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  1. [FR] [ES] HRP, erster Teil

    #1
    Mitreisende: ticipico
    Zusammenfassung:

    Im September/Oktober 2018 wollte ich die HRP (Haute Randonnée Pyrénéenne) von Hendaye am Atlantik bis Banyuls sur Mer am Mittelmeer gehen. Um es vorweg zu nehmen: Wegen Knieschmerzen habe ich die Tour nach 23 Tagen und ca. der Hälfte der Strecke beendet und werde sie im September 2019 schmerzfrei mit ganz viel Freude fortsetzen. Es war eine traumhafte Tour, sowohl allein als auch mit temporären Wanderfreunden. Die weiten Landschaftsbilder mit ihren vielen Bergseen erzeugten in mir ein großes Gefühl von FreiSein.

    Meine Beschreibungen überlappen/ähneln sich manchmal mit den im Forum bereits vorhandenen tollen HRP-Berichten

    Doch bleibt nach meiner Einschätzung noch genug Unterschied, dass sich ein weiterer Reisebericht lohnt.



    Einführung:

    HRP: grobe Route, von West nach Ost

    Atlantik, Baskenland, Navarra, Aragon, Hohe Pyrenäen, Andorra, Katalonien, Mittelmeer


    HRP: In ca. 42 Etappen geht es auf ca. 750 km
    je ca. 45.000 Meter bergauf und bergab

    Eigentlich ist die HRP gar kein "richtiger" Wanderweg. Es gibt keine einheitliche Markierung des Weges. Sie wird nicht "vermarktet". Es gibt nicht genau die eine HRP-Route, sondern viele Varianten, die man sich aus Literatur, websites und eigenem Gutdünken zusammensetzt.

    Die HRP ist "Grenzschlängeln" entlang der spanisch-französischen Grenze. Sie wird in einigen Büchern, meist in französisch oder englisch, beschrieben. Deutschsprachig gibt es einige Websites, die sich mit der HRP intensiv befassen. Aus all diesen Informationen habe ich mir "meine" HRP zusammengestellt, wobei mir klar war, dass ich unterwegs "meine" HRP ab und zu an die dann aktuellen objektiven und subjektiven Bedingungen anpassen werde.

    An was habe ich mich orientiert ?

    Beschreibungen:

    Karten




    HRP Tag 0: Hinfahrt und Ankunft

    Es war einfach perfekt!

    Mit der Bahn (ICE und TGV) ging es in 12 Stunden von Kassel nach Hendaye (F) an den Atlantik.
    Die CO2-Bilanz der Reise war für mich vertretbar und die Fahrt war wirklich sehr komfortabel.


    Alle Züge (Kassel-Karlsruhe-Paris-Hendaye) waren pünktlich.

    Auch mit geringen Französischkenntnissen fand ich in Paris die richtige Metro zum Bahnhof Montparnasse.

    Ein gravierender Unterschied zur D-Bahn ist, dass in Paris der Bahnsteig erst ca. 20 Minuten vor der Abfahrt bekannt gegeben wird. Dadurch versammeln sich die Fahrgäste vor der Anzeigetafel und warten gemeinsam auf die Bekanntgabe des Bahnsteiges. Public Viewing.


    Der TGV raste mit bis zu 351km/h!! durch Frankreichs landwirtschaftliche Nutzflächen nach Hendaye.

    Um 20.30 Uhr war es schon recht dunkel hier und noch einen Lagerplatz außerhalb der Stadt zu finden wäre mir schwer gefallen. So hatte ich via airbnb kurzfristig noch eine erschwingliche, gute Unterkunft gefunden. 45 Minuten Fußweg dort hin lockerten meine Beine. Bei warmer Meeresbrise lief ich durch die einsamen Straßen mit aufgereihten Einfamilienhäusern.

    Obwohl ich nicht viel getan hatte, fiel ich direkt ins Bett, so als wenn die Geschwindigkeit der rasenden Züge mich erschöpft hätten. Vielleicht ist da ja was dran, dass die 'Seele' erst hinterher kommen muss.



    HRP Tag 1: mit Schweiß, Schirm und Dankbarkeit

    Nach unruhigem Schlaf konnte ich heute ganz entspannt meinen Restproviant am Strand von Hendaye vertilgen ...


    ... und meine Füße zum ersten Mal in meinem Leben in den Atlantik stellen.


    Schon am frühen Morgen hörte ich bei 100 Surfer*innen auf zu zählen. Sie suchten die gute Welle, die sie reiten konnten.


    Ich fand aus der Stadt heraus ohne mich zu verlaufen, denn zunächst ging es fast nur auf dem gut gekennzeichneten französischen GR10 ins baskische Hügelland.

    Auffällig für mich waren zunächst die vielen Xse auf den für mich schwer lesbaren Hinweisschildern. Das X kommt im Baskischen ganz häufig vor und wird meist wie 'tsch' ausgesprochen. Nach dieser Erläuterung durch einen Basken, fiel mir wenigstens das Aussprechen schon leichter.

    Die Landschaft wird direkt hügelig und bleibt grün, - auch bei diesem heißen Sommer. Das Baskenland ist eins der regenreichsten Gebiete in Europa und so wuchert alles schwül vor sich hin.


    noch ein Blick in Richtung Atlantik ...

    Beim Gehen lief mir der Schweiß in Strömen, so dass ich in kürzester Zeit in die leichtesten Sachen geschlüpft bin, die ich dabei habe. Dennoch: Alles war nass!

    Auf den ersten Anhöhen kamen mir die ersten frei umherlaufenden "Nutztiere" entgegen: Schafe, Ziegen, Hühner, Kühe und kleine Pferde einer besonderen baskischen Pony-Rasse, dem Pottok-Pony. Keine Zäune. Wie heißt das? Extensive Viehwirtschaft? Auf jeden Fall fühlt es sich friedlich und normal an, weit weniger stressig als eingesperrt hinter Zäunen oder in Ställen.


    An der französisch/spanischen Grenzen mit Straßenkontakt gibt es Shopping-Meilen, wo Dinge angeboten werden, die in Spanien günstiger sind als in Frankreich: Zigaretten, Alkohol, Kleidung, Restaurants. Franz*osen*ösinnen werden angelockt wie die Motten durch helles Licht.


