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  1. Fuchs
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    AW: [IS] Solo - Allir góðir hlutir eru þrír - Im Skaftárhlaup und andere Überras

    #41
    Mitreisende: evernorth
    Hey blackteah,

    ja, die Landschaft: so rau, wild und ursprünglich - für mich einfach unwiderstehlich - und das nach so einigen Touren auf der Insel. Immer noch und immer wieder bin ich dem spröden Charme der Insel erlegen.
    Was deine Vorstellung anbelangt: Liegt gar nicht weit weg von der Realität.
    Lass dich überraschen.....
    Ausgetretene Pfade sind die sichersten, aber es herrscht viel Verkehr. Ergo: Wer neue Wege gehen will, muss alte Pfade verlassen.

  2. Fuchs
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    AW: [IS] Solo - Allir góðir hlutir eru þrír - Im Skaftárhlaup und andere Überras

    #42
    05.08.18


    Langisjór, oder der Tag, der nicht enden will


    Als ich am Morgen erwache ( Gott sei Dank quicklebendig ), liegt draußen dicker Nebel. Es ist trocken und ich habe vielleicht 50-80 Meter Sicht, mehr nicht. Trotzdem beginne ich umgehend mit der Morgen-Routine, denn ich erwarte einen langen Tag. Bis zum Abend mochte ich das südliche Ende des Langisjór erreichen. Der See ist etwa 20 km lang; Luftlinie, versteht sich.
    Alles in allem rechne ich mit etwa 28 km Gehstrecke. Da ich keine Sichtverbindung zum See habe, und ich deshalb nicht weiss, wie weit es noch bis dorthin ist, möchte ich zeitig aufbrechen. Wegen der Hektik des Aufbruchs und da sowieso alles vom Nebel verschluckt wird, gibt es leider kein Foto von Camp 6.
    Gegen 8 Uhr 30 komme ich endlich los. Im dichten Nebel zu gehen gehört wirklich nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen, da ich mich sehr gerne visuell orientiere. Dank der Hilfe des GPS komme ich aber besser voran, als befürchtet. Ich weiss ja, das es nicht mehr weit bis zum Track sein kann und so dauert es gar nicht so lange, bis ich wieder genau drauf bin.
    Ich bin überrascht, dass es weder rauf noch runter geht; alle Auf- und Abstiege hatte ich wohl gestern schon bewältigt. Es ist topfeben hier, wenn…..ja, wenn nur der Nebel nicht wäre. Der steigt aber langsam höher, so bis in den 2. / 3. Stock, was der Sicht natürlich sehr zu gute kommt. Dann sehe ich das nördliche Ufer des Langisjór und in einem Anflug einer gewissen Überheblichkeit bin ich fest davon überzeugt, dass mich nun nichts mehr aufhalten kann. Wenn ich da nur schon gewußt hätte……
    Auf dieses Stück Weg auf der Ostseite des Langisjór habe ich mich die ganze Zeit ( und schon in der Planungsphase ) sehr gefreut; so sehr, dass ich geradezu euphorisiert in Sichtweite des Nord - Ufers entlangschreite. Ich gehe direkt auf die östlichen Berge des Fögrufjölls zu und erkenne bereits einen deutlichen Pfad.
    Diesem Pfad folge ich nun den ganzen, langen Tag, jedenfalls mehr, oder weniger. Mein GPS - Track führt meist deckungsgleich über den Pfad, doch hin und wieder weicht er auch ab. Zuweilen verschwindet der Pfad auch…..um dann - Überraschung! - wieder - wie aus dem Nichts - aufzutauchen.




    Der Nebel über dem Langisjór lichtet sich langsam






    Eine Unwägbarkeit gibt es aber doch. Nach etwa 30 Minuten sehe ich "ihn" und kurz darauf stehe direkt davor: Der Útfall. Das ist ein natürlicher Ablauf aus dem See, der in die Skaftá fließt und im unteren Lauf gefurtet werden muss. Der Wasserstand kann schon mal soweit schwanken, das eine sichere Furt unmöglich wird. Sollte das der Fall sein, müsste ich einen größeren Umweg, z. B. über die Westseite des Sees, in Kauf nehmen.
    Doch heute läuft es für mich und ich kann den Útfall ( in Kniehöhe ) problemlos furten.

    Grasver, die Grasebene, auf die ich mich ebenfalls gefreut habe, verpasse ich. Ich vermute, der restliche Nebel war schuld.




    Útfall, kurz nach dem Austritt aus dem Langisjór



    Útfall im unteren Verlauf; der Weg verläuft auf der linken Seite, oberhalb des Hanges



    Etwa in der Bildmitte habe ich gefurtet


    Von nun an beginnt mir der Tag richtig Spass zu machen, denn die Sicht und das Wetter werden etwas besser. Hin und wieder kommt sogar die Sonne für einen kurzen Moment durch die Wolkendecke.
    Gegen Mittag mache ich eine kurze Essenspause. Da habe ich etwa ein Drittel des heutigen Weges hinter mir. Das ist weniger, als ich gehofft hatte. In meiner Erinnerung war dieses erste Drittel landschaftlich am attraktivsten und ich habe öfter mal für ein Foto angehalten. Nun darf ich dafür mit weniger Wegstrecke „büßen“.
    Mein Tagesziel für heute ist, am Fuße des Sveinstindur mein Camp zu errichten, um noch am frühen Morgen, oder im Verlauf des neuen Tages den Gipfel zu ersteigen.
    Doch bis dahin sind es noch etliche Kilometer auf und ab. Obwohl ich fest darauf vorbereitet bin und es geradezu „erwarte“
    ( nicht aber ersehne ), begegnet mir heute kein einziger Mensch. Im Sommer ist der See eigentlich ein etwas häufiger besuchter Hotspot im isländischen Hochland.
    Den ersten Menschen sollte ich aber erst wieder am Ende der Eldgjá Schlucht begegnen.











