zu suchen. Sind die schon so an Wanderer gewöhnt?



    Vogelscheuche

    Weiter oben im Tal wird es flach, aber steinig



    und dann kann ich den Pyramiden von der anderen Seite bewundern:



    Pyramiden

    An dessen Fuß möchte ich mir ein Übernachtungsplätzchen suchen. Allerdings findet sich da erst mal nichts, weil es viel zu steinig ist



    steinig

    und auch am See kurz unter der Passhöhe sieht das Ufer nicht sehr einladend aus:



    kein Zeltplatz am Ufer

    Aber auf der Passhöhe selbst, kurz nachdem ich den Jojoleden gekreuzt habe, begrüßt mich ein formidables, fertig eingerichtetes Zeltplätzchen aus Naturfelsmauer mit handwerklicher Erweiterung:



    fertig eingerichteter Zeltplatz



    mit Wasseranschluss

    Hier bleibe ich

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    AW: [SE] Wieder alles anders im Kebnekaisefjäll

    #31
    Boah, da im Kaskasavagge gibt es ja richtig was zu sehen, wenn der Nebel nicht so tief hängt

    MfG,
    Heiko

  12. Erfahren
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    #32
    Hallo Heiko!
    Oh, ja!! Am nächsten Tag wird das sogar noch besser!

  13. Dauerbesucher

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    AW: [SE] Wieder alles anders im Kebnekaisefjäll

    #33
    Hallo Anne,

    dann freue mich mich auf die nächsten Bilder - und merke, ich muss da wohl nochmal durch 2016 war "oben" ungefähr 20m Sicht, zwei Tage lang.

    MfG, Heiko

  14. Erfahren
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    #34
    20 Meter! Da hätte ich meinen Zeltplatz wahrscheinlich gar nicht gefunden...
    Gleich kommen Bilder mit ein paar Ansichten, die Du verpasst hast, ich kann Dir jedenfalls absolut empfehlen, da noch mal durchzugehen.

  15. Erfahren
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    #35
    Freitag, 24. August, Drei Viertel Pyramiden

    Als ich gegen halb sieben kurz die Nase aus dem Zelt strecke, sehen die Berge rundrum so aus:



    Kaskasatjåkka




    Nijbáš




    Knivkammen




    Duolbanjunečohkka






    Ich bestaune sie eine ganze Weile, krieche dann aber, weil ich noch längst nicht genug geschlafen habe und es außerdem lausig kalt ist, wieder in den Schlafsack.

    Anscheinend ist es derzeit früh morgens noch richtig schön und zieht sich im Laufe des Tages zu, war ja die letzten Tage ähnlich. Doof für Langschläfer wie mich...

    Drei Stunden später zum Frühstück ist es zwar nicht mehr ganz so strahlend, aber immer noch schön und trocken.







    Und beim Blick auf den Sattel zwischen Pyramiden und Nijbáš:



    denke ich mir, ich könnte doch das schöne Wetter nutzen für einen kleinen Ausflug ohne den schweren Rucksack und schauen, ob man von da einen schönen Blick ins Unna Reaiddávággi hat.

    Und so stiefle ich frohen Mutes und mit leichtem Gepäck los....

    Erstmal geht es noch ziemlich flach am Fuß der Berge lang und ich betrachte den Hang, um zu sehen, wo ich da am besten gehen kann. Aber das ist hier ziemlich leicht, zwar steinig natürlich, aber sonst keine Hindernisse.

    Ich staune wie oft, dass es nur wenige Höhenmeter braucht, damit die Aussicht gleich um Längen besser wird und drehe mich dauernd um. Nach meinem Zelt muss ich trotz der leuchtenden Farbe schon suchen:







    Zeltsuchbilder



    da rechts führt der Jojoleden durch

    Ich bin schneller auf dem Sattel, als ich gedacht habe



    schon da

    und werde prompt übermütig, als ich so zum Pyramiden hinaufschaue:



    verlockend

    Da könnte man doch auch noch - zumindest ein Stückchen - hochgehen, sieht doch gar nicht so schwer aus...