    Ab 16 Uhr begann es zu regnen, erst leicht und warm und dann, je höher ich kam, fester und kühler mit einem heftigen Wind als Beigabe. Dass ich meinen Schirm dabei hatte, war zunächst echt super. So konnte ich ohne zusätzliche Regensachen mit einem Dach über dem Kopf weiter laufen. La Rhune (baskisch: Larrun), ein Aussichtsberg in etwas wie der Brocken im Harz, war mein Ziel. In der Hoffnung, dort eine Bar, eine Herberge zu finden, arbeitete ich mich gegen Wind und Regen hoch. Oben dann die erste große Enttäuschung: Die Bars/Restaurants hatten bereits geschlossen (19 Uhr).

    Bei der letzten Bar brannte noch ein Licht in eine der oberen Etagen und eine Tür zum Lagerraum stand auf. Ich schlüpfte hinein und machte mich laut bemerkbar. Ein Mann schlich die Treppe runter. In akrobatischem spanisch/gestisch vermittelte er mir, dass es keine Übernachtungsmöglichkeit gab. Dann kamen wir ins Gespräch und er erzählte mir (ich hielt mich im Trockenen auf), dass er jedes Jahr zur Saison sieben Monate aus Equador kommt und hier arbeitet. Anschließend fliegt er wieder zurück in die Heimat. Globalisierung live!

    Dann kamen ihm dankenswerterweise noch ein paar gute Ideen: Ich könne ja drüben im Bahnhof der Zahnradbahn übernachten. Dort hätte ich es trocken. Ob ich noch etwas Rotwein wolle? Und einen Kaffee? Ich sagte gern ja. Er kam mit eine 3/4 gefüllten Flasche inkl. Glas, einem großen Becher Kaffee, Keksen, einer Apfelsine und einem Apfel wieder. Alles schenkte er mir, dass ich mir einen guten Abend im Bahnhofswartesaal mache. Und das tat ich. Heilfroh war ich, dass ich bei diesem sch... Wetter mein Zelt eingepackt lassen konnte.


    mein Bahnhofswartehallenbiwak

    Gau ona (Gute Nacht auf baskisch)

    Kenndaten - Länge: ca. 21 km - Aufstieg: ca. 1.490m - Abstieg: ca. 630m - Dauer ca. 9 Std.
    Geändert von ticipico (10.01.2019 um 12:36 Uhr)
    „Wie komm ich am besten den Berg hinan? Steig nur hinauf und denk nicht dran!“ – Friedrich Nietzsche


  2. Erfahren
    Avatar von SiSler
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    AW: [FR] [ES] HRP, erster Teil

    #2
    Zitat Zitat von ticipico Beitrag anzeigen
    Im September/Oktober 2018 wollte ich die HRP (Haute Randonnée Pyrénéenne) von Hendaye am Atlantik bis Banyuls sur Mer am Mittelmeer gehen. Um es vorweg zu nehmen: Wegen Knieschmerzen habe ich die Tour nach 23 Tagen und ca. der Hälfte der Strecke beendet ...
    ... auch wenn du wg. Knieproblemen zum Abbruch gezwungen wurdest, ich freue mich sehr auf einen weiteren HRP-Bericht. Die von dir zitierten "Referenzberichte" habe ich mit Freude verfolgt und so werde ich auch deinen verfolgen. HRP steht bei mir ganz oben auf der "Will-Ich-Machen"-Liste (auch wenn ich leider noch nicht weiß, wann die Zeit dafür vorhanden ist).

    Ich hoffe, das Knie wird sich beruhigen bzw. erfolgreich "korrigieren lassen" .. ist ja nicht immer ganz einfach mit dem "Ding". Drücke alle Daumen und setze mich mal für die ersten 3 Wochen mitlesend dazu


    Gruß
    “I only went out for a walk and finally concluded to stay out ... for going out, I found, was really going in”
    (John Muir)

  3. Fuchs
    Avatar von Meer Berge
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    AW: [FR] [ES] HRP, erster Teil

    #3
    Zitat Zitat von ticipico Beitrag anzeigen
    Doch bleibt nach meiner Einschätzung noch genug Unterschied, dass sich ein weiterer Reisebericht lohnt.
    Aber natürlich unbedingt!
    Ich warte ja schon gespannt wie ein Flitzebogen!
    Ja, jede HRP ist anders und ganz individuell ...
    Ich freue mich riesig darauf, mit dir die Strecke noch einmal laufen zu dürfen und bin sehr neugierig, was du so erlebt hast!

    Meine Schuhe sind geschnürt!
    Kalender *Papageitaucher 2019*
    Das Wetter, das man jeden Morgen in sich selber macht, ist viel wichtiger als das Wetter draußen. Fynn

  4. AW: [FR] [ES] HRP, erster Teil

    #4
    Zitat Zitat von SiSler Beitrag anzeigen
    ...Ich hoffe, das Knie wird sich beruhigen bzw. erfolgreich "korrigieren lassen" ...
    Beide Knie haben sich schon nach ein paar Wochen WenigerLaufen wieder beruhigt. Alles o.k.
    Ich bin bei der HRP-Tour vor Begeisterung einfach über die Grundregel, einmal in der Woche zur Erholung von Muskeln und Gelenken einen Pausentag einzulegen, drüber weg gelaufen, - was letztendlich "kontragenusstiv" war.

    Liebe Grüße

    Klaus
    „Wie komm ich am besten den Berg hinan? Steig nur hinauf und denk nicht dran!“ – Friedrich Nietzsche


  5. AW: [FR] [ES] HRP, erster Teil

    #5
    Zitat Zitat von Meer Berge Beitrag anzeigen
    ... Meine Schuhe sind geschnürt! ...
    Na, dann laufe ich doch mal weiter ...



    HRP Tag 2: Hinein ins Baskenland

    Nach einem 'gosaria' (baskisch: Frühstück) auf Larrun (franz.: La Rhune) und einem herzlichen Dank bei meinem equadorianischem Gast - und Ratgeber machte ich mich auf den Weg in Richtung Osten gen Mittelmeer. Hört sich fast an wie Mittelerde.

    Fotografisch habe ich versucht die MorgenWanderStimmung einzufangen...