    Am späten Nachmittag habe ich erst zwei Drittel meiner Strecke absolviert. So langsam mache ich mir Gedanken darüber, ob ich es noch rechtzeitig und vor Einbruch der Dämmerung bis an den Sveinstindur schaffe?
    Der Grund meines Zweifels liegt auch in der Art des Weges. Häufig muss jede Bucht umgangen werden, manchmal führt der Weg bis ans Wasser. Ein, zwei mal muss ich sogar ins Wasser hinein und am flachen Ufer für 80 - 100 Meter entlang. Das ist nicht nur lästig, es verringert vor allem drastisch mein Gehtempo.
    Als es schon Abend ist und auf 20 Uhr zugeht, stelle ich fest, dass ich mich „verfranzt“ habe. Wieder gehe ich hinunter bis ans Ufer und hinein ins Wasser, nur um festzustellen, dass es hier überhaupt nicht weiter geht. Auch das noch! Also wieder zurück und etliche Höhenmeter wieder hinauf. Ich spüre die Anstrengung des Tages in den Knochen. Der Tag ist lang und weit fortgeschritten; dementsprechend schwer fällt mir der Aufstieg. Fast eine Stunde Zeit hat mich der unnötige Umweg gekostet. Dafür erwartet mich auf dem Kamm des Fögrufjölls der Anblick des Sveinstindur. Der Weg ist nicht mehr weit, denke ich, aber, wie so oft, zieht er sich noch ewig hin. Es dämmert nun zusehends. Nur auf dem zum Gipfel führenden Kamm lässt sich eine gute, ebene Zeltstelle finden, doch in bin zu faul ( und wohl auch bereits zu müde ), um dahin hinüber zu wechseln. Ich scheue den sehr steilen Abstieg und Wiederaufstieg und beschließe, nach einigen Fotos, noch bis zur Sveinstindur - Hütte zu gehen.




    Sveinstindur









    Sonnenuntergang über dem Langisjór






    Im Nachhinein war das ein klarer Fehler, zumal ich entscheide, am Ufer der Skaftá entlang zu gehen. Dazu muss ich erst einmal viele, sehr viele und steile Höhenmeter bis zu einem sichtbaren Pfad absteigen. Es wird spät und später und der Pfad zieht sich beachtlich in die Länge. Es ist schon 22 Uhr 30 und ich überlege, ob ich lieber die Stirnlampe aus dem Rucksack hole. Teilweise kann ich irgendwelche Unebenheiten auf dem Pfad mit den Augen nicht mehr ausmachen, so dunkel ist es bereits. Die Hütte kommt einfach nicht in Sicht und auch ein geeigneter Platz für das Zelt will hier in Ufernähe der Skaftá einfach nicht……doch halt, was ist das…..ein ebener Platz mit direktem Wasseranschluß durch einen Bach, der direkt vom Berg hinunter kommt. Das ist es - meine Rettung für heute!
    Ohne lange zu überlegen, werfe ich den Rucksack ab und beginne umgehend mit der Errichtung des Camps. Es ist bereits 23 Uhr. Mit den letzten Energien, die mir heute noch zur Verfügung stehen, beende ich nach 14,5 Stunden, den diesmal zu langen Tag.
    Beim Essen schlafe ich fast ein und, ohne Zähne putzen und zu lesen, schaffe ich es gerade noch, irgendwie in den Schlafsack zu kommen.
    Ich falle umgehend in einen komatösen Schlaf.
    Die ganze Nacht über begleitet mich ein ständiges Rauschen, im Geleit eines dumpfen Grollens.

    Aus der Vogelperspektive sehe ich hinab: Überall Wasser. Ich schaue hinunter, auf ein einzelnes, allein - stehendes, rotes Zelt, das, umflossen von gewaltigen Wassermengen, losgelöst und emporgehoben wird und langsam, dann immer schneller…… mit den Fluten fortgespült wird.

    River, river carry me on
    Living river carry me on
    River, river carry me on
    To the place where I came from

    So deep, so wide, will you take me on your back for a ride
    If I should fall, would you swallow me deep inside

    River, show me how to float
    I feel like I'm sinking down
    Thought that I could get along
    But here in this water
    my feet won ´t touch the ground
    I need something to turn myself around

    Going away, away toward the sea
    River deep, can you lift up and carry me
    Oh roll on through the heartland
    Til the sun has left the sky
    River, river, carry me high
    Til the washing of the water, make it all alright
    Let your waters reach me, like she reached me tonight

    ( Text/Song: The washing of the water by Peter Gabriel )




    Camp 7, bereits am anderen Morgen



    - to be continued -
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  3. Fuchs
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    AW: [IS] Solo - Allir góðir hlutir eru þrír - Im Skaftárhlaup und andere Überras

    #43
    06.08.18


    Wasser und Barrieren


    Die Nacht habe ich gut geschlafen und ich bin vom Wasser der Skaftá nicht fortgespült worden.
    Dennoch bin ich erstaunt, wie breit die Skaftá bei meinem Camp ist, und wie gewaltig es hier fließt und strömt, zum Teil mit zahlreichen Stromschnellen. Ist das normal? Ja, wird wohl, denke ich jetzt zumindest.
    Ich bin heute so etwa 2 Stunden später dran, aber da es gestern recht spät geworden ist, ist das in Ordnung. Ich habe eh geplant, kurz hinter Skaerlingar ein weiteres Camp einzulegen. Das sollte mir leicht gelingen.
    Zu diesem Zeitpunkt konnte ich noch nicht wissen, dass meine Zeitplanung heute noch einmal gehörig durcheinander geraten wird.




    Skaftá, nahe beim Camp


    Etwa gegen 10.30 Uhr verlasse ich meinen Platz und folge weiter dem Pfad am Ufer der Skaftá, der mich zur Sveinstindur Hütte bringen. Schon nach wenigen Minuten ist der Weg zu Ende! Ich stehe vor einer unüberwindbaren Felsbarriere. Das ist schon ein bisschen ärgerlich für mich, denn nun muss ich erst einmal wieder ein großes Stück zurück. Hatte ich schon erwähnt, das Umkehren bei mir eine äußerst unbeliebte Option ist? Nun, es bleibt mir nichts anderes übrig.
    Bereits nach wenigen hundert Metern habe ich keine Lust mehr und mache mich daran, den steilen Hang einfach senkrecht hochzusteigen. Das ist ein längerer und sehr anstrengender Weg, und bis ganz hinauf sind es etwa 5-600 Höhenmeter. Endlich oben und nach Luft schnappend habe ich eine fantastische Sicht auf den Sveinstindur und das breite, sandige und vorgelagerte Tal, doch das der offizielle Weg geht. Es gibt sogar etwas Sonne und der Gipfel liegt frei. Recht klar und schnell entscheide ich mich, auf die Gipfelbesteigung zu verzichten. Vielleicht hatte ich von den 600 Höhenmetern schon genug? Die Entscheidung habe ich später sehr bereut.