    Also kraxele ich weiter hinauf, erst mal quere ich diese kleine Rinne links, weil es auf der anderen Seite leichter aussieht, und arbeite mich dann immer weiter hoch. Jedes kleine Stückchen mehr belohnt mit einer immer besseren Aussicht.



    Allerdings wird es auch immer mühsamer, der Hang wird steiler und die Steine liegen hier sehr lose. Immer öfter rutschen sie unter meinen Füßen weg. Auch große Steine, die eigentlich sicher aussehen, kippeln oder rutschen sogar auch komplett weg.





    Bei besserer Sicht müsste ich von hier eigentlich den Kebnekaise sehen können.



    Jetzt muss ich aber schon ziemlich aufpassen, dass meinen Füßen nichts passiert und zum Teil auch die Hände zu Hilfe nehmen.





    da rechts vom Kamm müsste schon unser Schneefeld von gestern sein


    Zwischen den Steinen liegt hier Schnee, das macht es auch nicht unbedingt leichter. Weiter oben komme ich wirklich nur noch auf allen Vieren und sehr langsam voran, außerdem pustet mir gehörig der Wind um die Ohren. Und bei dem Gedanken, dass ich ja auch noch heil wieder runterkommen will, beschließe ich dann doch, es hier gut sein zu lassen. Zwar sieht der Gipfel recht nah aus, wäre aber doch nur schwer zu erreichen und ich will hier oben allein lieber nichts riskieren...



    der Gipfel scheint nah, ist mir aber doch zu knifflig



    Daher gibt es jetzt nur zwei Knapp-unter-dem-Gipfel-Fotos:





    Dann mache ich mich vorsichtig wieder an den Abstieg. Da ich nicht wieder über den Sattel zurück will, wähle ich eine direktere Linie, muss aber doch ein bisschen suchen und zick zack gehen, um schwierigeren Stellen auszuweichen. Es dauert schon noch eine ganze Weile und macht etwas Mühe, bis ich wieder in einfacherem Gelände bin.

    Kurz bevor ich am Zelt bin, fängt es an zu regnen – na, wenn das kein Timing ist. Da habe ich doch noch das richtige Zeitfenster für meinen Ausflug erwischt.

    Im Zelt koche ich mir erst mal einen Tee und überlege, wie' s weitergeht.



    erst mal Tee kochen

    Die Hütte an der Brücke über den Gaskkasjohka könnte ich als nächstes Etappenziel einplanen. Ich schätze, dass ich bis dahin etwa vier Stunden brauchen würde. Das heißt, wenn ich vor der Dunkelheit dort ankommen will, sollte ich spätestens um fünf Uhr losgehen. Jetzt ist es früher Nachmittag. Also beschließe ich abzuwarten, ob der Regen wieder aufhört. Wenn er das vor fünf Uhr tut, gehe ich heute noch weiter. Wenn nicht, bleibe ich heute Nacht einfach noch einmal hier. Ist doch ein schönes Plätzchen.

    Der Wind hat ordentlich aufgefrischt und außerdem gedreht, so dass er mir jetzt ungünstig in den Zelteingang bläst. Das gefällt mir nicht. Deshalb vertreibe ich mir die Zeit, indem ich Steine sammele und eine Windschutzmauer baue. Das hält mich erstens bei Laune und zweitens warm.

    Während ich passende Steine suche und aufschichte, kommt eine Gestalt das Tal hoch, vom Tjäktjavagge aus. Mit roter Regenjacke und gelb leuchtenden Handschuhen. Es ist Veronika!

    Sie hat auch die Hütte am Gaskkasjohka als Tagesziel im Blick und möchte heute noch dorthin gehen. Inzwischen ist es aber schon fünf Uhr und es regnet ordentlich. Ich habe mich daher schon längst darauf eingestellt, heute Nacht hier zu bleiben und will nicht mein nasses Zelt abbauen und einpacken. So verabschieden wir uns nach einem kurzen Plausch erst mal wieder, rechnen aber beide damit, dass wir uns unterwegs vielleicht wieder treffen werden.