    Wunderlich fand ich auf dem Weg, dass manchmal sehr dicht gedrängt verrottete "Jagdstände" standen, - bis ich eine Erläuterungtafel dafür fand, die ich nur rudimentär verstanden habe. Das naiv gemalte Bild stellt diese grausame Tat verständlich dar.


    In einigen Gebieten des Baskenlandes werden anscheinend heute noch Tauben geschossen bzw. mit Netzen gefangen und anschließend verspeist, verkauft, ... Dass dabei auch ein paar andere Zugvögel mitunter ...

    Außer einer Einkehr in einer Bar auf einem Col war der Wandertag mittelgebirgig schön und unspektakulär, - bis auf die "birdwatcher". Diese interessanten Menschen habe ich an einigen Pässen, die auch zentrale Vogelflugschneisen sind, angetroffen. Mit Ferngläsern, Fotoapparaten, Kompetenz und Zählstatistiken ausgerüstet verbringen sie geduldig Tag um Tag an diesen Stellen und zählen Art und Menge der gesichteten Vögel. Diese birdwatcher hier wollten sich gern durch Spenden finanzieren (braunes Kästchen in der Mitte) ... und sind natürlich gegen das Fangen/Schießen von Vögeln.


    Gegen 18 Uhr merkte ich, dass ich mein Etappenziel nicht mehr erreiche und wünschte mir einen alleinstehenden Baum auf einer Anhöhe als Lagerplatz. Was dann auch so eintrat ...


    Kenndaten - Länge: ca. 19 km - Aufstieg: ca. 860m - Abstieg: ca. 1.190m - Dauer: ca. 7,5 Std.




    HRP Tag 3: Dirt Roads bis Arizkun

    Je mehr ich Abstand zum Meer bekam und je höher ich lief, wurde die Luft weniger feucht. Über Höhenzüge ging es heute hauptsächlich auf dem GR11 entlang, dem Pendant auf "spanischer" Seite zum französischen GR10.


    Manchmal kam ich an Resten von Grenzsicherungsanlagen zwischen Frankreich und Spanien vorbei ...


    ... und war dankbar dafür, dass ich trotz aller realen und medial aufgeputschter Gewalt in einer doch recht friedlichen Welt mein Leben leben kann.

    Diese Pflanze begleitet mich schon den ganzen Weg. Ein Heidekraut, dass bis auf die Wege wächst.


    Mal ein Ratebild ...


    Ton Joosten, der Verfasser der Wegbeschreibung, schreibt immer wieder über "dirt roads". So allmählich entwickelte ich ein Gefühl dafür, was er meint: Schotterpisten mit grobem Gestein und für Autos elenden Bodenwellen. Ein paar Beispiele ...




    Um 14 Uhr erreiche ich Arizkun, ein kleines Dorf mit Bar und Zimmerangebot. Nach einem 'Menu del Dia' ist es 15 Uhr und ich beschließe hier zu bleiben und den Tag entspannt ausklingen zu lassen.

    Am Abend werde ich für die Entscheidung belohnt. Ein Drei-Gänge-Menü (toller Tomatensalat, opulentes Omelett mit würzigen Würstchen und einem fluffigen Flan) inkl. einer ganzen Flasche Wein (zu 2/3 getrunken) kostete mich 12,50€.


    Mein erstes Zimmer im baskischen Wanderland, reduziert auf das wesentliche.


    Kenndaten - Länge: ca. 13,3 km - Aufstieg: ca. 420m - Abstieg: ca. 1.320m - Dauer: ca. 5,5 Std.



    HRP Tag 4: Unter Geiern

    Von Arizkun machte ich ich noch vom Vorabend gesättigt erstmal ohne Frühstück auf. Wenn der Hunger kommen sollte, wollte ich Pause machen.


    Neue Erfahrungen machte ich mit Wegen. Manchmal waren die Farne auf und neben den Wegen so hoch, dass ich nicht drüber sehen konnte. Dabei wurde ich natürlich nass, was bei dem Wetter nur eine gute Abkühlung war.


    Dann auf der ersten Anhöhe sah ich sie: ca. ein Dutzend Geier schwebten in Kreisen durch die Lüfte. Zwei von ihnen waren neugierig und näherten sich soweit, dass ein Pixelverbrauch sinnvoll war.


    Um die Ecke im nächsten Wald wartete eine Herde Pferde die Mittagshitze ab, um anschließend wieder Pflanzen aufzufressen.


    Die weiten Ausblicke in nicht verbaute Landschaften war immer wieder beeindruckend.


    Auch eine Reihe von megalithischen Monumenten konnte ich bewundern. Wahrscheinlich sind es Dolmen (Steinkammergräber), sprach die Infotafel.


    Ob das ein Huckepack-Spiel ist, oder Sex auf öffentlichen Wegen?
    (Eine nachträgliche Recherche ergab, dass es sich tatsächlich um sex on the road handelte.)


    Altudes ist mein heutiger Zielort, den ich nach lockeren fünfeinhalb Stunden Wanderzeit erreiche. Unten im Tal sieht man ihn.


    Erst einmal in der einzigen Bar "Alfaro" am Ort eine baskische Kola trinken.


    Gleichzeitig ist die Bar-Betreiberin die Verwalterin des Schlüssels für die Jugendherberge "Auberge Erreka Gorri", in der ich heute übernachte. Mit einem jungen französischen Trailrunner aus Dijon, der die HRP in Gegenrichtung bisher in 30! Tagen absolviert hat, teile ich mir Zimmer, Dusche, Toilette und Tisch.

    Auch einen Lebensmittelladen hat's, - in die Tankstelle integriert, zusammen mit Gasflaschenverkauf, Spielzeug und Bürobedarf. Anscheinend ausreichend für alle Bewohner*innen.


    Kenndaten - Länge: ca. 13 km - Anstieg: ca. 810m - Abstieg ca. 700m - Dauer: ca. 5,5 Std.
    Geändert von ticipico (10.01.2019 um 17:38 Uhr)
    „Wie komm ich am besten den Berg hinan? Steig nur hinauf und denk nicht dran!“ – Friedrich Nietzsche


  6. AW: [FR] [ES] HRP, erster Teil

    #6


    HRP Tag 5: Stille und Pilger*innen-Rummel

    Es ist Sonntag. Alexandre, der HRP-Trailrunner, und ich frühstücken in der Dorfbar, die über 234Mbit/sec wifi-Bandbreite besitzt! Ich wollte gar nicht mehr weg. Scherz.