    Traumhaft frei liegt der Gipfel des Sveinstindur



    Blick Richtung Langisjór



    Blick hinunter zur Skaftá


    Es zieht mich nun unwiderstehlich in Richtung Sveinstindur Hütte. Das wäre doch ein angenehmer Ort für eine Pause. Doch der Weg dahin zieht sich noch ganz schön in die Länge. Das hatte ich irgendwie näher in Erinnerung. Vor zwei Jahren bin ich hier im Regen gegangen und da habe ich wohl nicht so auf den Weg geachtet. Dann gabelt sich der Weg auch noch, etwas, das es vor 2 Jahren auch so nicht gab. Wo ist die Hütte?
    Ich gehe den Weg Richtung Skaftá, quere eine kleine Ebene und dann stehe ich hoch am Hang und sehe sie. Aber was ist das? Das Wasser der Skaftá steht unmittelbar vor beiden Gebäuden!
    Das ist nicht normal.




    Sveinstindur Hütte 2016



    2018



    2018


    Unten angekommen, betrete ich die Toiletten - Hütte. Das Wasser steht hier etwa knöchelhoch und eine Benutzung der Toilette ist unter diesen Umständen nicht möglich. In der eigentlichen Hütte ist niemand da. Auf dem Tisch im Innern finde ich ein einfaches, auf Englisch - handbeschriebenes DIN-A-4-Blatt, datiert vom 03.08.: Seit einigen Tagen findet ein Gletscher/Skaftálauf statt. Es gibt zahlreiche Überschwemmungen und unterwegs könnte der weitere Weg erschwert sein.
    …….erschwert sein, hmm, was auch immer das heißt und bedeuten könnte.
    Nun wird mir so langsam einiges klar. Das viele Wasser überall ist eben nicht normal.

    Skaftárlaup: Unter dem Eis des Vatnajökull gibt es einen / mehrere aktive Vulkan(e) und weitere, geothermal - aktive Zonen, die das Eis des Gletschers kontinuierlich abschmelzen. Dieses Schmelzwasser sammelt sich in zwei unter dem Eis befindlichen Schmelzkratern, von denen sich meistens einer etwa alle zwei Jahre, mehr oder weniger komplett, entleert und vorwiegend über die Skaftá abfließt. 2018 haben sich, nahezu gleichzeitig, beide Schmelzkrater entleert und zu einer Flut bisher unbekanntem Ausmaß geführt. Das zusätzlich gefährliche Element: Aus den Sedimenten werden große Mengen an Gasen freigesetzt. Diese ( Schwefeldioxid, Schwefelwasserstoff u. a. ) sind für Mensch und Tier schädlich, ja, sogar tödlich
    ( Schwefelwasserstoff ). Das Hochland im betroffenen Gebiet wurde teilweise evakuiert.

    Hier eine Meldung aus der Iceland review vom 09.08.18:

    Skaftá stellt neuen Rekord auf – Gletscherlauf beendet

    Beim Gletscherlauf der Skaftá ist die bislang grösste gemessene Wassermasse zu Tal gelaufen. Seit Beginn des Laufs am vergangenen Freitag strömten 500 Millionen Liter (500 Gigaliter) Wasser in Richtung Meer, berichtet mbl.is
    Aus den beiden Kratern liefen 436 Gigaliter, dazu kamen 65 Gigaliter aus dem normalen Wasser des Flusses um diese Jahreszeit.
    Beim letzten Gletscherlauf Im Jahr 2015 wurden 425 Gigaliter Gesamtmenge gemessen, damals liefen jedoch nur 365 Gigaliter aus dem Gletscher. Wie die Katastrophenschutzexpertin Hildur María Friðriksdóttir mbl.is gegenüber sagte, war man zu Beginn davon ausgegangen, dass der diesjährige Gletscherlauf kleiner ausfallen würde, weil sich weniger Wasser im westlichen Krater befand.
    In diesem Jahr haben sich jedoch zum ersten Mal beide Schmelzkrater gleichzeitig entleert, was zu den grossen Wassermassen geführt hat.
    Die Ringstrasse an der Eldhraun hatte gesperrt werden müssen, weil sie vom Wasser überschwemmt wurde. Inzwischen ist sie wieder für alle Fahrzeugarten befahrbar.
    Landwirte gehen davon aus, dass der Gletscherlauf das Leben von so einigen Schafen gefordert hat. Gísli Halldór Magnússon auf Ytri-Ásum sagt, entweder sind die Schafe ertrunken, oder im Schlamm verendet. Ihm sei es gelungen, einige seiner Schafe aus der Eldhraun zu retten.
    Das Wasser hatte einen grossen Anteil an Schlamm mitgeführt, welcher sich in den Hügeln der Eldhraun ansammelt und verfestigt.
    Auch am Múlakvísl am Mýrdalsjökull war vor zwei Tagen Wasser aus dem Gletscher zu Tal geströmt, dort hatte sich zeitweise ein starker Schwefelgeruch bemerkbar gemacht. Nach Angaben der Vulkanabteilung beim isländischen Wetterdienst haben die beiden Gletscherläufe nichts miteinander zu tun, es sei purer Zufall dass sie sich zeitgleich zutragen.

    Es ist bereits um die Mittagszeit und so nehme ich erst einmal eine Mahlzeit ein.
    Doch eine leichte Unruhe lässt mich schon bald aufbrechen.
    Den weiteren Weg kenne ich schon von 2016. Nach etwa 80 Minuten stehe ich wieder an dieser Abbruchkante und schaue hinunter……nein, das kann nicht sein…..das ganze Flusstal ist überschwemmt!