    Als ich mein Windschutzbauwerk fast so hoch aufgetürmt habe wie mein Zelt und für letzte Feinarbeiten oben noch kleine Steine platziere, fällt die halbe Mauer in einem filmreifen Dominoeffekt wieder in sich zusammen.

    Na Super!

    Also noch mal! Immerhin muss ich diesmal die Steine nicht mehr von weiter weg zusammensuchen und kann besser die großen nach unten und die kleinen nach oben sortieren.

    Als ich das dann endlich fertig habe, bin ich mit dem Ergebnis auch ganz zufrieden. Das Zelt flattert längst nicht mehr so stark wie vorher, obwohl der Wind eher noch zugelegt hat.

    Feierabend - Zeit für ein warmes Abendessen und gemütlich im Zelt hocken.

    Erst jetzt merke ich, dass ich trotz Regenjacke und -hose ziemlich nass geworden bin. Schlamperei!! Eigentlich habe ich mir fest vorgenommen, dass mir das möglichst nie passiert! Deshalb habe ich ja immer Regenjacke, -hose und Poncho dabei.

    Jetzt ist aber die Regenjacke erstens schon ziemlich alt, meine Imprägnierversuche haben nicht viel bewirkt, und zweitens ist sie mir beim Bücken nach den Steinen immer hochgerutscht und der Wind ist darunter gefahren. So hat es mir kräftig auf den unteren Rücken geregnet. Das immerhin hatte ich zwar schon gemerkt, aber nicht, dass sich mein Vliespulli darunter dabei so vollgesogen hat, dass er komplett durchnässt ist und die angrenzende Wäsche reichlich mitversorgt hat.

    Im Ergebnis sind jetzt also auch das Merinohemd unterm Vlies, das Unterhemd und der obere Teil der Hose nass. Das kriege ich doch nie wieder trocken bei dem Wetter.

    Nun gut, spätestens jetzt weiß ich, warum ich immer zwei Lagen langer Unterwäsche mitschleppe. Daher kann ich mich mit der zweiten (die auch als Schlafanzug dient) erst mal trocken legen. Und morgen muss die noch trockene Nachtwäsche dann halt mal tagsüber zum Einsatz kommen.

    Ich tröste mich mit einem warmen Abendessen und dem Blick auf mein selbst errichtetes Bauwerk.






  16. Erfahren
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    AW: [SE] Wieder alles anders im Kebnekaisefjäll

    #36
    Samstag, 25. August, Östliches Kaskasavagge

    Windgeschützt habe ich gut geschlafen. Aber meine Klamotten sind natürlich keinen Deut getrocknet über Nacht, dazu ist das Wetter einfach zu nass und zu kalt.
    Obwohl der Morgen wieder so tut, als könne er kein Wässerchen trüben:






    Beim morgendlichen Hantieren mit Kocher und Geschirr merke ich, dass sich meine Finger an der rechten Hand komisch anfühlen, irgendwie läuft's nicht richtig geschmeidig. Und als ich dann genauer hinsehe, merke ich auch, warum:



    dicker Finger

    Öh!

    Irgendwie drückt auch die neue Armbanduhr am linken Handgelenk und erst jetzt merke ich, dass auch das leicht geschwollen ist.

    Hm!

    Keine Ahnung, wie das genau passiert ist. Wohl entweder im Hang, als ich mich im rutschenden Geröll mal abfangen musste, oder beim Steine schleppen...

    Na, egal, es tut kaum weh und lässt sich fast normal bewegen, also nichts Ernstes. Die Uhr wandert ans rechte Handgelenk und ich wandere weiter. In feuchter Hose aber mit trockenen Oberteilen. Die nassen Sachen kommen außen an den Rucksack.

    Aber erst muss natürlich noch das Ergebnis meiner Architektenkunst im Bild festgehalten werden.






    Da geht’s lang:



    und das Wetter ist mir zunächst noch hold.