    Wir vergleichen Wander- und Trailrunner-Gepäck: 16 kg zu 8 kg.

    Die Gewichtsunterschiede resultieren daher, dass Alexandre nur in vorgebuchten Unterkünften übernachtet, nur minimales Essen mitnimmt, sich aber beim Abendessen und Frühstück vollstopft, bis nichts mehr geht. Habe ich persönlich erlebt. Unglaublich.

    Alles nicht so mein Ding und daher passt mein Rucksackgewicht gut zu meinen Bedürfnissen. Obwohl es vielleicht doch noch ein bisschen leichter geht?


    Ein Pferd im Pfarn.

    Die schon etwas herbstliche Blumen'vielfalt' ist auf wenige Blüher reduziert, denen ich noch keinen Namen zuordnen konnte.


    Die mit den gelben Blüten haben feste, spitze Blätter und kratzen meine Beine manchmal etwas blutig. Menschen nennen die Pflanze


    Stechginster.

    Rob, ein junger Mann aus Schottland, lernte ich auf dem Weg kennen. Wir überholten uns gegenseitig, weil wir asynchron pausierten. Den ersten "Gipfel" (Lindux: 1220 hm) "machten" wir dann gemeinsam.


    Lazy Sunday Summit Afternoon ...

    ... und ab und an ein Tier auf dem Weg, dessen Vorfahren schon lange vor den Menschen auf dieser Erde waren (und nicht soviel überflüssigen Bockmist gemacht haben).

    Und zum Schluss kommt der JakobspilgerRummelOrt Roncevalles. Ich bin froh, dass ich im Zelt auf einer Hangwiese schlafe und nicht in diesem Kloster mit all den Jakobspilger*n*innen im Schlafsaal. Ton Joostens Tipp, das Zelt bereits am schönen Bach entlang Zuweges nach Roncevalles aufzustellen, war wegen zu hohen "Milchviehbesatzes" nicht ratsam.

    Ich schone die Pixel in diesem Dorf. Keine Fotos von Kloster, Herberge oder Pilger*innen. Das freut den Fotoapparat.

    Im Restaurant heute Abend war eine Stimmung zwischen guter Unterhaltung und zwanghaftem, schrillen Vergnügtsein. Und zwar so laut, wie ich es normalerweise von Italiener*innen gewohnt bin (im positiven Sinn ). Viele Menschen aus dem englischsprachigen Raum sind hier auf dem letzten Teil des Jakobsweges unterwegs: GB, USA, CA.

    Hat mich die Stille, die mich tagsüber umgibt, sensibler für Geräusche gemacht?

    Kenndaten - Länge: ca. 17,4 km - Aufstieg: ca. 1.150m - Abstieg: ca. 590m - Dauer: ca. 7 Std.



    HRP Tag 6:

    Eigentlich wollte ich ja kein Foto vom Kloster in Roncesvalles machen. Doch es war so wunderschön abweisend ...


    Einen halben Tag bin ich auch ein Stück den Jakobsweg gelaufen. In die entgegen gesetzte Richtung allerdings. In dieser Zeit habe ich die Pilger*innen gezählt. Bei 200 habe ich aufgehört, obwohl noch welche kamen. In Österreich wäre das ein echter "GrüßGottWeg", - nur sagen die Pilgernden hier "Bon Camino".

    Dann endlich kam der Abzweig und ich konnte wieder Weite wahrnehmen. Ein erster schwacher Blick auf die hohen Pyrenäen war möglich.


    Fast überall begegne ich frei laufenden Pferden.




    Hier nutzen Stute und Fohlen einen Steinkreis (Cromlech), einer über 2500 Jahre alten Grabstätte, als Schrupphilfe gegen Juckreiz.

    Landschaftsfarben und -formen, die ich so noch nicht persönlich erlebt habe, beeindrucken mich.


    Kurz vor meinem heutigen letzten Kraftakt läuft mir eine zwar bekannte, aber in freier Form doch neue Tiergattung über den Weg.


    Es folgt der erste wirklich steile Anstieg durch Grashänge, bei denen ich echt achtsam sein musste. Es sieht zwar lieblich aus, doch ich sehe meist nicht wo ich hintrete, so dass ich manchmal umknicke oder ins Leere trete, mich aber immer noch rechtzeitig abfange.


    Am Wegesrand entdecke ich noch zwei Herbstblüherinnen ...


    Blauer Eisenhut


    Gelber Eisenhut ??

    Auch wusste ich nicht, dass die Design-Auszeichnung "RedDot-Design-Award" europaweit und auch für Tiere vergeben wurde.


    Passend dazu ein Schäferhof, wie es einsamer kaum geht.


    Nach 7 Stunden AufAbEben im Wechsel fand ich einen Lagerplatz am Fluss zwischen Kuhfladen. Ein kräftiger, kühler Wind kündigte eine Veränderung an. Und siehe da: In der Nacht hatte es ca. 4 Stunden gewittert und geregnet. Am Morgen war der Spuk, bis auf eine Pfütze und ein nasses Zelt vorbei.


    Kenndaten - Länge: ca. 27 km, Aufstieg: ca. 1.450m - Abstieg: ca. 1.530m - Dauer: ca. 11 Std.




    HRP Tag 7:

    Müslifrühstück und Kaffee brachten mich den nächsten Anstieg hinauf. Zeit für ein Selfie in die Richtung, wo ich herkomme:


    Für Abende, an denen ich evtl. mal schlecht einschlafe (oder auch für andere) hier dieses Schäfchenzählbild.


    Am Horizont lässt sich gerade noch der Atlantik erahnen ....


    Aber auch hier ist nicht alles eitel Sonnenschein. Ich geriet mitten in die Vorbereitungen für eine Autorallye durch die schönsten Wälder. Traurig, schrecklich und gleichzeitig (noch) wahr.




    Als Hoffnungsschimmer gibt es hier aber schon den RedGreen-Dots-Award.


    Untergekommen bin ich heute in der Ferienhaussiedlung Iraty, die neben ein bisschen Skizirkus auch Unterkünfte für Wander*er*innen anbietet. Gutes Essen und guter Wein runden den Tag ab. Morgen soll es ab Mittag regnen. Schaumerma.