    2016



    Entlang der waterkant; Ausstieg links



    Zunächst Abstieg auf den Talgrund, es folgt eine kurze Furt


    Ich schaue mir das genau an und will auf jeden Fall einen größeren Umweg vermeiden. Mit den Augen suche ich mir einen Weg hinaus aus diesem Wasser - Chaos. Das sollte gehen, allerdings, wie komme ich da hinunter? Vermutlich mal wieder unnötigerweise, entscheide ich mich für die halsbrecherische Variante: Entlang des Cliffs, langsam absteigend, bis zum Talboden.
    Das Cliff besteht nur aus losem Mergel und somit droht permanent ein steiler und viel zu hoher Absturz. Was schon auf der Probestrecke und ohne Rucksack alles andere als ein Vergnügen war, ist mit Gepäck eine kleine Herausforderung. Unglaublich langsam bewege ich mich voran und noch langsamer komme ich dem Talboden näher. das ganze dauert bestimmt eine Stunde und länger, doch nach insgesamt 2 - 2,5 Stunden bin ich endlich unten: Puh.…….geschafft!
    Der weitere Weg ist dann fast schon banal einfach: Einen kleinen Fluß furten, dann entlang der waterkant ( Wasserkante ) und finaler Ausstieg über einen steilen Canyon.
    Dort, wo der Canyon - Ausstieg beginnt, findet sich dann - wie zur nachträglichen Bestätigung: Ein Holzpflock, der Hinweis, dass hier tatsächlich der offizielle Weg hinausführt!




    Holzpflock und Blick zurück



    Ausstieg durch den recht steilen Canyon


    Nachdem ich mich aus dem Canyon herausgearbeitet habe, kann ich den weiteren Weg noch eine Weile - von Pflock zu Pflock - verfolgen, dann ist nach etwa einem halben Dutzend Schluß.
    Inzwischen hat der Wind erheblich aufgefrischt und es bläst ganz gehörig um meine Ohren. Da es bereits später Nachmittag ist, wird es so langsam Zeit, nach einem Nachtlager zu schauen. Die Ränder des Sees, am Fuße der Uxatindar, sind, auf längere Sicht, am besten dafür geeignet.
    Dann sehe ich den See und erkenne sofort, dass einen direkter Abstieg hinunter unnötig ist, denn auch hier ist alles großflächig überschwemmt.
    Ein Foto mache ich nicht mehr davon, da der Wind gerade dafür sorgt, dass ich besseres zu tun habe.




    Uxatindar mit See, 2016


    Ich umgehe die Überschwemmung großzügig und gerate in eine grünes, liebliches Seitentälchen.
    Für Trinkwasser ist gesorgt, doch das beste ist die relativ windgeschützte Lage. Hier bleibe ich für die Nacht und errichte mein Camp. Um den weiteren Weg kümmere ich mich morgen.
    Der Wind tobt die ganze Nacht, aber ich, in meinem Zelt, bekomme davon nur wenig mit.




    Camp 8, am anderen Morgen



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  4. Erfahren

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    AW: [IS] Solo - Allir góðir hlutir eru þrír - Im Skaftárhlaup und andere Überras

    #44
    Wow! Spannend und super-schöne Bilder – das "Uxatindar" gefällt mir ganz besonders!
    www.lustwandler.at
    Trekking in Schweden, Norwegen und Island
    Letzte Tour: Gränsleden – Nordkalottleden – Narvikfjell (Ritsem – Riksgränsen)

  5. Fuchs
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    AW: [IS] Solo - Allir góðir hlutir eru þrír - Im Skaftárhlaup und andere Überras

    #45
    Zitat Zitat von bourne Beitrag anzeigen
    Wow! Spannend und super-schöne Bilder – das "Uxatindar" gefällt mir ganz besonders!
    Ahoi bourne,

    vielen Dank. Ja, das Uxatindar ist schon eine faszinierende Gegend. Blackteah hats dort auch sehr gefallen.
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  6. Erfahren

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    AW: [IS] Solo - Allir góðir hlutir eru þrír - Im Skaftárhlaup und andere Überras

    #46
    Super schön! Und faszinierend der Gletscherlauf mit den Fotos aus beiden Jahren - danke!

  7. Dauerbesucher
    Avatar von blackteah
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    AW: [IS] Solo - Allir góðir hlutir eru þrír - Im Skaftárhlaup und andere Überras

    #47
    Beeindruckend, diese Wassermassen. Und wirklich schön deine Vergleichsfotos. Jetzt hast du die Skaftja ja bald hinter dir gelassen, bin schon gespannt inwieweit die Uxatindar und die Furt bei Skaelingar beeinflusst sind.
    Aber schade, dass der Bericht bald vorbei ist, freu mich immer wenns was neues zu lesen und zu gucken gibt

  8. Fuchs
    Avatar von evernorth
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    AW: [IS] Solo - Allir góðir hlutir eru þrír - Im Skaftárhlaup und andere Überras

    #48
    07.08.18


    Im Sturm


    Die ganze Nacht über hat es ordentlich geblasen, doch in meinem Seitental habe ich davon nur wenig mitbekommen. Ich hatte somit eine eher ruhige und erholsame Nacht.
    Nach meiner Morgenroutine breche ich zeitig auf. Ich steige aus dem Seitentälchen auf und gewinne schnell an Höhe. Dabei halte ich Ausschau nach einem abwärts abfallenden Tal, oder Canyon, das / der mich, möglichst hinter den zu umgehenden See, und hinunter, zurück auf meinen Weg führt. Meine erste Wahl erweist sich schnell als Sackgasse, denn ich stehe unvermittelt vor einem fast senkrechten, tiefen Abbruch. Ich mache kehrt und finde einen anderen, diesmal sanft abfallenden Canyon. Schon nach kurzem Abstieg komme ich an der perfekten Stelle heraus.




    Hier geht´s lang.....



    Fast am Ende des Tales und kurz vor der Wege - Einmündung



    Spannendes, tief - schwarzes Lava - Gestein



    Die gewaltige Wasserfläche des umgangenen Sees


    Ab nun ist der weitere Weg einfach und der Pfad gut zu verfolgen und größtenteils sogar markiert.
    Obwohl es weiterhin kräftig bläst, bin ich hier unten, immer parallel zu einem Bach, dem Wind praktisch nie ausgesetzt - sehr angenehm.