    An diesem See geht der Weg links vorbei:



    und ist ein bisschen knifflig auf den Steinen:





    Das war mit ein Grund, warum ich die relativ kurze Strecke bis zur Hütte auf etwa vier Stunden geschätzt hatte.

    Andere hatten hier offenbar auch schon Schwierigkeiten:



    Ich sammele die Stockspitze ein, um sie zumindest bis zur Hütte mitzunehmen.

    Meine Sachen am Rucksack zu trocknen, wäre schön gewesen, aber leider verhält sich das Wetter so langschläferunfreundlich, wie in den letzten Tagen auch:



    Blick auf den Kaskasatjåkkagletscher


    Dabei bin ich mit circa neun Uhr für meine Verhältnisse heute recht früh gestartet!

    Später gibt der Gletscher wenigstens etwas mehr preis:





    Der Regen bietet auch Abwechslung und nieselt oder trätscht nicht so vor sich hin wie in den letzten Tagen, sondern macht heute mal richtig bombig dicke Tropfen:



    dicke Tropfen

    Die Kamera bleibt ab jetzt in der Tasche, bevor ich auch diese durch Feuchtigkeit schrotte. Dem Vorgängermodell trauere ich etwas hinterher, es lässt sich nicht mehr nachkaufen.

    Nach tatsächlich etwa vier Stunden komme ich an die Hütte. Vor zwei Jahren bin ich hier mit Petra rechts runter aus Tarfala gekommen und dann weiter nach Vistas.

    An der Hütte lehnt ein paar Stöcke, bei einem fehlt die Spitze. Und sie kommen mir bekannt vor - als ich in die Hütte schaue, sehe ich Veronika wieder

    Sie unterhält sich mit einem sehr schmalen älteren Wanderer, der die letzte Nacht schon hier verbracht hat und heute noch weitergehen will. Veronika ist erst seit heute früh hier. Sie ist gestern noch bis in die Dunkelheit hinein mit Stirnlampe gewandert. Dann hat sie aber doch spontan auf einem ebenen Fleckchen die Gelegenheit genutzt, das Zelt aufzubauen.

    Ich setze mich erst mal dazu und hänge ein paar Sachen auf. Ob ich hier übernachten will, weiß ich noch nicht. Einerseits bin ich heute ja noch nicht weit gekommen und könnte zumindest noch hoch zu dem See gehen, an dem ich vor zwei Jahren mit Petra war. Andererseits ist das bei dem Wetter nur eine bedingt schöne Option. Außerdem habe ich es ja nicht eilig und könnte die Hütte nutzen, um meine Sachen zu trocknen.

    Wir unterhalten uns recht lange und ich bekomme immer weniger Lust, weiter zu gehen, genieße lieber die trockene Hütte. Als der schmale Wanderer sich auf den Weg macht, breite ich mich flugs und freudig auf einer der beiden Liegeflächen aus und verteile meine weiteren nassen Sachen und übriges Geraffel in der entsprechenden Hüttenhälfte. Veronika bleibt auch noch eine Nacht.

    Der Nachmittag und Abend verlaufen also sehr gemütlich in der Hütte. Ich stöbere in Veronikas schwedischem Wanderbuch, weil ich hoffe, da vielleicht etwas über die Strecke zwischen Nikkaluokta und Kaitumjaure in Erfahrung zu bringen. Darüber steht aber leider nichts drin. Dafür finde ich eine andere Variante: das Buch beschreibt einen zwei-bis-drei-Tage-Weg von Nikkaluokta zur Kebnekaisefjällstation, der südlich vom Kungsleden auf den Höhen entlangführt. Da soll man grandiose Ausblicke auf den Kebnekaise haben. Perfekt!! Da kann ich doch den vielbegangenen Kungsledeneinstiegsweg vermeiden, ohne gleich für fünf bis sechs Wandertage so ganz fernab jeglicher Zivilisation zu sein. Zumal ich ja bei der Strecke gar nicht so sicher bin, ob man da überhaupt durchkommt. Hier wäre also meine „Alternative light“
    Ich strichele mir daher wieder eine Route in meine Papierkarte und sehe zu, dass ich sie - besonders bei Furten und anderen kniffligen Stellen - akribisch genau von Veronikas Buch auf meine Karte übertrage.