    Kenndaten - Länge: ca. 13,4 km - Aufstieg: ca. 1.110 m - Abstieg: ca. 640 m - Dauer: ca. 7 Std.



    ... Fortsetzung folgt ...
    Geändert von ticipico (10.01.2019 um 17:20 Uhr)
    „Wie komm ich am besten den Berg hinan? Steig nur hinauf und denk nicht dran!“ – Friedrich Nietzsche


  7. Erfahren

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    AW: [FR] [ES] HRP, erster Teil

    #7
    Lese sehr gerne mit - vielen, vielen Dank für den Bericht

  8. AW: [FR] [ES] HRP, erster Teil

    #8


    HRP Tag 8 und 9: Regen und Nebel

    Am Abend des 9. Tages sitze ich in der trockenen und warmen Stube der 'Refuge Jeandel' in la Pierre-St-Martin. In der Hütter ist es sehr gemütlich.

    Doch die Umgebung ist ein französischer Skizirkus aus der Retorte. Wirklich schlimm, was Menschen aus "ökonomischen Gründen" alles anrichten. Ein künstlicher Ort in wunderbarer Umgebung, der sich nur zur Skisaison mit Menschen füllt, - was man so "lebendig" nennt.


    Und es gibt noch schrecklichere Aussichten. Doch will ich es mir mit dem Fotoapparat nicht verderben.
    Bis das Essen um 19 Uhr für 20 Personen aufgetragen wird, hier ein kleiner Rückblick auf ...

    Tag 8:
    Gestern, Donnerstag (ich komme ich schnell mit den Tagen durcheinander, - es ist einfach nicht mehr so wichtig), sah ich im Regen beim Start mal wieder eine Gruppe 'Birdwatcher'. Sie beobachten, welche Vögel in welcher Anzahl welche Flugrouten benutzen. Besser als die Zugvögel zu fangen oder abzuschießen.

    Suchbild:

    Gefundenbild:

    Zufällig habe ich noch einen Steinkreis entdeckt. Wenn ich nicht eine kurze P-Pause eingelegt hätte, wäre ich dran vorbei gelaufen.


    Dann kamen die ersten Wolken hochgewabert, reduzierten die Sicht und erschwerten mir so die Orientierung. Ich landete auf einem Grat, auf dem es nicht mehr sinnvoll weiterging und keine Wegspuren mehr zu erkennen waren.


    Also zurück bis zur letzten definitiv richtigen Position. Die vielen vollgeschissenen Schafspfade in Kombination mit Nebel und Regen ließen Lust, Laune und Orientierungsvermögen zwar etwas sinken, doch letztendlich ...


    ... erreichte ich den Gipfel des Pic d'Orhy, den ersten Zweitausender (exakt 2017m) auf der HRP. Die Gipfelmarkierung gefiel mir viel besser als das in den Alpen übliche Folter- und Tötungswerkzeug "Kreuz".


    PferdeHerde beim Abstieg


    Wegen des immer dichter werdendem Nebels, bin ich von den schönen, aber schwer auffindbaren HRP-Pfaden auf schnöde Schäferfahrwege übergegangen. Die konnte ich monoton und ohne noch mehr Schlamm an mir vor mich hinlaufen, bis ich die Cabana d'Ardane erblickte.


    Ein etwas trostarmer Anblick, - bei dem Wetter kein Wunder.

    Überrascht war ich, das bereits andere Wandernde, Tom und Josi, ein baskisch/libanesiches Paar, da waren und es sich bereits, soweit möglich, eingerichtet hatten. Die Cabana war mit dem Elementarsten ausgestattet: Matratzenlager, Tisch, Bank und eine Feuerstelle, wofür es hier auf der Höhe kein Holz gibt. Meine Stirnlampe wurde zur Deckenlampe umfunktioniert. Dass Essen wurde auf unseren Gaskochern direkt auf dem Tisch zubereitet und aus dem Topf gegessen. Lebensgeschichten und Erfahrungen wurden ausgetauscht.


    Abendmahl

    Tom und Josi waren auf der HRP in Ost-West-Richtung unterwegs. Ein Grund dafür war, dass es ein HRP-Buch in französischer Sprache gibt, welches die HRP vom Mittelmeer an den Atlantik beschreibt. Für beide war das besser lesbar als englischsprachige Literatur und so passten sie ihre Wanderrichtung der Literatur an.

    Von den beiden erfuhr ich auch zum ersten Mal, dass es im Hochgebirge jetzt noch (im September) einige Passagen gab, die noch mit vereistem Altschnee bedeckt waren und heikel zu begehen waren, insbesondere von West nach Ost. Ursache dafür war, dass es im vorherigen Winter besonders viel geschneit hatte und sich bis jetzt noch gehalten hat. Ohne "Crampons" (Steigeisen) würden sie es nicht empfehlen.

    Kenndaten - Länge: ca. 20 km - Aufstieg: ca. 1.275 m - Abstieg: ca. 1.281 m - Dauer ca. 9,5 Std.



    Tag 9:


    Tom und Josi
    beim Abschied am Morgen



    wortwörtlich: Stillleben


    Das Wetter glich dem vorherigen Tag: Am Morgen wechselnd, ab Mittag regnerisch.

    Der Matsch und seine Gleitfähigkeit forderte meine Aufmerksamkeit, bis ich mal wieder über eine Blume 'stolperte', die mir hier noch nicht aufgefallen ist.


    giftige Herbstzeitlose


    Bevor es ganz einregnete, konnte ich noch ein Lichtbild machen.

    Auch Melancholisches kann schön ein.

    Um ca. 15 Uhr stand ich vor der Entscheidung, nochmal 4 Stunden durch eine wundervolle Landschaft zu laufen, mit dem Risiko, dass ich wg. Nebel und Regen von dieser nichts sehe und anschließend im Nasskalten mein Zelt aufbaue und ein Abendessen zubereite ...

    oder

    ... schnöde 12km in ca. 3 Stunden eine Passstraße entlang laufe, die mich zu einer bewirteten Hütte führt mit trockenem Schlafplatz und bereits zubereitetem Abendessen.