    2016



    Hier geht es durch.....(2016)



    Der Bach muss immer wieder überquert werden











    Alle Fotos von 2016


    Das ändert sich erst, als ich auf den Jeep - Track stoße, dem ich ein kurzes Stück ( etwa 2 km ) folgen muss. Hier, frei auf der Höhe, schlägt der sehr stürmische Wind erbarmungslos zu.
    Es wird Zeit, den Jeep - Track wieder zu verlassen, und hinab in ein tiefer gelegenes Tal zu steigen. Grob parallel zum Jeep - Track verläuft nun mein Weg in einem lieblichen, grünen Tal, durch das ein Bach fließt.




    Hier geht es hinunter.....(2018)



    2016



    2016


    Es ist früher Nachmittag, als ich die Hütte Skærlingar erreiche. Hier mache ich in der Hütte eine windgeschützte Mittagspause. Die ganze Zeit über wackelt das Dach der Hütte mit lautem Getöse.




    Hütte Skærlingar, 2016



    Bei Skærlingar, 2016






    Eigentlich bin ich nun bereits kurz vor meinem anvisierten Camp 9, das ich vor 2 Jahren in sehr angenehmer Erinnerung habe, aber ich sehe noch die Möglichkeit, den Bus ( am am Ende der Eldgjá - Schlucht ) gegen 19 Uhr zu erreichen. Dann könnte ich heute noch, gegen 22 Uhr, auf dem CP in Kirkjubæjarklaustur sein. Das ist Motivation genug und so will ich es versuchen. Wenn es nicht klappt…..auch nicht wild, dann findet sich schon ein anderer Übernachtungsplatz.
    Ich überquere problemlos die Furt hinter der Hütte, bei normalem Wasserstand.
    Rasch passiere ich nach kurzer Zeit die Stelle, an der ich eigentlich die Nacht verbringen wollte.
    Als ich aus den tieferen Lagen herauskomme, erfasst mich mit aller Macht der Sturmwind, der nun für die nächsten 2-3 Stunden vornehmlich von rechts drückt.
    An der höchsten Stelle ( und bereits in Sichtweite der Eldgjá - Schlucht ) führt der Weg dorthin weiter etwas hangaufwärts. In den stärksten Böen komme ich nicht gegen den Wind an, und der drückt und schiebt mich immer weiter in Richtung eines Jeep - Tracks.
    Der Kampf ist vergeblich - ich lande weiter unterhalb meines eigentlichen Weges direkt auf dem Jeep - Track. Zu meiner großen Verwunderung ist es hier - sehr abrupt - relativ windstill.
    Schaffe ich es jetzt überhaupt noch, rechtzeitig zum Bus zu kommen? Mir kommen ernste Zweifel, da ich nicht weiss, wie viel länger ich auf der Piste brauche.
    Ich versuche, weglos im Gelände abzukürzen, aber das erweist sich schnell als sinnlos, weil sich schnell querführende, kleine Gelände - Rinnen zeitverzögernd in den Weg stellen. Dann also wieder zurück auf die Piste. Mittlerweile geht es schon auf 18 Uhr zu und mir wird klar, dass ich den Bus heute nicht mehr erreichen kann. In den nächsten 90 Minuten habe ich ein wachsames Auge auf die von rechts herabziehenden Rinnen. In so einer Rinne müsste es doch relativ windgeschützt sein? Darf nur noch ein Bach durch die Rinne fließen……dann wäre es perfekt.
    Etwa gegen 19.30 Uhr biege ich in so eine Rinne ein, die direkt bis zur Piste hinunter führt. Der Platz ist ideal; ein Bach ist direkt dabei. Ich finde bereits hier unter, in direkter Nähe der Piste, einen ebenen und relativ windgeschützten Platz.
    Nachdem das Zelt steht und sich nur mäßig im Wind bewegt, bin ich doch dankbar, an diesen Ort geführt worden zu sein. Besser hätte es nicht mehr kommen können, auch, wenn ich ursprünglich
    heute Abend in Kirkjubæjarklaustur sein wollte.
    Ich habe mich schon oft gewundert, wie ich manchmal zu meinen Übernachtungsplätzen gekommen bin. Nicht ich habe den Platz gewählt, nein, der Platz hat mich gewählt, beziehungsweise hat mich magnetisch zu sich hingezogen. Die manchmal aufkommende, leichte Enttäuschung habe ich mir längst abgewöhnt, denn immer war es perfekt und richtig so.

    Nachdem ich mich eingerichtet und gegessen habe, genieße ich meinen windgeschützten Platz und beende den windbewegten Tag mit einen guten Schluck schottischen single malt.




    Etwa 200 Meter entfernt die Piste, doch ein Fahrzeug fuhr nicht vorbei



    Camp 9


    08.08.18


    Die Nacht war - ganz wie erhofft - relativ ruhig in meiner windgeschützten Rinne. Gegen 9 Uhr breche ich auf und laufe weiter auf der Piste. Der Sturm hat deutlich nachgelassen.
    Nach etwa einer Stunde erreiche ich den südlichen Rand der Eldgjá - Spalte.




    Eldgjá / Besucher - Zentrum



    Eldgjá - Spalte; Blick nach Norden


    Etwa 15 Minuten später erreiche ich das Besucherzentrum und treffe hier die ersten Menschen nach meinem Tour - Beginn vor knapp 9 Tagen. Kurze Pause, weil ich stramm marschiert bin, dann gehe ich weiter. Den ersten Streckenabschnitt kenne ich noch gut von meiner 2016er Tour, doch nach dem Queren der F208 gibt es etwas Neues. Während ab hier der Weg nach Hólaskjól vor
    2 Jahren sehr wage blieb und ich mich sehr an meinen allgemeinen Orientierungssinn anschließen musste, ist die Strecke nach Hólaskjól frisch mit Holzpflöcken markiert. Im Allgemeinen folgt der Weg der F208, driftet aber immer wieder etwas weiter von der Piste ab, ohne größere Umwege zu machen - sehr schön. Gegen 13 Uhr erreiche ich Hólaskjól und bin am Ziel.