    Draußen regnet es mal wieder kräftig, als ein junges Paar aus Richtung Vistas hochkommt. Wir können ihnen drei Meilen gegen den Wind ansehen, dass sie auf eine leere Hütte hoffen und ahnen ihre Enttäuschung, als sie uns antreffen. Sie lassen sich aber nichts anmerken. Während sie draußen ihr Zelt aufbauen, spannen wir in der Hütte noch ein paar Leinen, damit sie zumindest ihre nassen Sachen aufhängen können.

    Nach einem komfortabel am Tisch gekochten Abendessen, Tee, Whisky trinken und klönen mit Veronika schlafe ich tief und fest.

  17. Erfahren

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    AW: [SE] Wieder alles anders im Kebnekaisefjäll

    #37
    Dafür finde ich eine andere Variante: das Buch beschreibt einen zwei-bis-drei-Tage-Weg von Nikkaluokta zur Kebnekaisefjällstation, der südlich vom Kungsleden auf den Höhen entlangführt.
    Sehr interessant - kannst Du bitte ein Foto Deiner "Karte" einstellen?
    www.lustwandler.at
    Trekking in Schweden, Norwegen und Island
    Letzte Tour: Gränsleden – Nordkalottleden – Narvikfjell (Ritsem – Riksgränsen)

  18. Erfahren
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    AW: [SE] Wieder alles anders im Kebnekaisefjäll

    #38
    Hallo Markus,
    schön, dass Du auch hier bist!
    Die Karte weilt leider gerade wieder 300 km entfernt (siehe Post #12) aber wenn ich ihrer wieder habhaft werde, kann ich das gerne machen. Sie ist aber nur bedingt von Nutzen, das mit dem "akribisch übertragen" habe ich nicht zuletzt erwähnt, weil z.B. die Furt dann doch nicht da war, wo ich sie erwartet hätte.
    Daher sind da jetzt noch geschmierte Korrekturstrichel und Durchstreichungen drin, ich weiß nicht, ob man die noch durchblickt, wenn man sie nicht selbst reingekritzelt hat...
    Als Eckpunkte kann ich aber schon mal sagen: Zunächst dem Weg Richtung Tjuonajåkk folgen, dann südlich des Lárkinčohkka lang, am Guodekvárri vorbei, durch das Savuvaggi (ich nehme an, dass es so heißt, der Savujohka fließt hindurch) und auf der Höhe des Baches, der vom Skárttačohkka kommt, wieder nach Norden ins Tal absteigen. Genauere Beschreibung kommt aber noch an entsprechender Stelle im Bericht.
    Geändert von Blahake (28.01.2019 um 21:19 Uhr) Grund: falsche Reihenfolge in der Wegbeschreibung...

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    AW: [SE] Wieder alles anders im Kebnekaisefjäll

    #39
    Der Wind hat ordentlich aufgefrischt und außerdem gedreht, so dass er mir jetzt ungünstig in den Zelteingang bläst. Das gefällt mir nicht. Deshalb vertreibe ich mir die Zeit, indem ich Steine sammele und eine Windschutzmauer baue. Das hält mich erstens bei Laune und zweitens warm.
    Vielen Dank für die Mauer
    Mein Bericht ist in Arbeit

    Peter

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    AW: [SE] Wieder alles anders im Kebnekaisefjäll

    #40
    Hallo Peter,
    auf Deinen Bericht bin ich mächtig gespannt, vor allem auf ein Bild von Deinem Zelt neben meiner Mauer! Ich hatte schon befürchtet, dass man es mir verübeln könnte, wenn ich mitten auf dieses schöne Karree eine Mauer setze, die dann größeren Zelten vielleicht im Weg ist. Aber ich denke und hoffe, dass es für die meisten Zelte, die da oben aufgestellt werden passen müsste...

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