    Ich entschied mich für Variante zwei und nach einer Stunde nahm mich eine spanisches Paar im Auto bis fast zum Ziel mit. Sie seien auch mal in so einem Wetter unterwegs gewesen und dann überglücklich im Auto mitgenommen worden. So ging es mir auch. Danke für alles.

    Hier auf der Refuge Jeandel bekam ich heute Abend noch ein paar gute Hinweise, die meine Wegführung noch verbessernd beeinflussten.

    Kenndaten - Länge: ca. 19,9 km - Aufstieg: ca. 1.147 m - Abstieg: ca. 807 m - Dauer: ca. 8 Std.
    „Wie komm ich am besten den Berg hinan? Steig nur hinauf und denk nicht dran!“ – Friedrich Nietzsche


  9. AW: [FR] [ES] HRP, erster Teil

    #9
    HRP Tag 10: erste "richtige" Berge

    Strenges HüttenReglement: Gemeinsames Frühstück um 7:15 Uhr.
    Guter Kaffee, Weißbrot, Butter und Marmelade, - nur nicht so viel Verpackungsmüll wie in Italien, ansonsten identisch. Um 8:15 müssen alle aus der Hütte draußen sein. Tagsüber ist sie geschlossen.


    7-Uhr-Morgenstimmung


    eine Stunde später

    Kurz nach dem Start traute ich meinen Augen nich und näherte mich einem etwas aus der Ferne nicht sofort Erkennbarem.


    Die Kuh ist wohl verendet, dann nicht gefunden worden und diente den Geiern als Nahrung.

    Und ganz in der Nähe etwas Lebendiges...

    Noch etwas in Gedanken und Gefühlen zu Leben und Tod machte ich mich auf in eine karstige Felsenlandshaft. Im Zentrum des


    Pic d'Anie.

    Wenn es weiter schön bleibt, wollte ich dort hinauf.


    Doch erstmal ging es über verzwickte Felswege an interessanten Felsformationen vorbei.


    Dann, kurz vor dem eigentlichen Weg zum Gipfel kamen dichte Wolken, die Feuchte, Kälte und wenig Sicht mitbrachten. Das ganze wurde recht ungemütlich und ich war froh in dem Felsenwirrwarr noch den Weg zu sehen. So ließ ich den Pic d'Anie rechts liegen und stieg langsam langsam von 2200 hm auf 900 hm ab.


    Vorbei an einer Schäferhütte eines jungen Paares mit Säugling, der auch schon beim Schafehüten im Tragegestell mit dabei war.


    Über Weidepfade ging es weiter ...


    in einen märchenhaften Buchenwald ...


    durch sehr naturnahe Wege ...


    vorbei an einem
    unkonventionellen Hühnerhaus ...


    bis nach Lescun, einem der schönsten französischen Dörfer in den Pyrenäen (lt. Touristenliteratur).


    Hier kaufte ich in einem für Wandernde gut sortierten Laden für den Abend und die folgenden Tage ein.

    Gegenüber in der Bar hatte ich mich mit Saloum verabredet, einem in Freiburg lebenden Franzosen, der gern ein paar Etappen mit mir den HRP laufen wollte. Bei zwei Bieren schmiedeten wir Pläne und glichen unsere Erfahrungen und Wanderkondition theoretisch ab. Es passte sofort gut.

    So machte ich mich auf, um auf dem Zeltplatz von Lescun, der etwas außerhalb lag. Er war offiziell für dieses Jahr schon geschlossen, Wandernde konnten jedoch kostenlos ihr Zelt für eine Nacht aufstellen. Ein Sanitärcontainer und eine an einem Baum befestigte Ladestation für mobiltels wurden zu Verfügung gestellt. Toller Service. Eine Ratatouille-Dosensuppe, Brot und ein Bier waren mein Abendessen. Bon Nuit.

    Kenndaten - Länge: ca. km 17 Aufstieg: ca. 640 m - Abstieg: ca. 1.450m - Dauer: ca. 7 Std.
    „Wie komm ich am besten den Berg hinan? Steig nur hinauf und denk nicht dran!“ – Friedrich Nietzsche


  10. AW: [FR] [ES] HRP, erster Teil

    #10
    HRP Tag 11: zu zweit geht's weiter

    Um 9 Uhr wollte mich Saloum beim Zeltplatz abholen. Um dann fertig zu sein, war es notwendig, um 7:15 Uhr aufzustehen, puh ... da dämmert es gerade. Fällt mir ein bisschen schwer, dann aufzustehen.


    Zeltplatz bei Lescun


    Ein Rückblick: Cirque de Lescun bei superklarer Sicht

    Punkt 9 Uhr stand Saloum da und es ging los, zunächst über Straße, dann dirt road, bis wir endlich die gewünschte Höhe und die dazu passenden Pfade erreicht hatten.




    Eine Landschaft tat sich auf, die einfach nur erstaunte und begeisterte.

    Mitten in der Landschaft treffen wir auf eine anschauliche Gedenktafel an die Menschen, die in unsicheren Zeiten unter schwierigen Bedingungen die Flucht nach Spanien gewagt haben, um dort meist auch keine besseren Bedingungen vorzufinden. Ähnelt manchmal den heutigen Bedingungen, nur an anderen Orten ...

    "Der Weg der Freiheit in den Pyrenäen ist nicht immer einfach für diejenigen, die von anderswo kommen.
    Der Schmuggler tröstet seinen Gefährten, der in diesen Bergen der Angst und Hoffnung kämpft ...
    Hier ist der Pyrenäenhauptkamm, und nach einer letzten Anstrengung kommt Spanien ...
    Der Flüchtling und der Schmuggler illustrierten und lebten das berühmte Motto:
    Für das Vaterland am Berg."



    Suchbild Schäferhütte

    So zogen wir von einer zu nächsten tief beeindruckenden Lanschaft. Leider würden diese auf Fotos alle ähnlich aussehen, so dass ich die hier mal weglasse.

    Interessant wurde es am Ende der Tour an der Refuge d'Arlet: Kaum angekommen und unsere Zelte aufgebaut, begann es zu regnen, zu hageln und stürmen. Wir hatten echtes Glück.


    Saloum vor Refuge d'Arlet

    Wir verlegten unsere restlichen Aktivitäten (Essen, Trinken, Planen, mit anderen schwätzen) in die Hütte, die uns Wärme und Trockenheit gab. Rechtzeitig gegen 21.30 Uhr war dann der Regen vorbei, so dass wir in die Zelte zum Schlafen krochen.