    Am Ziel


    Auf dem Platz nehme ich als erstes Kontakt mit dem weiblichen warden auf. Nachdem wir uns eine Weile angeregt unterhalten haben, und sie mir bestätigt hat, dass der Bus aus Landmannalaugar gegen 19 Uhr eintreffen wird, frage ich noch nach einer Dusche. Ich bezahle eine ( freiwillige? ) Gebühr und gönne mir dann eine ausgiebige und erfrischende Körperreinigung. Wie neugeboren fühle ich mich danach und das Mittagessen schmeckt dann nochmal so gut. Die meiste Zeit bin ich in der großen Unterkunft ganz alleine. Erst am späten Nachmittag platzt eine sechsköpfige, schweizer Gruppe mit riesigen Rollkoffern in die Stille. Sie finden es praktischer, als mit einem Rucksack. Nun ja, jeder, wie es ihm beliebt.
    Ich lasse mir viel Zeit, lade meine elektronischen Geräte, trinke einen Tee, dann noch einen Kaffee, lese und verbringe viel Zeit mit Müßiggang. Am Ende sind es immer noch 90 Minuten bis zum Eintreffen des Busses. Etwa 30 Minuten vorher mache ich mich auf den Weg zum Vorplatz vor der großen Hütte. 30, 40 Minuten vergehen, doch kein Bus biegt um die Ecke. Nach weiteren 20 Minuten Wartezeit werde ich zusehens unruhig. Interessanterweise schaut nun auch der weibliche warden etwas ratlos zu mir hinüber. Da sehe ich den Fahrplan im Aushang, schaue mal drauf und stutze: Da steht etwas von 3x die Woche: Di., Do. und Sa. Hmm……heute ist aber Mittwoch……Mist, heute kommt gar kein Bus.
    Ich wechsle noch ein paar Worte mit dem warden, und sie bestätigt mir, dass der Bus nur noch 3x die Woche fährt. Das war im Vorjahr 2017 noch ganz anders, denn da fuhr der Bus täglich.
    Dann erzählt sie mir noch, dass gerade eine größere Gruppe Ranger eingetroffen ist. Sie tauschen sich gerade aus, um die neuesten Erkenntnisse zum diesjährigen Skaftárhlaup auf den Stand zu bringen. Mit einem Ranger hatte ich mich vorhin schon unterhalten. Er meinte, dass ich am Langisjór, wegen der giftigen Gase, sehr viel Glück gehabt habe.
    Nun hänge ich hier fest, denn die meisten Fahrzeuge fahren ins Hochland hinein und niemand fährt in Richtung Ringstraße / Kirkjubæjarklaustur. Der nächste Bus kommt aber erst am Donnerstag abend, aber so lange will ich nicht warten. Die Lösung sind die Ranger und in einem ihrer Fahrzeuge ist noch ein Platz frei. Um 9 Uhr soll ich an der großen Hütte sein.
    Dann baue ich mein Zelt auf; windgeschützt hinter einem Lava - Wall. Nach dem Abendessen, bei dem ich feststelle, dass meine Vorräte schon fast aufgebraucht sind, beende ich den Tag mit Lesen im Zelt und - zur Feier des Tour - Abschluss - Tages - mit einem letzten Schluck single malt.
    Danach…..Flasche leer.

    Es folgt noch der…..Epilog.
    Ausgetretene Pfade sind die sichersten, aber es herrscht viel Verkehr. Ergo: Wer neue Wege gehen will, muss alte Pfade verlassen.

  9. Anfänger im Forum

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    AW: [IS] Solo - Allir góðir hlutir eru þrír - Im Skaftárhlaup und andere Überras

    #49
    Schöner Bericht – vielen Dank. Besonders die Bilder von der Sveinstindur-Hütte mit dem Hochwasser fand ich sehr spannend.

    Zitat Zitat von evernorth Beitrag anzeigen

    An der höchsten Stelle ( und bereits in Sichtweite der Eldgjá - Schlucht ) führt der Weg dorthin weiter etwas hangaufwärts. In den stärksten Böen komme ich nicht gegen den Wind an, und der drückt und schiebt mich immer weiter in Richtung eines Jeep - Tracks.
    Der Kampf ist vergeblich - ich lande weiter unterhalb meines eigentlichen Weges direkt auf dem Jeep - Track. Zu meiner großen Verwunderung ist es hier - sehr abrupt - relativ windstill.
    Schaffe ich es jetzt überhaupt noch, rechtzeitig zum Bus zu kommen? Mir kommen ernste Zweifel, da ich nicht weiss, wie viel länger ich auf der Piste brauche.
    Ich versuche, weglos im Gelände abzukürzen, aber das erweist sich schnell als sinnlos, weil sich schnell querführende, kleine Gelände - Rinnen zeitverzögernd in den Weg stellen. Dann also wieder zurück auf die Piste.
    Könntest du mir bitte noch einmal erklären wo genau dieser Weg ist? Bist du auf der Grabenschulter der Eldgjá in Richtung F208 gelaufen? Wenn ich deiner Beschreibung richtig folge, dann bist du nicht in die Eldgjá-Schlucht hinabgestiegen (so wie es auch im Wanderführer beschrieben ist). Dort wäre es doch sicherlich windgeschützter und nicht so stürmisch gewesen. Oder doch?

    Uwe

  10. Fuchs
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    AW: [IS] Solo - Allir góðir hlutir eru þrír - Im Skaftárhlaup und andere Überras

    #50
    Zitat Zitat von UG Beitrag anzeigen
    Schöner Bericht – vielen Dank. Besonders die Bilder von der Sveinstindur-Hütte mit dem Hochwasser fand ich sehr spannend.


    Könntest du mir bitte noch einmal erklären wo genau dieser Weg ist? Bist du auf der Grabenschulter der Eldgjá in Richtung F208 gelaufen? Wenn ich deiner Beschreibung richtig folge, dann bist du nicht in die Eldgjá-Schlucht hinabgestiegen (so wie es auch im Wanderführer beschrieben ist). Dort wäre es doch sicherlich windgeschützter und nicht so stürmisch gewesen. Oder doch?

    Uwe
    Moin Uwe,

    nein, auf der Grabenschulter bin ich diesmal nicht gelaufen. Der Plan war in der Tat, in die Eldgjá-Schlucht hinabzusteigen, auch, um dem starken Wind zu entgehen.
    Die Piste, zu der mich der besonders starke Sturm gedrängt hatte, ist in der Karte ( Atlaskort No.15 ) nicht näher bezeichnet. F223? Die Bezeichnung finde ich genau einmal, oder ist das nur das kurze Stück hinein bis zum Besucherzentrum?
    Ich werde aus der Karte auch nicht recht schlau. Oft sind die isländischen Karten auch ungenau oder veraltet.
    Ausgetretene Pfade sind die sichersten, aber es herrscht viel Verkehr. Ergo: Wer neue Wege gehen will, muss alte Pfade verlassen.

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    AW: [IS] Solo - Allir góðir hlutir eru þrír - Im Skaftárhlaup und andere Überras

    #51
    und eine tiefe verbeugung!

    vielen dank für den bericht, auch schon vorab ohne den epilog.
    danobaja
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  12. Anfänger im Forum

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    AW: [IS] Solo - Allir góðir hlutir eru þrír - Im Skaftárhlaup und andere Überras

    #52
    Zitat Zitat von evernorth Beitrag anzeigen
    nein, auf der Grabenschulter bin ich diesmal nicht gelaufen. Der Plan war in der Tat, in die Eldgjá-Schlucht hinabzusteigen, auch, um dem starken Wind zu entgehen.
    Die Piste, zu der mich der besonders starke Sturm gedrängt hatte, ist in der Karte ( Atlaskort No.15 ) nicht näher bezeichnet. F223? Die Bezeichnung finde ich genau einmal, oder ist das nur das kurze Stück hinein bis zum Besucherzentrum?
    Ich werde aus der Karte auch nicht recht schlau. Oft sind die isländischen Karten auch ungenau oder veraltet.
    Ja, die isländischen Karten sind nicht immer ganz genau, obgleich sie sich gegenüber den alten Karten schon verbessert haben. Allerdings ist der Maßstab der Karten mit 1:100.000 auch nicht besonders gut als Wanderkarte geeignet. Da sind die 1:50.000 - Karten in dem Wanderführer bei weitem besser.

    Wie du richtig vermutest, ist die F223 nur eine Stichstraße, welche von der F208 abzweigt und nach etwa 1 km am Besucherparkplatz endet. Keine Ahnung warum die Isländer dieser kleinen Piste eine Nummer gegeben haben. Eine weitere Piste, die etwas weiter südlich von der F223 abzweigt, besitzt keine Nummer. Sie führt steil bergauf auf die Graben-Schulter der Eldgjá. Sie teilt sich wenig später noch einmal. Die obere Piste führt weiter auf der Graben-Schulter der Eldgjá entlang und endet irgendwann. Die andere Piste führt zunächst wieder steil bergab. Anschließend macht sie eine Linkskurve und führt parallel zur Eldgjá in nordöstliche Richtung zur Skælingar-Hütte. Beide Pisten bin ich mal entlang gewandert und fand sie nicht besonders sehenswert, weshalb ich mich immer wieder für den Wanderweg in der Schlucht entscheiden würde.
    In der von dir erwähnten Karte führt der Wanderweg (gestrichelte und mit gelber Farbe hinterlegte Linie) in die Eldgjá hinein und verläuft anschließend durch die Schlucht, vorbei am Wasserfall Ófærufoss und weiter bis zum Besucherzentrum/Parkplatz. Dort verlaufen die Piste F223 und der Wanderweg zusammen bis zur F208.

    Letztendlich ist es auch nicht so wichtig. Ich war einfach nur neugierig, weil ich den von dir beschriebenen Weg nicht folgend konnte. Also, trotzdem vielen Dank nochmal für deinen Bericht und die tollen Fotos. Es ist immer wieder schön von dieser großartigen Gegend zu lesen, egal wie oft man selber dort gewesen ist.

    Uwe

  13. Fuchs
    Avatar von evernorth
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    AW: [IS] Solo - Allir góðir hlutir eru þrír - Im Skaftárhlaup und andere Überras

    #53
    Zitat Zitat von danobaja Beitrag anzeigen
    und eine tiefe verbeugung!

    vielen dank für den bericht, auch schon vorab ohne den epilog.
    Es freut mich, wenn es dir gefallen hat. Vielen Dank.

    Du hast ja auch schon die eine, oder andere, spannende Geschichte erzählt. Da kann ich mich ja auch gleich mal als interessierter Mitleser outen.
    Ausgetretene Pfade sind die sichersten, aber es herrscht viel Verkehr. Ergo: Wer neue Wege gehen will, muss alte Pfade verlassen.

  14. Erfahren
    Avatar von Blahake
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    #54
    Zitat Zitat von evernorth Beitrag anzeigen
    Es folgt noch der…..Epilog.

  15. AW: [IS] Solo - Allir góðir hlutir eru þrír - Im Skaftárhlaup und andere Überras

    #55
    Zitat Zitat von Blahake Beitrag anzeigen
    Da mach ich mit
    So möchtig ist die krankhafte Neigung des Menschen, unbekümmert um das widersprechende Zeugnis wohlbegründeter Thatsachen oder allgemein anerkannter Naturgesetze, ungesehene Räume mit Wundergestalten zu füllen.
    A. v. Humboldt.

  16. Fuchs
    Avatar von evernorth
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    AW: [IS] Solo - Allir góðir hlutir eru þrír - Im Skaftárhlaup und andere Überras

    #56
    Zitat Zitat von UG Beitrag anzeigen
    Ja, die isländischen Karten sind nicht immer ganz genau, obgleich sie sich gegenüber den alten Karten schon verbessert haben. Allerdings ist der Maßstab der Karten mit 1:100.000 auch nicht besonders gut als Wanderkarte geeignet. Da sind die 1:50.000 - Karten in dem Wanderführer bei weitem besser.

    Wie du richtig vermutest, ist die F223 nur eine Stichstraße, welche von der F208 abzweigt und nach etwa 1 km am Besucherparkplatz endet. Keine Ahnung warum die Isländer dieser kleinen Piste eine Nummer gegeben haben. Eine weitere Piste, die etwas weiter südlich von der F223 abzweigt, besitzt keine Nummer. Sie führt steil bergauf auf die Graben-Schulter der Eldgjá. Sie teilt sich wenig später noch einmal. Die obere Piste führt weiter auf der Graben-Schulter der Eldgjá entlang und endet irgendwann. Die andere Piste führt zunächst wieder steil bergab. Anschließend macht sie eine Linkskurve und führt parallel zur Eldgjá in nordöstliche Richtung zur Skælingar-Hütte. Beide Pisten bin ich mal entlang gewandert und fand sie nicht besonders sehenswert, weshalb ich mich immer wieder für den Wanderweg in der Schlucht entscheiden würde.
    In der von dir erwähnten Karte führt der Wanderweg (gestrichelte und mit gelber Farbe hinterlegte Linie) in die Eldgjá hinein und verläuft anschließend durch die Schlucht, vorbei am Wasserfall Ófærufoss und weiter bis zum Besucherzentrum/Parkplatz. Dort verlaufen die Piste F223 und der Wanderweg zusammen bis zur F208.