    Kenndaten - Länge: ca. 18 km - Aufstieg: ca. 1.590 m - Abstieg: ca. 445 m - Dauer: ca. 8,5 Std.
    „Wie komm ich am besten den Berg hinan? Steig nur hinauf und denk nicht dran!“ – Friedrich Nietzsche


  11. AW: [FR] [ES] HRP, erster Teil

    #11
    HRP Tag 12: Im Nationalpark Pyrenäen

    Um fünf am Morgen begann es wieder zu regnen.

    Eigentlich wollten wir unser eigenes Frühstück draußen einnehmen und früh los. Anstelle dessen packte ich meinen Rucksack und und zog mich an, alles komplett im Zelt auf kleinstem Raum. Das Zelt blieb noch stehen, als wir wieder den Schutz der Hütte aufsuchten.

    Ein Frühstück mit von den Hüttenwirtinnen selbst gebackenem Lebkuchen hob unsere Stimmung. Während der Wartezeit erfuhr ich mehr über den französischen Nationalpark Pyrenäen, ja es gibt sogar ein Spiel, dass die Längsdurchquerung der Pyrenäen zum Thema hat.


    Nachdem die Natur gezeigt hat, wer hier den Lebensrhythmus vorgibt, packten wir die nassen Zelte ein.


    Zeltplatz am Refuge d'Arlet


    Refuge mit Lac d'Arlet zum Abschied

    Für den Nachmittag war wieder Regen und Gewitter angekündigt, so dass wir versuchten, unser Ziel bis dann zu erreichen.


    Die Weite der Landschaft und das vielfältige Grün lässt sich nur schwer auf Bildern festhalten. Hier ein paar klägliche Versuche, die ganz gut gelungen sind.






    Suchbild Schäferhütte


    Selten: In aller Ruhe blieben die beiden liegen als wir an ihnen vorbei liefen.

    Kurz vor dem Col de Somport machte der Himmel dunkel und wir machten beim Schlussanstieg Tempo. Gerade rechtzeitig vor einem heftigen Regen erreichten wir die ehemalige Grenzstation, die als Unterstand einen prima Sinn erfüllte.

    Die spanische Albuerga Aysa bot uns Herberge und Essen. Es scheint auch eine PilgerStation zu sein, denn von diesen waren auch noch bestimmt acht "MuschelWandernde" da.

    Kenndaten - Länge: ca. 16 km - Aufstieg: ca. 780 m - Abstieg: ca. 1.140 m - Dauer: ca. 7 Std.
    „Wie komm ich am besten den Berg hinan? Steig nur hinauf und denk nicht dran!“ – Friedrich Nietzsche


  12. Fuchs
    Avatar von Meer Berge
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    AW: [FR] [ES] HRP, erster Teil

    #12
    Lieber Klaus,

    es macht richtig Freude, mit dir wieder durch die Pyrenäen zu wandern!
    Dein Schreibstil mit literarischen Einlagen gefällt mir sehr, macht Spaß, deine Reise zu lesen.
    Dazu ist es schön, auf den Bilder bekannte Steine, Hütten, Pfade wiederzuentdecken, die meine Erinnerung wecken, und auch mir unbekannte Nebenwege kennen zu lernen.

    Wenn ich im Netz bin, schaue ich immer gleich, ob es eine Fortsetzung gibt :-)

    Danke sehr!
    Weiterhin neugierig,
    Sylvia
    Kalender *Papageitaucher 2019*
    Das Wetter, das man jeden Morgen in sich selber macht, ist viel wichtiger als das Wetter draußen. Fynn

  13. AW: [FR] [ES] HRP, erster Teil

    #13
    Hallo!

    Ich lese gern wieder einen HRP-Bericht, noch dazu wenn er so schöne Bilder mit hat! Gern noch mehr von der großartigen Landschaft!

    Roncesvalles kenne ich auch und ich kann dir sagen, dass du die Etappe von Frankreich dorthin auch als Jakobspilger erstmal laufen musst (waren so gut 25 km hoch und runter, wenn ich mich recht erinnere). Und wenn du das dann gepackt hast, kommt dir die Abtei gar nicht abweisend, sondern eher sehr einladend vor

    Freu mich schon auf die nächsten Etappen mit dir!

    LG,
    Babs

  14. AW: [FR] [ES] HRP, erster Teil

    #14
    HRP Tag 13:

    Auch beim schon gewohnt für meine Bedürfnisse dürftigen Frühstück erklang wieder der vom Abend bekannte Raggea-Sound des Herbergenpersonals. Saloum und ich machten es daher kurz, um wieder Natürlicheres zu erleben.


    Abschied von der Reggae-Ranch
    Albuerga Aysa

    Als Text fällt mir zu den schönen Landschaftsbildern wenig ein. Nicht dass es langweilig war, - nein. Es ist nur schon sieben Tage her, seit ich sie aufgenommen habe. Ich muss einfach zeitnäher das Erlebte zusammenfassen. Hier also Bilder pur bis zum Refuge Pombie.










    Refuge de Pombie


    ... von vorn


    Ganz in der Nähe gab es einen ausgewiesen "Aires de Bivouac". Am Abend waren dann acht Zelte unter diesem Felsmassiv versammelt. Das Zelten in den Bergen ist hier eine Normalität und das nicht so sehr aus Kosten- sondern aus Erlebnisgründen.

    Kurz vor dem Abendessen kam noch eine Gruppe Jugendlicher und "beschlagnahmte" die Hütte. Na, das gibt einen HalliGalli-Abend, fürchteten wir. Doch weit gefehlt. Es war eine Gruppe angehender Studierende bei ihrem Kennenlern-Event. Wir kamen ins Gespräch, auch weil die Englischkenntnisse bei den jungen Franzosen*innen besser waren als mein französischer Sprachvorrat und natürlich Saloum, der FranzösischEnglischDeutsch-Sprachallrounder die restlichen Hürden beiseite räumte.


    Ohne Eingreifen der Hüttenwirte war Schlag 22 Uhr Hüttenruhe, was mich doch sehr überraschte.