    Letztendlich ist es auch nicht so wichtig. Ich war einfach nur neugierig, weil ich den von dir beschriebenen Weg nicht folgend konnte. Also, trotzdem vielen Dank nochmal für deinen Bericht und die tollen Fotos. Es ist immer wieder schön von dieser großartigen Gegend zu lesen, egal wie oft man selber dort gewesen ist.

    Uwe
    Ahoi Uwe,

    ich bin letztlich auf die Piste geraten, die dann weiter zur Skærlingar-Hütte führt, nur halt in die Gegenrichtung.
    Es freut mich, wenn es auch dir gefallen hat. Vielen Dank.
    Ausgetretene Pfade sind die sichersten, aber es herrscht viel Verkehr. Ergo: Wer neue Wege gehen will, muss alte Pfade verlassen.

  17. Fuchs
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    AW: [IS] Solo - Allir góðir hlutir eru þrír - Im Skaftárhlaup und andere Überras

    #57
    09.08.18


    Back to civilization


    Pünktlich um 9 Uhr verlade ich meinen Rucksack im Gepäckraum des Geländewagens.
    Wir sind zu dritt im Fahrzeug, das von einer ausgesprochen taffen Rangerin gefahren wird. Die beiden Ranger - Mann und Frau - sitzen vorne und die Unterhaltung verläuft die meiste Zeit zwischen den beiden Rangern.
    Auf einem Farmhof ist die Fahrt in Richtung Klaustur vorrübergehend zu Ende. Hier verlässt uns der männliche Ranger, der dort sein privates Fahrzeug abgestellt hatte.
    Anschließend setzen wir unsere Fahrt zu zweit fort, und ich wechsele nach vorne, auf den Beifahrer - Sitz.
    Die Rangerin erzählt, dass sie den Sommer über in einer Hütte allein in den Bergen lebt. Etwa alle 8-10 Tage kommt sie zurück nach Klaustur, wo sie auch im Winter lebt. Nein, Familie, Kinder hat sie nicht, erzählt sie, auch keinen Freund. Sie genießt das Leben in den Bergen, das genügt ihr vollkommen. Taff, wie ich schon sagte.
    Sie will mich beim CP absetzen, doch ich bitte sie, mich zum Bushalteplatz zu fahren. Hier gibt es ein gutes Schnellrestaurant und da ich noch nicht gefrühstückt habe, will ich das hier ausgiebig nachholen - herrlich.
    Den Nachmittag verbringe ich noch auf dem CP in Kirkjubæjarklaustur und am nächsten Tag fahre ich noch zum Runterkommen auf den Skaftafell - NP / CP.


    Epilog


    " Ich finde es toll, dass du so ausdauernd dran geblieben bist ", schrieb mir eine gute Freundin nach der Tour.
    Das trifft es vielleicht am besten und ich empfinde Glück, Genugtuung und Dankbarkeit dabei/darüber, dass ich diese wunderbare Tour letztlich mit Erfolg vervollständigen durfte.

    Allir góðir hlutir eru þrír - Alle guten Dinge sind drei.

    Wetterglück und zahlreiche Schutzengel gehörten jedenfalls auch zu meinem " Team " und auf die eine, oder andere Herausforderung hätte ich gerne verzichten können.
    Wenn ich heute, viele Monate danach, an die Zeit zurückdenke, überkommt mich bereits wieder eine tiefe Sehnsucht nach dieser überwätigenden, traumhaften Insel.
    Ich bin (freiwillig) ein bischen verloren und dagegen bin ich machtlos.
    Island wird für immer in meinem Herzen sein.
    Ich werde zurückkehren, keine Frage.

    2019, also dieses Jahr, werde ich meinen Fuß/meine Füsse nicht auf die Insel setzen.
    Ich habe das Jahr zum " Schwedenjahr " erklärt.
    Gleich 2x im Jahr werde ich dort unterwegs sein: Zu Wasser (hört, hört) und zu Lande (und aus der Luft?).
    Das wird fantastisch und.....ich werde berichten.




    Fin
    Geändert von evernorth (17.03.2019 um 17:45 Uhr) Grund: Fehler-Korrektur
    Ausgetretene Pfade sind die sichersten, aber es herrscht viel Verkehr. Ergo: Wer neue Wege gehen will, muss alte Pfade verlassen.

  18. Erfahren
    Avatar von Blahake
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    AW: [IS] Solo - Allir góðir hlutir eru þrír - Im Skaftárhlaup und andere Überras

    #58
    Danke für den (mal wieder) wundervollen Bericht! Soo schön, die Bilder von Deinem roten Zelt im isländischen Grün! Und die Vergleichsbilder 2016/2018 sind superklasse!
    Schweden zu Wasser? Gehst Du Packraften? Bin sehr gespannt, was Du berichten wirst!

  19. AW: [IS] Solo - Allir góðir hlutir eru þrír - Im Skaftárhlaup und andere Überras

    #59
    DANKE!!!
    So möchtig ist die krankhafte Neigung des Menschen, unbekümmert um das widersprechende Zeugnis wohlbegründeter Thatsachen oder allgemein anerkannter Naturgesetze, ungesehene Räume mit Wundergestalten zu füllen.
    A. v. Humboldt.

  20. Fuchs
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    AW: [IS] Solo - Allir góðir hlutir eru þrír - Im Skaftárhlaup und andere Überras

    #60
    Blahake und Mika: Gerne!

    Aye, Packraft!
    Geändert von evernorth (17.03.2019 um 20:44 Uhr) Grund: ergänzt
    Ausgetretene Pfade sind die sichersten, aber es herrscht viel Verkehr. Ergo: Wer neue Wege gehen will, muss alte Pfade verlassen.

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