    Kenndaten - Länge: ca. 14 km - Aufstieg: ca. 1.240 m - Abstieg: ca. 860 m - Dauer: ca. 7,5 Std.
    „Wie komm ich am besten den Berg hinan? Steig nur hinauf und denk nicht dran!“ – Friedrich Nietzsche


  15. AW: [FR] [ES] HRP, erster Teil

    #15
    HRP Tag 14: Rüber nach Spanien

    Heute sollte es über eine HRP-Variante nach Spanien hinein gehen.


    Morgenstimmung Aire de Bivouac am Refuge de Pombie


    Einer der zahlreichen, aber immer wieder phantastischen Seen, an denen wir vorbeikamen. Saloum probierte einige badend aus. Brrrrrr!!!


    Eine der angeblich schwierigsten Stellen des HRP war heute zu queren, die Passage d'Orteig. Meine Einschätzung: T4 in der schweizerischen Wanderskala: Mit Aufmerkamkeit, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit wäre sie ohne Hilfsseil gut begehbar. Aber wenn's da ist ...


    Zwischenstation beim der CAF-Refuge d'Arremoulit. Saloum geht schwimmen und ich benutze das Aussenbadezimmer ...


    Ein kleiner Regenschauer erwischte uns auf dem Weg. Optisch hatte er große Auswirkungen.


    Die spanischen Seen lassen sich von den französischen Seen nicht unterscheiden


    Wir liefen durch eine Gegend, in der man mit genügend Vorräten einige Tage entspannten Zelturlaub mit Nichtstun verbinden könnte ... gleichzeitig gäbe es unendlich viel zu entdecken: Gipfel, Pässe, Seen, Insekten, Pflanzen, ...




    Ein besonders schöner, besonders toter Baum

    Mal wieder kurz bevor der große Regen einsetzte, erreichten wir das Refugio Respomusa: Eine etwas kühle, sehr formale Atmosphäre empfing uns: Ausweise mussten vorgezeigt werden und Papiere unterschrieben. Wir bekamen einen Schlüssel und mussten unsere Rucksäcke in einen Blechspint einschließen. Bett 1 und 2 in Zimmer x wurden uns zugewiesen, obwohl sehr wenig Wandernde da waren und wir in unserem 10BettZimmer allein waren.

    Das Abendessen wurde wie in einer Kantine auf einem Tablett serviert und hatte auch ähnliche Geschmacksqualität. Kurz und gut: Bewertung 2 von 5 Sternen.

    Etwas Wärmendes war eine Sammlung alter Fotos, die das Hüttenleben in der Vergangenheit darstellte.


    So gingen wir technisch sauber und gesättigt zu Bett.

    Kenndaten - Länge: ca. 18 km - Aufstieg: ca. 1.490m - Abstieg: ca. 1.350 m - Dauer: ca. 10 Std.
    Geändert von ticipico (14.01.2019 um 19:38 Uhr)
    „Wie komm ich am besten den Berg hinan? Steig nur hinauf und denk nicht dran!“ – Friedrich Nietzsche


  16. Erfahren
    Avatar von SiSler
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    AW: [FR] [ES] HRP, erster Teil

    #16
    ... will mich zwischendurch auch mal wieder, als immer noch begeisternd mitlesend, zu Wort melden.

    Jede HRP ist anders .. hatten wir ja schon festgestellt ...

    Kurzum: ich geniesse deinen Bericht, auch - wenn es denn bei mir endlich dazu kommen würde - vermutlich alles wieder alles ganz anders kommt .. und das ist gut so

    Danke fürs Einstellen (ich muß, um mich irgendwann revanchieren zu können, noch etwas an mir arbeiten: bin sowohl was Fotografie, als auch Notizen, angeht .. extremst faul )


    Gruß
    “I only went out for a walk and finally concluded to stay out ... for going out, I found, was really going in”
    (John Muir)

  17. Fuchs
    Avatar von Wafer
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    AW: [FR] [ES] HRP, erster Teil

    #17
    Hei.

    Ich liebe diese Berichte über die HRPs und GRs in den Pyrenäen! Nur habe ich aktuell nur ein Handy zur Verfügung, da ich unterwegs bin. Da leidet ein wenig der Lese- und Foto-Genuss. Das werde ich aber zuhause noch nachholen.
    Vielen Dank, dass auch du mich an meine leider längst vergangene Zeit in diesem Gebirge erinnerst und mich an deiner tollen Tour teilhaben lässt.
    Das mit den Knien kenne ich leider mehr als gut. Sei froh, solange du das mit einem Ruhetag alle 6 Tage in den Griff kriegst!

    Bin gespannt auf mehr ...

    Gruß Wafer

  18. Gerne im Forum

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    AW: [FR] [ES] HRP, erster Teil

    #18
    Ich lese auch sehr gespannt mit und freue mich auf die Fortsetzung. Tolle Gegend, sehr schöne Bilder, angenehmer Erzählton - vielen Dank für den Bericht!

  19. AW: [FR] [ES] HRP, erster Teil

    #19
    Zitat Zitat von Meer Berge Beitrag anzeigen
    ...Dazu ist es schön, auf den Bilder bekannte Steine, Hütten, Pfade wiederzuentdecken, die meine Erinnerung wecken, ...
    Hi Sylvia,
    so ging es mir bei deinem Bericht auch .
    In anderen Reiseberichten zu stöbern und den eigenen Reisebericht hier einzustellen hilft mir, über ein paar triste Wintertage hinweg.

    Liebe Grüße

    Klaus
    „Wie komm ich am besten den Berg hinan? Steig nur hinauf und denk nicht dran!“ – Friedrich Nietzsche


  20. AW: [FR] [ES] HRP, erster Teil

    #20
    Zitat Zitat von agricolina Beitrag anzeigen
    Tolle Gegend, sehr schöne Bilder, angenehmer Erzählton - vielen Dank für den Bericht!
    Danke für die "Blumen". Gleich geht's weiter ....

    Hab mir mal Deinen Schwarzwald-TrekkingCamp-Bericht angeschaut. War auch fluffig lesbar. Danke.
    Dabei sind gute Erinnerungen an meine Zeit im Schwarzwald (1976-82) hochgekommen.
    Ist schon gut, da zu wohnen .

    Liebe Grüße
    „Wie komm ich am besten den Berg hinan? Steig nur hinauf und denk nicht dran!“ – Friedrich Nietzsche


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